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	<title>Männlichkeit &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>Männlichkeit &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Ziad über Männlichkeit und Selbstreflexion</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/12/ziad-ueber-maennlichkeit-und-selbstreflexion/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Online-Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Dec 2025 09:00:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstreflexion]]></category>
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					<description><![CDATA[In unserem neuen Video auf Durch die Blume spricht Ziad über gesellschaftliche Strukturen, die ihm als Mann oft unbewusst Privilegien verschafft haben. Er beschreibt dabei die Momente, die dazu geführt haben sein eigenes Verhalten zu hinterfragen, sich in Workshops zu kritischer Männlichkeit zu engagieren und welchen Anspruch er an sich als Mann hat.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>In unserem neuen Video auf Durch die Blume spricht Ziad über gesellschaftliche Strukturen, die ihm als Mann oft unbewusst Privilegien verschafft haben. Er beschreibt dabei die Momente, die dazu geführt haben sein eigenes Verhalten zu hinterfragen, sich in Workshops zu kritischer Männlichkeit zu engagieren und welchen Anspruch er an sich als Mann hat.</strong><span id="more-17259"></span></p>
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		<title>Mein Bruder</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/10/mein-bruder/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Carlotta]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 30 Oct 2025 10:38:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschwister]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Wie hegemoniale Männlichkeit schon in der Familie wirkt: Ein persönlicher Blick von Carlotta auf die Privilegien, Erwartungen und Spannungen, die zwischen Geschwistern entstehen, wenn gesellschaftliche Männlichkeitsbilder auf das eigene Leben prallen. Mein Bruder ist ein weißer, heterosexueller Mann und gehört der Mittelschicht an. Auch wenn gerade diese Art von Männlichkeit oft als das absolute Feindbild]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie hegemoniale Männlichkeit schon in der Familie wirkt: Ein persönlicher Blick von Carlotta auf die Privilegien, Erwartungen und Spannungen, die zwischen Geschwistern entstehen, wenn gesellschaftliche Männlichkeitsbilder auf das eigene Leben prallen.</strong><span id="more-17184"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Mein Bruder ist ein weißer, heterosexueller Mann und gehört der Mittelschicht an. Auch wenn gerade diese Art von Männlichkeit oft als das absolute Feindbild dargestellt wird, als die Art von Männlichkeit die am autoritärsten und bedrohlichsten ist, habe ich ihn trotzdem lieb. Wenn ich meinem Vater seine Männlichkeit nicht übel nehme, kann ich sie auch meinem Bruder nicht vorwerfen. Wie alle anderen haben auch sie sich nicht ausgesucht, unter welchen Bedingungen oder mit welchen Eigenschaften sie in diese Welt gekommen sind.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Obwohl mein Bruder und ich mit denselben Privilegien aufgewachsen sind, unterscheidet sich unsere gesellschaftliche Stellung doch ein wenig – mein Bruder hat das Glück als heterosexueller Mann in einer patriarchalen, heteronormativen Gesellschaft zu leben. Auch wenn ich mir sicher bin, dass das nicht heißt, mein Bruder hätte keine Probleme oder es sei leicht, in der heutigen Gesellschaft ‚Mann genug‘ zu sein, verschafft ihm das dennoch eine gesellschaftlich privilegiertere Position. Eine Position, die er mittlerweile als selbstverständlich versteht. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Mein Bruder verhält sich manchmal, als liege ihm die Welt zu Füßen. Das kann daran liegen, dass er als jüngstes Kind der Familie vieles bekommen hat und ihm viel durchgehen gelassen wurde. Es kann auch daran liegen, dass die heutige Gesellschaft immer noch jungen, weißen Männern das Bild vermittelt, sie könnten alles erreichen und ihnen gehöre die Welt. Beides bedeutet, dass mein Bruder keine Schuld an seiner Lage trägt. Er ist einfach ein gesellschaftliches Subjekt, das versucht seine Männlichkeit in der heutigen Welt zu navigieren. Das Problem daran ist nur, dass hegemoniale* Männlichkeit allen schadet, die nicht in das erwünschte Männlichkeitsbild passen. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Für mich bedeutet das, dass bei jedem Streit die Grundannahme besteht, mein Bruder habe immer Recht. Jeder Wutausbruch sei legitim, der Fehler liege ja bei mir. Und wenn es dann mal richtig kracht, weil ich mir sein Verhalten nicht gefallen lassen möchte, heißt es von meinem Vater, wir hätten ja beide noch viel über Kommunikation zu lernen. Denn Männer sind nun mal laut, und wenn sie wütend werden, heißt es, dafür gebe es ja immer einen guten Grund. Die Männlichkeit meines Bruders nimmt mir den Raum, auch mal richtig wütend sein zu können.  </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich spüre immer deutlicher, wie die gesellschaftlichen Vorstellungen von Männlichkeit eine Distanz zwischen mir und meinem Bruder schaffen. Das Verhalten meines Bruders ist oft nicht mehr nur nervig – immer häufiger ist es verletzend, manchmal sogar wirklich unverschämt, und bleibt doch ohne Konsequenzen für ihn. Ein Zustand, den ich sonst nur von fremden Männern kenne, die mir nicht nahestehen oder Teil meiner Familie sind. Diese Art von Männlichkeit wirkt für mich wie ein Gefängnis: ein Gitter aus starren Eisenbarren, das jedes Individuum dieser Gesellschaft umschließt und ihm die Freiheit zur Selbstentfaltung nimmt. Vielleicht besteht die eigentliche Herausforderung darin, Männlichkeit neu zu denken – jenseits der Normen, die unsere Gesellschaft noch immer prägen. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><em>*<b>Hegemoniale Männlichkeit</b> – Soziologisches Konzept einer Form von Männlichkeit, die eine dominierende Position in der Geschlechterordnung einnimmt, also eine soziale Dominanz gegenüber Frauen und anderen Geschlechtsidentitäten, aber auch gegenüber als „schwächer“ wahrgenommenen Männern bedeutet. </em></p>
<p><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<title>Toxische Männlichkeit überwinden</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/10/toxische-maennlichkeit-ueberwinden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Eileen Ahland]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Oct 2025 13:43:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Jungen]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Schon als Jungen lernen viele: „Sei stark. Zeig keine Schwäche. Reiß dich zusammen.“Doch was bleibt von einem Kind, das nie traurig sein darf?Dieser Text von Eileen zeigt, wie starre Rollenbilder Jungs formen – und warum echte Stärke darin liegt, Gefühle zuzulassen, statt sie zu unterdrücken. Für ein Aufwachsen ohne Druck, mit mehr Empathie und Freiheit.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schon als Jungen lernen viele: „Sei stark. Zeig keine Schwäche. Reiß dich zusammen.“</strong><br data-start="255" data-end="258" /><strong>Doch was bleibt von einem Kind, das nie traurig sein darf?</strong><br data-start="316" data-end="319" /><strong>Dieser Text von Eileen zeigt, wie starre Rollenbilder Jungs formen – und warum echte Stärke darin liegt, Gefühle zuzulassen, statt sie zu unterdrücken. Für ein Aufwachsen ohne Druck, mit mehr Empathie und Freiheit.</strong><span id="more-17177"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Jungen* lernen bereits in ihrer Kindheit, dass es bestimmte gesellschaftliche Vorstellungen über Männlichkeit gibt, die mit Verhaltensanforderungen verknüpft sind. „Sei ein Mann* und keine Memme!“, „Setze dich durch!“, „Als Mann* musst du kämpfen, du darfst nicht aufgeben!“, „Wer Gefühle zeigt, ist schwach!“ sind einige Äußerungen und Befehle, die mit Männlichkeitsvorstellungen in Verbindung stehen.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559739&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Aber wer legt eigentlich fest, was „männlich“ ist und mit welchen Merkmalen „Männlichkeit“ verbunden ist? Geschlechterbilder und -stereotype verfestigen sich über eine lange Zeit in unserer Gesellschaft und werden mit jeder Anwendung reproduziert und manifestiert. Dabei sollte es nicht Aufgabe der Gesellschaft sein &#8211; es sollte ihr nicht einmal zustehen -, Individuen in Schubladen zu packen und festzulegen, wie ein „echter Mann*“ zu sein hat bzw. sich verhalten soll.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Jungen* und Männer* sind nicht an für sich problematisch, sondern die Assoziationen, die Menschen vom sozialen Konstrukt der Männlichkeit innehaben. Jungen* und Männer* dürfen nicht weinen. Sie dürfen keine Schwäche zeigen. Sie müssen immer stark und durchsetzungsfähig sein. Sie müssen unabhängig sein. Sie müssen karriere- und machtfokussiert sein. Sind das Anforderungen an Jungen* und Männer*, die diese langfristig stärken und ein gesundes soziales Aufwachsen und Weiterwachsen ermöglichen? Wer bislang in dem Glauben gelebt hat und davon überzeugt war, muss ich an dieser Stelle leider enttäuschen. Das funktioniert so nicht. Geschlechterstereotype, Vorurteile und Rollenvorstellungen sind nicht gesundheitsfördernd. Sie kategorisieren, verallgemeinern und lassen die Individualität des menschlichen Seins außer Acht.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Toxische Männlichkeit ist ein Phänomen, welches genau solche schädlichen Verhaltensanforderungen und Stereotype beschreibt. Die Hauptmerkmale und Auswirkungen toxischer Männlichkeit sind:</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559738&quot;:240}"> </span></p>
<ul>
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</ul>
<p><span data-contrast="auto">Das klingt meines Erachtens nicht wirklich charmant und schon gar nicht beeindruckend. Für mich klingt es nach sehr viel Stress, überzogenen Realitätsvorstellungen und einer Verausgabung, die den Weg für vielfältige Gesundheitsprobleme ebnet.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Jungen* und Männer* sind Menschen. Individuell. Vielfältig. Mal laut. Mal leise. Mal mutig. Mal ängstlich. Und all das ist vollkommen okay. Zu weinen bedeutet nicht, schwach zu sein. Gefühle zu zeigen und über sie zu sprechen bedeutet nicht, verletzlich zu sein.  Es ist ein Zeichen von Stärke.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559739&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Es gibt eine Reihe von Sätzen, die Jungen* und Männer* im Sinne einer geschlechtssensiblen Begleitung stärken können:</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559738&quot;:240}"> </span></p>
<ul>
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<ul>
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</ul>
<p><span data-contrast="auto">Das klingt doch schon sehr viel besser und empathischer, oder? Und genau das ist wichtig bei einer jeden menschlichen Begegnung: Empathie und Wohlwollen. Jungen* und Männer* geschlechtssensibel zu begegnen und zu begleiten heißt, Geschlechterstereotype und Verhaltenserwartungen zu entkräftigen. Ihnen zu verdeutlichen, dass sie sich nicht ständig beweisen oder zusammenreißen müssen. Das ist Gewaltprävention. Menschen, die gelernt haben, Gefühle zuzulassen und über diese zu sprechen, müssen sie nicht an anderen auslassen und sind sanfter zu sich selbst und anderen.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{&quot;335559739&quot;:0}"> </span><i><span data-contrast="auto">Anmerkung: In diesem Beitrag wird der Asterisk (Genderstern *) verwendet, um geschlechtliche Vielfalt abzubilden und um auf die kategorische Unabgeschlossenheit von Geschlecht zu verweisen.</span></i><span data-ccp-props="{&quot;335559739&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{&quot;335559739&quot;:0}"> </span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wann ist ein Mann ein Mann?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/10/wann-ist-ein-mann-ein-mann-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nathan]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 23 Oct 2025 09:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Schubladen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=17173</guid>

					<description><![CDATA[Ein wütendes, liebevolles Gedicht gegen Schubladen: Warum das Patriarchat Männer zu Gefangenen macht und wie Befreiung aussehen könnte — mehr Weichheit, mehr Gefühle, weniger Maskerade. Böse Blicke, tiefe Stimmeund breit wie ein Schrank.Du bist ein Mann, sei stark,zeige keine Gefühle –du bist ein Bär, kein rosarotes Einhorn. Schwanzvergleich bei jedem Anlass –das muss ein richtiger]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Ein wütendes, liebevolles Gedicht gegen Schubladen: Warum das Patriarchat Männer zu Gefangenen macht und wie Befreiung aussehen könnte — mehr Weichheit, mehr Gefühle, weniger Maskerade.</strong><span id="more-17173"></span></p>
<p data-start="274" data-end="434"><strong data-start="274" data-end="303">Böse Blicke, tiefe Stimme</strong><br data-start="303" data-end="306" />und breit wie ein Schrank.<br data-start="332" data-end="335" /><em data-start="335" data-end="365">Du bist ein Mann, sei stark,</em><br data-start="365" data-end="368" />zeige keine Gefühle –<br data-start="389" data-end="392" />du bist ein Bär, kein rosarotes Einhorn.</p>
<p data-start="436" data-end="609"><strong data-start="436" data-end="475">Schwanzvergleich bei jedem Anlass –</strong><br data-start="475" data-end="478" />das muss ein richtiger Mann sein.<br data-start="511" data-end="514" />Die Gesellschaft öffnet Schubladen<br data-start="548" data-end="551" />und erschafft eine Scheinwelt<br data-start="580" data-end="583" />aus falschen Ideologien:</p>
<p data-start="611" data-end="776">Der Mann muss beschützen,<br data-start="636" data-end="639" />groß und kräftig wie ein Löwe soll er brüllen.<br data-start="685" data-end="688" />Der Mann – ein Vorbild für alle,<br data-start="720" data-end="723" />der geborene Anführer,<br data-start="745" data-end="748" />das „stärkere“ Geschlecht.</p>
<p data-start="778" data-end="911">Diese falschen Vorstellungen<br data-start="806" data-end="809" />lernen wir schon,<br data-start="826" data-end="829" />seit wir kleine Kinder sind:<br data-start="857" data-end="860" />in Werbungen, Filmen<br data-start="880" data-end="883" />oder von einer Vaterfigur.</p>
<p data-start="913" data-end="1099"><strong data-start="913" data-end="947">Das Patriarchat vergiftet uns;</strong><br data-start="947" data-end="950" />Männer werden zu Arschlöchern,<br data-start="980" data-end="983" />sexistischen Monstern,<br data-start="1005" data-end="1008" />aufdringlichen Kakerlaken –<br data-start="1035" data-end="1038" />und nein, der Mann<br data-start="1056" data-end="1059" />ist nicht das „mächtigere“ Geschlecht.</p>
<p data-start="1101" data-end="1333">Leider sehen viele Männer das Problem nicht,<br data-start="1145" data-end="1148" />kritisieren andere Männer,<br data-start="1174" data-end="1177" />die sich für Frauen einsetzen,<br data-start="1207" data-end="1210" />nennen dich eine Memme, wenn du Tränen vergießt,<br data-start="1258" data-end="1261" />und halten dich für schwul,<br data-start="1288" data-end="1291" />wenn du jegliche Art von Schmuck trägst.</p>
<p data-start="1335" data-end="1407"><strong data-start="1335" data-end="1348">Verdammt:</strong><br data-start="1348" data-end="1351" />Klamotten, Schmuck und Farben<br data-start="1380" data-end="1383" />haben kein Geschlecht!</p>
<p data-start="1409" data-end="1611">Ein Mann darf sich schminken,<br data-start="1438" data-end="1441" />tanzen in einem Tütü,<br data-start="1462" data-end="1465" />sich schön fühlen in einem Kleid,<br data-start="1498" data-end="1501" />Rosa als Lieblingsfarbe haben,<br data-start="1531" data-end="1534" />weinen, wenn er traurig ist –<br data-start="1563" data-end="1566" />und vor allem darf ein Mann Gefühle zeigen!</p>
<p data-start="1613" data-end="1772"><strong data-start="1613" data-end="1638">Seid nett zueinander,</strong><br data-start="1638" data-end="1641" />gebt einen Fick auf die Gesellschaftsschubladen<br data-start="1688" data-end="1691" />und kämpft gegen das Patriarchat,<br data-start="1724" data-end="1727" />denn das macht Monster aus vielen von euch.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Knapp verpasst</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/10/knapp-verpasst/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Nev]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 22 Oct 2025 10:11:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Kinderwunsch]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Nev und seine Frau wünschen sich ein Kind und versuchen gerade mit Hilfe von künstlicher Befruchtung schwanger zu werden. In diesem Video gibt Nev ein Update über den Prozess und wie sie versuchen Rückschläge zu überwinden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Nev und seine Frau wünschen sich ein Kind und versuchen gerade mit Hilfe von künstlicher Befruchtung schwanger zu werden. In diesem Video gibt Nev ein Update über den Prozess und wie sie versuchen Rückschläge zu überwinden.</strong><span id="more-17165"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Jungs im Cheerleading</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/10/jungs-im-cheerleading/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Oct 2025 11:41:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Cheerleading]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn Lilith erzählt, dass bei ihr auch Jungs im Team sind, erntet sie oft erstaunte Blicke und die Frage ob den Jungen das nicht peinlich ist. Dabei zeigt Cheerleading genau das, was Sport sein sollte: Teamgeist, Vertrauen, Stärke – jenseits von Geschlechterrollen. Ein Video über Vorurteile und echte Gleichberechtigung auf der Matte.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wenn Lilith erzählt, dass bei ihr auch Jungs im Team sind, erntet sie oft erstaunte Blicke und die Frage ob den Jungen das nicht peinlich ist. Dabei zeigt Cheerleading genau das, was Sport sein sollte: Teamgeist, Vertrauen, Stärke – jenseits von Geschlechterrollen. Ein Video über Vorurteile und echte Gleichberechtigung auf der Matte.</strong><span id="more-17160"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schluss mit der Performance</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/10/schluss-mit-der-performance-performative-males-und-warum-die-kritik-an-ihnen-nicht-immer-fortschrittlich-ist/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Laura]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Oct 2025 10:53:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[performative male]]></category>
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					<description><![CDATA[In ihrem neuen Text schreibt Laura über performative males und warum die Kritik an ihnen nicht immer fortschrittlich ist. 2021, zweites Date, wir sind bei ihm in seiner WG, er kocht. An seinem Kühlschrank kleben FCK-AFD-Sticker, in seinem Bad steht eine Schale mit Tampons und Binden, es läuft „paris“ von JEREMIAS. Später in seinem Zimmer]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="cvGsUA direction-ltr align-start para-style-body"><strong><span class="a_GcMg font-feature-liga-off font-feature-clig-off font-feature-calt-off text-decoration-none text-strikethrough-none">In ihrem neuen Text schreibt Laura über </span><span class="a_GcMg font-feature-liga-off font-feature-clig-off font-feature-calt-off text-decoration-none text-strikethrough-none">performative males </span><span class="a_GcMg font-feature-liga-off font-feature-clig-off font-feature-calt-off text-decoration-none text-strikethrough-none">und warum die Kritik an ihnen nicht immer fortschrittlich ist.</span></strong><span id="more-17144"></span></p>
<p>2021, zweites Date, wir sind bei ihm in seiner WG, er kocht. An seinem Kühlschrank kleben FCK-AFD-Sticker, in seinem Bad steht eine Schale mit Tampons und Binden, es läuft „paris“ von JEREMIAS. Später in seinem Zimmer liegt Untenrum frei auf seinem Nachttisch. Wow, green flag, denke ich. Er fragt „darf ich?“, bevor er mich küsst, er kommt, ich nicht. Macht nichts, es war ja sanft, immerhin. Und es gab keine Diskussionen um das Kondom, Pluspunkt. Danach rauchen wir auf seinem Balkon, ich frag ihn nach Margarete Stokowski, er sagt, er liebe ihren witzigen Ton und checkt jetzt, wieso man nicht mehr Powerfrau sagt. Ein „good guy“?</p>
<p><em>Die good guy-Sorge hat endlich einen Namen: performative male</em></p>
<p>Schon damals diskutieren wir hitzig im Gruppenchat, ob er das jetzt ist: einer von den Guten. Und: schließen sich „good“ und „guy“ in einer patriarchalen Sozialisation nicht vielleicht eh schon aus? Green Flags sind seine lackierten Nägel, die Wilde-Herzen-Playlist, seine langen Haare. Red flags, seine Unverbindlichkeit, dass er nie darauf achtet, ob ich komme und er mir kaum (Gegen)fragen stellt.</p>
<p>Vier Jahre später reflektieren wir dank voranschreitender Diskurse, wieso die Standards für Typen eigentlich so low sind und kriegen keine unreflektierten Herzchenaugen bei Perlenketten und lackierten Nägeln. Meinen Jeremias-Pulli habe ich bei Vinted verscherbelt, seit die selbsternannten Soft Boys, die mit Balladen und vermeintlich sensibilisiertem Auftreten vor allem eine weibliche Fanbase haben, dann halt doch ihren übergriffigen Bro so lang schützten. So weit, so gut. Dafür wurden sie abgelöst, denn wie es im Insta-Slang so schön heißt: Evil doesn´t die. It reinvents itself. Jetzt heißt es:</p>
<p>Matcha Latte, Kabelkopfhörer, aus denen Clairo tönt, eine Tote Bag der Linken und natürlich: ein feministisches Buch wie bell hooks´ all about love. Das alles sind Zuschreibungen des sogenannten perfomative male – ein TikTok-Phänomen, dem man beim Scrollen kaum entkommen kann. Gestartet als feministische Kritik Anfang des Jahres nutzen FLINTA*-Creator:innen das Buzzword, um humoristisch auf diesen Archetyp cis-Mann aufmerksam zu machen. Einer, der sich wie in einem Paarungsritual mit fremden Federn schmückt und nur so tut, als würde er all diese Bücher lesen, Lieder hören und Anliegen wichtig finden, um ein Date zu bekommen. Statt die eigenen cismännlichen Privilegien zu reflektieren, repostet er Stories, ohne sie zu lesen.</p>
<p>Die Kritik am performative male geben meinen gemischten Gefühlen, die bestimmt jede FLINTA*-Person selbst oder durch Erzählungen von Freund:innen auch kennt, endlich einen Namen. Das, was wir sonst diffus als „good guy. aber halt doch nicht?“ in WG-Küchen sezierten und als „Ja, er hat mich geghosted, aber er hört halt auch Taylor mit mir?“ selbst rechtfertigten, bekam Substanz. Denn ja, auf seinem Shirt steht „written by Sally Rooney“, aber be for real: hätte er Rooney gelesen, wüsste er, wie toxisch ihre männlichen Figuren sind. Und darin eben liegt der Kern: performative males tun nur so, um am Ende doch wieder oberkörperfrei im Moshpit zu sein, ein „Nein“ nicht zu akzeptieren und Kanye West weiter als GOAT zu zelebrieren. Doch diesen zweiten Teil, der so essenziell für die feministische Kritik am performative male ist, geht gerade in öffentlichen Diskursen verloren. Über den Sommer berichtet der Feuilleton großer Medien über den TikTok-Hype um die performative males. Eigentlich ein Grund zur Freude: so viel Reichweite für feministische Kritik. Oder?</p>
