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	<title>Johanna-Maria &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>Johanna-Maria &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Unsichtbarer Schleier</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Johanna-Maria]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Oct 2025 11:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Chancengleichheit]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Tage werden kürzer, draußen ist es kalt, also die beste Zeit zum Serien gucken. Johanna hat zwei Empfehlungen dabei: „Maid“ und „Two on one day“. Wer bereit ist, sich auf ein emotionales Abenteuer einzulassen und herausfordernden Filmszenen gegenüberzustehen, die die Einzigartigkeit, aber auch den Schmerz des Daseins einfangen, dem will ich zwei Serien empfehlen:]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span class="a_GcMg font-feature-liga-off font-feature-clig-off font-feature-calt-off text-decoration-none text-strikethrough-none">Die Tage werden kürzer, draußen ist es kalt, also die beste Zeit zum Serien gucken. Johanna hat zwei Empfehlungen dabei: <span data-contrast="auto">„Maid“ und „Two on one day“</span>.</span></strong><span id="more-17137"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Wer bereit ist, sich auf ein emotionales Abenteuer einzulassen und herausfordernden Filmszenen gegenüberzustehen, die die Einzigartigkeit, aber auch den Schmerz des Daseins einfangen, dem will ich zwei Serien empfehlen: „Maid“ und „Two on one day“. Sie werden euch nicht mehr loslassen. </span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich habe mich schon immer für strukturelle Bedingungen zur Entstehung und Aufrechterhaltung von Armut, Gewalt und geschlechterspezifischer Ungleichheit interessiert. Demnach sind Frauen armutsgefährdeter als Männer (16,2%), weil sie häufig in Teilzeit oder geringfügig beschäftigt sind und bei gleicher Arbeit weniger verdienen</span><span data-contrast="auto">1</span><span data-contrast="auto">. Dieser Fakt spiegelt sich in der ersten Serie, „Maid“ wider: Die Protagonistin Alex ist insbesondere gesundheitlich wie auch finanziell gefährdet, als sie sich aus einer Partnerschaft mit Gewalt und Abhängigkeit befreit und mit ihrer Tochter Maddy flieht. Diese Freiheit bedeutet aber auch Verantwortung und Überforderung in totaler Armut. Die Serie ist bereits die abgeschwächte Form des noch expliziteren Buches, in dem Alex sogar hungert und häufig vor Erschöpfung umkippt. Inspiriert nach einem wahren Schicksal von Stephanie Land wird sie zur alleinerziehenden &#8211; zunächst obdachlosen – jungen Frau, die Arbeit, Kinderbetreuung, Freizeit und Ernährung für ihr Kind unter einen Hut bringen möchte. Sie verliert ihr schon brüchiges Umfeld. Am Anfang des Films gelangt Alex unter anderem in ein Frauenhaus und hat kein Verständnis für die Frauen, die zu ihrem Partner zurückkehren, obwohl sie wissen, wie ungesund und teilweise lebensgefährlich es für sie ist. „Die meisten Frauen brauchen sieben Anläufe, bis sie wirklich gehen“, sagt ihr die Beraterin bei ihrem ersten Aufenthalt. Doch selbst Alex wird wiederkommen, unter Tränen und in Hoffnungslosigkeit und dennoch wieder Halt finden, auch wenn wir als Zuschauer niemals davon ausgehen würden. Sie muss am Ende sogar um das Sorgerecht für ihre Tochter kämpfen, um jede Essensmarke und ihr freies Wort. Sie ist eine exemplarische Figur für die Hürden im Leben und warnt durch ihre Situation und ihr Handeln vor vorschnellem Urteilen.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">In der Serie „Two on one day“, nach dem Roman „One day“ von David Nicholls, werden wir in ein anderes Szenario geworfen. Dexter, ein charmanter junger Mann, trifft bei einer Abschlussparty der Universität Edinburgh Emma, die ein gegensätzliches Leben zu dem Dexters führt: Während dieser lose Bekanntschaften und Zärtlichkeiten sucht, ist Emma an einer solchen Beziehung nicht interessiert. Und so geschieht es, dass beide, obwohl sie in Emmas Bett laden, nicht miteinander schlafen. Am nächsten Tag verabschieden sie sich nach einer, für Dexter, auf neue Art intensiven Nacht. Über Jahre bleiben sie aber weiter in Kontakt, bis beide eines Tages ihren Lebensentwurf hinterfragen und über diesen neu zusammenfinden. Wo Alex wegen eines geringeren Schulabschlusses besonders armutsgefährdet ist und sich vor Arbeitslosigkeit fürchtet, schließlich Opfer von ihr wird, erscheint das Leben des Protagonisten Dexter in „Two on one day“ ohne Vollzeitjob und „in den Tag leben“ traumhaft. In „Two on one day“ lernt er Emma kennen, die sein Leben auf den Kopf stellt, denn sie ist keine heiße Nummer für eine Nacht, sondern ist interessiert an Dexters Person und entspannten Tagen mit Zweisamkeit und viel&#8230; reden. Als Dexter Emma verlassen muss und sich seinem früheren Lebensstil wieder in voller Gänze hingibt, zeigt Emma ihm Grenzen auf und er beginnt, zu begreifen. In der Krise aus Gefühl und Erwartungshaltung, Krankheit und Schwermut leidet er nicht weniger, wenn er sich wegen einer Lebenskrise in exzessiven Substanzmissbrauch stürzt. In der kurzen Zeit, die Dexter mit Emma verbringt, scheint er glücklich und ausgeglichen. Sie trinken zusammen. Im Alleinsein aber übertreibt es und verliert sich, bis fast auch Emma für immer für ihn verloren gegangen wäre.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Beide Serien sind so nah am Leben. Was Alkohol und geschlechterspezifische Risiken durch die Sozialisierung und Biologie angeht, trifft sie den Nagel auf den Kopf und weitestgehend erfüllen beide auch ein Stereotyp. Frauen, die sich hinsichtlich ihres Alkoholkonsums an die Männer hin zu mehr Konsum anpassen oder schlichtweg – erwiesenermaßen anders zu ihm verhalten</span><span data-contrast="auto">2</span><span data-contrast="auto"> -, den reichen Mann, der sich nicht fallen lassen kann, das Hausmädchen, das sich hocharbeitet. Oder doch nicht? Ich will nicht zu viel vorwegnehmen. Schaut es euch selbst an und seht, wie sich Erwartung und Tatsache begegnen. Beide Serien haben mich tief erschüttert. </span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Sie berühren besonders dann, wenn man in einer Partnerschaft das Gefühl von Ohnmacht erlebt hat, wie auch exzessiven Konsum von Alkohol und anderen Drogen. Die Tatsache, dass sich der Partner dadurch immer weiter entfernt und irgendwann unerreichbar wird und die Grenze von Liebe und Bedingtheit verschwimmt.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Zwei unterschiedliche Serien, die doch eine Dynamik gemeinsam haben: Die, der Einflussnahme durch den Partner auf einen selbst und das erlebte „Wir“ und der geschlechtsspezifischen Verhaltensweisen und -wahrnehmung. </span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">In der Serie „Maid“ verfolgen wir die junge Frau Alex, die mit ihrer Tochter Maddy aus einer missbräuchlichen Beziehung und vor ihrem Freund Sean flieht. Zu Beginn der Serie wissen wir nicht viel: Weder über Alex, noch die konkreten Vorkommnisse in der Beziehung. Weder über Emma, noch über die tiefen Wunden und Hürden in Dexters Leben. Aber es ist ihre Angst, die man ihnen an ihrer Mimik ablesen kann, wie auch ihre existentiellen Lebenssituationen.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich empfehle die Serien, weil sie zeigen, dass es weder die materiellen Verhältnisse noch die sozialen Rahmenbedingungen das Vorkommen von individuellem Leiden absolut bedingen und ihr Ausmaß per se bestimmen. Was uns Menschen beschäftigt und zu Fall bringen, wie auch wieder aufbauen kann, ist individuell und nicht zu vergleichen oder gegeneinander aufzuwiegen.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Eine treffende Metapher zum Schluss&#8230; Unsere Erwartungen, erlernten Verhaltensweisen und Entscheidungen ebnen uns Wege und sperren andere Türe aus weiter Ferne zu, ohne sie je erblickt oder betreten zu haben. Sie sind ein Teil von uns, wie ein unsichtbarer Schleier, der den Blick trübt und existenziell verändert. Beide Serien haben mir enorm geholfen, diese Schleier wahrzunehmen und zu lichten und Vorannahmen zu hinterfragen.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Selbstfürsorge, wenn ich sage: „Ich möchte das heute nicht“</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/05/selbstfuersorge-wenn-ich-sage-ich-moechte-das-heute-nicht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johanna-Maria]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 May 2025 07:00:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
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					<description><![CDATA[Heilung ist immer ein Weg und irgendwann muss man den ersten Schritt wagen. Unsere Autorin Johanna hat eine Therapie begonnen &#8211; für sich aber auch für die Menschen, die sie liebt. Ein Essay über die Hürden des Suchens und auch des Finden eines Therapieplatzes. Wovon rede ich im Folgendem, wenn ich meine, dass ich mehr]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heilung ist immer ein Weg und irgendwann muss man den ersten Schritt wagen. Unsere Autorin Johanna hat eine Therapie begonnen &#8211; für sich aber auch für die Menschen, die sie liebt. Ein Essay über die Hürden des Suchens und auch des Finden eines Therapieplatzes.</strong></p>
<p><span id="more-16782"></span></p>
<p>Wovon rede ich im Folgendem, wenn ich meine, dass ich mehr Acht auf mich gebe und dass ein Erstgespräch bei der Therapie der bewusste Startschuss dafür war? Die Rede ist von Selbstfürsorge. Nach der Definition des Dudens beschreibt sie ein „aktives Bemühen um die eigene seelische und körperliche Gesundheit“.</p>
<p align="justify">Als ich beschloss, mich nicht länger zu verschließen und mein Leiden zu teilen, befand ich mich in keiner guten Verfassung. Um ehrlich zu sein, machte es die Suche nach einem Therapeuten via Telefon nicht leichter. Die Sprechstunden sind sehr eng gelegen und da ich unter der Woche fast täglich von morgens bis abends in den Semesterferien gearbeitet habe, kam ich nicht so schnell voran, wie erhofft. Aber ich befand mich plötzlich an einem neuen Punkt mit der Trennung von einem langjährigen Partner, dem (sich unendlich erstreckenden) Tief danach und dem Beginn einer neuen Partnerschaft für die ich von Anfang an kämpfen wollte. Meine Probleme waren akut und ich wusste: Mein Leiden ist auch das Leiden meines Partners. Mein Weg der Besserung ist auch sein Pfad zur Genesung. Der Entschluss: Lass es mich anpacken. Für mich und die aktuelle Beziehung.</p>
