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	<title>Mental Health &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>Mental Health &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<item>
		<title>Wenn Dysthymie sprachloses Ertrinken ist, dann ist Therapie Worte finden und schwimmen lernen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/07/dysthymie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Laura]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 08 Jul 2025 11:56:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Depressionen]]></category>
		<category><![CDATA[Dysthymie]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn du ’funktionieren’ kannst, heißt das nicht, dass es dir gut geht. In ihrem ersten Text auf meinTestgelände schreibt Laura über die Diagnose Dysthymie. „Gib mir nur ´nen Tag, den ich spüren kann/war letztens mal draußen, weißt du wann?“, singt Kayla Shyx aus ihrem Song „wieder“ auf ihrem Releasekonzert in Berlin. Eigentlich ist es Mai]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span class="_ap3a _aaco _aacu _aacx _aad7 _aade" dir="auto">Wenn du ’funktionieren’ kannst, heißt das nicht, dass es dir gut geht. </span>In ihrem ersten Text auf meinTestgelände schreibt Laura über die Diagnose <span class="_ap3a _aaco _aacu _aacx _aad7 _aade" dir="auto">Dysthymie.</span></strong><span id="more-17005"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">„Gib mir nur ´nen Tag, den ich spüren kann/war letztens mal draußen, weißt du wann?“, singt Kayla Shyx aus ihrem Song „wieder“ auf ihrem Releasekonzert in Berlin. Eigentlich ist es Mai 2025, aber plötzlich ist es wieder Winter 2020 und ich spüre mich selbst seit Wochen nicht mehr. Bildschirmzeit 10 Stunden, ich wechsele zwischen Instagram, TikTok und einem Text für die Uni. Ich schwitze meinen Pyjama durch, zittere gleichzeitig und fühle mich, als wär ich einen Marathon gelaufen – dabei war ich heute nicht mal draußen. Irgendetwas in mir ist so unruhig, dass ich nicht stillhalten kann – und trotzdem bin ich so müde, so erschöpft. Als ich um drei Uhr nachts an einem Dienstag endlich Zähne putzen gehe, mischt sich der aschfahle Geschmack meiner Tränen mit dem Zahnpastaschaum. In mir diese kleine fiese Stimme, die mir und meinem Spiegelbild zuflüstert: „Das hat doch alles keinen Sinn. Du bist sinnlos.“  </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Am nächsten Tag lache ich mit meiner Schwester und tanze ausgelassen in der Küche zu Taylor Swift mit ihr, aber mein Strahlen erreicht meine Augen nicht. Ein paar Wochen klicke ich auf die Ergebnisse meiner Online-Klausuren, sehe die Einsen, schließe den Laptop, wandere die zwei Schritte von meinem Schreibtisch zu meinem Bett und… weine. Eine Stunde später schmecke ich das Salz meiner Tränen noch auf meinen verkrusteten Lippen und lächle in die Kamera: „Na, was hast du heute in Mathe aufbekommen? Dann lass uns mal beginnen!“ </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Zwischen 2020 und 2021 werde ich neunzehn Jahre alt und wie der Rest meiner Generation im Lockdown langsam erwachsen. Ich mache Online-Workouts mit Maddy Morrison, werde vegetarisch und dann vegan, backe Bananenbrot und finde neue Freund:innen im Zoom-Chatfenster in Uni-Seminaren. Ich verliebe mich, lächle auf Dates und in analoge Kameras, stoße mit Tequila an, strahle, strahle, strahle. Eine „ganz normale“ Teenagerin mit vielen Privilegien, die andere in der Corona-Pandemie nicht haben. Und trotzdem: weine, weine und weine ich. Mehrmals wöchentlich hyperventiliere ich, mache meine Familie mit meiner Unausgeglichenheit verrückt. Nach Zoom-Calls gebe ich T-H-E-R- im Suchverlauf ein und schließen den Tab schnell wieder beschämt. Wische mir die Tränen mit dem Ärmel meines Thrasher-Pullis weg und schäme mich. Wieso genauso sollte ICH bitte in Therapie gehen? Ich habe ein Dach über dem Kopf, studiere erfolgreich und wohnte mit meiner Familie zusammen, die bisher alle glimpflich durch den Lockdown gekommen sind. Ich funktioniere. An einigen Tagen bin ich sogar glücklich. Warum also sollte ich einen dieser raren Therapieplätze jemand anderem wegnehmen?</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Einige Wochen später gehe ich mit meiner Mama spazieren, eine typische Lockdown-Aktivität, die Luft ist frisch und riecht angenehm nach dem Regen letzter Nacht, wir unterhalten uns über die letzte Folge „Love is Blind“, sie fragt nach dem Club und ich sage: „Ich fühle nichts mehr, Mama.“ Sie schaut mich besorgt an, aber ich komme nicht weiter. Weil  ich plötzlich nicht mehr kann. Mitten auf der Straße, zwischen dem feuchten Laub sinke ich auf die kalten Steine und…nix. Keine Tränen, keine Schreie, keine Worte, keine Erklärungen. Nichts. Nur dieser unbeschreibliche Schmerz ganz tief in mir drin, der mich voll und ganz einnimmt. Eine halbe Ewigkeit später sitze ich zu Hause, schreie meine Mama – die liebste Person, die ich kenne – an und schlage um mich und schreie und weine und weiß nicht, wohin mit mir, was falsch mit mir ist. Wieso sich das alles schon wieder so anfühlt. Mama bringt mir einen Lillifee-Tee und sagt sanft, aber bestimmt: „Du brauchst Hilfe. Ich weiß nicht mehr, wie ich dir helfen soll. Du brauchst jemanden, der das kann.“</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Es dauerte noch zig Anläufe und Anrufe, bis ich mein Erstgespräch habe. Ein weiteres halbes Jahr, in dem ich immer wieder zwischendurch denke, dass ich übertreibe. Dass es für eine extrovertierte Jugendliche wie mich normal ist, sich im Lockdown eingeengt zu fühlen; als Hypochonderin Wahnvorstellungen und intrusive Gedanken zu entwickeln und allgemein unausgeglichen, antriebslos und abgestumpft zu sein. Die Pandemie bietet mir so viel Stoff, mich zu gaslighten. Dazu kommt, dass ich keine Worte für meine Gefühle habe. Bin ich depressiv? Definitiv nicht, ich liege nicht nur im Bett, Schnittwunden zieren meine Arme nicht – ich sehe nicht aus wie die Girls auf Tumblr, nicht wie die Figuren von John Green. Ich lache, schreibe gute Noten, arbeite, gehe auf Partys mit zehn Haushalten. Ich habe einfach nur zu viel Zeit. Zeit nachzudenken: über Gespräche mit meinem Vater, Dynamiken, die mich seit Jahren erdrücken. Nichts Besonderes. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Aber darum geht es nicht. Mein Leiden ist vielleicht nicht einzigartig, obwohl meine Geschichte damit einzigartig ist. Ich verdiene Hilfe und muss nicht in irgendwelche Bilder passen, die wir gesellschaftlich Menschen mit psychischen Erkrankungen aufdrücken wie Schablonen. Später erfahre ich, dass deutschlandweit außerdem nur ca. 1,5% von dem betroffen sind, was ich hatte. Dabei kann ich nicht für diese anderen sprechen. Aber: ich kann für mich schreiben, ich kann diese Leerstelle versuchen mit ersten Worten zu füllen. Zum Beispiel mit dem Wort „Dysthymie“ – meiner Diagnose, die mein Therapeut als eine Art „Subdepression“ beschreibt. Langanhaltende depressive Verstimmungen, nie stark oder anhaltend genug, um sie als Depression einzustufen, erklärt mir eine Freundin, die Psychologie studiert. Aber selbst diese Diagnose fühlt sich wie Gaslighting an, denn erstens wie antworten auf: „Dysthe…was?“, wenn jemand nachfragt und zweitens, wie standhaft bleiben und den eigenen Leidensdruck nicht wieder kleinreden , wenn jemand sagt: „Ach dann kann´s ja nicht so schlimm sein, wenn´s keine richtige Depression ist.“ Oder einer meiner Dates den geistreichen Take abgibt: „Haben wir nicht alle sowas? Depri light? Achterbahn der Gefühle halt?“ Selbst jetzt beim Schreiben dieses Textes, Jahre und viele Poetry Slam Texte über meine Erkrankung später, fällt es mir immer noch schwer, diese unbändige Traurigkeit in Worte zu fassen, sie nicht zu relativieren. Wieso dieses Gefühl wie Wellen immer wieder verschwindet, nur um mich dann unter ihm zu begraben. Bis ich mich wieder an mein Seepferdchen erinnere, schwimme, strample. Und dann merke, dass das Seepferdchen nicht ausreicht – und wieder unterzugehen drohe.