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		<title>Impfzentrum und Sächs_innen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Fluff]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Dec 2023 11:03:53 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Da war ja was… ein Comic über die kleinen Freuden des Corona-Alltags und den Versuch, ein bisschen Normalität herzustellen von Fluff.   &#160;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Da war ja was… ein Comic über die kleinen Freuden des Corona-Alltags und den Versuch, ein bisschen Normalität herzustellen von Fluff.</strong><span id="more-15846"></span></p>
<p><strong><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone wp-image-15848" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/Fluff-Impfzentren-und-Saechs_innen-450x600.png" alt="" width="405" height="540" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/Fluff-Impfzentren-und-Saechs_innen-450x600.png 450w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/Fluff-Impfzentren-und-Saechs_innen-225x300.png 225w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/Fluff-Impfzentren-und-Saechs_innen-768x1024.png 768w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/Fluff-Impfzentren-und-Saechs_innen.png 960w" sizes="(max-width: 405px) 100vw, 405px" /></strong><strong><img decoding="async" class="wp-image-15847 alignright" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/bild2a-450x600.png" alt="" width="399" height="532" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/bild2a-450x600.png 450w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/bild2a-225x300.png 225w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/bild2a-768x1024.png 768w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/bild2a.png 960w" sizes="(max-width: 399px) 100vw, 399px" /></strong></p>
<p><strong>  <img decoding="async" class="wp-image-15849 alignleft" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic3a-450x600.png" alt="" width="354" height="472" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic3a-450x600.png 450w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic3a-225x300.png 225w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic3a-768x1024.png 768w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic3a.png 960w" sizes="(max-width: 354px) 100vw, 354px" /> <img loading="lazy" decoding="async" class="wp-image-15850 alignright" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic4-450x600.png" alt="" width="397" height="529" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic4-450x600.png 450w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic4-225x300.png 225w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic4-768x1024.png 768w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic4.png 960w" sizes="auto, (max-width: 397px) 100vw, 397px" /> <img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-15851" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic5aaa-800x600.png" alt="" width="700" height="525" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic5aaa-800x600.png 800w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic5aaa-300x225.png 300w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic5aaa-768x576.png 768w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic5aaa-228x171.png 228w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic5aaa-160x120.png 160w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic5aaa-320x240.png 320w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic5aaa-380x285.png 380w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic5aaa-700x525.png 700w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic5aaa-760x570.png 760w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic5aaa-1140x855.png 1140w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/12/comic5aaa.png 1280w" sizes="auto, (max-width: 700px) 100vw, 700px" /></strong></p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>Impfzentrum und Sächs_innen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/06/impfzentrum-und-saechs_innen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fluff]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Jun 2022 09:00:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Covid19]]></category>
