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	<title>Me Myself &amp; I &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>Me Myself &amp; I &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<item>
		<title>(Ver-)Blühen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/07/ver-bluehen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eileen Ahland]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Jul 2026 11:18:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Coming of Age]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstwert]]></category>
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					<description><![CDATA[Eileen lädt ein, das Leben aus einer neuen Perspektive zu betrachten. In einem eindringlichen Gedicht beschreibt sie den inneren Kampf zwischen Selbstwert und gesellschaftlichem Druck. Wie fühlt es sich an, in einer Welt zu leben, die Leistung über alles stellt? Erblicke das Leben aus der Vogelperspektive Von oben herab, losgelöst vom Rest der Welt Träume]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Eileen lädt ein, das Leben aus einer neuen Perspektive zu betrachten. In einem eindringlichen Gedicht beschreibt sie den inneren Kampf zwischen Selbstwert und gesellschaftlichem Druck. Wie fühlt es sich an, in einer Welt zu leben, die Leistung über alles stellt?</strong><span id="more-17562"></span></p>
<p>Erblicke das Leben aus der Vogelperspektive<br />
Von oben herab, losgelöst vom Rest der Welt<br />
Träume von Schwerelosigkeit, Frieden und Liebe<br />
Aus dem Positiven wurde alles Negative<br />
Als ich begann, mich selbst zu verlieren</p>
<p>In einer aus Fremdscham bestehenden Gesellschaft<br />
In der du wertlos bist, wenn du nichts leistest<br />
In der du wertlos bist, wenn du nicht funktionierst<br />
Jahrelang die eigenen Bedürfnisse zurückgesteckt<br />
Doch schon längst daran krepiert und verreckt<br />
An dem Schauspiel der Marionetten</p>
<p>Den Platz in der Welt noch nicht gefunden<br />
Ziellos umherirren, Sekunden werden zu Stunden<br />
Kein Frieden, keine Ruhe, keine Sicherheit<br />
Im Kopf ein Dämon, der sich erfreut an jeder Kleinigkeit<br />
Die seinen Trübsinn füttert und stärkt<br />
Bis er immer größer wird und keiner es bemerkt<br />
Was für eine Schlacht das gerade ist<br />
Eure Idealvorstellung sich tief in mein Fleisch frisst</p>
<p>Um mich herum passiert so viel<br />
In mir passiert so wenig<br />
Euer Ziel ist nicht automatisch mein Ziel<br />
Eingesperrt in einem Käfig<br />
Mitten im Heilungsprozess<br />
Trübes Gemüt, Kontrollverlust<br />
Gedanken zerdenken bis zum Exzess<br />
Ich lebe für mich, nicht für euren Frust</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lass mal wieder Kind sein!</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/06/lass-mal-wieder-kind-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marv]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 12 Jun 2026 10:19:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Coming of Age]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein poetischer Text über die Sehnsucht, sich Leichtigkeit, Fantasie um den Blick des inneren Kindes zu bewahren. Zwischen Alltagsdruck und Erwachsenenerwartungen erinnert Marvmallow daran, dass Lebensfreude oft dort beginnt, wo man wieder spielerisch auf die Welt schaut. Du stehst vorm Spiegel im Bad. 1001 Cremes füllen den Schrank. Du schaust dich an: Die Haut war]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein poetischer Text über die Sehnsucht, sich Leichtigkeit, Fantasie um den Blick des inneren Kindes zu bewahren. Zwischen Alltagsdruck und Erwachsenenerwartungen erinnert Marvmallow daran, dass Lebensfreude oft dort beginnt, wo man wieder spielerisch auf die Welt schaut.</strong><span id="more-17519"></span></p>
<p>Du stehst vorm Spiegel im Bad.</p>
<p>1001 Cremes füllen den Schrank. Du schaust dich an:</p>
<p>Die Haut war schon mal straffer, frischer und wacher; da sind erste Falten, vom Feiern, vom Lachen, vom Ärgern über Steuererklärung und Politik und von der ewigen Frage, was es morgen zu essen gibt. Was … ist nur mit dir passiert?!</p>
<p>Dein Blick ist müde und leer. Erwachsen sein wirkt einfach nur schwer und verkehrt. Wo ist denn die leichte Zeit geblieben? Wann hast du unterschrieben, so zu leben?</p>
<p>Hättest du das alles vorher gewusst, dann hättest du den AGBs nie zugestimmt, anstatt Kind endlich erwachsen sein zu dürfen. Denn nun erwartet die Gesellschaft von dir, dass du dich entsprechend verhältst. Dass du Verantwortung übernimmst, Geld verdienst. Dass du genau weißt, was du willst, und am besten bald eigene Kinder kriegst.</p>
<p>Doch das alles sind starre Schablonen, die sich nicht lohnen, auszumalen.</p>
<p>So bist du vielleicht gar nicht; so wolltest du nie sein!</p>
<p>Nein, du wolltest noch etwas länger Kind sein; frei sein. Völlig losgelöst davon, was andere sagen und erwarten. Und du begreifst langsam: Das ist schwer mit 18, 35 oder 70. Verdammt schwer, …</p>
<p>aber nicht unmöglich. Mir geht es genauso! Du bist nicht allein mit diesem Gefühl.</p>
<p>Darum komm! Nimm meine Hand! Und zusamm’n schlüpfen wir dann durchs Rabbit-Hole und besuchen Alice in ihrem Wunderland. Dort gibt es erst einmal eine Tasse Tee, oder auch fünf Tassen – hier kannst du nichts verpassen und die Fünfe gerade sein lassen.</p>
<p>Lass mal alles liegen und steh’n (auch die Antifaltencreme!) und lass lieber mal wieder schaukeln geh’n. So doll, dass die Angeln quietschen; so doll, dass wir quietschen – vor Freude, als wär‘s das allergrößte Heute. Denn das ist es!</p>
<p>Lass nochmal Schwung holen. So doll, dass wir abheben, die ganze Welt aus den quietschenden Angeln heben und über allen Erwachsenen-Sorgen schweben. Mehr braucht es nicht, glücklich zu sein, in diesem leichten Moment.</p>
<p>Wieder am Boden angekommen: Lass uns rutschen! Und wippen! Einen Eimer Wasser in die Sandkiste kippen und alles durchkneten: schwarze Fingernägel – diese Haptik! Wie ‘n Drogen-Trip, nur krasser und gesünder.</p>
<p>Wir kneten eine riesige Burg aus Sand. Schmücken sie mit bunten Streuseln und Steinen vom Wegesrand. Steine, in allen Formen und Farben; solch wunderschöne Pracht, wie Juwelen aus „1001 Nacht“. Doch: Alle Steine sind gleich viel wert. Denn Kinder urteilen nicht.</p>
<p>Und als die Burg fertig ist, lassen wir sie hinter uns und ziehen weiter. Wir rennen einfach los, ohne Ziel. Wir stolpern bloß über Stock und Stein, und über Hänschen-Klein. … Hoppla! Wir plumpsen hin: „Hoppe hoppe Reiter*in“ – selbst Kinder kriegen das Gendern hin.</p>
<p>Lass mal wieder aufstehen. Dann wirst du sehen: Dieses „Hinfallen“ ist wild! Halb so wild.</p>
<p>Wir blättern durch Stickeralben, ohne Neid, ohne Geiz. Nein, such dir welche aus! Ich schenk sie dir. Und ja, du darfst auch die nehmen mit Glitzer und Filz. (Das waren doch die besten!)</p>
<p>Und so strahlst du wieder, voller „Daylight in your eyes“ – und in der Hand ein Eis: Du ein Bum-Bum und ich ein Mini-Milk-Vanille. Arm in Arm am Strand genießen wir … die Stille.</p>
<p>Aber nicht allzu lange: Mit Captain Balu und seiner tollkühnen Crew geht’s im Nu nach Neverland. Hier essen wir mit Peter Pan die nach ihm benannten Burger. Dazu gibt’s Bandsalat und Freibadpommes. Danach sind wir zwar unser ganzes Taschengeld los, doch wir sind trotzdem reich: reich an Fantasie und Leichtigkeit. Da ist kein Zeitdruck. Nur wir und die Sonne und weiße Watte-Wonne. Mehr brauchen wir nicht.</p>
<p>Wir liegen auf dieser Wiese und „Ich sehe was, was du nicht siehst!“ und das ist diese Wolke da: Die sieht aus wie ein Gameboy.</p>
<p>Und die da, wie unser Schicksal.</p>
<p>Und die da drüben! Die sieht aus wie Barbara Schöneberger inklusive der großen … Augen.</p>
<p>Kann meinen kaum trauen, was da alles für Wunder am Himmel zu sehen sind!</p>
<p>Lass dich versinken im Zuckerwatte-Wolkenmeer.</p>
<p>Lass das innere Kind frei aus den Fängen von dieser Frau Stahl.</p>
<p>Lass uns nochmal sitzen bleiben, auf den Dächern dieser Wunderwelt, bis in die Puppen durchquatschen, und damit aufhören, andere zu judgen – alle Menschen sind gleich viel wert. (Außer vielleicht Trump und Nazis.)</p>
<p>Lass mal nicht, typisch erwachsen, immer über ALLES meckern, sondern lieber mit dem Tuschkasten kleckern. Wir malen nichts mehr schwarz, sondern alles kunterbunt. … Und da: eine Sternschnuppe! Was hast du dir gewünscht?</p>
<p>Und du singst: „Ich will ein Haus, ein kunterbuntes Haus. Ein Äffchen und ein Pferd … ?</p>
<p>Nein, will ich gar nicht. Macht viel zu viel Arbeit! Ich… will kein Haus, will nur zufrieden sein, ein Käffchen &#8211; nicht verkehrt, – und wir schauen zum Fenster raus und lachen unbeschwert! So doll, dass wir Schluckauf kriegen.”</p>
<p>Und ich nicke dir zu; du hast es endlich begriffen, ja: Lass mal wieder Kind sein!</p>
<p>Den Kopf aus- und das Herz aufmachen. Wir dürfen im Hühnerstall Motorrad fahr‘n (sofern du ‘ne gute Haftpflicht hast). Wir dürfen schaukeln, rutschen, wippen. Wasser durch die Sandburg kippen – egal, was andere denken. Wir sind niemals zu alt für irgendetwas. Alle Träume sind gleich viel wert. (Außer vielleicht die von Trump und Nazis.)</p>
<p>Bitte hab keine Angst: Jedes Hinfallen ist ‘ne Chance. Alles ist immer noch möglich – mit Leichtigkeit und Fantasie. Sie ist keine Flucht, nein: Fantasie ist nur eine andere Art und Weise, die Realität zu begreifen.</p>
<p><strong>Und die Moral von dem Gedicht:</strong></p>
<p>Unser inneres Kind lebt auch noch mit 18, 35 oder 70.</p>
<p>Wir müssen es nur frei lassen. Uns ‘nen Ruck verpassen und einfach machen, worauf wir Lust haben – egal was andere sagen. Darum, lass mal im Herzen für immer Kind bleiben – weil: Kinder wissen einfach am besten, wie so-richtig-leben geht. Denn irgendwann ist es dafür sonst zu spät.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Groß geworden</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/06/gross-geworden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sophie]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Jun 2026 09:15:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Coming of Age]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstakzeptanz]]></category>
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					<description><![CDATA[Perfekt sein zu wollen ist anstrengend. Sophie erzählt, wie sie aufgehört hat, einem Ideal hinterherzurennen und angefangen hat, sich selbst zu vertrauen. Als Kind und Jugendliche sind mir die Dinge immer riesig vorgekommen. Die Hausaufgaben für den nächsten Tag, Streit mit einer Schulfreundin, die ein bisschen unangenehme Situation im Sportverein. Irgendwie war um mich herum]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Perfekt sein zu wollen ist anstrengend. Sophie erzählt, wie sie aufgehört hat, einem Ideal hinterherzurennen und angefangen hat, sich selbst zu vertrauen.</strong><span id="more-17504"></span></p>
<p>Als Kind und Jugendliche sind mir die Dinge immer riesig vorgekommen. Die Hausaufgaben für den nächsten Tag, Streit mit einer Schulfreundin, die ein bisschen unangenehme Situation im Sportverein.</p>
<p>Irgendwie war um mich herum alles ganz überwältigend und aufregend, manchmal beängstigend – ich dagegen war ganz klein.</p>
<p>Ich habe immer versucht, perfekt zu sein. Die perfekte Freundin, die perfekte Schwester, die perfekte Tochter. Manchmal wusste ich nicht so ganz, wer ich sein wollte, nur wer ich glaubte sein zu müssen.</p>
<p>Ich habe mich immer in die Zukunft geträumt. Hin zu dem, wie es einmal sein könnte. Die Orte, die ich sehen könnte, die Menschen, die ich treffen könnte. Das, was aus all meinen Wünschen und Hoffnungen entstehen könnte, hat mich angetrieben, weiterzumachen.</p>
<p>Ein bisschen habe ich dabei vielleicht auch vergessen zu leben – eine Sache, die mir neben Studium und Job definitiv noch schwerfällt. Aber ich bin großgeworden. Ich habe angefangen, eine Balance zwischen mir und der Welt mit ihren Erwartungen zu finden.</p>
<p>Manchmal ist es einfacher, manchmal ist es schwerer, und ich habe das Gefühl, dass so viele um mich herum schon viel weiter sind und gemeistert haben, was ich noch versuche für mich auszuloten.</p>
<p>Ich weiß aber mittlerweile, was ich wert bin – auch losgelöst von Anforderungen der Gesellschaft. Ich weiß nicht, wo mich das Leben hinführen wird, aber ich habe das Vertrauen, dass ich schon einen passenden Weg finden kann.</p>
<p>Meine Gefühle sind immer noch groß, vielleicht sogar manchmal größer als früher. Aber meine Träume und mein Selbstvertrauen sind es auch.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Kind in mir muss keine Heimat finden, es sollte einfach mehr One Direction hören</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/06/das-kind-in-mir-muss-keine-heimat-finden-es-sollte-einfach-mehr-one-direction-hoeren/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lina]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Jun 2026 09:00:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Coming of Age]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[Warum das Kind in uns manchmal keine Heilung braucht, sondern einfach die Freiheit, sich für das zu begeistern, was ihm guttut beschreibt Lina in ihrem neuen Text. Eine Reflexion über Neurodivergenz, Misogynie, Nostalgie und die Kunst, milder auf das eigene frühere Ich zu blicken. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich als Kind]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Warum das Kind in uns manchmal keine Heilung braucht, sondern einfach die Freiheit, sich für das zu begeistern, was ihm guttut beschreibt Lina in ihrem neuen Text. Eine Reflexion über Neurodivergenz, Misogynie, Nostalgie und die Kunst, milder auf das eigene frühere Ich zu blicken.</strong><span id="more-17500"></span></p>
<p>Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich als Kind alles sein wollte, außer ein Kind. Ich wollte erwachsen sein, mit dazu gehören und endlich für mich selbst verantwortlich sein. Jetzt bin ich 26 und habe nicht das Gefühl, wirklich ‚erwachsen‘ zu sein. Ich vergesse Arzttermine, ernähre mich nicht annähernd ausgewogen und habe Existenzängste.</p>
<p>Das Erwachsenwerden wird oft als eine Bewegung beschrieben: ein Fortschreiten, ein Hinter-sich-Lassen, ein linearer Prozess hin zu Stabilität. Für viele ist es das nicht und ich frage mich, ob es das für irgendwen ist. Für manche ist es eher eine Überlagerung von Versionen des Selbst, die nie ganz verschwinden, sondern sich in bestimmten Momenten wieder nach vorne schieben.</p>
<p>Als Jugendliche bestand meine Existenz gefühlt vor allem aus Scham. Scham ist kein beiläufiges Gefühl im Prozess des Erwachsenwerdens. Sie ist strukturierend. Sie entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern in einem Geflecht aus Erwartungen: daran, wie ein Körper zu sein hat, wie ein Mädchen* sich zu verhalten hat, wie Aufmerksamkeit funktioniert, wie „angemessen“ Konzentration, Lautstärke, Begeisterung oder Chaos sein dürfen. Für weiblich sozialisierte Personen mit ADHS verschränkt sich diese Erwartungsstruktur auf spezifische Weise mit neurologischer Differenz.</p>
<p>Studien zeigen, dass ADHS bei Mädchen und Frauen lange unterdiagnostiziert wurde, weil sich Symptome häufig internalisieren: weniger störend, weniger sichtbar, dafür stärker mit Selbstzweifeln, Perfektionismus und sozialer Anpassung verbunden. Das Ergebnis ist nicht weniger Leid, sondern oft mehr, weil die Abweichung nicht als solche erkannt wird, sondern als persönliches Versagen interpretiert wird.</p>
<p>Das bedeutet konkret: Man wächst auf mit dem Gefühl, falsch zu sein, ohne eine Sprache dafür zu haben. Ich erinnere mich an 2016. An Fanfiction, an Tumblr, an endlose Stunden mit Musik und Videos über Harry Styles, die gleichzeitig Zuflucht und Projektionsfläche waren. An das erste Konzert, auf dem alles zu viel und genau richtig war. An das Gefühl, zu laut zu sein, zu aufgeregt, zu emotional und gleichzeitig daran, wie notwendig genau das war. Ich erinnere mich daran, wie glücklich ich war im Internet und wie beschämt ich war, wenn ich mich nicht getraut habe, meine Konzertshirts in der Schule zu tragen.</p>
<p>Zehn Jahre später stehe ich wieder auf einem Konzert einer Boyband. Wieder mit meiner besten Freundin. Die gleiche Band, ein anderer Kontext, ein anderer Körper, ein anderes Selbstverständnis. Und plötzlich ist sie da: diese irritierende Gleichzeitigkeit von Nähe und Distanz zu meinem früheren Ich. Es ist verführerisch, rückblickend zu urteilen. Zu sagen: Du hast dir zu viele Gedanken gemacht. Du warst zu unsicher. Zu abhängig davon, was andere denken. Aber diese Perspektive ist vermessen. Sie unterschätzt die strukturellen Bedingungen, unter denen dieses Denken überhaupt erst entstanden ist. Was wie individuelle Unsicherheit erscheint, ist oft das Ergebnis kollektiver Zuschreibungen. Misogynie funktioniert nicht nur über offene Abwertung, sondern über subtile Disziplinierung: über die ständige Rückmeldung, beobachtet zu werden. Bewertet zu werden. Zu viel zu sein oder nicht genug. Für neurodivergente Personen verstärkt sich dieser Effekt, weil sie ohnehin häufiger als „abweichend“ markiert werden. Scham ist in diesem Kontext keine Schwäche, sondern eine erlernte Überlebensstrategie. Und vielleicht ist das der Punkt, an dem sich mein Blick verschiebt.</p>
<p>Nicht im Sinne einer vollständigen Versöhnung – das wäre zu einfach. Sondern eher als vorsichtige Neubewertung: Das Kind, das ich war, musste keine „Heimat in sich selbst finden“. Es musste auch nicht weniger fühlen, weniger denken, weniger sein. Vielleicht hätte es einfach mehr Räume gebraucht, in denen es existieren durfte, ohne sich permanent zu reflektieren. Vielleicht hätte es einfach mehr Musik hören sollen. Oder genauer: Es hätte sich nicht dafür schämen sollen, wie sehr es diese Musik gebraucht hat.</p>
<p>Das Erwachsenwerden besteht dann nicht darin, dieses frühere Selbst zu überwinden. Sondern darin, die Perspektive zu korrigieren, aus der man auf es schaut. Zu erkennen, dass viele der Zweifel nicht aus einem „zu viel Nachdenken“ entstanden sind, sondern aus einem System, das genau dieses Nachdenken produziert. Und dass Nostalgie nicht nur Verklärung ist, sondern auch eine Form von Erkenntnis: darüber, was gefehlt hat.</p>
<p>Jetzt höre ich die Musik, lese die Texte und schaue die Inhalte von vor 10 Jahren. Irgendwie hat sich nichts geändert und eben doch alles.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Liebe Zwanziger</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/05/liebe-zwanziger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nathan]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 May 2026 09:00:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Coming of Age]]></category>
		<category><![CDATA[Erwachsenwerden]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[In einem Gedicht an die Zwanziger reflektiert Nathan eine Lebensphase voller neuer Herausforderungen. Eine Zeit geprägt von wichtigen Entscheidungen und solche die wie welche wirken. Gerade einmal ausgezogen, schon steht der nächste Umzugskarton bereit. Der erste, zweite, dritte – oder ist es schon der fünfte Teilzeitjob? Soll ich studieren, eine Ausbildung machen oder doch selbstständig]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In einem Gedicht an die Zwanziger reflektiert Nathan eine Lebensphase voller neuer Herausforderungen. Eine Zeit geprägt von wichtigen Entscheidungen und solche die wie welche wirken.</strong><span id="more-17495"></span></p>
<p>Gerade einmal ausgezogen,<br />
schon steht der nächste Umzugskarton bereit.<br />
Der erste, zweite, dritte – oder ist es schon der fünfte Teilzeitjob?</p>
<p>Soll ich studieren, eine Ausbildung machen oder doch selbstständig werden?<br />
„Finde deinen Lebenssinn“,<br />
steht jahrelang über meinem Bett<br />
im Kinderzimmer.</p>
<p>Ich aber suche nur nach der Leichtigkeit;<br />
Hatte ich sie gerade doch noch dabei?<br />
Manchmal sehe ich sie noch, einen kleinen Augenblick lang,<br />
doch scheint sie unerreichbar<br />
fürs Erwachsenwerden zu sein.</p>
<p>Ja, die Zwanziger, sagen sie,<br />
sind der Höhepunkt, die Krönung im Leben.<br />
Für mich ist es eher eine Tofujagd:<br />
Finde Hinweise über dich heraus,<br />
um am Ende doch nur wieder am Anfang zu stehen.</p>
<p>Liebe Zwanziger, nehmt das Leben noch nicht so ernst.<br />
Gebt mir Zeit;<br />
Ich ertrage den Schmerz,<br />
der Erwachsenen noch nicht so sehr.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wir marodier&#8217;n durch die Ruin&#8217;n vom Stasiknast</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/05/wir-marodiern-durch-die-ruinn-vom-stasiknast/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Beau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 21 May 2026 09:00:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Coming of Age]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Jugend]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=17486</guid>

					<description><![CDATA[Beau nimmt uns mit auf eine Bewusstseinsreise zwischen dem Aufwachsen im Osten und den urbanen Überschneidungspunkten zu Westdeutschland. Der immerwährende Diskurs, ob es Ost/West überhaupt noch gibt, schließt sich in diesem Text an Popkulturelle- und Literaturzitate, die mit einer queeren Biografie verknüpft werden. Über das Aufwachsen in Ostdeutschland, Musik, Architektur und Ratlosigkeit Eine Weile hatte]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Beau nimmt uns mit auf eine Bewusstseinsreise zwischen dem Aufwachsen im Osten und den urbanen Überschneidungspunkten zu Westdeutschland. Der immerwährende Diskurs, ob es Ost/West überhaupt noch gibt, schließt sich in diesem Text an Popkulturelle- und Literaturzitate, die mit einer queeren Biografie verknüpft werden.</strong><span id="more-17486"></span></p>
<h2>Über das Aufwachsen in Ostdeutschland, Musik, Architektur und Ratlosigkeit</h2>
<p>Eine Weile hatte ich das Ritual, immer einen bestimmten Song zu hören, wenn ich die Ländergrenze von Niedersachsen nach Thüringen im Regio passierte. Es war Uwe &amp; Heiko des inzwischen aufgelösten Rap-Duos Zugezogen Maskulin mit den Zeilen „Wir marodier&#8217;n durch die Ruin&#8217;n vom Stasiknast, Thälmann-Statue schaut herab wie König Ozymandias“. Die Kombination dieser beiden Bilder – der Stasiknast, der inzwischen meine Musikschule darstellte, und die Thälmann-Statue, die ich von einer Seitenstraße kannte – erschien mir zuerst wie ein verrückter Zufall, einer dieser schönen Momente, wenn ein Lied zum perfekten Soundtrack meines Pendler-Wegs wird. Später realisierte ich, dass sich die Kombination aus Stasi-Gebäude-Ruinen und Thälmann-Statue wahrscheinlich in jeder Klein- bis Großstadt in Ostdeutschland findet. Jetzt wohne ich wieder im Osten – ich könnte auch schreiben im ehemaligen Osten, aber momentan bin ich noch ein Fan der mehr oder weniger unkritischen Verwendung von Ost und West als Vereinfachung, die keine ist. Ein besonderes Ritual wäre nun eher notwendig, wenn ich wieder in den Westen fahre, aber was hört man da? Vielleicht Bilderbuch (aber die sind ja eine österreichische Band?): „Komm vorbei in meinem Bungalow! By the rivers of cashflow – Wir trinken Soda, trinken Soda – Komm vorbei mit deinem Škoda?“ Zumindest auch ein Song aus meinen Teenie-Jahren, der von einer schillernden Halb-Realität berichtet. Sie scheint sich hinter einem seidenen, paillettenbestickten Vorhang abzuspielen, aber nicht hinter einem eisernen.</p>
