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	<title>Sprache &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>Sprache &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Wenn Sprache die Verantwortung verschiebt</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2026/09/wenn-sprache-die-verantwortung-verschiebt-jp-kraemers-rhetorische-selbstinszenierung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Romy]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 09 Sep 2026 10:00:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
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					<description><![CDATA[Wenn Täter sich selbst als Opfer inszenieren: Romy analysiert, wie Worte Schuld relativieren, Mitleid erzeugen und Verantwortung verschieben können. „Es sind immer zwei Personen. Immer zwei. Und ich war in diesem Moment nicht stark genug, mich wegzudrehen und einfach zu gehen.“ Das sagt Autotuner, Unternehmer und Content-Creator Jean Pierre Kraemer in einem Video. Es ist]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wenn Täter sich selbst als Opfer inszenieren: Romy analysiert, wie Worte Schuld relativieren, Mitleid erzeugen und Verantwortung verschieben können.</strong><span id="more-17606"></span></p>
<p>„Es sind immer zwei Personen. Immer zwei. Und ich war in diesem Moment nicht stark genug, mich wegzudrehen und einfach zu gehen.“</p>
<p>Das sagt Autotuner, Unternehmer und Content-Creator Jean Pierre Kraemer in einem Video. Es ist das zweite von insgesamt drei Stellungnahmen, in denen sich Jean Pierre Kraemer, kurz JP, zu den Vorwürfen der häuslichen Gewalt an seiner Ehefrau Julia Meck äußert. Vorwürfe, die inzwischen durch veröffentlichtes Videomaterial weiter untermauert wurden.</p>
<p>Obwohl in JPs Videos mehr als einmal der Satz „Ich möchte mich entschuldigen“ fällt und er die Taten nicht bestreiten möchte – wie ein tatsächliches Eingeständnis der Schuld oder ein Bewusstsein derselben wirkt keine dieser Stellungnahmen. Vielmehr scheint JP zu versuchen, und sei es nur durch scheinbar irrelevante Nebensätze, sich selbst nicht als Täter der Situation darzustellen – sondern auch als eine Art Opfer. Die Verantwortung für sein Handeln schiebt er von sich weg. Dieses Verhalten könnte sich unter dem Begriff „Victim-Playing“ einordnen lassen.</p>
<h2>„Victim-Playing“ – Das Verschieben der Schuld</h2>
<p>„Victim-Playing“ beschreibt ein Phänomen, bei dem sich die eigentlichen Täter von ihrer Position zu distanzieren versuchen. Das kann sich unterschiedlich zeigen: Manche Täter streiten ihr Handeln und das, was sie damit verursacht haben, vollständig ab. Sie leugnen das Geschehene, um nicht in die Verantwortung gezogen zu werden. Andere drehen die Rollen um oder verändern sie so, dass die betroffene Person als die eigentlich Schuldige oder aber als Mitschuldige inszeniert wird. Betroffenen wird dabei häufig durch ihr Verhalten eine Teilschuld zugewiesen: Sie seien zum Beispiel durch „provozierendes Verhalten“ oder „anzügliche Kleidung“ Ursache oder Katalysator für die Tat.</p>
<p>Ein Satz, der in diesem Kontext häufig fallen kann, erinnert an das Einstiegszitat: „Es gehören immer zwei dazu.“</p>
<h2>Julia, die Presse und JPs Umgang mit der Schuld</h2>
<p>In den Videos von JP zeigt sich, dass er auf drei verschiedenen Ebenen zu versuchen scheint, seine eigene Verantwortung und Schuld als Täter von sich wegzuschieben. Er konstruiert unterschiedliche Narrative und schafft es so mehr und mehr, sich aus der Rolle des gewalttätigen Ehemanns herauszuwinden.</p>
