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	<title>Mut &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>Mut &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Der Abschluss</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/08/der-abschluss/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Celine]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 05 Aug 2022 12:42:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Mut]]></category>
		<category><![CDATA[Sexuelle Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Im letzten Jahr hat uns Celine in Texten und Videos am Gerichtsprozess gegen den Ex-Freund ihrer Mutter teilhaben lassen. Sie hat ihn wegen sexueller Gewalt angezeigt, er hat nach dem ersten Urteil Berufung eingelegt. Jetzt gibt es für Celine, zumindest juristisch, einen Abschluss des Prozesses. Und wieder nicht zu wissen was passiert. Nicht zu wissen,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body"><strong>Im letzten Jahr hat uns Celine in Texten und Videos am Gerichtsprozess gegen den Ex-Freund ihrer Mutter teilhaben lassen. Sie hat ihn wegen sexueller Gewalt angezeigt, er hat nach dem ersten Urteil Berufung eingelegt. Jetzt gibt es für Celine, zumindest juristisch, einen Abschluss des Prozesses.</strong></p>
<p><span id="more-14963"></span></p>
<p>Und wieder nicht zu wissen was passiert.<br />
Nicht zu wissen, was verdammt nochmal auf einen zukommt.<br />
Doch zu wissen, dass es endlich ein Ende hat.<br />
Zu wissen, das ist der Abschluss meiner Geschichte.</p>
<p>Diesmal verspüre ich nur Wut, denn die Kraft, um traurig zu sein, hab ich irgendwie nicht.<br />
Nicht heute.<br />
Denn es geht mir so unglaublich auf die Nerven, schon wieder zu einem Ort zu fahren, wo ich eigentlich gar nicht sein will, doch aussuchen konnte ich es mir leider nicht.</p>
<p>Bewusst wird mir, dass ich einfach nur müde und erschöpft bin, erschöpft von sich immer wieder darauf vorbereiten zu müssen, seine Geschichte und sein Leid vor fremden Menschen zu teilen.<br />
Sich vorzunehmen stark zu sein, obwohl man gar keine Kraft dafür hat.<br />
Und sich klar zu machen, dass man all das noch gar nicht verarbeitet hat.<br />
Ein schreckliches Déjà-vu.</p>
<p>Willkommen in meiner unausstehlichen Gedanken-Welt.</p>
<p><strong>19.April.2022 </strong></p>
<p>Da sind wir wieder, nur diesmal am Landesgericht in Darmstadt.<br />
Soviel größer und schöner, könnte man denken.<br />
Doch da reinzuspazieren ist so unglaublich hässlich.<br />
Schrecklich.<br />
Unausweichlich.<br />
Denn da muss ich rein, um auszusagen gegen ein widerliches Schwein.</p>
<p><strong>11 Uhr </strong></p>
<p>Diesmal ziemlich spät und mal wieder super unangenehm.<br />
Fremde Frau.<br />
Stellt sich raus, das ist die neue Pflichtverteidigerin von ihm.<br />
Der alte Pflichtverteidiger hat wahrscheinlich gemerkt, dass er genauso ekelhaft im Kopf ist wie er.<br />
Meine Rechtsanwältin.<br />
Die alte Dolmetscherin und die neue Dolmetscherin.<br />
Kripo Beamtin Nr.1<br />
Wo ist Kripo Beamtin Nr.2?</p>
<p>Meine Mama, meine Schwester und dann war da noch ICH.<br />
Wieder in meiner Blase, aus der ich in solchen Momenten komplett untergehe.<br />
Fragend, ob sie jemand mal zum Platzen bringen kann?</p>
<p>Ich glaube, es verging eine ganze Stunde, bis die Tür dann mal aufging.<br />
Und dann platzte die Blase, in der ich 1 Stunde festgesteckt habe, denn auf einmal hörte ich ihn sprechen.</p>
<p>Wissen diese Menschen überhaupt, wie schlimm das ist?<br />
Dort zu sitzen und zu warten.<br />
In seinen Gedanken zu ertrinken und ganz genau überlegen, was man gleich vor so wildfremden Menschen sagt bzw. wie man was sagt?<br />
Wie auch immer…<br />
Schweigend und den Gedanken kreisen meine Art und Weisen, wie ich was beschreibe.</p>
<p>Ich glaube ich mache jetzt hier einfach mal einen Sprung, zu dem Moment, wo ich dann aussagen musste.<br />
Das ist übrigens das erste Mal, dass ich vor Gericht gegen Ihn aussagen darf!<br />
Worauf ich mich immer wieder vorbereitet habe und dann doch nichts sagen durfte.</p>
<p>Die Tür ging auf und keine Ahnung, wie viele Augen mich anschauten.<br />
Ich musste an Ihm vorbei laufen und mich quasi vor ihm hinsetzen.<br />
Grauenvolles Gefühl, wenn man weiß, welcher Mensch dir gerade in den Nacken atmet.</p>
<p>Der Richter schaute mich an und meinte: Sie wissen ja, warum sie heute hier sind nh? Man muss die Wahrheit sagen und ja dann erzählen Sie doch mal von Anfang bis Ende, was alles so passiert ist!!</p>
<p>Ich kann euch nicht genau erklären, was ich genau gesagt habe und wie lange das ganze gedauert hat, denn es fiel mir ziemlich schwer auszusagen…<br />
Erstmal sich daran zurück erinnern zu müssen, an das, was einem passiert ist und das in Worte fassen vor fremden Menschen, war verdammt hart.<br />
Und es kam mir vor, wie als hätte ich eine Sekunde geredet.</p>
<p>Danke Fr. Senses, ich weiß, wie schwer das gewesen sein muss darüber zu sprechen aber das haben Sie ganz toll gemacht sagte er mir… nehmen Sie draußen bitte wieder Platz.</p>