		<category><![CDATA[Drag]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[“Corona, Gift für Kunst und Kultur. Gift für Dragshows und Tunten”. Fluff erzählt von einer Zeit, in der Glitzer, Pailletten, angeklebte Wimpern, Highheels und Perücken nur zu Hause zum Üben getragen wurden, von trans-Hass und von Freundschaft, die das alles ertragen lässt. Die Wimpern flattern. Ich fluche. Der Kleber hält nicht. Eingetrockneter Wimpernkleber ist mit]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body"><strong>“Corona, Gift für Kunst und Kultur. Gift für Dragshows und Tunten”. Fluff erzählt von einer Zeit, in der Glitzer, Pailletten, angeklebte Wimpern, Highheels und Perücken nur zu Hause zum Üben getragen wurden, von trans-Hass und von Freundschaft, die das alles ertragen lässt.</strong></p>
<p><span id="more-14864"></span></p>
<p class="western" align="left">Die Wimpern flattern. Ich fluche. Der Kleber hält nicht. Eingetrockneter Wimpernkleber ist mit Abstand die lächerlichste Make-Up-Fail Variante. Hinter mir ertönt eine gelangweilt-amüsierte Stimme: „Warum fummelst du dich überhaupt auf? Sieht doch eh kein Mensch.“ Ich verziehe das Gesicht. They hat ja nicht Unrecht. „Übung.“, gebe ich knapp zurück und fummele die halb angesetzten Wimpern wieder runter. Lippenstift sitzt. Meine Augenbrauen habe ich mit Klebstoff bearbeitet und unsichtbar geschminkt. Stattdessen prangen buschige, raupenähnliche Gebilde beinahe auf meiner Stirn. Schließlich muss ja ausreichend Platz für den Lidschatten, Lidstrich, Glitzer und Pailletten sein. Aber auch Pailletten halten nicht, wenn der Kleber eingetrocknet ist.</p>
<p>Ich stülpe mir die Perücke auf den rasierten Kopf und schmeiße die Tube in den Mülleimer.</p>
<p class="western" align="left">Corona, Gift für Kunst und Kultur. Gift für Dragshows und Tunten, die ihre Fummel seit knapp zwei Jahren nur zu Hause spazieren trugen. Auf der Straße ist es mittlerweile ebenfalls gefährlicher geworden, sichtbar queer zu sein. Gleichzeitig hat die neue Koalition, die Ampel, versprochen, das Selbstbestimmungsgesetz für trans Personen endlich in die Tat umzusetzen. Wilde Zeiten, in denen wir leben. Fortschritt im Parlament, Angst auf den Straßen.</p>
<p class="western" align="left">Mein Handy vibriert. Ich seufze. Hass im Netz, den hatte ich ganz vergessen. Ich lösche, blende aus, blockiere die Menschen. Die Argumente sind immer die gleichen, es gäbe nur zwei Geschlechter, ich wäre psychotisch, psychisch krank, irre, würde mich in Frauenumkleiden schleichen wollen… (Und Frauen vergewaltigen. Immer wieder, ich würde Frauen vergewaltigen wollen.)</p>
<p class="western" align="left">Ich werfe den Kopf zurück, die Perücke wippt. Ich weiß oft nicht, ob ich es zum Lachen oder zum Weinen finden soll. Mir schlägt der Hass entgegen, weil sie mich für eine trans Frau halten. Alternativ schlägt mir der Hass entgegen, weil sie mich wieder zurück ins Frau-Sein zerren wollen.</p>
<p class="western" align="left">Am liebsten hätte ich gar keinen Hass, aber die Aktion scheint es nicht zu geben. Und meine bevorzugte Freizeitaktivität, Drag und Highheels, fällt auch weg.</p>
<p class="western" align="left">„Da war ja was… für jede ausgefallene Drag-Show trag ich eine_n Sächs_in zum Impfzentrum.“</p>
<p class="western" align="left">Ich muss grinsen. Mein_e Mitbewohner_in hat eine seltsame Art, mich zu trösten, aber sie funktioniert. They weiß genau, was in meinem Kopf vor sich geht. Gleichzeitig ist they die Person, die am wenigsten mit überdrehter Glitzerkultur etwas anfangen kann.</p>
<p class="western" align="left">They fluchte früher ausgiebig (so wie ich mit eingetrocknetem Wimpernkleber), wenn ich them dazu überreden wollte „doch etwas Spaß zu haben“. Spaß und Glitzer, der noch Monate später im Bett gefunden wurde, schlossen sich für them kategorisch aus. Außerdem hasst they Highheels, kann mit Schaumwein nichts anfangen und würde sich lieber nackt auf ein Nagelbrett legen, als sich in ein grünes Paillettenkleid zu zwängen.</p>