<p>Als Kind und Teenager war mir nie sonderlich bewusst, dass es Unterschiede zwischen meinem Aufwachsen und dem einer Person in Westdeutschland geben könnte. Ich fand es sogar eher anstrengend, wenn Menschen die immer noch bestehenden Differenzen zwischen Ost- und Westdeutschland besprachen, es kam mir wie eine alte Kiste vor, die man nicht mehr hervorkramen muss. Für mich war es normal, dass jede erwachsene Person, mit der ich in Kontakt war, eine DDR-Vergangenheit hatte, dass DDR-Geschichten geteilt wurden und sozialistische Statuen und Mosaike die Straßen zierten. Aber es muss doch etwas bewegt haben, dieses Aufwachsen auf dem Gebiet eines Landes, das es nicht mehr gibt, dessen Geschichte sich jedoch in den Erinnerungen, öffentlichen Architektur, fehlenden Infrastrukturen fortschreibt. Erst, als ich für mein erstes Studium nach Niedersachsen zog, begann sich meine Welt zu öffnen, wobei ich zuallererst ebenjene sozialistische Statuen und Mosaike im neuen Stadtbild vermisste. Mit meinen Freund*innen mache ich manchmal den Witz, dass ostdeutsche Städte genauso hässlich wie westdeutsche sind, aber bei ostdeutschen Städten bedeutet es zumindest was. Vielleicht vernachlässige ich dabei, dass ein Post-Zweiter-Weltkrieg-Betonklotz in einer westdeutschen Stadt natürlich auch einen inhärenten ideologischen Wert besitzt; er strahlt die Macht des Kapitals aus, wohingegen ein ähnlicher Betonklotz in einer ostdeutschen Stadt einst das Gegenteil repräsentieren sollte. Dessen Eingangspforte ziert vielleicht noch ein Relief von muskulösen sowjetischen Arbeiter*innen, die standhaft nach vorne schreiten, bis die Witterung sie eines Tages vollends hinunter geschliffen hat. Ich frage mich schon lange, was es bedeutet, so inmitten der Zeichen einer verlierenden Ideologie aufzuwachsen, die zu viel Schmerz geführt und die Biografien aller umgebenden Erwachsenen zerschnitten hat und gleichzeitig nach wie vor für Menschen, auch für junge Menschen wie mich ein Grund zur Hoffnung ist.</p>
<p>Vielleicht bedeutet es so viel, dass all die Gefühle und Gedanken, die ich mit dem Osten verbinde, in sich implodieren und wieder in Bedeutungslosigkeit versinken. Mit 20 besuchte ich als Teil einer internationalen Jugendgruppe einen Berliner Jugendclub für queere Menschen. Den Moment, als ich die Auslage der Flyer im Eingangsbereich lag, erinnere ich nach wie vor als signifikant, weil ich damals fast geweint hätte bei dem Gedanken, wie viel nur ein einziger dieser Flyer in meiner Schule für mich hätte verändern können, geschweige denn ein ganzes Jugendzentrum. Aber hat das jetzt mit Ost/West-Kram zu tun oder einfach damit, dass ich in den frühen 2010er-Jahren in einer provinziellen Gegend aufgewachsen bin, die bei Shifts in sozialen Paradigmen immer zehn Jahre hinterher hängt? Inzwischen gibt es in meiner Heimatstadt sogar einen CSD, den ich nie geschafft habe zu besuchen, bevor er nun wieder aufgehört zu haben scheint. Call it Scham, call it Feigheit, call it Trotz. Vielleicht will ich dieser Stadt mein queeres Ich einfach nicht geben, nicht sichtbar sein in diesen Straßen, die mich solange gezwungen haben, unsichtbar zu sein. Ich könnte gehen, wenn ich mich darauf verlassen könnte, eine gute, empowernde Zeit zu haben, aber das ist bei Kleinstadt-CSDs im Osten eben nicht garantiert, wie der Nazi-Aufmarsch 2024 in Bautzen zeigt.</p>
<p>Gestern saß ich im Regionalzug von Weimar nach Leipzig, schaute aus dem Fenster auf die AfD-Flaggen über den Schrebergärten, die diese nostalgische Hügellandschaft meiner Jugend überziehen, und dachte, dass es über den Osten eigentlich gar nichts mehr zu sagen gibt. Es ist alles schon irgendwie ausgesprochen und lässt mich insgesamt mit viel Ratlosigkeit zurück. Einer meiner Lieblingsautoren, der in die DDR eingewanderte, viel zu früh verstorbene schwule Aktivist Ronald Schernikau, schrieb als Untertitel einer seiner Bücher „daß die ddr und die brd sich niemals verständigen können, geschweige mittels ihrer literatur“. Manchmal habe ich das Gefühl, er hat immer noch Recht. Und trotzdem arbeiten die Nachwendegenerationen sich weiter am Osten ab, trotzdem erscheinen immer wieder gute Bücher, die bereits gesagtes erneut gut sagen, trotzdem versuchen junge Menschen, sich mit diesem anderen Land und seinem Erinnerungsgut auseinanderzusetzen. So arbeiten wir alle weiterhin daran, die Thälmann-Statue abzuschleifen oder zu etwas neuem zu machen, komme was wolle und wer weiß, wo es hinführt, es muss trotzdem geschehen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mein kleines Ich</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/05/mein-kleines-ich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 15 May 2026 09:00:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Coming of Age]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[In seinem*ihren neuen Text spricht sabylonica’s jetziges Ich zu seinem*ihrem jüngeren Selbst und bietet Trost in Zeiten der Unsicherheit und eine Erinnerung daran, dass er*sie genau so richtig ist, wie er*sie ist. Ich weiß, du sitzt gerade irgendwo zwischen Fragen, auf die du keine Antworten bekommst, und Problemen, die du keiner Person erzählen kannst. Du]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In seinem*ihren neuen Text spricht sabylonica’s jetziges Ich zu seinem*ihrem jüngeren Selbst und bietet Trost in Zeiten der Unsicherheit und eine Erinnerung daran, dass er*sie genau so richtig ist, wie er*sie ist.</strong><span id="more-17473"></span></p>
<p>Ich weiß, du sitzt gerade irgendwo zwischen Fragen, auf die du keine Antworten bekommst, und Problemen, die du keiner Person erzählen kannst. Du schaust in dein Spiegelbild und versuchst selbst Antworten zu finden, die dir aber mehr Fragen zuwerfen. Dabei suchst du nach einer Antwort, die dir sagt, du bist richtig, wie du bist. Und ich wünschte, du hättest die Antwort selbst geben können. Ich wünschte, ich könnte dir jetzt die Antwort geben. Denn du bist es. Du bist richtig! Auch wenn du das nicht so siehst.</p>
<p>Ich weiß genau, wie du dich selbst betrachtest. Auf jede Linie deiner Haut, jedes einzelne Härchen, das da wächst, wo es angeblich nicht wachsen soll. Auf all das, was dir beigebracht und vorgelebt wurde, zu verstecken, zu glätten, zu korrigieren. Du denkst, Schönheit müsstest du dir verdienen, dass sie von außen kommt. Aber irgendwann, das verspreche ich dir, wirst du verstehen, dass dein Körper nie das Problem war. Kein einziges Haar ist zu viel. Und kein anderer Teil von dir ist falsch. Du wirst lernen, ihn nicht nur zu akzeptieren, sondern ihn zu sehen als etwas Eigenes, etwas Lebendiges, etwas, das zu dir gehört.</p>
<p>Aber es wird nicht plötzlich passieren. Es wird leise kommen und anfangen. In Momenten, in denen du dich nicht mehr vergleichst. In denen du aufhörst, dich kleiner zu machen, nur damit sich andere wohler fühlen. Und eines Tages wirst du merken, dass du dich nicht mehr versteckst. Dass du einfach da bist.</p>
<p>Und ich weiß auch, wie schwer es sich gerade mit deiner Familie anfühlt. Wie widersprüchlich es ist. Wie du gleichzeitig dazugehören willst und dich doch fremd fühlst. Du denkst vielleicht, dass mit dir etwas nicht stimmt, weil es nicht einfach ist. Aber du musst wissen: Liebe hat viele Formen und nicht alle davon sind die, mit denen wir aufgewachsen sind.</p>
<p>Du wirst ausziehen, allein wohnen, neue Menschen treffen. Nicht sofort, nicht alle auf einmal, aber nach und nach. Menschen, die dich sehen, ohne dass du dich erklären musst. Die dich nicht lesen, sondern verstehen. Mit ihnen wirst du lachen, so frei, dass es dich selbst überrascht. Mit ihnen wirst du still sein können, ohne dass es sich leer anfühlt. Das ist deine gewählte Familie. Deine Chosen Family. Und sie wird dir zeigen, dass Zugehörigkeit nicht bedeutet, sich anzupassen, sondern anzukommen.</p>
<p>Du wirst auch lernen, dich selbst zu wählen. Und ich weiß, wie ungewohnt sich das anfühlen wird. Wie egoistisch es dir vorkommt, Grenzen zu setzen, Nein zu sagen, dich an erste Stelle zu stellen. Aber es ist kein Egoismus. Es ist Fürsorge. Es ist Liebe. Und zwar eine, die du dir lange nicht erlaubt hast.</p>
<p>Deine Identität wird sich nicht wie ein klares Ziel anfühlen. Eher wie ein Weg, der sich ständig ändert und verschiebt. Manchmal wirst du dich sicher fühlen, manchmal komplett verloren. Und ja, es wird kompliziert, weil die Welt dich weiterhin in Kategorien stecken will, die nicht passen. Weil Sprache, Körper, Herkunft und Erwartungen sich überlagern und du oft das Gefühl hast, zwischen allem und nichts zu stehen. Aber genau darin liegt auch etwas Kraftvolles. Du bist nicht trotz dieser Widersprüche, sondern durch sie die Person, die du bist. Sie machen dich nicht weniger, sondern mehr. Du wirst lernen, dass du dich nicht aufteilen musst, um verstanden zu werden.</p>
<p>Du wirst viel sehen. Schöne Dinge, die dich staunen lassen. Orte, die sich wie Atem anfühlen. Menschen, die Spuren hinterlassen. Und ja, auch Dinge, die weh tun. Momente, in denen du zweifelst, fällst, dich verlierst. Aber du wirst auch merken, dass du immer wieder zurückfinden wirst. Ob allein oder mit deiner Chosen Family. Aber eben nicht an Erwartungen geknüpft.</p>
<p>Vielleicht ist das das Erwachsenwerden, von dem alle sprechen. Nicht anzukommen, sondern sich selbst immer wieder neu zu begegnen und dabei sanfter zu werden. Ich weiß, du hättest gern Gewissheit. Einen Punkt, an dem alles Sinn ergibt. Den gibt es aber nicht. Aber es gibt dich. Und das reicht weiter, als du jetzt glauben kannst.</p>
<p>Ich warte hier nicht auf eine bessere Version von dir. Ich bin nur du, nur eben ein Stück weiter. Und du wirst es bis hierher schaffen. Auf deine Weise. Immer. Deshalb sei nicht so streng zu dir, wie es andere mit dir sind.</p>
<p><strong>Du bist richtig, wie du bist.</strong></p>
<p>In Liebe,</p>
<p>Dein jetziges Ich</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Pubertät</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/05/pubertaet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 May 2026 09:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Coming of Age]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Pubertät]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit ihrem neuen Video eröffnet Lilith unseren neuen Themenschwerpunkt und beginnt eine Reihe von Coming-of-Age-Geschichten über das Erwachsenwerden. Erfahrt mehr über die Freuden, Erwartungen und Identitätsfragen, die uns in der Pubertät begleiten, sowie die Herausforderungen, die oft mit sozialem Druck und Schönheitsidealen einhergehen. Lasst uns gegenseitig unterstützen und daran erinnern, dass niemand perfekt durch diese]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Mit ihrem neuen Video eröffnet Lilith unseren neuen Themenschwerpunkt und beginnt eine Reihe von Coming-of-Age-Geschichten über das Erwachsenwerden. Erfahrt mehr über die Freuden, Erwartungen und Identitätsfragen, die uns in der Pubertät begleiten, sowie die Herausforderungen, die oft mit sozialem Druck und Schönheitsidealen einhergehen. Lasst uns gegenseitig unterstützen und daran erinnern, dass niemand perfekt durch diese Phase kommt.</strong><span id="more-17469"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ich bin so müde</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/03/ich-bin-so-muede/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michelle]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Mar 2026 09:00:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Warum wird Erschöpfung oft nur anerkannt, wenn sie aus Lohnarbeit resultiert? Michelle beschreibt, wie sie zwischen Arbeit, Haushalt, Ehrenamt und dem Versuch, sich selbst nicht zu verlieren, merkt, wie der Druck wächst, allem gerecht zu werden. Ich bin so müde. Aber warum? Eigentlich mache ich doch gar nicht so viel. Ich arbeite nur Halbzeit, da]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Warum wird Erschöpfung oft nur anerkannt, wenn sie aus Lohnarbeit resultiert? Michelle beschreibt, wie sie zwischen Arbeit, Haushalt, Ehrenamt und dem Versuch, sich selbst nicht zu verlieren, merkt, wie der Druck wächst, allem gerecht zu werden.</strong><span id="more-17367"></span></p>
<p>Ich bin so müde. Aber warum? Eigentlich mache ich doch gar nicht so viel. Ich arbeite nur Halbzeit, da brauche ich mich auch nicht wundern, wenn ich am Ende des Monats kein Geld mehr habe. Ich leite einen ehrenamtlichen Verein, aber das ist ja nur Freizeit. Ich mache den Haushalt, aber das gehört sich ja auch so. Und wenn ich dann noch Zeit aufbringe, um Hobbys nachzugehen, die mir guttun, die ich brauche, um mal ein bisschen runterzukommen, heißt es: „Ich habe es ja gut, dass ich für sowas Zeit habe“.</p>
<p>Ich „habe“ nicht einfach Zeit. Ich nehme sie mir. Ich treffe immer wieder die Entscheidung, wofür ich meine Zeit nutze. Aber diese Entscheidungen scheinen immer falsch zu sein. Ich arbeite zu wenig, mache zu viel in meiner Freizeit, könnte den Abwasch und die Wäsche auch mal regelmäßiger machen und, wenn ich schon dabei bin, auch gleich noch das Bad putzen, die Böden wischen, meine Familie besuchen, mich um meine Freundschaften kümmern … das sind ja alles nur Kleinigkeiten.</p>
<p>Und wenn ich diese Kleinigkeiten nicht alle unter einen Hut bekomme, dann bin ich faul, bin egoistisch, dann bin ich keine gute Tochter, Schwester, Freundin, dann bin ich nicht gut genug … dann mache ich zu wenig.</p>
<p>Wenn ich so wenig mache, warum bin ich dann so müde?</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>zu viele Haare / Zwischen Zugehörigkeit und Rebellion</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/02/zu-viele-haare-zwischen-zugehoerigkeit-und-rebellion/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anjuli]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Feb 2026 09:00:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Haare]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
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					<description><![CDATA[In ihrem ersten Text auf meintestgelände schreibt Anjuli über Körper, Feminismus und die Frage, ob Selbstbestimmung auch bedeutet, Schönheitsideale zu brechen dabei innere Widersprüche auszuhalten. Seit mehreren Jahren befinde ich mich immer mal wieder in Gesprächen oder Diskussionen darüber, ob wir als Feminist*innen eigentlich alle gängigen Schönheitsideale ablehnen müssen, um wirklich als solche zu gelten.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In ihrem ersten Text auf meintestgelände schreibt Anjuli über Körper, Feminismus und die Frage, ob Selbstbestimmung auch bedeutet, Schönheitsideale zu brechen dabei innere Widersprüche auszuhalten.</strong><span id="more-17306"></span></p>
<p data-start="735" data-end="1236">Seit mehreren Jahren befinde ich mich immer mal wieder in Gesprächen oder Diskussionen darüber, ob wir als Feminist*innen eigentlich alle gängigen Schönheitsideale ablehnen müssen, um wirklich als solche zu gelten. Jegliche Körperbehaarung wachsen lassen statt waxen, keine Schminke benutzen, keine figurbetonten Klamotten tragen, erst recht nicht unters Messer legen oder sich die Falten wegspritzen lassen – und natürlich auch keine langen Haare haben, die man stundenlang föhnen und frisieren muss.</p>
<p data-start="1238" data-end="1577">Durch diese Unterhaltungen habe ich von vielen Frauen viele verschiedene Meinungen gehört.<br data-start="1328" data-end="1331" />„Aller Anfang ist schwer.“<br data-start="1357" data-end="1360" />„Wir haben das halt so gelernt.“<br data-start="1392" data-end="1395" />„Mein Freund findet Haare aber eklig und rasiert sich selbst die Achseln.“<br data-start="1469" data-end="1472" />„Schönheitseingriffe und Auftakeln sind auch feministisch, weil ich mache das ja, um MICH gut zu fühlen.“</p>
<p data-start="1579" data-end="1593">Und so weiter.</p>
<p data-start="1595" data-end="2127">Mir selbst fällt dabei oft ein innerer Zwiespalt auf. Ich bin so vielen Idealen unterworfen, bin mit ihnen als Norm aufgewachsen und habe gelernt, dass Dazugehören bedeutet, diesen Idealen nachzueifern. Doch gleichzeitig lerne ich immer mehr über patriarchale Strukturen, darüber, wie wenig Einfluss Frauen historisch auf Schönheitsideale hatten. Dass diese Ideale benutzt wurden und werden, um Frauen zu objektivieren und zu sexualisieren. Dass sie Frauen auferlegt wurden – über Hunderte von Jahren. Dass sie UNS auferlegt wurden.</p>
<p data-start="2129" data-end="2336">Natürlich fühlen wir uns also nach mehreren Jahrhunderten Indoktrinierung besser, wenn wir sie befolgen. Aber was bedeutet das dann für mich? Sind Feminismus und Schönheitsideale schlichtweg nicht vereinbar?</p>
<hr data-start="2338" data-end="2341" />
<p data-start="2343" data-end="2804">Meine Eltern erzählen oft, dass ich schon mit einer großen Portion Selbstvertrauen und einem starken Willen auf die Welt kam. Ich habe immer – als Kleinkind, als Teenager und auch noch als junge Erwachsene – mit (teilweise auch zu viel) Überzeugung angezogen, was ich wollte. Während ich also mit unbeirrbarer Selbstsicherheit knallige Farben und Tierprints getragen habe, gab es trotzdem immer einen Teil meines Äußeren, der mich verunsichert hat: meine Haare.</p>
<hr data-start="2806" data-end="2809" />
<p data-start="2811" data-end="3159">Mein Leben lang wurde mir gesagt, wie toll meine Haare seien und dass ich mich freuen müsse über so eine Haarpracht. Das habe ich nie verstanden. Für mich waren meine Haare etwas, womit ich herausgestochen bin, etwas, wodurch ich anders aussah als alle anderen – und womit ich mehr Raum eingenommen habe als die glatthaarigen Mädchen um mich herum.</p>
<p data-start="3161" data-end="3648">Ich erinnere mich an ein Foto, das mich und eine Freundin nebeneinander zeigt. Wir sehen beide ganz fröhlich aus, aber ich weiß noch, wie ich das Foto zum ersten Mal gesehen habe und es direkt gehasst habe. Sie war ein dünnes, schmales Mädchen mit aalglatten braunen Haaren. Ich war nicht so zart und schmal und hatte sehr voluminöses Haar. Schon mit acht Jahren habe ich das Foto angeschaut und gedacht, dass ich – vor allem durch meine Haare – zu breit und massig aussehe im Vergleich.</p>
<p data-start="3650" data-end="4043">Was mein Unwohlsein diesbezüglich noch verstärkt hat, war ein Verbot für die Mädchen in meiner Grundschule, die Haare offen zu tragen. Wem die Haare ins Gesicht hängen, kann sich nicht konzentrieren, hieß es. Je mehr und je länger die Haare, desto schlimmer. Wer sich widersetzt hat oder es vergessen hat, musste zum Sekretariat und sich ein Küchengummi holen. Und das hat schrecklich geziept.</p>
<hr data-start="4045" data-end="4048" />
<p data-start="4050" data-end="4618">Bis heute trage ich meine Haare nicht gerne offen, weil ich immer noch das Gefühl habe, zu sehr aufzufallen und zu viel Raum einzunehmen. Ich habe dann ständig das Bedürfnis, mein Spiegelbild überprüfen zu müssen und meine Haare bloß irgendwie in Form zu halten. Und gleichzeitig ist der Gedanke, sie ganz kurz zu schneiden, extrem abwegig. Auf der einen Seite bin ich fest davon überzeugt, dass es mir nicht stehen würde, und auf der anderen Seite bin auch ich schlichtweg nicht frei von der Assoziation, dass lange Haare Weiblichkeit und Attraktivität symbolisieren.</p>
<hr data-start="4620" data-end="4623" />
<p data-start="4625" data-end="4712">Coco Chanel sagte einst:<br data-start="4649" data-end="4652" /><strong data-start="4652" data-end="4712">„A woman who cuts her hair is about to change her life.“</strong></p>
<p data-start="4714" data-end="5247">Haare waren kulturell schon immer extrem bedeutungsmächtig und ein sehr wichtiger Schönheitsmarker. Frisuren und Haarfarben trendeten stets genauso wie Klamotten. Kaiserin Sissis Haarpracht war beispielsweise fast genauso berühmt wie sie selbst. Sie hatte eine Magd, die nur für ihre Haarpflege angestellt war und ihr jeden Tag stundenlang das bodenlange Haar kämmte und frisierte. Marilyn Monroe erlangte erst Ruhm, als sie sich die Haare wasserstoffblond färbte, und Anna Wintours stärkstes Erkennungsmerkmal ist ihr markanter Bob.</p>
<p data-start="5249" data-end="5480">Sowohl historische Frauenfiguren als auch Models, Schauspielerinnen und andere Frauen des öffentlichen Lebens zeigen uns, wie sehr unsere weiblich konnotierten Frisuren mit Status, Anerkennung und Symbolträchtigkeit zusammenhängen.</p>
<hr data-start="5482" data-end="5485" />
<p data-start="5487" data-end="6009">In vielen Filmen gibt es diese eine Szene, in der sich die weibliche Protagonistin theatralisch die Haare absäbelt, um eine Art der Veränderung und Emanzipation anzukündigen. Diese Protagonistinnen verwandeln sich dann oft von unterdrückten Mauerblümchen in skrupellose Kämpferinnen. Selbst in Kinderfilmen wie <em data-start="5798" data-end="5805">Mulan</em> wird der Akt des Haareschneidens als Befreiungsschlag dargestellt, wobei dieser dort sogar an die Identität als Frau gekoppelt ist. Ihre langen Haare stehen symbolisch für ihre traditionelle Frauenrolle.</p>
<p data-start="6011" data-end="6358">Aber auch reale Frauen benutzen den Akt des Haareschneidens, um der Welt zu zeigen, dass sie eine Veränderung oder Emanzipation durchmachen. Berühmte Beispiele dafür sind Britney Spears, Miley Cyrus und Emma Watson. All diesen Frauen wurde gesellschaftlich ein bestimmtes Image auferlegt, welches sie durch das Haareschneiden durchbrechen wollten.</p>
<p data-start="6360" data-end="6602">Auffällig ist die Reaktion der Öffentlichkeit, die manchmal auf subtile und oft auf unverblümte Weise junge Frauen abwertet, wenn sie sich plötzlich für eine Kurzhaarfrisur entscheiden. In dem Buch <em data-start="6558" data-end="6576">Drawing the Past</em> heißt es an einer Stelle:</p>
<blockquote data-start="6604" data-end="6845">
<p data-start="6606" data-end="6845">„Long hair for women is a strong signifier for their femininity. Cutting a woman’s hair is an effective and efficient way of destroying her beauty, which is no small matter in societies that view women first and foremost as sexual beings.“</p>
</blockquote>
<p data-start="6847" data-end="7140">Ein aktuelles Beispiel für die öffentliche Abwertung einer Frau wegen ihrer Kurzhaarfrisur ist die schweizer Sängerin Stefanie Heinzmann. In den sozialen Medien wurde sie gefragt, warum sie sich so verschandeln müsse, ob sie jetzt lesbisch sei, und behauptet, sie sehe jetzt aus wie ein Junge.</p>
<hr data-start="7142" data-end="7145" />
<p data-start="7147" data-end="7531">Lange Zeit benutzte man das Kahlrasieren des Kopfes, um Frauen zu bestrafen oder zu erniedrigen. Im Mittelalter wurden Frauen die Haare abgeschnitten, wenn man sie der Hexerei bezichtigte, da man den Haaren magische Kräfte nachsagte. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden französischen Frauen, die man verdächtigte, Beziehungen mit deutschen Soldaten gehabt zu haben, die Haare abrasiert.</p>
<p data-start="7533" data-end="7775">Dieser Akt wird auch gerne in Film und Fernsehen verwendet – sehr prominent zum Beispiel in <em data-start="7625" data-end="7642">Game of Thrones</em>, als Cersei ihr langes blondes Haar abrasiert wird und sie nackt und kahlgeschoren einen buchstäblichen „Walk of Shame“ machen muss.</p>
<hr data-start="7777" data-end="7780" />
<p data-start="7782" data-end="8181">All diese Beispiele verdeutlichen die enorme Symbolträchtigkeit, die unseren Haaren als Frauen innewohnt. Ich glaube zwar, dass es noch etwas dauern wird, bis ich selber so weit bin und meinen Haaren ihre Bedeutung nehmen kann. Bis dahin hoffe ich aber, dass es weiterhin viele Frauen geben wird, die in diesem Prozess schon weiter sind und sich von öffentlichen Meinungen nicht kleinkriegen lassen.</p>
<p data-start="8183" data-end="8679">Zu meiner Frage, ob Feminismus und Schönheitsideale vereinbar sind, habe ich mir viele Gedanken gemacht, und eine klare, zufriedenstellende Antwort habe ich bisher nicht. Sich als Frau von seinen langen Haaren – also DEM Symbol für Weiblichkeit und Jugend – zu trennen, ist ein Akt der Rebellion und eine Abwendung von westlichen Schönheitsidealen. Aber heißt das gleichermaßen, dass man sich dem Patriarchat mit seinen strengen Schönheitsidealen unterwirft, wenn man lange Haare trägt und liebt?</p>
<p data-start="8681" data-end="8958">Selbstbestimmung und Unterwerfung liegen hier sehr nah beieinander – eine Widersprüchlichkeit, die aktuell gerne als Ambiguitätstoleranz bezeichnet wird. Letztens habe ich ein Zitat gefunden, das ich sehr passend finde und das indirekt eine Antwort auf meine Frage sein könnte:</p>
<p data-start="8960" data-end="9073"><strong data-start="8960" data-end="9073">„Mit Komplexität leben zu lernen – das ist vielleicht die größte Aufgabe demokratischer politischer Bildung.“</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tanzen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/01/tanzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sophie]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jan 2026 12:38:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[tanzen]]></category>
