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	<title>Laura &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>Laura &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<item>
		<title>Das A in Alleinerziehende steht für Arbeit ohne Anerkennung</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Laura]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Mar 2026 12:48:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Alleinerziehend]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[Anlässlich des 8. März wirft Laura einen ehrlichen Blick auf die Herausforderungen alleinerziehender Mütter. Sie erzählt von ihrer eigenen Geschichte und ihrer Mutter, die trotz finanzieller und emotionaler Belastung stets für ihre Kinder da war. Teilzeit, Vollzeit, alleinerziehend – die unsichtbare Arbeit alleinerziehender Mütter. Vor knapp einer Woche ist Parshad Esmaeilis Buch „Papa weg, Mama]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Anlässlich des 8. März wirft Laura einen ehrlichen Blick auf die Herausforderungen alleinerziehender Mütter. Sie erzählt von ihrer eigenen Geschichte und ihrer Mutter, die trotz finanzieller und emotionaler Belastung stets für ihre Kinder da war. </strong><span id="more-17343"></span></p>
<p><strong>Teilzeit, Vollzeit, alleinerziehend – die unsichtbare Arbeit alleinerziehender Mütter.</strong></p>
<p>Vor knapp einer Woche ist <a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/parshad-esmaeili-papa-weg-mama-muede-ich-laut-9783426569177?srsltid=AfmBOorPbkDK5WGTy_okFKIVB2oExjO48Z8jGeM7pWRVsR1iyXLz3G3P">Parshad Esmaeilis Buch „Papa weg, Mama müde, ich laut – Monolog einer Alleinerzogenen“</a> im Knaur Verlag erschienen und ich habe mich lang nicht mehr von einem Untertitel so gesehen gefühlt.<sup><a class="sdfootnoteanc" href="#sdfootnote1sym" name="sdfootnote1anc">1</a></sup></p>
<p>Meine Mama ist eine von 2,8 Millionen Alleinerziehenden in Deutschland. 2,3 Millionen von ihnen sind Frauen <a href="https://de.statista.com/themen/5182/alleinerziehende-in-deutschland/#topicOverview.">(Statista 2025).</a> Sie hat zwei Mädchen allein erzogen, während die zwei Erzeuger jeder auf seine Art mit Abwesenheit glänzten. Wenn sie doch da waren, hätte ich mir gewünscht, dass allein in Alleinerziehende nicht lähmende Einsamkeit und doppelter Work Load für Mama bedeutet, sondern: Ruhe von Streiten um Unterhalt, Hämmern an Türen und Telefonterror.</p>
<p>Als Kind habe ich &#8222;Die Wilden Hühner&#8220; und als Teenie &#8222;LOL&#8220; geliebt. Es war heilend, neben den typischen heteronormativen Mama-Papa-Kind(er)-Konstellationen geballte „Frauenpower“ zu sehen. Reclaiming the Power, sozusagen. In meinem Leben gibt es Mama, das Powerhouse, die arbeitet, tröstet, sich kümmert und macht, während die Väter stammeln, kritisieren und zusätzlich belasten.</p>
<p>Dabei ist das Leben nicht so glamourös wie Demi Moore und Miley Cyrus es in &#8222;LOL&#8220; haben: Statt Kaschmirpullis und Apple-Laptops sind die meisten alleinerziehenden Mütter mehrfach marginalisiert. Fast die Hälfte von ihnen hat finanzielle Probleme, ein Drittel lebt in Sozialwohnungen. Laut dem RKI wirken sich die finanzielle Benachteiligung und die psychische Belastung des Alleinerziehens negativ auf ihre Gesundheit aus: So sind alleinerziehende Mütter öfter chronisch krank, nehmen aber seltener Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch. Das potenziert sich bei migrantisierten Alleinerziehenden. Zudem sind sie in ihrer Erwerbstätigkeit eher altersarmutsgefährdet.</p>
<p>Dazu stemmen sie den Vollzeitjob der Alleinerziehenden neben mindestens einer Teilzeitstelle. Und dann ist da noch die Sache mit dem Unterhalt. Nur etwa die Hälfte der alleinerziehenden Mütter erhalten regelmäßig Unterhalt, und meist liegt dieser unter dem Mindestwert der Düsseldorfer Tabelle.</p>
<p>Die Autorin und Anwältin für Familienrecht Asha Hedayati schreibt in „Die stille Gewalt“: „Rechtsanwält*innen in Deutschland ist es erlaubt, Tipps und Tricks zu vermitteln, mit deren Hilfe man weniger oder gar keinen Kindesunterhalt zahlen muss, gleichzeitig werden Gynäkolog*innen kriminalisiert, wenn sie öffentlich über Schwangerschaftsabbrüche informieren“ (2023: 154).</p>
<p>Wenn unsere patriarchale Gesellschaft so unbedingt will, dass Frauen ungewollt schwanger bleiben, wie wär’s dann mal damit, die Leben der Kinder und Mütter zu schützen, die es schon gibt, statt sie weiter zu diskriminieren? Zudem framen sogenannte Väterrechtler (explizit nicht gegendert lol) den Unterhalt als gnädige Bonuszahlung der Väter an die Mütter.</p>
