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	<title>Nicolas &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Es geht eben nicht darum, die Demokratie zu verteidigen.</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Nicolas]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 25 Sep 2026 11:16:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Schulstreik]]></category>
		<category><![CDATA[Wehrpflicht]]></category>
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					<description><![CDATA[Während Boomer im Bundestag eine mögliche Wehrpflicht diskutieren, geht die Jugend am 25. September dagegen auf die Straße. Und wieder mal gilt: Alter schützt vor Torheit nicht. Werbung auf Spotify kann nerven, aber auch schockieren. „Mama, Papa …“, stottert ein Mädchen ins Mikrofon. „Können wir kurz reden? Ich habe das noch niemandem gesagt, aber …]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Während Boomer im Bundestag eine mögliche Wehrpflicht diskutieren, geht die Jugend am 25. September dagegen auf die Straße. Und wieder mal gilt: Alter schützt vor Torheit nicht.</strong><br />
<strong><span id="more-17629"></span></strong></p>
<p>Werbung auf Spotify kann nerven, aber auch schockieren. „Mama, Papa …“, stottert ein Mädchen ins Mikrofon. „Können wir kurz reden? Ich habe das noch niemandem gesagt, aber … ich glaube, ich steh’ auf Bundeswehr!“ – 15 Sekunden zurückspulen. Bitte was? – „Jetzt ist es raus: die neue Staffel ‚Generation Wehrdienst‘!“, beendet eine Männerstimme vor epischem Trommelwirbel den Spot.</p>
<div id="attachment_17632" style="width: 370px" class="wp-caption alignleft"><img fetchpriority="high" decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-17632" class="wp-image-17632" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_2906-400x600.jpg" alt="" width="360" height="541" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_2906-400x600.jpg 400w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_2906-200x300.jpg 200w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_2906-768x1152.jpg 768w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_2906-1024x1536.jpg 1024w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_2906-1365x2048.jpg 1365w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_2906-380x570.jpg 380w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_2906-760x1140.jpg 760w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_2906-scaled.jpg 1707w" sizes="(max-width: 360px) 100vw, 360px" /><p id="caption-attachment-17632" class="wp-caption-text">Fotos vom Schulstreik gegen die Wehrpflicht, 25.09.2026 Köln</p></div>
<p>Während der Podcast beginnt, hängt dem Publikum die Kinnlade schon auf Brusthöhe herunter. Was sich anhört wie ein Gag über rechte Propaganda, gehört zum neuen Werbeprogramm der Bundeswehr. Ein Rekrutierungsprogramm, das die Bundesregierung mit rund 70 Millionen Euro finanziert. Bei solchen Versuchen, junge Menschen an die Waffen zu drängen, ist es kein Wunder, dass Schüler*innen am 25.09. bundesweit wieder in den Streik gehen und gegen eine Wehrpflicht demonstrieren.</p>
<h2>Braucht es wirklich eine Wehrpflicht?</h2>
<p>Doch mal ganz nüchtern durchgedacht. Braucht es nicht vielleicht wirklich so etwas wie eine Wehrpflicht? Russland führt seit mehr als vier Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Erst diesen Sommer wurden gefährliche Drohnen am Flughafen Leipzig/Halle entdeckt. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und Außenminister Johann Wadephul identifizierten Russland vier Wochen später als den wahrscheinlichsten Strippenzieher hinter dem Anschlag.</p>