<p><em>Verwässerte, leere Kritik statt Widerstand</em></p>
<p>Nicht ganz, denn mit dem Ankommen im Mainstream verwässert die eigentliche feministische Kritik an dem manipulativem cis-männlichen Verhalten. Wie Syeda Khaula in der The Huffington Post bereits andeutet: wenn wir jeden lesenden cis-Mann als performativ diskreditieren, der gesellschaftlich weiblich konnotierte Interessen verfolgt, dann verstärken wir binäres Denken und Geschlechterstereotypen. Denn: was sind eigentliche weibliche und männliche Interessen? Wenn wir davon ausgehen, dass jeder cis-Mann Clairo nur hört, um Dates zu klären, führen wir damit auch die Tradition der internalisierten Misogynie fort. Damit trivialisieren wir die Interessen von cis-Frauen als silly little things, die Männer nur für den female gaze hören und nicht, weil sie sie als Kunst wahrnehmen, derer sich prinzipiell alle erfreuen können. Und: wie krass heteronormativ ist das eigentlich gedacht, dass cis-Männer nur Frauen daten wollen und diese umgekehrt darauf anspringen? Daher fordere ich: zurück zum Ursprung unserer Kritik!</p>
<p><em>Back to the roots, please!</em></p>
<p>Statt ironische performative male Contests zu veranstalten, bei denen die Kritik zum popkulturellen Kostümwettbewerb wird, müssen wir mehr über toxische und fragile Männlichkeit sprechen. Wir sollten Gegenentwürfe zu der vorherrschenden Männlichkeit zelebrieren, ich bin froh über jeden Colman Domingo oder Harry Styles der Welt. Der eigentliche Kern des performative males liegt nicht in dem Habitus, sondern in dessen Instrumentalisierung zugunsten patriarchaler Strukturen. Audre Lorde zu lesen und sich für Periodenarmut und sexualisierte Gewalt zu sensibilisieren, sind erste, wichtige Schritte einer feministischen Sozialisierung. Das aber zu nutzen, um sich immun gegen Kritik zu machen, weil MANN ja so feministisch ist (guck mal, ich hab Tampons in meiner Tote Bag!!), das ist der wahre Wolfsakt.</p>
<p><em>Wenn die Kritik an performative males selbst zur Performance wird</em></p>
<p>Das Ganze geht aktuell sogar noch einen Schritt weiter: cis-Männer „verpetzen“ performative males, und potenzieren ihren eigenen Pick Me Boy Status, indem sie sich explizit NICHT für den female gaze kleiden. Dabei dominieren diese Männlichkeitskonzepte a lá Musk, Trump und Merz doch eh schon unser öffentliches Bild. Und: andere performative males zu nennen und dich selbst nicht feministisch zu engagieren, macht dich nicht zu einem besseren Menschen, sondern weiterhin zum Komplizen des Patriarchats. Typen mit Mullet und Tote Bags zu belächeln, während du Alpha Males weiter Politik machen lässt, heißt auch, sich auf die Seite der manosphere zu stellen.</p>
<p><em>Solidarität leben statt liken</em></p>
<p>Wenn der Begriff performative male längst zum Pejorativ gekommen ist, wieso wehrt ihr euch dann nicht dagegen, indem ihr das Performative real werden lasst? Neulich hat mir ein Kumpel in einer Bar erzählt, er traue sich nicht, mein Buch (ein feministischer Gedichtband mit einer nackten, behaarten FLINTA* auf dem Cover) in der U-Bahn zu lesen. Warum nicht? „Bin ja kein performative male“, Schulterzucken. „Kann man das rocken oder ist das zu performative male?“, fragt mich mein Freund mit Blick auf seine eigentlich so geliebten Karohemden. Hier sind wir falsch abgebogen. Männer sollten weiter den Raum für Softness haben und sich (wie sie es sonst so gut machen) auch nehmen. Wer wirklich gern Jutebeutel trägt und bell hooks liest, sollte das weiter tun. Liebe Männer, wieso habt ihr so Angst vor performative male allegations? Wenn ihr nicht performativ sein wollt, dann macht´s halt richtig. Geht mit uns auf die Demos, callt eure Bros out, checkt eure Privilegien, sprecht über Care-Arbeit, lest die feministischen Bücher und vor allem: hört uns zu. Und wenn es dazu erst die Angst dafür braucht, als performativ wahrgenommen zu werden, dann hat die Kritik ja vielleicht nach ihren mehreren Wellen und Wenden doch noch etwas Gutes.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Pumpen gehen &#038; Geld verdienen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/10/pumpen-gehen-geld-verdienen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Malik]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Oct 2025 09:00:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Kapitalismus]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=17130</guid>

					<description><![CDATA[Kapitalismus braucht „echte Männer“ – aber Männer brauchen Freiheit. Malik&#8217;s erster Text auf meintestgelände handelt von Druck, Vorbildern und die Chance auf neue Männlichkeiten. Als trans mask Person analysiere ich das Bild von Männlichkeit schon bevor ich von mir selbst überhaupt eingestanden habe, dass ich trans bin. Ich beobachte, imitiere: Wie verhalten sich in unserer]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Kapitalismus braucht „echte Männer“ – aber Männer brauchen Freiheit. Malik&#8217;s erster Text auf meintestgelände handelt von Druck, Vorbildern und die Chance auf neue Männlichkeiten.</strong><span id="more-17130"></span></p>
<p>Als trans mask Person analysiere ich das Bild von Männlichkeit schon bevor ich von<br />
mir selbst überhaupt eingestanden habe, dass ich trans bin. Ich beobachte, imitiere:<br />
Wie verhalten sich in unserer Gesellschaft als männlich angesehene Männer? Wie<br />
und worüber reden sie? Wie gestikulieren und wie laufen sie? Wie verhalten sie sich?<br />
Was kann ich davon nachahmen, um von anderen männlicher wahrgenommen zu<br />
werden?</p>
<p>Auch wenn ich durch meine For-you-Page auf TikTok scrolle, wird mir die<br />
Frage von Männern regelmäßig beantwortet: Geh ins Gym, geh pumpen, zieh durch.<br />
Sei ein echter Mann. Nur dann hast du was zu sagen, wirst ernst genommen, bist<br />
angesehen. Ein echter Mann ist unabhängig, reich, unberührbar. Halt durch sowie<br />
Andrew Tate, Elon Musk, Christian Wolf. Dabei ist Männlichkeit an sich eigentlich gar<br />
nicht das Problem. Nur das, was wir daraus machen.</p>
<p>Je größer die Schere zwischen Arm und Reich ist, desto gefestigter sind auch<br />
Geschlechterrollen. Im kapitalistischen System sind Unabhängigkeit und Reichtum<br />
das höchste Gut. Demgegenüber steht die große Angst vor Armut und Menschen<br />
nach Hilfe fragen müssen. In unserer Gesellschaft wird Unabhängigkeit mit dem<br />
starken Männlichen in Verbindung gesetzt, während Sensibilität und Fürsorge häufig<br />
mit etwas schwachen Femininen verbunden werden. Kapitalismus braucht das<br />
Patriarchat. Kapitalismus braucht Menschen, die immer mehr leisten, in Konkurrenz<br />
miteinander stehen, sich vergleichen. Wer in diesem Spiel nicht mithalten kann,<br />
landet unten in der Hierarchie.</p>
<p>Was fehlt sind mehr männliche Vorbilder. Auf Social Media, aber vor allem endlich<br />
auch offline. Postet nicht nur zu feministischen Themen, sondern sagt euren<br />
Kumpels endlich, dass sie nerven und aus ihrem Mund nur misogynes oder<br />
queerfeindliches Gelaber kommt, weil sie denken, so ihre Männlichkeit stärken zu<br />
können. Männliche Vorbilder und das Ansprechen im persönlichen Umfeld sind<br />
wichtig, doch wir müssen noch weitergehen. Denn solange die Strukturen bleiben,<br />
bleibt auch der Druck ein „echter Mann“ zu sein.</p>
<p>Es braucht politische Veränderungen. Es braucht endlich ein Ende der stetig<br />
auseinandergehenden Schere zwischen Arm und Reich. Mehr Umverteilung, weil<br />
extreme Ungleichheit nicht nur unfair ist, sondern auch das Bild des echten Mannes<br />
verstärkt. Und feministische Politik, die auch Männer von diesen starren<br />
Rollenbildern befreit.</p>
<p>Erst, wenn wir diese Strukturen verändern, können Männer frei von der ständigen<br />
Angst sein, nicht männlich genug zu sein. Vielleicht ist die Frage nicht: Wann ist ein<br />
Mann ein Mann? sondern: Warum lassen wir uns von einem System definieren, das<br />
nur auf Geld und Konkurrenz schaut? Vor allem: Wie lange machen wir das noch?</p>
<p>Wir müssen die kapitalistische Männlichkeit überwinden.<br />
All das hält uns davon ab, unsere Stärke im Kollektiv zu entdecken.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Male Loneliness Epidemic</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/09/male-loneliness-epidemic/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sara]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Sep 2025 09:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=17124</guid>

					<description><![CDATA[Der neue Text von Sara zeigt, warum alte Rollenbilder nicht nur Frauen, sondern gerade auch Männer schaden – und warum echte Gleichberechtigung der Ausweg sein kann. Nichts stößt mich mehr ab als Männer, die über ihre eigene Einsamkeit jammern und dabei völlig ausblenden, dass es vielleicht ihre eigene Art ist, die sie von echten, gesunden]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong data-prosemirror-content-type="mark" data-prosemirror-mark-name="strong">Der neue Text von Sara zeigt, warum alte Rollenbilder nicht nur Frauen, sondern gerade auch Männer schaden – und warum echte Gleichberechtigung der Ausweg sein kann.</strong><span id="more-17124"></span></p>
<p>Nichts stößt mich mehr ab als Männer, die über ihre eigene Einsamkeit jammern und dabei völlig ausblenden, dass es vielleicht ihre eigene Art ist, die sie von echten, gesunden Beziehungen abhält und nicht die „bösen emanzipierten Frauen“.</p>
<p>Wir leben in Zeiten, in denen Männer nicht mehr automatisch durch patriarchale Machtstrukturen eine Partnerin auf dem Silbertablett serviert bekommen. Heute reicht es nicht mehr, einfach „Mann zu sein“. Heute müssen sie etwas bieten: emotional, menschlich, partnerschaftlich. Männer sind keine gottgegebenen Instanzen, denen Frauen als Besitz übergeben werden. Zum Glück. Diese Zeiten sind, zumindest weitgehend, vorbei.</p>
<p>Und dann stehen sie da: Männer wie Elon Musk, die lauthals klagen, der moderne Feminismus sei schuld an der Vereinsamung des Mannes. Die Realität ist viel unbequemer: Ja, Männer leiden. Besonders, wenn es um mentale Gesundheit geht. Viele haben nie gelernt, sich Hilfe zu suchen, sich zu öffnen oder einfach zu sagen: „Mir geht’s nicht gut.“ Das Leiden ist real – aber es hat nichts mit dem Feminismus zu tun.</p>
<p>Es liegt daran, dass Männer von klein auf dazu erzogen werden, hart zu sein, unabhängig, emotional abgestumpft. Gefühle zeigen? Schwäche. Hilfe annehmen? Unmännlich. Kein Wunder, dass viele Männer sich keine echten Netzwerke aufbauen, keine Freundschaften pflegen, in denen man sich fallen lassen kann. Und dann sind sie allein – nicht wegen Frauen, sondern wegen einem Männlichkeitsbild, das von anderen Männern aufrechterhalten wird.</p>
<p>Was Männer brauchen, ist nicht mehr Dominanz oder die Rückkehr zu alten Geschlechterrollen. Was sie brauchen, sind andere Männer, die sie auffangen, die sagen: „Es ist okay zu weinen.“ „Es ist okay, Hilfe zu wollen.“ Gefühle zu zeigen ist keine Schwäche, es ist menschlich. Und wenn ein Mann weinende Männer verachtet, dann zeigt das nur, wie sehr er selbst in einem zerstörerischen Männerbild gefangen ist.</p>
<p>Ich kenne viele Frauen, die in Beziehungen mit Männern leben, die von Rechten und Alpha Males sofort als „Soyboys“ beleidigt würden – nur weil sie Care-Arbeit leisten, empathisch sind, Verantwortung in Beziehungen übernehmen und ihre eigene Sozialisation reflektieren. Diese Männer führen keine Frau, sie leben in einer Beziehung, auf Augenhöhe. Und das funktioniert. Weil sie kein Machtspiel spielen, sondern sich gegenseitig als Menschen begegnen.</p>
<p>Und ja, wir leben in einer Zeit, in der Frauen in Deutschland immer liberaler werden, während viele Männer ins Konservative zurückfallen. Das ist kein Zufall. Die „male loneliness epidemic“ zeigt uns nicht, dass Männer von Frauen verlassen werden. Sie zeigt, dass einige Männer sich in ein rückwärtsgewandtes Frauenbild flüchten, in dem Frauen wieder Objekt, wieder Dienerin, wieder still sein sollen. Wer dieses Bild von Beziehung für richtig hält, braucht sich über mangelnde Resonanz von Frauen nicht wundern. Denn heute wollen Frauen – zurecht – auf Augenhöhe leben. Als Mensch, nicht als Trophäe.</p>
<p>Es wird Zeit, dass patriarchale Strukturen aussterben. Nicht nur für FLINTA, sondern gerade auch für Cis-Männer. Sie leiden oft mehr darunter, als sie selbst verstehen. Sie merken nicht, dass eine Welt, in der sie sich öffnen dürfen, in der sie nicht dauernd „stark“ sein müssen, auch für sie besser wäre. Weicher. Ehrlicher. Gesünder.</p>
<p>Aber leider profitieren gerade die reichsten und mächtigsten Männer so stark von diesen alten Strukturen, dass ihnen ihre eigene mentale Gesundheit am Ende völlig egal ist. Solange sie gewinnen, ist alles andere egal. Und das ist vielleicht der traurigste Teil: Dass sich Männer selbst opfern, für ein System, das ihnen vorgaukelt, stark zu sein, während es ihnen Stück für Stück schadet.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Männlichkeit</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/09/anna-maennlichkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Diedesianna]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Sep 2025 09:00:31 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=17110</guid>

					<description><![CDATA[In Ihrem neuen Video spricht Anna über Männlichkeit, welche problematischen Vorstellungen davon existieren und wie ein Wandel zum Positiven aussehen kann.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In Ihrem neuen Video spricht Anna über Männlichkeit, welche problematischen Vorstellungen davon existieren und wie ein Wandel zum Positiven aussehen kann.</strong><span id="more-17110"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Misogynie und Männlichkeit – wenn toxische Ideale zum Hass werden</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/09/misogynie-und-maennlichkeit-wenn-toxische-ideale-zum-hass-werden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Romy]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Sep 2025 11:58:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Misygonie]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=17104</guid>

					<description><![CDATA[Romys neuer Text handelt von Misogynie, toxischer Männlichkeit und wie Hass in sozialen Netzwerken Form annimmt. [Trigger Warnung: In diesem Artikel geht es unter anderem um das Thema Gewalt an Frauen. Nummern für Hilfstelefone und Beratungsstellen findet ihr am Ende des Artikels.]  „Es spielt keine Rolle, ob eine Frau Anwältin, Hausfrau oder Webcam-Girl werden will.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span class="a_GcMg font-feature-liga-off font-feature-clig-off font-feature-calt-off text-decoration-none text-strikethrough-none">Romys neuer Text handelt von Misogynie, toxischer Männlichkeit und wie Hass in sozialen Netzwerken Form annimmt.</span> </strong><span id="more-17104"></span></p>
<p><strong><i>[Trigger Warnung: In diesem Artikel geht es unter anderem um das Thema Gewalt an Frauen. Nummern für Hilfstelefone und Beratungsstellen findet ihr am Ende des Artikels.]</i> </strong></p>
<p><em>„Es spielt keine Rolle, ob eine Frau Anwältin, Hausfrau oder Webcam-Girl werden will. Wenn sie keinen Mann hat, der sie anleitet, wird sie es vermasseln. Sie sind einfach nicht dazu geschaffen, völlig unabhängig zu sein. […] So etwas wie eine unabhängige Frau gibt es nicht, sie sind alle bis zu einem gewissen Grad von einem Mann abhängig.“  </em></p>
<p><span data-contrast="auto">Das ist ein Zitat des ehemaligen Kickboxers und Influencers Andrew Tate. Ein Mann, der in den sozialen Medien vor allem eines verbreitet: Hass und Gewalt. Mit Aussagen wie „Ich hole die Machete raus, schlage ihr ins Gesicht und packe sie am Hals. Halt’s Maul, Schlampe“ auf die Frage was er tun würde, wenn ihn seine Partnerin des Betrugs beschuldige, macht Tate eine Form des Frauenhasses sichtbar, dessen Ausmaß den meisten so noch gar nicht bewusst ist: In der sogenannten „Manosphere“ in den sozialen Medien werden sexistische Überzeugungen und besonders toxische Männlichkeitsbilder rasend schnell verbreitet.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p aria-level="2"><span data-contrast="none">Der Abgrund der „Manosphere“</span><span data-ccp-props="{&quot;134245418&quot;:true,&quot;134245529&quot;:true,&quot;335559738&quot;:160,&quot;335559739&quot;:80}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Die Manosphere kann in verschiedenen Formen und in unterschiedlichen Onlinecommunities auftreten. Das können Dating- oder Männlichkeitcoaches sein, Pick-Up-Artists oder beispielsweise Inzels – das sind Männer, die unfreiwillig keinen Sex haben. Schuld am „unfreiwilligen Zölibat“ seien natürlich die Frauen. </span><span data-ccp-props="{&quot;335559739&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Auch in ihren Zielen unterscheiden sich die Communities der Manosphere. Manche Männer wollen Sex von Frauen, von dem sie fest davon überzeugt sind, er stünde ihnen zu. Andere streben es an, endlich ein „richtiger Mann“ zu werden – in dem Kontext fällt gerne mal der Begriff „Alpha“. Viele wollen auch nur eines: Ihren tiefverwurzelten und abgründigen Hass gegenüber Frauen verbreiten. </span><span data-contrast="auto">Obwohl sich die Gruppen innerhalb der Manosphere teils voneinander differenzieren, bauen sie alle auf derselben Basis auf: auf toxischen Männlichkeitsbildern.</span> <span data-contrast="auto">Unterstützer dieser Netzwerke sind meist fest davon überzeugt, es gäbe eine einzige „richtige“ Männlichkeit. Ein gutes Beispiel davon ist Maximilian Krah von der AfD – auch er versucht auf TikTok und Instagram jungen Männern zu vermitteln, was es bedeuten solle, ein „echter Mann“ zu sein: „Echte Männer sind rechts, echte Männer haben Ideale, echte Männer sind Patrioten, dann klappt es auch mit der Freundin“, sagt er in einem Video. </span><span data-ccp-props="{&quot;335559739&quot;:0}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Weitere scheinbar anstrebende und „männliche“ Charaktereigenschaften in der Manosphere seien außerdem: führend, bestimmend, stark, unsensibel, … und das Schlafen mit vielen, vielen Frauen.</span><span data-ccp-props="{&quot;335559739&quot;:0}"> </span><span data-contrast="auto">In diesen Communities liegt der Fokus nämlich sehr oft auf dem Thema Sex. Sex stünde ihnen zu. Frauen „schulden“ Sex. Sex sei ein Recht. </span><span data-contrast="auto">Manche gehen dabei einen Schritt weiter: Wenn sie den Sex nicht bekommen, dann holen sie ihn sich.</span><span data-ccp-props="{&quot;335559739&quot;:0}"> </span></p>
<p aria-level="2"><em>Das Vergewaltiger-Netzwerk auf Telegram </em></p>
<p><span data-contrast="auto">Im Dezember letzten Jahres wurde von einem Reportagenteam von STRG_F ein abscheuliches Netzwerk auf Telegram aufgedeckt. Ein Vergewaltiger-Netzwerk. </span><span data-contrast="auto">Beteiligt waren tausende von Männern, die sich in den Gruppen gegenseitig über Betäubungsmittel und K.O-Tropfen austauschten: welche Dosis die Täter brauchen, wie man den Frauen die Drogen am besten in Getränke mischt, wann sie wirken – und wann die Täter freie Bahn haben würden, das Opfer zu missbrauchen. Es wurden Bilder geteilt, Tipps gegeben, zu Taten angestachelt. „Irgendwelche starken Drogen, um diese Prinzessin in den Schlaf zu schicken und sie zu vergewaltigen?”, schreibt ein User in der Gruppe. Es ist ein Netzwerk von Abscheu und Unmenschlichkeit. Es ist die Spitze an Frauenhass.</span><span data-ccp-props="{&quot;335559739&quot;:0}"> </span></p>
<p aria-level="2"><em>Kein Einzelfall </em></p>
<p><span data-contrast="auto">Gerade weil solche Gruppen nicht täglich aufgedeckt werden, gehen viele davon aus, all das seien nur Einzelfälle – tragisch, aber Einzelfälle. Die Realität sieht aber anders aus. Gewalt an Frauen findet nicht nur in den dunklen und tiefen Ecken des Internets statt. Sie passiert jeden Tag. Sie passiert in den meisten Fällen in den eigenen vier Wänden, das zeigte unter anderem der Fall von Gisèle Pelicot: eine unglaublich mutige Frau, die von ihrem eigenen Mann und zahlreichen weiteren Tätern über Jahrzehnte hinweg betäubt und missbraucht wurde. </span><span data-contrast="auto">Solche Netzwerke der Manosphere sind also keine Randerscheinung, sondern ein radikaler Ausdruck der Misogynie, die tief in unserer Gesellschaft feste Wurzeln geschlagen hat. Und nicht nur die Frauenfeindlichkeit wird in dieser Sphäre deutlich: Die Netzwerke zeigen auf, das toxische Männlichkeit töten kann. Wenn männliche Personen tief davon überzeugt sind, Kontrolle über eine Frau haben zu dürfen, das Recht auf den Körper einer Frau zu haben, kann das ein Todesurteil sein. Gerade deshalb ist es so wichtig, niemals wegzusehen. </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><b><i><span data-contrast="auto">Beratungsstellen und Hilfstelefone:</span></i></b><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><i><span data-contrast="auto">Deutschlandweites Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: </span></i><b><i><span data-contrast="auto">116 016</span></i></b><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><i><span data-contrast="auto">Anrufstelle bei häuslicher Gewalt: </span></i><b><i><span data-contrast="auto">116 006</span></i></b><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><a href="https://www.hilfetelefon.de/beratung-fuer-frauen/"><i><span data-contrast="auto">Weitere Informationen zur Beratung bei Gewalt</span></i></a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Nächster Halt: Wunderland. Ausstieg links.</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/09/naechster-halt-wunderland-ausstieg-links/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marv]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Sep 2025 09:00:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[„Nächster Halt: Wunderland.“ – Eine U-Bahn-Fahrt zwischen Hass, Tränen und Hoffnung. Im ersten Text von Marv auf meintestgelände geht es um Mut, Verletzlichkeit und die Kraft des Zusammenhalts. Vorwort: Am 12.6.2016 wurden im „Pulse“, einem schwulen Nachtclub in Orlando, 49 Menschen getötet und 53 verletzt. Im Nachgang fanden einige Gedenkveranstaltungen statt. Dort sang Sia ihren]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Nächster Halt: Wunderland.“ – Eine U-Bahn-Fahrt zwischen Hass, Tränen und Hoffnung. Im ersten Text von Marv auf meintestgelände geht es um Mut, Verletzlichkeit und die Kraft des Zusammenhalts.</strong><span id="more-17100"></span></p>
