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	<title>Schwangerschaft &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<item>
		<title>Von einer Fehlgeburt zum Mysterium</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/11/von-einer-fehlgeburt-zum-mysterium/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marie]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 12 Nov 2020 07:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
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		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
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		<category><![CDATA[Schwangerschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Trigger-Warnung: Fehlgeburt. Ein Baby zu verlieren, noch bevor es überhaupt geboren wurde &#8211; was für eine schreckliche Erfahrung. Unsere Autorin Marie musste sie gleich zweimal machen. Dieses Jahr wurde sie dann erneut schwanger &#8211; was für ein Glück! Und mit was für einer Angst verbunden&#8230; und dann passierte etwas wirklich Unglaubliches. Aber lest selbst! Nachdem ich]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><em><b>Trigger-Warnung: Fehlgeburt. </b></em><b>Ein Baby zu verlieren, noch bevor es überhaupt geboren wurde &#8211; was für eine schreckliche Erfahrung. Unsere Autorin Marie musste sie gleich zweimal machen. Dieses Jahr wurde sie dann erneut schwanger &#8211; was für ein Glück! Und mit was für einer Angst verbunden&#8230; und dann passierte etwas wirklich Unglaubliches. Aber lest selbst!</b></p>
<p><span id="more-12555"></span></p>
<p>Nachdem ich im Jahr 2017 meine Fehlgeburten hatte, hatte ich immer mehr Angst, weitere Kinder zu bekommen. Nach einer Fehlgeburt geht man erstmal nicht davon aus, dass es einen nochmal trifft. Wie hoch kann diese Wahrscheinlichkeit bitte sein? Meiner Meinung nach nicht so hoch. Wenn es aber nochmal passiert, hat man oft nur noch Angst vor weiteren Schwangerschaften.<br />
Dieses Gefühl, zu wissen, dass ein Baby im Bauch heranwächst, diese Freude, diese Hoffnung und dann dieser Schlag ins Gesicht, diese Angst, wenn man an einem Tag plötzlich anfängt zu bluten und einfach weiß, dass es vorbei ist.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Das Baby ist gestorben. Und in meinem Fall nicht nur einmal.</p>
<p>Wir befinden uns im Jahr 2020 und ich hielt meinen positiven Schwangerschaftstest mit so einer Euphorie in den Händen, dass ich nicht anders konnte, als es direkt jedem mitzuteilen. Die Freude war stärker, als die Angst und das ist erstmal nichts Schlechtes.<br />
Es sind 3 Jahre vergangen seit der letzten Fehlgeburt.<br />
Warum hatte ich überhaupt Fehlgeburten?<br />
Lag es an mir? Oder an meinem damaligen Partner?<br />
Ich werde es eventuell wissen, wenn dieses Baby bleibt und mich nicht verlässt. Ein bisschen Angst hatte ich schon. Warum sollte ich diesmal Glück haben?</p>
<p>Ich war mir die letzten Jahre so sicher, dass es an mir lag und bei allem Respekt, aber mein damaliger Partner hat mir dieses Gefühl auch gegeben.</p>
<p>Die Wochen vergingen, die Arzttermine vergingen und es war alles gut. Sogar den Herzschlag hat man gesehen. Ich konnte vom Kinderwunsch-Arzt zu meiner richtigen Gynäkologin wechseln, die die Schwangerschaft betreuen sollte. Schon einen Tag, nachdem ich den Herzschlag sehen durfte, sollte ich zu ihr gehen, da es, nach den vergangenen Fehlgeburten, eine Risikoschwangerschaft ist und mehr betreut werden sollte, gerade am Anfang.<br />
Zwei Tage hintereinander durfte ich nun also mein Baby sehen, dieses Privileg haben nicht viele, das wusste ich zu schätzen.</p>
<p>Am nächsten Tag ging ich voller Vorfreude zu meiner Frauenärztin und war schon auf ihre Reaktion gespannt, denn sie kannte meine Vergangenheit und meinen aktuellen Kinderwunsch. Leider war sie nicht da, aber auch die andere Ärztin im Haus kannte ich schon. Ich erzählte ihr, dass man den Herzschlag schon sah und alles gut entwickelt war, nahm auf dem gynäkologischen Stuhl Platz und schaute gespannt auf den Bildschirm.</p>
<p>Sie schallte und schallte. <i>„Tut mir leid Frau M., ich kann keinen Embryo finden.“</i></p>
<p>So ein Quatsch. Natürlich ist da ein Embryo, ich habe ihn doch vor wenigen Stunden noch mit schlagendem Herzen selbst gesehen. Sie schallt weiter. <i>„Es tut mir wirklich leid, aber da ist nichts mehr. Ich kann erahnen, dass da ein Embryo dicht an der Fruchthülle ist, aber ich finde keinen Herzschlag. Es tut mir leid.“</i></p>
<p>Nein. Das kann einfach nicht sein. Ich schaute selbst, ich suchte und suchte&#8230;ich sah auch etwas, ganz dicht am Rand der Fruchthülle, wieso pocht denn da kein Herz???<br />
Sie schaute mich traurig an und sagte: <i>„Ich werde noch mit dem Doppler raufschauen, ob eine Versorgung da ist, das wäre die letzte Möglichkeit.“<br />
</i>Ich wusste nicht, was ich sagen sollte, ich war sprachlos.<br />
<i>„Schauen Sie selbst, da ist absolut keine Blut- oder Sauerstoffversorgung erkennbar. Hier müsste man rote Linien und blaue Linien auf dem Bildschirm erkennen, das wäre die Versorgung von Blut und Saugerstoff von Ihnen zum Embryo. Es ist nichts zu sehen. Es tut mir leid&#8230;aber es ist eine Fehlgeburt. Ich würde Sie jetzt gerne aufklären, wie es mit einer eventuellen Ausschabung im Krankenhaus abläuft.“<br />
</i><br />
Ich verstehe das alles nicht, das KANN nicht sein. Vor nicht mal 24 Stunden lag mein Baby friedlich in der Fruchthülle und das Herz schlug einwandfrei! Das Schwangerschaftshormon HCG war einwandfrei, alles war gut! Es KANN nicht sein.<br />
Sprachlos saß ich ihr inzwischen wieder am Tisch gegenüber und wusste einfach nicht, was los ist. Ich fragte sie, wie das sein kann und wo der Embryo war, er kann ja nicht einfach verschwunden sein.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Sie erklärte mir, dass tote Embryos oft mit der Fruchthülle „verschmelzen“.<br />
