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	<title>Carearbeit &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Do men care?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/06/do-men-care/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anjuli]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jun 2026 09:00:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Carearbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie viel Zeit investieren Männer tatsächlich in Care-Arbeit? Anjuli beleuchtet die Realität unbezahlter Arbeit und die Medienrepräsentation männlicher Vaterschaft anhand der TV-Serie Modern Family. Care-Arbeit betrifft uns alle. Spätestens mit dem Erwachsenwerden habe ich das verstanden. Vor allem mit dem Auszug aus dem Elternhaus wurde mir klar, wie viel Zeit pro Tag für Einkaufen, Haushalt]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie viel Zeit investieren Männer tatsächlich in Care-Arbeit? Anjuli beleuchtet die Realität unbezahlter Arbeit und die Medienrepräsentation männlicher Vaterschaft anhand der TV-Serie </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Modern Family.</strong></em><span id="more-17534"></span></p>
<p>Care-Arbeit betrifft uns alle. Spätestens mit dem Erwachsenwerden habe ich das verstanden. Vor allem mit dem Auszug aus dem Elternhaus wurde mir klar, wie viel Zeit pro Tag für Einkaufen, Haushalt und derlei Unvermeidbares draufgeht. Alleine der Mental Load, der damit einhergeht, ist enorm. In der Debatte um Geschlechtergerechtigkeit spielt die Verteilung von unbezahlter Care-Arbeit eine zentrale Rolle. Während Frauen in Deutschland wöchentlich etwa 29 Stunden unbezahlte Arbeit für Haushalt und Familie aufwenden, leisten Männer nur ca. 20 Stunden. Visuelle Medien, wie das Fernsehen, haben solche Stereotype über Jahrzehnte gespiegelt. Die Kleinfamilie als Schauplatz ist zum Beispiel bei Sitcoms sehr beliebt. Oft sehen wir dort Mütter, die den Haushalt schmeißen und die Kinder verpflegen, und Väter, die als Alleinverdiener nur Zeit für die kleineren Aufgaben haben. So haben Medien dazu beigetragen, diese Strukturen zu normalisieren. Doch wie oft werden eigentlich Männer im Fernsehen beim Kindererziehen, Putzen und Einkaufen gezeigt?</p>
<p>Schon als <em>Modern Family</em> vor über 10 Jahren rauskam, habe ich die Serie sehr gerne geschaut. Es gab so viele lustig-quirlige Charaktere und chaotische Familiendynamiken, mit denen man sich endlich mal identifizieren konnte. Jetzt, so viele Jahre später, ist mir aufgefallen, wie besonders die männlichen Charaktere sind und wie sehr sie sich von anderen Sitcom-Protagonisten unterscheiden. Wenn Vaterschaft in Film und Fernsehen thematisiert wird, hat dies oft einen besonderen Ausnahme-Charakter. Männer in Care-Positionen werden gerne als Sonderfall oder Ergebnis tragischer Ereignisse gezeigt, aber so gut wie nie als natürlicher Zustand einer Paarbeziehung. Berühmte und erfolgreiche Produktionen, in denen nur Männer mit ihren Kindern zu sehen sind, Serien wie <em>Full House</em> oder <em>Two and a Half Men</em>, basieren auf Handlungen, in denen die Mutter entweder verstorben ist oder Paare geschieden sind und das Sorgerecht zwangsläufig geteilt wurde. Dann gibt es noch absurde Komödien, in denen Gruppen von Männern Babys finden und sich dann um diese kümmern (müssen). Solche Darstellungen exotisieren Vaterschaft und vermitteln das Gefühl, dass Väter nur Care-Arbeit leisten, wenn sie durch außergewöhnliche oder tragische Gründe dazu gezwungen werden.</p>