<p class="western" align="left">Zwei Tage später.</p>
<p>Ich komme ins Wohnzimmer, die erste Tasse Kaffee in der Hand. Auf dem Tisch liegt eine frische Packung Wimpernkleber und eine kleine Zange, um Kunstwimpern besser greifen zu können.</p>
<p class="western" align="left">Daneben klebt ein Post-It. „Zum Üben.“ steht darauf.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Barteln</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/05/barteln/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fluff]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 May 2022 09:43:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Transition]]></category>
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					<description><![CDATA[“Drei einzelne Barthaare am Kinn. […] Der ganze Körper verändert sich”. Fluff erzählt von hormonellen Veränderungen und dass solche Transition nicht ausschließlich glücklich macht – aber das findet Fluff in Ordnung. Haare. Überall neue Haare. Ich schneide meinem Gesicht im Spiegel eine Grimasse. Gleichzeitig sieht es lustig aus, wie diese drei Barthaare dabei zittern. Drei]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body"><strong>“Drei einzelne Barthaare am Kinn. […] Der ganze Körper verändert sich”. Fluff erzählt von hormonellen Veränderungen und dass solche Transition nicht ausschließlich glücklich macht – aber das findet Fluff in Ordnung.</strong></p>
<p><span id="more-14824"></span></p>
<p class="western" align="left">Haare. Überall neue Haare.</p>
<p class="western" align="left">Ich schneide meinem Gesicht im Spiegel eine Grimasse. Gleichzeitig sieht es lustig aus, wie diese drei Barthaare dabei zittern.<br />
Drei einzelne Barthaare am Kinn. Ein dünner Oberlippenflaum. Und ein ganzer Wald an dicken, borstigen Haaren am Bauch, an der Hüfte, der Innenseite der Oberschenkel, den Brüsten.</p>
<p class="western" align="left">Ich nehme mir eine Pinzette und zupfe die drei langen, einzelnen Haare am Kinn. Ansonsten hat das so etwas Koi-Karpfen-mäßiges. Blubb.</p>
<p class="western" align="left">Griff zur Creme. Testosteron trocknet die Haut aus (naja, streng genommen nicht das Testo, sondern die 98% Alkohol, die das Testo umgeben und einmal täglich auf die Haut geschmiert werden). „Reichhaltige Bodylotion. 48h Feuchtigkeit!“ verspricht die Packung. Bei mir sind es eher 12 Stunden, aber meine Haut ist da ohnehin eher so wüstenartig. Wüstenartig mit neuen Haaren. Gibt’s dafür bereits den passenden, geologischen Vergleich?</p>
<p class="western" align="left">Anziehen. Die nächste Hose sitzt wieder locker. Der ganze Körper verändert sich. Gleichzeitig hat er zum ersten Mal Grenzen. Ich spüre, wo ich aufhöre und der Rest der Welt anfängt. Es ist ein „ich“ und ein „da draußen“ – und beides ist eindeutig voneinander abgrenzbar.<br />
Ganz neues Gefühl, deutlich besser als vorher. Würde jederzeit wiederempfehlen, selbst mit lästigen Koi-Karpfen-Haar-Antennen. (Memo an mich: Googlen, wie diese Koi-Karpfen-Barthaare heißen.)</p>
<p class="western" align="left">Socken und Schuhe. Meine Füße sind größer geworden, den Großteil meiner alten Schuhe musste ich verkaufen. Eine Leidenschaft für High-Heels und wachsende Füße lehren Abschiedsschmerz. (Und Blasen. Und ganz neu: wie sich passende Schuhe anfühlen.)</p>
<p class="western" align="left">Angezogen. Ausgehfertig. Diese Welt dort draußen, mit all ihrer (unbeabsichtigten, banalen) Feindlichkeit. Die Welt hier drinnen, in der ich genießen und abwarten darf. Ausprobieren, welche Veränderungen mir gut tun. Meckern, wenn ich irgendeine Veränderung nicht mag. (Es ist erlaubt, nicht alles zu mögen. Es ist in Ordnung, wenn hormonelle Transition nicht ausschließlich glücklich macht.) Ein Ort der Zwischentöne.</p>
<p class="western" align="left">Ich schließe die Tür hinter mir. Die Welt scheint schwarz-weiß. Die Zwischentöne, Pastellfarben, Grauvarianten lasse ich hinter mir. Meine Schritte hallen auf den alten Treppenstufen. Die Maske drückt vor dem Gesicht. Die Luft ist kalt, irgendwer hat schon wieder die Fenster im Treppenhaus offen gelassen. Der Packer schmiegt sich von innen an meinen Körper und bildet von außen eine zarte Beule.</p>