Diese Situation war wie ein Schlag ins Gesicht, so plötzlich aus dem Nichts heraus.<br />
Mir wurde klar, dass die vergangenen Fehlgeburten an mir lagen. Ich kann einfach keine Kinder mehr kriegen…</p>
<p>Die Ärztin schlug mir vor, am Abend nochmal vorbei zu kommen, weil dann meine reguläre Frauenärztin da sei und dass mir jetzt nochmal Blut abgenommen werden sollte, um das HCG zu checken. Erst im Laborzimmer liefen mir die Tränen herunter, als ich realisiert habe, was passiert ist.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Weinend fiel ich meinem Freund in die Arme. Unser Sohn war verwirrt. Wir entschieden uns für einen Ausflug in einen großen Playmobil-Laden, um unseren Sohn abzulenken und ihm eine Freude zu machen, er sollte sich alles aussuchen dürfen, was er wollte.<br />
Die ganze Fahrt über weinten wir und ich überlegte, wie das nur passieren konnte.<br />
Ich konnte einfach keine Kinder mehr bekommen, wie sollte ich das akzeptieren?<br />
Ich wollte abends nichts nochmal zur Frauenärztin, ich wollte damit nicht nochmal konfrontiert werden, dieser Schmerz war unbeschreiblich.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ich habe es einfach nicht verstanden.</p>
<p>Um 17 Uhr fuhr ich los, ohne jegliche Motivation. Der Morgen, an dem ich so viel Freude verspürt hatte, kam mir so unwirklich vor.<br />
<i>„Guten Tag Frau M., ich habe schon gehört, dass kein Embryo und kein Herzschlag mehr zu erkennen ist. Ich schaue mir das im Ultraschall auch nochmal an.“<br />
</i><br />
Wie ferngesteuert setzte ich mich auf den gynäkologischen Stuhl und schaute nicht mal mehr auf den Bildschirm. Ich wollte es nicht sehen. Es tut so weh.</p>
<p><i>„Frau M., also ich sehe hier einen Embryo, ein schlagendes Herz, super entwickelt für die 7. Schwangerschaftswoche. Ihr HCG-Wert ist bei 57.000 und ideal für diese Woche.“</i></p>
<p>Bitte was?</p>
<p><i>„Ich weiß nicht, was Frau J. heute morgen gesehen hat, das ist wirklich ein Mysterium. Es ist alles da und sehr gut entwickelt. Ich stelle Ihnen jetzt Ihren Mutterpass aus.“<br />
</i><br />
Träume ich? Mein Baby ist noch da und es lebt? Ich war genauso sprachlos wie am Vormittag. Ich verstand die Welt nicht mehr. Mein Baby war am Leben, es war alles gut. Und heute bin ich im 6. Monat, mit meinem gesunden „mysteriösen“ Baby im Bauch, das mich Tag und Nacht mit Tritten auf Trab hält. Ich bin so dankbar, aber werde diesen schrecklichen Tag nie verstehen und nie vergessen.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Marie schreibt bereits eine Weile für uns über ihren Alltag. <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/marie/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Hier findet ihr ihre Texte</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>§219a &#8211; Wo verläuft die Grenze zwischen Information und Werbung?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/10/grenze-zwischen-information-und-werbung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sophia]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 Oct 2018 07:00:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Schwangerschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Schwangerschaftsabbruch]]></category>
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					<description><![CDATA[Sophia hat sich für uns ausführlich mit dem §219a beschäftigt. Darin wird das Werben für Schwangerschaftsabbrüchen von Ärzt*innen unter Strafe gestellt. Doch wo verläuft die Grenze zwischen Information und Werbung? Sophia ist dem nachgegangen und hat sich zudem mit einer Frau, die einen Schwangerschaftsabbruch hat durchführen lassen, unterhalten. Sehr eindrücklich und sehr informativ!  Stefanie wird mit]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sophia hat sich für uns </strong><span class="s1"><b>ausführlich mit dem §219a beschäftigt. Darin wird das Werben für Schwangerschaftsabbrüchen von Ärzt*innen unter Strafe gestellt. Doch wo verläuft die Grenze zwischen Information und Werbung? Sophia ist dem nachgegangen und hat sich zudem mit einer Frau, die einen Schwangerschaftsabbruch hat durchführen lassen, unterhalten. Sehr eindrücklich und sehr informativ! </b></span></p>
<p><span id="more-11017"></span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Stefanie wird mit 34 schwanger. Sie hatte sich vor wenigen Monaten sterilisieren lassen. Ihr Frauenarzt sagt die Eileiter sind wieder zusammengewachsen. Die Chance dafür liegt bei 1 zu 100.000. Es ist keine Eileiterschwangerschaft und somit besteht die Wahrscheinlichkeit, dass sie ein gesundes Kind zur Welt bringen könnte. Stefanie wollte nie Kinder haben. Sie hatte dafür die sicherste Maßnahme aller Verhütungsmethoden ergriffen. Und trotzdem wurde sie schwanger. In den Augen einiger sind alle Frauen, die ungeplant schwanger werden, selbst dafür verantwortlich. Die Sechzehnjährigen aus dem US-amerikanischen Fernsehen sind schließlich auch alle aus Dummheit schwanger geworden: „Ich wollte nicht durch die Pille zunehmen!“ Da muss man für seine Taten geradestehen. Auch wenn es mal schwierig sein kann, so jung und ohne Geld. Irgendwie geht alles immer! „Irgendwie geht alles immer“ oder auch Hartz IV, kein Abschluss und keine Perspektive für das Kind. Das ist die Realität einiger ungewollten Schwangerschaften, wenn doch nicht wie erhofft „alles geht“.