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	<title>sabylonica &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Deepfakes: Wer wird sexualisiert und warum?</title>
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		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 02 Oct 2026 10:15:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Deepfakes]]></category>
		<category><![CDATA[Digitale Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Sexuelle Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[In seinem*ihrem neuen Text schreibt sabylonica über digitale Selbstbestimmung, Sexualität, Rassismus und die Frage, wem unser Gesicht und unser Körper eigentlich gehören. Manchmal denke ich darüber nach, wie wenig es eigentlich braucht, damit ein Bild von mir plötzlich nicht mehr mir gehört. Ein Foto, das irgendwo öffentlich ist. Ein Bild von meinem Gesicht. Vielleicht ein]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In seinem*ihrem neuen Text schreibt sabylonica über digitale Selbstbestimmung, Sexualität, Rassismus und die Frage, wem unser Gesicht und unser Körper eigentlich gehören.</strong><span id="more-17637"></span></p>
<p>Manchmal denke ich darüber nach, wie wenig es eigentlich braucht, damit ein Bild von mir plötzlich nicht mehr mir gehört. Ein Foto, das irgendwo öffentlich ist. Ein Bild von meinem Gesicht. Vielleicht ein Video. Und dann eine künstliche Intelligenz, die daraus etwas macht, dem ich niemals zugestimmt habe. Ich selbst bin bisher nicht Opfer eines sexualisierten Deepfakes geworden. Trotzdem macht mir der Gedanke daran Angst. Nicht nur, weil mein Körper oder mein Gesicht plötzlich für etwas Sexualisiertes benutzt werden könnte, sondern weil ich als queere, nicht-binäre und rassifizierte Person noch eine andere Ebene von Kontrollverlust kenne: die Angst davor, dass etwas über mich sichtbar wird, das ich selbst vielleicht noch gar nicht mit allen Menschen teilen wollte.</p>
<h2>Die Technologie ist neu, die Gewalt nicht</h2>
<p>Deepfakes wirken auf den ersten Blick wie ein technologisches Problem. KI kann mittlerweile Gesichter verändern, Stimmen imitieren und Menschen in Situationen darstellen, in denen sie nie waren. Aber eigentlich geht es um etwas sehr Altes. Um Macht über andere Menschen und um die Frage, wer über den Körper eines Menschen bestimmen darf. Die Technologie ist neu, die Gewalt dahinter nicht.</p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-17649 alignleft" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/10/Infografik-mt-Website1--778x600.png" alt="" width="493" height="380" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/10/Infografik-mt-Website1--778x600.png 778w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/10/Infografik-mt-Website1--300x231.png 300w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/10/Infografik-mt-Website1--768x593.png 768w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/10/Infografik-mt-Website1-.png 1313w" sizes="(max-width: 493px) 100vw, 493px" /></p>
<p>Besonders häufig werden Frauen sexualisiert dargestellt. Sexualisierte Deepfakes treffen aber auch queere Menschen und andere Personen, deren Körper oder Sexualität gesellschaftlich ohnehin stärker bewertet, kontrolliert oder exotisiert werden. Dabei ist auffällig, dass die Betroffenen nicht gefragt werden. Ihr Gesicht wird genommen, ihr Körper wird digital verändert und anschließend wird eine Sexualität konstruiert, die vielleicht überhaupt nicht mit ihnen zu tun hat. Aus einem Menschen wird eine Projektionsfläche.</p>
<p>Dabei frage ich mich auch, warum gerade Sexualität so häufig zum Mittel dieser Form digitaler Gewalt wird. Vielleicht liegt ein Teil der Antwort darin, dass Sexualität noch immer mit Scham verbunden ist. Ein sexualisiertes Bild kann nicht nur verletzen, sondern jemanden gesellschaftlich bloßstellen. Es kann Beziehungen zerstören, Arbeitsplätze gefährden oder Menschen in Situationen bringen, in denen sie sich plötzlich rechtfertigen müssen für etwas, das sie nie getan haben.</p>
<h2>Wenn Sichtbarkeit nicht selbstbestimmt ist</h2>
<p>Für mich bekommt diese Frage noch eine weitere Dimension. Als queere Person bedeutet Sichtbarkeit nicht automatisch Freiheit. Sichtbar zu sein kann befreiend sein, wenn ich selbst entscheide, wem ich etwas über mich erzähle. Es kann aber auch gefährlich oder zumindest schmerzhaft sein, wenn andere diese Entscheidung für mich treffen. Ich habe beispielsweise keine Erfahrung damit, dass ein sexualisierter Deepfake von mir verbreitet wurde. Trotzdem kenne ich die Vorstellung, dass meine Familie etwas über meine Sexualität oder mein Queersein erfahren könnte, bevor ich selbst bereit dazu bin.</p>
<p>Genau deshalb finde ich den Gedanken an Deepfakes so beunruhigend. Wenn jemand mein Gesicht auf einem sexualisierten Körper setzen würde und dieses Bild anschließend irgendwo verbreitet würde, könnte ich nicht kontrollieren, wer es sieht. Vielleicht würde jemand aus meinem Umfeld es bekommen. Vielleicht würde es bei meiner Familie landen. Und selbst wenn sie irgendwann verstehen würden, dass es sich um ein KI-generiertes Bild handelt, könnte der Schaden längst entstanden sein. Denn das Bild würde trotzdem existieren. Und plötzlich müsste ich erklären, dass es nicht echt ist, obwohl ich eigentlich gar nichts erklären müsste.</p>
<h2>KI ist nicht frei von Vorurteilen</h2>
<p>Als PoC kommt für mich noch hinzu, dass Körper und Sexualität nicht unabhängig von rassistischen Vorstellungen betrachtet werden können. Bestimmte Körper werden sexualisiert, exotisiert oder stereotyp dargestellt. KI entsteht schließlich nicht im luftleeren Raum. Sie lernt aus vorhandenen Bildern und gesellschaftlichen Vorstellungen. Wenn diese Vorstellungen rassistisch, sexistisch, queerfeindlich oder ableistisch geprägt sind, können sie sich auch in den Bildern widerspiegeln, die KI produziert. Technologie kann gesellschaftliche Machtverhältnisse deshalb nicht einfach wegzaubern. Manchmal reproduziert sie sie sogar in einer neuen Form.</p>
<h2>Nicht nur fragen, was KI kann</h2>
<p>Deshalb ist die Frage, wer wird sexualisiert und warum, für mich wichtiger als die Frage, ob Deepfakes technisch beeindruckend sind. Wir sollten nicht nur darüber sprechen, was KI inzwischen kann. Wir müssen darüber sprechen, was Menschen anderen Menschen damit antun können und warum manche Körper besonders häufig zum Ziel werden.</p>
<h2><img decoding="async" class="wp-image-17647 alignright" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/10/Infografik-mt-Website-.png" alt="" width="468" height="361" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/10/Infografik-mt-Website-.png 656w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2026/10/Infografik-mt-Website--300x231.png 300w" sizes="(max-width: 468px) 100vw, 468px" /></h2>
<p>Für mich bedeutet digitale Selbstbestimmung deshalb auch, dass ich selbst entscheiden möchte, wie ich sichtbar bin, wann ich sichtbar bin und wem gegenüber. Mein Gesicht, mein Körper und meine Sexualität sind keine frei verfügbaren Rohdaten. Und nur weil eine Technologie etwas möglich macht, bedeutet das nicht, dass wir das Recht haben, es mit anderen Menschen zu tun.</p>
<h2>Zustimmung, Macht und Gewalt</h2>
<p>Vielleicht ist genau das der Punkt, an dem wir über Deepfakes nicht mehr nur als technologische Entwicklung sprechen sollten. Sondern als eine Frage von Zustimmung, Macht und Gewalt. Denn hinter jedem vermeintlich „künstlichen“ Bild steht am Ende ein echter Mensch, der mit den Folgen leben muss.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span data-teams="true">Wenn du online Gewalt erlebst, musst du da nicht allein durch. <a href="https://hateaid.org/">Hateaid.org</a> unterstützt Betroffene unter anderem mit Beratung und rechtlicher Hilfe.</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mein kleines Ich</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/05/mein-kleines-ich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 May 2026 09:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Coming of Age]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[In seinem*ihren neuen Text spricht sabylonica’s jetziges Ich zu seinem*ihrem jüngeren Selbst und bietet Trost in Zeiten der Unsicherheit und eine Erinnerung daran, dass er*sie genau so richtig ist, wie er*sie ist. Ich weiß, du sitzt gerade irgendwo zwischen Fragen, auf die du keine Antworten bekommst, und Problemen, die du keiner Person erzählen kannst. Du]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In seinem*ihren neuen Text spricht sabylonica’s jetziges Ich zu seinem*ihrem jüngeren Selbst und bietet Trost in Zeiten der Unsicherheit und eine Erinnerung daran, dass er*sie genau so richtig ist, wie er*sie ist.</strong><span id="more-17473"></span></p>
<p>Ich weiß, du sitzt gerade irgendwo zwischen Fragen, auf die du keine Antworten bekommst, und Problemen, die du keiner Person erzählen kannst. Du schaust in dein Spiegelbild und versuchst selbst Antworten zu finden, die dir aber mehr Fragen zuwerfen. Dabei suchst du nach einer Antwort, die dir sagt, du bist richtig, wie du bist. Und ich wünschte, du hättest die Antwort selbst geben können. Ich wünschte, ich könnte dir jetzt die Antwort geben. Denn du bist es. Du bist richtig! Auch wenn du das nicht so siehst.</p>
<p>Ich weiß genau, wie du dich selbst betrachtest. Auf jede Linie deiner Haut, jedes einzelne Härchen, das da wächst, wo es angeblich nicht wachsen soll. Auf all das, was dir beigebracht und vorgelebt wurde, zu verstecken, zu glätten, zu korrigieren. Du denkst, Schönheit müsstest du dir verdienen, dass sie von außen kommt. Aber irgendwann, das verspreche ich dir, wirst du verstehen, dass dein Körper nie das Problem war. Kein einziges Haar ist zu viel. Und kein anderer Teil von dir ist falsch. Du wirst lernen, ihn nicht nur zu akzeptieren, sondern ihn zu sehen als etwas Eigenes, etwas Lebendiges, etwas, das zu dir gehört.</p>
<p>Aber es wird nicht plötzlich passieren. Es wird leise kommen und anfangen. In Momenten, in denen du dich nicht mehr vergleichst. In denen du aufhörst, dich kleiner zu machen, nur damit sich andere wohler fühlen. Und eines Tages wirst du merken, dass du dich nicht mehr versteckst. Dass du einfach da bist.</p>
<p>Und ich weiß auch, wie schwer es sich gerade mit deiner Familie anfühlt. Wie widersprüchlich es ist. Wie du gleichzeitig dazugehören willst und dich doch fremd fühlst. Du denkst vielleicht, dass mit dir etwas nicht stimmt, weil es nicht einfach ist. Aber du musst wissen: Liebe hat viele Formen und nicht alle davon sind die, mit denen wir aufgewachsen sind.</p>
<p>Du wirst ausziehen, allein wohnen, neue Menschen treffen. Nicht sofort, nicht alle auf einmal, aber nach und nach. Menschen, die dich sehen, ohne dass du dich erklären musst. Die dich nicht lesen, sondern verstehen. Mit ihnen wirst du lachen, so frei, dass es dich selbst überrascht. Mit ihnen wirst du still sein können, ohne dass es sich leer anfühlt. Das ist deine gewählte Familie. Deine Chosen Family. Und sie wird dir zeigen, dass Zugehörigkeit nicht bedeutet, sich anzupassen, sondern anzukommen.</p>
<p>Du wirst auch lernen, dich selbst zu wählen. Und ich weiß, wie ungewohnt sich das anfühlen wird. Wie egoistisch es dir vorkommt, Grenzen zu setzen, Nein zu sagen, dich an erste Stelle zu stellen. Aber es ist kein Egoismus. Es ist Fürsorge. Es ist Liebe. Und zwar eine, die du dir lange nicht erlaubt hast.</p>
<p>Deine Identität wird sich nicht wie ein klares Ziel anfühlen. Eher wie ein Weg, der sich ständig ändert und verschiebt. Manchmal wirst du dich sicher fühlen, manchmal komplett verloren. Und ja, es wird kompliziert, weil die Welt dich weiterhin in Kategorien stecken will, die nicht passen. Weil Sprache, Körper, Herkunft und Erwartungen sich überlagern und du oft das Gefühl hast, zwischen allem und nichts zu stehen. Aber genau darin liegt auch etwas Kraftvolles. Du bist nicht trotz dieser Widersprüche, sondern durch sie die Person, die du bist. Sie machen dich nicht weniger, sondern mehr. Du wirst lernen, dass du dich nicht aufteilen musst, um verstanden zu werden.</p>
<p>Du wirst viel sehen. Schöne Dinge, die dich staunen lassen. Orte, die sich wie Atem anfühlen. Menschen, die Spuren hinterlassen. Und ja, auch Dinge, die weh tun. Momente, in denen du zweifelst, fällst, dich verlierst. Aber du wirst auch merken, dass du immer wieder zurückfinden wirst. Ob allein oder mit deiner Chosen Family. Aber eben nicht an Erwartungen geknüpft.</p>
<p>Vielleicht ist das das Erwachsenwerden, von dem alle sprechen. Nicht anzukommen, sondern sich selbst immer wieder neu zu begegnen und dabei sanfter zu werden. Ich weiß, du hättest gern Gewissheit. Einen Punkt, an dem alles Sinn ergibt. Den gibt es aber nicht. Aber es gibt dich. Und das reicht weiter, als du jetzt glauben kannst.</p>
<p>Ich warte hier nicht auf eine bessere Version von dir. Ich bin nur du, nur eben ein Stück weiter. Und du wirst es bis hierher schaffen. Auf deine Weise. Immer. Deshalb sei nicht so streng zu dir, wie es andere mit dir sind.</p>
<p><strong>Du bist richtig, wie du bist.</strong></p>
<p>In Liebe,</p>
<p>Dein jetziges Ich</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn Nähe zu Arbeit wird</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/03/wenn-naehe-zu-arbeit-wird/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Mar 2026 09:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[In seinem*ihrem neuen Text reflektiert sabylonica über die Herausforderungen und Ungleichheiten in zwischenmenschlichen Beziehungen, besonders in Bezug auf Männer und FLINTA*-Freund*innen. Eröffnet wird ein Raum, in dem emotionale Arbeit, Verletzlichkeit und das Bedürfnis nach gegenseitigem Zuhören thematisiert werden. Ein Aufruf, die Dynamik des Gebens und Nehmens neu zu denken und emotionale Verantwortung zu teilen. Ich]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In seinem*ihrem neuen Text reflektiert sabylonica über die Herausforderungen und Ungleichheiten in zwischenmenschlichen Beziehungen, besonders in Bezug auf Männer und FLINTA*-Freund*innen. Eröffnet wird ein Raum, in dem emotionale Arbeit, Verletzlichkeit und das Bedürfnis nach gegenseitigem Zuhören thematisiert werden. Ein Aufruf, die Dynamik des Gebens und Nehmens neu zu denken und emotionale Verantwortung zu teilen.</strong><span id="more-17344"></span></p>
