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	<title>Krieg &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Ciocia Wienia – Kriegsverbrechen, Vergewaltigung und das Abtreibungsverbot in Polen</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Isa]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 13 May 2022 09:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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		<category><![CDATA[Schwangerschaftsabbruch]]></category>
		<category><![CDATA[Sexualisierte Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[TW Sexualisierte Gewalt/Vergewaltigung Vergewaltigung wird auch im aktuellen Krieg in der Ukraine von Soldaten als Mittel der Gewalt und Demütigung eingesetzt. Isa schreibt über die gewaltvolle Situation vieler Frauen auch nach der Flucht und stellt NGOs vor, bei denen die Frauen Hilfe bekommen. Das Recht auf (sichere) Abtreibung ist eine der wichtigsten Errungenschaften des feministischen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>TW Sexualisierte Gewalt/Vergewaltigung</strong></p>
<p><strong>Vergewaltigung wird auch im aktuellen Krieg in der Ukraine von Soldaten als Mittel der Gewalt und Demütigung eingesetzt. Isa schreibt über die gewaltvolle Situation vieler Frauen auch nach der Flucht und stellt NGOs vor, bei denen die Frauen Hilfe bekommen.</strong></p>
<p><span id="more-14794"></span></p>
<p>Das Recht auf (sichere) Abtreibung ist eine der wichtigsten Errungenschaften des feministischen Kampfes im letzten Jahrhundert. Dass es nun – im Jahre 2022 wohlgemerkt – vermehrt Diskussionen über eine erneute Abschaffung des Abtreibungsrechts in manchen Ländern gibt, ist in vielerlei Hinsicht erzürnend. Die schockierenden Nachrichten über einen solchen Gesetzesentwurf in den USA haben die Diskussion neu entfacht. Doch auch in der Europäischen Union gibt es Mitgliedstaaten, deren Abtreibungspolitik seit Jahren zunehmend strenger wird.<br />
Seit Jahren ist die immer strenger werdende „Pro-Life“ Einstellung im streng katholischen Land Polen im Zentrum der Kritik vonseiten der EU sowie der Frauen, die in dem Land leben. Jedes Jahr sterben Frauen mitunter daran, dass der bereits im Mutterleib verstorbene Fötus nicht aus dem entfernt wird, was zu tödlichen Blutinfektionen im Körper führt. Die LGBTQ+-feindliche Haltung der polnischen Regierung hat weiters dazu geführt, dass das Land in den letzten Jahren immer wieder von der EU sanktioniert wurde. Im Lichte der rezenten Geschehnisse in der Ukraine, offenbart die Abtreibungspolitik Polens eine weitere scheußliche Dimension:<br />
Im Zuge des Angriffskrieges vonseiten Russlands auf die Ukraine hat sich Polen zu einem solidarischen Nachbarland und einer sicheren Auffangstation für Geflüchtete aus der Ukraine stilisiert. Die kritische Haltung gegenüber Polen schien vor allem in der Anfangsphase des Krieges fast wie weggeblasen. Doch schon bald kristallisieren sich die Schwierigkeiten der Geflüchteten in Polen heraus. Frauen und Kinder verschwinden an den Grenzübergängen. Neonazis und Hooligans aus der Gegend attackieren gezielt die Menschenströme, die nach Polen flüchten.<br />
Neben der offensichtlich rassistischen Haltung der polnischen Regierung gegenüber Geflüchteten aus Afghanistan oder Syrien, die seit Monaten an der Grenze zwischen Polen und Belarus ausharren müssen, stehen die ukrainischen Geflüchteten, die es beim Grenzübertritt durchaus einfacher haben, vor einem anderen Problem.</p>
<p>Frauen, die in der Ukraine durch Vergewaltigung schwanger wurden, haben in Polen keine Möglichkeit, eine Abtreibung durchführen zu lassen. Während es in der Ukraine legal ist, bis zur 12. Schwangerschaftswoche eine Abtreibung durchzuführen, werden Frauen sowie Ärzte, die solche Prozeduren in Polen durchführen, zu Haftstrafen von bis zu 5 Jahren verurteilt. Die Organisation Abortion Without Borders meldete vergangene Woche, dass sich seit Anfang März bereits 200 Ukrainerinnen wegen Abtreibungen an sie gewandt hätten.<br />
Sexualisierte Gewalt und Vergewaltigungen sind ein grausames Mittel der Kriegsführung und passieren oft organisiert. Das Ziel solcher Grausamkeiten ist, das soziale Gefüge in den Soldatentruppen der Gegner und somit eine Demoralisierung der gegnerischen Truppen herbeizuführen. Den Männern an der Front soll dadurch vermittelt werden, dass sie nicht in der Lage sind, ihre „eigenen“ Frauen und Kinder zu schützen, während sie im Schützengraben liegen.<br />