<p>Und dann verging wieder 1 Stunde und ich lief hin und her und wusste nicht wirklich was ich denken sollte…<br />
Ich hoffte einfach nur, dass es nach dem Ganzen endlich ein Ende findet und diesmal endgültig, ich hatte weder die Kraft noch Lust, weiter traurig, wütend und erschöpft zu sein.</p>
<p>Die Justizbeamtin öffnete dir Tür und wir durften auf den hintern Bänken platznehmen.</p>
<p>Das Urteil war bereits schonmal verkündet worden und es tut mir unendlich Leid sagte der Richter. Das was dieser Familie und vor allem den zwei Frauen passiert ist, ist sehr schlimm.<br />
Es gäbe keinen Grund, den zwei Frauen nicht zu glauben, denn das hier ist alles schrecklich und super schwer durchzustehen.<br />
Wieso sollte man sich freiwillig in so eine Situation bringen?</p>
<p>Das Gericht hat entschieden, den zwei Frauen den vollen Glauben zu schenken und Sie sollten sich schämen für das, was Sie getan haben, meinte der Richter.<br />
Er hätte sich gewünscht, dass dieser Fall schon vorher auf seinem Tisch gelegen hätte und die 3 Jahre seien zu wenig aber es sei leider so in Deutschland.</p>
<p>Der Richter bittet uns im Saal zu erheben um das Urteil ein zweites Mal zu verkünden…<br />
Meine Knie zitterten…<br />
Meine Hände schwitzten…<br />
Und mein Herz schlägt super schnell und obwohl ich wusste, der Richter ist auf der Seite von mir und meiner Schwester, hatte ich trotzdem Angst.</p>
<p>Das Urteil wird verkündet…</p>
<p><strong>Im Namen des Volkes in der Strafsache gegen Herrn XY wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen hat das Landesgericht Darmstadt am 19.04.2022  für Recht erkannt. Der Angeklagte wird wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in Tateinheit mit sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen in insgesamt 21 Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von drei Jahren verurteilt. </strong></p>
<p>Und seine Reaktion darauf war einfach nur lächerlich…<br />
Was hab ich gemacht? Ich hab gar nichts gemacht, schreite er in den Raum.<br />
Und alles würde zurückkommen und schrie irgendwas von Karma und ihr werdet schon sehen, was wir davon haben.</p>
<p>Diese 3 Jahre, die du bekommen hast, können niemals das wieder gut machen, was du kaputt gemacht hast.<br />
Diese 3 Jahre geben mir das, was ich an Wärme und Gefühl verloren habe, nie wieder zurück.<br />
Und diese 3 Jahre geben mir mein sorgenfreies Leben auch nicht wieder.<br />
Du bist der Grund für all meine Sorgen und Probleme, die ich jetzt habe und die mich mein Leben lang begleiten werden.<br />
Du bist der Grund für diese dauerhafte Traurigkeit, die in mir brodelt.<br />
Aber all das war dir niemals bewusst.</p>
<p>Das hier ist der Schluss.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Die ganze Geschichte von Celine könnt ihr auch nochmal auf <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/celine/">ihrem Profil</a> finden.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Rollercoaster</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/06/rollercoaster/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Celine]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Jun 2022 09:00:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Mut]]></category>
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					<description><![CDATA[Im heutigen Beitrag erzählt Celine von ihrem Leben. Sie erzählt von traurigen und glücklichen Momenten. Davon, mutig zu sein und ins Leben verliebt zu sein. Eine ehrliche Mutmachgeschichte aus dem echten Leben.Viel Spaß mit dem Video!]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body"><strong>Im heutigen Beitrag erzählt Celine von ihrem Leben. Sie erzählt von traurigen und glücklichen Momenten. Davon, mutig zu sein und ins Leben verliebt zu sein. Eine ehrliche Mutmachgeschichte aus dem echten Leben.Viel Spaß mit dem Video! </strong></p>
<p><span id="more-14915"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lidia&#8217;s Geschichte</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/12/lidias-geschichte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lidia]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Dec 2021 07:00:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Depressionen]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Mut]]></category>
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					<description><![CDATA[Content Note: Psychische Erkrankungen, Psychiatrie, Suizidversuche &#8222;Ich sitze gerade hier aber dass ich hier sitze ist für mich nicht selbstverständlich.&#8220; &#8211; so beginnt das Video in dem Lidia über den frühen Tod ihrer Mutter, Depressionen und Psychiatrieaufenthalte berichtet. Obwohl laut offizieller Zahlen fast jeder fünfte Mensch in Deutschland mindestens einmal im Leben an einer depressiven]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Content Note: Psychische Erkrankungen, Psychiatrie, Suizidversuche</p>