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Deshalb ist es wichtig, zu wissen, dass es erlaubt ist, sich Rettungsringe zu holen. Therapie war für mich genau das: Schwimm- und Atemübungen, ein Rettungsring im Ernstfall, eine Schwimmweste für später und Worte wie eine Trillerpfeife, mit denen ich Alarm schlagen kann, mit denen ich mich ausdrücken kann. Und damit mehr Menschen diese Hilfe bekommen, müssen wir nicht nur unsere Therapieplätze endlich erweitern, liebe Bundesregierung. Sondern auch immer wieder, wenn wir Kapazitäten haben, darüber sprechen: Erfahrungen zu teilen, Zeilen schreiben, zuhören, sichtbar sein, Räume schaffen. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Erst 2023 lese ich zum ersten Mal ein Buch, in dem die Protagonistin mit Dysthymie diagnostiziert wird. Und auch wenn ich an „I want to die but I want to eat tteokbokki” von Baek Sehee vieles oberflächlich und die Therapeutin toxisch fand, hätte ich mich vielleicht früher getraut und mir und meinem jugendlichen Ich eine Menge Leid ersparen können, wenn ich gewusst hätte, dass es das gibt. Dass es da ein Wort für meinen Schmerz gibt. Deswegen, falls du das hier gerade liest, hoffe ich, dass all meine Worte gerade ein Gegengewicht zu deinem Gaslighting und Schmerz darstellen und dir stattdessen comfort schenken können.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">„alles, was ich wieder will: ist das Licht in mir drin“, damit beendet Kayla Shyx´ engelsgleiche Stimme den Song und ich bin zurück, im Hier und Jetzt. Ich habe mein Licht längst wiedergefunden. Und trotzdem gibt es bis heute Tage, an denen meine Welt vor meinen Augen verschwimmt und meine Glieder sich schwer anfühlen, als wäre ich in Olivenöl getaucht. Auch heute, trotz etlicher Gedichte und Gespräche über meinen Genesungsprozess, treffe ich die Dysthemie als alte Bekannte wieder. Manchmal winken wir uns von der anderen Straßenseite zu, manchmal verbringt sie unangekündigt zwei Nächte auf der Schlafcouch in meiner WG. Immer mal wieder ist da diese Stimme wie ein lästiger Ohrwurm. Aber meistens sind diese dunklen Gewitterwolken, aus denen Antriebslosigkeit, Erschöpfung und Minderwertigkeitskomplexe auf mich herabprasseln, eben nur noch ein Regenschauer, der vorbeizieht. Und wenn aus Regenpfützen doch mal Seen werden, dann hab ich zum Glück mittlerweile mehr als ein Seepferdchen.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ich bin glücklich. Punkt.</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/06/ich-bin-gluecklich-punkt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lina]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 Jun 2025 08:00:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
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					<description><![CDATA[Lina&#8217;s neuer Text ist ein Statement gegen pathologisiertes Frausein und vermeintliche Fürsorge: Ein kraftvoller Ruf nach Selbstbestimmung, ein feministischer Blick auf mentale Gesundheit – und ein radikales Bekenntnis zu einem Glück, das nicht erklärt, sondern einfach ist. Ich bin glücklich. Punkt. Nicht weil ich alles geschafft habe. Nicht weil alles gut ist. Sondern weil ich]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Lina&#8217;s neuer Text ist ein Statement gegen pathologisiertes Frausein und vermeintliche Fürsorge: Ein kraftvoller Ruf nach Selbstbestimmung, ein feministischer Blick auf mentale Gesundheit – und ein radikales Bekenntnis zu einem Glück, das nicht erklärt, sondern einfach <em>ist</em>.</strong><span id="more-16970"></span></p>
<p>Ich bin glücklich. Punkt.<br />
Nicht weil ich alles geschafft habe.<br />
Nicht weil alles gut ist.<br />
Sondern weil ich begriffen habe, dass Glück kein Endzustand ist,<br />
sondern ein Moment, den ich mir nehme, wenn ich atmen kann.</p>
<p>Und ich kann atmen.</p>
<p>Ich sage: Ich bin glücklich. Punkt.</p>
<p>Und was ich höre, ist:<br />
„Du wirkst überdreht.“<br />
„Du hast doch wieder keine Therapie gemacht.“<br />
„Du hast doch wieder diesen manischen Blick.“<br />
„Das klingt doch nicht gesund.“<br />
„Pass auf, nicht dass du wieder krachst.“<br />
„Warte mal zwei Tage, dann bist du wieder am Boden.“</p>
<p>Du sagst: „Ich mache mir nur Sorgen.“<br />
Ich höre: „Ich traue dir dein Glück nicht zu.“<br />
Ich höre: „Du passt nicht in mein Bild von mentaler Gesundheit.“</p>
<p><b>Ich höre den Sound von Gaslighting in einem Care-Mäntelchen.</b></p>
<p>Ich höre nicht, was du sagst. Ich höre, was die Gesellschaft sagt.<br />
Ich höre, was man FLINTA-Personen seit Jahrhunderten sagt:</p>
<p>„Du darfst glücklich sein – aber bitte nicht so auffällig.“<br />
„Du darfst gesund sein – aber nicht auf eine Art, die uns stört.“</p>
<p><b>Wir wurden sozialisiert, unsere Wut zu schlucken.</b><br />
<b>Wir wurden sozialisiert, still zu leiden.</b><br />
<i>Uns wurde gesagt: Frauen* sind nicht laut, nicht aufmüpfig, nicht wild.</i><br />
<b>Und wenn wir leiden, dann bitte leise, mit Haltung. Elegant. Zerbrechlich, aber nicht unbequem.</b></p>
<p>Und manchmal sage ich: Ich bin glücklich.<br />
Auch wenn es nicht stimmt.<br />
Weil es muss ja.<br />
Weil es weitergeht.<br />
Weil niemand fragt, was Glück eigentlich heißt,<br />
wenn du es nur überzeugend genug sagst.</p>
<p>Meine Definition von Glück hat Abgründe gesehen.<br />
<b>Sie hat in dunklen Zimmern geschwiegen,</b><br />
während das Leben draußen weiterlief.</p>
<p>Es geht mir gut – das war oft nichts als<br />
<b>eine Spiegelfläche für den Zusammenbruch.</b><br />
Eine Rüstung aus Lächeln.<br />
Eine glatte Oberfläche über einem Beben.</p>
<p>Ich habe gelitten im Dunkeln,<br />
damit niemand das Licht anschaltet und nachfragt.</p>
<p>Wir FLINTA lernen früh:<br />
Zu viel Glück ist verdächtig.<br />
Zu viel Kraft wirkt übertrieben.<br />
Zu viel Stimme ist unweiblich.</p>
<p>Und dann sagst du: „Ich bin nur besorgt.“</p>
<p>Ich sage: Ich bin glücklich. Punkt.<br />
Nicht weil ich nie gefallen bin.<br />
Sondern weil ich wieder aufgestanden bin,<br />
auch ohne Applaus.<br />
Auch ohne dass du es gesehen hast.<br />
Auch ohne dass jemand geklatscht hat.</p>
<p>Ich bin nicht überlebend, um deiner Vorstellung von Gebrochenheit zu entsprechen.<br />
Ich bin nicht deine Projektionsfläche für ein pathologisiertes Frausein.</p>
<p>Ich bin nicht deine Held:innengeschichte.<br />
Ich bin nicht deine Warnung.<br />
Ich bin nicht deine Therapeut:in.<br />
Ich bin nicht dein Trauma-Vergleich.<br />
Ich bin glücklich. Punkt.</p>
<p>Und ja: Ich habe Therapie gemacht. Ich mache sie noch. Ich werde sie wohl mein Leben lang machen.<br />
Und ja: Ich habe Medikamente genommen. Ich nehme sie manchmal noch.<br />
Und nein: Ich schulde dir kein mentales Gesundheitstagebuch.</p>
<p>Weil ich als FLINTA-Person <b>immer erklären muss, warum ich lebe, wie ich lebe.</b><br />
Warum ich nicht leise bin.<br />
Warum ich mich freue.<br />
Warum ich funktioniere.<br />
Warum ich nicht funktioniere.</p>
<p>Weil FLINTA oft nicht krank genug für Hilfe sind – und nicht gesund genug für Vertrauen.</p>
<p><b>Weil Glück für viele von uns ein Akt der Rebellion ist.</b></p>
<p>Feministische Perspektiven auf Mental Health sagen längst:<br />
Wir dürfen nicht über psychische Gesundheit sprechen,<br />
ohne über <b>Care-Arbeit</b>, <b>strukturelle Ungleichheit</b>, <b>medizinisches Gaslighting</b>,<br />
und die lange Geschichte der Pathologisierung weiblichen Verhaltens zu sprechen.</p>
<p>Die Soziologin Eva Illouz schreibt:<br />
„Gefühle sind nicht privat. Gefühle sind politisch.“</p>
<p><b>Lebensrealitäten von uns werden wieder und wieder falsch verstanden, </b></p>
<p><b>entwertet </b></p>
<p><b>ignoriert </b></p>
<p>Vielleicht bin ich glücklich, obwohl ich all das weiß.<br />
Vielleicht bin ich glücklich, weil ich all das weiß und das Privileg habe mich zu bilden.<br />