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Ich möchte hiermit nicht behaupten es liefe immer so ab. Jedoch möchte ich darauf aufmerksam machen, dass es durchaus so ablaufen kann. Wenn eine finanziell abgesicherte Frau in angemessenem Alter unabsichtlich schwanger wird, so ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie, „weil sie ja eigentlich erst in zwei Jahren ein Kind wollte“ oder „weil gerade WM ist und das Bier so gut schmeckt“ die Schwangerschaft abbrechen wird sehr gering. Wir Frauen machen das nicht leichtfertig. Niemand hat Gefallen daran oder sieht es als Lappalie. Ungewollt schwanger kann vieles heißen. Vielleicht hat man nicht richtig aufgepasst – selbst schuld. Vielleicht ist aber auch das Kondom gerissen, dessen Pearl Index immerhin 6 beträgt, die Pille schlug nicht an oder wurde durch Magenprobleme unwirksam. Vielleicht ist die Spirale verrutscht oder die Diagnose der Unfruchtbarkeit war fehlerhaft. Ungewollt schwanger kann vieles heißen. Vor allem heißt es aber eins – Entscheidung. Ich weiß, dass die Debatte über Schwangerschaftsabbrüche schon seit sehr langer Zeit in aller Munde ist und das noch eine lange Weile so sein wird. Ein paar Worte möchte ich hierzu jedoch verlieren bevor ich auf das eigentliche Thema eingehe. Schwangerschaftsabbrüche stellen immer ein moralisches Dilemma dar. Für die Schwangere. Nicht für eine unbeteiligte dritte Person die weder die Lebensumstände der Mutter noch des Vaters kennt. Ich bin auch nicht begeistert von Schwangerschaftsabbrüchen. Niemand findet es erstrebenswert das durchmachen zu müssen. Allerdings bin ich ein Befürworter der Menschenwürde und der eigenen Entscheidung. Daher sehe ich keinen Sinn darin Schwangerschaftsabbrüche zu verbieten oder diejenigen die sie aus welchen Gründen auch immer durchführen zu kriminalisieren. Aus einem einfachen Grund: Der Zwang zum Austragen eines Kindes hätte keinen Mehrwert. Das Kind wäre zwar geboren und am Leben. Aber was nützt es der Mutter und ihrem Kind, wenn die Vorraussetzungen für das (Über)leben nicht gegeben sind. Aber der pure christliche Wert, der ohne Sinn für Empathie von Gesetzgebern durchzupeitschen versucht wird, steht wohl an erster Stelle. Dies wird noch offensichtlicher, wenn man sich das Gesetz §219a ansieht.</span></p>
<p class="p1"><span class="s1">„Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft“ (1) Wer öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) seines Vermögensvorteils wegen oder in grob anstößiger Weise 1. eigene oder fremde Dienste zur Vornahme oder Förderung eines Schwangerschaftsabbruchs oder 2. Mittel, Gegenstände oder Verfahren, die zum Abbruch der Schwangerschaft geeignet sind, unter Hinweis auf diese Eignung anbietet, ankündigt, anpreist oder Erklärungen solchen Inhalts bekanntgibt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft. </span></p>
<p class="p1"><span class="s1">Auf den ersten Blick ganz plausibel. Man möchte nicht, dass für etwas wie Schwangerschaftsabbruch geworben wird. In Ordnung. Jedoch, dass dieses Gesetz ebenfalls für reine Information über die Möglichkeiten, den Ablauf und Ähnliches gilt ist einfach nur schwachsinnig. Falls ein/e Frauenarzt/ärztin auf ihrer/seiner Website angibt, dass er/sie Schwangerschaftsabbrüche vornimmt, so hat besagte Person mit einer Geld- bzw. sogar Freiheitsstrafe zu rechnen. Das ist keine Werbung. Es ist Information, die gerade bei einem solchen Thema einfach erreichbar sein sollte. Wieso versuchen wir es Frauen so schwer wie möglich zu machen, wenn sie sich in einer bereits psychisch labilen Situation befinden? Uns Frauen wird von einigen nicht zugetraut eine erwachsene Entscheidung treffen zu können. Niemand würde auf die Idee kommen einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen zu lassen nur weil es auf der Website aufgeführt wurde. Keine Frau würde denken „Ach das ist gerade in? Versuch ich auch mal, so einen Schwangerschaftsabbruch“ Dass es ebenfalls keine Stempelkarte gibt, bei der der dritte Abbruch kostenlos ist, muss ich wohl nicht dazu sagen. Dieses Thema also in den Kontext mit „Werbung“ zu setzen sehe ich als schwachsinnig und gefährlich. Es geht um Information nicht um Anpreisung. Ich habe mich mit Stefanie, die wie viele andere Frauen ihre Schwangerschaft abgebrochen hat unterhalten.</span></p>
<p class="p1"><strong><span class="s1">Wie alt warst du als du ungewollt schwanger wurdest?</span></strong></p>
<p class="p1"><em><span class="s1">Ich glaube ich war so um die 34. Also im besten gebärfreudigen Alter, wie man so schön sagt. Ich war eigentlich seit einem halben Jahr sterilisiert. Hätte also nicht passieren dürfen. „Ein Sechser im Lotto“, wie mein Frauenarzt sagte.</span></em></p>
<p class="p1"><strong><span class="s1">Was war der Hauptindikator deiner Entscheidung?</span></strong></p>
<p class="p1"><em><span class="s1">Es gab mehrere Gründe für meine Entscheidung, die ich auch so getroffen hätte, wenn mein Mann anderer Meinung gewesen wäre. Zum Ersten und Wichtigsten hatte ich noch nie in meinem Leben das Gefühl Mutter werden zu wollen. Daher auch die Sterilisation. Zum anderen war unsere finanzielle Situation nicht die Beste, wenn der Mann für zwei Kinder fast 800 Euro Unterhalt bezahlen muss und mein eigener Verdienst somit ja auch für längere Zeit weggefallen wäre. Bei einem Eigengehalt von 1200 Euro hätte ich mir nicht vorstellen können ein Kind zu bekommen. Zudem mussten wir von diesem Geld jedes zweite Wochenende die Kosten für hunderte Kilometer Autofahrt übernehmen, die für die Besuche der Kinder meines Mannes anfielen. Auch wenn man die 180 Euro Kindergeld mit einrechnet hätten, hätten wir immerzu sehr viele Kompromisse eingehen müssen. Eventuell hätte das auch finanzielle Folgen für die ersten zwei Kinder meines Mannes gehabt. Das passte damals einfach nicht.</span></em></p>
<p class="p1"><strong><span class="s1">Welche Schritte musstest du vornehmen um den Schwangerschaftsabbruch durchführen zu können? War es schwer an Infos zu gelangen? </span></strong></p>
