Die Männer-Fußballtrainerin Melanie Fink

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(c) Heinrich-Böll-Stiftung:  fussball-ist-unser-leben-1717.jpg  (CC BY-SA 2.0)

Melanie Fink ist seit dieser Saison neue Co-Trainerin im Männerfußballverein SSV Mörsch. Die Autorin Lilith fand heraus, wie Melanie Fink zum Fußball kam und wie sie die Rolle von Frauen im Männersport sowie den Frauenfußball allgemein wahrnimmt. Ein Bericht über eine Frau in der Verbandsliga – im Fußballsport ist das ein Novum!

Melanie Fink lebt in Karlsruhe und studiert dort Sport – doch sie hält sich gar nicht so viel in Karlsruhe auf. Denn in jeder freien Minute verschlägt es sie auf den Fußballplatz – nach Hoffenheim und seit dieser Saison auch nach Mörsch. Denn die 21-Jährige trainiert seit Juli neben Cheftrainer Dietmar Blicker die Männermannschaft in der Verbandsliga. Eine gelungene Möglichkeit, zu lernen, die sich nicht jeder jungen Fußballtrainerin bietet, so Melanie Fink. „Ich kann durch die Zusammenarbeit mit ihm sehr viel Erfahrung sammeln“. Als Dozent am KIT war Dietmar Blicker auf die Sportstudentin aufmerksam geworden. Nach einigen Gesprächen, erkannte er, „dass ich ziemlich viel Ahnung vom Fußball habe“, so erinnert sich Melanie. Der SSV Mörsch war gerade auf der Suche nach einem Co-Trainer und Melanie hatte bereits ihre Trainer – B-Lizenz während eines Praktikums nach dem Abitur absolviert. Die Zusammenarbeit bot sich also ideal an.

Die 21-Jährige begann mit 16 Jahren beim FFC Niederkirch zu spielen. Zuvor hatte sie bereits viel auf der Straße gekickt, hauptsächlich aber Tennis gespielt und Garde getanzt. „Es gab keinen Verein bei uns im Dorf und meine Eltern erklärten sich nicht dazu bereit, mich jeden Tag herumzufahren. Ab 16 kam ich dann mit der Wesper nach Niederkirch“.

Schnell zeigte sich ihr Talent. Melanie Fink durfte bereits nach einem halben Jahr mit zum DFB Sichtungsturnier. Weitere Erlebnisse wie ein Spiel gegen die Nationalmannschaft der Frauen von Katar, und die Teilnahme an Spielen des Kaders der zweiten Bundesliga folgten. Seit ihrem Studienbeginn in Karlsruhe schloss sie sich der Frauenmannschaft des KSC an.

Der Grund, weshalb sie es nun schafft ihre Arbeit in Hoffenheim, bei der sie das männliche Perspektivteam U11 trainiert und die neue Beschäftigung in Mörsch unter einen Hut bekommt, ist jedoch traurig. Im vergangenen Herbst verletzte sie sich schwer. Mehrmaliger Meniskusriss, Kreuzbandanriss. Erst zwei Monate später wurde sie operiert, die Verletzung verheilte nicht wie geplant und es folgten fast 12 Monate erzwungene sportfreie Zeit. Nun hatte ihr Meniskus fast vollständig entfernt werden müssen. Ihr Studium muss sie um zwei Semester verlängert. Aber dies ist eher Nebensache. „Der erste Gedanke, den ich hatte war: Nein. Jetzt kann ich gar nicht mehr richtig kicken!“ Als festes Mitglied einer Mannschaft wird sie vermutlich in Zukunft nie mehr fungieren. Sehr früh, seine Karriere im Sportbereich mit 21 an den Nagel hängen zu müssen. Normalerweise hört man als Fußballerin nicht vor 30 auf. Doch die Trainertätigkeit tut Melanie Fink gut. „Die nahe Arbeit am Platz bringt mir das Fußballgefühl zurück. Mir macht es wirklich Spaß, mein Wissen an andere weiterzugeben. Als Spielerin habe ich nur auf meinen Trainer gehört – jetzt analysiere ich Spiele, entwickle neue Spielstrategien – in einem Zimmer hängt sogar eine Taktikwand.“

Und – welche Pläne hat sie für die Zukunft? „Gerade weil ich so jung bin, möchte ich alles mitnehmen“. Melanie Fink erzählt mir, dass sie gerne in so vielen Positionen wie möglich arbeiten und Erfahrungen sammeln, von Profis lernen und selbst ausprobieren möchte. Am liebsten würde sie nach ihrem Sportstudium einen Beruf im Fußball mit Platznähe ergreifen. Als Trainerin sei es laut ihr jedoch schwierig. Man wechsele viel zu häufig – „Ich weiß nicht, ob mir dies ausreichend Sicherheit in meiner Lebenskonzeption geben würde. Die Verträge beziehen sich immer erst einmal auf eine Saison“. Eine Arbeitsstelle in einer Reha Klinik könnte sie sich jedoch auch vorstellen, wie sie während eines Praktikums herausfand. Gerade wenn man Sport studiert, müsse man sich frühzeitig um Berufsperspektiven kümmern, so Melanie.