<p class="western" align="left">Die Koi-Karpfen-Barthaare heißen übrigens Barteln.</p>
<p class="western" align="left">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Paralympics, Geschlecht und Krüppelfrauen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/04/paralympics-geschlecht-und-krueppelfrauen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fluff]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Apr 2022 07:00:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Behinderung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
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					<description><![CDATA[Vor 30 Jahren fanden offiziell die ersten Paralympischen Spiele statt. Die Teilnehmer*innen wollen bis heute als Sportler*innen anerkannt und nicht als Behinderte bejubelt werden. Fluff untersucht, inwiefern das gelungen ist und warum “ein ganz normaler Mensch nicht zur Inspiration taugt.” „Ich will als ganz normaler Mensch angesehen werden!“ sagte Marianne Buggenhagen schon 1991 der Zeitschrift]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1"><strong>Vor 30 Jahren fanden offiziell die ersten Paralympischen Spiele statt. Die Teilnehmer*innen wollen bis heute als Sportler*innen anerkannt und nicht als Behinderte bejubelt werden. Fluff untersucht, inwiefern das gelungen ist und warum “ein ganz normaler Mensch nicht zur Inspiration taugt.” </strong></p>
<p><span id="more-14699"></span></p>
<p>„Ich will als ganz normaler Mensch angesehen werden!“ sagte Marianne Buggenhagen schon 1991 der Zeitschrift „die Stütze“. Im Interview ging es um sie, ihren Sport, ihre Behinderung und ihren Mann. Ein kurzer Artikel, der gleichzeitig auch heute hätte erscheinen können: Es wurde betont, wie selbstständig sie sei, wie sauber ihre Wohnung und wie unabhängig sie (trotz Rollstuhl) im Leben stünde. Kurz nach der Wende, gerade arbeitslos geworden, aber dennoch die Hoffnung nicht aufgebend.</p>
<p>Damals plante sie, an den ersten offiziellen Paralympischen Spielen 1992 in Barcelona teilzunehmen.  Das gelang und Marianne nahm direkt vier Goldmedaillen mit nach Hause: im Fünfkampf, Speerwurf, Diskurswurf und Kugelstoßen. Insgesamt wurden es in den folgenden Jahren neun Goldmedaillen, zweimal Bronze und dreimal Silber – und drei Weltrekorde (Diskurswerfen, Speerwerfen, Mehrkampf).</p>
<p>Auch 2022 finden die Paralympischen Spiele statt, vom 04. März bis zum 13. März in Peking. Deutschland wird 18 Athlet_innen in die chinesische Hauptstadt schicken. Gleichzeitig geht es bei den Paralympics auch jedes Jahr darum zu zeigen, dass „solche Menschen“ (euphemistisch ausgedrückt: Menschen mit Beeinträchtigungen, Menschen mit Handicap, Menschen mit besonderen Bedürfnissen), faktisch korrekt ausgedrückt: behinderte Menschen „ebenfalls alles schaffen können“ und chronisch gesunde, nichtbehinderte Menschen dadurch „inspirieren“.</p>
<p>In der Ankündigung der Paralympischen Winterspiele (und der Beschreibung des Maskottchens) liest sich das ungefähr so: „Das Leuchten, das von Shuey Rhon Rhons Herz ausgeht (das das Logo der Winter-Paralympics Beijing 2022 umschließt), symbolisiert die Freundschaft, die Wärme, den Mut und die Ausdauer von Para-Athleten &#8211; Eigenschaften, die jeden Tag Millionen von Menschen auf der ganzen Welt inspirieren.“ Auch in der Fackel scheint Inspiration eine große Rolle zu spielen: „Die Fackel hat eine Farbkombination aus Silber und Gold (die olympische Fackel ist rot und silber), die &#8222;Ruhm und Träume&#8220; symbolisieren soll und gleichzeitig die paralympischen Werte &#8222;Entschlossenheit, Gleichheit, Inspiration und Mut&#8220; widerspiegelt.“</p>
<p>Und auch beim Emblem ist die Inspiration offensichtlich tragend gewesen: „Das offizielle Emblem der Paralympischen Winterspiele Beijing 2022 mit dem Namen &#8222;Leaps&#8220; (Sprünge) transformiert kunstvoll 飞, das chinesische Schriftzeichen für &#8222;fliegen&#8220;. Das von dem Künstler Lin Cunzhen geschaffene Emblem soll das Bild eines Athleten im Rollstuhl heraufbeschwören, der sich auf die Ziellinie und den Sieg zu bewegt. Das Emblem verkörpert auch die Vision der Paralympics, Para-Athleten zu befähigen, &#8222;sportliche Höchstleistungen zu erzielen und die Welt zu inspirieren und zu begeistern&#8220;.“</p>
