Zum Reformationstag: Was ich reformieren würde

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(c) marie:  Magic (13/52)  (CC BY-NC 2.0)

Den Feiertag zu 500 Jahren Reformation haben die Story-Teller als Aufhänger für ihre neuen Texte genommen. Denn auch 500 Jahre nach Martin Luther gibt es noch vieles zu verbessern. Was die verschiedenen Autor*innen so alles refomieren wollen, könnt ihr in den folgenden Texten lesen.

„Was ich reformieren würde“ von Melanie Lux

Es sollen wirklich alle gleich behandelt werden: Frauen, Kinder, Schwule, Lesben, Queers und Menschen mit Behinderung.
Es soll selbstverständlich sein, dass sich liebt, wer will.
Ich wünsche mir, dass die alten Menschen – demenzkranke und Menschen mit Alzheimer – in Pflegeheimen liebevoller behandelt werden, und dass es dort mehr Personal gibt.
Es soll mehr Ärzte geben, die ihre Patienten auch richtig ernst nehmen.
Auch Menschen mit einer psychischen Erkrankung sollen richtig ernst genommen werden.
Ich wünsche mir mehr Sozialpädagogen, die liebevoll und verständnisvoll mit behinderten Menschen und Kindern umgehen.
Ich wünsche mir, dass es selbstverständlich in dieser Welt ist, dass auch Menschen mit Handicap ein lebenswertes Leben leben wollen. Auch Menschen mit Behinderung haben Träume und Wünsche. Und diese Träume und Wünsche sollen auch ernstgenommen und umgesetzt werden.
Ich wünsche mir, dass es Partnervermittlungsinstitute gibt, wo man sich die Traumpartnerin oder Traumpartner selbst erschaffen kann … oder eigene Superheldinnen.
Mehr Nachrichten in leichter Sprache wären toll. Ich wünsche mir auch mehr Bücher, Zeitschriften und Literatur in leichter Sprache für Menschen mit und ohne Handicap.
Ich wünsche mir, dass sich mehr Menschen für die Paradiese der Erde, für die Umwelt und Tiere einsetzen.
Alle Menschen auf dieser Erde sollen genug zu Essen und zu Trinken haben. Ich möchte, dass sich alle Menschen dafür einsetzen.
Ich wünsche mir, dass alle Waffen abgeschafft werden und es keine Kriege mehr gibt.

„Reformieren/Operieren“ von Kathi Bromka

In meiner Welt soll es kein Streit mehr geben. Es sollte immer eine zweite Chance geben. Die Menschen sollen sich verbessern. Es soll keinen Stau mehr geben. Bäume sollen nicht runterfallen bei Wind und Sturm. Wenn es orkanisch weht und Bäume auf Bahngleise fallen, dann sollen mehr und schneller Ersatzbusse kommen. Außerdem muss das Klima besser werden. Am Wochenende sollen nicht mehr so viele Autos fahren. Ich möchte besser klarkommen. Ich möchte keinen Streit auf der Arbeit, und die Laune bei meinen Arbeitskollegen soll auch besser werden. Wie kann ich die die Welt noch verbessern? – Vielleicht, dass ich gar nicht mehr streite. Überall nicht.

Außerdem will ich, dass die Männer sich mal als Frauen reformieren und die Frauen als Männer. Dann sagen sie vielleicht: Uh, wie sieht das denn aus? Oh, meine Stimme! Und ein Pimmel! Und dann sagt man: Ups, ich kann mich nicht mehr selber sehen. Ich bin so … anders. Interessant. Meine Stimme ist so eng; das ist unbequem. Ich kann nicht mehr runterreden. Vielleicht sollte ich zum Arzt gehen. Hilfe, Krankenschwester! Und dann: Hallo, ich teile das Essen aus, ich bin der Bruder, der Krankenbruder. Oh, Hallo, können Sie mir mit meiner Stimme helfen? – Nee, kann ich nicht. Sie wollten Operation und Reformation! Aber das ist ja auch nur zum Ausprobieren. Sie können sich aussuchen, was Sie besser finden und was Sie sein wollen.