<p>Als würden sie sich davon Wellness gönnen (was auch mal absolut fair wäre, by the way), statt basale Grundbedürfnisse wie Miete, Kleidung, Essen und Medikamente für die Kinder im Alleingang abzudecken. Viele Mütter müssen die Zahlungsverweigerung dieses literally gesetzlich verbindlichen Bare Minimus hinnehmen. Geldgeile Schlampe hallt es von den Wänden der Gerichtssäle. Und: du wirst schon noch sehen.</p>
<p>Oft bedeuten Konfrontationen mit gewalttätigen Ex-Partnern, die keinen Unterhalt zahlen wollen, ein hohes Sicherheitsrisiko für Mütter und ihre Kinder. Oder Gerichtsverhandlungen von angeblich objektiven Richtern gefährden Existenzen.</p>
<p>Wie solche, in denen die Väter, die sich ansonsten nicht um ihr Kind kümmern, die Frauen betrügen und bedrohen, ein „So jetzt machen wir es endlich mal anders rum!“ als Richterspruch durch Krokodilstränen erzielen. Und dann einen Teil der Rentenanwartschaften bekommen. Dabei geht es nie um das Kindeswohl, sondern ums Gewinnen gegen die Frau, die in diesem System sowieso nur verliert.</p>
<p>Unsere beiden Erzeuger haben mittlerweile Eigenheime gebaut, während Mama in einer Mietwohnung sitzt, deren Miete alle drei Jahre erhöht wird. Und das ist kein Einzelfall, sondern hat System.</p>
<p>Neben dieser prekären Lage von Alleinerziehenden folgt dazu noch das public shaming. Die Beleidigung Rabenmutter fällt statistisch häufiger als Rabenvater. Die Kinder kriegen abgepackte Schokobrötchen von Aldi mit in die Schule? Rabenmutter. Die beiden waren noch nie beim Zahnarzt? Rabenmutter. Du warst nicht beim Elternabend, weil der immer schon um 18 Uhr anfängt und du nicht früher Feierabend hast? Rabenmutter.</p>
<p>Aber: Er hat dich noch nie in den Arm genommen und gesagt, dass er stolz ist? Väter halt, denen muss man auch mal ihren Freiraum gönnen. Ich kann mich kaum daran erinnern, wie meine Mama sich mal etwas gönnt, etwas feiert – während unsere Geburtstagstische mit selbstgebackenem Kuchen und sorgfältig verpackten Geschenken geschmückt sind.</p>
<p>Auch das ist unsichtbare Arbeit, Spätschicht und Frühschicht, während die Erzeuger anrufen, etwas schicken oder in so vielen anderen Konstellationen solche Momente nutzen, um zu manipulieren, wie Parshad in ihrem Buch schmerzlich berichtet.</p>
<p>Und ähnlich wie sie, erinnere ich meine Mama vor allem arbeitend: Mamas Hände kochen, waschen Wäsche, spülen Geschirr, kleben Pflaster, schrubben, wischen, saugen, putzen, tragen, legen zusammen, zählen Geld, sparen, haben immer etwas zwischen Ballen und Finger, liegen selten lang ausgestreckt.</p>
<p>Mamas Hände sind weich trotz all der Härte, sind weich an meiner Wange, in meiner Handinnenfläche: beim Impfen, wenn sie mir die salzigen Tränen wegwischt. Mamas Hände sind weich, wenn sie mir den Hörer aus der Hand nehmen und sich um mich legen, wenn mein Erzeuger am Telefon Dinge sagt, die kleine Mädchenherzen auf immer zerbrechen.</p>
<p>Und trotzdem steht unterm Strich: Arbeit auf Teilzeit. Als würde Mama nicht 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche für uns da sein. Dabei sind Mamas Hände auch so viel weg. Wenn wir krank waren, war es nur selten ihre weiche Hand, die unseren glühenden Stirnen Abkühlung verschaffen konnte.</p>
<p>Viel eher ließ sie uns schweren Herzens und mit Sorge in den Augen auf dem blauen Sofa meiner Oma &amp; Opa zurück, die uns Zwieback und Salzstangen brachten. Meine Großeltern waren es auch, die in der ersten Reihe saßen, als ich mein Abiturzeugnis überreicht bekam – mit Auszeichnung.</p>
<p>Anders als ich hat meine Mama kein Abitur, konnte nicht studieren. Sie musste schnell arbeiten gehen, Geld verdienen. Dass ich dieses Papier nun in der Hand halte, ist bittersüß. Denn statt gemeinsam mit mir feiern zu können, ist Mama weit weg, ihr Chef hat ihr nicht freigegeben.</p>
<p>Dabei verdanke ich ihr all das. In einem Gedicht schrieb ich mal:</p>
<blockquote><p><strong>Dank dir muss ich nicht dieselben Gewichte heben, Dank dir muss ich nicht dieselbe Geschichte erleben.</strong></p></blockquote>
<p>Diese Chancen, die ich mit diesem Stück Papier in der Hand halte, habe ich nur, weil meine Mama die schweren Türen mit aller Kraft aufgeschoben hat, Stück für Stück, während sie ihr noch verschlossen blieben.</p>
