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	<title>Diana Podoynitsyn &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>Diana Podoynitsyn &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Lass es kreisen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Diana Podoynitsyn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jan 2024 09:53:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Outing]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Autorin Diana ist queer und war bis vor Kurzem bei ihren Eltern noch ungeoutet. Erst nach ihrem Auszug hat sie sich getraut, ihren Eltern in einem Brief nicht nur von ihrer Queerness, sondern auch von ihrer politischen Haltung und ehrenamtlichen Arbeit zu erzählen. Im Folgenden schreibt sie von ihrem Weg zu dieser Entscheidung und den Folgen dieser]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Autorin Diana ist queer und war bis vor Kurzem bei ihren Eltern noch ungeoutet. Erst nach ihrem Auszug hat sie sich getraut, ihren Eltern in einem Brief nicht nur von ihrer Queerness, sondern auch von ihrer politischen Haltung und ehrenamtlichen Arbeit zu erzählen. Im Folgenden schreibt sie von ihrem Weg zu dieser Entscheidung und den Folgen dieser Zäsur. Ein Text über Coming-Out, Erwachsenwerden und viele erste Male.</strong><span id="more-15899"></span></p>
<p>Langsam wird es Herbst, noch fühlt es sich häufig an wie Spätsommer. Zwischen vielen Sonnentagen schwingt sich immer häufiger ein kühler Wind in den Vordergrund. Als ich heute in den Zug stieg, hat es in Strömen geregnet. Das Gefühl kalter Regentropfen, die sich mit meinen warmen Tränen vermischen, hat mich getröstet.<br />
Es war Frühling, als ich auszog in den Altbau, den ich bis heute so sehr romantisiere, obwohl sich Risse an der Decke abzeichnen und der Putz von der Wand fällt. Trotz Wespennest, immerzu wiederkehrenden Lebensmittelmotten und fehlender Badewanne, fehlenden Rauchmeldern, fehlenden Fliesen im Bad und einem Fenster, das sich nicht mehr schließen lässt. Mühsam schleppten wir meine Möbel durch das enge Treppenhaus, das zur Belagerung durch Fahrräder verdammt ist.<br />
Wir liegen im Bett, Hochsommer. Seine Hände gleiten über meinen Körper und streicheln mich mit einer Zärtlichkeit und Leidenschaft, die mich kurzatmig zurücklässt. „Ich will Dich endlich küssen“, sagt er. Ich strecke ihm meinen Hals entgegen. Seine Lippen liebkosen weiterhin meinen Körper, er fragt, ob seine Hände unter meine Unterhose, an meinen nackten Arsch, gleiten dürfen und ich sage ja. Ich höre die Lust in seinem Atem und spüre, wie das Kneten meiner Arschbacken drängender wird. „Ich will Dich endlich küssen“, sagt er. Ich überlege, sage ja. Er küsst mich und es ist schrecklich. Unglaublich feucht und unbeholfen. Danach erst einmal Schweigen. „Das war mein erster Kuss“, sage ich. Ich bin vor etwas über einem Monat 19 geworden, er wird 26. Ich liebe ihn über alles. Liege mit so großen Schmerzen im Bett, dass er mich mitten in der Nacht ins Krankenhaus fährt. Ich kann mich nicht mehr bewegen und tagelang nichts essen, danach nur Reis mit gebratenen Zucchini, kleine Portionen fünfmal täglich. Ich weine jeden einzelnen Tag.<br />
Meine Freiheit hat mich 85 Cent gekostet. Ein warmer Samstagvormittag, die Sonne scheint. 85 Cent. Sagt der Kassenzettel für das Briefporto. Ich schreibe all meinen Freund*innen.<br />
Jetzt ist Herbst und ich bin in Therapie. In meiner ersten Beziehung mit einem Mann, mit dem sich mittlerweile jeder Kuss so anfühlt, als würden tausend Schmetterling in meinem Bauch Halleluja im Kanon singen und mit dem ich zusammenwohne. In einer Wohnung, die durch tolle Handwerker bald wieder ein nutzbares Bad hat. Zwar immer noch ohne Rauchmelder und mit einem riesigen Riss an meiner Zimmerdecke, einem Treppenhaus voller Fahrräder, aber dafür mit einem neuen Fenster, das ich ohne Bedenken öffnen und schließen kann, wann immer ich mag.<br />
Die Blätter fallen noch nicht von den Bäumen, aber auch das ist nur eine Frage der Zeit. Ich rede wieder mit meinen Eltern. Zwar noch immer nicht über den Brief, den ich ihnen geschrieben und der mich mehr als 85 Cent gekostet hat, aber wir sprechen wieder miteinander. Zwar noch immer nicht über uns und die Frage danach, was das heißt. Aber zumindest wissen sie jetzt, dass sie nichts wissen. Ihre Tochter nicht kennen. Erst im Begriff sind, sie kennenzulernen. Was auch immer das heißt, wie auch immer das aussieht. Wie auch immer sich das gestaltet. Wie auch immer ich das schaffen soll.<br />
Meine Eltern wissen jetzt, dass ich queer bin. Wo ich politisch stehe, übertragen und ganz wörtlich. Was ich alles ehrenamtlich mache. Meine Eltern lieben mich.<br />
Mein Freund ist sieben Jahre älter als ich. Mein Freund wird Lehrer. Ich bin zum zweiten Mal Ersti und habe es zum ersten Mal nicht geschafft, meinen Stundenplan ohne ihn zu erstellen. Ich studiere<br />
Philosophie im Haupt- und Germanistik im Nebenfach. Ich werde nicht verbeamtet. Ich stehe mit einem Fuß vor der Obdach- und mit dem anderen vor der Arbeitslosigkeit. Und trotzdem sitze ich in meinem Lieblingscafé, schon die zweite heiße Schokolade trinkend mit veganer Nussecke. Meinen Lieblingskuchen haben sie heute leider nicht da. Ich werde nicht verbeamtet, ich werde schreiben und weiter für eine bessere Welt kämpfen. Und mich dabei fragen, wann ich für meine bessere Welt kämpfe. Wann ich den Achtsamkeitsübungen meiner Therapeutin eine Chance gebe, wann das klärende Gespräch mit meinen Eltern folgt. Wann ich einen Job finde, in dem ich auch einen Arbeitsvertrag mit basic workers rights.</p>
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		<title>Zwischen sommersatt und Sommersehnsucht</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/11/zwischen-sommersatt-und-sommersehnsucht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Diana Podoynitsyn]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Nov 2023 13:39:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Herbst]]></category>
