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	<title>Aktivistisch ins neue Jahr &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>Aktivistisch ins neue Jahr &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Die Ursprünge des Feministischen Kampftags</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/03/feministischerkampftag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Diedesianna]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 08 Mar 2025 07:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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		<category><![CDATA[Weltfrauentag]]></category>
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					<description><![CDATA[Weltfrauentag, Frauenkampftag, feministischer Kampftag: Der 8. März hat mittlerweile viele Namen aber kennst du die historischen Anfänge dieses Tages? Unsere Autorin @diedesianna erklärt dir wie alles begann.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Weltfrauentag, Frauenkampftag, feministischer Kampftag: Der 8. März hat mittlerweile viele Namen aber kennst du die historischen Anfänge dieses Tages? Unsere Autorin @diedesianna erklärt dir wie alles begann.</strong></p>
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			</item>
		<item>
		<title>ich habe die zukunft gesehen und wir waren alle am leben und glücklich</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Isaak]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Mar 2025 07:00:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Hoffnung]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;Anti-Faschismus ist Handarbeit&#8220;, sagt Esther Bejarano, Holocaustüberlebende. Auch unser Autor Isaak findet trotz aller Widrigkeiten, Hürden und Rückschläge immer wieder Hoffnung, unter anderem in Geschichtsbüchern. In seiner bemerkenswert düsteren und gleichzeitig hoffnungsvollen Analyse stellt er fest: Andersdenkende, Queere und unbequeme Menschen sind, trotz größter Bemühungen autoritärer Kräfte, nie verschwunden. vor paar tagen habe ich einen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8222;Anti-Faschismus ist Handarbeit&#8220;, sagt Esther Bejarano, Holocaustüberlebende. Auch unser Autor Isaak findet trotz aller Widrigkeiten, Hürden und Rückschläge immer wieder Hoffnung, unter anderem in Geschichtsbüchern. In seiner bemerkenswert düsteren und gleichzeitig hoffnungsvollen Analyse stellt er fest: Andersdenkende, Queere und unbequeme Menschen sind, trotz größter Bemühungen autoritärer Kräfte, nie verschwunden.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-16608"></span></p>
<p>vor paar tagen habe ich einen interessanten post auf instagram gelesen: “ich wünschte, die rechten würden verstehen, dass sie schon lange gewonnen haben… unser gesundheitssystem ist rechts, unsere außenpolitik ist rechts, unsere sozialpolitik ist rechts &#8211; und dein leben ist und bleibt trotzdem scheiße.” (paraphrasiert)</p>
<p>aktuell suche ich auch nach hoffnung. nach diesem funken, der einer*m kraft gibt weiterzumachen, trotz merz, weidel, höcke, lindner und scholz. trotz der forderung, meine freund*innen alle abzuschieben, und/ oder ihnen die staatsbürger*innenschaft zu entziehen. (habeck und baerbock gehören auch in diese liste, aber da sie schon ziel von cduafd sind, lasse ich sie an dieser stelle mal raus. fühlt euch aber mitgemeint, ihr lieben rassismus-aber-mit-bauchschmerzen-leute.)</p>
<p>ich habe auch mal einen anderen sehr interessanten post auf instagram gelesen (ja, ich weiß, ich verbringe zu viel zeit auf dieser plattform, aber was soll man machen): “die tatsache, dass es in deutschland keine starke linke, überhaupt keine ernstzunehmende linke opposition gibt, ist bereits der faschismus. er ist schon lange eingetreten, schon vor jedweden cdu eskapaden und forderungen nach remigration.” (paraphrasiert)</p>
<p>wenn ich ab und an mal nachrichten lese, dann ist es jedesmal wie ein schlag in den magen. und dieses gefühl von ohnmacht. immer diese ohnmacht.</p>
<p>man kann noch so viele kommentare schreiben, mit sturköpfigen verwandten reden, diskussionen in der teeküche im büro anzetteln, petitionen unterschreiben, auf demos gehen. aber es bringt ja alles nichts. es bringt ja nichts.</p>
<p>naja. ein bisschen was bringt es schon. aber halt nicht genug.</p>
<p>und auch nicht schnell genug. mir fallen aus dem kopf heraus bestimmt 20 in naher zukunft real umsetzbarer horrorszenarien ein: von der inhaftierung psyc— ich versuche, mir nicht zu viele albträume auszumalen, aber es fällt mir ehrlich gesagt schwer, <i>nicht </i>an sowas zu denken. und was hilft dagegen? was sind realistische, umsetzbare anti-horrorszenarien?</p>
<p>wenn ich das wüsste, dann würde ich sie gerade alle machen und hätte ggf schon einen friedensnobelpreis, glaube ich. ich hab ehrlich gesagt nicht viel eigene erfahrung, was aktivismus angeht, aber ich habe eine absurde menge an geschichtsbüchern gelesen und würde gerne ein bisschen wissen daraus teilen und vielleicht hoffnung generieren (und vor allem mir selbst wieder hoffnung machen).</p>
<p>wer politische veränderung will, braucht a) einen sehr, sehr, sehr langen atem (z.b. die gleichgeschlechtliche ehe in deutschland hat 21 jahre (!) vom 1. vorschlag bis zur umsetzung gebraucht (von 1996 bis 2017)) und b) genug menschen, dass politiker*innen angst haben.</p>
<p>nein, ehrlich jetzt.</p>
<p>es braucht so viele leute, dass es für politiker*innen unglaublich unangenehm ist, den status quo beizubehalten und sie dann wider ihres eigenen willens nun die forderung von besagter politischer bewegung umsetzen und z.b. klimaschutz maßnahmen beschließen. oder, einfacher gesagt: es braucht (die illusion von) gewalt.</p>
<p>eine demo? kann man easy ignorieren. zwei demos? ebenso. bundesweit in nahezu allen städten demos mit millionen demonstrant*innen, die so unzufrieden aussehen, dass man sich sorgen machen muss, ob sie gleich ne scheibe einschlagen? hmmmmm schwierig zu ignorieren.</p>
<p>um eins klarzustellen: das ist kein aufruf zu gewalt. das ist nur das, was ich nach wirklich vielen seiten geschichte für mich rausgezogen habe &#8211; politik hört auf genau 2 sachen: geld und gewalt. natürlich gibt es auch die option, einfach keine forderungen an die politik zu stellen und das eigene ding zu machen, aber das ist auch sehr tricky/ je nachdem, um was und um welchen ausmaß es ging, historisch bisher leider oft gescheitert (imo interessante gruppen zum nachgooglen an dieser stelle sind z.b. die pariser kommune und die machno-bewegung).</p>
<p>vielleicht braucht es jetzt große, riesengröße bündnisse. so große und so unerwartete zusammenschlüsse an menschen, dass die ganzen cduafd leute gar keine zeit haben, um schnell und sinnvoll genug dagegen zu reagieren. wenn sich z.b. plötzlich queere menschen und alle mitarbeitenden der deutschen bahn zusammentun würden, um brennende geflüchteten-unterkünfte zu verhindern. oder alle leute, die in pflegeberufen arbeiten solidarisieren sich mit inhaftierten personen. keine ahnung!!! überrascht mich.</p>
<p>wir leute, die nicht ins weltbild der cduafd reinpassen, können es uns schon lange nicht mehr leisten a) uns wegen lächerlich irrelevanten differenzen aufzuspalten und b) berechtigte kritik aus den eigenen gruppen, z.b. an rassismus im plenum, zu ignorieren.</p>
<p>es brennt mir unter den fingern. ich will irgendwas tun. und dann meldet sich mein körper mit seinen chronischen schmerzen, zwingt mich zu einer kotz-session in der uni-mensa und fragt: “hast du mich etwa vergessen?”</p>
<p>ach, ich weiß doch auch nicht. anti-faschismus bleibt handarbeit, das wissen wir ja alle. “wer gegen nazis kämpft, kann sich auf den staat überhaupt nicht verlassen” (esther bejarano), wissen wir auch alle.</p>
<p>und trotzdem ertappe ich mich immer wieder bei den doppel-gedanken: ich kann ja gar nichts machen und kann das nicht wer anders für mich erledigen? kann sich jemand anderes etwas schlaues überlegen und umsetzen? direkte aktion schön und gut, aber das ist ja auch einfach super gefährlich und ich will nicht ins gefängnis??? ich habe zwar viel gelesen und mit vielen menschen gesprochen, aber eigentlich weiß ich auch nicht, was ich hier tue?? ich bin am ende meiner kräfte, ich hab nur total wenig politische erfahrung, ich will eigentlich nur nach hause (wo auch immer das eigentlich ist) und wie zur hölle soll ich arme kleine einzelperson so ein riesengroßes ziel wie “geschlechtergerechtigkeit” oder “klimakatastrophe aufhalten” oder “faschismus überwinden” schon hinkriegen?</p>
<p>ich glaube, vielen menschen geht es so. super viele leute haben eigentlich gar keinen bock auf das, was die cduafd vorschlägt. sie sind nicht “das volk”, von dem immer geredet wird. aber sie sind eben auch wie ich &#8211; alleine. nicht teil einer politgruppe, einer gewerkschaft, einer partei oder einer anderen organisation. shit. wohin mit mir? was kann ich denn tun, wenn ich so alleine bin? wie find ich anschluss??</p>
<p>ich schaue wieder in meine lieblingsquelle von hoffnung (= geschichtsbücher) und merke, dass ich vielleicht doch nicht so alleine bin, wie ich mich oft fühle. dass es z.b. queere menschen schon immer gab und auch geben wird. dass sie niemand ausradieren kann, egal wie sehr sie es versuchen. dass marginalisierte leute unendlich kreativ sind, untertauchen, verschwinden, dann wieder auftauchen und immer wieder strategien finden, um in dieser hölle namens spätkapitalismus zu überleben. dass es eine gruppe gibt, der ich mich anschließen kann und werde, aber dass ich sie halt erst suchen und/ oder gründen muss.</p>
