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	<title>Aktivismus &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>Aktivismus &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Die Ursprünge des Feministischen Kampftags</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/03/feministischerkampftag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Diedesianna]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Mar 2025 07:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Weltfrauentag, Frauenkampftag, feministischer Kampftag: Der 8. März hat mittlerweile viele Namen aber kennst du die historischen Anfänge dieses Tages? Unsere Autorin @diedesianna erklärt dir wie alles begann.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Weltfrauentag, Frauenkampftag, feministischer Kampftag: Der 8. März hat mittlerweile viele Namen aber kennst du die historischen Anfänge dieses Tages? Unsere Autorin @diedesianna erklärt dir wie alles begann.</strong></p>
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		<title>Dreimal ein Wort</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/02/dreimal-ein-wort/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lina]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Feb 2025 07:00:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Autorin Lina kam zum ersten Mal am elterlichen Esstisch mit dem Wort &#8222;Aktivismus&#8220; in Berührung. Damals wurde der Begriff nicht unbedingt positiv verwendet: Aktivisten waren Menschen, die den Ablauf des bürgerlichen Lebens störten. Doch mit Linas eigener Politisierung veränderte sich auch ihr Gefühl zu Aktivist*innen und ohne, dass sie es bemerkt hatte, war sie]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Autorin Lina kam zum ersten Mal am elterlichen Esstisch mit dem Wort &#8222;Aktivismus&#8220; in Berührung. Damals wurde der Begriff nicht unbedingt positiv verwendet: Aktivisten waren Menschen, die den Ablauf des bürgerlichen Lebens störten. Doch mit Linas eigener Politisierung veränderte sich auch ihr Gefühl zu Aktivist*innen und ohne, dass sie es bemerkt hatte, war sie selbst eine geworden. Ein Text über das Lernen von Worten.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-16610"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Das erste Mal, dass ich von dem Begriff Aktivismus gehört habe, habe ich einfach Wörter gelernt, wie andere Kinder Wörter lernen. Das Wort reihte sich in eine Reihe von Begriffen ein, die mir als Kind ungreifbar und weit weg vorkamen. Das erste Mal allerdings, dass ich mich erinnere, dass jemand konkret über Aktivismus gesprochen hat – verknüpft mit Meinungen, Aussagen und ganz viel Luft – war in meiner Jugend am Küchentisch. Eltern, die sich über „die Jugend“ aufregen, die nicht arbeitet und lieber demonstriert. Menschen, die keine Arbeit haben oder wollen und sich an Bäume ketten oder – damals noch undenkbarer – etwas an ihrem eigenen Leben, wie ihrer Ernährung, ändern, zum Wohle der Gemeinschaft, ja sogar des ganzen Planeten. Am Esstisch war alles, was da draußen, so weit weg von der eigenen Realität passierte, ein Akt der Rebellion, eine Störung des Ablaufes, man könnte fast sagen, ein Affront gegen das „normale“ Leben. Es waren „die da“ auf der Straße, „die da“ auf der Uni, „die da“ an Orten, an denen es einem unangenehm war. Wenn sie nicht belächelt wurden, dann kritisierte man sie – und tut es noch heute. Ich weiß nicht, was ich damals über Aktivist:innen gedacht habe. Ich weiß nicht, ob ich damals schon realisiert habe, dass es Menschen gibt, die mich akzeptieren würden, wie ich bin, und für mich einstehen. Mein Kopf hat nur gedacht, dass ich alles wiederholen sollte, was an diesem Tisch gesagt wurde, und mein Mund hat dem Folge geleistet, da ich nicht auffallen wollte und mich anzupassen schon fast früher gelernt hatte als bloße Worte.</span><span data-ccp-props="{&quot;134233117&quot;:true,&quot;134233118&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Das zweite Mal, dass jemand aktiv über Aktivist:innen geredet hat, war viele Jahre später. </span><span data-contrast="auto">Ich war gewachsen an Wortschatz und Meinung. War auf Demos, in Jugendgruppen gewesen, hatte einen eigenen Esstisch – klapprig und mit tiefen Kratzern, aber nur für mich – und bildete eigene Meinungen. Über die Jahre wurde aus jedem von jugendlichem Leichtsinn geprägten „Da musst du dabei sein“ ein „Heute geht es mir nicht so gut“ und ein eingeschlafener Aktionismus. Der Kreislauf aus Tatendrang über Resignation und Machtlosigkeit war vollendet, und zurück blieb ich mit einer linken Grundeinstellung und kaum Engagement. Erst als meine Beziehungsperson mir erzählte, dass die beste Freundin dieser Person Vollzeitaktivist:in ist, wurde ich hellhörig. Es gab sie also, die Menschen, die es sich zum Beruf gemacht hatten, zu kämpfen und für andere da zu sein. Es gab sie, die Menschen, die aus dem System ausbrachen, sich der Lohnarbeit entzogen, um für ihre Ziele und Träume einzustehen. Rational war mir dies natürlich irgendwo immer bewusst gewesen, dennoch erfüllte es mich mit einer Art Stolz und viel Interesse. Gerade als Person mit einer ADHS-Diagnose komme ich regelmäßig an die Grenzen meines Kopfes. An die Grenzen meiner Leistung und Unregelmäßigkeiten in meinen Handlungen. Gerade für die Personen, die eine Stimme haben, sie aber nicht nutzen können oder nicht so nutzen können, wie sie wollen, empfand ich vor allem Dank für die Arbeit, die in großen Teilen auch für mich – für uns – gemacht wird.