Vielleicht bin ich glücklich, <b>weil ich endlich aufhöre, mich zu erklären.</b></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mental Health in der Kreativbranche</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/06/16965/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Jun 2025 09:40:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
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					<description><![CDATA[46 % der Menschen, die in der Kreativbranche arbeiten, haben Angst oder Depressionen. Die ist deutlich höher, als Vergleichwerte in anderen Berufsgruppen. Warum dies so ist und wie Awerness geschaffen werden kann, das seht ihr in Lilith’s neuem Video.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">46 % der Menschen, die in der Kreativbranche arbeiten, haben Angst oder Depressionen. Die ist deutlich höher, als Vergleichwerte in anderen Berufsgruppen. Warum dies so ist und wie Awerness geschaffen werden kann, das seht ihr in Lilith’s neuem Video.</strong><span id="more-16965"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mental Health</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/06/mental-health/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CarMiA]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Jun 2025 09:44:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;Psychische Krankheiten suchen sich ihr Geschlecht nicht aus&#8220;. Ziad und Nic haben sich in ihrem neuen Video mit Psychischen Krankheiten beschäftigt und zeigen anhand popkultureller Referenzen, wie sich diese zeigen und wie wir damit umgehen können, wenn Menschen aus unserem Umfeld erkranken.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8222;Psychische Krankheiten suchen sich ihr Geschlecht nicht aus&#8220;. Ziad und Nic haben sich in ihrem neuen Video mit Psychischen Krankheiten beschäftigt und zeigen anhand popkultureller Referenzen, wie sich diese zeigen und wie wir damit umgehen können, wenn Menschen aus unserem Umfeld erkranken.</strong><span id="more-16944"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Deine Leere</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/06/deine-leere/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sophie]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 05 Jun 2025 10:05:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstfindung]]></category>
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					<description><![CDATA[„In diesem berührenden Gedicht erzählt Sophie von ihrem inneren Kampf mit Erwartungen, Unsicherheiten und dem Wunsch, ihr wahres Ich zu finden. Ein stiller, kraftvoller Blick auf Selbstzweifel und die Suche nach Authentizität.“ Manchmal voller Wut, Manchmal voller Trauer Trotzdem immer ein bisschen leer So, als würde etwas fehlen – Etwas, was du nicht benennen darfst,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„In diesem berührenden Gedicht erzählt Sophie von ihrem inneren Kampf mit Erwartungen, Unsicherheiten und dem Wunsch, ihr wahres Ich zu finden. Ein stiller, kraftvoller Blick auf Selbstzweifel und die Suche nach Authentizität.“</strong><span id="more-16940"></span></p>
<p>Manchmal voller Wut,<br />
Manchmal voller Trauer</p>
<p>Trotzdem immer ein bisschen leer</p>
<p>So, als würde etwas fehlen –<br />
Etwas, was du nicht benennen darfst, nie benennen durftes<br />
Vielleicht auch nie benennen konntest</p>
<p>In jeder Ecke, in jedem Winkel hast du danach gesucht<br />
Die schweren Blicke Erwartungen der anderen, die dich formen wollten auf deinen Schultern<br />
Wie man zu sein hat, wie man sein soll</p>
<p>Vielleicht war es mal da,<br />
Vielleicht aber auch nicht</p>
<p>In Spiegeln, die dein Selbstbild verzerren<br />
Mit Worten, die dich kleiner machen</p>
<p>Lauter, leiser<br />
Näher, entfernter</p>
<p>Mal nachdrücklich mit Pinselstrich gezeichnet<br />
Mal seicht wie eine Feder</p>
<p>Bist du das – oder verschwindest du jeden Tag ein bisschen mehr unter dem Deckmantel der<br />
Vorstellungen von dem, was du sein solltest?</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Weibliche Wut</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/06/weibliche-wut/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Diedesianna]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Jun 2025 09:10:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
		<category><![CDATA[Wut]]></category>
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					<description><![CDATA[Anna hat es satt, dass wütende Frauen nicht ernst genommen werden, weibliche Sozialisation Wut unterdrückt und dass dies krank macht.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Anna hat es satt, dass wütende Frauen nicht ernst genommen werden, weibliche Sozialisation Wut unterdrückt und dass dies krank macht.</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zu laut, zu viel, zu emotional?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/05/zu-laut-zu-viel-zu-emotional/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Romy]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 May 2025 09:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstliebe]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=16901</guid>

					<description><![CDATA[Als “unkompliziert” wahrgenommen zu werden, erschien Romy für lange Zeit erstrebenswert. Insbesondere weil dies ein Bild von Frauen zeichnet, das gesellschaftlich anerkannt ist. In ihrem neuen Text zeigt Romy ihren eigenen Weg zur Selbstakzeptanz und ermutigt dazu, Raum einzunehmen, eigene Meinungen zu äußern und Emotionen zuzulassen. „Lass dir nicht einreden, dass du lieb, soft schwach]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Als “unkompliziert” wahrgenommen zu werden, erschien Romy für lange Zeit erstrebenswert. Insbesondere weil dies ein Bild von Frauen zeichnet, das gesellschaftlich anerkannt ist. In ihrem neuen Text zeigt Romy ihren eigenen Weg zur Selbstakzeptanz und ermutigt dazu, Raum einzunehmen, eigene Meinungen zu äußern und Emotionen zuzulassen.</strong><span id="more-16901"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">„Lass dir nicht einreden, dass du lieb, soft schwach und links zu sein hast“ – das sagt AfD-Politiker Maximilian Krah in einem seiner TikTok Videos, dass er gezielt an junge Männer richtet. Und er ist nicht der Einzige, der mit seinen Videos toxische Männlichkeitsbilder vermittelt. Er ist nicht der Einzige, der „lieb sein“ bei Männern mit „Schwäche“ in Verbindung bringt. Auf den Sozialen Medien wimmelt es von Dating Coaches, die zur Übergriffigkeit aufrufen, die ein „Nein“ als „Herausforderung“ bezeichnen. Die sich wünschen, dass „Männer endlich wieder richtig männlich sind“ – was auch immer das genau heißen mag.  Auch andere Content CreatorInnen, die ZuschauerInnen erklären, warum wir wieder zur „wahren Weiblichkeit“ zurückkehren müssen, finden immer wieder ihren Weg auf die For-You-Page. Die „Wahre Weiblichkeit“ impliziert hier: Bereitwillig folgen und nicht zu viele Umstände machen.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Aber nicht nur durch die sozialen Medien, auch durch unser gesellschaftliches und soziales Umfeld, wie beispielsweise der Schule, merken wir schon sehr früh, wie wir uns zu verhalten haben. Wir merken, was von uns erwartet wird. Wir merken, dass diese Erwartungen sich oft darin unterscheiden, ob wir als biologisch männlich oder weibliche Person geboren werden. Meistens beugen wir uns dem und versuchen, uns daran zu halten. So ging es auch mir – und ich arbeite schon lange daran, mich von diesen Eigenschaften zu lösen.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">„Unkompliziert“ sein: Das ist eine Eigenschaft, die ich früher als sehr erstrebenswert angesehen habe. Ich wollte es allen, gerade den männlich sozialisierten Personen in meinem Umfeld, immer recht machen. Ich wollte simpel sein, keine Umstände machen, immer zustimmen. Und wenn ich doch mal nicht die Meinung teilte, habe ich höchstens ganz leise widersprochen. Raum einnehmen, laut sein, diskutieren – das kam für mich nicht ansatzweise in Frage. Ich dachte mir: „Wenn ich unkompliziert bin, dann werde ich gemocht“. Und so habe ich angefangen, meine Bedürfnisse, meine Ansichten und Meinungen hintenanzustellen. Wenn Personen sich mir gegenüber respektlos verhalten haben, dann habe ich das akzeptiert. Still und leise.