<p>Nie musste ich neben der Schule arbeiten; ich hatte offiziell die wunderschönste, vollste Kindheit, die man sich nur vorstellen kann. Dank Mama und wie sie jedes Kapitel dieser Kindheit mit Liebe gestaltet hat.</p>
<p>Als Parshad in ihrem Buch beschreibt, wie oft ihre Mutter ihr Dankbarkeit predigt, da nicke ich heftig. So oft flüstert Mama uns ins Ohr: „Ihr seid mein größtes Glück“. So oft hat sie uns gesagt, wie dankbar wir sein können: für unsere Wohnung, unsere Gesundheit, für uns.</p>
<p>Es ist bezeichnend, dass wir gesamtgesellschaftlich Home Office so schnell als Arbeit anerkennen und belohnen, während häusliche, physische und emotionale Care-Arbeit, die meist von Mütterhänden übernommen wird, unsichtbar ist.</p>
<p>Unsichtbar gemacht wird. Als würden Mütter nichts aufgeben, wenn sie alles von sich geben. Ihr Mutterleben lang gibt meine Mama alles für uns (auf): einen Platz für sich allein, als sie auf der Matratze im Wohnzimmer schläft, damit wir Kinderzimmer haben.</p>
<p>Selbstfürsorge, wenn sie innerhalb weniger Sekunden duscht, um ein Säugling und eine Dreijährige nicht lange allein zu lassen. In weniger als einem Jahrzehnt werde ich so alt sein, wie Mama als sie alleinerziehend mit zwei Töchtern unterschiedlicher Männer war, die beide auf ihre Art Steine im Weg, statt Felsen in der Brandung waren.</p>
<p>Je mehr ich Frau werde, desto mehr sehe ich die Frau in meiner Mutter. Ich denke an Momente auf dunklen Parkplätzen, wie meine Schwester und ich herumalbern und Mama uns hetzt, an den Händen nimmt, schnellen Schrittes mit klackernden Absätzen.</p>
<p>Wie ich Ärger bekomme, weil ich die Tür nicht richtig abgeschlossen habe, während Mama unten im Keller Wäsche aufhängt. Was für ein Kraftakt es gewesen sein muss, uns diese Geborgenheit zu vermitteln, diese Sicherheit, wenn man sich selbst nicht in Sicherheit wähnt.</p>
<p>Eine Frau, die die Telefonnummer der lokalen Polizei in den Flur hängt, obwohl sie wusste, dass auch da den Männern nicht zu trauen ist. Aber immerhin besser als nichts, sieben Mal vier Zentimeter eine Illusion von Sicherheit aus Pappe.</p>
<p>Was ein mamagemachtes Privileg, dass ich damals noch an das Pixibuch-Narrativ von „Ich habe eine Freundin, die ist Polizistin“ glauben durfte und in der Polizei den Freund und Helfer sah.</p>
<p>Heute kann meine Mama Dinge tun, die für andere selbstverständlich sind: mal alleine in den Urlaub fahren, sich ein ganzes Wochenende lang entspannen oder ein neues Hobby beginnen. Und das, weil sie in Teilzeit arbeitet.</p>
<p>Eine Mutter, die mehr als zwei Jahrzehnte lang rund um die Uhr rotiert hat, weil patriarchale Machtverhältnisse sie in eine Doppelrolle gezwungen haben. Während Väter immer noch einmal Eis an der Ostsee essen gehen, „ohne Mütze, weil ist nicht so kalt“ und damit den Dad of the Year Award gewinnen.</p>
<p>Während Mama sich zwei Wochen lang um die Mittelohrentzündung danach kümmert. Eine Frau, die seit sie 18 ist, arbeitet und arbeitet, Steuern zahlt, Geld verdient und sich abackert für einen Staat, der ihre Arbeit immer noch unsichtbar macht.</p>
<p>Und dabei ist es so wichtig, dieses Narrativ der sich selbst aufopfernden Mutter endlich zu durchbrechen: Alleinerziehende Mütter sind nicht nur so bewundernswert, unter der Bedingung, dass sie all das leisten.</p>
<p>Sondern ihnen sollte, wie es für Männer oft so selbstverständlich ist, ihr Menschsein zugestanden werden. Als der Wirtschaftsflügel der CDU im Januar 2026 dafür plädiert, Rechte auf Teilzeitarbeit einzuschränken, ist alles, was ich denken kann: What the actual fuck.</p>
<p>Während Merz 12.000 Euro Steuergelder in den ersten drei Monaten Amtszeit für seine „Frisur“ ausgibt, haben Dreiviertel aller alleinerziehenden Mütter im Schnitt weniger als 2.000 Euro netto im Monat zur Verfügung.</p>
<p>Und obwohl Pflege von Kindern oder Angehörigen wohl weiter (mal schauen, wie lange noch) für die CDU das Recht auf Teilhabe sichern, wünsche ich Merz ein alternatives Leben als alleinerziehende Mutter. Damit er das mal spürt, das mal trägt, diese Last und nicht anfängt, Elterngeld immer weiter zu konditionieren.</p>
<p>I mean: Wenn alle Alleinerziehenden von heute auf morgen ihre Arbeiten (Plural!) niederlegen würden, will ich mal sehen, wie dieses Land weiter funktionieren soll.</p>