</span><span data-ccp-props="{&quot;134233117&quot;:true,&quot;134233118&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Das letzte Mal, dass dieses Wort in mein Leben trat, kam es unverhofft, weinend und empowernd. Ich stehe seit sechs Jahren überregional mit Texten auf Bühnen – ein Privileg, das ich schwer greifen kann. Natürlich – nein, das ist eigentlich falsch – gerade weil ich es oft nicht auf diese eine Demo schaffe oder dann doch diesen Termin habe und da und dort nicht dabei sein kann, ist es mir besonders wichtig, gesellschaftlich relevante Themen in meinen Texten anzusprechen. Von außen werde ich vielleicht als „die lustige Frau“ gelesen, doch freue ich mich immer mehr, als „kritischer Mensch“ wahrgenommen zu werden. Alles, was Sexismus, Lookismus, Rassismus beinhaltet, wird in Texte gepackt und vor allem für mich verarbeitet. Dass man andere Menschen damit erreicht, sie in einer Art politisch erzieht und beeinflusst oder einfach nur zu Gedanken anregt, ist ein schöner Nebeneffekt. Gerade mit angeblich so „höchstpolitischen“ Themen wie Abtreibungen habe ich mich in jüngster Zeit auseinandergesetzt. Nicht selten passierte es nach Auftritten – jetzt vermehrt mehr als damals –, dass es daraufhin schlechte Wertungen oder Kommentare hagelt. Das ist okay, damit rechne ich, und das ist einer der Gründe, warum ich die Texte dennoch mache (eigentlich traurig). Der Grund, dass, wenn man auch nur eine Person erreicht, sich ein Mensch gesehen und verstanden fühlt, es alles wieder wettmacht.</span><span data-ccp-props="{&quot;134233117&quot;:true,&quot;134233118&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">So kam in einer bayrischen Kleinstadt völlig unverhofft eine weiblich gelesene Person zu mir und weinte. Sie sagte mir, wie sehr sie der Text berührt hat, wie sehr sie sich entdeckt hat, wie glücklich sie ist, dass es jemand mal anspricht auf einer Bühne, und ob es für mich schwer ist, so eine Art von Aktivismus auf einer Bühne zu präsentieren. Ich bin ehrlich – damit habe ich nicht gerechnet. Ich sehe mich weder als Aktivist:in noch als aktivistisch tätig. Das, was ich gemacht habe, war immer zu wenig, nicht gut genug und generell viel zu klein für diese Worte.</span><span data-ccp-props="{&quot;134233117&quot;:true,&quot;134233118&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ihr, liebe Lesende, erwartet natürlich jetzt den Pathos am Ende des Textes. Dass ich mich gesehen gefühlt habe, genug gefühlt habe und jede Form von Systemrebellion als den Aktivismus anerkenne, der es auch ist. Dass jede:r seinen Beitrag leisten kann, egal wie klein und unscheinbar dieser wirken mag, denn wenn wir auch nur einer Person helfen … blah blah blah. Ja, all das will ich natürlich auch ausdrücken. Aber am meisten möchte ich dem Beispiel der Frau folgen und euch aufrufen, anderen zu sagen, was ihr denkt. Wenn ihr etwas gut findet, dann sagt es der Person. Wenn ihr etwas schlecht findet, dann seid ihr die unangenehme Person am Esstisch. Wenn ihr eine Stimme habt, dann sprecht die kleinen Gedanken aus. Ihr wisst nicht, was sie der anderen Person bedeuten können und welche Energie sie entfalten können. Gerade in diesen Zeiten, die mir verdammt viel Angst machen, möchte ich nicht nur, dass wir als Kinder Worte gelernt haben, sondern dass wir unsere Stimmen nutzen, sie zu sagen.</span><span data-ccp-props="{&quot;134233117&quot;:true,&quot;134233118&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Was tun mit der Welt?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/01/was-tun-mit-der-welt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sara]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jan 2025 07:00:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Deutschland ist verschnupft: Man möchte sich nicht mehr auf Debatten über den Holocaust einlassen (ist ja schon so lange her), die Deutschen gehen selten demonstrieren und über Diskriminierung sprechen meist nur die, die selbst davon betroffen sind. Saras Diagnose: Untätigkeit. Erst letztens saß ich zusammen mit einem alten Menschen zusammen und wir haben trotz unseres]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Deutschland ist verschnupft: Man möchte sich nicht mehr auf Debatten über den Holocaust einlassen (ist ja schon so lange her), die Deutschen gehen selten demonstrieren und über Diskriminierung sprechen meist nur die, die selbst davon betroffen sind. Saras Diagnose: Untätigkeit.</strong><br />
<span id="more-16543"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Erst letztens saß ich zusammen mit einem alten Menschen zusammen und wir haben trotz unseres Altersunterschiedes viele gemeinsame Themen gefunden, Männer, Kinder in der Nachmittagsbetreuung, wie man idealerweise eine Luftmasche häkeln kann und wie gruselig die Welt momentan ist und welche Angst in uns aufkommt. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}"> </span><span data-contrast="auto">Wir kamen zu dem Schluss, dass nicht die Weltlage das größte Problem ist, sondern die absolute Ignoranz der Menschen in ihr. Die Welt könnte augenblicklich untergehen und das Interesse aller Mitmenschen daran wäre beschränkt. Keine*r würde sich auf die Straße stellen und gegen ebenjenen Zustand protestieren.