<p>dass auch ich, mit meinen sehr begrenzten skills und meinen ganzen chronischen krankheiten etwas tun kann und es einen sinnvollen platz für mich gibt. dass ich, selbst wenn es mir gar nicht bewusst ist, schon einen impact habe, einfach indem ich z.b. mit arbeitskolleg*innen, freund*innen, bekannten und kommiliton*innen rede. dass es, wenn man sich die gesamte geschichte der menschheit anschaut, erst für einen enorm kurzen zeitraum so ist, dass ausbeutung der normative zustand ist. dass wir eben wirklich nicht alleine sind und auch nie waren. oder, um es in den worten vom super klugen autor &amp; aktivisten max czollek zu sagen: “alleine sind wir erledigt, aber zusammen erledigen wir das.”</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Tabuthema Leihmutterschaft</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/02/tabuthema-leihmutterschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Feb 2025 07:00:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Leihmutterschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn man über Selbstbestimmung über den eigenen Körper spricht, denken vermutlich viele von euch an das Thema Schwangerschaftsabbrüche oder an das neue Selbstbestimmungsgesetz, oder? Aber was ist, wenn man einen unerfüllten Kinderwunsch hat, darf man sich dann einen anderen Körper &#8222;leihen&#8220;? Die Deutsche Gesetzgebung sagt dazu &#8222;Nein&#8220; aber das Thema wird viel diskutiert und in]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wenn man über Selbstbestimmung über den eigenen Körper spricht, denken vermutlich viele von euch an das Thema Schwangerschaftsabbrüche oder an das neue Selbstbestimmungsgesetz, oder? Aber was ist, wenn man einen unerfüllten Kinderwunsch hat, darf man sich dann einen anderen Körper &#8222;leihen&#8220;? Die Deutsche Gesetzgebung sagt dazu &#8222;Nein&#8220; aber das Thema wird viel diskutiert und in anderen Ländern, sehen die Gesetze dazu ganz anders aus. Was denkst du darüber?</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Politik der Grausamkeit</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/02/die-politik-der-grausamkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Beau]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Feb 2025 07:00:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Unser Autor Beau findet, die aktuellen Lösungsvorschläge aus den politischen Reihen zeichnen sich vor allem durch eins aus: Grausamkeit. Frauen wählen nicht, wie Konservative es wünschen? Weg mit dem Frauenwahlrecht. Die Renten sind nicht sicher und jedes 7. Kind lebt in Armut? Sollen sie doch in Aktiendepots anlegen. Wie Beau es schafft, nicht zu verzweifeln]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unser Autor Beau findet, die aktuellen Lösungsvorschläge aus den politischen Reihen zeichnen sich vor allem durch eins aus: Grausamkeit.<br />
</strong><strong>Frauen wählen nicht, wie Konservative es wünschen? Weg mit dem Frauenwahlrecht. Die Renten sind nicht sicher und jedes 7. Kind lebt in Armut? Sollen sie doch in Aktiendepots anlegen. Wie Beau es schafft, nicht zu verzweifeln und was der christliche Glaube damit zu tun hat, erfahrt ihr im Text.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-16614"></span></p>
<p class="western" align="justify">CDU-Mitglied Gundolf Siebeke schreibt auf X: <i>„Sollte es so sein, dass Frauenstimmen den politischen Heiratsschwindler Robert H. ins Kanzleramt hieven und damit Deutschland über die Klippe, muss über das Frauenwahlrecht inoffiziell, über antiemotionalen Demokratieunterricht offiziell nachgedacht werden.“</i></p>
<p class="western" align="justify">Sollte es Diskurs über jeden Tweet/ Post von irgendeinem Deppen geben? Nein, denn dann wären wir ewig beschäftigt und noch dazu ziemlich schlecht gelaunt. Ich ziehe diese aufmerksamkeitsheischende Meinung von Siebeke nur exemplarisch heran – <i>antiemotionaler Demokratieunterricht</i>, was soll das überhaupt sein? Wie versteht Siebeke Demokratie – als eine Art Management-Programm, mit denen man einen Haufen Menschen möglichst wirtschaftseffizient organisiert? Ganz Margaret Thatcher – <i>„there is no such thing [as society]! There are individual men and women and there are families and no government can do anything except through people and people look to themselves first.“</i></p>
<p class="western" align="justify">Die Haltung, das Menschen zuerst an sich selbst denken und deswegen zu allem, was mit anderen zu tun hat, gewissermaßen gezwungen werden müssen, hat sich in den Köpfen der meisten Partei-Obersten durchgesetzt. <i>Antiemotionaler Demokratieunterricht –</i> kühl und rational muss entschieden werden. Menschen, die nicht arbeiten wollen, müssen dazu gezwungen werden. Der Staat wird als Erzieher konzeptioniert, mit Zuckerbrot und Peitsche oder vielleicht nur mit Peitsche, Zuckerbrot für alle ist ja teuer.</p>
<p class="western" align="justify">Die massive Ungleichheit in Deutschland, die sterbende Mittelschicht, das neue Prekariat, die Wohnungsnot – wie adressieren wir es? Durch Grausamkeit. Wer in Zeiten von Dauerkrise, Inflation, einer stets wachsenden Zahl von psychisch und physisch Erkrankten in der Bevölkerung arm wird, der muss sich eben mehr anstrengen. Nach dem Anschlag in Magdeburg verlangt Ministerin Faeser mehr Befugnisse für die Sicherheitsbehörden, dieselben, die mehrmals vor dem Attentäter gewarnt wurden. Merz schlägt vor, dass ja auch schon Schulkinder für ihre eigene Rente in ein Aktiendepot einzahlen könnten – jedes siebte Kind in Deutschland ist dabei armutsgefährdet, und zwar jetzt gerade und nicht erst in siebzig Jahren. Das 49-Euro-Ticket – die bahnbrechendste (ha) verkehrspolitische Maßnahme in Deutschland seit Jahren – wird teurer, wenn nicht eh bald abgeschafft. Geflüchtete, die in kalten Hallen auf Feldbetten untergebracht werden, sollen mit einer Bezahlkarte einkaufen gehen, damit man kontrollieren kann, dass sie ihr weniges Geld bloß nicht für die falschen Sachen ausgeben oder gar außerhalb ihres festgeschriebenen Landkreises. Migrantische Wiederholungsstraftäter*innen sollen nach zwei Straftaten abgeschoben werden – als Straftat zählt auch so etwas wie Busfahren ohne Ticket.</p>
<p class="western" align="justify">Das ist vor allem eins: grausam. Grausamkeit ist im Kommen. Wieder modern oder vielleicht nie nicht modern gewesen. Ober-Nazi Höcke spricht 2019 davon, „wohltemperierte Grausamkeit“ einsetzen zu wollen in einer Periode des Wandels, in der er Deutschland von allen Menschen befreien möchte, die nicht in sein faschistisches Weltbild passen. Wir scheinen jetzt in einer Zeit angekommen, in der es wieder denk- und sagbar ist, dass Deutschland harte Männer an der Spitze braucht, Männer, die kalkuliert entscheiden, mit harter Hand regieren, et cetera, et cetera.</p>
<p class="western" align="justify">„<i>I Don&#8217;t Know How To Explain To You That You Should Care About Other People“</i> – der Titel eines Artikel von Kayla Chadwik, 2017. Chadwick schreibt, dass sie nicht den Sinn darin sieht, mit Menschen über Politik zu diskutieren, die ein völlig anderes Verständnis von Gesellschaft haben als sie: <i>&#8222;I don’t know how to convince someone how to experience the basic human emotion of empathy. I cannot have one more conversation with someone who is content to see millions of people suffer needlessly in exchange for a tax cut that statistically they’ll never see (…). I cannot have political debates with these people. Our disagreement is not merely political, but a fundamental divide on what it means to live in a society, how to be a good person, and why any of that matters.“ </i><i>(*Übersetzung unten)</i></p>
<p class="western" align="justify">Dieser Paragraph packt ganz gut, warum mir meine persönliche Debattierlaune eher vergangen ist. Doch kenne ich genauso gut Menschen, die wesentlich konservativer als ich sind und denen ich trotzdem attestiere, das Herz am rechten Fleck zu haben. Trotzdem steige ich nicht in den Ring, um sie von meinen Haltungen zu überzeugen. Manchmal habe ich das Gefühl, dass für sie Politik eine Art aufregendes Spiel ist – ein großes Debattierclub, ein Forum der Ideen und des fairen Austausches, in dem sie ihre großen Pläne präsentieren können. Für mich fing meine Politisierung da an, als mir mit 15 gesagt wurde, ich gehöre in ein Konzentrationslager, da ich bisexuell sei. Oder mit dem Aufwachsen in einer strukturschwachen Region. Mit dem Alleinsein als queere Person in der Schule und mangelnder sexueller Aufklärung. Mit den Hakenkreuz-Graffiti überall. Meine Politiken sind geleitet von sehr realer, greifbarer Angst – vor Freund*innen in Krankenhäusern, nachdem sie auf der Straße angegriffen wurden, von selbst erlebten Übergriffen – von Wut über die allgemeine Empathielosigkeit. Aber genauso gut von Liebe (klingt kitschig, ist aber so), Freude und Hoffnung, von genauso real erlebten alternativen Wohnformen, die mir gezeigt haben, wie schwierig und doch lohnend es ist, Solidarität im Alltag zu leben. Jedenfalls kann ich manchmal keine besseren Argumente präsentieren als –<i> es ist richtig, sich umeinander zu kümmern. </i></p>