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					<description><![CDATA[Laute Musik, Neonlicht, verschwitzte Körper und dabei tanzen, ohne perfekt zu sein. Sophie schreibt über die Unsicherheit im Club, Freundschaft im Gedränge und das gute Gefühl, sich einfach fallen lassen zu können. Wenn ich im Club bin, fühle ich mich meist ein wenig ungestüm. Irgendwie bewegt sich mein Körper nicht so, wie ich will, und]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Laute Musik, Neonlicht, verschwitzte Körper und dabei tanzen, ohne perfekt zu sein. Sophie schreibt über die Unsicherheit im Club, Freundschaft im Gedränge und das gute Gefühl, sich einfach fallen lassen zu können.<span id="more-17288"></span></strong></p>
<p>Wenn ich im Club bin, fühle ich mich meist ein wenig ungestüm. Irgendwie bewegt sich mein Körper nicht so, wie ich will, und ich frage mich, wie sehr man mir das ansieht. Dann frage ich mich, warum mir das so wichtig ist. Vielleicht, weil man als weiblich sozialisierte Person so früh lernt, wie man angeblich sein sollte – charakterlich sowie körperlich. Wie soll mein Körper aussehen? Wie soll er sich bewegen, lächeln, auf andere wirken?</p>
<p>Man muss nicht alles können und über alles Kontrolle haben, man muss nur eine gute Zeit haben, sagst du. Ich denke nur, wie gut du mich kennen musst, um das Passende sagen zu können.</p>
<p><span data-contrast="auto">Wir kennen uns</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p>Wir kennen uns so lange und gut, dass ich gar nicht mehr weiß, wie es sich anfühlt, dich nicht in meinem Unterbewusstsein bei mir zu haben.</p>
<p>Du gehörst mit dazu. Mit zu meinen schönsten Momenten, mit zu meinen schlimmsten Momenten.</p>
<p>Du kommst mit mir mit, egal wohin ich gehe. So, als wäre mein Dasein immer mit einem Echo des deinigen verbunden.</p>
<p>Manche Menschen kommen und gehen, und das ist okay. Du bist trotzdem da.</p>
<p>Du hast mir eine meiner Lieblingsbands gezeigt, ich dir eine deiner Lieblingsserien. Ich habe dir gezeigt, wie man einen Eyeliner zieht, du mir, wie man seine eigenen Klamotten näht. Du hast mich zu meinen ersten Konzerten und zum CSD mitgenommen, ich dich mit in den Familienurlaub. Irgendwann bin ich in deine Stadt gezogen.</p>
<p>Du erzählst mir von deinen Lieblingsbüchern, ich dir von meinen Lieblingsliedern. Du versuchst mich zu überzeugen, dass Sommerrollen das beste Gericht sind, ich dich, dass Reispfannen definitiv besser sind.</p>
<p>Wir lachen über die alten Witze und über die neuen. Die Themen sind nicht mehr die von früher, aber das ist egal. Wir sind miteinander erwachsen geworden.</p>
<p>Ich weiß sicher nicht, was in der Zukunft passieren wird und wo wir einmal sein werden, aber ich weiß, dass du irgendwie dabei sein wirst. Das bringt mich dazu, dass ich guten Gewissens über meinen unrhythmischen Move zum aktuellen Song hinwegsehen kann.</p>
<p>Jetzt stehen wir hier. Ein Lied unserer ersten gemeinsamen Lieblingsband schallt übersteuert aus den Boxen. Und wir tanzen.</p>
<p>;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mein Körper ist ein Schutzschild</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/01/mein-koerper-ist-ein-schutzschild/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michelle]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Jan 2026 09:00:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Schutz]]></category>
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					<description><![CDATA[Er trägt Spuren, Narben und Unsicherheiten und steht trotzdem jeden Tag da. Michelle schreibt über Selbstschutz, Selbstannahme und die Frage, warum Körper nicht perfekt sein müssen, um wertvoll zu sein. Mein Körper ist ein Schutzschild. Aber müssen Schutzschilde immer glänzen? Dürfen sie nicht die Spuren vergangener Schlachten tragen? Jede Narbe eine Erinnerung, jeder Makel eine]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Er trägt Spuren, Narben und Unsicherheiten und steht trotzdem jeden Tag da. Michelle schreibt über Selbstschutz, Selbstannahme und die Frage, warum Körper nicht perfekt sein müssen, um wertvoll zu sein.<span id="more-17282"></span></p>
<p><strong>Mein Körper ist ein Schutzschild.</strong><br />
Aber müssen Schutzschilde immer glänzen? Dürfen sie nicht die Spuren vergangener Schlachten tragen? Jede Narbe eine Erinnerung, jeder Makel eine Besonderheit.</p>
<p><strong>Mein Körper ist ein Schutzschild.</strong><br />
Doch verdient er nicht auch Schutz? Schutz vor der Sonne, Schutz vor Verletzungen und Schutz vor Blicken und den Urteilen anderer. Anderer, die gar nicht wissen, welche Schlachten er schon geschlagen und überstanden hat.</p>
<p><strong>Mein Körper ist ein Schutzschild.</strong><br />
Und er verdient Liebe. Vor allem von mir selbst. Ich, die ich jeden Tag in ihm herumlaufe. Ich, die ihn manchmal mit Liebe, manchmal mit Unsicherheit ansehe und mich immer wieder frage, wie ich ihn noch optimieren kann. Doch vielleicht muss er gar nicht perfekt sein. Vielleicht ist er gut so, wie er ist.</p>
<p><strong>Mein Körper ist mein Schutzschild.</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Spieglein, Spieglein in der Hand</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/12/spieglein-spieglein-in-der-hand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marv]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Dec 2025 09:00:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbilder]]></category>
		<category><![CDATA[Poetry Slam]]></category>
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					<description><![CDATA[Marv wagt einen poetischen Blick auf das, was wir Schönheit nennen und das, was wir wirklich sind.Dieses Spoken-Word-Stück lädt dazu ein, den eigenen Spiegel mit neuen Augen zu sehen: warm, ehrlich und frei von Perfektionsdruck. Ein Moment der Ruhe, der daran erinnert, wie wertvoll es ist, sich selbst zu erkennen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Marv wagt einen poetischen Blick auf das, was wir Schönheit nennen und das, was wir wirklich sind.</strong><br data-start="1388" data-end="1391" /><strong>Dieses Spoken-Word-Stück lädt dazu ein, den eigenen Spiegel mit neuen Augen zu sehen: warm, ehrlich und frei von Perfektionsdruck. Ein Moment der Ruhe, der daran erinnert, wie wertvoll es ist, sich selbst zu erkennen.</strong><span id="more-17234"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Selbstliebe durchgespielt?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/11/selbstliebe-durchgespielt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sophia]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Nov 2025 10:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstliebe]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir wachsen mit Erwartungen auf, die bestimmen sollen, wie wir auszusehen und zu sein haben. Diese Bilder formen unser Denken so früh, dass wir sie oft für unsere eigenen halten. Sophia beschreibt, wie internalisierte Misogynie wirkt, warum sie so schwer zu durchbrechen ist und wie wir lernen können, zwischen auferlegten Rollen und unserem wirklichen Selbst]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir wachsen mit Erwartungen auf, die bestimmen sollen, wie wir auszusehen und zu sein haben. Diese Bilder formen unser Denken so früh, dass wir sie oft für unsere eigenen halten. Sophia beschreibt, wie internalisierte Misogynie wirkt, warum sie so schwer zu durchbrechen ist und wie wir lernen können, zwischen auferlegten Rollen und unserem wirklichen Selbst zu unterscheiden.</strong><span id="more-17225"></span></p>
<p>Sich selbst so zu akzeptieren, wie man ist, ist für die meisten schwierig. Man wird zwar nicht<br />
mit einer Abneigung gegen sich selbst geboren, doch die Welt trimmt einen relativ schnell<br />
darauf, vermeintliche Fehler zu entdecken. Hier zu viel, da zu wenig. Mehr Haare hier, bitte<br />
gar keine da.<br />
Viele von uns haben wahrscheinlich einen harten Weg hinter uns, um unseren Körper<br />
zumindest als neutrales Instrument, das uns durchs Leben bringt, anzusehen.<br />
Wer sich selbst sogar als ganz gut befindet – wow.<br />
Ich dachte diesen langen Weg endlich hinter mich gebracht zu haben und am grandiosen<br />
Finale angekommen zu sein: Ich finde mich selbst nicht mehr scheiße.<br />
Was ein epischer Win. Es hat zwar keiner geklatscht, aber es wäre passend gewesen.<br />
Ich habe mich sicherlich nie für die Krone der Schöpfung gehalten, aber bin ungeschminkt<br />
vor die Tür, habe gewagte Outfits getragen und mich nicht dafür gejuckt, was andere über<br />
mich denken.<br />
Doch nur kurze Zeit nach meinem Trumpf passierte das, womit ich nicht gerechnet hatte.<br />
Obwohl es jeden Tag zu jeder Zeit passiert, hatte ich die Möglichkeit nicht mal in Erwägung<br />
gezogen. Der Körper, den ich nach langer Zeit endlich mögen konnte – verändert sich<br />
plötzlich.<br />
Das Gesicht, mit dem ich endlich kein Problem mehr hatte entwickelt die ersten bleibenden<br />
Falten. Die Make-Up Skills, mit denen ich zufrieden bin, funktionieren nicht mehr mit meinen<br />
Features. Meinen Augenlidern werden langsam schlaff, die jahrelang antrainierte EyelinerTechnik ist plötzlich nutzlos.<br />
Meine Beine bekommen Dellen, das erste Haar wird grau und ich stehe gefühlt wieder ganz<br />
am Anfang. Plötzlich bin ich wieder 15 und frage mich, wann ich endlich meinen ersten BH<br />
ohne Extra-Füllung kaufen kann (ich werde nie über ein A-Körbchen hinweg wachsen), wann<br />
meine Pickel endlich weggehen (das frage ich mich mit 27 noch immer), und ob ich mit<br />
meinen Fettarmen überhaupt was Ärmelloses anziehen darf.<br />
Das ist nicht mehr der Körper, den ich mit Samthandschuhen angefasst und gutgeheißen<br />
habe. Dieser Körper wirkt mir auf einmal irgendwie fremd.<br />
Dabei ist diese Self-Love-Devise so viel einfacher für mich zu umzusetzen als für andere.<br />
Ich bin überwiegend normschön, weiß und relativ dünn. Ich habe keinerlei Behinderungen<br />
und trage weder Zahnspange noch Brille. Am Ende des Tages spüre ich von den absurden<br />
Beauty-Standards weniger als viele andere Frauen. Ich bin mega privilegiert und das ist mir<br />
bewusst. Doch hilft es nichts, denn wenn man zu einem Teil dem entspricht, was man<br />
gefälligst sein soll, dann macht der fehlende Teil trotzdem Druck. Und der tut weh.<br />
Genau dieser Druck gefällt der Industrie supergut &#8211; nicht nur der Schönheitsindustrie. Denn<br />
wenn man Hyaluron Fillern und formender Unterwäsche den Kampf ansagt, freuen sich<br />
Verkäufer von Online-Coachings, Badebomben und der gefürchteten finanziellen Abgründe<br />
des täglichen „treats“.<br />
Self care ist käuflich.<br />
Alles ist so kommerzialisiert, es gibt kaum ein Entrinnen, gerade durch die allgegenwärtige<br />
Instanz der sozialen Medien.<br />
Der Bossfight den ich momentan kämpfe ist gegen das Problem mit dem Alterungsprozess.<br />
An sich gibt es ja gar keins, man hat eben nur zwei Optionen: Älter werden oder jung<br />
sterben.<br />
Doch gerade als Frau wird einem sehr früh klargemacht: Du hast so maximal bis 30 und ab<br />
dann bist du abgelaufen. Wie eine vergessene Packung Milch ganz hinten im<br />
Kühlschrank.Männer reifen, Frauen welken. Dieses bla bla was man seit man klein ist<br />
eingetrichtert bekommt. Als ich das virale Tiktok Video einer 14-jährigen gesehen habe, die<br />
ihre Routine „zum Stoppen des Alterungsprozess“ präsentiert, habe ich für einen Moment<br />
den Glauben an die Menschheit verloren. Die Angst vorm natürlichen Alterungsprozess<br />
beginnt immer früher, Produkte zum “reparieren” der Fehler werden immer normaler auch<br />
im Badschrank einer Minderjährigen.<br />
Doch was macht man dagegen? Brutale Selbstakzeptanz und Entfolgen von allen SocialMedia- Mäusen, die sich Botox spritzen lassen? Ich weiß es selbst nicht so genau.</p>
<p>Die frustrierende Wahrheit ist:<br />
Selbstakzeptanz ist kein Endziel was man jemals zu 100% erreichen, kein To-Do was man<br />
irgendwann abhaken kann. Sicherlich gehört eine Anpassung von dem, was man online<br />
konsumiert dazu, aber überwiegend kommt Akzeptanz ja von innen.<br />
Es ist eine Entscheidung, die man sein Leben lang immer wieder aufs Neue treffen muss. Wie<br />
verdammt lame ist denn das</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mein Körper ist nicht das Problem (da bin ich mir recht sicher)</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/11/mein-koerper-ist-nicht-das-problem-da-bin-ich-mir-recht-sicher/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lina]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Nov 2025 09:00:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Körper ist nie nur ein Körper. Er ist Projektionsfläche, Erwartung oder Bewertung.Der neue Text von Lina handelt davon, was passiert, wenn die Welt uns erklärt, wer wir zu sein haben und wie wir lernen, uns trotzdem selbst zu gehören. Ich hatte nie ein Problem mit meinem Körper. Gut, das stimmt vielleicht nicht ganz. Andere]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-start="532" data-end="934"><strong>Ein Körper ist nie nur ein Körper. Er ist Projektionsfläche, Erwartung oder Bewertung.</strong><br data-start="263" data-end="266" /><strong>Der neue Text von Lina handelt davon, was passiert, wenn die Welt uns erklärt, wer wir zu sein haben und wie wir lernen, uns trotzdem selbst zu gehören.</strong><br />
<span id="more-17220"></span></p>
<p data-start="532" data-end="934">Ich hatte nie ein Problem mit meinem Körper. Gut, das stimmt vielleicht nicht ganz. Andere schon. Deshalb hatte ich dann auch ein Problem mit ihm.<br data-start="678" data-end="681" />Mein Körper ist mehrgewichtig, weich, sichtbar – und wird weiblich gelesen, auch wenn ich es nicht bin. Ich bin also gleichzeitig zu viel und zu wenig: zu groß für Restaurantstühle, zu rund für Mode, zu queer für das, was Leute glauben, sehen zu müssen.</p>
<p data-start="936" data-end="1391">Wenn ich alte Fotos von mir ansehe, sehe ich, wie mich eine sehr dünne Frau ansieht – fast noch ein Mädchen, das ich nicht mehr bin. Und trotzdem fühle ich mich genauso wie jetzt. Ich habe mich in jedem Stadium, in jeder Form meines Körpers gleich dick gefühlt, gleich zu viel, gleich zu massig. Obwohl ich jedes Mal sehr anders aussah. Ich habe mich nie gut über mich gefühlt. Ich habe mich immer gefühlt, als wäre ich nicht genug und zu viel auf einmal.</p>
<p data-start="1393" data-end="1991">Ich liebe auffällige Mode, aber ich wollte nie zu auffällig sein – weil dann alle meinen Körper sehen.<br data-start="1495" data-end="1498" />Früher war ich traurig, wenn mir niemand auf der Straße hinterhergerufen hat. Ich dachte, Sichtbarkeit sei Bestätigung. Heute weiß ich: Sichtbarkeit ist eine Frage der Norm. Und Normen – das hat Maria Evteeva (2024) treffend beschrieben – sind Werkzeuge patriarchaler Kontrolle. Sie schreiben Körpern soziale Positionen zu, um sie gefügig zu machen. Misogynie, schreibt sie, „ist kein Zufallsprodukt, sondern das zentrale Regulierungsinstrument des Patriarchats“ (Evteeva und Burges 2024, 85).</p>
<p data-start="1993" data-end="2190">Cat aus <em data-start="2001" data-end="2011">Euphoria</em> hat einmal gesagt:<br data-start="2030" data-end="2033" /><strong data-start="2033" data-end="2190">„I used to be so scared that people would notice I was fat. But now, I just don’t care. Because a fat girl who doesn’t care? That’s fucking unstoppable.“</strong></p>
<p data-start="2192" data-end="2317">Und das will ich auch sein.<br data-start="2219" data-end="2222" />Unaufhaltsam. Aber ich will das nicht <em data-start="2260" data-end="2267">trotz</em> meines Körpers sein. Ich will das <em data-start="2302" data-end="2307">mit</em> ihm sein.</p>
<p data-start="2319" data-end="2607">Neulich habe ich wieder gemerkt, wie tief die Vorstellung sitzt, dass „dick“ nicht sexy sein darf.<br data-start="2417" data-end="2420" />Macht mal den Selbstversuch: Gebt bei Google „Plus Size Halloween Kostüm“ ein.<br data-start="2498" data-end="2501" />Was kommt?<br data-start="2511" data-end="2514" />Säcke.<br data-start="2520" data-end="2523" />Tier-Onesies.<br data-start="2536" data-end="2539" />Und irgendwo dazwischen steht das Internet und ruft: „Be confident!“</p>
<p data-start="2609" data-end="2800">Zur Erinnerung: In <em data-start="2628" data-end="2640">Mean Girls</em> sagt Cady Heron:<br data-start="2657" data-end="2660" /><strong data-start="2660" data-end="2800">„In Girl World, Halloween is the one night a year when a girl can dress like a total slut and no other girls can say anything about it.“</strong></p>
<p data-start="2802" data-end="3113">Ich hab das mal versucht – bildlich gesprochen. Nur dass, wenn du „Plus Size Dessous“ suchst, das Ergebnis klingt wie ein Werbeslogan aus der Hölle: „Sexy für Mollige“.<br data-start="2970" data-end="2973" />Das klingt ungefähr so, als würde ein mittelmäßig gebildeter Mann über das „Stadtbild“ reden – gönnerhaft, aber ohne zu wissen, was er sagt.</p>
<p data-start="3115" data-end="3446">Und selbst diese „Dessous für Mollige“ gehen meist nur bis Körbchengröße E. Vielleicht 100 cm Unterbrustumfang, wenn man Glück hat. Und dann sind die BHs in D auch noch gepolstert. Warum?<br data-start="3302" data-end="3305" />Ich hab 105 G – oder 100 H als Kreuzgröße – und ich schwöre: Ich bin so hot. Ich bin so sexy.<br data-start="3398" data-end="3401" />Warum will mich die Industrie nicht so sehen?</p>
<p data-start="3448" data-end="3678">Die sogenannte Curvy Collection besteht oft aus Shapewear.<br data-start="3506" data-end="3509" />Die <em data-start="3513" data-end="3523">Brigitte</em>, <em data-start="3525" data-end="3531">Ella</em> und <em data-start="3536" data-end="3551">Bild der Frau</em> sagen im selben Atemzug:<br data-start="3576" data-end="3579" /><strong data-start="3579" data-end="3613">„Du bist gut so, wie du bist.“</strong> –<br data-start="3615" data-end="3618" />und:<br data-start="3622" data-end="3625" /><strong data-start="3625" data-end="3678">„So kommst du noch schnell in deinen Sommerbody.“</strong></p>
<p data-start="3680" data-end="3842">Ich hab die Diäten gemacht.<br data-start="3707" data-end="3710" />Ich war brav.<br data-start="3723" data-end="3726" />Ich war diszipliniert.<br data-start="3748" data-end="3751" />Und alles, was ich war, war schwach und ausgelaugt.<br data-start="3802" data-end="3805" />Genau so, wie sie mich haben wollten.</p>
<p data-start="3844" data-end="4097">Sorana-Alexandra Constantinescu (2021) nennt das internalisierte Misogynie: den Moment, in dem Frauen gelernt haben, sich selbst zu kontrollieren, bevor es andere tun.<br data-start="4011" data-end="4014" />Wir werden bestraft, wenn wir auffallen – und nicht belohnt, wenn wir uns anpassen.</p>
<p data-start="4099" data-end="4519">Wie Iris Marion Young (1992) schreibt, ist Unterdrückung kein einzelner Akt, sondern ein System aus „ökonomischer Ausbeutung, Marginalisierung, Machtlosigkeit, kulturellem Imperialismus und systemischer Gewalt“ (zit. nach Constantinescu 2021).<br data-start="4342" data-end="4345" />Wir leben in Strukturen, die uns lehren, wie wir uns zu formen haben:<br data-start="4414" data-end="4417" />Sei ehrgeizig, aber nicht zu laut; sei sinnlich, aber nicht sexuell; sei frei, aber bitte unauffällig.</p>
<p data-start="4521" data-end="4627">Und wir fallen in diese Unterdrückung nicht, weil wir schwach sind –<br data-start="4589" data-end="4592" />sondern weil wir in ihr aufwachsen.</p>
<p data-start="4629" data-end="5023">Constantinescu zeigt, dass Mädchen und weiblich sozialisierte Menschen schon in der frühen Jugend lernen, dass ihr Wert an Gefallen, Zurückhaltung und Kontrolle hängt. Zwischen elf und vierzehn, schreibt sie, verändert sich die Persönlichkeit vieler Mädchen: Aus mutigen, lauten, selbstbewussten Kindern werden Jugendliche, die plötzlich lernen, Platz zu sparen – in Stimme, Kleidung, Bewegung.</p>
<p data-start="5025" data-end="5308">So wachsen wir in einem doppelten Spiegelkabinett auf:<br data-start="5079" data-end="5082" />Wir sehen, wie Frauen bewertet werden – und beginnen, uns selbst mit denselben Augen zu betrachten.<br data-start="5181" data-end="5184" />Wir übernehmen das Urteil der Gesellschaft, bevor jemand es ausspricht.<br data-start="5255" data-end="5258" />Wir internalisieren den Blick, der uns klein hält.</p>
<p data-start="5310" data-end="5575">Evteeva (2024) beschreibt das als das perfide Prinzip des Patriarchats: dass es nicht nur über Macht, sondern über Bedeutung funktioniert. Weiblichkeit wird mit Schwäche, Abhängigkeit und Unfähigkeit gleichgesetzt – und alles, was davon abweicht, wird sanktioniert.</p>
<p data-start="5577" data-end="5949">Akane Kanai (2020) ergänzt, dass selbst die neue, mediale „Freiheit“ für FLINTA-Körper meist an Bedingungen geknüpft ist: an Schönheit, an Ästhetik, an Marktfähigkeit.<br data-start="5744" data-end="5747" />Freiheit ist erlaubt, solange sie klickt.<br data-start="5788" data-end="5791" />Freizügigkeit wird gefeiert, solange sie der Norm schmeichelt; dieselbe Geste wird bestraft, sobald sie von einem Körper kommt, der nicht in diese Norm passt.</p>
<p data-start="5951" data-end="6204">So funktioniert Kontrolle unter dem Deckmantel der Emanzipation:<br data-start="6015" data-end="6018" />Wir sollen frei sein, aber bitte nur so, dass es schön aussieht.<br data-start="6082" data-end="6085" />Wir sollen sichtbar sein, aber nur, wenn es sich verkaufen lässt.<br data-start="6150" data-end="6153" />Wir sollen selbstbewusst sein, aber nicht unbequem.</p>
<p data-start="6206" data-end="6555">Wir fallen also nicht in Unterdrückung hinein –<br data-start="6253" data-end="6256" />wir werden in sie hineingeschult.<br data-start="6289" data-end="6292" />In jede Pose, jede Werbung, jede Bemerkung, jede Diät.<br data-start="6346" data-end="6349" />Und irgendwann können wir sie selbst reproduzieren, ohne dass jemand sie uns noch beibringen muss.<br data-start="6447" data-end="6450" />Das Patriarchat muss uns gar nicht immer aktiv unterdrücken – wir erledigen die Arbeit inzwischen selbst.</p>
<p data-start="6557" data-end="6904">Und wenn ich dann auf der Bühne stehe, in einem Kleid, das ich liebe, und jemand sagt:<br data-start="6643" data-end="6646" /><strong data-start="6646" data-end="6748">„Mensch, du bist aber mutig, dass du dich mit deinem Körper so etwas traust. Du bist ein Vorbild!“</strong><br data-start="6748" data-end="6751" />dann weiß ich, das ist nett gemeint.<br data-start="6787" data-end="6790" />Aber wovon redet ihr?<br data-start="6811" data-end="6814" />Ich bin weder mutig noch gewagt noch zu viel.<br data-start="6859" data-end="6862" />Ich bin einfach da.<br data-start="6881" data-end="6884" />Ich bin einfach ich.</p>
<p data-start="6906" data-end="7152">Ich freue mich ehrlich über jede Marke, die größere Größen führt.<br data-start="6971" data-end="6974" />Ulla Popken zum Beispiel: Die machen großartige, hochwertige Teile – gut verarbeitet, langlebig, bequem.<br data-start="7078" data-end="7081" />Aber trotzdem: Vieles davon sind Säcke. Stoffgewordene Unauffälligkeit.</p>
<p data-start="7154" data-end="7364">Ich will nichts kaschieren. Ich will glänzen.<br data-start="7199" data-end="7202" />Ich will Kleider, die mich nicht verstecken, sondern feiern.<br data-start="7262" data-end="7265" />Ich will mich anziehen dürfen wie jemand, der sich liebt – nicht wie jemand, der sich entschuldigt.</p>
<p data-start="7366" data-end="7653">Und ja, ich könnte mir Kleidung maßanfertigen lassen – es gibt fantastische kleine Brands, die das machen, die radikal inklusiv denken, die Körper ernst nehmen.<br data-start="7526" data-end="7529" />Aber die Realität ist: Ich habe nicht das Geld dafür. Nicht die Zeit. Nicht die Möglichkeit, mich jeden Tag neu zu erfinden.</p>
<p data-start="7655" data-end="7775">Und trotzdem: Ich bin hier.<br data-start="7682" data-end="7685" />Ich bin sichtbar.<br data-start="7702" data-end="7705" />Mein Körper ist kein Kompromiss –<br data-start="7738" data-end="7741" />er ist Bühne, Zuhause, Widerstand.</p>