<p>Ich habe das Gefühl, ich bin für viele Menschen weniger eine Person als ein Raum. Ein Raum, in dem Dinge gesagt werden dürfen, die sonst keinen Platz finden. Ein Raum, in dem Tränen kommen, Geständnisse, Selbstzweifel und Lebenskrisen Platz finden. Besonders oft bin ich dieser Raum für Männer. Für cis*-hetero Männer, die gelernt haben, dass sie stark sein müssen, funktional und kontrolliert. Und dann plötzlich bei mir sitzen und erzählen, dass sie seit Jahren nicht mehr geweint haben. Dass sie sich noch nie jemandem so geöffnet haben. Dass sie sich durch unsere Gespräche „selbst besser verstehen“. Und ich sitze da und denke mir, okay krass, ich bin gerade dein emotionaler Durchbruch.</p>
<p>Ich höre zu, ich halte aus, ich frage nach und ich bin präsent. Ich versuche, nicht zu werten, nicht zu überfordern, nicht zu unterfordern. Ich mache genau das, was man von einer guten Therapeut*in erwarten würde, nur ohne Ausbildung, ohne Bezahlung, ohne Rahmen und ohne Wahl. Und vor allem, ohne dass ich je gefragt werde, ob ich das gerade leisten kann oder will. Diese Gespräche passieren einfach. Sie nehmen sich Raum. Sie nehmen sich Zeit. Sie nehmen sich meine Aufmerksamkeit, meine Empathie und meine Energie. Und oft merke ich danach erst, wie leer ich eigentlich bin. Wie viel ich gegeben habe, ohne es selbst so zu benennen. Weil Care-Arbeit sich selten wie „Arbeit“ anfühlt, während man sie tut. Sie fühlt sich an wie Beziehung, wie Nähe, Vertrauen, aber sie ist trotzdem Arbeit. Emotionale Arbeit, die unsichtbar ist.</p>
<p>Was mich besonders trifft sind die Ungleichheiten. Dass ich für viele Männer der Raum bin, in dem sie zum ersten Mal verletzlich sein dürfen, aber ich selbst diesen Raum bei ihnen nicht habe. Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich versucht habe über meine eigenen Probleme zu sprechen. Über meine Überforderung, meine inneren Konflikte, über das Gefühl, zu viel und gleichzeitig zu wenig zu sein. Und die einzige Antwort, die ich bekommen habe, war: „Wird schon“. Zwei Worte. Kein Nachfragen. Keine Neugier. Und kein Raum. Da ist mir schlagartig klar geworden, wie ungleich diese Beziehungen oft sind. Wie selbstverständlich erwartet wird, dass ich zuhöre, aber wie ungewohnt es ist, wenn ich selbst gehört werden will. Als wäre meine Rolle klar. Die verständnisvolle, reflektierte und emotionale Person. Aber nicht die, die selbst Unterstützung brauchen könnte.</p>
<p>Unter FLINTA*-Freund*innen erlebe ich etwas komplett anderes. Da ist so viel Bewusstsein dafür, Raum zu teilen. So viel vorsichtiges Nachfragen, wie „Ist es okay, wenn ich das gerade erzähle?“, „Gib Bescheid, wenn es dir zu viel wird.“ oder „Ich will nicht alles auf dich abladen.“. Wir sind ständig am Achten, Regulieren, Reflektieren und Spiegeln. Fast schon übertrieben. Und gleichzeitig zeigt genau das, wie selten wir echte Aufmerksamkeit gewohnt sind. Wie ungewöhnlich es für uns ist, einfach reden zu dürfen, ohne sofort wieder in die Rolle der Zuhörenden zu rutschen. Manchmal sitzen wir zusammen und lachen darüber, wie wir uns gegenseitig immer wieder entschuldigen, obwohl niemand etwas falsch gemacht hat. Aber eigentlich ist das traurig, weil es zeigt, wie tief diese Strukturen sitzen, bloß nicht zu viel Raum einzunehmen, bloß nicht egoistisch wirken und bloß nicht zur Last fallen. Während andere sich diesen Raum einfach nehmen, ohne jegliches schlechte Gewissen, ohne Reflexion oder Rücksicht.</p>
<p>Ich glaube viele Männer merken gar nicht, was sie da tun. Für sie fühlt es sich an wie ein ehrliches Gespräch, wie Nähe und wie persönliches Wachstum. Für mich fühlt es sich oft an wie Arbeit, wie eine Dienstleistung, die ich erbringe. Ohne Vertrag, ohne Grenzen und ohne Schutz. Zwar mach ich das gerne, vor allem für meine Engsten, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass es strukturell ist. Das ist kein individuelles Problem, sondern ein erlerntes Muster. Männer lernen ihre Emotionen zu verdrängen und suchen sich dann einzelne Personen, meistens FLINTA*, um all das nachzuholen. Nicht in professionellen Räumen, nicht untereinander, sondern bei denen, die sowieso schon emotional verfügbar sind. Die gelernt haben, sich zu kümmern, zuzuhören und Verantwortung für Stimmungen zu übernehmen.</p>
<p>Und wir tragen das. Wir tragen ihre Geschichten, ihre Tränen und ihre Durchbrüche. Aber niemand fragt, wer unsere Geschichten trägt. Wer unsere Tränen hält. Wer unsere Durchbrüche begleitet. Care-Arbeit ist hier nicht klassisch Pflege, Haushalt oder Organisation, sondern emotionale Struktur. Ich bin die Brücke zu sich selbst. Der sichere Raum. Der Spiegel. Und das ist etwas unglaublich Intimes, etwas Wertvolles, aber auch etwas Erschöpfendes. Vor allem dann, wenn es einseitig bleibt.</p>
<p>Ich will nicht aufhören empathisch zu sein. Auch will ich nicht aufhören zuzuhören. Aber ich will, dass diese Arbeit sichtbarer wird. Dass sie benannt wird. Dass sie nicht mehr als selbstverständlich gilt. Dass Menschen lernen nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben. Nicht nur zu reden, sondern auch zu fragen. Und nicht nur sich zu öffnen, sondern auch da zu sein. Vielleicht geht es am Ende darum, emotionale Verantwortung nicht zu externalisieren, nicht einzelne Personen zu Therapieräumen zu machen, sondern Beziehungen so zu gestalten, dass Care-Arbeit gerecht und gleich ist. Dass sie nicht auf bestimmten Körpern, Geschlechtern und Identitäten lastet, sondern geteilt wird.</p>
<p>Denn Zuhören ist keine natürliche Ressource. Empathie ist keine endlose Quelle. Und niemand sollte zur emotionalen Tankstelle für andere werden, nur weil sie gelernt haben, sich selbst zurückzunehmen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Körper unter Kontrolle</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/12/koerper-unter-kontrolle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Dec 2025 10:00:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Körper sind längst keine privaten Räume mehr. Sie werden geformt, bewertet und verkauft. In einer Welt, die Lust standardisiert und Intimität normiert, geraten wir schnell in einen inneren Konflikt zwischen Anpassungsdruck, Scham und dem Wunsch nach echter Nähe. Der Körper ist per se kein neutrales Territorium; er wird zur Projektionsfläche, zur Ware und zum]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Körper sind längst keine privaten Räume mehr. Sie werden geformt, bewertet und verkauft. In einer Welt, die Lust standardisiert und Intimität normiert, geraten wir schnell in einen inneren Konflikt zwischen Anpassungsdruck, Scham und dem Wunsch nach echter Nähe.</strong><span id="more-17244"></span></p>
<p>Der Körper ist per se kein neutrales Territorium; er wird zur Projektionsfläche, zur Ware und zum Symbol. Vor allem in unserer medienreichen Gesellschaft – explizit mit kommerziellem und pornografischem Blick – wird der Körper ständig produziert und reproduziert. Sei es in Bildern, Videos, Erwartungen oder Bewertungen. So banal es klingen mag: Der Körper ist nicht nur ein fleischiges Stück, von Haut überzogen, sondern ein durch Medien, Macht und Moral geformtes Konstrukt.</p>
<p>Ich kann mich an meine Sozialisation erinnern, in der ich gelernt habe, wie der Körper zu sein hat: glatte Haut, sichtbare Muskeln, Kurven an den „richtigen“ Stellen – intersektional betrachtet auch in Bezug auf westliche Ideale: glatte, helle Haare, gebräunte Haut, Sommersprossen. Solche Vorstellungen werden normalisiert und als selbstverständlich wahrgenommen. Wir internalisieren sie und streben ihnen nach. Dabei steckt eine lange Geschichte von Rassismen, Sexualisierungen und Idealen dahinter, geprägt durch Marketing, Kirche und Medien. Vor allem in der Moderne spielt die Pornoindustrie eine gravierende Rolle: Sie standardisiert Lust, wodurch der Körper auf Funktion und Verwertbarkeit reduziert wird.</p>
<p>Mit dem pornografischen Blick wird der Körper von der Person selbst getrennt. Dadurch entsteht kein Raum für Unsicherheit, Zärtlichkeit oder Unausgesprochenes. Stattdessen definiert sich Sexualität über Leistung, über banale Sichtbarkeit und über den Orgasmus als Ziel. Der Körper wird hierbei zu einem Produkt, Sex zu einer Handlung, und Intimität wird fiktionalisiert. Problematisch wird dies, weil Pornografie für viele die einzige Quelle sexueller Bildung bleibt – in einer Gesellschaft, in der Intimität tabuisiert wird.</p>
<p>Darüber hinaus ist die Pornoindustrie sehr binär und heteronormativ geprägt. Sie stellt klare Kategorien und eindeutige Geschlechterrollen her. Wer sich dazwischen, außerhalb oder jenseits dieser Normen bewegt, bleibt unsichtbar oder wird als Sparte für Fetischisierung und Exotisierung dargestellt. Dadurch ist für viele queere Menschen das Verhältnis zum eigenen Körper doppelt gebrochen: durch gesellschaftliche Marginalisierung und durch internalisierten Anpassungsdruck. Selbst im Begehren versuchen wir zu verstehen, ob wir „richtig“ sind. Der Körper wird dadurch weiter zu einem Ort des Konflikts – geprägt von Spannungsfeldern zwischen Sichtbarkeit und Selbstschutz, Begehren und Angst, Scham und Befreiung.</p>
<p>Deshalb ist es wichtig, Sexualität individuell zu definieren – jenseits von Normen und Rollenerwartungen. Sie sollte ein Prozess der Selbstermächtigung sein. Nicht Erwartungen sollten erfüllt werden, sondern eigene Grenzen, Wünsche und Unsicherheiten zugelassen werden.</p>
<p>Ich für meinen Teil habe bemerkt, dass Sex und Intimität dort beginnen, wo auch meine sexuelle und körperliche Scham beginnt. Scham ist dabei kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Signal von Verletzbarkeit und vielleicht sogar von Offenbarung. Somit beginnt Sex für mich nicht bei performativer Reproduktion, sondern in dem Moment, in dem ich mich zeige, ohne mich zu verstecken. Dort, wo mein Körper nicht mehr Abbild einer Norm ist, sondern Ausdruck eines Gefühls, eines Kontakts und einer Unsicherheit.</p>
<p>Der Körper bleibt weiterhin vielfältig, ambivalent und politisch. Er existiert in vielen Formen: in Begegnungen, in Gesprächen und in wahrnehmenden, nicht konsumierenden, Blicken. Und vielleicht begreifen wir, dass Intimität genau dann beginnt, wenn wir aufhören, „richtig“ sein zu wollen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Männlich, männlicher &#038; am männlichsten</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/08/maennlich-maennlicher-am-maennlichsten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Aug 2025 09:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[In seinem*ihrem neuen Text schreibt sabylonica über Männlichkeitsbilder, Konkurrenz, Verletzlichkeit und die stille Krise hinter der starken Fassade. Dabei geht es um Druck, emotionale Enge – und die Chance auf neue Männlichkeiten. Männlichkeit ist ein seltsames Konstrukt. Sie ist überall und doch irgendwie ungreifbar. Sie brüllt laut, hört sich aber selbst nicht. Sie will stark]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In seinem*ihrem neuen Text schreibt sabylonica über Männlichkeitsbilder, Konkurrenz, Verletzlichkeit und die stille Krise hinter der starken Fassade.</strong><br />
<strong>Dabei geht es um Druck, emotionale Enge – und die Chance auf neue Männlichkeiten.</strong><span id="more-17053"></span></p>
<p data-start="128" data-end="774">Männlichkeit ist ein seltsames Konstrukt. Sie ist überall und doch irgendwie ungreifbar. Sie brüllt laut, hört sich aber selbst nicht. Sie will stark sein, zeigt dabei aber kaum, wie verletzlich sie eigentlich ist. Von klein auf wird beigebracht, wie „ein richtiger Mann“ zu sein hat: hart, unabhängig, rational, durchsetzungsstark. Nicht zu emotional, nicht zu weich und bloß nicht „zu weiblich“. Der Junge, der weint, wird zurechtgewiesen. Der, der sich prügelt, wird bewundert. Und irgendwo dazwischen wachsen sie heran, ohne je gelernt zu haben, was Nähe bedeutet – außer in Form von Wettkampf oder Brüderlichkeit beim Konsum von Alkohol.</p>
<p data-start="776" data-end="1343">Das wird durch das Patriarchat bestärkt, das nicht nur Ungleichheit zwischen den Geschlechtern produziert, sondern auch jene frisst, die es angeblich schützt. Denn unter der Oberfläche der männlichen Überlegenheit brodelt ein enormer Konkurrenzdruck. Männer messen sich gegenseitig: Wer ist erfolgreicher? Wer hat den besseren Körper? Wer verdient mehr? Wer ist cooler, souveräner, „männlicher“? Der Satz „Ich bin männlicher als du“, ob ausgesprochen oder nur subtil performt, ist dabei keine bloße Phrase. Es ist eine Kampfansage. Ein Ranking von Männlichkeiten.</p>
<p data-start="1345" data-end="1966">Diese Konkurrenz funktioniert wie ein ständiges Bewerbungsgespräch um Anerkennung. Aber es gibt kein Ende, keine Zusage, keinen Vertrag – nur weitere Hürden: Wie reagierst du unter Druck? Wie gehst du mit Ablehnung um? Wie „gut“ bist du im Bett und mit wie vielen? Wer sich diesem Spiel entzieht, wird schnell abgewertet: „Unmännlich“, „weich“, „unterwürfig“. Wer mitspielt, geht meist daran kaputt. Denn auch der vermeintlich dominante Mann trägt Unsicherheiten mit sich herum, die nur nicht sichtbar werden dürfen. Also macht er dicht, versteckt die Unsicherheiten hinter Sarkasmus, Wut oder übertriebener Coolness.</p>