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					<description><![CDATA[Diana nimmt uns mit in die kalte Jahreszeit. Zwischen Chai und heißer Schokolade zeichnet sie ein feinfühliges Bild ihrer Familie. Du siehst schön aus, denke ich, würde ich Dir gerne sagen, schaffe ich aber nicht. Ich schaue Dich an, es ist dunkel. Du trägst einen Mantel, es ist Herbst. Ich sehe zum ersten Mal, wie]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Diana nimmt uns mit in die kalte Jahreszeit. Zwischen Chai und heißer Schokolade zeichnet sie ein feinfühliges Bild ihrer Familie.</strong><span id="more-15786"></span></p>
<p>Du siehst schön aus, denke ich, würde ich Dir gerne sagen, schaffe ich aber nicht. Ich schaue Dich an, es ist dunkel. Du trägst einen Mantel, es ist Herbst. Ich sehe zum ersten Mal, wie schön Du bist.<br />
Wir sitzen im Wohnzimmer. Oma erzählt, dass ihr Bruder heute Geburtstag hat, er ist der Jüngste unter ihnen. Deda sagt, Oma liegt genau in der Mitte. Ja, sagt Oma, Du hast die goldene Mitte bekommen. Sie sagt ocтaлocь, übrig geblieben„ Deda dreht sich weg, Oma lacht. Es klingt irgendwie immer komisch in meinen Ohren, wenn Oma wegen Deda lacht. Später essen wir und trinken Chai. Deda schiebt seinen Teller zur Seite und schmiert sich ein Butterbrot. Zuerst Butter, viel, auf das Brot, wir haben leider nur Toastbrot. Deda kriegt das Toastbrot ohne Körner, das, das bei uns nur Papa isst. Dann nimmt Deda sich mal Käse, mal Wurst. Auf dem Käsefleischteller liegen zwei Arten Wurst, unser Kühlschrank hätte aber noch mehr Sorten im Angebot, nicht nur Wurst, alles Mögliche an Fleisch, Räucherlachs haben wir leider nicht mehr. Wir haben also zwei Arten Wurst auf dem Käsefleischteller: einmal gekocht, Schinken, glaube ich, oder Speck, ich bin nicht sicher. Runde Wurst, verpackt wie ein Kreis, zwei Würste zu einem offenen Kreis geknotet. Einmal geräuchtert, Salami, die Haut zieht Deda ab. Er legt sie auf Omas Teller, die Haut, nicht die Salami. Oma isst Tiefkühlpizzen im Miniaturformat.<br />
Er fragt, ist das dein Freund?, er sagt ja. Er fragt, bist Du schwul? und er sagt ja. Er sagt cool und schweigt, sagt, das finde ich cool. Er fragt, ob sie ein Paar sind, er lacht, sie sagt nein, er sagt, ich bin mit einem Mann verheiratet. Er sagt, verarsch mich nicht.<br />
Es ist dunkel draußen. Ich mache das Licht an, die Balkontür ist offen, das Fliegengitter zu. Ich schiebe die Schranktür hoch, wir haben moderne Schränke, die nach oben aufgehen, himmelwärts statt zur Seite. Ich schaue die Schüsseln an. Wir haben rote Plastikschüsseln, die ich nie benutze und welche aus Porzellan. Gelb, Orange, Blau und Braun. Eine habe ich mal kaputt gemacht, sie ist mir aus der Hand gefallen, als ich vom Wohnzimmer in die Küche lief. Ich erinnere mich nicht mehr an die Farbe. Ich nehme eine Schüssel, Gelb vielleicht oder Blau. Ich hole das Müsli, schütte es rein. Vielleicht ist schon Joghurt in der Schüssel, ich weiß es nicht. Der Heidelbeerjoghurt vielleicht, den ich so mag. Oder Skyr. Himbeeren oder sowas, ich mag Beeren, am liebsten Brombeeren. Wenn nicht, dann hole ich noch Milch. Hafermilch schmeckt aber scheiße, nur mit Kakao gut. Ich sitze also am Tisch; mit einem Löffel und meiner Schüssel. Vielleicht stehe ich auch noch und kippe das Müsli in die Schüssel. Papa kommt. Er scherzt: Dana, isst Du schon wieder? Vielleicht sagt er noch: Tschuldigung, Diana. Ich bin misnamingempfindlich.<br />
Ich sitze auf der Toilette und tippe ein Gebet in mein Handy.<br />
Es wird Zeit. Der erste Schnee des Jahres fällt und ist verrückt. Wenn ich in den Himmel blicke, sieht es aus, als wäre der Himmel ebenso unendlich wie der Vorrat an Schneeflocken, die mein Gesicht zärtlich streichen und auf meiner Zunge zergehen, wie es sonst nur Schokolade tut. Ich fühle mich entwurzelt, dabei fällt jeder Schritt so schwer, weil so viel an meinen Fersen hängt. Es ist ein ganz merkwürdiges Gefühl. Ich habe mal gelesen, man soll alle paar Jahre seinen Gang wechseln. Ein paar Schritte gehen, ganz bewusst, sodass man fühlt, wie man geht. In welchem Tempo, wie viel man mit einem Schritt zurücklegt. Geht man wippend, mit Elan, ohne Hüftschwung, steif. Der Gang macht doch so viel aus, die Haltung. Nehme ich die Arme beim Gehen mit? Oder vielleicht nur den einen? Wenn wir uns Gedanken über die Art machen, wie wir gehen, werden wir uns dann unserer Freiheit bewusst?<br />
Wir sitzen in einer Kneipe in Berlin-Friedrichshain. Ich habe eine heiße Schokolade bestellt. Wenn ihr sowieso trinken wollt, wieso spielen wir dann darum?<br />
Papa macht das Bad. Er hat erst das Kleine gemacht und jetzt macht er das Große. Er schabt und kniet und schneidet und macht laute Geräusche und ganz leise. Ich lese ein Buch, höre, was er sagt: Кaтacтpoфa. Кaтacтpoфa этo, дa. Er schaut Max an, es klingt wie eine Frage. Max liegt zwischen all den Baustellsachen im Flur auf der Seite und atmet tief. Er sieht müde aus, fast schon depressiv. Papa trinkt einen Schluck Bier. Ich verrecke, mein Gott, wie viel arbeitest Du und arbeitest und arbeitest. Er bückt sich und schmiert Spachtelmasse auf den Boden. Jedenfalls in meiner Vorstellung. Wenn ich ihn frage, ob es Spachtelmasse ist, seufzt er. Du mit Deiner Spachtelmasse.<br />
