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	<title>Moritz Mager &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>Moritz Mager &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>WM in Katar &#8211; Ein Kommentar</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/12/wm-in-katar-ein-kommentar/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Moritz Mager]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Dec 2022 17:18:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[WM 2022]]></category>
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					<description><![CDATA[Menschenrechte waren ein zentraler Teil der Diskussionen rund um die WM in Katar in den letzten Wochen. Moritz lässt diese Themen in seinem Kommentar noch einmal Revue passieren und weist gleichzeitig auf Themen hin, die in der Diskussion oftmals zu kurz gekommen sind. Toleranz endet dort, wo Intoleranz beginnt. Institutionen, Gruppen und Personen die Intolerante]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Menschenrechte waren ein zentraler Teil der Diskussionen rund um die WM in Katar in den letzten Wochen. Moritz lässt diese Themen in seinem Kommentar noch einmal Revue passieren und weist gleichzeitig auf Themen hin, die in der Diskussion oftmals zu kurz gekommen sind. </strong><span id="more-15207"></span></p>
<p>Toleranz endet dort, wo Intoleranz beginnt. Institutionen, Gruppen und Personen die Intolerante Positionen vertreten argumentieren oft, man solle doch tolerant ihnen gegenüber sein &#8211; Man solle gegenüber Katar tolerant sein. Doch erstens ist es nicht intolerant, etwas zu kritisieren und zweitens dürfen Aspekte der Kultur, die Menschenverachtend sind, nicht toleriert werden, egal wo und zu welchem Anlass. Tolerant kann man nur sein indem man Dinge auch nicht toleriert, das ist eine Dialektik.</p>
<p>Katar hat einen Equality Index von 14 von 100, allerdings bezieht sich dieser Index ausschließlich auf die rechtliche Grundlage und bezieht die öffentliche Meinung im Staat nicht mit ein. Deutschland bekommt von der Seite equaldex.com Übrigens einen Score von 85, dort wurde die öffentliche Meinung allerdings mit einberechnet.</p>
<p>Neben der Homophobie ist schließlich auch die Frauenrechtslage in einer erschreckenden Situation, Human Rights Watch hat Anfang 2021 einen Bericht veröffentlicht, aus dem hervor geht, dass Frauen in diesem Staat dem System der ‚Vormundschaft‘ unterliegen. Frauen müssten sich durch &#8222;vom Staat durchgesetzte Regeln männlicher Vormundschaft bewegen, die ihre Chancen auf ein volles, produktives und unabhängiges Leben begrenzen&#8220;, sagte HRW-Expertin Rothna Begum. Das geht bis zum Zwang zu sexuellen Handlungen innerhalb der Ehe.</p>
<p>Anderen Medienberichten zufolge soll sich die Lage der Frauenrechte in den letzten Jahrzehnten dennoch verbessert haben. Es besteht keine Pflicht zu einer Kopfbedeckung, außer im medizinischen Bereich, und es besuchen zurzeit mehr Frauen in Katar Universitäten als Männer.</p>
<p>Das worst off der Homophobie, bzw. Intoleranz gegen die LGBTQ+ Community bisher, mit dem starken Auftakt von Khalid Salman, Botschafter der FIFA Fussball-WM 2022 in Katar, der meinte Homosexualität sei ein geistiger Schaden (‚damage in the mind‘), hat viele Menschen erreicht. Das David Beckham von Katar zum WM-Botschafter gemacht wurde, um für eine kleine finanzielle Motivation von insgesamt 150 Millionen Pfund 20 mal „This is amazing.“ zu sagen, während er von einem scheinbar propagandaartigem Set ins nächste geschickt wird, ist eher unbekannt.</p>
