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	<title>Cash &amp; Care &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>Cash &amp; Care &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<item>
		<title>Do men care?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/06/do-men-care/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anjuli]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Jun 2026 09:00:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Carearbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie viel Zeit investieren Männer tatsächlich in Care-Arbeit? Anjuli beleuchtet die Realität unbezahlter Arbeit und die Medienrepräsentation männlicher Vaterschaft anhand der TV-Serie Modern Family. Care-Arbeit betrifft uns alle. Spätestens mit dem Erwachsenwerden habe ich das verstanden. Vor allem mit dem Auszug aus dem Elternhaus wurde mir klar, wie viel Zeit pro Tag für Einkaufen, Haushalt]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Wie viel Zeit investieren Männer tatsächlich in Care-Arbeit? Anjuli beleuchtet die Realität unbezahlter Arbeit und die Medienrepräsentation männlicher Vaterschaft anhand der TV-Serie </strong><em data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="em"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Modern Family.</strong></em><span id="more-17534"></span></p>
<p>Care-Arbeit betrifft uns alle. Spätestens mit dem Erwachsenwerden habe ich das verstanden. Vor allem mit dem Auszug aus dem Elternhaus wurde mir klar, wie viel Zeit pro Tag für Einkaufen, Haushalt und derlei Unvermeidbares draufgeht. Alleine der Mental Load, der damit einhergeht, ist enorm. In der Debatte um Geschlechtergerechtigkeit spielt die Verteilung von unbezahlter Care-Arbeit eine zentrale Rolle. Während Frauen in Deutschland wöchentlich etwa 29 Stunden unbezahlte Arbeit für Haushalt und Familie aufwenden, leisten Männer nur ca. 20 Stunden. Visuelle Medien, wie das Fernsehen, haben solche Stereotype über Jahrzehnte gespiegelt. Die Kleinfamilie als Schauplatz ist zum Beispiel bei Sitcoms sehr beliebt. Oft sehen wir dort Mütter, die den Haushalt schmeißen und die Kinder verpflegen, und Väter, die als Alleinverdiener nur Zeit für die kleineren Aufgaben haben. So haben Medien dazu beigetragen, diese Strukturen zu normalisieren. Doch wie oft werden eigentlich Männer im Fernsehen beim Kindererziehen, Putzen und Einkaufen gezeigt?</p>
<p>Schon als <em>Modern Family</em> vor über 10 Jahren rauskam, habe ich die Serie sehr gerne geschaut. Es gab so viele lustig-quirlige Charaktere und chaotische Familiendynamiken, mit denen man sich endlich mal identifizieren konnte. Jetzt, so viele Jahre später, ist mir aufgefallen, wie besonders die männlichen Charaktere sind und wie sehr sie sich von anderen Sitcom-Protagonisten unterscheiden. Wenn Vaterschaft in Film und Fernsehen thematisiert wird, hat dies oft einen besonderen Ausnahme-Charakter. Männer in Care-Positionen werden gerne als Sonderfall oder Ergebnis tragischer Ereignisse gezeigt, aber so gut wie nie als natürlicher Zustand einer Paarbeziehung. Berühmte und erfolgreiche Produktionen, in denen nur Männer mit ihren Kindern zu sehen sind, Serien wie <em>Full House</em> oder <em>Two and a Half Men</em>, basieren auf Handlungen, in denen die Mutter entweder verstorben ist oder Paare geschieden sind und das Sorgerecht zwangsläufig geteilt wurde. Dann gibt es noch absurde Komödien, in denen Gruppen von Männern Babys finden und sich dann um diese kümmern (müssen). Solche Darstellungen exotisieren Vaterschaft und vermitteln das Gefühl, dass Väter nur Care-Arbeit leisten, wenn sie durch außergewöhnliche oder tragische Gründe dazu gezwungen werden.</p>
<p>Für die Uni habe ich vor kurzem, anhand der Serie <em>Modern Family</em>, untersucht, wie geschlechtsspezifische Arbeitsteilung und männliche Care-Arbeit dort repräsentiert ist. Das ließ sich anhand zweier Konzepte veranschaulichen: Hegemoniale Männlichkeit und Caring Masculinities. Hegemoniale Männlichkeit ist ein soziales Konstrukt, das durch die Idealisierung eines bestimmten Männlichkeitsbildes Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern und zwischen verschiedenen Männlichkeitstypen stabilisiert. Diese Ideale sind unter anderem Heterosexualität, das Streben nach Macht und Kontrolle, emotionale Distanz und eine Abgrenzung von allem »Weiblichen«. Es ist das global dominierende Männlichkeitsideal. Da dies Männern und Frauen gleichermaßen sowohl psychisch als auch physisch schadet, ist die Entwicklung neuer, fürsorglicher Männlichkeitsformen ein wichtiger Schritt hin zu echter Geschlechtergerechtigkeit und besserer Lebensqualität. Das Konzept der Caring Masculinities dient als theoretischer Gegenentwurf zur hegemonialen Männlichkeit und definiert männliche Identität über die Ablehnung von Dominanz sowie die Annahme emotionaler und beziehungsorientierter Werte. Es basiert auf der dauerhaften Beteiligung an Care-Arbeit, einem breiten emotionalen Spektrum sowie dem Verzicht auf männliche Privilegien, um Geschlechtergleichheit zu erreichen.</p>
<p>Schon als <em>Modern Family</em> vor über 10 Jahren rauskam, habe ich die Serie sehr gerne geschaut. Es gab so viele lustig-quirlige Charaktere und chaotische Familiendynamiken, mit denen man sich endlich mal identifizieren konnte. Jetzt, so viele Jahre später, ist mir aufgefallen, wie besonders die männlichen Charaktere sind und wie sehr sie sich von anderen Sitcom-Protagonisten unterscheiden. In <em>Modern Family</em> wird das Format der Mockumentary (also eine Pseudo-Dokumentation) benutzt, um die Vielfalt männlicher Identitäten humorvoll zur Schau zu stellen. Die Familienväter in der Serie zeigen eine ganz andere Form von Männlichkeit und Vaterschaft, als man es sonst im Fernsehen gewohnt ist. So machen sie das Publikum auf die soziale Konstruktion von Männlichkeit aufmerksam. Einer der Väter, Phil Dunphy, bricht mit dem klassischen Sitcom-Muster des „incompetent dad“. Er wird als extrem fürsorglich und emotional präsent dargestellt. Obwohl er oft albern ist, übernimmt er in Krisenmomenten kompetent die Verantwortung für seine Kinder. Der Vater und Opa, Jay Pritchett (gespielt von Ed O’Neil, bekannt geworden als Al Bundy, Ikone und patriarchaler Loser der 90er-Sitcoms), verkörpert das klassische traditionelle Familienoberhaupt. Im Laufe der elf Staffeln vollbringt er jedoch eine bemerkenswerte emotionale Veränderung. Er zeigt zunehmend Zuneigung, eine verletzliche Seite und spricht offen über seine Ängste. Mitchell und Cam repräsentieren als homosexuelles Paar zwar einige Klischees, zeigen aber gleichzeitig, dass männliche Elternschaft und emotionale Care-Arbeit kein Widerspruch sind.</p>
<p>Die Serie schafft es, väterliche Kinderbetreuung und Hausarbeit nicht als komödiantisches Scheitern oder heroische Ausnahme zu inszenieren, sondern als wichtigen Bestandteil männlicher Identität. Durch Humor werden alte Rollenbilder entlarvt und für ein Massenpublikum lachhaft gemacht. Obwohl die Charaktere privilegiert und weiß sind und zur Mittelklasse gehören, ist <em>Modern Family</em> ein wichtiges Vorbild. Die Serie zeigt, dass Fürsorglichkeit und Männlichkeit sich nicht ausschließen. Sie trägt dazu bei, dass veraltete Ideale vielleicht nach und nach über Bord geworfen werden. Ich hoffe, dass wir in Zukunft sehr viel mehr Beispiele von Caring Masculinities in den Mainstream-Medien sehen. Denn <em>Modern Family</em> zeigt, dass sogar Comedy-Serien Themen mit emotionaler und sozialer Tragweite verhandeln können und uns dabei noch bestens unterhalten.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Toll – 2.600 Wochen dasselbe!</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/04/toll-2-600-wochen-dasselbe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marv]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Apr 2026 12:03:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Alltag]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Poetry Slam]]></category>
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					<description><![CDATA[Aufstehen, arbeiten, funktionieren und dann wieder von vorne. In seinem neuen Text nimmt Marv den Alltag auseinander, bis klar wird: Es ist nicht nur Routine, es ist ein System, das erschöpft. Wie viel Leben bleibt übrig, wenn alles nur Arbeit ist? Und was passiert, wenn wir anfangen, auszubrechen? (1) Aufstehen – Wecker. Frühstück – lecker.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Aufstehen, arbeiten, funktionieren und dann wieder von vorne. In seinem neuen Text nimmt Marv den Alltag auseinander, bis klar wird: Es ist nicht nur Routine, es ist ein System, das erschöpft. Wie viel Leben bleibt übrig, wenn alles nur Arbeit ist? Und was passiert, wenn wir anfangen, auszubrechen?</strong><span id="more-17442"></span></p>
<p><strong>(1)</strong></p>
<p>Aufstehen – Wecker. Frühstück – lecker. Danach wie immer ins Badezimmer: ein Hoffnungsschimmer. Rein in die Klamotten, dem Tage wohlgesonnen. Frisch gestylt ein Muss, und dann los zum Bus. 8 Stunden Geld verdienen, oder mehr – ist doch nicht so schwer. Denn um 17 Uhr zum Glück geht es schon nach Haus zurück. Etwas Feines essen, die Familie und auch das Sozialleben nicht vergessen. Kurz am Handy das Neueste checken. Bemerken, wie gut die Antipasti heute schmecken, und um 22 Uhr nur noch einschlafen, endlich, friedlich.</p>
<p>Von vorne:</p>
<p>Aufstehen – Wecker! Frühstück – lecker! Danach wie immer ins Badezimmer: ein Hoffnungsschimmer. Rein in die Klamotten, dem Tage wohlgesonnen. Frisch gestylt ein Muss, und dann los zum Bus. 9 Stunden Geld verdienen, oder mehr – ist doch nicht so schwer. Denn um 18 Uhr zum Glück geht’s doch schon nach Haus zurück. Etwas Feines essen, die Familie und auch das Sozialleben nicht vergessen. Kurz am Handy das Neueste checken. Bemerken, wie gut die Chips heute schmecken, und um 22 Uhr nur noch einschlafen, endlich, friedlich.</p>
<p>Von vorne:</p>
<p>Aufstehen – Wecker! Frühstück – lecker! Danach wie immer ins Badezimmer: ein kleiner Hoffnungsschimmer. Rein in die Klamotten, dem Tage wohlgesonnen. Frisch gestylt ein Muss, und dann los zum Bus. 9 Stunden Geld verdienen, oder mehr – ist doch nicht so schwer. Denn um 18 Uhr zum Glück geht’s doch schon nach Haus zurück. Etwas Kleines essen, Familie und Sozialleben nicht vergessen! Kurz am Handy das Neueste checken. Bemerken, wie gut die Chips heute schmecken, und um 23 Uhr doch noch einschlafen, endlich, friedlich.</p>
<p>Von vorne!</p>
<p>Aufstehen – Wecker! Frühstück – lecker?! Danach ins Badezimmer: kein Hoffnungsschimmer. Rein in die Klamotten, dem Tage wohlgesonnen. Frisch gestylt – Muss! LOS! Zum Bus! 10 Stunden Geld verdienen, oder mehr – ist doch nicht so schwer. Denn um 19 Uhr zum Glück geht’s doch schon nach Haus zurück. Etwas Schnelles essen, Familie und Sozialleben vergessen. Kurz oder lang am Handy das Neueste checken. Runterschlucken, ohne zu schmecken, und um 24 Uhr doch nur noch einschlafen. Endlich. Friedlich … oder auch nicht.</p>
<p>Von vorne!</p>
<p>Aufstehen! Wecker! Frühstück FÄLLT AUS! Im Badezimmer: kein Hoffnungsschimmer. Rein in dieselben Klamotten, dem Wochenende wohlgesonnen. Kaum gestylt, Maske auf – MUSS. Los, zum Bus! 10 Stunden Geld verdienen, oder mehr – fällt so tonnenschwer. Denn erst um 19 Uhr zum Unglück geht’s nach Haus zurück. Nichts mehr da zum Essen. Die Familie und dein Sozialleben so gut wie vergessen. Zu lange das Handy checken, nichts mehr fühlen oder schmecken. Und um 24 Uhr doch nur noch einschlafen, endlich, friedlich. Nein, sicherlich nicht.</p>
<p>Ausatmen.</p>
<p>Endlich Wochenende – mal zwei. Doch der Kopf wird nicht auf Knopfdruck frei. Deine Partnerin fragt bereits panisch: „Alles okay bei dir?!“ Und du antwortest wie automatisch: „Joa, und bei dir?“, denn du weißt es selbst nicht mehr.</p>
<p><strong>(2)</strong></p>