<p>&#8222;Ich sitze gerade hier aber dass ich hier sitze ist für mich nicht selbstverständlich.&#8220; &#8211; so beginnt das Video in dem Lidia über den frühen Tod ihrer Mutter, Depressionen und Psychiatrieaufenthalte berichtet. Obwohl laut offizieller Zahlen fast jeder fünfte Mensch in Deutschland mindestens einmal im Leben an einer depressiven Erkrankung leidet, ist das Thema nach wie vor stigmatisiert und mit viel Scham besetzt. Das Mittel gegen diese Tabuisierung ist offen darüber zu sprechen. In Lidias Video Essay erzählt die junge Frau mutig von ihrem langen Weg mit all seinen Krisen und wie ihr Verein One Change One Future ihr schließlich half wieder ins Leben zurück zu finden.<br />
Danke Lidia für diesen wichtigen Beitrag.</p>
<p>Du musst Krisen nicht alleine meistern. Unterstützung findest du bei der <a href="https://www.deutsche-depressionshilfe.de/krisentelefone">Deutschen Depressionshilfe</a>.</p>
<p>Du bist nicht allein! Viele Menschen leiden unter Depressionen und anderen psychische Erkrankungen. Mehrere mein Testgelände Autor*innen berichteten über ihre Erfahrungen:</p>
<p>Unser Autor Tom schrieb ein bewegendes und umfassendes Essay über seine Depressionen, den Beitrag findest du <a href="https://www.meintestgelaende.de/2021/12/gefuehllosigkeit-ist-ein-gefuehl/">hier</a>.<br />
Unsere Autorin Sophia spricht auf ihrem <a href="https://www.youtube.com/channel/UCIrsqXbtU5nJq0PnJlda-DA">YouTube Kanal</a> über psychische Erkrankungen und Aufenthalte in der Psychiatrie. Ein Video dazu findest du <a href="https://www.youtube.com/watch?v=mG7B5azlXBE">hier</a>.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das Funkeln der Diamanten</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/03/das-funkeln-der-diamanten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Was geht Almanya]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Mar 2021 07:00:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Mut]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir freuen uns über einen Beitrag von der Was geht Almanya-Autorin Pia Johannimloh. &#8222;Das Funkeln der Diamanten&#8220; ist aus dem Buch &#8222;Aus Angst wächst Mut&#8222;, in dem außer Pia noch 18 weitere junge Menschen sehr persönliche Geschichten erzählen. In dieser hier geht es um einen Tag in der Schule, der ganz anders endet als erwartet&#8230; viel]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Wir freuen uns über einen Beitrag von der Was geht Almanya-Autorin Pia Johannimloh. &#8222;Das Funkeln der Diamanten&#8220; ist aus dem Buch &#8222;<a href="https://www.lutherverlag.de/Geschenkideen/Buecher/Hoof-Aus-Angst::843.html" target="_blank" rel="noopener">Aus Angst wächst Mut</a>&#8222;, in dem außer Pia noch<strong> 18 weitere junge Menschen sehr persönliche Geschichten erzählen. In dieser hier geht es um einen Tag in der Schule, der ganz anders endet als erwartet&#8230; viel Spaß beim Lesen!</strong></b></p>
<p><span id="more-12831"></span></p>
<p>Der Regen prasselte gegen mein Fenster, so dass ich wach war, bevor der Wecker klingelte. Ich schaltete das Licht oberhalb meines Kopfes an, schlug die Decke zurück und stieg aus dem Bett. Als ich in den Spiegel schaute, erkannte ich mich selbst nicht wieder. Ich hatte dunkle Ringe unter den Augen und meine Haare sahen aus, als hätte ich einen Stromschlag bekommen. Nach gefühlten zwei Stunden hatte ich meine Frisur gebändigt und meine Augenpartie übergeschminkt. Am Frühstückstisch waren meine Eltern in ein Gespräch vertieft. Mein Bruder las seine Nachrichten, niemand nahm mein gelangweiltes „Morgen“ zur Kenntnis. Ich trank ein Glas Milch und aß einen Apfel.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Es hatte aufgehört zu regnen, doch die Straßen waren immer noch nass. Die Blätter, die schon zahlreich von den Bäumen fielen, machten den Weg auch nicht besser. Es war rutschig und kalt. Der Berg kam mir an diesem Morgen noch steiler vor als sonst und ich musste mein Fahrrad hinauf schieben, um überhaupt herauf zukommen. Ich stellt mein Fahrrad hinter der Schule ab und beeilte mich, ins Gebäude zu kommen. Am Eingang passte mich eine Freundin ab und gemeinsam gingen wir geradewegs zu unserem Klassenzimmer. Unsere Lehrerin war wie immer zu spät und ihr Unterricht langweilig wie nie zuvor. Im Laufe der Stunde schliefen meine Mitschüler nach und nach ein oder versanken in ihren Gedanken. Mit der Zeit ließ auch meine Konzentration nach. Irgendwann schaltete ich ganz ab und hang nur noch meinen Gedanken nach.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Die Glocke ließ uns alle hochschrecken. Langsam leerte sich unsere Klasse. Ich nahm das Klassenbuch an mich und verließ zusammen mit meinen Freundinnen den Raum. Die frische Luft auf dem Weg zur Sporthalle tat gut. Aber irgendetwas war komisch. Zuerst war es nur ein Gefühl, aber nach und nach wurde es Gewissheit. Und dann sah ich es auch: Meine Mitschüler beobachteten mich die ganze Zeit von der Seite und tuschelten miteinander. Was hatte das zu bedeuten? Was stimmte nicht mit mir? Mehrmals kontrollierte ich unauffällig meine Sachen. Hatte ich auch wirklich nichts vergessen? Nein, hatte ich nicht. Alles war da. Die Schuhe, ordentlich gebunden, die Hose, vorne geschlossen, das T-Shirt, ohne auffälligen Aufdruck und ohne flecken. Was war denn nur los? Warum starrten die mich so an?</p>