<p class="p1"><em><span class="s1">Die nötigen Infos wie es weitergehen sollte habe ich im Krankenhaus bekommen. Eine Adresse und Telefonnummer, um einen Termin für ein Beratungsgespräch auszumachen ebenfalls. Den Termin hatte ich recht schnell. Das Gespräch war auch völlig in Ordnung. Man versucht dich dort davon zu überzeugen das Kind zu bekommen, da es für alle Probleme auch Lösungen und Ämter gibt, die einem ja helfen würden. Der Schwangerschaftsabbruch fand im Krankenhaus statt. Bei mir in Vollnarkose, da ich eine zweite Sterilisation gleich noch einmal machen lassen musste. Die kosten für den Abbruch und auch für die zweite Sterilisation musste ich selber tragen. Soviel zum Thema das man überall finanzielle Hilfe bekommen kann. Körperlich ging es mir danach ein paar Tage nicht gut. Psychisch hatte ich da recht wenig Probleme da ich in meiner Meinung absolut sicher war.</span></em></p>
<p class="p1"><em><span class="s1">Ich finde das Pro Familia Gespräch gut und eine Beschränkung der Wochen finde ich auch sinnvoll. Schließlich sollte so etwas nicht als &#8220; Verhütungsmethode &#8220; missbraucht werden können.</span></em></p>
<p class="p1"><strong><span class="s1">Wie stehst du zum Beratung der Schwangeren in einer Not- und Konfliktlage Gesetz §219 „Beratung der Schwangeren in einer Not- und Konfliktlage“? </span></strong></p>
<p class="p1"><em><span class="s1">Schwangerschaftsabbrüche gänzlich zu verbieten fände ich ein Drama und würde viele Frauen dazu nötigen sich mit irgendwelchen Mitteln selbst zu helfen (Ich will mir das gar nicht vorstellen). Gründe für diese Entscheidung gibt es schließlich viele und diese Entscheidung wird in der Regel auch nicht so einfach getroffen.</span></em></p>
<p class="p1"><strong><span class="s1">Wie stehst du zum Gesetz §219a „Werbung für den Abbruch der Schwangerschaft“? </span></strong></p>
<p class="p1"><em><span class="s1">Werbung dafür ist denke ich nicht wirklich nötig. Wenn man merkt das man schwanger ist geht man zu seinem Frauenarzt und mit ihm bespricht man hinter verschlossener Türe was jetzt passieren kann und was es für Möglichkeiten gibt. Es ist natürlich fatal eine Beratung, oder nennen wir es Erste Hilfe, als Werbung zu betiteln. Es ist traurig das auf dieser kranken Welt überhaupt diese Frage diskutiert wird. Es geht mir gut und ich habe diese Entscheidung nicht eine Sekunde bereut.</span></em></p>
<p class="p1"><span class="s1">Anhand des Beispiels von Brasilien lässt sich erkennen, dass Kriminalisierung und Verbot von Schwangerschftsabbrüchen eben nicht zu weniger, sondern einfach zu gefährlicheren Abbrüchen führt, so wie Stefanie ebenfalls vermutet hat. Jandira und Elizângela starben aufgrund schief gelaufener Versuche ihre Schwangerschaft abzubrechen. […] Der Weltgesundheitsorganisation zufolge könnte sich die Zahl von Frauen auf über eine Million belaufen, die sich jährlich trotz einer drohenden Haftstrafe von bis zu vier Jahren für einen illegalen Schwangerschaftsabbruch entscheiden. ( amerika21.de/ Nachrichten aus Lateinamerika) Frauen versuchen auf illegale und oftmals gesundheitsgefährdende Weise die Geburt eines ungewollten Kindes zu verhindern, davon hält sie auch der Staat nicht ab. Somit sehe ich es nicht als sinnvoll, dass gerade ein Land, welches sich selbst für seine Fortschrittlichkeit lobt noch immer an solch rückschrittlichen Gesetzen festhält oder diese gar, wie es nun der Fall ist, zu erweitern. Das Recht auf Information, insbesondere wenn es sich um medizinisches Vorgehen handelt sollte gewahrt werden, zu Gunsten der Bevölkerung. Was stattdessen passiert ist, dass sich die konservativ christlichen Werte immer mehr in das private Leben und persönliche Entscheidungen einschleichen. Ob das im Sinne der Frauenfeindlichkeit, die manche immer noch in sich tragen passiert, lasse ich einmal außen vor. Mein Plädoyer an die Gesetzgebung: Denkt bitte etwas mehr darüber nach, was für Auswirkungen euer Handeln hat. Denkt bitte etwas mehr darüber nach, ob eure Entscheidungen Auswirkungen auf euch selbst haben oder ob ihr über das Leben anderer entscheidet. Und bitte, lasst mehr Frauen in der Politik über Schwangerschaftsabbrüche mitentscheiden.</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mein Babyalltag mit 22</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/01/mein-babyalltag-mit-22/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marie]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Jan 2018 07:00:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Schwangerschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Eigentlich wollte Marie nur zur routinemäßigen Kontrolle zu ihrer Frauenärztin. Diese verrät ihr allerdings, dass Marie schwanger ist. Über den Moment, der ihr Leben auf den Kopf stellte, die Schwangerschaft, die Geburt und den Alltag mit Kind, Freund und Familie hat Marie einen Text geschrieben. Nachdem ich am 2. Februar 2015 den Satz: “Sie sind]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Eigentlich wollte Marie nur zur routinemäßigen Kontrolle zu ihrer Frauenärztin. Diese verrät ihr allerdings, dass Marie schwanger ist. Über den Moment, der ihr Leben auf den Kopf stellte, die Schwangerschaft, die Geburt und den Alltag mit Kind, Freund und Familie hat Marie einen Text geschrieben.</strong></p>
<p><span id="more-10302"></span></p>
<p><strong>Nachdem ich am 2. Februar 2015 den Satz: “Sie sind schwanger!“ von meiner Frauenärztin hörte, begann ein neuer Lebensabschnitt für mich. Eigentlich war ich nur zur Kontrolle dort. </strong>Ab dieser Sekunde habe ich mich anders gefühlt. Das war wie ein Schock, aber ein positiver, weil es plötzlich in meinem Leben eine Veränderung gab, mit der ich nicht gerechnet habe. Ich war 21 Jahre alt, mein Freund 20, wir lebten beide noch bei unseren Eltern, er machte im Sommer 2015 sein Abi, ich habe zu der Zeit studiert. Es war also nichts geplant und es war bis dahin auch nichts in Planung!</p>
