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	<title>Carlotta &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Sollte es &#8222;fotzigen&#8220; Feminismus geben?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/04/sollte-es-fotzigen-feminismus-geben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Carlotta]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Apr 2026 14:36:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Rap]]></category>
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					<description><![CDATA[Provokant, vulgär, feministisch? Ikkimel nennt ihr Album FOTZE und reclaimt Begriffe, die lange gegen Frauen verwendet wurden. Während sexistische Lines von Männern normalisiert sind, wird weibliche Provokation schnell zum Skandal. Ist das zu viel – oder genau die Form von Empowerment, die Rap braucht? „Ich rede über Fotzen und ich bring sie in die Charts“]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Provokant, vulgär, feministisch? Ikkimel nennt ihr Album <em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em">FOTZE</em> und reclaimt Begriffe, die lange gegen Frauen verwendet wurden. Während sexistische Lines von Männern normalisiert sind, wird weibliche Provokation schnell zum Skandal. Ist das zu viel – oder genau die Form von Empowerment, die Rap braucht?</strong><span id="more-17455"></span></p>
<h2>„Ich rede über Fotzen und ich bring sie in die Charts“</h2>
<p><em>IDGAF, Ikkimel</em></p>
<p>Die Berliner Rapperin Ikkimel provoziert gerne mit ihren Texten, verwendet vulgäre Sprache und haut umstrittene Zeilen raus – alles im Namen des Feminismus und der Wiederaneignung so mancher beleidigender Begriffe. Vor allem das Wort „Fotze“ spielt dabei eine ganz zentrale Rolle. Ihr erstes Album trägt diesen Titel in Großbuchstaben. FOTZE erregt Aufmerksamkeit, ist plakativ und provokant. Aber kann man solche Provokationen als Feminismus betiteln oder ist die Künstlerin da doch einen drüber?</p>
<p><strong>„Sie würden gern ’ne kleine Fotze sein, aber ich bin’s“</strong></p>
<p><em>Mami, Ikkimel und The Cratez</em></p>
<p>Die kurze Antwort ist: Ja, ihre Musik ist durchaus feministisch. Und sie ist dabei auch nicht alleine. Immer mehr deutsche Musiker*innen und Rapper*innen verwenden provozierende Sprache und eignen sich Schimpfwörter, die vor allem abwertend für Frauen gelten, wieder an. Sie benutzen eigentlich genau das Vokabular, womit Rapper jahrelang ihr Geld verdient haben: „Schlampe“, „Hure“, „Nutte“, „Fotze“, „Bitch“ und viele mehr. Sobald es aber von Frauen kommt, wird es natürlich direkt kritisiert, verhöhnt und von den Medien ausgeschlachtet. Während sich Rapper jahrzehntelang mit Frauen geschmückt haben, die halbnackt in ihren Videos tanzen, werden Künstlerinnen wie Ikkimel dafür verurteilt, wenn sie genau das machen – nur ohne Mann anwesend und nicht für den Male Gaze. Genauso ist es mit der weiblichen Sexualität, die nicht wie die männliche Sexualität gefeiert und gepriesen wird, sondern eben als falsch oder problematisch angesehen wird.</p>
<p><strong>„Jetzt sind die Fotzen wieder da“</strong></p>
<p><em>Die Fotzen sind wieder da, SXTN</em></p>
<p>Was das Rap-Duo SXTN sich schon vor 10 Jahren getraut hat, findet jetzt durch die steigende Popularität von Künstler*innen wie Ikkimel immer mehr Anklang in der deutschen FLINTA*-Rap-Szene. Je größer der Trend wird, solche Texte zu schreiben, desto mehr werden die einst abwertenden Wörter wiederholt und verlieren schließlich an Macht, sodass die Bedeutung der Wörter neu besetzt werden kann. Und wie schön wäre es, wenn die schlimmsten Schimpfwörter nicht immer weiblich konnotiert wären oder das Weiblich-Sein selbst als Beleidigung gelte.</p>
<p><strong>„Ab in’n Zwinger, noch ’ne Runde<br />
Weil du warst ein böser Junge“</strong></p>
<p><em>BÖSER JUNGE, Ikkimel</em></p>