<p>Zielstrebig, aber träge arbeitet die Säge an dem Wirtschafts-Ast, auf dem du dich gesetzt hast, mit dem Rücken zur Bürowand, das Smartphone in der Hand. Jede Woche dasselbe. Unsichtbare Erschöpfung. Unentschieden mit dir selbst; du bist nie so recht glücklich und eigentlich unzufrieden mit dem Alltag. Doch „es wird ja so von dir erwartet.“ – ein ewiger Kreislauf. Stetige Erwartung deiner Familie, dieselbige zu ernähren.</p>
<p>Ein Hamsterrad. Tödliches Kettenkarussell, denn deine Zeit verrinnt viel zu schnell. Woche für Woche, Jahr für Jahr. 50 Jahre sind 2.600 Wochen. Hast bislang deine Lebensmasterplanentscheidung nie getroffen. Einfach im Alltag verpasst. Die Arbeit sagt, es ist viel wichtiger, dass du stets weiter- und weiter- und weitermachst – mal 7. Darum arbeitest du in Frieden, kommst irgendwie so gerade eben über die Runden und natürlich hörst du niemals: „Danke für die ganzen unbezahlten Überstunden!“</p>
<p>Denn es geht schon weiter; von vorne, von vorne, von vorne, …</p>
<p>7 Tage sind 1 Woche.<br />
1 Woche mal 2.600.</p>
<p>Toll – 2.600 Wochen dasselbe!</p>
<p>Und dann wirst du verwundert ins Gras beißen, nur um zu begreifen, dass du im ganzen Kapitalismus völlig vergessen hast, das grüne Gras mal zu mähen. Mal das Schöne zu sehen. Mal das Leben zu leben.</p>
<p>Doch noch ist es nicht zu spät. Noch ist es nicht zu spät, etwas zu ändern!</p>
<p>Frag dich mal: 5-Tage-Woche – muss das sein? Arbeit geht von sich aus keine Kompromisse ein. Nein, die Arbeit macht freiwillig keine 4-Tage-Woche oder weniger. Darum ist es echt wichtig, dass du allein (du allein!) das Muster durchbrichst. Überlegst, wie du zufrieden und fair bezahlt lebst. Dass du dich nicht vergleichst.</p>
<p>Keine vorgefertigte Geschlechterrolle aus der Vergangenheit wird dich erfüllen! Sondern bitte fang an, auf dich und deine Intuition zu hören: Was sind deine Bedürfnisse? Was sind deine Ziele? Und wenn du das wieder weißt, dann leb dich aus.</p>
<p>Brich aus diesem unterbezahlten Alltag aus! Er ist ein verdammter Dämon. Er ernährt sich von deiner Routination, lange, lange Zeit schon. Daher wird es sich lohnen, die Routine zu durchbrechen – das kann ich dir versprechen. „Danke für die ganzen unbezahlten Überstunden!“, wird nämlich nicht auf deinem Grabstein stehen, nein.</p>
<p>Es ist an der Zeit, das Leben wieder in vollen Zügen zu schmecken, mit allen Sinnen. Mal wieder aufstehen ohne Wecker, Frühstück wirklich lecker. Um dann draußen, ohne Klamotten, wohlgesonnen und ungestylt, aber mit Sonnenlicht auf deinem Gesicht, fröhlich und nackt das grüne Gras zu mähen. Mal wieder das Schöne ganz bewusst zu sehen.</p>
<p>Alles wahrnehmen: Wärme, Freude, Leichtigkeit. Hoffnung, Zufriedenheit, Liebe und vor allem Selbstliebe. Mal wieder dein Leben selbstbestimmt und kreativ, und nicht nur im Konjunktiv, zu leben.</p>
<p>Darauf kommt es doch an.<br />
Oder nicht?</p>
<p><strong>(3)</strong></p>
<p>Von vorne.<br />
Von vorne, von vorne, von vorne, von vorne.</p>
<p>Nicht unendlich. Nicht unbesiegbar. Unbezahlbar.<br />
Du bist unbezahlbar! Vergiss das nicht.</p>
<p>Von vorne.<br />
Von vorne.</p>
<p>Zu Ende.<br />
Zu… frieden.</p>
<p>Bitte lebe in Frieden,</p>
<p>denn wir haben nur dieses eine Leben,<br />
und Geld ist nicht das Ziel.<br />
Auch der Weg zur Arbeit ist nicht das Ziel,<br />
sondern das Ziel ist selbstbestimmte Zufriedenheit.<br />
Immer.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ist Leistung gleich Wert?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/04/ist-leistung-gleich-wert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kreaty]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Apr 2026 09:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Leistungsdruck]]></category>
		<category><![CDATA[Wert]]></category>
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					<description><![CDATA[Leistung soll sich lohnen – aber für wen eigentlich?Zwischen Selbstständigkeit, Dauerstress und unsichtbarer Care-Arbeit stellt Kathy eine unbequeme Frage: Warum zählt nur, was Geld bringt? Und wer zahlt den Preis, wenn Fürsorge unsichtbar bleibt?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Leistung soll sich lohnen – aber für wen eigentlich?</strong><br data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="hardBreak" data-prosemirror-node-inline="true" /><strong>Zwischen Selbstständigkeit, Dauerstress und unsichtbarer Care-Arbeit stellt Kathy eine unbequeme Frage: Warum zählt nur, was Geld bringt? Und wer zahlt den Preis, wenn Fürsorge unsichtbar bleibt?</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>die krankenkasse hat gesprochen // ich träume von care</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/04/die-krankenkasse-hat-gesprochen-ich-traeume-von-care/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Isaak]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 17 Apr 2026 14:42:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[trans*]]></category>
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					<description><![CDATA[Zwei Texte, ein Gefühl: erst Wut, dann Utopie.Zwischen „Antrag abgelehnt“ und der Vorstellung, wie Care für alle aussehen könnte stellt Isaak die Frage, wer heute einfach durchs Raster fällt. I aber davor kannte ich leute, denen die krankenkasse die gesundheitsversorgung gestrichen hat – antrag auf kostenübernahme: abgelehnt und die dann gestorben sind an der erkrankung]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Zwei Texte, ein Gefühl: erst Wut, dann Utopie.</strong><br data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="hardBreak" data-prosemirror-node-inline="true" /><strong>Zwischen „Antrag abgelehnt“ und der Vorstellung, wie Care für alle aussehen könnte stellt Isaak die Frage, wer heute einfach durchs Raster fällt.</strong><span id="more-17430"></span></p>
<h3>I</h3>
<p>aber davor kannte ich leute,<br />
denen die krankenkasse die gesundheitsversorgung<br />
gestrichen hat –<br />
antrag auf kostenübernahme: abgelehnt<br />
und die dann gestorben sind<br />
an der erkrankung selbst, an folgeerkrankungen, an su—<br />
wie demokratisch puritanisch-christlich preußisch vorbildlich fortgeschritten &amp; modern!<br />
du bist arm?</p>
<p>Sehr geehrte Frau ____<br />
Wir haben Ihren Antrag sorgfältig geprüft und müssen Ihnen leider Folgendes mitteilen:<br />
JUCKT.<br />
Bei Fragen rufen Sie uns gerne an, wir sind immer für Sie da.<br />
Mit freundlichen Grüßen,<br />
Ihre TK.</p>
<p>du kannst dir die 12.000 € für die notwendige behandlung nicht leisten?<br />
(juckt)<br />
our lord and saviour der medizinische dienst hat aber gesagt, dass du diese behandlung nicht brauchst<br />
(juckt)<br />
mythos der nation, des immerzu gesunden volkskörpers, unaufhaltsam, ewig<br />
(wessen leben ist wert genug? wer ist deutsch genug?)<br />
regress regress beschwerde kostenerstattungsverfahren beihilfe für gerichtliche kosten anwältin staatsanwaltschaft ich eröffne hiermit das verfahren: nichtbinäre person gegen techniker krankenkasse im obersten landesgericht kassel. sie dürfen sich setzen<br />
(die nichtbinäre person hat übrigens verloren; das gericht hat entschieden, dass they–)<br />
schlag ins gesicht<br />
nase gebrochen<br />
zukunft gebrochen<br />
fürs erste<br />
(juckt)</p>
<p>aber they wird nicht verschwinden<br />
nicht gestern, nicht heute, morgen auch nicht<br />
they wird schreiben, sprechen, mails schicken, steine schmeißen, träumen</p>
<h3>II</h3>
<p>ich träume in einer welt von care<br />
ich träume von einer welt, in der es genug care für alle gibt<br />
wirklich alle<br />
care arbeit fair bezahlt, fair umverteilt<br />
hello love: 0 femizide im jahr<br />
niemand wartet mehr auf den teller<br />
und<br />
zum Beispiel<br />
jede wohnungslose person krankenversichert ist und mit dem porsche ins bankenviertel fährt, um dort bitcoin bros und startup-„komm in die gruppe!!“-macker anzupöbeln<br />
und jede trans* person so früh, so spät, so oft transitionieren kann, wie, wo, wann sie möchte, und schwimmen gehen kann ohne angst<br />
wo kein einziger mensch die 9000 € mastek selber zahlen muss<br />
ich träume von einer welt<br />
wo jede bahn barrierefrei ist und alle rollstuhlfahrer*innen einen platz in der sneak finden<br />
und sonnenuntergänge die vielen leitsysteme &amp; menschen in gold, orange, pink tauchen<br />
wo z. B. niemand mehr zwischen klassenfahrt und mittagessen wählen muss<br />
ich träume davon, meinen freund*innen schreiben zu können, dass ich 17 verschiedene empathische, fortgebildete therapeut*innen in ihrer nähe gefunden habe, welche noch einen freien platz haben<br />
inklusive kassensitz obvs zum beispiel</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lukas über gleichberechtige Elternschaft und seine Vaterrolle</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/04/lukas-ueber-gleichberechtige-elternschaft-und-seine-vaterrolle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Online-Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Apr 2026 11:39:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Elternschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Vaterschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Für eine neue Folge Durch die Blume hat Moritz sich mit Lukas in Hamburg getroffen. Lukas ist als @vollblutvater auf Instagram zu finden und spricht mit Moritz über seine Rolle als Vater, wie er und seine Partnerin es schaffen Elternschaft gleichberechtigt zu leben und wieso er als Vaterinfluencer doch noch mehr Frauen als Männer erreicht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Für eine neue Folge Durch die Blume hat Moritz sich mit Lukas in Hamburg getroffen. Lukas ist als @vollblutvater auf Instagram zu finden und spricht mit Moritz über seine Rolle als Vater, wie er und seine Partnerin es schaffen Elternschaft gleichberechtigt zu leben und wieso er als Vaterinfluencer doch noch mehr Frauen als Männer erreicht.</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Frau Schmidt bitte!“ – Der Gender-Health-Gap im Alltag</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/04/frau-schmidt-bitte-der-gender-health-gap-im-alltag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sophie]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Apr 2026 09:38:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender Health Gap]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
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					<description><![CDATA[Zwischen „Ist bestimmt nur Stress“ und echten Diagnosen liegt oft mehr als Zufall: Sophia schreibt darüber, warum medizinische Ungleichbehandlung kein Einzelfall, sondern strukturelles Problem ist. Wenn ich an einen Besuch beim Arzt denke, fallen mir allerlei Assoziationen ein: klinisch saubere Flure und ein leichter Geruch von Desinfektionsmittel, alles ist in Weiß oder Grün gehalten, an]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zwischen „Ist bestimmt nur Stress“ und echten Diagnosen liegt oft mehr als Zufall: Sophia schreibt darüber, warum medizinische Ungleichbehandlung kein Einzelfall, sondern strukturelles Problem ist.</strong><span id="more-17416"></span></p>
<p>Wenn ich an einen Besuch beim Arzt denke, fallen mir allerlei Assoziationen ein: klinisch saubere Flure und ein leichter Geruch von Desinfektionsmittel, alles ist in Weiß oder Grün gehalten, an den Wänden abstrakte Kunst oder anatomische Lehrposter, kluge Menschen sagen schlaue Dinge. Im besten Fall helfen sie mir auch.</p>
<p>Ich sage bewusst im besten Fall, denn leider ist es so, dass die Realität anders aussieht. „Dann geh doch einfach in deine Hausarztpraxis, da wird dir sicher geholfen“, sage ich zu einem Freund, dem es seit ein paar Tagen nicht gut geht. Er kommt zurück mit Medikamenten, zwei Überweisungen und einem Check-up-Termin. Der Arzt wollte nicht nur die Symptome behandeln, sondern auch sichergehen, dass er der Ursache wirklich auf den Grund geht.</p>