<p>Statt also weiter auf Müttern herumzutreten, die mit ihrer Erwerbs- und Sorgearbeit das Fundament unserer Gesellschaft sind, wie wäre es, ihre Sorgearbeit endlich mal als Arbeit anzuerkennen? Wir brauchen armutsfeste Kindergrundsicherung, keinen begrenzten staatlichen Unterhaltsvorschuss und verlässliche Infrastrukturen, die Alleinerziehende entlasten, sowie mehr Anlaufstellen, um sich gegen die Einsamkeit zu vernetzen.</p>
<p>Und vor allem: Anerkennung. Daher möchte ich diesen Text schließen mit Worten aus einem Poetry Slam vor ein paar Jahren:</p>
<blockquote><p>Ich hab’s nicht ganz gerafft, als ich klein war und ich sag’s auch seit ich größer bin, viel zu selten: aber an alle Alleinerziehenden da draußen und vor allem an Mama: ihr seid wahre Heldinnen.</p></blockquote>
<p><a class="sdfootnotesym" href="#sdfootnote1anc" name="sdfootnote1sym">1</a> Dabei ist mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir in vieler Hinsicht als Alleinerziehende und Alleinerzogene auch privilegiert waren: cis, weiß und abled mit deutscher Staatsbürgerschaft und Familie im selben Land.</p>
<blockquote>
<blockquote>
<div>
<h3>Alleinerziehende unterstützen und dich weiterbilden:</h3>
</div>
<div>
<ul>
<li><a href="https://www.instagram.com/food8family/">@food8family</a></li>
<li><a href="https://www.instagram.com/frau_waibel/">@frau_waibel</a></li>
</ul>
</div>
<div>
<h3>Alleinerzogene unterstützen:</h3>
</div>
<div>
<ul>
<li><a href="https://www.instagram.com/parshad/">@parshad</a></li>
</ul>
</div>
</blockquote>
</blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Eine haarige Angelegenheit</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/02/eine-haarige-angelegenheit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Laura]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Feb 2026 09:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbehaarung]]></category>
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					<description><![CDATA[Warum gilt Körperbehaarung bei Frauen noch immer als Tabu? In unserem heutigen Video spricht Laura über den gesellschaftlichen Druck, sich Beine, Achseln und Intimbereich zu rasieren und darüber, wie tief diese Erwartungen in Dating, Werbung und Alltagsbildern verankert sind.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Warum gilt Körperbehaarung bei Frauen noch immer als Tabu?</strong><br />
<strong>In unserem heutigen Video spricht Laura über den gesellschaftlichen Druck, sich Beine, Achseln und Intimbereich zu rasieren und darüber, wie tief diese Erwartungen in Dating, Werbung und Alltagsbildern verankert sind.</strong><span id="more-17301"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schluss mit der Performance</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/10/schluss-mit-der-performance-performative-males-und-warum-die-kritik-an-ihnen-nicht-immer-fortschrittlich-ist/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Laura]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Oct 2025 10:53:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[performative male]]></category>
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					<description><![CDATA[In ihrem neuen Text schreibt Laura über performative males und warum die Kritik an ihnen nicht immer fortschrittlich ist. 2021, zweites Date, wir sind bei ihm in seiner WG, er kocht. An seinem Kühlschrank kleben FCK-AFD-Sticker, in seinem Bad steht eine Schale mit Tampons und Binden, es läuft „paris“ von JEREMIAS. Später in seinem Zimmer]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="cvGsUA direction-ltr align-start para-style-body"><strong><span class="a_GcMg font-feature-liga-off font-feature-clig-off font-feature-calt-off text-decoration-none text-strikethrough-none">In ihrem neuen Text schreibt Laura über </span><span class="a_GcMg font-feature-liga-off font-feature-clig-off font-feature-calt-off text-decoration-none text-strikethrough-none">performative males </span><span class="a_GcMg font-feature-liga-off font-feature-clig-off font-feature-calt-off text-decoration-none text-strikethrough-none">und warum die Kritik an ihnen nicht immer fortschrittlich ist.</span></strong><span id="more-17144"></span></p>