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}"> </span><span data-contrast="auto">Mein Vater erzählte mir schon in der Grundschule, dass er von den Menschen in diesem Land und ihrer Untertänigkeit erschrocken sei, in Frankreich zünden sie immerhin Autos an.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}"> </span><span data-contrast="auto">Daran musste ich denken, als ich dort an diesem Tisch saß und wir düstere Wahrheiten aussprachen. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich bin müde und erschöpft von dem alltäglichen Kampf. Von der Tatsache, dass ich meinen Job politisch verstehe und mich jederzeit mit Diskriminierung auseinandersetze, aber gleichzeitig mit meinen weißen Kolleg*innen am Tisch sitzen muss und höre, dass ihre Reaktion auf Antisemitismus &#8222;Die Schuldfrage muss endlich weg, was habe ich mit dem zu tun, was meine Großeltern getan haben?&#8220; ist. Ich bin müde davon jeden Tag die Schule zu besuchen und das mangelnde Engagement von &#8211; surprise ebenfalls weißen &#8211; Menschen zu sehen.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}"> </span><span data-contrast="auto">Die Welt, sie scheint nichts wert zu sein, weder unsere Demokratie, Sicherheit bla bla bla, es erscheint nicht kostbar genug, um eine Haltung zu entwickeln und klar zu vertreten. Nazis zu hassen und Rechtsextremismus und andere -ismen anzuprangern. Fortbildungen zu besuchen, die explizit Rassismus, Sexismus etc. aufdröseln, Stammtischargumente entkräften und Dialoge in unzugänglichen Räumen zu fördern. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}"> </span><span data-contrast="auto">Ich bin es leid bei ebenjenen Veranstaltungen nur queere, migrantische und generell marginalisierte Menschen zu sehen. Es macht mich müde, anderen Menschen Empathie zu erklären, auch dann mit zu fühlen, wenn es nicht die eigene Person betrifft.</span></p>
<p><span data-contrast="auto">All das was gerade passiert, schmerzt enorm. Es schmerzt so sehr, dass es fast unmöglich scheint Nachrichten zu hören, zu lesen, zu fühlen, weil das Ausmaß dieser gesellschaftlichen Spaltung unendlich erscheint. Die Hoffnung auf ein gutes Leben sinkt.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}"> </span><span data-contrast="auto">Mehr als diese Gedankenfetzen bringe ich nicht zusammen, denn das Ausmaß des Grauens in dem meine Freund*innen und ich, die alle queer, migrantisch oder anderweitig marginalisiert sind, ist nicht greifbar. Der Blick in die USA zeigt einiges, was noch kommen wird und ich hoffe, dass der letzte Funken Engagement für die Demokratie irgendwann entfacht werden kann, denn sonst ist alles verloren.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Diese Menschen sind gefährlich, denn sie wissen, was sie tun.</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/01/diese-menschen-sind-gefaehrlich-denn-sie-wissen-was-sie-tun/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mäx]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jan 2025 07:00:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir starten aktivistisch ins neue Jahr mit einem Text von Mäx. Unser Autor weiß nach langer Suche endlich, wie er leben möchte und sich wohl fühlt. Doch diese Lebensweise wird bedroht von einem politischen Klima, dass diese Freiheiten ablehnt. Woher uns diese Tendenzen bereits bekannt sein sollten, erfahrt ihr im Text. „Rosen auf den Weg]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir starten aktivistisch ins neue Jahr mit einem Text von Mäx. Unser Autor weiß nach langer Suche endlich, wie er leben möchte und sich wohl fühlt. Doch diese Lebensweise wird bedroht von einem politischen Klima, dass diese Freiheiten ablehnt. Woher uns diese Tendenzen bereits bekannt sein sollten, erfahrt ihr im Text.</strong><span id="more-16537"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">„Rosen auf den Weg gestreut“ schreibt Kurt Tucholsky 1931. Jetzt, im Angesicht der erstarkenden Faschisten wird er wieder zitiert; von Danger Dan und jüngst Tocotronic, die mich bei allem, was ich tue, begleiten. Das aktuelle politische Klima löst Ratlosigkeit, Angst und Wut in mir aus, ich bin angespannt und rastlos. Ich fühle mich und meine Lebensweise, mit der ich nach so langer Suche und Kämpfen endlich zufrieden bin, bedroht. Keine Ahnung, was es genau bedeutet, trans*, non-binär und bisexuell zu sein, ich weiß, dass ich frei sein will. Frei sein, so zu leben, wie ich will, und so, dass es mir und den Menschen um mich herum gut geht. Und allein dieser so simple Wunsch wird verhöhnt, missachtet und bedroht. Klar, ich wohne in Münster, bekanntlich „die sichere Insel“ vor der AfD, und ich bin dankbar dafür; aber auch vor Münster werden sie nicht halt machen, genauso wenig wie sie es damals getan haben. Dann wird es eng werden hier, man wird sich ganz schön einmummeln müssen in seinem Einfamilienhaus hinterm Gartenzaun, für alle anderen wird kein Platz mehr sein. Was mich am fassungslosesten macht, ist das Steigbügelhaltertum der anderen. Klar, die AfD sind Faschisten, und von Faschisten zu erwarten, sich wie Demokraten zu verhalten ist eine grobe, gefährliche Unterschätzung – aber Kurt Tucholsky war zynisch und bitter, als er schrieb, ihnen Rosen auf den Weg zu streuen, nicht aufrichtig! Auf der Suche nach dem Wahren, Schönen, Guten wird die Luft immer mehr von den Skrupellosen verpestet. Und die, die schon seit Jahren aufgegeben haben, zu suchen, schauen weg, weil es so lästig ist, dagegen anzukämpfen, aber wenn es niemand tut, werden sie irgendwann unsere Untätigkeit ausnutzen, um uns auch das letzte bisschen das uns lieb und teuer ist, aus den Händen zu reißen, um es unter ihren Springerstiefeln zu zerdrücken. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich darf mich nicht der Illusion hingeben, dass dieser Text irgendetwas ändern oder bessern wird, wenn Kurt Tucholsky daran scheitert, habe ich keine Chance – aber die Wut und der Frust müssen raus, damit ich endlich nicht mehr gelähmt bin und weiter machen kann, um wirklich einen Unterschied machen zu können.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wer, wenn nicht wir und wann, wenn nicht jetzt</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/12/wer-wenn-nicht-wir-und-wann-wenn-nicht-jetzt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Diana Podoynitsyn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 Dec 2022 14:05:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Belarus]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[Katja ist 20, Deutschbelarusin und Studentin, macht Bildungs- und Aufklärungsarbeit, tritt in Online-Formaten und auf Kundgebungen auf, arbeitete für den X3-Podcast, ist Teil der belarusischen Demokratiebewegung und Mitglied im Verein Razam e. V. Das ist ganz schön viel. Sie wünscht sich, dass politisch Aktive sich nicht gegeneinander ausspielen lassen, sondern unterstützen in der Gleichzeitigkeit all]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="page" title="Page 4">
<div class="section">
<div class="layoutArea">
<div class="column">
<p><strong>Katja ist 20, Deutschbelarusin und Studentin, macht Bildungs- und Aufklärungsarbeit, tritt in Online-Formaten und auf Kundgebungen auf, arbeitete für den X3-Podcast, ist Teil der belarusischen Demokratiebewegung und Mitglied im Verein Razam e. V. Das ist ganz schön viel. Sie wünscht sich, dass politisch Aktive sich nicht gegeneinander ausspielen lassen, sondern unterstützen in der Gleichzeitigkeit all dieser Konflikte, Probleme, Sorgen, Kriege, Nöten und Krisen. Und dennoch weiß sie, dass sie um Aufmerksamkeit und Aufmerksamkeitsspannen ringen muss: “Niemand wird sich so für ein politisches Problem interessieren wie Du, wenn die Person keinen Identitätsbezug zu dem Thema hat. Das ist etwas, was ich sehr schmerzlich gelernt habe.” </strong></p>
<p><strong>Unsere Autorin Diana hat mit ihr über ihre Arbeit, ihre deutschbelarusische Identität und Kartoffelpuffer gesprochen. Weil sie findet, dass wir Belarus nicht vergessen dürfen.</strong><span id="more-15185"></span></p>
<div class="page" title="Page 4">
<div class="section">
<div class="layoutArea">
<div class="column">
<p>Seit zwei Jahren beschäftigt sie sich mit Politik. Ihre Schwerpunktthemen sind Belarus, Kasachstan und die Ukraine. Nach ihrem Abitur leistet sie einen Freiwilligendienst in Usbekistan, sie will neue Erfahrungen und Eindrücke sammeln. “Da habe ich zum ersten Mal die Bandbreite des Begriffes postsowjetisch verstanden”, sagt Katja, die dieses Label für sich selbst nicht verwendet. Denn “ich bin ohne Sowjetunion aufgewachsen”, erklärt sie, “Einen sowjetischen Nachhall”, spürt Katja dennoch.” Ich glaube, es ist aber eher Entsowjetisierung, über die ich spreche”, sagt sie. Ich frage sie nach dem Begriff postsowjetisch, sie antwortet: “Er wird für Länder genutzt, die überhaupt nicht zusammenpassen. Die haben sicherlich durch diese gemeinsame staatliche Erfahrung irgendwo Gemeinsamkeiten, z. B. dahingehend, dass alle Kulturen eine starke Russifizierung erlebt haben, – auch innerhalb Russlands. Aber auch da waren die Erfahrungen sehr unterschiedlich und die Verallgemeinerung unter dem Begriff postsowjetisch wird diesen Spannungen nicht gerecht. Georgien hatte unter Stalin [Anm. d. Redaktion: Stalin stammte aus Georgien.] beispielweise eine privilegierte Position mit Steuerbefreiungen, während Zentralasien ausgebeutet wurde.”</p>
<p>Wenn postsowjetisch von studierten Expert*innen auf diesem Gebiet verwendet wird, die sich tief in die Historie eingegraben haben, findet Katja den Begriff “manchmal okay”. Eigentlich möchte sie davon loskommen. Vielleicht nicht zuletzt, weil wir Länder, die Teil der UdSSR waren, häufig nur mit diesem Stempel betrachten. Dabei reicht ihre Geschichte tiefer als zu Stalin und Lenin, – und seit dem Zerfall der Sowjetunion 1991 läuft sie losgelöst von diesem riesigen Staatenbund, der Geschichte ist.</p>
<p>Für Politik hat sie sich schon immer interessiert, Politik dabei aber immer als etwas wahrgenommen, in das sie sich ohne persönliche Betroffenheit einarbeitet. “Ich konnte im Politikunterricht in der Schule einfach munter diskutieren und verschiedene Positionen einnehmen, weil es mir erstmal per se um nichts ging”, führt Katja weiter aus. Als Fridays For Future sich 2018 gründet, steht sie einige Male auch auf der Straße. Ihre Politisierung beginnt mit dem Bewusstsein, dass ihr theoretisches Wissen kein externes ist, sondern erfahrbar. Durch ihren Freiwilligendienst erkennt sie, dass sie weiß ist und dass ihr angelesenes Wissen über die Sowjetunion in reale Lebenswelten wirkt. Sie spricht mit queeren Menschen und Aktivist*innen in Usbekistan. Katja wird wütend, bevor sich die Akzeptanz einstellt: “Zuerst wollte ich am liebsten alles verändern, dann habe ich gelernt, dass es hier nicht meine Rolle ist, alles verändern zu wollen und das zu dürfen. Aber ich kann die Leute damit unterstützen, in dem ich erst einmal beobachte und zuhöre.”</p>