Seit Jahren gibt es anonyme Gruppen von Aktivist*innen, die Polinnen und in jüngster Zeit Ukrainerinnen, die nach Polen geflüchtet sind, die Möglichkeit geben, für eine sichere und legale Abtreibung ins Ausland zu fahren. Die Frauen werden dort untersucht und informiert sowie moralisch und emotional unterstützt.<br />
Alle diese Organisationen sind NGOs und finanzieren sich durch Spenden. Wer sich näher zu dem Thema informieren möchte und sie unterstützen will, kann dies auf den folgenden Websites tun:</p>
<p><strong>Ciocia Czesia ist die Anlaufstelle in Tschechien.</strong><br />
https://ciociaczesia.pl/<br />
<strong>Ciocia Wienia ist eine Schwesternorganisation in Wien.</strong><br />
https://ciociawienia.net/de#about<br />
<strong>In Berlin operiert die Organisation Ciocia Basia</strong><br />
https://www.facebook.com/ciociabasiaberlin</p>
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		<title>Meine Story &#8211; Mein Leben</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/08/meine-story-mein-leben/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Online-Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 31 Aug 2018 07:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Flucht]]></category>
		<category><![CDATA[Geflüchtete]]></category>
		<category><![CDATA[Jungen]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
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					<description><![CDATA[In den Medien tauchen sie immer nur als gefährliche Kriminelle auf: junge geflüchtete Männer. Woher sie kommen, was sie aufgegeben haben, ihre Trauer um den Verlust von Freunden und Familie, all das wird kaum thematisiert. Umso wertvoller dieses Video, in dem eben jene junge Männer einen Rap geschrieben haben über das verlorene Leben, die Sehnsucht]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In den Medien tauchen sie immer nur als gefährliche Kriminelle auf: junge geflüchtete Männer. Woher sie kommen, was sie aufgegeben haben, ihre Trauer um den Verlust von Freunden und Familie, all das wird kaum thematisiert. Umso wertvoller dieses Video, in dem eben jene junge Männer einen Rap geschrieben haben über das verlorene Leben, die Sehnsucht und den Schmerz.</strong></p>
<p>(via Väter in Köln e.V.)</p>
<p><span id="more-10854"></span></p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>In <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/03/heimat-iraki-brothers/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>dem Song Heimat</strong></a> von den Iraki Brothers geht es ebenfalls um das Gefühl, die vetraute Umgebung zu vermissen und sich in einem neuem Umfeld zurecht zu finden.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Und <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/12/asyl/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>in diesem Track</strong></a> rappt EBOW zum Thema Asyl.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Warum muss ich alleine kämpfen?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/05/warum-muss-ich-alleine-kaempfen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Martian Mars]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 May 2017 06:30:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgrenzung]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Geflüchtete]]></category>
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		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Vorurteile]]></category>
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					<description><![CDATA[Martian Mars ist im Krieg aufgewachsen. Im Krieg mit seiner Familie, mit Lehrer*innen, mit der Gesellschaft. Aber er will weiter kämpfen, kämpfen für das Gute, für die Rechte von allen Lebewesen.  Für mich als Ausländer ist es sehr schwierig in Deutschland ein Ziel zu erreichen, obwohl ich viele tolle große Projekte in der Welt machen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Martian Mars ist im Krieg aufgewachsen. Im Krieg mit seiner Familie, mit Lehrer*innen, mit der Gesellschaft. Aber er will weiter kämpfen, kämpfen für das Gute, für die Rechte von allen Lebewesen. </strong><span id="more-8607"></span></p>
