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		<title>Lass es kreisen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Diana Podoynitsyn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jan 2024 09:53:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Outing]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Autorin Diana ist queer und war bis vor Kurzem bei ihren Eltern noch ungeoutet. Erst nach ihrem Auszug hat sie sich getraut, ihren Eltern in einem Brief nicht nur von ihrer Queerness, sondern auch von ihrer politischen Haltung und ehrenamtlichen Arbeit zu erzählen. Im Folgenden schreibt sie von ihrem Weg zu dieser Entscheidung und den Folgen dieser]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Autorin Diana ist queer und war bis vor Kurzem bei ihren Eltern noch ungeoutet. Erst nach ihrem Auszug hat sie sich getraut, ihren Eltern in einem Brief nicht nur von ihrer Queerness, sondern auch von ihrer politischen Haltung und ehrenamtlichen Arbeit zu erzählen. Im Folgenden schreibt sie von ihrem Weg zu dieser Entscheidung und den Folgen dieser Zäsur. Ein Text über Coming-Out, Erwachsenwerden und viele erste Male.</strong><span id="more-15899"></span></p>
<p>Langsam wird es Herbst, noch fühlt es sich häufig an wie Spätsommer. Zwischen vielen Sonnentagen schwingt sich immer häufiger ein kühler Wind in den Vordergrund. Als ich heute in den Zug stieg, hat es in Strömen geregnet. Das Gefühl kalter Regentropfen, die sich mit meinen warmen Tränen vermischen, hat mich getröstet.<br />
Es war Frühling, als ich auszog in den Altbau, den ich bis heute so sehr romantisiere, obwohl sich Risse an der Decke abzeichnen und der Putz von der Wand fällt. Trotz Wespennest, immerzu wiederkehrenden Lebensmittelmotten und fehlender Badewanne, fehlenden Rauchmeldern, fehlenden Fliesen im Bad und einem Fenster, das sich nicht mehr schließen lässt. Mühsam schleppten wir meine Möbel durch das enge Treppenhaus, das zur Belagerung durch Fahrräder verdammt ist.<br />
Wir liegen im Bett, Hochsommer. Seine Hände gleiten über meinen Körper und streicheln mich mit einer Zärtlichkeit und Leidenschaft, die mich kurzatmig zurücklässt. „Ich will Dich endlich küssen“, sagt er. Ich strecke ihm meinen Hals entgegen. Seine Lippen liebkosen weiterhin meinen Körper, er fragt, ob seine Hände unter meine Unterhose, an meinen nackten Arsch, gleiten dürfen und ich sage ja. Ich höre die Lust in seinem Atem und spüre, wie das Kneten meiner Arschbacken drängender wird. „Ich will Dich endlich küssen“, sagt er. Ich überlege, sage ja. Er küsst mich und es ist schrecklich. Unglaublich feucht und unbeholfen. Danach erst einmal Schweigen. „Das war mein erster Kuss“, sage ich. Ich bin vor etwas über einem Monat 19 geworden, er wird 26. Ich liebe ihn über alles. Liege mit so großen Schmerzen im Bett, dass er mich mitten in der Nacht ins Krankenhaus fährt. Ich kann mich nicht mehr bewegen und tagelang nichts essen, danach nur Reis mit gebratenen Zucchini, kleine Portionen fünfmal täglich. Ich weine jeden einzelnen Tag.<br />
Meine Freiheit hat mich 85 Cent gekostet. Ein warmer Samstagvormittag, die Sonne scheint. 85 Cent. Sagt der Kassenzettel für das Briefporto. Ich schreibe all meinen Freund*innen.<br />
Jetzt ist Herbst und ich bin in Therapie. In meiner ersten Beziehung mit einem Mann, mit dem sich mittlerweile jeder Kuss so anfühlt, als würden tausend Schmetterling in meinem Bauch Halleluja im Kanon singen und mit dem ich zusammenwohne. In einer Wohnung, die durch tolle Handwerker bald wieder ein nutzbares Bad hat. Zwar immer noch ohne Rauchmelder und mit einem riesigen Riss an meiner Zimmerdecke, einem Treppenhaus voller Fahrräder, aber dafür mit einem neuen Fenster, das ich ohne Bedenken öffnen und schließen kann, wann immer ich mag.<br />
Die Blätter fallen noch nicht von den Bäumen, aber auch das ist nur eine Frage der Zeit. Ich rede wieder mit meinen Eltern. Zwar noch immer nicht über den Brief, den ich ihnen geschrieben und der mich mehr als 85 Cent gekostet hat, aber wir sprechen wieder miteinander. Zwar noch immer nicht über uns und die Frage danach, was das heißt. Aber zumindest wissen sie jetzt, dass sie nichts wissen. Ihre Tochter nicht kennen. Erst im Begriff sind, sie kennenzulernen. Was auch immer das heißt, wie auch immer das aussieht. Wie auch immer sich das gestaltet. Wie auch immer ich das schaffen soll.<br />