<div style="margin-top: 1em; padding: 1em; border-left: 4px solid #000; background: #f7f7f7; line-height: 1.6;">
<p><strong>Constantinescu, Sorana.</strong><br />
„<em>How Does the Internalization of Misogyny Operate: A Theoretical Approach With European Examples</em>“.<br />
<i>Research in Social Change</i>, Bd. 13, Dezember 2021, S. 120–128.<br />
<a href="https://doi.org/10.2478/rsc-2021-0013" target="_blank" rel="noopener">https://doi.org/10.2478/rsc-2021-0013<br />
</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Evteeva, Maria &amp; Burges, Lucrecia.</strong><br />
<em>Internalized Misogyny: The Patriarchy Inside Our Heads</em>.<br />
Bd. 14, 2024.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Kanai, Akane.</strong><br />
„<em>Between the Perfect and the Problematic: Everyday Femininities, Popular Feminism, and the Negotiation of Intersectionality</em>“.<br />
<i>Cultural Studies</i>, Bd. 34, Nr. 1, Januar 2020, S. 25–48.<br />
<a href="https://doi.org/10.1080/09502386.2018.1559869" target="_blank" rel="noopener">https://doi.org/10.1080/09502386.2018.1559869</a></p>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Durchschnittlich perfekt</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/11/durchschnittlich-perfekt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nathan]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Nov 2025 09:59:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbilder]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=17216</guid>

					<description><![CDATA[Wie viel „perfekt“ braucht ein Körper eigentlich – und wer entscheidet das? Dieses Gedicht von Nathan legt offen, wie wir zwischen Idealen, Kommentaren und Algorithmen zerrieben werden, und erinnert daran, dass Schönheit nie genormt war. Ein poetischer Blick darauf, warum unser Körper niemandem gehören muss außer uns selbst. Sie sagen, ich bin dick, dabei bin]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie viel „perfekt“ braucht ein Körper eigentlich – und wer entscheidet das? Dieses Gedicht von Nathan legt offen, wie wir zwischen Idealen, Kommentaren und Algorithmen zerrieben werden, und erinnert daran, dass Schönheit nie genormt war. Ein poetischer Blick darauf, warum unser Körper niemandem gehören muss außer uns selbst.<span id="more-17216"></span></strong></p>
<p>Sie sagen, ich bin dick,<br />
dabei bin ich vielleicht nur etwas über dem Durchschnitt.<br />
Sie sagen, ich bin zu dünn,<br />
dabei halte ich einfach nur das Idealgewicht.</p>
<p>Sie sagen: Form dich,<br />
glätt dich –<br />
ich verbiege mich,<br />
verliere mich<br />
in Kalorientabellen.</p>
<p>Sie dirigieren meinen Verstand,<br />
haben mich ganz in ihrer Hand.<br />
Sag, wie lang noch, Instagram?<br />
Zeigst du mir Bilder vom „perfekten Mann“,<br />
muskulös und stramm.</p>
<p>Sie möchten Perfektion<br />
in Bildern, auf Reklamen.<br />
Am besten bist du die Sensation –<br />
„der perfekte Körper“<br />
für Likes und Faszination.</p>
<p>Doch dein Körper gehört dir,<br />
dir alleine.<br />
Er ist schön,<br />
jeder auf seine Weise.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Metamorphosis</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/11/metamorphosis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Phuong]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Nov 2025 09:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbilder]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=17212</guid>

					<description><![CDATA[Phuong schreibt über einen Körper, der sich manchmal fremd anfühlt – und über den Versuch, ihn neu zu verstehen. Über Angst, Wandel, Erwartungen und die Frage, wie wir in unserem eigenen Körper Heimat finden können. Manchmal wache ich auf und meine Lunge schmerzt, verengt von den Kippen letzter Nacht; Kopfschmerzen, weil ich kaum Wasser trinke.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Phuong schreibt über einen Körper, der sich manchmal fremd anfühlt – und über den Versuch, ihn neu zu verstehen. Über Angst, Wandel, Erwartungen und die Frage, wie wir in unserem eigenen Körper Heimat finden können.</strong><span id="more-17212"></span></p>
<p data-start="226" data-end="572">Manchmal wache ich auf und meine Lunge schmerzt, verengt von den Kippen letzter Nacht; Kopfschmerzen, weil ich kaum Wasser trinke. Ich spüre die Angst in meiner Brust und die Gedanken, die in meinem Kopf rasen. Oft fühlt es sich so an, als gehöre mein Körper nicht mir, als hätte ich keine Kontrolle über ihn. Und doch ist er alles, was ich habe.</p>
<p data-start="574" data-end="1229">Manchmal beschützt mich mein Körper. Wenn ich achtsam genug bin und auf ihn höre, versucht er mir zu signalisieren, dass etwas nicht stimmt, dass Gefahr droht. Mein Herz schlägt schneller, mein Körper versteift sich, und ich finde keine Worte für das, was ich fühle, für die Bedeutung der Energie, die aufsteigt. Doch manchmal reagiert der Körper auch, wenn wir nervös oder aufgeregt sind. Es sind dieselben Hormone, die ausgestoßen werden, und mein Kopf kann nicht differenzieren. Manchmal sagt er uns auch, wenn wir müde sind und viel Schlaf brauchen. Oder wenn unser Nacken und unsere Schultern verspannt sind, bedeutet es, dass wir viel Stress tragen.</p>
<p data-start="1231" data-end="2153">Der Blick in den Spiegel fällt mir deshalb so schwer, weil es kein Körper ist, den ich begehrenswert finde. Ich wünschte, ich könnte mir nach Lust und Situation aussuchen, wie ich aussehe; manchmal ohne Brüste, manchmal mit. Ich möchte meinen Körper verändern, formen, deformieren, aber ich weiß nicht, welche Stellen genau und wie ich am Ende aussehen könnte. Wenn ich so überlege, verändert sich mein Körper ohnehin. Wir altern, wir wachsen, unsere Gesichtszüge tragen mit der Zeit die Schwere des Lebens. Im Sommer steigt der Druck, im Winter können wir uns unter unseren Pullovern verstecken. Deswegen fühle ich mich im Winter wohler. Ich kann die Teile meines Körpers verstecken, die im Sommer sonst für die Augen der anderen sichtbar und bewertbar sind. Die mehrfachen Schichten, die auf meiner Haut liegen, verstecken die Brüste, die zu viel Projektionsfläche bieten für all die Bewertungen und Erwartungen anderer.</p>
<p data-start="2155" data-end="2801">So nimmt der Körper je nach Umgebung eine andere Form an. Ich erscheine in meinem Hoodie mit meiner Kapuze und Beanie androgyner, vielleicht nicht einzuordnen, vielleicht sogar männlich. Bis sie jedoch meine Stimme hören, die irritierend auf sie wirken kann und ihre Erwartungen von dem, was sie sehen, bricht. In Vietnam gehe ich in der Mehrheitsgesellschaft unter, beinahe bin ich unsichtbar, anonym, ein Mensch wie jeder andere. Bei Aldi dagegen in der Schlange spüre ich schon von weitem den genervten Blick der Kassiererin, und mein Versuch eines freundlichen „Einen schönen Tag noch“ ändert nichts daran, dass sie Körper wie meinen ablehnt.</p>
<p data-start="2803" data-end="3684">Ich möchte glauben, dass ich manchmal vielleicht doch Kontrolle darüber haben kann – trotz der Umstände – über die soziale Bedeutung meines Körpers und über die Konsequenzen, die daraus für mich folgen. Aber wenn ich ehrlich bin, bin ich mir dessen nicht einmal sicher. Es fühlt sich absurd an, wenn Klamotten dabei helfen, im sozialen Gefüge zu überleben, und dass sie aber auch entscheiden können, ob Gefahr auf uns wartet, weil es Menschen nicht passt, dass wir aus dem Raster fallen. Vielleicht ist Kleidung genau deswegen nicht immer ein Ausdruck von Persönlichkeit, von Style, von Selbsterfahrung – besonders nicht dann, wenn wir mit Klamotten kompensieren müssen, was wir eben nicht ändern können: unsere Haarfarbe, unsere Hautfarbe, unsere Gesichtsmerkmale, unsere Sprache. Weil ein weißes Hemd dazu beitragen kann, unsere Chancen, den Job zu bekommen, um 10 % zu steigern.</p>
<p data-start="3686" data-end="4064">Die Bewertung meines Körpers ist beinahe abhängig von der Person mir gegenüber. Sie ist nicht Zeugin meiner Vielfältigkeit, sondern nur ein Bruchteil davon, ein Spiegel, der nur einen Teil des Mosaiks meiner Selbst widerspiegelt. Manchmal ist dieser Spiegel in Wirklichkeit eine Schablone, die ich mir nicht selber zusammengeschnitten habe, aber in die ich hineingepresst werde.</p>
<p data-start="4066" data-end="4668">Unser Körper ist verwundbar.<br data-start="4094" data-end="4097" />Er ist so vieles – vieles, was ich selber nicht verstehe oder greifen kann.<br data-start="4172" data-end="4175" />Ich kann ihn modifizieren, formen, trainieren, ihm Gutes tun, durch Bewegung spüren und in Kontakt treten, Medikamente nehmen, Drogen nehmen. Durch Hormone, Operationen, Bewegung, Ernährung, Kleidung, Make-up.<br data-start="4384" data-end="4387" />Er trägt viel Wissen in sich. Erinnerungen, Gerüche, Melodien, Geschichten.<br data-start="4462" data-end="4465" />Er schwitzt, um sich zu kühlen. Er wird krank und heilt wieder. Er speichert, regeneriert, stößt ab, was nicht zu ihm passt. Er atmet, verarbeitet, fühlt, menstruiert, schläft. Er trägt uns durchs Leben.</p>
<p data-start="4670" data-end="4953">Vielleicht muss ich ihn gar nicht vollständig verstehen.<br data-start="4726" data-end="4729" />Vielleicht existiert er einfach so – wissend, was zu tun ist.<br data-start="4790" data-end="4793" />Vielleicht müssen wir ihn nicht verbiegen, um den Blick in den Spiegel zu ertragen.<br data-start="4876" data-end="4879" />Vielleicht reicht es, wenn wir lernen, ihn zu halten, zu hören, zu lassen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wann ist mein Körper richtig so?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/11/17206/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kreaty]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Nov 2025 09:00:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Spiegelbild]]></category>
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					<description><![CDATA[In einer Welt, die ständig an unseren Körpern etwas auszusetzen hat, fragt Kathy im Video: Was bleibt eigentlich noch echt an uns – und was machen wir nur, um anderen zu gefallen? Ein ehrlicher Blick auf Schönheitsdruck, Selbstzweifel und die Frage, wie wir uns selbst wiederfinden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In einer Welt, die ständig an unseren Körpern etwas auszusetzen hat, fragt Kathy im Video: Was bleibt eigentlich noch <em data-start="156" data-end="162">echt</em> an uns – und was machen wir nur, um anderen zu gefallen? Ein ehrlicher Blick auf Schönheitsdruck, Selbstzweifel und die Frage, wie wir uns selbst wiederfinden.</strong><span id="more-17206"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Dichte</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/11/dichte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sven Hensel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Nov 2025 10:26:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbilder]]></category>
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					<description><![CDATA[Zwischen Schönheitsidealen, schwuler Fetischkultur und Selbstakzeptanz erzählt Sven davon, was es heißt, im eigenen Körper zu wohnen – mit all seinen Dellen, Gewichten und Bedeutungen. Ein poetisches Plädoyer für Körpervielfalt, Selbstironie und die Freiheit, sich nicht ständig neu erfinden zu müssen. Ich habe einen Körper, eine Platine aus Fleisch und Neuronen, die Grundlage für die]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zwischen Schönheitsidealen, schwuler Fetischkultur und Selbstakzeptanz erzählt Sven davon, was es heißt, im eigenen Körper zu wohnen – mit all seinen Dellen, Gewichten und Bedeutungen. Ein poetisches Plädoyer für Körpervielfalt, Selbstironie und die Freiheit, sich nicht ständig neu erfinden zu müssen.</strong><span id="more-17202"></span></p>
<p>Ich habe einen Körper, eine Platine aus Fleisch und Neuronen, die Grundlage für die Befestigung und Verbindung meiner Schaltkreise, die ein kleiner wabbeliger Glibber-Tentakelhaufen in meinem Kopf mit winzigen elektrischen Impulsen steuert.</p>
<p>Mein Körper ist 178 Zentimeter hoch, getragen von zwei Füßen in Schuhgröße 43, zwei Beinen in Hosengröße 32/30, gefolgt von einem Torso in Größe M–XL, je nach Hersteller, gekrönt von einem Kopf, dessen Hutgröße ich nie wusste, von dem ich aber schon immer wusste, dass er ein Dickschädel ist.</p>
<p>Mein Körper hat Zähne, die von Zahnärzten Komplimente bekommen, mein Körper hat Zahnfleisch, bei dem Zahnärzte scharf einatmen. Mein Körper wird gerne berührt – im Bett, in Dunkelkammern, auf der Autobahnraststätte, beim freundlichen Händedrücken, bei schönen Umarmungen, bei intimem Sex.</p>
<p>An meinem Körper hängen Haare – für die einen zu viele, für die anderen zu wenige. An meinem Körper hängt ein Penis, von dem meiner Meinung nach zu viele Leute zu viel wissen wollen. Mein Körper ist eine Schaufensterpuppe für die Klamotten, die ich an ihm mag.</p>
<p>Mein Körper ist ein Wunder der Natur – und anstatt mich über ihn zu freuen, habe ich euch eine wichtige Information vorenthalten: die Dichte meines Körpers. Mein Körper macht gerade eine Diät, weil ihm letztens die Zahl auf der Waage nicht so gut gefallen hat und er unfreundliche Kommentare von anderen Körpern über seinen eigenen bekam. Er weiß nicht einmal, ob er es eine Diät nennen würde – manchmal sagt er dazu Fasten, manchmal Kaloriendefizit, aber heute sagt er das erste Mal das Wort Diät.</p>
<p>Mein Körper mag sich eigentlich und andere Körper, die so aussehen wie seiner, denn jeder body ist ein beach body. Aber die Glibbermasse, die den Körper steuert, würde sich wohler in ihm fühlen, wenn er für den Sommer seine Sommerrollen loswerden könnte, er für die Dichte seines Körpers nicht unfreundlich angehupt wird, und die einzigen Schwimmflügel, die er bräuchte, die von vor 25 Jahren sind, als er schwimmen lernte.</p>
<p>In der schwulen Welt gibt es viele verschiedene Schönheitsideale für Körper, und das einzige, dem dieser Körper davon jemals entsprach, ist, dass er sehr oft für sehr jung eingeschätzt wurde. Mein Körper war nie dick und haarig genug für einen Bären, mein Körper war nie schlaksig und haarig genug für einen Otter, mein Körper war nie dünn und haarlos genug für einen Twink. Und mehr Kategorien gibt es da nicht, die krass fetischisiert werden.</p>
<p>Mein Körper wurde schon ab und an mal freundlich „chubby“ genannt, aber dieses Label gefiel der steuernden Glibbermasse in meinem Kopf nicht so gut wie das Label „Bärchen“.</p>
<p>Ich habe einen Körper. Eine Maschine aus Fleisch und aus Neuronen, eine Maschine aus Knochen und aus Gefühlen, eine Maschine aus Organen und aus Sternenstaub.</p>
<p>In der Gesellschaft unserer Körper herrscht Fettphobie – „fett“ ist ein Adjektiv und keine Beleidigung. Ein fetter Körper kann sehr wohl ein gesunder Körper sein, ein fetter Körper kann sehr wohl ein schöner Körper sein, ein fetter Körper ist auf jeden Fall ein Körper, in dem man sich wohlfühlen kann.</p>
<p>Das sind Grundsätze, die mein Körper fest in sich verankert hat, die er nicht nur daher sagt und dann anders auf Datingplattformen handelt. Er mag Männer verschiedenster Proportionen in verschiedensten Positionen – denn ein Körper ist ein Körper ist ein Körper.</p>
<p>Und dann wog mein Körper plötzlich so viel wie noch nie in meinem Leben, und falls euch die Zahl interessiert: Auf 178 cm Höhe waren es 93 Kilogramm. 93 Kilogramm – das sind 146 Habichte, das sind 3720 einzelne Mozzarellasticks ohne Dip, das sind 7153,8 Geckobabys, das sind 465 Tausend Sandkörner, aus denen er eine Sandburg bauen könnte – das ist ein ganzer Sven.</p>
<p>Mein Körper kann sich aber nicht einmal darüber freuen, jetzt endlich ein Bär zu sein, weil er immer noch nicht haarig genug ist. Versteht mich nicht falsch: Mein Körper mag sich, meine 7153,8 Babygeckos in einem Trenchcoat. Er findet sich nackt und angezogen hübsch, aber diese Zahl auf der Waage hat ihm ganz und gar nicht gefallen.</p>
<p>Also hat er aufgehört zu essen. Also – naja, nicht aufgehört, aber die Glibbermasse im Kopf hat sich bewusst dafür entschieden, auf ihre Kalorien zu achten. Mein Körper hat einen Monat lang keinen Alkohol getrunken, keine Cola, jeden Tag drei Liter Wasser. Die einzigen Molkereiprodukte, die er zu sich nahm, waren ein kleines Glas Milch zum Frühstückseiweißbrot jeden Morgen. Er hat mehr Cardiosport getrieben, und die Pfunde begannen wieder zu purzeln.</p>
<p>Aber wieso ist es mir so wichtig, die Dichte meines Körpers zu verringern? Ich mag meine Speckröllchen – sie sehen aus wie Bulldoggen vor der Überzüchtung. Ich mag meine Dehnungsstreifen – meine Haut, mein größtes Organ, hat mir mit meinem Gewicht ein Lächeln auf uns drauf gezeichnet. Ich mag meine Tattoos, die meine Beine oberhalb des Fußknöchels zieren, weil sie Kunst sind, die mir was bedeutet und die ich für immer bei mir tragen darf.</p>
<p>Ich habe einen Körper. Mein Körper besteht aus Fleisch und Neuronen – er wird wieder zunehmen und wieder abnehmen und wieder und wieder. Mein Körper wird von einem glibberigen Wesen in meinem Kopf gesteuert, aber mein Körper ist keine Maschine. Mein Körper ist ein Körper ist ein Körper. Und mein Körper ist Dichter.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bleiben</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/11/bleiben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Celine]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Nov 2025 15:48:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Bleiben]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Schmerz]]></category>
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					<description><![CDATA[Nach vielen Jahren als Autorin verabschiedet sich Celine mit einem Text, der bleibt. Eine zarte, kraftvolle Reflexion über Schmerz, Heilung und das Wiederfinden der eigenen Stimme – ein stilles Weitergehen, das leuchtet. eigentlich würde ich mich am liebsten wegschleichen alles von meiner Wand reißen, dabei schreien und weinen, zu Boden fallen, aufprallen, liegen bleiben und]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nach vielen Jahren als Autorin verabschiedet sich Celine mit einem Text, der bleibt. Eine zarte, kraftvolle Reflexion über Schmerz, Heilung und das Wiederfinden der eigenen Stimme – ein stilles Weitergehen, das leuchtet.</strong><span id="more-17188"></span></p>
<p>eigentlich würde ich mich am liebsten wegschleichen<br />
alles von meiner Wand reißen,<br />
dabei schreien und weinen,<br />
zu Boden fallen,<br />
aufprallen,<br />
liegen bleiben<br />
und nie wieder aufstehen.</p>
<p>und während Staub von der Decke fällt,<br />
würde ich mich in ihm verbergen,<br />
unsichtbar werden,<br />
ein Verschwinden ohne Spur,<br />
nur die Stille,<br />
die noch lange nach mir klingt.</p>
<p>ein zerbrochener Rahmen,<br />
ein Kissen voller Salz,<br />
ein Zimmer, das mich nicht mehr kennt.</p>
<p>und wenn jemand ruft,<br />
antworte ich nicht,<br />
weil meine Stimme<br />
schon längst fort ist.</p>
<p>und doch,<br />
irgendwo in diesem Schweigen,<br />
regt sich ein kleiner Funke,<br />
ein Zittern, das nach oben zieht.</p>
<p>meine Hände finden den Boden,<br />
meine Rippen erinnern sich an Atem,<br />
mein Herz klopft lauter als die Angst.</p>
<p>ich richte mich auf,<br />
noch schwankend, noch wund,<br />
aber da — ich stehe.</p>
<p>die Wände sind kahl,<br />
doch meine Schultern tragen Licht,<br />
und jeder Schritt<br />
ist der Beweis,<br />
dass ich zurückkehre<br />
zu mir.</p>
<p>zu dem Teil,<br />
der nie ganz verschwunden war,<br />
nur verschüttet unter Tränen<br />
und zerbrochenen Rahmen.</p>
<p>zurück zu deiner Mitte,<br />
zu deinem Namen,<br />
zu der Stimme,<br />
die jetzt wieder hörbar wird.</p>
<p>nicht zu dem, was war,<br />
sondern zu dir,<br />
der du jetzt bist:<br />
verwundet,<br />
aber wach,<br />
gebrochen,<br />
doch aufrecht.</p>
<p>und mit jedem Atemzug<br />
fällt noch ein Rest der alten Haut<br />
ab von mir,<br />
leise, wie Schnee im Frühjahr.</p>
<p>ich spüre mich neu,<br />
nicht ganz,<br />
aber echt genug,<br />
um weiterzugehen.</p>
<p>kein Ziel,<br />
nur Richtung.<br />
kein Versprechen,<br />
nur der Mut,<br />
nicht mehr stillzustehen.</p>
<p>und irgendwo<br />
zwischen gestern und morgen<br />
flimmert ein schmaler Streifen Licht,<br />
wie eine Erinnerung daran,<br />
dass selbst das Ende<br />
nur ein Anfang war.</p>
<p>ich atme<br />
und lasse zu,<br />
dass es mich trägt —<br />
dieses Leben,<br />
unvollkommen,<br />
unbeirrt,<br />
mein.</p>
<p>und manchmal,<br />
wenn die Nacht mich wieder ruft,<br />
spüre ich das alte Zittern,<br />
das Flackern in den Rippen,<br />
den Schatten meiner eigenen Furcht.</p>
<p>doch diesmal bleibe ich.<br />
ich sehe hin,<br />
lasse sie durch mich hindurch,<br />
diese Wellen aus gestern,<br />
bis sie kleiner werden,<br />
fast still.</p>
<p>ich lerne,<br />
dass Heilung kein Licht ist,<br />
sondern ein Glimmen,<br />
ein kaum sichtbarer Atemzug,<br />
der bleibt,<br />
wenn alles andere fort ist.</p>
<p>meine Finger tasten über Narben<br />
wie über Landkarten —<br />
Zeichen,<br />
dass ich hier war,<br />
dass ich bleibe.</p>
<p>und irgendwo,<br />
hinter dem Lärm der Tage,<br />
beginnt etwas zu wachsen:<br />
kein Frieden,<br />
aber ein sanftes Verstehen,<br />
dass es reicht,<br />
heute da zu sein.</p>
<p>ich trage meine Stille<br />
nicht mehr wie eine Wunde,<br />
sondern wie eine Hand,<br />
die mich hält,<br />
wenn niemand sonst bleibt.</p>
<p>und in diesem Halten<br />
liegt ein Versprechen,<br />
leise und wahr:</p>
<p>ich gehe weiter.<br />
nicht zurück,<br />
nicht fort,<br />
sondern tiefer hinein<br />
in das,<br />
was Leben heißt.</p>
<p>zu guter Letzt:<br />
ein kleines Danke —<br />
an meintestgelände,<br />
für Raum,<br />
für Resonanz,<br />
für Stille zwischen den Zeilen.</p>
<p>für jedes Wort,<br />
das dort landen durfte,<br />
für jedes Echo,<br />
das mich leiser und klarer gemacht hat.</p>
<p>das hier war mein letzter Text<br />
für eine Weile.<br />
ich lege die Worte ab,<br />
nicht aus Schmerz,<br />
sondern aus Atem.</p>
<p>danke,<br />
dass ihr mitgelesen habt —<br />
in all dem Bruch,<br />
im Leuchten danach.</p>
<p>bis irgendwann,<br />
wenn wieder etwas in mir spricht.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Alle Farben, die ich war</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/07/alle-farben-die-ich-war/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lina]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Jul 2025 09:00:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[alle farben]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[pride month]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=17022</guid>

					<description><![CDATA[Lina beschreibt eine bewegende Reise durch Farben, Identitäten und Liebe – eine Geschichte über Mut, Wandel und das wahre Ich. Mein erster Pride, fast zehn Jahre her, die Straßen ein Regenbogenmeer: Rot Orange Gelb Grün Blau Violett  Ich lief mit, nur um Freunde zu supporten. Ich lief mit, weil Schweigen nie meins war. Ich lief]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Lina beschreibt eine bewegende Reise durch Farben, Identitäten und Liebe – eine Geschichte über Mut, Wandel und das wahre Ich.</strong><span id="more-17022"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Mein erster Pride,</span><br />
<span data-contrast="auto">fast zehn Jahre her,</span><br />
<span data-contrast="auto">die Straßen ein Regenbogenmeer:</span><br />
<span data-contrast="auto">Rot </span><br />
<span data-contrast="auto">Orange</span><br />
<span data-contrast="auto">Gelb </span><br />
<span data-contrast="auto">Grün </span><br />
<span data-contrast="auto">Blau </span><br />
<span data-contrast="auto">Violett </span> <span data-contrast="auto">Ich lief mit,</span><br />
<span data-contrast="auto">nur um Freunde zu supporten.</span><br />
<span data-contrast="auto">Ich lief mit,</span><br />
<span data-contrast="auto">weil Schweigen nie meins war.</span><br />
<span data-contrast="auto">Ich lief mit,</span><br />
<span data-contrast="auto">um einfach da zu sein.</span><br />
<span data-contrast="auto">Ein Jahr später:</span><br />
<span data-contrast="auto">gehüllt in Rosé und Weiß –</span><br />