<p>Und was ist jetzt mit den Männern? Die kommen in den Texten dieser Künstler*innen nämlich auch nicht so gut weg. Im klassischen Rap hat es natürlich niemanden interessiert, wenn Frauen in den Texten schlechter dargestellt wurden, ihnen schlechte Eigenschaften zugeschrieben wurden oder sie verachtet wurden. Weiblichen Künstler*innen wird aber, wenn sie genau das tun, Männerhass oder glatt Hetze vorgeworfen. Gesellschaftlich wird es mal wieder nur als problematisch gesehen, wenn die Machtposition der Männer angegriffen wird.</p>
<p><strong>„Von der größten Fotze meiner Stadt, zur größten in Europa“</strong></p>
<p><em>WHO’S THAT, Ikkimel</em></p>
<p>Was ich aus Ikkimels Musik mitnehme, ist in erster Linie eine ganze Menge Empowerment. Es ist schön, Musik zu hören, in der sich eine Frau selbstbewusst zeigt, wenn man als Frau ein Leben lang lernt, an sich zu zweifeln und sich klein zu machen. Ikkimel nimmt Raum ein und das finde ich inspirierend. Ich finde es auch gut, dass Männer in ihren Texten auch mal nicht die höchste Machtposition einnehmen – das tun sie ja immerhin schon im echten Leben. Dass Ikkimels Musikstil nicht allen gefällt, ist natürlich normal, jede*r hat nun mal einen eigenen Geschmack. Ihr Vorwürfe zu machen wegen ihrer Texte finde ich allerdings zu viel. Musik ist eine Kunst, alle dürfen sie ausleben, wie sie wollen. Man sollte sich eher die Frage stellen, ob ihre Texte wirklich so provokant sind oder nur so gesehen werden, weil sie von einer Frau kommen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sorgearbeit in der Coronakrise</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/03/sorgearbeit-in-der-coronakrise/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Carlotta]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Mar 2026 10:11:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Sorgearbeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Alle zu Hause, aber wer macht eigentlich die Arbeit? Carlotta wirft einen Blick auf Homeoffice, Corona und warum Care-Arbeit selbst in „progressiven“ Familien plötzlich wieder Frauensache wird. Seit der Corona-Pandemie ist das Home-Office-Modell beliebter geworden und immer mehr Menschen arbeiten heutzutage vielleicht 1 oder 2 Tage die Woche von daheim. Man spart sich lange Wege]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Alle zu Hause, aber wer macht eigentlich die Arbeit? </strong><strong>Carlotta wirft einen Blick auf Homeoffice, Corona und warum Care-Arbeit selbst in „progressiven“ Familien plötzlich wieder Frauensache wird.</strong><span id="more-17394"></span></p>
<p>Seit der Corona-Pandemie ist das Home-Office-Modell beliebter geworden und immer mehr Menschen arbeiten heutzutage vielleicht 1 oder 2 Tage die Woche von daheim. Man spart sich lange Wege zur Arbeit, langsamen Verkehr oder den Tratsch der nervigen Kolleg*innen. Außerdem kann es Vorteile bieten, den Arbeitsalltag besser mit anderen Aufgaben wie Kinderbetreuung oder Hausarbeit zu vereinbaren. Ob dies nun auch zu mehr Geschlechtergerechtigkeit bei der Arbeitsteilung von Care-Aufgaben führt, ist jedoch fraglich. Obwohl alle zu Hause waren, wurde der größere Teil der Sorgearbeit während der Pandemie von Frauen übernommen (<a href="https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-frauen-in-der-coronakrise-starker-belastet-29949.htm">Frauen in der Coronakrise stärker belastet &#8211; Hans-Böckler-Stiftung</a>). Und auch nach der Pandemie-Zeit hängt die gerechte Arbeitsteilung stark von den Rollenbildern innerhalb einer Familie ab (<a href="https://www.mdr.de/wissen/psychologie-sozialwissenschaften/gleichberechtigung-im-homeoffice-100.html">Home-Office kann dazu führen, dass Frauen noch mehr Hausarbeit übernehmen | MDR.DE</a>). Diese ungleiche Verteilung hat sich auch sehr deutlich in meiner eigenen Familie gezeigt.</p>