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Und das ist nicht alles. Über eine sehr lange Zeit habe ich mich dafür geschämt, viel zu fühlen. Es war mir unangenehm, dass ich selten für mich selbst einstehen konnte, und mich gleichzeitig vieles sehr stark mitgenommen hat. Ich habe lange noch über Gespräche nachgedacht, warum ich mich nicht anders verhalten habe, warum ich nichts gesagt habe. Ein „Warum“ nach dem anderen. Ich habe eine ganze Palette an Emotionen ganz ausführlich durchlebt – und das tu ich auch heute noch. Ich habe nur meinen Umgang damit verändert. Und ganz signifikant dabei ist: Ich bin nicht mehr so streng zu mir selbst.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Wir sind fast im Dauertakt dabei, uns selbst zu bewerten. Warum haben wir dies getan und nicht jenes, warum haben wir das gesagt und nichts anderes, weshalb haben wir so reagiert und nicht unterschiedlich. Und gerade als weibliche Personen machen wir uns dabei besonders Gedanken, ob wir es allen Recht machen konnten, ob wir keinem auf den Schlips getreten sind, ob wir nicht zu viel Raum eingenommen haben, zu laut waren, zu viel waren. Das alles sind Verhaltens- und Denkmuster, von denen wir nach und nach versuchen können, uns zu trennen. Und ich muss ganz ehrlich sagen: Ich habe keinen „ultimativen Tipp“, wie man sich endgültig davon lösen kann – ich bin selbst noch mittendrinnen. Sein eigenes Verhalten zu reflektieren und zu überlegen, was man akzeptiert und woran man arbeiten möchte – das ist ein Prozess, der sich vermutlich durch unser gesamtes Leben zieht. Und das ist auch gut so. Also möchte ich alle LeserInnen dazu aufrufen: Es ist nicht falsch, Raum einzunehmen. Genauso wenig wie eine eigenständige Meinung zu haben oder zu widersprechen. Und genauso okay ist es, viele Emotionen zu spüren und die auch zuzulassen und zu zeigen. Das gehört zu uns.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559740&quot;:360}"> </span></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
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		<title>Depressionen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/05/depressionen-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Hoff]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 20 May 2025 09:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Depressionen]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir haben schon viele starke Aussagen in Robins Musik gehört, doch wie er in dem heutigen Video über seine Depression redet ist außergewöhnlich. Realtalk von Robin über seine Krankheit, das Leben damit und seinen Plan sie zu behandeln.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Wir haben schon viele starke Aussagen in Robins Musik gehört, doch wie er in dem heutigen Video über seine Depression redet ist außergewöhnlich. Realtalk von Robin über seine Krankheit, das Leben damit und seinen Plan sie zu behandeln.</strong><span id="more-16896"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Psychische kranke Eltern oder auch &#8222;bin ich eigentlich schuld?&#8220;   </title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/05/psychische-kranke-eltern-oder-auch-bin-ich-eigentlich-schuld/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sara]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 May 2025 09:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Eltern]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
		<category><![CDATA[Mentale Gesundheit]]></category>
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					<description><![CDATA[In ihrem neuen Text reflektiert Sara über ihre herausfordernde Kindheit mit einem psychisch kranken Vater und den Auswirkungen auf ihr Leben. Sie beschreibt den Kampf um emotionale Nähe, die Suche nach Identität und die Erkenntnis, dass die Verantwortung für familiäre Konflikte nicht bei ihr liegt. Solange ich denken kann, war bei uns zuhause irgendwas anders]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>In ihrem neuen Text reflektiert Sara über ihre herausfordernde Kindheit mit einem psychisch kranken Vater und den Auswirkungen auf ihr Leben. Sie beschreibt den Kampf um emotionale Nähe, die Suche nach Identität und die Erkenntnis, dass die Verantwortung für familiäre Konflikte nicht bei ihr liegt.</strong><span id="more-16890"></span></p>
<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><span data-contrast="none">Solange ich denken kann, war bei uns zuhause irgendwas anders als bei anderen Familien. Meine Eltern haben sich getrennt, als ich 8 Jahre alt war, und haben sich auch vorher nicht großartig gut verstanden. Es gab Zeiten, in denen wir als Familie verreist sind oder Dinge unternommen haben, aber auch das war irgendwann vorbei.</span><br />
<span data-contrast="none">Meine Mutter war eine eher unternehmenslustige Person, die mich öfter zu ihren Freund*innen mitnahm und dort lange Zeit verbrachte. Schon damals störte sich mein Vater daran, dass sie &#8222;zu viel unternehmen würde&#8220; und &#8222;man gar nicht so viel rausgehen müsse&#8220;. Er lebte er zurückgezogen und vertraute auch seinen eigenen Freund*innen nicht, zu denen er den Kontakt in Laufe der Zeit vollständig verlor.</span></p>
<p><span data-contrast="none">Als meine Eltern sich trennten, entschied ich mich weiterhin bei meinem Vater wohnen zu bleiben, da er der Hauptverdiener war und aus anderen Gründen wie das stabilere Elternteil wirkte. Meine Mutter wanderte irgendwann zurück nach Georgien zurück und der Kontakt versiegte allmählich.</span></p>
<p><span data-contrast="none">Zurück verblieben mein Vater und ich, der sich als wesentlich instabiler erwies als ich. Schon früh merkte ich, dass er einen sehr kurzen Geduldsfaden, fast keine Frustrationstoleranz und vor allem keinen gesunden Umgang mit seinen Emotionen hatte. Ein richtiges Familienleben war ebenfalls sehr schwer, besonders viel Geld hatten wir nicht und selbst kleine Aktivitäten wie ein Eis draußen essen oder einen Kaffee trinken empfand er als reine Zeitverschwendung. Jegliche Aktivität, die für mich mit Unbeschwertheit zusammenhing, war mit ihm unmöglich zu schaffen.</span></p>
<p><span data-contrast="none">Wenn ich bei Freund*innen zu Abend aß oder mit ihnen Zeit im Garten beim Grillen verbrachte, merkte ich vor allem eins: Hier waren alle willkommen und es wurde sich sogar über jede einzelne Person gefreut. Wenn ich dann zurück nach Hause kam, wurde ich angeschrien, warum ich nie zuhause sein würde und ständig bei Fremden sein muss. Es war klar erkennbar, dass mein Vater erkannte, dass er nicht der Familienvater sein konnte, der er eigentlich gerne wäre. Andere nahmen diesen Platz an seiner Stelle ein.</span></p>
<p><span data-contrast="none">Vor allem im Teenageralter fiel mir immer mehr bedenkliches auf, unsere Toilette war nie sauber, weil es aufgrund der Depression meines Vaters zu viel Aufwand war zu putzen. Ebenso war es mit der Wäsche, die ich angeblich zu kurz tragen würde. Meinem Vater war es egal, dass seine irgendwann anfing zu riechen. Staubsaugen oder andere Putzeinheiten kamen ebenfalls kurz, wenn ich diese mal übernahm, wurde ich ebenfalls zusammengefaltet, weil dies nicht meine Aufgabe sei. Das mochte vielleicht stimmen, der Anspruch war, dass er alles allein schaffen wollte, aber es war schlicht und einfach nicht möglich.</span></p>