<p>Es ist eine neue Eskalationsstufe, die die Gefahr des Kriegs in Osteuropa bis nach Deutschland strahlen lässt. Laut einem CNN-Bericht unter Berufung auf den US-Geheimdienst ist die Gefahr eines russischen Angriffs auf zum Beispiel die baltischen Staaten bis Herbst 2029 durchaus real. Und trotz aller Vorbehalte, die man vor dem Geheimdienst haben kann: Auch den Angriff auf die Ukraine sagte er voraus.</p>
<h2>Was verteidigt die Bundeswehr eigentlich?</h2>
<p>Na dann ist ja alles klar. 5 % des BIP für die Verteidigung und eine strikte Wehrpflicht? 70 Millionen Euro für den Werbeetat der Bundeswehr wirken dann doch auch etwas mickrig. Warum nicht gleich das Doppelte? Am besten schon nächstes Jahr? Nein. Wer eine ganze Generation davon überzeugen (oder zwingen) will, zur Zielscheibe für ein Land zu werden, sollte davor mindestens mal eine Frage beantworten: Was verteidigt die Bundeswehr eigentlich?</p>
<p>Deutschland wäre die einfache Antwort. Doch sich für eine mehr oder weniger willkürliche Grenze in den Schützengraben zu legen, erscheint etwas absurd. „Wir verteidigen uns selbst“, argumentieren die rhetorisch geschulteren Verfechter der Wehrpflicht, ohne zu definieren, wer dieses abstrakte „wir“ ist.</p>
<p>Diejenigen, die sich verhältnismäßig weit in das Feld der Diskussion vorwagen, nennen dann Werte wie „Freiheit“ oder das System „Demokratie“. Und da haben sie einen Punkt. Unter russischer Herrschaft gibt es weder das eine noch das andere. Allein dieser Text hier zeigt, dass es in Deutschland um die freie Meinungsäußerung besser bestellt ist.</p>
<h2>Wer entscheidet über die Wehrpflicht?</h2>
<p>Wo Bundeswehr-Fans mit geballter Faust einen Sieg deklarieren könnten, sei Vorsicht geboten. Denn wie viel Freiheit würde eine Wehrpflicht tatsächlich bedeuten? Demokratie heißt, dass nur, weil jemand das System für verteidigungswert hält, der andere nicht dafür kämpfen muss. Und nein, auch nicht, wenn 50 % das so sehen. Denn über eine Wehrpflicht entscheiden heute auch Menschen, die von ihren Folgen womöglich gar nicht mehr betroffen sein werden.</p>
<div id="attachment_17631" style="width: 359px" class="wp-caption alignleft"><img decoding="async" aria-describedby="caption-attachment-17631" class="wp-image-17631" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_2899-scaled-e1790334422208-512x600.jpg" alt="" width="349" height="409" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_2899-scaled-e1790334422208-512x600.jpg 512w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_2899-scaled-e1790334422208-256x300.jpg 256w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_2899-scaled-e1790334422208-768x900.jpg 768w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_2899-scaled-e1790334422208-1311x1536.jpg 1311w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/09/IMG_2899-scaled-e1790334422208.jpg 1707w" sizes="(max-width: 349px) 100vw, 349px" /><p id="caption-attachment-17631" class="wp-caption-text">Fotos vom Schulstreik gegen die Wehrpflicht, 25.09.2026 Köln</p></div>
<p>Die, die eine Wehrpflicht wirklich zu spüren bekommen würden, sind die kommenden Jahrgänge: junge Menschen, die heute noch gar nicht wählen dürfen. Die sollen mit 18 bei der Bundeswehr erst mal ihr Recht auf Mitbestimmung erkämpfen. Mit Verlaub, aber das kann für keine*n Demokrat*in sinnvoll klingen.</p>
