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		<title>Männer und der Autoritarismus</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Anton August Dudda]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Apr 2024 08:21:27 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Die Ambivalenz von Autorität und Freiheit für „moderne“ Männer: Wie beeinflussen rechte Ideologien Identität und Verhalten? Erfahre es im Blogbeitrag von Anton. Dem Begriff der Autorität wohnt innerhalb der Diskurse einer liberalen Gesellschaft grundsätzlich etwas Bedrohliches inne. Er ist verknüpft mit dem Verlust von individueller Freiheit, jenem ultimativen gesellschaftlichen Schwammbegriff, dem sich wahrscheinlich jede politische]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Ambivalenz von Autorität und Freiheit für „moderne“ Männer: Wie beeinflussen rechte Ideologien Identität und Verhalten? Erfahre es im Blogbeitrag von Anton.</strong> <span id="more-16001"></span></p>
<p>Dem Begriff der Autorität wohnt innerhalb der Diskurse einer liberalen Gesellschaft grundsätzlich etwas Bedrohliches inne. Er ist verknüpft mit dem Verlust von individueller Freiheit, jenem ultimativen gesellschaftlichen Schwammbegriff, dem sich wahrscheinlich jede politische Bewegung der westlichen Welt verschrieben hat, grade weil sie von lupenrein positiver Konnotation ist. Die Autorität ist das, was der Freiheit entgegensteht, sie einschränkt.</p>
<p>Die Notwendigkeit, als Gesellschaft eine solche Einschränkung der Freiheit vorzunehmen, geht aber ebenso aus absolut jeder politischen Ideologie hervor, nur meist weniger explizit. Zu unpopulär wäre es, die Freiheit, das, was alle gerne in größtmöglicher Ausprägung zugestanden und garantiert haben wollen, von seiner Negativseite her zu betrachten. Doch klar ist, dass ein Begriff nur verstanden werden kann, wenn man ihn in Spannungsverhältnis zu seinem Gegenteil denkt. Setzt man die Freiheit und die Autorität der Einfachheit halber als Widerspruchspaar, ergibt sich eine Art Matrix, innerhalb derer sich das menschliche Subjekt, aber auch eine Kultur, eine<br />
Gesellschaft verorten kann. Abhängig vom Arbeitsverhältnis, politischem System, privater Situation und anderen Faktoren ist ein jeder Mensch in einem gewissen Maße frei und unfrei. Dabei kommt er durch die ökonomische Struktur der ihn umgebenden Gesellschaft zur Befriedigung seiner Bedürfnisse, auch hier mal besser und mal schlechter, aber in einem funktionierenden System immer gut genug, dass er keinen Grund hat, an dem Maß der auf ihn einwirkenden, freiheitslimitierenden Faktoren zu rütteln. Gerät diese Gewissheit aber in Zweifel und bei genügend Menschen, so kann die Legitimität des Systems und seiner Ideologie in die Krise geraten. Ob dies stattfindet aus der Einsicht in die Ungerechtigkeit des Systems gegenüber anderen oder einem bloßen, subjektiven Gefühl der Unzufriedenheit ist dabei erst einmal egal, auch ob dieses subjektive Gefühl einen rationalen Kern hat, oder auf irrationaler Agitation beruht. Vieles, was heute als die „Krise der Männlichkeit“ diskursiviert ist, trägt die Handschrift einer solchen Autoritätskrise. Jüngst erregte eine amerikanische Studie große Aufmerksamkeit, welche<br />
feststellte, dass weltweit unter Menschen zwischen 18 und 29 die Tendenz zu beobachten ist, dass Frauen zunehmend politisch „linker“ und Männer „rechter“ denken würden, wobei man die Bedeutung dieser Begriffe grade in den USA mit ihrem binären Parteiensystem mit Vorsicht genießen muss. Aber auch Phänomene wie die in der Memekultur übernommenen, aus der Manosphere stammenden Kategorien „Alpha“-, „Beta“- oder „Sigma“-Male weisen darauf hin, dass es grade in der Mentalität junger Männer eine Identitätskrise gibt, zu deren Bewältigung die<br />