Auf die Frage, welche Rolle sie den Frauen im Fußball anmaßt, kommt eine lange Antwort. Zum einen hat der Frauenfußball eine ganz andere Struktur. Er ist viel weniger professionalisiert – alleine schon aufgrund der schlechten Finanzlage. „Im Männerfußball zählt man bereits als Profi, wenn man es in die zweite Bundesliga geschafft hat. Frauen haben teilweise selbst in der ersten Bundesliga noch Berufe nebenher, weil das Gehalt nicht ausreicht. Da kann man nicht erwarten, dass sie genau so viel trainieren“. Dass gerade diese Gründe dafür gesorgt haben, dass sie selbst im Alter von 16 noch eine Fußballkarriere starten konnte, streitet sie nicht ab. „Jungs spielen in diesem Alter schon ganz oben mit. Oft werden sie mit 12 ausgewählt und unterschreiben Verträge bei Vereinen, besuchen Internate… . Sie werden bereits viel früher unter die Lupe genommen. Als Junge hätte ich im Alter von 16 ganz sicher nicht mehr in einen Dorfverein hineinstolpern und im Fußballsport erfolgreich sein können.“

Warum sie nun als Frau in einem Männerverein trainiert? „Ich habe durchaus auch schon Mädchenmannschaften trainiert. Besonders Auswahlmannschaften und bei Sichtungsturnieren.“ Im Männerfußball müsse man sich gerade aufgrund der Professionalisierung jedoch um viel weniger kümmern, erläutert mir die 21-Jährige. Während einem als Trainerin bei den Frauen die Rolle der Allrounderin zukommt, die sich oftmals alleine um alles kümmern muss, kann man sich im Männerfußball auf die Trainertätigkeit konzentrieren. Natürlich gebe es auch Leistungszentren, ergänzt Melanie. Diese seien jedoch deutlich seltener und selbst dann oftmals nicht so professionell wie bei Jungs. Darüber hinaus liebt sie die Dynamik im Männerfußball, wodurch ihr das Trainerdasein umso mehr Spaß bereitet. Und – „In Mörsch und Hoffenheim bieten sich mir nun super Chancen. Das nicht zu nutzen wäre eine Verschwendung gewesen“.

Insgesamt meint sie, dass sich in Bezug auf die Thematik der Frauenrolle im Fußballsport bereits einiges verändert. „Es gibt wenigstens schon eine Frau, die bei den Männern in den oberen Ligen pfeift“. Ihr Wunsch? „Dass die Gesellschaft den Frauenfußball akzeptiert und nicht abwertend betrachtet“. Ob sie damit bereits schlechte Erfahrung gemacht hat?

„Meine Eltern haben mein Hobby zwar nicht unterstützt, sie haben es aber auch nicht abgelehnt. Meine Nachbarn fanden es cool. Insgesamt habe ich selber noch eher weniger Ablehnung erlebt, habe aber umso mehr negative Geschichten von Freundinnen und Bekannten mitbekommen“

Auf meine Nachfrage ergänzt sie: „Klar, man hört schon ab und an abwertende Kommentare, die auch wirklich verletzten können. Mir war das aber oftmals egal – um mich dadurch abschrecken zu lassen, war meine Leidenschaft viel zu groß. Ich wollte einfach kicken, egal was die anderen davon halten. Und in Mörsch und Hoffenheim z.B. ist das gar keine Frage. Ich werde dort vollkommen akzeptiert.“ Nach einigem Nachdenken ergänzt sie. „Aber irgendwie ist es doch auch auffällig, dass ich dort überall die einzige Frau bin. Außerdem stört es, dass Personen, die sich im Frauenfußball nicht auskennen, häufig vorurteilig auf diesen Sport blicken. „Spielt ihr eigentlich auf einem kleineren Feld?“ – Alleine diese Frage nervt mich schon.“

„Am meisten stört mich, dass Fußball in meinen Augen die einzige Sportart darstellt, in der Männer und Frauen direkt verglichen werden. Niemand schaut sich die Schwimmzeiten von Männern und Frauen an und meckert darüber, dass Frauen langsamer sind. Im Fußball behaupten jedoch viele, dass Frauenfußball langweilig sei. „Ihr seid so langsam!“ höre ich immer wieder. Ja, es stimmt Wir sind langsamer als die Männer, was schlichtweg auf biologische Faktoren zurückzuführen ist. Das heißt aber doch nicht, dass unsere Spiele langweiliger sind. Oftmals sind wir dafür taktisch ausgefeilter als es im Männersport Standard ist.“

Und – wie ist ihre Meinung zu gemischten Mannschaften? „Aktuell ist es erlaub, dass Mädchen bis zur B-Jugend in Jungsmannschaften mitspielen. Darüber hinaus gibt es für Frauen ein Zweitspielrecht. Sie dürfen Gleichzeitig in einer Mädchen- und einer Jungenmannschaft mitspielen. Ich glaube, ab einem gewissen Alter muss man sie aber schon trennen. Das Niveau unterscheidet sich wenn es in Richtung Profisport geht doch sehr. Umso wichtiger ist es, dass man im jungen Alter mit Jungs zusammenspielt. Die Mädchen orientieren sich an deren Niveau, holen mehr aus sich heraus und gewöhnen sich an das hohe Tempo. Meiner Meinung nach sieht man jedem Mädchen an, ob es früher einmal mit Jungs gespielt hat, oder nicht.“

Insgesamt ist Melanie zuversichtlich. „Aktuell ist es zwar noch sehr schwer als Frau – sowohl im Männer- wie im Frauenfußball. Aber ich denke schon, dass sich das in Zukunft verbessern wird! Die kleinen Anzeichen dafür, die bereits jetzt zu sehen sind, geben zumindest Hoffnung.“

 

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