Wir stehen auf dem Friedhof. Du jagst dem kleinen Jungen hinterher, ihr spielt fangen. Er lacht, Du bist außer Atem. Ich will weinen, ihr seid so schön.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wer, wenn nicht wir und wann, wenn nicht jetzt</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/12/wer-wenn-nicht-wir-und-wann-wenn-nicht-jetzt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Diana Podoynitsyn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Dec 2022 14:05:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Belarus]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[Katja ist 20, Deutschbelarusin und Studentin, macht Bildungs- und Aufklärungsarbeit, tritt in Online-Formaten und auf Kundgebungen auf, arbeitete für den X3-Podcast, ist Teil der belarusischen Demokratiebewegung und Mitglied im Verein Razam e. V. Das ist ganz schön viel. Sie wünscht sich, dass politisch Aktive sich nicht gegeneinander ausspielen lassen, sondern unterstützen in der Gleichzeitigkeit all]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="page" title="Page 4">
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<div class="column">
<p><strong>Katja ist 20, Deutschbelarusin und Studentin, macht Bildungs- und Aufklärungsarbeit, tritt in Online-Formaten und auf Kundgebungen auf, arbeitete für den X3-Podcast, ist Teil der belarusischen Demokratiebewegung und Mitglied im Verein Razam e. V. Das ist ganz schön viel. Sie wünscht sich, dass politisch Aktive sich nicht gegeneinander ausspielen lassen, sondern unterstützen in der Gleichzeitigkeit all dieser Konflikte, Probleme, Sorgen, Kriege, Nöten und Krisen. Und dennoch weiß sie, dass sie um Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeitsspannen ringen muss: “Niemand wird sich so für ein politisches Problem interessieren wie Du, wenn die Person keinen Identitätsbezug zu dem Thema hat. Das ist etwas, was ich sehr schmerzlich gelernt habe.” </strong></p>
<p><strong>Unsere Autorin Diana hat mit ihr über ihre Arbeit, ihre deutschbelarusische Identität und Kartoffelpuffer gesprochen. Weil sie findet, dass wir Belarus nicht vergessen dürfen.</strong><span id="more-15185"></span></p>
<div class="page" title="Page 4">
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<div class="column">
<p>Seit zwei Jahren beschäftigt sie sich mit Politik. Ihre Schwerpunktthemen sind Belarus, Kasachstan und die Ukraine. Nach ihrem Abitur leistet sie einen Freiwilligendienst in Usbekistan, sie will neue Erfahrungen und Eindrücke sammeln. “Da habe ich zum ersten Mal die Bandbreite des Begriffes postsowjetisch verstanden”, sagt Katja, die dieses Label für sich selbst nicht verwendet. Denn “ich bin ohne Sowjetunion aufgewachsen”, erklärt sie, “Einen sowjetischen Nachhall”, spürt Katja dennoch.” Ich glaube, es ist aber eher Entsowjetisierung, über die ich spreche”, sagt sie. Ich frage sie nach dem Begriff postsowjetisch, sie antwortet: “Er wird für Länder genutzt, die überhaupt nicht zusammenpassen. Die haben sicherlich durch diese gemeinsame staatliche Erfahrung irgendwo Gemeinsamkeiten, z. B. dahingehend, dass alle Kulturen eine starke Russifizierung erlebt haben, – auch innerhalb Russlands. Aber auch da waren die Erfahrungen sehr unterschiedlich und die Verallgemeinerung unter dem Begriff postsowjetisch wird diesen Spannungen nicht gerecht. Georgien hatte unter Stalin [Anm. d. Redaktion: Stalin stammte aus Georgien.] beispielweise eine privilegierte Position mit Steuerbefreiungen, während Zentralasien ausgebeutet wurde.”</p>
<p>Wenn postsowjetisch von studierten Expert*innen auf diesem Gebiet verwendet wird, die sich tief in die Historie eingegraben haben, findet Katja den Begriff “manchmal okay”. Eigentlich möchte sie davon loskommen. Vielleicht nicht zuletzt, weil wir Länder, die Teil der UdSSR waren, häufig nur mit diesem Stempel betrachten. Dabei reicht ihre Geschichte tiefer als zu Stalin und Lenin, – und seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 läuft sie losgelöst von diesem riesigen Staatenbund, der Geschichte ist.</p>
<p>Für Politik hat sie sich schon immer interessiert, Politik dabei aber immer als etwas wahrgenommen, in das sie sich ohne persönliche Betroffenheit einarbeitet. “Ich konnte im Politikunterricht in der Schule einfach munter diskutieren und verschiedene Positionen einnehmen, weil es mir erstmal per se um nichts ging”, führt Katja weiter aus. Als Fridays For Future sich 2018 gründet, steht sie einige Male auch auf der Straße. Ihre Politisierung beginnt mit dem Bewusstsein, dass ihr theoretisches Wissen kein externes ist, sondern erfahrbar. Durch ihren Freiwilligendienst erkennt sie, dass sie weiß ist und dass ihr angelesenes Wissen über die Sowjetunion in reale Lebenswelten wirkt. Sie spricht mit queeren Menschen und Aktivist*innen in Usbekistan. Katja wird wütend, bevor sich die Akzeptanz einstellt: “Zuerst wollte ich am liebsten alles verändern, dann habe ich gelernt, dass es hier nicht meine Rolle ist, alles verändern zu wollen und das zu dürfen. Aber ich kann die Leute damit unterstützen, in dem ich erst einmal beobachte und zuhöre.”</p>
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<div class="column">
<p>Was ihr dabei auffällt? Die Vorbilder sind, je weiter man gen Osten geht, andere als hier in Deutschland, wenn es um Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit geht. Und: Es gibt so viel Bewusstsein für dieselben Themen, die durch die geographische Distanz total verloren gehen. Um das zu ändern, schreibt sie auf ihrem Blog Usblogistan, bis sie wegen Corona wieder zurück nach Deutschland muss.</p>
<p><strong>über Kartoffelpuffer in herzhaft und in süß</strong></p>
<p>In Deutschland werden Kartoffelpuffer süß gegessen, die belarusischen Draniki hingegen herzhaft. Bei der Frage danach, wie Kartoffelpuffer zu essen sind, hat es in Katjas Familie gekracht, berichtet sie lachend. Ich frage Katja, ob sie das Gefühl kennt, zwischen den Stühlen zu sitzen, ob ihre deutschbelarusische Identität Reibungen erzeugt. Sie antwortet: “Für mich war es ein ziemlich großes Spannungsfeld, wenn es um Lebensumstände und Lebenswirklichkeiten ging. In Deutschland war ich immer sehr wohlbehütet, das war meine Komfortzone. In Belarus habe ich immer Zeit gebraucht, um mich umzugewöhnen. An die Gerüche, die Lebens- und Familienstruktur. Es erschien mir alles viel umständlich, enorm schwer und als würde jedes Bestreben von außen gehemmt werden. Dieses Gefühl hatte ich später auch in Usbekistan.”</p>