<p>2021, zweites Date, wir sind bei ihm in seiner WG, er kocht. An seinem Kühlschrank kleben FCK-AFD-Sticker, in seinem Bad steht eine Schale mit Tampons und Binden, es läuft „paris“ von JEREMIAS. Später in seinem Zimmer liegt Untenrum frei auf seinem Nachttisch. Wow, green flag, denke ich. Er fragt „darf ich?“, bevor er mich küsst, er kommt, ich nicht. Macht nichts, es war ja sanft, immerhin. Und es gab keine Diskussionen um das Kondom, Pluspunkt. Danach rauchen wir auf seinem Balkon, ich frag ihn nach Margarete Stokowski, er sagt, er liebe ihren witzigen Ton und checkt jetzt, wieso man nicht mehr Powerfrau sagt. Ein „good guy“?</p>
<p><em>Die good guy-Sorge hat endlich einen Namen: performative male</em></p>
<p>Schon damals diskutieren wir hitzig im Gruppenchat, ob er das jetzt ist: einer von den Guten. Und: schließen sich „good“ und „guy“ in einer patriarchalen Sozialisation nicht vielleicht eh schon aus? Green Flags sind seine lackierten Nägel, die Wilde-Herzen-Playlist, seine langen Haare. Red flags, seine Unverbindlichkeit, dass er nie darauf achtet, ob ich komme und er mir kaum (Gegen)fragen stellt.</p>
<p>Vier Jahre später reflektieren wir dank voranschreitender Diskurse, wieso die Standards für Typen eigentlich so low sind und kriegen keine unreflektierten Herzchenaugen bei Perlenketten und lackierten Nägeln. Meinen Jeremias-Pulli habe ich bei Vinted verscherbelt, seit die selbsternannten Soft Boys, die mit Balladen und vermeintlich sensibilisiertem Auftreten vor allem eine weibliche Fanbase haben, dann halt doch ihren übergriffigen Bro so lang schützten. So weit, so gut. Dafür wurden sie abgelöst, denn wie es im Insta-Slang so schön heißt: Evil doesn´t die. It reinvents itself. Jetzt heißt es:</p>
<p>Matcha Latte, Kabelkopfhörer, aus denen Clairo tönt, eine Tote Bag der Linken und natürlich: ein feministisches Buch wie bell hooks´ all about love. Das alles sind Zuschreibungen des sogenannten perfomative male – ein TikTok-Phänomen, dem man beim Scrollen kaum entkommen kann. Gestartet als feministische Kritik Anfang des Jahres nutzen FLINTA*-Creator:innen das Buzzword, um humoristisch auf diesen Archetyp cis-Mann aufmerksam zu machen. Einer, der sich wie in einem Paarungsritual mit fremden Federn schmückt und nur so tut, als würde er all diese Bücher lesen, Lieder hören und Anliegen wichtig finden, um ein Date zu bekommen. Statt die eigenen cismännlichen Privilegien zu reflektieren, repostet er Stories, ohne sie zu lesen.</p>
<p>Die Kritik am performative male geben meinen gemischten Gefühlen, die bestimmt jede FLINTA*-Person selbst oder durch Erzählungen von Freund:innen auch kennt, endlich einen Namen. Das, was wir sonst diffus als „good guy. aber halt doch nicht?“ in WG-Küchen sezierten und als „Ja, er hat mich geghosted, aber er hört halt auch Taylor mit mir?“ selbst rechtfertigten, bekam Substanz. Denn ja, auf seinem Shirt steht „written by Sally Rooney“, aber be for real: hätte er Rooney gelesen, wüsste er, wie toxisch ihre männlichen Figuren sind. Und darin eben liegt der Kern: performative males tun nur so, um am Ende doch wieder oberkörperfrei im Moshpit zu sein, ein „Nein“ nicht zu akzeptieren und Kanye West weiter als GOAT zu zelebrieren. Doch diesen zweiten Teil, der so essenziell für die feministische Kritik am performative male ist, geht gerade in öffentlichen Diskursen verloren. Über den Sommer berichtet der Feuilleton großer Medien über den TikTok-Hype um die performative males. Eigentlich ein Grund zur Freude: so viel Reichweite für feministische Kritik. Oder?</p>
<p><em>Verwässerte, leere Kritik statt Widerstand</em></p>
<p>Nicht ganz, denn mit dem Ankommen im Mainstream verwässert die eigentliche feministische Kritik an dem manipulativem cis-männlichen Verhalten. Wie Syeda Khaula in der The Huffington Post bereits andeutet: wenn wir jeden lesenden cis-Mann als performativ diskreditieren, der gesellschaftlich weiblich konnotierte Interessen verfolgt, dann verstärken wir binäres Denken und Geschlechterstereotypen. Denn: was sind eigentliche weibliche und männliche Interessen? Wenn wir davon ausgehen, dass jeder cis-Mann Clairo nur hört, um Dates zu klären, führen wir damit auch die Tradition der internalisierten Misogynie fort. Damit trivialisieren wir die Interessen von cis-Frauen als silly little things, die Männer nur für den female gaze hören und nicht, weil sie sie als Kunst wahrnehmen, derer sich prinzipiell alle erfreuen können. Und: wie krass heteronormativ ist das eigentlich gedacht, dass cis-Männer nur Frauen daten wollen und diese umgekehrt darauf anspringen? Daher fordere ich: zurück zum Ursprung unserer Kritik!</p>
<p><em>Back to the roots, please!</em></p>