<h3>Das Narrativ von Julia</h3>
<p>„Ich bin ein Mensch, der zehn Euro am Geldautomaten abheben würde. Ich würde auch fünf Euro abheben, wenn das möglich wäre. Julia war … nicht so“, sagt er in seinem ersten Statement im Kontext der Streitigkeiten, die sie bei finanziellen Angelegenheiten gehabt haben sollen. Dabei geht er auch auf eine Halskette ein, die er ihr geschenkt und während der Handgreiflichkeiten vom Hals gerissen haben soll: „Gefühlt war keine Dankbarkeit wirklich da, gefühlt war alles immer selbstverständlich“.</p>
<p>JP kreiert durch diese scheinbar nebensächlich wirkenden Erzählungen ein bestimmtes Narrativ von Julia. Das Narrativ einer Frau, die einerseits auf Geld fokussiert, andererseits „undankbar“ für dieses zu sein scheint. Auch wenn er das Bild nicht weiter malt: Es bleibt eine schemenhafte Skizze liegen, die den Zuschauenden zeigen soll, was für eine Art von Mensch Julia angeblich gewesen sei.</p>
<p>Die Rolle JPs als Täter rückt immer weiter in den Schatten, während das Scheinwerferlicht nun stattdessen Julias Person und ihre Rolle innerhalb der Beziehungsdynamik beleuchtet.</p>
<h3>Die Rolle der Presse</h3>
<p>Neben der Konstruktion eines bestimmten Narrativs von Julia lässt sich ein weiterer roter Faden erkennen, der sich durch die Statements von JP zieht: die Rolle der Presse, die ihn in diese Lage bringen würde. Dabei äußert er sich unter anderem so: „Viele von euch können sich vorstellen, was diese Pressewelt da draußen macht. Und es gibt Menschen da draußen, die mich hassen.“ Es scheint so, als wolle er mit seiner Stellungnahme der Presse zuvorkommen wollen – etwas, das nicht per se falsch ist. Interessant ist aber, wie er sein Verhältnis zu „der Pressewelt“ in seinen Videos schildert – und welche Wirkung er damit erzielen könnte.</p>
<p>Dabei bezeichnet er die mögliche Berichterstattung über die Gewalttaten als eine „Schlammschlacht“, die auf ihn zukommen würde. Das Veröffentlichen der Statement-Videos sei außerdem unter einem Zwang seitens der Presse entstanden, die damit gedroht haben soll, zu behaupten, was sie wolle.</p>
<p>Es ist zwar richtig und wichtig, sich vor Augen zu führen, dass die Medienwelt einen großen Einfluss auf die öffentliche Meinung hat und somit viel Verantwortung trägt für das, was sie publiziert. Dass man sich vor dieser Macht fürchtet, ist verständlich – und trotzdem macht das JP nicht weniger zum Täter. Es zieht ihn auch nicht aus seiner Verantwortung. Indem JP allerdings ein dermaßen schweres Gewicht auf die Rolle der Medienwelt legt, die ihn zu der Stellungnahme zwingen würde, rückt er erneut als Täter in den Hintergrund – und die Presse als Medium, das ihm schaden könnte, in den Vordergrund.</p>
<h3>JPs Umgang mit seiner Schuld</h3>
<p>JP gesteht seine Taten ein – etwas anderes ist auch kaum möglich, nachdem Aufnahmen einer Überwachungskamera veröffentlicht wurden, in denen die häusliche Gewalt gegenüber Julia klar ersichtlich ist. Eine Tat einzugestehen bedeutet aber nicht, sich der eigenen Schuld vollständig bewusst sein zu müssen – das zeigt JP in seinen Videos.</p>
<p>Wenn er über die Gewalttaten spricht, verwendet JP häufig das Wort „Kontrolle“:</p>
<p>„Ich bin kein böser Mensch. <strong>Ich bin, glaub ich, einfach nicht ganz &#8230; in Kontrolle immer.</strong> {…} Ich habe mein Bestes versucht.“</p>
<p>„Ich habe <strong>mein Bestes gegeben, mich dort unter Kontrolle zu halten</strong>, mich dort als erwachsener Mensch zu benehmen. Aber ich habe es in diesen Situationen nicht geschafft. {…} Ich habe es einfach nicht geschafft, und das war scheiße, und fertig.“</p>