<p><span data-contrast="none">Die Anwesenheit meines Vaters war wie eine dunkele Wolke im Haus. In meinen Teenagerjahren kam ich nur aus meinem Zimmer, um zu essen, zu trinken und zu duschen. Ich wartete bis um 12 Uhr, bis ich frühstückte, weil ich wusste, dass er dort immer täglich das Haus verließ. Ich hörte jeden einzelnen nahenden Schritt und das Hoftor, damit ich schnell in mein Zimmer verschwinden konnte. Wenn ich mit ihm sprach, endete es immer im Streit. Mein Vater hatte nie gelernt eine Beziehung mit Harmonie zu gestalten und konnte Nähe nur durch immerwährende Konflikte erzeugen.</span></p>
<p><span data-contrast="none">Alles, was ich tat, um dieser Umgebung zu entkommen und mit meinen eigenen Lieblingsmenschen zu gestalten war falsch. Essen zu gehen war falsch &#8211; er hätte ja selber kochen können. Nach Kanada zu fliegen sei falsch &#8211; es ist viel zu gefährlich und ich kann das doch gar nicht. Abends wegzugehen war falsch &#8211; das ist auch viel zu gefährlich.</span></p>
<p><span data-contrast="none">Ich erkannte irgendwann, dass nicht ich das Problem war und ich nicht schuld an unseren ständigen Streits war. Zwar erst nachdem ich alle fragwürdigen Wege an Nähe und Beziehung zu kommen, abgeklappert habe, aber der Punkt kam dennoch. Auch nach vielen Gesprächen erklärte sich mein Vater nie bereit eine Therapie zu machen, obwohl er mich jahrelang fast täglich anschrie oder auf andere Art und Weise, versuchte kleinzuhalten, damit ich ihn ja nicht verlassen würde. Er erkannte niemals an, dass sein monotones Leben, dass er abends mit Bier und Weinbrand versuchte erträglicher zu machen, nicht alles sein konnte, was es im Leben gab.</span></p>
<p><span data-contrast="none">Meine jetzige Berufsausbildung war ihm ebenfalls ein Dorn im Auge, weil es nicht das Prestige einer Anwältin oder Ärztin mitbrachte, dass er als angemessen erachtete. Dass ich heutzutage trotzdem ein gutes akademisches Gehalt bekomme, eine glückliche Beziehung führe und allgemein ein sehr stabiles Leben führe, passt nicht in seinen Lebensentwurf. Und nach jahrelangem Zweifeln an meiner eigenen Wahrnehmung und der Frage, ob ich daran Schuld bin, dass ich keine Beziehung zu meinem Vater habe, verstehe ich, dass es nicht das ist.</span></p>
<p><span data-contrast="none">Vielleicht hätte ich ohne die Depression meines Vaters eine &#8222;normale&#8220; Vaterfigur gehabt, vielleicht wären meine Eltern noch zusammen, vielleicht wären aber doch die konservativen Werte zwischen uns gekommen?</span></p>
<p><span data-contrast="none">Letzten Endes ist es nicht die psychische Erkrankung, die ihn vollständig ausmacht, hätte er sich therapeutische Hilfe gesucht, wäre ich natürlich mit ihm in Kontakt getreten. Wenn ich heutzutage Menschen begegnen, die mentale Herausforderungen haben, weiß ich vor allem eins: Das ist alles kein individuelles Problem, das nur einen Mann wie meinen Vater betrifft, es ist der gesellschaftliche, kapitalistische Druck, es ist Gewalt, es ist Armut, es sind Schicksalsschläge, es ist Genetik oder es passiert einfach so, aus dem Nichts.</span></p>
<p><span data-contrast="none">Die einzige Medizin, die da hilft, ist Aufklärung, Ausbau von therapeutischen, psychologischen und psychiatrischen Stellen und natürlich Enttabuisierung. Es ist nie zu spät ein neues Leben zu beginnen und den Mut zu fassen, sich Hilfe zu suchen.</span></p>
<p><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
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		<item>
		<title>Wie geht es dir?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/05/wie-geht-es-dir/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 May 2025 07:00:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
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					<description><![CDATA[„Wie geht’s dir?“ – eine einfache Frage, die oft mehr bedeutet, als wir glauben. In seinem*ihrem Text reflektiert Sabylonica, warum wir diese Floskel manchmal auswendig antworten und was passiert, wenn wir uns wirklich Zeit nehmen, ehrlich zu sein. Ein Blick auf die Tiefe hinter der Frage und die Herausforderung, sich selbst wirklich zu begegnen. Wenn]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>„Wie geht’s dir?“ – eine einfache Frage, die oft mehr bedeutet, als wir glauben. In seinem*ihrem Text reflektiert Sabylonica, warum wir diese Floskel manchmal auswendig antworten und was passiert, wenn wir uns wirklich Zeit nehmen, ehrlich zu sein. Ein Blick auf die Tiefe hinter der Frage und die Herausforderung, sich selbst wirklich zu begegnen.</strong><span id="more-16885"></span></p>
<p><span data-contrast="none">Wenn ich früher die Frage bekommen habe, wie es mir geht, habe ich sehr automatisiert „gut“ geantwortet. Diese Antwort kam schnell, fast schon reflexartig und einstudiert. Ich habe damals nicht reflektiert, worauf die Frage impliziert, gar implizieren soll. Es war einfach eine Reaktion auf eine Floskel, die zum alltäglichen Sprachgebrauch gehört, ohne dass wirklich Raum oder Tiefe dahinterstand, zumindest habe ich das so wahrgenommen.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Je mehr ich mich mit meinen eigenen Gedanken beschäftigte, sie sortierte, analysierte und versuchte, sie zu verstehen, desto mehr fiel mir auf, wie komplex diese scheinbar einfache Frage eigentlich ist. Auch meine Auseinandersetzung mit Strukturen, wie etwa Sprache und ihre Bedeutungen und Ebenen, haben mich dazu gebracht, genauer hinzuhören und vor allem auch bewusster zu antworten. Denn die Frage: „Wie geht es dir?“ trägt eine Tiefe in sich, die man auf den ersten Blick oft gar nicht wahrnimmt.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Zwar wird sie häufig als bloße gesellschaftliche Floskel genutzt, eine Art Sprachritual, das kaum hinterfragt wird. Besonders in Begegnungen, die flüchtig sind, ob im Treppenhaus oder auf dem Flur, halt zwischen Tür und Angel, wird die Frage gestellt, ohne dass wirklich Interesse oder Raum für eine ehrliche Antwort vorhanden ist. Manchmal scheint es sogar so, als sei die Antwort bereits vorweggenommen, als erwarte die Gegenüberperson ohnehin nur ein kurzes, positives Signal, um schnell wieder zum nächsten Punkt überzugehen.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Mittlerweile zögere ich immer, wenn ich die Frage gestellt bekomme. Nicht, weil ich sie unangenehm finde, sondern weil ich sie inzwischen ernst nehme. Ich nehme mir die Zeit, wenn auch nur für einen Moment, in mich zu gehen und ehrlich zu prüfen: Wie geht es mir wirklich? Was empfinde ich gerade? Was möchte ich wirklich sagen? Und vielleicht noch wichtiger: Wem antworte ich? Ist die Person vor mir bereit, meine ehrliche Antwort zu hören? Oder möchte ich denn erzählen, wie es mir geht?</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Diese neue Haltung bringt mit sich, dass ich zwar die Fähigkeit zur Reflexion habe, aber gleichzeitig auch spüre, wie viel Energie und innere Kapazität es kostet, sich wirklich mit dem eigenen Befinden auseinanderzusetzen. Es reicht nicht nur die Frage zu stellen, man muss auch den Mut haben, die Antwort zuzulassen. Und genau das fällt mir oft schwer.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Denn obwohl ich grundsätzlich in der Lage bin, meine Gedanken und Gefühle zu reflektieren, fehlt mir im Alltag oft die Kapazität dazu. Zwischen äußeren Anforderungen, innerem Druck und der Überforderung durch das Leben bleibt wenig Raum für Selbstfürsorge. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich es mir selbst nicht erlaube, diesen Raum einzunehmen, weil ich denke, dass andere Dinge wichtiger sind, dass ich „funktionieren“ muss.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Vielleicht aber spielen auch Ängste eine Rolle. Die Angst davor, was ans Licht kommt, wenn ich wirklich hinschaue. Die Angst, mit Dingen konfrontiert zu werden, die ich nicht sofort einordnen oder lösen kann. Und so schiebe ich vieles zur Seite, rede mir ein, es sei gerade nicht der richtige Moment, obwohl ich weiß, dass es eigentlich nie „den richtigen Moment“ geben wird.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Ich glaube, genau darin liegt die Schwierigkeit: die Balance zu finden zwischen dem Bedürfnis nach Klarheit und dem Schutzmechanismus des Verdrängens.