<p>In einer Demokratie gilt das Gesetz der Mehrheit. Damit Minderheiten dabei nicht unter die Räder kommen, gibt es die Verfassung, also die Grundrechte. Im Fall von künftig direkt von einer Wehrpflicht betroffenen Jugendlichen sollte das System da keine Ausnahmen machen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Doch es kommt ja noch absurder. In der sowieso schon zu weit reichenden Debatte zu einem etwaigen Wehrdienst geht es nur um Männer. Ganz nach dem Motto: „Wenn wir die Grundsätze unseres Systems schon infrage stellen, warum dann nicht gleich 50 Jahre zurückreisen, den Männern die Waffe und den Frauen die Kochlöffel in die Hand drücken?“ Auch ein Lostopfverfahren würde die Sache nicht besser machen. Ganz im Ernst, wo sind wir mit dieser Diskussion hingekommen?</p>
<h2>Was soll Deutschland eigentlich verteidigen?</h2>
<p>Bevor wir über solche Details sprechen, sollten „wir“ ehrlich und einzig allein hinterfragen, für was die Bundeswehr kämpft und was Deutschland eigentlich ausmacht. Denn wenn es die Demokratie ist, dann sollte eine Wehrpflicht im Allgemeinen außer Frage stehen.</p>
<p>Hier hört ihr mehr zum Thema: <a href="https://www.deutschlandfunkkultur.de/generation-wehrdienst-die-neue-werbekampagne-der-bundeswehr-auf-youtube-100.html">Generation Wehdienst auf Deutschlandfunkkultur</a>.</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
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		<title>Abifahrt an die Ostfront</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/06/abifahrt-an-die-ostfront/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nicolas]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2026 12:35:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Partizipation]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlrecht]]></category>
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					<description><![CDATA[Während die Politik über ‚Kriegstüchtigkeit‘ philosophiert, kämpft eine Generation gegen Einsamkeit und chronische Machtlosigkeit. Ein Plädoyer gegen die Vorherrschaft der Alten und für ein längst überfälliges Wahlrecht ab 16. An meinem 16. Geburtstag kotzte ich eine Flasche Pfefferminzlikör einsam aus meinem Kinderzimmer-Fenster. Dank Corona waren meine Freunde nur im Voice-Chat dabei. Für zukünftige Generationen heißt]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Während die Politik über ‚Kriegstüchtigkeit‘ philosophiert, kämpft eine Generation gegen Einsamkeit und chronische Machtlosigkeit. Ein Plädoyer gegen die Vorherrschaft der Alten und für ein längst überfälliges Wahlrecht ab 16.</strong><span id="more-17546"></span></p>
<p>An meinem 16. Geburtstag kotzte ich eine Flasche Pfefferminzlikör einsam aus meinem Kinderzimmer-Fenster. Dank Corona waren meine Freunde nur im Voice-Chat dabei. Für zukünftige Generationen heißt es bald: „Happy Birthday zum 18.! Wie wär&#8217;s: Abi-Fahrt an die Ostfront?“</p>
<p>Friedrich Merz will auch nur das Beste für die Zukunft Deutschlands. Demokratische Parteien haben keine Lust auf Krieg und die Corona-Pandemie ist kein Geheimplan der Eliten. Na und? Das macht das Leben für Jugendliche nicht leichter. Es braucht einen Plan.</p>
<p>Doch von vorne: Spätestens seit Corona geht es der Jugend schlecht. Vereinsamt versuchen junge Menschen auf nur selten funktionierenden Schul-Plattformen ihre Hausaufgaben abzugeben. Auf der Suche nach einer Zukunft werden sie in einer zunehmend zertrümmerten Welt aber nicht fündig. In der Shell Jugendstudie gaben ungefähr 70% der jungen Menschen an, Zukunftsängste oder Angst vor Armut zu haben. Mehr als die Hälfte junger Menschen fühlt sich laut Bertelsmann Stiftung gleichzeitig von Einsamkeit betroffen. Bei beiden Zahlen ist die Tendenz steigend.</p>