<p>Eine „ganz normale Frau“, bzw. „ein ganz normaler Mensch“ taugt nicht zur Inspiration, der Wunsch von Marianne Buggenhagen scheint sich bis heute nicht erfüllt zu haben.</p>
<p>Sportliche, behinderte Menschen werden bis heute für inspiration exploitation herangezogen – und dadurch schlussendlich entmenschlicht. Inspiration exploitation (teilweise auch veraltet als „Inspirationporn“ bezeichnet) bedeutet, dass behinderte Menschen nur als Projektionsfläche ihres Erfolgs gesehen werden: „Wenn DIE das schaffen, können es ALLE schaffen!“. Individuelle Geschichten und Bedürfnisse verschwinden hinter dem pauschalen „dafür, dass du behindert bist, bist du aber fast(!) normal“ und auch jenseits von den Paralympics werden behinderte Menschen für ihre reine Existenz zur Inspiration verklärt.</p>
<p>Bereits seit 1980 schrieben Krüppelfrauen (eine Selbstbezeichnung innerhalb der Krüppelbewegung) gegen die Normierung und „Inspiration“ der nichtbehinderten Welt an. So wird 1981 in der „Krüppelzeitung“ über ein Büchlein geschrieben, das an körperbehinderte Mädchen gerichtet ist und diesen den Umgang mit Make-Up und Schminke näherbringen soll.<br />
Treffend schlussfolgert die Autorin: „Grundsätzlich wird zwischen einer nichtbehinderten Frau und einer Krüppelfrau unterschieden: zur einen wird gesagt ,falls du dich rausputzt, dann liegt dir die ganze Welt zu Füßen, und zur anderen ,,falls du dich nett herrichtest, dann findest du auch ein Plätzchen in der Welt. Was ich dabei so erschreckend finde, ist, dass für die nichtbehinderten Frauen und Krüppelfrauen verschiedene Wege vorgezeichnet sind. Die eine im Vordergrund, die andere im Hintergrund. Mit der gleichen Unverfrorenheit wird festgesetzt, dass das Leben der nichtbehinderten Frauen durch Sexualität bestimmt wird, während im Leben der Krüppelfrauen die Sexualität unter den Tisch fällt. Für mich ist das eine wie das andere keine Alternative. Ich lehne es in jedem Fall ab, wenn nichtbehinderten Frauen und Krüppelfrauen vorgeschrieben wird, wie ihr Leben auszusehen hat. Ich bin für Selbstbestimmung. Erst recht für die Krüppelfrau, denn sie muss sich als Krüppel und als Frau emanzipieren.“</p>
<p>Leider zeigt auch die Berichterstattung der Paralympics ähnliche Tendenzen. Während olympische Spielerinnen (höchst fragwürdig) nach Ästhetik bewertet werden, wird die paralympische Berichterstattung vor allem nach der Behinderung der Athleth_innen ausgerichtet und (im Zweifelsfall) eine ergreifende Geschichte erzählt, wie es zu dieser oder jener Behinderung kam.</p>
<p>Inspiration kommt aus der Überwindung der eigenen Behinderung für nicht-Behinderte und trifft hier auf eine besonders unangenehme Kombination aus Sexismus und Ableismus.  Von der Forderung Marianne Bruggenhaagens, als „ganz normale Menschen“ wahrgenommen und dargestellt zu werden, sind wir bis heute weit entfernt.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lecktücher für Alle</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/03/lecktuecher-fuer-alle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fluff]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Mar 2022 07:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[Wisst ihr was Lecktücher sind? In der queeren Szene sind sie oft beliebt, außerhalb der Szene eher unbekannt. Bei den diesjährigen olympischen Spielen sollen trotz Abstandsregeln Kondome verteilt worden sein, doch von Lecktüchern ist keine Rede. Dabei ermöglichen sie vielen Leuten sicheren Sex. Fluff stellt sie uns vor und fragt sich, warum noch immer geschlechtliche]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1"><strong><span class="s1">Wisst ihr was Lecktücher sind? In der queeren Szene sind sie oft beliebt, außerhalb der Szene eher unbekannt. Bei den diesjährigen olympischen Spielen sollen trotz Abstandsregeln Kondome verteilt worden sein, doch von Lecktüchern ist keine Rede. Dabei ermöglichen sie vielen Leuten sicheren Sex. Fluff stellt sie uns vor und fragt sich, warum noch immer geschlechtliche Vielfalt bei Olympia und generell bei Spitzensport so eingeschränkt und wenig publik ist.</span></strong></p>
