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	<title>Gesellschaft &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>Gesellschaft &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Körper unter Kontrolle</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/12/koerper-unter-kontrolle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Dec 2025 10:00:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Körper sind längst keine privaten Räume mehr. Sie werden geformt, bewertet und verkauft. In einer Welt, die Lust standardisiert und Intimität normiert, geraten wir schnell in einen inneren Konflikt zwischen Anpassungsdruck, Scham und dem Wunsch nach echter Nähe. Der Körper ist per se kein neutrales Territorium; er wird zur Projektionsfläche, zur Ware und zum]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Körper sind längst keine privaten Räume mehr. Sie werden geformt, bewertet und verkauft. In einer Welt, die Lust standardisiert und Intimität normiert, geraten wir schnell in einen inneren Konflikt zwischen Anpassungsdruck, Scham und dem Wunsch nach echter Nähe.</strong><span id="more-17244"></span></p>
<p>Der Körper ist per se kein neutrales Territorium; er wird zur Projektionsfläche, zur Ware und zum Symbol. Vor allem in unserer medienreichen Gesellschaft – explizit mit kommerziellem und pornografischem Blick – wird der Körper ständig produziert und reproduziert. Sei es in Bildern, Videos, Erwartungen oder Bewertungen. So banal es klingen mag: Der Körper ist nicht nur ein fleischiges Stück, von Haut überzogen, sondern ein durch Medien, Macht und Moral geformtes Konstrukt.</p>
<p>Ich kann mich an meine Sozialisation erinnern, in der ich gelernt habe, wie der Körper zu sein hat: glatte Haut, sichtbare Muskeln, Kurven an den „richtigen“ Stellen – intersektional betrachtet auch in Bezug auf westliche Ideale: glatte, helle Haare, gebräunte Haut, Sommersprossen. Solche Vorstellungen werden normalisiert und als selbstverständlich wahrgenommen. Wir internalisieren sie und streben ihnen nach. Dabei steckt eine lange Geschichte von Rassismen, Sexualisierungen und Idealen dahinter, geprägt durch Marketing, Kirche und Medien. Vor allem in der Moderne spielt die Pornoindustrie eine gravierende Rolle: Sie standardisiert Lust, wodurch der Körper auf Funktion und Verwertbarkeit reduziert wird.</p>
<p>Mit dem pornografischen Blick wird der Körper von der Person selbst getrennt. Dadurch entsteht kein Raum für Unsicherheit, Zärtlichkeit oder Unausgesprochenes. Stattdessen definiert sich Sexualität über Leistung, über banale Sichtbarkeit und über den Orgasmus als Ziel. Der Körper wird hierbei zu einem Produkt, Sex zu einer Handlung, und Intimität wird fiktionalisiert. Problematisch wird dies, weil Pornografie für viele die einzige Quelle sexueller Bildung bleibt – in einer Gesellschaft, in der Intimität tabuisiert wird.</p>
<p>Darüber hinaus ist die Pornoindustrie sehr binär und heteronormativ geprägt. Sie stellt klare Kategorien und eindeutige Geschlechterrollen her. Wer sich dazwischen, außerhalb oder jenseits dieser Normen bewegt, bleibt unsichtbar oder wird als Sparte für Fetischisierung und Exotisierung dargestellt. Dadurch ist für viele queere Menschen das Verhältnis zum eigenen Körper doppelt gebrochen: durch gesellschaftliche Marginalisierung und durch internalisierten Anpassungsdruck. Selbst im Begehren versuchen wir zu verstehen, ob wir „richtig“ sind. Der Körper wird dadurch weiter zu einem Ort des Konflikts – geprägt von Spannungsfeldern zwischen Sichtbarkeit und Selbstschutz, Begehren und Angst, Scham und Befreiung.</p>
<p>Deshalb ist es wichtig, Sexualität individuell zu definieren – jenseits von Normen und Rollenerwartungen. Sie sollte ein Prozess der Selbstermächtigung sein. Nicht Erwartungen sollten erfüllt werden, sondern eigene Grenzen, Wünsche und Unsicherheiten zugelassen werden.</p>