<p>Über das Debakel mit der One-Love Binde, die sowieso nur eine feige Version der Pride Flag war, wurde schon sehr viel diskutiert und die Mediale Aufmerksamkeit ist weitergezogen. Das Verbot war eigentlich die perfekte Vorlage, um mal ein Zeichen zu setzen, nachdem man ja schon die Chance auf einen Boykott verpasst hat. Insgesamt sind sich die Bemühungen für die unterdrückte Community und die deutsche Mannschaft in ihrer Leistungsfähigkeit scheinbar sehr ähnlich.<br />
So wurde an dieser Binde jemand ganz anderes, nice try Nancy Faeser, zum Helden, denn der dänische TV-Journalisten, Jon Pagh, der von der katarischen Polizei während des Drehs gestört wird, weigerte sich dennoch die One Love Binde abzunehmen. Am Ende brach das Team die Aufzeichnungen ab, da für sie das Risiko bestand, die Situation könne weiter eskalieren. Und das ganze eine Woche nachdem ein Senderkollege von ihm den Dreh ebenfalls wegen Drohungen, die Kamera zu zerstören, abbrach.</p>
<p>Eine weitere Debatte die unsauber geführt wurde, ist über die Opferzahlen der Gastarbeitenden, die in Katar ums Leben gekommen sind. Die Diskussion besteht darin, die Zahlen richtig zu interpretieren. Erstmal stehen zwei große Zahlen im Raum. Nach Amnesty International sind 15.021 Nicht-Kataris zwischen den Jahren 2010 bis 2019 gestorben, diese beziehen sich auf offizielle Zahlen aus Katar. Die britische Zeitung „The Guardian“ veröffentlichte hingegen im Februar 2021 die Zahl 6751 seit der WM vergabe bis Ende 2020. Dabei bezieht sich die Recherche auf Menschen aus den Staaten Bangladesch, Indien, Nepal, Pakistan und Sri Lanka. Dabei wurden die Zahlen von den Behörden der Herkunftsländer erfragt. Die FIFA spricht von drei und die katarische WM-Organisation von weiteren 37. Der WM-Organisation ist dabei kaum zu trauen, da diese Institution Modernster Sklaverei alles getan hat, um die Zahlreichen Arbeitenden auszunutzen und sie im Land festzusetzen. Fakt ist, das einfach jede Zahl an Arbeitstoten zu hoch ist und das sich am Ende nur noch mutmaßen lässt, wie schrecklich hoch die Zahl am Ende tatsächlich ist. Es sind schließlich zu viele.</p>
<p>Um ein Fazit aus meinem Medienkonsum über die WM zu ziehen, die ich natürlich außerhalb der Berichtserstattung boykottiere, muss ich sagen, dass das Thema Frauenrechte leider nicht oft thematisiert wird, nach meinem Gefühl ging es sehr viel um Homophobie, doch das Thema Misogynie und Transphobie blieben oft aus. Insgesamt wurde die Medienagenda jedoch mit Berichten über Katar übersättigt. Teilweise fielen wichtige Nachrichten hinten runter oder wurden zu arg verknappt, dabei denke ich vor allem an die Kurdischen Gebiete, die stark von der Türkei und dem Iran angegriffen wurden und an die radikalislamische Staatsgewalt im Iran generell.</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
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		<title>100 Tage zeitgenössische Kunst, 2 Tage persönliche Erfahrung</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/10/100-tage-zeitgenoessische-kunst-2-tage-persoenliche-erfahrung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Moritz Mager]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Oct 2022 08:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumenta]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Moritz war zwei Tage auf der diesjährigen Dokumenta unterwegs und hat seine Eindrücke für uns aufgeschrieben. Einen besonderen Fokus hat er dabei auf queere Künster*innen und Aussteller*innen gelegt. Eine ganze Stadt ist wie verzaubert, alles ist voller Peripetien, egal wo man/frau hinschaut, wo man/frau hingeht, immer sieht man/frau die Kunst und immer verschmilzt sie mit]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Moritz war zwei Tage auf der diesjährigen Dokumenta unterwegs und hat seine Eindrücke für uns aufgeschrieben. Einen besonderen Fokus hat er dabei auf queere Künster*innen und Aussteller*innen gelegt.</strong><span id="more-15080"></span></p>