<p data-start="1968" data-end="2512">Das Fatale ist, dass die meisten Männer nicht mit der Freiheit aufwachsen, sich selbst zu definieren, sondern mit der Aufgabe, sich in eine Rolle zu zwängen. Durch diese Rolle verlernen viele, Emotionen zu zeigen, aber auch eine gesunde Beziehung zu führen – zu anderen Männern, zu Frauen oder zu sich selbst. Wenn alles Konkurrenz ist, gibt es wenig Platz für ehrliche Verbindung. Wenn Zärtlichkeit als Schwäche gilt, wird Nähe zur Bedrohung. Und wenn Verletzlichkeit tabuisiert wird, bleibt nur Härte – gegen andere und gegen sich selbst.</p>
<p data-start="2514" data-end="3388">Aber genau hier beginnt ein Umdenken. Immer mehr Männer stellen sich die Frage: Was bedeutet Männlichkeit für mich – abgesehen von Klischees, Erwartungen und Rollenvorgaben? Was will ich wirklich fühlen, sagen und zeigen? Wer bin ich, wenn ich nicht ständig performen muss? Diese Fragen sind unbequem und erfordern Mut, vor allem weil sie oft gegen alles stehen, was uns beigebracht wurde. Aber sie sind notwendig. Denn solange Männer sich über „Männlichkeit“ definieren – durch Wettbewerb, Machtanspruch oder Statussymbole – bleiben sie Teil eines Systems, das sie selbst klein hält. Doch in dem Moment, in dem sie anfangen, diese Konkurrenz zu hinterfragen und erkennen, dass ihr Vergleich genau das Gegenteil von echter Stärke ist, entsteht Raum für etwas Neues: Authentizität. Für eine Männlichkeit, die sich nicht über Abgrenzung definiert, sondern über Verbindung.</p>
<p data-start="3390" data-end="4029">Zudem ist die Aussage „Ich bin männlicher als du“ eine Bestätigung dessen, was viele Männer vehement ablehnen: dass es Männlichkeiten im Plural gibt. Dass Geschlecht kein Naturgesetz, sondern ein soziales Konstrukt ist, in dem jeder Mensch auf irgendeine Weise Position beziehen muss. Wenn also jemand sagt: „Ich bin männlicher als du“, steckt darin mehr Wahrheit, als ihm bewusst ist. Denn genau diese Aussage macht deutlich, dass Männlichkeit kein starres oder klares Ideal ist, sondern ein Spektrum. Ein sich wandelnder Begriff, der nie nur eine Bedeutung hat. Und damit, ob gewollt oder nicht, öffnet sich eine Tür für Veränderung.</p>
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			</item>
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		<title>Scham vs. Stolz</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/06/scham-vs-stolz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Jun 2025 10:51:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[pride month]]></category>
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					<description><![CDATA[Unserer*m Autor*in Sabylonica wurde im Kontext der Pride die Frage gestellt, warum er*sie Stolz auf etwas ist, für das sie*er nichts kann. Die Frage hat Sabylonica lange beschäftigt und seine*ihre Gedanken dazu könnt ihr hier lesen. Stolz ist ein weit gefächerter Begriff und umfasst viele Felder. Mir wurde im Kontext des Pride Months die Frage]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unserer*m Autor*in Sabylonica wurde im Kontext der Pride die Frage gestellt, warum er*sie Stolz auf etwas ist, für das sie*er nichts kann. Die Frage hat Sabylonica lange beschäftigt und seine*ihre Gedanken dazu könnt ihr hier lesen.</strong><span id="more-16986"></span></p>
<p>Stolz ist ein weit gefächerter Begriff und umfasst viele Felder. Mir wurde im Kontext des Pride Months die Frage gestellt, warum ich auf etwas stolz sei, wofür ich nichts leisten musste. Ich habe viel über die Frage nachgedacht und habe mich erwischt gefühlt, da ich für mich keine zufriedenstellende Antwort geben konnte. Nach reichlichen Überlegungen habe ich realisiert, dass ich oft eher das Gefühl hatte, mich schämen zu müssen, queer zu sein.<br />
Durch Familie, Schule und Gesellschaft habe ich gelernt, queer sein heißt, sich dafür schämen zu müssen. Ich habe durch äußere Einflüsse gelernt, ich müsse mich schämen queer zu sein und habe dieses Verständnis lange mit mir getragen und unterbewusst umgesetzt. Ich habe angefangen alles in Frage zu stellen und mich unvollkommen zu betrachten. Scham wurde ein stiller Begleiter, der mir klarmachte, nicht liebenswert, nicht richtig, nicht genug zu sein. Auch wenn ich zu der Zeit den Pride Month, mehr im Geheimen, zelebrierte, war mir klar so viel Stolz habe ich nicht in mir.<br />
Die Frage, warum ich stolz auf etwas wäre, wofür ich nichts geleistet habe, mag zwar in vielen Punkten verständlich sein, aber warum sollte ich mich schämen auf etwas haben, wofür ich keine Entscheidung getroffen habe. Ich habe mir nicht ausgesucht, queer zu sein. Dann fing ich an, weiter zu reflektieren und habe begriffen: Doch, ich bin stolz. Ich bin stolz, denn ich habe viel geleistet, um queer zu sein oder eher gesagt, um mich als queere Person überhaupt annehmen und leben zu können. Ich habe viel geleistet, Sichtbarkeiten zu schaffen, Aufklärung zu betreiben, mich selbst zu lieben, mich zu verstehen, mich zu hinterfragen und ja ich habe viel geleistet, um zu überleben. Ich musste aktiv und bewusst viel leisten, um mein Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein zu finden, zu stärken und zu bewahren. Das war und ist eine tägliche Entscheidung.<br />
Ich bin stolz, weil ich mich immer wieder entschieden habe, weiterzumachen. Trotz Diskriminierung, Ausgrenzung, Angst, psychischer Belastung. Trotz Menschen, die mir vermittelt haben, ich sei „zu viel“, „zu laut“, „zu sensibel“ oder schlichtweg „falsch“. Ich bin stolz, weil ich immer wieder die Kraft finde, mich selbst zu sehen, in einer Welt, die mich oft unsichtbar macht.<br />
Wenn eine Person hetero ist und in einer heteronormativen und binären Gesellschaft sozialisiert ist, hat die Person das Privileg sich nicht mit der eigenen Sexualität, dem Geschlecht und gesellschaftlichen Strukturen auseinandersetzen zu müssen. Die hetero Person mag andere Herausforderungen haben, klar, aber die Person muss nicht Angst vor Diskriminierung auf Grund der sexuellen oder geschlechtlichen Identität haben. Die Person muss sich nicht erklären, nicht rechtfertigen und nicht ständig aufklären. Die Person wird gesehen. Sie wird mitgedacht und ihre Existenz gilt als „normal“.<br />
Und genau da liegt der Unterschied. So viel, was ich und andere aus der queeren Community leisten müssen. Nicht nur für uns selbst, auch für künftige Generationen kämpfen. Und wir leisten viel um Gerechtigkeit, Sichtbarkeit, Aufklärung und Akzeptanz zu bekommen.<br />
Wir leisten uns den Kampf. Wir leisten Widerstand gegen Norman, die uns ausschließen, gegen Sprache, die uns verletzt, gegen Systeme, die uns marginalisieren. Unser Leben ist politisch und wir leisten viel dafür, zu überleben. Und für all das: Ja, ich bin stolz queer zu sein, stolz den Kampf mitzukämpfen. Stolz, überlebt zu haben. Ich habe für mich gekämpft, mich selbst zu lieben und als wertvoll zu sehen und darauf bin ich stolz.<br />
Stolz bedeutet für mich in diesem Kontext nicht Arroganz oder Abgrenzung, sondern Würde. Die Würde, mich nicht länger zu verstecken. Die Würde, inmitten all der Unsichtbarmachung sichtbar zu bleiben. Die Würde, verletzlich zu sein und gleichzeitig kraftvoll. So ist der Pride Month für mich nicht nur eine Feier, sondern auch eine Erinnerung an Schmerz, an Stärke, an Gemeinschaft. Der Kampf und der Widerstand, der bisher geleistet wurde. Und daran, dass unsere Existenz zählt, jederzeit und jederorts.</p>
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		<title>Wie geht es dir?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/05/wie-geht-es-dir/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 May 2025 07:00:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
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					<description><![CDATA[„Wie geht’s dir?“ – eine einfache Frage, die oft mehr bedeutet, als wir glauben. In seinem*ihrem Text reflektiert Sabylonica, warum wir diese Floskel manchmal auswendig antworten und was passiert, wenn wir uns wirklich Zeit nehmen, ehrlich zu sein. Ein Blick auf die Tiefe hinter der Frage und die Herausforderung, sich selbst wirklich zu begegnen. Wenn]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>„Wie geht’s dir?“ – eine einfache Frage, die oft mehr bedeutet, als wir glauben. In seinem*ihrem Text reflektiert Sabylonica, warum wir diese Floskel manchmal auswendig antworten und was passiert, wenn wir uns wirklich Zeit nehmen, ehrlich zu sein. Ein Blick auf die Tiefe hinter der Frage und die Herausforderung, sich selbst wirklich zu begegnen.</strong><span id="more-16885"></span></p>
<p><span data-contrast="none">Wenn ich früher die Frage bekommen habe, wie es mir geht, habe ich sehr automatisiert „gut“ geantwortet. Diese Antwort kam schnell, fast schon reflexartig und einstudiert. Ich habe damals nicht reflektiert, worauf die Frage impliziert, gar implizieren soll. Es war einfach eine Reaktion auf eine Floskel, die zum alltäglichen Sprachgebrauch gehört, ohne dass wirklich Raum oder Tiefe dahinterstand, zumindest habe ich das so wahrgenommen.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Je mehr ich mich mit meinen eigenen Gedanken beschäftigte, sie sortierte, analysierte und versuchte, sie zu verstehen, desto mehr fiel mir auf, wie komplex diese scheinbar einfache Frage eigentlich ist. Auch meine Auseinandersetzung mit Strukturen, wie etwa Sprache und ihre Bedeutungen und Ebenen, haben mich dazu gebracht, genauer hinzuhören und vor allem auch bewusster zu antworten. Denn die Frage: „Wie geht es dir?“ trägt eine Tiefe in sich, die man auf den ersten Blick oft gar nicht wahrnimmt.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Zwar wird sie häufig als bloße gesellschaftliche Floskel genutzt, eine Art Sprachritual, das kaum hinterfragt wird. Besonders in Begegnungen, die flüchtig sind, ob im Treppenhaus oder auf dem Flur, halt zwischen Tür und Angel, wird die Frage gestellt, ohne dass wirklich Interesse oder Raum für eine ehrliche Antwort vorhanden ist. Manchmal scheint es sogar so, als sei die Antwort bereits vorweggenommen, als erwarte die Gegenüberperson ohnehin nur ein kurzes, positives Signal, um schnell wieder zum nächsten Punkt überzugehen.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Mittlerweile zögere ich immer, wenn ich die Frage gestellt bekomme. Nicht, weil ich sie unangenehm finde, sondern weil ich sie inzwischen ernst nehme. Ich nehme mir die Zeit, wenn auch nur für einen Moment, in mich zu gehen und ehrlich zu prüfen: Wie geht es mir wirklich? Was empfinde ich gerade? Was möchte ich wirklich sagen? Und vielleicht noch wichtiger: Wem antworte ich? Ist die Person vor mir bereit, meine ehrliche Antwort zu hören? Oder möchte ich denn erzählen, wie es mir geht?</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Diese neue Haltung bringt mit sich, dass ich zwar die Fähigkeit zur Reflexion habe, aber gleichzeitig auch spüre, wie viel Energie und innere Kapazität es kostet, sich wirklich mit dem eigenen Befinden auseinanderzusetzen. Es reicht nicht nur die Frage zu stellen, man muss auch den Mut haben, die Antwort zuzulassen. Und genau das fällt mir oft schwer.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Denn obwohl ich grundsätzlich in der Lage bin, meine Gedanken und Gefühle zu reflektieren, fehlt mir im Alltag oft die Kapazität dazu. Zwischen äußeren Anforderungen, innerem Druck und der Überforderung durch das Leben bleibt wenig Raum für Selbstfürsorge. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich es mir selbst nicht erlaube, diesen Raum einzunehmen, weil ich denke, dass andere Dinge wichtiger sind, dass ich „funktionieren“ muss.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Vielleicht aber spielen auch Ängste eine Rolle. Die Angst davor, was ans Licht kommt, wenn ich wirklich hinschaue. Die Angst, mit Dingen konfrontiert zu werden, die ich nicht sofort einordnen oder lösen kann. Und so schiebe ich vieles zur Seite, rede mir ein, es sei gerade nicht der richtige Moment, obwohl ich weiß, dass es eigentlich nie „den richtigen Moment“ geben wird.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Ich glaube, genau darin liegt die Schwierigkeit: die Balance zu finden zwischen dem Bedürfnis nach Klarheit und dem Schutzmechanismus des Verdrängens.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Genauso, wie ich mir erlaube, ehrlich zu antworten, möchte ich auch meiner Gegenüberperson diesen Raum geben. Wenn ich frage, wie es der Person geht, dann meine ich es ernst. Ich höre zu, nehme mir Zeit und frage nach, wenn ich spüre, dass da mehr ist. Echtes Interesse braucht Geduld und die möchte ich gerne bewusst aufbringen, weil ehrliche Begegnungen nur dann entstehen, wenn wir wirklich hinhören.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Und vielleicht ist schon das ein erster Schritt zu merken, dass die ehrliche Antwort auf die Frage „Wie geht es dir?“ nicht immer leicht ist, aber dass sie wichtig ist. Für mich. Für mein Inneres. Für ein echtes, aufrichtiges Sein.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true}"> </span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Konsens</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/10/konsens/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Oct 2024 07:00:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Konsens]]></category>
		<category><![CDATA[S*explore]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>
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					<description><![CDATA[Konsens beim Sex, eigentlich ein simpler Grundsatz aber leider nicht so selbstverständlich, wie er es sein sollte. Als unser Autor jemanden kennenlernt, der auf Konsens achtet, ist er komplett überrascht und stellt fest: Es handelt sich um den Schlüssel zu positiven, sexuellen Erlebnissen. Ich habe schon früh Erfahrungen mit Sex gemacht. Viele dieser Erfahrungen wollte]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Konsens beim Sex, eigentlich ein simpler Grundsatz aber leider nicht so selbstverständlich, wie er es sein sollte. Als unser Autor jemanden kennenlernt, der auf Konsens achtet, ist er komplett überrascht und stellt fest: Es handelt sich um den Schlüssel zu positiven, sexuellen Erlebnissen.</strong><br />