<p>Katja führt diese Beobachtung zum einen auf die Mentalität zurück, zum anderen aber auch maßgeblich auf die äußeren Umstände, die in Belarus geprägt sind von Diktatur und fehlenden Ressourcen. Während sie erzählt, lacht sie zwischendurch. Dann wird die Stimme wieder sehr ernst. Sie hat in Usbekistan gelernt, die Kleinigkeiten zu schätzen und durch ihre belarusische Identität auch mal Strenge erfahren. Es ist diese Mixtur der persönlichen Erfahrung von unbeschwerten Leichtigkeit in Deutschland und dennoch dieses Verständnis für eine Armut, die selbst nicht erlebt wurde, aber als generationales Trauma auch das eigene Sein formt, die auch ich durch meine deutschrussische Identität kenne. “Es war schon immer sehr ambivalent”, fasst Katja zusammen.</p>
<p>Mein Nicken zwischendurch sieht sie genauso wenig wie meinen Notizzettel, der immer voller und bunter wird. Wir telefonieren bloß. Ihre Stimme ist zärtlich, weich und freundlich. Ihre Worte klingen nicht gewählt, sondern ehrlich und unmittelbar und trotzdem sind sie bedacht. Wenn sie lacht, klingt sie tiefer. Katja-am-Telefon ist herzlicher als die Katja in meinem Kopf, die Katja, die sich dort durch ihren Instagramaccount @kaciaberlin eingenistet hat. Es überrascht mich nicht. Wer so reflektiert und klug ist, kann nur mutig handeln, oder?</p>
<p><strong>über Lebensaufgaben und Diktaturen</strong></p>
<p>“Mit den Belarus-Protesten sind postsowjetische Diktaturen im Allgemeinen irgendwie an meine Identität geknüpft worden und zwar so eng, dass ich das, glaube ich, nie wieder loslassen werde. Ohne pathetisch klingen zu wollen: Das ist schon zu einer gewissen Lebensaufgabe geworden, mich damit auseinanderzusetzen”, erklärt sie mir. Katja vernetzt sich mit anderen, die dieselben oder ähnliche Themenschwerpunkte verfolgen. So ist sie beispielsweise fester Bestandteil der belarusischen Diaspora in Deutschland und entsprechend im Verein Razam e. V. aktiv. Ich stelle mir das sehr schmerzlich vor.</p>
<p>“Es ist in jedem Fall schmerzhaft”, antwortet Katja, “alles ist schmerzhaft an diesen ganzen Erfahrungen, vor allem weil es nicht nur persönliche Erfahrungen sind, sondern es ein gewisser Kollektivschmerz ist. Der unterscheidet sich aber natürlich schon von Gruppe zu Gruppe. Der belarusische Kollektivschmerz ist nicht mit dem Ukrainischen zu vergleichen, weil das ein komplett anderer Kontext ist. Ich zweifle nicht daran, dass ich mich engagiere, sondern ich werde häufig mit der Frage konfrontiert, wie ich meine politische Arbeit gestalte und meine Positionen kommuniziere. Das ist etwas, das sich mit der Zeit ändert und sich den jeweiligen Gegebenheiten anpasst.”</p>
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<div class="page" title="Page 6">
<div class="section">
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<div class="column">
<p>Zu Beginn ist sie viel auf der Straße unterwegs, mit der Zeit verlegt sich ihre politische Arbeit zunehmend in Online-Räume – wegen Corona und den sinkenden Teilnehmer*innenzahlen. Ihr Instagramaccount @kaciaberlin hat fast 4.700 Follower*innen. Katja balanciert dort mit Themen und der Gleichzeitigkeit von dem, was gerade in der Ukraine passiert und den Geschehnissen in Belarus. Sie reflektiert sich selbstkritisch: “Für mich stellt sich nicht die Frage, ob ich etwas mache, sondern nur, wie ich etwas mache: Was ist da der beste, effizienteste Weg? Ich frage mich auch immer nach Projekten: Okay, was ist gut gelaufen und was nicht? Gerade in Konfliktsituationen. Das ist das, was mich am meisten beschäftigt.”</p>
<p>In ihrem privaten Umfeld versucht sie, sich erst einmal so unpolitisch wie möglich zu bewegen: “Ich möchte meinen background nicht immer direkt nach außen tragen, weil das immer auch wieder ein Erklären bedeutet. Wenn mich jemand darauf anspricht, versuche ich mit aller Fürsorge und Geduld alle Fragen zu beantworten. Ich glaube nämlich, dass viele unglücklich formulierte Fragen in guter Absicht stellen. Aber das kostet unfassbar viel Kraft.”</p>
<p><strong>über Gleichzeitigkeit</strong></p>
<p>Ich frage Katja, ob sie stolz auf ihre politische Arbeit ist. Sie antwortet: “Ja und nein. Ich bin stolz auf meinen produktiven Umgang mit diesen Krisen, aber eigentlich kann ich nicht stolz darauf sein, weil es zu viel kostet. Stolz ist nicht die vordergründige Emotion, die ich bei und durch meine politische Arbeit spüre, sondern eher Zugehörigkeit – gerade in meiner belarusischen Community und der Arbeit im Verein Razam e. V. Ich bin auf uns stolz und unsere gemeinsame Arbeit, darauf wie unser Verein arbeitet, auf meine Mitstreiter*innen. Darauf bin ich wirklich stolz. Das ist wirklich etwas, was ich sehr wertschätze. Ich platze vor Stolz, wenn ich unseren Vorstandsvorsitzenden Anton auf Veranstaltungen sehe und wie professionell und kompetent er sein Wissen teilt. Da sehe ich, was für einen Außeneindruck unser Verein hinterlassen kann und darauf bin ich stolz. Es ist die Summe, von allem, was passiert und die Gleichzeitigkeit von großer Freude, dass wir einander haben und die Trauer, dass das alles passiert. Stolz ist keine Emotion, die ich bei mir selbst verspüre.”</p>