<p>Eine ganze Stadt ist wie verzaubert, alles ist voller Peripetien, egal wo man/frau hinschaut, wo man/frau hingeht, immer sieht man/frau die Kunst und immer verschmilzt sie mit einer Stadt, sodass man/frau sich fragt, warum es nicht überall so sein kann.<br />
ruangrupa, eine indonesische Künstlergruppe, hat die Documenta Fifteen kuratiert und die Maxime nach dem Begriff lumbung ausgerichtet. Ein Begriff der direkt übersetzt ‚Reisscheune‘ bedeutet, die typischer Weise kollektiv genutzt wird und genau um dieses Gefühl der Kollektivität und Gemeinschaftlichkeit hat sich auch die Documenta Fifteen ausgerichtet. Endlich mal keine Weltuntergangsstimmung auf einer Kulturveranstaltung, die Themen ‚Demokratiekrise‘, ‚Klimakrise‘, ‚Hungersnöte‘ und ‚Pandemie‘ wurden natürlich dennoch behandelt, sie haben aber keinen Mittelpunkt verkörpert. Nach all der Antisemitismus-Kritik habe ich mich also dennoch durchgerungen, die Documenta zu besuchen.<br />
Also gibt es ein paar Punkte, die ich dann doch mit euch teilen möchte, fernab von den Ansprüchen einer hochkarätigen Kunstkritik, die Stimme eines normalen Rezipienten: Größe und Zeit, Organisation und Übersicht, Orte, Kunst, Progressivität<br />
Die meisten Ausstellungen fanden sich in der Innenstadt wieder. Dort konnte man/frau keinen Meter gehen, ohne von dem Gefühl einer großen Kunstmesse getragen zu werden. Im Osten der Stadt verschmelzten Kunst und Stadtgefühl am stärksten. Im Süden gab es vereinzelt Kunst im Staatspark, der schon ohne Documenta Atemberaubend ist, Stadtparks, die man/frau nicht in 10 Minuten durchqueren kann, findet man/frau in Westdeutschland sowieso selten. Im Westen und Norden gab es nur vereinzelt Kunst zu betrachten. Um Zeit zu sparen war ich nur habe ich den Westen und Norden also ausgelassen, zwei Tage reichen für die Documenta offensichtlicher Weise nicht aus. Erstmal ist jede Ausstellung unfassbar groß und man/frau könnte, wenn man/frau sich angemessen viel Zeit nimmt, vielleicht drei oder vier Ausstellungen an einem Tag besuchen, dann kann man/frau sich noch an Workshops und Kursen anmelden, diese dauern auch zwei bis drei Stunden, und wenn man/frau dann noch die zahlreichen Sitzgelegenheiten nutzt, um sich einander in Gemeinschaft zu begegnen und über die Kunst zu reden bleibt wirklich gar keine Zeit mehr.<br />
Mein liebstes Feature auf der Website ist eigentlich, dass „Derzeitige Reisezeiten mit dem ICE“ angegeben werden. Natürlich sind diese unter Voraussetzung, dass bei der DB alles klappt, wovon man/frau schonmal nicht ausgehen sollte, und trotzdem sind die Zeiten einfach falsch angegeben. Die Fahrtlänge ist ca. 20min zu kurz, selbst wenn man/frau von der schnellsten Verbindung ausgeht.<br />
Es ist schwer sich eine Übersicht zu verschaffen, vorher zu wissen, wo genau man/frau gerade eigentlich rein geht und was die Hauptthemen sind und wann welcher Workshop zu besuchen ist. Am hilfreichsten hat sich eine kleine Map auf der Website oder auf dem Flyer erwiesen. Um an mehr Informationen zu gelangen, die gebündelt sind und etwas weiter ausführen kann man/frau sich für 30€ ein Taschenbuch kaufen. Overpriced. Wer ein Andenken haben möchte, kann sich aber auch für 12€ ein Poster oder für 15€ einen Jutebeutel im ruruhaus kaufen. Overpriced. Overpriced. Vielleicht würden die ganzen Andenken nicht im Resale so ansteigen, wenn sie von vorne rein für alle erschwinglich werden. Künstliche Limitation durch höhere Preise, Kunst war noch nie für die gesamte Gesellschaft zugänglich aber bei diesen Preisen für die einfache Souvenirs wirkt das ruruhaus als Verkaufs -und Ausstellungsort wie eine Karikatur von sich selbst als überzogene Kritik. Obwohl man/frau von vorne rein schon über die Ticketpreise diskutieren könnte, verstehe ich ja auch das Argument, dass sich Kunst für die meisten Besucher*innen auch teuer bezahlt anfühlen muss, damit diese auch mit voller Aufmerksamkeit rezipiert wird.<br />
