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	<title>patriarchat &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>patriarchat &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<item>
		<title>wie das patriarchat jungs schadet</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/03/wie-das-patriarchat-jungs-schadet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sara]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Mar 2025 07:00:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Jungen]]></category>
		<category><![CDATA[patriarchat]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Autorin Sara arbeitet im Sozialen Bereich mit Kindern und Jugendlichen. Sie bemerkt: auch wenn schon vieles besser geworden ist, einige patriarchale Verhaltensweisen lassen sich schon im Grundschulalter beobachten. Das schadet nicht nur den Mädchen, sondern auch den Jungs. Ich arbeite schon seit 6 Jahren in der Kinder- und Jugendhilfe und mache genauso lange dieselbe]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Autorin Sara arbeitet im Sozialen Bereich mit Kindern und Jugendlichen. Sie bemerkt: auch wenn schon vieles besser geworden ist, einige patriarchale Verhaltensweisen lassen sich schon im Grundschulalter beobachten. Das schadet nicht nur den Mädchen, sondern auch den Jungs.</strong><span id="more-16707"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich arbeite schon seit 6 Jahren in der Kinder- und Jugendhilfe und mache genauso lange dieselbe Erfahrung: auch hinter dem größten Macho und dem männlichsten kleinen Mann steckt immer ein verletzlicher Junge, dem mehr als ausführlich eingetrichtert wurde, keine Gefühle zu zeigen, anderen Jungs gegenüber dominant aufzutreten und natürlich Mädchen als etwas niederes zu sehen. Auch zwischen diesen kleinen Prinzen gibt es immer die bedürfnisorientiert erzogenen Jungs, die freundlich und sensibel sind (bitte mehr davon!!!).</span><span data-ccp-props="{}"><br />
</span><span data-contrast="auto">Schon in der Grundschule wird den Kindern immer noch eingetrichtert, dass Jungs nicht weinen und nicht emotional sein dürfen, was dazu führt, dass 7-Jährige schon vor mir stehen und ihre Tränen unterdrücken und nicht in der Lage sind ihre Gefühle zu spüren und mit etwas anderem außer Wut zu reagieren.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Wozu diese Männlichkeit bei erwachsenen Männern führt, die nicht gelernt hat mit Gefühlen umzugehen, sich Hilfe zu suchen und ihre Ängste anderen anzuvertrauen, lässt sich gut in Kriminalstatistiken finden. Die Brutalität und Dominanz, die man schon in der Grundschule sieht, führt später zu Strafdelikten, die anderen auch Schaden zufügen. Femizide, Vergewaltigungen, häusliche Gewalt, Mord, Totschlag etc., alles Statistiken, die von Männern intensiv gefüllt werden.</span><span data-ccp-props="{}"> </span><span data-contrast="auto">Eine männerdominierte Welt ist und bleibt immer gewalttätig, denn auch in der Grundschule ist schon sichtbar, dass Übergriffigkeiten stattfinden und die Grenzen anderer (vorrangig Mädchen) nicht respektiert werden. Mädchen wird immer noch erzählt, dass Jungs sie ärgern, weil sie sie mögen, anstatt zu lernen, dass Mögen daraus besteht, dass man sensibel und mit Wertschätzung behandelt werden soll.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Das Patriarchat tötet, nicht nur Frauen, sondern auch Männer, wenn man sich Selbstmordraten anschaut. Männer suchen sich seltener Hilfe für psychische Notlagen oder vertrauen sich seltener Freund*innen an, was dazu führt, dass der &#8222;starke Mann&#8220; mit seinen Schwierigkeiten allein bleibt und nicht damit umgehen kann.</span><span data-ccp-props="{}"><br />
</span><span data-contrast="auto">Und deshalb kann es nur einen Auftrag geben: Junge Männer im Erziehungssektor abzuholen und ihnen zu zeigen, dass es okay ist Gefühle zu haben. Es ist okay zu weinen, es ist okay sich Hilfe zu suchen und es ist auch okay, nicht dem Bild des maskulinen Manns zu entsprechen. Für ein wertschätzendes gesellschaftliches Miteinander und eine Welt, die sich dem Rechtsruck entgegensetzt, brauchen wir empathische Männer, die Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit erkennen und sich dieser in den Weg stellen.</span></p>