<p>Zu der Zeit des Corona-Lockdowns 2020 war ich 18 Jahre alt und besuchte die 12. und ab Sommer die 13. Klasse eines Gymnasiums, stand also ein Jahr vor meinem Abitur. Ich habe mit meinem jüngeren Bruder (17 Jahre zu der Zeit) bei unserer Mutter gelebt, die glücklicherweise jeden Tag arbeiten gehen konnte. An meiner Schule gab es nach dem ersten strengeren Lockdown von 5 Wochen eine Sonderregelung für die zukünftigen Abiturient*innen. So durfte nur die 12. (zukünftig 13.) Klasse für mehrere Monate alleine die Schule besuchen. Es ermöglichte den knapp 100 Schüler*innen meines Jahrgangs, bei strengen Hygieneregeln einen normalen Schulalltag zu führen. Währenddessen musste mein Bruder, der damals die 10. Klasse besuchte, sich mit vermehrten Hausaufgaben und Online-Schule herumschlagen.</p>
<p>Meine Mutter und ich waren somit häufig den ganzen Tag außer Haus, während mein Bruder jeden Tag überwiegend in seinem Zimmer verbrachte. Häufig bekamen wir von unserer Mutter damals Haushaltsaufgaben, die zu erledigen waren, bevor sie wieder zu Hause war. Da meine Mutter Vollzeit arbeitete, war ich häufig vor ihr zu Hause und meistens waren die aufgetragenen Aufgaben von meinem Bruder nicht erledigt worden. So kam es dazu, dass ich viele Haushaltsaufgaben für Monate übernahm – während ich noch zur Schule ging und regelmäßig Nachhilfe gab. Ich kümmerte mich häufig um das Mittagessen für uns beide, ging einkaufen, machte die Wäsche und putzte manchmal die Wohnung. Obwohl es meiner Mutter klar war, dass ich überwiegend die Aufgaben übernahm, wurde das einfach so hingenommen. Es nervte uns beide natürlich, dass mein Bruder häufig nicht mithalf, aber so richtig dazu zwingen konnte man ihn auch nicht.</p>
<p>Während meine Mutter mich auch nie dazu gezwungen hat, diese Aufgaben zu übernehmen, war es für mich eine Selbstverständlichkeit, sie zu unterstützen, da ich ja selber mehr Zeit hatte als sie. Ich denke, dass dies mit unserem Bild von Geschlechterrollen zusammenhängt. Auch wenn ich unsere Familie immer als progressiv wahrgenommen habe, die keinen Wert auf traditionelle Rollenbilder legt, existieren diese doch irgendwie in unseren Köpfen. Auch heute noch wird uns vorgelebt, wie die Haushaltsaufgaben „Frauensache“ sind, wie es in unserer Natur läge oder weil die Männer ja den ganzen Tag arbeiten müssten, hätten sie keine Kapazitäten mehr für Haus- und Sorgearbeit. Dass Frauen auch arbeiten, vielleicht in Teilzeit, weil Männer ja mehr verdienen, oder dass Care-Arbeit auch Arbeit ist, wird nicht anerkannt. Als Mann darf man es sich leisten, diese Aufgaben auszulagern, als Frau wäre man dann eine schlechte Mutter oder Partnerin. Und so war es irgendwie dann die Aufgabe von meiner Mutter und mir, die Haushaltsaufgaben und damit auch die Verantwortung für ein angenehmes gemeinschaftliches Leben zu übernehmen, während mein Bruder davon profitierte. Ich finde, ich es spannend, wie diese Rollenverhältnisse durch die Krise so stark hervorgebracht wurden, während ich dies vorher in unserer Familiendynamik nie so stark wahrgenommen habe.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Körper im Widerstand</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/12/koerper-im-widerstand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Carlotta]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Dec 2025 09:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Körper sollen privat sein und sind doch gesellschaftlichem Druck, herrschende Machtstrukturen und, im schlimmsten Fall, Gewalt ausgesetzt. Carlotta beschreibt anhand drei feministischer Protestbewegungen, wie körperlicher Protest Machtverhältnisse herausfordert und Sichtbarkeit schafft. Von Kindheit an wird uns beigebracht, dass unser Körper etwas ganz Persönliches ist. Er gehört nur uns und deshalb sollten auch nur wir]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Körper sollen privat sein und sind doch gesellschaftlichem Druck, herrschende Machtstrukturen