<p>Für die Uni habe ich vor kurzem, anhand der Serie <em>Modern Family</em>, untersucht, wie geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und männliche Care-Arbeit dort repräsentiert ist. Das ließ sich anhand zweier Konzepte veranschaulichen: Hegemoniale Männlichkeit und Caring Masculinities. Hegemoniale Männlichkeit ist ein soziales Konstrukt, das durch die Idealisierung eines bestimmten Männlichkeitsbildes Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern und zwischen verschiedenen Männlichkeitstypen stabilisiert. Diese Ideale sind unter anderem Heterosexualität, das Streben nach Macht und Kontrolle, emotionale Distanz und eine Abgrenzung von allem »Weiblichen«. Es ist das global dominierende Männlichkeitsideal. Da dies Männern und Frauen gleichermaßen sowohl psychisch als auch physisch schadet, ist die Entwicklung neuer, fürsorglicher Männlichkeitsformen ein wichtiger Schritt hin zu echter Geschlechtergerechtigkeit und besserer Lebensqualität. Das Konzept der Caring Masculinities dient als theoretischer Gegenentwurf zur hegemonialen Männlichkeit und definiert männliche Identität über die Ablehnung von Dominanz sowie die Annahme emotionaler und beziehungsorientierter Werte. Es basiert auf der dauerhaften Beteiligung an Care-Arbeit, einem breiten emotionalen Spektrum sowie dem Verzicht auf männliche Privilegien, um Geschlechtergleichheit zu erreichen.</p>
<p>Schon als <em>Modern Family</em> vor über 10 Jahren rauskam, habe ich die Serie sehr gerne geschaut. Es gab so viele lustig-quirlige Charaktere und chaotische Familiendynamiken, mit denen man sich endlich mal identifizieren konnte. Jetzt, so viele Jahre später, ist mir aufgefallen, wie besonders die männlichen Charaktere sind und wie sehr sie sich von anderen Sitcom-Protagonisten unterscheiden. In <em>Modern Family</em> wird das Format der Mockumentary (also eine Pseudo-Dokumentation) benutzt, um die Vielfalt männlicher Identitäten humorvoll zur Schau zu stellen. Die Familienväter in der Serie zeigen eine ganz andere Form von Männlichkeit und Vaterschaft, als man es sonst im Fernsehen gewohnt ist. So machen sie das Publikum auf die soziale Konstruktion von Männlichkeit aufmerksam. Einer der Väter, Phil Dunphy, bricht mit dem klassischen Sitcom-Muster des „incompetent dad“. Er wird als extrem fürsorglich und emotional präsent dargestellt. Obwohl er oft albern ist, übernimmt er in Krisenmomenten kompetent die Verantwortung für seine Kinder. Der Vater und Opa, Jay Pritchett (gespielt von Ed O’Neil, bekannt geworden als Al Bundy, Ikone und patriarchaler Loser der 90er-Sitcoms), verkörpert das klassische traditionelle Familienoberhaupt. Im Laufe der elf Staffeln vollbringt er jedoch eine bemerkenswerte emotionale Veränderung. Er zeigt zunehmend Zuneigung, eine verletzliche Seite und spricht offen über seine Ängste. Mitchell und Cam repräsentieren als homosexuelles Paar zwar einige Klischees, zeigen aber gleichzeitig, dass männliche Elternschaft und emotionale Care-Arbeit kein Widerspruch sind.</p>