</div>
</div>
</div>
</div>
<div class="page" title="Page 5">
<div class="section">
<div class="layoutArea">
<div class="column">
<p>Was ihr dabei auffällt? Die Vorbilder sind, je weiter man gen Osten geht, andere als hier in Deutschland, wenn es um Demokratie, Freiheit und Rechtsstaatlichkeit geht. Und: Es gibt so viel Bewusstsein für dieselben Themen, die durch die geographische Distanz total verloren gehen. Um das zu ändern, schreibt sie auf ihrem Blog Usblogistan, bis sie wegen Corona wieder zurück nach Deutschland muss.</p>
<p><strong>über Kartoffelpuffer in herzhaft und in süß</strong></p>
<p>In Deutschland werden Kartoffelpuffer süß gegessen, die belarusischen Draniki hingegen herzhaft. Bei der Frage danach, wie Kartoffelpuffer zu essen sind, hat es in Katjas Familie gekracht, berichtet sie lachend. Ich frage Katja, ob sie das Gefühl kennt, zwischen den Stühlen zu sitzen, ob ihre deutschbelarusische Identität Reibungen erzeugt. Sie antwortet: “Für mich war es ein ziemlich großes Spannungsfeld, wenn es um Lebensumstände und Lebenswirklichkeiten ging. In Deutschland war ich immer sehr wohlbehütet, das war meine Komfortzone. In Belarus habe ich immer Zeit gebraucht, um mich umzugewöhnen. An die Gerüche, die Lebens- und Familienstruktur. Es erschien mir alles viel umständlich, enorm schwer und als würde jedes Bestreben von außen gehemmt werden. Dieses Gefühl hatte ich später auch in Usbekistan.”</p>
<p>Katja führt diese Beobachtung zum einen auf die Mentalität zurück, zum anderen aber auch maßgeblich auf die äußeren Umstände, die in Belarus geprägt sind von Diktatur und fehlenden Ressourcen. Während sie erzählt, lacht sie zwischendurch. Dann wird die Stimme wieder sehr ernst. Sie hat in Usbekistan gelernt, die Kleinigkeiten zu schätzen und durch ihre belarusische Identität auch mal Strenge erfahren. Es ist diese Mixtur der persönlichen Erfahrung von unbeschwerten Leichtigkeit in Deutschland und dennoch dieses Verständnis für eine Armut, die selbst nicht erlebt wurde, aber als generationales Trauma auch das eigene Sein formt, die auch ich durch meine deutschrussische Identität kenne. “Es war schon immer sehr ambivalent”, fasst Katja zusammen.</p>
<p>Mein Nicken zwischendurch sieht sie genauso wenig wie meinen Notizzettel, der immer voller und bunter wird. Wir telefonieren bloß. Ihre Stimme ist zärtlich, weich und freundlich. Ihre Worte klingen nicht gewählt, sondern ehrlich und unmittelbar und trotzdem sind sie bedacht. Wenn sie lacht, klingt sie tiefer. Katja-am-Telefon ist herzlicher als die Katja in meinem Kopf, die Katja, die sich dort durch ihren Instagramaccount @kaciaberlin eingenistet hat. Es überrascht mich nicht. Wer so reflektiert und klug ist, kann nur mutig handeln, oder?</p>
<p><strong>über Lebensaufgaben und Diktaturen</strong></p>
<p>“Mit den Belarus-Protesten sind postsowjetische Diktaturen im Allgemeinen irgendwie an meine Identität geknüpft worden und zwar so eng, dass ich das, glaube ich, nie wieder loslassen werde. Ohne pathetisch klingen zu wollen: Das ist schon zu einer gewissen Lebensaufgabe geworden, mich damit auseinanderzusetzen”, erklärt sie mir. Katja vernetzt sich mit anderen, die dieselben oder ähnliche Themenschwerpunkte verfolgen. So ist sie beispielsweise fester Bestandteil der belarusischen Diaspora in Deutschland und entsprechend im Verein Razam e. V. aktiv. Ich stelle mir das sehr schmerzlich vor.</p>
<p>“Es ist in jedem Fall schmerzhaft”, antwortet Katja, “alles ist schmerzhaft an diesen ganzen Erfahrungen, vor allem weil es nicht nur persönliche Erfahrungen sind, sondern es ein gewisser Kollektivschmerz ist. Der unterscheidet sich aber natürlich schon von Gruppe zu Gruppe. Der belarusische Kollektivschmerz ist nicht mit dem Ukrainischen zu vergleichen, weil das ein komplett anderer Kontext ist. Ich zweifle nicht daran, dass ich mich engagiere, sondern ich werde häufig mit der Frage konfrontiert, wie ich meine politische Arbeit gestalte und meine Positionen kommuniziere. Das ist etwas, das sich mit der Zeit ändert und sich den jeweiligen Gegebenheiten anpasst.”</p>
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<p>Zu Beginn ist sie viel auf der Straße unterwegs, mit der Zeit verlegt sich ihre politische Arbeit zunehmend in Online-Räume – wegen Corona und den sinkenden Teilnehmer*innenzahlen. Ihr Instagramaccount @kaciaberlin hat fast 4.700 Follower*innen. Katja balanciert dort mit Themen und der Gleichzeitigkeit von dem, was gerade in der Ukraine passiert und den Geschehnissen in Belarus. Sie reflektiert sich selbstkritisch: “Für mich stellt sich nicht die Frage, ob ich etwas mache, sondern nur, wie ich etwas mache: Was ist da der beste, effizienteste Weg? Ich frage mich auch immer nach Projekten: Okay, was ist gut gelaufen und was nicht? Gerade in Konfliktsituationen. Das ist das, was mich am meisten beschäftigt.”</p>
<p>In ihrem privaten Umfeld versucht sie, sich erst einmal so unpolitisch wie möglich zu bewegen: “Ich möchte meinen background nicht immer direkt nach außen tragen, weil das immer auch wieder ein Erklären bedeutet. Wenn mich jemand darauf anspricht, versuche ich mit aller Fürsorge und Geduld alle Fragen zu beantworten. Ich glaube nämlich, dass viele unglücklich formulierte Fragen in guter Absicht stellen. Aber das kostet unfassbar viel Kraft.”</p>
<p><strong>über Gleichzeitigkeit</strong></p>