Meine Eltern wissen jetzt, dass ich queer bin. Wo ich politisch stehe, übertragen und ganz wörtlich. Was ich alles ehrenamtlich mache. Meine Eltern lieben mich.<br />
Mein Freund ist sieben Jahre älter als ich. Mein Freund wird Lehrer. Ich bin zum zweiten Mal Ersti und habe es zum ersten Mal nicht geschafft, meinen Stundenplan ohne ihn zu erstellen. Ich studiere<br />
Philosophie im Haupt- und Germanistik im Nebenfach. Ich werde nicht verbeamtet. Ich stehe mit einem Fuß vor der Obdach- und mit dem anderen vor der Arbeitslosigkeit. Und trotzdem sitze ich in meinem Lieblingscafé, schon die zweite heiße Schokolade trinkend mit veganer Nussecke. Meinen Lieblingskuchen haben sie heute leider nicht da. Ich werde nicht verbeamtet, ich werde schreiben und weiter für eine bessere Welt kämpfen. Und mich dabei fragen, wann ich für meine bessere Welt kämpfe. Wann ich den Achtsamkeitsübungen meiner Therapeutin eine Chance gebe, wann das klärende Gespräch mit meinen Eltern folgt. Wann ich einen Job finde, in dem ich auch einen Arbeitsvertrag mit basic workers rights.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Blau/Rot/Grün</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/03/blaurotgruen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sunrise Writers]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Mar 2017 08:00:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Jungen]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Outing]]></category>
		<category><![CDATA[Schwul]]></category>
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					<description><![CDATA[Eine wunderbare Liebesgeschichte, die nicht lange dauert: Auf einem Konzert begegnen sich die beiden Jungen, ein kurzer Moment der Liebe entsteht und vergeht so schnell wie er kam. Trotzdem hat er tiefen Eindruck hinterlassen bei Flo von den Sunrise Writers: auch eine kurze Liebe kann eine tiefe Liebe sein, und Flo hat sie motiviert, sich]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eine wunderbare Liebesgeschichte, die nicht lange dauert: Auf einem Konzert begegnen sich die beiden Jungen, ein kurzer Moment der Liebe entsteht und vergeht so schnell wie er kam. Trotzdem hat er tiefen Eindruck hinterlassen bei Flo von den Sunrise Writers: auch eine kurze Liebe kann eine tiefe Liebe sein, und Flo hat sie motiviert, sich endlich bei seiner Mutter outen.</strong></p>
<p><span id="more-8600"></span></p>
<p><em>Since I&#8217;ve come on home, while my body&#8217;s been a mess and I&#8217;ve missed your ginger hair and the way you like to dress…Izz Izz Izz</em></p>
<p>Wir hatten früher schon geschrieben und ich merkte, dass du jemand besonderes warst. Ich ging durch Zufall auf dieses Festival und wie durch Zufall warst du auch noch da. Wir haben uns gut verstanden.<br />
Wir hatten beide keine Ahnung von Liebe – also zumindest ich nicht.<br />
Wir hatten beide keine Ahnung von Alkohol – also zumindest ich nicht.</p>
<p>Wir beide haben wirklich keine Ahnung gehabt., wie schnell man sich doch gefallen kann – also zumindest ich.<br />
Als ich dich auf dem Festival kennengelernt hatte, in deiner Stadt, mit deinen Freunden, mit deiner Musik, glühten meine Wangen rot, wenn ich dich nur ansah. Heiß und rötlich, fast wie dein Haar.<br />
Als ich damals kennengelernt hatte, dachte ich, ich wüsste, was – oder vor allem wer mir fehlen würde.</p>
<p>Nach ein paar Drinks warst du mutig genug, mit mir auf die Tanzfläche zu gehen. Herzen schlugen härter als so mancher Sound. Hände waren schwitziger als jeder Raver auf der Tanzfläche. Wir tanzten. Eng zusammen und eng umschlungen. Wir tauschen Schweiß und später noch Speichel aus und aus Adrenalin wurde Endorphin. Aus Angst und Scheue wurde Geborgenheit und ein Wohlgefühl. Meine Hand an dein markantes Gesicht und sie streiften über deine ausgeprägten Wangenknochen.</p>
<p>Deine Hand an meiner Hüfte, so dass du mir Sicherheit gabst, falls ich falle. Mein Blick landete in deinen grünen Augen. Ein Blick in eine andere Welt. Deine Augen waren immer noch auf meine Lippen gerichtet. Du hast gelächelt. Die Lichter der Open-Air-Bühne blitzten immer im selben Rhythmus – blau, rot und grün – während die Scheinwerfer immer wieder hin und herschwankten. Mein Herz pochte zu dem schlechten Beat und mein Herz zitterte wie Wackelpudding auf einem Lautsprecher. Ich nahm die Menschenmasse gar nicht war. In diesem Moment drehte sich alles um dich.<br />