<p>Die Serie schafft es, väterliche Kinderbetreuung und Hausarbeit nicht als komödiantisches Scheitern oder heroische Ausnahme zu inszenieren, sondern als wichtigen Bestandteil männlicher Identität. Durch Humor werden alte Rollenbilder entlarvt und für ein Massenpublikum lachhaft gemacht. Obwohl die Charaktere privilegiert und weiß sind und zur Mittelklasse gehören, ist <em>Modern Family</em> ein wichtiges Vorbild. Die Serie zeigt, dass Fürsorglichkeit und Männlichkeit sich nicht ausschließen. Sie trägt dazu bei, dass veraltete Ideale vielleicht nach und nach über Bord geworfen werden. Ich hoffe, dass wir in Zukunft sehr viel mehr Beispiele von Caring Masculinities in den Mainstream-Medien sehen. Denn <em>Modern Family</em> zeigt, dass sogar Comedy-Serien Themen mit emotionaler und sozialer Tragweite verhandeln können und uns dabei noch bestens unterhalten.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Nur wenn man Geld verdient, ist es Arbeit</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/09/nur-wenn-man-geld-verdient-ist-es-arbeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marie]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 Sep 2022 10:39:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Anerkennung]]></category>
		<category><![CDATA[Carearbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geld]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Anerkennung von Arbeit ist stark davon abhängig, ob damit Geld verdient wird. Marie leistet Carearbeit, sie ist 24/7 für ihre Familie in Bereitschaft. Geld verdient sie damit aber nicht und verliert damit auch Ansprüche wie bspw. beim Elterngeld. In ihrem neuen Text lest ihr, was Marie alles leistet und wie sie für sich selbst]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Anerkennung von Arbeit ist stark davon abhängig, ob damit Geld verdient wird. Marie leistet Carearbeit, sie ist 24/7 für ihre Familie in Bereitschaft. Geld verdient sie damit aber nicht und verliert damit auch Ansprüche wie bspw. beim Elterngeld. In ihrem neuen Text lest ihr, was Marie alles leistet und wie sie für sich selbst eine angemessene Honorierung definiert.</strong></p>
<p><span id="more-15048"></span></p>
<p>Wer kennt es nicht, dieses Vorurteil? „Nur wenn man Geld bekommt, ist es Arbeit“.<br />
Also nur, wenn man für seine Leistungen mit Geld entlohnt wird, ist es echte Arbeit.<br />
Ich verstehe den Sinn dahinter nicht ganz.  Als ich 2015 meinen Sohn bekommen habe und in Elternzeit war, war ich logischerweise zu Hause und habe kein Geld „verdient“, also ich habe für meine Leistungen kein Geld bekommen.  Auch als wir nach meiner Elternzeit auf einen Kita-Platz warten mussten, habe ich ihn zu Hause betreut und kein Geld verdient. Arbeit war es trotzdem. Und zwar ziemlich viel, Tag und Nacht. Eine Arbeit, die ich geliebt habe und immer noch liebe.<br />
Aber es war Arbeit und man kann seine Arbeit lieben, das ist vielen glaube ich nicht bewusst.<br />
Wer hat jemals die Regel aufgestellt, dass Arbeit nur Arbeit ist, wenn man Geld dafür bekommt? Wenn das so wäre, könnt ihr mir alle beim Innenausbau unseres Hauses helfen! Ihr bekommt kein Geld dafür, deswegen ist es ja auch keine Arbeit für euch!  Ich finde es ein wenig schade, wie einfältig manch einer denkt, als gäbe es nur Schwarz und Weiß. So ist es aber nicht, ganz im Gegenteil.<br />
Wenn man in Elternzeit ist, hat man ein Haufen Arbeit. Wenn man sich dann nach der Elternzeit die Aufgaben mit dem Mann teilt, man selbst zu Hause arbeitet, indem man den Laden am Laufen hält, sich um die Organisation von Kind und Familie kümmert, den Haushalt macht, das Essen macht, sich überhaupt um all die Pflege eines harmonischen Zusammenlebens kümmert, ist das Arbeit.  Arbeit, die ich persönlich gerne mache.<br />