<p>Ich kam nach Hause, mit einem kleinen Baby, das zu dem Zeitpunkt so groß war, wie ein Reiskorn, im Bauch, das am 20. September auf die Welt kommt. Meine Eltern, meine Schwester, mein Freund, meine Großeltern und meine anderen Verwandten haben sich unglaublich gefreut. Die Familie meines Freundes nicht, das war aber kein Problem, denn unser Baby sollte sowieso in meiner optimistischen Familie aufwachsen.</p>
<p>Die ersten 7 Monate meiner Schwangerschaft verliefen sehr entspannt, mir war nie übel, ich war weiterhin fit und konnte alles machen, was ich vorher auch gemacht habe. Mein Freund und ich haben eine Wohnung gefunden, gleich in der Nebenstraße meiner Eltern. Da wir eben erst am Anfang des Lebens standen, spielte natürlich auch das Geld eine Rolle. Wir wussten nicht, was man monatlich für Windeln, etc. ausgeben musste. Bei ProFamilia wurden wir sehr gut beraten und konnten so besser planen. Während einer Schwangerschaft muss man nicht viel Geld ausgeben. Wenn man wenig Geld zur Verfügung hat, gibt es sehr gut erhaltene, gebrauchte Kinderwägen, Autoschalen, Wickeltische, Klamotten und Wiegen, was komplett übernommen wird. Man muss nicht reich sein, wenn man ein Baby bekommt!</p>
<p>Wir haben alles neu gekauft, aber auch nur, weil es uns finanziell gut geht. 4 Monate, bevor ich von der Schwangerschaft erfuhr, machte mir mein Freund einen Heiratsantrag, den er im Mai 2015 wiederholte, als ich schon im 5. Monat schwanger war. Er wollte vor der Geburt heiraten, sodass wir von Anfang an eine richtige Familie, mit gleichem Nachnamen sind. Der Hochzeitstermin war im Juli 2015, ich war zu dem Zeitpunkt im 8. Monat, passte aber noch super in mein Brautkleid. Es wurde viel geplant, gekauft und vorbereitet, auch das ging mit dem Babybauch super, ich war voller Elan, das passiert oft bei Schwangeren im Endstadium, habe ich gehört.</p>
<p>Wenige Wochen, bevor wir heiraten wollten, musste die Hochzeit abgesagt werden, weil sich die Familie meines Freundes quergelegt hat. Im August 2015 begann der Umzug in unsere Wohnung, ich hatte schon einen großen Bauch, inzwischen musste ich alle 2 Wochen zum Frauenarzt, vorher war es alle 4 Wochen. Das war hart, denn die Ultraschallfotos waren spannend, da wären wir lieber öfter gegangen. Beim Frauenarzt wird jedes mal Blut abgenommen, der Blutdruck und das Gewicht gemessen und man muss Urin abgeben. Ab der 30. Schwangerschaftswoche kommt man noch dazu ans CTG, um die Wehentätigkeit und das Herz des Babys zu kontrollieren. Die ersten Monate alle 4 Wochen, danach alle 2 Wochen. Ich hatte das Glück, bei wirklich jedem Termin ein Ultraschallfoto zu bekommen, am Ende waren es fast 13 Stück! In der 23. Schwangerschaftswoche gab es die Feindiagnostik, dort habe ich ein 3D-Foto bekommen und einige kleine Ultraschall-Videos. An dem Tag haben wir die Bestätigung erhalten, dass es ein Junge wird. Anfangs war ich etwas enttäuscht, denn ich hatte mir so sehr ein Mädchen gewünscht. Ich musste mich langsam an den Gedanken gewöhnen, dass es ein Junge wird. Aber ich wusste, dass ich unser Baby lieben werde und habe gehofft, dass es gesund und ohne Probleme auf die Welt kommt.<br />
Die ersten Bewegungen, die ich gespürt habe, waren einzigartig, das kann man nicht beschreiben. Manchmal hatte er Schluckauf oder hat einfach vor sich hin gewühlt und getreten. Ein richtiger Mensch, der in einem anderen Menschen wohnt. Unglaublich.</p>
<p>Durch den Umzugs-Stress hatte ich vorzeitige Wehen und bekam Bettruhe verordnet. Die konnte ich nicht einhalten, weil wir eben mitten im Umzug steckten und ich in solcher Situation nicht einfach herumliegen kann. Die Wehen haben sich nicht verschlimmert. Im Sommer hochschwanger zu sein, war echt anstrengend. Die Hitze, die man aushalten muss, macht einem zu schaffen, denn es fließt mehr Blut durch den Körper, man hat einen anderen Menschen mit zu versorgen, man wird schwerer, der Körper arbeitet und daher war es echt eine Qual. Insgesamt habe ich 15 kg zugenommen, das liegt im Normalbereich.</p>
<p>Anfang September hatte ich keine Lust mehr, ich war so ungeduldig, hab so viele Mütter mit Babys gesehen und wollte meins auch endlich haben. Es waren noch 20 Tage bis zum Entbindungstermin und ich hatte noch nicht mal eine Hebamme! Die hätte ich mir schon viel früher suchen müssen. Meine Frauenärztin hat mir einen Termin bei ihrer praxisinternen Hebamme gemacht, sodass ich noch einige Fragen klären konnte. Einen Geburtsvorbereitungskurs habe ich auch nicht besucht, weil ich mir das nicht besonders cool vorgestellt habe, zusammen mit anderen schwangeren Frauen. Ich dachte mir, im Endeffekt kann man nicht so handeln, wie man es plant. Ich habe mich informiert, wie man die Geburt anregen kann, hab dann oft abends warm gebadet, meinen Bauch mit Ölen massiert und scharf gegessen. Hat alles nichts gebracht, denn das Baby macht sich dann auf den Weg, wenn es bereit ist, da kann man tun, was man will.</p>
<p>Am 7. September hatte ich den ganzen Tag Rückenschmerzen, ich wusste nicht warum, ich habe nicht schwer getragen oder mich viel bewegt. Die Schmerzen wurden nachts schlimmer, ich konnte mich gar nicht bewegen. Am 8. September ist morgens, beim Aufstehen, die Fruchtblase geplatzt. Das war der nächste Schock, gleich nach meinem Frauenarztbesuch im Februar. Man wartet auf diesen Moment und wenn er da ist, ist man total überrascht. Erst war ich mir nicht sicher und dachte, vielleicht kann ich einfach meine Blase nicht mehr halten, aber es wurde immer mehr und hatte einfach eine andere Konsistenz. Also hab ich meiner Mutter und meinem Freund Bescheid gesagt und wir sind ins Krankenhaus gefahren. Dort kam ich direkt ans CTG und es waren Wehen zu erkennen, der Muttermund war 1 cm auf. Dann ging es ins Vorwehenzimmer, es war richtig schön da, wie im Hotel. Dort sollte ich vor mich hinwehen. Um 11 Uhr bekam ich homöopathische