<p>Für mich als Ausländer ist es sehr schwierig in Deutschland ein Ziel zu erreichen, obwohl ich viele tolle große Projekte in der Welt machen will!</p>
<p>Ich will immer für Menschen- und Frauenrechte kämpfen, deswegen bin ich ein Idiot! Ja schade, ich bin ein Ausländer , viele sind in meiner Lebengeschichte gegen mich: das Politiksystem, Menschen, die reich aufgewachsen sind, die Gesellschaft und … und nur eine ist bei meiner Seite !</p>
<p>Als ich Kind war, dachte ich immer, ich heirate mal ein Mädchen mit goldenen Haaren, (ich liebe Rapunzel!) aber wer konnte wissen, dass goldene Mädchen so kaltherzig gegen mich sind! Wenn ich zu einem deutschen Mädchen gucke, brauche ich eine dicke Haut mit meinen braunen Haaren!</p>
<p>ich werde nie ein deutsches Mädchen oder ein Mädchen aus England heiraten, weil mein deutsch und englisch nicht gut sind und deutsche und englische Mädchen und sind sehr egoistisch! Warum? Wenn ich beim Gespräch einen kleinen Fehler in ihrer Muttersprache mache, dann sie nennen mich ein sehr fremder Mensch, ja ich bin doch ein Idiot, wie ich schon sagte! Richtig sprechen gehört zu Leuten, die immer zur Schule gegangen sind und nicht zu mir, der ich im Krieg aufgewachsen bin!</p>
<p>Ja, ich bin in einem großen Krieg aufgewachsen, in einem sehr, sehr riesig großen Krieg:</p>
<p>Krieg mit meinen Eltern, weil ich zu ihnen sagen wollte: ich bin erwachsen und verstehe!</p>
<p>Krieg mit Leuten, die zu mir “kleiner Ausländer” gesagt haben! Aber ich war und bin groß!</p>
<p>Krieg mit meine_m Lehrer/in, die zu mir im Unterricht “behinderter Ausländer” gesagt haben!</p>
<p>Krieg mit der Gesellschaft, die zu mir “unbenutzbares Lebewesen” gesagt haben!</p>
<p>Krieg mit der ganzen Welt!</p>
<p>Ja das ist Krieg gegen die ganze Welt!</p>
<p>Aber während ich für meine Seite kämpfe, kämpfe ich auch besonders für Frauenrechte, Kinderrechte, Tierrechte und alle Lebewesen auch.</p>
<p>Weil ich (Martian) Marsianer bin und denke ich auch manchmal ein Idiot bin, aber das ist nicht richtig!</p>
<p>Jedes Lebewesen, das für Leben, egal welches Leben, kämpft, ist wahnsinnig schön und unglaublich genießbar!</p>
<p>Das ist gut!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Hier ein Interview mit einer jungen Frau zu den <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/02/flucht-zum-neuanfang/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Gründen ihrer Flucht</strong></a>.</li>
<li> Ein Video von Tomasz <strong><a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/06/fluchtursachen-ueber-die-maennlichen-fluechtlinge/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">über Fluchtursachen und „die“ männlichen Geflüchteten</a></strong>.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wenn ich an meinen Opa denke</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/02/wenn-ich-an-meinen-opa-denke/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Sarah Wiedenhöft]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 03 Feb 2016 08:00:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Geschichte]]></category>
		<category><![CDATA[Krieg]]></category>
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					<description><![CDATA[Für meinen besten Freund Als ich ein Kind war, war er mein großes Vorbild, eine enge Bezugsperson, zu der ich regelmäßig Kontakt hatte. Wenn ich an ihn denke, fallen mir zuerst seine großen, warmen Hände ein. Als ich im Kindergarten war, wollte ich oft auch im Winter keine Handschuhe tragen. Manchmal krempelte ich mir sogar]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Für meinen besten Freund</p>
<p>Als ich ein Kind war, war er mein großes Vorbild, eine enge Bezugsperson, zu der ich regelmäßig Kontakt hatte. Wenn ich an ihn denke, fallen mir zuerst seine großen, warmen Hände ein. Als ich im Kindergarten war, wollte ich oft auch im Winter keine Handschuhe tragen. Manchmal krempelte ich mir sogar die Ärmel vom Schneeanzug hoch, um den Schnee richtig formen, um mit den Schneebällen richtig zielen zu können. Wenn ich dann abends von der Schneeballschlacht nach Hause kam, waren meine Finger feuerrot und eiskalt. Richtig weh taten sie und bewegen konnte ich sie kaum noch.</p>