Arbeit ist nicht immer gleich etwas, was man nicht gern macht.<br />
Ich liebe meinen Job zu Hause, aber es ist Arbeit.<br />
Und für diese Arbeit bekomme ich keinen Cent.<br />
Elterngeld bekomme ich! Den Mindestsatz von 300 Euro, weil ich ja vorher nicht gearbeitet habe! GEARBEITET. Ich war vorher nicht in einem Betrieb tätig und habe keine finanzielle Entlohnung bekommen, deswegen bekomme ich jetzt nur das Mindeste und darf schauen, wie ich alle Kosten unter einen Hut bekomme, damit mein Schulkind und mein Baby alles haben, was sie brauchen und ICH auch. Ich brauche auch diverse Dinge, man mag es kaum glauben. Und es juckt ja niemanden, dass ich davor nicht faul vor dem Fernseher gesessen habe, sondern meinen Sohn großgezogen- und nebenbei sogar versucht habe, zu studieren. Wie ich das Bafög zurückzahle, kann ich mir auch überlegen.  Manchmal möchte ich diese Arbeit nicht machen, manchmal nervt es mich, manchmal möchte ich alles liegen lassen, Urlaub nehmen oder eine Vertretung finden. Aber das geht nicht. Es ist eine selbstständige Arbeit und gleichzeitig eine Arbeit, die ich für jemanden mache, nämlich für meine Familie. Da gibt’s keine Vertretung und keinen (spontanen) Urlaubsanspruch, keine Krankheitstage. Warum nehmen das so viele Menschen nicht für voll? Das sind übrigens meistens diejenigen, die das noch nie gemacht haben, noch keine Familie gegründet haben und daher eine ganz andere Vorstellung haben. Daran wird es liegen, an der eigenen Vorstellung.  Das Leben von Influencern auf Social Media ist Arbeit. Die bekommen sogar eine ziemlich gute Bezahlung dafür. Die machen das auch gerne, beziehen oft ihre Kinder mit ein und machen das von zu Hause aus. Filmen sich beim Haushalt machen, kochen, einfach im Alltag. Eltern, die sich dabei nicht filmen und daher kein Geld damit im Internet verdienen, haben trotzdem eine Arbeit zu Hause.   Ich kann nicht einfach mal so eine Krankschreibung einreichen und „zu Hause“ bleiben, während sich alles um mich herum von selbst regelt.  Ich bin 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche in Bereitschaft, abrufbar. Das ist ein enormer psychischer Stress. Aber es ist eine Arbeit, die ich gerne mache. Körperlich belastet sie mehr als mancher Beruf. Ich habe Nachtschicht. Wenn ich nachts gebraucht werde, muss ich aufstehen und direkt funktionieren. Auch das mache ich sehr gern.  Der Haushalt ist nicht damit gemacht, die Spülmaschine ein- und auszuräumen. Das Badezimmer ist nicht sauber, wenn mein Freund mal mit einem Tuch durch das Waschbecken wischt. Da gehört so viel mehr zu. Der Boden muss nicht nur gesaugt, sondern auch manchmal gewischt werden.  In den Zimmern legt sich Staub auf Flächen ab, die Fenster bekommen Beläge, wenn sie nicht geputzt werden, im Flur wird jeden Tag mehrmals Dreck durch die Schuhe rein getragen.<br />
Kleidung muss gewaschen und getrocknet werden, die dazugehörigen Maschinen müssen gesäubert werden!  Schränke müssen (aus-)sortiert werden, jeden Tag muss das Mittag- und Abendessen geplant und gekocht werden. Und Zwischenmahlzeiten.  Die Wohnung muss bewohnbar sein. Und das ist nur der „Haushalts-Teil“.  Das ist Arbeit.<br />