Tabletten und ein Bauch-Öl, damit die Wehen in Gang kommen, das hat auch ziemlich gut geholfen, denn ab 13 Uhr gings richtig schön los mit der Eröffnungsphase. Ich hatte zu dem Zeitpunkt starke Schmerzen, eine PDA gibt&#8217;s aber erst im Kreißsaal und dazu muss der Muttermund 4 cm auf sein. Also weiter gequält, mit einem Tropf gegen die Schmerzen, sodass ich zwischen den Wehen eingeschlafen bin, also im 2 Minutentakt. Das nächste mal beim Muttermunduntersuchen war er 4 cm auf, es war 18:39 Uhr, also ab in den Kreißsaal, natürlich nicht ohne das typische Wehen-Gebrüll, im Gang auf dem Weg dahin. Im Kreißsaal kam dann die Anästhesistin, die mir die PDA gelegt hat. Wie soll man ruhig, im Schneidersitz, mit einem Katzenbuckel sitzen, wenn man alle 2 Minuten die Schmerzen seines Lebens hat? Vor der PDA gab es also nochmal ein Schmerzmittel. Gespürt habe ich absolut nichts, vom Legen der PDA, auch keinen Stromschlag im Bein, vor dem ich gewarnt wurde. Kurz darauf waren die Schmerzen endlich weg, aber ich habe meinen Körper von der Brust an bis zu den Zehen nicht mehr gespürt. Das hat die Anästhesistin etwas verunsichert, sie tigerte einige Zeit immer mal wieder zu mir, um zu sehen, ob ich meine Beine wieder bewegen kann. &#8222;Das ist komisch, das sollte so nicht sein&#8220; hat sie gesagt und die Hebamme meinte, dass sie wohl versehentlich eine Spinalanästhesie gelegt hat, wie beim Kaiserschnitt. Naja gut, Schmerzen hatte ich nicht mehr, daher war mir alles egal. Von 18:30 Uhr bis 23:45 Uhr lag ich im Kreißsaal rum, dann wurde Fieber gemessen und ich bekam einen Wehentropf, damit die Wehen in Gang kommen. Der hing genau 5 Minuten an mir, da kamen um 23:50 Uhr die Hebamme und die Ärztin und sagten, dass mein Baby und ich 38 Grad Fieber haben, seine Herztöne sich verschlechtert haben und wir jetzt beginnen müssen. Durch den Tropf gab&#8217;s noch ein Antibiotikum. Von der Brust abwärts war ich immernoch gefühllos, das war praktisch, denn die Presswehen habe ich nur als Druck nach unten gespürt und konnte zwischen den Wehen mit der Ärztin quatschen. Kurz vor Ende haben Hebamme und Ärztin ziemlich erschrocken geguckt, mir ist fast das Herz stehen geblieben. Gesagt haben sie nichts, nur, dass ich nicht mehr Pressen soll. Die Ärztin hat sich auf meinen Bauch gestemmt, die Hebamme hat gezogen und dann war unser Elias Leonardo M. um 0:14 Uhr, am 9.9.2015, mit 3420 g und 53 cm, auf der Welt. Es war kein Schrei zu hören und ein paar Sekunde haben die Hebamme und die Ärztin irgendwas an ihm gemacht, dann hörte ich ein Röcheln und einen kleinen Schrei und er wurde mir auf die Brust gelegt. Er hat mich direkt angeguckt, mit dunkelblauen Augen und seiner kompletten Hand im Mund.</p>
<p>Seine Nabelschnur war 2 mal um den Hals gewickelt und ich hatte einen Dammriss 2. Grades, der von der Ärztin und der Oberärztin 1 Stunde lang genäht wurde. Eine Betäubung dazu brauchte ich nicht, ich hab ja sowieso nichts gespürt. Während der Geburt haben mein Freund, meine Mutter und meine Schwester vor dem Kreißsaal gewartet. Eigentlich war es anders geplant, aber dann musste alles so schnell gehen, dass man nichts mehr ändern konnte. 2 Stunden nach der Geburt konnte ich schon duschen gehen und geschlafen haben wir auch gut. Das Anlegen an der Brust hat auf Anhieb funktioniert. Die Narben haben am nächsten Tag absolut nicht wehgetan. Am 2. Tag habe ich heftige Kopfschmerzen bekommen, die, sobald ich mich hingelegt habe, verschwunden sind. Sie waren nur im Stehen/Sitzen da und nicht auszuhalten. Es wird wohl als Unterdruck-Syndrom bezeichnet.</p>
<p>Ich konnte mich leider die erste Woche nicht richtig um Elias kümmern, nur das Stillen im Liegen ging, mehr nicht. Ich konnte ihn nicht herumtragen, nicht wickeln, das hat mich sehr belastet. Meine 15 kg, die ich zugenommen hatte, waren schon fast verschwunden, direkt nach der Geburt habe ich schon 12 kg weniger gewogen und mein Bauch sah aus, wie vorher.</p>
<p>Elias&#8216; Papa und meine Familie unterstützten mich sehr, wickelten ihn, machten mir Essen, erinnerten mich ans Trinken. Die ersten Tage zu Hause habe ich super geschlafen, ich war alleine im anderen Zimmer, um Ruhe zu bekommen und alle 2 Stunden hab ich Elias zum Anlegen bekommen.</p>
<p>Nach einer Woche war wirklich alles wieder gut, das war eine richtig intensive Woche, man merkt, was eine Geburt für eine Anstrengung für den Körper ist.<br />
3 Wochen später konnten mein Freund, Elias und ich endlich in unsere Wohnung ziehen, die fast fertig war. Mein Freund ist jeden Tag arbeiten gegangen, seine Abizeit war im Sommer zu Ende und er hat direkt mit einer Ausbildung begonnen. Ich bin in Elternzeit und umsorge Elias. Trotz der Arbeit hat mein Freund oft die Nachtschicht übernommen, sodass auch ich schlafen konnte. Elias hat sich wunderbar eingewöhnt, meine ganze Familie liebt ihn, die Familie meines Freundes interessiert sich nicht für ihn, außer die Großeltern. Elias hat also 2 Paar Urgroßeltern, das ist wirklich selten!</p>