<p>Ich frage Katja, ob sie stolz auf ihre politische Arbeit ist. Sie antwortet: “Ja und nein. Ich bin stolz auf meinen produktiven Umgang mit diesen Krisen, aber eigentlich kann ich nicht stolz darauf sein, weil es zu viel kostet. Stolz ist nicht die vordergründige Emotion, die ich bei und durch meine politische Arbeit spüre, sondern eher Zugehörigkeit – gerade in meiner belarusischen Community und der Arbeit im Verein Razam e. V. Ich bin auf uns stolz und unsere gemeinsame Arbeit, darauf wie unser Verein arbeitet, auf meine Mitstreiter*innen. Darauf bin ich wirklich stolz. Das ist wirklich etwas, was ich sehr wertschätze. Ich platze vor Stolz, wenn ich unseren Vorstandsvorsitzenden Anton auf Veranstaltungen sehe und wie professionell und kompetent er sein Wissen teilt. Da sehe ich, was für einen Außeneindruck unser Verein hinterlassen kann und darauf bin ich stolz. Es ist die Summe, von allem, was passiert und die Gleichzeitigkeit von großer Freude, dass wir einander haben und die Trauer, dass das alles passiert. Stolz ist keine Emotion, die ich bei mir selbst verspüre.”</p>
<p>Katjas Engagement außerhalb von Online-Räumen findet auch in Schulen statt. “Für mich ist es am bewegendsten, wenn ich Kindern und Jugendlichen erzählen kann, was bei uns passiert. Geballte Aufmerksamkeit, Neugier und aufrichtiges, ernsthaftes Interesse, – das ist das Allerschönste”, sagt sie. Das merkt man. Sie erzählt sehr schön davon, wie sie suna spielt, wie sie mit theaterähnlichen Gesten das Ausmaß der belarusischen Gewalt zeigt ohne junge Menschen der Gefahr einer Sekundärtraumatisierung: Katja erzählt von der Wahlmanipulation, die bis heute nicht eingestanden wird. Sie nimmt ein leeres weißes Blatt und faltet es, während sie spricht, während sie erzählt, was Wahlmanipulation bedeutet. Sie wirft das gefaltete Blatt in eine imaginäre Wahlurne. Alle hören zu. “Ich merke dann, dass ich diese Geschichten wirklich als Geschichten erzählen kann. Am Ende ist dann so eine gewisse Stille im Raum, wenn ich fertig damit bin, zu erzählen, was bei uns passiert ist”, sagt Katja. Ich habe nie darüber nachgedacht, dass man einen emotionalen Eindruck zu einem politischen Thema hinterlassen kann, ohne Fotos, sondern nur durch sprachliche Bilder, unterstützt mit Gesten aus dem Theater. Es kommt mir absurd vor, Literatur und Theater, das ist meine Leidenschaft, und im Ethikunterricht habe ich mich ganz vehemmt gegen Gewaltdarstellungen in Videospielen ausgesprochen. Aber Katja hat recht: Kindern sollte man keine Gewalt zeigen; auch nicht, wenn man sie so für politische Missstände sensibilisieren will.</p>
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<p>“Ein freies Belarus und eine sichere Ukraine, auch wenn ich weiß, dass es da nicht aufhören wird. Ich wünsche mir, dass unsere Arbeit gesehen und wertgeschätzt werden. Hier entstehen gerade in ganz Osteuropa Freiwilligennetze, die auf jede erdenkliche Art und Weise helfen. Ich wünsche mir, dass sich Freiwillige nicht mit Almosen, mit Lippenbekenntnissen, zufriedengeben, sondern dass wir ernsthaft die Anerkennung bekommen, für all das, was wir leisten, – und dass diese auch eine strukturelle Dimension erfasst”, erklärt sie, “denn das würde bedeuten, dass wir auf einer ganz anderen Ebene mit staatlichen Institutionen und allen großen Vereinen arbeiten können, dass unsere Expertise wertgeschätzt wird. Das wäre auch noch einmal ein ganz anderer Anreiz für Außenstehende, unsere Arbeit zu unterstützen, nicht nur durch Spenden, sondern sich uns anzuschließen.” Katja appelliert da auch an die Verantwortung der Medien. Es sollte mit Ehrenamtlichen, die sich politisch engagieren, gesprochen werden statt über sie, – nicht nur, weil sie die Aufmerksamkeit für ihre Themen verdienen, sondern auch um faktische Fehler zu vermeiden. Ich muss an Melina Borčak denken, die seit Monaten aufzeigt, wie genozidverherrlichend der SWR im Podcast Sackreis über den Genozid an Bosniak*innen berichtete.</p>
<p><strong>über das, was da noch kommt</strong></p>
<p>2020 war für Katja gefühlsmäßig ein Jahr der Gegensätze: Zum einen der Schockschmerz über die Wahlmanipulation und das gewaltsame Vorgehen gegen Protestierende in Belarus. Und zum anderen Europhie, Romantisierung, Hoffnung. Katja glaubt, das hat sie wie viele Belarus*innen gebraucht, um zu überleben, um mit dieser “riesen Welle von Gewalt” klarzukommen. Ihr scheint als sei der Blick 2022 abgekühlterer. Nicht pessimistisch, aber rationaler. “Der Schock des russischen Angriffskrieges ist erst einmal überwunden, auch wenn die Nachrichten natürlich immer noch richtig reinhauen”, sagt sie. Schließlich zeige sich in der Ukraine eine neue Dimension des Schreckens. Katja glaubt, “das ist der geringste Trost, den ich dieses Jahr gefunden habe: dass in Belarus noch kein Krieg herrscht.”</p>
<p>Katja ist gegen Russozentrik und für Waffenlieferungen an die Ukraine. Ich frage sie, ob sich der Konflikt in Belarus ohne Gewalt lösen lässt. Sie antwortet:” Die Freiheit von Belarus ist zu diesem Zeitpunkt der Geschichte nicht mehr gewaltfrei zu erreichen. Der Moment wäre vielleicht 2020 da gewesen. Mittlerweile sind alle so geprägt von den Kriegsbildern aus der Ukraine und viele Menschen sind aus Belarus erst einmal in die Ukraine geflüchtet, sodass viele schon zweimal ihr Zuhause verloren haben. Diese Eindrücke färben ab, gerade auf die politisch Aktiven, die sowieso schon hinschauen. Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Gerade scheint es ein Abwarten, es formieren sich neue Strukturen. Aber wie es weitergeht, das weiß niemand von uns.”</p>