Ich musste mich also richtig einarbeiten, um eine Übersicht zu bekommen, dafür gab es echt coole Walks die man/frau auch einfach ohne Vermittler*in machen konnte, diese wurden einfach direkt von der Website auf Maps übertragen, zudem war alles auch super ausgeschildert. In den meisten Ausstellung sah es wiederrum anders aus. Teilweise wurde Kunst einfach gar nicht mit Angaben versehen oder es gab Datum und Titel aber keinen Subkontext, was es wirklich schwer gemacht hat einige Dinge richtig einzuordnen, generell war es wirklich oft eine lange suche nach dem Zusammenhang. Wenn es glückte und es konnte eine gute, eigene Interpretation gefunden werden war es dafür um so mehr befriedigend. Generell hätte ich mir aber schon mehr Text zu den ganzen Ausstellungsstücken gewünscht. Ich habe mich oft sehr überfordert gefühlt. Aber man/frau hätte ja eine Tour mieten können (Das hätte man/frau dann aber auch zwei Wochen im Voraus machen müssen, denn alle waren restlos ausgebucht) und nochmal Geld ausgeben können, schade, dass Informationen so daran gekoppelt sind.  Ansonsten musste man/frau nie lange anstehen, es gab immer und überall Garderoben und das Personal war immer sehr hilfsbereit.<br />
Die Locations waren teilweise echt super und es wurden keine Mühen gescheut. Im Hallenbad Ost wurde der Verschmilzt ein altes Hallenbad mit dem Look einer Galerie, sogar der Beckenboden wurde erhöht. Auch bei mehreren Unterführungen gab es kleine Versteckte Räume oder eine Soundinstallation. Konventionelle Museen, wie die Grimmwelt Kassel ließen sich mit mehreren Ausstellungen zeitgenössischer Narrative verknüpfen.<br />
In der Grimmwelt war auch mein persönliches Highlight der Documenta Fifteen, eine Videoinstallation im untersten Geschoss. Leider lässt sich mithilfe der Website nicht Rekonstruieren, von wem die Installation war, und dort wurde es auch nicht ausgeschildert. Es war ein Animationsvideo von einem Schwan, der eine hübsche Disneyprinzessin sein möchte, alles wurde sehr düster gehalten, so versagt der Schwan in seinem Streben und zerstört sein Umfeld. Eine klare Kritik an Rollenbilder und Schönheitsideale der Popkultur, aus meiner Sicht. Ansonsten war die Kunst immer sehr interessant, ich habe mich immer auf den nächsten Raum gefreut und auch die Kunst in der Öffentlichkeit hat sich so gut in die Stadt integriert, am stärksten ist mir das Gemälde auf der C&amp;A Fassade im Gedächtnis geblieben, Gesellschaftskritik neben einem Fast Fashion Label. Im Ottoneum gab es extrem viel über den Pazifikkrieg zu lernen und einem/einer wurden viele Wissenslücken aufgezeigt. Es gab eine Ausstellung über Macht und eine Mathematische Darstellungsform von Macht im Museum für Sepulkralkultur, diese Ausstellung war die einzige, gefüllt mit Textgrundlagen. Dafür war das Vorgehen des Künstlers, der sich an die Frage ‚Was ist Macht?‘ annähert eine intellektuelle Herausforderung, die ich so noch nicht erlebte. Ich habe es am Ende kaum verstanden. Insgesamt gab es also viele Highlights, die die Documenta von einem normalen Besuch im Museum oder einer Galerie abheben.<br />