<p>Dann kassierte ich auch noch zwei dumme Sprüche, war aber nicht in der Lage, etwas zurück zu geben. Stattdessen antwortete meine Freundin, ohne dass ich verstand, worum es ging. In meinem Kopf lief eine Dauerschleife. Immer und immer wieder dasselbe. Eine Reihenfolge von Schritten perfekt auf die Musik abgestimmt. Zumindest war es für mich perfekt. Würden die anderen es genauso finden?<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Wir waren bei der Halle angekommen. Da draußen eine Eiseskälte herrschte, freute sich jeder über die geheizten Räume. In Windeseile zog ich mich um, schnappte mir das Klassenbuch und betrat die Halle. Dort hatte sich schon die Hälfte meiner Klasse versammelt.</p>
<p>Als Frau Hansen die Halle betrat, achtete zuerst niemand auf sie. Sie wurde nie beachtet, nie wahrgenommen und nie respektiert. Sie war eine von der Sorte, mit der man machen konnte, was man wollte. Niemals würde und könnte sie sich dagegen wehren. Doch heute war alles anders. Wir spürten es lange bevor sie bei uns angekommen war. Es lag förmlich in der Luft, dass diese Stunde nicht mehr so sein würde wie die vorherigen. Ohne dass sie ein Wort gesprochen hatte, wurden alle plötzlich still, merkwürdig still. Und wieder spürte ich die Blicke der anderen. Sie schauten nur mich an. Die Skepsis in ihren Blicken bohrte sich durch meinen Körper direkt in mein Herz. Für einen Moment hörte es auf zu schlagen.</p>
<p>Noch immer starrten mich meine Mitschüler an, als käme ich von einem anderen Planeten. Erst als Frau Hansen das Wort ergriff, nahmen sie ihre Blicke langsam von mir. Wieder sah ich an mir herunter. War etwas nicht in Ordnung mit mir? Hatte ich mein T-Shirt vielleicht falsch herum angezogen oder meine Hose auf links? Nein mit mir war alles in Ordnung.</p>
<p>Irgendwann bemerkte ich, dass wir im Halbkreis um Frau Hansen herum saßen. Ich bekam nur einige Gesprächsfetzten mit, den Zusammenhang verstand ich nicht. Als ich meinen Namen hörte, wurde ich hellhörig. Wie in Trance stand ich auf und stellte mich neben Frau Hansen. Wieder diese Blicke, wieder dieser stechende Schmerz. Das beliebteste Mädchen unserer Klasse funkelte mich böse an. Ich konnte sie noch nie leiden, ebenso wenig wie sie mich. Tom, mein Schwarm, lächelte mich anerkennend an. Seine strahlenden Augen und sein freundliches Lächeln taten mir gut. Wenigstens einer, der es gut mit mir meinte. Die anderen schauten einfach nur auf den Boden.</p>
<p>Mein Herz schlug so schnell, wie eine Rakete die gerade in den Himmel schießt, es schlug so laut, dass ich dachte, jeder hätte es hören können. Die Stimmen meiner Mitschüler wurden lauter. Dann standen alle auf und blickten mich erwartungsvoll an. Worüber hatte Frau Hansen gesprochen? Meine Freundin schaute mich verwirrt an, als ich sie danach fragte, aber sie gab mir Antwort.</p>
<p>Meine Lehrerin hatte also über mich und meine bisher unzumutbaren Leistungen gesprochen. Diese ungemein lieb gemeinte Rede beschwor nur noch mehr spöttische Blicke herauf. Selbst zwei meiner ehemals guten Freundinnen lachten nun über mich. Ich kochte innerlich vor Wut. Freunde? Das sollten Freunde sein?</p>
<p>Nur zwei Menschen lachten nicht mit. Tom, der Junge in den ich schon seit langem verliebt war und meine beste Freundin. Aber vielleicht steckte sie auch mit den anderen unter einer Decke. Von nun an würde ich auf mich allein gestellt sein. Niemandem konnte ich mehr vertrauen.</p>
<p>Während die anderen sich warm liefen, dehnte ich mich und lief zwei Runden mit. Das Verhalten meiner Mitschüler besserte sich auch im weiteren Verlauf der Stunde nicht. Das war mir mittlerweile aber auch ziemlich egal. Die dummen Sprüche die mich jede Minute erreichten und diese spöttischen Blicke schraubten meine Laune immer tiefer. Ich lief mit meiner Freundin zusammen und bald gesellte sich auch Tom zu uns. Wir kamen ins Gespräch und meine Laune besserte sich augenblicklich. Sie fiel aber sofort rapide wieder ab, als mich der nächste dumme Spruch erreichte. Er kam von Elias, dem Klassenclown, der sogleich die Faust meines Schwarms kassierte. Er taumelte und setzte sich unfreiwillig auf seinen Hosenboden. Die Klasse krümmte sich vor Lachen und ich wurde knallrot.</p>
<p>Dann sah ich, wie Tom stehenblieb und auf seine Hand starrte. Die Haut um seine Knöchel herum war aufgeplatzt und er blutete, aber zum Glück nur leicht. Während Frau Hansen die Hand untersuchte und verband, riss Elias schon wieder dumme Sprüche. Ich blickte Tom verlegen an und er schenkte mir ein aufmunterndes Lächeln. Durch Toms Verletzung blieb nicht mehr viel von der Stunde übrig. Doch dieser letzte Rest gehörte nun vollständig mir. Während ich die CD einlegte, steigerte sich mein Lampenfieber ins Unermessliche. Es würde schwer werden, die Aufmerksamkeit meine Klasse zu bekommen, das wusste ich. Aber, dass es so schwer werden würde, hätte ich dann doch nicht gedacht.</p>