<span id="more-16347"></span></p>
<p><span data-contrast="none">Ich habe schon früh Erfahrungen mit Sex gemacht. Viele dieser Erfahrungen wollte ich gar nicht machen. Sie waren oft von Unsicherheit und Unwohlsein geprägt. Heute bin ich Mitte zwanzig und erst vor zwei Jahren hatte ich ein Erlebnis, das mein Sexleben grundlegend verändert hat. Es war in Budapest, Ungarn, und ich hatte mich vor Ort mit einem Typen über die Dating-App Grindr getroffen.</span></p>
<p><span data-contrast="none">Das Treffen begann ganz klassisch. Wir haben wenig geschrieben, ein paar Bilder ausgetauscht und uns dann schließlich getroffen. Wir haben uns in seinem Hotelzimmer verabredet. Als ich ankam, fragte er mich, wie es mir gehe und ob ich mich wohlfühle. Diese Frage war zwar nicht besonders selten, aber dennoch ein toller Einstieg in unser Treffen. Es gab mir das Gefühl, dass er sich um mein Wohlbefinden kümmerte.</span></p>
<p><span data-contrast="none">Wir begannen, uns näherzukommen und schließlich Sex zu haben. Während des Aktes fing er an, mit mir zureden. Er stellte Fragen wie: „Ist diese Stellung in Ordnung für dich?“ oder „Möchtest du eine andere Stellung ausprobieren?“. Diese Fragen gaben mir ein so wertschätzendes Gefühl. Ich hatte das Gefühl, dass ich mitentscheiden konnte, was passieren soll und was für mich angenehm ist.</span></p>
<p><span data-contrast="none">Gegen Ende des Sexes ist er gekommen, ich jedoch nicht. Selbst dieser Akt ist für mich mittlerweile so normalisiert, dass ich mir keine weiteren Gedanken darüber machte. Ich komme super selten beim Sex, und deshalb stellte ich mir keine weiteren Fragen. Doch dann stellte er mir eine weitere Frage. Ihm war aufgefallen, dass ich nicht gekommen bin und er fragte mich, ob ich denn überhaupt kommen möchte.</span></p>
<p><span data-contrast="none">Dieser Moment war sehr emotional für mich. Ich war begeistert und fühlte mich außer mir. Die Erfahrungen, die ich bisher gemacht hatte, waren entweder so, dass er kam und der Sex dann beendet war, oder er versuchte krampfhaft, dass ich auch noch komme, was oft in einem vorgetäuschten Orgasmus endete. Aber die Frage, ob ich denn überhaupt kommen möchte, stellte mein ganzes Bild von Sex auf den Kopf.</span></p>
<p><span data-contrast="none">Der Moment war so schön, dass ich nicht einmal kommen wollte. Ich erkannte, dass Sex so vielmehr ist als nur der Akt des Kommens. Sex kann alles das sein, was wir als sexuell empfinden. Es muss nicht immer Penetration oder Ejakulation sein. Sex bedeutet Konsens, Intimität, Wertschätzung und das, was für dich persönlich Sex ist.</span></p>
<p><span data-contrast="none">Deshalb ist Konsens so wichtig. Sobald eine oder mehrere Personen in eine Handlung verwickelt sind, ist eine Übereinstimmung von größter Bedeutung. Zögerungen, ein „vielleicht“ oder nicht eindeutige verbale oder non-verbale Ausdrücke sind kein eindeutiges „Ja“. Nur ein klares und eindeutiges „Ja“ ist tatsächlich ein „Ja“. Und ebenso kann ein „Ja“ jederzeit zu einem „Nein“ werden. Konsens macht Handlungen fairer und respektvoller. Er schafft Raum für echte Verbindung und Verständnis zwischen den Beteiligten.</span></p>
<p><span data-contrast="none">In einer Welt, in der oft Druck und Erwartungen sind, ist es entscheidend, dass wir die Bedeutung von Konsens erkennen und respektieren. Es ist nicht nur eine rechtliche oder moralische Notwendigkeit, sondern auch eine Grundlage für erfüllende und gesunde sexuelle Beziehungen. Jeder sollte die Freiheit haben, seine Wünsche und Grenzen klar zu kommunizieren, ohne Angst vor Ablehnung oder Missverständnissen.</span></p>
<p><span data-contrast="none">Konsens ist der Schlüssel zu einem positiven Sexualerlebnis, das auf gegenseitigem Respekt und Verständnis basiert. Es ist eine Einladung, sich selbst und die andere Person(en) kennenzulernen.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mein eigenes Vorbild</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/02/mein-eigenes-vorbild/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Feb 2024 11:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Non-binary]]></category>
		<category><![CDATA[PoC]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Vorbilder]]></category>
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					<description><![CDATA[sabylonica ist &#8222;eine Person of Color, männlich gelesen, nicht binär und queer.&#8220; In ihrem*seinem neuen Text erzählt er*sie, wie schwer es war, als heranwachsender Mensch passende Vorbilder zu finden und warum es SpongeBob wurde. Ich gehöre zu der Generation, in der das Sitzen vor dem Fernseher dazugehörte. Wo nach der Schule klassische Cartoons angeschaltet und]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>sabylonica ist &#8222;eine Person of Color, männlich gelesen, nicht binär und queer.&#8220; In ihrem*seinem neuen Text erzählt er*sie, wie schwer es war, als heranwachsender Mensch passende Vorbilder zu finden und warum es SpongeBob wurde.</strong><span id="more-15919"></span></p>
<p>Ich gehöre zu der Generation, in der das Sitzen vor dem Fernseher dazugehörte. Wo nach der Schule klassische Cartoons angeschaltet und angeschaut wurden. Diese Generation war weder Generation Y noch Generation Z. Eher war sie eine Übergangsgeneration und selbst heute ist es schwierig, welcher Generation ich mich zugehörig fühle. Allenfalls gab es zu dieser Zeit eine Bandbreite an Zeichentrickserien und -filmen. Zu meiner Lieblingsfigur gehörte SpongeBob. Ich habe in SpongeBob eine Realität gesucht und glaubte, er existiere wirklich.</p>
<p>Ich meine, wen sollte ich sonst als Lieblingsfigur haben? Ich bin eine Person of Color, männlich gelesen, nicht binär und queer. Wer also hätte meine Lieblingsfigur sein können? Aladin? Pleakley? Tatsächlich fallen mir nicht mehr Figuren ein, die meiner ähnlich kommen. Dabei kommen nicht einmal diese zwei mir ähnlich. Mehr als diese zwei gab es aber dennoch nicht für mich.</p>
<p>Nahezu alle Figuren sind weiß, nahezu alle Figuren sind hetero und nahezu alle sind cis. Nur keiner kommt meiner Person nahe. Vielleicht genau aus diesem Grund habe ich eine Lieblingsfigur, die mir in keinerlei Hinsicht nahekommt, aber ebenso sonst niemandem. Für mich war es einfacher zu sagen, ich identifiziere mich am ehesten mit SpongeBob, als mit einer sonstigen Figur. Zugegeben, eine Ähnlichkeit zwischen SpongeBob und mir gab es tatsächlich. SpongeBob als Figur und mit der Unterwasserumgebung zeigte eine irreale Welt, wo beispielsweise ein Feuer unter Wasser entfacht werden konnte. So irreal SpongeBob und seine Welt war, so surreal habe ich mich auch gefühlt.</p>
<p>Ich verstand meine Lebensrealitäten nicht als normentsprechend und somit auch nicht real. Vor allem, weil mir Medien nicht zeigen konnten, dass es meine Lebensrealitäten auch gibt. Ich habe keine Möglichkeit bekommen mich mit einer mir ähnlichen Figur identifizieren können und hatte kein Vorbild, dem ich nachahmen konnte. Ich habe mich nicht abgeholt, nicht verstanden und nicht real gefühlt. Ich musste dies früh begreifen und mich damit abfinden. Ich musste lernen mein eigenes Vorbild zu kreieren oder mein eigenes Vorbild zu sein.</p>
<p>Ob nun Zeichentrickserien oder -filme, Musik, Bücher oder sonstige Medien, keiner der Medien hatte Repräsentationsangebote für Minderheiten. In frei erschaffenen Welten waren Minderheiten weiterhin die Minderheit.</p>
<p>Auch grundsätzlich stellen Normvorstellungen, was das Aussehen angeht, einen großen Druck für viele dar, auch so aussehen zu wollen und viele tauchen dadurch in ein verzerrtes Bild ein und übersehen die eigene Realität und das eigene Aussehen. Dabei sind alle so individuell und ansehnlich auf ihre Art und Weise, wo Repräsentationen in Medien uns das Wasser nicht reichen können. Nur haben viele, mich eingeschlossen, den Druck, sich anpassen zu müssen, um leichter und besser verstanden werden zu können. Dies gilt es die Stirn zu bieten und den eigenen Mehrwert zu erkennen.</p>
<p>Auch wenn es heutzutage deutlich mehr Repräsentationen existieren und es keineswegs abwegig ist, sich noch heute als junge erwachsene Person ein Vorbild zu suchen oder auch in sozialen Medien fündig zu werden, aber es braucht die Zeit zu lernen, dass wir mit unseren eigenen Lebensrealitäten und eigene Person das eigene Vorbild sein können und dürfen.</p>
<p>Statt mich auf die ermüdende Reise zu begehen ein Vorbild zu suchen, mache ich es mir einfach und sehe in mir das Vorbild, welches mir lange unbekannt blieb. Und ja, mein Charakter ist nicht perfekt, ich mache unzählige Fehler und habe genug Tiefs, aber all das gehört zu mir und macht auch mich zu der Person, die ich bin und der ich mich am besten zuordnen kann. Denn das schöne an mir ist, ich kann mich ändern und ich kann reflektieren.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Feminismen auf der Leinwand</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/10/feminismen-auf-der-leinwand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Oct 2023 13:51:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Barbie]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Filmkritik]]></category>
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					<description><![CDATA[Sabylonica vergleicht Barbie und Arielle mit Blick auf die Feminismen in den Filmen. Dieses Jahr ist voll von Kinopremieren. Die zwei größten Highlights waren „Barbie“ und „Oppenheimer“. Überall wohin das Auge reichte, sah man gut eingesetzte Werbung. Selbst mein Feed auf Instagram war voll von Werbungen für Barbie und Oppenheimer. Nach so viel bewusstem und]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sabylonica vergleicht Barbie und Arielle mit Blick auf die Feminismen in den Filmen.</strong> <span id="more-15746"></span></p>
<p>Dieses Jahr ist voll von Kinopremieren. Die zwei größten Highlights waren „Barbie“ und „Oppenheimer“. Überall wohin das Auge reichte, sah man gut eingesetzte Werbung. Selbst mein Feed auf Instagram war voll von Werbungen für Barbie und Oppenheimer. Nach so viel bewusstem und unbewusstem Input entschloss ich mich, die Trailer zu beiden Filmen anzusehen. Mein erster Gedanke wandelte sich von Barbie vs. Oppenheimer zu Weiblichkeit vs. Männlichkeit. Dadurch wie die Filme gesetzt waren, und die Bilder aussahen, kam ein sehr stereotypisches Bild mir vor Augen. Fortan habe ich die Werbungen rund um die Filme mit den binären Stereotypen beobachtet und diese hat sich teilweise bestätigt. Schon allein männlich gelesene Influencer die vor der Kinokasse stehen und leise flüstern, dass sie in den Barbie-Film möchten. Er sollte nur von der Kasse gehört werden, vor anderen wäre es wohl sonst zu peinlich.<br />
Der Kampf zwischen Barbie und Oppenheimer geht weiter. Auf einmal sehe ich Posts, welcher der Filme in welchem Land am meisten gegoogelt wurde. Es sah so aus, dass Barbie etwas Vorsprung hatte. Scheinbar der Kampf des Jahrzehnts. In meinem Freund*innenkreis hat man darüber gesprochen, welchen der Filme wir sehen wollen würden, denn finanzielle Möglichkeit für beide Filme haben wir nicht. Die Influencer*innen dagegen haben beide Filme besucht und ihre Outfits dementsprechend getragen. Mit einem Switch war das knallig pinke Outfit ein braunes, löchriges Outfit. Ich habe lange überlegt und entschied mich schlussendlich für den Barbie-Film.<br />
Barbie war ein versuchter Ansatz die feministischen Seiten aufzuzeigen. Und klar, man kann die feministischen Seiten verstehen und sicherlich hat der Film mit dem Schnitt, der Musik und den Effekten dazu beigetragen unsere Emotionen dafür zu gewinnen, dass der Barbie-Film und die Marke Barbie feministisch ist. Die Kritik an Barbie wurde in dem Film ebenso erwähnt, aber nur kurz, dass Barbie kapitalistisch ist und Stereotype und Schönheitsideale beibringt. Diese Kritik wurde nicht lange thematisiert, der Fokus lag nur auf den Feminismus hinter Barbie. Um genauer zu sein auf den weißen Feminismus. Die Schauspielerin ist weiß, schlank, blond und wie sie sich des Öfteren im Film selbst beschrieben hat, die stereotypische Barbie. Es gab auch andere Barbies zu sehen, mehrere Schwarze und Braune Barbies und eine Hijab Barbie. Diese jedoch waren meist im Hintergrund. Das Augenmerk lag voll auf der weißen Barbie. Es war die weiße Barbie, die allen erklärt hat, dass sie feministisch ist, dass Barbie feministisch ist. Sie hat für alle Barbies gesprochen, dass sie feministisch sind. Die weiße, stereotypische Barbie hat den Feminismus hinter Barbie versucht nahezubringen und dabei den intersektionalen Feminismus außer Acht gelassen. Der Film hat nur gezeigt, dass es den einen Feminismus gibt, den weißen Feminismus. Aber was ist mit anderen Feminismen? Der Schwarze, muslimische, jüdische, hinduistische Feminismus. Der Feminismus of Color, der Feminismus der Indigenen. Oder viele weitere. Die Sichtbarkeiten hinter den intersektionalen Feminismen wurden, wie so oft, unsichtbar gemacht.<br />
Ob nun der Barbie-Film gut war, ja, an sich ist er gut. Er hat einen Aspekt der Feminismen aufgezeigt, aber ob der Film nun mein Highlight war? Nein, mein Kinohighlight dieses Jahr war „Arielle, die Meerjungfrau“. Klar habe ich auch bei diesem Film einiges auszusetzen, aber die Rolle der Arielle wurde gespielt von einer Schwarzen Frau. Es ging, vor allem indirekt, um den Schwarzen Feminismus. Der Film stoß auf sehr viel Hass und Rassismus, angemerkt keine Kritik, da ein Meerjungmensch doch nicht Schwarz sein könne, denn Meerjungmenschen seien weiß. Absurder Gedanke verzweifelter Rassist*innen.<br />