<p>Ich für meinen Teil habe bemerkt, dass Sex und Intimität dort beginnen, wo auch meine sexuelle und körperliche Scham beginnt. Scham ist dabei kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Signal von Verletzbarkeit und vielleicht sogar von Offenbarung. Somit beginnt Sex für mich nicht bei performativer Reproduktion, sondern in dem Moment, in dem ich mich zeige, ohne mich zu verstecken. Dort, wo mein Körper nicht mehr Abbild einer Norm ist, sondern Ausdruck eines Gefühls, eines Kontakts und einer Unsicherheit.</p>
<p>Der Körper bleibt weiterhin vielfältig, ambivalent und politisch. Er existiert in vielen Formen: in Begegnungen, in Gesprächen und in wahrnehmenden, nicht konsumierenden, Blicken. Und vielleicht begreifen wir, dass Intimität genau dann beginnt, wenn wir aufhören, „richtig“ sein zu wollen.</p>
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		<title>Binäre Gesellschaft</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/02/binaere-gesellschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 21 Feb 2023 14:16:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
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		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[heteronormativ]]></category>
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					<description><![CDATA[Für seinen*ihren neuen Text hat sabylonica sich mal die geschlechtlichen Gesellschaftsverhältnisse angeschaut und diese zum einen anlysiert, zum anderen auch nach Anknüpfungen für Veränderungsprozesse gesucht. Wir leben in einer Gesellschaft die heteronormativ und binär geprägt ist. Heteronormativität ist eine strukturell verankerte Form gesellschaftlichen Lebens. Was die Norm, die Normalität ist, habe ich bereits in einem]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Für seinen*ihren neuen Text hat sabylonica sich mal die geschlechtlichen Gesellschaftsverhältnisse angeschaut und diese zum einen anlysiert, zum anderen auch nach Anknüpfungen für Veränderungsprozesse gesucht.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-15327"></span><br />
Wir leben in einer Gesellschaft die heteronormativ und binär geprägt ist. Heteronormativität ist eine strukturell verankerte Form gesellschaftlichen Lebens. Was die Norm, die Normalität ist, habe ich bereits in einem Artikel erklärt. Normativ heißt ergänzend ein bindender Maßstab. Das heißt, dass es ein Maß für etwas gibt. In Zusammenhang der Heteronormativität ist der Maßstab klar definiert. Heteronormativ sind Lebensgewohnheiten, die für andere ebenso als Norm dienen soll. Cisgeschlechtlich, heterosexuell und monogam sein zu sollen. Abweichende Identitäten entsprechen nicht dem heteronormativen Maßstab. Zusammengefasst ist die gesellschaftliche Norm patriarchalisch, heteronormativ und binär geprägt.<br />
Binär lässt sich wie folgt weiter definieren. Unsere Gesellschaft definiert verschiedenste Geschlechter. Es gibt drei biologische Geschlechter, intergeschlechtlich*, weiblich* und männlich*. Weiter gibt es mehrere Geschlechtsidentitäten, wie beispielsweise genderfluid, nichtbinär, agender und andere. Letzteres ist das gesellschaftlich entscheidendere, die binäre Geschlechtsstruktur. Unsere Gesellschaft sieht das binäre Bild, es gäbe somit nur weiblich* und männlich*. Das macht sich in vielerlei Baustellen aufmerksam, den Toilettenaufbau als eines der vielen Beispiele genannt.<br />
Nun kommt ein sehr salonfähiges und normalisiertes Beispiel der Binärität, die sexuelle Orientierungsbezeichnung; welche ebenso Ausdruck einiger Sexismen in sich birgt. Beginnen wir mit der Bezeichnung bisexuell. Bisexuell heißt, dass ein Mensch zu beiden binärkonstruierten Geschlechtern eine platonische, romantische und/oder sexuelle Beziehung aufbauen kann. Bi steht für „zwei“, binär heißt auch in etwa „zwei“. Der Ausdruck bisexuell unterstützt somit binäre Gesellschaftsstrukturen. Weiter heißt homosexuell die gleichgeschlechtliche Liebe. Homo kommt aus diesem Kontext aus dem Altgriechischen und bedeutet „gleich“. Ein Nebenfakt, homo heißt im Lateinischen „Mensch“ oder „Mann“, zum Beispiel im Kontext der Evolution. Die Homo Sapiens, da steht das Homo eben für Mann oder Mensch. Mann, ein weiterer gesetzter Maßstab, selbst auf die Evolutionsgeschichte bezogen gibt es allerlei patriarchalische und binäre Vorstellungsirrtürmer.<br />