<p>Statt ironische performative male Contests zu veranstalten, bei denen die Kritik zum popkulturellen Kostümwettbewerb wird, müssen wir mehr über toxische und fragile Männlichkeit sprechen. Wir sollten Gegenentwürfe zu der vorherrschenden Männlichkeit zelebrieren, ich bin froh über jeden Colman Domingo oder Harry Styles der Welt. Der eigentliche Kern des performative males liegt nicht in dem Habitus, sondern in dessen Instrumentalisierung zugunsten patriarchaler Strukturen. Audre Lorde zu lesen und sich für Periodenarmut und sexualisierte Gewalt zu sensibilisieren, sind erste, wichtige Schritte einer feministischen Sozialisierung. Das aber zu nutzen, um sich immun gegen Kritik zu machen, weil MANN ja so feministisch ist (guck mal, ich hab Tampons in meiner Tote Bag!!), das ist der wahre Wolfsakt.</p>
<p><em>Wenn die Kritik an performative males selbst zur Performance wird</em></p>
<p>Das Ganze geht aktuell sogar noch einen Schritt weiter: cis-Männer „verpetzen“ performative males, und potenzieren ihren eigenen Pick Me Boy Status, indem sie sich explizit NICHT für den female gaze kleiden. Dabei dominieren diese Männlichkeitskonzepte a lá Musk, Trump und Merz doch eh schon unser öffentliches Bild. Und: andere performative males zu nennen und dich selbst nicht feministisch zu engagieren, macht dich nicht zu einem besseren Menschen, sondern weiterhin zum Komplizen des Patriarchats. Typen mit Mullet und Tote Bags zu belächeln, während du Alpha Males weiter Politik machen lässt, heißt auch, sich auf die Seite der manosphere zu stellen.</p>
<p><em>Solidarität leben statt liken</em></p>
<p>Wenn der Begriff performative male längst zum Pejorativ gekommen ist, wieso wehrt ihr euch dann nicht dagegen, indem ihr das Performative real werden lasst? Neulich hat mir ein Kumpel in einer Bar erzählt, er traue sich nicht, mein Buch (ein feministischer Gedichtband mit einer nackten, behaarten FLINTA* auf dem Cover) in der U-Bahn zu lesen. Warum nicht? „Bin ja kein performative male“, Schulterzucken. „Kann man das rocken oder ist das zu performative male?“, fragt mich mein Freund mit Blick auf seine eigentlich so geliebten Karohemden. Hier sind wir falsch abgebogen. Männer sollten weiter den Raum für Softness haben und sich (wie sie es sonst so gut machen) auch nehmen. Wer wirklich gern Jutebeutel trägt und bell hooks liest, sollte das weiter tun. Liebe Männer, wieso habt ihr so Angst vor performative male allegations? Wenn ihr nicht performativ sein wollt, dann macht´s halt richtig. Geht mit uns auf die Demos, callt eure Bros out, checkt eure Privilegien, sprecht über Care-Arbeit, lest die feministischen Bücher und vor allem: hört uns zu. Und wenn es dazu erst die Angst dafür braucht, als performativ wahrgenommen zu werden, dann hat die Kritik ja vielleicht nach ihren mehreren Wellen und Wenden doch noch etwas Gutes.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn Dysthymie sprachloses Ertrinken ist, dann ist Therapie Worte finden und schwimmen lernen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/07/dysthymie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Laura]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Jul 2025 11:56:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Depressionen]]></category>
		<category><![CDATA[Dysthymie]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn du ’funktionieren’ kannst, heißt das nicht, dass es dir gut geht. In ihrem ersten Text auf meinTestgelände schreibt Laura über die Diagnose Dysthymie. „Gib mir nur ´nen Tag, den ich spüren kann/war letztens mal draußen, weißt du wann?“, singt Kayla Shyx aus ihrem Song „wieder“ auf ihrem Releasekonzert in Berlin. Eigentlich ist es Mai]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span class="_ap3a _aaco _aacu _aacx _aad7 _aade" dir="auto">Wenn du ’funktionieren’ kannst, heißt das nicht, dass es dir gut geht. </span>In ihrem ersten Text auf meinTestgelände schreibt Laura über die Diagnose <span class="_ap3a _aaco _aacu _aacx _aad7 _aade" dir="auto">Dysthymie.</span></strong><span id="more-17005"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">„Gib mir nur ´nen Tag, den ich spüren kann/war letztens mal draußen, weißt du wann?