Ich würde mir wünschen, dass die Menschen anfangen, umzudenken. Ein wenig um Ecken denken.  Wenn man einen tollen Haushalt führt und man sich als Eltern mit dieser Aufteilung wohl fühlt, dann ist es egal, durch wen das Geld auf dem Konto landet, denn es ist ein gemeinsames Leben mit gemeinsamer, unterschiedlicher Arbeit.  Man wird viel zu sehr durch Gesetze und Regeln in seinem Denken geleitet und manipuliert.  Wir Mütter, die zu Hause arbeiten, werden nicht bezahlt.<br />
Das verlangt erstmal auch niemand.<br />
Aber genauso, wie es dann diese Urteile „Das ist keine Arbeit“ gibt, sagen viele, wenn ich eben für diese Arbeit eine Art „Haushaltsgeld“ verlangen würde, weil ich mich für die Arbeit zu Hause entscheide, dass man dafür doch kein Geld verlangen müsse, weil man es gerne macht. Ergo machen ALLE, die Geld für ihre Tätigkeit bekommen, sie nicht gerne?<br />
Das wäre aber schade. Ich möchte nicht abhängig sein von der Person, die das hauptsächliche Geld auf das Konto bekommt.<br />
Ein Beispiel:  Für meine Texte, die ich schreibe, bekomme ich Geld. Dabei ist das sogar mein Hobby! Ich sehe im Schreiben meiner Texte keine Arbeit. Und nur weil ich Geld dafür bekomme, ist es Arbeit und ich mache sie nicht gerne, eben weil ich Geld dafür bekomme?<br />
Nein! Ich liebe das Schreiben.   Erkennt ihr das Gegenteil? Dabei ist mein Alltag Arbeit, ohne dass ich Geld dafür bekomme, während das Schreiben, wofür ich Geld bekomme, für mich keine Arbeit ist, sondern sogar sowas wie Entspannung, weil ich mir Dinge von der Seele schreiben kann.<br />
Arbeit bedeutet nicht gleich Geld verdienen.  Arbeit bedeutet auch nicht gleich körperlich anstrengende Tätigkeiten.<br />
Arbeit ist eine, mehrere oder unterschiedliche Tätigkeit/en, die man beständig macht, Tag für Tag, um etwas zu schaffen, um Erfolge und Fortschritte zu sehen, um zu bereichern.  Wen auch immer.  Sei es den Arbeitgeber, den Kunden oder die Familie.  Arbeit ist für mich, aktiv Erfolge zu schaffen.  Egal wo.  Egal ob mit Bezahlung oder ohne.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Call me Impostor or call it Kapitalismuskritik</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/05/call-me-impostor-or-call-it-kapitalismuskritik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ursula Recih]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 16 May 2022 09:18:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Carearbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Mache ich genug? Ist das, was ich mache, unnütz und unwichtig? Bin ich unnütz und unwichtig und könnte ich nicht viel mehr machen? Als Ursula auf Instagram einen Talk über den Einfluss von Sexismus auf die Psyche schaut, stellt sie sich im folgenden Text genau diese Fragen. Ich rufe Instagram auf und swipe durch die]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mache ich genug? Ist das, was ich mache, unnütz und unwichtig? Bin ich unnütz und unwichtig und könnte ich nicht viel mehr machen? Als Ursula auf Instagram einen Talk über den Einfluss von Sexismus auf die Psyche schaut, stellt sie sich im folgenden Text genau diese Fragen.</strong></p>
<p><span id="more-14800"></span></p>