<p>Ein paar Wochen später sitze ich in einer Sprechstunde und werde mit einem Rezept für Schmerztabletten weggeschickt, weil meine starken und anhaltenden Kopfschmerzen angeblich von zu geringer Flüssigkeitsaufnahme am Tag stammen, was ich zwar bestritten habe, aber das hat keinen Unterschied gemacht. „Schonen Sie Ihre Seele auch im Alltag“, wurde mir noch gutmütig mitgegeben. Eine Freundin erzählt mir, ihr wurde unterstellt, dass sie sich ihre Schmerzen nur einbilde. Als sie dann mit dem Krankenwagen ins Krankenhaus gebracht wurde, weil sie vor Schmerzen ohnmächtig geworden war, nahm man sie plötzlich ernst. Die Frage „Warum haben Sie sich nicht schon früher gekümmert?“, kam aber trotzdem.</p>
<p>Beide Situationen sind nur zwei Beispiele von Erfahrungen, in denen Personen mit weiblich zugewiesenem Geschlecht bei der Geburt darunter leiden, dass sie in der Medizin nicht ernst genommen werden. Der Gender-Health-Gap beschreibt diese Ungleichheiten in der Behandlung zwischen Cis-Männern und allen, die eben keine sind.</p>
<p>Das liegt an unterschiedlichen Faktoren. Ein Punkt ist die Forschung, denn medizinische Studien wurden vor allem an Männern durchgeführt. Das bedeutet, dass Datengrundlagen, was beispielsweise Wirkstoffmengen von Medikamenten angeht, auf männlichen Körpern basieren. Beobachtete Symptome sind ein weiteres Problem, denn so passiert es, dass beispielsweise Herzinfarkte bei Frauen weniger schnell erkannt werden können, einfach weil die Symptomatik eine andere ist. Auch werden weibliche Schmerzen oft als „psychisch“ eingeordnet und Teil der hormonellen Einflüsse abgestempelt, welche den Schmerz trotzdem nicht weniger machen.</p>
<p>Wenn das Zusammenspiel solcher Ursachen das Leben der Hälfte aller Menschen aktiv beeinflusst, wenn jeder Arztbesuch zu einem „hoffentlich werde ich ernst genommen“ wird, ist das nicht nur ein Problem, sondern eine Struktur.</p>
<p>Patriarchat zeigt sich durch ungleiche Berufschancen oder Doppelmoral im Alltag. Patriarchat ist, wenn Männer als schuldunfähig gelten, da sie zu betrunken waren, aber betrunkene Frauen Schuld tragen an dem, was ihnen passiert ist. Patriarchat bedeutet auch, dass ein Vater ein toller Papa ist, weil er seinen Sohn von der Kita abholt und am Wochenende für die Familie kocht, aber die Mutter keine gute Mama ist, da sie wieder Vollzeit arbeiten geht.</p>
<p>Und Patriarchat bedeutet eben auch, zum Arzt zu gehen und keine angemessene Behandlung zu erhalten, weil man mir nicht zutraut, auf meinen Körper zu hören und meine Symptome adäquat zu beschreiben oder weil die Forschung nicht die richtigen Informationen für die Behandlung eines nicht-männlichen Körpers hergibt.</p>
<p>Kaum ein Gut ist so grundlegend wie die menschliche Gesundheit – sie ist eines der wichtigsten Dinge, die ein Mensch hat, und sollte nicht ungleich behandelt werden. Medizinische Neutralität darf nicht nur auf dem Papier neutral sein, sondern muss es auch im realen Leben.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Gleichberechtigung beginnt im Geldbeutel</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/04/gleichberechtigung-beginnt-im-geldbeutel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Luisa Galli]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2026 14:38:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geld]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
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					<description><![CDATA[Luisa zeigt, warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen mehr ist als nur Einkommen: Sie ist Freiheit, Schutz und die Möglichkeit, das eigene Leben selbst zu bestimmen. Wer über Geld verfügt und entscheidet selbstbestimmt. Und genau hier beginnt echte Gleichberechtigung. Seit ich vierzehn bin, arbeite ich. Zunächst waren es kleine Honorare für Moderationen, später Schichten als Kellnerin,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Luisa zeigt, warum finanzielle Unabhängigkeit für Frauen mehr ist als nur Einkommen: Sie ist Freiheit, Schutz und die Möglichkeit, das eigene Leben selbst zu bestimmen. Wer über Geld verfügt und entscheidet selbstbestimmt. Und genau hier beginnt echte Gleichberechtigung.</strong><span id="more-17411"></span></p>
<p data-ccp-border-bottom="0px none #000000" data-ccp-padding-bottom="0px" data-ccp-border-between="0px none #000000" data-ccp-padding-between="0px"><span data-contrast="none">Seit ich vierzehn bin, arbeite ich. Zunächst waren es kleine Honorare für Moderationen, später Schichten als Kellnerin, parallel zum Abitur und zur freien Arbeit in der politischen Bildung. Heute kann ich mich auf diesen Bereich konzentrieren. Was erst als pragmatische Notwendigkeit begann, wurde zu einer Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Denn Arbeit war für mich nie nur Einkommensquelle, sondern ein Instrument der Freiheit.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;134245418&quot;:false,&quot;134245529&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335557856&quot;:4278190080,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559731&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:240,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p data-ccp-border-bottom="0px none #000000" data-ccp-padding-bottom="0px" data-ccp-border-between="0px none #000000" data-ccp-padding-between="0px"><span data-contrast="none">Für Frauen ist dieses Instrument historisch betrachtet jung. Bis 1977 durften verheiratete Frauen in Deutschland nur mit Zustimmung ihres Ehemannes erwerbstätig sein. Die Verfügung über ihre Arbeitskraft stand unter Vorbehalt, ein Zustand, der heute kaum vorstellbar ist. Die wirtschaftliche Eigenständigkeit von Frauen war zu der Zeit keineswegs eine Selbstverständlichkeit, sondern eine juristisch regulierte Ausnahme. Denn wer über das Einkommen entscheidet, entscheidet über Lebenswege. Schon Louise Otto-Peters, eine zentrale Figur der ersten Frauenbewegung in Deutschland, betonte, dass Frauen nur dann wirklich frei sein können, wenn sie finanziell auf eigenen Füßen stehen.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;134245418&quot;:false,&quot;134245529&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335557856&quot;:4278190080,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559731&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:240,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p data-ccp-border-bottom="0px none #000000" data-ccp-padding-bottom="0px" data-ccp-border-between="0px none #000000" data-ccp-padding-between="0px"><span data-contrast="none">Diese historische Perspektive verändert den Blick auf die Gegenwart. Wenn heute über Gleichberechtigung gesprochen wird, geschieht das häufig in kulturellen Kategorien wie Sichtbarkeit oder Sprache. Doch die materielle Dimension bleibt dabei oft außen vor, obwohl sie so zentral ist. Denn ohne ökonomische Eigenständigkeit bleibt Freiheit prekär. Diese historische Schieflage wirkt nach, auch wenn sich die Gesetzeslage verändert hat. Wer eigenes Einkommen hat, kann Beziehungen freier gestalten. Eine Frau kann bleiben, weil sie will, nicht weil sie muss. Diese Differenz ist existenziell.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;134245418&quot;:false,&quot;134245529&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335557856&quot;:4278190080,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559731&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:240,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p data-ccp-border-bottom="0px none #000000" data-ccp-padding-bottom="0px" data-ccp-border-between="0px none #000000" data-ccp-padding-between="0px"><span data-contrast="none">Natürlich ist nicht jede Erwerbsarbeit automatisch emanzipatorisch. Arbeitsverhältnisse können auch in Deutschland erschöpfen. Auch ich kenne Tage, an denen ich kaum geschlafen habe, weil ich bis in die Nacht gearbeitet habe und am nächsten Morgen wieder im Unterricht saß. Doch selbst in der Anstrengung lag eine existenzielle Erfahrung, da ich für mich selbst verantwortlich war. Ich finanzierte mein Leben durch Arbeit und diese Verantwortung veränderte wiederum mein Selbstbild. Es ist also kein Zufall, dass frühe Feministinnen der ersten Welle die wirtschaftliche Unabhängigkeit ins Zentrum stellten. Sie wussten, dass weibliche Freiheit ohne materielle Basis reine Symbolik war.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;134245418&quot;:false,&quot;134245529&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335557856&quot;:4278190080,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559731&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:240,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p data-ccp-border-bottom="0px none #000000" data-ccp-padding-bottom="0px" data-ccp-border-between="0px none #000000" data-ccp-padding-between="0px"><span data-contrast="none">Wenn wir also in diesen Tagen die Frage nach der Gleichberechtigung ins Zentrum stellen, sollten wir uns an alle Kämpferinnen mit ihren Botschaften vor uns erinnern. Daran, dass mögliche Abhängigkeiten, die aus Machtgefügen entstehen, selten romantisch sind. Wir sollten uns auch daran erinnern, dass in einer kapitalistischen Ordnung Geld ein Machtmedium ist. Das muss man nicht feiern, um es anzuerkennen. Solange jedoch wirtschaftliche Ressourcen über Handlungsspielräume entscheiden, bleibt die Frage nach finanzieller Unabhängigkeit zentral. Für Frauen bedeutet eigenes Einkommen nicht nur Konsumfähigkeit. Es bedeutet eben auch Schutz, Entscheidungsfreiheit und Würde.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;134245418&quot;:false,&quot;134245529&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335557856&quot;:4278190080,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559731&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:240,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
<p data-ccp-border-between="0px none #000000" data-ccp-padding-between="0px"><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;134245418&quot;:false,&quot;134245529&quot;:false,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:1,&quot;335551620&quot;:1,&quot;335557856&quot;:4278190080,&quot;335559685&quot;:0,&quot;335559731&quot;:0,&quot;335559737&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:240}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Und sie nennen es GLEICHBERECHTIGUNG</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/03/und-sie-nennen-es-gleichberechtigung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nathan]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 31 Mar 2026 12:27:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
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					<description><![CDATA[Gleichberechtigung? Klingt gut.  Sieht aber oft anders aus. In seinem neuen Text schreibt Nathan über doppelte Standards, unsichtbare Hürden und die Frage, warum „gleich“ noch lange nicht gerecht ist. Auf dem Arbeitsmarkt ist ER gern gesehen, SIE jedoch nur gegen den ein oder anderen Ausschnitt. ER darf gerne bei den „wichtigen Leuten“ sitzen, SIE, da]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong data-renderer-mark="true">Gleichberechtigung? Klingt gut.  Sieht aber oft anders aus. </strong><strong data-renderer-mark="true">In seinem neuen Text schreibt Nathan über doppelte Standards, unsichtbare Hürden und die Frage, warum „gleich“ noch lange nicht gerecht ist.</strong><span id="more-17402"></span></p>
<p>Auf dem Arbeitsmarkt ist ER gern gesehen, SIE jedoch nur gegen den ein oder anderen Ausschnitt.</p>
<p>ER darf gerne bei den „wichtigen Leuten“ sitzen,<br />
SIE, da hinten in der Ecke ist noch eine Stelle frei.</p>
<p>ER ist fleißig, das sieht man doch,<br />