<p align="justify">Ich erinnere mich, wie aufgeregt ich vor dem Erstgespräch war. Die Verabredung zum Erstgespräch war unverbindlich und relativ zeitnah möglich, als das Telefonat endlich in meinen Alltag passte. Zahlreiche Gedanken durchfuhren mich dann: Wie fasse ich in Worte, was ich zu sagen habe? Was ist meine zentrale Herausforderung? Was ist, wenn ich weine? Wie bemisst sich ein Leiden, dass sich nicht artikuliert?</p>
<p align="justify">Die erste Begrüßung war kein Problem, die Atmosphäre behaglich. Krankenkassenkarte abgegeben, Formalitäten geklärt. Meine Bitte, mich auf die Warteliste für eine fortlaufende Therapie, welcher Art auch immer, zu setzen, wurde ernst aufgenommen und vorgemerkt. Zuerst wurden allgemeine Daten erfragt, wie den Verlauf meiner Schulzeit, das Verhältnis zu Familie und Freunden, ob eine Partnerschaft bestehe und wie es mir mit ihr ergehe. Wir tasteten uns näher an meine Gefühlslage ran, die ich bei der Terminvereinbarung als besonders wechselhaft und bedrückt hervorhob. „Was kannst du, deiner Meinung nach, besonders gut?“, fragte mich die Therapeutin. Was war das Bild von mir selbst, wie sah mein Alltag aus, was waren meine Ziele? Tatsächlich ist es wissenschaftlich untersucht, wie ein Erstgespräch abläuft: In der Verhaltenstherapie ist es gewollt unorganisiert. <i>Unbewusste Inszenierung </i>nennt man das, was auch ich am Tag des Erstgesprächs erfahren habe: Bei der Frage: „Weshalb sind Sie hier?“, wusste ich erst keine Antwort. Und dann sprudelten Sorgen aus mir heraus, die sie aufschrieb und die schon die unterbewussten Anteile von mir zur Therapie waren.</p>
<p align="justify">Ich musste feststellen, dass die Therapeutin nicht so gut zu mir passte und dass mir das weitere Öffnen hinsichtlich meiner Probleme schwerfiel. Aber auch dazu waren Erstgespräche gut, um das zu erkennen. Ich rief noch bei anderen Therapeuten an, doch wurde ich zunächst auf zahlreiche Wartelisten gesetzt. Die Therapiegespräche lehrten mich dennoch, dass ich Stärke besitze, mich meiner Vergangenheit zu stellen und ein Familientrauma aufzuarbeiten. Dass die Zukunft besser wird, auch, wenn man vielleicht mal Kinder bekommen wollte und sie nicht vorbelastet ins Leben starten. Es kostet viel Kraft, aber seit jeher komme ich ein bisschen besser aus seelischen Tiefs heraus, indem ich versuche, Regler (wie die, der Bewegung, des Essens, des Trinkens, der sozialen Kontakte und der Entspannung) hoch zu halten und zu reflektieren. Wenn gar nichts mehr geht, ziehe ich mich zurück und nehme mir die Zeit für was Schönes: Das ist bei mir das Lesen, ein Bad nehmen, Malen und Spazieren gehen. Wenn ich wegen meiner Periode wieder heftige Schmerzen leide, versuche ich nicht 100 Prozent zu geben, sondern vielleicht nur eine von 4 Lehrveranstaltungen zu besuchen, um im Rhythmus zu bleiben.</p>
<p align="justify">Diesen Text schreibe ich voll neu geschöpften Mut, da ich soeben einen Rückruf einer Praxis entgegennahm, auf deren Warteliste ich lange Zeit stand und die mir fortan eine Behandlung anbieten können. Es geht immer weiter und vorwärts, nur benötigt das manchmal Geduld und in den Anfängen auch mal Glück.</p>
<p align="justify">Und weil ich vor dem Therapieangebot vor allem selbst für mich sorgen und die Praktiken aus den ersten Gesprächen mit der Therapeutin anwenden wollte, kommt es nicht selten vor, dass ich mich aufgrund meiner Kraftreserven auch mal entschuldigen muss: „Ich möchte das heute nicht“, sage ich dann vorsichtig, aber bestimmt zu Gruppenaktivitäten für die ich von meinen sozialen Kapazitäten nicht bereit bin. Und das ist okay. Sorgt für euch und holt euch Hilfe, wenn es euch nicht gut geht &#8211; das ist ein starker Schritt und spiegelt die Dankbarkeit, die wir gegenüber unserem Körper, der stets für uns sorgt und kämpft empfinden sollten oder wieder zu empfinden lernen!</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Warum ich dem &#8222;Feminismus&#8220; abgeschworen habe</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/02/warum-ich-dem-feminismus-abgeschworen-habe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johanna-Maria]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Feb 2025 07:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Unserer Autorin Johanna-Maria geht der aktuelle Feminismus zu weit. Warum sie ihrem Freundeskreis bescheinigt, einen falschen Feminismus zu leben und sie selbst sich gerne von Männern königlich behandeln lässt, erfahrt ihr im Text. Männer brüllen „Your body, my choice“, Frauen antworten mit dem 4B-Movement, indem sie zum Beispiel sagen: „Wir wollen keine Kinder, keine Ehe“.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unserer Autorin Johanna-Maria geht der aktuelle Feminismus zu weit. Warum sie ihrem Freundeskreis bescheinigt, einen falschen Feminismus zu leben und sie selbst sich gerne von Männern königlich behandeln lässt, erfahrt ihr im Text.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-16590"></span></p>
<p>Männer brüllen „Your body, my choice“, Frauen antworten mit dem 4B-Movement, indem sie zum Beispiel sagen: „Wir wollen keine Kinder, keine Ehe“. Ein erster Schritt und ein erstes Aufbegehren. Besonders in den USA aber keine Kommunikation, sondern eine erneute Abgrenzung, durch ein Entscheiden zwischen Entweder und Oder. Ein Beispiel für Feminismus des Extremen.</p>
<p>Das, was wir heute Feminismus oder Eigenverantwortlichkeit der Frau nennen, habe ich selten in gesundem Ausmaß bei meinen Bekannten erlebt. Hier sind einige Beobachtungen, die ich, erst einmal nicht wertend, schildern möchte und selbst erlebt habe:</p>
<p>Alles, was potentiell als „zu weiblich“ gelesen werden könnte, wird gemieden, um feministisch zu sein: Wir setzen uns jetzt breitbeinig auf den Stuhl und rempeln selbstbewusst andere Männer auf der Straße an. Wir reden „männlich“, schmatzen und fühlen uns überlegen. Wir werden übergriffig, und quatschen den Typen an der Ecke an: „Geiler Bizeps“, sagen wir und fassen ihn am Arm an, kommen ihm offensichtlich zu nah, denn er weicht zurück.</p>
<p>Die traurige Frage ist doch manchmal: Was erwarte ich und was habe ich von Anderen zu erwarten? Wenn sich Feminismus in eine Richtung bewegt, die symbolisch agiert, indem Verhaltensweisen gespiegelt und dadurch auf sie aufmerksam gemacht wird, entsteht ein großer Spielraum für Missverständnisse. Feminismus wird zum Social-Media Trend und hier überwiegt nicht die Information, sondern nachweislich die Macht der Bilder und wie sehr ein Inhalt polarisiert durch fehlende Expertise der Nutzenden.</p>
<p>Betonen wir nicht in allem was scheinbar „feministisch“ in diesem Trend ist, die Unterschiede des Geschlechts und begreifen sie als alltagsbestimmend, statt unwichtig und überwindbar? Ist es nicht so, dass ich als Frau, wenn ich blute oder meine Tage habe, lieber mal mit geschlossenen Beinen dasitzen will? Dass ich Kleider mag und mir nicht jeder in den Schritt schauen soll und ich deshalb mit überschlagenen Beinen sitze? Auch einfach, weil ich will? Ich habe erlebt, dass eine Weigerung eines solchen Habitus in manchen Kreisen als das Gegenteil von feministisch, oder fortschrittlich, angesehen wird. Man hat mich gezielt darauf angesprochen, warum ich denn so „wie eine Frau“ auf dem Stuhl sitze &#8211; mit überschlagenen Beinen. „Das musst du nicht machen“, sagte eine Dame zu mir. Im Überschlagen der Beine hat sie ein Geschlecht gesehen, über das ich sonst nie nachgedacht habe. Viele meiner Freunde sitzen so. Und ehrlich gesagt ist es mir auch egal, weil es für mich nichts mit dem Geschlecht zu tun hat.</p>
<p>Es gibt Handlungen im Feminismus, die sind offenbar nicht radikal. Zum Beispiel wurde ich prüde genannt, weil ich gegen Periodenurlaub bin, in dem Sinne, dass ich mit einem, z.B. männlichen, Arbeitgeber nicht über meine Periode sprechen will, da es mir Unwohlsein bereitet – auch durch persönliche grenzüberschreitende Erfahrungen im Arbeitsverhältnis. Genauso habe ich eine Diskussion über Prostitution geführt, in der eine Frau am Tisch meinte, dass Prostitution unterstützt werden sollte und per se feministisch sei. Worin liegt hier der Kern im Feminismusbegriff? Definitiv nicht darin, zu behaupten, dass die meisten Frauen es gern und freiwillig machen. Wenn die eigene Lebensrealität die Faktenlage und das Leid von Minderheiten übergeht (Armut und Missbrauch sind häufige Umstände durch die Frauen in die Prostitution geraten und auch darin bleiben), kann man noch so sehr argumentieren, und liegt falsch. In eine falsche Richtung geht der Feminismus auch mit Mikrofeminismus. Mit ihm soll Geschlechterungleichheit entgegengewirkt werden, indem mit kleinen Gesten mehr Gleichberechtigung geschaffen werden soll, wie eingangs angedeutet habe. „Mit kleinen Gesten die Welt verändern“, „einen Denkanstoß geben“, „sexistische Verhaltensweisen spiegeln“ heißt es in Posts dann oft. Aber wir spiegeln nur und an diejenigen, die Männer sind, weil sie Männer sind. Ein sexistischer Fehlschluss bin ich der Meinung.</p>
<p>Für mich ist das keine Sichtbarmachung oder Legitimierung, wenn ich im Sinne des Mikrofeminismus jetzt wahllos Männern eine leichte Plastiktüte abnehmen will, um auf eine Norm „zu verweisen“, in der Männer Frauen fragen, ob sie Hilfe beim Tragen benötigen. Und ja, der rbb24 hat unter dem Titel „Mikrofeminismus: Wie kommt das an?“ tatsächlich eine genau solche Situation illustriert. Bewegt man damit tatsächlich etwas? Und ist es nicht so: Eine schlanke Frau braucht beim Tragen eines Reisekoffers nun mal durchschnittlich eher Hilfe beim Tragen als ein Mann, weil sie nicht genauso stark ist, wie er. Ich als Mann würde mich verarscht fühlen, weil ich es niemandem recht machen kann, Normen, die auch Ankerpunkt unseres Zusammenlebens sind, wegwerfen muss, die einer anderen Person an anderer Stelle aber wieder fehlen werden. Wenn es Mikrofeminismus ist, dass eine Frau plötzlich Männern die Tür aufhält, könnte man es vielmehr als Kritik am Verhalten der Frauen selbst sehen: Warum haben wir nicht schon vorher die Tür aufgehalten?</p>