<p><em>Vorwort: Am 12.6.2016 wurden im „Pulse“, einem schwulen Nachtclub in Orlando, 49 Menschen getötet und 53 verletzt. Im Nachgang fanden einige Gedenkveranstaltungen statt. Dort sang Sia ihren Song „Titanium“ in einer Balladen-Version. Es ist ein Song, der (nicht nur queeren Menschen) Mut macht und ausdrückt, dass wir stärker sind, als wir manchmal glauben. Schon vor jenem Vorfall hatte sie den Song bei LGTB*-Events performt, nach dem Anschlag umso häufiger. Er bestärkt fortan auch das Gemeinschaftsgefühl.</em></p>
<p>U3. Ich sitze am Rande eines Dreier-Sitzes.<br />
Ich trage Brille, Bart und grüne Fingernägel – das heißt, ich bin einfach nur ich selbst.<br />
Fühlt sich gut an.<br />
Zwei Männer steigen in die U-Bahn ein.<br />
Ihre Blicke bleiben an mir hängen, irritiert – und trotzdem setzen sie sich neben mich auf den leeren Dreier-Sitz. Absichtlich.<br />
Sie machen die Beine breit (typisch Mann!) und blicken mich angewidert an, besonders meine Fingernägel.<br />
In meinen Kopfhörern läuft „Titanium“ von Sia. Sie singt mir bestärkend zu: „I’m bulletproof, nothing to lose. Fire away, fire away.“, da höre ich, wie mich die Typen beleidigen: „Schwuchtel. Krankes Schwein!“<br />
Aber von sowas lasse ich mich doch nicht provozieren! …<br />
Dachte ich.<br />
Die beiden Männer reden noch lauter. Absichtlich! Sie meinen: „Es gibt ja zum Glück noch genug alte KZs. Da MUSS man solche Leute alle verbrennen.“ Sie lachen eklig und rutschen mir noch dichter. Es riecht nach Alkohol und braunem Hass.<br />
Obwohl sie mich nicht kennen, sagen sie solch unmenschliche Dinge. Und obwohl ich sie nicht kenne, verliere ich eine Träne. Denn es macht mich traurig… nein: wütend. Es macht mir Angst. Will sagen „Es reicht jetzt!“, aber ich bleibe still.<br />
Denn „Bulletproof und Nothing to loose“ stimmen nicht: Die Würde mag unantastbar sein, mein Körper ist es nicht. Ich habe hier sehr wohl etwas zu verlieren: z.B. meine restlichen Zähne, und ich möchte auch nicht verbrannt werden, nur weil ich ICH selbst bin.</p>
<p>Endlich tönt es: „Ding-dong! Nächster Halt: Sierichstraße, Ausstieg links“, auch wenn die Situation hier gerade sehr rechts ist.<br />
Ich stehe auf.<br />
Die beiden Männer brüllen noch irgendwas von „Hoffentlich kriegt er AIDS und verreckt daran“, doch niemand anderes im Zug scheint es mitzubekommen.<br />
Ich steige aus. Nächster Zug in 4 Minuten.<br />
Ich warte nahe der Notrufsäule.<br />
Neben mir steht eine junge Frau mit einer Katze auf dem Arm und einem Buch in der Hand: „Alice im Wunderland“. Sie lächelt mich hoffnungsvoll an.<br />
Ich schaue weg, aus Scham, sie könnte meine Tränen sehen.<br />
Erst einmal kurzer Reality-Check in der Amygdala: Sie meldet noch immer Alarm. Der Puls schlägt bis in die Ohren. Ich zittere. Tränen laufen meinen Wangen herunter. All das wegen dieser eben erlebten verbalen Gewalt.<br />
Sie verletzt genauso, wie körperliche Gewalt.<br />
Wenn du „Glück“ hast, dann triggert sie „nur“ ein ganzes Trauma. Und das hat nichts damit zu tun, dass du schwach oder empfindlich wärst, oder dass du „ein dickeres Fell“ bräuchtest – nein, Manfred, das sind keine echten Ratschläge. Das sind nur Schläge!<br />
Ich meine: Ist es noch sicher, alleine unterwegs zu sein?<br />
Wer würde mir helfen, wenn etwas Schlimmeres als eben passiert?<br />
Andere Fahrgäste, die im Handy vertieft sind?<br />
Das Pfefferspray, das ich erst ab 18 besitzen darf?<br />
Die Polizei, deine Freundin und Helferin? (Dieselbe Polizei, die zuletzt von hinten eine Person of Colour erschießt, während die Bodycams ausgeschaltet sind?) …<br />
Weiß nicht.<br />
Ist wohl wahrscheinlicher, dass die junge Frau neben mir wirklich diese „Alice“ ist und mich mit in ihr Wunderland nimmt. Kann ja nur besser dort sein.</p>
<p>500 Herzschläge fährt die nächste U3 ein. Ich trete ein.<br />
Ich schaue mich um, ob alle Menschen einigermaßen freundlich aussehen. Hier in Hamburg heißt das: Sie gucken aufs Handy, hören Musik, unterhalten sich feucht-fröhlich, oder haben ein Stück Rasen dabei, weil der HSV nach 7 Jahren endlich wieder aufgestiegen ist.<br />
„Alles sicher!“, meldet meine Amygdala an das erschöpfte Herz.<br />
Erleichtert lasse ich mich in einem Vierer-Abteil fallen.<br />
Mir gegenüber sitzt bereits die junge Frau vom Bahnsteig eben, inklusive Katze, die zu grinsen scheint. Die Frau schaut kurz von ihrem Buch auf und lächelt mich wieder hoffnungsvoll an.<br />
Ich verliere noch eine Träne.<br />
Sie sieht es, ebenso wie meine bunten Fingernägel.<br />
Ich schaue wieder weg und verliere mich in Gedanken.</p>
<p>Manchmal wäre ich gern woanders. Oder jemand anderes. Aber bitte nicht so breitbeinig-respektlos, und nicht so unzufrieden mit dem eigenen Leben, wie die Typen vorhin.  Jener Vorfall ist nur eine Mini-Spitze des Eisberges. Der Hass schläft nicht. Er wächst in der Stille und in den feigen Kommentarspalten. Und mit diesem Hass kommt die Gewaltbereitschaft, körperlich und verbal. Beängstigend!<br />
Manchmal habe ich keine Kraft mehr. Bulletproof- und „Einfach-nur-du-selbst sein“ fühlt sich gerade tonnenschwer an, schwerer als all das Titanium dieser Erde zusammen.<br />
Manchmal will ich nicht mehr kämpfen und Angst haben müssen, weder um mich, noch um meine Freund*innen.<br />
Solch ein Wunderland wäre echt schön: Wo alles voller Respekt und Frieden ist. Ein Land, wo ich, du, wir in Ordnung sind, so wie wir sind.<br />
Ein Land, wo nicht Alice, sondern Rechtsextreme und Hass als „verrückt“ gelten, Diagnose: kein Gehirn vorhanden (#afd). Ich meine, wir haben 2025 und queerfeindliche Gewalt, Rassismus, Femizide und mehr sind echt noch ein Ding?<br />
Wie abgefuckt ist das?!<br />
Es geht also nicht länger um mich oder um eine Minderheit (zumal Flinta* eigentlich nie eine Minderheit waren). Es geht ums uns alle als Gesellschaft. Um Demokratie und Sicherheit.<br />
Wir Menschen sind bunt. Alle Farben zählen gleich viel (außer vielleicht braun und hellblau).</p>
<p>Meine Gedanken werden durchbrochen von der jungen Frau, die sich nun neben mich gesetzt hat: „Schschsch. Hey! Ich bin Alice.“, stellt sie sich vor, „Gemeinsam kriegen wir das hin. Versprochen! Komm mal mit!“</p>
<p>Da tönt es: „Ding-dong! Nächster Halt: Wunderland. Übergang zu Respekt, Sicherheit und weiteren Eigenschaften einer modernen Gesellschaft. Ausstieg links.“</p>
<p>Wir steigen aus, und ich … wundere mich: „Wunderland“?! Nein, das ist U-Bahn Kellinghusenstraße?! Es ist alles wie immer: Menschen, die aufs Handy schauen, Notrufsäulen, irgendwo chillt eine Grinsekatze.<br />
Irritiert schaue ich zu Alice.<br />
Sie nickt mir zu, lächelt wieder hoffnungsvoll und schlägt vor: „Lass uns was singen!“</p>
<p>„Ich?? Nein, ich kann nicht singen.“</p>
<p>„Doch, du kannst ALLES!“, bestärkt sie mich und nimmt meine Hand.</p>
<p>Und tatsächlich, ich beginne es zu fühlen: Gemeinsam sind wir stärker als all der Hass.<br />
Also singen wir. Ziemlich schief, aber egal; wir singen drauf los:<br />
“You shoot me down, but I won’t fall – I am Titanium!<br />
They shoot us down, but we won’t fall – we are Titanium!”</p>
<p>Ja! Gemeinsam sind wir standhaft wie verdammtes Titan. WIR sind laut, damit wir uns alle sicher fühlen können – ganz egal welche Hautfarbe, Identität, Sexualität oder welches Geschlecht du hast.<br />
Ich begreife: Das Wunderland ist bereits direkt vor unseren Augen. Wir müssen es nur gestalten und beschützen, sowohl die Welt selbst als auch uns Menschen.<br />
Lasst uns also das tun, was im Sitzen (vor allem Männer) in der Bahn mit ihren Beinen tun sollten: zusammenhalten. So wie es schon Hunderttausende; Millionen vor uns taten.</p>
<p>Das Wunderland beginnt heute, genau hier in der Kellinghusenstraße, weil wir laut sind. „Hoffen und stillsein“ reicht nicht länger.<br />
Gemeinsam nie wieder still.<br />
Für Respekt. Für Liebe.<br />
Für eine sichere Demokratie<br />
für uns alle.<br />
//</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Was ist Männlichkeit?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/09/was-ist-maennlichkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kreaty]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Sep 2025 09:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Was ist eigentlich Männlichkeit? Kathy hat sich diese Frage gestellt und einige, zielführende Antworten gefunden.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Was ist eigentlich Männlichkeit? Kathy hat sich diese Frage gestellt und einige, zielführende Antworten gefunden.</strong><span id="more-17090"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sein, Nichts, Werden</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/09/sein-nichts-werden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mäx]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Sep 2025 09:34:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein philosophischer Blick von Mäx auf Männlichkeit: Kann man überhaupt‚ ein Mann sein‘ wollen – oder ist das alles nur ein Gedanke? Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Ideen von Männlichkeit merkwürdig sind. Aber die eigentliche Frage ist doch, ob es überhaupt Ideen von Männlichkeit gibt, die nicht merkwürdig sind. Mir kommt die ganze]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Ein philosophischer Blick von Mäx auf Männlichkeit: Kann man überhaupt‚ ein Mann sein‘ wollen – oder ist das alles nur ein Gedanke?</strong><span id="more-17085"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Ideen von Männlichkeit merkwürdig sind. Aber die eigentliche Frage ist doch, ob es überhaupt Ideen von Männlichkeit gibt, die nicht merkwürdig sind. Mir kommt die ganze Idee von Geschlechtlichkeit vor allem albern vor. So weit, so altbekannt. Aber so einfach ist es dann doch nicht. Seit einiger Zeit frage ich mich, ob ich nicht doch eigentlich ein Mann bin, oder sein will, ich fühle mich unwohl in meinem Körper, mit Binder tragen oder nicht, die Pille nehmen oder meine Tage bekommen, aber auch mit dem Gedanken, dass meine Stimme sich ändert, dass ich kein Gefühl mehr in meiner Brust habe, überhaupt damit, dass sich etwas ändern könnte. Seitdem ich mehr über meinen Körper und mein Geschlecht nachdenke, denke ich auch mehr über meine Sexualität nach. Wie würde es sich anfühlen, mit meinem Freund in einer schwulen Beziehung zu sein? Sind wir das nicht eigentlich schon? Warum fühlt es sich nicht so an? Habe ich Angst vor Anfeindungen? Würde sich unsere Dynamik ändern? Was wenn er mich nicht mehr mag? Was wenn ich ihn nicht mehr mag. Was spricht mich so an am Mann sein? Ist es das Bedürfnis nach Transzendenz, der Wunsch, über sich hinauszuwachsen? Das Bedürfnis ist groß; ich plane einen Umzug in eine mir unbekannte Stadt, ich versenke mich stundenlang in Texten zu Kritischer Theorie, ich romantisiere die Vorstellung von mir als nachdenklich-melancholischer Philosophiestudent, ich stelle mir vor, wie ich nach einer Transition aussehen würde. Aber ist das Männlichkeit? In einigen von Adornos Texten meine ich eine ungeahnte Sehnsucht und Verletzlichkeit zu erhaschen, ich frage mich, ob ich mich wohler fühlen würde in den paar Kleidern, die ich habe, wenn ich mehr aussehen würde, wie ein Mann. Ich hadere mit mir und meinen Vorstellungen, und was damit anzufangen ist, ich hadere mit der Kritischen Theorien und ihren konservativen Tönen, die immer schwerer zu ignorieren sind. Ein Jahr nach dem Tod seines Freundes Adorno spricht Horkheimer in einem <a href="https://www.spiegel.de/kultur/was-wir-sinn-nennen-wird-verschwinden-a-7d9d062b-0002-0001-0000-000045226214">Interview mit dem Spiegel</a> (scheinbar das Mittel der Wahl für heikle Selbstkundgaben für die beiden), gleichzeitig von der Notwendigkeit des Transzendenten, wie davon, dass die Pille den Tod der wahren Liebe bedeuten könnte, und von der Wichtigkeit eines Familienpatriarchen. Die Vision der Kritischen Theorie war die Emanzipation der gesamten Gesellschaft, was fängt man mit solchen Aussagen an? Lassen sie sich trennen und negieren mit der eigenen Theorie, oder sind sie wie alles andere – untrennbar dialektisch miteinander verwoben? Ich schweife ab. Was sich zeigen lässt, ist das alles uneindeutig und aufeinander bezogen sowie unabgeschlossen ist; mal wieder. Das Ganze ist das Unwahre. Oder anders gefragt – gab es je eine Männlichkeit, die nicht in der Krise war? </span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Anleitung zur Herstellung eines Mannes</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/09/17077/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lina]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Sep 2025 09:00:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Patriachat]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=17077</guid>

					<description><![CDATA[Ein Text von Lina über Stärke und Schwäche, über Lügen des Patriarchats und neue Bilder von Männlichkeit.Für alle, die fragen: Muss ein Mann wirklich so sein? Ein Mann beschützt. Seine Familie. Seine Freunde. Außer sich selbst.  Ein Mann gibt den Ton an. Und marschiert. Nicht aus der Reihe. Nie zurück. Nur vorwärts – auch wenn’s]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>Ein Text von Lina über Stärke und Schwäche, über Lügen des Patriarchats und neue Bilder von Männlichkeit.</strong><br data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="hardBreak" data-prosemirror-node-inline="true" /><strong>Für alle, die fragen: Muss ein Mann wirklich so sein?</strong></p>
<p><span id="more-17077"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ein Mann beschützt.</span><br />
<span data-contrast="auto">Seine Familie.</span><br />
<span data-contrast="auto">Seine Freunde.</span><br />
<span data-contrast="auto">Außer sich selbst.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ein Mann gibt den Ton an.</span><br />
<span data-contrast="auto">Und marschiert.</span><br />
<span data-contrast="auto">Nicht aus der Reihe.</span><br />
<span data-contrast="auto">Nie zurück.</span><br />
<span data-contrast="auto">Nur vorwärts –</span><br />
<span data-contrast="auto">auch wenn’s ins Nichts führt.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ein Mann hat keine Gefühle.</span><br />
<span data-contrast="auto">Außer Wut.</span><br />
<span data-contrast="auto">Außer Stolz.</span><br />
<span data-contrast="auto">Außer Zorn,</span><br />
<span data-contrast="auto">wenn ihn jemand schwach nennt.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ein Mann ist eine Waffe,</span><br />
<span data-contrast="auto">verkleidet als Vorbild.</span><br />
<span data-contrast="auto">Er darf zart sein –</span><br />
<span data-contrast="auto">solange es taktisch ist.</span><br />
<span data-contrast="auto">Er darf weinen –</span><br />
<span data-contrast="auto">aber nur im Kino,</span><br />
<span data-contrast="auto">wenn der Held stirbt.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Hegemoniale Männlichkeit</span><br />
<span data-contrast="auto">ist keine Natur.</span><br />
<span data-contrast="auto">Sie ist Nachkriegskonstruktion.</span><br />
<span data-contrast="auto">Geboren aus Ruinen.</span><br />
<span data-contrast="auto">Genährt von Drill, Disziplin,</span><br />
<span data-contrast="auto">und dem Bild des Soldaten,</span><br />
<span data-contrast="auto">der „die Heimat“ rettet.</span><br />
<span data-contrast="auto">Ein Mann ist dann ein Mann,</span><br />
<span data-contrast="auto">wenn er bereit ist zu töten.</span><br />
<span data-contrast="auto">Oder wenigstens bereit,</span><br />
<span data-contrast="auto">zu gehorchen.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Denn was wir Männlichkeit nennen,</span><br />
<span data-contrast="auto">in westlichen Köpfen,</span><br />
<span data-contrast="auto">ist oft nichts anderes</span><br />
<span data-contrast="auto">als der Schatten</span><br />
<span data-contrast="auto">militärischer Erziehung</span><span data-contrast="auto">.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ein Mann ordnet.</span><br />
<span data-contrast="auto">Kommandiert.</span><br />
<span data-contrast="auto">Opfert.</span><br />
<span data-contrast="auto">Nicht sich selbst –</span><br />
<span data-contrast="auto">sondern die anderen.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Aber ich?</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich denke an Spider-Man,</span><br />
<span data-contrast="auto">der zögert.</span><br />
<span data-contrast="auto">Der redet, bevor er schlägt.</span><br />
<span data-contrast="auto">Der Fehler macht</span><br />
<span data-contrast="auto">und um Vergebung bittet.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ich denke an Captain America,</span><br />
<span data-contrast="auto">der tanzen wollte.</span><br />
<span data-contrast="auto">Der Freunde wichtiger nahm</span><br />
<span data-contrast="auto">als Befehle.</span><br />
<span data-contrast="auto">Der weint –</span><br />
<span data-contrast="auto">auch wenn’s keiner sehen soll.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Sie sind &#8222;männlich&#8220;,</span><br />
<span data-contrast="auto">sagen die Poster.</span><br />
<span data-contrast="auto">Aber ihre Kraft</span><br />
<span data-contrast="auto">ist Bindung.</span><br />
<span data-contrast="auto">Nicht Dominanz.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Trotzdem:</span><br />
<span data-contrast="auto">Sie kämpfen.</span><br />
<span data-contrast="auto">Denn auch Heldsein</span><br />
<span data-contrast="auto">ist ein Gehorsam gegenüber der Norm.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Und diese Norm?</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Sie duldet nur einen Typ Mann.</span><br />
<span data-contrast="auto">Einen weißen,</span><br />
<span data-contrast="auto">hetero,</span><br />
<span data-contrast="auto">cis,</span><br />
<span data-contrast="auto">geübten Körper</span><br />
<span data-contrast="auto">mit kaltem Blick</span><br />
<span data-contrast="auto">und einem Hintergrund</span><br />
<span data-contrast="auto">aus Kriegsmetaphern.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Die hegemoniale Männlichkeit</span><br />
<span data-contrast="auto">besteht aus Ausschlüssen:</span><br />
<span data-contrast="auto">schwarze Männlichkeit?</span><br />
<span data-contrast="auto">Zu gefährlich.</span><br />
<span data-contrast="auto">Asiatische Männlichkeit?</span><br />
<span data-contrast="auto">Zu sanft.</span><br />
<span data-contrast="auto">Trans Männlichkeit?</span><br />
<span data-contrast="auto">Unsichtbar.</span><br />
<span data-contrast="auto">Queere Männlichkeit?</span><br />
<span data-contrast="auto">Zerbricht den Mythos.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Sie duldet keine Abweichung,</span><br />
<span data-contrast="auto">denn sie steht nicht allein –</span><br />
<span data-contrast="auto">sie steht auf den Schultern</span><br />
<span data-contrast="auto">derer, die sie niedertritt.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Und das Patriarchat</span><span data-contrast="auto">?</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Lügt.</span><br />
<span data-contrast="auto">Jeden Tag.</span><br />
<span data-contrast="auto">Und sagt:</span><br />
<span data-contrast="auto">„So musst du sein,</span><br />
<span data-contrast="auto">wenn du ein Mann sein willst.“</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Aber niemand</span><br />
<span data-contrast="auto">kann dieser Mann sein.</span><br />
<span data-contrast="auto">Nicht mal die Männer</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Und das Patriarchat?</span><br />
<span data-contrast="auto">Schneidet jeden weicheren Ton</span><br />
<span data-contrast="auto">aus dem Lied der Männlichkeit.</span><br />
<span data-contrast="auto">Denn wehe,</span><br />
<span data-contrast="auto">ein Mann tanzt.</span><br />
<span data-contrast="auto">Wehe,</span><br />
<span data-contrast="auto">ein Mann liebt laut.</span><br />
<span data-contrast="auto">Wehe,</span><br />
<span data-contrast="auto">ein Mann ist einfach nur – da.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Dann ist er kein Mann.</span><br />
<span data-contrast="auto">Dann ist er Gefahr.</span><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
<p><span data-ccp-props="{}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aufwachsen als Mann</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/08/aufwachsen-als-mann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CarMiA]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Aug 2025 09:00:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[“Der einfache Ausweg aus all den gestellten Fragen ist das was wir sowieso schon haben, das Geschlecht. Seinen Lebensweg von Geschlecht abhängig machen ist bequem.” Hört rein, was Ziad und Nico sonst noch zum Aufwachsen als Mann zu sagen haben.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true" data-pm-slice="1 1 []"><strong>“Der einfache Ausweg aus all den gestellten Fragen ist das was wir sowieso schon haben, das Geschlecht. Seinen Lebensweg von Geschlecht abhängig machen ist bequem.” Hört rein, was Ziad und Nico sonst noch zum Aufwachsen als Mann zu sagen haben.</strong><span id="more-17063"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Männlich, männlicher &#038; am männlichsten</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/08/maennlich-maennlicher-am-maennlichsten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Aug 2025 09:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[In seinem*ihrem neuen Text schreibt sabylonica über Männlichkeitsbilder, Konkurrenz, Verletzlichkeit und die stille Krise hinter der starken Fassade. Dabei geht es um Druck, emotionale Enge – und die Chance auf neue Männlichkeiten. Männlichkeit ist ein seltsames Konstrukt. Sie ist überall und doch irgendwie ungreifbar. Sie brüllt laut, hört sich aber selbst nicht. Sie will stark]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In seinem*ihrem neuen Text schreibt sabylonica über Männlichkeitsbilder, Konkurrenz, Verletzlichkeit und die stille Krise hinter der starken Fassade.</strong><br />
<strong>Dabei geht es um Druck, emotionale Enge – und die Chance auf neue Männlichkeiten.</strong><span id="more-17053"></span></p>
<p data-start="128" data-end="774">Männlichkeit ist ein seltsames Konstrukt. Sie ist überall und doch irgendwie ungreifbar. Sie brüllt laut, hört sich aber selbst nicht. Sie will stark sein, zeigt dabei aber kaum, wie verletzlich sie eigentlich ist. Von klein auf wird beigebracht, wie „ein richtiger Mann“ zu sein hat: hart, unabhängig, rational, durchsetzungsstark. Nicht zu emotional, nicht zu weich und bloß nicht „zu weiblich“. Der Junge, der weint, wird zurechtgewiesen. Der, der sich prügelt, wird bewundert. Und irgendwo dazwischen wachsen sie heran, ohne je gelernt zu haben, was Nähe bedeutet – außer in Form von Wettkampf oder Brüderlichkeit beim Konsum von Alkohol.</p>
