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	<title>Sprache &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>Sprache &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Sprache, Macht und Gender</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Veronika Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Aug 2021 07:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir starten in die neue Woche mit einem neuen Text unserer Autor*in Veronika Rieger. Veronika ist selbst nichtbinär und schreibt hier über Sprache, Macht und darüber, wie Personen, die weder Mann noch Frau sind, allzu häufig nur &#8222;mitgemeint&#8220; sind — und weshalb das ein Problem ist. Doch nicht nur das: Step by step erklärt Veronika auch noch,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Wir starten in die neue Woche mit einem neuen Text unserer Autor*in Veronika Rieger. Veronika ist selbst nichtbinär und schreibt hier über Sprache, Macht und darüber, wie Personen, die weder Mann noch Frau sind, allzu häufig nur &#8222;mitgemeint&#8220; sind </b><strong>—</strong><span class="Apple-converted-space"> </span><b>und weshalb das ein Problem ist. Doch nicht nur das: Step by step erklärt Veronika auch noch, wie wir es besser machen können. In diesem Sinne: Liebe Leser*innen, wir wünschen euch viel Spaß bei der Lektüre!</b></p>
<p><span id="more-13270"></span></p>
<p>Liebe Schwestern und Brüder, sehr geehrte Damen und Herren, geachtete Leser und Leserinnen&#8230;</p>
<p>Diesen Ansprachen fehlt etwas. Vielleicht ist es euch aufgefallen, vielleicht steht euch jetzt ein Fragezeichen im Gesicht. Vielleicht geht es euch auch wie mir. Ich bin nichtbinär und ich bin bei solchen Ansprachen oft nur mitgemeint. Während wir beim Thema gegenderte Sprache, die Frauen inkludiert, in unserer Gesellschaft schon etwas weiter sind, wird selbst im feministischen Diskurs gern vergessen, dass auch weitere Geschlechter außerhalb von Mann und Frau existieren.<br />
Für Menschen, die intersexuell sind oder zu den nichtbinären Geschlechtern (wie beispielsweise agender, genderfluid, demigender usw.) gehören, bleibt oft nur die Möglichkeit mitgemeint zu sein.<br />
Aber mitgemeint ist nicht ausreichend, denn es macht die Menschen unsichtbar, deren Geschlecht ein anderes ist und es vergrößert die Ungleichbehandlung von Menschen nichtmännlicher Geschlechter.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Unsere Sprache ist mächtig, denn sie beeinflusst die Bilder, die wir im Kopf haben und unsere Wahrnehmung der Welt, in der wir leben. Die Verwendung geschlechtersensibler Sprache kann geschlechter-stereotypen Bildern sowie Diskriminierungen und Benachteiligungen entgegenwirken und dabei helfen, Geschlechternormen und Rollendenken zu überwinden. Es gibt zahlreiche Forschungsarbeiten, die belegen, dass die Verwendung von nur männlichen Formen unserer Sprache, also dem generischen Maskulin, Menschen dazu bringt zuerst und vorrangig an Männer zu denken. Bei der Formulierung „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ denken Menschen also primär an männliche Fachpersonen. FINTA (das sind Frauen, Intersexuelle Menschen, nichtbinäre Menschen, Menschen die trans sind und agender Personen), sind zwar „mitgemeint“, sie werden aber tatsächlich meist nicht mitgedacht und fühlen sich oft nicht angesprochen oder ermutigt und fähig dazu z.B. Berufe oder soziale Rollen, die immer als männliche Form erwähnt werden, selbst zu ergreifen.</p>
<p>Um eine gerechtere Behandlung von Menschen aller Geschlechter in dieser Gesellschaft zu erreichen ist es also wichtig auch eine Sprache zu wählen, die alle Menschen mit einschließt und mit darstellt, damit sich unsere Bilder im Kopf und unsere Wahrnehmung der Welt dementsprechend erweitern.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>Aber ist das nicht mega umständlich?<br />