SIE soll sich mal mehr anstrengen.</p>
<p>ER macht alles richtig,<br />
nimm dir ein Beispiel an IHM.</p>
<p>Und SIE?</p>
<p>Nein, SIE ist kein Vorbild,<br />
bloß ein Lückenfüller für die schweren Tage.</p>
<p>ER hat viele Chancen auf dem Arbeitsmarkt,</p>
<p>SIE jedoch muss immer etwas besser sein als er.<br />
SIE muss immer ein Stück stärker sein,<br />
SIE muss immer für alles bereit sein.</p>
<p>ER muss das nicht,<br />
IHM steht die Welt offen,<br />
ER hat es immer ein Stück leichter.<br />
ER wird immer etwas besser bezahlt.</p>
<p>Wo ist da die Gerechtigkeit?</p>
<p>Heißt es nicht GLEICHBERECHTIGUNG?</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sorgearbeit in der Coronakrise</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/03/sorgearbeit-in-der-coronakrise/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Carlotta]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Mar 2026 10:11:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Corona]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Sorgearbeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Alle zu Hause, aber wer macht eigentlich die Arbeit? Carlotta wirft einen Blick auf Homeoffice, Corona und warum Care-Arbeit selbst in „progressiven“ Familien plötzlich wieder Frauensache wird. Seit der Corona-Pandemie ist das Home-Office-Modell beliebter geworden und immer mehr Menschen arbeiten heutzutage vielleicht 1 oder 2 Tage die Woche von daheim. Man spart sich lange Wege]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Alle zu Hause, aber wer macht eigentlich die Arbeit? </strong><strong>Carlotta wirft einen Blick auf Homeoffice, Corona und warum Care-Arbeit selbst in „progressiven“ Familien plötzlich wieder Frauensache wird.</strong><span id="more-17394"></span></p>
<p>Seit der Corona-Pandemie ist das Home-Office-Modell beliebter geworden und immer mehr Menschen arbeiten heutzutage vielleicht 1 oder 2 Tage die Woche von daheim. Man spart sich lange Wege zur Arbeit, langsamen Verkehr oder den Tratsch der nervigen Kolleg*innen. Außerdem kann es Vorteile bieten, den Arbeitsalltag besser mit anderen Aufgaben wie Kinderbetreuung oder Hausarbeit zu vereinbaren. Ob dies nun auch zu mehr Geschlechtergerechtigkeit bei der Arbeitsteilung von Care-Aufgaben führt, ist jedoch fraglich. Obwohl alle zu Hause waren, wurde der größere Teil der Sorgearbeit während der Pandemie von Frauen übernommen (<a href="https://www.boeckler.de/de/boeckler-impuls-frauen-in-der-coronakrise-starker-belastet-29949.htm">Frauen in der Coronakrise stärker belastet &#8211; Hans-Böckler-Stiftung</a>). Und auch nach der Pandemie-Zeit hängt die gerechte Arbeitsteilung stark von den Rollenbildern innerhalb einer Familie ab (<a href="https://www.mdr.de/wissen/psychologie-sozialwissenschaften/gleichberechtigung-im-homeoffice-100.html">Home-Office kann dazu führen, dass Frauen noch mehr Hausarbeit übernehmen | MDR.DE</a>). Diese ungleiche Verteilung hat sich auch sehr deutlich in meiner eigenen Familie gezeigt.</p>
<p>Zu der Zeit des Corona-Lockdowns 2020 war ich 18 Jahre alt und besuchte die 12. und ab Sommer die 13. Klasse eines Gymnasiums, stand also ein Jahr vor meinem Abitur. Ich habe mit meinem jüngeren Bruder (17 Jahre zu der Zeit) bei unserer Mutter gelebt, die glücklicherweise jeden Tag arbeiten gehen konnte. An meiner Schule gab es nach dem ersten strengeren Lockdown von 5 Wochen eine Sonderregelung für die zukünftigen Abiturient*innen. So durfte nur die 12. (zukünftig 13.) Klasse für mehrere Monate alleine die Schule besuchen. Es ermöglichte den knapp 100 Schüler*innen meines Jahrgangs, bei strengen Hygieneregeln einen normalen Schulalltag zu führen. Währenddessen musste mein Bruder, der damals die 10. Klasse besuchte, sich mit vermehrten Hausaufgaben und Online-Schule herumschlagen.</p>
<p>Meine Mutter und ich waren somit häufig den ganzen Tag außer Haus, während mein Bruder jeden Tag überwiegend in seinem Zimmer verbrachte. Häufig bekamen wir von unserer Mutter damals Haushaltsaufgaben, die zu erledigen waren, bevor sie wieder zu Hause war. Da meine Mutter Vollzeit arbeitete, war ich häufig vor ihr zu Hause und meistens waren die aufgetragenen Aufgaben von meinem Bruder nicht erledigt worden. So kam es dazu, dass ich viele Haushaltsaufgaben für Monate übernahm – während ich noch zur Schule ging und regelmäßig Nachhilfe gab. Ich kümmerte mich häufig um das Mittagessen für uns beide, ging einkaufen, machte die Wäsche und putzte manchmal die Wohnung. Obwohl es meiner Mutter klar war, dass ich überwiegend die Aufgaben übernahm, wurde das einfach so hingenommen. Es nervte uns beide natürlich, dass mein Bruder häufig nicht mithalf, aber so richtig dazu zwingen konnte man ihn auch nicht.</p>
<p>Während meine Mutter mich auch nie dazu gezwungen hat, diese Aufgaben zu übernehmen, war es für mich eine Selbstverständlichkeit, sie zu unterstützen, da ich ja selber mehr Zeit hatte als sie. Ich denke, dass dies mit unserem Bild von Geschlechterrollen zusammenhängt. Auch wenn ich unsere Familie immer als progressiv wahrgenommen habe, die keinen Wert auf traditionelle Rollenbilder legt, existieren diese doch irgendwie in unseren Köpfen. Auch heute noch wird uns vorgelebt, wie die Haushaltsaufgaben „Frauensache“ sind, wie es in unserer Natur läge oder weil die Männer ja den ganzen Tag arbeiten müssten, hätten sie keine Kapazitäten mehr für Haus- und Sorgearbeit. Dass Frauen auch arbeiten, vielleicht in Teilzeit, weil Männer ja mehr verdienen, oder dass Care-Arbeit auch Arbeit ist, wird nicht anerkannt. Als Mann darf man es sich leisten, diese Aufgaben auszulagern, als Frau wäre man dann eine schlechte Mutter oder Partnerin. Und so war es irgendwie dann die Aufgabe von meiner Mutter und mir, die Haushaltsaufgaben und damit auch die Verantwortung für ein angenehmes gemeinschaftliches Leben zu übernehmen, während mein Bruder davon profitierte. Ich finde, ich es spannend, wie diese Rollenverhältnisse durch die Krise so stark hervorgebracht wurden, während ich dies vorher in unserer Familiendynamik nie so stark wahrgenommen habe.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Bericht aus der Arbeitslosigkeit</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/03/bericht-aus-der-arbeitslosigkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Beau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Mar 2026 09:00:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Was bedeutet Arbeit in einem System, das manche sichtbarer macht als andere?Beau – trans*maskulin, nicht-binär und irgendwo zwischen Kunst, Studium und Prekarität – nimmt uns mit in die „shadowlands“ des Kapitalismus. Ein persönlicher Einblick in unsichtbare Arbeit, fehlende Gleichberechtigung und die Frage, wer überhaupt Platz bekommt. Vor kurzem habe ich zum ersten Mal in meinen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Was bedeutet Arbeit in einem System, das manche sichtbarer macht als andere?</strong><br data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="hardBreak" data-prosemirror-node-inline="true" /><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Beau – trans*maskulin, nicht-binär und irgendwo zwischen Kunst, Studium und Prekarität – nimmt uns mit in die „shadowlands“ des Kapitalismus. Ein persönlicher Einblick in unsichtbare Arbeit, fehlende Gleichberechtigung und die Frage, wer überhaupt Platz bekommt.</strong><span id="more-17372"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Vor kurzem habe ich zum ersten Mal in meinen Leben die </span><i><span data-contrast="auto">shadowlands</span></i><span data-contrast="auto"> betreten.  </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Die </span><i><span data-contrast="auto">shadowlands</span></i><span data-contrast="auto"> bilden ein Konzept der kanadischen Autorin und Journalistin Naomi Klein, die darüber in ihrem Beststeller </span><i><span data-contrast="auto">Doppelgänger</span></i><span data-contrast="auto"> berichtet; es handelt sich um die dunklen Flächen am Rand des Kapitalismus, in die ungeliebte Arbeit „verschwindet“. Arbeit, die wir selbst nicht machen wollen, schieben wir auf die </span><i><span data-contrast="auto">shadowlands</span></i><span data-contrast="auto"> ab. Dazu gehört eine breite Spanne von Tätigkeiten – die Herstellung von Textilien, Haushaltsgegenständen und Essen beispielsweise, aber auch logistische Herausforderungen wie der Gang zu einem Geschäft lässt sich problemlos auf die </span><i><span data-contrast="auto">shadowlands</span></i><span data-contrast="auto"> verlagern. Klein arbeitet heraus, dass die Arbeit sich natürlich nicht in Luft auslöst, oder irgendwo hinter verschlossenen Türen von reibungslos funktionierenden, anspruchslosen Maschinen verrichtet wird. Die </span><i><span data-contrast="auto">shadowlands</span></i><span data-contrast="auto"> sind genau wie alle anderen Arbeitsplätze von Menschen bevölkert. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Zehn bis fünfzehn Stunden meiner Woche bringe ich nun in den </span><i><span data-contrast="auto">shadowlands</span></i><span data-contrast="auto"> zu, um meine staatliche Unterstützung aufzustocken und der Behörde meinen Arbeitswillen zu demonstrieren. Eine kleine Summe an Zeit im Vergleich mit meinen in Vollzeit arbeitenden Kolleg*innen, und die Umstände in meinem privaten </span><i><span data-contrast="auto">shadowland</span></i><span data-contrast="auto"> – das Fulfillment-Center eines mittelgroßen Lieferdienstes – sind weitaus menschlicher als beim </span><i><span data-contrast="auto">shadowland</span></i><span data-contrast="auto">-Fürsten</span><span data-contrast="auto"> Amazon. Noch dazu könnte ich den Job vermutlich kündigen, wenn ich ihn wirklich nicht mehr machen wollte; könnte die dadurch entstehenden Sanktionen beim Jobcenter schon irgendwie bewältigen; und der Papierkram und die Gänge zum Amt fallen mir als </span><i><span data-contrast="auto">weiße</span></i><span data-contrast="auto">, muttersprachliche Person leichter als anderen. All das gesagt, um auszumalen, dass meine Erfahrung im </span><i><span data-contrast="auto">shadowland </span></i><span data-contrast="auto">nicht exemplarisch ist. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich trage einen Scanner und ein digitales Pad an Handschuhen; das Pad zeigt mir an, was ich scannen und verladen muss und dirigiert mich so durch das Lager. Während ich die Kisten auf dem Kommissionier-Wagen stapele, denke ich an die Videos von menschen-ähnlichen Robotern, welche rennen und springen, aber anscheinend nicht schwer heben können. Ich mache den Job einer Maschine, weil ich ein wenig koordinierter und vermutlich auch billiger bin, während eine Maschine, eine A. I., irgendwo meinen Job macht – Gedichte schreibt, Social-Media-Postings erstellt, Filmmaterial generiert, halbgare Informationen zusammenträgt. Die Künstler*innen, auf deren gestohlener Arbeit das A. I.-Material beruht, werden nicht entlohnt; stattdessen schießen die Preise für Grafik-Karten und RAM in die Höhe, und die Orte, die neugebaute Data-Centers ertragen müssen, büßen ihr Grundwasser ein. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Meine Arbeit im Lager umfängt eine Reihe von Tätigkeiten, die passieren müssen, bevor die Produkte in die Fahrzeuge der Lieferant*innen geladen werden. Die Arbeit des Auslieferns verrichten zum Großteil migranitisierte Menschen unter prekären Bedingungen, wie eine Recherche der Rosa-Luxemburg-Stiftung herausarbeitet</span><span data-contrast="auto">1</span><span data-contrast="auto">. Die körperlich harte Arbeit wird dabei schlecht entlohnt und die Löhne steigen nur langsam</span><span data-contrast="auto">2</span><span data-contrast="auto">, Überausbeutung ist alltäglich</span><span data-contrast="auto">3</span><span data-contrast="auto">, beispielsweise durch das regelmäßige Überschreiten der Höchstarbeitszeit von zehn Stunden</span><span data-contrast="auto">4</span><span data-contrast="auto">. Arbeitgeber im Logistik- und Lieferbereich gehen auch gerne gegen die Gründung von Betriebsräten vor und agieren häufig nur mit befristeten Arbeitsverträgen. Doch die Branche boomt, und schreit nach immer mehr Körpern, die es auszubeuten gilt. Und die schlechten Arbeitsbedingungen sind bei Weitem nichts besonders, </span><b><span data-contrast="auto">es ist beinahe so, als würde jeder belanglose ausgewählte Aspekt meines alltäglichen Lebens in Deutschland irgendwie auf Ausbeutung beruhen</span></b><span data-contrast="auto">, nicht nur das Bestellen von Paketen, sondern auch das Kaufen von Kleidung, der Gang in die Notaufnahme, der kurze Aufenthalt bei McDonald’s, das Benutzen der Straßenbahn&#8230;überall werden Arbeitskämpfe geführt, und überall hat die Leistung von Arbeiter*innen in der Vergangenheit erst zu den Bedingungen geführt, unter denen wir jetzt arbeiten. Der 8h-Tag, der Verbot von Kinderarbeit sind die Leistungen früher sozialer Bewegungen. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Nach einer Schicht tausche ich Textnachrichten mit meinen Kommiliton*innen aus; erst im September 2025 beendete ich meinen Master, bin aber bereits seit Juli auf Arbeitssuche, an die fünfzig Ablehnungen habe ich bisher angehäuft. Wir waren zu sechst in unserem Studiengang; drei Personen sind jetzt prekär in der Service-Industrie angestellt, in der sie auch schon vor dem Master gearbeitet haben, eine Person ist zu ihrem alten Beruf als Lehrerin zurückgekehrt, und die letzten zwei sind arbeitslos. Ich sehe, wie meine Kommilitonin C. Instagram-Reels mit den wunderschönen Notizbüchern grafischer Künstlerinnen einen Like gibt, und erinnere mich an unsere Arbeit in der Dunkelkammer. Beide sind wir jetzt hochspezialisiert ausgebildet und träumen nachts von den experimentellen Dokumentarfilmen, die wir gerne machen würden, wenn Kulturförderung nicht massiv zusammengestrichen werden würde, und wir nicht in unseren prekären Jobs oder Arbeitslosigkeit feststeckten. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Sicher fragen sich Menschen, warum ich nicht etwas „Sinnvolles“ studiert habe und meine Kunst als Hobby vollziehe; die Antwort ist, dass im derzeitigen Arbeitsmarkt eigentlich niemand mehr sicher ist (wir haben den höchsten Stand an Arbeitslosigkeit seit 2015</span><span data-contrast="auto">5</span><span data-contrast="auto">). Und warum sollte ich mich nicht in dem Bereich bilden, in dem ich am besten bin, den ich am liebsten mache, und in dem ich den größten Beitrag zur Gesellschaft leisten und am produktivsten für meine Mitmenschen da sein kann? </span> <span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Es ist später Abend, und sitze ich musik-hörend in der Bahn und scrolle durch die Nachrichten. Anscheinend ist Friedrich M. wiedereinmal aus einem Pool giftigen Schlammes aufgetaucht und hat es für gut befunden, sich in den öffentlichen Diskurs einzubringen. Die Deutschen würden ja viel zu wenig arbeiten, besonders vom 8h-Tag ist er kein Fan. Kurz stelle ich mir vor, wie M. zehn Stunden lang schwere Pakete die Treppe hoch- und runterträgt, bedroht von aggressiven Hunden und erschöpft von der pausenlosen Zeit am Steuer. Die kindliche Fantasie verschafft nur kurz Erleichterung, und ich kehre dazu zurück, zu recherchieren, welcher Gewerkschaft ich beitreten könnte. </span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
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<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ich bin so müde</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/03/ich-bin-so-muede/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Michelle]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Mar 2026 09:00:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Zeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Warum wird Erschöpfung oft nur anerkannt, wenn sie aus Lohnarbeit resultiert? Michelle beschreibt, wie sie zwischen Arbeit, Haushalt, Ehrenamt und dem Versuch, sich selbst nicht zu verlieren, merkt, wie der Druck wächst, allem gerecht zu werden. Ich bin so müde. Aber warum? Eigentlich mache ich doch gar nicht so viel. Ich arbeite nur Halbzeit, da]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Warum wird Erschöpfung oft nur anerkannt, wenn sie aus Lohnarbeit resultiert? Michelle beschreibt, wie sie zwischen Arbeit, Haushalt, Ehrenamt und dem Versuch, sich selbst nicht zu verlieren, merkt, wie der Druck wächst, allem gerecht zu werden.</strong><span id="more-17367"></span></p>
<p>Ich bin so müde. Aber warum? Eigentlich mache ich doch gar nicht so viel. Ich arbeite nur Halbzeit, da brauche ich mich auch nicht wundern, wenn ich am Ende des Monats kein Geld mehr habe. Ich leite einen ehrenamtlichen Verein, aber das ist ja nur Freizeit. Ich mache den Haushalt, aber das gehört sich ja auch so. Und wenn ich dann noch Zeit aufbringe, um Hobbys nachzugehen, die mir guttun, die ich brauche, um mal ein bisschen runterzukommen, heißt es: „Ich habe es ja gut, dass ich für sowas Zeit habe“.</p>
<p>Ich „habe“ nicht einfach Zeit. Ich nehme sie mir. Ich treffe immer wieder die Entscheidung, wofür ich meine Zeit nutze. Aber diese Entscheidungen scheinen immer falsch zu sein. Ich arbeite zu wenig, mache zu viel in meiner Freizeit, könnte den Abwasch und die Wäsche auch mal regelmäßiger machen und, wenn ich schon dabei bin, auch gleich noch das Bad putzen, die Böden wischen, meine Familie besuchen, mich um meine Freundschaften kümmern … das sind ja alles nur Kleinigkeiten.</p>
<p>Und wenn ich diese Kleinigkeiten nicht alle unter einen Hut bekomme, dann bin ich faul, bin egoistisch, dann bin ich keine gute Tochter, Schwester, Freundin, dann bin ich nicht gut genug … dann mache ich zu wenig.</p>
<p>Wenn ich so wenig mache, warum bin ich dann so müde?</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sie nennen es Liebe, wir nennen es unbezahlte Arbeit</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/03/sie-nennen-es-liebe-wir-nennen-es-unbezahlte-arbeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Romy]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Mar 2026 10:14:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Arbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Lohn]]></category>
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					<description><![CDATA[Pflegen, erziehen, kümmern – unverzichtbare Arbeit, aber schlecht bezahlt oder gar unsichtbar. Warum Care-Arbeit nicht nur ein Thema für Familien ist, sondern ein strukturelles Problem von Arbeitsmarkt, Geschlechterrollen und ökonomischer Abwertung beschriebt Romy in ihrem neuen Text. Erziehung, Haushalt, Kinderbetreuung – viele haben haushaltszentrierte Tätigkeiten im Kopf, wenn es um das Thema „Care-Arbeit“ geht. Wie]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Pflegen, erziehen, kümmern – unverzichtbare Arbeit, aber schlecht bezahlt oder gar unsichtbar.</strong><br />
<strong>Warum Care-Arbeit nicht nur ein Thema für Familien ist, sondern ein strukturelles Problem von Arbeitsmarkt, Geschlechterrollen und ökonomischer Abwertung beschriebt Romy in ihrem neuen Text.</strong><span id="more-17360"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Erziehung, Haushalt, Kinderbetreuung – viele haben haushaltszentrierte Tätigkeiten im Kopf, wenn es um das Thema „Care-Arbeit“ geht. Wie der Begriff schon vermuten lässt, geht es in der Care-Arbeit zentral um das Sich-Kümmern und die Fürsorge um andere Menschen. Diese Leistungsanforderungen gehen aber weit über die Arbeit in Haus und Familie hinaus – um das gesamte Spektrum der Care-Arbeit erfassen zu können, muss der Blick auch auf die Ebene der Erwerbsarbeit, also der bezahlten Lohnarbeit, geworfen werden. Eine Ebene, die in dieser Thematik oft ignoriert wird.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich werde in diesem Text keinen persönlichen oder privaten Blick auf die Aspekte rund um die Care-Arbeit richten. Vielmehr geht es um die soziologische Perspektive – und darum, inwiefern Care-Arbeit weit über die eigenen vier Wände hinausgeht.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p aria-level="3"><strong>Geschlechterrollen auf dem Arbeitsmarkt </strong></p>
<p><span data-contrast="auto">Geschlechterstereotypen ziehen sich durch jede gesellschaftliche Schicht und Struktur. Auch in der Erwerbstätigkeit sieht man: Es gibt eine Einteilung in „Männer- bzw. Frauenberufe“. In der Geschlechtersoziologie wird für diese Unterscheidung gerne der Begriff der „horizontalen Segregation“ verwendet. Als „Männerberufe“ zählen unter anderem Tätigkeiten im technischen und handwerklichen Bereich, während sich „Frauenberufe“ tendenziell rund um das Thema Pflege, Erziehung und Sorge drehen – Bereiche, die man so bereits aus der Care-Arbeit im Haushalt kennt.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Noch alarmierender als diese geschlechtsspezifische Aufteilung ist aber, dass sich diese Berufsspaten nicht auf Augenhöhe befinden. Sowohl aus finanzieller als auch aus prestigezentrierter Sicht wird deutlich: „Frauenberufe“ liegen weit hinten. </span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Die Aufstiegschancen sind geringer, die Löhne niedriger, das Ansehen gering. Sogar innerhalb von frauendominierten Berufsfeldern sind gravierende Unterschiede vorzufinden. Obwohl Frauen häufiger in diesen Berufen tätig sind, sind es meist Männer, die eine höhere Stellung genießen und sich in Führungspositionen befinden (in der Soziologie als „vertikale Segregation“ bezeichnet). </span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p aria-level="3"><strong>Die ökonomische Abwertung von Care-Arbeit  </strong></p>
<p><span data-contrast="auto">Um erklären zu können, weshalb „Frauenberufe“ deutlich schlechter entlohnt werden als ihr Pendant, lohnt sich nun ein Blick auf die Care-Arbeit im eigenen Haushalt, für die in der Soziologie häufig der Begriff „Reproduktionssphäre“ verwendet wird.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Die Care-Arbeit der Erwerbsphäre und der Reproduktionssphäre sind nicht voneinander getrennt, sie beeinflussen sich gegenseitig und stehen in Wechselwirkung zueinander – die Abwertung unbezahlter Care-Arbeit setzt sich in der schlechten Bezahlung und Anerkennung von Care-Berufen fort, obwohl sie unter anderem dafür sorgt, dass Menschen überhaupt erwerbsfähig sind. Zu der sichtbar geringeren Bezahlung solcher Berufe gibt es verschiedene Erklärungsansätze.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Aus neoklassistischer Sicht der Volkswirtschaftslehre basiert diese Differenz auf der persönlichen Produktivität: Frauen übernehmen im privaten Bereich prinzipiell eher die Care-Arbeit, gehen in den Mutterschaftsurlaub und sind somit weniger erwerbstätig. Weniger Erwerbstätigkeit hat eine geringere Entlohnung zur Folge.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Allerdings sollte hier ein wichtiger Aspekt ergänzt werden: Weshalb übernehmen Frauen die Care-Arbeit? Warum leisten Frauen in Deutschland mehr als doppelt so viel Sorgearbeit wie Männer? Diese Frage lässt sich mithilfe der soziologischen Sicht auf die Gender-Pay-Gap ein Stück weiter beantworten. Hier wird davon ausgegangen, dass verschiedene Entlohnung nicht schlicht ein Ausdruck von ungleicher Produktivität sei, sondern von Diskriminierung: Frauenberufe sind gesellschaftlich deutlich weniger anerkannt, oft werden sie entwertet – eben, weil sie von Frauen ausgerichtet werden. Doch warum ist das so?</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p aria-level="3"><strong>Die „Natur“ der Frau – wie Care-Arbeit naturalisiert wird </strong></p>