<span data-contrast="auto">die Farben der Lesbian Pride.</span><br />
<span data-contrast="auto">Mein Vater neben mir in Dresden,</span><br />
<span data-contrast="auto">trug ein Schild:</span><br />
<span data-contrast="auto">„My daughter is gay and I’m damn proud.“</span></p>
<p><span data-contrast="auto">Jahre in denselben Farben,</span><br />
<span data-contrast="auto">im selben Label,</span><br />
<span data-contrast="auto">als wär das mein Platz.</span><br />
<span data-contrast="auto">Dann traf ich jemanden –</span><br />
<span data-contrast="auto">er, trans.</span><br />
<span data-contrast="auto">Und plötzlich:</span><br />
<span data-contrast="auto">neue Farben</span><br />
<span data-contrast="auto">Die Flagge wechselte.</span><br />
<span data-contrast="auto">Pink </span><br />
<span data-contrast="auto">Gelb </span><br />
<span data-contrast="auto">Blau </span><br />
<span data-contrast="auto">Pansexual Pride.</span></p>
<p><span data-contrast="auto">Doch der CSD war nie nur Party.</span><br />
<span data-contrast="auto">Es war Widerstand.</span></p>
<p><span data-contrast="auto">Dann:</span><br />
<span data-contrast="auto">wieder ein Wandel.</span><br />
<span data-contrast="auto">Schwarz </span><br />
<span data-contrast="auto">Weiß </span><br />
<span data-contrast="auto">Gelb </span><br />
<span data-contrast="auto">Lila</span><br />
<span data-contrast="auto">Nonbinary Pride.</span><br />
<span data-contrast="auto">Ich weiß nicht,</span><br />
<span data-contrast="auto">ob das alles in Frage stellt</span><br />
<span data-contrast="auto">oder endlich eine Antwort ist.</span><br />
<span data-contrast="auto">Ich weiß nur:</span><br />
<span data-contrast="auto">Ich bin keine Frau.</span><br />
<span data-contrast="auto">Ich war nie „sie“.</span><br />
<span data-contrast="auto">Ich verstehe nicht,</span><br />
<span data-contrast="auto">was eine Frau sein soll –</span><br />
<span data-contrast="auto">nicht biologisch,</span><br />
<span data-contrast="auto">nicht gesellschaftlich.</span><br />
<span data-contrast="auto">Ich finde mich nicht</span><br />
<span data-contrast="auto">in Kategorien,</span><br />
<span data-contrast="auto">die mich nie gefragt haben.</span><br />
<span data-contrast="auto">Und trotzdem,</span><br />
<span data-contrast="auto">ich war all diese Farben.</span><br />
<span data-contrast="auto">War rot, rosa, pink, gelb,</span><br />
<span data-contrast="auto">blau, weiß, lila,</span><br />
<span data-contrast="auto">und jedes Mal</span><br />
<span data-contrast="auto">war ich echt.</span><br />
<span data-contrast="auto">Ich kann nicht sagen,</span><br />
<span data-contrast="auto">ob ich die Pan- oder die Nonbinary-Flagge trage</span><br />
<span data-contrast="auto">in diesem Jahr.</span><br />
<span data-contrast="auto">Oder mit wem ich laufe.</span><br />
<span data-contrast="auto">Aber ich laufe.</span><br />
<span data-contrast="auto">Weil ich dich heiraten will.</span><br />
<span data-contrast="auto">Weil ich Angst habe</span><br />
<span data-contrast="auto">vor denen,</span><br />
<span data-contrast="auto">die uns nicht wollen.</span><br />
<span data-contrast="auto">Weil ich glaube,</span><br />
<span data-contrast="auto">dass unsere Liebe</span><br />
<span data-contrast="auto">Revolution ist.</span><br />
<span data-contrast="auto">Und wenn ich wieder wechsel –</span><br />
<span data-contrast="auto">Farben, Namen, Pronomen –</span><br />
<span data-contrast="auto">dann nicht, weil ich unentschlossen bin,</span><br />
<span data-contrast="auto">sondern weil ich wachse.</span><br />
<span data-contrast="auto">Und egal, welche Flagge,</span><br />
<span data-contrast="auto">ich trage sie stolz.</span><br />
<span data-contrast="auto">Denn alle Farben, die ich war,</span><br />
<span data-contrast="auto">waren ein Teil</span><br />
<span data-contrast="auto">vom Regenbogen.</span><span data-ccp-props="{&quot;134233117&quot;:true,&quot;134233118&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn Dysthymie sprachloses Ertrinken ist, dann ist Therapie Worte finden und schwimmen lernen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/07/dysthymie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Laura]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Jul 2025 11:56:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Depressionen]]></category>
		<category><![CDATA[Dysthymie]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=17005</guid>

					<description><![CDATA[Wenn du ’funktionieren’ kannst, heißt das nicht, dass es dir gut geht. In ihrem ersten Text auf meinTestgelände schreibt Laura über die Diagnose Dysthymie. „Gib mir nur ´nen Tag, den ich spüren kann/war letztens mal draußen, weißt du wann?“, singt Kayla Shyx aus ihrem Song „wieder“ auf ihrem Releasekonzert in Berlin. Eigentlich ist es Mai]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span class="_ap3a _aaco _aacu _aacx _aad7 _aade" dir="auto">Wenn du ’funktionieren’ kannst, heißt das nicht, dass es dir gut geht. </span>In ihrem ersten Text auf meinTestgelände schreibt Laura über die Diagnose <span class="_ap3a _aaco _aacu _aacx _aad7 _aade" dir="auto">Dysthymie.</span></strong><span id="more-17005"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">„Gib mir nur ´nen Tag, den ich spüren kann/war letztens mal draußen, weißt du wann?“, singt Kayla Shyx aus ihrem Song „wieder“ auf ihrem Releasekonzert in Berlin. Eigentlich ist es Mai 2025, aber plötzlich ist es wieder Winter 2020 und ich spüre mich selbst seit Wochen nicht mehr. Bildschirmzeit 10 Stunden, ich wechsele zwischen Instagram, TikTok und einem Text für die Uni. Ich schwitze meinen Pyjama durch, zittere gleichzeitig und fühle mich, als wär ich einen Marathon gelaufen – dabei war ich heute nicht mal draußen. Irgendetwas in mir ist so unruhig, dass ich nicht stillhalten kann – und trotzdem bin ich so müde, so erschöpft. Als ich um drei Uhr nachts an einem Dienstag endlich Zähne putzen gehe, mischt sich der aschfahle Geschmack meiner Tränen mit dem Zahnpastaschaum. In mir diese kleine fiese Stimme, die mir und meinem Spiegelbild zuflüstert: „Das hat doch alles keinen Sinn. Du bist sinnlos.“  </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Am nächsten Tag lache ich mit meiner Schwester und tanze ausgelassen in der Küche zu Taylor Swift mit ihr, aber mein Strahlen erreicht meine Augen nicht. Ein paar Wochen klicke ich auf die Ergebnisse meiner Online-Klausuren, sehe die Einsen, schließe den Laptop, wandere die zwei Schritte von meinem Schreibtisch zu meinem Bett und… weine. Eine Stunde später schmecke ich das Salz meiner Tränen noch auf meinen verkrusteten Lippen und lächle in die Kamera: „Na, was hast du heute in Mathe aufbekommen? Dann lass uns mal beginnen!“ </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Zwischen 2020 und 2021 werde ich neunzehn Jahre alt und wie der Rest meiner Generation im Lockdown langsam erwachsen. Ich mache Online-Workouts mit Maddy Morrison, werde vegetarisch und dann vegan, backe Bananenbrot und finde neue Freund:innen im Zoom-Chatfenster in Uni-Seminaren. Ich verliebe mich, lächle auf Dates und in analoge Kameras, stoße mit Tequila an, strahle, strahle, strahle. Eine „ganz normale“ Teenagerin mit vielen Privilegien, die andere in der Corona-Pandemie nicht haben. Und trotzdem: weine, weine und weine ich. Mehrmals wöchentlich hyperventiliere ich, mache meine Familie mit meiner Unausgeglichenheit verrückt. Nach Zoom-Calls gebe ich T-H-E-R- im Suchverlauf ein und schließen den Tab schnell wieder beschämt. Wische mir die Tränen mit dem Ärmel meines Thrasher-Pullis weg und schäme mich. Wieso genauso sollte ICH bitte in Therapie gehen? Ich habe ein Dach über dem Kopf, studiere erfolgreich und wohnte mit meiner Familie zusammen, die bisher alle glimpflich durch den Lockdown gekommen sind. Ich funktioniere. An einigen Tagen bin ich sogar glücklich. Warum also sollte ich einen dieser raren Therapieplätze jemand anderem wegnehmen?</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Einige Wochen später gehe ich mit meiner Mama spazieren, eine typische Lockdown-Aktivität, die Luft ist frisch und riecht angenehm nach dem Regen letzter Nacht, wir unterhalten uns über die letzte Folge „Love is Blind“, sie fragt nach dem Club und ich sage: „Ich fühle nichts mehr, Mama.“ Sie schaut mich besorgt an, aber ich komme nicht weiter. Weil  ich plötzlich nicht mehr kann. Mitten auf der Straße, zwischen dem feuchten Laub sinke ich auf die kalten Steine und…nix. Keine Tränen, keine Schreie, keine Worte, keine Erklärungen. Nichts. Nur dieser unbeschreibliche Schmerz ganz tief in mir drin, der mich voll und ganz einnimmt. Eine halbe Ewigkeit später sitze ich zu Hause, schreie meine Mama – die liebste Person, die ich kenne – an und schlage um mich und schreie und weine und weiß nicht, wohin mit mir, was falsch mit mir ist. Wieso sich das alles schon wieder so anfühlt. Mama bringt mir einen Lillifee-Tee und sagt sanft, aber bestimmt: „Du brauchst Hilfe. Ich weiß nicht mehr, wie ich dir helfen soll. Du brauchst jemanden, der das kann.“</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Es dauerte noch zig Anläufe und Anrufe, bis ich mein Erstgespräch habe. Ein weiteres halbes Jahr, in dem ich immer wieder zwischendurch denke, dass ich übertreibe. Dass es für eine extrovertierte Jugendliche wie mich normal ist, sich im Lockdown eingeengt zu fühlen; als Hypochonderin Wahnvorstellungen und intrusive Gedanken zu entwickeln und allgemein unausgeglichen, antriebslos und abgestumpft zu sein. Die Pandemie bietet mir so viel Stoff, mich zu gaslighten. Dazu kommt, dass ich keine Worte für meine Gefühle habe. Bin ich depressiv? Definitiv nicht, ich liege nicht nur im Bett, Schnittwunden zieren meine Arme nicht – ich sehe nicht aus wie die Girls auf Tumblr, nicht wie die Figuren von John Green. Ich lache, schreibe gute Noten, arbeite, gehe auf Partys mit zehn Haushalten. Ich habe einfach nur zu viel Zeit. Zeit nachzudenken: über Gespräche mit meinem Vater, Dynamiken, die mich seit Jahren erdrücken. Nichts Besonderes. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Aber darum geht es nicht. Mein Leiden ist vielleicht nicht einzigartig, obwohl meine Geschichte damit einzigartig ist. Ich verdiene Hilfe und muss nicht in irgendwelche Bilder passen, die wir gesellschaftlich Menschen mit psychischen Erkrankungen aufdrücken wie Schablonen. Später erfahre ich, dass deutschlandweit außerdem nur ca. 1,5% von dem betroffen sind, was ich hatte. Dabei kann ich nicht für diese anderen sprechen. Aber: ich kann für mich schreiben, ich kann diese Leerstelle versuchen mit ersten Worten zu füllen. Zum Beispiel mit dem Wort „Dysthymie“ – meiner Diagnose, die mein Therapeut als eine Art „Subdepression“ beschreibt. Langanhaltende depressive Verstimmungen, nie stark oder anhaltend genug, um sie als Depression einzustufen, erklärt mir eine Freundin, die Psychologie studiert. Aber selbst diese Diagnose fühlt sich wie Gaslighting an, denn erstens wie antworten auf: „Dysthe…was?“, wenn jemand nachfragt und zweitens, wie standhaft bleiben und den eigenen Leidensdruck nicht wieder kleinreden , wenn jemand sagt: „Ach dann kann´s ja nicht so schlimm sein, wenn´s keine richtige Depression ist.“ Oder einer meiner Dates den geistreichen Take abgibt: „Haben wir nicht alle sowas? Depri light? Achterbahn der Gefühle halt?“ Selbst jetzt beim Schreiben dieses Textes, Jahre und viele Poetry Slam Texte über meine Erkrankung später, fällt es mir immer noch schwer, diese unbändige Traurigkeit in Worte zu fassen, sie nicht zu relativieren. Wieso dieses Gefühl wie Wellen immer wieder verschwindet, nur um mich dann unter ihm zu begraben. Bis ich mich wieder an mein Seepferdchen erinnere, schwimme, strample. Und dann merke, dass das Seepferdchen nicht ausreicht – und wieder unterzugehen drohe.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Deshalb ist es wichtig, zu wissen, dass es erlaubt ist, sich Rettungsringe zu holen. Therapie war für mich genau das: Schwimm- und Atemübungen, ein Rettungsring im Ernstfall, eine Schwimmweste für später und Worte wie eine Trillerpfeife, mit denen ich Alarm schlagen kann, mit denen ich mich ausdrücken kann. Und damit mehr Menschen diese Hilfe bekommen, müssen wir nicht nur unsere Therapieplätze endlich erweitern, liebe Bundesregierung. Sondern auch immer wieder, wenn wir Kapazitäten haben, darüber sprechen: Erfahrungen zu teilen, Zeilen schreiben, zuhören, sichtbar sein, Räume schaffen. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Erst 2023 lese ich zum ersten Mal ein Buch, in dem die Protagonistin mit Dysthymie diagnostiziert wird. Und auch wenn ich an „I want to die but I want to eat tteokbokki” von Baek Sehee vieles oberflächlich und die Therapeutin toxisch fand, hätte ich mich vielleicht früher getraut und mir und meinem jugendlichen Ich eine Menge Leid ersparen können, wenn ich gewusst hätte, dass es das gibt. Dass es da ein Wort für meinen Schmerz gibt. Deswegen, falls du das hier gerade liest, hoffe ich, dass all meine Worte gerade ein Gegengewicht zu deinem Gaslighting und Schmerz darstellen und dir stattdessen comfort schenken können.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">„alles, was ich wieder will: ist das Licht in mir drin“, damit beendet Kayla Shyx´ engelsgleiche Stimme den Song und ich bin zurück, im Hier und Jetzt. Ich habe mein Licht längst wiedergefunden. Und trotzdem gibt es bis heute Tage, an denen meine Welt vor meinen Augen verschwimmt und meine Glieder sich schwer anfühlen, als wäre ich in Olivenöl getaucht. Auch heute, trotz etlicher Gedichte und Gespräche über meinen Genesungsprozess, treffe ich die Dysthemie als alte Bekannte wieder. Manchmal winken wir uns von der anderen Straßenseite zu, manchmal verbringt sie unangekündigt zwei Nächte auf der Schlafcouch in meiner WG. Immer mal wieder ist da diese Stimme wie ein lästiger Ohrwurm. Aber meistens sind diese dunklen Gewitterwolken, aus denen Antriebslosigkeit, Erschöpfung und Minderwertigkeitskomplexe auf mich herabprasseln, eben nur noch ein Regenschauer, der vorbeizieht. Und wenn aus Regenpfützen doch mal Seen werden, dann hab ich zum Glück mittlerweile mehr als ein Seepferdchen.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ich bin glücklich. Punkt.</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/06/ich-bin-gluecklich-punkt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lina]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jun 2025 08:00:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
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					<description><![CDATA[Lina&#8217;s neuer Text ist ein Statement gegen pathologisiertes Frausein und vermeintliche Fürsorge: Ein kraftvoller Ruf nach Selbstbestimmung, ein feministischer Blick auf mentale Gesundheit – und ein radikales Bekenntnis zu einem Glück, das nicht erklärt, sondern einfach ist. Ich bin glücklich. Punkt. Nicht weil ich alles geschafft habe. Nicht weil alles gut ist. Sondern weil ich]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Lina&#8217;s neuer Text ist ein Statement gegen pathologisiertes Frausein und vermeintliche Fürsorge: Ein kraftvoller Ruf nach Selbstbestimmung, ein feministischer Blick auf mentale Gesundheit – und ein radikales Bekenntnis zu einem Glück, das nicht erklärt, sondern einfach <em>ist</em>.</strong><span id="more-16970"></span></p>
<p>Ich bin glücklich. Punkt.<br />
Nicht weil ich alles geschafft habe.<br />
Nicht weil alles gut ist.<br />
Sondern weil ich begriffen habe, dass Glück kein Endzustand ist,<br />
sondern ein Moment, den ich mir nehme, wenn ich atmen kann.</p>
<p>Und ich kann atmen.</p>
<p>Ich sage: Ich bin glücklich. Punkt.</p>
<p>Und was ich höre, ist:<br />
„Du wirkst überdreht.“<br />
„Du hast doch wieder keine Therapie gemacht.“<br />
„Du hast doch wieder diesen manischen Blick.“<br />
„Das klingt doch nicht gesund.“<br />
„Pass auf, nicht dass du wieder krachst.“<br />
„Warte mal zwei Tage, dann bist du wieder am Boden.“</p>
<p>Du sagst: „Ich mache mir nur Sorgen.“<br />
Ich höre: „Ich traue dir dein Glück nicht zu.“<br />
Ich höre: „Du passt nicht in mein Bild von mentaler Gesundheit.“</p>
<p><b>Ich höre den Sound von Gaslighting in einem Care-Mäntelchen.</b></p>
<p>Ich höre nicht, was du sagst. Ich höre, was die Gesellschaft sagt.<br />
Ich höre, was man FLINTA-Personen seit Jahrhunderten sagt:</p>
<p>„Du darfst glücklich sein – aber bitte nicht so auffällig.“<br />
„Du darfst gesund sein – aber nicht auf eine Art, die uns stört.“</p>
<p><b>Wir wurden sozialisiert, unsere Wut zu schlucken.</b><br />
<b>Wir wurden sozialisiert, still zu leiden.</b><br />
<i>Uns wurde gesagt: Frauen* sind nicht laut, nicht aufmüpfig, nicht wild.</i><br />
<b>Und wenn wir leiden, dann bitte leise, mit Haltung. Elegant. Zerbrechlich, aber nicht unbequem.</b></p>
<p>Und manchmal sage ich: Ich bin glücklich.<br />
Auch wenn es nicht stimmt.<br />
Weil es muss ja.<br />
Weil es weitergeht.<br />
Weil niemand fragt, was Glück eigentlich heißt,<br />
wenn du es nur überzeugend genug sagst.</p>
<p>Meine Definition von Glück hat Abgründe gesehen.<br />
<b>Sie hat in dunklen Zimmern geschwiegen,</b><br />
während das Leben draußen weiterlief.</p>
<p>Es geht mir gut – das war oft nichts als<br />
<b>eine Spiegelfläche für den Zusammenbruch.</b><br />
Eine Rüstung aus Lächeln.<br />
Eine glatte Oberfläche über einem Beben.</p>
<p>Ich habe gelitten im Dunkeln,<br />
damit niemand das Licht anschaltet und nachfragt.</p>
<p>Wir FLINTA lernen früh:<br />
Zu viel Glück ist verdächtig.<br />
Zu viel Kraft wirkt übertrieben.<br />
Zu viel Stimme ist unweiblich.</p>
<p>Und dann sagst du: „Ich bin nur besorgt.“</p>
<p>Ich sage: Ich bin glücklich. Punkt.<br />
Nicht weil ich nie gefallen bin.<br />
Sondern weil ich wieder aufgestanden bin,<br />
auch ohne Applaus.<br />
Auch ohne dass du es gesehen hast.<br />
Auch ohne dass jemand geklatscht hat.</p>
<p>Ich bin nicht überlebend, um deiner Vorstellung von Gebrochenheit zu entsprechen.<br />
Ich bin nicht deine Projektionsfläche für ein pathologisiertes Frausein.</p>
<p>Ich bin nicht deine Held:innengeschichte.<br />
Ich bin nicht deine Warnung.<br />
Ich bin nicht deine Therapeut:in.<br />
Ich bin nicht dein Trauma-Vergleich.<br />
Ich bin glücklich. Punkt.</p>
<p>Und ja: Ich habe Therapie gemacht. Ich mache sie noch. Ich werde sie wohl mein Leben lang machen.<br />
Und ja: Ich habe Medikamente genommen. Ich nehme sie manchmal noch.<br />
Und nein: Ich schulde dir kein mentales Gesundheitstagebuch.</p>
<p>Weil ich als FLINTA-Person <b>immer erklären muss, warum ich lebe, wie ich lebe.</b><br />
Warum ich nicht leise bin.<br />
Warum ich mich freue.<br />
Warum ich funktioniere.<br />
Warum ich nicht funktioniere.</p>
<p>Weil FLINTA oft nicht krank genug für Hilfe sind – und nicht gesund genug für Vertrauen.</p>
<p><b>Weil Glück für viele von uns ein Akt der Rebellion ist.</b></p>
<p>Feministische Perspektiven auf Mental Health sagen längst:<br />
Wir dürfen nicht über psychische Gesundheit sprechen,<br />
ohne über <b>Care-Arbeit</b>, <b>strukturelle Ungleichheit</b>, <b>medizinisches Gaslighting</b>,<br />
und die lange Geschichte der Pathologisierung weiblichen Verhaltens zu sprechen.</p>
<p>Die Soziologin Eva Illouz schreibt:<br />
„Gefühle sind nicht privat. Gefühle sind politisch.“</p>
<p><b>Lebensrealitäten von uns werden wieder und wieder falsch verstanden, </b></p>
<p><b>entwertet </b></p>
<p><b>ignoriert </b></p>
<p>Vielleicht bin ich glücklich, obwohl ich all das weiß.<br />
Vielleicht bin ich glücklich, weil ich all das weiß und das Privileg habe mich zu bilden.<br />
Vielleicht bin ich glücklich, <b>weil ich endlich aufhöre, mich zu erklären.</b></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zu laut, zu viel, zu emotional?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/05/zu-laut-zu-viel-zu-emotional/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Romy]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 May 2025 09:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstliebe]]></category>
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					<description><![CDATA[Als “unkompliziert” wahrgenommen zu werden, erschien Romy für lange Zeit erstrebenswert. Insbesondere weil dies ein Bild von Frauen zeichnet, das gesellschaftlich anerkannt ist. In ihrem neuen Text zeigt Romy ihren eigenen Weg zur Selbstakzeptanz und ermutigt dazu, Raum einzunehmen, eigene Meinungen zu äußern und Emotionen zuzulassen. „Lass dir nicht einreden, dass du lieb, soft schwach]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Als “unkompliziert” wahrgenommen zu werden, erschien Romy für lange Zeit erstrebenswert. Insbesondere weil dies ein Bild von Frauen zeichnet, das gesellschaftlich anerkannt ist. In ihrem neuen Text zeigt Romy ihren eigenen Weg zur Selbstakzeptanz und ermutigt dazu, Raum einzunehmen, eigene Meinungen zu äußern und Emotionen zuzulassen.</strong><span id="more-16901"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">„Lass dir nicht einreden, dass du lieb, soft schwach und links zu sein hast“ – das sagt AfD-Politiker Maximilian Krah in einem seiner TikTok Videos, dass er gezielt an junge Männer richtet. Und er ist nicht der Einzige, der mit seinen Videos toxische Männlichkeitsbilder vermittelt. Er ist nicht der Einzige, der „lieb sein“ bei Männern mit „Schwäche“ in Verbindung bringt. Auf den Sozialen Medien wimmelt es von Dating Coaches, die zur Übergriffigkeit aufrufen, die ein „Nein“ als „Herausforderung“ bezeichnen. Die sich wünschen, dass „Männer endlich wieder richtig männlich sind“ – was auch immer das genau heißen mag.  Auch andere Content CreatorInnen, die ZuschauerInnen erklären, warum wir wieder zur „wahren Weiblichkeit“ zurückkehren müssen, finden immer wieder ihren Weg auf die For-You-Page. Die „Wahre Weiblichkeit“ impliziert hier: Bereitwillig folgen und nicht zu viele Umstände machen.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Aber nicht nur durch die sozialen Medien, auch durch unser gesellschaftliches und soziales Umfeld, wie beispielsweise der Schule, merken wir schon sehr früh, wie wir uns zu verhalten haben. Wir merken, was von uns erwartet wird. Wir merken, dass diese Erwartungen sich oft darin unterscheiden, ob wir als biologisch männlich oder weibliche Person geboren werden. Meistens beugen wir uns dem und versuchen, uns daran zu halten. So ging es auch mir – und ich arbeite schon lange daran, mich von diesen Eigenschaften zu lösen.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">„Unkompliziert“ sein: Das ist eine Eigenschaft, die ich früher als sehr erstrebenswert angesehen habe. Ich wollte es allen, gerade den männlich sozialisierten Personen in meinem Umfeld, immer recht machen. Ich wollte simpel sein, keine Umstände machen, immer zustimmen. Und wenn ich doch mal nicht die Meinung teilte, habe ich höchstens ganz leise widersprochen. Raum einnehmen, laut sein, diskutieren – das kam für mich nicht ansatzweise in Frage. Ich dachte mir: „Wenn ich unkompliziert bin, dann werde ich gemocht“. Und so habe ich angefangen, meine Bedürfnisse, meine Ansichten und Meinungen hintenanzustellen. Wenn Personen sich mir gegenüber respektlos verhalten haben, dann habe ich das akzeptiert. Still und leise.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Und das ist nicht alles. Über eine sehr lange Zeit habe ich mich dafür geschämt, viel zu fühlen. Es war mir unangenehm, dass ich selten für mich selbst einstehen konnte, und mich gleichzeitig vieles sehr stark mitgenommen hat. Ich habe lange noch über Gespräche nachgedacht, warum ich mich nicht anders verhalten habe, warum ich nichts gesagt habe. Ein „Warum“ nach dem anderen. Ich habe eine ganze Palette an Emotionen ganz ausführlich durchlebt – und das tu ich auch heute noch. Ich habe nur meinen Umgang damit verändert. Und ganz signifikant dabei ist: Ich bin nicht mehr so streng zu mir selbst.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Wir sind fast im Dauertakt dabei, uns selbst zu bewerten. Warum haben wir dies getan und nicht jenes, warum haben wir das gesagt und nichts anderes, weshalb haben wir so reagiert und nicht unterschiedlich. Und gerade als weibliche Personen machen wir uns dabei besonders Gedanken, ob wir es allen Recht machen konnten, ob wir keinem auf den Schlips getreten sind, ob wir nicht zu viel Raum eingenommen haben, zu laut waren, zu viel waren. Das alles sind Verhaltens- und Denkmuster, von denen wir nach und nach versuchen können, uns zu trennen. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich habe keinen „ultimativen Tipp“, wie man sich endgültig davon lösen kann – ich bin selbst noch mittendrinnen. Sein eigenes Verhalten zu reflektieren und zu überlegen, was man akzeptiert und woran man arbeiten möchte – das ist ein Prozess, der sich vermutlich durch unser gesamtes Leben zieht. Und das ist auch gut so. Also möchte ich alle LeserInnen dazu aufrufen: Es ist nicht falsch, Raum einzunehmen. Genauso wenig wie eine eigenständige Meinung zu haben oder zu widersprechen. Und genauso okay ist es, viele Emotionen zu spüren und die auch zuzulassen und zu zeigen. Das gehört zu uns.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Weiterleben</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/10/weiterleben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mäx]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Oct 2024 07:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Leben - wie ich will]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=16210</guid>