<p>Nun ist das Jahr 2015 vorbei, Elias ist fast 4 Monate alt und dieses Jahr war voller Ereignisse. Mein Freund und ich sind von der ersten Sekunde an gereift, dazu musste man nicht viel lernen. Wir hatten plötzlich ein Baby auf dem Arm, dessen Eltern WIR sind. Wir waren Eltern und dieses Baby braucht uns zum Überleben, da hat der Mensch anscheinend eine Automatik, dass man das Wesen umsorgen, pflegen und glücklich machen möchte. Und dass es funktioniert, zeigt er uns jeden Tag, wenn seine blauen Augen leuchten und er uns anstrahlt. Dann wissen wir, dass er uns liebt und wir alles richtig machen. Er vertraut uns und das ist das Wichtigste. Dieses Gefühl kann man in jedem Alter geben, wenn man sich drauf einlässt, wenn man diese Veränderung zulässt. Denn dazu braucht man kein bestimmtes Alter, es gibt genug Menschen, die älter als 25 Jahre sind und ihre Babys weggeben, oder sogar töten! Es ist auch nicht unnormal, wenn man während der Schwangerschaft oder nach der Geburt auf einmal traurig wird und alles infrage stellt. Das ist normal und das hat fast jede Frau, JEDEN Alters. Eine Wochenbettdepression hatte ich nicht, aber auch das ist bei jeder Frau unterschiedlich. Meine Nachsorgehebamme hat mich super unterstützt, uns alles gezeigt, denn keiner kann auf Anhieb wissen, wie man mit seinem ersten Baby umgeht. Elias&#8216; Papa ist für mich der beste Papa, den er bekommen konnte und ich hoffe, dass ich als Mutter auch alles richtig mache. Meine Familie, unsere Nachbarn, Freunde und Bekannte freuen sich jedes mal, wenn sie uns, als kleine Familie sehen und das bestärkt uns, dass es richtig gewesen ist.</p>
<p>Der negative Einfluss von der Familie meines Freundes verschwindet im Hintergrund.</p>
<p>Wir sind sehr gespannt, was im Jahr 2016 passiert, denn heute vor 1 Jahr hätten wir NIE geahnt, was 2015 alles kommt.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Wie geht eigentlich feministische Erziehung von Jungs? Mögliche Antworten lest ihr in <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/02/feministische-erziehung/" target="_blank" rel="noopener"><strong>diesem Interview</strong></a>.</li>
<li>Mehr über Maries Babyalltag könnt ihr<strong> <a href="http://www.mariebloggt.de/">in ihrem Blog</a> </strong>mitverfolgen.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>24 Wochen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/12/24-wochen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[story-teller]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Dec 2016 08:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Eltern]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Inklusion]]></category>
		<category><![CDATA[Kino]]></category>
		<category><![CDATA[Schwangerschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[ Ich persönlich bin so, behindert sozusagen, ich fühle mich beschissen mit dem Film. Die Story-Teller haben sich den Kinofilm 24 Wochen (Regie: Anne Zora Berrached, 2016) angesehen und sind zu neuen Gedanken in Bezug aus Schwangerschaftsabbruch und Inklusion gekommen.   24 Wochen. Hart an der eigenen Substanz von Dennis Lange 24 Wochen ist ein Film zum]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong> <em>Ich persönlich bin so, behindert sozusagen, ich fühle mich beschissen mit dem Film.</em></strong></p>
<p><strong>Die Story-Teller haben sich den Kinofilm <em>24 Wochen</em> (Regie: Anne Zora Berrached, 2016) angesehen und sind zu neuen Gedanken in Bezug aus Schwangerschaftsabbruch und Inklusion gekommen.  </strong></p>
<p><span id="more-7531"></span></p>
<p><strong><em>24 Wochen. Hart an der eigenen Substanz</em> von Dennis Lange</strong></p>
<p>24 Wochen ist ein Film zum Thema Abtreibung bei medizinischer Indikation „Behinderung“ eines Fötus’. Ein in der Öffentlichkeit stehendes Paar (Kabarettistin und Manager) mit Tochter bekommt Nachwuchs. Früh in der Schwangerschaft steht die Diagnose Trisomie 21 fest. Die Eltern informieren sich ausführlich über das Leben mit Behinderung. Es kommt zu Beziehungsstreits, Zuspruch und Ablehnung im Bekanntenkreis. Zuerst sieht es so aus als ob sie das Kind zur Welt kommen lassen wollen. Als jedoch noch ein Herzfehler diagnostiziert wird, entscheidet die Frau sich zur Abtreibung. Noch in der Klinik ist sie am Zweifeln.</p>
<p>Der Film zeigt das Thema Abtreibung sehr emotional. Es ist ein persönlicher Einblick in die Psyche der Familienmitglieder, insbesondere die der werdenden Mutter. Das Tragischste was gezeigt wird ist, dass eine Abtreibung in der 24. Woche eine herbeigeführte Totgeburt ist. Glücklicherweise fehlt im ganzen Film der mahnende Zeigefinger. Die Geschichte ist offen für alle Meinungen zum Thema Abtreibung bei Ungeborenen mit „Behinderung“. Des Weiteren bildet der Film eine gute Grundlage zu Themen wie Inklusion und Barrierefreiheit.</p>
<p>Ist Abtreibung nun Mord, Totschlag, Euthanasie oder Hilfe? Der Film gibt keine Antwort. Er zeigt, dass eine Meinung sich in der tatsächlichen Situation schnell ändern kann. Die letzte Entscheidung bleibt bei der Mutter. Für mich bedeutete Abtreibung eine „gute“ Möglichkeit ein Individuum vor seelischen und körperlichen Schmerzen zu schützen. Jedoch darf man jemand anderes die Entscheidung über das eigene Leben abnehmen? Und wann und wo beginnt das eigene Leben, Bewusstsein, Individualität? Leben ist fließend, und hier Grenzen zu setzen kaum möglich. Inklusion und Barrierefreiheit haben sich zwar gebessert. Aber immer noch ist Selbstständigkeit nicht gewährleistet. Mir wäre in meiner Entwicklung ein selbstständiges Leben das Wichtigste. Ich komme immer wieder an psychische Grenzen. Was ich als Mensch mit Behinderung nicht brauche, sind Mitleid, Betätschelung und Überfürsorge. Es wäre ideal, wenn sich das System bzw. die Gesellschaft den individuellen Anforderungen des „unperfekten“ Menschen anpassen könnte.</p>
<p>Durch den Film und die Beschäftigung mit seinem Thema bin ich von meiner festen und „positiven“ Meinung zu Abtreibungen abgekommen. Ein Entscheidung würde ich auch erst in der konkreten Situation fällen. Also: offen durchs Leben gehen!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Birgit Hohnen</strong></p>
<p>Ich persönlich bin so, behindert sozusagen, ich fühle mich beschissen mit dem Film. Ich lebe schon immer mit meiner Behinderung. Mich macht das Thema traurig und wütend. Eltern, die sich um behinderte Kinder kümmern können, sollen das auch tun oder es in eine Wohngruppe schicken. Das ist nicht schlecht, sondern zum Besten. Die Eltern können dann nebenher immer noch für einen da sein. Und behinderte Kinder sind auch für ihre Eltern da. Man kümmert sich gegenseitig, damit es allen gut geht.</p>