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		<title>Zackie Oh</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/05/zackie-oh/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Isa]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 May 2022 09:40:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Am 21. September 2018 ist Zacki, ein griechischer LGBTQ+-Aktivist, in Athen umgebracht worden. Eine homophobe Attacke mitten im Zentrum der griechischen Hauptstadt. Über den Tag und die Hintergründe berichtet Isabella und auch über dasempörende Gerichtsurteil. Athen. Wir schreiben den 21. September 2018. Durch die noch vom Sommer aufgeheizten Straßen ertönen schon mittags wirre Stimmen und]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body"><strong>Am 21. September 2018 ist Zacki, ein griechischer LGBTQ+-Aktivist, in Athen umgebracht worden. Eine homophobe Attacke mitten im Zentrum der griechischen Hauptstadt. Über den Tag und die Hintergründe berichtet Isabella und auch über dasempörende Gerichtsurteil.</strong></p>
<p><span id="more-14828"></span></p>
<p>Athen. Wir schreiben den 21. September 2018.<br />
Durch die noch vom Sommer aufgeheizten Straßen ertönen schon mittags wirre Stimmen und Parolen. „Da wurde jemand umgebracht“, heißt es. Mitten im Zentrum der Wiege der Demokratie, in einem Juwelier in der Glastonos Straße, kam es am helllichten Tag zu einem Mord. In den nächsten Stunden werden Details der Tat bekannt, die eine Welle von Ereignissen lostreten. Den Menschen Athens wird allmählich klar, dass dieser Mord nicht von der Öffentlichkeit unkommentiert bleiben kann. Riesige Menschenströme versammeln sich innerhalb nur weniger Stunden im gesamten Zentrum der Stadt, um zu demonstrieren und gemeinsam zu trauern. „Die Schweine haben Zackie getötet. Zak ist tot.“, heißt es.</p>
<p>Das Opfer? Es handelt sich dabei um den Aktivisten Zak Kostopoulos*, der in der Stadt ebenfalls unter seinem Drag-Namen, Zackie Oh, einen redlichen Bekanntheitsgrad erlangt hatte. Eine zentrale Figur in der Solidaritätsbewegung für die LGTBQ+ Gemeinschaft, HIV-Positive, Sexarbeiter*innen und Migrant*innen.<br />
Sofort wird klar, dass es sich bei dem Verbrechen um eine homophobe Attacke gehandelt haben muss. Stündlich kommen mehr Informationen über den Tathergang ans Licht, die Stimmung kippt. „Η Ζάκι ζει, τσακίστε τους ναζί“ [dt.: Zackie lebt, zerschmettert die Nazis!] lautet die Parole der Demonstration.</p>
<p>Die Täter? Der Besitzer des Juwelierladens und einer seiner Kunden, der eines der führenden Mitglieder einer rechtsextremen Partei in Griechenland ist. Beide behaupten, Zak hätte den Juwelierladen betreten, um ihn bewaffnet und im Drogenrausch auszurauben. Die forensischen Untersuchungen, Augenzeugenberichte und Aufnahmen von Sicherheitskameras zeigen jedoch ein völlig anderes Bild. In Zak Kostopoulos‘ Blut wurden weder Spuren von Drogen gefunden, noch ließen sich seine Fingerabdrücke auf den im Laden sichergestellten Messern finden. Viel eher scheint es, dass sich Zak auf der Flucht vor einer homophoben Attacke auf der Straße hilfesuchend in das Geschäft geflüchtet hat. Die Kameras zeigen, wie er von den beiden Tätern gelyncht wird, während er mit letzter Kraft versucht, die Glasfront des Juwelierladens von Innen mit einem Feuerlöscher zu zerschlagen, um ihnen zu entkommen. Als es ihm endlich gelingt, durch das gesprungene Fenster ins Freie zu gelangen, verlassen ihn seine Kräfte. Er bricht auf dem Bürgersteig vor dem Geschäft zusammen.</p>
<p>Wie auf den Aufnahmen der Kameras sichtbar wird, ist die Polizei zu dieser Zeit schon an Ort und Stelle. Doch anstatt zu helfen oder zu deeskalieren, beteiligen sie sich an dem Blutrausch. Einige der Beamten treten Zak mehrmals gegen den Kopf. Ein anderer Polizist legt dem regungslosen und mit Blut überströmten Opfer Handschellen an und presst ihn mit dem Gesicht nach unten auf den Boden, sodass er keine Luft bekommt. Von erster Hilfe keine Spur.<br />
Noch am Weg ins Krankenhaus erliegt Zak Kostopoulos seinen Verletzungen.<br />
Zackie ist tot.<br />
Athen. Wir schreiben den 21.10.2021.<br />
Der durch die COVID-19 Pandemie um ein Jahr verschobene Gerichtstermin beginnt. 3 Jahre nach der Tat. Auf der Anklagebank sitzen 6 Männer. Der Besitzer des Juwelierladens, besagter rechtsextremer Kunde sowie vier Polizeibeamte. Das medizinische Gutachten stellt fest, dass die Todesursache rein auf die dem Opfer zugefügten Verletzungen durch die Angeklagten zurückzuführen ist. Zugegen ist auch Zaks Mutter, die vor Gericht eine Aussage über ihren Sohn macht und Gerechtigkeit für die schreckliche Tat verlangt.<br />
Das Urteil ist bis dato [16.11.2021] noch nicht gesprochen.</p>
<p>Der Fall Zackie Oh zeigt ein weiteres Mal, dass auf Heteronormativität fundierende Diskriminierungsmechanismen kein Phänomen der Vergangenheit sind. Es sind sehr reale und sehr gefährliche Tendenzen, die es zu bekämpfen gilt.<br />
Wer sich näher mit diesem Fall beschäftigen möchte, oder sich über den weiteren Verlauf des Gerichtsverfahrens informieren möchte, kann dies über folgende Social Media Plattformen und Links tun:<br />
https://zackieohjustice.watch/en/<br />
https://www.facebook.com/justice4ZakZackie/<br />
https://thinkbricks.gr/shop/accessories/brooches/support-zackie-oh/</p>