<p data-start="776" data-end="1343">Das wird durch das Patriarchat bestärkt, das nicht nur Ungleichheit zwischen den Geschlechtern produziert, sondern auch jene frisst, die es angeblich schützt. Denn unter der Oberfläche der männlichen Überlegenheit brodelt ein enormer Konkurrenzdruck. Männer messen sich gegenseitig: Wer ist erfolgreicher? Wer hat den besseren Körper? Wer verdient mehr? Wer ist cooler, souveräner, „männlicher“? Der Satz „Ich bin männlicher als du“, ob ausgesprochen oder nur subtil performt, ist dabei keine bloße Phrase. Es ist eine Kampfansage. Ein Ranking von Männlichkeiten.</p>
<p data-start="1345" data-end="1966">Diese Konkurrenz funktioniert wie ein ständiges Bewerbungsgespräch um Anerkennung. Aber es gibt kein Ende, keine Zusage, keinen Vertrag – nur weitere Hürden: Wie reagierst du unter Druck? Wie gehst du mit Ablehnung um? Wie „gut“ bist du im Bett und mit wie vielen? Wer sich diesem Spiel entzieht, wird schnell abgewertet: „Unmännlich“, „weich“, „unterwürfig“. Wer mitspielt, geht meist daran kaputt. Denn auch der vermeintlich dominante Mann trägt Unsicherheiten mit sich herum, die nur nicht sichtbar werden dürfen. Also macht er dicht, versteckt die Unsicherheiten hinter Sarkasmus, Wut oder übertriebener Coolness.</p>
<p data-start="1968" data-end="2512">Das Fatale ist, dass die meisten Männer nicht mit der Freiheit aufwachsen, sich selbst zu definieren, sondern mit der Aufgabe, sich in eine Rolle zu zwängen. Durch diese Rolle verlernen viele, Emotionen zu zeigen, aber auch eine gesunde Beziehung zu führen – zu anderen Männern, zu Frauen oder zu sich selbst. Wenn alles Konkurrenz ist, gibt es wenig Platz für ehrliche Verbindung. Wenn Zärtlichkeit als Schwäche gilt, wird Nähe zur Bedrohung. Und wenn Verletzlichkeit tabuisiert wird, bleibt nur Härte – gegen andere und gegen sich selbst.</p>
<p data-start="2514" data-end="3388">Aber genau hier beginnt ein Umdenken. Immer mehr Männer stellen sich die Frage: Was bedeutet Männlichkeit für mich – abgesehen von Klischees, Erwartungen und Rollenvorgaben? Was will ich wirklich fühlen, sagen und zeigen? Wer bin ich, wenn ich nicht ständig performen muss? Diese Fragen sind unbequem und erfordern Mut, vor allem weil sie oft gegen alles stehen, was uns beigebracht wurde. Aber sie sind notwendig. Denn solange Männer sich über „Männlichkeit“ definieren – durch Wettbewerb, Machtanspruch oder Statussymbole – bleiben sie Teil eines Systems, das sie selbst klein hält. Doch in dem Moment, in dem sie anfangen, diese Konkurrenz zu hinterfragen und erkennen, dass ihr Vergleich genau das Gegenteil von echter Stärke ist, entsteht Raum für etwas Neues: Authentizität. Für eine Männlichkeit, die sich nicht über Abgrenzung definiert, sondern über Verbindung.</p>
<p data-start="3390" data-end="4029">Zudem ist die Aussage „Ich bin männlicher als du“ eine Bestätigung dessen, was viele Männer vehement ablehnen: dass es Männlichkeiten im Plural gibt. Dass Geschlecht kein Naturgesetz, sondern ein soziales Konstrukt ist, in dem jeder Mensch auf irgendeine Weise Position beziehen muss. Wenn also jemand sagt: „Ich bin männlicher als du“, steckt darin mehr Wahrheit, als ihm bewusst ist. Denn genau diese Aussage macht deutlich, dass Männlichkeit kein starres oder klares Ideal ist, sondern ein Spektrum. Ein sich wandelnder Begriff, der nie nur eine Bedeutung hat. Und damit, ob gewollt oder nicht, öffnet sich eine Tür für Veränderung.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lose Gedanken zum Thema Maskulinität &#8211; Post-Mastektomie</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/09/lose-gedanken-zum-thema-maskulinitaet-post-mastektomie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Beau]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Sep 2024 08:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Identitäten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Leben - wie ich will]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[trans*]]></category>
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					<description><![CDATA[Geschlecht ist Performance: Was für ein Mann er sein will, was Männlichkeit sein kann und warum auch trans* Männer manchmal sexistisch sind, erzählt Beau nach seiner Mastektomie. Im Krankenhaus – Novemberwetter, kaltes Licht, frühe Abende, Halbschlaf, schlechtes Essen und belanglose Podcasts – fühlte ich mich, als erführe ich das gesamte Spektrum der Transmaskulinität. Auf einer]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Geschlecht ist Performance: Was für ein Mann er sein will, was Männlichkeit sein kann und warum auch trans* Männer manchmal sexistisch sind, erzählt Beau nach seiner Mastektomie.</strong><br />
<span id="more-16222"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Im Krankenhaus – Novemberwetter, kaltes Licht, frühe Abende, Halbschlaf, schlechtes Essen und belanglose Podcasts – fühlte ich mich, als erführe ich das gesamte Spektrum der Transmaskulinität. Auf einer Seite meines Zimmers ein junger trans Mann in einer Beziehung mit einer cis Frau, perfektes Passing, ein sympathischer Raufbold in einem Standard-Ausbildungsberuf. Auf der anderen Seite eine nichtbinäre Person, im Grafik- und Soundbereich in Berlin tätig, clever im politischen Analysen und in transaktivistischen Kreisen unterwegs. Dazwischen ich – transmaskulin oder transmännlich, mit butch-lesbischem Background, halb Künstler und halb arbeitslos.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6}"><br />
Ich genoss unsere Kameradschaft, die darauf baute, dass wir ab achtzehn Uhr das Licht löschten, uns in Ruhe ließen und uns ansonsten für die verschiedenen Schritte der Heilung gutmütige Worte zusprachen. Es trug mich gut durch die langwierigen Tage nach der Operation, diese Gemeinschaft, und ließ mich nachdenken über Transmaskulinität, öffnete meinen Blick für die vielen Aspekte, mit denen ich selbst weniger vertraut bin. Für die trans Männer, die tatsächlich jene Unsichtbarkeit, die transmännlichen Personen so oft zugesprochen wird, erfüllen – die keinen Anschluss an eine wie auch immer geartete trans Community haben, die sich vielleicht nach ihren Operationen gar nicht mehr als trans begreifen. Ein Leben, das mir (der ich mich so viel mit trans Themen beschäftige und mit anderen trans Menschen umgebe) fremd ist, und gleichzeitig, durch die medizinischen Praktiken, die wir teilen, und die rechtlichen Prozesse, durch die wir gehen müssen, sehr nah. Gegenüber der Mehrheitsgesellschaft begreifen diese trans Männer sich als </span><i><span data-contrast="auto">normal</span></i><span data-contrast="auto">, vielleicht als </span><i><span data-contrast="auto">ein Geheimnis habend</span></i><span data-contrast="auto">, während ich mich stolz als </span><i><span data-contrast="auto">fremd</span></i><span data-contrast="auto"> begreife. Gleichzeitig hadere ich damit, ob ich immer als fremd, als nicht zugehörig wahrgenommen werden möchte. Es ist einfacher und sicherer Passing zu haben – etwas, nachdem ich jetzt nach der Mastektomie kaum noch arbeiten muss. Beziehungsweise hat sich diese Arbeit, die ich leiste, verlagert, vom Binder-Tragen auf andere, schwerer zu definierende Aspekte.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6}"><br />
Hin und wieder halte ich mich in rein cismännlichen Gruppen auf, nun scheinbar unsichtbar. Es ist interessant, da ich den Eindruck habe, schon als männlich, aber auch irgendwie als </span><i><span data-contrast="auto">anders</span></i><span data-contrast="auto"> gelesen zu werden, post Mastekomie. Als meine Brust mich noch als trans outete, kodierte mein Habitus mich als maskulin. Aber jetzt reicht dieser Habitus auf einmal nicht mehr aus. Werde ich als queerer Mann gelesen? Vielleicht. Alles nur Spekulation. Im Deutschen ist es, anders als im Französischen oder im Englischen, eher unüblich, Menschen in der Öffentlichkeit, an Supermarktkassen und am Gehweg als „Herr oder Dame“ anzusprechen. So ist es schwierig, herauszufinden, wie fremde Leute einen sehen, ohne sie danach zu fragen. Aber wenn ich nicht den coolen Bro-Hug mache, sondern darin ansetze, andere Männer richtig zu umarmen, kommen wir ins Stocken, und plötzlich ist da eine Unsicherheit in der Interaktion der anderen mit mir. Ich versuche, diese Momente zu vermeiden, indem ich mich zu Maskulinitäts-Chamäleon mache – ich beobachte die Maskulinität anderer, wie sie sich in den Dynamiken der Gruppe ausspielt, und reproduziere sie so gut wie möglich, sei es eben durch Bro-Hugs oder durch Fistbumps oder durch harte, kurze Schläge auf den Rücken, mit dem man sich Bestärkung kommuniziert. Ich steige mit ein, wie man eine Fremdsprache lernt, durchs Zuhören und Nachsprechen, ein Anthropologe, der versucht, möglichst viele Praktiken zu beobachten und zu verstehen. Es macht mir Spaß, mitzuperformen, vielleicht, weil es eine so bewusste, spielerische Entscheidung für mich ist. Ich muss mich anderen nicht anpassen, ich könnte natürlich meinen eigenen Habitus bewahren, ich könnte auch damit spielen, cis Männer zu verunsichern. Vielleicht werde ich irgendwann die Resilienz aufgebaut haben, dies selbstsicher tun zu können, aber für den Moment bleibe ich bei der Performance der Maskulinität, die natürlich von den meisten nicht als Performance wahrgenommen wird. Nicht als Spiel, sondern als Sache des Überlebens.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6}"><br />
</span><span data-contrast="auto">Ein trans Mann machte in einer WhatsApp-Gruppe in unserer Krankenhauszeit eine sexistische Bemerkung, als ich ihn darauf hin anschrieb, beleidigte er mich ausführlich und unter der Gürtellinie. Nicht, dass jeder, der selbst Sexismus erlebt hat, frei davon ist, ihn zu reproduzieren – aber die defensive Vehemenz, die Aggression dieser Antwort überraschte mich. Als müsste man, um seine eigene Männlichkeit zu erhalten – eine Männlichkeit, die sich natürlich fragiler anfühlt als die von cis Männern – sich umso gewaltvoller auf die Seite des Patriarchats schlagen, nicht nur Gesten und Berührungen, sondern auch sexistische Verhaltensmuster reproduzieren. Spielerische Performance auf der einen, sexistischer Habitus auf der anderen Seite; eine Spannung zwischen den harmlosen und verletzenden Parts von Maskulinität.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6}"><br />
</span><span data-contrast="auto">Zunehmend habe ich das Gefühl, das eigentlich die meisten Männer auf irgendeiner Ebene unsicher in ihrer Maskulinität sind und das auf verschiedenste Arten kompensieren. Manche mit Sexismus, durch Übergriffigkeit; manche, indem sie zu Klassenclowns werden, immer einen sarkastischen Kommentar auf den Lippen, der eher nach unten als nach oben tritt. Manche werden das Gegenteil, schweigsam, „the strong and silent type“, machen sich unangreifbar, unzugänglich. Eine Gradwanderung im Spannungsbereich der Maskulinität. Oft geht es um Machterhalt; die Beziehung zu Macht so untrennbar mit hegemonialer, </span><i><span data-contrast="auto">weißer</span></i><span data-contrast="auto"> Männlichkeit und Maskulinität verknüpft. Eben diese hegemoniale Männlichkeit ist es, die an Männer unerreichbare, patriarchal durchtränkte Ansprüche stellt – der Beschützer und Familienmensch sein, gleichzeitig ein Frauenheld, ein Muskelprotz, arbeitsam, klug, charismatisch, väterlich, reich, </span><i><span data-contrast="auto">besitzend</span></i><span data-contrast="auto">. Natürlich kann man an diesen Ansprüchen nur scheitern, die sich gleichzeitig, gemeinsam mit ihrer Beziehung zu Weiblichkeit und Femininitität im starken Wandel befinden, ein weiterer Aspekt, der Männer gerne verunsichert. Zu Recht verunsichert – damit konfrontiert, dass es in vielen Kreisen zunehmend sozial akzeptiert ist, wenn Männer weinen, Gefühle zeigen, fähig im Emotionen ausdrücken sind und kümmernde Rollen einnehmen.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6}"><br />
</span><span data-contrast="auto">Wirft man noch Queerness in den Mix, verkompliziert sich das Konstrukt abermals – Männer, die dem Bild hegemonialer Männlichkeit nacheifern, wollen sich von Queerness abspalten. Dabei geht es oft um Eigenschaften, die als feminin wahrgenommen wurden, und diese Abspaltung drückt sich durch Misogynie aus. Queere Männer hingegen entwickeln andere Ideale von Männlichkeit, die manchmal gar nicht so weit vom hegemonialen Bild entfernt sind, oder haben eine ganz und gar antagonistische Beziehung zu diesem Bild. Als trans Mann oder als trans männlich wahrgenommene Person befindet man sich hier ein bisschen zwischen den Stühlen. Trans männliche Personen reproduzieren natürlich genauso die Spannung zwischen den verschiedenen, schadenden und harmlosen Parts von Maskulinität, nur dass eben vielleicht noch das Gefühl hinzukommt, viel mehr an Männlichkeit zu scheitern als cis Männer.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6}"><br />
</span><span data-contrast="auto">Was mich angeht, versuche ich mir bewusst zu machen, dass diese Ideen hegemonialer Männlichkeit existieren und ich sie absichtlich in meiner eigenen Performance von Maskulinität ablehnen kann. Genauso kann ich mich aber auch entscheiden, bei gewissen Praktiken mitzuspielen, solange ich darauf achte, keinen misogynen Scheiß zu reproduzieren.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Malenough! Ein Workshop zur Performance von Männlichkeiten</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/09/malenough_workshop/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Online-Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Sep 2024 09:00:37 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Termine]]></category>
		<category><![CDATA[#workshop]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Bro-Hug, Fist-Bump, Handshakes, High-Five, Schulterklopfen, sich zunicken? Was mache ich wann und wie geht das eigentlich?  Der Workshop Malenough! findet am Weltmännertag, dem 3.11.2024 von 10-18 Uhr in der Alten Feuerwache, Axel-Springer-Str.40/41, Berlin  Als Menschen, die nicht bei der Geburt männlich zugeordnet wurden bzw. nicht als Jungs aufgewachsen sind, stellen uns männlich gelesene Performances manchmal]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><span data-contrast="auto">Bro-Hug, Fist-Bump, Handshakes, High-Five, Schulterklopfen, sich zunicken? Was mache ich wann und wie geht das eigentlich?</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:278}"> </span><span id="more-12283"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Der Workshop <strong>Malenough!</strong> findet am Weltmännertag, dem <strong>3.11.2024</strong> von <strong>10-18 Uhr</strong> in der </span><span data-contrast="auto">Alten Feuerwache, Axel-Springer-Str.40/41, Berlin</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Als Menschen, die nicht bei der Geburt männlich zugeordnet wurden bzw. nicht als Jungs aufgewachsen sind, stellen uns männlich gelesene Performances manchmal vor Herausforderungen.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:278}"><br />
</span><span data-contrast="auto">Wir wollen einen Experimentierraum schaffen, in dem alle, die Sicherheit in ihrem männlichen Auftreten gewinnen wollen, das üben und reflektieren können…</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:278}"><br />
</span><span data-contrast="auto">Neben Erfahrungsaustausch wollen wir vor allem durch Rollenspiele verschiedene Formen von Männlichkeiten in verschiedenen Alltagssituationen inszenieren und ausprobieren. Womit fühlen wir uns wohl, euphoric, cool, männlich? Welchen Gesten, Codes und Männlichkeitsanforderungen stehe ich vielleicht eher kritisch gegenüber?</span></p>
<p><span data-contrast="auto">Ob cis.het-Passing oder Queer Cutie, ob Drag King oder „Boy* next Door“ – zeig uns Deine Moves. Du solltest zwischen 18 und 35 Jahren alt sein.</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></p>
<ul>
<li data-leveltext="" data-font="Symbol" data-listid="1" data-list-defn-props="{&quot;335552541&quot;:1,&quot;335559685&quot;:720,&quot;335559991&quot;:360,&quot;469769226&quot;:&quot;Symbol&quot;,&quot;469769242&quot;:[8226],&quot;469777803&quot;:&quot;left&quot;,&quot;469777804&quot;:&quot;&quot;,&quot;469777815&quot;:&quot;hybridMultilevel&quot;}" aria-setsize="-1" data-aria-posinset="1" data-aria-level="1"><span data-contrast="auto">gebührenfreie Teilnahme</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></li>
</ul>
<ul>
<li data-leveltext="" data-font="Symbol" data-listid="1" data-list-defn-props="{&quot;335552541&quot;:1,&quot;335559685&quot;:720,&quot;335559991&quot;:360,&quot;469769226&quot;:&quot;Symbol&quot;,&quot;469769242&quot;:[8226],&quot;469777803&quot;:&quot;left&quot;,&quot;469777804&quot;:&quot;&quot;,&quot;469777815&quot;:&quot;hybridMultilevel&quot;}" aria-setsize="-1" data-aria-posinset="2" data-aria-level="1"><span data-contrast="auto">freies Mittagessen</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:278}"> </span></li>
</ul>
<ul>
<li data-leveltext="" data-font="Symbol" data-listid="1" data-list-defn-props="{&quot;335552541&quot;:1,&quot;335559685&quot;:720,&quot;335559991&quot;:360,&quot;469769226&quot;:&quot;Symbol&quot;,&quot;469769242&quot;:[8226],&quot;469777803&quot;:&quot;left&quot;,&quot;469777804&quot;:&quot;&quot;,&quot;469777815&quot;:&quot;hybridMultilevel&quot;}" aria-setsize="-1" data-aria-posinset="3" data-aria-level="1"><span data-contrast="auto">mindestens 40 € bis 100% Fahrtkostenzuschuss</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:278}"><br />
</span></li>
</ul>
<p><span data-contrast="auto">Anmeldung bitte bis 27. Oktober formlos mailen an das Projekt meinTestgeände:</span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:278}"> </span><a href="mailto:cwallner@bag-jungenarbeit.de"><span data-contrast="none">cwallner@bag-jungenarbeit.de</span></a><span data-contrast="auto"> </span><span data-ccp-props="{&quot;201341983&quot;:0,&quot;335559739&quot;:160,&quot;335559740&quot;:278}"><br />
</span><span data-contrast="auto">Nenne bitte Deinen Namen (wie du ihn benutzt), Dein Alter, ob du Fahrtkosten benötigst und von wo du anreist.</span></p>
<p><span data-contrast="auto">Eine Veranstaltung von Meintestgelaende in Kooperation mit der dgti e.V. und dem T-RAUM</span> <span data-contrast="auto">mit Brix Schaumburg, Rewan Wagner und Miki Herrlein.</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Männer und der Autoritarismus</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/04/maenner-und-der-autoritarismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anton August Dudda]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Apr 2024 08:21:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Autoritarismus]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Ambivalenz von Autorität und Freiheit für „moderne“ Männer: Wie beeinflussen rechte Ideologien Identität und Verhalten? Erfahre es im Blogbeitrag von Anton. Dem Begriff der Autorität wohnt innerhalb der Diskurse einer liberalen Gesellschaft grundsätzlich etwas Bedrohliches inne. Er ist verknüpft mit dem Verlust von individueller Freiheit, jenem ultimativen gesellschaftlichen Schwammbegriff, dem sich wahrscheinlich jede politische]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Ambivalenz von Autorität und Freiheit für „moderne“ Männer: Wie beeinflussen rechte Ideologien Identität und Verhalten? Erfahre es im Blogbeitrag von Anton.</strong> <span id="more-16001"></span></p>
<p>Dem Begriff der Autorität wohnt innerhalb der Diskurse einer liberalen Gesellschaft grundsätzlich etwas Bedrohliches inne. Er ist verknüpft mit dem Verlust von individueller Freiheit, jenem ultimativen gesellschaftlichen Schwammbegriff, dem sich wahrscheinlich jede politische Bewegung der westlichen Welt verschrieben hat, grade weil sie von lupenrein positiver Konnotation ist. Die Autorität ist das, was der Freiheit entgegensteht, sie einschränkt.</p>
<p>Die Notwendigkeit, als Gesellschaft eine solche Einschränkung der Freiheit vorzunehmen, geht aber ebenso aus absolut jeder politischen Ideologie hervor, nur meist weniger explizit. Zu unpopulär wäre es, die Freiheit, das, was alle gerne in größtmöglicher Ausprägung zugestanden und garantiert haben wollen, von seiner Negativseite her zu betrachten. Doch klar ist, dass ein Begriff nur verstanden werden kann, wenn man ihn in Spannungsverhältnis zu seinem Gegenteil denkt. Setzt man die Freiheit und die Autorität der Einfachheit halber als Widerspruchspaar, ergibt sich eine Art Matrix, innerhalb derer sich das menschliche Subjekt, aber auch eine Kultur, eine<br />
Gesellschaft verorten kann. Abhängig vom Arbeitsverhältnis, politischem System, privater Situation und anderen Faktoren ist ein jeder Mensch in einem gewissen Maße frei und unfrei. Dabei kommt er durch die ökonomische Struktur der ihn umgebenden Gesellschaft zur Befriedigung seiner Bedürfnisse, auch hier mal besser und mal schlechter, aber in einem funktionierenden System immer gut genug, dass er keinen Grund hat, an dem Maß der auf ihn einwirkenden, freiheitslimitierenden Faktoren zu rütteln. Gerät diese Gewissheit aber in Zweifel und bei genügend Menschen, so kann die Legitimität des Systems und seiner Ideologie in die Krise geraten. Ob dies stattfindet aus der Einsicht in die Ungerechtigkeit des Systems gegenüber anderen oder einem bloßen, subjektiven Gefühl der Unzufriedenheit ist dabei erst einmal egal, auch ob dieses subjektive Gefühl einen rationalen Kern hat, oder auf irrationaler Agitation beruht. Vieles, was heute als die „Krise der Männlichkeit“ diskursiviert ist, trägt die Handschrift einer solchen Autoritätskrise. Jüngst erregte eine amerikanische Studie große Aufmerksamkeit, welche<br />
feststellte, dass weltweit unter Menschen zwischen 18 und 29 die Tendenz zu beobachten ist, dass Frauen zunehmend politisch „linker“ und Männer „rechter“ denken würden, wobei man die Bedeutung dieser Begriffe grade in den USA mit ihrem binären Parteiensystem mit Vorsicht genießen muss. Aber auch Phänomene wie die in der Memekultur übernommenen, aus der Manosphere stammenden Kategorien „Alpha“-, „Beta“- oder „Sigma“-Male weisen darauf hin, dass es grade in der Mentalität junger Männer eine Identitätskrise gibt, zu deren Bewältigung die<br />
Auflösung von komplexen sozialen Beziehungen in einer autoritativen Theorie attraktiv erscheint. Dabei scheint dieser Hang zur Autorität widersprüchlich zu sein. Akzeptiert man die Setzung, dass Freiheit und Autorität sich immer als zwei sich bedingende, aber gleichzeitig ausschließende Begriffe gegenüberstehen, dann sollte man meinen, dass der Mensch nicht gleichzeitig nach beiden streben können sollte. Und doch scheint genau dies das Versprechen zu sein, welches rechte und konservative Agitatoren erfolgreich vermitteln. „Echte Männer sind rechts.“, tönt etwa AfD-Spitzenkandidat und Posterboy Maximilian Krah. Soll heißen, die Freiheit findet „der Mann“<br />
dort, wo Autorität herrscht. Dieser Scheinwiderspruch ist durch die mehreren Versprechen zu erklären, die er impliziert.<br />
Erstens, das offensichtlichste. Die durch den rechten Autoritarismus zurückentwickelte Gesellschaftsordnung, würde dem Mann zwar ein Maß an Unterordnung abverlangen, aber gleichzeitig eine Stellung oberhalb der Individuen aller marginalisierten Gruppen in der Öffentlichkeit, sowie einen Herrschaftsanspruch in der nun von ihm repatriarchalisierten Privatsund Intimsphäre garantieren. Es ist das Versprechen an den Mann als Arbeiter.<br />