Wir wissen, vieles, nahezu alles wurde weiß-männlich definiert und aufgebaut. Es ist wichtig das System und dessen Strukturen zu verstehen. Und klar müssen diese verändert werden. Es ist naheliegend zu sagen, um die Gesellschaft und ihre Strukturen zu ändern, muss man mit den gegebenen Werkzeugen arbeiten, somit können wir mehrere Menschen abholen. Die Werkzeuge stellen in diesem Kontext die Sprache dar. Nun ist die Frage, bis wann diese Werkzeuge genutzt werden sollen oder ob und wann wir bestenfalls die Werkzeuge austauschen, um vielleicht sogar effektiver ans Ziel gelangen zu können. Außerdem sollten wir uns die Frage vor Augen führen, zu welchem Preis wir die gegebenen Werkzeuge nutzen wollen.<br />
So gibt es beispielsweise eine Sammelbezeichnung für Personen, die nicht heteronormativ und/oder binär sind: queer. Queer hat den Ursprung im Deutschen von quer und weiter aus dem Lateinischen und bedeutet „drehen“. Und mit diesen Worten, es wird Zeit diese Gesellschaft und diese Strukturen zu drehen!<br />
Es ist wichtig Sichtbarkeiten zu schaffen, Sensibilisierungsprozesse zu fördern und zu fordern und uns Räume anzueignen und nicht darauf zu warten, sie irgendwann zu bekommen. In Bezug auf diesen Artikel sollte kritische Reflexion und Hinterfragung unser Maßstab für die Drehung gesellschaftlicher Strukturen sein. All dies sollte selbstverständlich auf intersektionaler Ebene geschehen. Intersektionalität ist die Zukunft, unser aller Zukunft!</p>
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		<title>Über Jungen und Mädchen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/09/ueber-jungen-und-maedchen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Was geht Almanya]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 07 Sep 2018 07:00:18 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Im neusten Beitrag unserer Redaktionsgruppe „Was geht Almanya?!“ haben sich sechs junge Menschen über ihre persönlichen, aber auch über gesellschaftliche Vorstellungen von „Was bedeutet es Mädchen bzw. Junge zu sein“ unterhalten und ihre Statements in diesem Video zusammengefasst. Schaut rein! Mehr dazu: In diesem Text von Johannes gehts es darum, was eigentlich ein Junge ist&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im neusten Beitrag unserer Redaktionsgruppe „Was geht Almanya?!“ haben sich sechs junge Menschen über ihre persönlichen, aber auch über gesellschaftliche Vorstellungen von „Was bedeutet es Mädchen bzw. Junge zu sein“ unterhalten und ihre Statements in diesem Video zusammengefasst. Schaut rein!</strong></p>
<p><span id="more-10897"></span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>In diesem Text von Johannes gehts es darum, <a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/02/was-ist-denn-ein-junge/" target="_blank" rel="noopener"><strong>was eigentlich ein Junge ist</strong></a>&#8230;</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">&#8230;und in diesem Text von den Sunrise Writers darum, <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/11/maedchen-sein-2/" target="_blank" rel="noopener"><strong>was denn ein typisches Mädchen sein soll</strong></a>.</span></li>
</ul>
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		<title>Maskenball</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/07/maskenball/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lidia]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 06 Jul 2018 07:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir freuen uns, euch eine neue Autorin vorzustellen: Lidia schreibt Poetry Slam-Texte und wir freuen uns, einen davon heute zu veröffentlichen. In „Maskenball“ geht es um die verschiedenen Gesichter, die wir alle tagtäglich aufsetzen um innerhalb der Gesellschaft nicht aufzufallen. Denn nur wer glücklich und zufrieden wirkt, wird gern gesehen. Trauer oder Wut hingegen nicht&#8230;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir freuen uns, euch eine neue Autorin vorzustellen: Lidia schreibt Poetry Slam-Texte und wir freuen uns, einen davon heute zu veröffentlichen. In „Maskenball“ geht es um die verschiedenen Gesichter, die wir alle tagtäglich aufsetzen um innerhalb der Gesellschaft nicht aufzufallen. Denn nur wer glücklich und zufrieden wirkt, wird gern gesehen. Trauer oder Wut hingegen nicht&#8230;</strong></p>