<p><span data-contrast="auto">„Sie machen es aus Liebe“ – dieses Argument ist gerne eine Rechtfertigung für unbezahlte Care-Arbeit in der Reproduktionssphäre. Es läge in der „Natur der Frau“ sich um Kinder und Haushalt zu kümmern. Frauen seien dazu gemacht, Kümmerinnen und Fürsorgerinnen ihrer Familie zu sein. Ignoriert wird dabei, dass es biologisch gesehen kaum „typisch männlich“ oder „typisch weiblichen“ Eigenschaften gibt. Vielmehr sind weiblich- und männlich konnotierte Persönlichkeitsmerkmale das Ergebnis von Sozialisation, in dessen Prozess Frauen diese Fürsorge, Zärtlichkeit und der Fokus auf dem Kümmern um das Wohlbefinden anderer anerzogen wird. </span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Die Übernahme von Care-Arbeit ist also kaum natürlich, es ist das Produkt einer Gesellschaft mit patriarchalen Strukturen. </span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Das Ideal der „aus Liebe handelnden Frau und Mutter“ hört allerdings nicht an der Türschwelle auf. Vielmehr zieht sie sich bis in die Erwerbssphäre und könnte somit einen Einfluss auf die prinzipiell schlechtere Bezahlung von frauendominierten Berufen nehmen.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p aria-level="3"><strong>Liebe ist keine Lohnform </strong></p>
<p><span data-contrast="auto">Schon seit Jahrzehnten Kämpfen Frauen für eine faire Bezahlung der Care-Arbeit, die sie leisten müssen – sowohl im Haus als auch im Beruf. Und dennoch: Care-Arbeit wird gesamtgesellschaftlich immer noch häufig als eine reine Selbstverständlichkeit angesehen. Etwas, dass sich „für Frauen so gehört“. </span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Es ist ein Kampf, der vermutlich noch lange andauern wird. So lange, bis Care-Arbeit keine „Frauensache“ mehr ist. Denn hier geht es um etwas anderes als „natürliche Gegebenheiten“. „Sie nennen es Liebe. Wir nennen es unbezahlte Arbeit“ (Silvia Federici im Manifest „Wages Against Housework“, 1975).</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{&quot;335559739&quot;:0}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das A in Alleinerziehende steht für Arbeit ohne Anerkennung</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/03/das-a-in-alleinerziehende-steht-fuer-arbeit-ohne-anerkennung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Laura]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Mar 2026 12:48:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Alleinerziehend]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[Anlässlich des 8. März wirft Laura einen ehrlichen Blick auf die Herausforderungen alleinerziehender Mütter. Sie erzählt von ihrer eigenen Geschichte und ihrer Mutter, die trotz finanzieller und emotionaler Belastung stets für ihre Kinder da war. Teilzeit, Vollzeit, alleinerziehend – die unsichtbare Arbeit alleinerziehender Mütter. Vor knapp einer Woche ist Parshad Esmaeilis Buch „Papa weg, Mama]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Anlässlich des 8. März wirft Laura einen ehrlichen Blick auf die Herausforderungen alleinerziehender Mütter. Sie erzählt von ihrer eigenen Geschichte und ihrer Mutter, die trotz finanzieller und emotionaler Belastung stets für ihre Kinder da war. </strong><span id="more-17343"></span></p>
<p><strong>Teilzeit, Vollzeit, alleinerziehend – die unsichtbare Arbeit alleinerziehender Mütter.</strong></p>
<p>Vor knapp einer Woche ist <a href="https://www.droemer-knaur.de/buch/parshad-esmaeili-papa-weg-mama-muede-ich-laut-9783426569177?srsltid=AfmBOorPbkDK5WGTy_okFKIVB2oExjO48Z8jGeM7pWRVsR1iyXLz3G3P">Parshad Esmaeilis Buch „Papa weg, Mama müde, ich laut – Monolog einer Alleinerzogenen“</a> im Knaur Verlag erschienen und ich habe mich lang nicht mehr von einem Untertitel so gesehen gefühlt.<sup><a class="sdfootnoteanc" href="#sdfootnote1sym" name="sdfootnote1anc">1</a></sup></p>
<p>Meine Mama ist eine von 2,8 Millionen Alleinerziehenden in Deutschland. 2,3 Millionen von ihnen sind Frauen <a href="https://de.statista.com/themen/5182/alleinerziehende-in-deutschland/#topicOverview.">(Statista 2025).</a> Sie hat zwei Mädchen allein erzogen, während die zwei Erzeuger jeder auf seine Art mit Abwesenheit glänzten. Wenn sie doch da waren, hätte ich mir gewünscht, dass allein in Alleinerziehende nicht lähmende Einsamkeit und doppelter Work Load für Mama bedeutet, sondern: Ruhe von Streiten um Unterhalt, Hämmern an Türen und Telefonterror.</p>
<p>Als Kind habe ich &#8222;Die Wilden Hühner&#8220; und als Teenie &#8222;LOL&#8220; geliebt. Es war heilend, neben den typischen heteronormativen Mama-Papa-Kind(er)-Konstellationen geballte „Frauenpower“ zu sehen. Reclaiming the Power, sozusagen. In meinem Leben gibt es Mama, das Powerhouse, die arbeitet, tröstet, sich kümmert und macht, während die Väter stammeln, kritisieren und zusätzlich belasten.</p>
<p>Dabei ist das Leben nicht so glamourös wie Demi Moore und Miley Cyrus es in &#8222;LOL&#8220; haben: Statt Kaschmirpullis und Apple-Laptops sind die meisten alleinerziehenden Mütter mehrfach marginalisiert. Fast die Hälfte von ihnen hat finanzielle Probleme, ein Drittel lebt in Sozialwohnungen. Laut dem RKI wirken sich die finanzielle Benachteiligung und die psychische Belastung des Alleinerziehens negativ auf ihre Gesundheit aus: So sind alleinerziehende Mütter öfter chronisch krank, nehmen aber seltener Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch. Das potenziert sich bei migrantisierten Alleinerziehenden. Zudem sind sie in ihrer Erwerbstätigkeit eher altersarmutsgefährdet.</p>
<p>Dazu stemmen sie den Vollzeitjob der Alleinerziehenden neben mindestens einer Teilzeitstelle. Und dann ist da noch die Sache mit dem Unterhalt. Nur etwa die Hälfte der alleinerziehenden Mütter erhalten regelmäßig Unterhalt, und meist liegt dieser unter dem Mindestwert der Düsseldorfer Tabelle.</p>
<p>Die Autorin und Anwältin für Familienrecht Asha Hedayati schreibt in „Die stille Gewalt“: „Rechtsanwält*innen in Deutschland ist es erlaubt, Tipps und Tricks zu vermitteln, mit deren Hilfe man weniger oder gar keinen Kindesunterhalt zahlen muss, gleichzeitig werden Gynäkolog*innen kriminalisiert, wenn sie öffentlich über Schwangerschaftsabbrüche informieren“ (2023: 154).</p>
<p>Wenn unsere patriarchale Gesellschaft so unbedingt will, dass Frauen ungewollt schwanger bleiben, wie wär’s dann mal damit, die Leben der Kinder und Mütter zu schützen, die es schon gibt, statt sie weiter zu diskriminieren? Zudem framen sogenannte Väterrechtler (explizit nicht gegendert lol) den Unterhalt als gnädige Bonuszahlung der Väter an die Mütter.</p>
<p>Als würden sie sich davon Wellness gönnen (was auch mal absolut fair wäre, by the way), statt basale Grundbedürfnisse wie Miete, Kleidung, Essen und Medikamente für die Kinder im Alleingang abzudecken. Viele Mütter müssen die Zahlungsverweigerung dieses literally gesetzlich verbindlichen Bare Minimus hinnehmen. Geldgeile Schlampe hallt es von den Wänden der Gerichtssäle. Und: du wirst schon noch sehen.</p>
<p>Oft bedeuten Konfrontationen mit gewalttätigen Ex-Partnern, die keinen Unterhalt zahlen wollen, ein hohes Sicherheitsrisiko für Mütter und ihre Kinder. Oder Gerichtsverhandlungen von angeblich objektiven Richtern gefährden Existenzen.</p>
<p>Wie solche, in denen die Väter, die sich ansonsten nicht um ihr Kind kümmern, die Frauen betrügen und bedrohen, ein „So jetzt machen wir es endlich mal anders rum!“ als Richterspruch durch Krokodilstränen erzielen. Und dann einen Teil der Rentenanwartschaften bekommen. Dabei geht es nie um das Kindeswohl, sondern ums Gewinnen gegen die Frau, die in diesem System sowieso nur verliert.</p>
<p>Unsere beiden Erzeuger haben mittlerweile Eigenheime gebaut, während Mama in einer Mietwohnung sitzt, deren Miete alle drei Jahre erhöht wird. Und das ist kein Einzelfall, sondern hat System.</p>
<p>Neben dieser prekären Lage von Alleinerziehenden folgt dazu noch das public shaming. Die Beleidigung Rabenmutter fällt statistisch häufiger als Rabenvater. Die Kinder kriegen abgepackte Schokobrötchen von Aldi mit in die Schule? Rabenmutter. Die beiden waren noch nie beim Zahnarzt? Rabenmutter. Du warst nicht beim Elternabend, weil der immer schon um 18 Uhr anfängt und du nicht früher Feierabend hast? Rabenmutter.</p>
<p>Aber: Er hat dich noch nie in den Arm genommen und gesagt, dass er stolz ist? Väter halt, denen muss man auch mal ihren Freiraum gönnen. Ich kann mich kaum daran erinnern, wie meine Mama sich mal etwas gönnt, etwas feiert – während unsere Geburtstagstische mit selbstgebackenem Kuchen und sorgfältig verpackten Geschenken geschmückt sind.</p>
<p>Auch das ist unsichtbare Arbeit, Spätschicht und Frühschicht, während die Erzeuger anrufen, etwas schicken oder in so vielen anderen Konstellationen solche Momente nutzen, um zu manipulieren, wie Parshad in ihrem Buch schmerzlich berichtet.</p>
<p>Und ähnlich wie sie, erinnere ich meine Mama vor allem arbeitend: Mamas Hände kochen, waschen Wäsche, spülen Geschirr, kleben Pflaster, schrubben, wischen, saugen, putzen, tragen, legen zusammen, zählen Geld, sparen, haben immer etwas zwischen Ballen und Finger, liegen selten lang ausgestreckt.</p>
<p>Mamas Hände sind weich trotz all der Härte, sind weich an meiner Wange, in meiner Handinnenfläche: beim Impfen, wenn sie mir die salzigen Tränen wegwischt. Mamas Hände sind weich, wenn sie mir den Hörer aus der Hand nehmen und sich um mich legen, wenn mein Erzeuger am Telefon Dinge sagt, die kleine Mädchenherzen auf immer zerbrechen.</p>
<p>Und trotzdem steht unterm Strich: Arbeit auf Teilzeit. Als würde Mama nicht 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche für uns da sein. Dabei sind Mamas Hände auch so viel weg. Wenn wir krank waren, war es nur selten ihre weiche Hand, die unseren glühenden Stirnen Abkühlung verschaffen konnte.</p>
<p>Viel eher ließ sie uns schweren Herzens und mit Sorge in den Augen auf dem blauen Sofa meiner Oma &amp; Opa zurück, die uns Zwieback und Salzstangen brachten. Meine Großeltern waren es auch, die in der ersten Reihe saßen, als ich mein Abiturzeugnis überreicht bekam – mit Auszeichnung.</p>
<p>Anders als ich hat meine Mama kein Abitur, konnte nicht studieren. Sie musste schnell arbeiten gehen, Geld verdienen. Dass ich dieses Papier nun in der Hand halte, ist bittersüß. Denn statt gemeinsam mit mir feiern zu können, ist Mama weit weg, ihr Chef hat ihr nicht freigegeben.</p>
<p>Dabei verdanke ich ihr all das. In einem Gedicht schrieb ich mal:</p>
<blockquote><p><strong>Dank dir muss ich nicht dieselben Gewichte heben, Dank dir muss ich nicht dieselbe Geschichte erleben.</strong></p></blockquote>
<p>Diese Chancen, die ich mit diesem Stück Papier in der Hand halte, habe ich nur, weil meine Mama die schweren Türen mit aller Kraft aufgeschoben hat, Stück für Stück, während sie ihr noch verschlossen blieben.</p>
<p>Nie musste ich neben der Schule arbeiten; ich hatte offiziell die wunderschönste, vollste Kindheit, die man sich nur vorstellen kann. Dank Mama und wie sie jedes Kapitel dieser Kindheit mit Liebe gestaltet hat.</p>
<p>Als Parshad in ihrem Buch beschreibt, wie oft ihre Mutter ihr Dankbarkeit predigt, da nicke ich heftig. So oft flüstert Mama uns ins Ohr: „Ihr seid mein größtes Glück“. So oft hat sie uns gesagt, wie dankbar wir sein können: für unsere Wohnung, unsere Gesundheit, für uns.</p>
<p>Es ist bezeichnend, dass wir gesamtgesellschaftlich Home Office so schnell als Arbeit anerkennen und belohnen, während häusliche, physische und emotionale Care-Arbeit, die meist von Mütterhänden übernommen wird, unsichtbar ist.</p>
<p>Unsichtbar gemacht wird. Als würden Mütter nichts aufgeben, wenn sie alles von sich geben. Ihr Mutterleben lang gibt meine Mama alles für uns (auf): einen Platz für sich allein, als sie auf der Matratze im Wohnzimmer schläft, damit wir Kinderzimmer haben.</p>