<p>Ich ließ sie sich in einer Reihe aufstellen, startete die CD und ließ ein Lied durchlaufen. Dann stellte ich mich zwei Schritte vor die Klasse und schaute in die Runde. Ich sah neugierige, aber auch verächtliche Blicke. Ich sah Neid und auch Respekt und ich sah ein strahlendes Lächeln. Dieser Blick war es, der mir signalisierte, dass ich es auf jeden Fall schaffen würde.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Dann drehte ich mich um und mein Lied setzte ein. Ich kam gut in den Takt, tanzte – wie ich fand &#8211; ausdrucksstark und elegant, rhythmisch und fließend. Ja, ich tanzte, ich tanzte einfach vor den Augen meiner staunenden Mitschüler, vor der ganzen Klasse und vor Frau Hansen. Meine Angst, meine Unsicherheit und meine Wut waren mit einem Mal überwunden. Und wenn man die Zeit jetzt angehalten und sich mein Gesicht genauer angeschaut hätte, hätte man sehen können, dass meine Augen funkelten. Sie funkelten wie die schönsten Diamanten der Welt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Mehr Texte aus dem Buch und weitere Beiträge von <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/almanya/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Was geht Almanya gibt&#8217;s hier</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Aus Angst wächst Mut</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/03/aus-angst-waechst-mut/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Was geht Almanya]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 24 Mar 2017 08:00:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Mut]]></category>
		<category><![CDATA[Träume]]></category>
		<category><![CDATA[Vorbilder]]></category>
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					<description><![CDATA[Gar nicht so einfach, ein jugendliches Mädchen zu sein und nicht zu den &#8218;Coolen&#8216; oder den &#8218;Schönen&#8216; zu gehören. Auch nicht einfach, aus der Menge herauszutreten ins Rampenlicht, wenn mensch sich eher wie ein grauer Schatten fühlt. Joy schafft diesen Schritt trotzdem und überwindet ihre Angst, um das zu machen, was sie am liebsten tut:]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Gar nicht so einfach, ein jugendliches Mädchen zu sein und nicht zu den &#8218;Coolen&#8216; oder den &#8218;Schönen&#8216; zu gehören. Auch nicht einfach, aus der Menge herauszutreten ins Rampenlicht, wenn mensch sich eher wie ein grauer Schatten fühlt. Joy schafft diesen Schritt trotzdem und überwindet ihre Angst, um das zu machen, was sie am liebsten tut: schauspielern.</strong><br />
<span id="more-7868"></span></p>
<p><strong><em>Aus Angst wächst Mut </em>von </strong></p>
<p><strong>Marieclaire von Louisenthal (Was geht Almanya)</strong></p>
<p>War es richtig, was sie jetzt tat? Joy wusste es nicht, wirklich nicht. Alle gingen noch einmal durch, was sie sagen sollten und strichen ihre Kleidung glatt. Die Aufregung war deutlich zu spüren. Zum gefühlt hundertsten Mal begutachtete sich das Mädchen im Spiegel. Die Schminke war ganz in Ordnung, hätte aber noch besser gemacht werden können. Zumindest war das ihre Meinung.</p>
<p>Die Schmetterlinge in ihrem Bauch tanzten Flamenco. Still stehen konnte Joy nicht, dazu war sie viel zu aufgeregt. Sie erinnerte sich nicht daran, jemals in ihrem Leben so nervös gewesen zu sein. Dabei war sie noch eine Schülerin und sehr oft aufgeregt, meist vor Arbeiten oder Referaten.</p>
<p>Doch dieser Abend war anders. Schlimmer als jede Englischarbeit und Joy hasste Englisch mehr als alles in der Welt. Mehr als die nervigen Tussis oder die auch so coolen Jungs aus ihrer Klasse.</p>
<p>Nervös ging die Schülerin zu dem Tisch mit den Getränken. Ihre Kehle fühlte sich an wie die Sahara in der Trockenzeit, trocken und ausgedörrt. Ihre Hände zitterten wie Espenlaub. Mit einem Mal traute sich Joy nicht, sich etwas einzuschenken. Sie hatte Angst, das Glas würde ihr aus der Hand rutschen. Vorsichtshalber ließ sie es.</p>
<p>Nun lief sie durch den recht großen Raum. Einige Stühle und Tische wurden aufgestellt und von draußen drangen Stimmen zu ihr. Nun wurde Joy noch nervöser. Ihr Magen verkrampfte sich, schnell rannte sie zur Toilette. Mit einem Mal hatte sie das Gefühl, als würde ihr Mittagessen noch einmal Hallo sagen wollen. Doch nach einiger Zeit gab ihr Magen Entwarnung. Zum Glück musste Joy nicht brechen. Vorsichtig schüttelte die Schülerin ihren Kopf und ging zurück in den Raum.</p>
<p>Wie war sie eigentlich auf diese bescheuerte Idee gekommen? Joy erinnerte sich, ihre beste Freundin hatte sie gezwungen. Innerlich verfluchte sie sich und ihre beste Freundin dafür. Was für eine blöde Idee, vor allem da sich Maja abgesetzt hatte. Und sie? Wieso sollte sie nicht auch einfach gehen? Warum? Darum! Das war die tolle Antwort ihrer Lehrerin gewesen. Innerlich starb die Schülerin gerade tausend Tode. Natürlich bekam es niemand mit. Alle versuchten, nicht in Panik zu geraten.</p>