Ich war auf gut 70% der Ausstellungsorte und wie oft habe ich Gendertoiletten gesehen? Ein Mal. Ein Mal gab es Flinta* und All Gender Toiletten, sonst war die Toilettensituation konservativ wie die Wahl in Italien. Da wurden wirklich die Chancen der Progressivität nicht ausgenutzt, mal so richtig in der Gegenwahrt zu sein, mit einer Veranstaltung über Zeitgenössische Kunst.<br />
Bei der Progressivität kann man/frau direkt Abzüge machen. Nach queer feindlichen Übergriffen hat die Künstler*innengruppe aus Neu Dehli, Party Office, streicht die Gruppe ihr Programm ein Tag nach Start der Documenta. Glücklicherweise kehren sie am 08.08.2022 wieder zurück um ihr live-Programm fortzuführen, diesmal aber mit verschärften Einlassregeln für ihren Rave. Weiße Cis Männer dürfen nicht mehr kommen. Zu den ganzen Vorfällen gab es kein Statement von der Polizei oder von den Kurator*innen der Documenta, dieser Fail wurde im Keim erstickt.<br />
Ansonsten gab es noch die Serigrafistas queer (queere Siebdrucker*innen), die Nicht-Gruppe stellte im, bzw. neben Sandershaus Rancho Cuis aus. Rancho ist ein Slangwort für prekäre, meist ländliche Lebensräume, ranchear das zugehörige Verb, mit dem eine bestimmte Art zu wohnen beschrieben wird. Leider war dieser Ausstellungsort etwas weiter im Osten der Stadt, ich habe ihn dennoch besucht, die dort aufgebauten Hütten und Gerüste waren jedoch ohne Subtext kaum zu verstehen, es war dennoch sehr interessant.<br />
Das neuseeländische queere Kollektiv FAFSWAG hatte Live-Performances im Stadtmuseum Kassel, diese wurden online von Rezipient*innen gefeiert. Die Gruppe vereint den antirassistischen Kampf mit dem Kampf um Gendergerechtigkeit.<br />
Zu den Preisen ist dennoch anzumerken, dass es auch Soli-Tickets gab für Menschen, die sich Tickets nicht leisten können. Man/Frau konnte auch mehr Geld für das eigene Ticket zahlen, um Soli Tickets mit zu finanzieren, das ist ein schönes Prinzip, ganz im Sinne der Gemeinschaft.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mein 19. Februar &#8211; Eine Allegorie über die Gesellschaft und Rassismus</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/02/14566/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Moritz Mager]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Feb 2022 07:00:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Vor zwei Jahren wurden Ferhat Ünvar, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Kalojan Welkow, Fatih Saraçoğlu, Said Nessar El Hashemi und Vili Viorel Păun aus rassistischen Motiven ermordet. Unser Autor Moritz setzt sich, obwohl er selbst keinen Rassismus erlebt, mit dem Attentat und rassistischen Strukturen auseinander &#8222;um eigene rassistische Tendenzen weiter abzulegen, um]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vor zwei Jahren wurden</strong> <strong>Ferhat Ünvar, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Kalojan Welkow, Fatih Saraçoğlu, Said Nessar El Hashemi und Vili Viorel Păun aus rassistischen Motiven ermordet. Unser Autor Moritz setzt sich, obwohl er selbst keinen Rassismus erlebt, mit dem Attentat und rassistischen Strukturen auseinander &#8222;um eigene rassistische Tendenzen weiter abzulegen, um andere aufzuklären und um mich mit Menschen, die Rassismus erleben, zu solidarisieren.&#8220;</strong></p>
<p><span id="more-14566"></span><br />
Ich bin weiß. Ich bin privilegiert. Ich bin nicht dazu gezwungen mich mit Rassismus auseinanderzusetzen, denn ich erlebe ihn in der westlichen Welt nicht. Dennoch tue ich es, wie viele es tun. Um eigene rassistische Tendenzen weiter abzulegen, um andere aufzuklären und um mich mit Menschen, die Rassismus erleben, zu solidarisieren.<br />