<p>Selbstfürsorge, wenn sie innerhalb weniger Sekunden duscht, um ein Säugling und eine Dreijährige nicht lange allein zu lassen. In weniger als einem Jahrzehnt werde ich so alt sein, wie Mama als sie alleinerziehend mit zwei Töchtern unterschiedlicher Männer war, die beide auf ihre Art Steine im Weg, statt Felsen in der Brandung waren.</p>
<p>Je mehr ich Frau werde, desto mehr sehe ich die Frau in meiner Mutter. Ich denke an Momente auf dunklen Parkplätzen, wie meine Schwester und ich herumalbern und Mama uns hetzt, an den Händen nimmt, schnellen Schrittes mit klackernden Absätzen.</p>
<p>Wie ich Ärger bekomme, weil ich die Tür nicht richtig abgeschlossen habe, während Mama unten im Keller Wäsche aufhängt. Was für ein Kraftakt es gewesen sein muss, uns diese Geborgenheit zu vermitteln, diese Sicherheit, wenn man sich selbst nicht in Sicherheit wähnt.</p>
<p>Eine Frau, die die Telefonnummer der lokalen Polizei in den Flur hängt, obwohl sie wusste, dass auch da den Männern nicht zu trauen ist. Aber immerhin besser als nichts, sieben Mal vier Zentimeter eine Illusion von Sicherheit aus Pappe.</p>
<p>Was ein mamagemachtes Privileg, dass ich damals noch an das Pixibuch-Narrativ von „Ich habe eine Freundin, die ist Polizistin“ glauben durfte und in der Polizei den Freund und Helfer sah.</p>
<p>Heute kann meine Mama Dinge tun, die für andere selbstverständlich sind: mal alleine in den Urlaub fahren, sich ein ganzes Wochenende lang entspannen oder ein neues Hobby beginnen. Und das, weil sie in Teilzeit arbeitet.</p>
<p>Eine Mutter, die mehr als zwei Jahrzehnte lang rund um die Uhr rotiert hat, weil patriarchale Machtverhältnisse sie in eine Doppelrolle gezwungen haben. Während Väter immer noch einmal Eis an der Ostsee essen gehen, „ohne Mütze, weil ist nicht so kalt“ und damit den Dad of the Year Award gewinnen.</p>
<p>Während Mama sich zwei Wochen lang um die Mittelohrentzündung danach kümmert. Eine Frau, die seit sie 18 ist, arbeitet und arbeitet, Steuern zahlt, Geld verdient und sich abackert für einen Staat, der ihre Arbeit immer noch unsichtbar macht.</p>
<p>Und dabei ist es so wichtig, dieses Narrativ der sich selbst aufopfernden Mutter endlich zu durchbrechen: Alleinerziehende Mütter sind nicht nur so bewundernswert, unter der Bedingung, dass sie all das leisten.</p>
<p>Sondern ihnen sollte, wie es für Männer oft so selbstverständlich ist, ihr Menschsein zugestanden werden. Als der Wirtschaftsflügel der CDU im Januar 2026 dafür plädiert, Rechte auf Teilzeitarbeit einzuschränken, ist alles, was ich denken kann: What the actual fuck.</p>
<p>Während Merz 12.000 Euro Steuergelder in den ersten drei Monaten Amtszeit für seine „Frisur“ ausgibt, haben Dreiviertel aller alleinerziehenden Mütter im Schnitt weniger als 2.000 Euro netto im Monat zur Verfügung.</p>
<p>Und obwohl Pflege von Kindern oder Angehörigen wohl weiter (mal schauen, wie lange noch) für die CDU das Recht auf Teilhabe sichern, wünsche ich Merz ein alternatives Leben als alleinerziehende Mutter. Damit er das mal spürt, das mal trägt, diese Last und nicht anfängt, Elterngeld immer weiter zu konditionieren.</p>
<p>I mean: Wenn alle Alleinerziehenden von heute auf morgen ihre Arbeiten (Plural!) niederlegen würden, will ich mal sehen, wie dieses Land weiter funktionieren soll.</p>
<p>Statt also weiter auf Müttern herumzutreten, die mit ihrer Erwerbs- und Sorgearbeit das Fundament unserer Gesellschaft sind, wie wäre es, ihre Sorgearbeit endlich mal als Arbeit anzuerkennen? Wir brauchen armutsfeste Kindergrundsicherung, keinen begrenzten staatlichen Unterhaltsvorschuss und verlässliche Infrastrukturen, die Alleinerziehende entlasten, sowie mehr Anlaufstellen, um sich gegen die Einsamkeit zu vernetzen.</p>
<p>Und vor allem: Anerkennung. Daher möchte ich diesen Text schließen mit Worten aus einem Poetry Slam vor ein paar Jahren:</p>
<blockquote><p>Ich hab’s nicht ganz gerafft, als ich klein war und ich sag’s auch seit ich größer bin, viel zu selten: aber an alle Alleinerziehenden da draußen und vor allem an Mama: ihr seid wahre Heldinnen.</p></blockquote>
<p><a class="sdfootnotesym" href="#sdfootnote1anc" name="sdfootnote1sym">1</a> Dabei ist mir wichtig, darauf hinzuweisen, dass wir in vieler Hinsicht als Alleinerziehende und Alleinerzogene auch privilegiert waren: cis, weiß und abled mit deutscher Staatsbürgerschaft und Familie im selben Land.</p>
<blockquote>
<blockquote>
<div>
<h3>Alleinerziehende unterstützen und dich weiterbilden:</h3>
</div>
<div>
<ul>
<li><a href="https://www.instagram.com/food8family/">@food8family</a></li>
<li><a href="https://www.instagram.com/frau_waibel/">@frau_waibel</a></li>
</ul>
</div>
<div>
<h3>Alleinerzogene unterstützen:</h3>
</div>
<div>
<ul>
<li><a href="https://www.instagram.com/parshad/">@parshad</a></li>
</ul>
</div>
</blockquote>
</blockquote>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn Nähe zu Arbeit wird</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/03/wenn-naehe-zu-arbeit-wird/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Mar 2026 09:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[In seinem*ihrem neuen Text reflektiert sabylonica über die Herausforderungen und Ungleichheiten in zwischenmenschlichen Beziehungen, besonders in Bezug auf Männer und FLINTA*-Freund*innen. Eröffnet wird ein Raum, in dem emotionale Arbeit, Verletzlichkeit und das Bedürfnis nach gegenseitigem Zuhören thematisiert werden. Ein Aufruf, die Dynamik des Gebens und Nehmens neu zu denken und emotionale Verantwortung zu teilen. Ich]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In seinem*ihrem neuen Text reflektiert sabylonica über die Herausforderungen und Ungleichheiten in zwischenmenschlichen Beziehungen, besonders in Bezug auf Männer und FLINTA*-Freund*innen. Eröffnet wird ein Raum, in dem emotionale Arbeit, Verletzlichkeit und das Bedürfnis nach gegenseitigem Zuhören thematisiert werden. Ein Aufruf, die Dynamik des Gebens und Nehmens neu zu denken und emotionale Verantwortung zu teilen.</strong><span id="more-17344"></span></p>
<p>Ich habe das Gefühl, ich bin für viele Menschen weniger eine Person als ein Raum. Ein Raum, in dem Dinge gesagt werden dürfen, die sonst keinen Platz finden. Ein Raum, in dem Tränen kommen, Geständnisse, Selbstzweifel und Lebenskrisen Platz finden. Besonders oft bin ich dieser Raum für Männer. Für cis*-hetero Männer, die gelernt haben, dass sie stark sein müssen, funktional und kontrolliert. Und dann plötzlich bei mir sitzen und erzählen, dass sie seit Jahren nicht mehr geweint haben. Dass sie sich noch nie jemandem so geöffnet haben. Dass sie sich durch unsere Gespräche „selbst besser verstehen“. Und ich sitze da und denke mir, okay krass, ich bin gerade dein emotionaler Durchbruch.</p>
<p>Ich höre zu, ich halte aus, ich frage nach und ich bin präsent. Ich versuche, nicht zu werten, nicht zu überfordern, nicht zu unterfordern. Ich mache genau das, was man von einer guten Therapeut*in erwarten würde, nur ohne Ausbildung, ohne Bezahlung, ohne Rahmen und ohne Wahl. Und vor allem, ohne dass ich je gefragt werde, ob ich das gerade leisten kann oder will. Diese Gespräche passieren einfach. Sie nehmen sich Raum. Sie nehmen sich Zeit. Sie nehmen sich meine Aufmerksamkeit, meine Empathie und meine Energie. Und oft merke ich danach erst, wie leer ich eigentlich bin. Wie viel ich gegeben habe, ohne es selbst so zu benennen. Weil Care-Arbeit sich selten wie „Arbeit“ anfühlt, während man sie tut. Sie fühlt sich an wie Beziehung, wie Nähe, Vertrauen, aber sie ist trotzdem Arbeit. Emotionale Arbeit, die unsichtbar ist.</p>
<p>Was mich besonders trifft sind die Ungleichheiten. Dass ich für viele Männer der Raum bin, in dem sie zum ersten Mal verletzlich sein dürfen, aber ich selbst diesen Raum bei ihnen nicht habe. Ich erinnere mich an eine Situation, in der ich versucht habe über meine eigenen Probleme zu sprechen. Über meine Überforderung, meine inneren Konflikte, über das Gefühl, zu viel und gleichzeitig zu wenig zu sein. Und die einzige Antwort, die ich bekommen habe, war: „Wird schon“. Zwei Worte. Kein Nachfragen. Keine Neugier. Und kein Raum. Da ist mir schlagartig klar geworden, wie ungleich diese Beziehungen oft sind. Wie selbstverständlich erwartet wird, dass ich zuhöre, aber wie ungewohnt es ist, wenn ich selbst gehört werden will. Als wäre meine Rolle klar. Die verständnisvolle, reflektierte und emotionale Person. Aber nicht die, die selbst Unterstützung brauchen könnte.</p>
<p>Unter FLINTA*-Freund*innen erlebe ich etwas komplett anderes. Da ist so viel Bewusstsein dafür, Raum zu teilen. So viel vorsichtiges Nachfragen, wie „Ist es okay, wenn ich das gerade erzähle?“, „Gib Bescheid, wenn es dir zu viel wird.“ oder „Ich will nicht alles auf dich abladen.“. Wir sind ständig am Achten, Regulieren, Reflektieren und Spiegeln. Fast schon übertrieben. Und gleichzeitig zeigt genau das, wie selten wir echte Aufmerksamkeit gewohnt sind. Wie ungewöhnlich es für uns ist, einfach reden zu dürfen, ohne sofort wieder in die Rolle der Zuhörenden zu rutschen. Manchmal sitzen wir zusammen und lachen darüber, wie wir uns gegenseitig immer wieder entschuldigen, obwohl niemand etwas falsch gemacht hat. Aber eigentlich ist das traurig, weil es zeigt, wie tief diese Strukturen sitzen, bloß nicht zu viel Raum einzunehmen, bloß nicht egoistisch wirken und bloß nicht zur Last fallen. Während andere sich diesen Raum einfach nehmen, ohne jegliches schlechte Gewissen, ohne Reflexion oder Rücksicht.</p>
<p>Ich glaube viele Männer merken gar nicht, was sie da tun. Für sie fühlt es sich an wie ein ehrliches Gespräch, wie Nähe und wie persönliches Wachstum. Für mich fühlt es sich oft an wie Arbeit, wie eine Dienstleistung, die ich erbringe. Ohne Vertrag, ohne Grenzen und ohne Schutz. Zwar mach ich das gerne, vor allem für meine Engsten, aber je mehr ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass es strukturell ist. Das ist kein individuelles Problem, sondern ein erlerntes Muster. Männer lernen ihre Emotionen zu verdrängen und suchen sich dann einzelne Personen, meistens FLINTA*, um all das nachzuholen. Nicht in professionellen Räumen, nicht untereinander, sondern bei denen, die sowieso schon emotional verfügbar sind. Die gelernt haben, sich zu kümmern, zuzuhören und Verantwortung für Stimmungen zu übernehmen.</p>
<p>Und wir tragen das. Wir tragen ihre Geschichten, ihre Tränen und ihre Durchbrüche. Aber niemand fragt, wer unsere Geschichten trägt. Wer unsere Tränen hält. Wer unsere Durchbrüche begleitet. Care-Arbeit ist hier nicht klassisch Pflege, Haushalt oder Organisation, sondern emotionale Struktur. Ich bin die Brücke zu sich selbst. Der sichere Raum. Der Spiegel. Und das ist etwas unglaublich Intimes, etwas Wertvolles, aber auch etwas Erschöpfendes. Vor allem dann, wenn es einseitig bleibt.</p>
<p>Ich will nicht aufhören empathisch zu sein. Auch will ich nicht aufhören zuzuhören. Aber ich will, dass diese Arbeit sichtbarer wird. Dass sie benannt wird. Dass sie nicht mehr als selbstverständlich gilt. Dass Menschen lernen nicht nur zu nehmen, sondern auch zu geben. Nicht nur zu reden, sondern auch zu fragen. Und nicht nur sich zu öffnen, sondern auch da zu sein. Vielleicht geht es am Ende darum, emotionale Verantwortung nicht zu externalisieren, nicht einzelne Personen zu Therapieräumen zu machen, sondern Beziehungen so zu gestalten, dass Care-Arbeit gerecht und gleich ist. Dass sie nicht auf bestimmten Körpern, Geschlechtern und Identitäten lastet, sondern geteilt wird.</p>