<p class="western" align="justify">Aber im Forum des knallharten Wortekampfes reicht das nicht aus. Wenn für meine Gegenperson nicht einmal vorstellbar ist, dass es nicht für alle Menschen möglich ist, sich selbst aus ökonomischer Schwäche heraus zu kämpfen, einfach arbeiten zu gehen, oder für ihre Kinder Geld für die Rente anzusammeln. Meine Idee von Gesellschaft kann aushalten, wenn jemand wirklich nicht arbeiten will (der winzige Prozentsatz, der das tatsächlich wäre), und genauso die „Freaks“ am Rand von normativen Gender-Vorstellungen. Bestimmtes Verhalten wird es immer geben, es hat sich durch Jahrtausende der Menschheitsgeschichte fortgeschrieben – Verhalten wie Drogensucht, Abtreibung, Sexarbeit, Queerness, Verhalten das gerne hart reglementiert und bestraft wird und sich dann eben unter noch schwereren Bedingungen weitergeht. Zu versuchen, Menschen durch harte Strafen hier zu „erziehen“, schlägt nachgewiesenermaßen fehl. Trotzdem scheint es der dominierende Ansatz der gegenwärtigen Politik zu sein.</p>
<p class="western" align="justify">Es ist auch schwierig, in so einer Stimmung politische Forderungen durchzusetzen, welche die Klimakrise einschränken würden, denn leider trifft die Klimakrise <i>andere Menschen –</i> die dann möglicherweise zu Geflüchteten werden – andere Lebewesen, hunderte Tier- und Pflanzenspezies außerdem – und nicht Aktiendepots. Zumindest nicht hart genug, und das Kalkül, dass sich die Wirtschaft schon zum Grünen wenden werde, hat sich offensichtlich nicht ausgezahlt.</p>
<p class="western" align="justify">Wie kann man nicht verzweifeln in Angesicht der Kälte der Welt? Ehrlich gesagt, ich habe keine allgemeinen Antworten. Sich nicht von der Grausamkeit vereinnahmen lassen, das ist eins. Auch für mich ist die Grausamkeit nie fern, auch mein Denken verhärtet schnell. Ich muss mich darauf konzentrieren, dass ich meine politischen Gegner nicht tot sehen will. Ich will sie auch nicht leiden sehen. Ich will, dass sie ihre Herzen erweichen und <i>verstehen,</i> so langweilig und uncool und auf den ersten Blick wenig radikal das klingt. Also hier mein Aufruf – werdet zimperlich, werdet emotional, <i>lose your cool</i>.</p>
<p class="western" align="justify">Ansonsten – ich habe den christlichen Glauben für mich wieder gefunden, das hilft zumindest mit der allgemeinen Empathieschwäche, die sich auch in mir niedergeschlagen hat. Ab und zu schalte ich die Nachrichten aus (metaphorisch, eigentlich schließe ich nur einen Tab) und kuschele dann mit meinen Freund*innen am warmen Kamin, das hilft auch. Alles Schritte, die man tun muss, um klarzukommen, um an einen Punkt zu kommen, von dem an man dann politisch aktiv, solidarisch sein kann, mit anderen teilen kann – in Suppenküchen, auf Demos, als Knastunterstützung, als Autofahrer*in für Kranke. Es wird immer andere Wege geben als Grausamkeit.<a name="tw-target-text"></a></p>
<p class="western" align="justify"><strong>*</strong> <em>“<span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE">Ich weiß nicht, wie ich jemanden davon überzeugen kann, </span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE">sich auf </span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE">das grundlegende menschliche Gefühl der Empathie </span></span><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-DE">einzulassen</span></span></span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE">. Ich kann kein weiteres Gespräch </span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE">mehr</span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE"> mit jemandem führen, der damit </span></span><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-DE">einverstanden ist</span></span></span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE">, dass Millionen von Menschen unnötig leiden, als Gegenleistung </span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE">für </span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE">Steuersenkung</span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE">en</span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE">, die </span></span><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-DE">wir,</span></span></span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE"> statistisch </span></span><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-DE">betrachtet,</span></span></span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE"> nie erleben werden (…). Ich kann mit diesen Leuten keine politischen Debatten führen. Unsere Meinungsverschiedenheit</span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE"> ist</span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE"> nicht nur politischer Natur, </span></span><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span style="font-size: medium;"><span lang="de-DE">sondern handelt von einem</span></span></span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE"> grundlegend </span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE">anderen Verständnis</span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE"> da</span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE">von</span></span></em><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE"><i>, was es bedeutet, in einer Gesellschaft zu leben, wie man ein guter Mensch ist und warum das alles wichtig ist.“ &#8211; </i></span></span><span style="font-family: Arial, sans-serif;"><span lang="de-DE">Kayla Chadwik, 2017</span></span></p>
<p align="justify">
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Nicht-Wähler: Eine kaum beachtete Gruppe</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/02/nicht-waehler-eine-kaum-beachtete-gruppe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gloria]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 20 Feb 2025 07:00:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Wahlen]]></category>
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					<description><![CDATA[Leute, am Sonntag, den 23.02 ist Bundestagswahl! Wusstet ihr, das Nicht-Wähler die größte Gruppe unter den Wahlberechtigten darstellen? Die Gründe, warum manche Menschengruppen nicht wählen gehen und andere dafür sehr aktiv, erfahrt ihr in Glorias Video. Bitte geht am Sonntag wählen!]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Leute, am Sonntag, den 23.02 ist Bundestagswahl! Wusstet ihr, das Nicht-Wähler die größte Gruppe unter den Wahlberechtigten darstellen? Die Gründe, warum manche Menschengruppen nicht wählen gehen und andere dafür sehr aktiv, erfahrt ihr in Glorias Video. Bitte geht am Sonntag wählen!</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Welt schreit</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/02/die-welt-schreit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kreaty]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 Feb 2025 07:00:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[#Bundestagswahl]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Demokratie]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[Seien wir ehrlich: Vieles sieht gerade nicht so rosig aus. Für Meta ist Hass gegen Frauen und queere Menschen schlicht &#8222;Meinungsfreiheit&#8220;, KI Systeme entwickeln sich rasant und unsere Autorin Kreaty findet, es gibt genug Gründe Angst zu haben. Aber da ist nicht nur Angst, sondern auch Hoffnung. Warum? Das erzählt sie dir im Video.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seien wir ehrlich: Vieles sieht gerade nicht so rosig aus. Für Meta ist Hass gegen Frauen und queere Menschen schlicht &#8222;Meinungsfreiheit&#8220;, KI Systeme entwickeln sich rasant und unsere Autorin Kreaty findet, es gibt genug Gründe Angst zu haben. Aber da ist nicht nur Angst, sondern auch Hoffnung. Warum? Das erzählt sie dir im Video.</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Dreimal ein Wort</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/02/dreimal-ein-wort/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lina]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Feb 2025 07:00:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Engagement]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Autorin Lina kam zum ersten Mal am elterlichen Esstisch mit dem Wort &#8222;Aktivismus&#8220; in Berührung. Damals wurde der Begriff nicht unbedingt positiv verwendet: Aktivisten waren Menschen, die den Ablauf des bürgerlichen Lebens störten. Doch mit Linas eigener Politisierung veränderte sich auch ihr Gefühl zu Aktivist*innen und ohne, dass sie es bemerkt hatte, war sie]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Autorin Lina kam zum ersten Mal am elterlichen Esstisch mit dem Wort &#8222;Aktivismus&#8220; in Berührung. Damals wurde der Begriff nicht unbedingt positiv verwendet: Aktivisten waren Menschen, die den Ablauf des bürgerlichen Lebens störten. Doch mit Linas eigener Politisierung veränderte sich auch ihr Gefühl zu Aktivist*innen und ohne, dass sie es bemerkt hatte, war sie selbst eine geworden. Ein Text über das Lernen von Worten.