<p><span id="more-10725"></span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Weitere tolle Poetry Slam-Texte findet ihr <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/poetry-slam/" target="_blank" rel="noopener"><strong>hier</strong></a>.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Und hier gibt es <a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/05/bestimmt-fast-schoen/" target="_blank" rel="noopener"><strong>einen Text von den Hollies</strong></a>, die sich fragen, warum wir uns als Gesellschaft spalten lassen.</span></li>
</ul>
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			</item>
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		<title>Warum es sich nicht lohnt, das Handtuch zu werfen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/04/das-handtuch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marie]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Apr 2018 07:00:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gefühle]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Leistungsdruck]]></category>
		<category><![CDATA[Mutter]]></category>
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					<description><![CDATA[Schwäche und Überforderung sind in unserer Gesellschaft nur selten anerkannt. Leistung und Funktionalität stehen da schon eher im Mittelpunkt. Besonders als Mutter kann man nicht einfach sagen, man sei überfordert. Dann ist man ja in den Augen vieler schnell eine schlechte Mutter. Unsere Autorin Marie schreibt in diesem Text über Gefühle, die sie auf der]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schwäche und Überforderung sind in unserer Gesellschaft nur selten anerkannt. Leistung und Funktionalität stehen da schon eher im Mittelpunkt. Besonders als Mutter kann man nicht einfach sagen, man sei überfordert. Dann ist man ja in den Augen vieler schnell eine schlechte Mutter. Unsere Autorin Marie schreibt in diesem Text über Gefühle, die sie auf der Straße so nie aussprechen würde.</strong></p>
<p><span id="more-10537"></span></p>
<p>Als ich vor einigen Monaten realisiert habe, wie schwach man auf die Gesellschaft wirkt, wenn man, wie ich als junge Mutter, mal &#8220;nicht mehr kann&#8220; oder überfordert ist, habe ich mich hingesetzt und überlegt, weshalb so viele Menschen so unfassbar engstirnig denken.<br />
Traut man sich überhaupt noch, zuzugeben, dass man erschöpft ist, überfordert ist oder vielleicht sogar nachdenkt, etwas hinzuschmeißen?<br />
In meiner Nachbarschaft habe ich einige Male gehört, wie sich die ältere Generation über ihre erwachsenen Töchter und deren Nachwuchs unterhalten:&#8220; Die ist komplett überfordert, das hätte sie sich aber vorher überlegen können!&#8220;<br />
Wie bitte? Nun komme ich gerade mit zwei vollen Einkaufstaschen aus dem Supermarkt, schiebe den vollgepackten Buggy mit meinem müden, weinenden Sohn, der permanent versucht, rauszuklettern – und fühle mich ziemlich überfordert. Hätte ich mir das &#8220;aber vorher überlegen können&#8220;? Hätte ich machen können. Und dann? Setze ich deshalb kein Kind in die Welt, weil es nach einem Einkauf mal anstrengend sein könnte?</p>
<p>Ich schreibe jetzt etwas, was ich auf offener Straße nicht laut aussprechen sollte:<br />
Ich habe sehr oft keine Energie, Motivation oder Ausdauer mehr. Kranker Scheiß, was?<br />
Dabei meint man doch, sobald man ein Kind hat, ist man stark und unberechenbar, eine Maschine, die nur noch funktioniert.<br />
Seit ich Mutter bin, habe ich gelernt, dass ich zwar – man will es nicht glauben &#8211; weiterhin Emotionen und Bedürfnisse habe, diese aber, wenn sie ins nicht besonders positiv sind, Probleme bereiten. Ich würde mich dann lieber zurückziehen.<br />