„Reformationen“ von Dennis Seidel

Wenn ich der mächtigste Mensch auf der Welt sein könnte, ein König oder ein Präsident, dann würde ich Einiges in der Welt verbessern, es würde es keine Katastrophen mehr geben und keine Kriege und keine Hungersnöte. Ich würde mich für alle Menschenrechte auf der Welt einsetzen. Ich würde dafür sorgen, dass auf der Welt nichts Ungerechtes passiert, und dass alle Menschen auf der Welt friedlich miteinander leben. Hier kommen meine Gebote: 1. Mehr Solidarität! 2. Auch behinderte Menschen sollen ganz normal Teil der Gesellschaft sein! 3. Und ob du ein Mann oder eine Frau oder dazwischen bist oder beides: ist egal!

„Reformieren“ mit Michael Schumacher

Wenn ich die Möglichkeit hätte die Welt zu reformieren, würde ich dafür sorgen, dass es in der Welt gerechter zugeht.
Ich würde ein besseres Leben in der Welt ermöglichen durch gewaltfreien Umgang aller, durch Meinungsfreiheit, die heutzutage zwar schon um einiges mehr vorhanden ist als zu Luthers Zeiten, in so manchen Situationen allerdings immer noch zu wünschen übrig lässt.
Ich würde unsere Umweltverhältnisse reformieren. Ich würde den autofreien Sonntag wieder einführen.
Wer böse Vorurteile verbreitet, muss in die Kirche gehen und seine Sünden ablegen; wer allgemein nur dummes Zeug von sich gibt und zu sehr von sich selbst überzeugt ist, könnte vielleicht ein Schweige-Gelübde ablegen.
Wenn ich könnte, würde ich arm und reich komplett abschaffen.
Blockaden sollten auch abgeschafft werden; alles sollte barrierefrei sein, jeder Mensch soll gleichberechtigt behandelt werden, keiner soll das Gefühl haben ausgegrenzt zu sein.
Die AFD sollte abgeschafft werden.
Kein Mensch sollte mehr arbeiten als ihm selber gut tut.
Die Zeitumstellung sollte abgeschafft werden.
Man muss ja nicht immer gut drauf sein, aber man sollte seine schlechte Stimmung nie an unschuldigen Personen auslassen.
Es sollte mehr Toleranz in der Welt herrschen; Diskriminierung in der Welt muss vollkommen abgeschafft werden; der Zusammenhalt in der Gesellschaft muss stärker werden!
Und ganz unbedingt muss Schubladen-Denken abgeschafft werden.

„Reformieren“ von Birgit Hohnen

Ich will eigentlich gar nichts reformieren; ich würde meine Welt heilen. Ich würde meine Welt besser machen. Ich würde meine Welt gesund machen und laufen können. Warum fragst du heute nach Reformation? Ich soll die Welt reformieren, sagst du? Na ja, vielleicht muss man das, vielleicht muss jeder das. Ich könnte mich mit Freunden treffen und Freude geben. Ich kann die Welt nicht alleine heilen, weil ich nicht Gott bin. Die Welt wird zu kaputt gemacht, und das hat einen Grund in Kriegen und Atomkraft, die alles kaputt macht.

Die Welt wird nicht besser, wenn man nichts dafür tut. Ich würde alles verbessern, was kaputt gemacht wurde, alles würde ich neu machen. Warum fragt man mich nicht? Warum verändert sich die Welt nicht? Man kann diskutieren, was da los ist. Die Zerstörer machen die Welt kaputt … und alle labern nur rum.

 

Mehr dazu:

Wir sind die Story-Teller, die Literaturwerkstatt des inklusiven Künstlernetzwerks barner 16 aus Hamburg. Mit unseren Texten möchten wir von unseren Erfahrungen berichten und Denkanstöße geben.

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