					<description><![CDATA[Das Ende einer Beziehung bedeutet nicht automatisch das Ende der Gefühle &#8211; sogar wenn die Trennung das Richtige war. Ich laufe in der Küche auf und ab. Es ist noch ungemütlich von der letzten Putzaktion meines paranoiden Mitbewohners. Ich denke an dich. Eigentlich ist nichts passiert, um das man viel Aufhebens machen müsste. Jetzt geht]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das Ende einer Beziehung bedeutet nicht automatisch das Ende der Gefühle &#8211; sogar wenn die Trennung das Richtige war.</strong><br />
<span id="more-16210"></span></p>
<p><span data-contrast="none"><br />
Ich laufe in der Küche auf und ab. Es ist noch ungemütlich von der letzten Putzaktion meines paranoiden Mitbewohners. Ich denke an dich. Eigentlich ist nichts passiert, um das man viel Aufhebens machen müsste. Jetzt geht es so weiter wie vorher, aber ich fühle mich verändert. Ein Riss in der Realität, jemand hat die Tür zu einem Paralleluniversum einen Spalt breit geöffnet, und jetzt stehe ich gelähmt vor ihr und bewundere die funkelnden, bunten, feurigen und angsteinflößenden Farben. Ich weiß, dass ich nicht hindurchgehen werde, mit Gewissheit. Aber ich stehe wie angewurzelt und staune. Ich meine, eine Schwere in dir gespürt zu haben. Ich hatte nicht erwartet, mal der mit Zufriedenheit und Leichtigkeit zu sein, vor allem nicht von uns beiden. Ich hätte gedacht, du hast es auch gefunden, das Etwas, das dir fehlt, ich hab&#8217;s dir gewünscht, es nimmt mich mit, dich so zu sehen. Und es verwirrt mich, wenn du sagst, dass du froh bist, dass ich noch lebe. Für mich ist das so lange her&#8230; auf eine merkwürdige Art rührt es mich. Dieses Stückchen von dir werde ich immer in mir tragen. Aber es ist gut so, wie es ist. Diese Intensität und Zweisamkeit lässt sich auf Dauer nicht aushalten, ich will mich nicht mehr so zerreißen lassen. Ich habe etwas von deiner Schwere mitgenommen. Ich bin still, nachdenklich, weit weg. Was machst du wohl gerade? Wie hältst du das aus? Wahrscheinlich kennst du&#8217;s gar nicht anders. Ich hoffe, du findest noch, was du suchst. Ich hab dich zu gern, um dich so mitanzusehen.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>biographische verse von 18 bis 24</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/10/biographische-verse-von-18-bis-24/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gloria]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 01 Oct 2024 07:00:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Erwachsenwerden]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Leben - wie ich will]]></category>
		<category><![CDATA[Veränderung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=16232</guid>

					<description><![CDATA[Ein paar Verse über Erwartungen, Rückschläge und dem Bestreben, sich selbst glücklich zu machen. Erwachsensein ist ein Konstrukt, findet Gloria. abitur im juni 2018 das war kurz bevor ich volljährig wurde notenschnitt 2,0 eigentlich gut genug für die uni aber von studieren hatte ich keine ahnung ein paar wochen nach dem abi zog ich aus]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein paar Verse über Erwartungen, Rückschläge und dem Bestreben, sich selbst glücklich zu machen. Erwachsensein ist ein Konstrukt, findet Gloria.<br />
<span id="more-16232"></span>abitur im juni 2018<br />
das war kurz bevor ich volljährig wurde<br />
notenschnitt 2,0<br />
eigentlich gut genug für die uni<br />
aber von studieren hatte ich keine ahnung</p>
<p>ein paar wochen nach dem abi zog ich aus<br />
leipzig<br />
freiwilliges soziales jahr<br />
wg mit zwei fremden, die zu engsten freunden wurden</p>
<p>ein jahr später fing ich das studieren an<br />
nur waren meine noten dann doch zu schlecht für meinen wunschstudiengang<br />
der war ohnehin eine willkürliche entscheidung<br />
und ich verwarf ihn 6 monate später<br />
studienabbruch<br />
überforderung</p>
<p>ein halbes jahr lang gelegenheitsjobs<br />
was nun<br />
neu studieren woanders, so die entscheidung<br />
denn in die uni wollte ich immer noch<br />
oder vielleicht dachte ich, das sollte so sein</p>
<p>ich zog dann nach frankfurt, dort war ich noch nie gewesen<br />
als landkind wirkte die stadt für mich großstädtisch<br />
(ob der skyline)<br />
und mich reizte der gedanke, noch keine verbindung zu dem ort zu haben<br />
ich konnte mich wie ein geist durch die stadt bewegen</p>
<p>mit corona kam ein einbruch<br />
studium online<br />
wie konnte ich mich überhaupt konzentrieren, frage ich mich heute<br />
mittlerweile kann ich gar nicht mehr zuhause arbeiten<br />
anscheinend ist das alles gewöhnungssache</p>
<p>2022 hatte ich mich endlich eingelebt<br />
nach ca. eineinhalb jahren<br />
beziehungen, freunde, uni, arbeit, hobbies, schreiben<br />
weltschmerz<br />
das alles unter einen hut zu bringen kam mir anstrengend vor<br />
erwachsensein kam mir anstrengend vor</p>
<p>das studium war okay<br />
8 monate erasmus<br />
wie sich das gehört<br />
so dachte ich, denn alle sagen immer, das macht man so wenn man jung ist und studiert<br />
<em>nutze die chance</em></p>
<p>ich kam zurück und studierte weiter<br />
nochmal ankommen<br />
neuer job, davor hatte ich schon zwei andere gehabt<br />
aber die waren leider mittelmäßig<br />
neue wg, praktikum, ende einer zweijährigen beziehung, brat summer</p>
<p>ich hasse erwachsensein<br />
ich liebe erwachsensein selbstverwirklichung ist nichtig<br />
wenn man halbwegs glücklich ist, wenigstens die meiste zeit über, ist doch alles okay<br />
und solange man sich zu viele gedanken machen muss um die miete oder ob man heute lieber doch nicht mehr in die kneipe sollte oder was essen<br />
leider geht das vielen so<br />
erwachsensein ist ein konstrukt</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Dünn sein</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/05/duenn-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sara]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 May 2024 10:21:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbilder]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Sport - Deine Story über Schweiß und Tränen]]></category>
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					<description><![CDATA[Als junger Mensch war Sara überzeugt sie müsste mit mehr Sport und entsprechender Ernährung ihr Gewicht reduzieren. Warum das so war und was sie aus dieser Zeit gelernt hat, erzählt sie in ihrem Text. TW Gestörtes Essverhalten Fitness begleitet mich als Thema schon ein Leben lang, aber so richtig begann das Thema mit 15. Ich]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Als junger Mensch war Sara überzeugt sie müsste mit mehr Sport und entsprechender Ernährung ihr Gewicht reduzieren. Warum das so war und was sie aus dieser Zeit gelernt hat, erzählt sie in ihrem Text.</strong><span id="more-16060"></span></p>
<p>TW Gestörtes Essverhalten</p>
<p>Fitness begleitet mich als Thema schon ein Leben lang, aber so richtig begann das Thema mit 15. Ich hatte damals einen besten Freund, der viel trainiert hat und einer von den Kandidaten war, die Spiegelbilder von ihrem angespannten Rücken gemacht haben. Eines Tages beschloss ich, dass jetzt auch der Tag gekommen war, wo ich auch mal anfange was für meinen Körper zu tun.</p>
<p>Ich war mein ganzes Leben schon sportlich aktiv und habe viele Sportarten ausprobiert wie z.B. Badminton oder Tischtennis. Bei den Bundesjugendspielen in der Schule hatte ich immer nur Ehrenurkunden und war somit alles anderes als unsportlich und auf keinen Fall übergewichtig.</p>
<p>Von einem auf den anderen Tag änderte sich meine Einstellung zu Sport völlig. Ich war geprägt von Körperbildern mit glatten Beinen, flachen Bäuchen und großen Pos. Meine Vorbilder waren Menschen wie Pamela Reif oder Lealoveslifting. Wenn ich früher vor dem Fernseher saß und mir das 5. Booty Workout ansah, war mein Gedanke nicht, dass es total Spaß macht, sondern wann ich endlich auch so dünn bin. Ich trainierte bis zu 2 Stunden täglich und aß kaum was, außer Obst und Magerquark.</p>
<p>Mein Vorhaben funktionierte und ich nahm tatsächlich ab. Ich rutschte nicht ins Untergewicht und doch hatte ich kaum meine Periode und ich sah mir ständig Videos von Menschen an, die Dinge aßen, die ich mir nicht erlaubte: z.B. Schokolade, Aufläufe oder andere &#8222;ungesunde&#8220; Sachen.</p>
<p>Wenn ich heute Bilder von früher sehe, erschrecke ich immer ein wenig. Nicht, weil ich besonders auffiel mit meiner Figur, sondern weil der Mensch, den ich auf den Bildern sehe, stets den Gedanken hatte, dass sie zu dick sei. Und das obwohl sie so weit davon entfernt war. Ich sehe einen Menschen mit einem völlig normalen und unauffälligen Körper, der aber gleichzeitig gelitten hat und sich alles verboten hat, was zu einem guten ausgewogenen Leben gehört hat.</p>
<p>Wenn ich für eine Sache dennoch dankbar bin, dann ist es der beste Freund, den ich damals hatte. Ohne ihn wäre ich so weit unter meinem Grundumsatz gewesen, dass die Konsequenz definitiv ein Klinikaufenthalt gewesen wäre. Nach diesem Erlebnis habe ich jahrelang keine Berührungspunkte mit Fitness gehabt, weil meine Angst wieder abzurutschen und in alte Muster zu verfallen zu groß war.</p>
<p>Ich war damals so jung und beeinflussbar, dass es bestimmt gereicht hätte mir klarzumachen, dass mein Körper gut genug ist und keine Optimierung braucht. Aber dass diese Gesellschaft kollektiv diese Werte vermittelt ist undenkbar, schließlich bringen unzufriedene Menschen mehr Profit und mehr Potenzial Diätshakes und Geschmackspulver zu verkaufen.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Alles möglich*e</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/04/alles-moegliche/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Siri_us]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Apr 2024 07:44:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstfindung]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Text über Selbstfindung, über Gemeinsamkeiten und Abgrenzung, zwischen Wandel und Verbundenheit, Liebe und Hass. Zwischen damals und heute Viel Wasser – im Fluss hat mein Fluss sich verändert? Was kann ich? Was muss? Ich lasse das Hassen, mich selbst und „die andern“ wir sind so viel gleicher als jemals gedacht. Wir sind so verschieden,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein Text über Selbstfindung, über Gemeinsamkeiten und Abgrenzung, zwischen Wandel und Verbundenheit, Liebe und Hass.</strong><br />
<span id="more-16000"></span></p>
<p>Zwischen damals und heute<br />
Viel Wasser – im Fluss<br />
hat mein Fluss sich verändert?<br />
Was kann ich? Was muss?</p>
<p>Ich lasse das Hassen,<br />
mich selbst und „die andern“<br />
wir sind so viel gleicher<br />
als jemals gedacht.<br />
Wir sind so verschieden,<br />
woll’n Grenzen verschieben,<br />
und sprengen, die Kategorien<br />
sind menschengemacht.</p>
<p>Aus Liebe, aus Hass, aus Vernunft und Vergnügen,<br />
aus Gemeinsamkeiten und Unterschieden,<br />
aus Wahrheit und Lügen sind Menschen gemacht.</p>
<p>Ich passe zu mir und ich passe zu andern<br />
und passe jetzt anders, was manchen nicht passt.<br />
Ich fühle Verbindung, zu mir, zu Gemeinschaft,<br />
und fühle den Hass, der einsam macht.<br />
Ich fühle den Schmerz, weil mein Herz sich verbindet,<br />
mit Körpern wie meinem, politisch verhasst.</p>
<p>Ich fühle mich wohler, in mir, meinem Leben,<br />
bin angekommen, um aufzustehen<br />
und neu aufzubrechen, denn hier gibt es Halt.<br />
Das Leben ist lang, doch es ist keine Leiter,<br />
hab mich viel zu lang und doch nie versteckt.<br />
Ich wollte bis hier hin und jetzt will ich weiter,<br />
weil so, wie ich bin, bin ich mehr als perfekt.</p>
<p>Perfektionismus hat nur zwei Gesichter,<br />
doch Menschen sind nicht binär, wir sind bunt.<br />
Wir schaffen und scheitern, wir streicheln und streiten,<br />
wir kämpfen und kuscheln, Betonung auf und.</p>
<p>Der Weg und der Wandel, unendliche Weiten,<br />
es gibt nicht genug – ich verschwende die Zeit.<br />
Ich hab keine Angst mehr und soo viele Ängste,<br />
Möglichkeit, Ansprüche, Liebe und Leid.<br />
Sprache ist Macht, ich erkenne die meine<br />
und nutze sie weise und oft auch so dumm.</p>
<p>Pass auf, was du sagst, aber sag was verdammt!<br />
Tu was, fang an, hör nicht auf, steh nicht rum!<br />
Zwischen richtig und falsch liegen Möglichkeiten,<br />
wie Flüsse und Meere zischen fake und real.<br />
Ich will mehr_dimensionale Geschichten verbreiten,<br />
in so vielen Schichten erschreckend banal.</p>
<p>Ich will immer mehr und „mal weniger machen“,<br />
nie genug haben und auch nicht zu viel,<br />
alles gleichzeitig machen, auch Pausen,<br />
im Alltag mit Allmacht im ganz großen Stil.</p>
<p>Zwischen damals und heute<br />
viel Fluidität,<br />
viel Leben, viel Liebe,<br />
viel „zu früh“, „viel zu spät“.<br />
Zwischen heute und morgen<br />
die gleiche Geschichte,<br />
die gleiche Geschichte<br />
mit anderem Plot.<br />
Zwischen mir und den andern,<br />
zwischen Races und Gendern,<br />
zwischen Anspruch und Umsetzung,<br />
Zwischenstop.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>An mein jüngeres Ich</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/02/an-mein-juengeres-ich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lina]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Feb 2024 11:10:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Erwachsenwerden]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Pubertät]]></category>
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					<description><![CDATA[Lina hat einen Text an ihr jüngeres Ich geschrieben. Dabei lässt sie bessere und schlechtere Erfahrungen Revue passieren und Blickt gleichzeitig auf den Menschen, der sie heute ist. Hallo kleine Lina, ababababbababababa bevor du fragst: ich nenne dich kleine Lina, weil du die Lina mit 12 bist. Größentechnisch haben wir uns nicht verändert, wir bleiben]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Lina hat einen Text an ihr jüngeres Ich geschrieben. Dabei lässt sie bessere und schlechtere Erfahrungen Revue passieren und Blickt gleichzeitig auf den Menschen, der sie heute ist.</strong><span id="more-15924"></span></p>
<p>Hallo kleine Lina,</p>
<p>ababababbababababa</p>
<p>bevor du fragst: ich nenne dich kleine Lina, weil du die Lina mit 12 bist. Größentechnisch haben wir uns nicht verändert, wir bleiben ein Hobbit. Kleiner Körper große Füße. Um deine brenneste Frage vorne weg zu nehmen: Nein. Einfach nein. Wir sind nicht mit Harry Styles zusammen.</p>
<p>Lina, es wird nicht besser aber du kannst besser damit umgehen.</p>
<p>Ich meine das hier, das auf der Bühne, dass ist jetzt dein Job. Du könntest alles auf der Bühne machen . Du könntest Spagat machen ? Du kannst kein Spagat , du könntest richtig hoch springen ? Du kannst auch nicht springen -&gt; okay du kannst ne runde Macarena tanzen. Wenn wir schon dabei sind, ich habe viel zu lange gedacht, dass das Lied auf einer Fantasiesprache ist und habe oft zu lange gesungen : ununun MACARENA unhunhu SABRINA unhunh MACARENA ehhhhh MACARENA</p>
<p>Lina, es wird nicht besser, aber du kannst besser damit umgehen</p>
<p>Es gibt Menschen die können dich nicht leiden, das ist okay: Weißt du was nie okay war ? Leo Print. Dachtest du damit etwa : WENN ICH Leoparden Print trage bin ich nie over oder underdressed, ich bin einfach nur schnell? Du warst nie schnell Lina</p>
<p>Lina es wird nicht besser, aber du kannst besser damit umgehen</p>
<p>Die Harte Wahrheit : deine Mutter wollte nicht dein Leben zerstören als deine Ausgangssperre mit 14 Mitternacht war, du warst halt einfach 14</p>
<p>Außerdem trag bitte die dicke knallrote Winteracke</p>
<ol>
<li>die Nierenbeckenentzündung war es nicht wert</li>
<li>Heute würdest du für so eine Jacke töten</li>
<li>die Kinder aus der Klasse mobben dich nicht plötzlich, weil deine Jacke komisch ist, sie mobben dich, weil du komisch bist. Und das ist nicht okay und ich weiß du kannst es kaum erwarten das diese Zeit vorbei ist, aber bitte lass dich nicht dazu hinreißen anderen Ähnliches anzutun.</li>
</ol>
<p>Lina es wird nicht besser, aber du kannst besser damit umgehen</p>
<p>Es war nie cool mit einer Tiefsitzenden Hose auf dem Aldi Parkplatz zu chillen, Ich weiß nicht was du dir davon erhofft hast, aber du hast es nicht erreicht. An dieser Stelle will ich dir einmal auf den Hinterkopf klatschen, weil wie konntest du es wagen Socken an Weihnachten scheiße zu finden. Du hast seit 2 Jahren kein vollständiges Paar mehr gesehen und Socken sind unerwartet teuer, was solltest du bitte mehr als kuschelige Füße</p>
<p>Lina es wird nicht besser, aber du kannst besser damit umgehen.</p>
<p>Ich verstehe dass du schüchtern bist, aber irgendjemand hat sich gedacht : das ist die beste Idee, an etwas besseres werde Ich nie denken und ich werde das jetzt einem ganzen Produktionsteam vorstellen : ein Tornado, aber aus Haien. Und dann gab es 8 Filme</p>
<p>Lina es wird nicht besser, aber du kannst besser damit umgehen</p>
<p>Liebes jüngeres ich, du kannst nicht immer sagen: das ist ein Problem von Zukunftslina, Zukunftslina ist Gegenwartslina und du hast gedacht du merkst dir dieses blöde Google Mail Passwort. Aber da ist nichts in deinem Kopf, und du fandest dich so witzig mit der Sicherheitsfrage: wie war der name deines ersten Haustieres: du hattest gar kein Haustier du Pisser!</p>
<p>Ich kann dir nicht versprechen dass es besser wird aber du kannst besser damit umgehen ,</p>
<p>Du hast eigentlich immer alles gehasst, deinen Körper, deinen Kopf. Standes nackt vor dem Spiegel und hast dir gewünscht alles wegradieren zu können. Einfach die Schere nehmen zu können und wegzuschneiden was dir nicht gefällt. Ich weiß du denkst du hast kein Problem und alle haben viel größere Probleme. Und irgendwann holst du dir die Hilfe und es wird scheiße und es wird warten und dann kannst du besser damit umgehen.</p>
<p>Lina, Ich bin Stolz auf dich du hast es verdient und du hast lange nicht alles richtig gemacht aber du hast das Recht glücklich zu sein</p>
<p>Also natürlich auch auf mich</p>
<p>Und wenn es scheiße wird, dann richtig</p>
<p>Aber gut wird richtig gut.</p>
<p>Ganz tief in dir drinnen,</p>
<p>hast du Stärke, hast du Mut,</p>
<p>Ja, ich bekkene mich</p>
<p>Ich bin stolz auf dich</p>
<p>Ich würd dich gern umarmen, nur einmal fest und lang</p>
<p>Um dir zu zeigen das ganz tief in dir drin dich etwas lieben kann</p>
<p>Es braucht lange, aber du wirst auch verstehen</p>
<p>Es wird nicht besser, aber du kannst besser damit umgehen.</p>
<p>&#8211; Diese kleine Box die jeder Mensch hat, mit Kabeln die man nicht zuordnen kann ? Ich habe meine weggeschmissen, und mir geht es okay damit. ( ausbauen )</p>
<p>&#8211; Ja es gibt Frühaufsteher und das ist nervig, aber es gibt auch keinen Preis für : ich wache 5 Uhr morgens auf und muss pinkeln und versuche so lang es geht mit unfassbaren Schmerzen da zu liegen.</p>
<p>&#8211; du hattest ganz dolle Angst dass jemand herausfinden würde dass du dick bist</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Willkommen bei einer neuen Folge von: Grenzen setzen!</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/02/willkommen-bei-einer-neuen-folge-von-grenzen-setzen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[AMS]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Feb 2024 11:58:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Grenzen]]></category>
		<category><![CDATA[Trauer]]></category>
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					<description><![CDATA[AMS nimmt uns weiter mit auf ihre Mission: Grenzen setzen! Im aktuellen Text beschreibt AMS eindrücklich, wie Kraftlosigkeit zu Krankheit und auf Dauer zu einer Notwendigkeit führen kann, Grenzen neu zu definieren &#8211; und wie schwer das ist. Manchmal ist das dann einfach so. It’s a funny old world. Manchmal, wenn man so macht und]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>AMS nimmt uns weiter mit auf ihre Mission: Grenzen setzen! Im aktuellen Text beschreibt AMS eindrücklich, wie Kraftlosigkeit zu Krankheit und auf Dauer zu einer Notwendigkeit führen kann, Grenzen neu zu definieren &#8211; und wie schwer das ist.</strong> <span id="more-15914"></span></p>
<p align="justify"><span style="font-size: large;"><b>Manchmal ist das dann einfach so.</b></span></p>
<p align="justify"><span lang="en-US">It’s a funny old world. </span>Manchmal, wenn man so macht und tut, dann merkt man gar nicht was man so macht und tut. Und dann, irgendwann, wenn es nicht mehr geht, dann merkt man es. Wenn man zum Beispiel krank ist. Oder wenn man trauert, gelähmt ist. Manchmal gehen Krankheit oder Trauer nach einer gewissen Zeit wieder weg. Aber manchmal auch nicht. Und dann bleibt sie, die Krankheit. Nistet sich ein. Wird chronisch. Eine überproduzierende Schilddrüse. Ein kaputter Zahn. Eine Depression. Für eine Grippe, da wird man krankgeschrieben, man bleibt zu Hause und die Leute schreiben: Gute Besserung! Werd schnell wieder gesund! Bleib zu Hause, nimm dir Zeit! – und dann nach einer oder 2 Wochen, da soll man dann wieder auf der Arbeit auftauchen. Man soll wieder in die Uni gehen. Man soll wieder Freunde treffen. Kein Problem. Aber wenn eine Krankheit chronisch ist, wenn sie sich in Mark und Bein eingefressen hat und einen einfach nicht mehr loslässt, dann muss man lernen damit zu leben. Man kann nicht dagegen ankämpfen. Man muss die Tür ein Stück aufmachen und sagen: Hallo Krankheit, wir gehen wohl ein Stück zusammen. Und weil du jetzt hier bist, kann ich ein paar andere Dinge nicht mehr machen. Meine Grenzen verschieben sich jetzt wohl. Weil ich mich nicht mehr nur auf mich, sondern auch auf dich konzentrieren muss.</p>
<p align="justify">Das Problem ist nur, manche Krankheiten sind von außen gar nicht zu erkennen. Wie ein kaputter Zahn oder eine zu aktive Schilddrüse, eine leichte bis mittlere Depression oder eine Angststörung. Und weil man sie nicht sieht, fragt niemand: oh, wie geht es dir heute? Nein, die Menschen erwarten, dass man genauso viel leistet, wie die Menschen, die eben keine Zahn- oder Schilddrüsen- oder Depressions- und Angstprobleme haben. Aber dem ist nicht so. Nein! Man steckt doppelt so viel Energie in die kleinen Dinge, wie andere Leute.</p>