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Genauso, wie ich mir erlaube, ehrlich zu antworten, möchte ich auch meiner Gegenüberperson diesen Raum geben. Wenn ich frage, wie es der Person geht, dann meine ich es ernst. Ich höre zu, nehme mir Zeit und frage nach, wenn ich spüre, dass da mehr ist. Echtes Interesse braucht Geduld und die möchte ich gerne bewusst aufbringen, weil ehrliche Begegnungen nur dann entstehen, wenn wir wirklich hinhören.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="none">Und vielleicht ist schon das ein erster Schritt zu merken, dass die ehrliche Antwort auf die Frage „Wie geht es dir?“ nicht immer leicht ist, aber dass sie wichtig ist. Für mich. Für mein Inneres. Für ein echtes, aufrichtiges Sein.</span><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true,&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559738&quot;:0,&quot;335559739&quot;:140,&quot;335559740&quot;:276,&quot;335559991&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{&quot;134245417&quot;:true}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zu Broke um Schön zu sein?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/05/zu-broke-um-schoen-zu-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sophia]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 May 2025 07:00:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
		<category><![CDATA[Schönheit]]></category>
		<category><![CDATA[Schönheitsideale]]></category>
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					<description><![CDATA[You&#8217;re not ugly you&#8217;re just poor! Durch Social Media sind wir jeden Tag mit Schönheitsidealen konfrontiert. Durch Foto-Filter und Schönheits OPs wurde eine Art von &#8222;Perfektion&#8220; normalisiert, die eigentlich die Ausnahme und nicht die Regel ist. Durch immer niedrigere Kosten für Eingriffe, wächst der Druck und auch die Möglichkeit sich dieser gleichgeschalteten Ästhetik anzupassen. Kannst]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>You&#8217;re not ugly you&#8217;re just poor! Durch Social Media sind wir jeden Tag mit Schönheitsidealen konfrontiert</strong><strong>. Durch Foto-Filter und Schönheits OPs wurde eine Art von &#8222;Perfektion&#8220; normalisiert, die eigentlich die Ausnahme und nicht die Regel ist. Durch immer niedrigere Kosten für Eingriffe, wächst der Druck und auch die Möglichkeit sich dieser gleichgeschalteten Ästhetik anzupassen. Kannst du dich dem Trend entziehen? Ein Essay von Sophia.</strong><span id="more-16786"></span><br />
Vor einigen Jahren war es noch eine Seltenheit, jemanden zu treffen, der sich einer kosmetischen Operation unterzogen hatte. Vor allem Celebrities standen im Fokus der Klatschmagazine, die minutiös Vorher-Nachher-Bilder analysierten und wilde Spekulationen über vermeintliche Eingriffe anstellten. Heute jedoch ist der Anblick von mit Fillern behandelten Lippen oder gebotoxten Stirnen nicht mehr auf Hochglanzmagazine beschränkt.</p>
<p>Vielmehr sehe ich mit Filler behandelte Lippen nicht nur durch die Scheibe eines Taxis, sondern auch neben mir in der U-Bahn. Denn auch U-Bahn-Fahrende können sich Botox, Filler und Co. jetzt leisten, nicht weil die Löhne der Arbeitsgesellschaft gestiegen sind, sondern weil kosmetische Prozeduren immer zugänglicher gemacht werden. In städtischen Gebieten gibt es gefühlt an jeder Ecke einen Beautysalon, der auch Botox und Filler anbietet</p>
<p>Und nicht nur minimal-invasive Eingriffe boomen – auch größere Operationen wie Brustvergrößerungen oder Brazilian Butt Lifts sind so alltäglich geworden, dass selbst jemand mit einem kleinen Freundeskreis problemlos mehrere Menschen kennt, die sich operieren ließen.</p>
<p>Doch während es vor allem Frauen sind, die sich unters Messer legen oder sich Spritzen setzen lassen, sind es oft Männer, die davon profitieren – sei es als Hersteller der Filler, als plastische Chirurgen oder als Investoren in die milliardenschwere Beauty-Industrie.</p>
<p>Wer bis hierher gelesen hat, wird denken, jetzt kommt sie &#8211; die Moralkeule. Ganz klar ist dieser Text ein Bashing von Schönheitsoperationen und ein erhobener Zeigefinger auf diejenigen, die unnatürliche, unerreichbare Beauty-Ideale normalisieren.</p>
<p>Aber um ehrlich zu sein, überkommt mich immer als allererstes, wenn ich einer jungen Frau mit offensichtlich gespritzten Lippen über den Weg laufe, ein Gedanke: Ich kanns verstehen.</p>
<p>Schönheit öffnet Türen.</p>
<p>Attraktive Menschen werden nicht nur bei der Partnersuche bevorzugt, sondern haben auch im Berufsleben Vorteile. Der sogenannte &#8222;Halo-Effekt&#8220;, der besagt, dass attraktive Menschen als sympathischer, kompetenter und vertrauenswürdiger wahrgenommen werden, ist wissenschaftlich gut belegt. Wer den geltenden Schönheitsidealen entspricht, hat immer einen Punkt mehr auf dem sozialen Konto – auch beim Bewerbungsgespräch und bei der Wohnungssuche.</p>
<p>Daher klar, wenn du einen heftigen Zacken in der Nase hast, dafür vielleicht auch noch als Kind schikaniert wurdest, weil manchmal Kinder eben grausame kleine Erwachsene sind kann ich verstehen, weshalb man tausende Euro investiert um mit einer Stupsnase aufzuwachen. Es ergibt Sinn, dass man als Frau lieber mit einem vollen C Körbchen als mit einem Hauch von nichts das Partykleid anzieht. Leute behandeln dich halt wirklich anders.</p>
<p>Wer bin ich, um Menschen, insbesondere Frauen, den sozialen Aufstieg verwehren zu wollen? In welcher Position bin ich, um jemanden dafür zu verurteilen, dem Ideal zu entsprechen und die sozialen Benefits ernten zu wollen? Oftmals steht eben auch ein langer Leidensweg von Mobbing, Unsicherheiten und fehlendem Selbstbewusstsein vor einer Entscheidung, sein Aussehen maßgeblich zu verändern.</p>
<p>Ich habe vor allem erst mal Verständnis und Mitgefühl, denn am Ende des Tages wolltest du doch einfach nur schön sein.</p>
<p>Doch gleichzeitig macht mich das ganze System wütend. Es widert mich an, dass wir in einer Gesellschaft leben, in der so viele Menschen das Gefühl haben, nicht genug zu sein. Dass einige wenige, die an der Spitze der Gesellschaft stehen, unerreichbare Standards setzen, von denen sie selbst profitieren – während der Rest versucht, mitzuhalten. Die Beauty-Industrie hat in der Vergangenheit von meinen Unsicherheiten profitiert und wird es auch weiterhin tun.</p>
<p>Noch frustrierender ist, dass wir uns dem oft kaum entgegenstellen. Jede einzelne Person, die etwas an sich machen lässt, trägt unweigerlich zur Normalisierung dieser Eingriffe bei. Je mehr operierte Gesichter wir sehen, desto mehr verändert sich unsere Vorstellung von &#8222;normaler&#8220; Schönheit. Auf Social Media sind Botox und Filler längst keine Tabuthemen mehr, sondern werden als selbstbestimmte &#8222;Girlboss&#8220;-Moves gefeiert.</p>
<p>Yes girl, mach dir Botox, wenn du willst, your body your choice! Jede Entscheidung die eine Frau über ihren eigenen Körper trifft ist feministisch, selbst wenn die Entscheidung lautet diesen durch einen Eingriff zu verändern.</p>
<p>“Ich mache das für mich”, wird dann oft klargestellt, um nicht als Antifeministin rüberzukommen. Komischerweise drehen sich die “nur für mich” Eingriffe fast immer um weniger Bauchfett, vollere Brüste, schmalere Nasen und größere Lippen.</p>
<p>Es scheint mir, als würden wir uns alle kollektiv einreden, dass wir nur unsere eigenen Bedürfnisse umsetzen und auch nur dafür, dass wir uns selbst schöner finden.</p>
<p>Aber dass diese Bedürfnisse nicht von innen kommen sondern von außen, will niemand zugeben.</p>
<p>Du wirst nicht mit einer Abneigung zu deiner Nase geboren. Und auch wenn wir mit dem Narrativ gehen, dass es yes girlboss feminist ist, in der sozialen Hierarchie aufzusteigen durch kosmetische Eingriffe, die einem die Welt ein wenig mehr öffnen sowie das eigene Selbstbewusstsein boosten, so stellt sich immer noch die Frage:</p>