Eine kurze Auffrischung über die Erzählung Arielle. Arielle ist ein Meerjungmensch und verliebt sich in einen Menschen und möchte daraufhin ihre Flossen ablegen und Beine bekommen. Sie möchte mit dem Prinzen zusammen sein und Teil der Menschheit werden.<br />
Und wie schaut es mit Schwarzen Menschen in unserer realen Gesellschaft aus, mit Schwarzen FLITNA*-Menschen? Auch sie wollen ein Teil unserer Gesellschaft sein. Doch mit unseren rassistischen Strukturen verwehren wir Schwarzen Menschen einen Platz in unserer Gesellschaft. Kurz angemerkt, auch andere Minderheiten die Rassismen erleben, wollen Teil der Gesellschaft werden, auch ihnen wird es verwehrt, nur geht es gerade um den Einblick in den Schwarzen Feminismus. Schwarze FLINTA*-Personen erleben andere Rassismen als Schwarze männlich gelesene Menschen.<br />
Arielle möchte ebenso Teil der Gesellschaft werden und „niemand könnte die Rolle eines Wesens, das sich wünscht, ein Mensch zu werden, besser spielen als eine Schwarze Frau“ (Dr. Natasha A. Kelly).<br />
Wer also bei Barbie über Feminismus redet, sollte sich zuerst den Arielle-Film ansehen. Und unser Kampf des Jahrzehnts, gar Jahrtausends sollte ein Kampf für intersektionale Sichtbarkeit werden.</p>
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		<title>Rollenspiel</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/09/rollenspiel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Sep 2023 07:00:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[„Wäre ich nicht queer, wäre alles so viel erträglicher. Das habe ich mir lange genug gedacht und vorgeworfen“, schreibt Sabylonica über die Ablehnung der eigenen Eltern und die Auswirkungen auf sein*ihr Leben. Der Begriff Queersein ist mir schon seitdem ich denken kann bekannt. Es waren meine Eltern, die mir diesen Begriff beibrachten. In dem Zusammenhang]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Wäre ich nicht queer, wäre alles so viel erträglicher. Das habe ich mir lange genug gedacht und vorgeworfen“, schreibt Sabylonica über die Ablehnung der eigenen Eltern und die Auswirkungen auf sein*ihr Leben.</strong><span id="more-15704"></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Der Begriff Queersein ist mir schon seitdem ich denken kann bekannt. Es waren meine Eltern, die mir diesen Begriff beibrachten. In dem Zusammenhang habe ich stets vorgegaukelt bekommen, dass es was Schlechtes sei queer zu sein und ich nicht mehr deren Kind sein könnte, wenn ich selbst queer sei. Das ist ein immenser Druck, dem ich ausgesetzt war und noch immer bin. Dass ich queer bin, wusste ich, ehe ich noch denken konnte, umso schwerer trafen mich die vermeintlich fürsorglichen Worte meiner Eltern. Diese Worte durchstochen meinen Leib und meine Seele. Dieses Ultimatum trage ich heute noch immer mit mir. Die Frage, ob ich nach der abhängigen Liebe meiner Eltern nachgehen soll oder selbstbestimmt lieben kann, wen ich möchte, versetzt mich in eine Schockstarre, aus der ich nicht entfliehen kann.</span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Mich bedrückt der Gedanke, dass ich mich niemals auf eine Person komplett einlassen kann, dass ich nie eine Person innigst lieben werde oder dass ich nicht zulassen kann geliebt zu werden. Es gab wenige und kurze Momente in meinem Leben, in denen ich vollkommen mich einer Person geben konnte. Ich wünsche mir so sehr diese Momente in eine Ewigkeit sprühen, mein Leben nach dem Herzschlag der Person richten und die Person fest an meinem Körper drücken zu können. Ich möchte eins werden mit der Person, aber ich weiß, dass ich all das nicht tun kann. Ob ich nun meine Eltern liebe, kann ich ebenso wenig sagen, ich weiß nur, dass ich eine starke Abhängigkeit durch die jahrelange Gewohnheit entwickelt habe und diese mir sehr fehlen würde, wenn ich selbstbestimmt liebe. </span></span><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Wie ich beide Wege gleichzeitig einschlagen kann, weiß ich nicht, ich denke sogar eher, dass es gar nicht möglich ist und ich mich entscheiden müsste. Aber diese Entscheidung erscheint mir so ungerecht. Warum sollte ich zwischen mir selbst und meiner Familie eine Entscheidung treffen? Wäre ich nicht queer, wäre alles so viel erträglicher. Das habe ich mir lange genug gedacht und vorgeworfen. Heute jedoch denke ich mir, warum meine Familie nicht queerfreundlicher sein kann. Der Gedankenweg, ich müsste mich meiner Familie Willen verändern und mich nach deren Idealen anpassen, beengt meine Atemwege enorm. Ob es zu viel verlangt wäre, wenn meine Familie mich so akzeptiert wie ich bin.</span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Prinzipiell fällt es mir nicht sonderlich schwer etwas vorzuspielen. Immerhin spiele ich das Doppelleben, seit ich denken kann. Das Einzige, was es erschwert, ist meine Begierde und die Sehnsucht mich ausleben zu können und eine Person zu haben, die ich lieben kann und von der ich ebenso geliebt werde. </span></span><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Das Doppellebenspiel ist mir nicht unbekannt. Neben meiner Familie tauche ich in eine Rolle ein, die mir an und für sich nicht fremd ist, dennoch unlieb erscheint. Daraus resultiere ich, dass alle Menschen fähig sind, auf der Bühne zu stehen und in Rollen hineinzuschlüpfen. Ich bin der Meinung, dass wir alle Situationen kennen, in denen wir uns anpassen oder verstellen und somit von der eigenen Rolle in eine fremde Rolle schlüpfen. </span></span><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Bezogen auf das Problem ist es eine Frage der Geduld. Es bedarf viel Geduld die Rolle auszuhalten. In die Rolle werde ich ohnehin reingedrängt, nun kommt es darauf an, wie ich mit der Rolle umgehe. Es lässt sich erschließen, dass es mir lieber wäre, die Rolle nicht annehmen zu müssen, aber der Druck ist immens, dem Druck könnte der Mut entgegenstehen. Weiter gedacht bin ich mir ebenso dessen bewusst, dass selbst meine Eltern in einer toxischen Rolle seit jeher gefangen sind und das Leben nicht außerhalb ihrer zugeschriebenen Rollen kennen. Nichtsdestotrotz können sie sich nicht das Recht nehmen anderen eine Rolle einzuzwängen. </span></span><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">So leicht es sich auch sagen lässt, es ist sehr schwierig, aber alle sollten doch selbst entscheiden, ob, wann, wo und wie sie in eine Rolle schlüpfen oder sie aus einer Rolle herauswollen. Und ich für meine Person muss es ebenso tun. Es ist ein Prozess und ich entscheide, wann ich aus der Rolle, die von meiner Familie zugeschrieben wurde, herausbrechen möchte. Immerhin geht es um mein Wohlbefinden und ebenso um Gefahren- und Risikenabschätzung.</span></span></p>
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		<title>Selbstbestimmtes Körpergefühl</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/08/selbstbestimmtes-koerpergefuehl/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Aug 2023 07:29:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Body Positivity]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
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					<description><![CDATA[Sabylonica analysiert, was sein*ihr Körpergefühl beeinflusst und wie sich ein selbstbestimmtes Erleben und Sein entwickeln kann. Genauso wie ich mich in meiner Persönlichkeit entwickle und mich in einem Prozess befinde, tu ich dasselbe mit meinem Körper. Mein Körper hat sehr viele Entwicklungen hinter sich. Oft war mein Körpergefühl verbunden mit Kleidung, Situationen, Erinnerung und Sexualität.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sabylonica analysiert, was sein*ihr Körpergefühl beeinflusst und wie sich ein selbstbestimmtes Erleben und Sein entwickeln kann.</strong><span id="more-15683"></span></p>
<p>Genauso wie ich mich in meiner Persönlichkeit entwickle und mich in einem Prozess befinde, tu ich dasselbe mit meinem Körper. Mein Körper hat sehr viele Entwicklungen hinter sich. Oft war mein Körpergefühl verbunden mit Kleidung, Situationen, Erinnerung und Sexualität.<br />
In Bezug auf Kleidung konnte ich mein Körper unterschiedlich präsentieren und in Szene setzen und auch ich habe, sowohl bewusst als auch unbewusst, vielen Trends nachgeeifert und den Kleidungsstil meiner Bubble angeeignet. Durch die Kleidung an meinem Körper habe ich ein Zugehörigkeitsgefühl bekommen oder durch den Kleidungsausdruck weitere Menschen aus derselben oder ähnlichen Bubble kennenlernen können. Weiter verband ich mein Körpergefühl eben mit Situationen. Viele verschiedenen Situationen haben mein Körpergefühl beeinflusst, wie etwa, wenn ich schwimmen, tanzen, in der Schule oder Universität oder auf der Arbeit war. Je nach Ort und Tätigkeit habe ich ein anderes Gefühl zu meinem Körper, auch hierbei spielt die Kleidung als Komponente eine wesentliche Rolle. Unter gewissen negativen Situationen hat sich mein Körpergefühl ebenso verändert und beeinflusst, wenn ich beispielsweise die Treppen ausrutsche. Diese Situationen sind schlussendlich eine Erinnerung und haben weiterhin Auswirkungen auf mein Körpergefühl. Das geschieht sehr schnell, wenn ich an einem bestimmten Ort eine Situation erlebt habe und erneut an dem Ort auftauche oder wenn ich bei einem bestimmten Song rückbeeinflusst werde, kommen die Erinnerungen an die Situationen wieder hoch und somit auch das Gefühl von meinem Körper. Diese drei Verbindungen, Kleidung, Situationen und Erinnerungen, hängen sehr stark miteinander zusammen, zwar fällt der Aspekt der Sexualität unter Situationen, aber ich habe sie gesondert genannt, weil sie für mich eine besondere Sparte erbringt. Hinsichtlich der Sexualität verspüre ich meinen Körper am meisten, ich spüre, wie ich meinen Körper einsetze, erforsche und ihn vielleicht sogar teile. Mein Körper entfacht auf einer besonderen Weise, wenn es um Sexualität geht und erlebt, wenn es vor allem mal zu einem Orgasmus kommen sollte, einen Höhepunkt des Körpergefühls.<br />
All diese Verbindungen, die ich mit meinem Körper herstelle, sind nicht nur Verbindungen, die ich allein herstelle, vielmehr haben externe Personen, ob nun nahe oder fremde, einen starken Einfluss. Sie haben Einfluss auf mein Körpergefühl, wenn sie meine Kleidung kommentieren, bei Situationen aktiv und passiv wirken und diese schlussendlich zu einer Erinnerung wird. Der Einfluss von externen Personen kann sich positiv oder negativ auf das Körpergefühl auswirken. Außerdem können vermeintlich oder tatsächlich positive Merkmale, dennoch negative Assoziationen, durch den Einfluss früherer externer Personen, welche zu einer Erinnerung beitrugen, hervorrufen.<br />
In vielen Bereichen meines Lebens fällt es mir nicht allzu schwer, vernünftig zu reflektieren und mich selbstbestimmt zu entwickeln, aber wenn es um mein Körpergefühl geht, verblasst sich meine Vernunft zu reflektieren und mich weiterzuentwickeln. Aber ich bin an einem Punkt in meinem Leben angelangt, wo ich mir mein Körpergefühl aneignen möchte und mein Körperbewusstsein selbstbestimmt fördern will. Es hat lange gedauert mich von Einflüssen von externen Personen zu lösen und auch heute bin ich nicht komplett gelöst, aber Schritt für Schritt lasse ich diese Einflüsse nicht weiter zu, Auswirkungen auf mein Körpergefühl zu haben. Denn, ich finde mich in meinem kurvigen Körper schön. Ich finde meine Behaarung an meinem kompletten Körper schön. Ich liebe meine gehackte Nase und finde sie schön. Ich finde so viel schön an mir. Mein Körper ist wunderschön.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<title>GÖTTIN SEI DANK GIBT ES DIE PROSTATA</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/05/goettin-sei-dank-gibt-es-die-prostata/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 May 2023 12:27:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
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					<description><![CDATA[Sabylonica setzt sich nicht nur mit der Queerfeindlichkeit mancher religiöser Institution auseinander, sondern er*sie sucht und findet viel(mehr) Queerness in Religion. Mit dem Queersein kommen allerlei Einflüsse auf einen Menschen zu. Verschiedenste Einflüsse wie Empowerment, Zuspruch, Gutheißung, aber auch Ablehnung und gar Hass können auf eine Person zukommen. Zweitere Einflüsse, eben Ablehnung und Hass, kommen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sabylonica setzt sich nicht nur mit der Queerfeindlichkeit mancher religiöser Institution auseinander, sondern er*sie sucht und findet viel(mehr) Queerness in Religion.</strong><span id="more-15550"></span></p>