Zweitens, die innerhalb der autoritären Ordnung herrschende Ideologie erlaubt es ihm daran zu glauben, dass er bei perfekter Adaption der nun vermeintlich klaren Regeln innerhalb des Systems aufsteigen kann. Dies hat, wie auch das erste Versprechen, sadomasochistischen Charakter.<br />
Regeln werden von „oben“ diktiert, vom Individuum befolgt und nach „unten“ weitergegeben. Jede dieser hierarchischen Beziehungen enthält einen gewissen Auslegungsspielraum, welcher sich durch die Rangordnung legitimiert. Der Obere wird immer das Recht besitzen und ausspielen, die Regeln in gewissem Maße willkürlich anzuwenden und dem Unteren dadurch das Richtig und Falsch von dessen Handlungen verschleiern. Der Untere wird lernen, den Oberen zu lesen, ihm zu gefallen, bis er selbst die Regeln gut genug kennt, um sie selbst anzuwenden. Darin liegt eine weitere Freiheit innerhalb Autoritarismus. Es ist das Versprechen an den Mann als<br />
Soldaten.<br />
Das dritte Versprechen schließlich liegt in der Auflösung des Widerspruchs zwischen Autorität und Freiheit an sich im Übergang von Autoritarismus zum Totalitarismus. Der Mensch kann innerhalb der Matrix zwischen Freiheit und Unfreiheit keinen der beiden Pole jemals vollständig erreichen, da ihn zumindest in seinem Inneren immer etwas einschränken und niemand ihn jemals ganz wird beherrschen können. Dort, wo die Widersprüche in einer Gesellschaft, die ja an sich bereits inhärent widersprüchlich ist, so groß werden, dass das Individuum immer radikaler und gleichzeitig irrationaler seine Freiheitsansprüche geltend macht, da greift der Totalitarismus<br />
zu und stellt dem Arbeiter, dem Soldaten, dem Mann die totale Verwirklichung der beiden ersten Versprechen in Aussicht. Die im Industrialismus bereits notwendig vorhandene, zweckorientierte Objektifizierung der Individuen, wird eskaliert bis hin zur vollständigen Rationalisierung und Orchestrierung der Gesellschaft zu einem Gesamtzweck, einem objektiven Ziel, zum Preis der bedingungslosen Unterordnung, unter der Verheißung der Widerspruchsfreiheit. Es ist ein Versprechen der Objektwerdung des Mannes in der politischen und der Frau in der privaten Sphäre, welches in krisenhaften Gesellschaften eine große libidinöse Sogwirkung entfalten kann, aber unmöglich ist. Möglich sind dann nur noch die Zerstörung und Bezwingung des Anderen, dessen, was die Totalität des eigenen, selbstgegebenen Zwecks noch infrage stellen könnte.<br />
Der Mann ist zu nichts davon geboren. Nicht zum Arbeiter, nicht zum Soldaten, nicht zum Objekt eines rationalen Zwecks. Es sind seit Jahrtausenden tradierte Normen, die ihm auferlegen, sich entweder ihnen gemäß zu formen oder aus ihnen auszubrechen. Doch tut er letzteres, hat er vor sich nichts als den Nebel, die verschleierte und undurchdringbare Logik des Systems, der ökonomischen Verhältnisse, deren Ideologie weiß, dass sie ihm nicht als Feind entgegentreten darf, weil sie ohne ihn verloren wäre. Darum reicht sie ihm betrügerisch die Hand und er nimmt sie, denn sonst, so flüstert sie ihm zu, wird er allein sein.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Workshops zu kritischer Männlichkeit &#8211; Abschlussinterview</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/03/workshops-zu-kritischer-maennlichkeit-abschlussinterview/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CarMiA]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Mar 2024 11:57:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[#workshop]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Peertrainer des Projekts CarMia erzählen von ihren Erfahrungen &#38; persönlichen Learnings aus den Workshops zur kritischen Auseinandersetzung mit Männlichkeit. &#160;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Peertrainer des Projekts CarMia erzählen von ihren Erfahrungen &amp; persönlichen Learnings aus den Workshops zur kritischen Auseinandersetzung mit Männlichkeit.</strong></p>
<p><span id="more-15986"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lebensläufe &#8211; Giuseppe</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/03/lebenslaeufe-giuseppe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Conrad]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Mar 2024 10:25:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Ballet]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Lebensläufe]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Für eine neue Folge Lebensläufe hat Conrad Giuseppe am Ballet in Halle getroffen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Für eine neue Folge Lebensläufe hat Conrad Giuseppe am Ballet in Halle getroffen.</strong></p>
<p><span id="more-15962"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>IST DAS NICHT WITZIG?!</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/01/ist-das-nicht-witzig/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CarMiA]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jan 2024 09:36:55 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Mädels hinterherrufen ist doch voll harmlos. Oder? – Das fragen sich unsere Jungs von CARMIA.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mädels hinterherrufen ist doch voll harmlos. Oder? – Das fragen sich unsere Jungs von CARMIA.</strong><span id="more-15881"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Männergold</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/12/maennergold/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CarMiA]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Dec 2023 08:30:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[1953: Frauengold kommt auf den Markt, ein Wundermittelchen für die unentspannte Hausfrau. 2023: Nur 70 Jahre später präsentieren wir euch exklusiv MÄNNERGOLD. Viel Spaß mit dem Video von CarMiA]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>1953: Frauengold kommt auf den Markt, ein Wundermittelchen für die unentspannte Hausfrau. 2023: Nur 70 Jahre später präsentieren wir euch exklusiv MÄNNERGOLD. Viel Spaß mit dem Video von CarMiA</strong><span id="more-15841"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Männercoach</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/11/der-maennercoach/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[CarMiA]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 09 Nov 2023 12:44:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Männercoach]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[DU HAST NOCH KEINE MILLIONEN AUF DEINEM KONTO??! DANN SCHAU DIESES VIDEO! Lass‘ Dir nix vormachen. Es gibt Dich nur einmal. Lass Dich nicht in irgendwelche Rollen reinzwängen! Video Idee und Umsetzung: Yuma Rieming, Noel Özden, Dario Michel, Ziad Assem, Mikolay Górny. Unterstützung: Niklas Becker Entstanden im Projekt CarMiA bei Dissens: https://www.dissens.de/projekte/aktuelle-projekte/carmia-caring-masculinities-in-action https://www.instagram.com/dissensinstitut/ Projektleitung: Till]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>DU HAST NOCH KEINE MILLIONEN AUF DEINEM KONTO??! DANN SCHAU DIESES VIDEO!<br />
Lass‘ Dir nix vormachen. Es gibt Dich nur einmal. Lass Dich nicht in irgendwelche Rollen reinzwängen!</strong><span id="more-15802"></span></p>
<p>Video Idee und Umsetzung: Yuma Rieming, Noel Özden, Dario Michel, Ziad Assem, Mikolay Górny.</p>
<p>Unterstützung: Niklas Becker</p>
<p>Entstanden im Projekt CarMiA bei Dissens:</p>
<p><a href="https://www.dissens.de/projekte/aktuelle-projekte/carmia-caring-masculinities-in-action">https://www.dissens.de/projekte/aktuelle-projekte/carmia-caring-masculinities-in-action</a><br />
<a href="https://www.instagram.com/dissensinstitut/">https://www.instagram.com/dissensinstitut/</a></p>
<p>Projektleitung: Till Dahlmüller</p>
<p>Gefördert von der Europäischen Union.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ermis &#8211; Choosing masculine clothes for transmascs who want/need to pass</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/05/ermis-choosing-masculine-clothes-for-transmascs-who-want-need-to-pass/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ermis]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 25 May 2023 10:52:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[trans*]]></category>
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					<description><![CDATA[Ermis hat Tipps für euch, wie ein Passing gelingen kann. [Video auf Englisch.]                                   Ermis has advice for you on how to pass. [Video in English.]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ermis hat Tipps für euch, wie ein Passing gelingen kann. [Video auf Englisch.]                                   </strong><strong>Ermis has advice for you on how to pass. [Video in English.]</strong><span id="more-15575"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>MÄNNER SONG</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/05/maennersong/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Hoff]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 19 May 2023 10:57:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männerbild]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Robin fragt sich und andere, was dieses &#8222;Männlich&#8220; eigentlich ist&#8230;, und rappt &#8222;denn für mich ists mehr als die Erfüllung von Klischees&#8220;.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Robin fragt sich und andere, was dieses &#8222;Männlich&#8220; eigentlich ist&#8230;, und rappt &#8222;denn für mich ists mehr als die Erfüllung von Klischees&#8220;.</strong></p>
<p><span id="more-15561"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der aufgeklärte Mann</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/03/der-aufgeklaerte-mann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Gloria]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 28 Mar 2023 08:30:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Gloria ergründet poetisch, was das bedeutet (oder auch nicht). du bezeichnest dich als sapiosexuell aber bist offen dafür auch frauen zu daten die keine zeit haben linke theorie zu lesen so wie du es tust es wird nur dann zum problem wenn sie dich nicht wie der schlauere fühlen lässt mit deinem intellekt gehst du]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Gloria ergründet poetisch, was das bedeutet (oder auch nicht).</strong><span id="more-15404"></span></p>
<p>du bezeichnest dich als sapiosexuell<br />
aber bist offen dafür auch frauen zu daten die keine zeit haben linke theorie zu lesen<br />
so wie du es tust<br />
es wird nur dann zum problem wenn sie dich nicht wie der schlauere fühlen lässt<br />
mit deinem intellekt gehst du nun mal sehr selbstbewusst um</p>
<p>du verstehst was konsens heißt<br />
sehr, es liegt ein feministisches zine auf deinem bücherregal<br />
<em>wie geht konsens</em><br />
das beweist, dass du ein objektiv guter mann bist<br />
<em>konsens ist sexy</em><br />
sowas liest du auch immer auf instagram<br />
dass du fragen solltest vorm würgen hast du leider noch nicht so ganz verstanden</p>
<p>du bist feminist<br />
und reflektierst deine gefühle und bedürfnisse<br />
aber besonders dein männlich sozialisiertes verhalten<br />
<em>manchmal schäme ich mich für mein geschlecht</em><br />
was dich oft dazu verleitet nur über dich selbst zu reden wenn du eigentlich einfach mal die fresse halten könntest<br />
und versuchen zu begreifen was emotionale arbeit bedeutet</p>
<p>du bist nicht monogam<br />
und denkst monogamie sei ein trick der heteronormativen gesellschaft<br />
sie würde uns diktieren was wir tun sollen mit unseren körpern und gefühlen und das kann man ja nur falsch finden<br />
<em>ich verstehe gar nicht den anreiz, sich in eine geschlossene paarbeziehung zu begeben</em><br />
und in deinem bücherregal direkt neben dem feministischen zine stehen etwa 4-7 sammelbände über polygamie, die das thematisieren</p>
<p>wenn deine freundin unsicherheiten hat fällt es dir schwer ein guter gesprächspartner zu sein<br />
vor allem bei eifersucht, da hast du meistens kein verständnis für<br />
denn am ende sind ja alle für ihre eigenen gefühle verantwortlich<br />
das sagst du ihr dann auch immer<br />
<em>man muss lernen sich abgrenzen zu können</em><br />
und wenn sie das nicht schafft ist das vielleicht einfach nicht dein problem<br />
es scheint dir zumindest nicht als müsstest du dich damit auseinandersetzen<br />
<em>mach dir keine sorgen</em></p>
<p>das erklärst du im übrigen auch deinem heutigen date<br />
als du sie zum zweiten mal in dieser woche triffst<br />
ihr habt nach eurem ersten treffen am dienstag bereits miteinander geschlafen aber heute erkundigt sie sich nochmal ob das auch wirklich in ordnung ist für deine freundin und daraufhin sagst du dann<br />
<em>mach dir keine sorgen</em><br />
und fügst hinzu, dass ihr in einer offenen beziehung seid<br />
aber in einem nebensatz machst du dann deutlich, dass du nichts ernstes willst so macht<em> sie sich keine falschen hoffnungen</em><br />
denn romantisch bist du nur mit deiner freundin<br />
welche gerade den abend zuhause verbringt und beginnt zu glauben, dass sie sich ganz dringend von dir trennen sollte</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Einen Strawberry Daiquiri bitte!</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/01/einen-strawberry-daiquiri-bitte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ulascan Koku]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Jan 2023 13:24:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Was wie eine rhetorische Frage klingt, ist viel mehr: Wie frei bin ich als Mann, in der Öffentlichkeit nach meinem tatsächlichen Geschmack zu wählen? – Ulascan hat sich auf eine poetische Suche gemacht. Eines wunderschönen Abends Saß ich wieder mit meinen Freund*innen da Entspannte Gespräche und gute Musik Wie immer in unserer Lieblingsbar Mein Blick]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Was wie eine rhetorische Frage klingt, ist viel mehr: Wie frei bin ich als Mann, in der Öffentlichkeit nach meinem tatsächlichen Geschmack zu wählen? – Ulascan hat sich auf eine poetische Suche gemacht.</strong><span id="more-15286"></span></p>
<p>Eines wunderschönen Abends<br />
Saß ich wieder mit meinen Freund*innen da<br />
Entspannte Gespräche und gute Musik<br />
Wie immer in unserer Lieblingsbar</p>
<p>Mein Blick streift die Kreidetafel<br />
Und entdeckt die leckersten Getränke<br />
Doch Mann darf nicht alles trinken<br />
Gebunden sind die Hände</p>
<p>Wie sähe das nur aus<br />
Wenn ich hier säße mit einem pinken Getränk<br />
„Das ist doch nichts für Männer!“<br />
Auch wenn es so unglaublich gut schmeckt</p>
<p>„Warum eigentlich nicht<br />
Wovor schäme ich mich eigentlich?“<br />
Die Gedanken in meinem Kopf vom „Mann sein“<br />
Erdrücken und erschlagen mich</p>
<p>Zu konsumieren was einem nicht schmeckt<br />
Ist nicht männlich sondern dumm<br />
Und keinen interessiert das was du trinkst<br />
Also kümmre dich nicht drum</p>
<p>James Bond war gestern<br />
Also schüttet auf den Boden die Martinis<br />
Und ruft laut zu euren Kellner*innen<br />
„Ich hätte gerne einen Strawberry Daiquri!“</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das ist doch krank!</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/12/das-ist-doch-krank/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tom]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Dec 2022 15:15:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Krankheit]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=15203</guid>

					<description><![CDATA[&#8222;Wieso muss Mensch, wenn er krank ist und auf die Krankheit aufmerksam machen will, sich von anderen Menschen beurteilen lassen, wie krank Mensch doch ist? Das ist doch krank. Und hat Mensch nicht genug mit den Auswirkungen der Krankheit und der Sichtbarmachung der Krankheit zu tun?!&#8220; Tom ist nicht bereit, solchen &#8222;männlichen&#8220; Einstellungen zu folgen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8222;Wieso muss Mensch, wenn er krank ist und auf die Krankheit aufmerksam machen will, sich von anderen Menschen beurteilen lassen, wie krank Mensch doch ist? Das ist doch krank. Und hat Mensch nicht genug mit den Auswirkungen der Krankheit und der Sichtbarmachung der Krankheit zu tun?!&#8220; Tom ist nicht bereit, solchen &#8222;männlichen&#8220; Einstellungen zu folgen.</strong><span id="more-15203"></span></p>
<p>Mein letzter Text ist am 7.12.2021 erschienen. „Hatte viel um die Ohren. Brauchte Zeit für mich. &#8222;Hab mal &#8217;ne Auszeit gebraucht“, das habe ich oft gesagt, wenn Menschen mich gefragt haben, was denn los sei. Für mich sind das übliche Aussagen, um in unserer Gesellschaft Termine abzusagen oder sich bei Menschen für mangelnde Kontaktpflege zu rechtfertigen. Der Ansatz „Ich bin krank und bereit, über meine Krankheit zu sprechen&#8220;, findet öffentlich selten bis gar nicht statt.<br />
Am 12.04.22 hat die Autorin Margarete Stokowski ihren bis dato letzten Artikel in ihrer Kolumne beim Spiegel veröffentlicht. Zuletzt sprach sie auf der Bundestags-Pressekonferenz in Berlin über ihre Long Covid Erkrankung. 264 Tage seit Symptombeginn lebt sie mit den Folgen der Krankheit. Seither kann sie kaum noch Termine wahrnehmen und weder ihrer Arbeit als Autorin nachgehen noch privat unabhängig für sich sorgen. Die Reaktion: Hass und Anfeindungen im Netz, eingebettet in Twitter-Posts von „Beweisen“, dass es ihr doch gut ginge, weil sie Brot gebacken hat und sich die Nägel lackiert hat.<br />
Wieso muss Mensch, wenn er krank ist und auf die Krankheit aufmerksam machen will, sich von anderen Menschen beurteilen lassen, wie krank Mensch doch ist? Das ist doch krank. Und hat Mensch nicht genug mit den Auswirkungen der Krankheit und der Sichtbarmachung der Krankheit zu tun?!<br />
Wie ich es oft erlebe: Anscheinend nicht, denn Mensch muss für jegliche ungefragten und ungewollten Rückfragen und als Expert:in über die Krankheit und das, was diese mit sich bringt, Rechenschaft ableisten.<br />
Wie ich es mir wünsche: Mensch sollte das nicht müssen.<br />
Denn das führt in unserer Gesellschaft dazu, dass Mensch selten bis gar nicht gerne bereit ist, über die Krankheit öffentlich zu sprechen. Was aber für diesen Menschen und alle anderen Betroffenen wichtig wäre, um Tabus zu brechen und unsichtbare Krankheiten sichtbar zu machen.<br />
Oft scheitern Betroffene sogar daran, sich guten Gewissens krankschreiben zu lassen. Teils aus emotionalen Gründen, teils auch aus finanziellen. Mein Ausbildungsbetrieb hat mich damals untertariflich bezahlt mit der Begründung: „Wir haben ein Bonusprogramm. Für gute Bewertungen der Abtleitungsleitenden und möglichst wenig Krankheitstage kannst du Zulagen auf deinen Lohn erhalten. Ganz easy. Und dann verdienst du quasi übertariflich.“<br />
De facto: Die Mitarbeitenden, die sich im Jahr, egal ob krank oder nicht, auf Arbeit geschleppt haben, hatten am Ende des Monats dafür mehr Geld als Mitarbeitende, die krank zu Hause geblieben sind und sich ausgeruht haben. Das ist doch krank.<br />
Wir schicken Menschen in unserer Gesellschaft krank zur Arbeit. Und damit meine ich nicht Menschen, die versuchen, mit chronischer Krankheit ihr Leben zu leben und den Job oft unter Anstrengung zu überleben. Nein, damit meine ich zum Beispiel Krankenhäuser, die ihre Mitarbeitenden fünf Tage nach einer Corona-Infektion mit einem positiven Test zurück auf Station geschickt haben, um einen Kollaps im deutschen Gesundheitssystem zu verhindern. Das ist doch krank. Quelle: https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/rhein-main/zur-arbeit-ins-krankenhaus-trotz-positivem-corona-test_25645297</p>
<p>Nein, krank sein sollte nichts Schlechtes, nichts Außergewöhnliches, nichts Problematisches sein. Und Menschen, die krank sind, sollten von anderen Menschen auch nicht als schlecht, außergewöhnlich oder als Problem von anderen Menschen von außen beurteilt werden. Sie sollten gar nicht beurteilt werden. Ein Mensch, der mit einer oder mehreren Krankheiten temporär oder chronisch lebt, ist genauso individuell zu betrachten wie ein Mensch, der ohne Krankheit lebt. Egal, mit welcher Krankheit Mensch lebt oder wie Mensch im eigenen Empfinden darunter leidet oder Einschränkungen erfährt. Und wenn Mensch darüber sprechen will, sollten wir nicht beurteilen, sondern viel mehr aktiv zuhören und Verständnis zeigen. Denn sprechen wir nicht mehr über unsere Krankheiten, gelangen diese Einblicke nicht in die Öffentlichkeit. Was dazu führt, dass vermutlich nur wenig über diese Krankheit geforscht wird. Dadurch kann nur schwer ein Medikament, eine Therapie oder eine Impfung entwickelt werden, um dafür zu sorgen, dass Menschen mit einer Krankheit, einer Infektion oder einer Störung (OMG, wie ich diesen Begriff nicht ausstehen kann, aber das hat dann Platz in einem anderen Artikel), ohne darunter zu leiden, leben können. Und wenn das nicht klappt, können aus Krankheiten sogenannte Volkskrankheiten oder gar globale Pandemien werden.<br />
Krank sein sollte auch keine Angst hervorrufen, zu medizinischem Fachpersonal gehen und sich krank zu melden. Es ist nicht schlecht, außergewöhnlich oder problematisch, sich von medizinischem Fachpersonal krankschreiben zu lassen und es sollte auch von Arbeitgeber:innenseite oder Kolleg:innenseite keine ungewollten und meist unangenehmen Rückfragen geben. Das Statistische Bundesamt schreibt zum Beispiel über den Krankenstand im Jahr 2007, der seit 1991 im Durchschnitt die niedrigsten Fehlzeiten hervorruft: Mögliche ursachen können eine allgemein verbesserte Gesundheitslage oder der Rückgang gesundheitsbeeinträchtigender Arbeiten (zum Beispiel im Produzierenden Gewerbe) sein. Aber auch die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes kann Arbeitnehmerinnen und Arbeitneher veranlassen, sich seltener krank zu melden. Insbesondere in konjunkturellen Schwächephasen gehen die Krankmeldungen zurück, wie die Entwicklung seit 1991 zeigt. 2007 standen wir kurz vor einer globalen Wirtschaftskrise, heute befinden wir uns inmitten einer Energiekrise. Just saying.<br />
Ich selbst hatte im ersten Lehrjahr 27 Krankheitstage und wurde dafür zum Personalchef zitiert. Dort musste ich mich rechtfertigen. Ihr wollt wissen, warum ich 27 Krankheitstage hatte? Genau, dafür muss ich mich nicht rechtfertigen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Fritz Meinecke–ein Take über den Survivalismus</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/12/fritz-meinecke-ein-take-ueber-den-survivalismus/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anton August Dudda]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Dec 2022 12:32:54 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Maskulinismus]]></category>