Blau. Eine royale Farbe, steht für Entschlossenheit, Freiheit und meinen Willen zur Liebe.<br />
Grün. Farbe der Hoffnung, des Glückes, der Vollkommenheit und deine unglaubliche Hingabe und Fürsorge.<br />
Und Rot. Eine ausdrucksstarke Farbe, die für starke Emotionen steht, wie dieses krasse Gefühl, das ich in diesem Moment spürte.</p>
<p>Wie die Scheinwerfer schwankten meine Gedanken hin und her. Von Sympathie und dem Gefühl auf einer Wellenlänge zu sein bis hin zu…Skepsis.<br />
Was wäre, wenn wir nichts getrunken hätten?<br />
Was wäre, wenn du nur mit mir spielst?<br />
Was wäre, wenn du eigentlich wen anders hast?<br />
Was wäre wenn? Was wäre wenn? Was wäre wenn?<br />
Ich machte mir keine weiteren Gedanken. Ich genoss den Moment der Zweisamkeit und legte meinen Kopf auf deine Brust.<br />
Das Gefühl der Geborgenheit trat ein. In verstärkter Form. Ich hörte dein Herz schlagen und es beruhigte mich. Wie eine Mutter, die ihr Kind an die Brust legt, damit es besser einschlafen kann und sich dann mit der Zeit an dessen Rhythmus gewöhnt.<br />
Oh scheiße! Wie sollte ich das nur meiner Mutter erklären? Ihr Sohn mit einem anderen Jungen! Ob sie, wenn ich ihr davon erzähle, sich schon gedanklich von ihren Enkelkindern verabschiedet, die sie immer wollte? Wird sie gelassen? Traurig? Wütend? Oder einfach nur enttäuscht?<br />
Ich lenkte mich lieber ab und dachte an deine Eltern und wie verdammt cool sie waren, dich in diesem Alter auf ein Festival zu lassen. Außerdem wollte ich ihnen einen Preis geben für das attraktivste Kind der Welt.<br />
Du tratst auf meinen Fuß und der Abdruck blieb. Normalerweise mag ich sowas gar nicht, aber bei dir machte es mir nichts aus.<br />
Das Lied wechselte und ich hatte schon 16 verpasste Anrufe von meiner Mutter, also brachtest du mich zum Bahnhof. Hand in Hand, durch die Innenstadt. Dumme Sprüche und Blicke war ich schon immer gewöhnt und in meinem Zustand fiel es mir nicht mal auf.<br />
Blau, rot und grün. Meine blauen Augen, deine grünen Augen und die stärkste Emotion, die Menschen verbindet: rot.<br />
Aber du hast dich nicht mehr blicken lassen. Nie mehr. Als wäre das alles nie gewesen. Eine Liebesgeschichte sollte es nicht werden, aber genau wie der Fußabdruck auf meinem Schuh hast du einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen. Es ist mittlerweile lange her, aber ich habe dazugelernt. Ich habe gelernt, dass die kleinen Momente im Leben gar nicht klein sind. Sie prägen sich ein und eine Person reift in solchen Momenten. Jeder Moment im Leben trägt eine Geschichte. Ich hätte nur gehofft, dass du ein Teil meiner Geschichte geworden wärst.<br />
Nicht jeder kann haben, was er will, sei es Reichtum, Macht, Ruhm oder eben die große Liebe auf der Tanzfläche bei einem Technofestival. Es ist auch nicht schlimm, solche Erfahrungen zu machen.<br />
Wenn man gewinnt, gewinnt man und wenn man nicht gewinnt, lernt man.</p>
<p><em>And I’ve missed your ginger hair and the way you like to dress…</em></p>
<p>Aber traurig muss man um sowas nicht sein, auch wenn jeder Tanz einmal zu Ende geht.<br />
Und ein gutes Ende gibt es trotzdem &#8211; ich habe mich wegen dir endlich bei meiner Mutter geoutet. Sie war weder traurig, noch wütend oder enttäuscht. Stattdessen hat sie mich getröstet, als ich wegen dir traurig war.</p>
<p>Nutzt also jede Gelegenheit, es schadet nicht!<br />
Carpe Diem!<br />
<b>Mehr dazu: </b></p>
<ul>
<li>Das Leben ist zu kurz für Vorurteile: <a href="https://www.meintestgelaende.de/2015/10/das-leben-ist-zu-spannend-fuer-vorurteile/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>In diesem Interview</strong></a> plaudert Conrad von der Redaktion Jeco mit dem Journalisten Jan Feddersen.</li>
<li>Und <strong><a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/06/kein-kompliment/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">in diesem Video</a></strong> zeigt queerblick, wie Heteros reagieren, wenn man ungefragt ihre Sexualität hinterfragt.</li>
</ul>
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