<p>„Unfeministische Gesten“, wie das Türen aufhalten, betrachten die meisten dann doch nicht als Unterdrückung der Frau, sondern als nette Geste, Ritual und Bestandteil einer Beziehung auf Augenhöhe. Dann wieder gilt die Einladung des Mannes im Restaurant als zu altertümlich. Im Diskurs werden Erfahrungen über tatsächliche Sachlagen und Studien gestellt und wie so oft erhalten Tik-Toker und Menschen auf Instagram mehr Aufmerksamkeit als Fachpersonen wie z.B. die Politologin und Autorin Emilia Roig in einem Post, in dem sie darauf hinweist, wie gefährlich Feminismus wird, wenn die mächtigsten Frauen auf andere hinunterschauen und dadurch das Patriarchat verstärken. Viel Kritik ist nicht intersektional genug und bekämpft nur die Symptome, nicht den Ursprung der Sache selbst.</p>
<p>Meine Erfahrung ist auch die: Es gibt Frauen, die sich auch mal königlich fühlen wollen, indem sie sich ihr Leben bezahlen lassen oder als „Prinzessin“ in der Beziehung behandelt werden wollen. Das macht sie nicht unfeministisch, weil die Frage nach Gleichberechtigung keine Rolle spielt, sondern die Abmachungen, Wünsche und Präferenzen innerhalb der Partnerschaft. Diese Lebensrealitäten sind nicht ausgedacht, sondern ein Teil der Leben, die sich Milliarden Menschen auf sozialen Medien anschauen. Daran gibt es nichts auszusetzen. Gleichberechtigung endet nicht bei angepassten Gesten im Alltag, sondern ist Bestandteil dessen, was Norm ist und wir zur Norm gemacht haben. Ein Umsturz ist natürlich schwer und beginnt im feministischen Sinne mit dem geistigen Erkennen der Gleichwertigkeit.</p>
<p>Mikrofeminismus wird schnell zum neuen passiv-aggressivem „Wie du mir &#8211; so ich dir“, dass das Geschlecht und nicht die einzelnen Übeltäter*innen(!) ins Zentrum rückt. Ein fataler Fehler, wie ich meine. Und deshalb kann man gegen Ehe und Kinder sein, aber wer sagt: „Ich hasse Männer“, wie es nach der US-Wahl mitschwingt, da sich viele Frauen von potentiell Männern, die republikanische Sichtweisen vertreten, angegriffen fühlen. So jemand will keinen Frieden und hat auch den Feminismusbegriff nicht verstanden. Aber er äußert eine Wut, die wir doch alle teilen. Die Angst, nicht gehört zu werden und unterzugehen, weil wir einem Geschlecht angehören. Aber unterstützen wir bitte dennoch die Kultur der Liebe, nicht die des Hasses.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Liebe: Ein Gleichnis</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/11/liebe-ein-gleichnis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johanna-Maria]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Nov 2024 07:00:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[S*explore]]></category>
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					<description><![CDATA[Was ist Liebe? Ist sie einfach ein Gefühl oder auch eine Entscheidung? Ist Liebe ein Handwerk oder vielleicht Kunst? Erschaffen wir die Liebe oder ist sie immer da und wartet darauf, dass wir an ihr teilnehmen? Viele wichtige Fragen und ein paar Antworten von Johanna. &#8222;Die erste Liebe hält sowieso nicht“ – Im „Ich habe]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Was ist Liebe? Ist sie einfach ein Gefühl oder auch eine Entscheidung? Ist Liebe ein Handwerk oder vielleicht Kunst? Erschaffen wir die Liebe oder ist sie immer da und wartet darauf, dass wir an ihr teilnehmen? Viele wichtige Fragen und ein paar Antworten von Johanna.</strong></p>
<p><span id="more-16361"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">&#8222;Die erste Liebe hält sowieso nicht“ –</span></p>
<p><span data-contrast="auto">Im „Ich habe mich verknallt“ verlernt der Mensch, was es bedeutet zu lieben. Er empfängt, er wiegt sich, ruht sich aus auf dem Gefühl des Bauchkribbelns aus, das Aufregung, Umbruch &amp; Neuanfang bedeuten kann.</span><span data-ccp-props="{}"><br />
Vielleicht besinnt er sich und gelangt zur Rationalität zurück. Tut er es nicht, beginnt er zu geben.</span><span data-ccp-props="{}"><br />
</span><span data-contrast="auto">Im Verliebtsein wird die Verbindung tief, zwei Menschen einen sich, denn sie kennen sich?</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Manche schlafen miteinander, anderen reicht ein Kuss, noch mehr Zeit und Gespräche. Sie sind an der Schwelle zum Zusammensein. Wer fragt zuerst? Wer wagt den Grenzübertritt? Und ab da soll </span><i><span data-contrast="auto">die Liebe</span></i><span data-contrast="auto"> erreicht worden, gefunden worden sein. Im Innersten bleiben sie sich fremd.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Denn</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">wie zwei Künstler schauen sie nicht genau genug auf das zwischen ihnen, ein Holzbrett, viele von ihnen liegen verstreut im Ort. Sie könnten es pflegen und bearbeiten, sie könnten es beiseitelegen oder in lodernden Flammen verbrennen. Sie fragen sich nicht, was es ausmacht, sie stürzen sich hinein in ein Gefühl und bleiben doch bei sich. Und während sie das Holz zu pflegen gedenken, merken sie nicht, wie es von innen heraus morsch wird. Sie arbeiten es ein und errichten ein Haus. Dieses morsche Brett ist der Träger des Fundaments. Sie vertrauen darauf, aber haben nie gelernt, es zu verstehen. Seine Beschaffenheit, sein Anspruch an eine geeignete Umwelt werden nicht </span><i><span data-contrast="auto">gesehen</span></i><span data-contrast="auto">.</span></p>
<p><span data-contrast="auto">Wenn der Künstler sich seiner Rolle nicht gewahr wird, wird er nicht recht arbeiten können.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Wenn er sein Handwerk nicht versteht, wird seine Arbeit nicht von Dauer sein. Er verletzt sich an Schrauben, beweint verblassende Farben, provisorische Gebilde, die verfallen, denen er mit genug Vorbereitung und Übung seiner Fähigkeit einfach hätte begegnen können. Das Stück Holz ist die Liebe. Kommerzialisiert und vernachlässigt, genutzt von allen, doch von wenigen beherrscht und gerecht behandelt. Sie sehen nicht seinen Wert. Die Bücher und Geschichten, die auf ihm entstehen, das Gebäude zu dem es geschaffen wird, ein Zuhause, das es für viele kleine Wesen sein kann. Die Liebe. Sie wird genutzt, um gefühlt worden zu sein.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich denke Liebe ist, wo Bereitschaft zum Lieben und das Geliebtwerden, Gefühl und Anziehung aufeinandertreffen. Sie wird von der Entscheidung gehalten, einen Menschen weiter lieben zu wollen, ihn zu umsorgen. Doch zwei Menschen können noch so gut ausgebildet sein. Eine Liebe, in der die Liebe im Ich liebe dich zu sein aufgehört hat und ein tiefes Verstehen nicht mehr möglich war, kann nichts mehr wachsen. Sie braucht Wertschätzung. Und das meist der Liebe geschieht zwischen den Zeilen, zwischen dem ersten Blick, dem ausgesprochenen „Ich liebe dich“ bis zum Tode. Die Liebe überlebt uns.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Querpässe gegen Homophobie im Fußball</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/05/querpaesse-gegen-homophobie-im-fussball/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johanna-Maria]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 May 2024 11:56:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Coming-Out]]></category>
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		<category><![CDATA[Fußball]]></category>
		<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Sport - Deine Story über Schweiß und Tränen]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute ist IDAHOBIT (Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter* und Trans*Feindlichkeit). Viele Fußballvereine zeigen heute die Regenbogenflagge auf ihren Social Media Accounts, geoutet hat sich aber noch kein aktiver Profifußballer in Deutschland. Johanna-Maria hat ihre Gedanken dazu für uns aufgeschrieben. Ein Coming-out ist immer ungewiss. Im Zentrum die Fragen: Wie werden meine Freunde reagieren? Was]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute ist IDAHOBIT (<span class="_ap3a _aaco _aacu _aacx _aad7 _aade" dir="auto">Internationaler Tag gegen Homo-, Bi-, Inter* und Trans*Feindlichkeit). Viele Fußballvereine zeigen heute die Regenbogenflagge auf ihren Social Media Accounts, geoutet hat sich aber noch kein aktiver Profifußballer in Deutschland. Johanna-Maria hat ihre Gedanken dazu für uns aufgeschrieben.</span></strong><span id="more-16056"></span></p>
<p>Ein Coming-out ist immer ungewiss. Im Zentrum die Fragen: Wie werden meine Freunde reagieren? Was sagen meine Eltern dazu? Was macht das mit mir? Für viele Sportlerinnen und Sportler, besonders männliche Fußballer, hat ein Coming-out oft noch drastischere Konsequenzen. Sie fragen sich häufig: Werde ich dadurch meine Arbeit verlieren und einer gescheiterten Existenz gegenüberstehen?</p>
<p>Mit dem Outing des tschechische Fußballnationalspielers Jakub Jankto 2023 kam eine Bewegung ins Rollen, die nun auch in Deutschland angekommen zu sein scheint. In einem Land, in dem sich lange Zeit kein aktiver deutscher Fußballspieler geoutet hat, nehmen Thomas Hitzlsperger, Lucas Krzikalla und Marcus Urban eine Vorbildfunktion ein. Sie machten ihre Homosexualität öffentlich und gestanden, dem Verstecken &#8211; sich verstellen, leiden, klein machen, lügen zu müssen &#8211; endlich ein Ende setzen zu wollen.</p>
<p>Indem die Sexualität der Spieler zukünftig an einem Tag &#8211; dem 17. Mai &#8211; in den Vordergrund rückt, wird nicht nur deutlich, wie wichtig dieser Tag des Outings im Leben vieler ist, sondern auch, wie unwichtig die Sexualität im Sport zuvor immer war. Dass sowohl das Wissen als auch das Unwissen über die Sexualität der Spieler aber genauso keinerlei Auswirkungen auf sportliche Parameter hat, weder in der Vergangenheit, noch in der Zukunft.</p>
<p>Nicht die Spieler, die sich outen wollen, sollten sich fürchten müssen, sondern die Vereine, Zuschauer und Vorsitzenden, die diese Männer wegen ihrer Sexualität diskriminieren.</p>