<p>Ich rufe Instagram auf und swipe durch die Stories. Ich soll mir einen coolen Talk über den Einfluss von Sexismus auf die Psyche angucken. Klingt spannend und ich hatte mir eigentlich auch schon seit Tagen vorgenommen den zu schauen, also klicke ich drauf. Die ersten Minuten stellen sich die beiden sprechenden Personen vor. Vier Minuten, danach schließe ich das Fenster und brauche mindestens zwanzig Minuten und meine Nicht-denken-Serie um wieder klarzukommen. Während ich sie schaue zerbreche ich mir allerdings den Kopf darüber ob es okay ist, dass ich nur studiere und ein bisschen ehrenamtliche Arbeit nebenher leiste. Ich versuche es zu bejahen, mir wie ein Mantra aufzusagen, dass es genügt. Aber so einfach ist dieser Zustand leider nicht aufzulösen. Ich fühle mich schuldig, unnütz, unwichtig, ineffizient. Ich muss heute Abend noch mindestens einen Text darüber schreiben, irgendetwas zu Papier bringen, damit da was steht. Schwarze Buchstaben auf weißem Papier, die beweisen, dass ich etwas leiste, dass ich meine Zeit nicht verplemper.<br />
Eine Freundin sagte letztens zu mir, sie könne sich vorstellen, dass ich eine gute Schriftstellerin wäre. Ich frage mich, ob ich das tatsächlich könnte. Ich meine, ich schreibe schon immer und verdammt gerne &#8211; so kanalisiere ich meine Gefühle. Es hilft mir beim Einordnen und Analysieren. Einmal raus damit, wenn es beinahe schon überschäumt und dann beiseite legen.<br />
Aber es ist eben eher ein Mittel zum Zweck &#8211; manchmal auch Spaß und Leidenschaft, aber auch einfach eine Methode, um nicht durchzudrehen.<br />
Sie meinte, wenn ich es schaffen würde meine Reflexion über mich selbst, meine Gefühle, meine Gedanken, meine Beobachtungen von der Welt, meine Ansichten über gesellschaftspolitische Themen, die Handlungen meiner Freund:innen, ihre Verzweiflung, die ich helfe zu durchdringen und zu überwinden, wenn ich schaffen würde, das zu abstrahieren und auf Figuren zu übertragen, dann könnte ich sicherlich richtig gute Bücher schreiben.<br />
Vielleicht hat sie damit auch recht. Ich habe definitiv die Fähigkeit mich in Gedanken über mich und meine Erfahrungen, meine Wahrnehmung von Menschen zu verlieren, wie sie miteinander kommunizieren und Ideologien verfallen, weil sie sich an irgendetwas klammern müssen. Und egal wie links oder reflektiert sie sein wollen entsprechen sie doch alle den neoliberalen Vorstellungen, passen sich an, hecheln durch das System und verausgaben sich für Anerkennung, Wertschätzung und einen Status. In der Hoffnung, dass das ihre Existenz berechtigt und sie dann besser mit ihren Schuldgefühlen zurecht kommen.<br />
Ich schreibe so als wäre ich anders. Dabei bin ich genauso. Ich bin eine von ihnen. Deswegen weiß ich auch wovon ich schreibe und wie sich das anfühlt.<br />
Ich bin ausgelaugt. Nicht weil ich besonders viel mache, sondern weil ich denke ich bin niemals genug. Und da ist er direkt. Dieser Kalenderspruch, den immer alle auf solche Aussagen erwidern und der schon längst Teil meines Mantra-Repertoires geworden ist: „Don‘t compare yourself to others.“<br />
Das Schlimme ist ja, er stimmt. Diese Vergleiche machen eine:n verrückt und sie bringen nichts. Und vor allem: Ich möchte wirklich nicht so sein wie die anderen, mit denen ich mich da vergleiche! Deren Leben sind mir viel zu stressig.<br />
Klar denke ich, es wäre cool, mehr Energie zu haben und es würde nicht schon mindestens die Hälfte dafür draufgehen, stabil bis fröhlich zu sein, aufzustehen, den Alltag zu bewältigen, mit allem was so anfällt.<br />
Aber was wäre dann? Dann würde ich fünf Projekte neben einem Fulltime-Job machen und wäre ich dann irgendwie glücklicher, erfüllter? I really don‘t know. Weil das Ding ist, es hört ja nie auf. Luft nach oben gibt es immer.<br />