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-16610"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Das erste Mal, dass ich von dem Begriff Aktivismus gehört habe, habe ich einfach Wörter gelernt, wie andere Kinder Wörter lernen. Das Wort reihte sich in eine Reihe von Begriffen ein, die mir als Kind ungreifbar und weit weg vorkamen. Das erste Mal allerdings, dass ich mich erinnere, dass jemand konkret über Aktivismus gesprochen hat – verknüpft mit Meinungen, Aussagen und ganz viel Luft – war in meiner Jugend am Küchentisch. Eltern, die sich über „die Jugend“ aufregen, die nicht arbeitet und lieber demonstriert. Menschen, die keine Arbeit haben oder wollen und sich an Bäume ketten oder – damals noch undenkbarer – etwas an ihrem eigenen Leben, wie ihrer Ernährung, ändern, zum Wohle der Gemeinschaft, ja sogar des ganzen Planeten. Am Esstisch war alles, was da draußen, so weit weg von der eigenen Realität passierte, ein Akt der Rebellion, eine Störung des Ablaufes, man könnte fast sagen, ein Affront gegen das „normale“ Leben. Es waren „die da“ auf der Straße, „die da“ auf der Uni, „die da“ an Orten, an denen es einem unangenehm war. Wenn sie nicht belächelt wurden, dann kritisierte man sie – und tut es noch heute. Ich weiß nicht, was ich damals über Aktivist:innen gedacht habe. Ich weiß nicht, ob ich damals schon realisiert habe, dass es Menschen gibt, die mich akzeptieren würden, wie ich bin, und für mich einstehen. Mein Kopf hat nur gedacht, dass ich alles wiederholen sollte, was an diesem Tisch gesagt wurde, und mein Mund hat dem Folge geleistet, da ich nicht auffallen wollte und mich anzupassen schon fast früher gelernt hatte als bloße Worte.</span><span data-ccp-props="{&quot;134233117&quot;:true,&quot;134233118&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Das zweite Mal, dass jemand aktiv über Aktivist:innen geredet hat, war viele Jahre später. </span><span data-contrast="auto">Ich war gewachsen an Wortschatz und Meinung. War auf Demos, in Jugendgruppen gewesen, hatte einen eigenen Esstisch – klapprig und mit tiefen Kratzern, aber nur für mich – und bildete eigene Meinungen. Über die Jahre wurde aus jedem von jugendlichem Leichtsinn geprägten „Da musst du dabei sein“ ein „Heute geht es mir nicht so gut“ und ein eingeschlafener Aktionismus. Der Kreislauf aus Tatendrang über Resignation und Machtlosigkeit war vollendet, und zurück blieb ich mit einer linken Grundeinstellung und kaum Engagement. Erst als meine Beziehungsperson mir erzählte, dass die beste Freundin dieser Person Vollzeitaktivist:in ist, wurde ich hellhörig. Es gab sie also, die Menschen, die es sich zum Beruf gemacht hatten, zu kämpfen und für andere da zu sein. Es gab sie, die Menschen, die aus dem System ausbrachen, sich der Lohnarbeit entzogen, um für ihre Ziele und Träume einzustehen. Rational war mir dies natürlich irgendwo immer bewusst gewesen, dennoch erfüllte es mich mit einer Art Stolz und viel Interesse. Gerade als Person mit einer ADHS-Diagnose komme ich regelmäßig an die Grenzen meines Kopfes. An die Grenzen meiner Leistung und Unregelmäßigkeiten in meinen Handlungen. Gerade für die Personen, die eine Stimme haben, sie aber nicht nutzen können oder nicht so nutzen können, wie sie wollen, empfand ich vor allem Dank für die Arbeit, die in großen Teilen auch für mich – für uns – gemacht wird.</span><span data-ccp-props="{&quot;134233117&quot;:true,&quot;134233118&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Das letzte Mal, dass dieses Wort in mein Leben trat, kam es unverhofft, weinend und empowernd. Ich stehe seit sechs Jahren überregional mit Texten auf Bühnen – ein Privileg, das ich schwer greifen kann. Natürlich – nein, das ist eigentlich falsch – gerade weil ich es oft nicht auf diese eine Demo schaffe oder dann doch diesen Termin habe und da und dort nicht dabei sein kann, ist es mir besonders wichtig, gesellschaftlich relevante Themen in meinen Texten anzusprechen. Von außen werde ich vielleicht als „die lustige Frau“ gelesen, doch freue ich mich immer mehr, als „kritischer Mensch“ wahrgenommen zu werden. Alles, was Sexismus, Lookismus, Rassismus beinhaltet, wird in Texte gepackt und vor allem für mich verarbeitet. Dass man andere Menschen damit erreicht, sie in einer Art politisch erzieht und beeinflusst oder einfach nur zu Gedanken anregt, ist ein schöner Nebeneffekt. Gerade mit angeblich so „höchstpolitischen“ Themen wie Abtreibungen habe ich mich in jüngster Zeit auseinandergesetzt. Nicht selten passierte es nach Auftritten – jetzt vermehrt mehr als damals –, dass es daraufhin schlechte Wertungen oder Kommentare hagelt. Das ist okay, damit rechne ich, und das ist einer der Gründe, warum ich die Texte dennoch mache (eigentlich traurig). Der Grund, dass, wenn man auch nur eine Person erreicht, sich ein Mensch gesehen und verstanden fühlt, es alles wieder wettmacht.</span><span data-ccp-props="{&quot;134233117&quot;:true,&quot;134233118&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">So kam in einer bayrischen Kleinstadt völlig unverhofft eine weiblich gelesene Person zu mir und weinte. Sie sagte mir, wie sehr sie der Text berührt hat, wie sehr sie sich entdeckt hat, wie glücklich sie ist, dass es jemand mal anspricht auf einer Bühne, und ob es für mich schwer ist, so eine Art von Aktivismus auf einer Bühne zu präsentieren. Ich bin ehrlich – damit habe ich nicht gerechnet. Ich sehe mich weder als Aktivist:in noch als aktivistisch tätig. Das, was ich gemacht habe, war immer zu wenig, nicht gut genug und generell viel zu klein für diese Worte.</span><span data-ccp-props="{&quot;134233117&quot;:true,&quot;134233118&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ihr, liebe Lesende, erwartet natürlich jetzt den Pathos am Ende des Textes. Dass ich mich gesehen gefühlt habe, genug gefühlt habe und jede Form von Systemrebellion als den Aktivismus anerkenne, der es auch ist. Dass jede:r seinen Beitrag leisten kann, egal wie klein und unscheinbar dieser wirken mag, denn wenn wir auch nur einer Person helfen … blah blah blah. Ja, all das will ich natürlich auch ausdrücken. Aber am meisten möchte ich dem Beispiel der Frau folgen und euch aufrufen, anderen zu sagen, was ihr denkt. Wenn ihr etwas gut findet, dann sagt es der Person. Wenn ihr etwas schlecht findet, dann seid ihr die unangenehme Person am Esstisch. Wenn ihr eine Stimme habt, dann sprecht die kleinen Gedanken aus. Ihr wisst nicht, was sie der anderen Person bedeuten können und welche Energie sie entfalten können. Gerade in diesen Zeiten, die mir verdammt viel Angst machen, möchte ich nicht nur, dass wir als Kinder Worte gelernt haben, sondern dass wir unsere Stimmen nutzen, sie zu sagen.</span><span data-ccp-props="{&quot;134233117&quot;:true,&quot;134233118&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Warum ich dem &#8222;Feminismus&#8220; abgeschworen habe</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/02/warum-ich-dem-feminismus-abgeschworen-habe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johanna-Maria]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 11 Feb 2025 07:00:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Unserer Autorin Johanna-Maria geht der aktuelle Feminismus zu weit. Warum sie ihrem Freundeskreis bescheinigt, einen falschen Feminismus zu leben und sie selbst sich gerne von Männern königlich behandeln lässt, erfahrt ihr im Text. Männer brüllen „Your body, my choice“, Frauen antworten mit dem 4B-Movement, indem sie zum Beispiel sagen: „Wir wollen keine Kinder, keine Ehe“.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unserer Autorin Johanna-Maria geht der aktuelle Feminismus zu weit. Warum sie ihrem Freundeskreis bescheinigt, einen falschen Feminismus zu leben und sie selbst sich gerne von Männern königlich behandeln lässt, erfahrt ihr im Text.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-16590"></span></p>
<p>Männer brüllen „Your body, my choice“, Frauen antworten mit dem 4B-Movement, indem sie zum Beispiel sagen: „Wir wollen keine Kinder, keine Ehe“. Ein erster Schritt und ein erstes Aufbegehren. Besonders in den USA aber keine Kommunikation, sondern eine erneute Abgrenzung, durch ein Entscheiden zwischen Entweder und Oder. Ein Beispiel für Feminismus des Extremen.</p>
<p>Das, was wir heute Feminismus oder Eigenverantwortlichkeit der Frau nennen, habe ich selten in gesundem Ausmaß bei meinen Bekannten erlebt. Hier sind einige Beobachtungen, die ich, erst einmal nicht wertend, schildern möchte und selbst erlebt habe:</p>
<p>Alles, was potentiell als „zu weiblich“ gelesen werden könnte, wird gemieden, um feministisch zu sein: Wir setzen uns jetzt breitbeinig auf den Stuhl und rempeln selbstbewusst andere Männer auf der Straße an. Wir reden „männlich“, schmatzen und fühlen uns überlegen. Wir werden übergriffig, und quatschen den Typen an der Ecke an: „Geiler Bizeps“, sagen wir und fassen ihn am Arm an, kommen ihm offensichtlich zu nah, denn er weicht zurück.</p>
<p>Die traurige Frage ist doch manchmal: Was erwarte ich und was habe ich von Anderen zu erwarten? Wenn sich Feminismus in eine Richtung bewegt, die symbolisch agiert, indem Verhaltensweisen gespiegelt und dadurch auf sie aufmerksam gemacht wird, entsteht ein großer Spielraum für Missverständnisse. Feminismus wird zum Social-Media Trend und hier überwiegt nicht die Information, sondern nachweislich die Macht der Bilder und wie sehr ein Inhalt polarisiert durch fehlende Expertise der Nutzenden.</p>