<p>Und wie steht es um Besserung? Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine geht ins vierte Jahr. Der Nahostkonflikt ist weit entfernt von einer Lösung und jüngst hat sich Donald Trump dazu entschlossen, Soldat*innen aus Deutschland abzuziehen. Und das nur, weil Merz zuvor zaghafte Widerworte erhoben hatte. Wenn die Bundeswehr in den nächsten Jahren von alleine nicht verteidigungsfähig wird, dann droht bald wieder eine konsequente Wehrpflicht ab 18 Jahren.</p>
<p>Nun kann man natürlich auf die da oben schimpfen. Realistisch betrachtet sind die Probleme der Welt allerdings komplexer. Irgendwie muss die drittstärkste Wirtschaftsmacht der Welt auf die um sich greifenden Kriege schließlich reagieren. Ob mit Wehrpflicht oder mit Diplomatie. Egal, wie man es sieht: Über konkrete Lösungen zu diskutieren und Verständnis für alle Seiten aufzubringen, tut am Ende immer gut.</p>
<p>Doch trotz aller Diplomatie, aller Neutralität und aller politischen Mitte kann kein*e Demokrat*in behaupten, es gehe gerecht zu. Denn eine Gruppe wird in Deutschland in jedem Diskurs zum Opfer: Die Jugend. Und die darf nicht mal wählen.</p>
<p>Es ist einfach frustrierend. Immer wieder dürfen Jugendliche die Wahlentscheidung der Alten ausbaden. Kein 14-Jähriger hatte 2020 Mitspracherecht, als die Regierung die Schulen schloss und eine Ausgangssperre verhängte. Kein frisch gebackener 18-Jähriger hatte Mitspracherecht bei der Wehrpflicht. Kein*e Minderjährige*r kann die gleiche Verantwortung für die Gegenwart tragen, wie ein*e Erwachsene*r. Und trotz dieses sowieso schon ungerechten Machtverhältnisses schließt die Verfassung die Jugend vor Wahlen aus. Nicht mal 16-Jährigen gewährt der Staat ein Wahlrecht.</p>
<p>Und wenn ein Friedrich Merz am Anfang dieses Kommentars womöglich aufgeatmet hat, dann zu Unrecht: Kaum eine Partei wehrt sich gegen jugendliche Stimmen so sehr wie die CDU. Vielleicht, weil sie bei 18-24-Jährigen bei der letzten Bundestagswahl nur 13% erntete. SPD und Grüne waren beide schwächer und haben sich in der Vergangenheit vermehrt für eine Altersabsenkung eingesetzt. Im Koalitionsvertrag der CDU und SPD soll das Wahlrecht ab 16 dank der SPD zwar „geprüft werden“, eine Umsetzung ist allerdings nicht in Aussicht.</p>
<p>Dazu gäbe es ja die Möglichkeit, die Jugend auf irgendeine andere Art zu entlasten. Aber nein: Das Deutschlandticket wurde Anfang 2026 teurer, das ach so tolle Sondervermögen für Infrastruktur geht nur zu einem Bruchteil in Bildung und statt über einen Umgang mit sozialen Medien diskutieren alte weiße Männer bei Markus Lanz über ein Social Media Verbot für Minderjährige.</p>
<p>In einem Heute-Show Interview vor sieben Jahren sagte FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann zur Wehrpflicht spaßeshalber: „Also wenn nichts mehr reicht, dann kommen Frauen 60+!“ Auf den ersten Blick lustig. Auf den zweiten Blick offenbart es aber, wie fern es vielen Politiker*innen liegt, die Jugend ernst zu nehmen.</p>
<p>Wer gegen ein Wahlrecht ab 16 aufgrund mangelnder Kompetenzen argumentiert, dürfte noch nie in einem Altersheim gewesen sein. Eine politische Diskussion mit meinen Großeltern reicht mir jedenfalls, um deren Wahlkompetenz einschätzen zu können. Da könnte man auch einen Grundschüler an die Urne schicken.</p>
<p>Dieses Jahr wird meine kleine Schwester 18. Und auch, wenn sie aufgrund absurder Geschlechtskategorien von einer Wehrpflicht nicht betroffen wäre — welche Diskussionen führen wir hier eigentlich? — möchte ich nicht, dass sie einsam eine Flasche Pfefferminzlikör aus dem Fenster kotzt und beim ersten Mal wählen die Entscheidung zwischen Pest oder Cholera hat. Oder noch schlimmer: West- oder Ostfront.</p>
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