Am 19. Februar vor zwei Jahren wurden Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz und Gökhan Gültekin durch einen von rassistischen Motiven getriebenen Terroristen ermordet. Dabei ist es wichtig das Versagen der Polizei und die mangelhafte Aufklärung immer wieder zu betonen. Es ist fünf vor 68.<a class="sdfootnoteanc" href="#sdfootnote1sym" name="sdfootnote1anc"><sup>1</sup></a> Es braucht eine neue Entnazifizierung.</p>
<p>Während False Balances (= es werden nur die radikalsten Randgruppen gezeigt, nicht die moderatere Mehrheit) in den Medien eine Spaltung der Gesellschaft durch die Pandemie aufzeigt und bestärkt, wurde in letzter Zeit noch weniger über das Rassismusproblem in unserer Gesellschaft gesprochen. Jeder scheint nur noch für sich einzustehen</p>
<p>Auf der Kundgebung spüre ich eine düstere Atmosphäre. Im Hintergrund schreit jemand laut auf, ich verliere die Illusion von Sicherheit für einen kurzen Augenblick. So muss es seit dem Anschlag vielen Menschen in unserer Gesellschaft gehen.<br />
Die Banner sind vor dem Mikrofon gespannt, sodass niemand die Sprecher*innen sehen kann. Ein Denkmal steht im Vordergrund. Die Namen der Opfer sind dabei ein mahnendes Mantra geworden, das an sie erinnert und die Brutalität aufzeigt, mit der sie aus dem Leben gerissen wurden. Es ist wichtig die Namen weiterzutragen, denn diese Morde sind kein Einzelfall, sie sind ein Indikator für die Sphäre unseres Problems.<br />
Die Kundgebung endet und die Namen werden nochmal im Sprechchor genannt: Ferhat Unvar, Hamza Kurtović, Said Nesar Hashemi, Vili Viorel Păun, Mercedes Kierpacz, Kaloyan Velkov, Fatih Saraçoğlu, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin.<br />
Ich kann viele Namen nicht perfekt aussprechen. Ich schäme mich.</p>
<p>Um ein Uhr in der Nacht fahre ich mit der S-Bahn zum Marktplatz. Ich steige aus, denn mein Fahrrad steht in der Nähe. Ich sehe das Denkmal wie 6 Stunden zuvor. Ein paar Bilder der Opfer sind vom Wind umgefallen. Nahezu alle Kerzen sind aus.<br />
Ein so schönes Denkmal von der Nacht gezeichnet. Ich laufe wie gebannt darauf zu. Mache die Musik aus, denke darüber nach, wie das Leben der Opfer wohl ohne diese schreckliche Tat verlaufen wäre und stelle die Bilder wieder auf, zünde Kerzen an.<br />
Ich habe Tränen in den Augen und bemerke, wie die Kerzen immer wieder vom Wind ausgehen. Ich mache verzweifelt weiter.<br />
Währenddessen laufen viele Leute an mir vorbei. Schauen mich verwirrt an. Keiner kommt um mir zu helfen. Sie schauen nur.<br />
Ich bekomme für einen Augenblick die Idee, dass sich so wohl Opfer von Rassismus fühlen. Doch das ist unvergleichbar, denn ich habe mich freiwillig in die Situation gebracht und kann auch einfach wieder aus dieser verschwinden!<br />
Währenddessen ist der Kampf um die Flammen vergebens, die Lichter werden schneller ausgepustet, als ich sie wieder anzünden kann. Es werden niemals alle brennen.</p>
<div id="sdfootnote1">
<p class="sdfootnote"><em><a class="sdfootnotesym" href="#sdfootnote1anc" name="sdfootnote1sym">1</a>Studentenbewegung in den 1960ern in Weststaaten; in der BRD war auch die Forderung der Entnazifizierung aller staatlicher Behörden und der Gesellschaft Gegenstand der Proteste</em></p>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schönheitsideale &#038; Patriarchat: Jungs* im Jahr 2021</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/10/schoenheitsideale-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Moritz Mager]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Oct 2021 