<p>Wem ist das möglich?</p>
<p>“Du bist nicht hässlich, du bist einfach nur arm.”</p>
<p>Eine Art Mantra der Gegenbewegung, die sich auf z.B. Tiktok zeitgleich verbreitet, dem ich durchaus zustimmen muss. Denn das Privileg, mehrere hunderte oder sogar tausende Euro dafür auszugeben, näher am Beauty ideal zu sein, hat nicht jeder.</p>
<p>Es ist wie so oft eine Klassenfrage. Diejenigen, die ohnehin schon privilegiert sind und über mehr Geld verfügen, haben die Möglichkeit sich head and shoulders knees and toes machen zu lassen, um auch die Privilegien freizuschalten, die sie bisher nicht hatten. Gerade Filler sind zwar immer günstiger zu bekommen, was allerdings auch an den fragwürdigen Quellen liegt. Um die Behandlung durchzuführen, braucht man keine ärztliche Ausbildung und Hyaluron-Filler kann man mittlerweile auf Aliexpress bestellen.</p>
<p>Was ich damit sagen möchte ist: Das Ganze ist mittlerweile finanziell für viele erreichbar geworden, auch wenn es schon etwas auf den Geldbeutel drücken wird, wenn man die Behandlung alle paar Monate auffrischen lässt. Für andere, die täglich mit steigenden Lebensmittelpreisen ringen, aber eben auch nicht.</p>
<p>Hinzu kommt, dass westliche Schönheitsideale zutiefst von Weißsein geprägt sind. Krauses Haar, breite Nasen, Monolids – all das entspricht nicht dem, was als &#8222;attraktiv&#8220; gilt. Dunkle Körperbehaarung? Bloß nicht. Die Normschönheit, die uns als erstrebenswert verkauft wird, ist nicht nur teuer – sie ist auch zutiefst rassistisch geprägt.</p>
<p>Auch wenn ich verstehen kann wie auf einer individuellen ebene kosmetische Eingriffe durchaus empowering sein können und ich eine Einzelperson für den Versuch des sozialen Aufstiegs nicht verurteilen kann, so wünsche ich mir dass wir alle mehr Awareness dafür haben, dass unsere persönlichen Entscheidungen nicht in einem Vakuum existieren.</p>
<p>Denn wir alle tragen dazu bei: ein Schönheitsideal, was auf natürliche Art und Weise kaum erreichbar ist, wird gerade von der jüngeren Generation, die ihre Freizeit auf Social Media verbringt, als “Standard” gesehen.</p>
<p>Und auch wenn die Entscheidung “für einen selbst” getroffen wurde, so muss man anerkennen:</p>
<p>Eigene Entscheidungen haben auch Auswirkungen auf andere, egal ob du willst oder nicht.</p>
<p>Mir ist bewusst, dass ich als dünne weiße Person aus einer privilegierten Position heraus urteile. Denn auch wenn ich absolut flachbrüstig bin und auch im Erwachsenenalter mit Akne zu kämpfen habe weiß ich, dass ich in vielerlei Hinsicht in das Schönheitsideal gut genug herein passe, um nicht benachteiligt zu werden. Klar, auch ich habe mich mal darüber belesen, wie viel es theoretisch kosten würde, sich Eigenfett von den Beinen in die Brüste transplantieren zu lassen. Die meisten von uns, die kritisch gegenüber der Normalisierung von Filler und Co. stehen, sind auch nicht immun gegen den Druck, jung und schön zu bleiben.</p>
<p>Doch genau das ist in meinen Augen die einzige Lösung. Immer mehr müssen versuchen dem Druck zu widerstehen und sowohl sich selbst als auch andere um einen herum daran zu erinnern: hey, das ist halt eben nicht normal. Das ist halt eben nicht der Standard.</p>
<p>Die Standard Person hat Falten, etwas Bauchfett, Muttermale und vielleicht auch dunkle Haare auf den Armen.</p>
<p>Ich finde wir sollten Menschen, die ihr Geld in Filler und Botox stecken, mit Mitgefühl entgegentreten, denn wir stecken alle im selben Boot was die Erwartungen an uns angeht.</p>
<p>Allerdings sollten wir, wie ich finde, auch auf die Diskrepanz hinweisen, dass persönliches Empowerment eben nicht gleich Empowerment fürs Kollektiv bedeutet. Es ist eben nichts feministisch daran sich einer profitorientierten Kosmetikbranche und deren Standards für Frauen zu beugen, weil man das Geld dafür hat.</p>
<p>Aber es kann auch okay sein, wenn nicht jede deiner Entscheidungen feministisch ist.</p>
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		<title>Männer und ihre Väter</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/05/maenner-und-ihrer-vaeter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CarMiA]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 06 May 2025 09:00:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Depressionen]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
		<category><![CDATA[Väter]]></category>
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					<description><![CDATA[Frauen bekommen doppelt so oft eine Depression diagnostiziert – aber Männer bringen sich dreimal so häufig um. Warum das so ist? Ziad und Nico haben sich drei große deutsche Autoren vorgenommen und dabei etwas Entscheidendes entdeckt: Die Vater-Sohn-Beziehung spielt eine zentrale Rolle.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Frauen bekommen doppelt so oft eine Depression diagnostiziert – aber Männer bringen sich dreimal so häufig um. </strong><strong>Warum das so ist? Ziad und Nico haben sich drei große deutsche Autoren vorgenommen und dabei etwas Entscheidendes entdeckt: Die Vater-Sohn-Beziehung spielt eine zentrale Rolle.</strong><span id="more-16850"></span></p>
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		<title>Selbstfürsorge, wenn ich sage: „Ich möchte das heute nicht“</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/05/selbstfuersorge-wenn-ich-sage-ich-moechte-das-heute-nicht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Johanna-Maria]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 May 2025 07:00:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
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					<description><![CDATA[Heilung ist immer ein Weg und irgendwann muss man den ersten Schritt wagen. Unsere Autorin Johanna hat eine Therapie begonnen &#8211; für sich aber auch für die Menschen, die sie liebt. Ein Essay über die Hürden des Suchens und auch des Finden eines Therapieplatzes. Wovon rede ich im Folgendem, wenn ich meine, dass ich mehr]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heilung ist immer ein Weg und irgendwann muss man den ersten Schritt wagen. Unsere Autorin Johanna hat eine Therapie begonnen &#8211; für sich aber auch für die Menschen, die sie liebt. Ein Essay über die Hürden des Suchens und auch des Finden eines Therapieplatzes.</strong></p>
<p><span id="more-16782"></span></p>
<p>Wovon rede ich im Folgendem, wenn ich meine, dass ich mehr Acht auf mich gebe und dass ein Erstgespräch bei der Therapie der bewusste Startschuss dafür war? Die Rede ist von Selbstfürsorge. Nach der Definition des Dudens beschreibt sie ein „aktives Bemühen um die eigene seelische und körperliche Gesundheit“.</p>
<p align="justify">Als ich beschloss, mich nicht länger zu verschließen und mein Leiden zu teilen, befand ich mich in keiner guten Verfassung. Um ehrlich zu sein, machte es die Suche nach einem Therapeuten via Telefon nicht leichter. Die Sprechstunden sind sehr eng gelegen und da ich unter der Woche fast täglich von morgens bis abends in den Semesterferien gearbeitet habe, kam ich nicht so schnell voran, wie erhofft. Aber ich befand mich plötzlich an einem neuen Punkt mit der Trennung von einem langjährigen Partner, dem (sich unendlich erstreckenden) Tief danach und dem Beginn einer neuen Partnerschaft für die ich von Anfang an kämpfen wollte. Meine Probleme waren akut und ich wusste: Mein Leiden ist auch das Leiden meines Partners. Mein Weg der Besserung ist auch sein Pfad zur Genesung. Der Entschluss: Lass es mich anpacken. Für mich und die aktuelle Beziehung.</p>
<p align="justify">Ich erinnere mich, wie aufgeregt ich vor dem Erstgespräch war. Die Verabredung zum Erstgespräch war unverbindlich und relativ zeitnah möglich, als das Telefonat endlich in meinen Alltag passte. Zahlreiche Gedanken durchfuhren mich dann: Wie fasse ich in Worte, was ich zu sagen habe? Was ist meine zentrale Herausforderung? Was ist, wenn ich weine? Wie bemisst sich ein Leiden, dass sich nicht artikuliert?</p>