<p>Und wo könnte man damit besser anfangen, als bei unserer Jugend?</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das unterdrückte Gefühl</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/11/das-unterdrueckte-gefuehl/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kira]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Nov 2023 08:34:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[patriarchat]]></category>
		<category><![CDATA[Wut]]></category>
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					<description><![CDATA[Wut will gelernt sein. Während cis-Männer die Disziplin des Wütend-seins meistern, müssen viele Flinta* noch trainieren sie zuzulassen. Ein Text über den (fehlenden) Mut zur Wut von Kira. Zufriedenheit, Fröhlichkeit, Dankbarkeit, Zuneigung, Vertrauen, Freude und Liebe, das sind Emotionen, die ich meistens ohne weiteres an mich heranlasse. Ich lasse sie zu und lebe sie aus]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wut will gelernt sein. Während cis-Männer die Disziplin des Wütend-seins meistern, müssen viele Flinta* noch trainieren sie zuzulassen. Ein Text über den (fehlenden) Mut zur Wut von Kira.<br />
</strong><span id="more-15810"></span></p>
<div>
<div>Zufriedenheit, Fröhlichkeit, Dankbarkeit, Zuneigung, Vertrauen, Freude und Liebe, das sind Emotionen, die ich meistens ohne weiteres an mich heranlasse. Ich lasse sie zu und lebe sie aus –auf meine eigene Art. Auch Trauer oder Angst kann ich annehmen und mich auf sie einlassen &#8211; zumindest meistens. Denn Gefühle sind auch überfordernd und nicht immer weiß ich mich zu verhalten, wenn sie in mir aufkommen. Manchmal verstecke ich mich vor ihnen oder übergehe sie, manchmal drücke ich sie weg oder lasse sie mich nur zueinem Teil kontrollieren.</div>
<div></div>
<div>Doch es gibt ein Gefühl, vor dem ich mich fürchte und mich nicht drauf einlassen kann, mit dem ich noch keinen Umgang gefunden habe. Doch immer wieder kommt es in mir hoch, kocht es auf, brodelt es fast über. Dann beiße ich meine Zähne fest zusammen, ziehe meine Schultern hoch, rege mich allein für mich im Stillen auf, fühle mich unwohl. Dann zweifle ich an mir, fange an zu schwitzen, ich verstumme. Dann wandle ich das Gefühl oftmals in ein anderes um, ich flüchte michin Traurigkeit. Je mehr ich mir wünsche zu schreien, meine Stimmezu erheben, für mich oder für andere einzustehen, desto leiser werde ich. Dann schwinden meine Argumente, sie scheinen mir unerreichbar, so kann ich keine Diskussionen führen, ich ziehe mich zurück. Meine Stimme bricht, der Kloß im Hals wächst, ich fühle mich schwach.</div>
<div>Das Gefühl, das ich meine, ist Wut.</div>
<div>Wenn ich zurück denke an meine Kindheit und Jugend, dann kann ich mich kaum an Momente der Wut erinnern. Schockiert, traurig, empört, erschrocken, niedergeschmettert, einsam – das ja. Auch erinnere ich mich an Situationen, in denen ich mich nicht gehört oder verstanden gefühlt habe, in denen ich oder andere ungerecht behandelt wurden, Momente der Hilf-und Machtlosigkeit, Augenblicke des Ärgers und des Genervt Seins. Aber wirkliche, pure Wut? Ich erinnere mich nicht. Erinnere ich mich nicht, weil es keine Wut gab, weil ich sie schon immer runtergeschluckt habe?</div>
<div>Wütende Menschen verlieren die Kontrolle, sie geben sich dem Gefühl hin, lassen sichtragen, gehen in der Emotionunter und reißen einiges um sich herum mit in die Tiefe. Vielleicht ist es die Angst vor diesem Abgrund, die Angst vor diesem Kontrollverlust, die mich nicht einmal nah an den Abgrund heranlässt, die mich nicht mal einen Blick in die Tiefe wagen lässt. Die Angst übertrumpft, besiegt die Wut immer wieder aufs Neue. Kontrollverlust, sich gehen lassen, Grenzen nicht wahren, Anpassungen sprengen, negativ auffallen, laut sein, zerstören, schreien und fluchen – sich von dem vermeintlich Bösen leiten lassen ist unweiblich. Wut ist unweiblich. Und gleichzeitig habe ich als Frau so viele Gründe wütend zu sein. Immer dann, wenn ich Erfahrungen mit diskriminierendem Verhalten von FLINTA* höre, wenn ich selbst sexistische oder