<p>Betonen wir nicht in allem was scheinbar „feministisch“ in diesem Trend ist, die Unterschiede des Geschlechts und begreifen sie als alltagsbestimmend, statt unwichtig und überwindbar? Ist es nicht so, dass ich als Frau, wenn ich blute oder meine Tage habe, lieber mal mit geschlossenen Beinen dasitzen will? Dass ich Kleider mag und mir nicht jeder in den Schritt schauen soll und ich deshalb mit überschlagenen Beinen sitze? Auch einfach, weil ich will? Ich habe erlebt, dass eine Weigerung eines solchen Habitus in manchen Kreisen als das Gegenteil von feministisch, oder fortschrittlich, angesehen wird. Man hat mich gezielt darauf angesprochen, warum ich denn so „wie eine Frau“ auf dem Stuhl sitze &#8211; mit überschlagenen Beinen. „Das musst du nicht machen“, sagte eine Dame zu mir. Im Überschlagen der Beine hat sie ein Geschlecht gesehen, über das ich sonst nie nachgedacht habe. Viele meiner Freunde sitzen so. Und ehrlich gesagt ist es mir auch egal, weil es für mich nichts mit dem Geschlecht zu tun hat.</p>
<p>Es gibt Handlungen im Feminismus, die sind offenbar nicht radikal. Zum Beispiel wurde ich prüde genannt, weil ich gegen Periodenurlaub bin, in dem Sinne, dass ich mit einem, z.B. männlichen, Arbeitgeber nicht über meine Periode sprechen will, da es mir Unwohlsein bereitet – auch durch persönliche grenzüberschreitende Erfahrungen im Arbeitsverhältnis. Genauso habe ich eine Diskussion über Prostitution geführt, in der eine Frau am Tisch meinte, dass Prostitution unterstützt werden sollte und per se feministisch sei. Worin liegt hier der Kern im Feminismusbegriff? Definitiv nicht darin, zu behaupten, dass die meisten Frauen es gern und freiwillig machen. Wenn die eigene Lebensrealität die Faktenlage und das Leid von Minderheiten übergeht (Armut und Missbrauch sind häufige Umstände durch die Frauen in die Prostitution geraten und auch darin bleiben), kann man noch so sehr argumentieren, und liegt falsch. In eine falsche Richtung geht der Feminismus auch mit Mikrofeminismus. Mit ihm soll Geschlechterungleichheit entgegengewirkt werden, indem mit kleinen Gesten mehr Gleichberechtigung geschaffen werden soll, wie eingangs angedeutet habe. „Mit kleinen Gesten die Welt verändern“, „einen Denkanstoß geben“, „sexistische Verhaltensweisen spiegeln“ heißt es in Posts dann oft. Aber wir spiegeln nur und an diejenigen, die Männer sind, weil sie Männer sind. Ein sexistischer Fehlschluss bin ich der Meinung.</p>
<p>Für mich ist das keine Sichtbarmachung oder Legitimierung, wenn ich im Sinne des Mikrofeminismus jetzt wahllos Männern eine leichte Plastiktüte abnehmen will, um auf eine Norm „zu verweisen“, in der Männer Frauen fragen, ob sie Hilfe beim Tragen benötigen. Und ja, der rbb24 hat unter dem Titel „Mikrofeminismus: Wie kommt das an?“ tatsächlich eine genau solche Situation illustriert. Bewegt man damit tatsächlich etwas? Und ist es nicht so: Eine schlanke Frau braucht beim Tragen eines Reisekoffers nun mal durchschnittlich eher Hilfe beim Tragen als ein Mann, weil sie nicht genauso stark ist, wie er. Ich als Mann würde mich verarscht fühlen, weil ich es niemandem recht machen kann, Normen, die auch Ankerpunkt unseres Zusammenlebens sind, wegwerfen muss, die einer anderen Person an anderer Stelle aber wieder fehlen werden. Wenn es Mikrofeminismus ist, dass eine Frau plötzlich Männern die Tür aufhält, könnte man es vielmehr als Kritik am Verhalten der Frauen selbst sehen: Warum haben wir nicht schon vorher die Tür aufgehalten?</p>
<p>„Unfeministische Gesten“, wie das Türen aufhalten, betrachten die meisten dann doch nicht als Unterdrückung der Frau, sondern als nette Geste, Ritual und Bestandteil einer Beziehung auf Augenhöhe. Dann wieder gilt die Einladung des Mannes im Restaurant als zu altertümlich. Im Diskurs werden Erfahrungen über tatsächliche Sachlagen und Studien gestellt und wie so oft erhalten Tik-Toker und Menschen auf Instagram mehr Aufmerksamkeit als Fachpersonen wie z.B. die Politologin und Autorin Emilia Roig in einem Post, in dem sie darauf hinweist, wie gefährlich Feminismus wird, wenn die mächtigsten Frauen auf andere hinunterschauen und dadurch das Patriarchat verstärken. Viel Kritik ist nicht intersektional genug und bekämpft nur die Symptome, nicht den Ursprung der Sache selbst.</p>
<p>Meine Erfahrung ist auch die: Es gibt Frauen, die sich auch mal königlich fühlen wollen, indem sie sich ihr Leben bezahlen lassen oder als „Prinzessin“ in der Beziehung behandelt werden wollen. Das macht sie nicht unfeministisch, weil die Frage nach Gleichberechtigung keine Rolle spielt, sondern die Abmachungen, Wünsche und Präferenzen innerhalb der Partnerschaft. Diese Lebensrealitäten sind nicht ausgedacht, sondern ein Teil der Leben, die sich Milliarden Menschen auf sozialen Medien anschauen. Daran gibt es nichts auszusetzen. Gleichberechtigung endet nicht bei angepassten Gesten im Alltag, sondern ist Bestandteil dessen, was Norm ist und wir zur Norm gemacht haben. Ein Umsturz ist natürlich schwer und beginnt im feministischen Sinne mit dem geistigen Erkennen der Gleichwertigkeit.</p>
<p>Mikrofeminismus wird schnell zum neuen passiv-aggressivem „Wie du mir &#8211; so ich dir“, dass das Geschlecht und nicht die einzelnen Übeltäter*innen(!) ins Zentrum rückt. Ein fataler Fehler, wie ich meine. Und deshalb kann man gegen Ehe und Kinder sein, aber wer sagt: „Ich hasse Männer“, wie es nach der US-Wahl mitschwingt, da sich viele Frauen von potentiell Männern, die republikanische Sichtweisen vertreten, angegriffen fühlen. So jemand will keinen Frieden und hat auch den Feminismusbegriff nicht verstanden. Aber er äußert eine Wut, die wir doch alle teilen. Die Angst, nicht gehört zu werden und unterzugehen, weil wir einem Geschlecht angehören. Aber unterstützen wir bitte dennoch die Kultur der Liebe, nicht die des Hasses.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schlechtes Gewissen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/02/schlechtes-gewissen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Phuong]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Feb 2025 07:00:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Diaspora]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Migration]]></category>
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					<description><![CDATA[Ob im Kino, zu Hause oder im politischen Aktivismus: Phuong ist im Dazwischen und das schlechte Gewissen ein treuer Begleiter. Die Eltern haben noch nicht den Zugang zu Queerness gefunden und die queeren Freund*innen haben keinen Zugang zu Phuongs Diaspora Erfahrungen. Ein Text über Phuongs Kino-Alleingänge und Hoffnungen für die Zukunft. Liebes Tagebuch, heute bin]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ob im Kino, zu Hause oder im politischen Aktivismus: Phuong ist im Dazwischen und das schlechte Gewissen ein treuer Begleiter. Die Eltern haben noch nicht den Zugang zu Queerness gefunden und die queeren Freund*innen haben keinen Zugang zu Phuongs Diaspora Erfahrungen. Ein Text über Phuongs Kino-Alleingänge und Hoffnungen für die Zukunft.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-16565"></span></p>
<p>Liebes Tagebuch,<br />
heute bin ich etwas down. Gestern Abend war ich alleine im Kino. Das letzte Mal, dass ich im Kino war, war mit einer meiner engsten Freund*innen. Es war ein Film, der während der queeren Filmreihe hier in meiner Stadt lief &#8211; um genauer zu sein: ein vietnamesischer Film. Der Film war schwer, langsam und still. Ich wollte meinen Eltern danach davon erzählen, aber ich wusste nicht wie. Ich wusste nicht, wie ich<br />
den Part, dass es sich um ein schwules Pärchen handelte, einbringen oder rauslassen soll. Es war kein typischer liberaler westlicher queerer Film, deswegen mochte ich ihn so sehr. Wäre ich doch nur mit Mama und Papa gegangen. Sie hätten aber bestimmt eh Nein gesagt, und zu Hause Netflix oder YouTube geschaut und wären früh schlafen gegangen um am nächsten Tag wieder zu arbeiten. Ich fühle mich ziemlich schlecht. Als ich das letzte Mal ins Kino ging, habe ich einen Film geschaut, den mein Vater bestimmt mögen würde. Er meinte, dass er und Mama lange nicht mehr im Kino waren und gerne mal wieder gehen würden… Ich wünschte es würde mehr Filme auf vietnamesisch oder zumindest mit vietnamesischen Untertiteln geben. Ich erinnere mich daran, wie ich vor ein paar Jahren sehr aktivistisch war: von Klimabewegungen zu Antirassismus. Dann habe ich Workshops gegeben. Und irgendwann habe ich aufgehört.</p>
<p>Ich war in diesen ganzen weißen linken aktivistische Kreisen und hatte nie das Gefühl wirklich dazu zu gehören. Oft war ich nur eingeschüchtert. Heute weiß ich noch immer nicht was ich machen kann. All das was ich getan habe, hätte nie irgendetwas daran geändert, dass meine Eltern oder viele andere Migrant*innen in Deutschland ein besseres Leben hätten. In meiner eigenen Bubble, in der alle eigentlich nur zu viel lesen, gemütlich sind und auf Soli Parties gehen, weil sie Geld sparen wollen. Gleiche Floskeln, gleiche Narrative, gleiche Diskurse, gleiche Diskussionen. Besonders anstrengend wird es dann, wenn diese Diskurse als universal gesehen werden, dabei können wir viel von Kämpfen und Bewegungen aus dem globalen Süden lernen. Während ich mehr über Vietnam Krieg lernen möchte, die Rolle globaler Mächte und die Spuren, die er im Land hinter lassen hat; haben meine Eltern ihr Land verlassen, damit sie ein besseres Leben haben können.</p>