<p align="justify">Und es gibt manchmal kein Ende in Sicht. Zum Beispiel bei Trauer. Manchmal geht die Trauer nach 3 Monaten. Zumindest ist das wohl ungefähr der Zeitpunkt, an dem die Menschen aufhören zu fragen, wie es denn so geht. Das ist dann wohl der Zeitpunkt, an dem man wieder arbeiten gehen sollte. An dem man wieder daten sollte. An dem man nicht mehr jeden Tag Kerzen anzünden und auf den Friedhof gehen sollte. Aber die Trauer ist nicht weg. Manchmal bleibt sie viel, viel länger, und sie sagt einfach nicht: So, jetzt gehe ich weiter. Ich war lang genug bei dir. Nein, dazu lässt sie sich einfach nicht herab. Man muss die Tür ein Stückweit aufmachen und sagen: Wir gehen jetzt eine Weile zusammen. Und vielleicht gehen wir für immer zusammen oder vielleicht bist du doch nicht so lange da wie ich dachte, vielleicht werde ich anders wegen dir und vielleicht werde ich besser wegen dir aber auf aller jeden Fall kann ich nicht gegen dich ankämpfen, weil das wäre viel zu anstrengend. Und dann muss die Trauer in das Leben einberechnet werden. Und das verschiebt Grenzen. Wie eine Krankheit, die einfach nicht weggehen will, so kann auch die Trauer bleiben. Und alles, was man fühlt, ist Verlust. Denn manchmal wird es so schwer, als würde man jeden Tag einen Marathon laufen aber einfach nicht fitter werden. Obwohl man ja eigentlich im Dauertrainingslager ist. Und weil man jeden Tag einen Marathon läuft, ist vielleicht nicht mehr so viel Energie für andere Sachen da. Und sich das einzugestehen, das ist gar nicht so einfach. Aber das Ding an der ganzen Sache ist: es geht ja nicht anders. Es ist scheiße. Aber es geht ja nicht anders. Und deswegen hat man keine Wahl. Man muss Grenzen manchmal neu setzen. Weil sich die Rahmenbedingungen ändern. Und das ist manchmal gar nicht so einfach. Aber nur, weil man dann vielleicht nicht das Praktikum machen kann oder mit 27 einen PhD anfängt oder alle CPs in einem Semester absolviert oder den Pendeljob annimmt oder die Weiterbildung zu Ende macht. Macht es uns nicht zu Menschen, die weniger wert sind. Es macht uns zu Menschen, die auf sich selbst achten. Und mehr kann man wirklich nicht verlangen.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lass es kreisen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/01/lass-es-kreisen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Diana Podoynitsyn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jan 2024 09:53:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Outing]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Autorin Diana ist queer und war bis vor Kurzem bei ihren Eltern noch ungeoutet. Erst nach ihrem Auszug hat sie sich getraut, ihren Eltern in einem Brief nicht nur von ihrer Queerness, sondern auch von ihrer politischen Haltung und ehrenamtlichen Arbeit zu erzählen. Im Folgenden schreibt sie von ihrem Weg zu dieser Entscheidung und den Folgen dieser]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Autorin Diana ist queer und war bis vor Kurzem bei ihren Eltern noch ungeoutet. Erst nach ihrem Auszug hat sie sich getraut, ihren Eltern in einem Brief nicht nur von ihrer Queerness, sondern auch von ihrer politischen Haltung und ehrenamtlichen Arbeit zu erzählen. Im Folgenden schreibt sie von ihrem Weg zu dieser Entscheidung und den Folgen dieser Zäsur. Ein Text über Coming-Out, Erwachsenwerden und viele erste Male.</strong><span id="more-15899"></span></p>
<p>Langsam wird es Herbst, noch fühlt es sich häufig an wie Spätsommer. Zwischen vielen Sonnentagen schwingt sich immer häufiger ein kühler Wind in den Vordergrund. Als ich heute in den Zug stieg, hat es in Strömen geregnet. Das Gefühl kalter Regentropfen, die sich mit meinen warmen Tränen vermischen, hat mich getröstet.<br />
Es war Frühling, als ich auszog in den Altbau, den ich bis heute so sehr romantisiere, obwohl sich Risse an der Decke abzeichnen und der Putz von der Wand fällt. Trotz Wespennest, immerzu wiederkehrenden Lebensmittelmotten und fehlender Badewanne, fehlenden Rauchmeldern, fehlenden Fliesen im Bad und einem Fenster, das sich nicht mehr schließen lässt. Mühsam schleppten wir meine Möbel durch das enge Treppenhaus, das zur Belagerung durch Fahrräder verdammt ist.<br />
Wir liegen im Bett, Hochsommer. Seine Hände gleiten über meinen Körper und streicheln mich mit einer Zärtlichkeit und Leidenschaft, die mich kurzatmig zurücklässt. „Ich will Dich endlich küssen“, sagt er. Ich strecke ihm meinen Hals entgegen. Seine Lippen liebkosen weiterhin meinen Körper, er fragt, ob seine Hände unter meine Unterhose, an meinen nackten Arsch, gleiten dürfen und ich sage ja. Ich höre die Lust in seinem Atem und spüre, wie das Kneten meiner Arschbacken drängender wird. „Ich will Dich endlich küssen“, sagt er. Ich überlege, sage ja. Er küsst mich und es ist schrecklich. Unglaublich feucht und unbeholfen. Danach erst einmal Schweigen. „Das war mein erster Kuss“, sage ich. Ich bin vor etwas über einem Monat 19 geworden, er wird 26. Ich liebe ihn über alles. Liege mit so großen Schmerzen im Bett, dass er mich mitten in der Nacht ins Krankenhaus fährt. Ich kann mich nicht mehr bewegen und tagelang nichts essen, danach nur Reis mit gebratenen Zucchini, kleine Portionen fünfmal täglich. Ich weine jeden einzelnen Tag.<br />
Meine Freiheit hat mich 85 Cent gekostet. Ein warmer Samstagvormittag, die Sonne scheint. 85 Cent. Sagt der Kassenzettel für das Briefporto. Ich schreibe all meinen Freund*innen.<br />
Jetzt ist Herbst und ich bin in Therapie. In meiner ersten Beziehung mit einem Mann, mit dem sich mittlerweile jeder Kuss so anfühlt, als würden tausend Schmetterling in meinem Bauch Halleluja im Kanon singen und mit dem ich zusammenwohne. In einer Wohnung, die durch tolle Handwerker bald wieder ein nutzbares Bad hat. Zwar immer noch ohne Rauchmelder und mit einem riesigen Riss an meiner Zimmerdecke, einem Treppenhaus voller Fahrräder, aber dafür mit einem neuen Fenster, das ich ohne Bedenken öffnen und schließen kann, wann immer ich mag.<br />
Die Blätter fallen noch nicht von den Bäumen, aber auch das ist nur eine Frage der Zeit. Ich rede wieder mit meinen Eltern. Zwar noch immer nicht über den Brief, den ich ihnen geschrieben und der mich mehr als 85 Cent gekostet hat, aber wir sprechen wieder miteinander. Zwar noch immer nicht über uns und die Frage danach, was das heißt. Aber zumindest wissen sie jetzt, dass sie nichts wissen. Ihre Tochter nicht kennen. Erst im Begriff sind, sie kennenzulernen. Was auch immer das heißt, wie auch immer das aussieht. Wie auch immer sich das gestaltet. Wie auch immer ich das schaffen soll.<br />
Meine Eltern wissen jetzt, dass ich queer bin. Wo ich politisch stehe, übertragen und ganz wörtlich. Was ich alles ehrenamtlich mache. Meine Eltern lieben mich.<br />
Mein Freund ist sieben Jahre älter als ich. Mein Freund wird Lehrer. Ich bin zum zweiten Mal Ersti und habe es zum ersten Mal nicht geschafft, meinen Stundenplan ohne ihn zu erstellen. Ich studiere<br />
Philosophie im Haupt- und Germanistik im Nebenfach. Ich werde nicht verbeamtet. Ich stehe mit einem Fuß vor der Obdach- und mit dem anderen vor der Arbeitslosigkeit. Und trotzdem sitze ich in meinem Lieblingscafé, schon die zweite heiße Schokolade trinkend mit veganer Nussecke. Meinen Lieblingskuchen haben sie heute leider nicht da. Ich werde nicht verbeamtet, ich werde schreiben und weiter für eine bessere Welt kämpfen. Und mich dabei fragen, wann ich für meine bessere Welt kämpfe. Wann ich den Achtsamkeitsübungen meiner Therapeutin eine Chance gebe, wann das klärende Gespräch mit meinen Eltern folgt. Wann ich einen Job finde, in dem ich auch einen Arbeitsvertrag mit basic workers rights.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Intention / Mein Versprechen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/01/intention-mein-versprechen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marlo]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 Jan 2024 10:11:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gedicht]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Non-binary]]></category>
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					<description><![CDATA[Dysphorie und Euphorie – Ablehnung und Akzeptanz, Marlo betrachtet und spürt their Körper, will ihn wertschätzen und doch ist er manchmal so fremd… Intention Verfasst: 15.04.2022 I dreamed about you and everyone else / about forgiveness / my heart longed for a reunion / with laughter / a touch / understanding / from you and]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dysphorie und Euphorie – Ablehnung und Akzeptanz, Marlo betrachtet und spürt their Körper, will ihn wertschätzen und doch ist er manchmal so fremd…</strong><span id="more-15890"></span></p>
<p>Intention<br />
Verfasst: 15.04.2022</p>
<p>I dreamed about you and everyone else / about forgiveness / my heart longed for a reunion / with laughter / a touch / understanding / from you and the others / the heaviness in my throat / I woke up alone and let the tension linger in my chest for a little while / then my mind saves me / again / I let go / continuing &#8211;  </p>
<p>mich und meinen körper<br />
betrachte ich<br />
mit anderen augen</p>
<p>in diesem moment<br />
existieren keine<br />
normen und ideale</p>
<p>meine blicke, im spiegel<br />
verlangen nach intimität<br />
zart und hungrig</p>
<p>still und allein<br />
zwischen mir und meiner haut<br />
neue berührungen </p>
<p>und körperstellen, die sich sehnen<br />
nach verbundenheit<br />
nach einer vertrauten nähe</p>
<p>„ich versuche wertzuschätzen,<br />
dass du hier mit mir bist.“</p>
<p>mein körper zeigt mir<br />
meine hoffnung<br />
mit jedem atemzug<br />
kann ich erkennen<br />
die schmerzen<br />
an meiner haut haftend<br />
die zweifel<br />
in meinem kopf fixierend<br />
die hemmungen<br />
in den bildern<br />
von gestern und morgen</p>
<p>ich schaffe es<br />
zu verstehen<br />
zu unterbrechen<br />
wie dysphorie<br />
und ich<br />
bis heute waren<br />
und bleiben werden</p>
<p>denn mit jedem meiner blicke<br />
und berührungen<br />
bin ich mir vertrauter  </p>
<p>in diesem moment<br />
bin ich<br />
mit meinem körper</p>
<p>with my body / each awakening / I find myself in comfort / in the expansion of my imagination / knowing one morning my body savors / the future I am creating at night – end.</p>
<p>Mein Versprechen<br />
Verfasst: 15.11.2023</p>
<p>Ich wusste bereits, ich würde wieder zurückkommen, zu dem Verlangen nach Testosteron. Die sogenannte Hormontherapie. Ich gebe mir Mühe, besonders körperliche Euphorie zu empfinden. In den Momenten und Erfahrungen mit meinen trans und queeren friends oder bekannten Personen. Überall. Ich suche nach der Nähe, die mir das Hormon Testosteron nicht geben kann. Ich suche nach einen Trost. Weil nach mehr als einem Jahr, fällt es mir weiterhin schwer meinen Körper selbst zu spüren. </p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>GEDANKEN, DIE ICH DENKE</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/01/gedanken-die-ich-denke/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Celine]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Jan 2024 10:59:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Akzeptanz]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gedanken]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=15870</guid>

					<description><![CDATA[Das eigene Spiegelbild nicht ertragen, sich aber wünschen, eines Tages im Einklang mit sich zu sein – Celine beschreibt ihre Gedanken und sucht darin Heilung. und wieder einmal sitze ich hier, auf meinem stuhl fand mich heute eigentlich ganz cool schau mich an direkt blick zurück zur wand denk nicht dran denk nicht dran denk]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das eigene Spiegelbild nicht ertragen, sich aber wünschen, eines Tages im Einklang mit sich zu sein – Celine beschreibt ihre Gedanken und sucht darin Heilung.</strong><span id="more-15870"></span><br />
und wieder einmal sitze ich hier, auf meinem stuhl<br />
fand mich heute eigentlich ganz cool<br />
schau mich an direkt blick zurück zur wand<br />
denk nicht dran<br />
denk nicht dran<br />
denk jetzt nicht daran.<br />
ich denk dran<br />
daran das ich mich heute eigentlich ganz cool fand<br />
doch alle sie mich anstarrn<br />
ich starr zurück denn ich kann<br />
dennoch denk ich viel zu oft dran<br />
daran das ich nichts mit mir anfangen kann<br />
daran das ich mich nicht immer leiden kann<br />
und auch daran das ich spiegel nicht abhaben kann<br />
sie immer wieder abhang<br />
immer wieder daran, das sie meinten das ich mich vor kameras versteckt hab..<br />
und das ich damals schon nicht auf mich klar kam.</p>
<p>und so sitze ich hier<br />
die gedanken kreisen wild<br />
frag mich, ob ich jemals find<br />
was mir so fehlt<br />
blicke in den spiegel, sehe nur ein bild,<br />
das mir nicht gefällt, das mir halt einfach nicht gefällt.<br />
denn hier mag ich es einfach nicht.<br />
und ich schwörs all das mach ich nicht mit absicht..<br />
ich kenns anders nicht<br />
und manchmal pack ich’s einfach nicht<br />
dann sitz ich hier und hör goldmund<br />
und frag mich&#8230; wer wartet dort auf mich ?<br />
ich denk einfach viel zu oft dran<br />
und ich all die antworten nicht abwarten kann<br />
denn ich will endlich anfang<br />
mich mal ganz doll lieb haben<br />
und mich mit einem lächeln fast sogar anstarrn..<br />
anstarrn weil ich das bild so endlich hochladen kann ohne immer nachzufragen<br />
wie komm ich an bei all den andern..<br />
einfach mich mal lieb haben.</p>
<p>hab eigentlich mal gesagt ich bin mit mir im einklang<br />
ich weiß nicht<br />
find das alles hier ziemlich scheisse<br />
und fragen sinds immer nur die gleichen<br />
ich geh mir selbst auf die nerven<br />
kopf sagt ein haufen scheiße<br />
und endlich sag ich sei leise ich will nicht mit auf deine reise<br />
frag mich nur<br />
für drei minuten oder eine doch ganze weile?<br />
denn trauma ist und bleibt halt einfach scheiße<br />
ich heile&#8230;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Stand up for yourself</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/12/stand-up-for-yourself/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[AMS]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Dec 2023 09:44:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Grenzen]]></category>
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					<description><![CDATA[Zu sich selbst zu stehen ist oft gar nicht so leicht. Für non-binäre Menschen manchmal ein Spagat zwischen dem erlernten Respekt vor Autoritätspersonen und dem Respekt vor sich selbst. Ein Beitrag zu ein paar grundlegenden Fragen von AMS. Willkommen zurück beim Thema „Grenzen setzen“! Heute: misgendern. Zunächst eine kleine Bestandsaufnahme meines bescheidenen Daseins: Ich nutze]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class=""><strong>Zu sich selbst zu stehen ist oft gar nicht so leicht. Für non-binäre Menschen manchmal ein Spagat zwischen dem erlernten Respekt vor Autoritätspersonen und dem Respekt vor sich selbst. Ein Beitrag zu ein paar grundlegenden Fragen von AMS.</strong><span id="more-15861"></span></p>
<p><span class="x1lliihq x1plvlek xryxfnj x1n2onr6 x193iq5w xeuugli x1fj9vlw x13faqbe x1vvkbs x1s928wv xhkezso x1gmr53x x1cpjm7i x1fgarty x1943h6x x1i0vuye xvs91rp xo1l8bm x5n08af x10wh9bi x1wdrske x8viiok x18hxmgj" dir="auto"><span class="x193iq5w xeuugli x1fj9vlw x13faqbe x1vvkbs xt0psk2 x1i0vuye xvs91rp xo1l8bm x5n08af x10wh9bi x1wdrske x8viiok x18hxmgj">Willkommen zurück beim Thema „Grenzen setzen“! Heute: misgendern.<br />
Zunächst eine kleine Bestandsaufnahme meines bescheidenen Daseins: Ich nutze 2 Namen.<br />
Einmal einen etwas längeren, meinen Passnamen, und einmal einen etwas Kürzeren. Mit dem<br />
Kürzeren sprechen mich die meisten Menschen an. Freund*innen, Bekannte,<br />
Kommiliton*innen. Den zweiten Namen nutze ich für die Arbeit, mit meiner Familie und<br />
generell – was nicht immer auch auf die beiden zuvor genannten zutrifft – mit Menschen, bei denen ich das Gefühl habe, es ist nicht *sicher* sich als nicht-bin.r zu „outen“. Kompliziert wird es dann, wenn sich Bereiche überschneiden, aber dazu später mehr. Ich habe unterschiedliche Beziehungen zu meinen Professor*innen, mit einigen kann ich offen sprechen, mit anderen nicht. Mit meiner Professor*in N sprach ich offen über mein Queer sein und die Konsequenzen für beispielsweise meinen Umgang mit Namen und Pronomen. Ihre Forschung und Lehre beinhaltet extrem persönliche Elemente, sodass es eigentlich nicht anders geht, als auch private Aspekte des Selbsts zu teilen. Wir sitzen also im Seminargebäude und diskutieren, wer welches Referat bekommt. Eine eigentlich unverfängliche Situation. Und dann, out of nowhere, nutzt N zweimal den langen Namen. Der Kurs schaut auch mich verwirrt an. Ich bin wie vom Blitz getroffen, ich schaue mich um, in mir zieht sich alles zusammen und ich rutsche in einen Tunnelblick, schneller Puls, Schwitzen.. Wieso hat sie das gemacht? Wenn ich das jetzt so stehen lasse, dann denken alle anderen, das dieser Name gerade okay ist. Dann werde ich diese Situation noch viel öfter erleben. Also melde ich mich. Wieso melde ich mich, die Situation ist für alle anderen doch schon längst vorbei!</span></span></p>
<p><span class="x1lliihq x1plvlek xryxfnj x1n2onr6 x193iq5w xeuugli x1fj9vlw x13faqbe x1vvkbs x1s928wv xhkezso x1gmr53x x1cpjm7i x1fgarty x1943h6x x1i0vuye xvs91rp xo1l8bm x5n08af x10wh9bi x1wdrske x8viiok x18hxmgj" dir="auto">Ich sage: ich nutze diesen Namen nicht. Mir steigen die Tränen in die Augen. Ich will nicht im Seminar weinen. Peinlich?! Neben mir fragt eine Freundin: willst du raus gehen? Ich stehe auf und gehe aus dem Raum. Eine scheinbar kleine Situation und doch…! Wieso? Das erschreckende in dieser Situation war, dass ich normalerweise nie etwas zu Misgendering oder „falschem Namen“ sage. Nie. Denn es bedeutet, dass ich mir sicher sein müsste, in welchen Situationen ich was will. Dass ich diese „Regeln“ dann eindeutig an meine Mitmenschen kommunizieren müsste. Der Druck, dann bei meinen Entscheidungen zu bleiben, mich nicht nochmal weiterbewegen und umentscheiden zu dürfen. Die Angst, dass dann die gesamte Aufmerksamkeit auf mir liegt und ich.. „emotional bin“. Mein Gott, wie schlimm. Jemand ist emotional… Aber in dieser Situation war ich emotional, gerade WEIL ich etwas klargestellt habe, für mich selber eingestanden bin und eine à Grenze gesetzt habe. Aber wieso schaffen ich und so viele, wie ich glaube gerade weiblich sozialisierte Menschen es so oft nicht, in vermeintlich kleinen Situationen etwas zu sagen? Wieso muss es erst an den Punkt kommen, dass es berührend ist, wenn dann doch etwas gesagt wird? Es muss ja gar nicht zu etwas Großem werden, sicherlich hätte es einen kleinen, charmanten Weg gegeben, kurz zu intervenieren? Wieso ist es so emotional konnotiert? Es geht gerade um das Gesehen werden, um die eigene Identität und das Raum einnehmen.</span></p>
<p><span class="x1lliihq x1plvlek xryxfnj x1n2onr6 x193iq5w xeuugli x1fj9vlw x13faqbe x1vvkbs x1s928wv xhkezso x1gmr53x x1cpjm7i x1fgarty x1943h6x x1i0vuye xvs91rp xo1l8bm x5n08af x10wh9bi x1wdrske x8viiok x18hxmgj" dir="auto">Und gleichzeitig stellt ein kleines Einhaken in vielen Kontexten, in denen ich mich gerade nicht<br />
wohl fühle, ein Autoritätenwidersprechen war. Ein relativ traditioneller Wert, würde ich sagen.<br />
Respect your elders. Und das, gemischt mit der, mutmaßlich ebenfalls preußischen Maxime,<br />
keine Emotionen zu haben, zu funktionieren, diszipliniert zu sein. What an awful cocktail of<br />
ideals. Kein Wunder also, oder? Aber no longer. I am on a mission! Das Problem fängt eigentlich gerade erst an, sich zu entfalten. Denn ja, ich habe Recht: Ich habe mich vor meinen Kommiliton*innen für mich selbst eingesetzt und nun – mit noblen Absichten – setzen sie sich für mich ein, auch wenn ich nicht dabei bin. So weit so gut. Aber in Kontexten, in denen ich genau das Gegenteil oder nur einen kleinen Unterschied bislang kommuniziert habe. Das bedeutet, dass ich nun mit Professor*innen reden muss, mit denen ich bislang *bewusst* das Gespräch vermieden habe. Dass ich über persönliche Dinge mit Menschen reden muss, mit denen ich wirklich nicht mehr als Formalien austauschen möchte. Dass ich Situationen in langer Name kurzer Name einordnen muss oder mich generell mal damit auseinander setzen muss, was diese Zweiteilung eigentlich mit mir macht. Und mit meiner Umwelt. Und wieso ich nicht bedingungslos zu mir stehen kann. Das Grenzen setzen und kommunizieren geht also weiter. Stay tuned.</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Verwöhntes Einzelkind</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/10/verwoehntes-einzelkind/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johanna-Maria]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Oct 2023 11:38:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Einzelkind]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Vorurteile]]></category>
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					<description><![CDATA[Johanna ist Einzelkind und daher mit vielen Vorurteilen konfrontiert. EIn Grund, sich dem Thema mal intensiver zu widmen. Als männliches Einzelkind hat man es laut nordamerikanischen Studien besonders schwer: Sie werden zumeist von ihren Vätern als Einzelkind in der traditionellen patriarchalen Geschlechtsrolle erzogen und damit ihrer Selbstverwirklichungsmöglichkeiten beraubt. Dies erfolge vor allem seitens des männlichen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Johanna ist Einzelkind und daher mit vielen Vorurteilen konfrontiert. EIn Grund, sich dem Thema mal intensiver zu widmen.</strong><span id="more-15782"></span></p>
<p>Als männliches Einzelkind hat man es laut nordamerikanischen Studien besonders schwer: Sie werden zumeist von ihren Vätern als Einzelkind in der traditionellen patriarchalen Geschlechtsrolle erzogen und damit ihrer Selbstverwirklichungsmöglichkeiten beraubt. Dies erfolge vor allem seitens des männlichen Elternteils. Wenn die Mutter dann in der Beziehung interveniert, ergebe sich häufig eine Konfliktsituation, dadurch dass sich Mütter liberaler zeigen würden als ihr Lebenspartner – die Erziehung erfolgt auf gegensätzliche Weise. Männer würden sich bei der Geburt eines Sohnes in ihrer Identität und Persönlichkeit bestätigt fühlen. Die aufkommende vom Einzelkind empfunden Konfliktsituation würde von den männlichen Einzelkindern im Grundschulalter zunehmend weniger wahrgenommen werden, da sie sich mehr am Vater mit seinen Wünschen und Vorgaben orientieren würden. Es entsteht beidseitig eine Übereinstimmung des Geschlechts, über die sich beide als Geschlechtsgenossen in ihrem Verhalten anpassen: Der Vater will ein gutes, männliches Vorbild sein und der Sohn möchte ihm in seinen Ansprüchen genügen. Bei weiblichen Kindern, die als Einzelkinder aufwachsen, sieht sich der Vater weniger in der Erzieherrolle. Soweit die Studienlage&#8230;<br />
Es ist dennoch schade, wenn scheinbar offensichtliche Schlussfolgerungen mit fehlenden Erfahrungen gezogen werden. Warum sollte ein Einzelkind weniger sozialisiert sein als Kinder aus Haushalten mit Geschwistern? Die verbreitete Annahme ist, dass Einzelkinder öfters alleine sind und das schnell einsam machen könne. In meinem Leben bedeutet das Aufwachsen als Einzelkind viel Zeit mit meinen Eltern und Zeit mit Freunden, wenn auch weniger mit letzteren. Grundlegend für die Bildung meiner Persönlichkeit waren sicherlich meine Erziehung und Kontakte zu Gleichaltrigen (Peergroups) in Kindergarten, Grundschule und in der weiterführenden Schule, auch wenn ich schon früh Verantwortung übernehmen musste und durchaus das Alleinsein und mit-mir-selbst-auskommen gelernt habe. Hier kam längst eine gleichwertige Sozialisierung zustande. Gerne Kontakt suche ich seit meinem Jugendalter zu tendenziell Älteren. Wahrscheinlich auch, weil meine Eltern für mich als Einzelkind immer meine ersten Bezugspersonen auf Augenhöhe waren und ich mit ihrem Alter eine gewisse Vertrautheit, Freundschaft und ein Verstandenwerden und mir selbst ein verstehen können anmaße. Bei Treffen in der Gruppe brauche ich zumeist viel Zeit zur Eingewöhnung, blühe aber schnell auf, wenn ich mich wohl fühle und Freude an den Kontakten und der Resonanz im Außen habe.<br />
Eine Studie aus China (Southwest University in Chongqing) fand sogar heraus, dass Einzelkinder tendenziell kreativer seien als Geschwisterkinder, da sie häufiger ihre Freizeit selbst gestalten müssen oder lernen müssen, sich allein zu bespaßen. Aber auch ihre Hirnstruktur lässt auf gute Sprachfähigkeiten schließen. Zudem würden sie weniger graue Zellen im frontalen Kortex als Geschwisterkinder aufweisen. Das ist der Bereich im Gehirn, der für die Regulierung von Emotionen zuständig ist. Laut Ann Layborn (Uni Glasgow) würden sie häufiger krank und übergewichtig sein, durch den vielen Austausch mit ihren Eltern aber sprachgewandter.<br />