Es nervt mich, dass ich gerade versuche einen guten Text zu schreiben. Meine Gefühle, meine Stimmung darzulegen und schon wieder annehme, dass ich scheitere. Darüber hinaus mache ich das nicht mal einfach nur für mich und mein Wohlbefinden, sondern weil ich dachte, es würde irgendjemandem etwas beweisen, wenn ich ein Textdokument mehr auf meinem Computer habe. Und was mich noch viel mehr nervt, ist diese kontinuierliche Selbstabwertung, diese Überzeugung eine Versagerin zu sein. Ich habe gute Momente zwischendrin, in denen ich mit mir zufrieden bin. In denen ich nicht glaube beweisen zu müssen, dass ich mehr bin, mehr kann. In denen ich mich lässig und intelligent und gesehen fühle.<br />
Auslöser für diese Abwärtsspiralen sind tatsächlich meist die Vergleiche mit anderen. Die funktionieren natürlich immer nur so, dass man sich die Leute raus pickt, die im kapitalistischen Denken mehr „leisten“ als man selbst. Also Dinge machen, die im Kapitalismus wertgeschätzt werden. Zum Beispiel durch Entlohnung oder weil sie einfach gut im Lebenslauf aussehen und dann Nutzen tragen, wenn man sich auf diesen einen Traum-Job bewirbt.<br />
Das führt mich auch zu meinem nächsten Auslöser. Bewerbungen. Den eigenen Lebenslauf nieder schreiben und merken, üff der ist ganz schön dünn.<br />
Die Dinge, die meine Freund:innen, Familie, Bekannte und ich selbst an mir schätzen, sind keine, die ich mir in einen Lebenslauf schreiben kann.<br />
Ich bekomme so oft gesagt, wie selbstreflektiert und klug ich bin. Dass ich mich wirklich intensiv mit meiner Biographie und politischen Diskursen auseinandersetze und dies zusammenbringe, mit Menschen um mich herum, mit ihren Ängsten und ihrem Erleben. Dass ich Erklärungen für Gefühle finde und meinen Friends helfe in ihnen aufzuräumen, ihnen ein wenig Klarheit verschaffe, in ihnen wühle, sie auf Dinge hinweise und zu Prozessen und Erkenntnissen anstoße.<br />
Ich habe die letzten Jahre intensiv an Beziehungen gearbeitet, Traumata aus meiner Kindheit aufgearbeitet und das hauptsächlich ohne therapeutischen Rahmen, sondern mit mir selbst und in Gesprächen mit Freund:innen und Familie. (Das soll nicht bedeuten, dass dieser Weg besonders klug oder erstrebenswert ist. Ich will eigentlich nur den Punkt machen, dass es Arbeit, Zeit und Kraft gekostet hat.) Ich habe mir ein soziales Netzwerk und eine Wahlfamilie aufgebaut. Von dieser lerne und zehre ich nicht nur unheimlich, sondern ich investiere auch viel Energie, leiste Care-Arbeit, bin immer zur Stelle, höre zu und gebe Input.<br />
Und während ich das schreibe, denke ich: „Na ja, aber bei vielen nehme ich auch zu viel Raum ein. Vielleicht empfinden sie das gar nicht so, wie ich das eben formuliert habe.“ Dabei weiß ich das, weil sie es mir ständig sagen, weil ich das eigentlich auch selbst weiß, weil ich es erlebe, Tag für Tag.<br />
Es nervt mich, dass wir uns als links bezeichnen, Kapitalismuskritik üben und gleichzeitig alle aus dem ganzen leisten, leisten, leisten nicht rauskommen und insgeheim auch diejenigen ein bisschen shamen, die nicht so viel und schnell auf die Kette bekommen. Sind wir ehrlich, wir sind froh über die, die weniger schaffen, weil wir uns dann über sie erheben können.<br />
Und das kotzt mich an.<br />