<p><span id="more-14588"></span></p>
<p>Winterspiele in Peking, mitten im dritten Jahr der Corona-Pandemie.</p>
<p class="western" align="left">Während im Eishockey der Frauen die Kanadierinnen konsequent in FFP2-Maske spielten (und 6:1 gegen die Russinnen gewannen), Italien eine Abstimmung über die „schönste Olympionikin“ durchführt (und die eigene Curling-Spielerin Stefania Constantini wählt) und mehrere Boulevard-Medien über die Verteilung von Kondomen in den olympischen Dörfern berichten (obwohl alle Athlet_innen dazu aufgefordert wurden, Handschläge und Umarmungen zu vermeiden und Abstand zu halten), frage ich mich: Wo sind die Lecktücher?</p>
<p class="western" align="left">Lecktücher sind kleine, dünne Tücher aus medizinischem Latex (ähnlich wie Kondome), die über Vulva oder Anus gelegt werden, um ohne das Risiko einer Krankheitsübertragung den gewählten Bereich mit Zunge oder Händen berühren zu können. Sie schützen vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie z.B. HIV oder auch Syphilis, ähnlich wie Kondome.In Deutschland gibt es sie in (manchen) Apotheken und bei einschlägigen Shops zu bestellen, Auswahl ist zwischen neutral, Erdbeere und Vanille. Beliebt sind sie vor allem in der queeren Szene, außerhalb dessen eher unbekannt.</p>
<p class="western" align="left">Vielleicht ist dies der Grund, warum bei Olympia vor allem auf Kondome gesetzt wird: Neben der geschlechtlichen „Vielfalt“ zwischen cis Männern und cis Frauen ist es hier relativ beschränkt. Die Debatten um die Teilnahme von trans und inter Personen laufen seit einigen Jahren, 2021 war Laurel Hubbard die erste trans Athletin bei den Olympischen Spielen (sie gewann gar nichts und landete unter „DNF“, beendete also ihre Durchgänge nicht). Gleichzeitig kündigt die taz an, das IOC würde nach den aktuellen Winterspielen in Peking erneut neue Regelungen für die Teilnahme von trans Personen vorlegen. Aber auch bekennende schwule oder lesbische Spitzensportler_innen finden wir kaum: Bei den Olympischen Winterspielen in Peking sind es ganze 36 (nach taz Angaben). Aus China selbst ist niemand dabei. Noch immer ist Homosexualität in 69 Ländern strafbar, in sieben Staaten droht für gleichgeschlechtlichen Sex die Todesstrafe.<a class="sdfootnoteanc" href="#sdfootnote1sym" name="sdfootnote1anc"><sup>1</sup></a> Aber auch in Europa gibt es noch immer Hemmungen, die eigene Queerness und eine Karriere im Spitzensport öffentlich zu verknüpfen.<br />
Schwule Fußballer in Deutschland warten entweder bis nach ihrer Karriere oder brechen diese ab, wenn sie sich geoutet haben – Stand heute gibt es keinen offen schwulen, aktiven Profifußballer in Deutschland.</p>
<p class="western" align="left">Dennoch werden sie – rein statistisch – existieren. Und wenn es schon nicht die Möglichkeit gibt, bei den Olympischen Winterspielen (oder wo auch immer die Kondome genutzt werden sollen), das eigene Sexleben zu gestalten, so wäre es zumindest ein symbolisches Zeichen, zukünftig auch Lecktücher zur Verfügung zu stellen. Auch ungeoutete Personen können und wollen miteinander Sex haben – von der Tatsache, dass sexuell übertragbare Krankheiten auch bei Hetero-Sex durchaus möglich sind, ganz abgesehen.</p>
<p class="western" align="left">Also, mehr Lecktücher und sexuelle Aufklärung für alle!</p>
<p>Bis dahin: Ein Kondom nehmen, den Ring abschneiden und es an der Seite aufschneiden. Ergibt ebenfalls ein ganz passables Lecktuch und ermöglicht sicheren Sex (vor allem, wenn du die andere Person im olympischen Dorf getroffen und keine Ahnung von ihrem üblichen Risikoverhalten hast).</p>
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<p class="sdfootnote-western" align="left"><a class="sdfootnotesym" href="#sdfootnote1anc" name="sdfootnote1sym">1</a>https://ilga.org/downloads/ILGA_State_Sponsored_Homophobia_2019.pdf</p>
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