<p>Mit dem Queersein kommen allerlei Einflüsse auf einen Menschen zu. Verschiedenste Einflüsse wie Empowerment, Zuspruch, Gutheißung, aber auch Ablehnung und gar Hass können auf eine Person zukommen. Zweitere Einflüsse, eben Ablehnung und Hass, kommen von verschiedenen Seiten, besonders von Seiten der Religion. Oder viel eher von der institutionellen Religion.Die Religion stellt seit jeher ein begrenztes Spektrum dar, wo man sich nur darin aufhalten und frei bewegen und denken kann. Weit außerhalb der gesetzten Religionsgrenzen erwarten eine Person Spott und Ausgrenzung. Naheliegend, dass für uns bekannte und führende Religionen bei dem Thema Queersein es gleichtun und dieses ablehnen. In diesem Kontext meine ich lediglich die Religionen, die in unserer westlich-weißen Gesellschaft verbreitet sind.In einer heteronormativen und binär-konstruierten Gesellschaft, deren Grundbausteine zum Teil vonder Religion stammen, stellt Queersein keine Gefahr dar, wie die Institutionen der Religionen es behaupten. Stattdessen liegt die Begründung in Gott. Er sei dagegen, weshalb es die Menschen auchsein sollten. Nun kommt ein Paradoxon: Gott sei gegen Queersein, aber Jesus hat auch gleich zwei Väter, Gott und Josef. Oder weiter ausgeholt: sind die Elternteile von Jesu, Maria, Gott und Josef, wohl in einer polyamoren Beziehung?Schon der Gedanke, dass unsere Gesellschaft Gott als männlich konstruiert hat, zeugt von patriarchalen Strukturen, deshalb versuche ich das Konstrukt Gott auszuprägen und ebenso Göttin in meinen Wortschatz einzubauen. Wenn doch die Institutionen der Religionen behaupten, Gott hätte kein Geschlecht, so müsste es doch Gotteslästerung sein, IHN mit „er/ihm“ zu deklarieren. Und außerdem müsste doch Religion das beste Beispiel dafür sein, dass es mehrere Geschlechter alsnur Mann* und Frau* gibt. Ist nun der Gott oder die Göttin, oder auch die Götter*innen, genderfluid, agender oder nicht-binär? Im Endeffekt weiß es nur Gott*Göttin selbst, aber die Mehrheitsgesellschaft gibt das Geschlecht, genauso wie einzelnen Personen.Was ebenso vom Patriarchat der Menschen, oder Männer*, zeugt, ist die religiös-institutionelle Ablehnung von Queersein lediglich auf den Mann* bezogen, weil die Überzeugung da ist, eine Frau* hätte kein Lustempfinden oder gar eine eigene Sexualität. Wir sollten aber alle wissen, dass dies nicht der Fall ist und eine Frau* sehr wohl Sexualempfindungen hat, in dem Sinne hoch lebe die Klitoris. Schon dieser Fakt entkräftet, dass Queersein wider die Natur sei. Was den Mann* angeht ist die Entkräftung ebenso simpel. Der Mann* hat die Prostata. Ein göttliches Geschenk, wiedie Klitoris selbst, ist die Prostata. Beim Einführen eines Fingers, Penis oder Sexspielzeugs durch den Anus beim Mann* befindet sich die Prostata wenige Zentimeter vom After, unterhalb der Harnblase. Und diese Prostata kann man sehr gut stimulieren und führt bestenfalls zu einem Orgasmus. Würde Göttin oder Gott wollen, dass wir Menschen keinen Sex, ob nun queeren oder nicht queeren und allein oder mit mindestens einer weiteren Person, haben, hätten wir wohl keine Klitoris oder Prostata geschenkt bekommen.Wir wissen, dass Religion, Geschlecht, Sexualität und so vieles mehr patriarchalisch, binär und heteronormativ konstruiert hat. Deshalb ist es wichtig, alle Lebensbereiche neu zu denken und neue Sichtbarkeiten zu schaffen. Und es gehört ebenso dazu, mit dem System zu arbeiten, um das Systemändern zu können. Es ist wichtig zu reflektieren und alles kritisch zu hinterfragen, auch die eigene Person. Nur so ist es möglich, die Strukturen nachhaltig zu ändern und zu verbessern.In diesem Sinne, hoch lebe die Klitoris und die Prostata!</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Liebe als Mittel zum Zweck</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/04/liebe-als-mittel-zum-zweck-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Apr 2023 14:52:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
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					<description><![CDATA[Liebe ganz unromantisch. Warum für sabylonica die Liebe mehr Mittel zum Zweck als das größte Glück ist. Die Liebe, als ungünstiges Mittel den Alltag zu kompensieren, wollen viele Menschen. Doch was steckt dahinter? Die Liebe beginnt damit, dass eine Gewohnheit im Alltag eines Menschen entsteht, diese zu einer Routine wird und schlussendlich zu einer Abhängigkeit]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Liebe ganz unromantisch. Warum für sabylonica die Liebe mehr Mittel zum Zweck als das größte Glück ist.</strong><span id="more-15438"></span></p>
<p><span style="font-family: Calibri, serif;"><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Die Liebe, als ungünstiges Mittel den Alltag zu kompensieren, wollen viele Menschen. Doch was steckt dahinter? Die Liebe beginnt damit, dass eine Gewohnheit im Alltag eines Menschen entsteht, diese zu einer Routine wird und schlussendlich zu einer Abhängigkeit führt. Der Mensch i</span></span><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">n</span></span><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;"> Liebestrance steht abhängig zur anderen Person oder Personen. Liebe entsteht, um die Dinge zu füllen, die man selbst nicht füllen kann, die aber andere dir geben können. Sei es nun Wertschätzung, Aufmerksamkeit oder anderes. Es gibt immer einen Hintergedanken sich zu verlieben. Klar, es passiert und man verliebt sich nicht kontrolliert mit voller Absicht, aber man verliebt sich auch nicht in jeden Menschen, sondern eben nur in die, die diese Leere füllen können. Daran ist nichts verwerflich, aber angemerkt, all dies können auch Freund*innen oder andere Personen, ohne im Kontext der Liebe zu stehen, füllen. Vielmehr mag es dann wohl die Intimität und Zärtlichkeit sein, wonach man sich sehnt, sofern man sexuelle Lüste empfindet. Das Gefühl berührt und im Akt die Fülle zu spüren, sehnliche Dinge, die viele Menschen verspüren wollen. Mag sein, dass eben die Intimität und die Zärtlichkeit für viele eine entscheidende Rolle spielen zu lieben. Die zwei Attribute füllen die Leere und es kann zu einer Gewohnheit, einer Routine und zur Abhängigkeit führen. Der Mensch kann abhängig vom Gefühl, was gegeben wird, werden.</span></span></span></p>
<p><span style="font-family: Calibri, serif;"><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Die Liebe sei wie eine Droge, ein Spruch, den viele unterschreiben würden. Aber wie einem bewusst ist, hört irgendwann die Wirkung einer Droge auf. Entweder es war zum Ausprobieren oder man entwickelt eine Sucht. Der Mensch entwickelt oftmals eine Sucht zur Liebe, nur wird die Wirkung niemals so sein wie beim ersten Mal. Ob nun beim ersten Mal verliebt sein oder bei der Anfangsphase des Liebesprozesses zu einer oder mehreren Personen.</span></span></span></p>
<p><span style="font-family: Calibri, serif;"><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Durch die Menschheitsentwicklung entstanden Bräuche, wie der Bund der Ehe. Diese Menschheitserfindung ist eine Idee, die Liebe, die verspürt wird, fest zu schnüren. Den Menschen ist es wohl wichtig, die Liebe in Grenzen zu halten und es formell zu sichern. Man will die Liebe absichern, sie in Grenzen halten. Wie das mit den Grenzen gemeint ist? Die Liebe kann auf verschiedensten Wegen etwas Großes bewirken, wird aber durch den Bund der Liebe eingeschränkt beziehungsweise wird versucht, die Liebe zu etikettieren, damit sie ja nicht verlischt. Zum krönenden Abschluss wird ein Ring beim jeweils anderen angesteckt, um dem Ganzen Ausdruck zu verleihen.</span></span></span></p>
<p><span style="font-family: Calibri, serif;"><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Das zum ungefähren Prozess der Liebe. Dieser Prozess nun versucht Zugang in der Gesamtheit der Menschen zu finden. Demnach sollen alle Menschen denselben Prozess durchführen. Nur ist dieser Prozess nicht auf alle Menschen zu übertragen, denn alle lieben, wenn überhaupt, auf unterschiedlichste Art und Weise. Da kann ein menschenerfundenes Konzeptbuch der Liebe kein Zugang für alle finden. Nur beginnt seit der frühen Kindheit die wichtige Präsenz dieses Prozesses durch Filme, Umwelt, Schule und andere Einflüsse.</span></span></span></p>
<p><span style="font-family: Calibri, serif;"><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Auch innerhalb der Umwelt ist das Thema präsent und einem entsteht der Druck, diesen Weg gehen zu müssen, dabei erscheint mir beispielsweise dieser Weg für nicht wichtig. Ich zu meinem Teil möchte nicht diesen Prozess erleben. Wenn ich meine Freund*innen befrage, wo sie sich in zehn Jahren sehen, meinen sie, eine Familie gegründet zu haben. Eine Familie, also Kinder bekommen zu haben. Das kann ich mir ebenso wenig vorstellen wie zu heiraten, geschweige denn zu lieben. Wahrscheinlich denken Menschen, dass sie mit Kindern, den seit Anbeginn der Menschheit bestehenden Wunsch, unsterblich sein zu wollen, erfüllen könnten. Und wo ich in zehn Jahren bin, weiß ich nicht. Ich habe die Sorge, dass ich heiraten müsste. Den Weg, den jede*r geht, auch begehen, nur möchte ich das nicht und entscheide für mich selbst meinen eigenen Weg. Mein Weg ist unabhängig von jener Person. Ob sich meine Meinung irgendwann ändern wird, kann ich nicht sagen, aber ich will nicht sagen, dass ich den Weg gehen muss!</span></span></span></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Binäre Gesellschaft</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/02/binaere-gesellschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Feb 2023 14:16:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[heteronormativ]]></category>
		<category><![CDATA[Non-binary]]></category>
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					<description><![CDATA[Für seinen*ihren neuen Text hat sabylonica sich mal die geschlechtlichen Gesellschaftsverhältnisse angeschaut und diese zum einen anlysiert, zum anderen auch nach Anknüpfungen für Veränderungsprozesse gesucht. Wir leben in einer Gesellschaft die heteronormativ und binär geprägt ist. Heteronormativität ist eine strukturell verankerte Form gesellschaftlichen Lebens. Was die Norm, die Normalität ist, habe ich bereits in einem]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Für seinen*ihren neuen Text hat sabylonica sich mal die geschlechtlichen Gesellschaftsverhältnisse angeschaut und diese zum einen anlysiert, zum anderen auch nach Anknüpfungen für Veränderungsprozesse gesucht.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-15327"></span><br />
Wir leben in einer Gesellschaft die heteronormativ und binär geprägt ist. Heteronormativität ist eine strukturell verankerte Form gesellschaftlichen Lebens. Was die Norm, die Normalität ist, habe ich bereits in einem Artikel erklärt. Normativ heißt ergänzend ein bindender Maßstab. Das heißt, dass es ein Maß für etwas gibt. In Zusammenhang der Heteronormativität ist der Maßstab klar definiert. Heteronormativ sind Lebensgewohnheiten, die für andere ebenso als Norm dienen soll. Cisgeschlechtlich, heterosexuell und monogam sein zu sollen. Abweichende Identitäten entsprechen nicht dem heteronormativen Maßstab. Zusammengefasst ist die gesellschaftliche Norm patriarchalisch, heteronormativ und binär geprägt.<br />
Binär lässt sich wie folgt weiter definieren. Unsere Gesellschaft definiert verschiedenste Geschlechter. Es gibt drei biologische Geschlechter, intergeschlechtlich*, weiblich* und männlich*. Weiter gibt es mehrere Geschlechtsidentitäten, wie beispielsweise genderfluid, nichtbinär, agender und andere. Letzteres ist das gesellschaftlich entscheidendere, die binäre Geschlechtsstruktur. Unsere Gesellschaft sieht das binäre Bild, es gäbe somit nur weiblich* und männlich*. Das macht sich in vielerlei Baustellen aufmerksam, den Toilettenaufbau als eines der vielen Beispiele genannt.<br />
Nun kommt ein sehr salonfähiges und normalisiertes Beispiel der Binärität, die sexuelle Orientierungsbezeichnung; welche ebenso Ausdruck einiger Sexismen in sich birgt. Beginnen wir mit der Bezeichnung bisexuell. Bisexuell heißt, dass ein Mensch zu beiden binärkonstruierten Geschlechtern eine platonische, romantische und/oder sexuelle Beziehung aufbauen kann. Bi steht für „zwei“, binär heißt auch in etwa „zwei“. Der Ausdruck bisexuell unterstützt somit binäre Gesellschaftsstrukturen. Weiter heißt homosexuell die gleichgeschlechtliche Liebe. Homo kommt aus diesem Kontext aus dem Altgriechischen und bedeutet „gleich“. Ein Nebenfakt, homo heißt im Lateinischen „Mensch“ oder „Mann“, zum Beispiel im Kontext der Evolution. Die Homo Sapiens, da steht das Homo eben für Mann oder Mensch. Mann, ein weiterer gesetzter Maßstab, selbst auf die Evolutionsgeschichte bezogen gibt es allerlei patriarchalische und binäre Vorstellungsirrtürmer.<br />
Wir wissen, vieles, nahezu alles wurde weiß-männlich definiert und aufgebaut. Es ist wichtig das System und dessen Strukturen zu verstehen. Und klar müssen diese verändert werden. Es ist naheliegend zu sagen, um die Gesellschaft und ihre Strukturen zu ändern, muss man mit den gegebenen Werkzeugen arbeiten, somit können wir mehrere Menschen abholen. Die Werkzeuge stellen in diesem Kontext die Sprache dar. Nun ist die Frage, bis wann diese Werkzeuge genutzt werden sollen oder ob und wann wir bestenfalls die Werkzeuge austauschen, um vielleicht sogar effektiver ans Ziel gelangen zu können. Außerdem sollten wir uns die Frage vor Augen führen, zu welchem Preis wir die gegebenen Werkzeuge nutzen wollen.<br />
So gibt es beispielsweise eine Sammelbezeichnung für Personen, die nicht heteronormativ und/oder binär sind: queer. Queer hat den Ursprung im Deutschen von quer und weiter aus dem Lateinischen und bedeutet „drehen“. Und mit diesen Worten, es wird Zeit diese Gesellschaft und diese Strukturen zu drehen!<br />
Es ist wichtig Sichtbarkeiten zu schaffen, Sensibilisierungsprozesse zu fördern und zu fordern und uns Räume anzueignen und nicht darauf zu warten, sie irgendwann zu bekommen. In Bezug auf diesen Artikel sollte kritische Reflexion und Hinterfragung unser Maßstab für die Drehung gesellschaftlicher Strukturen sein. All dies sollte selbstverständlich auf intersektionaler Ebene geschehen. Intersektionalität ist die Zukunft, unser aller Zukunft!</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Fraysexuell</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/08/fraysexuell/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Aug 2022 11:55:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Fraysexuell]]></category>
		<category><![CDATA[Freund*innenschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualität]]></category>
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					<description><![CDATA[sabylonica ist fraysexuell. Was das heißt und was es für ihn*sie bedeutet hat, dies herauszufinden, lest ihr in seinem*ihrem neuen Text! Sobald eine emotionale beziehungsweise platonische Bindung zu einer Person besteht, kann ein fraysexueller Mensch keinen Sex haben. Besteht keine emotionale beziehungsweise platonische Bindung, hat ein fraysexueller eher Sex. Als ich den Begriff für mich]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body"><strong><br />