<p>Meine Mutter hat mich in ihrem Herzen und hat mich lieb.</p>
<p>Ich wünsche mir mein Leben in der Familie genau so!</p>
<p>Für einige Eltern muss das schwierig sein so eine Schwangerschaft und Geburt mit behindertem Kind. Das kann ich mir vorstellen. Finanzieren und Verantwortung. Aber sie bekommen ja vielleicht einen Liebling. Jeder kann was daraus machen und das so beschließen.</p>
<p>Ich würde gerne laufen können, aber lieber leben als gar nicht. Reden kann ich und laufen mit Rollator auch. Lange Zeit saß ich nur im Rollstuhl, aber jetzt gehe ich mit dem Rollator. Das Wichtigste ist, dass man Freunde hat, Unterstützung, und dass man einfach füreinander da ist. Ich habe alles, was ich brauche. Mein Leben ist schön mit viel Anerkennung und Liebe. Viele Eltern sagen: Mein Kind ist so wie es ist. Das ist wichtig für das Zusammenleben.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Melanie Lux</strong></p>
<p>Ich fand den Film brutal. Vor allem die Abtreibungsszene. Dabei fing alles gut an. Die Frau wollte das Kind zur Welt bringen, trotz Behinderung, und dann hat die Frau sich umentschieden und das Kind abtreiben lassen, im siebten Monat.</p>
<p>Der Film hatte mich total aufgewühlt und viele negative Gefühle ausgelöst. Ich bekam eine Stinkwut auf bestimmte Personen, die mich abgelehnt haben, und auf die ganze Welt. Ich stellte mir die Frage, warum in unserer menschlichen Gesellschaft eigentlich immer alles perfekt sein muss. Warum wollen Eltern nur perfekte Kinder? Dürfen Menschen nicht mehr behindert sein? Will diese Gesellschaft nur noch Menschen, die funktionieren?</p>
<p>Ich bin selbst mit einer Behinderung auf die Welt gekommen. Ich hatte Sauerstoffmangel und bin bei meiner Geburt blau angelaufen. Aber meine Mutter wollte mich trotzdem. Sie wollte, dass ich lebe, und diese Entscheidung war gut. Meine Mutter ist eine tolle Frau. Sie hat alles gemeistert, trotz der vielen Probleme und Schwierigkeiten. Im Alltag und auf der Straße muss ich aber oft erfahren, wie grausam es ist, wenn gesunde Menschen Menschen mit Behinderung ablehnen. Das macht mich traurig.</p>
<p>Trotz allem: Ich hätte mir lieber einen Film angeschaut, in dem eine Mutter ihr behindertes Kind zur Welt bringt. Das Leben ist doch ein Geschenk.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Michael Schumacher</strong></p>
<p>Meine Mutter hatte mir irgendwann einmal erzählt, dass sie und mein Vater von meiner Besonderheit erfahren hatten, als ich mit drei Jahren im ersten Kindergarten war.</p>
<p>Eines Tages, als meine Mutter mich wie immer dort abgeholt hat, kam die Leiterin zu ihr und sagte, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt. Sie meinte, dass man überlegen müsste, ob ich mit meinem Autismus vielleicht in einem anderem Kindergarten besser aufgehoben wäre.</p>
<p>Für meinen Vater brach eine Welt zusammen.</p>
<p>Meine Mutter hat mir erzählt, dass sie sich abends in der Küche besoffen hatten.</p>
<p>Ich lag schon im Bett.</p>
<p>Mein Vater hat geweint und sich nur selbst bemitleidet.</p>
<p>Meine Mutter sagte sich am nächsten Tag: So, jetzt musst du handeln und die schwierige Situation meistern.</p>
<p>Ihr ist das auch sehr gut gelungen.</p>
<p>Das Verhältnis zwischen meinem Vater und mir dagegen stand auf der Kippe.</p>
<p>Er kam mit meiner Besonderheit nicht klar.</p>
<p>Es gab hin und wieder Streit.</p>
<p>Meine Mutter hat sich immer bemüht die Spannungen aufzulockern.</p>
<p>Aber er hat sich immer mehr zurückgezogen und meine Mutter alles machen lassen.</p>
<p>Letztendlich ist wohl auch die Ehe meiner Eltern daran gescheitert.</p>
<p>Sein Selbstmitleid ging oft in Aggressionen über. Er hat manchmal so laut geschrien, dass sich Nachbarn beschwerten. Und er ist auch handgreiflich geworden gegenüber meiner Mutter.</p>
<p>Es gab auch schöne Momente. Manchmal haben wir uns auch gut verstanden.</p>
<p>Aber das Problem meiner Besonderheit und dass er damit nicht fertig geworden ist, stand immer zwischen uns.</p>
<p>Er hat mir nicht viel zugetraut.</p>
<p>Er war ein Bremser.</p>
<p>Wenn ich darüber jetzt nachdenke, finde ich, dass es auf jeden Fall gut war, dass er uns verlassen hat.</p>
<p>Wenn er bei uns geblieben wäre, hätte ich nicht die Erfolgserlebnisse, die ich heute habe.</p>
<p>Es ist auf jeden Fall jetzt gut wie es ist.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Dennis Seidel</strong></p>
<p>Letzten Mittwoch waren wir Story Teller, also die Literaturwerkstatt von barner 16, im Kino und haben uns den Film 24 Wochen angeschaut. In dem Film ging es um ein Ehepaar, das ein behindertes Kind erwartet. Die Mutter hat es aber im letzten Moment abtreiben lassen.</p>
<p>Der Film hatte sehr viele Emotionen, so dass ich bei manchen Stellen weinen musste. Ich fand den Film mal witzig, aber auch sehr traurig.</p>
<p>Ich habe mich sehr betroffen gefühlt und habe sogar richtig doll geweint, weil mir der Film sehr an die Erinnerung an meine Kindheit ging. Ich konnte als Baby auch nicht mein erstes Weihnachten erleben, weil ich da im Krankenhaus lag. Meine Eltern waren sehr geschockt und wussten nicht, was sie machen sollten. Sie waren richtig durcheinander.</p>
<p>Ich würde anderen Leuten empfehlen den Film zu schauen, weil er sehr inhaltsreich und informationsreich ist.</p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Alle Hintergründe zum Film findet ihr unter: <a href="http://www.24wochen.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">24 Wochen</a></li>
<li>Wie ergreifend die Pressevorführung für die Autorin Anna Mayrhauser vom Missy Magazin war, <a href="http://missy-magazine.de/2016/09/22/bis-zum-schluss/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">lest ihr hier</a>.</li>
</ul>
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