Auflösung von komplexen sozialen Beziehungen in einer autoritativen Theorie attraktiv erscheint. Dabei scheint dieser Hang zur Autorität widersprüchlich zu sein. Akzeptiert man die Setzung, dass Freiheit und Autorität sich immer als zwei sich bedingende, aber gleichzeitig ausschließende Begriffe gegenüberstehen, dann sollte man meinen, dass der Mensch nicht gleichzeitig nach beiden streben können sollte. Und doch scheint genau dies das Versprechen zu sein, welches rechte und konservative Agitatoren erfolgreich vermitteln. „Echte Männer sind rechts.“, tönt etwa AfD-Spitzenkandidat und Posterboy Maximilian Krah. Soll heißen, die Freiheit findet „der Mann“<br />
dort, wo Autorität herrscht. Dieser Scheinwiderspruch ist durch die mehreren Versprechen zu erklären, die er impliziert.<br />
Erstens, das offensichtlichste. Die durch den rechten Autoritarismus zurückentwickelte Gesellschaftsordnung, würde dem Mann zwar ein Maß an Unterordnung abverlangen, aber gleichzeitig eine Stellung oberhalb der Individuen aller marginalisierten Gruppen in der Öffentlichkeit, sowie einen Herrschaftsanspruch in der nun von ihm repatriarchalisierten Privatsund Intimsphäre garantieren. Es ist das Versprechen an den Mann als Arbeiter.<br />
Zweitens, die innerhalb der autoritären Ordnung herrschende Ideologie erlaubt es ihm daran zu glauben, dass er bei perfekter Adaption der nun vermeintlich klaren Regeln innerhalb des Systems aufsteigen kann. Dies hat, wie auch das erste Versprechen, sadomasochistischen Charakter.<br />
Regeln werden von „oben“ diktiert, vom Individuum befolgt und nach „unten“ weitergegeben. Jede dieser hierarchischen Beziehungen enthält einen gewissen Auslegungsspielraum, welcher sich durch die Rangordnung legitimiert. Der Obere wird immer das Recht besitzen und ausspielen, die Regeln in gewissem Maße willkürlich anzuwenden und dem Unteren dadurch das Richtig und Falsch von dessen Handlungen verschleiern. Der Untere wird lernen, den Oberen zu lesen, ihm zu gefallen, bis er selbst die Regeln gut genug kennt, um sie selbst anzuwenden. Darin liegt eine weitere Freiheit innerhalb Autoritarismus. Es ist das Versprechen an den Mann als<br />
Soldaten.<br />
Das dritte Versprechen schließlich liegt in der Auflösung des Widerspruchs zwischen Autorität und Freiheit an sich im Übergang von Autoritarismus zum Totalitarismus. Der Mensch kann innerhalb der Matrix zwischen Freiheit und Unfreiheit keinen der beiden Pole jemals vollständig erreichen, da ihn zumindest in seinem Inneren immer etwas einschränken und niemand ihn jemals ganz wird beherrschen können. Dort, wo die Widersprüche in einer Gesellschaft, die ja an sich bereits inhärent widersprüchlich ist, so groß werden, dass das Individuum immer radikaler und gleichzeitig irrationaler seine Freiheitsansprüche geltend macht, da greift der Totalitarismus<br />
zu und stellt dem Arbeiter, dem Soldaten, dem Mann die totale Verwirklichung der beiden ersten Versprechen in Aussicht. Die im Industrialismus bereits notwendig vorhandene, zweckorientierte Objektifizierung der Individuen, wird eskaliert bis hin zur vollständigen Rationalisierung und Orchestrierung der Gesellschaft zu einem Gesamtzweck, einem objektiven Ziel, zum Preis der bedingungslosen Unterordnung, unter der Verheißung der Widerspruchsfreiheit. Es ist ein Versprechen der Objektwerdung des Mannes in der politischen und der Frau in der privaten Sphäre, welches in krisenhaften Gesellschaften eine große libidinöse Sogwirkung entfalten kann, aber unmöglich ist. Möglich sind dann nur noch die Zerstörung und Bezwingung des Anderen, dessen, was die Totalität des eigenen, selbstgegebenen Zwecks noch infrage stellen könnte.<br />
Der Mann ist zu nichts davon geboren. Nicht zum Arbeiter, nicht zum Soldaten, nicht zum Objekt eines rationalen Zwecks. Es sind seit Jahrtausenden tradierte Normen, die ihm auferlegen, sich entweder ihnen gemäß zu formen oder aus ihnen auszubrechen. Doch tut er letzteres, hat er vor sich nichts als den Nebel, die verschleierte und undurchdringbare Logik des Systems, der ökonomischen Verhältnisse, deren Ideologie weiß, dass sie ihm nicht als Feind entgegentreten darf, weil sie ohne ihn verloren wäre. Darum reicht sie ihm betrügerisch die Hand und er nimmt sie, denn sonst, so flüstert sie ihm zu, wird er allein sein.</p>
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