sabylonica ist fraysexuell. Was das heißt und was es für ihn*sie bedeutet hat, dies herauszufinden, lest ihr in seinem*ihrem neuen Text!</strong></p>
<p><span id="more-14989"></span></p>
<p>Sobald eine emotionale beziehungsweise platonische Bindung zu einer Person besteht, kann ein fraysexueller Mensch keinen Sex haben. Besteht keine emotionale beziehungsweise platonische Bindung, hat ein fraysexueller eher Sex. Als ich den Begriff für mich entdeckte, war mir einiges klar und ich bin fraysexuell.<br />
Ich hatte viele Intimitäten, aber nie hatte ich Intimität mit einer Person, die ich kenne. Ich konnte mir ebenso nie vorstellen, mit einer kennenden Person Sex zu haben. Das hat wahrscheinlich viele verschiedene Gründe, wie Unsicherheit oder anderes. Diese Unsicherheit jedoch habe ich nie mit Personen, die ich nicht kenne. Weiter ausgeholt, kann ich mir nicht vorstellen, mit einer Person Sex haben, mit der ich das Vergnügen schon wenige Male hatte. Ich habe mir immer wieder die Frage gestellt, warum das so ist, aber nachdem ich für mich den Begriff entdeckt habe, spielt das Warum keine Rolle mehr. Ich bin’s.<br />
Während Intimität für viele etwas Persönliches darstellt, ist es für mich lediglich eine Begierde, die zu einem Akt für Befriedigung der bestehenden Lüste führt. Liebe spielt mir dabei keine Rolle und wer die Person gegenüber von mir ist, spielt ebenso wenig eine Rolle. Früher dachte ich, dass es meinerseits eingebildet sei, aber heute weiß ich, dass ich fraysexuell bin. Zwar mache ich mir keine Gedanken darüber, warum ich es bin, aber wenn ich mir überlege, denke ich, dass es tatsächlich Unsicherheit ist, die mich aufhält, mit kennenden Personen Sex zu haben. Die Unsicherheit ist wahrscheinlich, etwas falsch zu machen, nicht gut genug zu sein oder der gegenüberliegenden Person nicht zu gefallen. Klar wäre es einfach für mich, mit der Person über meine Sorgen und Ängste zu sprechen, aber einfacher ist es, die Intimität zu Personen mit emotionaler und platonischer Bindung zu vermeiden.<br />
Sobald ich Sex mit Personen habe, die ich nicht kenne und es dazu kommt, dass sie mich kennenlernen wollen, drücke ich mich von den Situationen und spätestens dann kann ich mit der Person keine Intimität mehr eingehen. Mit Personen, die ich nicht kenne und Sex habe, kann ich keine platonische Bindung aufbauen.<br />
Anders schaut die Situation auf romantischer Ebene aus. Eine romantische Bindung kann ich zu allen aufbauen. Zusammengefasst kann ich mit Personen eine platonische Bindung aufbauen, aber keinen Sex haben oder ich habe sexuelles Empfinden und kann keine platonische Ebene erreichen. Aber auf die romantische Bindung kann ich mit allen eingehen.<br />
Mir persönlich ist es wichtig und macht es deutlich einfacher, eine Bindung zu einer Person in die genannten drei Ebenen aufzuteilen. Die platonische, romantische und sexuelle Bindung. Alle drei Ebenen sind voneinander unabhängig und die platonische Ebene betrifft Familie, Freund*innen, Bekannte und Verwandte. Die romantische Ebene habe ich zu sehr vertrauten Freund*innen, aus frühkindlicher Sozialisation heraus, zur Familie und zu den Geschlechtern, von denen ich angezogen bin und die ich kenne oder auch nicht. Das sexuelle Empfinden habe ich zu den Geschlechtern, die mich anziehen, die ich jedoch nicht kenne. Diese Einteilung gibt mir die Möglichkeit, über mein Verhalten und meiner Persönlichkeit nachdenken zu können und ist, finde ich, ein wichtiger Schritt für eine gute Selbstreflexion.<br />
Alle Formen der Bindung und des Empfindens sind legitim und richtig. Es ist wichtig, für sich zu überlegen, wo man steht oder stehen möchte, was man will und vor allem, um Einverständnis zu fragen und generell über Unsicherheiten zu sprechen und sich auszutauschen, was man will und worauf man steht. Sich auszuprobieren ist ebenso wertvoll, über eigene Grenzen zu springen und Neues entdecken oder empfinden. Offenheit ist der Schlüssel für Selbstfindung und wird durch so vieles erleichtert, wenn es auch nur die Begriffsfindung ist, die auf einen selbst zutrifft. Vor allem ist es wichtig zu wissen, dass alle sich die Zeit nehmen, die sie auch brauchen und Rückschläge als Erfolg nach vorne sehen.</p>
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		<title>Queer- und Deutschsein</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/05/queer-und-deutschsein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 May 2022 09:48:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Sabylonica ist queer, muslimisch sozialisiert, ihre*seine Familienmitglieder sind People of Color und nach Deutschland eingewandert. Sie*er hat Queerfeindlichkeit, Rassismus und antimuslimischen Rassismus erlebt. Über ihren*seinen Wunsch deutsch zu sein und dem eigenen Identitätenkonflikt erzählt Sabylonica in ihrem*seinem Text. Das Augenmerk meines heutigen Artikels liegt in meiner eignen Sozialisation. Um präziser zu sein als nicht-binärer, queerer]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body"><strong>Sabylonica ist queer, muslimisch sozialisiert, ihre*seine Familienmitglieder sind People of Color und nach Deutschland eingewandert. Sie*er hat Queerfeindlichkeit, Rassismus und antimuslimischen Rassismus erlebt. Über ihren*seinen Wunsch deutsch zu sein und dem eigenen Identitätenkonflikt erzählt Sabylonica in ihrem*seinem Text.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-14832"></span></p>
<p>Das Augenmerk meines heutigen Artikels liegt in meiner eignen Sozialisation. Um präziser zu sein als nicht-binärer, queerer Mensch in einer mulimischen Sozialisation.<br />
Mein Bewusstsein dafür, dass ich weiß, ich bin queer und ebenso muslimisch, war schon von klein auf da, auch, wenn das Bewusstsein für mein Queersein schon eher eine Rolle in meinem Leben gespielt hat als der Islam. Mein Bewusstsein über meine Geschlechtsidentität dagegen tauchte viel später auf und genauso wie das Denken nicht muslimisch, sondern muslimisch sozialisiert zu sein.</p>
<p>Zu sagen, ich sei muslimisch, würde eine direkte und vor allem aktive Verbundenheit zur Religion deuten, aber muslimisch sozialisiert zu sein, kann sowohl direkt als auch indirekt, genauso wie aktiv als auch passiv zur Religion verbunden zu sein bedeuten. Das heißt, dass ich mir meine Freiheit darüber nehme selbst zu entscheiden, was ich mit dieser Sozialisation mache oder eben nicht. Ich bin muslimisch sozialisiert, ob ich nun gläubig oder religiös oder weder noch bin, spielt dabei keine Rolle.</p>
<p>Was ich aus meiner muslimischen Sozialisation als Kind verstand, war die queerfeindliche Haltung, was mich als Kind abschreckte. Es hieß immer, andere sind es und können es sein, aber wir Muslim*innen könnten es nicht sein. Ja genau, es. Schon allein die Wortwahl machte mich zum Fremden. Und der komplette Satz verfremdete mich aus der Community. Obgleich ich schon immer wusste, dass ich queer bin, wusste ich sogleich auch immer, dass ich mich nicht outen darf. Weil ich sonst wortwörtlich verfremdet werde. So behalte ich mein Empfinden bis heute für mich. Kurz angemerkt, Queerfeindlichkeit habe ich leider in vielen religiösen und kulturellen Sozialisationen erleben müssen.</p>
<p>Jetzt kommt es zur nächsten Etappe. Meine Familie ist nicht nur muslimisch sozialisiert, sondern auch People of Color, also wir sind nicht Weiß, und zusätzlich sind sie aus einem anderen Land nach Deutschland eingewandert. Aufgrund dessen habe ich, extern zur Queerfeindlichkeit, Rassismus und antimuslimischen Rassismus erleben müssen. Mit der Grundschulzeit wurde mir immer mehr klar, dass ich nicht deutsch sein könne, ich es aber sein wollte. Der queere Aspekt verschwand in den Hintergrund, da ich ohnehin nichts an der Tatsache hätte ändern können, und widmete mich meinem Identitätskonflikt deutsch sein zu wollen. Als Kind tat ich alles dafür, als deutsch gelesen zu werden, begriff aber im Jugendalter, dass es in erster Linie nicht darum gehe, deutsch zu sein oder nicht, sondern Weiß zu sein oder nicht. Also begriff ich, ich bin nicht Weiß, sondern eine Person of Color. Aber das Problem, nicht deutsch sein zu können, besteht weiterhin. Nach vielerlei Bemühungen, als deutsche Person anerkannt zu werden, gab ich den Identitätskampf auf und akzeptierte für mich, dass ich als PoC nicht deutsch sein kann.</p>
<p>Nun, alles in allem: Innerhalb meiner queerfeindlichen Familie of Color, die muslimisch sozialisiert ist, verhalte ich mich dennoch sehr deutsch, weil es nicht nur ein Akt des Bruches für mich mit ihrer Tradition darstellt, sondern weil sie das auch annehmen. Meine Familie würde mich niemals als queere Person akzeptieren, tut es aber als deutsche Person. Und die Weiß-deutsche Mehrheitsgesellschaft würde mich als Deutschen nicht akzeptieren. Auch was meine queere Identität angeht, würden nicht alle aus der Weiß-deutschen Mehrheitsgesellschaft akzeptieren, aber die wenigen, die mich als queere Person akzeptieren würden, sind in der Mehrheit als meine Familie, was das Thema angeht.</p>
<p>Der jahrzehntelange Austausch über Interkulturalität, dass Menschen mit zwei kulturellen Sozialisationen einen Spagat zwischen beiden machen müssen, hat für mich eine tiefergehende Bedeutung. Abgesehen von den Kulturen kann es ein Spagat zwischen Mehrheitsgesellschaft und Community sein. Oder ein Spagat zwischen Queersein-Können und Nicht-Queersein-Können. Vielleicht aber auch zwischen Deutschsein-Können und Nicht-Deutsch-Sein-Können.</p>
<p>Dieser Artikel sollte einen Einblick hinter meiner Person geben und ein Beispiel an Intersektionalität, also eine Mehrfachdiskriminierung.</p>
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		<title>Die Norm(alität)</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/04/die-normalitaet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Apr 2021 07:00:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Toleranz]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Unser*e Autor*in Sabylonica hat sich wieder einmal tiefgründige Gedanken gemacht und einen Text über Norm und Moral verfasst. Was soll das überhaupt sein, &#8222;normal&#8220;, und wer legt fest, was in diese Schublade einsortiert wird und was nicht? Was ist, wenn man selbst nichts mit den gesellschaftlichen Erwartungen anfangen kann und zum Beispiel keine Kinder bekommen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unser*e Autor*in Sabylonica hat sich wieder einmal tiefgründige Gedanken gemacht und einen Text über Norm und Moral verfasst. Was soll das überhaupt sein, &#8222;normal&#8220;, und wer legt fest, was in diese Schublade einsortiert wird und was nicht? Was ist, wenn man selbst nichts mit den gesellschaftlichen Erwartungen anfangen kann und zum Beispiel keine Kinder bekommen möchte? Um diese philosophischen Fragen und einige mehr geht es im Text. Viel Spaß beim Lesen und Nachdenken! </strong>🤓</p>
<p><span id="more-12882"></span></p>
<p>Wenn ich über die Moral schreibe, meine ich nicht die Moral der Gesellschaft, die sich ohnehin zeitlich und örtlich begrenzen lässt und ihren Nutzen nicht dem Wohle der Allgemeinheit repräsentiert, sondern im Egoismus wiederfinden lässt, zudem ist die Moral oft der Politik gleichgestellt; meine Rede bei der Moral ist die Moralvorstellung subtiler, sogar gleichberechtigter Prinzipien. Gut, die Moral glänzt mit einer gewissen Normerwartung, aber diese Normerwartungen sind nicht dem Allgemeinwohle zu Diensten und verbirgt indessen eine leise Expansion von <b>Norm</b>alität. Wie ich das meine? Nun, die egoistischen Prinzipien färben sich auf kollektiver Weise auf andere ab und wird zu einem dominierenden Egoismus. Nur diejenigen, die nicht der Normerwartung entsprechen und dementsprechend als nicht normal deklariert werden, gehören nicht dem kollektiven Egoismus an und diese Normen wären nicht zu Gunsten der Allgemeinheit. Prinzipiell sind nahezu alle Normen egoistisch, der Unterschied liegt darin, ob sie einen schützt oder andere ausgrenzt. Über viele Normdefinitionen lässt sich gänzlich streiten, ob über Vorstellungen was die Liebe zwischen zwei Menschen angeht oder die Rede von einfachen Geschmäckern ist und ebenso gibt es eine riesige Bandbreite an Freiraum, was die Normerwartungen angeht.</p>
<p>Ein Beispiel, was die Definition besser aufklärt, wie eine Moral zeitlich und örtlich eingeschränkt ist: Wenn wir 300 Jahre zurückblicken, war beim Wert <i>Homosexualität</i> die Norm im Okzident, dass sie eine psychische Krankheit darstellen würde, im Orient vor 300 Jahren jedoch war Homosexualität völlig <b>norm</b>al und vergleichsweise heute stellt sie im heutigen Okzident keine Krankheit mehr dar, aber diesmal ist sie im Orient geprägt von angeblich psychischer Krankheit. Und auch innerhalb eines Ortes können unterschiedliche Normerwartungen auftauchen, aber meistens dominiert eine Normerwartung über alle individuellen Prinzipien und meistens grenzen solche dominierenden Normen andere aus.</p>
<p>Nach diesem Einblick der Moralvorstellung für den Egoismus, würde ich nun auf die Moralvorstellung der individuellen Prinzipien eingehen. Ich denke, dass hier auch die Vernunft als Synonym verwendet werden kann. Mir ist ebenso bewusst, dass niemals der Punkt des Utilitarismus, dem Glücke der Allgemeinheit, erreicht werden kann, weil diese Vorstellungen rein utopische sind und weil der (kollektive) Egoismus sich dagegenstellt.</p>