		<category><![CDATA[Survivalismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Reality-Survivalshow „7 versus Wild“ des Outdoor Youtubers Fritz Meinecke erfreut sich auch in der zweiten Staffel wieder großer Beliebtheit. Anton hat den in der Sendung transportierten Lebensstil mal genauer angeschaut und beschreibt, warum und bei welchen Menschen dieser so anschlussfähig ist. Panama – Isla de San Jose, September 2022. Ein Mann mit Schirmmütze, dichtem]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Reality-Survivalshow „7 versus Wild“ des Outdoor Youtubers Fritz Meinecke erfreut sich auch in der zweiten Staffel wieder großer Beliebtheit. Anton hat den in der Sendung transportierten Lebensstil mal genauer angeschaut und beschreibt, warum und bei welchen Menschen dieser so anschlussfähig ist.</strong></p>
<p><span id="more-15193"></span></p>
<p align="justify">Panama – Isla de San Jose, September 2022. Ein Mann mit Schirmmütze, dichtem Vollbart und Machete schlägt sich durch den Küstendschungel, untersucht die Umgebung auf nützliche Gegenstände (heißt: angespülten Plastikmüll), sowie Essens- und Trinkwasserquellen. Dabei referiert er über die vielfältigen Gefahren, die in diesen Gefilden lauern, darunter Schlangen und Krokodile. Wir befinden uns in der 2. Staffel der Reality-Survivalshow „7 versus Wild“ des größten deutschen Outdoor-YouTubers Fritz Meinecke, welcher, wie schon in der ersten Staffel, selbst als Kandidat antritt. Das Prinzip ist einfach. Sieben Teilnehmer*innen werden für sieben Tage in der Wildnis ausgesetzt und müssen dort „überleben“, wobei natürlich für echte Notfälle vorgesorgt ist. Durch das Lösen von Aufgaben können zudem Punkte gesammelt werden. Wer durchhält und am Ende die meisten Punkte hat, gewinnt. Durch das Format hatte sich Meineckes Kanal im Jahr 2021 in völlig neue Sphären der Popularität katapultiert. Zum Zeitpunkt da ich an diesem Text arbeite, haben die ersten drei Folgen der 2. Staffel bereits Klickzahlen von jeweils deutlich über 5 Millionen, es ist davon auszugehen, dass die Videos 10 Millionen und mehr Views erreichen werden. Das Format ist also überragend erfolgreich und zeigt damit, dass der Survivalismus offensichtlich eine Anschlussfähigkeit besitzt an den breiten Mainstream der deutschen Medienkonsument*innen. Gleichzeitig irritierte Meinecke in der Vergangenheit (unter anderem) mit Posts wie: <i>„</i><i>Glaubt mir, ich halte mich so oft extrem zurück, und wenn ich das jedes Mal aussprechen würde, was ich wirklich denke, wär ich vermutlich überall gebannt […] Mir geht diese völlig verweichlichte Gutmenschengesellschaft so auf die Eier, ja nicht anecken, niemandem auf den Schlips treten und für alles rechtfertigen. Triggerwarnungen hier und da. Immer politisch korrekt.“. </i>Ist Meinecke eine Ausnahme und seine Aussage in Bezug auf seine Kanalinhalte insofern „zufällig“? Oder ist der Survivalismus potenzieller Nährboden für rückschrittliche Ideologien?</p>
<p align="justify">Den Begriff des Maskulinismus habe ich bereits zuvor in einem Text hier auf meinTestgelände verwendet und meine damit, grob gesagt, die Gesamtheit der im Geschlechterdiskurs als männlich gelesenen Eigenschaften, Lebensbereiche, Ziele, Ästhetiken und Privilegien in Kombination mit deren Festlegung als erstrebenswert, natürlich, gesund, schlicht „gut“ und damit erhaltungs- und verteidigungswürdig. Viele dieser Attribute leiten sich aus der Tradition des Mannes als Kämpfer, Arbeiter und Jäger ab, weswegen auch heute noch beispielsweise der Tod an der Kriegsfront und damit die Aufgabe des Selbst zur Pflichterfüllung als eine der Vervollständigungsformen von Männlichkeit schlechthin dasteht (man beachte den Diskurs in Deutschen Leitmedien zu ukrainischen und russischen Kriegsdienstverweigerern). Der Begriff, den wir mittlerweile für autoritäres und selbst- oder fremdschädigendes Verhalten aufgrund eines maskulinen Habitus verwenden, ist der der „toxischen Maskulinität“. Fritz Meinecke und die ihn umgebende Bubble aus Survivalisten, die nicht selten einen militärischen Hintergrund haben, scheinen das perfekte Beispiel dafür zu sein. Sie setzen sich ohne Not Situationen aus, welche sie in potenzielle (wenn auch sehr eingehegte) Lebensgefahr bringen. Dies verschafft ihnen die Position, sich von zivilisatorischen Selbstverständlichkeiten loszusagen und etwa Tiere zu jagen, um nicht zu verhungern. Der Survivalismus wirkt wie eine kulturelle Ersatzhandlung zum realen Überlebenskampf. Man bringt sich in den Zweikampf mit dem Tod als Manifestation der äußeren Natur und befriedigt damit gleichzeitig das Bedürfnis danach, jenes zu finden, was man für die eigene, innere Natur hält.</p>
<p align="justify">Ich kenne das auch von mir selbst. Ich habe zwar keine Tendenz mich übermäßig in Lebensgefahr zu bringen, aber wie oft habe ich mich schon auf langen Radtouren gequält und dabei meiner eigentlichen Überzeugung, mindestens auf billiges Fleisch zu verzichten, zuwidergehandelt, weil ich ja „die Energie brauchte“? Oder beim Campingurlaub eine fast masochistische Freude dabei empfunden, in einem Gewittersturm nachts Gräben auszuheben um das Wasser abzuleiten, das von der Düne hinab aufs Zelt zufloss? Und dies ist ja keineswegs ein bloß männliches Phänomen. Diese Freude am Gefühl das entsteht, wenn die Zivilisation auch nur für einen Augenblick ihren schützenden Zugriff lockert, kenne ich von vielen Freund*innen, unabhängig vom Geschlecht und es wäre ungenau, hier von Ausnahmen zu sprechen. Auch in der 2. Staffel von „7 versus Wild“ nehmen zwei Frauen teil. Es scheint sich vielmehr um ein Bedürfnis zu handeln, der Heteronomie unseres (Selbst-)Bewusstseins in der Gesellschaft und der erdrückenden Last der Widersprüchlichkeiten des Kapitalismus zu entfliehen und zumindest für einen begrenzten, abgesicherten Zeitraum mit den unmittelbaren und damit einfachen Notwendigkeiten konfrontiert zu sein.</p>
<p align="justify">Nun geht es mir aber nicht um den spezifischen Lebensstil einzelner, sondern um das Entstehen von Werten und Leitmotiven durch die mediale Reproduktion dieses Lebensstils. Es geht darum, wo aus dem Hobby des „Surviveln“ der Survivalismus wird. Der Survivalismus als Ideologie entsteht genau dort, wo den Zuschauer*innen eine Influencer-Performance als Lebensentwurf vorgelebt wird, der assoziiert ist mit Naturnähe, Spaß und gesunder Herausforderung, was identifiziert wird als Widerspruch zum Leben in der realen Gesellschaft. Dieses ist bekanntlich gekennzeichnet von Entfremdung und dem Gefühl der Wirk- und Machtlosigkeit, verlangt Ambiguitätstoleranz und politische Auseinandersetzung zwischen konträren Positionen und Interessen. Dagegen steht die Grundformel der survivalistischen Simulation: <i>Problem -&gt; Lösung</i>. Wasser suchen, weil ich Durst habe. Essen suchen, weil ich Hunger habe. Ein Bett bauen, damit ich schlafen kann. Ein Dach, damit ich nicht nass werde. Survivalist*innen sprechen von Freiheit, sie meinen die Freiheit vor den Ketten des habituierten Selbst.</p>
<p align="justify">Ist das jetzt schlimm?</p>
<p align="justify">Die meisten Menschen, unabhängig vom Geschlecht, werden Survivalformate wie „7 versus Wild“ wohl einfach als Unterhaltungsspektakel abfeiern und sich vielleicht sogar ganz bewusst an der Survivalfantasie, sowie gleichzeitig an ihrer warmen Couch erfreuen. Aber grade dadurch, wie sich die transportierte Ideologie im aufgewirbelten Zirkusstaub verschleiert, entfaltet sie mehr Wirkung, als man denken könnte. Die Sehnsucht nach Narrativen, welche das Subjekt befreien von dem Druck, sich mit seiner ambivalenten Realität befassen zu müssen, ist groß. Grade weißen Cis-Männern, deren Identitätskonzept schon lange in einer Legitimationskrise steckt, bietet der Survivalismus eine antiintellektualistische Utopie. Dazu passt Meineckes Aussage, die ich eingangs zitierte. Was haben all die postmodernen Theorien, hat all das, was der Fortschritt den Männern an Zugeständnissen und Machtabgaben abverlangt noch zu bedeuten, wenn das wahre Mensch- und damit auch Mannsein doch dort stattfindet, wo es ums Überleben geht? Man sollte nicht aus einem Post auf eine ganze Person und man darf nicht von der Person auf die Gruppe schließen. Aber ich denke gezeigt zu haben, wie sich Meineckes Aussage in die Ideologie des Survivalismus einfügt. Und das sie seinem Erfolg nicht geschadet hat, sollte Beweis sein für ihre Anschlussfähigkeit. Der Survivalismus ist ein eskapistisches Treibhaus, welches das von der Welt überforderte Individuum zu wärmen imstande ist (und das hat es verdient), in welchem aber auch Maskulinismus und antiprogressive Ideologien unterschwellig gedeihen können.</p>
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		<item>
		<title>(Un)ruhige Zeiten</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/11/unruhige-zeiten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tom]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Nov 2022 14:02:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[In diesem Sommer hat Tom verstanden, dass die männlichen Stärke-Mantras seiner Kindheit ihn behindern, anstatt ihm Werkzeug zu sein für ein positives Leben: soft und durchlässig statt stählern und unerreichbar, so soll zukünftig die innere Ordnung aussehen und das Ich befreien. Winter is coming. Die Sommerzeit ist seit dem 30. Oktober endgültig vorbei. Die Tage]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In diesem Sommer hat Tom verstanden, dass die männlichen Stärke-Mantras seiner Kindheit ihn behindern, anstatt ihm Werkzeug zu sein für ein positives Leben: soft und durchlässig statt stählern und unerreichbar, so soll zukünftig die innere Ordnung aussehen und das Ich befreien.</strong></p>
<p><span id="more-15176"></span></p>
<p>Winter is coming. Die Sommerzeit ist seit dem 30. Oktober endgültig vorbei. Die Tage werden kürzer. Wir befinden uns im Übergang. Gerade jetzt in meiner Lieblingsjahreszeit, dem Herbst, reflektiere ich verstärkt und versuche mich wie alle Jahre wieder auf den Winter vorzubereiten, um dann im Winter zu merken, wie wenig ich mich doch vorbereitet habe.</p>
<p>Doch dieses Jahr wird es anders. Die Jahreszeiten haben sich persönlich für mich verschoben. Ich fühle die Leichtigkeit des Sommers, den ich erst seit Ende August wirklich gelebt habe. Erst zu dieser Zeit, als mein dreiwöchiger Jahresurlaub bevorstand, hatte ich das Gefühl, sommerlich im Außen zu leben. Die Freiheit im Kopf, die Sorglosigkeit im Herzen. Erleben. Auf Reisen mit dem 9 Euro Ticket, auf Konzerten, in der Natur, bei Freund:innen und Familie. Spontan und des Erlebens wegen. Und auch mal &#8217;ne Nacht planlos im Freien ohne Schlaf zu verbringen, weil der Zug zu voll war. Ich bin auf neue Menschen zugegangen, habe mich eingeschlafenen Freund:innenschaften wieder gewidmet und meinen Innercircle, mit meinen vertrautesten zwischenmenschlichen Beziehungen, neue Höhepunkte meines Lebens gefühlt.</p>
<p>Diese Zeit fühle ich heute immer noch. Zumindest stelle ich sie mir vor und zehre daran, wie der Akku meines Smartphones von meiner Powerbank. Ich stelle mir vor, dass es möglich ist, trotz Unruhen innerlich ruhig zu bleiben. Unruhen global, Unruhen lokal, Unruhen auf Arbeit, Unruhen im Leben meiner Beziehungsperson und Unruhen, weil ich mich heute schon wieder ausgesperrt und dadurch den Videocall mit meiner Therapeutin verpasst habe. „OMG WO IST MEIN KOPF; WARUM BIN ICH SO TOLLPATSCHIG; ALLES SCHEIßE; ICH LEG MICH INS BETT UND WILL NICHTS MEHR VON DER WELT WISSEN“, hätte ich vor einem Jahr gesagt, als sich meine Traum WG, als Wohnungsalptraum herausgestellt hatte.</p>
<p>Heute stelle ich mir vor, dass ich mit einer abgeschnittenen PET-Flasche selbst bei mir einbrechen kann und dass meine Therapeutin Verständnis hat, wenn ich dadurch später zum Therapietermin komme. Und genau das ist auch eingetroffen. Nicht weil ich zaubern kann, sondern weil dieser Fall nicht das erste Mal eintritt. Weil ich nicht das erste Mal bei mir selbst eingebrochen bin und weil ich nicht das erste Mal aus irgendwelchen Gründen nicht pünktlich zu meinem Therapietermin erscheinen konnte. Ist meiner Therapeutin übrigens auch schon passiert. So what. Ich versuche flexibel zu bleiben. Soft, durchlässig und keineswegs stählern und unerreichbar. Daran würde ich nur zerbrechen. Beziehungsweise bin ich daran schon öfter zerbrochen. Vieles ließ sich aber wieder fixen. Das Chaos wieder in Ordnung bringen.</p>
<p>In dem Buch „Ungezähmt“, von der Bestsellerautorin Glennon Doyle, heißt es: „Es gibt zwei Arten von Ordnungen der Dinge. &#8222;Die Sichtbare und die Unsichtbare“. Als sichtbare Ordnung beschreibt Doyle einen gesamtgesellschaftlichen Blick auf die Dinge. „So ist es“. In meinem Fall mit der Tür, Glaubenssätze wie: „Das schaffst du eh nicht. Was werden die Nachbar:innen denken. Ruf lieber den Schlüsseldienst und zahle 80 Euro. Selbst Schuld.“ Glaubenssätze, die ich als Kind verinnerlicht habe. Meistens von erwachsenen Autoritäts- und Bezugspersonen, die in ihrer Kindheit diese Glaubenssätze verinnerlicht haben. Von meinen Eltern, Großeltern, Lehrer:innen oder Trainer:innen im Sport. Meistens von erwachsenen Autoritäts- und Bezugspersonen, die in ihrer Kindheit diese Glaubenssätze verinnerlicht haben. Und nicht selten erwische ich mich dabei, dass ich auf Arbeit als Erzieher anderen Kindern ähnliche Glaubenssätze mitteile. Und jetzt: Wie lösen wir uns davon?</p>
<p>Der Elefant im Raum heißt „Emanzipation“ und definiert die Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit; Selbstständigkeit. Gleichstellung. Also in meinem Beispiel die Umformung der Glaubenssätze in: „Du schaffst das. Du kannst es den Nachbar:innen erklären. Dann liegt es an ihnen, es zu verstehen. Du kannst dich selbst aus der Situation befreien, auch ohne Geld. Und selbst wenn du nicht erfolgreich bist, es ist nicht Deine Schuld. Es hätte auch Deinem Nachbarn passieren können“. Doyle schreibt hier von der unsichtbaren Ordnung in unserem Inneren. „Es ist die Vision einer wahrhaftigen, schöneren Welt, die wir in unserer Vorstellung mit uns tragen.<br />
Ich glaube, wenn wir diese Vorstellungskraft nicht fühlen können oder uns durch zum Beispiel die bewusste oder unbewusste Unterdrückung unserer Gefühle der Zugang zu unserem Inneren verwehrt ist, dann ertränken wir uns sprichwörtlich in unserem eigenen Leid. Wir verharren in der Opferrolle und verlieren das, was unter all dem „Erwachsenseinkram“ in die hinterste Ecke unseres Bewusstseins verschwindet. Unsere Träume, das, was wir fühlen, erschaffen wollen und die Welt damit verändern wollen.</p>
<p>Unter all diesen Unruhen im Außen und dem ständigen Kampf nach „Gehör finden“ werden wir taub. Taub für unsere Gefühle und für das, was zu jeder Zeit und an jedem Ort in uns ist. Die Möglichkeit, abzutauchen in unsere inneren Welten, in die unsichtbare Ordnung, frei von Krieg, Pandemie, Patriarchat und Kampf und dort innere Ruhe wahrzunehmen. Tief unten am Meeresgrund spüren wir nicht die Welle, die oben das Schiff überschwemmt und zum Sinken bringt. Tief unten können wir in Ruhe an uns und an dem, was uns wichtig ist, arbeiten. Und wenn wir wollen und und es uns möglich ist, dann tragen wir es an die Oberfläche und lassen es selbstständig und frei schwimmen. Sollte es untergehen, dann fixen wir es wieder. Mit dem Wissen: Tief unten im Inneren haben wir die Ruhe dafür.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Behutsam formuliert</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/11/behutsam-formuliert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tom Louis]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Nov 2022 09:55:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Ally]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir freuen uns, mit Tom einen neuen Autor auf meinTestgelände zu begrüßen. In seinem ersten Text erzählt er, wie sein Umzug nach Leipzig ihn herausforderte, sich mit vielfältigsten Geschlechterfragen zu beschäftigen und aus voller Überzeugung ein Ally zu werden. Ich bin ziemlich behütet in einer Kleinstadt in Baden-Württemberg aufgewachsen. Ich mache gerne Witze darüber, wie]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir freuen uns, mit Tom einen neuen Autor auf meinTestgelände zu begrüßen. In seinem ersten Text erzählt er, wie sein Umzug nach Leipzig ihn herausforderte, sich mit vielfältigsten Geschlechterfragen zu beschäftigen und aus voller Überzeugung ein Ally zu werden.</strong><span id="more-15139"></span></p>
<p>Ich bin ziemlich behütet in einer Kleinstadt in Baden-Württemberg aufgewachsen. Ich mache gerne Witze darüber, wie heil meine kleine Welt war. Einfamilienhäuser, frisch geteerte Straßen, perfekt zum Longboard fahren, hübsche Parks und alle Probleme waren irgendwie kleiner als sonst wo. Den meisten Menschen dort geht es ziemlich gut, ich bin mir aber nicht sicher, ob ihnen das klar ist.<br />
Als meine Eltern noch zusammen waren, waren die Rollen ziemlich geschlechterspezifisch aufgeteilt: Mom zu Hause, Dad viel am arbeiten. Ich hatte trotzdem das Gefühl, dass die beiden zumindest in Erziehungsfragen relativ gleichberechtigt agiert haben. Als ich 8 war, haben sich die beiden getrennt. Erstmal war das ein Schock aber die beiden haben es geschafft nicht zu kämpfen, sondern aufeinander zu achten und auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren.<br />
Mit 20 habe ich mich dazu entschieden nach Leipzig zu ziehen, vor allem wegen meines Bruders aber natürlich auch wegen der Gastro-Szene und der Raves.<br />
Als ich hier her zog war Winter. Alles war ein bisschen kaputter als zu Hause und die Leute im Osten kamen mir weniger redseelig vor als in der Heimat, dafür wurde über andere Sachen geredet.<br />
Mir war nicht bewusst, in welche politischen Diskurse ich reingezogen werden würde, von denen ich bis dato keinen oder wenig Plan hatte.<br />
Das Geschlechterdiskurse Teil der Identität einer ganzen Stadt sein können hat mich überrascht.<br />
Ich musste erstmal anfangen Akronyme zu googlen. Das fing bei der Suche nach einem WG Zimmer an: „Wir sind eine FLINTA WG“ oder „LGBTIQ friendly“. Zum Glück wusste ich wenigstens was ein „cis-Mann“ ist.<br />
Am Anfang musste ich ziemlich oft nachfragen und mittlerweile weiß ich was Intersektionalität ist.<br />
Ich bin kein politisch aktiver Mensch, ich gehe nicht häufig auf Veranstaltungen, Plena oder auf Demos aber ich bin politisch interessiert.<br />
Zunächst habe ich in dieser Stadt, die ständig um irgendetwas zu kämpfen scheint, nach meinem eigenen Kampf gesucht, nur um festzustellen, dass ich keinen habe.<br />
Es geht mir gut, ich bin ein mittelgroßer, heterosexueller, weißer, ganz gut aussehender, cis-Mann der ein freundschaftliches und familiäres Support-System hat. Ich habe keine Kämpfe auszutragen.<br />
Aber ich habe jede Menge Energie, die ich weitergeben kann. Weitergeben an die, die nicht das Glück haben, nicht kämpfen zu müssen.<br />
Ich kann ein Vokabular lernen, das Menschen respektiert und an meiner Achtsamkeit und meinen Kommunikationsskills arbeiten, um Menschen auf Augenhöhe begegnen zu können. Ich kann zuhören und aktiv nachfragen, wenn ich unsicher bin. Ich hatte oft Angst vor dem Nachfragen. Da ich selbst nicht in der queeren Szene unterwegs bin, will ich natürlich nicht der komische cis-Typ sein, der Leuten die Laune mit seinen Nachfragen verdirbt. Hier kann ich allen, die gerade noch so planlos sind, wie ich es mal war, nur raten, dass sie sich vor dem Nachfragen genau überlegen, ob die Situation dafür gerade angemessen ist.<br />
Was mir viel comfort gegeben hat, war herauszufinden, dass es okay ist, wenn man nicht in allen Bereichen informiert ist aber vor allem tat es gut zu verstehen, dass man nicht bei jedem Thema eine vollendete, ausgefeilte Meinung haben muss.<br />
Man kann sich in politische Kreise begeben, ohne betroffen zu sein. Man muss nicht über alles Bescheid wissen und man muss auch nicht jede Position sofort annehmen aber man kann zuhören und Respekt zeigen, das habe ich von meinen Eltern gelernt. Man kann sich bemühen, einfach kein Arschloch zu sein.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Männlich sein</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/09/maennlich-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tobias Wendorf]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Sep 2022 14:05:05 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Männerbild]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir freuen uns über Tobi`s ersten Text auf meinTestgelände. Darin schreibt er über sich, der als weißer CIS Mann seine Männlichkeit reflektiert und dabei feststellt, dass alles Unmännliche an ihm genau das ist, was ihn als Menschen ausmacht. Männlichkeit. Ein Wort das in meinem Kopf nie so eine starke Rolle gespielt hat. Aber dennoch einen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir freuen uns über Tobi`s ersten Text auf meinTestgelände. Darin schreibt er über sich, der als weißer CIS Mann seine Männlichkeit reflektiert und dabei feststellt, dass alles Unmännliche an ihm genau das ist, was ihn als Menschen ausmacht.</strong></p>
<p><span id="more-15019"></span></p>
<p>Männlichkeit. Ein Wort das in meinem Kopf nie so eine starke Rolle gespielt hat. Aber dennoch einen großen Teil meines bisherigen Lebens beeinflusst hat. Bis heute fällt es mir schwer mich als den Mann zu sehen, den ich von außen wahrnehmen kann. Ein weißer CIS Mann. Oft werde ich von vielen Menschen so bezeichnet. Klar ich fühle mich wohl in meiner eigenen Haut, fühle mich meinem Geschlecht zugeordnet und von außen betrachtet habe ich einen Körper, der sehr athletisch aussieht und als sehr „männlich“ wahrgenommen wird.<br />
Schon während meiner Schulzeit wurde mir von meinen Mitschülern gesagt, ich sehe so stark und männlich aus und solle doch Model werden und ich werde niemals Probleme mit Frauen haben und diese würden mir nur so hinterherlaufen. Aber ich habe mich schon immer in diesen Momenten total unwohl gefühlt und kann mich selbst gar nicht mit der Bezeichnung CIS Mann identifizieren. In diesen Momenten weiß ich aber auch gar nicht, was ich sagen soll, denn rein von der Bezeichnung trifft es ja auf mich zu. Aber mich stört einfach daran, dass ich in diesem Moment nur auf mein Äußeres runter gebrochen werde. Und meine inneren Werte, Gefühle, Emotionen und all die Dinge, die einen Menschen wirklich ausmachen, außen vor gelassen werden. Dabei kann ich jetzt auch nicht definieren, welche davon männlich oder weiblich sind. Aber ich stelle mir auch immer wieder die Frage, ob ich das eigentlich wirklich muss. Denn für mich spielt das überhaupt keine Rolle.<br />
Ich finde es auch echt schade, dass sich diese ganzen Rollenbilder entwickelt haben und so viele Menschen negativ dadurch beeinflusst werden. Selbst ich bin davon betroffen, obwohl ich eigentlich nie wirklich Diskriminierung erfahren habe auf Grund meines äußerlichen Erscheinungsbildes. Sondern viel mehr Probleme habe, mich als den Mann zu definieren, als der ich gesehen werde und mit den Erwartungen der Gesellschaft weniger gut zurechtkomme. Ich verdiene nicht viel Geld, bin beruflich nicht wirklich erfolgreich, fahre kein schickes Auto, bin eher ein ruhiger Typ auf Partys, trinke nicht wirklich gerne Alkohol und bin auch nicht an sportlichen Wettbewerben interessiert.<br />
