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		<title>Von Brunnen, Feldarbeit und Olympia</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Was geht Almanya]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 31 Mar 2022 09:18:09 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
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					<description><![CDATA[Skispringen ist seit den ersten olympischen Winterspielen 1924 fester Bestandteil des Programms. Aber nur das der Männer. Frauen mussten fast 100 Jahre warten, bis sie 2014 das erste Mal um olympische Medaillen von der Schanze fliegen durften. Entschieden wurde dies lange Zeit ausschließlich von Männern, für die der Sport zu gefährlich, harte Arbeit auf dem]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1"><strong>Skispringen ist seit den ersten olympischen Winterspielen 1924 fester Bestandteil des Programms. Aber nur das der Männer. Frauen mussten fast 100 Jahre warten, bis sie 2014 das erste Mal um olympische Medaillen von der Schanze fliegen durften. Entschieden wurde dies lange Zeit ausschließlich von Männern, für die der Sport zu gefährlich, harte Arbeit auf dem Feld aber akzeptabel für Frauen war. Warum <a href="https://www.meintestgelaende.de/schlagwort/sexismus/">Sexismus</a> im Sport noch lange nicht überwunden ist, erklären Aya und Medine von <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/almanya/">Was geht Almanya</a> in ihrem neuen Text.</strong></p>
<p><span id="more-14687"></span></p>
<p>Wenn wir über Gleichberechtigung reden, denken viele an Gender-Pay-Gap.  Sind Veränderungen also nur in dem Bereich erforderlich?  Was den Sport anbetrifft, wurde der Sexismus längst nicht überwunden.  Schon in der Vergangenheit durften Frauen sich an den <a href="https://www.meintestgelaende.de/schlagwort/olympia/">Olympischen Spielen</a> nicht beteiligen. <a href="https://www.meintestgelaende.de/schlagwort/sport/">Sport</a> macht unfruchtbar, sagten sie.  Doch haben sie das auch gesagt, als die Frauen den Haushalt mit Wasser aus dem oft weit entfernten Brunnen versorgt haben? Nein, sie haben geschwiegen.  War es etwa nicht anstrengend? Doch, war es.</p>
<p>Uns wurden im Laufe der Geschichte immer wieder implausible Erklärungen geliefert. Erklärungen, die sich Männer ausgedacht haben.  Beim Skispringen durften die Frauen nicht teilnehmen.  Skispringen gefährdet die Gebärmutter, sagten sie.  Doch haben sie das gesagt, als die Frauen auf den Feldern bis zur Erschöpfung gearbeitet haben? Nein, sie haben geschwiegen. War es etwa nicht anstrengend? Doch, war es.</p>
<p>Erst 1908 durften deutsche <a href="https://www.meintestgelaende.de/schlagwort/frauen/">Frauen</a> an den Olympischen Spielen teilnehmen.  Doch wurde das Problem damit gelöst? Nein, natürlich nicht.  Bei den Olympischen Spielen gibt es wieder die Trennung zwischen Athleten und Athletinnen. Und natürlich bewegt sich alles im binären System mit all den Zuschreibungen und Zuordnungen, die diese Vorstellungen mit sich bringen. Schwierig für Menschen, die sich als non-binär definieren und sich nicht einordnen lassen möchten – oder können.<br />
In den meisten Fällen genießen die <a href="https://www.meintestgelaende.de/schlagwort/maenner/">Männer</a> die Vorteile solcher Trennungen.  Doch was gewinnen die männlichen Athleten dadurch? Sie sind sichtbarer, sie werden gefeiert. Und sie gelten als Maßstab sportlicher Leistungen. Denn wenn es ein starkes Geschlecht geben soll, muss es zwangsläufig auch ein schwaches Geschlecht geben.</p>
<p>Warum können Männer* und Frauen* nicht gemeinsam an Skispring-Wettbewerben teilnehmen, wenn die Leistungen gleich sind? Warum haben Männer* und Frauen* getrennte Wettbewerbe bei Freestyle-Areals, obwohl sie ähnliche / gleiche Sprünge machen? Wovor haben Männer Angst? Dass Frauen* ähnliche oder gar bessere Leistungen erbringen können? Offensichtlich ja. Denn das, was nicht sein darf, darf nicht sein. Es wird Zeit, dass der olympische Gedanke der Antike, der offensichtlich in Teilen noch in unserer Gegenwart weiterlebt, der Realität menschlicher <a href="https://www.meintestgelaende.de/schlagwort/vielfalt/">Vielfalt</a> gerecht wird. Je eher, umso besser.</p>
<p>Aya und Medine</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>China im Licht der Öffentlichkeit: Wir, die Guten?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/03/china-im-licht-der-oeffentlichkeit-wir-die-guten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 24 Mar 2022 09:16:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[olympia]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Mit den olympischen und paralympischen Spielen stand China im Fokus der Öffentlichkeit. Diskutiert wurde über LGBTIQ*-Feindlichkeit und Rassismus gegen Teile der eigenen Bevölkerung. Gut so, schreibt Mare, aber kein Grund, darüber den Sexismus und Rassismus vor der eigenen Haustür zu übersehen. Genozid an den Uiguren, der vermeintliche sexuelle Missbrauch an der Tennisspielerin Peng Shuai und]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Mit den olympischen und paralympischen Spielen stand China im Fokus der Öffentlichkeit. Diskutiert wurde über LGBTIQ*-Feindlichkeit und Rassismus gegen Teile der eigenen Bevölkerung. Gut so, schreibt Mare, aber kein Grund, darüber den Sexismus und Rassismus vor der eigenen Haustür zu übersehen.</strong></p>