und, im schlimmsten Fall, Gewalt ausgesetzt. Carlotta beschreibt anhand d<span data-contrast="auto">rei feministischer Protestbewegungen</span>, wie körperlicher Protest Machtverhältnisse herausfordert und Sichtbarkeit schafft. </strong><span id="more-17239"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Von Kindheit an wird uns beigebracht, dass unser Körper etwas ganz Persönliches ist. Er gehört nur uns und deshalb sollten auch nur wir darüber entscheiden können. Wie wir damit umgehen und wer damit in Kontakt kommt, sollte ganz uns überlassen sein. Leider ist dies ein Ideal, welches in unserer Gesellschaft nicht für alle eine Realität ist. Viel zu häufig bekommt man mit, wie Menschen aufgrund des „Andersseins“ ihrer Körper nicht respektiert, diskriminiert oder – im schlimmsten Fall – sogar misshandelt werden. Wie der Körper doch nur ein Objekt darstellt, ein Spielzeug derer, die in der gesellschaftlichen Hierarchie ganz oben stehen. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Was mich immer fasziniert hat ist, wie Menschen ihre Körper einsetzen, um eben gegen diese Machtstrukturen anzukämpfen. In welcher Weise sie ihren Körper als Widerstand gegen die Missstände, die sie unterdrücken, einsetzen. Spätestens seit den „Klimaklebern“ sollten viele schon mal davon gehört haben. Das waren diese unverschämten Klimaaktivist*innen, die sich aus Protest gegen unzureichende Klimapolitik mit ihrem Körper – meist durch Festkleben auf Straßen oder Objekten – physisch an den öffentlichen Raum binden, um Aufmerksamkeit und politischen Druck zu erzeugen. Der Albtraum der städtischen SUV Fahrer*innen und vorstädtischen Pendler*innen. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Diesen Einsatz von Körpern als Protest gibt es nicht nur in der Klimapolitik, auch feministische Bewegungen setzten bewusst ihre Körper ein, um Aufmerksamkeit oder politisches Umdenken zu erwirken. In der heutigen Zeit wird der weibliche* Körper ständig politisiert, es ist quasi unmöglich als Frau* frei über seinen Körper selbstbestimmen zu können. Dass Abtreibung in Deutschland zwar straffrei aber faktisch immer noch illegal ist, ist nur eines der Beispiele für diesen Zustand. Umso mehr ist es wichtig, diese Zustände zu beleuchten und zu kritisieren und der Einsatz von Körpern schafft dies besonders gut. Je größer die Aufmerksamkeit, desto größer der politische Druck, richtig?</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Drei feministische Protestbewegungen der letzten Jahre haben mich in ihrer Art den Körper im Zuge des Protests zu inszenieren, besonders beeindruckt: FEMEN, Ni Una Menos und die Free Bleeding Bewegung. Die ein oder andere dieser Bewegungen hat medial schon einige Aufmerksamkeit erhalten, trotzdem möchte ich sie im Zuge ihrer Sichtbarkeit hier kurz vorstellen. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto"><a href="https://femen.org/about-us/">FEMEN</a> ist eine internationale Protestbewegung mit Ursprung in der Ukraine. Im Zuge des Protests gegen die patriarchale Unterdrückung, Objektifizierung und Ausbeutung weiblicher* Körper treten die Aktivist*innen oberkörperfrei, mit auf ihre Brust geschriebenen politischen Slogans und Blumenkranz auf dem Kopf auf. Ihr selbstbenannter „Sextremismus“ richtet sich gegen Sexismus, religiöse Unterdrückung und autoritäre Politik und ihre provokanten Aktionen erzeugen </span><span data-contrast="auto">hohe mediale Aufmerksamkeit</span><span data-contrast="auto"> für feministische Themen. Der weibliche Körper wird als </span><span data-contrast="auto">politisches Werkzeug</span><span data-contrast="auto"> genutzt, leider ist dies nicht immer politisch sensibel oder inklusiv. Oft wird die Organisation für ihre fehlende Sensibilität für unterschiedliche feministische Kontexte (z.B. queere, nicht-binäre oder nicht-europäische/weiß-feministische