<p>Katjas Engagement außerhalb von Online-Räumen findet auch in Schulen statt. “Für mich ist es am bewegendsten, wenn ich Kindern und Jugendlichen erzählen kann, was bei uns passiert. Geballte Aufmerksamkeit, Neugier und aufrichtiges, ernsthaftes Interesse, – das ist das Allerschönste”, sagt sie. Das merkt man. Sie erzählt sehr schön davon, wie sie suna spielt, wie sie mit theaterähnlichen Gesten das Ausmaß der belarusischen Gewalt zeigt ohne junge Menschen der Gefahr einer Sekundärtraumatisierung: Katja erzählt von der Wahlmanipulation, die bis heute nicht eingestanden wird. Sie nimmt ein leeres weißes Blatt und faltet es, während sie spricht, während sie erzählt, was Wahlmanipulation bedeutet. Sie wirft das gefaltete Blatt in eine imaginäre Wahlurne. Alle hören zu. “Ich merke dann, dass ich diese Geschichten wirklich als Geschichten erzählen kann. Am Ende ist dann so eine gewisse Stille im Raum, wenn ich fertig damit bin, zu erzählen, was bei uns passiert ist”, sagt Katja. Ich habe nie darüber nachgedacht, dass man einen emotionalen Eindruck zu einem politischen Thema hinterlassen kann, ohne Fotos, sondern nur durch sprachliche Bilder, unterstützt mit Gesten aus dem Theater. Es kommt mir absurd vor, Literatur und Theater, das ist meine Leidenschaft, und im Ethikunterricht habe ich mich ganz vehemmt gegen Gewaltdarstellungen in Videospielen ausgesprochen. Aber Katja hat recht: Kindern sollte man keine Gewalt zeigen; auch nicht, wenn man sie so für politische Missstände sensibilisieren will.</p>
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<div class="section">
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<div class="column">
<p>“Ein freies Belarus und eine sichere Ukraine, auch wenn ich weiß, dass es da nicht aufhören wird. Ich wünsche mir, dass unsere Arbeit gesehen und wertgeschätzt werden. Hier entstehen gerade in ganz Osteuropa Freiwilligennetze, die auf jede erdenkliche Art und Weise helfen. Ich wünsche mir, dass sich Freiwillige nicht mit Almosen, mit Lippenbekenntnissen, zufriedengeben, sondern dass wir ernsthaft die Anerkennung bekommen, für all das, was wir leisten, – und dass diese auch eine strukturelle Dimension erfasst”, erklärt sie, “denn das würde bedeuten, dass wir auf einer ganz anderen Ebene mit staatlichen Institutionen und allen großen Vereinen arbeiten können, dass unsere Expertise wertgeschätzt wird. Das wäre auch noch einmal ein ganz anderer Anreiz für Außenstehende, unsere Arbeit zu unterstützen, nicht nur durch Spenden, sondern sich uns anzuschließen.” Katja appelliert da auch an die Verantwortung der Medien. Es sollte mit Ehrenamtlichen, die sich politisch engagieren, gesprochen werden statt über sie, – nicht nur, weil sie die Aufmerksamkeit für ihre Themen verdienen, sondern auch um faktische Fehler zu vermeiden. Ich muss an Melina Borčak denken, die seit Monaten aufzeigt, wie genozidverherrlichend der SWR im Podcast Sackreis über den Genozid an Bosniak*innen berichtete.</p>
<p><strong>über das, was da noch kommt</strong></p>
<p>2020 war für Katja gefühlsmäßig ein Jahr der Gegensätze: Zum einen der Schockschmerz über die Wahlmanipulation und das gewaltsame Vorgehen gegen Protestierende in Belarus. Und zum anderen Europhie, Romantisierung, Hoffnung. Katja glaubt, das hat sie wie viele Belarus*innen gebraucht, um zu überleben, um mit dieser “riesen Welle von Gewalt” klarzukommen. Ihr scheint als sei der Blick 2022 abgekühlterer. Nicht pessimistisch, aber rationaler. “Der Schock des russischen Angriffskrieges ist erst einmal überwunden, auch wenn die Nachrichten natürlich immer noch richtig reinhauen”, sagt sie. Schließlich zeige sich in der Ukraine eine neue Dimension des Schreckens. Katja glaubt, “das ist der geringste Trost, den ich dieses Jahr gefunden habe: dass in Belarus noch kein Krieg herrscht.”</p>
<p>Katja ist gegen Russozentrik und für Waffenlieferungen an die Ukraine. Ich frage sie, ob sich der Konflikt in Belarus ohne Gewalt lösen lässt. Sie antwortet:” Die Freiheit von Belarus ist zu diesem Zeitpunkt der Geschichte nicht mehr gewaltfrei zu erreichen. Der Moment wäre vielleicht 2020 da gewesen. Mittlerweile sind alle so geprägt von den Kriegsbildern aus der Ukraine und viele Menschen sind aus Belarus erst einmal in die Ukraine geflüchtet, sodass viele schon zweimal ihr Zuhause verloren haben. Diese Eindrücke färben ab, gerade auf die politisch Aktiven, die sowieso schon hinschauen. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Gerade scheint es ein Abwarten, es formieren sich neue Strukturen. Aber wie es weitergeht, das weiß niemand von uns.”</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Belarus, nicht Weißrussland</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/11/belarus-nicht-weissrussland/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Diana Podoynitsyn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Nov 2022 17:03:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Protest]]></category>
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					<description><![CDATA[(Protest-)Bilder bewegen die Welt: Im Iran schneiden sich Frauen 2022 auf der Straße die Haare ab, in Belarus tanzten sie 2020 in weißen Kleidern auf der Straße. Es sind Frauen, die Demokratie- und Freiheitsbewegungen prägen und es sind wir, die uns mit solchen Bewegungen solidarisieren müssen. Unsere Autorin Diana findet: Um den belarusischen Widerstand gegen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p align="justify"><strong>(Protest-)Bilder bewegen die Welt: Im Iran schneiden sich Frauen 2022 auf der Straße die Haare ab, in Belarus tanzten sie 2020 in weißen Kleidern auf der Straße. Es sind Frauen, die Demokratie- und Freiheitsbewegungen prägen und es sind wir, die uns mit solchen Bewegungen solidarisieren müssen. Unsere Autorin Diana findet: Um den belarusischen Widerstand gegen die Diktatur von Lukaschenko zu verstehen, müssen wir dabei ansetzen, dass Belarus nicht Weißrussland ist.</strong><span id="more-15167"></span></p>
<p align="justify"><b>über gemeinsame Wurzeln</b></p>