<p>Noch immer weiß ich aber nicht, ob ein Post auf Instagram zu reposten irgendetwas ändert. Gleichzeitig ist das Internet ein sehr machtvolles Medium geworden, was Genozide live filmt, sodass die Propaganda westlicher Medien entlarvt und entschärft wird. Oft fühle ich mich auch schlecht, wenn ich mir nicht jeden Post durchlese. Es passiert so viel jeden Tag, so viel Leid. Ich gucke oft weg,<br />
wenn ich ehrlich bin. Ist aktivistisch sein und menschlich sein zwei verschiedene Dinge? Wenn ich auf eine Demo gehe, ändert es nichts daran, dass viele Migrant*innen tägliche Barrieren durchbrechen müssen und mit ihnen, durch sie, wegen ihnen, überleben müssen. Eigentlich möchte Mama ja nur mehr Zeit mit mir verbringen. Ich möchte auch mehr Zeit mit Mama verbringen, weil das viel wertvoller ist, als<br />
wenn ich auf eine Migrantifa Demo gehe oder einen Artikel für&#8217;s AK schreibe. Ich hab zu viel Zeit damit verbracht wütend auf <em>weiße</em> zu sein, auf weiße Queers, meine Enttäuschung und mein Schmerz war so groß, ist er immer noch, aber es gibt wichtigeres. Das weiß ich jetzt. Denn ich wollte eigentlich besser in Vietnamesisch werden, damit ich Vietnames*innen bei Behördengängen oder Arztterminen begleiten kann. Und dann wollte ich eigentlich nach einem KüFa-Kollektiv schauen, weil ich gerne für andere und viele Menschen koche. Eigentlich<br />
möchte ich mich nur um Menschen sorgen. Dabei habe ich noch immer nicht meinen Bachelor-Abschluss. Die Zeit rennt und ich weiß nicht, wie ich meinen Eltern alles zurück geben kann…täglich sterben Menschen auf unseren Handys…</p>
<p>Ich möchte viel Geld sparen, damit ich meinem Papa ein neues Auto kaufen kann, weil seine Beine weh tun.. aber solche Sorgen haben im deutschen Aktivismus auch keinen Platz wirklich. Er ist oft performativ, exorzisierend und auf irgendeine Art und Weise müssen wir uns gegenseitig beweisen, wie woke und antikapitalistisch wir sind &#8211; dabei geht es immer um Kontext. Dieser diasporische Kontext hat auch oft wenig Gewicht, selbst in BiPoC Kreisen, während es nur um Identitäten statt um Geschichten und globale Verhältnisse geht. Ach, ich weiß nicht… ich bin eher überfordert. Mit meiner Kunst verändere ich auch nichts und teilen kann ich sie mit Mama und Papa auch nicht. Sie ist zu explizit. Aber ich wünsche mir, ich kann sie mit ihnen eines Tages teilen und vielleicht wenn wir mal wieder in Vietnam sind, können wir mal zusammen ins Kino gehen…</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Weltschmerz</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/02/weltschmerz/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Celine]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 04 Feb 2025 07:00:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Weltschmerz]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;Weltschmerz&#8220; ist ein ganz besonderes Wort der deutschen Sprache: Es beschreibt die Melancholie über die Unzulänglichkeit der Welt, in der wir leben und unser schmerzhaftes Bedauern darüber. Ein Text über den Schmerz der Welt und die Möglichkeiten der Rebellion von Celine. Manchmal fühlt es sich an, als würde man in einem Ozean aus Weltschmerz treiben,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8222;Weltschmerz&#8220; ist ein ganz besonderes Wort der deutschen Sprache: Es beschreibt die Melancholie über die Unzulänglichkeit der Welt, in der wir leben und unser schmerzhaftes Bedauern darüber. Ein Text über den Schmerz der Welt und die Möglichkeiten der Rebellion von Celine.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-16588"></span></p>
<p>Manchmal fühlt es sich an, als würde man in einem Ozean aus Weltschmerz treiben, ohne Land in Sicht. Jeden Tag erreichen uns neue Nachrichten von Leid, Zerstörung und Ungerechtigkeit. Es ist, als würde die Welt unter der Last ihrer eigenen Wunden ächzen – und wir mit ihr. Wie soll man da noch Freude empfinden? Wie soll man das Lachen unbeschwert genießen, wenn einem der Schmerz der Welt ständig wie eine schwere Decke auf der Seele liegt?</p>
<p>Es ist, als würde man gegen einen unsichtbaren Feind kämpfen, der einem die Leichtigkeit raubt. Wir wollen glücklich sein, wir wollen glauben, dass es noch Hoffnung gibt – und doch ist da dieser ständige Begleiter: die Wut. Wut auf eine Welt, die sich anfühlt, als würde sie langsam zerbrechen. Wut auf Menschen, die mehr zerstören, als sie bewahren. Und vor allem Wut auf das Gefühl, dass wir zusehen müssen, wie alles immer schlimmer wird, ohne etwas dagegen tun zu können.</p>
<p>Es macht einen müde. Man wacht auf und denkt für einen Moment, vielleicht wird heute ein guter Tag – doch dann trifft einen die Realität wie ein Schlag ins Gesicht. Die Kriege, die Ungerechtigkeiten, die Zerstörung der Natur – es hört nicht auf. Es ist, als würde man gegen einen Sturm ankämpfen, der immer stärker wird, während man selbst schwächer wird. Und trotzdem: Irgendwo tief in uns brennt noch eine kleine Flamme, ein Funken, der nicht erlöschen will. Vielleicht ist es die Hoffnung, vielleicht die Verzweiflung, die sich weigert, aufzugeben.</p>
<p>Es wäre so leicht, einfach zu resignieren. Einfach aufzugeben und zu sagen: “Es hat doch alles keinen Sinn mehr.” Aber genau das können wir nicht. Wir können nicht aufhören, zu kämpfen, zu hoffen, zu träumen – auch wenn es weh tut. Denn wenn wir die Freude verlieren, wenn wir das Licht in uns ersticken lassen, dann hat der Schmerz gewonnen.</p>
<p>Und vielleicht ist das der größte Akt der Rebellion: in einer Welt, die so viel Schmerz kennt, trotzdem Momente der Freude zu suchen. Sie nicht als Zeichen von Ignoranz, sondern als Beweis von Stärke zu sehen. Zu sagen: “Ja, ich sehe den Schmerz. Ja, ich fühle die Wut. Aber ich lasse nicht zu, dass sie mir das Leben nimmt.”</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Politische Wut: Mein Rückblick auf das Jahr 2024</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/01/politische-wut-mein-rueckblick-auf-das-jahr-2024/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Romy]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Jan 2025 07:00:03 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[2024]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Recap]]></category>
		<category><![CDATA[Rückblick]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=16583</guid>

					<description><![CDATA[Das neue Jahr ist gerade einen Monat alt und es ist schon wieder zu viel passiert. Zeit also, sich das letzte Jahr nochmal anzuschauen (wir haben einiges überstanden). Romy führt euch durch die Low Lights des Jahres 2024 und Friedrich Merz&#8216; peinlichsten Aussagen. &#160;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Das neue Jahr ist gerade einen Monat alt und es ist schon wieder zu viel passiert. Zeit also, sich das letzte Jahr nochmal anzuschauen (wir haben einiges überstanden). Romy führt euch durch die Low Lights des Jahres 2024 und Friedrich Merz&#8216; peinlichsten Aussagen.</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Nice-Guy-Syndrom: Über Begegnungen mit Männern, die nicht so feministisch sind, wie erhofft</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/01/das-nice-guy-syndrom-ueber-begegnungen-mit-maennern-die-nicht-so-feministisch-sind-wie-erhofft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sophie]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Jan 2025 07:00:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
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					<description><![CDATA[Männer müssen teilweise nur das sogenannte bare-minimum erfüllen, um als feministische Helden abgefeiert zu werden. Frauen und FLINTAS sehnen sich nach männlichen Allys, doch stehen die selbst ernannten Feministen wirklich auf unserer Seite? Hat man schon Applaus verdient, bloß weil man kein Arschloch ist? Ein Abriss von Caro. Neulich habe ich den Satz „Lieber einen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Männer müssen teilweise nur das sogenannte bare-minimum erfüllen, um als feministische Helden abgefeiert zu werden. Frauen und FLINTAS sehnen sich nach männlichen Allys, doch stehen die selbst ernannten Feministen wirklich auf unserer Seite? Hat man schon Applaus verdient, bloß weil man kein Arschloch ist? Ein Abriss von Caro.</strong></p>
<p><span id="more-16577"></span></p>
<p>Neulich habe ich den Satz „Lieber einen ehrlich konservativen als einen falschen feministischen Mann“ gehört. Das fand ich sehr spannend, denn die Darstellungen der Frau als Schlange, Femme Fatale oder Medusa schleichen sich auf kultureller, religiöser und historischer Ebene in unser Bewusstsein.</p>
<p>Im Alltag passiert es mir und befreundeten Personen häufiger, dass wir Männern begegnen, die sich mit einem gerne über Feminismus unterhalten, die zustimmend nicken und ihre Haltung gerne zum Ausdruck bringen. Und dann donnert es meistens Applaus.</p>
<p>Über Feminismus zu sprechen ist gut, über Feminismus zu sprechen ist schön und aus irgendeinem Grund finden wir es als Gesellschaft besonders super, wenn das Gesagte von einem Mann kommt. Dabei ist es im ersten Moment fast schon egal, ob hier eine wirkliche Einstellung wiedergegeben wird und die Person dann wirklich nach ihren angeblichen Maximen handelt, aber „Ohh, er hat gesagt, dass er dich niemals so behandeln würde und es ihm nichts ausmacht, wenn du im Job erfolgreicher bist, als er &#8211; das ist ja großartig“ und „Wow was ein aufgeklärter Mann, da kann man sich ja wirklich glücklich schätzen“, egal ob im Freundeskreis oder in der Beziehung. Wie nett, wie toll, wie aktivistisch.</p>