<p>Wie viele Menschen wohl da waren? Joy wollte es lieber nicht wissen. Allein der Gedanke war furchterregend, vor so vielen Menschen zu stehen. Mit ziemlicher Sicherheit würde sie alles vergessen, wirklich alles. Dann würde sie da stehen wie ein Esel. Alle würden sie auslachen. Alle, sogar ihre eigenen Eltern. Warum dachte sie gerade nur so viel nach? Das machte es nur noch schlimmer. Gerade malte sich Joy aus, wie sie am besten verschwinden konnte. Einfach weg. Verstecken. Oder in einen Bus einsteigen. In diesen Klamotten bestimmt nicht. Da würde sie nur angestarrt werden. Aber irgendwas musste sie doch machen. Nur was? Joy hatte keine Idee, in ihrem Kopf drehte sich alles. Sich jetzt einen Fluchtplan zu überlegen war undenkbar. Leise seufzte das junge Mädchen.</p>
<p>Ein kurzer Blick auf die Uhr verriet ihr, wie wenig Zeit sie noch hatte. Fünf Minuten, maximal 10, wenn die Technik streikte. Konnte nicht einfach jemand ein Feuer legen? Oder ein Meteor auf die Schule stürzen? An was sie schon wieder dachte! Konnte sie nicht einfach krank sein, im Bett liegen und schlafen? Nun hörte sie die Anderen tuscheln, sie redeten über sie. Joy versuchte es zu ignorieren. Sollen die Anderen doch denken, was sie wollen. Die Schülerin schloss ihre Augen. Mit gesenktem Kopf ging sie zu dem Tisch mit den Getränken. Zwar zitterten ihre Hände noch sehr stark, doch sie schüttete sich etwas von dem Wasser in einen sauberen Becher.</p>
<p>War sie bereit dazu? War sie bereit, zu hoffen, dass sich die Meinung der Anderen über sie änderte? Joy war lediglich eine kleine graue Maus. In der Schule war sie auch nur eine Durchschnittsschülerin, mehr nicht. Doch nach diesem Abend würde man sie wohl mit anderen Augen sehen. Wieder kam Angst in ihr hoch. Angst vor den vielen Menschen, Angst vor ihren Reaktionen. Doch warum hatte sie solche Angst? Es war doch nicht das erste Mal, was sie an diesem Abend tat. Zwar war es das erste Mal in der Schule, aber so anders war das doch auch nicht.</p>
<p>Joy musste sich zusammenreißen. Einfach Augen zu und durch. „Ich kann das doch“, impfte sie sich ein. Sie hatte so viel gelernt, sie würde es schaffen. Wenn sie jetzt nur der Nervosität nicht nachgab. Kopf hoch, Schultern zurück und Brust raus. Selbst wenn sie den Text vergessen sollte, sie war doch nicht allein. Jeder konnte den Text der Anderen auswendig. Sie würden sich einfach gegenseitig helfen, schließlich wollten alle, dass es ein voller Erfolg werden sollte. Außerdem war es doch ihre große Leidenschaft. Den Spaß konnte ihr niemand nehmen. Es war doch ihr Ding, ihr Talent, ihr Weg. Maja hatte sie zwar gezwungen, doch machte Joy es nicht auch für sich selbst? Wollte sie nicht allen zeigen, was in ihr steckte? Wer sie war? Ja, das wollte Joy. Und das wollte sie sich nicht nehmen lassen.</p>
<p>Das Mädchen erinnerte sich noch gut an die Gesichter der Anderen, bei den Proben. Wie blöd sie ausgesehen hatten, mit ihren offenen Mündern und handtellergroßen Augen. Die Schülerin lächelte. Nein, es gab keinen Grund, Angst zu haben. Joy wollte nie mehr als sie selbst sein und nun war sie es. Weiter versteckten wollte sie sich nicht. Schnell trank sie aus und blickte auf die Uhr. Nun war es soweit. Ihre Lehrerin kam und scheuchte alle auf ihre Plätze. Der Vorhang öffnete sich und Joy sah in viele neugierige Augenpaare. Dann tat sie das, was sie am besten konnte. Sie schauspielerte.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><b>Mehr dazu: </b></p>
<ul>
<li>Der <a href="http://www.lutherverlag.de/Geschenkideen/Buecher/Hoof-Aus-Angst::843.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Link zum Buch</strong></a>.</li>
<li>Das <a href="https://www.meintestgelaende.de/2015/02/rebellion-in-bewegung/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Musikvideo</strong></a> zum Song &#8222;Rebellion&#8220; von Was geht Almanya.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Entscheidung</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/01/die-entscheidung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Was geht Almanya]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 Jan 2017 08:00:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Mut]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<category><![CDATA[Theater]]></category>
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					<description><![CDATA[Manchmal haben wir&#8217;s nicht leicht mit unserem Selbstwertgefühl. Obwohl wir Spaß an etwas haben, geben wir Träume so oft aus Angst davor auf, nicht gut genug zu sein. Wie aus dieser Angst aber Mut werden kann, wie wir uns aktiv für UNS und gegen die fiese Stimme in uns drin entscheiden können, das hat Dorian]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>Manchmal haben wir&#8217;s nicht leicht mit unserem Selbstwertgefühl. Obwohl wir Spaß an etwas haben, geben wir Träume so oft aus Angst davor auf, nicht gut genug zu sein. Wie aus dieser Angst aber Mut werden kann, wie wir uns aktiv für UNS und gegen die fiese Stimme in uns drin entscheiden können, das hat Dorian von Was geht Almanya sehr eindrucksvoll aufgeschrieben. </em></strong></p>
<p><strong><em>(Der Text stammt aus dem Buch &#8222;<a href="http://www.lutherverlag.de/Geschenkideen/Buecher/Hoof-Aus-Angst::843.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Aus Angst wächst Mut</a>&#8222;, erschienen im Luther-Verlag.) </em></strong></p>
<p><span id="more-7723"></span></p>