</b>Im Gegenteil, es beugt sogar Missverständnissen vor, denn gendergerechte Sprache bezeichnet konkret, wer alles gemeint ist. Es gibt Forschung dazu, die belegt, dass das Textverständnis der Leser*innen nicht leidet, wenn der Text geschlechtergerechte Sprache verwendet. Eine Sprache zu verwenden, die alle Geschlechter mit einschließt, <a href="https://www.tu-berlin.de/fileadmin/a70100710_gleichstellung/Diversity_Allgemeines/KFG-Leitfaden_geschlechtersensible_Sprache.pdf" target="_blank" rel="noopener">ist leicht zu erlernen und sowohl in schriftlicher als auch mündlicher Form gut machbar.</a></p>
<p><b>Aber das verändert doch Sprache künstlich?<br />
</b>Dass Sprache ein festes und beständiges Konstrukt ist, ist eine Fehlannahme, denn unsere Sprache ist ständig im Werden und verändert sich von alleine, dadurch, dass wir sie verwenden. Es entstehen neue Worte, wie beispielsweise durch die Pandemie „zoomen“, „Alltagsmaske“ und schon vorher „hamstern“. Und so wie neue Worte entstehen, verschwinden langsam auch veraltete Worte aus unserem Vokabular, weil sie unsere Lebensrealität nicht mehr widerspiegeln. Oder weißt du noch was „poussieren“ oder „Biedersinn“ bedeuten?</p>
<p><b>Aber wie viele Menschen betrifft das denn?</b><br />
Das ist schwer zu sagen, denn eine genaue Erfassung aller Geschlechtsidentitäten gibt es in Deutschland noch nicht. <a href="https://www.bundesverfassungsgericht.de/e/rs20171010_1bvr201916.html#abs10" target="_blank" rel="noopener">In Deutschland sind geschätzt ungefähr 0,2 % der Einwohner*innen intersexuell</a>, das sind bei 83,02 Millionen Einwohner*innen Deutschlands ungefähr 166 040 Menschen. Um das in eine begreifbare Größe zu setzen: Das ist mehr als zweimal die Allianzarena komplett voll.<br />
Dazu kommen all die Menschen, die zu den nichtbinären Geschlechtern gehören. Im Jahr 2016 gaben 3,3% der 3100 Befragten bei einer<i> Vermächtnisstudie</i> der ZEIT an, „entweder ein anderes Geschlecht zu haben als bei ihrer Geburt zugewiesen oder sich schlicht nicht als weiblich oder männlich zu definieren“ Das sind ca. 2,5 Millionen Menschen in Deutschland.<br />
Konkrete Zahlen bleiben, solange es keine große Statistik dazu gibt, schwer zu nennen. Deutlich wird aber: Es gibt eine große Gruppe an Menschen, die von einer nur binär gegenderten Sprache, also Sprache, die nur männliche und weibliche Formen verwendet, nicht mit erfasst und erwähnt wird.</p>
<p><b>Ist das nicht alles nur eine neumodische Phase?<br />
</b>Nein. Menschen, die Geschlechtern außerhalb des Mann &#8211; Frau &#8211; Spektrums angehören, sind keine “neumodische Erscheinung”, sondern existieren seit jeher in allen Gesellschaften und Kulturkreisen. <a href="https://missy-magazine.de/blog/2017/10/04/hae-was-heisst-denn-nicht-binaer/" target="_blank" rel="noopener">So gab und gibt es beispielsweise die Baklâ auf den Philippinen, Two Spirit bei der indigenen Bevölkerung Nordamerikas, die Māhū auf Hawaii und noch einige weitere.</a> Transgender Personen sind auch in Mitteleuropa seit der Antike bekannt.</p>
<p><b>Und wie kann geschlechtersensible Sprache aussehen?</b><br />
Deine Sprache kannst du zum Beispiel durch das Verwenden eines Gender-Sternchens gendergerecht machen. Du sagst dann „Liebe Leser*innen“. Das Gender-Sternchen zeigt dabei die Vielfalt aller Geschlechter auf.</p>