Aber ich meine was heißt es denn überhaupt, männlich oder weiblich auszusehen und zu sein? Die Vorstellungen, die wir in unseren Köpfen haben, sind so stark von den Dingen beeinflusst, denen wir im täglichen Leben ausgesetzt sind, den sozialen Medien, Filmen etc. und vielen von uns wird schon von klein auf ein klares Bild in den Kopf gesetzt. Ich bin natürlich auch nicht komplett befreit von diesen Einflüssen und bin dem ganzen zum Opfer gefallen. Vor allem, wenn es zu dem Thema toxischer Männlichkeit kommt, vor allem, wenn es um Pornografie geht. Ich bin schon viel zu früh als kleiner Junge damit in Kontakt gekommen. Ein Teil von mir ist sehr erregt von den ganzen Bildern, aber gleichzeitig fühle ich mich total unwohl bei dem Gedanken, selbst in dieser Rolle des Mannes zu sein und auf diese Arten und Weisen Sex zu haben. Mir fehlt dabei einfach das Romantische, Intime und der Mann steht dabei viel zu sehr im Vordergrund. Ich könnte niemals meine „Männlichkeit“ ausnutzen, nur, um jemanden ins Bett zu kriegen und würde niemals meinen Partner betrügen oder schlecht behandeln. Aber auch wenn es um den Druck der Gesellschaft geht, der mir als Mann aufgelegt wurde, einen gut bezahlten Job zu haben, eine schöne Frau an meiner Seite und dabei noch sportlichen Erfolg zu haben. Mir ist es lange Zeit erstaunlich schwer gefallen, auf Frauen zuzugehen und ich war sehr schüchtern während meiner Jugend. Als kleiner Junge habe ich damals mit meinem besten Freund die ersten sexuellen Erfahrungen gemacht, aber damals wussten wir noch gar nicht, was wir da machen und waren und habe es als spielen wahrgenommen. Wir haben uns keine Gedanken darüber gemacht, was die Gesellschaft eigentlich darüber denkt und waren noch komplett frei von den negativen Einflüssen. Mit 23 habe ich dann zum ersten Mal mit einer Frau geschlafen. Dabei wurde es mir auch nicht leicht gemacht, mir wurde gesagt ich sei zu nett und würde lieber nur mit mir befreunden sein. Was mir so gut wie immer während der Zeit nach der Schule erzählt wurde.<br />
Also eigentlich entspreche ich nur äußerlich den von der Gesellschaft auferlegten Erwartungen an den Mann. Dabei mache ich viel weniger Sport, um mein Ego zu puschen und muskulöser auszusehen, sondern viel mehr, um meinen Körper und die Psyche gesund zu halten. Ich möchte auch nicht an Wettbewerben teilnehmen und es geht mir auch nicht ums Gewinnen. Sondern viel mehr um das Spielerische, Spaß daran zu haben sich zu bewegen, auch mal blöd auszusehen und aus seinen Fehlern zu lernen.<br />
Zwischen all den Einflüssen versuche ich mein bestes mich davor zu schützen und jeden Menschen ob männlich, weiblich oder welchem anderen Geschlecht man sich zugehörig fühlt, immer ohne Wertung gegenüber zu treten und mit Respekt und Mitgefühl zu behandeln.<br />
Dabei bin ich grade noch komplett am Anfang in meinem neuen Lebensabschnitt, mich in all dem Chaos zurecht zu finden. Mir ist bewusst geworden, dass die Charakterzüge in mir, die ich immer als Schwächen wahrgenommen habe, in Wirklichkeit meine Stärken sind. Mit seinen Emotionen in Kontakt zu sein, Menschen zuzuhören, nicht dem Ego zu folgen, sondern seinem Herzen. Auf meiner Reise möchte ich mehr mit meiner männlichen sowie weiblichen Seite in Kontakt treten und herausfinden, was es wirklich heißt, ein Mann in dieser Gesellschaft zu sein. Mich weniger von den negativen Einflüssen runterziehen zu lassen und mehr für die Menschen, denen es auf Grund von den Einflüssen und Diskriminierung wirklich schwer fällt, da zu sein.<br />
Ich möchte meine Männlichkeit neu definieren.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zurück in die Höhle (eine Kurztopographie)</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/08/zurueck-in-die-hoehle-eine-kurztopographie/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anton August Dudda]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Aug 2022 14:39:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Denken wir an Hetreo-cis-Beziehungen und daran, wie ein solches Paar seine Wohnung einrichtet, entscheidet stereotyp die Frau über Möbel und Dekoration. Als Reaktion darauf entstand in den letzten Jahren das Konzept der Mancaves, einem Rückzugsraum für Männer, in dem sie über Interior, Nutzung und Zutritt entscheiden. Anton hat sich intensiver mit diesem Phänomen beschäftigt und]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body"><strong>Denken wir an Hetreo-cis-Beziehungen und daran, wie ein solches Paar seine Wohnung einrichtet, entscheidet stereotyp die Frau über Möbel und Dekoration. Als Reaktion darauf entstand in den letzten Jahren das Konzept der Mancaves, einem Rückzugsraum für Männer, in dem sie über Interior, Nutzung und Zutritt entscheiden. Anton hat sich intensiver mit diesem Phänomen beschäftigt und beschreibt, was Mancaves mit Macht, Feminismus und Gleichberechtigung zu tun haben.</strong></p>
<p><span id="more-14964"></span></p>
<p>Seit bereits einigen Jahren geistert durch die diskursiven Welten des Internets einschließlich ihrer Wechselwirkungen mit unserer Wahrnehmung der „realen“ Gesellschaft das Konzept der sogenannten Mancaves, welches Räume, zumeist Zimmer einer Wohnung oder eines Hauses beschreibt, deren Aufbau, Ästhetik und Zweckausstattung ganz auf die Bedürfnisse meist heterosexueller Männer ausgerichtet sind. Im Regelfall ist die Mancave zudem zugangsbeschränkt, im heteronormativen Familien- und Partnerschaftsverständnis ihrer Besitzer, dem sie offensichtlich entspringt, bildet sie einen Gegenort zu den Anforderungen an den Mann als Vater und Ehepartner und erlaubt daher keinen oder nur sehr begrenzten Zutritt für Frau und Kind, schließt aber vor allen Dingen und in jedem Fall deren Mitbestimmung über die Raumgestaltung aus. In der Mancave macht der Mann die Regeln. Wo wird was platziert, für welche Aktivitäten wird ausgestattet, was wird gegessen, was getrunken. Dem liegt eine Geste inne, welche eine klare Aussage transportiert. Der „Mann“ als solcher ist in seinem Habitus und in seiner Gestaltungsfreiheit und Deutungshoheit so weit aus der öffentlichen und sogar privaten, familiären Sphäre zurückgedrängt, dass er sich Refugien schaffen muss, die es ihm erlauben, seinen Bedürfnissen nachzugehen und gleichzeitig vor der Intervention, aber auch den wertenden Blicken der nicht-männlichen Bevölkerung geschützt zu sein.</p>
<p>Das Konzept der Mancaves ist in mehrerlei Hinsicht interessant. Zum einen verdeutlicht es die Empfindsamkeit vieler Männer bezüglich ihrer Gefühle von Machtverlust, welche in einem ja tatsächlichen und auch beträchtlichen Weniger an gesellschaftlicher Macht und Autorität wurzeln, aber auch gleichzeitig jene Erfolge der Emanzipation deutlich größer und bedrohlicher erscheinen lassen, als sie es tatsächlich sind. Noch immer bestimmen heterosexuelle und cisgeschlechtliche Männer zu großen Teilen die Diskurse außerhalb der identitätspolitischen Debatten und vor allem konzentriert sich in ihren Händen der wesentliche Teil politischer und wirtschaftlicher Macht. Ad hoc kann man hier ein systemisches Missverständnis unterstellen. Das Gefühl des Verlustes von Selbst-und Mitbestimmung ist als valide anzuerkennen. Es ist nur in Perspektive zu setzen, dass nicht „die Frau“ oder „Die Emanzipation“ die Gestaltungsfreiheit der meisten Männer einschränkt, sondern ein Verlust an gestaltbarer Freizeit, demokratischer Partizipation und wirtschaftlicher Aufstiegschancen, grade in den USA, wo das Konzept der Mancaves (darauf weist ja auch schon der englische Name) in der Form wie unsere Diskurse es übernommen haben, seine Wurzeln hat. Leider werden die gesellschafts- und identitätspolitischen Positionen dort wie auch bei uns von konservativer und reaktionärer Seite mit diesen ökonomischen und politischen Deliberalisierungen assoziiert, was einerseits auf die hetzerische Rhetorik rechter und libertärer Demagogen zurückzuführen ist, welche die Unsicherheiten der Unter- und Mittelschicht als Vehikel für ihre Ideologien (recht erfolgreich) zu instrumentalisieren versuchen, anderseits aber auch im mitunter stark ins neoliberale tendierenden Liberalfeminismus begründet liegt, welcher nicht vielmehr zu leisten imstande ist, als eine ohnehin<br />
bereits privilegierte Klasse (oft weißer) Frauen vor einigen Gefahren zu schützen und ihnen die letzten wirtschaftlichen Ketten zu sprengen, aber für den Rest der Bevölkerung allenfalls das Gefühl der Emanzipation erzeugt, indem es zwar Repräsentation, aber keine Befreiung schafft. Diese scheinbare Verschwörung des Feminismus mit den systemischen Entmündigungstendenzen schafft jene Gefühle der Delegitimation und Machtlosigkeit, welche offenbar stark genug sind, den Mann buchstäblich zurück in die Höhle zu treiben.</p>
<p>Der zweite interessante Aspekt betrifft nun die Ausgestaltung der Mancave, ihre Ornamentik, wenn man so will. Denn so sehr wahrscheinlich die meisten Männer, welche sich eine solche Rückzugshöhle zulegen, damit einhergehend der Überzeugung sein werden, es handele sich um so etwas wie eine natürliche und intuitive Ästhetik innerhalb derer Männer eben so sein können „wie sie sind“, muss man selbstverständlich genauer hinschauen. Zufällig ist nichts daran und kann es auch garnicht sein. Im Gegenteil, die Objekte und Ornamente, die Aktivitäten und Regeln der Mancave sind nach sehr feinen Regeln gegliedert und miteinander ins Verhältnis gesetzt, welche so tief in die Intuition ihrer Gestalter gewandert sind, dass sie das Gefühl bekommen, es läge ihnen in der Natur. Erstens muss festgehalten werden, dass die Mancave, wenn man über sie redet, grade so wie ich, wie ich grade beim Formulieren über sie nachdenke, uns als ein realer Ort vor Augen tritt, ein Zimmer, in das man gehen, sich aufhalten und das man verlassen kann. Doch dies ist schon eine Interpretation des Konzeptes und damit ein spannendes Missverständnis. Denn die Mancave ist zuallererst ein gedachter Raum, man könnte sagen, eine Utopie. In der Fantasievorstellung ordnen sich in der Mancave die Dinge, die Menschen und Tätigkeiten zu einem Orchester wohltemperierter Männlichkeit, wobei die Temperatur beliebig austariert werden kann. Der eine wünscht sich den schlichten, modernen Stil eines Businessapartments, der andere Romantik aus rauen Naturwerkstoffen, ein dritter den hemmungslosen Materialismus, das ästhetische Thema kann sich dabei auf alles fokussieren, was dem Besitzer als potenzieller Hort maskuliner Dominanz ins Bewusstsein kommt und was ihm als durch das Vorrücken vermeintlich femininer Zugriffe bedroht erscheint. Gaming, Sport, Sex, Handwerk sind Beispiele, die einem sofort in den Sinn kommen, aber das Unbehagen des Machtverlustes kann sich auf so ziemlich jedes Hobby, jeden Aspekt des öffentlichen Lebens, jeden körperlichen Genuss beziehen. Dies unterscheidet die Mancave auch von dem für einen Vergleich naheliegenden Konzept des Hobbyraumes, welcher ganz auf eine Aktivität ausgerichtet und in unterschiedlichem Maße für sie optimiert ist. Der Hobbyraum ist ein genuin praktisches Konzept, die Mancave ist hingegen ein sinnliches, welches Gefühle und Assoziationen einhegt und wie ein Zerrspiegel die reale Welt und ihre durch verschiedene Kräfte gewachsenen Verhältnisse zu einem Artefakt derealisiert. Faszinierenderweise, so wird in einem Zeit-Online Artikel von 2020 der Soziologe Tristan Bridges zitiert, scheitert die Mancave nur allzu häufig an ihrer tatsächlichen Entstehung. Oft sind einfach Kellerräume, Garagen oder Kammern als potenzielle Mancave auserkoren, bleiben aber stecken im Stadium der virtuellen Ausgestaltung, realisiert nur durch rudimentäre Andeutungen wie einer Bar aus zwei Kunststoffässern und einem Holzbrett. Tatsächlich realisierte Mancaves, wie man sie in Blogs, Videos oder Männermagazinen bewundern kann, haben dann stets etwas merkwürdig Irreales und nicht-örtliches an sich, sind oft völlig menschenleer, unangenehm aufgeräumt und sauber. Sie vermitteln wie alle Nicht-Orte das Gefühl, ein Schatten der Realität zu sein, ein gestaltetes Objekt, dem der Hauch des Lebens fehlt, wie ein blutleerer Körper oder ein Wald ohne Vogelgesang. Sie entlarven in ihrem Versuch, sie zu rekonstituieren, unfreiwillig die Leere, welche hinter der aufgeblasenen Hülle der Maskulinität klafft und verweisen auf eine der größten unbewussten Triebfedern des modernen Antifeminismus: der existenziellen Angst vor dem Nichts.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Colorful</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/06/colorful/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[RobinO]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Jun 2022 09:11:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
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					<description><![CDATA[RobinO ist neuer Autor auf meinTestgelände – herzlich Willkommen! In seinem ersten Text schreibt er über das Aufwachsen in einem bayrischen Dorf als Kind mit dunkler Haut. Er ist “aus zwei verschiedenen Welten, doch zu keiner wirklich dazu gehörend”. RobinO hat viel Alltagsrassismus erlebt: in Deutschland ist er “der Ausländer”, in Nigeria “der Weiße”. Wie]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body"><strong>RobinO ist neuer Autor auf meinTestgelände – herzlich Willkommen! In seinem ersten Text schreibt er über das Aufwachsen in einem bayrischen Dorf als Kind mit dunkler Haut. Er ist “aus zwei verschiedenen Welten, doch zu keiner wirklich dazu gehörend”. RobinO hat viel Alltagsrassismus erlebt: in Deutschland ist er “der Ausländer”, in Nigeria “der Weiße”. Wie schwierig eine Einordnung in Nationalitäten ist, beschreibt er im Beitrag. </strong></p>
<p><span id="more-14930"></span></p>
<p><em>Halb halb, aus zwei verschiedenen Welten, doch zu keiner wirklich dazu gehörend &#8211; so denke und fühle ich. Stört es mich?</em></p>
<p>Norden &#8211; Westen</p>
<p>Ich bin braun – schwarz – dunkel – maximalpigmentiert – farbig – Mischling oder einfach „anders“. So in einem „weißen Dorf“ aufzuwachsen, das ist schwer zu beschreiben. Rückblickend habe ich in der zweiten Klasse angefangen wirklich zu merken, dass mein Zwillingsbruder und ich anders sind, als die meisten um uns herum. In dieser Zeit trennten sich unsere Eltern und wir zogen mit unserer Mutter aus der Stadt aufs Land.<br />
Als die ersten Kinder aus unserer neuen Umgebung begannen interessiert Fragen bezüglich meiner Haut, meinen Haaren und Herkunft zu stellen, kamen später Witze und Beleidigungen dazu, bis hin zu meiner Klassenlehrerin, die meiner Mutter erklären wollte: „Ausländerkinder gehen nicht auf eine Weiterführende – sondern auf die Hauptschule!“ (Damals war das die Bezeichnung für jene Schulen.)<br />
Nach kurzer Zeit waren wir in der Umgebung bekannt, spielten Fußball im Verein und lebten ein quasi sorgenfreies Leben inmitten viel schöner Natur und wohlhabenden, konservativen Menschen. Ich hatte über die Jahre ein paar sehr gute Freund/innen und viele Bekannte.<br />
Alltagsrassismus ist vor allem rückblickend allgegenwärtig gewesen: „Hey, ich darf Neger sagen. Du weißt doch wie ich es meine. Wir sagen das schon immer hier…“. Oder, dass alle schwarzen Männer große Penisse hätten und ich mich glücklich schätzen könne schwarz zu sein. Dass fremde Menschen meine Haare anfassen wollten, war schon in ganz frühen Jahren normal.<br />
Oft fühlte ich mich verunsichert, da ich keine Feindseligkeit, sondern Interesse ohne das nötige Feingefühl spürte. Und da ich niemandem vor den Kopf stoßen, sondern gemocht werden wollte, grinste ich zumeist und ließ alles unkommentiert stehen und geschehen.<br />
Exotisiert zu werden ist für mich einerseits das Gefühl sich begehrt zu fühlen, andererseits aber sehr oberflächlich in eine Schublade gesteckt zu werden.<br />
„Ich wäre so gerne schwarz“ höre ich auch des Öfteren. Die sowohl gesellschaftlichen als auch rassistischen Probleme und Strukturen sind dabei nicht mal in der Peripherie des/der Sprechenden. Ganz zu schweigen von der Kolonialzeit und deren Folgen.<br />
Es kam immer wieder zu Situationen und sich wiederholenden Szenarien, die mich irgendwann dazu bewegten, mich auf eine gewisse Art anzupassen, vorsichtig zu werden und den Leuten zu sagen was sie hören wollen.<br />
„Woher kommst du?“ fragt mich jemand. Manchmal sage ich „aus Bayern“, ein andermal „von hier“ oder „von der Erde“, aber oft nehme ich den Leuten die nächste Frage aus dem Mund und sage: „Mum aus Deutschland – Dad aus Nigeria.“ Da Deutsch meine Muttersprache ist, haben sich weitere Fragen normalerweise erübrigt. Das passiert heute immer noch regelmäßig und ich habe noch keine generell zufriedenstellende Antwort gefunden.<br />
Lernt man jemanden kennen wird man gefühlt erstmal gemustert und einer Probe unterzogen. Diese bestehe ich zumeist, wenn ich mit den Menschen auf Deutsch spreche. Oft werde ich gelobt, wie toll ich doch integriert sei und dass es mehr „gute Ausländer“ wie mich geben solle.</p>
<p>Süden:</p>
<p>Bis zum achten Lebensjahr waren wir einige Male in Nigeria und besuchten unsere große Familie. Ich habe noch Eindrücke von damals. Einer davon war, dass kleine Kinder in unserem Alter, als sie uns sahen zum Spaß „Oyibo pepe“ sangen und in die Hände klatschten. Das bedeutet „weißer Pfeffer“ oder „westliche weiße Leute, die kein scharfes Essen vertragen“.<br />
Eine andere Erinnerung ist meine vielen Verwandten, die mir sagten, ich sei im Herzen Nigerianer und dies sei mein wahres Zuhause.</p>
<p>Mit 19 war ich nach über 10 Jahren wieder in Nigeria und mir wurde schnell bewusst, wie unterschiedlich diese beiden Welten sind. Jemand der/die nicht in Afrika war wird Schwierigkeiten haben das zu verstehen. Nun, mit „erwachsenem“ Verstand waren die Sinneseindrücke sehr viel umfangreicher. Ich spürte jeden Tag, dass mich auf der Straße viele Blicke trafen. Das lag daran, dass meine Haut heller ist als die der meisten. Somit ist das auch nicht verwunderlich.</p>
<p>Ich erinnere mich gut an Momente in denen mir Menschen „Ey White Man“ oder „Jesus“ (wegen meiner lange Haare?) hinterherriefen. Ich spürte dahinter kein Feindseligkeit oder verstand es nicht.<br />
Mir wird von meiner Familie in Lagos schwer davon abgeraten alleine auf die Straße zu gehen. Einmal schlich ich mich raus und merkte schnell, dass zwei Onkel mir unauffällig folgten. „Es ist nicht sicher für dich alleine, aber du bist hier Zuhause!“<br />
Getränke und Essen solle ich auf keinen Fall annehmen, wenn nicht jemand aus dem engen Kreis der Familie anwesend ist.<br />
Einer meiner Cousins formulierte es so: „Wenn die Menschen dich sehen, sehen ein paar von Ihnen Dollars, und da ein großer Teil der Bevölkerung in Armut lebt, könnte es passieren, dass jemand etwas versucht.“ „Hellhäutige Menschen werden oft als etwas besseres wahrgenommen. Hollywood hat dahingehend gute Arbeit geleistet, dass weiße Menschen, vor allem blond- und blauäugig, für einige Menschen mit dunkler Haut wie Engel erscheinen.“<br />
Einmal sagte meine Tante zu ihrer kleinen Tochter: „Je weißer deine Haut ist, desto besser wird dein Leben sein.“ Paradox, dass weiße Menschen dunkler, und manche dunkle Menschen heller sein möchten. Der Verkauf von „Weißungscreme“ steigt ebenso rasant wie Besuche im Solarium und dem damit verbundenen Hautkrebsrisiko. Eine leichte, schöne Strandbräune scheint für die meisten weißen Menschen ausreichend. Schwarze Haut ist, meiner Meinung, nach in einigen Teilen der „entwickelten“ Welt, neben leckerem Essen und heißblütiger Musik, eher und vor allem mit Gefahr und Armut verbunden.</p>
<p>Das Bild des „weißen, privilegierten Europäers“, als der ich manchmal in Nigeria gesehen werde, verstärkt mein Gefühl von Heimatlosigkeit, und ich verliere mich zwischen Individualität und Anpassung. Trotzdem liebe ich die Farben und Gerüche, die Musik und das Chaos, die Stimmen und die Wärme der Menschen, und spüre eine Verbundenheit zu diesem Teil der Welt.</p>
<p>Global:</p>
<p>Manchmal sehe ich mich als „Eufrikaner“, ein anderes mal als Deutscher, dann als Nigerianer, dann aber am liebsten nur als Mensch, unabhängig von einer Nationalität. Das nennt man wohl Identitätskrise…<br />
Wenn ich in der westlichen Welt bin und mit Menschen zu tun habe, die aus Afrika kommen, mache ich verschiedene Erfahrungen. Einerseits fühle ich mich nicht zugehörig. Sei es die Art wie ich mich bewege oder spreche, für viele bin ich halt ein „Bounty – außen schwarz – innen weiß“, privilegiert und ohne wirkliche Probleme im reichen Teil der Welt aufgewachsen. Diese Abneigung kann ich spüren und das fühlt sich natürlich nicht schön an.<br />
Andererseits erlebe ich sehr viel positives. Menschen behandeln mich liebevoll und möchten viel über meine Person und mein Leben wissen. Ich komme schnell mit verschiedensten Leuten ins Gespräch und mir gefällt, dass sich oft auf der Straße unter Fremden gegrüßt oder zumindest kurz zugenickt wird. Ein kurzes Wahrnehmen und Wertschätzen des anderen.<br />
Ich hatte die Möglichkeit einige Jahre lang durch die Welt zu reisen und verschiedene Kontinente und Kulturen kennenzulernen. Dies war neben großer Neugier auch eine Flucht ins Ungewisse auf der Suche nach… nach was eigentlich? Einer Identität?<br />
Schnell kam die Erkenntnis, dass ich überall der „bunte Hund“ bin und Menschen aller Länder ähnliche Vorurteile haben. Dies öffnete mir, trotz anfänglicher Ernüchterung, viele Türen und ließ mich großartige Eindrücke in anderen Lebenswelten machen.<br />
Kuba war der erste Ort, an dem ich nicht durch meine äußerlichen Merkmale auffiel. Das war in den ersten Tagen merkwürdig, bis ich bemerkte, wie gut es tut sich durch die Straßen zu bewegen und nicht aufzufallen. Anfangs hatte ich mit meinem Selbstbewusstsein zu kämpfen, da mir die Aufmerksamkeit fehlte. Nach kurzer Zeit fand ich Gefallen daran, einer von vielen zu sein und Gefühle von Heimat, Fremde, Individualität und Anpassung begannen zu verschmelzen und ein wohliges Gefühl auszulösen. Sobald ich zu sprechen begann, hörten die Menschen natürlich, dass ich nicht aus Kuba komme, und altbekannte Muster wurden sichtbar.<br />
Trotzdem war es sehr schön ein wenig in der Illusion zu schwelgen und es half mir auf meinem Weg, mich mehr zu akzeptieren und meine Position zwischen den Stühlen immer wieder aufs Neue wertzuschätzen und zu lieben.<br />
Im Leben suche ich Balance. Das verlangt manchmal viel von mir ab und ich merke, dass ich es nicht allen recht machen kann und muss. Wut, Verzweiflung und Einsamkeit sind somit auch Begleiter auf meiner emotionalen/irdischen Reise.<br />
Gesunde, empathische Beziehungen, Respekt und Zuversicht lassen mich mittlerweile recht unbeschwert meinen Weg gehen. Dabei versuche ich Negatives nicht auszublenden oder zu vergessen, sondern anzunehmen und zu transformieren.<br />
Mir ist bewusst, dass jeder Mensch auf seiner individuellen Reise eigene Hürden zu überwinden hat und viele Schicksale im Strudel der Welt untergehen.<br />
Ich kann nur über meine Erfahrungen sprechen, und hoffen, ähnlich Gesinnte und Interessierte auf einer verständnisvollen Ebene zu erreichen und von deren Erkenntnissen zu lernen.</p>