07:00:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Jungen]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbilder]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Pünktlich zum neuen Monat begrüßen wir einen neuen Autoren auf meinTestgelände: Herzlich willkommen, Moritz Mager! Über sich selbst sagt Moritz: &#8222;Ich finde es total wichtig sich mit politischen Themen zu befassen und sich für Progressives einzusetzen. Antifaschismus. Antirassismus. Feminismus. Seit Beginn meiner Politisierung weiß ich, dass ich darüber reden und schreiben muss, da ist es doch]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Pünktlich zum neuen Monat begrüßen wir einen neuen Autoren auf meinTestgelände: Herzlich willkommen, Moritz Mager! Über sich selbst sagt Moritz: &#8222;Ich finde es total wichtig sich mit politischen Themen zu befassen und sich für Progressives einzusetzen. </strong><strong>Antifaschismus. Antirassismus. Feminismus.</strong> <strong>Seit Beginn meiner Politisierung weiß ich, dass ich darüber reden und schreiben muss, da ist es doch wunderbar, wenn es Chancen wie meinTestgelände gibt.&#8220;<br />
</strong><strong>Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen seines ersten Texts über Schönheitsideale für Jungs und Männer im Patriarchat. </strong></p>
<p><span id="more-13448"></span></p>
<p>Hoch gewachsen, breit gebaut, Muskulös, volles Haar, kantiges Gesicht, Jawline, große Hände und Markenkleidung. In meiner Oberstufe gab es genau einen Jungen der so aussah und mindestens ein dutzend Mädchen, die ihn offen begehrten. Das ist nicht mal zwei Jahre her.<br />
Das ist ja nichts verwerfliches, aber das heißt, dass es sie noch gibt, die klassischen Schönheitsideale für Jungs* und ich denke, dass sie auch niemand tot geglaubt hat. Zumindest für einen beträchtlichen Teil unserer erkrankten Gesellschaft.<br />
Diagnose: Patriarchat.<br />
Symptome: Vor allem Sexismus gegen weiblich gelesene Menschen, LGBTIQ+ und auch gegen alle anderen.<br />
Wirt der Krankheit: Alle „westlich“ sozialisierten Menschen, aber wahrscheinlich der allergrößte Teil der Menschheit insgesamt.<br />
Das sind ja erst mal sehr pessimistische Ansichten, sagt der Realist zum Pessimist. Der Optimist darf erst später sprechen.</p>
<p>Nun ist die Schulzeit aber auch ein sehr guter Nährboden für viele stereotypische Situationen.<br />
Schauen wir also Mal kurz über den Tellerrand der ersten großen Bubble. die uns so als Jugendliche*r vereinnahmt, hinaus. Und Bubble ist dabei ein ganz wichtiges Stichwort, denn in jedem sozialen Milieu, in jeder gesellschaftlicher Bubble, gibt es ganz verschiedene Schönheitsideale für Jungs*.<br />
Es ist wirklich nichts auszuschließen, das ist erst mal ganz wichtig festzuhalten in einer pluralistischen Gesellschaft die, vor allem bei jüngeren Menschen, maßgeblich von Social Media geprägt ist. Es gibt also kein richtiges Schönheitsideal und es ist auch nicht erstrebenswert, sich nach einem zu richten. Erstrebenswert ist, sich mit seinem Aussehen wohl zu fühlen und wenn dazu auch ein paar persönliche Ideale gehören, die nah am gesellschaftlichen Konsens liegen, ist das nicht schlimm. Es lässt sich aber auch nicht verneinen, dass es immer noch ideale Ansprüche an männlich gelesene Personen gibt.<br />
In Zeiten von einem „Body Positivity Movement“ auf Plattformen, die seit Jahren für eine verzerrte und unrealistische Wahrnehmung von Schönheitsidealen sorgen, scheint es so, als gehe es zum ersten Mal seit langem wieder in die richtige Richtung. Jungs* müssen nicht den muskulösesten Körper haben um einem Schönheitsideal gerecht zu werden. Und sobald mensch aus einem postpubertären Alter heraus ist, spielt meistens auch die Markenkleidung keine Rolle mehr, sie dient dann lediglich einem fiktiv oktroyiertem Statussymbol.<br />