<p>Auch die Verwendung eines Doppelpunkts ist möglich, also „Liebe Leser:innen“. Der Doppelpunkt kann von einigen Lesehilfen für visuell eingeschränkte Personen besser ausgesprochen werden und ist im Sinne der Inklusion hilfreich, allerdings fühlen sich viele nichtbinäre Personen von ihm nicht gut dargestellt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Wenn du gegenderte Sprache in der gesprochenen Form verwendest, machst du eine kurze Sprechpause dort, wo der Doppelpunkt oder das Gender-Sternchen steht.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Wenn du lieber kein Sonderzeichen verwenden möchtest, lohnt es sich neutrale Personenbezeichnungen zu verwenden, wie beispielsweise: „Liebe Gäste“, „Liebes Publikum“ „Liebe Mitglieder“ , „Liebe Geschwister“, „Liebe Anwesende“, „medizinisches Fachpersonal“, „Lehrkraft“, usw.<br />
Diese geschlechtsneutralen Formulierungen erfordern manchmal ein bisschen sprachliches Geschick, sind aber auf alle Fälle ein guter Anreiz die eigene Sprache kreativ und vielfältig zu verwenden.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ich kann mich gut erinnern, als ich gelernt habe zu gendern. Ich saß mit lauter neuen Menschen zusammen und war ein bisschen irritiert und gleichzeitig sehr neugierig, warum diese alle eine Sprechpause machten und darauf achteten, alle in ihrer Sprache mit einzuschließen. Ich dachte eine Weile, dass gendern lernen schwierig ist, aber um ehrlich zu sein, geht es einem nach kürzester Zeit ganz flüssig von der Zunge. Natürlich kann man sich dagegen entscheiden gegenderte Sprache zu verwenden, obwohl sie ein so einfaches und dennoch so hilfreiches Werkzeug ist um Diskriminierung zu verringern und unsere Gesellschaft zum positiven zu verwenden. Aber das zeigt letztendlich mehr die eigene Ignoranz und Faulheit auf, als man vielleicht denkt.<br />
Wenn ich sehe, wie instinktiv und freudig junge Menschen heute an gegenderte Sprache herangehen und sie verwenden, dann freut mich das wahnsinnig und stimmt mich optimistisch. Ich glaube, Pinkstinks haben recht: Die Zeiten gendern sich.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Mit der Macht der Sprache hat sich auch Pia<a href="https://www.meintestgelaende.de/2020/10/pia-brauneis-worte-schaffen-werte/" target="_blank" rel="noopener"><strong> in ihrem Text für den LizzyNet-Schreibwettbewerb beschäftigt</strong></a>.</li>
<li>Und in den Kolumnen von Ika <a href="https://www.meintestgelaende.de/2021/04/inter-geschichte/" target="_blank" rel="noopener"><strong>erfahrt ihr mehr über das Inter-Sein</strong></a>.</li>
</ul>
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			</item>
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		<title>Sag&#8217;s korrekt, Bitch!</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/02/sags-korrekt-bitch/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jeco]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Feb 2016 08:00:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Redaktionsgruppe Jeco war auf dem taz lab 2015 und hat sich zum Thema gendergerechte Sprache, deren politische Bedeutung und auch Diskriminierung durch Sprache in der Podiumsdiskussion: „Sag´s korrekt Bitch!“ mit Rehan Sahin (Lady Bitch Ray), Lann Hornscheid und Ferda Ataman umgehört. Denn &#8222;Sag´s korrekt Bitch!&#8220; erklärt warum Sprache und ihre bewusste Anwendung so wichtig]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Unsere Redaktionsgruppe Jeco war auf dem taz lab 2015 und hat sich zum Thema gendergerechte Sprache, deren politische Bedeutung und auch Diskriminierung durch Sprache in der Podiumsdiskussion: „Sag´s korrekt Bitch!“ mit Rehan Sahin (Lady Bitch Ray), Lann Hornscheid und Ferda Ataman umgehört. Denn &#8222;Sag´s korrekt Bitch!&#8220; erklärt warum Sprache und ihre bewusste Anwendung so wichtig ist.</p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Verdana,sans-serif;"><span style="font-size: small;"> </span></span></span></p>