<p>Mein Handy klingelt. Gandhi ruft an. Nehme ich ab oder nicht? Eine innere Stimme sagt mir: Geh nicht ran. Dorian, was ist los mit dir? Du hast demnächst einen Auftritt. Du hast nicht gelernt, hast Angst dort hin zugehen und du warst noch nicht mal bei einer Probe! Eine andere Stimme hingegen sagt mir: Geh hin, sie brauchen dich. Du brauchst sie. Und wieder die erste Stimme: Ach, hör auf zu träumen und sag ab. Geh ran und sag ihm, du kannst heute nicht. Denn seien wir mal ehrlich, du kannst doch eh nichts.</p>
<p>Ich gehe in meinem Zimmer hin und her und überlege angestrengt, wäge alles ab. Brauchen sie mich, oder hat die andere Stimme in mir doch Recht? Ich bin mir unsicher und gucke in meinen Spiegel. Ich sehe mich. Einen jungen Mann, gerade mal fünfzehn. Ich komme mir anders vor, so unsicher vor einer Entscheidung zu stehen und mich festlegen zu müssen. So bin ich nicht und so wollte ich auch noch nie sein. Meine Gefühle positionieren sich und kämpfen gegeneinander. Auf der einen Seite die eine Stimme, die mir sagt: Geh‘ jetzt da raus und zeig es ihnen! Lass deinen schauspielerischen Talenten freien Lauf! Du kannst es doch. Und du wirst es schaffen. Vergiss nicht, du hast es versprochen. Sie, die anderen, verlassen sich auf dein Wort. Auf der anderen Seite höre ich die andere Stimme, die mich mit einem erhobenen Zeigefinger und von oben herab runtermacht. Sie sagt: Die anderen denken doch sowieso, du kannst nichts. Sie warten nur auf einen Fehler. Auf einen schwachen Moment, um dich zu zerfleischen. Wie ein Rudel Hyänen, das sich auf seine wehrlose Beute stürzt, um sie zu zerreißen. Du hast doch eh Angst.</p>
<p>Mein Handy klingelt erneut und reißt mich aus meinen Gedanken heraus. Gandhi ruft wieder an. Ich reagiere nicht. Sekunden vergehen zäh wie Kaugummi. Das Klingeln trifft meine Nerven wie Nadelstiche. Was sage ich jetzt? Eine Stimme meldet sich zu Wort: „Komm, nimm ab und sag, dass du in zehn Minuten bei der Probe sein wirst und dass du dich bereits freust!“ Doch die andere Stimme erwidert: „Lass es sein! Er könnte deine Rolle locker mit jemand anderem ersetzen. Mit jemandem, der deutlich mehr Talent hat als du. Tu dir diese Qual nicht an!“ Ich schwimme in einem See voller Scham und Unsicherheit. In treibe auf einem Meer voller Unzufriedenheit, Sehnsüchte und Wünsche. Zwei verpasste Anrufe von Gandhi auf meinem Sperrbildschirm, die mich anstarren und mich nicht in Ruhe lassen.</p>
<p>Ich setze mich auf mein Bett, falte die Hände zusammen und denke an die Theatergruppe. An all die Leute, die ich kennen gelernt habe und die sich darauf verlassen, dass ich mitwirke. Was werden sie über mich denken? Hat Gandhi ihnen schon erzählt, dass ich einfach nicht ans Handy gehe, oder wird er gleich noch einmal anrufen? Und was denkt er, warum ich nicht rangehe? Macht er sich Sorgen? Ich erinnere mich an die Worte meines älteren Bruders. Er kennt Gandhi von einem anderen Projekt, bei dem er vor Jahren mitgemacht hat. Bei Gandhi sind immer coole Leute, meinte er! Das kann sein. Aber er kennt die Leute, mit denen ich jetzt arbeite, doch gar nicht. Würde er sie auch als cool bezeichnen? Und was ist überhaupt cool, was heißt das schon?</p>
<p>Trotzdem merke ich, wie die Sehnsucht nach dem Auftritt und nach den Leuten, die ich anstatt als cool eher als freundlich, lustig und aufgedreht bezeichnen würde, steigt. Ja, ich möchte dabei sein. Ich werde anfangen meinen Text zu lernen. Ich möchte allen beweisen, dass ich es kann. Und in erster Linie mir selbst. Und du, der Zweifler in mir, hältst jetzt einfach die Klappe!</p>
<p>Gandhi ruft wieder an, bereits das dritte Mal innerhalb einer Stunde. Ich merke, dass es ihm ernst ist. Es ist eher ungewöhnlich, dass er sich so oft meldet. Er arbeitet ungern mit Druck. Mir wird immer deutlicher, wie ernst es auch mir wird. Wie von selbst nehme ich das Handy in die Hand und drücke auf die grüne Annahmetaste meines Telefons. Ist er sauer, wird er mich anschreien? Ich habe Angst, empfinde aber auch gleichzeitig Mut, mich dieser zu stellen. Ich höre Gandhis Stimme: „Dorian?“ Meine anfängliche Unsicherheit verschwindet mit der Wärme seiner Stimme. Ich antworte langsam: „Ja?“ Gandhi fragt: „Kommst du heute zur Probe? Ich habe eine spannende Szene und würde dich dort sehr gerne einbauen. Du bist dafür die Idealbesetzung.“ Ich fasse meinen Mut zusammen und antworte, in der Hoffnung entspannt und selbstbewusst zu wirken: „Ja, klar, ich bin heute dabei. Mein Bus kommt in zehn Minuten?“ Ich kann regelrecht seine Freude und Erleichterung spüren, als er erwidert: „Ok, wir freuen uns und warten auf dich. Bis gleich!“ Als er auflegt, fühle ich, wie eine große Last von mir abfällt. Ich bin erleichtert und spüre, wie die Glückshormone mit rasender Geschwindigkeit durch meinen Körper jagen. Ich weiß jetzt, ich muss mir keine Gedanken mehr machen. Ich kann gleich zur Probe fahren und selbstbewusst beim nahenden Auftritt auf der Bühne stehen. Ich habe keinen Druck mehr und fühle mich frei.</p>