<p align="justify">Belarus ist einigen sicher eher als <i>Weißrussland</i> bekannt. <i>Bela</i> bedeutet tatsächlich <i>weiß</i>, das Suffix <i>-rus</i> steht jedoch nicht für <i>Russland</i>, sondern bezieht sich auf die <i>Kiewer Rus</i>. Diese ist auch bekannt als <i>alte Rus</i>, denn die Bezeichnung <i>Kiewer Rus</i> besteht erst seit dem 19. Jahrhundert. Sie bezeichnet ein großreich bestehend aus Ukrainier*innen, Russ*innen und Belarus*innen, dass es vom Ende des 9. Jahrhunderts bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts gab. Damit zog sich das Reich vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee, auch das heutige Moldawien fiel unter das Herrschaftsgebiet der Kiewer Rus.</p>
<p align="center">“<span style="font-family: Times New Roman, serif;">Der Name Rus wurde auf die ostslawischen Stämme übertragen, die die germanische Führungsschicht bald assimilierten. Vom Namen Rus leiten sich die Ethnonyme [Volksbezeichnungen] der Russen und Weißrussen [Belarusen] ab, außerdem die Namen Rusynen, Ruthenen und Kleinrussen, mit denen die Ukrainer [abwertenderweise] mehrere Jahrhunderte lang bezeichnet wurden.”</span></p>
<p align="center">– <span style="font-family: Times New Roman, serif;">Prof. Dr. Andreas Kappeler, em. Prof. für Osteuropäische Geschichte in Wien</span></p>
<p align="justify">Unter Wladimir / Wolodymyr I. beginnt ab dem Jahr 988 die Christianisierung der Kiewer Rus, aus der die slawisch-orthodoxen Kirchen hervorgingen. Daraus resultiert in der späten Neuzeit ein Gründungsmythos des russländischen und ukrainischen Staates mitsamt ihrer orthodoxen Kirchen. Die russische Geschichtsschreibung beansprucht das Erbe der Kiewer Rus jedoch allein für sich. Sie argumentiert damit, dass die Rurikiden-Dynastie sich auch nach Zerfall des Kiewer Reichs durch innerdynastische Konflikte und Angriffe von außen im Moskauer Zarentum fortsetzte. Diese politische Kontinuität sehen sie im weiteren Geschichtsverlauf in der Sowjetunion und der heutige Russländischen Föderation.</p>
<p align="justify"><a href="https://www.bpb.de/themen/europa/russland/295403/die-kiewer-rus-geteilte-erinnerung-in-der-ukraine-und-in-russland/"><span style="color: #1155cc;"><u>Prof. Dr. Kappeler schreibt zu diesem Erbstreit</u></span></a>, den er “wissenschaftlich unergiebig” findet: “Man projiziert nationale Kategorien der heutigen Zeit ins Mittelalter, obwohl man für die damalige Zeit noch nicht von Russen und Ukrainern sprechen kann. In der Sowjetunion prägte man deshalb den Begriff “der gemeinsamen Wiege” der Russen und Ukrainer, wobei den Russen allerdings immer die Rolle des “älteren Bruders” zugeschrieben wurde und der “jüngere ukrainische Bruder” nach dem Ende der Kiewer Rus im 13. Jahrhundert danach strebte, sich mit Russland &#8222;wiederzuvereinigen&#8220;.&#8220;</p>
<p align="justify">Dieses Narrativ müsste uns allen bekannt vorkommen.</p>
<p align="justify"><b>über Unfreiheit und Freiheit</b></p>
<p align="justify">Nach Auflösung der Kiewer Rus schließen sich die belarusischen Fürstentümer dem Großfürstentum Litauen an. 1795 endet jedoch auch dieses Großreich aufgrund von internen Konkurrenzkämpfen und Eroberungsangriffen von außen. Die Zarin Katharina die Große (1729 – 1796) gliedert Belarus daraufhin in das Russische Zarenreich ein. Im 19. Jahrhundert geht von den Zaren eine <i>Russifizierung</i> aus: Russisch wird zur Amtssprache. Andere Sprachen wie Belarusisch, Wolgadeutsch oder Ukrainisch werden aus dem öffentlichen Leben verbannt. Die Folge: tradierte Familientraumata.</p>
<p align="justify">Gegen Ende des Ersten Weltkrieges (1914 – 1918) besetzte die Wehrmacht Belarus. Nach Friedensschluss zwischen Lenin und Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1918 beschließen sie, dass besetzte Länder ein Recht auf Unabhängigkeit haben. Daraufhin gründete sich am 18. März 1918 die freie und unabhängige Volksrepublik von Belarus, deren weiß-rot-weiße Flagge wir noch von der heutigen Widerstandsbewegung kennen. Sie steht für Freiheit und Unabhängigkeit, – auch wenn andere Staaten (darunter die Weimarer Republik) die belarusische Republik nicht anerkannten. Sechs Monate später endet die Unabhängigkeit bereits. Hätte, hätte, Fahrradkette: Was wäre, wenn die internationale Gemeinschaft Belarus in seiner Unabhängigkeit und Freiheit damals unterstützt hätte?</p>
<p align="justify">Mit dem Vertrag von Versailles 1919 wurde u. a. die “Wiederherstellung” Polens beschlossen. Die Weimarer Republik tritt den belarusischen Westen an Polen ab. Der Osten wird 1922 als Belarusische Sozialistische Sowjetrepublik (BSSR) ebenso wie die Ukraine zu einem der Gründungsstaaten der UdSSR. Als Teil von Polen wurde den Belarus*innen Glaubens- und Religionsfreiheit, das Recht Belarusisch zu sprechen und eigene Schulen zu errichten und die Teilnahme an der Politik zugesichert. Vor Alltagsdiskriminierung schützt dies jedoch nicht.</p>
<p align="justify"><b>über Russlands Mitspielen</b></p>
<p align="justify">1939 schließen Stalin und Hitler einen Pakt: Polen soll angegriffen und dann aufgeteilt werden. Stalin soll den Osten kriegen – wo Belarus*innen leben. Dieser völkerrechtswidrige Angriff des Deutschen Kaiserreichs auf Polen im September 1939 stellt den Beginn des Zweiten Weltkrieges dar. Im Rahmen der sowjetischen Besetzung Ostpolens findet dort eine <i>Sowjetisierung </i>statt, die stark an die Russifizierung im Zarenreich erinnert. Es kommt erneut zur zwanghaften Assimilation an die russische Kultur und Sprache. Menschen werden zu Regimefeinden erklärt und ermordet.</p>
<p align="justify">Belarus und die Ukraine zählen zur Zeit des Zweiten Weltkrieges (1939 &#8211; 1945) und dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in die Sowjetunion 1941 zu den Ländern mit dem höchsten Anteil jüdischer Bevölkerung. Ghettos und Vernichtungslager entstehen. Die <i>Wannseekonferenz</i> am 20. Januar 1942 in Berlin sollte die “<i>Judenfrage”</i> endgültig klären. Der für Belarus verantwortliche Nazi gab damit an, dass Belarus judenfrei sei. Ein Drittel der belarusischen Bevölkerung überlebte den Zweiten Weltkrieg nicht.</p>