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		<title>Von gegenderter Sprache und ihren Folg_Innen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2015/09/von-gegenderter-sprache-und-ihren-folg_innen/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Fee]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Sep 2015 09:00:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Poetry Slam]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
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					<description><![CDATA[„Ich gender dich tot, bitch.“ Aber so ein schönes Wort ist Studentenwohnheim dann auch wieder nicht! Sprache ist nice. Darüber sind wir uns in der Welt doch ziemlich einig. Ist ja auch kein Wunder, unsere Welt wird zum Großteil von Sprache bestimmt. Die ganzen großartigen Ereignisse unseres Lebens haben und hatten was damit zu tun:]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>„Ich gender dich tot, bitch.“ Aber so ein schönes Wort ist Studentenwohnheim dann auch wieder nicht!</b></p>
<p>Sprache ist nice.</p>
<p>Darüber sind wir uns in der Welt doch ziemlich einig. Ist ja auch kein Wunder, unsere Welt wird zum Großteil von Sprache bestimmt. Die ganzen großartigen Ereignisse unseres Lebens haben und hatten was damit zu tun: Liebeserklärungen werden meistens sprachlich rübergebracht, wichtige Klausuren haben wir geschrieben statt gemalt, die Beförderung wurde uns vermutlich auch eher schriftlich mitgeteilt als vorgetanzt, aufmunternde Worte sind genauso wichtig wie Umarmungen, wir haben unsere Lieblingsbücher und unsere Lieblingsgedichte, die Leute, mit denen wir uns gut unterhalten können, mögen wir auch gern, unser Lieblingslied mit den deepen lyrics hat unser Leben verändert und wir werden nie vergessen, was der beste Freund damals in der Grundschule als erstes zu uns gesagt hat.</p>
<p>„Ein Ponyhof“ ist zwar Sprache, aber Sprache ist natürlich kein Ponyhof. Man kann mit ihr ja auch Beleidigungen formulieren, Missverständnisse erschaffen, Hassparolen von sich geben und diskriminieren. Und genau darum geht es.</p>
<p>Ich denke, im Prinzip haben wir alle die Macht der Sprache verstanden. Wir wissen, dass es für Kinder wichtig ist, Lesen und Schreiben zu lernen, weil das der Zugang zur Bildung und einem besseren Leben ist. Wir wissen, dass man Formulierungen wie „Untermensch“ aus seinem Sprachgebrauch streichen sollte, weil die Nazis durch solche Zuschreibungen ihre menschenverachtende Ideologie mitgestützt haben. Mittlerweile haben wir vielleicht sogar größtenteils kapiert, dass „schwul“ eine sexuelle Orientierung ist und sich daher eher weniger als Schimpfwort eignet. Klar, manchmal muss man auf den Schulhöfen noch erklären, warum die Virgina-Clarise keine „blöde Schwuchtel“ ist, wenn sie dich nicht abschreiben lässt, und auch (schon allein von der Logik her) keine „dumme Schlampe“, wenn sie dich beim Flaschendrehen nicht küssen will, und den Eltern von der Virginia-Clarise muss man vielleicht auch erklären, dass die Idee, ihre Tochter Virginia-Clarise zu nennen, keine von den ganz herausragenden war. Aber so im Prinzip habe ich das Gefühl, dass wir das langsam verstanden haben: Sprache ist mächtig und deshalb wichtig.</p>
<p>Trotzdem gibt es in meiner Moderatorinnentätigkeit bei Poetry Slams einen Witz, auf den ich immer zählen kann: Wenn mein Co-Moderator sagt „Es treten heute zehn Poeten auf“, muss ich einwerfen: „Und Poetinnen!“ Zack, die Leute werden lachen.</p>
<p>Das ist die einfachste Sache der Welt und das Traurige: Es funktioniert immer. Zehnmal am selben Abend, wenn es länger dauert, auch zwanzigmal. Ich gendere und die Leute lachen. Und ein bisschen kann ich auch verstehen, warum.</p>