<p>Er saß auf dem Sofa im Wohnzimmer, gegenüber von der Tür. Meist trug er ein kariertes Hemd, eine braune Hose und schwarze Hausschuhe. Er nahm mich hoch und zog mich auf seinen Schoß. Ich kuschelte mich an ihn. Dann nahm er meine kleinen, kalten Hände zwischen seine riesengroßen Pranken und fing an, so lange warme Luft hinein zu pusten, bis meine Hände wieder warm waren. Meist roch er nach Bier.</p>
<p>Früher, bevor ich geboren wurde und nachdem er von der Front zurückgekehrt war, war er Gärtner gewesen und das bekam auch ich zu spüren. Im Frühjahr, wenn die ersten Sonnenstrahlen begannen, die Erde zu wärmen und die Bäume und Blumen sprießen ließen, wurde er aktiv. Er kaufte Samen und Erde und begann eifrig, den Balkon zu bepflanzen. Ich durfte aussuchen, ob ich lieber Stiefmütterchen anschauen oder später dann Tomaten ernten wollte. Er erklärte mir, was die einzelnen Pflanzen brauchten, um gut wachsen zu können. Er zeigte mir die Formen und Farben der unterschiedlichen Blätter, die die Bäume tragen. Wir sammelten sie und pressten sie in Büchern, bis sie trocken waren, um sie dann später aufzukleben.</p>
<p>Auch Insekten mochte er sehr. Zum Geburtstag schenkte er mir einmal ein kleines Glas mit einem roten Deckel, zu dem eine grüne Lupe gehörte. Gemeinsam zogen wir los, in die Natur. Wir sammelten Marienkäfer, Kellerasseln und Grashüpfer und schauten sie uns unter der Lupe an. Mir gefielen besonders Schnecken. Einmal sammelten wir zusammen über 50 Schnecken in einem großen Schuhkarton. Wir ließen sie Wettrennen machen und fütterten sie mit Salat und Blättern. Abends nahm ich den Karton mit nach Hause und stellte ihn auf den Balkon. Als ich am Morgen nach den Tieren sehen wollte, kam der Schock: Die Schnecken waren natürlich nicht in dem Schuhkarton geblieben, sondern hatten sich über den ganzen Balkon verteilt und sich in der Nacht über die Pflanzen hergemacht. Die Blätter der Stiefmütterchen zierten deutliche Bissspuren, und vor allem die Tomatenpflanzen hatten sehr gelitten. Ich hatte große Angst. Was würde mein Freund sagen? Schließlich hatte er sich mit dem Gärtnern so viel Mühe gegeben. Als er dann kam, war er zum Glück nicht wütend. Er half mir, die Schnecken einzusammeln und wir setzten sie gemeinsam vor dem Haus aus. Dann kümmerten wir uns um die Balkonpflanzen. Er lachte und erzählte an diesem Tag erstaunlich viel.</p>
<p>Ansonsten redete er nicht viel. Und er bewegte sich auch nicht viel. Meist saß er einfach still da, las oder schaute fern. Einmal, viel später, als ich schon kurz vor dem Abitur stand und mir gerade überlegte, welche Leistungskurse ich wählen wollte, saßen wir beim Essen. Es gab Hühnersuppe. Es war still. Plötzlich platze es aus ihm heraus: „Ich habe neun Menschen erschossen!“, sagte er. Ich brauchte etwas, um zu verstehen, dass er von seinen Einsätzen im zweiten Weltkrieg redete. Damals traute ich mich nicht, ihn weiter danach zu fragen. Wer waren diese Menschen? Und wie kam es dazu? Je älter mein er wurde, umso trauriger und stiller wurde er. Er weinte viel und ging immer weniger nach draußen in die Natur. Ich habe ihn nie danach gefragt, was da auf einmal mit ihm passiert war. Warum er so traurig war.</p>
<p>Damals, im Krieg, als auch meine Eltern noch nicht geboren waren, hatte die Frau, die er später heiratete, ein anderes Leben als er. So wie alle Frauen. Von ihr werde ich Sätze wie „Ich habe neun Menschen erschossen“, niemals hören. Sie musste nicht kämpfen. Es gehörte einfach nicht zu ihren Aufgaben. Sie musste kochen, putzen und sich um ihre sieben Geschwister kümmern. Die Schule schloss sie nicht ab. Er auch nicht. Ich frage mich, ob Er gern ein Mann war, in dieser Zeit des Krieges. Oder ob er vielleicht lieber die Socken der Geschwister gestopft, für alle gekocht und mit den kleinen Kindern gebastelt hätte. Ich weiß, dass er das gern mochte, aber die Wahl hatte er nicht. Oder ob das überhaupt eine Rolle gespielt hat.</p>
<p>Inzwischen ist mein Freund gestorben. Ich hätte ihn noch so viel Fragen, noch so viel mit ihm besprechen wollen. Doch dazu ist es nun zu spät. Was bleibt, ist die Erinnerung an seine warmen Hände, für mich Symbol von Schutz und Geborgenheit.</p>
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