<p>Spannend wird es meist dann, wenn dann doch Kritik an einem Verhalten geäußert wird (was okay ist, denn wir sind ja alle nur Menschen und machen Fehler und auch er kann nichts für seine Sozialisierung) und sich zeigt, dass der Gegenüber vielleicht doch nicht ganz so eingestellt war, wie man es sich erhofft hatte, ist die Enttäuschung groß. Das kann von „Er hat das sicher nicht so gemeint“, wenn man vom übergriffigen Verhalten eines gemeinsamen Bekannten spricht“ oder „War ja nicht so schlimm, das passiert doch häufiger“, wenn man sich erschreckt, weil jemand einem vom Auto aus hinterherhupt.</p>
<p>Das soll nicht falsch verstanden werden, es gibt feministische Männer und das ist wunderbar, das ist wichtig. Aber es gibt leider auch solche, die sich bewusst entscheiden für ein gewisse Außenwahrnehmung Einstellungen anzunehmen, die sie nur so lange vertreten, wie sie ihnen einen Vorteil bringen, solange sie dafür bewundert werden. Sie tragen den Feminismus wie einen falschen Pass, der ihnen Zugang zu geschützten Räumen bietet. Der Mund war schon immer größer als der Tatendrang. Die angeblichen Einstellungen und Überzeugungen wieder abzulegen ist nicht so schwer. Man ist ja keine Frau und muss sich nicht jeden Tag aufs Neue damit auseinandersetzen, was es bedeutet, eine zu sein. Man muss sich nicht damit auseinandersetzen, wenn nur die Einstellung „Hey ich finde es cool, wenn allen die gleichen Rechte und die gleichen Privilegien zukommen können“ als konfrontativ gewertet wird.</p>
<p>Feminismus bedeutet nicht, alles richtig zu machen. Feminismus bedeutet auch nicht, immer die richtigen Worte für alles zu finden. Feminismus bedeutet bereit zu sein, Verantwortung zu übernehmen und sich zu reflektieren. Feminismus bedeutet, offen für andere Perspektiven zu sein, auch wenn sie bei der eigenen Komfortzone anecken. Und Feminismus bedeutet, sich seiner eigenen Privilegien bewusst zu werden und sich zu überlegen, wie man sie so einsetzen kann, dass sie zum gesellschaftlichen Wohl aller beitragen.</p>
<p>Feminismus ist intersektional und dass wir immernoch cis-Männer lobpreisen, die Erkenntnisse haben, die ich mit Freundinnen auf Pyjama-Partys mit neun hatte, ist peinlich.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Gender Pay Gap</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/01/genderpaygap/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Diedesianna]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Jan 2025 09:43:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender Pay Gap]]></category>
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					<description><![CDATA[Wusstet ihr, dass Frauen durchschnittlich weniger verdienen als Männer? In diesem Video erklärt Anna uns den Unterschied zwischen bereinigtem und unbereinigtem Gender Paygap, warum Frauen schlechter bezahlt werden und auch, was man dagegen tun kann. Wir begrüßen @diedesianna auf meinTestgelände! &#160;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wusstet ihr, dass Frauen durchschnittlich weniger verdienen als Männer? In diesem Video erklärt Anna uns den Unterschied zwischen bereinigtem und unbereinigtem Gender Paygap, warum Frauen schlechter bezahlt werden und auch, was man dagegen tun kann. Wir begrüßen @diedesianna auf meinTestgelände!</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Was tun mit der Welt?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/01/was-tun-mit-der-welt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sara]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Jan 2025 07:00:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Deutschland ist verschnupft: Man möchte sich nicht mehr auf Debatten über den Holocaust einlassen (ist ja schon so lange her), die Deutschen gehen selten demonstrieren und über Diskriminierung sprechen meist nur die, die selbst davon betroffen sind. Saras Diagnose: Untätigkeit. Erst letztens saß ich zusammen mit einem alten Menschen zusammen und wir haben trotz unseres]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Deutschland ist verschnupft: Man möchte sich nicht mehr auf Debatten über den Holocaust einlassen (ist ja schon so lange her), die Deutschen gehen selten demonstrieren und über Diskriminierung sprechen meist nur die, die selbst davon betroffen sind. Saras Diagnose: Untätigkeit.</strong><br />
<span id="more-16543"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Erst letztens saß ich zusammen mit einem alten Menschen zusammen und wir haben trotz unseres Altersunterschiedes viele gemeinsame Themen gefunden, Männer, Kinder in der Nachmittagsbetreuung, wie man idealerweise eine Luftmasche häkeln kann und wie gruselig die Welt momentan ist und welche Angst in uns aufkommt. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}"> </span><span data-contrast="auto">Wir kamen zu dem Schluss, dass nicht die Weltlage das größte Problem ist, sondern die absolute Ignoranz der Menschen in ihr. Die Welt könnte augenblicklich untergehen und das Interesse aller Mitmenschen daran wäre beschränkt. Keine*r würde sich auf die Straße stellen und gegen ebenjenen Zustand protestieren.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}"> </span><span data-contrast="auto">Mein Vater erzählte mir schon in der Grundschule, dass er von den Menschen in diesem Land und ihrer Untertänigkeit erschrocken sei, in Frankreich zünden sie immerhin Autos an.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}"> </span><span data-contrast="auto">Daran musste ich denken, als ich dort an diesem Tisch saß und wir düstere Wahrheiten aussprachen. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich bin müde und erschöpft von dem alltäglichen Kampf. Von der Tatsache, dass ich meinen Job politisch verstehe und mich jederzeit mit Diskriminierung auseinandersetze, aber gleichzeitig mit meinen weißen Kolleg*innen am Tisch sitzen muss und höre, dass ihre Reaktion auf Antisemitismus &#8222;Die Schuldfrage muss endlich weg, was habe ich mit dem zu tun, was meine Großeltern getan haben?&#8220; ist. Ich bin müde davon jeden Tag die Schule zu besuchen und das mangelnde Engagement von &#8211; surprise ebenfalls weißen &#8211; Menschen zu sehen.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}"> </span><span data-contrast="auto">Die Welt, sie scheint nichts wert zu sein, weder unsere Demokratie, Sicherheit bla bla bla, es erscheint nicht kostbar genug, um eine Haltung zu entwickeln und klar zu vertreten. Nazis zu hassen und Rechtsextremismus und andere -ismen anzuprangern. Fortbildungen zu besuchen, die explizit Rassismus, Sexismus etc. aufdröseln, Stammtischargumente entkräften und Dialoge in unzugänglichen Räumen zu fördern. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}"> </span><span data-contrast="auto">Ich bin es leid bei ebenjenen Veranstaltungen nur queere, migrantische und generell marginalisierte Menschen zu sehen. Es macht mich müde, anderen Menschen Empathie zu erklären, auch dann mit zu fühlen, wenn es nicht die eigene Person betrifft.</span></p>
<p><span data-contrast="auto">All das was gerade passiert, schmerzt enorm. Es schmerzt so sehr, dass es fast unmöglich scheint Nachrichten zu hören, zu lesen, zu fühlen, weil das Ausmaß dieser gesellschaftlichen Spaltung unendlich erscheint. Die Hoffnung auf ein gutes Leben sinkt.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}"> </span><span data-contrast="auto">Mehr als diese Gedankenfetzen bringe ich nicht zusammen, denn das Ausmaß des Grauens in dem meine Freund*innen und ich, die alle queer, migrantisch oder anderweitig marginalisiert sind, ist nicht greifbar. Der Blick in die USA zeigt einiges, was noch kommen wird und ich hoffe, dass der letzte Funken Engagement für die Demokratie irgendwann entfacht werden kann, denn sonst ist alles verloren.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:259}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Review zum Film &#8222;Queer&#8220; von Kenji</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/01/review-zum-film-queer-von-kenji/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kenji]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jan 2025 07:00:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Debatten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute hat Kenji wieder eine Filmkritik für euch – diesmal zu Queer von Luca Guadagnino. Warum dieser Film für ihn so besonders ist, erfahrt ihr nach dem Steckbrief. Titel: Queer Regie: Luca Guadagnino Besetzung: Daniel Craig, Drew Starkey, Lesley Manville, Jason Schwartzman u. a. Genre: Romanze/Drama Altersfreigabe: 16 Inhaltshinweis: Drogenkonsum, explizit sexuelle Szenen, Alkoholkonsum, Gewalt,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span style="color: #000000;">Heute hat Kenji wieder eine Filmkritik für euch – diesmal zu <i>Queer</i> von Luca Guadagnino. Warum dieser Film für ihn so besonders ist, erfahrt ihr nach dem Steckbrief.</span></strong><span id="more-16553"></span><br />
<span style="color: #000000;"><b><br />
Titel:</b> Queer<br />