<p>Ich verstehe, warum die Rolle der etwas verbissenen Feministin, die nach jedem Satz „und -Innen!“ ruft, etwas Komisches hat. Ich kann sogar nachvollziehen, dass Menschen mittlerweile so genervt sind von der Überkorrektheit der Sprache, dass sie diese Ironie brauchen. Bei einem Poetry Slam zum Thema Gender kam wohl einmal ein Teilnehmer auf die Bühne und wiederholte den Satz „Ich gender dich tot, bitch“ solange, bis das Zeitlimit ausgelaufen war. Manchmal fühlt sich das im echten Leben bestimmt auch so an, das kann ich verstehen.</p>
<p>Aber wenn die simple Tatsache, dass ich in meiner Moderation 50 Prozent der Weltbevölkerung mitberücksichtige, auch beim zehnten Mal noch unfassbar komisch ist, dann frage ich mich doch, ob da nicht vielleicht noch mehr dahinter steckt als bloß ein bisschen Ironie oder Genervtheit.</p>
<p>Ich betreue die Webpräsenz unserer Fachschaftsarbeit und habe vor einiger Zeit online eine kurze Meldung über ein „Studierendenwohnheim“ geschrieben, das noch Leute sucht. Danach kam eine eigentlich sehr ruhige und liebe Kommilitonin relativ aufgebracht auf mich zu, wollte mich -so sagte sie jedenfalls- „erwürgen“ und regte sich darüber auf, dass ich das Wort gegendert hätte. „Es heißt eben einfach nicht Studierendenwohnheim! Das klingt kacke!“, sagte sie, bevor sie den Raum verließ.</p>
<p>Das ist die andere Reaktion, die ich oft miterlebe: Aggression. Unverhältnismäßige Wut auf die Menschen, die ihre Überzeugungen unbedingt in die Sprache tragen müssen. „Als würde das etwas bringen!“</p>
<p>Auch, dass man eine Liebe zur Ästhetik entwickelt, kann ich nachvollziehen. Ich studiere u.a. Germanistik, ich bin Poetin und Autorin: Ich liebe Sprache, ehrlich! Aber eine gerechtere Welt ist mir wichtiger als mein Ästhetikempfinden. Und erwürgen will ich deshalb niemanden.</p>
<p>Bei beiden Reaktionen liegt es doch nahe zu fragen, ob es hier nicht doch um mehr geht. Warum ist es so verdammt witzig, die Realität sprachlich abzubilden? Warum ist es so unglaublich nervig, ein Ideal sprachlich zu vermitteln? Geht es hier nicht vielleicht um unterdrückende Strukturen, an die wir uns recht gut gewöhnt haben? Oder um einen Diskurs, in dem es eigentlich um Gleichwertigkeit statt um Sprache geht?</p>
<p>In einer Studie von Dries Vervecken und Bettina Hannover diesen Jahres wurden Kindern Berufe vorgestellt &#8211; bei einer Gruppe in der „normalen“ Version (denn „normal sein“ heißt männlich sein &#8211; oder Kindergärtnerin ) und bei einer anderen Gruppe mit den weiblichen (bzw. männlichen) Endungen, also: Ärzte und Ärztinnen, Maurer und Maurerinnen, aber auch Nageldesignerin und Nageldesigner. Danach wurden die Kinder gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, diesen Beruf später mal zu ergreifen. Und siehe da: Aus der Gruppe, in der beide Geschlechter in der Sprache berücksichtigt wurden, konnten Mädchen sich um einiges eher vorstellen, typisch männliche Berufe zu ergreifen und Jungen hatten kein Problem damit, einen weiblich konnotierten Beruf auszuüben, während die Ergebnisse in der „normalen“ Gruppe erschreckend waren. Das ist bei weitem nicht die einzige Studie, im englischsprachigen Raum gibt es massig Studien, die genau das belegen: dass Sprache von uns als Wahrheit anerkannt wird, aber auch neue Wahrheit schaffen kann. Und das, wo die englische Sprache ohnehin schon viel weniger diskriminiert als die deutsche! Es wäre also gar nicht mal so schlecht vorstellbar, dass dieser Effekt im Deutschen noch größer ist.</p>