<p>* Zak Kostopoulos wurde im August 1985 als Sohn griechischer Auswanderer in Amerika geboren und kam im Alter von 7 Jahren mit seinen Eltern zurück nach Griechenland. In der dörflichen Gegend, in der er fortan heranwuchs, merkte er schnell, dass er den Männlichkeitsansprüchen der dortigen Gesellschaft nicht entsprach. Bis zu seinem Coming-Out sollte es allerdings noch bis zu seinem Umzug nach Athen, wo er Schauspiel studierte, dauern. Sowohl auf sein Coming-Out, als auch auf seine eigene HIV-Infizierung reagierten seine Eltern unterstützend. Erst nach und nach merkte er, dass seine persönlichen Erfahrungen mit Unterdrückung und homophoben Attacken keine bloßen unglücklichen persönlichen Erfahrungen sind, sondern das Symptom gesellschaftlicher und politischer Mechanismen. Zak Kostopoulos widmete sein ganzes Leben dem Aktivismus und dem Kampf für die Gleichstellung von Menschen, die keine heteronormativen Rollen erfüllen, oder aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer Herkunft Opfer von Hass und Gewalt werden. Er arbeitete ehrenamtlich bei dem HIV-Testzentrum Positive Voice und fand in seiner Kunst das richtige Ventil, um seine Erlebnisse zu verarbeiten, Menschen zu unterhalten und dabei zu erreichen. 2012 entstanden die ersten Drag-Performances von Zackie Oh!, einer ehemals zur gehobenen Gesellschaft gehörenden Dame, die in ihrem sozialen Status gefallen war und nun als Prostituierte durch die Straßen Athens zog. Zackie, wie auch Zak, propagierte stets eine antirassistische und antihomophobe Haltung. Ihr ganzes Dasein war von einer friedlichen und Liebe predigenden Eistellung geprägt.</p>
<p>UPDATE vom 03.05.2022<br />
Im Fall ‚Zackie Oh‘ wurde am Dienstag, den 03.05.2022, das erste Urteil gesprochen.<br />
Das Gericht hat entschieden, dass die Schuld der Angeklagten Dimopoulos und Chortarias für die Straftat der Körperverletzung mit Todesfolge (nicht Mord) anerkannt wird.<br />
In Bezug auf die angeklagten Polizisten entschied das Gericht, sie freizusprechen.<br />
Genauer:<br />
Dimopoulos: Schuldig wegen Körperverletzung mit Todesfolge<br />
Chortarias: schuldig der Körperverletzung mit Todesfolge<br />
Polizeibeamte:<br />
Rusakos: Freispruch,<br />
Seferis: Freispruch<br />
Tsopanis: Freispruch<br />
Alexandris: Freispruch</p>
<p>Was das bedeutet:<br />
Das von dem (fragwürdig) unabhängigen Gericht gesprochene Urteil ist für die Familie und Freund*innen von Zak Kostopoulos sowie für die Aktivist*innen und Mitglieder der LGBTQI+ Gemeinschaft in ganz Griechenland ein Schlag ins Gesicht.</p>
<p>Die Strafe von 10 Jahren, die der schuldig gesprochene Juwelierladenbesitzer Dimopoulos aufgrund seines Alters (77) im Hausarrest absitzen darf und der Rechtsextreme Chortarias im Gefängnis verbringen wird, ist für eine*n jede*n mit einem halbwegs intakten Gerechtigkeitssinn in vielerlei Hinsicht zu mild. Den Mord an Zackie Oh zu einer Körperverletzung mit Todesfolge herabzustufen, bedeutet, die Täter nicht als das anzuerkennen, was sie in Wahrheit sind: Mörder.<br />
Das gleiche gilt für die 4 Polizeibeamten, deren Beteiligung an dem Mord sich durch einschlägiges Videomaterial nachvollziehen lässt. Ihr Freispruch lässt an der Gerechtigkeit und Sinnhaftigkeit der Justiz zweifeln. Denn wozu braucht mensch eine Justiz, die sich davor scheut, Mörder und Straftäter zu verurteilen, bloß weil sie Teil der Exekutive sind?<br />
Das aggressive Auftreten der Polizei bei der rund 5000 Menschen starken Demonstration am Abend der Urteilsverkündung lässt ebenfalls darauf schließen, dass der Freispruch ihrer Kollegen den Polizeieinheiten ein weiteres Mal das Selbstvertrauen gestärkt hat zu wissen, dass sie für ihre Gewaltakte nicht bestraft werden.<br />
Trauer und Wut haben sich über die Straßen Athens gelegt. Die einzige Hoffnung bleibt, dass dieser Fall noch einmal vor einem höheren Gericht aufgerollt werden kann. Doch das kann noch Jahre dauern.</p>
<p>Zak Kostopoulos Mutter veröffentlichte noch am Dienstagabend eine Nachricht an die Öffentlichkeit. [Anm.: Übersetzung der Autorin] :<br />
Heute war der erste Schritt, um den Mord an Zak vor Gericht zu stellen. Ich werde euch nicht sagen, wie ich mich fühle, aber ich werde euch beschreiben, was ich denke.<br />
Ich denke an den Juwelier Dimopoulos. Ich denke an ihn, wie er in seinem Haus gefangen ist, wie mein Kind in seinem Laden, wie er versucht, seinen Enkelkindern zu erklären, warum Opa nicht mit ihnen spazieren gehen kann.<br />
Ich denke an den Makler Chortaria, wie er versucht, seinen Insassen im Gefängnis zu erklären, dass er einen Mann brutal getreten habe, „um die Menge zu schützen“, die seine kriminellen Handlungen per Video aufzeichnete, damit sie sie später verkaufen und damit Geld verdienen könnten.<br />
Ich denke an die &#8222;unschuldigen&#8220; Polizisten, die versuchen, ihren Familien zu erklären, dass ihre Aufgabe darin besteht, Täter zu fassen, aber auch einen Verletzten zu schlagen, zu treten und auf den Bürgersteig zu ziehen und ihn vor ihren Augen sterben zu lassen und die Schuld danach einander zuzuschieben.</p>
<p>Ich denke an Zak hoch am Himmel, wie er überall tonnenweise Glitzer verstreut, der überall klebt und nicht abgewaschen werden kann.<br />
Es wird denen bleiben, die ihn berührten, mit ihm sprachen, ihn ansahen, ihn lasen, ihn verteidigten und für immer und ewig an ihn dachten.</p>
<p>Seine Mutter<br />
Eleni Kostopoulou</p>
<p>&nbsp;</p>
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