<p align="justify">Mit der Eroberung von Belarus durch die sowjetische Rote Armee 1944 gehen erneute Deportationen einher. Die Befürchtung: Belarus*innen könnten durch die Nazibesetzung ebenfalls zu Faschisten geworden sein. Nach dem Krieg lässt Stalin deswegen Russ*innen in Belarus siedeln. Erneut sehen Belarus*innen sich in ihrer nationalen Identität und Freiheit unterdrückt.</p>
<p align="justify"><b>über das sowjetische Ende</b></p>
<p align="justify">Am 7. Dezember 1991 lädt der belarusische Parlamentschef Stanislaw Schuschkewitsch die Präsidenten von Russland und der Ukraine, Boris Jelzin und Lenoid Krawtschuk, in eine Staatsdatscha in Viskuli ein. In der Nacht auf den 8. Dezember entsteht handschriftlich ein Vertrag, der den Staatenbund “Gemeinschaft unabhängiger Staaten” (GUS) begründet. Sie alle unterzeichnen das <i>Belowescher Abkommen</i>, in dessen Präambel steht: “Die Sowjetunion als Subjekt internationalen Rechts und geopolitischer Realität hat aufgehört zu existieren.”</p>
<p align="justify">Jelzin hört davon, dass Gorbatschow Bescheid weiß – der KGB hat die Datscha in Viskuli verwanzt. Das Militär ist Jelzin treu, der KGB allein kann es nicht richten – Gorbatschow tritt am 25. Dezember 1991 zurück. Jelzin kriegt den russischen Atomkoffer, die russische Flagge löst die sowjetische auf dem Kreml ab. Gorbatschow ist enttäuscht, später wird er sagen: “Ich habe immer vor dem Zerfall der UdSSR gewarnt” und “sie haben die Sowjetunion auseinandergebrochen. Es ging ihnen nur um die Macht.” Erstmal sagen wird er im Fernsehen, in dem vorher nur Schwanensee lief: “Ich beende meine Tätigkeit als Präsident der UdSSR. Ich bin überzeugt, dass unsere gemeinsamen Anstrengungen früher oder später Früchte tragen werden. Unsere Völker werden in einer blühenden und demokratischen Gesellschaft leben.”</p>
<p align="justify">Der Zusammenbruch der Sowjetunion wird auch als Ende des Kalten Krieges verstanden, – nicht zuletzt, weil der <i>Warschauer Pakt</i>, das Verteidigungsbündnis der osteuropäischen (sozialistischen) Staaten, damit ebenfalls ausläuft. Belarus und die Ukraine werden zu souveränen Staaten, die GUS besteht noch heute. Seit 2009 jedoch ohne Georgien und seit 2014 ohne die Ukraine. “Das ursprüngliche Ziel eines engen Zusammenschlusses unter der Führung Russlands (<a href="https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/18161/russland-rus/"><span style="color: #1155cc;"><u>Russland (RUS)</u></span></a>) wurde fallen gelassen”, <a href="https://www.bpb.de/kurz-knapp/lexika/politiklexikon/17537/gemeinschaft-unabhaengiger-staaten-gus/"><span style="color: #1155cc;"><u>schreibt die Bundeszentrale für politische Bildung in ihrem Politiklexikon.</u></span></a></p>
<p align="justify">Mich fasziniert das sowjetische Ende, das so viele Gründe hat: Zum einen weil Staaten wie Belarus und die Ukraine sich aus der russländischen Vorherrschaft in der UdSSR freimachen woll(t)en und diese Volkssouveränität aus russländischer Perspektive immer noch infrage gestellt wird. Zum anderen rührt meine Faszination daher, dass es marginalisierte Gruppen – wie jüngst Frauen in Iran und 2020 in Belarus – sind, die auf der Straße in erster Reihe. Vielleicht weil mehrfachmarginalisierte Menschen – leben in einer Diktatur und dazu unterdrückt in einer patriarchalen Welt – aus ihrer persönlichen Betroffenheit und Lebensperspektive besser erkennen, wie diese Machtdynamiken einander gegenseitig stützen. Deswegen geht es auch nicht nur um Belarus oder Iran, sondern so viel mehr.</p>
<p align="justify">Ich will verstehen, was es bedeutet, tagtäglich für eine freie, demokratische Welt und ein freies, demokratisches Belarus einzustehen. Deswegen spreche ich mit Katja; in meinem nächsten Text “Wer, wenn nicht wir und wann, wenn nicht jetzt?” zu lesen.</p>
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		<title>Ich zeriss ihn</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/08/ich-zeriss-ihn/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Diana Podoynitsyn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Aug 2022 11:03:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir freuen uns mit Diana eine neue Autorin auf meinTestgelände begrüßen zu können. Diana ist &#8222;Russin, – und Deutsche. Rheinland-Pfälzerin mit wolgadeutschen Wurzeln. Postsowjetisch geprägt und eine Trierer Seele.“ Seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine fühlt es sich für Diana an, als stände ihre Welt still. Halt findet sie in der Literatur und stellt euch]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir freuen uns mit Diana eine neue Autorin auf meinTestgelände begrüßen zu können. Diana ist &#8222;Russin, – und Deutsche. Rheinland-Pfälzerin mit wolgadeutschen Wurzeln. Postsowjetisch geprägt und eine Trierer Seele.“ Seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine fühlt es sich für Diana an, als stände ihre Welt still. Halt findet sie in der Literatur und stellt euch daher den Roman „Die Lüge“ von Mikita Franko vor &#8211; darin geht es um ein Kind, welches bei seinem schwulen Onkel und seinem Freund aufwächst.</strong></p>
<p><span id="more-15012"></span></p>
<p>Mikita Franko wurde 1997 in Kasachstan geboren und lebt heute in Moskau. Er “versteht sich als Akyn, als kasachischen Volksdichter, der politische Themen behandelt”, heißt es in seiner Autorenbiographie. Sein Debütroman wurde 2020 veröffentlicht und erschien Anfang Mai 2022 nun unter “Die Lüge” in deutschen Buchhandlungen. Mich freut das sehr.</p>