Ansätze) kritisiert. </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Eine weitere Bewegung, die den weiblichen* Körper und seine Eigenschaften sichtbar macht, ist die <a href="https://helloclue.com/articles/culture/whats-all-fuss-about-free-bleeding-why-does-it-matter">Free Bleeding-Bewegung</a>. Aus Protest gegen die Tabuisierung der Menstruation lassen Frauen ihre Periode frei fließen, ohne jegliche Art von Menstruationsprodukten. Einen Höhepunkt dieser Bewegung stellte die amerikanische Musikproduzentin und Schlagzeugerin Kiran Gandhi dar, als sie 2015 den London Marathon lief, ohne Menstruationsprodukte zu verwenden. Die Fotos ihrer blutdurchtränkten Leggings wurden Viral und erzeugten große mediale Aufmerksamkeit. Die Bewegung soll auf allgegenwärtig präsenten Periodenscham aufmerksam machen, sowie einen weltweit fehlenden Zugang zu Menstruationsprodukten. Die Menstruation ist ein natürlicher Körpervorgang, der in unserer patriarchalen Gesellschaft stigmatisiert wird während gleichzeitig aus dem Verkauf weiblicher Hygieneprodukte ein Profit geschlagen wird. Der Protest ist dabei überwiegend symbolisch, ohne einen wirklichen Vorschlag für strukturelle oder politische Veränderungen. </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ein drittes Beispiel, wo Körper Widerstand leisten, sind die „<a href="https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/femizid-2023/519674/ni-una-menos/">Ni Una Menos</a>“-Proteste mit ihrem Ursprung 2015 in Argentinien. „Nicht eine weniger“ bedeutet der Slogan übersetzt und fordert, dass keine Frau* mehr aufgrund geschlechtsspezifischer Gewalt sterben soll. Die Demonstrationen gegen Femizide breiteten sich schnell in Lateinamerika und dem Rest der Welt aus, in Form von Flashmobs, Performances oder Slogans auf Körpern und Kleidung sowie Schweigemärschen. Die Frauen* nutzen ihre </span><span data-contrast="auto">körperliche Präsenz</span><span data-contrast="auto"> im öffentlichen Raum als Ausdruck von Solidarität und Widerstand, um Opfern von Gewalt eine Stimme zu verleihen und politische sowie juristische Konsequenzen einzufordern.</span></p>
<p><span data-contrast="auto">Alle drei Protestbewegungen nutzen die Präsenz, Inszenierung oder natürlichen Prozesse des Körpers, um gegen die Unterdrückung von Frauen*körpern im Patriarchat anzukämpfen. Sie zeigen, dass der Körper selbst ein politischer Raum ist – ein Ort, an dem Macht, Sichtbarkeit und Selbstbestimmung verhandelt werden. Mich fasziniert vor allem wie der Körper zu seiner Selbstermächtigung genutzt werden kann, in einer Welt, in der er lediglich aufgrund seiner Existenz politisiert wird. Gleichzeitig bleibt fraglich, ob körperliche Protestformen langfristig politische Veränderungen anstoßen können – oder ob sie, vor allem durch die Sozialen Medien, bloß als provokante Bilder konsumiert werden.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mein Bruder</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/10/mein-bruder/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Carlotta]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Oct 2025 10:38:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschwister]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie hegemoniale Männlichkeit schon in der Familie wirkt: Ein persönlicher Blick von Carlotta auf die Privilegien, Erwartungen und Spannungen, die zwischen Geschwistern entstehen, wenn gesellschaftliche Männlichkeitsbilder auf das eigene Leben prallen. Mein Bruder ist ein weißer, heterosexueller Mann und gehört der Mittelschicht an. Auch wenn gerade diese Art von Männlichkeit oft als das absolute Feindbild]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie hegemoniale Männlichkeit schon in der Familie wirkt: Ein persönlicher Blick von Carlotta auf die Privilegien, Erwartungen und Spannungen, die zwischen Geschwistern entstehen, wenn gesellschaftliche Männlichkeitsbilder auf das eigene Leben prallen.