In erster Linie ist es wichtig, dass man zufrieden mit sich selbst ist, und ja, das ist eine verdammt große Herausforderung.</p>
<p>Leider hält das Patriarchat auch nach der Pubertät und auch nach viel Reflexion einiges an grundlegenden Schönheitsidealen für Jungs* bereit. Da kommt auch schon wieder Social Media ins Spiel, geht ein heteronormativer junger erwachsener Mann auf Datingplattfpormen, die auf Oberflächlichkeit basieren, lernt Mann schnell, dass Mann vielleicht Stelzen braucht, denn auf einmal scheint die Größe das wichtigste Attribut zu sein. Ein Attribut auf das niemand Einfluss nehmen kann und ja Ansprüche an Ideale auf die niemand Einfluss hat gibt es noch viel öfter und auf andere Arten. Dazu sind solche Datingplattformen typisch für zahlreiche toxische Ansprüche.<br />
Besonders an dem Attribut Größe ist, dass es sich leider oft bis ins komplett reale Leben zieht und davon können sich auch manche linke Feminist*innen noch nicht freisprechen, so zumindest meine Erfahrung.<br />
Feminismus verfolgt, kurz gesagt, das Ziel die Geschlechterhierachien aufzuheben. Dabei wird Feminismus, vor allem von konservativer Seite aus, oft vorgeworfen Männerhass zu erzeugen. Ich halte Männerhass an manchen Stellen auch schon fast für gerechtfertigt. Worauf ich aber eigentlich hinaus möchte ist, dass Menschen die sich mit Feminismus beschäftigen, meist auch mit dem Begriff der „Toxic masculinity“ vertraut sind.</p>
<p>„Ein I****** kennt keinen Schmerz“, ein Elternsatz um kleinen Jungs* die Legitimation zum weinen zu nehmen. Ich persönlich kenne den Satz von meinem Vater.<br />
„Toxic masculinity“ bedeutet in etwa, dass Jungs* und Männer im Patriarchat Druck auf das eigene Geschlecht und dessen Bild erzeugen, wie also z.B. keine Emotionen offen zeigen zu dürfen. Aber das Prinzip lässt sich natürlich auch auf ein Schönheitsideal anwenden.<br />
Das fängt ja schon bei simplen Bizeps vergleichen an und in unausgesprochenen Dresscodes. Ich nehme zwar eine schleichend positivere Entwicklung in den letzten Jahren wahr aber bis es als normal gilt, dass ein Junge* einen Rock trägt, werden vermutlich noch Jahrzehnte ins Land gehen. Jedenfalls finde ich die kritische Sicht und das Erkennen von toxischer Männlichkeit in unserer Gesellschaft ist eine weitere wichtige Facette des Feminismus und damit auch ein unterbewertetes Argument für Feminismus. Abgesehen davon, dass ein Argument reicht.<br />
Der Kampf des Feminismus ist ein Kampf für Menschenrecht.</p>
<p>Der Optimist in mir springt auf, wie so oft in Texten wurde er vergessen. Bis jetzt.<br />
Ein aktuell hoch angehimmelter Wert im Sinne eines Schönheitsideals in der Gesellschaft bei Jungs* ist in gewisser Weise der Individualismus. Was bedeutet das?<br />
Es wird oft als besonders und unumstritten schön empfunden, etwas Besonderes an sich zu haben, sei es die Augenpartie, eine bestimmte Art die Haare zu tragen oder auch subversive Styleelemente wie z.B. Nagellack. Das Beste an diesem Ideal, „besonders sein“ ist, dass jeder von uns besonders ist und Besonderheiten subjektiv auf jeden Menschen wirken können.<br />
Jeder von uns Menschen ist irgendwie besonders schön für andere Menschen.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Viele unserer Autor*innen setzen sich mit dem Thema Männlichkeit auseinander &#8211; <a href="https://www.meintestgelaende.de/schlagwort/maennlichkeit/" target="_blank" rel="noopener"><strong>hier findest du weitere Beiträge</strong></a>!</li>
</ul>
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