<p>Der 17. Mai ist der Tag gegen Homophobie, angelehnt an den § 175 StGB, der über 24 Jahre sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte und ihre Verfolgung ermöglichte. Dieser Tag soll, vom schwulen-Jugendnationalspieler Marcus Urban initiiert, Mut machender Anlass für andere Fußballer sein, sich öffentlich in Gruppen zu outen. Damit spiegelt die Aktion etwas wieder, was derzeit auch schnell falsch verstanden werden kann: Dass Toleranz ein Trend ist, der an einem Tag im Monat auf seine Gültigkeit geprüft werden soll.</p>
<p>Was es braucht sind Vereine, die ihre Spieler im Spiel und Können unterstützen, nicht wegen oder trotz ihrer sexuellen Orientierung, Hautfarbe oder Religion, unterstützen, um tolerant wirken zu können. Sie müssen es auch leben und dabei verstehen, dass dieser Wandel im Fußball nicht leicht sein wird, stellt Fußball doch einen traditionsreichen, geschichtsträchtigen und besonders emotionalen Sport dar, in dem auch manch Freunde zu Feinden mutieren können. Es braucht vertrauliche Ansprechpartner, an die sich Fußballer anonym wenden können. Hier spielt die Kampagne von Benjamin Näßler eine große Rolle, die sich eine Erweiterung von Gesprächsangeboten durch Plakate für schwule Spieler zum Ziel gesetzt hat. Und zuletzt benötigt es eine Solidarisierung unter den Fußballern deutschlandweit, die signalisiert, dass Homosexualität akzeptiert wird und gegen Anfeindungen gemeinschaftlich vorgehen. Denn wer als die Spieler selbst haben es mehr in der Hand, den Diskurs über die Thematik zu lenken und anderen &#8211; Zuschauern, Trainern, Vorsitzenden, ein Vorbild zu sein? Betroffenen Spielern Sicherheit und Verständnis entgegenzubringen? Zu bestimmen, was toleriert wird und was eine Grenze überschreitet? Und dass immer die Gemeinschaft und der Sport im Vordergrund steht und die Tatsache, dass man sich wohlfühlen darf und soll für das, was und wer man ist. Quasi Querpässe von einem Spieler zum anderen, die keinen Platz für gegnerisches Einschreiten bieten und es ermöglichen, die Geschwindigkeit des Spieltempos zu kontrollieren.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Verwöhntes Einzelkind</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/10/verwoehntes-einzelkind/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johanna-Maria]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Oct 2023 11:38:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Einzelkind]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Vorurteile]]></category>
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					<description><![CDATA[Johanna ist Einzelkind und daher mit vielen Vorurteilen konfrontiert. EIn Grund, sich dem Thema mal intensiver zu widmen. Als männliches Einzelkind hat man es laut nordamerikanischen Studien besonders schwer: Sie werden zumeist von ihren Vätern als Einzelkind in der traditionellen patriarchalen Geschlechtsrolle erzogen und damit ihrer Selbstverwirklichungsmöglichkeiten beraubt. Dies erfolge vor allem seitens des männlichen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Johanna ist Einzelkind und daher mit vielen Vorurteilen konfrontiert. EIn Grund, sich dem Thema mal intensiver zu widmen.</strong><span id="more-15782"></span></p>
<p>Als männliches Einzelkind hat man es laut nordamerikanischen Studien besonders schwer: Sie werden zumeist von ihren Vätern als Einzelkind in der traditionellen patriarchalen Geschlechtsrolle erzogen und damit ihrer Selbstverwirklichungsmöglichkeiten beraubt. Dies erfolge vor allem seitens des männlichen Elternteils. Wenn die Mutter dann in der Beziehung interveniert, ergebe sich häufig eine Konfliktsituation, dadurch dass sich Mütter liberaler zeigen würden als ihr Lebenspartner – die Erziehung erfolgt auf gegensätzliche Weise. Männer würden sich bei der Geburt eines Sohnes in ihrer Identität und Persönlichkeit bestätigt fühlen. Die aufkommende vom Einzelkind empfunden Konfliktsituation würde von den männlichen Einzelkindern im Grundschulalter zunehmend weniger wahrgenommen werden, da sie sich mehr am Vater mit seinen Wünschen und Vorgaben orientieren würden. Es entsteht beidseitig eine Übereinstimmung des Geschlechts, über die sich beide als Geschlechtsgenossen in ihrem Verhalten anpassen: Der Vater will ein gutes, männliches Vorbild sein und der Sohn möchte ihm in seinen Ansprüchen genügen. Bei weiblichen Kindern, die als Einzelkinder aufwachsen, sieht sich der Vater weniger in der Erzieherrolle. Soweit die Studienlage&#8230;<br />
Es ist dennoch schade, wenn scheinbar offensichtliche Schlussfolgerungen mit fehlenden Erfahrungen gezogen werden. Warum sollte ein Einzelkind weniger sozialisiert sein als Kinder aus Haushalten mit Geschwistern? Die verbreitete Annahme ist, dass Einzelkinder öfters alleine sind und das schnell einsam machen könne. In meinem Leben bedeutet das Aufwachsen als Einzelkind viel Zeit mit meinen Eltern und Zeit mit Freunden, wenn auch weniger mit letzteren. Grundlegend für die Bildung meiner Persönlichkeit waren sicherlich meine Erziehung und Kontakte zu Gleichaltrigen (Peergroups) in Kindergarten, Grundschule und in der weiterführenden Schule, auch wenn ich schon früh Verantwortung übernehmen musste und durchaus das Alleinsein und mit-mir-selbst-auskommen gelernt habe. Hier kam längst eine gleichwertige Sozialisierung zustande. Gerne Kontakt suche ich seit meinem Jugendalter zu tendenziell Älteren. Wahrscheinlich auch, weil meine Eltern für mich als Einzelkind immer meine ersten Bezugspersonen auf Augenhöhe waren und ich mit ihrem Alter eine gewisse Vertrautheit, Freundschaft und ein Verstandenwerden und mir selbst ein verstehen können anmaße. Bei Treffen in der Gruppe brauche ich zumeist viel Zeit zur Eingewöhnung, blühe aber schnell auf, wenn ich mich wohl fühle und Freude an den Kontakten und der Resonanz im Außen habe.<br />
Eine Studie aus China (Southwest University in Chongqing) fand sogar heraus, dass Einzelkinder tendenziell kreativer seien als Geschwisterkinder, da sie häufiger ihre Freizeit selbst gestalten müssen oder lernen müssen, sich allein zu bespaßen. Aber auch ihre Hirnstruktur lässt auf gute Sprachfähigkeiten schließen. Zudem würden sie weniger graue Zellen im frontalen Kortex als Geschwisterkinder aufweisen. Das ist der Bereich im Gehirn, der für die Regulierung von Emotionen zuständig ist. Laut Ann Layborn (Uni Glasgow) würden sie häufiger krank und übergewichtig sein, durch den vielen Austausch mit ihren Eltern aber sprachgewandter.<br />
Was ich oft ungefragt hören musste ist, dass der erste Eindruck von mir von Arroganz geprägt gewesen sei. Warum weiß ich bis heute nicht. Oft wirkt man als stiller Zuschauer im Klassenzimmer scheinbar als würde man sich besser als alle anderen fühlen – überlegener? Verstanden habe ich diese charakterisierende Folgerung nie und verletzen tut sie auch. Als Einzelkind mit alleinerziehendem Elternteil kommt außerdem hinzu, dass jene Kinder zumeist eine elterliche Funktion und ihre Aufgabe übernehmen müssen (Zuhörer sein, Organisation und erhöhte Unterstützung im Alltag).<br />
Was können wir als Gesellschaft aus diesen Ergebnissen mitnehmen? Meine Beobachtungen und Studien zeigen Tendenzen, nach denen sich die Entwicklung von Einzelkindern vollziehen KANN. Sie zeigen wohl eher Regel- als Sonderfälle und umfassen jeweils nur eine kleine Gruppe von Probanden (ca. 300-500), die mit einer Vergleichsgruppe in bestimmten Bereichen gemessen wird. Einflussfaktoren wie die Situation der Eltern (Ehe, Partnerschaft und Trennung) und ihr Vorkommen in unterschiedlichen Altersklassen der Kinder sollten ebenso berücksichtigt werden, da sie sowohl für Einzel- als auch Geschwisterkinder eine große Veränderung, einen Einschnitt, bedeuten. Auch hier zeigen Studien, dass Einzelkinder tendenziell mehr unter einer Trennung der Eltern leiden, vielleicht weil sie ihr Leid oder ihre Gedanken dann schwer Jemandem mitteilen können. Aber auch hier entscheidet die Persönlichkeit.<br />
Ich finde, wir sollten den Blick immer auf das Individuum richten. Im Kontakt mit Einzelkindern kann man diese Rahmeninformationen aber für eine automatische erste Einschätzung im Hinterkopf behalten – sollte dann aber nicht überrascht sein, wenn die Realität auch anders aussehen kann.<br />
Geschlecht und Erziehung sind zwei zu einander gehörende Attribute über die wir in unserer ersten Einschätzung einer Person reflektieren sollten.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das definiert uns?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/08/das-definiert-uns/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johanna-Maria]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Aug 2023 08:59:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gen Z]]></category>
		<category><![CDATA[Konsum]]></category>
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					<description><![CDATA[Johanna kritisiert die WDR-Doku „Wir, die Generation Z“, weil sie Vorurteile verfestige und einseitig darstelle. – Johanna plädiert stattdessen für eine Kritik der Aufmerksamkeits-ökonomie und die Zuwendung zum Nichts-Tun. Die Generation Z. Der WDR hat am 15.06.2021 begonnen, eine dreiteilige Dokumentation über die Generation Z auf YouTube hochzuladen. Unter der Leitfrage: ,,Die Generation Z, wie]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Johanna kritisiert die WDR-Doku „Wir, die Generation Z“, weil sie Vorurteile verfestige und einseitig darstelle. – Johanna plädiert stattdessen für eine Kritik der Aufmerksamkeits-ökonomie und die Zuwendung zum Nichts-Tun.</strong><span id="more-15664"></span></p>
<p>Die <strong>Gen</strong>eration <strong>Z</strong>.</p>
<p>Der WDR hat am 15.06.2021 begonnen, eine dreiteilige Dokumentation über die Generation Z auf YouTube hochzuladen. Unter der Leitfrage: ,,Die Generation Z, wie tickt sie und was macht sie aus?“ lassen sie Jugendliche im Alter von 15-17 Jahren sprechen und möchten damit einen Querschnitt unserer Generation ziehen, um mehr Verständnis zwischen den Generationen zu schaffen. Gelingt ihnen das? Meiner Meinung nach nicht. Und das insbesondere deshalb, weil es sich der WDR zur Aufgabe gemacht haben schien, in insgesamt ca. 70 Minuten Videomaterial die Pluralität unserer Generation darzustellen. Und dabei am Ziel vorbeigeschossen ist. Viel mehr festigt die Dokumentation einerseits Vorurteile, während auch fundamentale Problematiken der digitalen Generation über das ganze Video hinweg durscheinen. Letzteres ein klarer Pluspunkt.<br />