</strong><span id="more-17184"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Mein Bruder ist ein weißer, heterosexueller Mann und gehört der Mittelschicht an. Auch wenn gerade diese Art von Männlichkeit oft als das absolute Feindbild dargestellt wird, als die Art von Männlichkeit die am autoritärsten und bedrohlichsten ist, habe ich ihn trotzdem lieb. Wenn ich meinem Vater seine Männlichkeit nicht übel nehme, kann ich sie auch meinem Bruder nicht vorwerfen. Wie alle anderen haben auch sie sich nicht ausgesucht, unter welchen Bedingungen oder mit welchen Eigenschaften sie in diese Welt gekommen sind.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Obwohl mein Bruder und ich mit denselben Privilegien aufgewachsen sind, unterscheidet sich unsere gesellschaftliche Stellung doch ein wenig – mein Bruder hat das Glück als heterosexueller Mann in einer patriarchalen, heteronormativen Gesellschaft zu leben. Auch wenn ich mir sicher bin, dass das nicht heißt, mein Bruder hätte keine Probleme oder es sei leicht, in der heutigen Gesellschaft ‚Mann genug‘ zu sein, verschafft ihm das dennoch eine gesellschaftlich privilegiertere Position. Eine Position, die er mittlerweile als selbstverständlich versteht. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Mein Bruder verhält sich manchmal, als liege ihm die Welt zu Füßen. Das kann daran liegen, dass er als jüngstes Kind der Familie vieles bekommen hat und ihm viel durchgehen gelassen wurde. Es kann auch daran liegen, dass die heutige Gesellschaft immer noch jungen, weißen Männern das Bild vermittelt, sie könnten alles erreichen und ihnen gehöre die Welt. Beides bedeutet, dass mein Bruder keine Schuld an seiner Lage trägt. Er ist einfach ein gesellschaftliches Subjekt, das versucht seine Männlichkeit in der heutigen Welt zu navigieren. Das Problem daran ist nur, dass hegemoniale* Männlichkeit allen schadet, die nicht in das erwünschte Männlichkeitsbild passen. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Für mich bedeutet das, dass bei jedem Streit die Grundannahme besteht, mein Bruder habe immer Recht. Jeder Wutausbruch sei legitim, der Fehler liege ja bei mir. Und wenn es dann mal richtig kracht, weil ich mir sein Verhalten nicht gefallen lassen möchte, heißt es von meinem Vater, wir hätten ja beide noch viel über Kommunikation zu lernen. Denn Männer sind nun mal laut, und wenn sie wütend werden, heißt es, dafür gebe es ja immer einen guten Grund. Die Männlichkeit meines Bruders nimmt mir den Raum, auch mal richtig wütend sein zu können.  </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich spüre immer deutlicher, wie die gesellschaftlichen Vorstellungen von Männlichkeit eine Distanz zwischen mir und meinem Bruder schaffen. Das Verhalten meines Bruders ist oft nicht mehr nur nervig – immer häufiger ist es verletzend, manchmal sogar wirklich unverschämt, und bleibt doch ohne Konsequenzen für ihn. Ein Zustand, den ich sonst nur von fremden Männern kenne, die mir nicht nahestehen oder Teil meiner Familie sind. Diese Art von Männlichkeit wirkt für mich wie ein Gefängnis: ein Gitter aus starren Eisenbarren, das jedes Individuum dieser Gesellschaft umschließt und ihm die Freiheit zur Selbstentfaltung nimmt. Vielleicht besteht die eigentliche Herausforderung darin, Männlichkeit neu zu denken – jenseits der Normen, die unsere Gesellschaft noch immer prägen. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><em>*<b>Hegemoniale Männlichkeit</b> – Soziologisches Konzept einer Form von Männlichkeit, die eine dominierende Position in der Geschlechterordnung einnimmt, also eine soziale Dominanz gegenüber Frauen und anderen Geschlechtsidentitäten, aber auch gegenüber als „schwächer“ wahrgenommenen Männern bedeutet. </em></p>
<p><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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