Ich bin so erschöpft, aber nicht, weil ich tatsächlich die ganze Zeit arbeite, sondern weil ich mich immer schlecht fühle, wenn ich nicht arbeite und das widerspricht zutiefst meiner politischen Grundeinstellung. Ich halte Regeneration, Pausen und Selfcare für unfassbar wichtig und ich will für eine Gesellschaft kämpfen, in der alle den gleichen Anspruch und das Recht darauf haben. Eine Gesellschaft, die nicht auf Arbeit ausgerichtet ist, in der nicht der Wert einer Person über ihre Leistung definiert wird. In der alle nur so viel arbeiten müssen, dass sie davon leben können, ohne Mehrwert zu generieren, der abgeschöpft wird. Punkt aus Basta.</p>
<p>Zurück zum Schriftstellerin werden. Ich möchte das, ich möchte schreiben. Über Popkultur und Begehren, meine gesellschaftspolitische Position, über Farben und Gerüche, über warme Erinnerungen und Gesichter, die schöner nicht geformt sein könnten. Ich möchte darüber schreiben, wieso man sich an Orte träumt, wieso man nicht hinfährt. Wieso träumen so viel schöner ist als die Realität. Dass ich das ganz oft mache, wenn ich Fahrrad fahre. Eine halbe Stunde Fahrrad fahren bedeutet eine halbe Stunde zu träumen.<br />
Ich möchte ehrlich sein und meine Kreativität sprudeln lassen. Da ist so viel in mir, so viele Bilder, die es wert wären, sie mit Worten auszumalen, sie in all ihren kräftigen und sanften Farben aufs Papier zu bringen.<br />
Aber ich habe Angst vor dem Schreiben. Ich denke daran, wie andere Menschen ganze Welten mit ihren Worten kreieren und aus einem Wortschatz schöpfen, von dem ich nur träumen kann. Wie sie geschickt Sätze basteln, die Unikate sind, die eine:n weinen lassen, die das Herz zum Krampfen und Hüpfen bringen.</p>
<p>Jaja, der Einfluss von Sexismus auf die Psyche. Wow. Ein super wichtiger kritischer Talk war Auslöser für diesen Gedankenschwall. Und das nur, weil die Personen, die da befähigt sind drüber zu sprechen, in der Vorstellung ihrer Selbst, fünf Minuten abhandeln, was sie alles gleichzeitig so schaffen.<br />
Ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin, der es so ergeht. Ganz im Gegenteil, so viele Leute um mich herum zweifeln an sich selbst und ihren Fähigkeiten. Und das sind nicht zufälligerweise sehr oft Frauen. Natürlich hören kapitalistische Leistungsanforderungen und neoliberale Selbstoptimierungszwänge auch nicht bei weißen Hetero-Cis-Männern auf. Das ist ja das Gemeine am Kapitalismus, der ist universell und verdammt anpassungsfähig, da ist für jede:n was mit dabei. Die Anforderungen unterscheiden sich also zu Teilen in ihrer Form, aber vor allem, und wer hätte das gedacht, arbeiten Unterdrückungssysteme fröhlich zusammen und bedingen sich gegenseitig. Marginalisierte und von Diskriminierung betroffene Personen müssen sich also immer zehnmal mehr anstrengen, um diesen Anforderungen gerecht zu werden und das ist eine heftige scheiß Belastung für die Psyche. Und dass die viele Care- und Reproduktionsarbeit, die Frauen leisten auch nicht wertgeschätzt wird, unter- oder gar nicht bezahlt ist, wobei sie den ganzen Dreck aufrecht erhält, macht es jetzt auch nicht gerade besser. Nix was im Lebenslauf zählt, kein nennenswerter Skill.<br />
Jetzt ist der Text vier Seiten lang geworden und ich glaube ich habe nichts Neues über mich oder die Welt gelernt und ich habe auch niemandem etwas damit bewiesen und alles ist ein großes Durcheinander. Aber die Wut, der Frust und die Enttäuschung haben mal wieder Raum bekommen. Und manchmal geht es auch einfach nur darum.</p>
<p>(Ich habe den Text geschrieben, als ich noch nicht wusste, dass ich ihn irgendwann veröffentlichen werde und dafür ein Honorar bekomme – you see – alles ist verwertbar. ;))</p>
<p>&nbsp;</p>
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