<p>Awoso* ( heißt danke auf Igarra )</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wann ist ein Mann ein Mann?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/02/wann-ist-ein-mann-ein-mann-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[HeRoes]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 03 Feb 2022 13:24:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Dürfen Männer bei Filmen weinen? Vielen wird beigebracht: Nein. Emotionen zeigen und den Gefühlen freien Lauf lassen geht nicht &#8211; ein Mann muss stark sein. Aber warum eigentlich? Im Video der HeRoes Duisburg fragt sich Memo genau das &#8211; “Warum müssen Männer immer stark sein? Ist das gesund?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dürfen Männer bei Filmen weinen? Vielen wird beigebracht: Nein. Emotionen zeigen und den Gefühlen freien Lauf lassen geht nicht &#8211; ein Mann muss stark sein. Aber warum eigentlich? Im Video der HeRoes Duisburg fragt sich Memo genau das &#8211; “Warum müssen Männer immer stark sein? Ist das gesund?</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Marsch</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/12/der-marsch/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anton August Dudda]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Dec 2021 07:00:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Jungen]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;Meine Jungs sind Kiesel im Atlantik. Meine Jungs werden in zwei Millionen Jahren als Sand an die Deiche gespült.&#8220; Wie es dazu kommt? Das lest ihr heute in einem neuen Text unseres Autors Anton August Dudda. Lyrik oder Prosa? Fiktion oder Realität? Gar nicht so leicht herauszufinden. Wer sind &#8222;seine Jungs&#8220;? Wohin führt sie der]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>&#8222;Meine Jungs sind Kiesel im Atlantik. Meine Jungs werden in zwei Millionen Jahren als Sand an die Deiche gespült.&#8220; Wie es dazu kommt? Das lest ihr heute in einem neuen Text unseres Autors Anton August Dudda. Lyrik oder Prosa? Fiktion oder Realität? Gar nicht so leicht herauszufinden. Wer sind &#8222;seine Jungs&#8220;? Wohin führt sie der Marsch? Findet es selbst heraus:</b></p>
<p><span id="more-14362"></span></p>
<p>Eins, zwei, drei, vier.</p>
<p>Meine Jungs marschieren durch die Gassen, gleich im Schritt und schweren Fußes.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Eins, zwei, drei, vier.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die Leute gucken, doch meine Jungs gucken nicht zurück, meine Jungs gucken sich nur immer gegenseitig ins Gesicht, wenn einer singt, singen die anderen mit, wenn einer lacht, lacht der ganze Trupp. Meinen Jungs gehören all diese Häuser, diese Straßen und die Leute. Eigentlich. Eigentlich gehört uns all das, sagen meine Jungs im Chor.</p>
<p>Eins, zwei.</p>
<p>Meine Jungs sind bei mir.</p>
<p>Drei, vier.</p>
<p>Ich fühle mich frei, hier bei meinen Jungs. Denn solange ich bei meinen Jungs bin, wird mir alles verziehen. Solange meine Jungs bei mir sind, darf ich tun, was ich will. Denn es sind meine Jungs, die bestimmen über richtig und falsch, denn meine Jungs sind die Anarchisten, die Politiker, die Faschisten, die Polizisten, die Manager und Fußballer. Meine Jungs können alles sein, wenn sie es nur wollen, denn meine Jungs können sich nur selbst im Wege stehen.</p>
<p>Eins, zwei, drei, vier.</p>
<p>Kein Mensch traut sich, meine Jungs aufzuhalten. Der Ruf nach Freiheit, den meine Jungs ausstoßen und der sich wie ein Echo von Körper zu Körper wirft, sich tausendfach multipliziert, kann Lawinen auslösen, Berge zum Wanken und Zivilisationen zum Einsturz bringen. Meine Jungs kennen nur das Vorwärts, meine Jungs sind das Blut und das Fleisch, der Kolben und das Motoröl, sie sind eine gewaltige Erfindung von sich selbst, gebaut, um sich zu vereinen, gebaut, um zu erschaffen, gebaut, um zu herrschen, gebaut, um zu zerstören.</p>
<p>Eins, zwei, drei, vier.</p>
<p>Der Takt, zu dem meine Jungs marschieren, ist der Klang ihrer Schuhe auf dem Asphalt. Er kann nicht langsamer werden, er ist wie ein Rausch. Wie Vögel im Schwarm, wechseln meine Jungs sich ab in der ersten Reihe, um den anderen ihren Windschatten zu geben, unter meinen Jungs wird niemand ausgegrenzt. Meine Jungs grenzen mich nicht aus. Wenn meine Jungs die Grenzen der Stadt erreicht haben, dann marschieren sie weiter. Sie reißen Schneisen in die großen Wälder, fressen alles was sie finden können. Hinter meinen Jungs ist verbrannte Erde. Niemand kann meinen Jungs folgen.</p>
<p>Eins, zwei, drei, vier.</p>
<p>Meine Jungs sind so schnell, unter ihren Schritten vibriert das Gestein und bricht entzwei, ein paar meiner Jungs geraten aus dem Gleichgewicht, fallen über das lockere Geröll, schlagen sich die Schädel auf, brechen sich die Beine, doch der Sog zieht sie unerbittlich mit, meine Jungs lassen niemanden zurück, egal wie er auch darum betteln mag.</p>
<p>Eins, zwei, drei, vier.</p>
<p>Ich gehe mit meinen Jungs durch Dick und Dünn. Ihr Blut klebt an meiner Kleidung, mein Blut klebt an ihren Schuhen. Wir alle haben unser Blut auf der Zunge, schmecken uns gegenseitig wie entzündetes Zahnfleisch. Das Blut meiner Jungs schmeckt nach Salz und nach Eisen, das Blut macht meine Jungs so schnell wie nie.</p>
<p>Eins, zwei, drei, vier.</p>
<p>Der Blutrausch meiner Jungs treibt sie an, bis zu den höchsten Bergen, höher noch, der höchste Gipfel ist nicht hoch genug für meine Jungs. Unter meinen Jungs rollen die Steine aufwärts, fließt das Wasser in den Himmel, fällt der Schweiß meiner Jungs als Regen auf sie herunter. Meine Jungs glauben an sich, sie müssen sich nicht beweisen. Meine Jungs sagen, wo es langgeht.</p>
<p>Eins, zwei, drei, vier.</p>
<p>Das Land der Erde hat sich verformt zu einer Himmelsleiter, auf allen sieben Kontinenten marschieren meine Jungs empor, die Welt unter ihnen nichts mehr als ein Ball aus Wasser und über ihnen, Nichts.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Eins, zwei, drei, vier.</p>
<p>Die letzte Stufe ist erreicht und einer nach dem anderen fallen meine Jungs ins Bodenlose. Ihre Marschfüße strampeln hilflos in der Luft. Wie die Käfer nicht gemacht sind, auf dem Rücken zu liegen, so sind meine Jungs nicht dazu gemacht, zu fallen. Meine Jungs lachen. Lachen aus tausenden Kehlen, bis ihre Körper auf dem Salzwasser aufschlagen und in mehr Einzelteile zerspringen, als man zählen könnte.</p>
<p>Eins, zwei, drei, vier.</p>
<p>Meine Jungs sind Kiesel im Atlantik. Meine Jungs werden in zwei Millionen Jahren als Sand an die Deiche gespült.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Für den Fall, dass ihr den ersten, großartigen Text von Anton verpasst haben solltet: <a href="https://www.meintestgelaende.de/2021/09/das-kind-aus-einer-anderen-welt-und-sein-erstes-fussballtraining/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Hier entlang</strong></a>!</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Schönheitsideale &#038; Patriarchat: Jungs* im Jahr 2021</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/10/schoenheitsideale-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Moritz Mager]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 05 Oct 2021 07:00:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Jungen]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbilder]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=13448</guid>

					<description><![CDATA[Pünktlich zum neuen Monat begrüßen wir einen neuen Autoren auf meinTestgelände: Herzlich willkommen, Moritz Mager! Über sich selbst sagt Moritz: &#8222;Ich finde es total wichtig sich mit politischen Themen zu befassen und sich für Progressives einzusetzen. Antifaschismus. Antirassismus. Feminismus. Seit Beginn meiner Politisierung weiß ich, dass ich darüber reden und schreiben muss, da ist es doch]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Pünktlich zum neuen Monat begrüßen wir einen neuen Autoren auf meinTestgelände: Herzlich willkommen, Moritz Mager! Über sich selbst sagt Moritz: &#8222;Ich finde es total wichtig sich mit politischen Themen zu befassen und sich für Progressives einzusetzen. </strong><strong>Antifaschismus. Antirassismus. Feminismus.</strong> <strong>Seit Beginn meiner Politisierung weiß ich, dass ich darüber reden und schreiben muss, da ist es doch wunderbar, wenn es Chancen wie meinTestgelände gibt.&#8220;<br />
</strong><strong>Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen seines ersten Texts über Schönheitsideale für Jungs und Männer im Patriarchat. </strong></p>
<p><span id="more-13448"></span></p>
<p>Hoch gewachsen, breit gebaut, Muskulös, volles Haar, kantiges Gesicht, Jawline, große Hände und Markenkleidung. In meiner Oberstufe gab es genau einen Jungen der so aussah und mindestens ein dutzend Mädchen, die ihn offen begehrten. Das ist nicht mal zwei Jahre her.<br />
Das ist ja nichts verwerfliches, aber das heißt, dass es sie noch gibt, die klassischen Schönheitsideale für Jungs* und ich denke, dass sie auch niemand tot geglaubt hat. Zumindest für einen beträchtlichen Teil unserer erkrankten Gesellschaft.<br />
Diagnose: Patriarchat.<br />
Symptome: Vor allem Sexismus gegen weiblich gelesene Menschen, LGBTIQ+ und auch gegen alle anderen.<br />
Wirt der Krankheit: Alle „westlich“ sozialisierten Menschen, aber wahrscheinlich der allergrößte Teil der Menschheit insgesamt.<br />
Das sind ja erst mal sehr pessimistische Ansichten, sagt der Realist zum Pessimist. Der Optimist darf erst später sprechen.</p>
<p>Nun ist die Schulzeit aber auch ein sehr guter Nährboden für viele stereotypische Situationen.<br />
Schauen wir also Mal kurz über den Tellerrand der ersten großen Bubble. die uns so als Jugendliche*r vereinnahmt, hinaus. Und Bubble ist dabei ein ganz wichtiges Stichwort, denn in jedem sozialen Milieu, in jeder gesellschaftlicher Bubble, gibt es ganz verschiedene Schönheitsideale für Jungs*.<br />
Es ist wirklich nichts auszuschließen, das ist erst mal ganz wichtig festzuhalten in einer pluralistischen Gesellschaft die, vor allem bei jüngeren Menschen, maßgeblich von Social Media geprägt ist. Es gibt also kein richtiges Schönheitsideal und es ist auch nicht erstrebenswert, sich nach einem zu richten. Erstrebenswert ist, sich mit seinem Aussehen wohl zu fühlen und wenn dazu auch ein paar persönliche Ideale gehören, die nah am gesellschaftlichen Konsens liegen, ist das nicht schlimm. Es lässt sich aber auch nicht verneinen, dass es immer noch ideale Ansprüche an männlich gelesene Personen gibt.<br />
In Zeiten von einem „Body Positivity Movement“ auf Plattformen, die seit Jahren für eine verzerrte und unrealistische Wahrnehmung von Schönheitsidealen sorgen, scheint es so, als gehe es zum ersten Mal seit langem wieder in die richtige Richtung. Jungs* müssen nicht den muskulösesten Körper haben um einem Schönheitsideal gerecht zu werden. Und sobald mensch aus einem postpubertären Alter heraus ist, spielt meistens auch die Markenkleidung keine Rolle mehr, sie dient dann lediglich einem fiktiv oktroyiertem Statussymbol.<br />
In erster Linie ist es wichtig, dass man zufrieden mit sich selbst ist, und ja, das ist eine verdammt große Herausforderung.</p>
<p>Leider hält das Patriarchat auch nach der Pubertät und auch nach viel Reflexion einiges an grundlegenden Schönheitsidealen für Jungs* bereit. Da kommt auch schon wieder Social Media ins Spiel, geht ein heteronormativer junger erwachsener Mann auf Datingplattfpormen, die auf Oberflächlichkeit basieren, lernt Mann schnell, dass Mann vielleicht Stelzen braucht, denn auf einmal scheint die Größe das wichtigste Attribut zu sein. Ein Attribut auf das niemand Einfluss nehmen kann und ja Ansprüche an Ideale auf die niemand Einfluss hat gibt es noch viel öfter und auf andere Arten. Dazu sind solche Datingplattformen typisch für zahlreiche toxische Ansprüche.<br />
Besonders an dem Attribut Größe ist, dass es sich leider oft bis ins komplett reale Leben zieht und davon können sich auch manche linke Feminist*innen noch nicht freisprechen, so zumindest meine Erfahrung.<br />
Feminismus verfolgt, kurz gesagt, das Ziel die Geschlechterhierachien aufzuheben. Dabei wird Feminismus, vor allem von konservativer Seite aus, oft vorgeworfen Männerhass zu erzeugen. Ich halte Männerhass an manchen Stellen auch schon fast für gerechtfertigt. Worauf ich aber eigentlich hinaus möchte ist, dass Menschen die sich mit Feminismus beschäftigen, meist auch mit dem Begriff der „Toxic masculinity“ vertraut sind.</p>
<p>„Ein I****** kennt keinen Schmerz“, ein Elternsatz um kleinen Jungs* die Legitimation zum weinen zu nehmen. Ich persönlich kenne den Satz von meinem Vater.<br />
„Toxic masculinity“ bedeutet in etwa, dass Jungs* und Männer im Patriarchat Druck auf das eigene Geschlecht und dessen Bild erzeugen, wie also z.B. keine Emotionen offen zeigen zu dürfen. Aber das Prinzip lässt sich natürlich auch auf ein Schönheitsideal anwenden.<br />
Das fängt ja schon bei simplen Bizeps vergleichen an und in unausgesprochenen Dresscodes. Ich nehme zwar eine schleichend positivere Entwicklung in den letzten Jahren wahr aber bis es als normal gilt, dass ein Junge* einen Rock trägt, werden vermutlich noch Jahrzehnte ins Land gehen. Jedenfalls finde ich die kritische Sicht und das Erkennen von toxischer Männlichkeit in unserer Gesellschaft ist eine weitere wichtige Facette des Feminismus und damit auch ein unterbewertetes Argument für Feminismus. Abgesehen davon, dass ein Argument reicht.<br />
Der Kampf des Feminismus ist ein Kampf für Menschenrecht.</p>
<p>Der Optimist in mir springt auf, wie so oft in Texten wurde er vergessen. Bis jetzt.<br />
Ein aktuell hoch angehimmelter Wert im Sinne eines Schönheitsideals in der Gesellschaft bei Jungs* ist in gewisser Weise der Individualismus. Was bedeutet das?<br />
Es wird oft als besonders und unumstritten schön empfunden, etwas Besonderes an sich zu haben, sei es die Augenpartie, eine bestimmte Art die Haare zu tragen oder auch subversive Styleelemente wie z.B. Nagellack. Das Beste an diesem Ideal, „besonders sein“ ist, dass jeder von uns besonders ist und Besonderheiten subjektiv auf jeden Menschen wirken können.<br />
Jeder von uns Menschen ist irgendwie besonders schön für andere Menschen.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
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<li>Viele unserer Autor*innen setzen sich mit dem Thema Männlichkeit auseinander &#8211; <a href="https://www.meintestgelaende.de/schlagwort/maennlichkeit/" target="_blank" rel="noopener"><strong>hier findest du weitere Beiträge</strong></a>!</li>
</ul>
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		<title>cis oder stirb</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/09/cis-oder-stirb/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jungen* Wettbewerb 2021]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Sep 2021 07:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
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					<description><![CDATA[Isaak Eden schreibt über Geschlechterrollen, Hass, schädliche Erwartungen und Normen in unserer Gesellschaft, die nicht nur Frauen, sondern alle Geschlechter und damit auch Männer betreffen. Er plädiert für eine zarte Männlichkeit. Volle Zustimmung! Mit diesem Text hat er den 3. Platz bei unserem Jungen*Wettbewerb belegt. Wir gratulieren herzlich und wünschen euch viel Freude beim Lesen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="page" title="Page 1">
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<p><strong>Isaak Eden schreibt über Geschlechterrollen, Hass, schädliche Erwartungen und Normen in unserer Gesellschaft, die nicht nur Frauen, sondern alle Geschlechter und damit auch Männer betreffen. Er plädiert für eine zarte Männlichkeit. Volle Zustimmung! Mit diesem Text hat er den 3. Platz bei unserem Jungen*Wettbewerb belegt. Wir gratulieren herzlich und wünschen euch viel Freude beim Lesen.</strong></p>
<p><span id="more-13339"></span></p>
<p>Männer sollen in Deutschland 180cm groß sein, aber ich werde immer kompakte 170cm bleiben. Männer sollen einen Bart und stark behaarte Beine haben, aber mein Körper produziert eher wenig Haare. Sie sollen eine (also nicht mehrere oder keine) Frau heiraten, aber ich habe kein Interesse an Frauen, was über Freundschaft hinausgeht. Und zu guter Letzt sollen sie auch noch einen mittelgroßen Penis und zwei Hoden haben. Die cissexistische, patriarchale, deutsche Gesellschaft stellt eine Bandweite an Anforderungen an mich (und alle anderen Männer), bei deren Erfüllung jedoch ein angenehmes, sorgenfreies Leben wartet&#8230; oder? Oder?</p>
<p>Ich konnte und kann nur wenige Männlichkeits-Erwartungen erfüllen, was mich vor allem während meiner Schulzeit sehr deprimierte. Wie viele andere Jungs und Männer vor mir, dachte auch ich, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt, dass ich unmännlich sei, ein Mann zweiter Klasse, ein Mensch zweiter Klasse. Ich war wirklich fest davon überzeugt, dass ich eine schlechte Person sei, weil ich z.B. schon seit dem Kindergarten gerne pink trage, „obwohl“ ich doch ein Junge (bzw. jetzt Mann) bin.</p>
<p>Nachdem ich einige Menschen, Bücher und Dokumentationen im Internet kennengelernt hatte, wurde mir zum Glück bewusst, wie arbiträr und vor allem sinnlos und gewalttätig diese ganzen Männlichkeits-Ideale sind &#8211; warum zur Hölle gilt Queerness als unmännlich? Was sagt es über uns als Gesellschaft aus, wenn wir nur Personen mit Bartwuchs als Männer akzeptieren und somit (oftmals) trans* und inter* Männer abwerten?</p>
<p>Für feministische, gesunde, zarte Männlichkeit gibt es in der deutschen Mehrheitsgesellschaft einfach keine Grundlage, ganz im Gegenteil: Jungs, Kleinkindern und sogar Neugeborenen wird von den meisten (!) Eltern leider immer noch u. A. gesagt: „nein du darfst nicht damit spielen, weil das nur für Mädchen ist und ich keine trans* Frau als Kind haben möchte, wenn du dich im Laufe deines Lebens als trans* outen solltest, enterbe ich dich sofort :)“, „wein mal nicht lol“, „zieh das nicht an, sonst wirst du schwul und ich hasse Schwule“ etc.</p>
<p>Natürlich sprechen Leute selten so explizit queerfeindlich, sondern verpacken ihren Hass als „wohlgemeinte Ratschläge“, aber am Ende des Tages ist es doch genau das – Geschwister, Cousins, Eltern wollen nicht, dass ihre Söhne z.B. schwul sind, weil sie selbst schwule, trans*, bisexuelle, pansexuelle, queere Männer hassen.</p>
<p>Ähnlich verhält es sich mit allen Dingen, die mit Frauen oder Weiblichkeit assoziiert werden: weil unsere Gesellschaft eben Frauen hasst, sind z.B. Tätigkeiten wie Nähen, Kinderbetreeung, Pflege, nett sein, Make Up tragen eine Schande für Männer. Das liegt nicht daran, dass z.B. Kinderbetreuung besonders schlecht für die Umwelt wäre, sondern einzig und allein daran, dass es angeblich eine „Frauensache“ ist, was schon ausreicht.</p>
<p>Wenn wir die Situation für Männer verbessern (also sie nicht mehr verachten wollen, wenn sie z.B. Nagellack tragen) wollen, dann kommen wir nicht drum herum, unseren Frauenhass abzubauen. Sobald etwas nämlich nicht (mehr) als „Frauensache“ gilt, werden Männer auch nicht dafür verurteilt, diesem Hobby nachzugehen.</p>
<p>Briefmarken sammeln? Klar, warum nicht. Schwimmen gehen? Sure, go for it. Röcke tragen? Nee sorry Mann, das machen in Deutschland nur Frauen und Frauen werden hier gehasst, weißte doch selber.</p>
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<p>Um zum Anfang zurück zu kommen: Dass Männer wie ich, welche die Ideale nicht erfüllen, deshalb ausgeschlossen werden und unangebrachte Kommentare abbekommen, ist leider nicht verwunderlich. Aber was passiert mit den Leuten, die das Glück haben, perfekt in diese willkürlichen Standards reinzupassen?</p>
<p>Nun ja, der Witz ist, dass Männer, selbst wenn sie alle Ideale erfüllen, groß, durchtrainiert und normschön sind, es sie trotzdem nicht vor Trans*feindlichkeit und Frauenhass bewahrt. Heute bist du vielleicht Kfz-Mechatroniker, aber morgen hast du einen Arbeitsunfall, kannst deshalb nicht weiter arbeiten und musst zu Hause bleiben, während deine Ehefrau weiterhin Anwältin ist: tja, tut mir Leid, aber für deine Freund*innen bist du jetzt leider „die Hausfrau“ und wirst deshalb belächelt und beleidigt weil -und das kann man nicht oft genug betonen-, unsere Gesellschaft alles, was mit Frauen zu tun hat, hasst.</p>
<p>Oder okay, du hast vielleicht heute zwei Hoden, aber was ist, wenn bei dir nächstes Jahr Hodenkrebs entdeckt wirst und ein (oder sogar zwei) Hoden entfernt werden muss? Ich sage, dass du immer noch ein Mann bist, aber deine Arbeitskolleg*innen, Freund*innen und wahrscheinlich sogar deine eigene Familie wird mir da leider widersprechen, weil sie Männer ohne Hoden (was vor allem trans* und inter* Männer sind) eben hasst. Und da ist es egal, dass du ein cis Mann bist und dich nie als trans* Mann outen musstest, von Geburt bis heute als Mann gelebt und so wahrgenommen und akzeptiert wurdest – in unserer trans*feindlichen Gesellschaft gilt das Motto: kein Hoden, kein Mann.</p>
<p>Und wenn du cis Mann ohne 2 Hoden auch ausgeschlossen, ausgelacht, ausgegrenzt, diskriminiert wirst, ist das den Leuten in deinem Umfeld wahrscheinlich egal.<br />
Ein paar werden (wenn du Glück hast) vereinzelt sagen, dass du ihnen furchtbar leid tust und sie dich natürlich immer noch als Mann sehen, aber wie sehr kannst du ihnen das glauben?</p>
<p>Wie sehr möchtest du ihnen das glauben, wenn dieselben Leute auch meinten, dass sie deine Bekannte Maria, eine trans* Frau, selbstverständlich als Frau sehen würden, aber sie trotzdem regelmäßig als „er“ ansprechen, mit der Begründung, „er habe ja noch nicht mal eine Vagina“?</p>
<p>In unserer cissexistischen Mülltonne von Gesellschaft heißt es „cis oder stirb“, „Frauen sind weniger wert als Männer“ und von Rassismus und Nazis bei der Polizei muss ich gar nicht erst anfangen.<br />
Natürlich will ich bei sowas nicht mitmachen. Ich weiß, dass ich ein Mann bin, egal, was mir besagte Mülltonne durch Arbeitskolleg*innen und Medien vermitteln will. Außerdem muss ich im Gegensatz zu den allermeisten Männern nicht betonen, wie sehr ich Frauen und/ oder Queers hasse, da meine Männlichkeit weder von Misogynie noch Queerfeindlichkeit abhängt. Let that sink in.</p>
<p>Ich hab überhaupt keinen Bock mehr auf diesen Hass gegen queere Menschen. Ich habe gar keinen Bock mehr darauf, jeden Tag meine Menschlichkeit mit Leuten, „die es ja nur nett meinen“, verhandeln zu müssen. Queere Männer leben &#8211; ich lebe und ich verdiene denselben Respekt wie cishetero Männer. Ich verdiene dasselbe Adoptionsrecht, dasselbe Blutspendegesetz, denselben Schutz vor Diskriminierung am Arbeitsplatz, dieselbe Lebensqualität. Respect our existence or expect resistance.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Hier kommt ihr zum <strong>Text, der den 2. Platz</strong> belegt hat, und <a href="https://www.meintestgelaende.de/2021/08/verzerrte-sicht/" target="_blank" rel="noopener"><strong>hier zum Gewinner-Beitrag</strong></a>.</li>
</ul>
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