<p>Seit dem 24. Februar 2022 scheint mir, als stünde die Welt still – jedenfalls meine. Ich habe das Gefühl, ich komme nicht mehr mit. Irgendwie geht alles weiter, immer mehr, aber ich sehe in mir Stillstand. Irgendwie jedenfalls. Denn auf der anderen Seite kreisen meine Gedanken fortwährend, eine Frage jagt die nächste: Ich bin Russin, – und Deutsche. Rheinland-Pfälzerin mit wolgadeutschen Wurzeln. Postsowjetisch geprägt und eine Trierer Seele. Wer bin ich dann in Zeiten wie diesen?</p>
<p>zwischen Pubertät und Depression</p>
<p>Frankos Roman entstand, weil er schreiben musste. Einzelne Passagen online veröffentlichte, als es in ihm tobte. Weil er nicht wusste, wohin sonst mit all dem, was raus muss. Die Begeisterung anderer über sein schriftstellerisches Talent inspiriert ihn dazu, seine Textfragmente zu bündeln. Daraus entstand “Die Lüge”, ein Roman, in dem wir Mikitas Kindheit und Jugend begleiten und Wahrheit und Fiktion auf eine Weise verschmelzen, die mein Herz höher schlagen und mich euphorisch schreien lässt.</p>
<p>Mikita wächst bei seinem schwulen Onkel Slawa und seinem Freund Lew auf. Wir begleiten Mikita dabei, zu erkennen, dass Lew nicht bloß ein guter Freund seines Onkels ist. In der Welt des Postsowjetismus, in die Mikita hineingeboren wurde, stellt Homosexualität etwas Undenkbares dar. Und doch zeigt Mikita schon im Kindergartenalter ein Reflexionsvermögen, das bei vielen älteren Menschen nicht vorzufinden ist: “Ich musste zugeben, dass man Aschenputtel durch einen Jungen ersetzen konnte, ohne den Handlungsverlauf groß ändern zu müssen. Oder den Prinzen durch eine Prinzessin. Aber wenn das wahr war, warum schrieben dann alle Schriftsteller nur über Jungs und Mädchen? Schriftsteller sind doch kluge Menschen, die müssen genau wissen, was wahr ist und was nicht.” (S. 23)</p>
<p>Diese Beobachtung der fehlenden Repräsentation queerer Menschen ist nicht die einzige Parallele, die zwischen Mikita und dem Autor Franko zu ziehen ist, – der nicht zuletzt aus dem Bedürfnis heraus, etwas an diesem Umstand zu ändern, “Die Lüge” publizierte. Franko zeigt, dass Queerness nicht vor der internalisierten Queerfeindlichkeit schützt, die wir dem heteronormativen Patriarchat zu verdanken haben, in dem wir leben.</p>
<p>“Es war, als stünde ich auf wackeligem Grund, der mich nicht tragen konnte. Und als wäre es nur eine Frage der Zeit, bis alles zusammenbrach.” (S. 187)</p>
<p>Mikitas Kernkonflikt besteht in dem Doppelleben, das er führt: Er darf niemandem erzählen, dass er zwei Väter hat, weil ihnen sonst das Sorgerecht entzogen werden kann. Was dieses Luftanhalten von Kindesbeinen an mit einem Heranwachsenden macht, erleben wir in “Die Lüge” hautnah mit und begleiten Mikita somit bei seinem Wachstums- und Reifeprozess. Wir erleben wie wütend er auf die queerfeindliche Gesellschaft ist, in der er lebt und wie er sich einer irrationalen Wut auf seine Eltern hingibt, weil er in ihrer Liebe den Grund für seine Unfreiheit ausmacht.</p>
<p>Es sind nicht zuletzt diese Momente des Ringens und Kämpfens, die Franko mit einer Alltagsnähe beschreibt, die berührt, betrifft und bewegt. Auch ohne in einer Regenbogenfamilie großzuwerden sind die Erfahrungen Mikitas kollektive Erlebnisse, die wir alle so oder so ähnlich früher oder später durchleben: Zu begreifen, dass Erwachsene qua ihres Erwachsenenstatus keine Superhelden und moralischen Vorbilder sind und Eltern Menschen sind, die mit jedem Tag des Elternseins mehr in ihre Elternrolle wachsen. Zu akzeptieren, dass wir in einer ungerechten Welt leben und die Macht haben, etwas mehr Licht in diese zu bringen.</p>
<p>zwischen Poetisieren und Politisieren</p>
<p>Frankos Charaktere sind ehrlich und authentisch – ebenso wie ihre Beziehungen. Mikita ist ebenso unperfekt wie seine Väter Slawa und Lew. Nicht zuletzt dadurch werden auch die noch unperfekteren Buchcharaktere wie der fast schon klassisch böse Mobber ebenso liebenswürdig wie Mikita, Slawa und Lew. Wir sehen die Fülle an Ecken und Kanten des Lebens, die Verantwortung eines jeden Einzelnen und die deterministischen Züge des Meisterwerks Leben. Die einzelnen Kapitel beschreiben Situationen, die nicht aus der Luft, sondern dem Leben gerissen wurden und sich verflechten lassen zu einem Bild, das besser als jedes andere zeigt, was Heranwachsen, Familie und Brückenschlagen heißt. Damit erinnert Franko an “Die jüngste Tochter” von Fatima Daas, das im französischsprachigen Original ebenfalls 2020 und in der deutschen Übersetzung letztes Jahr erschien, – ein ebenso empfehlenswertes Debüt.</p>
<p>Sie beide reihen sich an Elif Shafak an, die die Kunst des Poetisierens und Politisierens alltäglicher, kollektiver Erfahrungen der wahrhaftigsten Wirklichkeit mit jedem neuen Roman auf den Höhepunkt treibt – in absoluter Perfektion. Dadurch liest sich “Die Lüge” federleicht, auch wenn das Herz dauerschwer ist und eine Träne der nächsten folgt, während ich immer wieder vor mich hingrinse. Franko schafft es, dass ich mich in Mikita ein Stück weit selbst finde und Mikita in mir, obwohl seine Lebenswirklichkeit meiner nur in den wenigsten Punkten gleicht. Diese Fähigkeit macht Franko nicht nur zum literarischen Meister der Schreibkunst, einem Könner, der sein Handwerk genauestens beherrscht. Franko ist ein philosophisches Genie, vor dem ich nicht nur meinen Hut ziehen, sondern mich im Geiste verneigen will. Es bleibt zu hoffen, dass auch seine weiteren Romane ins Deutsche übersetzt werden und mehr Menschen in den Genuss seiner Geistes- und Schaffenskraft kommen.</p>
<p>Ich finde, es braucht das. Stimmen wie Franko sind diejenigen, die Gehör finden müssen – in Russland und der Welt. Gerade in Zeiten wie diesen. Denn Literatur hat Kraft.</p>
<p><a href="https://hoffmann-und-campe.de/products/58855-die-luege">Das Buch ist im Mai 2022 erschienen Verlag Hoffmann &amp; Campe.</a></p>
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