“, singt Kayla Shyx aus ihrem Song „wieder“ auf ihrem Releasekonzert in Berlin. Eigentlich ist es Mai 2025, aber plötzlich ist es wieder Winter 2020 und ich spüre mich selbst seit Wochen nicht mehr. Bildschirmzeit 10 Stunden, ich wechsele zwischen Instagram, TikTok und einem Text für die Uni. Ich schwitze meinen Pyjama durch, zittere gleichzeitig und fühle mich, als wär ich einen Marathon gelaufen – dabei war ich heute nicht mal draußen. Irgendetwas in mir ist so unruhig, dass ich nicht stillhalten kann – und trotzdem bin ich so müde, so erschöpft. Als ich um drei Uhr nachts an einem Dienstag endlich Zähne putzen gehe, mischt sich der aschfahle Geschmack meiner Tränen mit dem Zahnpastaschaum. In mir diese kleine fiese Stimme, die mir und meinem Spiegelbild zuflüstert: „Das hat doch alles keinen Sinn. Du bist sinnlos.“  </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Am nächsten Tag lache ich mit meiner Schwester und tanze ausgelassen in der Küche zu Taylor Swift mit ihr, aber mein Strahlen erreicht meine Augen nicht. Ein paar Wochen klicke ich auf die Ergebnisse meiner Online-Klausuren, sehe die Einsen, schließe den Laptop, wandere die zwei Schritte von meinem Schreibtisch zu meinem Bett und… weine. Eine Stunde später schmecke ich das Salz meiner Tränen noch auf meinen verkrusteten Lippen und lächle in die Kamera: „Na, was hast du heute in Mathe aufbekommen? Dann lass uns mal beginnen!“ </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Zwischen 2020 und 2021 werde ich neunzehn Jahre alt und wie der Rest meiner Generation im Lockdown langsam erwachsen. Ich mache Online-Workouts mit Maddy Morrison, werde vegetarisch und dann vegan, backe Bananenbrot und finde neue Freund:innen im Zoom-Chatfenster in Uni-Seminaren. Ich verliebe mich, lächle auf Dates und in analoge Kameras, stoße mit Tequila an, strahle, strahle, strahle. Eine „ganz normale“ Teenagerin mit vielen Privilegien, die andere in der Corona-Pandemie nicht haben. Und trotzdem: weine, weine und weine ich. Mehrmals wöchentlich hyperventiliere ich, mache meine Familie mit meiner Unausgeglichenheit verrückt. Nach Zoom-Calls gebe ich T-H-E-R- im Suchverlauf ein und schließen den Tab schnell wieder beschämt. Wische mir die Tränen mit dem Ärmel meines Thrasher-Pullis weg und schäme mich. Wieso genauso sollte ICH bitte in Therapie gehen? Ich habe ein Dach über dem Kopf, studiere erfolgreich und wohnte mit meiner Familie zusammen, die bisher alle glimpflich durch den Lockdown gekommen sind. Ich funktioniere. An einigen Tagen bin ich sogar glücklich. Warum also sollte ich einen dieser raren Therapieplätze jemand anderem wegnehmen?</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Einige Wochen später gehe ich mit meiner Mama spazieren, eine typische Lockdown-Aktivität, die Luft ist frisch und riecht angenehm nach dem Regen letzter Nacht, wir unterhalten uns über die letzte Folge „Love is Blind“, sie fragt nach dem Club und ich sage: „Ich fühle nichts mehr, Mama.“ Sie schaut mich besorgt an, aber ich komme nicht weiter. Weil  ich plötzlich nicht mehr kann. Mitten auf der Straße, zwischen dem feuchten Laub sinke ich auf die kalten Steine und…nix. Keine Tränen, keine Schreie, keine Worte, keine Erklärungen. Nichts. Nur dieser unbeschreibliche Schmerz ganz tief in mir drin, der mich voll und ganz einnimmt. Eine halbe Ewigkeit später sitze ich zu Hause, schreie meine Mama – die liebste Person, die ich kenne – an und schlage um mich und schreie und weine und weiß nicht, wohin mit mir, was falsch mit mir ist. Wieso sich das alles schon wieder so anfühlt. Mama bringt mir einen Lillifee-Tee und sagt sanft, aber bestimmt: „Du brauchst Hilfe. Ich weiß nicht mehr, wie ich dir helfen soll. Du brauchst jemanden, der das kann.“</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Es dauerte noch zig Anläufe und Anrufe, bis ich mein Erstgespräch habe. Ein weiteres halbes Jahr, in dem ich immer wieder zwischendurch denke, dass ich übertreibe. Dass es für eine extrovertierte Jugendliche wie mich normal ist, sich im Lockdown eingeengt zu fühlen; als Hypochonderin Wahnvorstellungen und intrusive Gedanken zu entwickeln und allgemein unausgeglichen, antriebslos und abgestumpft zu sein. Die Pandemie bietet mir so viel Stoff, mich zu gaslighten. Dazu kommt, dass ich keine Worte für meine Gefühle habe. Bin ich depressiv? Definitiv nicht, ich liege nicht nur im Bett, Schnittwunden zieren meine Arme nicht – ich sehe nicht aus wie die Girls auf Tumblr, nicht wie die Figuren von John Green. Ich lache, schreibe gute Noten, arbeite, gehe auf Partys mit zehn Haushalten. Ich habe einfach nur zu viel Zeit. Zeit nachzudenken: über Gespräche mit meinem Vater, Dynamiken, die mich seit Jahren erdrücken. Nichts Besonderes. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Aber darum geht es nicht. Mein Leiden ist vielleicht nicht einzigartig, obwohl meine Geschichte damit einzigartig ist. Ich verdiene Hilfe und muss nicht in irgendwelche Bilder passen, die wir gesellschaftlich Menschen mit psychischen Erkrankungen aufdrücken wie Schablonen. Später erfahre ich, dass deutschlandweit außerdem nur ca. 1,5% von dem betroffen sind, was ich hatte. Dabei kann ich nicht für diese anderen sprechen. Aber: ich kann für mich schreiben, ich kann diese Leerstelle versuchen mit ersten Worten zu füllen. Zum Beispiel mit dem Wort „Dysthymie“ – meiner Diagnose, die mein Therapeut als eine Art „Subdepression“ beschreibt. Langanhaltende depressive Verstimmungen, nie stark oder anhaltend genug, um sie als Depression einzustufen, erklärt mir eine Freundin, die Psychologie studiert. Aber selbst diese Diagnose fühlt sich wie Gaslighting an, denn erstens wie antworten auf: „Dysthe…was?“, wenn jemand nachfragt und zweitens, wie standhaft bleiben und den eigenen Leidensdruck nicht wieder kleinreden , wenn jemand sagt: „Ach dann kann´s ja nicht so schlimm sein, wenn´s keine richtige Depression ist.“ Oder einer meiner Dates den geistreichen Take abgibt: „Haben wir nicht alle sowas? Depri light? Achterbahn der Gefühle halt?“ Selbst jetzt beim Schreiben dieses Textes, Jahre und viele Poetry Slam Texte über meine Erkrankung später, fällt es mir immer noch schwer, diese unbändige Traurigkeit in Worte zu fassen, sie nicht zu relativieren. Wieso dieses Gefühl wie Wellen immer wieder verschwindet, nur um mich dann unter ihm zu begraben. Bis ich mich wieder an mein Seepferdchen erinnere, schwimme, strample. Und dann merke, dass das Seepferdchen nicht ausreicht – und wieder unterzugehen drohe.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Deshalb ist es wichtig, zu wissen, dass es erlaubt ist, sich Rettungsringe zu holen. Therapie war für mich genau das: Schwimm- und Atemübungen, ein Rettungsring im Ernstfall, eine Schwimmweste für später und Worte wie eine Trillerpfeife, mit denen ich Alarm schlagen kann, mit denen ich mich ausdrücken kann. Und damit mehr Menschen diese Hilfe bekommen, müssen wir nicht nur unsere Therapieplätze endlich erweitern, liebe Bundesregierung. Sondern auch immer wieder, wenn wir Kapazitäten haben, darüber sprechen: Erfahrungen zu teilen, Zeilen schreiben, zuhören, sichtbar sein, Räume schaffen. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Erst 2023 lese ich zum ersten Mal ein Buch, in dem die Protagonistin mit Dysthymie diagnostiziert wird. Und auch wenn ich an „I want to die but I want to eat tteokbokki” von Baek Sehee vieles oberflächlich und die Therapeutin toxisch fand, hätte ich mich vielleicht früher getraut und mir und meinem jugendlichen Ich eine Menge Leid ersparen können, wenn ich gewusst hätte, dass es das gibt. Dass es da ein Wort für meinen Schmerz gibt. Deswegen, falls du das hier gerade liest, hoffe ich, dass all meine Worte gerade ein Gegengewicht zu deinem Gaslighting und Schmerz darstellen und dir stattdessen comfort schenken können.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">„alles, was ich wieder will: ist das Licht in mir drin“, damit beendet Kayla Shyx´ engelsgleiche Stimme den Song und ich bin zurück, im Hier und Jetzt. Ich habe mein Licht längst wiedergefunden. Und trotzdem gibt es bis heute Tage, an denen meine Welt vor meinen Augen verschwimmt und meine Glieder sich schwer anfühlen, als wäre ich in Olivenöl getaucht. Auch heute, trotz etlicher Gedichte und Gespräche über meinen Genesungsprozess, treffe ich die Dysthemie als alte Bekannte wieder. Manchmal winken wir uns von der anderen Straßenseite zu, manchmal verbringt sie unangekündigt zwei Nächte auf der Schlafcouch in meiner WG. Immer mal wieder ist da diese Stimme wie ein lästiger Ohrwurm. Aber meistens sind diese dunklen Gewitterwolken, aus denen Antriebslosigkeit, Erschöpfung und Minderwertigkeitskomplexe auf mich herabprasseln, eben nur noch ein Regenschauer, der vorbeizieht. Und wenn aus Regenpfützen doch mal Seen werden, dann hab ich zum Glück mittlerweile mehr als ein Seepferdchen.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
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