Aber wem hilft es, wenn ich dem nachgebe? Ich würde mich festbeißen und vielleicht nicht mehr herausfinden. In ein Loch fallen.<br />
Warum schreibe ich so offen darüber? Weil es nichts Schlimmes ist.<br />
Weil es jedem Anderen manchmal genauso geht. Manchmal geht es einem ganz lange so, manchmal ist das aber auch schnell wieder vorbei.<br />
Deshalb ist das etwas ganz normales, ein ganz normales Gefühl, ein ganz normales &#8220;Mit den Kräften am Ende sein&#8220;.<br />
Nur, wer sich genau das eingesteht, dass auch das mal passieren kann, lebt. Wenn man es unterdrückt, nicht zugibt, versucht, perfekt zu sein, ist innerlich sicher nicht erfüllt, setzt sich selbst unter Druckt.<br />
Ich bin manchmal ganz stark überfordert. Weil dann mein Bedürfnis, einfach nur ein eigener, unabhängiger Mensch zu sein, überwiegt. Dann will ich nicht mehr. Dann ist eine Grenze erreicht und ich könnte auf der Stelle das Handtuch werfen. Und zwar ganz weit weg.<br />
Ich stelle alles infrage, halte mich für eine beschissene Mutter, weil ich nicht vierundzwanzig Stunden am Tag hochmotiviert und dauerbespaßend durch die Gegend hüpfen kann, permanent lachen kann, mich das zehnte Mal in Folge darüber freuen kann, wenn mein Sohn etwas Tolles macht. Denn das tut er. Er macht ganz tolle Dinge, die ständig mein Herz erfüllen.<br />
Auch wenn ich meine Grenze erreicht habe.</p>
<p>Eine Grenze zu erreichen, überfordert zu sein, bedeutet, keine Kapazität mehr zu haben, keinen Aufwand mehr zu betreiben oder etwas zu tun, was aktuell nicht seinem eigenen Bedürfnis entspricht. Es bedeutet nicht, aufzugeben. Wenn man aufgibt, wirft man das Handtuch und geht. Und wie ich oben geschrieben habe &#8220;Dann ist eine Grenze erreicht und ich könnte auf der Stelle das Handtuch werfen.&#8220; Ja, auch ich denke das manchmal.<br />
Wichtig ist dann, zur Ruhe zu kommen.<br />
Zeit zu haben, dieses Chaos wieder ordnen zu können.<br />
Denn wir werfen nicht einfach das Handtuch, was unser Leben ist. Das wirft man nicht einfach weg. Denn was haben wir dann? Wahrscheinlich erstmal nicht viel.<br />
Ist es das wert?<br />
Oder ist das, was wir haben, das, was wir uns aufgebaut haben, mehr wert?<br />
Die Mühe wert, auch in schlimmen Zeiten an unser Herz zu glauben und uns daran zu erinnern, WIESO wir hier stehen.<br />
Weil wir uns so entschieden haben.<br />
Weil wir es wollten.<br />
Weil wir dieses Leben in guten Phasen sehr, sehr lieben. Und in schlechten Phasen kein Bock mehr auf nichts haben. So ist das. Bei mir und bei Dir. Und das ist gut so.</p>
<p>So kann es uns ins verschiedenen Situationen gehen. Ob man eine Beziehungskrise durchlebt, Verantwortung zu tragen hat, einen Beruf ausübt, zur Schule geht, einfach immer.</p>
<p>Das Leben ist nicht einseitig. Man könnte meinen, ein Leben ist einseitig, wenn ein Mensch die Schule beendet, einen Beruf lernt und den Rest seines Lebens die selbe Arbeitsstelle hat.<br />
Aber – und darauf möchte ich hinaus – es geht mir nicht um das, womit wir unseren Tag verbringen.<br />
Es geht mir um das Innere. Unser Herz, unsere Gefühle, unsere Emotionen, unsere Gedanken. DAS ist nicht einseitig und prägt unser Leben. Darauf baut es sich auf. Darauf, was wir in uns haben an Emotionen.<br />
Denn auch ein Mensch, der seit zwanzig Jahren den selben Beruf Tag für Tag ausübt, hat kein einseitiges Leben, wenn er, wie wir alle, Phasen durchlebt, in denen er zu Tode betrübt ist, oder so glücklich, dass er auf Wolken zur Arbeit schwebt.<br />
Wir kennen das ALLE!<br />
Niemand ist damit allein.<br />
Und trotzdem fühlen wir uns oft furchtbar allein, nicht wahr?<br />
Weil leider niemand in unseren Kopf schauen &#8211; und unsere Gefühle ändern kann, um uns aus dieser Phase zu befreien.<br />
Das tun wir ganz alleine, wir befreien uns von ganz allein, indem wir Hoffnung haben.</p>
<p>Das ganze Leben besteht also aus Überforderung, aus Antriebslosigkeit, aus Hoffnungslosigkeit, aus Phasen fehlender Motivation, die uns verleiten, uns für einen Versager zu halten.<br />