<p>Denn Zuhören ist keine natürliche Ressource. Empathie ist keine endlose Quelle. Und niemand sollte zur emotionalen Tankstelle für andere werden, nur weil sie gelernt haben, sich selbst zurückzunehmen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mein Kinderstaubsauger und ich &#8211; Über Care-Arbeit und hartnäckige Rollenverteilung</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/02/mein-kinderstaubsauger-und-ich-ueber-care-arbeit-und-hartnaeckige-rollenverteilung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anjuli]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 27 Feb 2026 09:00:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Anjuli hatte einen pinken Kinderstaubsauger, heute fragt sie sich, was daran wirklich Spiel war. Ein persönlicher Text über Care-Arbeit, Corona und die unbequeme Erkenntnis, dass selbst reflektierte Haushalte alte Rollenbilder weitertragen. Für mein Studium habe ich vor kurzem einen Text über Care-Arbeit während der Corona-Krise gelesen und wie sich diese auf die Arbeitsteilung in Haushalten]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Anjuli hatte einen pinken Kinderstaubsauger, heute fragt sie sich, was daran wirklich Spiel war. Ein persönlicher Text über Care-Arbeit, Corona und die unbequeme Erkenntnis, dass selbst reflektierte Haushalte alte Rollenbilder weitertragen.</strong><br />
<strong><span id="more-17337"></span></strong></p>
<p>Für mein Studium habe ich vor kurzem einen Text über Care-Arbeit während der Corona-Krise gelesen und wie sich diese auf die Arbeitsteilung in Haushalten ausgewirkt hat. Inspiriert davon habe ich über mein Elternhaus nachgedacht – und darüber, ob sich damals bei uns etwas verändert hat.</p>
<p>Ich habe den Großteil meines Bachelors während Corona absolviert. In einem Online-Seminar mit dem Titel „Who cares“ begann ich intensiver über Arbeitsteilung zuhause nachzudenken. Seit ich mich erinnern kann, war meine Mutter diejenige, die den Haushalt geschmissen hat. Als Teenager hing ich eine Postkarte an die Tür des Wäschekellers: „Wäsche von Mutti machen lassen, 1€.“ Ich fand das lustig. Gleichzeitig war ich überzeugt, dass mein Vater vermutlich nicht einmal wusste, wie man eine Waschmaschine bedient.</p>
<p><strong>Care-Arbeit im Ausnahmezustand</strong></p>
<p>Während der Pandemie schien vieles im Ausnahmezustand zu verschwimmen. Meine Mutter war in den Wochen, in denen mein pendelnder Vater nicht zuhause war, faktisch alleinerziehend – und gleichzeitig berufstätig. Rückblickend wurde mir erst spät bewusst, wie viel Care-Arbeit sie tatsächlich getragen hat.</p>
<p>Auf meine Nachfrage sagte sie, während Corona habe sich nicht viel verändert. Sie habe vielleicht mehr renoviert, aber nicht mehr Hausarbeit übernommen – weil sie ohnehin schon immer den größeren Anteil getragen habe. Damit bestätigte sie ungewollt, was ich aus meinem Uni-Text kannte: Krisen verändern Rollenbilder nicht zwangsläufig, sie machen bestehende Ungleichheiten sichtbarer.</p>
<p><strong>Latente Rollenbilder</strong></p>
<p>Obwohl ich meine Eltern nie als konservativ wahrgenommen habe, leben sie klassische Rollenbilder: Meine Mutter kocht und trägt den Mental Load. Mein Vater kümmert sich um Finanzen und handwerkliche Aufgaben. Es ist kein offener Machtkampf – sondern ein eingespieltes Muster.</p>
<p><strong>Und ich?</strong></p>
<p>Am irritierendsten ist für mich, dass sich ähnliche Dynamiken in meinem eigenen Haushalt wiedergefunden haben. Trotz Bachelorabschluss in Gender Studies war ich plötzlich diejenige, die organisiert, plant, Verantwortung übernimmt. Keine Kinder, kein Zwang – und trotzdem reproduzierte ich Muster, die ich kritisiere.</p>
<p>Haushaltsaufgaben zu boykottieren funktioniert nur bedingt. Reflexion anzustoßen bleibt oft an mir hängen. Vielleicht, weil diese Muster so tief eingeschrieben sind, dass Wissen allein sie nicht auflöst.</p>
<p><strong>Der Kinderstaubsauger</strong></p>
<p>Ich hoffe, dass es irgendwann normal ist, allen Kindern Spielküchen und Puppen zu schenken – nicht nur Mädchen pinke Staubsauger. So dass Care von klein auf als gemeinschaftliche Aufgabe erlebt wird.</p>
<p>Denn gerade weil sich diese Muster trotz feministischer Diskurse so hartnäckig halten, zeigt sich, wie tief Re-Traditionalisierung in Alltagspraktiken verankert ist. Care-Arbeit muss immer wieder neu verhandelt werden.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Hör auf zu jammern &#8211; Warum Leistungsideologie feministisch bekämpft werden muss</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/02/hoer-auf-zu-jammern-warum-leistungsideologie-feministisch-bekaempft-werden-muss/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lina]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Feb 2026 09:58:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Cash & Care]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Leistungsideologie verkauft strukturelle Ungleichheit als persönliches Versagen und trifft Frauen*, Care-Arbeitende und prekär Beschäftigte besonders hart. Während Politik von „zu wenig Arbeit“ redet, bleiben oft emotionale Arbeit und Mindestlohnrealität unsichtbar. „Hör auf zu jammern“ ist einer dieser Sätze, die so harmlos klingen, bis man merkt, dass sie ein ganzes System absichern. Ich höre diesen Satz]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Leistungsideologie verkauft strukturelle Ungleichheit als persönliches Versagen und trifft Frauen*, Care-Arbeitende und prekär Beschäftigte besonders hart. Während Politik von „zu wenig Arbeit“ redet, bleiben oft emotionale Arbeit und Mindestlohnrealität unsichtbar.</strong><br />
<span id="more-17329"></span></p>
<p>„Hör auf zu jammern“ ist einer dieser Sätze, die so harmlos klingen, bis man merkt, dass sie ein ganzes System absichern. Ich höre diesen Satz von meinen Großeltern, in Kommentarspalten und auch aus der Politik. Meine Generation und „die Jugend“ (wer soll das sein?), meckert zu viel und ist zu faul. Früher haben das doch auch alle geschafft und da konnte man sich nicht leisten, so erschöpft zu sein. Denn wer erschöpft ist, hat sich nicht genug angestrengt.</p>
<p>Dieses Leistungsnarrativ ist tief verankert – und es trifft nicht alle gleich.</p>
<p><strong>Die Rückkehr des Leistungsmythos</strong></p>
<p>Aktuell wird diese Logik wieder laut reproduziert. Friedrich Merz spricht von zu hohen Krankenständen, stellt das Recht auf Teilzeitarbeit infrage und inszeniert Arbeitsunfähigkeit als individuelles Problem mangelnder Disziplin. Die Botschaft ist klar: Deutschland arbeitet zu wenig, ist zu bequem geworden.</p>
<p>Strukturelle Faktoren fehlen im Diskurs. Dass Frauen, Teilzeitkräfte und Care-Arbeit in Statistiken anders auftauchen als klassische Vollzeitarbeit, wird in vereinfachten Leistungsnarrativen ausgeblendet. Mehr Stunden bedeuten nicht automatisch mehr Wohlstand oder mehr Gerechtigkeit – und vor allem nicht mehr Produktivität. Deutschland schafft mit vergleichsweise wenigen Stunden im internationalen Vergleich eine hohe Wertschöpfung. Gleichzeitig ist die Lohn-, Wachstums- und Wohlstandsentwicklung in Relation zur Inflation eher schwach.</p>
<p>Dieses Spannungsfeld zwischen Arbeitszeit, Produktivität und Lebensrealität wird im simplen Satz „Wir arbeiten zu wenig“ systematisch ausgeblendet. Was dabei konsequent ignoriert wird, ist auch die Frage, wer krank ist – und warum.</p>
<p><strong>Der männliche Maßstab</strong></p>
<p>Unser Gesundheitssystem ist historisch auf den männlichen Körper ausgelegt. Symptome, Krankheitsverläufe, Medikamente, Belastungsgrenzen – vieles basiert auf einem Körper, der keine Menstruation kennt, keine hormonellen Zyklen durchläuft, nicht schwanger wird. Selbst die Zahnpasta ist auf den pH-Wert des männlichen Mundes eingestellt.</p>
<p>Frauen* haben im Durchschnitt rund 13 Wochen im Jahr ihre Periode. Das ist keine Krankheit, aber es ist auch kein neutraler Zustand. Schmerzen, Erschöpfung, Migräne, Endometriose – all das taucht in Arbeitszeitmodellen, Produktivitätskennzahlen und politischen Debatten kaum auf. Demgegenüber stehen statistisch etwa drei Wochen Krankheit pro Jahr. Trotzdem wird so getan, als sei jede Form von Erschöpfung persönliches Versagen.</p>
<p><strong>Neoliberaler Feminismus und Selbstoptimierung</strong></p>
<p>Gleichzeitig wird Leistung längst nicht mehr nur im klassischen Sinne gemessen. Wir definieren uns über Produktivität, über Sichtbarkeit, über Output. Selbst im Feminismus sind wir nicht frei von dieser Logik. Neoliberaler Self-Branding-Feminismus verkauft Gleichberechtigung als Lifestyle-Entscheidung: ein Instagram-Post, eine Brand Identity, ein „Empowerment“-Mantra.</p>
<p>Feministisch sein wird etwas, das man machen kann – oder eben nicht. Strukturelle Kritik wird ersetzt durch individuelle Selbstoptimierung. Wer scheitert, hat sich offenbar nicht gut genug vermarktet oder es nicht verstanden.</p>
<p><strong>Unsichtbare Arbeit</strong></p>
<p>Was dabei unter den Tisch fällt, ist Arbeit, die sich nicht zählen lässt. Care-Arbeit im klassischen Sinne – Haushalt, Kinder, Pflege – ja. Aber auch emotionale Arbeit: zuhören, erklären, aushalten, übersetzen. Immer wieder männlichen* Lebensrealitäten erklären, warum Sexismus kein Missverständnis ist, warum bestimmte Witze verletzen, auch wenn man sie nicht „böse meint“.</p>
<p>Diese Bildungsarbeit ist kostenlos, unsichtbar und emotional teuer. Und sie bringt uns in ein permanentes Dilemma: Ich will diese Arbeit nicht leisten müssen – aber ich will auch verstanden werden. Und irgendwo sitzt immer dieser Gedanke: Wenn ich es ihm* nicht erkläre, woher soll er* es dann wissen?</p>
<p><strong>Mindestlohn und Realität</strong></p>
<p>Der Arbeitsmarkt tut sein Übriges. Ich arbeite aktuell im Buchhandel zum Mindestlohn. Ich bin erschöpft. Meine Chefin sagt, ich müsse mehr geben – dann könne man vielleicht über mehr Stunden reden. Sie ist selbst Chefin und verdient ebenfalls nur Mindestlohn. In der gleichen Buchhandlung arbeiten ausgebildete Buchhändlerinnen* für 20 Stunden, ebenfalls zum Mindestlohn. Gleichzeitig wundert man sich, warum sich niemand bewirbt. Als wäre das ein Rätsel und kein strukturelles Problem.</p>
<p><strong>Wir wollen leben, nicht nur funktionieren</strong></p>
<p>Das Leistungsversprechen, mit dem viele von uns aufgewachsen sind – streng dich an, beschwer dich nicht, dann wirst du belohnt – funktioniert nicht mehr. Oder vielleicht hat es das nie getan, aber jetzt wird es sichtbar. Viele von uns sind desillusioniert. Wir wollen leben, nicht nur funktionieren. Zeit haben, Freude, ein Leben neben der Arbeit.</p>
<p>Selbst wenn das weniger Geld bedeutet – wobei „weniger“ oft ohnehin kaum genug ist. Für mich und viele andere ist ein Leben mehr wert als die ganze Zeit nur arbeiten, vor allem wenn sich diese nicht lohnt. Diese Haltung wird belächelt, als mangelnder Ehrgeiz abgetan. Selten wird verstanden, dass Produktivität heute allgegenwärtig und unumgänglich ist.</p>
<p><strong>Dauererreichbarkeit</strong></p>
<p>Unsere Smartphones sind dafür das beste Beispiel. Sie versprechen Freiheit, Vernetzung, Selbstbestimmung – und sind gleichzeitig ständige Arbeitsgeräte. Erreichbarkeit wird vorausgesetzt, Grenzen verschwimmen, Abschalten wird zur persönlichen Verantwortung. Wer nicht antwortet, gilt als unprofessionell. Wer müde ist, als unmotiviert.</p>
<p><strong>Nach oben treten</strong></p>
<p>Leistungsideologie ist kein neutrales Konzept. Sie ist geschlechtlich, klassistisch und zutiefst kapitalistisch. Feminismus, der sich ernst nimmt, muss sie angreifen. Nicht, indem wir noch produktiver werden, noch resilienter, noch besser organisiert. Sondern indem wir fragen:</p>
<ul>
<li>Wer kann sich Leistung leisten?</li>
<li>Wessen Arbeit wird gesehen – und wessen Erschöpfung wird ignoriert?</li>
<li>Warum gilt Jammern als Problem, wenn es oft nur ein Hinweis darauf ist, dass etwas grundlegend schiefläuft?</li>
</ul>
<p>Es war noch nie unten gegen unten.<br />
Es war immer unten gegen oben.<br />
Vielleicht sollten wir endlich wieder anfangen, nach oben zu treten.</p>
<hr />
<p><strong>Literatur:</strong><br />
Evteeva, Maria, und Lucrecia Burges. <em>Internalized Misogyny: The Patriarchy Inside Our Heads.</em> Bd. 14, 2024.</p>
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