Die Kommentarsektion füllte sich mit kritischen Kommentaren. Viele davon leider unsachlich. Gerade dann erschütternd, wenn man bedenkt, dass Jugendliche im Video auftreten, die sich trauen, vor einem Millionenpublikum zu sprechen und damit ihre Verletzlichkeit zur Schau stellen. Es hagelt also Aussagen wie: ,,Ich kann mich mit den Jugendlichen überhaupt nicht identifizieren“, ,,völlig unrealistisch“, andere schreiben, die Probleme seien damals wie heute die gleichen. Unrespektvolle Kommentare möchte ich hier nicht erwähnen, Interessierte können sich davon selbst ein Bild machen. Gelobt werden die Jugendlichen für ihren Mut dagegen kaum bis gar nicht. Das ist schade und unfair, wenn wir uns hinter Pseudonymen im Internet verstecken und die Kritiken verfassen, die anderen sehr wohl wehtun können.<br />
Meine Kritik richtet sich keinesfalls an die Jugendlichen selbst. Sie richtet sich an die Automatismen, denen sich unsere Generation vermehrt unterzieht. Sie werden Opfer der Aufmerksamkeitsökonomie, was ihnen durchaus klar ist. Verschleiert bleibt aber, in welchem Maße die sozialen Medien ihr Leben beeinflussen, idealisieren, brechen, was ihnen genommen wird und welche Effekte unachtsamer Konsum auf ihre Beziehung zu Körper, Seele und den echten Zusammenkünften hat. Sind wir dabei, uns zu verlieren? Uns als Wesen mit Identität, die, ja, durch was eigentlich, gebildet und gefestigt wird? Jenny Odell bietet in ihrem Buch ,,Nichts tun“ neue Sichtweisen auf politische Aktionen und wie sie zustande kommen und schreibt von ihrer Liebe zur Vogelbeobachtung, bis hin zum Mammutbaum. Alles mit dem Ziel, sich der Aufmerksamkeitsökonomie zu entziehen und nachhaltig Veränderung herbeizuführen. Denn soziale Medien könnten zwar unterstützend wirken, um Kontakte aufzubauen, aber wahre Veränderung, wahre Freundschaften entstünden nur durch physikalische Zusammenkünfte.<br />
Durch die Literatur und das Wissen, das ich mir bereits in jungen Jahren angeeignet habe, war es mir bereits früh möglich, differenziert auf meinen Medienkonsum zu blicken, auf soziale Medien, aber auch auf den Gruppendruck, den ich bei Alkoholkonsum immer wieder wahrnahm und der mir zuwider war. Gruppendynamiken, die sich wiederholen und Gruppenmitglieder, die alle eine bestimmte Rolle einnehmen.<br />
Leider habe ich auch enorme Probleme mit der Videoreihe. Sie wirkt einseitig. Immerzu spielen Snapchat usw. usf. eine Rolle. Es wirkt als wäre eine Entsagung dieser sozialen Helferlein nicht in Sicht. Stattdessen sehe ich Einsamkeit die Gassen. Es ist sehr schade, welcher Einblick hier auf die Jugend gewährt anfüllen. Die Jugendlichen tragen ihr Handy beim Spaziergang immer bei sich, wenn sie reden, wenn sie interviewed werden. Viele Jugendliche im Video teilen den Wunsch, berühmt werden zu wollen und verbinden damit wenig Arbeit. Unsere Generation scheint Narzissmus, Unüberlegtheit, insbesondere viel Fantasie innezuhaben. Dass es damit nicht repräsentativ sein kann, ist logisch.<br />
Viele Jugendliche sind sich ihrer eigenen Werte noch nicht bewusst, wiedersprechen sich in ihren Aussagen ständig. Das ist nicht schlimm, aber tiefergehende Gespräche sind nicht wirklich möglich. Einige Jungs reden im Video über die Oberflächlichkeit der Frauen, während sie die Pos vorbeilaufender Passantinnen filmen. Es ist ein bisschen wie der elephant in the room als über Sex und das erste Mal gesprochen wird. Die Jugendlichen antworten, indem sie das Wort umgehen. Irgendwie seltsam, wenn die meisten von ihnen Pornos schauen und auf Instagram &amp; Co das perfekte Liebesleben sehen. In den Kommentaren habe ich auch einen Kommentar der Nutzerin ,,Itsdodid“ vorgefunden, die sich als Autorin des Films ausgibt. Sie schreibt unter Anderem: ,,[…] Es braucht extrem mutige und aufgeschlossene Jugendliche und genauso mutige und offene Eltern, die bereit sind, sich authentisch und ehrlich Millionen Menschen auszusetzen. Allein da wird die Auswahl nicht repräsentativ sein. Denn der schüchterne, ängstliche Jugendliche mit genauso zurückhaltenden Eltern wird ganz sicher nicht ja sagen. So wird eine Doku zu einem Thema nie repräsentativ sein, denn die Menschen, die sich bereit erklären mitzumachen, haben etwas gemeinsam, das den anderen fehlt. […] Eines würde ich heute anders machen: mich für einen anderen Titel einsetzen. Vielleicht: “Wir sind auch die Generation Z.” Denn natürlich ist es so, dass es so viele Persönlichkeiten, Interessen, Ansichten etc. gibt wie Jugendliche.“<br />
Es wäre sicherlich nicht falsch gewesen, diesen Kommentar anzupinnen. Und die gewünschte Änderung vorzunehmen. Aber es ist und bleibt YouTube. Und wird daher nie reale Zusammenkünfte ersetzen und die gleiche Aufmerksamkeit und Wirkung generieren.<br />
Ich vermute, Konsum spielt eine viel größere Rolle, als wir ihm bisher zugestanden haben. Konsum prägt unsere Geschlechter und Normen. Definiert unser Verständnis von Ansehen, Geliebt werden und Status. Während meiner Recherche bin ich auf ein Video von Lisa Eckert gestoßen. In dem Video ,,Ist das lustig?“ von Sternstunde Philosophie (SRF) lässt Sie sich nicht zuletzt über das Gendern und Siezen aus.<br />
Was ist Sprache und was sollte sie sein?<br />
Ästhetischer Ausdruck? Lange nicht mehr, meint Lisa Eckert. Wir verlieren das Gefühl für Sprache. Durch die Relevanz der Pronomen, die wir vor einem Gesprächen festlegen wollen, bezögen wir alles darauf Gesagte direkt auf uns. Wären ohne Umschweife beleidigt und gekränkt und erzögen eine hypersensible ,,Schneeflockengesellschaft“, so die Schriftstellerein und Kabarettistin. Vereinfacht gesagt, verlangt sie von ihrem Gegenüber gesiezt zu werden. Die Freude sei größer, wenn man nach längerem Kennenlernen vom Du zum Sie wechsle. Die Ebene eine ganz andere, auch von Respekt und Autorität geprägt. Bei ihren Auftritten sei sie für das Publikum einer Domina gleich. Nicht immer werde gelacht, was sie aber nicht als mindere Unterhaltung ihrer Audienz wahrnimmt. Auch die Nachdenklichkeit des Publikums über Teile ihres strikt auswendig gelernten Programms seien nicht schlecht zu bewerten. Die Menschen würden über die Pointen nachdenken und sich eben jene eingangs erwähnte Frage stellen: Ist das lustig? Lisa Eckerts Ansichten sind provokativ, aber genau das benötigen wir nach wie vor. Fragen und Ansichten, die in uns etwas bewegen und ermitteln, wo es wehtut, wo etwas noch nicht stimmt, wo sich unsere Gesellschaft noch nicht Richtung Konsens bewegt.<br />
Und auch hier schließt sich ein Kreis, wenn wir daran denken, welche Zugang zu Sprache uns Memes, Shorts auf YouTube und Instagramreels verschaffen. Es wird in nunce vermittelt, sodass es einer Entfremdung gleichkommt zwischen dem Jetzt und dem Dort.<br />
In der Konklusion ist es deshalb wichtig, wenn wir uns etwas Zeit im Alltag einräumen. Zuletzt las ich, dass man, wenn man von etwas überzeugt ist, die Gegenthese bilden soll. Schafft man es nicht, sie faktisch zu entkräften, könnte das ein Zeichen sein, seinen eigenen Standpunkt zu überdenken.<br />
Lasst uns etwas Abstand von ,,denen da draußen“ nehmen und mal in uns gehen. Da ist so viel Potenzial in uns. Und das kann auch im Nichtstun lauern. Und mit nichts tun, meine ich nichts. Nix, absolut nix. Vielleicht kann das schon bewirken, dass Du, liebe*r Leser*in nun deinen Bildschirm erlischen lässt und dich der Kunst des Ruhens und des inneren Friedens öffnest.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Corona treibt – mich um</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/02/corona-treibt-mich-um/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johanna-Maria]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Feb 2023 14:12:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Covid19]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[social media]]></category>
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					<description><![CDATA[Auch wenn mit der Maskenpflicht gerade eine der letzten, merklichen Maßnahmen der Corona Pandemie verschwunden ist, haben die letzten drei Jahre ihre Spuren hinterlassen. Welche das für Johanna sind und was Social Media damit zu tun hat, lest ihr in ihrem neuen Poetry Slam Text. In Zeiten von social media sind wir alle einem Schwall]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Auch wenn mit der Maskenpflicht gerade eine der letzten, merklichen Maßnahmen der Corona Pandemie verschwunden ist, haben die letzten drei Jahre ihre Spuren hinterlassen. Welche das für Johanna sind und was Social Media damit zu tun hat, lest ihr in ihrem neuen Poetry Slam Text.</b><span id="more-15303"></span></p>
<p>In Zeiten von social media sind wir alle einem Schwall von Eindrücken ausgesetzt. Eine tägliche<br />
Konfrontation mit</p>
<p>Ideal und ein Buhlen um Aufmerksamkeit &#8211; sich selbst für zu wichtig halten? Selbstsüchtigkeit?</p>
<p>Ein Buhlen um Anerkennung; ein Wettlauf des Was-ich-habe-und-du-doch-nicht, kein intensives<br />
Beschäftigen mit einem Sachverhalt, sondern ein/e Nutzer/-in, der/die für wenige Sekunden auf<br />
einem Post verweilt, dass es mich erpicht darüber zu schreiben.</p>
<p>Für mich gilt nicht nur: das Twittern, Instagrammen, Slammen und<br />
Posten zu vermeiden, stattdessen bei Boykott bleiben und Rückbesinnung auf die Werte im realen<br />
Leben.<br />
Denn das Reale und digital Soziale lässt sich nicht vergleichen. Wichtige Normen, Solidarität und<br />
Hilfsbereitschaft verbleichen.</p>
<p>Und &#8212; Corona hat einen wichtigen Teil dazu beigetragen.<br />
Einen kurzen Einblick möchte ich gewähren, in Mechanismen durch die wir nicht mehr &#8212; mehr, mehr Konsum —glücklich werden.</p>
<p>Im Gegenteil &#8212;</p>
<p>Corona treibt &#8211; mich um.</p>
<p>Das Glitzern deiner Augen ist mehr als &#8212; die Maske,<br />
die dein Gesicht entstellt.<br />
Konturen schmiegen sich um sie.<br />
&#8212;<br />
Siehst du dich nicht, was deine Emotionen vollbringen?<br />
Durch Tränen, scharfes Sehen, Fokussieren, Benebeln aus deinem Körper dringen?<br />
Selflove is key,</p>