Das Leben besteht aus Wut, auf uns selbst und auf Andere, aus Trauer, aus Trennungen, aus Kummer.<br />
Wir verschließen uns, weil wir nicht mehr wollen.<br />
Wir machen einfach zu.<br />
Keine Lust mehr.<br />
Komplett überfordert.<br />
Zu viel Alltag, zu viel Arbeit, zu viel Erwartungen. Erwartungen an uns selbst und von anderen. Von all den Erwartungen an das Leben enttäuscht, jedoch diese Enttäuschung erwartet.<br />
Wir können nicht mehr.<br />
Es ist alles zu viel.<br />
Ist das MEIN Leben?<br />
Wollte ich das je so, wenn ich nun nicht mehr kann? Natürlich kann man nicht glauben, dass der Weg richtig war. Nicht, wenn man an seiner Grenze ist. Dann ist alles falsch, was man je getan hat. Dann ist man selbst falsch. Falsch und alleine und niemand versteht einen. Niemand versucht, einen zu verstehen.<br />
Niemand kümmert sich um Dich, weil alle anderen klarkommen und alles auf die Reihe bekommen, während Du selbst eingehst.</p>
<p>Ein Teufelskreis. Die Anderen kriegen alles hin, während man selbst anscheinend versagt. Niemandem fällt auf, dass diese Phase, die man gerade erlebt, für jemand Anderen aktuell eine ganz tolle, erfolgreiche Phase ist, die aber auch umschlägt und auch die Person plötzlich nicht mehr kann, wenn DEINE Kraft wieder da ist und Du voll durchstartest.<br />
Dann bist Du der, der anscheinend alles super schafft, während der Andere glaubt, aufgeben zu müssen.<br />
JEDER hat Phasen.<br />
Gute und Schlechte.<br />
Wenn Du eine schlechte Zeit hast, hat jemand anderes gerade eine sehr gute Zeit. Und umgekehrt. Vergiss das nicht.<br />
Das Leben kann megamäßig beschissen sein.<br />
Für jeden.<br />
Aber so hoffnungslos wir uns fühlen, während wir aufgeben, hat bereits ganz tief innen wieder etwas Neues begonnen.<br />
Wir erinnern uns.<br />
Es muss nur etwas Vertrautes passieren und wir freuen uns, lachen und erinnern uns. Und dann ist sie wieder da. Die schöne Seite des Lebens. Wir haben sie einfach aus unserem Herzen geholt.</p>
<p>Wie beschreibe ich die schöne Seite des Lebens? Ganz einfach. Ich erinnere mich kurz, was ich in der letzten Zeit, wenn es manchmal auch nur Tage oder Wochen waren, erlebt habe.<br />
Die schöne Seite besteht aus Höhen, in denen man wunschlos glücklich ist, aus wochenlanger Motivation, aus plötzlicher Energie, woher die auch immer kommen mag, aus langanhaltender Ausdauer, dass das Leben perfekt erscheint, weil man alles ohne viel Aufwand schafft.<br />
Außerdem besteht die schöne Seite des Lebens aus ganz viel Spaß, stundenlangem Lachen, aus Zeit und aus Liebe. Zu wissen, man wird gebraucht, zu spüren, dass es ein Kind gibt, das zu mir hoch schaut, von mir lernt.</p>
<p>Das alles sind wunderschöne Dinge, die wir während der schönen Seite des Lebens erleben, die sich wiederholen.<br />
Und das ist das Wichtige, dass man genau daran glaubt, sich daran festhält: Sie wiederholen sich. Immer und immer wieder.<br />
Mal variiert die Länge der Phasen, aber sie kommen immer wieder.</p>
<p>Das ist LEBEN.<br />
Diese Dinge halten uns aufrecht, geben uns Hoffnung, geben Kraft, weiterzumachen und optimistisch zu bleiben.<br />
Bestärken uns, dass es richtig ist.<br />
Das WIR richtig sind, das unser Leben richtig ist.<br />
Das wir in die richtige Richtung gehen und alle Steine und Hindernisse mal ganz einfach zur Seite schieben können, aber auch mal zu zweit anpacken muss und einen fetten Stein aus dem Weg räumt. Damit unser Weg wieder frei ist und wir weitergehen können.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Hier könnt ihr einen weiteren Text von Marie <a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/01/mein-babyalltag-mit-22/" target="_blank" rel="noopener"><strong>über ihre Mutterschaft</strong></a> lesen.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Und hier einen Text von Sarah zu <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/02/feministische-erziehung/" target="_blank" rel="noopener"><strong>feministischer Erziehung von Jungen</strong></a>.</span></li>
</ul>
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