<p>Und werfen wir doch kurz mal einen Blick in die Realität: Wir haben etwa ziemlich genau zur Hälfte männliche und weibliche Menschen auf der Welt. Die wirklich anerkannten Berufe allerdings, also z.B. Arzt, Architekt, Professor, Firmenchef oder Regisseur werden so richtig erfolgreich irgendwie fast nur von Männern ausgeübt. Eben von Ärzten und Firmenchefs, nicht von Ärztinnen und Chefinnen. Seltsam, oder?</p>
<p>Fast so seltsam wie die Tatsache, dass auch Putzfrauen meistens Frauen sind, Kindergärtner hart damit zu kämpfen haben, wenn sie männlich sind und die Krankenschwester eben auch nicht als Bruder gerufen wird. Aber vielleicht sind Frauen eben einfach prinzipiell dümmer, schwächer und weniger ehrgeizig?</p>
<p>Das mit der Sprache und dem Weltbild, das hat doch schon öfter geklappt. Wäre das nicht einen Versuch wert? Einfach mal ein bisschen -Innen anhängen oder zu -nden umformen und hoffen, dass sich das auf unser Bewusstsein auswirkt? Dass Frauen sich dann plötzlich immer und alle mitgemeint fühlen? Weil, dass mir manche superselbstbewusste Damen erzählen, sie würden sich schon mitgemeint fühlen und SIE hätten kein Problem, find ich ehrlich ganz toll. Zwar ist von denen auch niemand da gelandet, wo man sonst eher als Mann hinkommt, aber, wenn sie kein Problem damit haben, ist das doch prima. (Klar benutzen gerade diese Frauen weibliche Zuordnungen dann oft abwertend, aber hey!)</p>
<p>Ich denke nur einfach, dass es in unserer Gesellschaft darum gehen sollte, sich um genau die zu kümmern, die ein Problem haben, für die eben noch nicht alles stimmt, die sich ungleich behandelt fühlen. Und wenn es sich dabei nicht um eine Randgruppe handelt, sondern um annähernd 50 Prozent von allen, dann wird das gleich noch etwas drängender. Einen eigenen Artikel wären dann natürlich noch all jene wert, die eben weder Mann, noch Frau, sondern dazwischen sind. Aber wisst ihr was? Dafür gibt es auch eine schöne Lösung: Den Unterstrich! Student_innen und alle sind dabei. Nice, oder?</p>
<p>Und ja, manchmal hört sich das Gegender einfach kacke an! Klar, das liegt eben auch daran, dass wir etwas anderes gewöhnt sind. In ein paar Jahren tut´s nicht mehr so weh; Versprochen! Außerdem wäre das Ziel ja gar nicht unbedingt, dass alles immer gegendert wird, sondern dass wir irgendwann dahin kommen, wo ich Bauarbeiterin sagen kann und sich auch alle Bauarbeiter mitgemeint fühlen. Ist im Moment aber nicht so. Wenn irgendwann die Verhältnisse in der Realität wirklich gleich sind und Männer kein Problem mehr damit haben oder sich gar beleidigt fühlen, wenn man sie in der weiblichen Form anspricht, Frauen dafür so zahlreich und mit so vielen „weiblichen“ Verhaltensweisen wie sie wollen in den hohen Positionen sitzen, dass es sie nicht stört, als Manager angesprochen zu werden, dann können wir das von mir aus gern wieder lassen. Bis dahin tut uns allen den Gefallen und denkt mal drüber nach, was daran so schlimm oder witzig ist, die Gleichberechtigung ein bisschen vorwärts zu bringen und eben von Poeten und Poetinnen zu sprechen, wenn Poeten und Poetinnen anwesend sind.</p>
<p>So viele Menschen werden unglücklich, weil sie nicht dem entsprechen, was wir ihren Geschlechtern vorschreiben wollen und in jedem Satz durch ungegenderte Sprache werden sie und wir wieder daran erinnert, dass da jemand nicht den Konventionen entspricht. Mir persönlich ist es das wert, Menschen glücklicher zu machen (ja, das hab ich geschrieben: so richtig mit Einhorn und Glitzer und Kitsch) und dafür ein Auge bei der Sprachästhetik zuzukneifen. Beim Genitiv oder den immer falsch verwendeten Imperativen stört euch das doch auch nicht so! Also, lasst uns das doch versuchen, das könnte sich echt lohnen.</p>
<p>Und ganz ehrlich: So ein schönes Wort ist „Studentenwohnheim“ dann auch wieder nicht!</p>
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