<p>Du siehst sie nie &#8211; denn &#8212; in den Selfies mit Filtern ist dein Gesicht verzerrt. Die Nase viel größer, das<br />
Kinn zu klein; den Anblick des Mundes, den kannst du nicht leiden. &#8212;<br />
Und wieder: selflove is key. Propagiert im Post von gestern – wie hieß sie?</p>
<p>Wie sich selbst lieben in einer Welt, in der sich lediglich dessen Blick erhellt, der &#8212; in den Spiegel<br />
schaut und eine bearbeitete Symmetrie erblickt &#8212;<br />
und bereits das Licht der Kamera klickt? ,,Das Licht fällt gerade so gut&#8220;, schreit die Gesellschaft, die in<br />
ihrer Vielfalt nicht nur inspiriert, sondern dich schnell erdrückt, lenkt &#8212; und du denkst:<br />
Nur so sehe ich schön aus.<br />
Mit anderen Wimpern im Gesicht, Augenbrauen, die nicht dein eigen sind.</p>
<p>Bereits Sophie Passman schrieb: ,,Und überhaupt ist eine halbe Stunde, in der man sich einfach mal selbst anstarrt und versucht, das eigene Gesicht zu verstehen, keine schlecht genutzte Zeit&#8220;.<br />
Verstehst du nicht, was ich sagen will? Was ist, was war, &#8212; das bleibt.<br />
Es wird sich nicht(s) verändern, wenn du Probleme überklebst.<br />
Das Problem der Selbstakzeptanz, das du in dir trägst, liegt tiefer, ist, womit du noch immer lebst.<br />
Heile &#8212; das Kind in dir und verändere, worauf du Einfluss nimmst.Male, schreibe, SCHREIE, tu, worin du Ausdruck findest und sei stolz auf das, was du bist.<br />
Statt wegzurennen, mitzulaufen, in einer Welt, die so voll Oberflächlichkeit ist</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gegen die Hand an meinem Körper</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/12/gegen-die-hand-an-meinem-koerper/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johanna-Maria]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Dec 2022 12:36:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Sexuelle Gewalt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=15199</guid>

					<description><![CDATA[TW sexualisierte Gewalt: Ein alltäglicher Übergriff – der Mann im Bus, betatscht mich, warum wehre ich mich nicht, warum sieht das niemand? Die Folgen, die lang und schmerzhaft sind und dann doch die Erfahrung, dass es Menschen gibt, die dich stützen und lieben. Ein Text, der weh tut aber auch zeigt: du bist nicht alleine.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>TW sexualisierte Gewalt:</strong></p>
<p><strong>Ein alltäglicher Übergriff – der Mann im Bus, betatscht mich, warum wehre ich mich nicht, warum sieht das niemand? Die Folgen, die lang und schmerzhaft sind und dann doch die Erfahrung, dass es Menschen gibt, die dich stützen und lieben. Ein Text, der weh tut aber auch zeigt: du bist nicht alleine.</strong><span id="more-15199"></span></p>
<p>Gegen die Hand an meinem Körper (Poetry Slam)<br />
Im See meiner Selbst gefangen kam er angeschlichen, hat mit großen Pinselstrichen die Zone um<br />
meinen Mund rot bemalt und gesagt:</p>
<p>„Das ist Liebe.“</p>
<p>Mit Kuchen erst versüßt, hat er die dicken Schichten später abgeschliffen. Draufgebissen,<br />
weggeschmissen. Zuvor sich selbst beschissen. Nur mit Alkohol hatte er den Mut, mich zu<br />
begrabschen. Nur bekifft wirklich zu leben und ignorant nach mehr, immer mehr Konsum und<br />
Mensch und nackter, feuchter Haut zu streben.</p>
<p>Nach dem Vorfall war ich gebrochen und das ,,davor“ nur ein Gedanke. Indessen lief ich weiter, über<br />
jedes rote Licht, antwortete auf jedes ,,Geht´s dir gut?“ mit „Ja!“ &#8211; und nachdenklich – „…danke.“</p>
<p>Für mich war er anders, für sich blieb er gleich.</p>
<p>An mir blieb über: angefasstes Fleisch.</p>
<p>Dabei alles weggenommen, was der Würde des Menschen inne liegt. Jedes seiner beschämenden<br />
Worte sorgte für mehr Farbe in meinem Gesicht. Verletzt, er hatte die Grenzen überschritten. Nicht<br />
verworfen den Gedanken, die Stimmung könnte kippen, habe ich mich in den Schein von<br />
Gemütlichkeit in seiner Anwesenheit geschmissen. Angst vor Reaktionen:</p>
<p>Denn der Busfahrer lugte schon und dachte scheinbar laut: „Richtig kann das nicht sein.“, als er mir<br />
unter das Kleid griff.</p>
<p>Geistiges Wirren im Tumult der Stimmen, während Körper einander fest umschlingen. Und meine<br />
Hände, die nach Luft, mehr Raum und Hilfe ringen…</p>
<p>Zuhause dann die Kreise der Uhr nachgefahren, mit leerem Stift und tristen Farben – Zeiger kurz vor<br />
12. An mir &#8211; entstehen Narben. Kurz vor einem Kollaps in den eigenen vier Wänden.</p>
<p>Mit Fingern, die Papier rau und schwer beschreiben. Und einer jungen Frau, der Schreiben mit Tinte<br />
auf Papier die Welt bedeuten. Schlaflose Nächte und zu langes Sinnieren. Die Haut am Kinn und der<br />
Wange vom Denken abgerieben. Und der erste Absturz, heulend in seinen Armen. Keine Fragen, nur<br />
Namen. Nur Gedanken und Flaschen, die an dem Abend alles Denken neu erschaffen.</p>
<p>Die rote Farbe längst abgeblättert, darunter tiefes Grau. Ziellos lief ich umher, ich weiß es noch<br />
genau, traf ich den Jungen, der mich veränderte.</p>
<p>Du verzerrtest, was man mir einst das ,,Lieben“ lehrte. „Du hast das nicht verdient“, meintest Du.<br />
Darauf schluckte ich schwer, sah neue Werte.</p>
<p>,,Warum fühle ich mich leer?“, frage ich an mich selbst gerichtet.<br />
Du erwidertest, als hättest Du den Gedanken eben erst selbst erdichtet: „Weil dir bewusst wird, was<br />
er dir angetan hat und was da in dir schlummert. Unsicherheit über Wärme, Liebe, Geborgenheit.<br />
Und das, worüber andere längst verfügen, hast du dir selbst nicht zugesprochen, weil Mobbing es dir<br />
verwehrte; dir das Ersuchen nach Respekt das Selbstvertrauen erschwerte. Lass los. Und lass einen<br />
Teil deiner Last bei mir.“</p>
<p>Da war keine Gier.<br />
Du erschufst mein neues Verständnis für ein WIR.<br />
&#8212;<br />
Und ich liebe dich dafür.<br />
&#8212;<br />
Noch nie empfand ich Liebe wie in solch einem Moment. Es war, als hättest Du den Kosmos<br />
durchtrennt, der mich im hoffnungslosen Umherwanken ließ. Der das Herz und seinen tiefen<br />
Schmerz nicht losließ. Du verstandst, dass mich Anerkennung auf social media zu nichts brachte, dass<br />
es meine sozialen Kontakte abflachte und ich das Leben darauf nicht ertrug.</p>
<p>Und neue Energie mit dir an meiner Seite erschuf. Im realen Leben.</p>
<p>Denn:</p>
<p>jeder zweite Post mit Werbung deklariert, drum herum junge Menschen, die um ihre Identität<br />
tänzeln. Dazu Oberflächlichkeit, die Stunden der Konsumenten* abdeckt, mich zutiefst<br />
abschreckt…</p>
<p>Erschaffen wir uns selbst durch Posts oder haben wir uns bereits endgültig verloren, wenn wir so um<br />
Aufmerksamkeit buhlen?</p>
<p>Ich dachte, es träfe mich beim besten Willen nicht. Das Schlagwort der Vergewaltigung. Das sitzt. Ich<br />
dachte, es wäre weit weg von mir, sexuelle Belästigung im Zug – doch es war folgenschwer.</p>
<p>Ich dachte, ich könnte nicht mehr.</p>
<p>Auf die Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft von Passanten lässt sich Vieles verwetten. Meine<br />
Gesundheit musste ich selbst retten, aber wenn Du den Menschen für Dich findest, der Du für mich<br />
bist. Ist da keine Angst, kein Zögern, nichts. Dann bist Du für mich da. Und ich ein besserer Mensch.<br />
Weil Du es schaffst, dass ich mehr für mich kämpf`. Und im Zug laut sage: „Stopp, hören Sie auf mich<br />
anzufassen.“ Und die Menschen betroffen schauen und wir gemeinsam Umdenken bewirken. Wenn<br />
wir wichtigen Themen Aufmerksamkeit schenken und nicht mehr länger nur an uns selbst denken.</p>
<p>Nicht davon ausgehen, da wird schon jemand sein…</p>
<p>Aus uns raus nach draußen schreien:</p>
<p>Ich lass Dich nicht allein.</p>
<p>Für den nächsten Absturz bin ich gewappnet, trotz Wut, Respekt, Angst. Ist da doch eins:<br />
Liebe und Akzeptanz.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Pole Dance: Der 131-er Puls</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/08/pole-dance-der-131-er-puls/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johanna-Maria]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Aug 2022 11:48:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
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					<description><![CDATA[Ausgebrannt und hobbylos fühlt sich Johanna, als sie, auf der Suche nach einer neuen, ausfüllenden Sportart, Pole Dance für sich entdeckt. Was diesen Sport für sie so besonders macht und warum das Tanzen an Stangen mit wenig Kleidung nicht umfeministisch ist, erzählt Johanna in ihrem neuen Text. Liquid Chalk, Reiniger für die Chromstange, Handtuch, kurze]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body"><strong>Ausgebrannt und hobbylos fühlt sich Johanna, als sie, auf der Suche nach einer neuen, ausfüllenden Sportart, Pole Dance für sich entdeckt. Was diesen Sport für sie so besonders macht und warum das Tanzen an Stangen mit wenig Kleidung nicht umfeministisch ist, erzählt Johanna in ihrem neuen Text.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-14982"></span></p>
<p>Liquid Chalk, Reiniger für die Chromstange, Handtuch, kurze Hose, Top. Equipment für das Pole Dance Training am Wochenende. Bei meiner ersten Probestunde war mir das Unwohlsein ins Gesicht geschrieben. Ganz schön knappe Höschen und bauchfreie Oberteile. Aber das stand auch bereits auf der Website, hätte ich wissen müssen. Kurz überlege ich, zu gehen. Alle 18 Jahre alt und älter. Dann ich, Schülerin, ziemlich schüchtern, mit dem Ziel, eine neue Erfahrung im Bereich der Sportarten zu machen und wieder mit meinem Körper, meinem Sein, in Einklang zu kommen.<br />
Ich habe viel ausprobiert. Ballett, Fußball, Badminton, Tischtennis, Schwimmen und zuletzt rhythmische Sportgymnastik. Musik war immer Teil meines Lebens, aber als mir die Sportgymnastik zu viel wurde &#8211; ausgeführt als Leistungssport mit gesundheitlichen Folgen &#8211; musste ich aufhören. Ausgebrannt und hobbylos.<br />