Was ich oft ungefragt hören musste ist, dass der erste Eindruck von mir von Arroganz geprägt gewesen sei. Warum weiß ich bis heute nicht. Oft wirkt man als stiller Zuschauer im Klassenzimmer scheinbar als würde man sich besser als alle anderen fühlen – überlegener? Verstanden habe ich diese charakterisierende Folgerung nie und verletzen tut sie auch. Als Einzelkind mit alleinerziehendem Elternteil kommt außerdem hinzu, dass jene Kinder zumeist eine elterliche Funktion und ihre Aufgabe übernehmen müssen (Zuhörer sein, Organisation und erhöhte Unterstützung im Alltag).<br />
Was können wir als Gesellschaft aus diesen Ergebnissen mitnehmen? Meine Beobachtungen und Studien zeigen Tendenzen, nach denen sich die Entwicklung von Einzelkindern vollziehen KANN. Sie zeigen wohl eher Regel- als Sonderfälle und umfassen jeweils nur eine kleine Gruppe von Probanden (ca. 300-500), die mit einer Vergleichsgruppe in bestimmten Bereichen gemessen wird. Einflussfaktoren wie die Situation der Eltern (Ehe, Partnerschaft und Trennung) und ihr Vorkommen in unterschiedlichen Altersklassen der Kinder sollten ebenso berücksichtigt werden, da sie sowohl für Einzel- als auch Geschwisterkinder eine große Veränderung, einen Einschnitt, bedeuten. Auch hier zeigen Studien, dass Einzelkinder tendenziell mehr unter einer Trennung der Eltern leiden, vielleicht weil sie ihr Leid oder ihre Gedanken dann schwer Jemandem mitteilen können. Aber auch hier entscheidet die Persönlichkeit.<br />
Ich finde, wir sollten den Blick immer auf das Individuum richten. Im Kontakt mit Einzelkindern kann man diese Rahmeninformationen aber für eine automatische erste Einschätzung im Hinterkopf behalten – sollte dann aber nicht überrascht sein, wenn die Realität auch anders aussehen kann.<br />
Geschlecht und Erziehung sind zwei zu einander gehörende Attribute über die wir in unserer ersten Einschätzung einer Person reflektieren sollten.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Inter*</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/10/inter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Online-Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Oct 2023 10:46:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Inter*]]></category>
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					<description><![CDATA[Zum Intersex Awareness Day erklärt Daya in ihrem Comic nicht nur, was inter* ist, sondern auch, wie normal es ist.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zum Intersex Awareness Day erklärt Daya in ihrem Comic nicht nur, was inter* ist, sondern auch, wie normal es ist.</strong><span id="more-15767"></span></p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="wp-image-15772 aligncenter" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/10/Inter-Comic-1-424x600.jpg" alt="" width="682" height="965" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/10/Inter-Comic-1-424x600.jpg 424w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/10/Inter-Comic-1-212x300.jpg 212w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/10/Inter-Comic-1.jpg 595w" sizes="(max-width: 682px) 100vw, 682px" /> <img decoding="async" class=" wp-image-15773 aligncenter" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/10/inter-2-424x600.jpg" alt="" width="670" height="948" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/10/inter-2-424x600.jpg 424w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/10/inter-2-212x300.jpg 212w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2023/10/inter-2.jpg 595w" sizes="(max-width: 670px) 100vw, 670px" /></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Feuerengel, die Meerjungfrau &#038; die Nachteule</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/10/der-feuerengel-die-meerjungfrau-die-nachteule/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Phuong]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Oct 2023 12:21:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Kurzgeschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute haben wir eine Kurzgeschichte für euch. Phuong schildert euch darin die Begegnung mit dem Feuerengel. Es war einmal ein Feuerengel, dem ich begegnet bin. Sie war so sanft und ich war von der Schönheit ihrer Bewegungen angezogen. Der Geruch des Feuers erinnerte uns an einen Ort, der sich Heimat nannte und sehr weit weg]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute haben wir eine Kurzgeschichte für euch. Phuong schildert euch darin die Begegnung mit dem Feuerengel.</strong><span id="more-15762"></span></p>
<p>Es war einmal ein Feuerengel, dem ich begegnet bin. Sie war so sanft und ich war von der Schönheit ihrer Bewegungen angezogen. Der Geruch des Feuers erinnerte uns an einen Ort, der sich Heimat nannte und sehr weit weg war. So schauten wir beide in das Feuer, das zwischen uns brannte. Sie tanzte zärtlich mit dem Feuer, wie Regentropfen auf Blättern nach einem starken Regen. Es war ihr Werk, das sie mit Gewissheit und Mut zähmte. Ich wurde auserwählt, zu sehen, wie sie eine Freundschaft mit dem Feuer einging. Meine Augen waren müde, meine Seele unruhig, langsam aber sicher fand die Schwere in meinem Herzen Ruhe in den Funken.<br />
In diesem Moment waren keine Sterne am Himmel zu sehen.<br />
&#8222;Manchmal bleibt uns nichts anderes übrig, als die Sterne anzuschauen&#8220;, sagte sie, setzte sich und nahm einen Schluck von ihrem Tee.<br />
Das Feuer, der Feuerengel und die Meerjungfrau fanden mich, und ihre Energien waren poetisch und doch nostalgisch, dass sie Geschichten über das Erinnern erzählten.<br />
&#8222;Ich werde nicht aufgeben, und ich hoffe, du auch nicht&#8220;, sprach die Meerjungfrau. Ihre Melodie hat die Farbe eines lavendelfarbenen Flusses, der durch die Wälder unserer Welt fließt. An manchen Stellen glitzert es, wo die Vögel sich ausruhen, bevor sie ihre Reise fortsetzen. Eines Tages tauchte eine Katze am Fluss auf, verängstigt durch die Schrecken, denen sie begegnen musste, und begierig durch den Durst nach dem Leben, den sie spürte. Sie folgten ihrem Instinkt und überquerten die Brücke.<br />
Dies war ihr letztes Leben, und am nächsten Morgen wachten sie glücklich auf, am Leben zu sein. Sie wussten, dass sie in ihrem letzten Leben ein Wassergeist waren und als Feuerengel wiedergeboren würden.<br />
Deshalb machten sie sich auf die Suche nach dem Feuer, von dem sie gerufen wurde. Das Feuer hatte eine Energie, die sie sprachlos machte, so beeindruckend war die Seele dieses Feuers. Und so wusste die Katze, dass sie hier richtig war. Am Feuer sitzend, war sie ein wenig zurückhaltend, vielleicht schüchtern, aber auch voller Neugierde. Ihre Unabhängigkeit brachte sie an diesen Ort, zum Feuerengel, zur Meerjungfrau, zu mir, der Nachteule.<br />
Das Feuer flüsterte ihnen zu: &#8222;Lass los, Katze, und empfange die Liebe.&#8220;<br />
Ich schaute in das Feuer, sprach in Vergebung und suchte Akzeptanz für die Dinge, die außerhalb meiner Kontrolle liegen. Ich wusste nicht, dass das Feuer mir Frieden brachte und dass der Tag kommen wird, an dem ich keine Angst mehr haben werde, zu sprechen.<br />
Sprich.<br />
Die Magie dieses Feuers hat dich zum Tanzen eingeladen. Auch wenn dein Schatten kleiner ist als du, so trägt er dich doch. Und du hast Angst, aber vielleicht musst du nur deine Arme um das Leben legen. Ein Kuss auf deine Stirn wird dich finden, und Arme, in die du dich fallen lassen kannst.</p>
<p>Zu wissen, dass nicht die Erde, sondern das Feuer unter deinen Füßen dich trägt, ist die Kraft des Vertrauens.</p>
<p>Was sollst du sonst sein im Leben?</p>
<p>Der einzige, der dich daran hindert,bist du selbst.</p>
<p>So, bitte (Sprich)</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Heilung</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/09/heilung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Celine]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Sep 2023 11:05:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gedicht]]></category>
		<category><![CDATA[Heilung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=15731</guid>

					<description><![CDATA[Celine (ver)dichtet die Schwere, die Jugendliche oft fühlen und löst sie in heilenden Worten auf. In den Tiefen meiner Seele, da ruht ein Herz so schwer, Getränkt in Tränen, es schmerzt so sehr. Jugendsprache wird zur Waffe, ein scharfer Dolch, Durchbohrt die Liebe, bricht jeden Stolz. Einmal war es unschuldig, voller Glück und Zier, Doch]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Celine (ver)dichtet die Schwere, die Jugendliche oft fühlen und löst sie in heilenden Worten auf. </strong><span id="more-15731"></span></p>
<p>In den Tiefen meiner Seele, da ruht ein Herz so schwer,<br />
Getränkt in Tränen, es schmerzt so sehr.<br />
Jugendsprache wird zur Waffe, ein scharfer Dolch,<br />
Durchbohrt die Liebe, bricht jeden Stolz.</p>
<p>Einmal war es unschuldig, voller Glück und Zier,<br />
Doch nun schlägt es gebrochen, voller Trauer und Gier.<br />
Worte wie Messer, schneidend und kalt,<br />
Verletzen die Seele, machen das Herz so bald.</p>
<p>Der Schmerz, er pulsiert wie ein wildes Feuer,<br />
Brennt in den Adern, es gibt keinen Schleier.<br />
Jugendsprache, ein Spiel der Härte und Macht, Das uns zerbricht, uns in die Knie zwingt, in dieser dunklen Nacht.</p>
<p>Doch trotz des Schmerzes, der in mir brennt,<br />
Gibt es eine Hoffnung, die mein Herz noch kennt.<br />
Denn aus den Trümmern erhebt sich Stärke und Mut,<br />
Ich finde den Weg zurück, aus dem dunklen Schlamm und der Wut.</p>
<p>In meiner Stimme erhebt sich ein leises Lied,<br />
Von Liebe und Heilung, von Hoffnung und Fried&#8216;.<br />
Jugendsprache mag schneiden, doch ich werde heilen,<br />
Mein Herz wird erblühen, in neuem Glanz verweilen.</p>
<p>Denn ich trage in mir die Kraft, die Liebe besiegt,<br />
Ich öffne meine Flügel, die Seelenlust fliegt.<br />
Der Herzschmerz, er weicht dem Licht der Sonne,<br />
Und ich finde zu mir, zurück zu meinem wahren, echten Wonne.</p>
<p>So mag die Jugendsprache toben und schreien,<br />
Doch ich werde aufstehen, mich von Schmerz befreien.<br />
Mein Herz wird heilen, sich erneut erheben,<br />
In einer Welt voller Poesie, die ich selbst weben.</p>
<p>Durch die Zeiten der Jugend schweift der Schmerz,<br />
Gedanken und Gefühle in wirren Erzählungen verkehrt.<br />
Die Sprache der Jungen, so wild und laut,<br />
Manchmal verletzend, doch immer ehrlich und vertraut.</p>
<p>Sie sprechen in Codes, in Abkürzungen und Trends,<br />
Doch zwischen den Linien versteckt sich oft der Herzschmerz, der brennt.<br />
Worte wie &#8222;Lost&#8220; und &#8222;Broken&#8220;, so oft verwendet,<br />
Verbergen die Seelen, die nach Liebe und Verständnis sehnen.</p>
<p>Das Herz, ein zartes Instrument, von Schmerz geplagt,<br />
Durch unerwiderte Gefühle und Worte, die es zerschlägt.<br />
Doch in der Jugend ist das Leiden tief und wahr,<br />
Es öffnet Tore zu neuen Erfahrungen und Hoffnungen klar.</p>
<p>Jugendsprache, ein Tanz auf dem Drahtseil der Emotion,<br />
Worte wie &#8222;Crush&#8220; und &#8222;Heartache&#8220; tragen die Illusion,<br />
Dass Liebe ein Spiel ist, ein Rätsel voller Schmerz,<br />
Doch gleichzeitig die Quelle der größten inneren Stärk&#8216;.</p>
<p>In den Metaphern der Jugend liegt ein Zauber versteckt,<br />
Der uns in eine Welt der Gefühle und Träume entdeckt.<br />
Jugendsprache ist bunt, kreativ und voller Leben,<br />
Sie erfasst die tiefsten Empfindungen, die uns durchdringen und erheben.</p>
<p>Doch trotz des Schmerzes, der in den Worten weht,<br />
Bleibt die Jugend unerschütterlich, sie gibt niemals nach, geht nie zu spät.<br />
Denn sie trägt das Feuer der Hoffnung in sich,<br />
Die Überzeugung, dass aus dem Schmerz das Glück erwach&#8216; ich.</p>
<p>So möge die Jugendsprache weiterhin erblühen,<br />
In poetischen Versen und melodischen Liedern erglühen.<br />
Sie ist ein Spiegel der Seele, ein Ausdruck der Zeit,<br />
Der Herzschmerz in all seiner Pracht und Vielfalt breit.</p>
<p>Lasst uns den Schmerz umarmen und daraus lernen,<br />
Die Jugendsprache als Sprache der Liebe erneut erkennen.<br />
Denn in ihren Worten liegt die Kraft zur Heilung und zum Wachsen,<br />
Und sie begleitet uns auf unseren Lebenspfaden, den wir stets entfachen.</p>
<p>In den Tiefen der Seele ruht ein stummer Schmerz,<br />
Der Herzschmerz, der sich wie Nebel legt auf das Herz.<br />
Er färbt die Tage grau und die Nächte dunkel,<br />
Er zerschneidet die Träume, macht die Hoffnung runkel.</p>
<p>Doch inmitten der Dunkelheit beginnt ein Licht zu glühen,<br />
Eine zarte Flamme, die nach Heilung will fliehen.<br />
Sie streckt ihre Strahlen aus, leise und sanft,<br />
Sie berührt die Wunden, lässt den Schmerz vergehn im Land.</p>
<p>Die Seele wie ein verwundeter Vogel, verängstigt und verletzt,<br />
Sie sehnt sich nach Ruhe, nach Liebe und nach Frieden, versteht&#8217;st?<br />
Die Heilung der Seele ist ein Weg der Geduld,<br />
Ein Tanz mit den Tränen und dem stummen Ruf.</p>
<p>Die Zeit, sie schreitet voran, und mit ihr die Veränderung,<br />
Die Seele findet Trost in der Akzeptanz, in der Erkenntnis der Wandlung.<br />
Die Narben, die bleiben, erzählen Geschichten,<br />
Von Stärke, von Mut und vom Wiedererwachen in Lichtern.</p>
<p>Die Heilung, sie ist ein Prozess, ein zarter Tanz,<br />
Ein Zusammenspiel von Vergeben und Lassen, nicht im Glanz.<br />
Doch wenn die Seele heilt, beginnt sie zu strahlen, S<br />
ie erhebt sich aus der Asche, lässt den Schmerz verhallen.</p>
<p>Die Liebe, sie ist der Schlüssel zur wahren Heilung,<br />
Ein Balsam für die Seele, eine Quelle der Erfüllung.<br />
Sie füllt die Risse und Brüche mit Zärtlichkeit und Hingabe,<br />
Sie schenkt der Seele Flügel, führt sie aus der Dunkelheit ins Licht.</p>
<p>Der Herzschmerz mag die Seele gezeichnet haben,<br />
Doch die Heilung bringt sie zum Leuchten, umschließt sie wie ein Gewand.<br />
Die Wunden werden zu Erinnerungen, zu Weisheit und Kraft,<br />
Und die Seele findet ihren Frieden, ihr inneres Rätsel gelöst.</p>
<p>So lass die Heilung in deinem Herzen gescheh&#8217;n,<br />
Lass den Herzschmerz weichen, dem Licht Platz geben.<br />
Die Seele findet ihre Stärke in der Sanftheit der Heilung,<br />
Und erstrahlt in all ihrer Pracht, voller Liebe und Erfüllung.</p>
<p>In den Tiefen der Seele, wo der Herzschmerz verborgen liegt,<br />
Bricht eine sanfte Brise hervor, die das Leid besiegt.<br />
Wie ein zarter Hauch streicht sie über die Narben,<br />
Tröstet die Seele, heilt ihre verborgenen Martern.</p>
<p>Die Heilung der Seele ist ein Tanz der Verwandlung,<br />
Ein schrittweiser Prozess, voller Geduld und Hingabe.<br />
Sie beginnt mit dem Erkennen der eigenen Wunden,<br />
Mit dem Mut, sie anzuschauen, statt sie zu begründen.</p>
<p>Es ist das Vergeben, das den ersten Schritt darstellt,<br />
Sich selbst und anderen gegenüber, um die Last zu erhellen.<br />
Denn in der Vergebung liegt die Befreiung verborgen,<br />
Sie löst die Ketten des Schmerzes, lässt die Seele besorgen.</p>
<p>Doch Heilung braucht auch Zeit, Raum und Achtsamkeit,<br />
Ein liebevolles Zuhören, ein tiefes Verstehen, in dieser Weit.<br />
Es sind die Tränen, die fließen und reinigen,<br />
Die alten Wunden spülen, den Schmerz vermindern, versiegen.</p>
<p>Die Heilung ist ein Akt der Selbstfürsorge und Selbstliebe,<br />
Es ist das bewusste Wählen, dass die Seele wieder hinsiebe.<br />
Es ist das Umarmen der eigenen Verletzlichkeit,<br />
Das Akzeptieren des Schmerzes, ohne ihm die Macht zu verleihen.</p>
<p>Und nach und nach erwacht die Seele zum Leben,<br />
Die Dunkelheit weicht dem Licht, das ihr Liebe wird geben.<br />
Sie öffnet sich für die Schönheit, die im Leben verborgen,<br />
Findet Trost in den einfachen Freuden, in den Wundern von Morgen.</p>
<p>Die Heilung der Seele ist ein Weg, der nie zu Ende geht,<br />
Es ist ein stetiges Wachsen, ein ständiges Streben, das verweht.<br />
Doch in jedem Schritt, den die Seele macht,<br />
Wird sie stärker, tiefer, von innen heraus erwacht.</p>
<p>So sei geduldig, wenn die Seele nach Heilung verlangt,<br />
Gib ihr Raum, lass sie sich entfalten, wie es sie verlangt.<br />
Denn in der Heilung liegt die Schönheit und der Frieden,<br />
Die Seele wird erblühen, in ihrer Ganzheit, in all ihrem Lieben.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Was es heißt (k)ein Mädchen zu sein</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/09/was-es-heisst-kein-maedchen-zu-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Rosa]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Sep 2023 09:38:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Drag]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[trans*]]></category>
		<category><![CDATA[Transfeindlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Rosa schreibt sich die Unsicherheit, den Frust und die Angst von der Seele, (k)ein Mädchen zu sein. Ich bin auf dem Weg zu dir. Eine Stunde lang habe ich mich fertig gemacht, geschminkt, mich umgezogen. Ich blicke in den Spiegel und was zurückstarrt, verblüfft mich. Ich sehe einen Mann mit Bart und Make-Up. Flache Brüste]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Rosa schreibt sich die Unsicherheit, den Frust und die Angst von der Seele, (k)ein Mädchen zu sein.</strong><span id="more-15725"></span></p>
<p>Ich bin auf dem Weg zu dir. Eine Stunde lang habe ich mich fertig gemacht, geschminkt, mich umgezogen. Ich blicke in den Spiegel und was zurückstarrt, verblüfft mich. Ich sehe einen Mann mit Bart und Make-Up. Flache Brüste in einem taillierten Kleid. Große Füße in hautfarbenen Strumpfhosen. Schichten von Foundation, bunter Lidschatten, greller Lippenstift in einem markanten Gesicht. Ich schaue in den Spiegel, dann an mir runter. Zwei Bilder, die nicht zusammenpassen.<br />
Ein, zwei Mal ziehe ich mich um. Es passt alles<br />
nicht zusammen. Alles sieht komisch aus. Ich gebe auf und gehe raus.<br />
In dem Kleid.<br />
An der Straßenbahnhaltestelle starrt mich jemand an. Zwei, Drei, Vier Sekunden. Ich starre zurück. Erst als die Person wegguckt<br />
atme ich weiter. Meine Musik habe ich auf voller Lautstärke währenddessen gestellt, aber ich skippe doch noch drei, vier, fünf Songs,<br />
ich kann mich auf nichts konzentrieren. Die Bahn kommt<br />
nicht.<br />
Was werde ich mir anhören müssen, wenn ich zusammengeschlagen werde: „Du hättest ja nicht so rausgehen müssen. Das kann mich sich ja auch vorher überlegen. Du musst es ja nicht jedem aufzwingen.“ 4 Minuten kommt die Straßenbahn zu spät.<br />
Einen Blick meiner Reflexion erhasche ich in der Tür der Bahn bevor sie sich öffnet. Ich bin kurz davor, umzudrehen und mich in meiner Wohnung abzuschminken. Trotzdem betrete ich die Bahn.<br />
Mehrere Köpfe drehen sich zu mir hin, ich starre aus dem Fenster.<br />
Ich komme bei dir an. Wir setzen uns aufs Dach und schauen dem Sonnenuntergang entgegen. Du verschüttest etwas mittelteuren Rotwein auf der Decke. Es ist warm. Ich frage dich:<br />
„Was heißt es, ein Mädchen zu sein?“ Du drehst den Kopf zu mir, schaust mich ein, zwei, drei Sekunden an und drückst die Kippe aus. „Passiv sein, sich nicht zu wehren, diskriminiert zu werden; Manche Leute würden sagen: ‚Brüste, Vulven, Gebärmutter, weite Hüften und all das Körperliche‘.“ Du verstummst und ich frage mich, wer so sehr für meine Geschlechtsteile brennt, dass es fast einer STI gleicht. Ich glaube nicht dran, dass es fair ist. Nur weil ich kein breites Becken hab und einen Adamsapfel, soll meine Identität, wer ich bin, was ich kann, was mich ausmacht für immer in die Zukunft gestampft sein. Ich sage dir, dass das Bullshit ist und du nickst. Dann legt sich das Schweigen über uns, wie die Nacht, die uns getrost zudeckt. „Mich nicht zu wehren, wenn ich es tun müsste. Immer wieder an den Punkt zu kommen, dass das getestet wird.“, sagst du. Durch ein Meer voller Gedanken wate ich nach Hause.<br />
Was ist dieses Gefühl? Ein Kratzen, ein langer Nagel auf einer Tafel.<br />
Stimmen, die mir sagen ich bin nicht gut genug.<br />
Ein Monster, das auf meiner Schulter sitzt und mir ins Ohr flüstert: „Du bist ein Mann, wirst auch niemals was anderes sein, egal was du behauptest. Du versuchst vor deiner Verantwortung zu fliehen. Dich zu verstecken. Dich zu verstellen. Das ist doch alles nur Show. Akzeptier doch endlich deine wahre Natur und hör auf zu lügen.“<br />
In der Raufasertapete an der Decke versuche ich Muster zu erkennen, scheitere aber an meiner fehlenden Konzentration.<br />
Und an dieser Stelle hört die Geschichte auf.</p>
<p>Und was heißt es jetzt, (k)ein Mädchen zu sein?<br />
Ich hab keine Ahnung.<br />
Aber ich hab herausgefunden, was es heißt,<br />
ich selbst zu sein.<br />
Widerstand zu leisten,<br />
sich den Raum zu nehmen, der mir zusteht,<br />
mich nicht dem zu beugen, was die Cis-Heten und Terfs von mir wollen.<br />
Und manchmal ist der stärkste Widerstand, den man leisten kann,<br />
zu überleben,<br />
weiterzuexistieren<br />
und<br />
glücklich zu sein.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wie die Anderen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/08/wie-die-anderen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sophie]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Aug 2023 08:17:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstbewusstsein]]></category>
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					<description><![CDATA[Zwischen den Gefühlen von Abgrenzung und Zugehörigkeit findet Sophie ihre Identität als individuelle Frau. Als ich jünger war, dachte ich nicht wie die anderen Mädchen um mich herum zu sein, sei erstrebenswert. Nicht wie die Anderen zu sein versprach ein Alleinstellungsmerkmal und damit etwas, was mir keiner nehmen konnte. Etwas Besonders, etwas Eigenes. Anders zu]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zwischen den Gefühlen von Abgrenzung und Zugehörigkeit findet Sophie ihre Identität als individuelle Frau.</strong><span id="more-15688"></span></p>
<p style="text-align: left;">Als ich jünger war, dachte ich nicht wie die anderen Mädchen um mich herum zu sein, sei erstrebenswert. Nicht wie die Anderen zu sein versprach ein Alleinstellungsmerkmal und damit etwas, was mir keiner nehmen konnte. Etwas Besonders, etwas Eigenes. Anders zu sein gab mir auch die Möglichkeit, mich in meinen eigenen Sorgen und Ängsten bestätigt zu fühlen, denn es konnte ja eh keiner nachvollziehen, wie ich tickte.<br />
Das lief dann ungefähr so ab:</p>
<p style="text-align: left;">
<em>Andere Mädchen hörten Pop – Ich höre Rap </em><br />
<em>Andere Mädchen schminkten sich hübsch und natürlich – Ich habe den Eyeliner überhaupt nicht mehr aus der Hand gelegt</em><br />
<em>Andere wollten blonde Strähnen – Ich hatte lila Haare </em><br />
<em>Klamotten in bunten Farben waren in – Ich trug alles nur in schwarz </em><br />
<em>Andere redeten über ihre Gedanken und Gefühle – ich habe Jahre lang so getan, als hätte ich keine</em></p>
<p style="text-align: left;">
Man könnte behaupten, ich war quasi die Bella Swan, der „Ich bin nicht wie die anderen Mädchen“ – Bewegung. Obwohl Bewegung als Wort mir überhaupt nicht gefallen hätte, denn das hätte je bedeutet, dass es andere genauso machen wie ich.<br />
Aber warum?<br />
Ich habe bis ins Erwachsenenalter gebraucht, um zu lernen, dass es nicht schlimm ist, wie andere Frauen zu sein. Im Gegenteil.</p>
<p style="text-align: left;">
<em>Andere Frauen sind toll. Ich bin gerne wie andere Frauen: </em><br />
<em>Andere Frauen hören mir zu </em><br />
<em>Andere Frauen machen mich stark </em><br />
<em>Andere Frauen zeigen mir jeden Tag die Möglichkeiten des Lebens </em><br />
<em>Mit anderen Frauen kann ich lachen, weinen, streiten, lieben </em></p>
<p style="text-align: left;">
Andere Frauen haben mich zu der Person gemacht, die ich heute bin.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
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