übergriffige Erfahrungen mache oder an Vergangene denke, wenn ich Fakten und Statistiken lese, wenn ich mitbekomme, wie Grenzen überschritten werden, wenn ich die Angst von FLINTA* spüre, wenn ich merke, wie sie sich fühlen und höre, was sie sagen-Immer dann hinterlässt es mich fassungslos, eigentlich wütend. Doch ich wandle das Gefühl lieber um, sodass ich eben traurig werde oder stumm. Dabei muss Wut doch gar nicht unkontrolliert und hässlich sein. Wut muss nicht mit einem tiefen Abgrund einhergehen. Wut kann auchkämpferischsein, sie treibt uns an und bringt uns weiter, sie ist ein Motor, sie mobilisiert und befreit. Wütende FLINTA*sind stark, durch Wut kann altes zerstört und Neues erreicht werden, Wut führt zu Veränderung.</div>
<div>Genau diese Veränderung wird jedoch gefürchtet. Im Patriachat hat diese Wut keinen Platz, sie muss verhindert werden, um das Patriachat erhalten zu können. Verständnisvoll sein, lieb, zart und anpassungsfähig, das ist, was die Gesellschaft von mir erwartet. Doch lieb und konfliktscheu lässt sich eine Konfrontation nicht gewinnen und schon gar nicht mit einem Mann, mit Menschen, die das Werkzeug Wut perfekt beherrschen. Es ist Wut, die als Reaktion auf jegliche Form von Gewalt folgt, folgen sollte, die aber eingesperrt, verdrängt, unterdrückt wird. Wie kann ich eine Konfrontation, einen Kampf gewinnen, den Mut finden diesen Kampf überhaupt einzugehen, wenn ich die Disziplin nicht einmal verstehe? Vor allem Männern gegenüber, die das Handwerk, die Disziplin der Wut schon seit klein aufüben und den Umgang beherrschen, kann ich der Wut keinen Raum geben. Vielleicht weil Gewalt und Wut so oft in einen Topf geworfen werden, obwohl sie gar nicht zwingend zusammengehören. Weil ich Angst habe, den Kampf zu verlieren, geschlagen zu werden, gehe ich ihn gar nicht erst ein. Das, was mir die Gesellschaft eingesteht und von mir erwartet, ist das Verständnis, das Zuhören, das Nachgeben, das Leise Sein und das in den Hintergrund rücken. Doch dieses Handwerk gewinnt nicht.</div>
<div>Meine Wut versteckt sich immer wieder hinter Ohnmacht. Wut, die eigentlich so stark ist, mich aber so schwach fühlen lässt. Ich bin so in patriarchalen Strukturen gefangen, dass ich im Kampf gegen genau diese Strukturen, von ihnen eingeschränkt werde. Wut ist ein hässliches Gefühl, eins was mir die Kontrolle entreißen könnte – über mich und auch mein Aussehen. Wut kann hässlich sein. Die Angst vor der Wut lässt mich verstummen: wie klinge ich, was kommen für Worte aus mir heraus? Ich habe Angst davor gehört zu werden, Angst davor aufzufallen. Ich habe Angst davor meine Wut zu spüren, Angst vor mir selbst. Wie kann ich dieses starke Gefühl zulassen, wenn es mich so schwach werden lässt? Sie ist mir so schwer zugänglich, dass ich sie oft schon im Keim ersticke. Was ist, wenn ich doch wütend werden würde? Wäre ich dann nicht hysterisch, zu laut, zu viel, unkontrolliert, peinlich, unangenehm?</div>
<div>Orte, an dem die Wut immer präsent ist, sind Demos. Ich liebe die Stärke und die Energie, die durch eine Demo bei mir ankommt. Ob bei einem Klimastreik, einer Soli-Demo für die Menschen im Iran oder einer Kundgebung gegen Putins Krieg – die Wut und dadurch freigesetzte Energiestecken mich an, die FLINTA* um mich herum inspirieren mich. Ich möchte Demo-Sprüche rufen, die Wut herausschreien, glaube, dass es sich befreiend anfühlt. Doch anstatt, dass ich die Wut zulasse, kommt wieder die Angst, die Scham komisch zu klingen, etwasfalsch auszusprechen, die Angst davor gehört zu werden, obwohl ich das doch gerade hier möchte &#8211; oder? Dann lächele ich andere wütende FLINTA* an und möchte sie in ihrem Gefühl bestärken. Ich bewundere wütende FLINTA* und möchte ihnen meine Solidarität aufdiese Weise ausdrücken. Es fühlt sich so an als könnte ich meine Wut, die in mir steckt durch ein Lächeln, durch die Anerkennung ihnen gegenüber, ausdrücken. Es scheint ein Ventil für mich zu sein.</div>
<div>Liebe FLINTA*, ich stehe Seite an Seite mit euch, ich spüre eure Wut, eineWut, die eigentlich auch meine ist. Bis ich es schaffe meine Wut zu zulassen, ihr den Raum zugeben, den ich ihr wünschen würde, liegtnoch ein weiter Weg vor mir.Ich seheeuch, ich höre euch zu, ich bin da. Und doch bin ich (akustisch)leise –zumindest noch.</p>