Den Rhythmus wollte ich nicht verlieren. Nach Recherche also Pole Dance als kleines Experiment für mich entdeckt und dann stand ich da. Und habe es nach dem ersten Probetraining so sehr geliebt. Denn es ist alles, was ich gern tue: Zum Beat tanzen, Kraft aufbauen und den Trainingsfortschritt spüren (blaue Flecken und Schürfwunden sind ein überwältigendes Gefühl, wenn sie bedeuten, dass man Fortschritte macht). Auch die Eleganz und Perfektion der Elemente, der Drehungen, Figuren und der Zusammenhalt in der Gruppe. Ich habe die Erfahrungen gemacht, dass die Studios einem sehr viel Sicherheit geben. Vor Ort trifft man Menschen mit ähnlichen Interessen, alle noch etwas unsicher mit dem Spiegel vor sich, bei dem man sich während jeder Bewegung sieht. Unrasierte Achseln, offen Tampons auf der Toilette in allen bisherigen Studios, in denen ich war.<br />
Eine Möglichkeit, über seinen Schatten zu springen, denn die leichte Kleidung dient nicht dem optischen Reiz, sondern vor allem dem Halt an der Stange. Wobei die Outfits wirklich unglaublich toll aussehen und alles an Ort und Stelle halten. Mit Verzierungen. Hübsch und praktisch.<br />
Aber ich musste auch lernen, vorsichtig zu sein. Die Gefahr, sich für sein Hobby zu schämen, ist enorm, denn der Sport ist leider immer noch nicht als solcher bekannt. Zu Beginn meiner Trainingsphase habe ich im Studio auch Druck gespürt, mir für die Choreografien High Heels kaufen zu müssen. Für den Anfang und mein Alter wäre das zu viel gewesen. Ich hätte sie wirklich gern getragen, aber da ich aus zeitlichen Gründen am Abend zum Training gehe, habe ich doch zu viel Respekt vor wiederholten anzüglichen Blicken in der Bahn, die ich schon erleben musste. Es kommt, wie bei allem, darauf an, wen man um sich hat.<br />
Der Sport ist meines Erachtens nicht antifeministisch. Und, bitte, warum wird darüber überhaupt diskutiert? Ich, als Frau* mache, worauf ich Bock habe. Der Sport ist genau so wenig sexistisch, wie die Frage ,,Woher kommst du?‘‘ per se rassistisch sein muss. Aber sie wird doch in einem Land mit rassistischer Historie gestellt, was die Problematik anheizt.<br />
Ich habe das bedrückende Gefühl, dass unsere Gesellschaft stetig Antworten verlangt, die Eventualitäten ausschließen. Ein eindeutiges Ja oder Nein muss es sein, mit allem anderen kommen wir nicht mehr klar. Dabei geht es doch um genau das: Um Feingefühl, ein aufmerksames Beobachten und Handeln. Um das Denken auch in und für Ausnahmesituationen.<br />
Gerade wenn man Pole Dance jung beitritt, ist das Umfeld doch vergleichsweise älter, alles neu, aber man wächst daran, weil man sich gemeinsam unterstützt und gemeinsam die Erfahrung teilt, dass man den Sport noch verteidigen muss. Aber wenn man das weiß, Kontakte knüpft und auf sein Gefühl hört, kann es der schönste Sport für einen selbst sein. Also falls du noch zweifelst, trau dich.<br />
Aber lasst mich ehrlich sein, die fehlende Diversität in Tanzsportarten stimmt mich traurig. Ich kenne Jungen und Männer, die mal getanzt haben, aber aufgehört haben. Was viele nicht wissen ist, dass Schriften über die Anfänge des Pole Dance bis ins Jahr 1135 zurückreichen, als Männer*(!) in Asien an Pfählen akrobatische Übungen ausführten. Es galt damals als indische Sportart mit dem Namen ,,Mallakhamb‘‘ und war sehr populär.<br />
Ja, Pole Dance hat mich stärker gemacht. In Gedanken an die Kraft, die ich entwickle, wenn ich mich um die Stange wirble, wie meine Haare sich eindrehen, meine Hände schwitzen, ich alle Körperteile durchstrecke, diese Körperspannung ist unbeschreiblich. Ich weiß meinen Körper einzusetzen, in Kombination aus Eleganz und Koordination. Ich muss der Schwerkraft in einem nie gekannten Ausmaß trotzen. Als olympische Sportart wäre Pole Dance auch mal dran, wird Zeit, nur so am Rande.<br />
Meine Hände sehen seit dem Sport aus wie beim Bouldern oder Klettern. Zu Beginn bedeckten Schwielen die Handinnenflächen. Hornhautbildung und blutige Stellen. Dafür könnte ich jetzt, hätte ich Lust dazu, an Laternen hochklettern und die Aussicht genießen. Vielleicht irgendwann eine Human Flag am Klettergerüst machen. Oder einfach die Zeit, die ich mit meinem Hobby habe, aufnehmen, nutzen und mich darüber freuen. Und auf die Meinung anderer darüber scheißen.<br />
Und das solltet ihr auch, was immer es ist.</p>
<p><strong>Erläuterung zur Überschrift:</strong><br />
<a href="https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30507730/">Eine Studie hat Messungen zum Stoffwechsel und physiologischem Bedarf bei einem 60-minütigen Pole Dance Kurs erfasst. Dabei wurde unter Anderem eine durchschnittliche Herzrate von 131 herausgefunden, die auch hier untermalt, dass es sich bei Pole Dance um einen fordernden Sport handelt.</a></p>
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		<title>(Ein bisschen) Contra geben</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/05/ein-bisschen-contra-geben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johanna-Maria]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 May 2022 09:00:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>
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					<description><![CDATA[Beim Filmgucken in der Schulklasse von Johanna Maria kommt es zu intimen Szenen, welche ihren Mitschüler:innen und ihrem Lehrer offensichtlich unangenehm sind, sie gucken weg. Warum ist es so ein Tabuthema und warum fällt es vielen so schwer darüber zu sprechen? Diese und weitere Fragen kommen Johanna Marie in den Kopf.  9:45 Uhr, Beginn des]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Beim Filmgucken in der Schulklasse von Johanna Maria kommt es zu intimen Szenen, welche ihren Mitschüler:innen und ihrem Lehrer offensichtlich unangenehm sind, sie gucken weg. Warum ist es so ein Tabuthema und warum fällt es vielen so schwer darüber zu sprechen? Diese und weitere Fragen kommen Johanna Marie in den Kopf. </strong></p>
<p><span id="more-14751"></span></p>
<p>9:45 Uhr, Beginn des Religionsunterrichts.</p>
<p>Wir schauen den Film ,,Das Tagebuch der Anne Frank“ im Klassenverbund. Am Smartboard erscheint eine Szene, bei der die Protagonistin ihre Vulva mit dem Spiegel genauer erforscht, sich genauer mit ihrem Körper und ihren Gefühlen dort auseinandersetzt. Die Stimmung im Klassenraum ist bedrückt, als würden alle die Luft anhalten, um keine Aufmerksamkeit zu erregen. Der Lehrer schaut auf die gegenüberliegende Wand, bloß nicht auf den Film und erst recht nicht in die Augen der Schüler*innen blicken. Könnte ja unangenehm werden, um Himmels Willen!</p>
<p>Der Film geht weiter, Ausschnitte aus der Zeit im Hinterhaus der Familie Frank, Auseinandersetzungen zwischen Mutter und Tochter und Leid, sehr viel Leid und Trauer, sind zu sehen. Dazwischen typische Probleme aus dem Alltag von Heranwachsenden. Kurz darauf sitzen Margot und Anne nebeneinander und reden darüber, dass Margot ihre Tage bekommen habe. Zu meiner Linken wendet sich meine Sitznachbarin plötzlich scheinbar sehr am Zeichnen interessiert ihrem Blatt zu; mein Sitznachbar sieht gerade die Notwendigkeit darin, sich seinen Schnürsenkel, der bereits zu einer Schleife gebunden war, neu zu öffnen und zu binden. Und ich sitzen zwischen den beiden, nicht sicher, was ich fühlen soll. Sollte ich auch beschämt wegschauen? Oder ist es in Ordnung, dass ich die Szene alles andere als unangenehm finde, sogar vielmehr dagegen ankämpfen will, dass auch meine Umsitzenden sich nicht mehr schämen müssen?</p>
<p>Der Film endet, Reflexionsrunde.</p>
<p>Oberflächlich wird der Film wiedergegeben und bewertet, wie die filmische Umsetzung in Bezug auf das Tagebuch der Anne Frank gelungen sei. Der Lehrer nimmt Stellung zu den intimen Stellen, die der Film darlegt und behauptet plötzlich selbstbewusst, wie unnötig das Zeigen solcher Situationen sei und er das nicht sehr begrüße. Seltsam, denn während des Films schien er einst verunsichert und so …klein?&#8230; Ich merke, wie sich Gefühle in mir anstauen. Aus Wut darauf, dass wir Offensichtliches nicht ansprechen und alles totschweigen, was es in diesem Scheißsystem zu ändern gebe. Einatmen, ausatmen, runterfahren.</p>
<p>Die darauf folgende Aufgabe: ,,Verfasse eine Filmkritik zum Film!“</p>
<p>Sie wollten es so, denke ich und schreibe Teile dessen, die mir während des Films durch den Kopf gingen, mit in die verlangte Rezension.</p>
<p>Ein Auszug meiner Rezension lautet wir folgt:</p>
<p>,,Auch die Themen Liebe und Selbstfindung finden in dem Film Platz. Das führt bei einem gemeinsamen Anschauen des Films in der Schulklasse zu peinlicher Berührung und die Relevanz des Zeigens dieser Themen in diesem Kontext kann sicherlich in Frage gestellt werden. Dennoch habe ich für mich feststellen können, dass es Teil des Entwicklungsprozesses eines Teenagers ist und wo, wenn nicht in der Schule, sollte es eine Plattform zur realistischen Darstellung dieses Lebensabschnitts, der Pubertät, geben? Es gehört einfach dazu und der Film gewinnt dadurch an Echtheit.“</p>
<p>Ich lese meinen Text in der Klasse vor, schließlich soll jede*r seine Ergebnisse vorstellen.</p>
<p>Übrig bleibt nach dem Vorlesen meines Textes Schweigen, auch der Lehrer äußert sich nicht weiter dazu.</p>
<p>Was ich vielleicht noch erwähnen sollte: Besagter Film wurde in unserer Klasse bereits als Ergänzung zum Tagebuch der Anne Frank geschaut. Dadurch, dass wir den Film nun auch in unserem Mischkurs in Religion anschauten, fiel mir auf, dass im Deutschunterricht auf die Darstellung folgender Filmszenen verzichtet wurde: Anne erforscht sich mit dem Handspiegel. Anne und Margot sprechen über die Menstruation. Anne wird mit Peter intimer. Anne gelangt ins Konzentrationslager.</p>
<p>Interessant, wo die Prioritäten gesetzt wurden, oder?</p>
<p>Es geht nicht darum, dass wir immer und überall über Sex, Sexualität und Identifikation reden. Es geht darum, dass wir dann über diese Themen können, wenn es angemessen und nötig wäre.</p>
<p>Auch sollten wir nie vergessen, dass auch Lehrer*innen nur Menschen sind. Und genau deshalb ist es wichtig, dass wir als Schüler*innen weiterhin unsere Meinung vertreten und verteidigen. Denn selbst wenn unsere Lehrer*innen Vieles anders sehen, als wir selbst, ist es umso relevanter, dass wir zu uns stehen, marginalisierte Gruppen verteidigen und Contra geben.</p>
<p>Wir müssen im Diskurs bleiben und sollten uns keinesfalls verschließen. Konstruktiver Austausch ist eine Grundlage für ein friedliches Zusammenleben und so kann es auch nicht schaden, sich mit der Gegenseite auseinanderzusetzen.</p>