<p align="justify">Die erste Begrüßung war kein Problem, die Atmosphäre behaglich. Krankenkassenkarte abgegeben, Formalitäten geklärt. Meine Bitte, mich auf die Warteliste für eine fortlaufende Therapie, welcher Art auch immer, zu setzen, wurde ernst aufgenommen und vorgemerkt. Zuerst wurden allgemeine Daten erfragt, wie den Verlauf meiner Schulzeit, das Verhältnis zu Familie und Freunden, ob eine Partnerschaft bestehe und wie es mir mit ihr ergehe. Wir tasteten uns näher an meine Gefühlslage ran, die ich bei der Terminvereinbarung als besonders wechselhaft und bedrückt hervorhob. „Was kannst du, deiner Meinung nach, besonders gut?“, fragte mich die Therapeutin. Was war das Bild von mir selbst, wie sah mein Alltag aus, was waren meine Ziele? Tatsächlich ist es wissenschaftlich untersucht, wie ein Erstgespräch abläuft: In der Verhaltenstherapie ist es gewollt unorganisiert. <i>Unbewusste Inszenierung </i>nennt man das, was auch ich am Tag des Erstgesprächs erfahren habe: Bei der Frage: „Weshalb sind Sie hier?“, wusste ich erst keine Antwort. Und dann sprudelten Sorgen aus mir heraus, die sie aufschrieb und die schon die unterbewussten Anteile von mir zur Therapie waren.</p>
<p align="justify">Ich musste feststellen, dass die Therapeutin nicht so gut zu mir passte und dass mir das weitere Öffnen hinsichtlich meiner Probleme schwerfiel. Aber auch dazu waren Erstgespräche gut, um das zu erkennen. Ich rief noch bei anderen Therapeuten an, doch wurde ich zunächst auf zahlreiche Wartelisten gesetzt. Die Therapiegespräche lehrten mich dennoch, dass ich Stärke besitze, mich meiner Vergangenheit zu stellen und ein Familientrauma aufzuarbeiten. Dass die Zukunft besser wird, auch, wenn man vielleicht mal Kinder bekommen wollte und sie nicht vorbelastet ins Leben starten. Es kostet viel Kraft, aber seit jeher komme ich ein bisschen besser aus seelischen Tiefs heraus, indem ich versuche, Regler (wie die, der Bewegung, des Essens, des Trinkens, der sozialen Kontakte und der Entspannung) hoch zu halten und zu reflektieren. Wenn gar nichts mehr geht, ziehe ich mich zurück und nehme mir die Zeit für was Schönes: Das ist bei mir das Lesen, ein Bad nehmen, Malen und Spazieren gehen. Wenn ich wegen meiner Periode wieder heftige Schmerzen leide, versuche ich nicht 100 Prozent zu geben, sondern vielleicht nur eine von 4 Lehrveranstaltungen zu besuchen, um im Rhythmus zu bleiben.</p>
<p align="justify">Diesen Text schreibe ich voll neu geschöpften Mut, da ich soeben einen Rückruf einer Praxis entgegennahm, auf deren Warteliste ich lange Zeit stand und die mir fortan eine Behandlung anbieten können. Es geht immer weiter und vorwärts, nur benötigt das manchmal Geduld und in den Anfängen auch mal Glück.</p>
<p align="justify">Und weil ich vor dem Therapieangebot vor allem selbst für mich sorgen und die Praktiken aus den ersten Gesprächen mit der Therapeutin anwenden wollte, kommt es nicht selten vor, dass ich mich aufgrund meiner Kraftreserven auch mal entschuldigen muss: „Ich möchte das heute nicht“, sage ich dann vorsichtig, aber bestimmt zu Gruppenaktivitäten für die ich von meinen sozialen Kapazitäten nicht bereit bin. Und das ist okay. Sorgt für euch und holt euch Hilfe, wenn es euch nicht gut geht &#8211; das ist ein starker Schritt und spiegelt die Dankbarkeit, die wir gegenüber unserem Körper, der stets für uns sorgt und kämpft empfinden sollten oder wieder zu empfinden lernen!</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Schritt für Schritt</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/04/schritt-fuer-schritt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Celine]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Apr 2025 07:00:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Mental Health]]></category>
		<category><![CDATA[Therapie]]></category>
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					<description><![CDATA[Seit ihrer Behandlung in einer Tagesklinik holt sich unsere Autorin Celine die Kontrolle über ihr Leben zurück. Kein leichtes Unterfangen und nichts, was von einem auf den anderen Tag funktioniert, sondern Schritt für Schritt. Die Zeit nach einer langen Phase in der Tagesklinik kann sich anfühlen wie ein Neustart, aber ohne klare Anleitung. Monatelang gab]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Seit ihrer Behandlung in einer Tagesklinik holt sich unsere Autorin Celine die Kontrolle über ihr Leben zurück. Kein leichtes Unterfangen und nichts, was von einem auf den anderen Tag funktioniert, sondern Schritt für Schritt.</strong></p>
<p><span id="more-16778"></span></p>
<p>Die Zeit nach einer langen Phase in der Tagesklinik kann sich anfühlen wie ein Neustart, aber ohne klare Anleitung. Monatelang gab es Struktur: Therapiesitzungen, Gruppenaktivitäten, feste Zeiten – alles war irgendwie geregelt. Man wusste, was jeden Tag kommt, und hatte einen Rahmen, der Sicherheit gab. Und jetzt? Plötzlich ist da diese große Freiheit, aber auch eine riesige Unsicherheit: „Was mach ich jetzt?“<br />
Besonders schwierig ist es, wenn man lange nicht gearbeitet hat. Während andere scheinbar ohne Probleme ihrem Job nachgehen, steht man selbst da und weiß nicht, wo man anfangen soll. Der Lebenslauf hat Lücken, die Erwartungen in der Arbeitswelt wirken riesig. Man fragt sich: Bin ich überhaupt noch in der Lage, das alles zu schaffen? Halte ich das durch? Was, wenn es mir zu viel wird? Was, wenn ich nicht in den Rhythmus finde und scheitere?</p>
<p>Diese Unsicherheit kann echt belastend sein. Bewerbungen schreiben, Vorstellungsgespräche überstehen, einen Job finden, der nicht direkt überfordert – das alles kann wie eine unüberwindbare Mauer wirken. Dazu kommen Gedanken wie: Was, wenn ich auf eine Lücke im Lebenslauf angesprochen werde? Wie erkläre ich meine Situation? Und was, wenn ich mich auf eine Stelle bewerbe und dann merke, dass es doch nicht geht? Was, wenn alles, was ich mir in der Therapie erarbeitet habe, einfach nicht ausreicht?<br />
Aber es gibt Wege, das Ganze entspannt anzugehen. Es muss nicht sofort die perfekte Lösung sein. Kleine Schritte helfen: Vielleicht erstmal ein Ehrenamt, ein Praktikum oder eine Weiterbildung? Etwas, das hilft, langsam wieder reinzukommen. Beratungsstellen oder Programme zur Wiedereingliederung können unterstützen. Manche bieten spezielle Kurse für Menschen an, die lange nicht gearbeitet haben. Und es ist vollkommen okay, sich diese Hilfe zu holen.</p>
<p>Auch das Umfeld kann eine wichtige Rolle spielen. Familie und Freunde können helfen, indem sie unterstützen und zuhören. Manchmal fühlt es sich so an, als müsste man alles alleine schaffen, aber das stimmt nicht. Austausch mit anderen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, kann auch guttun – sei es in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren.<br />
Noch wichtiger als die Rückkehr ins Berufsleben ist jedoch die mentale Gesundheit. Ohne ein stabiles Fundament bringt der stressigste Job oder der vollste Terminkalender nichts. Es ist okay, sich Zeit für sich selbst zu nehmen und darauf zu achten, wie es einem wirklich geht. Regelmäßige Selbstfürsorge, sei es durch Hobbys, Bewegung oder Gespräche mit vertrauten Menschen, ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit. Wer merkt, dass alte Muster oder Ängste wieder auftauchen, sollte sich nicht scheuen, erneut Hilfe in Anspruch zu nehmen. Die mentale Gesundheit ist der Schlüssel zu allem anderen – und sie sollte immer an erster Stelle stehen.<br />
Und vor allem: Sich nicht unter Druck setzen. Die Zeit nach der Tagesklinik ist kein Endpunkt, sondern ein neuer Anfang – auch wenn er sich erstmal wackelig anfühlt. Man muss nicht von heute auf morgen alles wissen oder schaffen. Es ist okay, sich Zeit zu lassen und sich langsam voranzutasten. Es geht nicht darum, perfekt zu sein, sondern darum, den eigenen Weg zu finden – Schritt für Schritt.</p>
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