<p>Entschlossen ziehe ich meine Sneakers an und streife mir eine Jacke über. Dann gehe ich zu meiner Mutter, gebe ihr lässig einen Kuss auf die Wange, verabschiede mich von ihr, verlasse die Wohnung und schließe die Tür hinter mir. Am Ausgang bleibe ich einen Augenblick stehen und atme tief durch. Dorian, du bist ein verdammt cooler Typ, denke ich. Der Bus kommt und ich steige ein. Im Bus werde ich von einigen Menschen angelächelt, ich vermute, weil ich aus allen Poren meines Körpers strahle. Es fühlt sich gut an. Nach fünfzehn Minuten komme ich an der Halle an. Ich stehe vor dem Eingang und atme tief durch. Danach betrete ich den Raum und merke den Leuten die Freude über meine Anwesenheit an. Ich werde von allen mit einem Lächeln im Gesicht empfangen. Ein Lächeln, das mir zeigt, dass ich alles richtig gemacht habe.</p>
<p>Nacheinander nehmen sie mich in den Arm und freuen sich, dass ich da bin. Gandhi kommt auf mich zu, nimmt mich ebenfalls in den Arm und sagt: „Schön, dass du da bist!“ Ich antworte: „Es tut mir leid, dass ich zu spät bin. Bei der nächsten Probe werde ich pünktlich sein.“ Ich bekomme meinen Text und gehe auf die Bühne. Dort fange ich an zu spielen, zuerst etwas unsicher, doch im Verlauf der Probe immer souveräner. Und dann überkommt mich das unbeschreibliche Gefühl, angekommen zu sein.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Hätten Menschen nicht ihre Träume verwirklicht, wäre womöglich so einiges gar nicht erst ins Rollen gekommen, wie <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/02/i-have-a-dream-2/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>dieses Beispiel</strong></a> beweist.</li>
<li>Die eigene Identität zu entdecken kann schon ziemlich viel Mut erfordern, <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/04/poetry-slam-text-ich-bin-hier/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>findet auch</strong></a> Bahar von Was geht Almanya.</li>
</ul>
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			</item>
		<item>
		<title>Ich bin anders</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2015/10/ich-bin-anders/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Robin Hoff]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 19 Oct 2015 08:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Audios]]></category>
		<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Mut]]></category>
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					<description><![CDATA[Ein Leben, weit weg davon perfekt zu sein. Doch Ecxes aka Robin Hoff denkt gar nicht daran aufzugeben. Im neuen Rap &#8222;Ich bin ander&#8217;s&#8220; zeigt er in eindrucksvollen Worten, was ihn antreibt um tagtäglich voller Mut dabei zu sein. Ein Blick in die Zukunft, vor der er keine Angst hat. Robin Hoff für euch, hört rein!]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ein Leben, weit weg davon perfekt zu sein. Doch Ecxes aka Robin Hoff denkt gar nicht daran aufzugeben. Im neuen Rap &#8222;Ich bin ander&#8217;s&#8220; zeigt er in eindrucksvollen Worten, was ihn antreibt um tagtäglich voller Mut dabei zu sein. Ein Blick in die Zukunft, vor der er keine Angst hat. Robin Hoff für euch, hört rein!</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mut-Rezept</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2015/06/mut-rezept/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[story-teller]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 22 Jun 2015 08:04:01 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Mut]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=5162</guid>

					<description><![CDATA[Ohne ihn geht gar nichts richtig, ganz gleich welches Geschlecht wir sind, wir alle brauchen ihn. Den Mut. Doch, wie wir ihn manchmal zurück gewinnen, oder erst richtig zubereiten können haben uns die Story-teller mit diesem speziellen Rezept verraten&#8230; Na dann, los gehts. Zutaten: 1 Stück Motivation 1 Prise Willenskraft 1 Liter Tatendrang 1-3 Esslöffel]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Ohne ihn geht gar nichts richtig, ganz gleich welches Geschlecht wir sind, wir alle brauchen ihn. Den Mut.</p>
<p>Doch, wie wir ihn manchmal zurück gewinnen, oder erst richtig zubereiten können haben uns die Story-teller mit diesem speziellen Rezept verraten&#8230; Na dann, los gehts.</p>
<p>Zutaten:</p>
<p>1 Stück Motivation</p>
<p>1 Prise Willenskraft</p>
<p>1 Liter Tatendrang</p>
<p>1-3 Esslöffel Stärke</p>
<p>1 Ziel</p>
<p>Zubereitung:</p>
<p>Kneten sie das Stück Motivation gut durch und verteilen sie es gleichmäßig in ihren Gedanken. Fügen sie dann unter ständigem Rühren die Prisen Willensstärke und den Liter Tatendrang hinzu und lassen die Mixtur einige Minuten ziehen. Achten sie darauf, dass die Zutaten gut vermengt sind. Für den Guss erhitzen sie die Stärke auf höchster Stufe und fügen sie dann das Ziel hinzu. Danach verrühren sie die Gussmasse und geben sie diese auf den durchgezogenen Basisteig. Achtung: Da die Stärke beim Erkalten hart wird, muss der Guss schnell verrührt und aufgetragen werden. Zubereitungstipp: Nehmen sie für die Dekoration eine Vertrauensperson hinzu! Guten Appetit!</p>
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