<div class="_linksLayer_1titd_42"></div>
</div>
</div>
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			</item>
		<item>
		<title>Do Look Back In Anger</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/10/do-look-back-in-anger/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[AMS]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 04 Oct 2023 07:00:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[patriarchat]]></category>
		<category><![CDATA[Wut]]></category>
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					<description><![CDATA[Im Kampf gegen das Patriarchat schwankt AMS zwischen Wut und Ohnmacht hin und her. Das Schlimmste am Patriarchat –für mich – ist die Wut, die ich mir nicht erhalten konnte. Wenn die Resignation sich breit macht. Und dann die Leere nach halt. Die Angst, die ihren Platz einnimmt. Und schließlich das Ausgeliefertsein. Falls ich meine]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im Kampf gegen das Patriarchat schwankt AMS zwischen Wut und Ohnmacht hin und her.</strong><span id="more-15736"></span></p>
<p>Das Schlimmste am Patriarchat –für mich – ist die Wut, die ich mir nicht erhalten konnte. Wenn die Resignation sich breit macht. Und dann die Leere nach halt. Die Angst, die ihren Platz einnimmt. Und schließlich das Ausgeliefertsein. Falls ich meine Wut wieder finde, melde ich mich. Dann gehen wir wieder auf Demos. Dann rufe ich wieder „nonbinary people exist, deal with it!“. Dann wehre ich mich wieder,wenn mich irgendein Hanswurst misgendert oder Kids in der Straßenbahn ein lustiges Foto von meinen Beinhaaren machen. Vielleicht sieht der Kampf dann auch anders aus. Wahrscheinlich. Ich werde älter sein. Ich bin es jetzt schon. Vielleicht finde ich einen eigenen Umgang mit meiner Wut. Einen nachhaltigeren.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Avatar 2 und die dreckige Leinwand</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/06/avatar-2-und-die-dreckige-leinwand/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anton August Dudda]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Jun 2023 11:55:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[patriarchat]]></category>
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					<description><![CDATA[Anton analysiert in seinem Kommentar den Sexismus und den Rassismus in dem Film Avatar 2. An „Avatar – The way of water“ gibt es eine Menge zu kritisieren. Drehbuch zum Beispiel. Das fühlt sich an, als hätte jemand zu Marktforschungszwecken ausprobiert, wie viele Klischees man in einen Blockbuster einbauen und trotzdem für einen Oscar als]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Anton analysiert in seinem Kommentar den Sexismus und den Rassismus in dem Film Avatar 2.</strong><span id="more-15619"></span></p>
<p>An „Avatar – The way of water“ gibt es eine Menge zu kritisieren. Drehbuch zum Beispiel. Das fühlt sich an, als hätte jemand zu Marktforschungszwecken ausprobiert, wie viele Klischees man in einen Blockbuster einbauen und trotzdem für einen Oscar als bester Film nominiert werden kann. Hätte ich eine Parodie schreiben wollen, ich hätte fast nichts anders gemacht.<br />
Hier möchte ich allerdings kurz auf einen Aspekt des Films eingehen, den ich als besonders perfide empfinde. Es ist nicht neu, dass Hollywood in Zeiten amerikanischer, wie auch internationaler Aufrüstung die dafür wohlfeile Heroisierung des Soldatentums und Idealisierung des Krieges verbildlicht und festigt. Dem muss man keine finstere Absicht einzelner unterstellen, kulturindustrielle Massenprodukte sind schwankende Rohre im Wind und können sich meist eine allzu offene Opposition nicht leisten, da sie möglichst Weltweit geschaut werden müssen, um ihre exorbitanten Produktionsbudgets wieder einspielen zu können. Dennoch haben viele amerikanische Filme der jüngeren Vergangenheit zumindest oberflächlich gewisse identitätspolitische Zugeständnisse gemacht und – wenn auch zumeist sehr zaghaft – an bestehenden Geschlechter- und Familienbildern gerüttelt oder auf schwarze und indigene Geschichte fokussiert und die Rolle des Rassismus in der „westlichen“ Geschichte in Ansätzen reflektiert.<br />