<p>Es läutet zur Pause.</p>
<p>Ich verabschiede mich vom Lehrer, verlasse den Raum und übrig bleiben drei zentrale Fragen:</p>
<p>• Wieso fällt es uns schwer, über Tabus zu sprechen und Grenzen zu überwinden, die uns doch zu mehr Akzeptanz verhelfen würden?</p>
<p>• Was hat Religion mit alledem zu tun?</p>
<p>• Was habe ICH beizutragen?</p>
<p>Ich gehe über die Türschwelle raus in den Flur und übrig bleibt:</p>
<p>Leere.</p>
<p>(PS: Für die positiven Vibes eines jeden Textes möchte ich an dieser Stelle noch mal den seit 2011 bestehenden Ausdruck ,,Vulvina“ feiern und den Buchtipp ,,Sie hat Bock“ von Katja Lewina in die Welt raussenden. Habt einen schönen Tag!)</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Coming Out – Das bin ich</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/11/coming-out-das-bin-ich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johanna-Maria]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Nov 2021 07:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Toleranz]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute vor genau einem Monat, nämlich am 11.10., war der Internationale Coming Out Day. Passend zu diesem Anlass präsentieren wir euch mit Freude den ersten Beitrag unserer neuen Autorin Johanna-Maria. Sie hat sich den MDR DOK Film »Coming Out« angesehen, beschreibt im Text ihre Eindrücke aus dem Film und stellt spannende und schockierende Bezüge zu]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute vor genau einem Monat, nämlich am 11.10., war der Internationale Coming Out Day. Passend zu diesem Anlass präsentieren wir euch mit Freude den ersten Beitrag unserer neuen Autorin Johanna-Maria. Sie hat sich den MDR DOK Film »Coming Out« angesehen, beschreibt im Text ihre Eindrücke aus dem Film und stellt spannende und schockierende Bezüge zu ihrem Alltag her, dem einer jungen Frau der Generation Z.      </strong></p>
<p><strong><span id="more-13593"></span></strong></p>
<p>Für gewöhnlich schaue ich selten Filme. Gerade solche, die Geschlechterklischees vertiefen, keine objektive Berichterstattung vorlegen können, oder schlicht und ergreifend keinen Mehrwert in Form einer ,,Message“ liefern, sind für mich uninteressant. Fast habe ich meinen Glauben in die Filmbranche verloren, da fiel mir der Film &#8222;Coming Out“ auf dem YouTube Kanal MDR DOK in die Hände. Thematisiert werden hier die Outings unterschiedlichster junger Menschen. Während wir einige hautnah und unzensiert bei ihrem Gespräch mit Eltern/Verwandten/Freund*innen verfolgen dürfen, legen andere ihren Weg der Selbstfindung und des ,,Andersseins“ dar. Die Reaktionen der Umstehenden: Teils liebevoll, wissend, akzeptierend bis hin zu erschütternden, menschenverachtenden und hasserfüllten Aussagen.</p>
<p>Der Film hat mich deshalb sehr emotional mitgenommen. Reale und oftmals erdrückende Videosequenzen. Eine klare Empfehlung also, denn einen so ungefilterten Einblick erfährt man selten, dazu später mehr.</p>
<p>Diese Filmentdeckung möchte ich mit Verweis auf den Coming Out Day (11. Oktober) 2021 zelebrieren. Als Erinnerung daran, dass wir nicht allein sind. Mein Appell: Seid stolz auf euch, ihr seid wundervoll! Und jetzt: Viel Spaß beim Lesen meiner kleinen Stellungnahme.</p>
<p>Vor Kurzem wurde ich in der Schule in ein interessantes Gespräch verwickelt. Es ging um die Beinbehaarung bei Frauen*. Als Mädchen wurde ich hinzugezogen und nach meinen Erfahrungen gefragt. Es stellte sich heraus, dass die Mehrheit der in das Gespräch verwickelten (pubertierenden) Jungen dachte, Frauen* hätten keine Beinhaare und waren über die Widerlegung entsprechend schockiert. Weiter schien kein Verständnis dafür zu bestehen, dass nicht jede Frau* die Pille als Verhütungsmethode verwenden möchte. Die Nebenwirkungen seien verkraftbar und die Verweigerung ihrer Verwendung unverständlich, hieß es. Auf die Spitze wurde das Gespräch dadurch getrieben, dass mir einige Mitschüler*innen erklärten, dass sie nie Sexualkunde in der Schule gehabt hätten und von ihren Eltern nicht aufgeklärt worden wären. Schlussfolgend bleibt diesen Jugendlichen also nur die Aufklärung durch Funk und Fernsehen, worin eine große Gefahr besteht. Anders als im oben erwähnten Video führen erste Nachforschungen zu Geschlechtsidentitäten, Sexualität, Gender und der Selbstfindung aber zumeist zu eintönigen und falschen Quellen, eben dem &#8222;bereits bekannten&#8222;. Allein durch Recherchieren gelangt man durch Werbeanzeigen auf pornographisches Material, fake News, Hass, Pauschalisierungen. Das muss gar nicht offensichtlich geschehen. Oft reicht ein Klick auf die Überschrift ,,Bilder“ oder (Werbe-)Anzeigen, schon sieht man Bilder, die sexistischen Hintergrunds sind und in jungen Jahren negativ prägen; sie schaffen ein Weltbild, das als Norm dargestellt und Minderheiten ausschließen wird. Dass wir uns mit dem übermäßigen Konsum dieser Videos, Bilder und Texte keinen Gefallen tun, ist oft nicht präsent, doch dass Deutschland Weltmeister im &#8222;Porno-Gucken&#8222;** ist, ist nichts, auf das man stolz sein sollte – und birgt eine riesige Gefahr. 11 Jahre beträgt das Durchschnittsalter der Erstkonsument*innen von Pornos** und es wird ein surreales Bild von Liebe und Sex geschaffen – um nur einen Aspekt aufzugreifen. Und wieder einmal stelle ich unter Menschen fest, dass wir häufiger Diskurse führen und vor allem zuhören müssen. Das ausschweifende, aber dennoch erkenntnisreiche Gespräch im Schulgebäude wurde beendet und wir gingen befreit und erkenntnisreich auseinander. Es muss sich noch einiges ändern, insbesondere bei der medialen Darstellung.<br />
Wieso dieser Exkurs?</p>
<p>Für eine ach so aufgeklärte und reife Generation Z ist das ziemlich erschreckend und dennoch Alltag. Nie hatten wir einen dermaßen unbegrenzten Zugriff auf Informationen durch das Internet. Leider bewirkt das nicht, dass wir auch wirklich informierter durchs Leben gehen, sondern online die Aspekte aufgreifen, die uns am besten gefallen und unsere Meinung, auch Algorithmen bedingt, unterstreichen. Es beginnt bei der kaum geförderten Diskussionskultur und wird dadurch fortgeführt, dass wir verlernt haben, andere Meinungen auszuhalten und zu argumentieren. Erst seit dem 01.10.2017 gilt die Ehe für alle und wir haben es trotzdem nicht vollbracht, über Geschlechtervielfalt und Gleichberechtigung zu sprechen, ohne dass eine der Fronten resigniert das Handtuch wirft. Haben noch immer keinen (Sexualkunde)Unterricht, bei dem Heterosexualität nicht die Norm darstellt. Stattdessen wird geschwiegen, ignoriert und gehofft, alles regele sich von allein. Wir definieren uns über Mode, denn bereits jede*r zweite*r Deutsche legt Wert auf Marken.*** Dabei ist Individualität so wundervoll und wichtig. Hierzu möchte ich mich auf das Video ,,Coming Out“ beziehen, denn es spiegelt bei genauerem Hinsehen genau diese Probleme wider. Immer wieder beteuern die Eltern darin, sie hätten gewusst, dass ihr Kind bereits in jungem Alter diese Wahl getroffen hätte. Gesagt haben sie ihren Liebsten davon aber nichts, von ihrer stillen Vermutung über die Sexualität und das Leben ihrer Kinder. Die Kinder/Jugendlichen betonen während ihrer Gespräche immer und immer, dass sie keine Wahl getroffen hätten, dass es falsch sei, das zu behaupten und fragen, wann denn sie [ihre Eltern] entschieden hätten, heterosexuell zu sein. Diese Aussage wird auf der anderen Seite ignoriert. So wird der Diskurs fortgeführt und übrig bleiben Wut, Frust und Verletztheit, weil man trotz eines 30-minütigen Gesprächs aneinander vorbeigeredet hat. Weil man sich jemandem anvertraut hat und statt Akzeptanz Meinungen erfährt. Ein Coming Out sollte nicht bewertet werden. Niemand hat das Recht dazu, jemanden in Bezug auf seine Sexualität und Identifikation abzuwerten und zu kategorisieren. Es ist essenziell, den Unterschied zwischen Meinung und Hass zu kennen. Es ist doch in Ordnung, nicht jede*n zu mögen, aber dann halte lieber Abstand, statt zu hassen und zu hetzen. Nicht alles, was gedacht wird, muss auch ausgesprochen werden, denn wir wissen nicht, wir es auf unser Gegenüber wirken wird.</p>
<p>Wir werden bereits bei unserer Geburt einem Geschlecht und einem Namen zugeordnet, beides wird auf Akten hinterlegt. Wir werden irgendwo reingepresst, dabei hat jede*r andere Wünsche, Normen, Gedanken und Probleme im Leben. Jede*r, der/die sich outet ist normal, ist liebenswert. Denn Homosexualität ist verdammt nochmal keine Krankheit. Wer ,,Schwuchtel“ als Schimpfwort verwendet ist ignorant und versucht auf den Kosten anderer inneren Druck zu kompensieren…</p>
<p>Es liegt nicht an Euch. Das dürft ihr niemals vergessen und deshalb steht zu dem, was ihr seid. Das kann euch keiner nehmen. Ein Outing kann sehr befreiend sein, aber man sollte sich bereit fühlen. Der richtige Moment wird kommen, wenn das erstmal nicht der Fall ist, ist das auch okay! Und wenn es dann doch nicht so läuft wie geplant: Langsam rantasten und sich Menschen suchen, die einem gut tun. Dieser Rückhalt ist unglaublich wichtig. Es sollte möglich sein, so zu leben wie man es möchte, wenn niemandem Schaden zugefügt wird. Und das ist hier absolut nicht der Fall. Befreit euch und lebt 🙂 Und ja, auch ich gehöre dieser Community an und das hier ist mein Outing: Ich bin bisexuell und glücklich damit.<br />
Hab(t) Euch lieb.</p>
<p>*Frau meint hier das biologische Geschlecht<br />
** <a href="https://www.netzsieger.de/ratgeber/internet-pornografie-statistiken" target="_blank" rel="noopener">https://www.netzsieger.de/ratgeber/internet-pornografie-statistiken</a><br />
*** <a href="https://de.statista.com/infografik/25869/befragte-die-bei-kleidung-und-schuhen-besonders-aufmarken-achten/" target="_blank" rel="noopener">https://de.statista.com/infografik/25869/befragte-die-bei-kleidung-und-schuhen-besonders-aufmarken-achten/</a></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li><strong>Du möchtest dich gern mit Erfahrungsberichten zu Coming Outs beschäftigen? Eine kurze Reportage dazu von BR Puls gibt&#8217;s <a href="https://www.youtube.com/watch?v=iUlN9gNKaVQ">hier</a></strong></li>
</ul>
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