<p><span id="more-14674"></span></p>
<p align="justify">Genozid an den Uiguren, der vermeintliche sexuelle Missbrauch an der Tennisspielerin Peng Shuai und generell ein fehlender Respekt gegenüber Menschenrechten &#8211; Die Olympiade in China hat die Probleme des Landes in die mediale Öffentlichkeit des sogenannten Westens gerückt. Es ist wichtig, gegen diese Probleme zu protestieren. Gleichzeitig leiden schon seit Beginn der Pandemie chinesische und chinesischstämmige Menschen unter wachsendem anti-chinesischem Rassismus. Wir dürfen in unserer Kritik an China und der dort stattgefundenen Olympiade nicht vergessen, dass die Handlungen einer Regierung nie mit den Meinungen und Handlungen einzelner Personen gleichzusetzen sind.</p>
<p align="justify">Dieser Rassismus, Dinge nur schwarz oder weiß sehen zu können, führt auch dazu, dass wir unsere eigenen Probleme herunterspielen. Ein Beispiel: Vielleicht habt ihr das Glück, weniger als ich in sozialen Netzwerken wie Twitter aktiv zu sein. Falls ihr genauso wie ich leider zu viel Zeit dort verbringt, dann kennt ihr diese Diskussion vielleicht auch. Ein neuer Disneyfilm kommt bald raus und das Marketing verkündet stolz, dass schon wieder Disney neue bahnbrechende LGBTIQ*-Repräsentation zeigen wird. Im Endeffekt heißt das, dass sich zwei Frauen für zwei Sekunden im Hintergrund küssen. „Das ist wegen China!“, werden dann Disney-Fans sagen, um das arme milliardenschwere Medienimperium vor genervten Tweets zu verteidigen. „Man kann in China sowas nicht zeigen, deshalb müssen die das so machen, damit man das einfach rausschneiden kann.“</p>
<p align="justify">Hat China ein Problem mit Homophobie? Sicherlich. Das darf man auch nicht vergessen, wenn man über diese Diskussion spricht, und viele Gegenreaktionen auf Twitter und co. schlagen über das Ziel hinaus und verleugnen die Existenz davon. Aber gleichzeitig muss man sich fragen, ob ein so einflussreiches und vermögendes Medienmonopol wie Disney nicht in der Lage wäre, mehr Rückgrat zu zeigen. Gleichzeitig hat Disney auch keine reine Weste, was die Unterstützung von LGBTIQ*-Rechten im Westen angeht.<a class="sdfootnoteanc" href="https://www.yahoo.com/lifestyle/disney-called-out-funding-hate-florida-lgbtq-youth-213725312.html?guccounter=1&amp;guce_referrer=aHR0cHM6Ly93d3cuZ29vZ2xlLmNvbS8&amp;guce_referrer_sig=AQAAAC3ZTtoDsmKUokkJ-s_haS4s4QyI2g59j1KP5qh5dTvw8a543JgiCSwoaoiVte_dxATQ0s9hs-hWCCXuh4uCgRxgQrut957Cf78oTFfWcep3b-SfZg-GEyk3sk6aIkgI6bOdM2-gew_ayr6i_NY7pp3njjWMO_5zK7uV3b8hkvvP" name="sdfootnote1anc"><sup>1</sup></a> Wir müssen in der Lage sein können, Homophobie nicht nur als Problem „rückschrittiger“ Länder zu sehen, sonst ist das Homonationalismus<a class="sdfootnoteanc" href="https://www.meintestgelaende.de/2021/11/regenbogenflagge/" name="sdfootnote2anc"><sup>2</sup></a> und Homonationalismus ist immer auch rassistisch.</p>
<p align="justify">Natürlich wirkt das Beispiel von Twitterdiskussionen über Disney-Filme banal im Vergleich zu Themen wie Genozid, aber es zeigt ein Muster, dass sich durch unsere öffentlichen Diskussionen zieht: Wir sind die Guten, die anderen sind die Rückständigen und Probleme, mit denen sie zu kämpfen haben, gibt es bei uns nicht mehr. Die andere Seite, die gegen den Rassismus einstehen will, verleumdet dann häufig in diesen Twitter-Diskussionen die Existenz des ursprünglichen Problems. Aber das hilft natürlich auch niemandem.</p>
<p align="justify"><a name="_GoBack"></a> Die Olympischen Winterspiele 2022 sind vorbei, die Paralympics auch. Was andauern wird sind die Menschenrechtsverletzungen, unter denen die chinesische Bevölkerung zu leben hat, genauso wie der Rassismus, unter denen chinesische und chinesischstämmige Menschen zu leiden haben. Mit dem Einfall Russlands in der Ukraine gibt es ein neues Nr. 1 Nachrichtenthema, und auch wenn die internationale Solidarität mit der Ukraine gut und richtig ist, dürfen wir nicht vergessen, dass in vielen Fällen die russische Bevölkerung selbst unter ihrer Regierung leidet und Personen keine Schuld dafür haben, in Russland geboren oder russischer Abstammung zu sein.</p>
<p align="justify">Bei allem gilt: Wir müssen Nuancen erkennen können. Im Endeffekt sollten wir uns über Diskriminierung, Menschenrechtsverletzungen, Krieg und Genozid empören, weil uns Menschen wichtig sind. Dass wir dabei andere Menschen nicht mit unserem Rassismus unter den Bus werfen, ist fundamental. Und oft müssen wir als Menschen aus Westeuropa auch mal in solchen Diskussionen einen Schritt zurücktreten, um zu hören, was tatsächliche Betroffene zu sagen haben.</p>
<div id="sdfootnote1">
<p class="sdfootnote">
</div>
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