An den Verantwortlichen für „Avatar – The way of Water“, wobei man James Cameron als Regisseur, Co-Autor und Co-Produzent wohl hervorheben muss, scheinen von diesen Diskursverschiebungen allerdings nichts mitbekommen zu haben oder haben sich bewusst dazu entschlossen, sie zu ignorieren. Die als Opfer menschlicher Kolonisation inszenierten Na’vi sind Aliens. Als solche könnten sie wunderbar als Leinwand für die fantastischsten und fantasievollsten gesellschaftlichen Gegenentwürfe und Utopien herhalten, man könnte sie zeichnen als Wesen ohne Geschlecht, ohne tribalistische Zugehörigkeiten, ohne gewaltvolle Machtstrukturen, doch der Film entscheidet sich in einem fast schon unverschämten Mangel an Originalität für das exakte Gegenteil. Bei den Na’vi gibt es Männer und Frauen. Die gezeigten Stämme sind strikt patriarchal organisiert, die Männer sind Krieger, die Frauen werden als Ernährerinnen mit zum Teil übersinnlicher Verbindung zur Natur dargestellt.</p>
<p>Die Frau als das naturnahe Geschlecht ist ein so unfassbar altes Klischee, dass es sich eigentlich für die Leinwand verbieten sollte, aber wie schon gesagt, diesbezüglich ist sich „Avatar- The way of Water“ für nichts zu schade.<br />
Generell weidet sich der Film an der doch arg von westlicher Esoterik gefärbten Vorstellung der indigenen Völker, für welche die Na’vi ganz offensichtlich stellvertretend sind. Sie sind naturnah, bescheiden und erfüllt von übersinnlicher Weisheit, der Mensch hingegen ist gierig, brutal und übergriffig. Der Konflikt und damit auch die Notwendigkeit des Krieges wird so naturalisiert, für systemische Kritik oder gar Kritik am Kapitalismus interessiert sich der Film nicht.<br />
Das schlimmste ist aber, dass der Film auf eine Art und Weise soldatische und reaktionäre Propaganda betreibt und dies mit einer Rhetorik der indigenen Emanzipation verschleiert. Es ist wohl selbst derzeit dem bürgerlich-liberalen Teil des Publikums kein Film mehr zu verkaufen, in welchem im Stile des amerikanischen Realismus und all seinem gewohnten Pathos, ein patriarchaler Familienvater von der Notwendigkeit spricht, sein Land und seine Familie zu verteidigen und seine Söhne unverhohlen zu Kriegern erzieht. Ein Vertreter „der Menschen“ oder „der Amerikaner“ müsste in irgendeiner Art in dieser Überzeugung gebrochen werden, er müsste lernen, dass diese Ideologie eine schadhafte, eine gewaltvolle, eine tödliche ist (siehe z.B. Oscarkandidat „Im Westen Nichts Neues“). Ansonsten wäre der Film vermutlich in reaktionären und rechten Kreisen erfolgreich, aber nicht mehr in dem Sinne massentauglich wie noch vor 10 oder 20 Jahren. „Avatar – The way of Water“ exemplifiziert diese Familien- und Gesellschaftsideologie aber nun anhand der Figuren, die als emanzipatorische Sympathieträger*innen gezeichnet sind und – man erinnere sich – als Naturvolk. Der Mensch, dessen inhärente Bosheit allzu vulgäre Liberale akzeptiert zu haben scheinen, ist böse auch als Patriarch. Ein indigener Patriarch kann stattdessen als Beispiel dienen, dass das gute und schützenswerte, der Mensch in seiner naturvölkischen Form nämlich, sich automatisch und auf zwanglose Weise patriarchal und soldatisch organisiert.<br />
Die leere Leinwand, von der ich zuvor sprach, welche hier gewoben ist aus den traumatischen und unbeschreiblich gewaltvollen Erfahrungen indigener Völker, wird beschmiert mit den reaktionären Gesellschaftsbildern eines neoliberalen Bürgertums, welches nur allzu bereit scheint, die Errungenschaften der offenen Gesellschaft mitsamt ihren Söhnen jederzeit von Bord zu werfen, wenn der politische Zeitgeist dies vermeintlich erfordert. Dies ist schon deshalb besonders widerlich, weil nicht-patriarchale Formen des Zusammenlebens grade in indigenen Kulturen nicht selten sind, welche durch diesen Film aber bloß ausgenutzt und als Zugpferde vor die Marketingmaschine gespannt werden.<br />
Aber die Landschaftsaufnahmen sind wirklich schön. Man kann sich richtig verlieren.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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