<p>Wir wissen, dass die Norm der Gesellschaft inferior ist und einseitige Strukturen aufweist. Wäre aber der Ansatz nicht umsetzbar mehrere Normerwartungen gleichzustellen? Ja, das ist möglich, nur spielt die Gesellschaft eine erheblich große Rolle und kann sich in der einseitigen Norm unberechtigterweise angegriffen fühlen und Widerstand leisten. Zum Beispiel kann der Wunsch Kinder zu bekommen nicht jedem gerecht sein. Nicht jeder wünscht sich ein Kind und nicht jeder möchte eines. Aber wenn wir nach dem kollektiven Egoismus der Norm gehen, erwartet die Gesellschaft, dass jeder, sofern gesundheitlich möglich, ein Kind auf die Welt setzt. Und bei diesem Wert sollte es doch um das Wohl des Kindes gehen und nicht um den Willen des Egoismus. Geschweige denn, dass auch hierbei eine Intersektionalität mitspielt, beispielsweise eine asexuelle Person oder eine Person mit Vaginismus. Aber diese Moralvorstellung, Kinder bekommen zu müssen, ist eine so fest etablierte Normalität und indessen scheint kein Freiraum in Sicht zu sein für den reinen Vernunft nachdenken zu können, ob es doch überhaupt vernünftig ist Kinder zu bekommen. Und ich meine, ob es aus der Sicht der Betroffenen vernünftig ist Kinder zu bekommen, aus der Sicht der dominierenden Normidentität wird es sicherlich vernünftig sein.</p>
<p>Schlussendlich richte diesen Appell an die Moralvorstellung jeder individuellen Prinzipien: Jeder Mensch hat seine eigenen, individuellen Prinzipien für sein eigenes Glück, die auch gut so sind und einen schützen können und da sollte niemand mit seiner egoistischen Norm eingreifen dürfen. Soll jeder nach seiner Normalität, ohne die der anderen zu verletzen oder einzuschränken, leben.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Mehr Texte von Sabylonica <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/sabylonica/" target="_blank" rel="noopener"><strong>findet ihr hier</strong></a>.</li>
</ul>
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		<title>Leute machen Kleider</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/02/leute-machen-kleider/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Feb 2021 07:00:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
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		<category><![CDATA[Identität]]></category>
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					<description><![CDATA[Kleider machen Leute, Leute machen Kleider. Habt ihr mal darüber nachgedacht, aus welchen Gründen ihr anzieht, was ihr anzieht? Unser*e Autor*in Sabylonica macht ja ihr*sein Geschlecht nicht öffentlich. Deswegen eignet sich der heutige Texte sehr gut für ein kleines Experiment: Was verändert sich, wenn ihr euch vorstellt, ein junger Mann habe ihn geschrieben? Oder eine]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kleider machen Leute, Leute machen Kleider. Habt ihr mal darüber nachgedacht, aus welchen Gründen ihr anzieht, was ihr anzieht? Unser*e Autor*in Sabylonica macht ja ihr*sein Geschlecht nicht öffentlich. Deswegen eignet sich der heutige Texte sehr gut für ein kleines Experiment: Was verändert sich, wenn ihr euch vorstellt, ein junger Mann habe ihn geschrieben? Oder eine junge Frau? Eine nicht-binäre oder queere Person? Lasst uns gerne einen Kommentar da!</strong></p>
<p><span id="more-12748"></span></p>
<p>So leicht sich diese drei Wörter „Kleider machen Leute“ in den Verstand glühend markieren lassen, so einfacher sollte uns der Gedanke kommen, wie viele Wahrheiten sich hinter den Wörtern verbergen, wenn wir Kleider und Leute vertauschen und „Leute machen Kleider“ dastehen haben. Ganz anders als die Beschreibung Gottfried Kellers in „Kleider machen Leute“, dass Menschen sich durch Äußerlichkeiten wie Kleidung blenden lassen, möchte ich darauf hindeuten, dass vielmehr wir die Kleidungen machen. Dabei möchte ich das Thema nicht in Richtung Produktion, Modeveränderung, Modewellen und dergleichen lenken, sondern vielmehr aufgreifen, wie Leute Kleidungen kategorisieren. Und dabei spezifiziere ich mich in die Thematik von Schutz und Persönlichkeit durch Kleidung.</p>
<p>Ich verbringe viele Tage mit der Frage, was ziehe ich an? Und nicht im Sinne einer habgierigen Person, die der minimalistischen Philosophie den Rücken zugedreht hat und sich im Wahn nicht entscheiden kann, sondern vielmehr aus der Angst heraus. Wie das gemeint ist? Nun, ich habe viele Kleidungsstücke, die mir lieb sind, warum ich die aber nicht anziehe ist, dass sie auffällig, extravagant, kurz, lang, schlicht oder sonst irgendwie seien oder dass ich kurz, lang, dünn, dick oder sonst irgendwie sei. Eigentlich empfinde ich nichts dergleichen, aber die Leute um mich herum. So heißt es für meinen Schutzmechanismus im Umkehrschluss gleich zu empfinden, wie die Leute, weil ich mit vielen Reaktionen zu rechnen habe. Somit gehören zur Auswahl meiner Kleidungen Gedanken, wie welche Fortbewegungsmitteln ich benutzen, wie lange ich draußen sein, mit wem ich sein oder auf wem ich zutreffen, ob ich sitzen oder welchen Weg ich nehmen werde. Denn jeder Moment kann unangenehm werden, von den Blicken bis hin zu den Sprüchen, geschweige denn körperlichen Überschreitungen.</p>
<p>Dabei bevormunden Leute meine Intention der Kleidungen und entziehen mich widerwillig meiner Macht selbstbestimmt mich kleiden zu können.</p>
<p>Damit mich die Angst nicht verfolgt, trage ich Kleidungen, die nicht auffallen oder über die man nicht viel zu sagen haben könnte; wie als würde ich einen Umhang tragen, der mich schützen solle. Aber stattdessen fühle ich mich vielmehr gefangen und ich verspüre nicht den schützenden Umhang um mich, sondern fühle, als würde ich eine Gefängniskleidung auf meinem Körper tragen. Und ich bekomme durch mein Inneres das Gefühl, als wäre mir alles eng und mir drückt die Kleidung am Leibe. Und ich trage die Last mit mir.</p>
<p>Wenn ich aber wiederum Kleidungen trage, die ich möchte und Mut aufweise und den mittleren Finger an die Leute und die Pseudomoralvorstellung richte, die mich einschränken, würde ich zwar nicht das Gefühl haben Gefängniskleidungen zu tragen, aber mir würde das Gefühl im Gefängnis zu sein nicht erspart bleiben und mir wird ebenfalls alles eng und auch hierbei wird mir die Kleidung am Leibe gedrückt. Und auch hierbei trage ich eine Last mit mir. Und zwar die Gesellschaft.</p>
<p>Wie Keller gegen Ende seiner Novelle schrieb: „Aber eben durch alles das verändert sich das Wesen […]; sie sehen, wie gesagt, schon aus wie andere Leute; es ereignet sich nichts mehr unter ihnen“ und sind entraubt ihrer Identität und Persönlichkeit.</p>
<p>Das was wir als individuell zu betrachten denken, scheint sich mit kollektiv sehr nah zu stehen. Nicht weil keine Person bewusst individuell sei, sondern vielmehr, weil keine Person individuell sein kann. Und der Schutz bleibt eine Nadel in einer Wüste. Es ist der Schutz der eigenen Identität, Persönlichkeit, Selbstbestimmung und Würde, der nicht einmal als Fata Morgana in einer Wüste sichtbar ist. Doch das was als Fata Morgana kenntlich ist, ist die Sicht und irreale Wahrnehmung der Gesellschaft auf Kleidungen. Sie assoziiert Kleidungsstücke subjektiv nach ihrer Realität. Die Realität aber ist, dass die Gesellschaft zu Assoziierung beitragen und selbst das Produkt kollektiver Fremdbestimmung sind. Und das Urteilen und Fremdbestimmen sind die Verschuldung und Einschränkung ihrer irrealen Wahrnehmung. Genauso wie ihre irreale Wahrnehmung die Verschuldung und Einschränkung ihres Urteils und Fremdbestimmens sind.</p>
<p>Dabei ist dieser Aspekt von Selbstbestimmung durch Kleidung nur ein kleiner Teil vom Ganzen. Mir und vielen anderen ist der Schutz ein ewiger Mythos und ist verbunden mit einer Unmöglichkeit ihn zu erreichen. Was mir aber bleibt, ist das bedingungslose Bestreben selbstbestimmten Kleidens.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Weitere Texte von Sabylonica <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/sabylonica/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>findet ihr hier</strong></a>.</li>
</ul>
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		<item>
		<title>Die Philosophie meines Idylls</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/10/die-philosophie-meines-idylls/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Oct 2020 07:00:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir freuen uns, eine*n neue*n Autor*in auf meinTestgelände willkommen zu heißen! Begrüßt mit uns sabylonica! sabylonica sagt: &#8222;Ich bin lediglich auf der Suche nach meinem reinen Sein und möchte den öffentlichen Raum als Plattform für die Tiefen meiner unentdeckten (Sehn-)Süchte nutzen und sie mit euch teilen.&#8220; Wir freuen uns darauf! Hier kommt auch schon der]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir freuen uns, eine*n neue*n Autor*in auf meinTestgelände willkommen zu heißen! Begrüßt mit uns sabylonica! sabylonica sagt: &#8222;Ich bin lediglich auf der Suche nach meinem reinen Sein und möchte den öffentlichen Raum als Plattform für die Tiefen meiner unentdeckten (Sehn-)Süchte nutzen und sie mit euch teilen.&#8220; Wir freuen uns darauf! Hier kommt auch schon der erste Text.</strong></p>
<p><span id="more-12490"></span></p>
<p>Ein Ornament angefertigt aus gesellschaftlichen Ängsten obsessiver Verdrängung durch Dysphemismus.</p>
<p>Meinem Sein werden mit Anbeginn des Bewusstseins über mich die ersten Steine in den Weg gelegt. Auf meinem Pfad liegen dutzende große, wie auch kleinere, die nicht dem Ausmaß der größeren gleicht, aber genauso an Bedeutung hat, Steine. Noch bevor ich das Licht erblickte wurden viel zu viele Steine gelegt. Und eben durch diese Steine wurde mir das Licht des Lebens entraubt und ich erblicke geradewegs die Steine, die mich aufhalten den Weg gar zu betreten, und kann lediglich die Schatten meiner Steine sehen. Die Schatten, die ich sehe, sind die Reflexion und meine Gedanken, wie auch meine Gefühle zugleich. Ich sehe sie und weiß sie als Ressource nutzen zu können, ich reflektiere und weiß oftmals sogar wie der einzelne Stein liegt, sodass ich ihn aus meinem Weg entfernen könnte, aber ich entferne ihn nicht. Warum? Kann ich nicht genau sagen, vielleicht aus Angst, Mutlosigkeit, Kraftlosigkeit oder wegen etwas anderem, aber ich kann ihn nicht entfernen. All die Steine liegen so dornenreich und sind unter großem Druck auf meinem Pfad und meinem Licht des Lebens. Mir scheint die Vorstellung den Weg sehen zu können reine Illusion zu sein, weil die Vorstellung an die Grenze der gesetzten Logik endet. Nur ein winziger Teil mündet ab und ich erlebe die Hoffnung, das Fernweh und die Sehnsucht. Ich weiß gar nicht, wie ich die Tatsache physikalisch erklären kann, aber metaphysisch ist die winzige Mündung weit über die Logik hinaussehen zu können größer und kräftiger als die in der Grenze geschlossene, große und kräftige Logik.</p>
<p>Die Grenze der gesetzten Logik sind die Steine und die Mündung sind die Schatten. Die Steine sind die Erwartungen der Gesellschaft an mir, wie ich aussehen, glauben, lieben und sein soll, wie sie sie für richtig halten. Die Steine prägten und prägen mich so stark, dass der Glaube fest ist, die Steine sind Teil meines Lebens und sie werden bis zu meinem letzten Atemzug bleiben, wer weiß, vielleicht auch danach. Eines dieser Steine ist das Geschlecht, welches mir vorgeschrieben, -gelebt und -gezeigt wird. Schon bevor ich das Lebens Licht erblicken konnte, hat die Gesellschaft klare Vorstellungen, wie ich mich zu identifizieren habe. Was dabei absurd ist, sie wissen noch nicht einmal selbst, ob ich im Mutterleib weiblich oder männlich bin, aber sie haben eine reine Vorstellung davon, dass ich mich darüber definieren müsse, was nun zu meinem Körper zuzuordnen ist. Dabei definiert die Gesellschaft das Geschlecht nach männlichen oder weiblichen Merkmalen, was ich als Einzelperson nun denke oder empfinde wird als überschätzt und gar als Phase angesehen. Mir brennt die Seele aus der Brust mir vorscheiben zu lassen, wer ich bin und ob ich nun Frau* oder Mann* bin. Als infantiles Wesen, hilflos wie sie uns bekannt sind, wurde mir ein Geschlecht aufgezwungen, worüber ich noch nicht einmal im Klaren war, welche Rolle diese in der Gesellschaft spielt, aber mir wurde schnell klar, ich müsste das patriarchale Spiel struktureller Hierarchien mitspielen. Was dabei komplett paradox war? Egal ob das Individuum als gelesene Frau* oder als gelesenen Mann* spielte, sie* oder er* war immer die Verliererin* oder der Verlierer*. Bei diesem Spiel sind Gewinner*innen kaum da. Wobei eine Menge an Männern* des Öfteren als Gewinner* spielten und Privilegien ausnutzten. Aber sind wir mal ehrlich, auch sie, vor allem sie, sind Opfer und Verlierer* des Spieles. Warum? Weil ihnen das eigentliche Leben vorenthalten wurde und sie die freie Entscheidung der Selbstfindung nicht hatten. Aber nichts desto trotz sind sie mit bewusster Entscheidung privilegierte Verfechter* gewesen, die zu dem Sexismus beitrugen.</p>
<p>Nun, die Schatten sind meine Gedanken und Gefühle, die mir einleuchten, dass die Erwartungen der Gesellschaft nicht richtig sind. Ich bin ein kleiner, hinsichtlich der Galaxie betrachtet, unbedeutender Mensch, aber ein Mensch mit Würde und Selbstbestimmung. Die ethische Fragestellung, was nun ist falsch oder richtig ist eine komplexe Denkweise mit metaphysischer Tiefsinnigkeit. Aber ich habe so viel Größe und Bedeutsamkeit, dass ich selbst darüber richte, ob ich nun richtig oder falsch handle oder ob ich nun richtig oder falsch bin. Und über diese Richtigkeit will ich niemandem die Macht geben darüber urteilen zu können, ob ich richtig oder falsch bin. Denn nur ich entscheide selbst über mich, was richtig oder falsch ist.</p>
<p>Die Gesellschaft hat vergeblich reine Vorstellung von richtig und falsch und umkreist den Weg ihrer Odyssee. Was mir zu tun bleibt? Ich will Mündungen und den Kreis auflösen.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Spannende Texte zum Thema <a href="https://www.meintestgelaende.de/schlagwort/identitaet/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Identität findet ihr hier</strong></a>.</li>
</ul>
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