<b>Regie:</b> Luca Guadagnino<br />
<b>Besetzung:</b> Daniel Craig, Drew Starkey, Lesley Manville, Jason Schwartzman u. a.<br />
<b>Genre:</b> Romanze/Drama<br />
<b>Altersfreigabe:</b> 16<br />
<b>Inhaltshinweis:</b> Drogenkonsum, explizit sexuelle Szenen, Alkoholkonsum, Gewalt, Tabakkonsum, Stroboskop-Licht</span></p>
<p><!--more--></p>
<p><span style="color: #000000;"><b>Kann man süchtig nach einer Person sein?<br />
</b></span><span style="color: #000000;">Diese Frage stellt man sich unweigerlich beim Schauen von <i>Queer</i>. Der Film erzählt die Geschichte von William Lee, der in den 1950er-Jahren aus den USA nach Mexiko-Stadt gezogen ist. Hier lebt er allein, drogenabhängig und verbringt seine Nächte in Bars – immer auf der Suche nach neuen Bekanntschaften. Eines Abends trifft er auf den jungen Eugene Allerton (gespielt von Drew Starkey). Es ist fast wie Liebe auf den ersten Blick. Aber ist sie das nur einseitig? Doch diese Begegnung führt zu riskanten Situationen, einen Trip und tiefen Existenzängsten. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Der Film ist in verschiedene Akte unterteilt. Jeder Akt hat ein eigenes Hauptthema – mal einen bestimmten Handlungsort, mal ein Gefühl, manchmal auch beides. Diese Erzählstruktur ist einer der Gründe, warum <i>Queer</i> trotz seiner Laufzeit von 2 Stunden und 17 Minuten nicht langweilig wird. </span><span style="color: #000000;">Wir folgen Lee auf seinem Weg, fühlen mit ihm, verurteilen ihn, empfinden Scham oder Mitleid. Wir erfahren erst spät von seiner Drogensucht, müssen sie aber akzeptieren, weil Lee uns schon im ersten Akt ans Herz gewachsen ist. Doch diese Sucht nimmt im weiteren Verlauf viel Raum ein – vielleicht zu viel.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Was bewegt uns bei diesem Film so sehr? Ist es die Sehnsucht? Die Sehnsucht nach Liebe, nach Existenz, nach Bedeutung? Diese Sehnsucht verbindet uns mit Lee und gibt uns die Freiheit, sie nach unseren eigenen Gefühlen zu interpretieren.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><b>Inszenierung<br />
</b></span><span style="color: #000000;">Luca Guadagnino ist bekannt für <i>Call Me by Your Name</i>. Vielleicht kennt ihr den Film: Ein junger Timothée Chalamet trifft auf einen älteren Armie Hammer – eine Liebesgeschichte, die sich wirklich in mein Herz gebrannt hat (und vermutlich nicht nur in meines). Auch <i>Challengers</i> lodert vor bisexual energy. Wenn Guadagnino einen neuen Film macht – und dann noch mit einer LGBTQIA+-Geschichte –, werde ich sofort aufmerksam. </span><span style="color: #000000;">Mit <i>Queer</i> verfilmt er die semi-autobiografische Novelle von William S. Burroughs. Guadagnino setzt auf ästhetische Sets, meisterhafte Kameraarbeit und einen dynamischen Erzählrhythmus, der zwischen langsamen und schnellen Passagen wechselt. Diese Mischung sorgt dafür, dass fast keine Szenen langweilig oder inhaltslos wirken.<br />
</span><span style="color: #000000;">Aber Achtung: <i>Queer</i> ist ein eher künstlerischer Film, der viel Raum für Interpretationen lässt. Viele Szenen fordern uns Zuschauenden auf, ihre eigene Bedeutung darin zu finden – das macht den Film anspruchsvoll, aber auch unglaublich fesselnd.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Die Kameraarbeit von Sayombhu Mukdeeprom, der bereits für <i>Call Me by Your Name</i> und <i>Challengers</i> verantwortlich war, ist atemberaubend. Jede Einstellung wirkt wie ein Kunstwerk. Der Film hat einen Retro-Look mit klaren Farben. Beige- und Blautöne dominieren und ziehen sich als stilistisches Element durch den gesamten Film. Auch das Set-Design fügt sich perfekt in diese Ästhetik ein. Ob es historisch korrekt ist, kann ich nicht sagen – aber es passt hervorragend zur Atmosphäre. Der prägnante Soundtrack macht den Film nur noch besser- Nirvana, New Order und andere begleiten den Film mit perfekter Musik. Trent Reznor und Atticus Ross liefern dazu einen fast traumhaften Score, de ich mir jetzt noch anhöre.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><b>Ein schwuler James Bond<br />
</b></span><span style="color: #000000;">Doch jetzt zu den Hauptdarstellern. Daniel Craig liefert eine Performance, die wir so noch nie von ihm gesehen haben. Der Ex-James-Bond-Darsteller zeigt eine verletzliche, sinnliche Seite, die uns mitreißt. Man fiebert und leidet mit ihm mit. </span><span style="color: #000000;">Drew Starkey ergänzt ihn perfekt. Seine Darstellung von Eugene Allerton ist liebevoll, mysteriös und distanziert zugleich. Er verkörpert den einen Menschen, den man unbedingt erreichen möchte, der aber immer unerreichbar bleibt. Diese Dynamik zwischen Craig und Starkey macht den Film emotional und unglaublich intensiv.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><b>Kritik und Fazit<br />
</b></span><span style="color: #000000;">„Queer“ wurde in der Türkei wegen „provokativen Inhalts“ und der „Gefährdung des gesellschaftlichen Friedens“, also einer Argumentation mit bewusst homophober und menschenfeindlicher Denkweise, verboten. Darüber hinaus dann auch in der ganzen Türkei. Wir sollten den Film gucken, um uns gegen die Zensur zu stellen und sie nicht an oberste Stelle stehen lassen, wenn es um den Film geht. Oder wie Timo Lindemann aus der jungle.world zu dem Film sagt: „<i>Queer</i> ist Guadagninos bisher bester Film und der Gang ins Kino sei ausdrücklich empfohlen – nicht nur, um dem homophoben Verbot des Films durch türkische Zensurbehörden an den Kinokassen zu widersprechen.“</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Ich weiß, dass der Film nicht für jeden gemacht ist. Aber ich empfehle euch, euch auf <i>Queer</i> einzulassen. Vielleicht hat er ja eine ähnliche Wirkung auf euch, wie auf mich.</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Diese Menschen sind gefährlich, denn sie wissen, was sie tun.</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/01/diese-menschen-sind-gefaehrlich-denn-sie-wissen-was-sie-tun/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mäx]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Jan 2025 07:00:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivismus]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir starten aktivistisch ins neue Jahr mit einem Text von Mäx. Unser Autor weiß nach langer Suche endlich, wie er leben möchte und sich wohl fühlt. Doch diese Lebensweise wird bedroht von einem politischen Klima, dass diese Freiheiten ablehnt. Woher uns diese Tendenzen bereits bekannt sein sollten, erfahrt ihr im Text. „Rosen auf den Weg]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir starten aktivistisch ins neue Jahr mit einem Text von Mäx. Unser Autor weiß nach langer Suche endlich, wie er leben möchte und sich wohl fühlt. Doch diese Lebensweise wird bedroht von einem politischen Klima, dass diese Freiheiten ablehnt. Woher uns diese Tendenzen bereits bekannt sein sollten, erfahrt ihr im Text.</strong><span id="more-16537"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">„Rosen auf den Weg gestreut“ schreibt Kurt Tucholsky 1931. Jetzt, im Angesicht der erstarkenden Faschisten wird er wieder zitiert; von Danger Dan und jüngst Tocotronic, die mich bei allem, was ich tue, begleiten. Das aktuelle politische Klima löst Ratlosigkeit, Angst und Wut in mir aus, ich bin angespannt und rastlos. Ich fühle mich und meine Lebensweise, mit der ich nach so langer Suche und Kämpfen endlich zufrieden bin, bedroht. Keine Ahnung, was es genau bedeutet, trans*, non-binär und bisexuell zu sein, ich weiß, dass ich frei sein will. Frei sein, so zu leben, wie ich will, und so, dass es mir und den Menschen um mich herum gut geht. Und allein dieser so simple Wunsch wird verhöhnt, missachtet und bedroht. Klar, ich wohne in Münster, bekanntlich „die sichere Insel“ vor der AfD, und ich bin dankbar dafür; aber auch vor Münster werden sie nicht halt machen, genauso wenig wie sie es damals getan haben. Dann wird es eng werden hier, man wird sich ganz schön einmummeln müssen in seinem Einfamilienhaus hinterm Gartenzaun, für alle anderen wird kein Platz mehr sein. Was mich am fassungslosesten macht, ist das Steigbügelhaltertum der anderen. Klar, die AfD sind Faschisten, und von Faschisten zu erwarten, sich wie Demokraten zu verhalten ist eine grobe, gefährliche Unterschätzung – aber Kurt Tucholsky war zynisch und bitter, als er schrieb, ihnen Rosen auf den Weg zu streuen, nicht aufrichtig! Auf der Suche nach dem Wahren, Schönen, Guten wird die Luft immer mehr von den Skrupellosen verpestet. Und die, die schon seit Jahren aufgegeben haben, zu suchen, schauen weg, weil es so lästig ist, dagegen anzukämpfen, aber wenn es niemand tut, werden sie irgendwann unsere Untätigkeit ausnutzen, um uns auch das letzte bisschen das uns lieb und teuer ist, aus den Händen zu reißen, um es unter ihren Springerstiefeln zu zerdrücken. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich darf mich nicht der Illusion hingeben, dass dieser Text irgendetwas ändern oder bessern wird, wenn Kurt Tucholsky daran scheitert, habe ich keine Chance – aber die Wut und der Frust müssen raus, damit ich endlich nicht mehr gelähmt bin und weiter machen kann, um wirklich einen Unterschied machen zu können.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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