<p>JP scheint sich selbst nicht direkt als Täter zu sehen. Er schiebt die Position eines gewalttätigen Ehemanns von sich weg und legt den Fokus stattdessen auf Kontrolle.</p>
<p>Es wirkt so, als sei er sich seiner Verantwortung, diese Gewalt ausgeübt zu haben, gar nicht bewusst – er verlegt die Verantwortlichkeit auf eine Eigenschaft, über die er machtlos sei. Dabei stellt er die Situation so dar, als habe er zwar gegen den Kontrollverlust angekämpft, diesen Kampf aber verloren. Erneut distanziert er sich dadurch von der Position als Täter und inszeniert sich als eine Art Opfer, das den Kampf gegen sich selbst verloren habe.</p>
<p>JP reduziert seine Tat nicht nur auf seinen Kontrollverlust. Mit dem Satz „Ich habe mein Bestes gegeben, mich dort unter Kontrolle zu halten, mich dort <strong>als erwachsener Mensch zu benehmen</strong>“ bringt er einen weiteren Aspekt ins Spiel, der seine Tat bagatellisieren könnte. Er ordnet sein Verhalten nicht als das eines erwachsenen Menschen ein. Somit reduziert er sein Handeln auf etwas Kindliches und nicht auf das, was es ist: das Handeln eines Täters.</p>
<p>JP hat in seinen Videos bereits ein bestimmtes Narrativ von Julia geschaffen – dasselbe scheint er auch bei sich selbst zu tun. Sein eigenes Narrativ geht allerdings in eine andere Richtung:</p>
<p>„Menschen, die ich wirklich mochte, da habe ich gemerkt, was die über mich denken oder sagen, ist super verletzend. Kann meine Schuld sein, dass ich das einfach nicht gesehen habe.“</p>
<p>„Ich war in diesem Moment nicht stark genug, mich wegzudrehen und einfach zu gehen.“</p>
<p>„Es tut mir leid, ich habe es teilweise einfach nicht besser gewusst.“</p>
<p>„Mein Hoffen und mein Kämpfen {für die Beziehung} war da zu groß.“</p>
<p>Es wirkt so, als wolle JP seine Schuld verschleiern, indem er seine Unschuld hervorhebt: Er sei hintergangen worden, sei nicht stark genug gewesen, unwissend oder habe zu sehr für die Beziehung kämpfen wollen. Er betont seine Verletzlichkeit und seine Naivität und schiebt damit offenbar erneut seine Gewalttaten in den Schatten, indem er Seiten von sich hervorhebt, die nicht mit typischem Täterverhalten assoziiert werden.</p>
<p>Solche Eigenschaften, die er in seinen Videos betont, hebeln aber nicht seine Taten aus. Er kann „naiv“ gewesen sein, er kann „verletzt“ gewesen sein – und trotzdem ist er Täter und hat Gewalt ausgeübt. Auf Zuschauende kann dieses Narrativ, das er von sich selbst schafft, etwas hervorrufen, das das Gewicht seiner Taten leichter machen könnte: Mitleid. Und anhand der Kommentare unter seinem ersten Statement-Video wird ersichtlich, dass das zum Teil auch funktioniert hat:</p>
<p>„Respekt für diese schonungslose Offenheit und den Mut, sich in so einer verletzlichen Phase direkt und ungefiltert an die Community zu wenden“</p>
<p>„Man sieht, dass es dir nahe geht &#8230;&#8230;. Lass dich nicht unterkriegen. Ich hoffe, es bleibt alles bei dir, was dir gehört. Viel Kraft an dich &lt;3“</p>
<p>Der Rückhalt, den JP zum Teil erfährt, ist leider nicht überraschend. Er zeigt aber, dass die Darstellung von Julia und von sich selbst eine Wirkung zu haben scheint. Einige Personen fühlen mit, beschreiben das Geschehene als „menschlich“. Es wirkt so, als sei JP für viele und vielleicht auch für sich selbst nicht nur Täter, sondern auch eine Art Opfer. Die Verantwortung hat sich verschoben.</p>
<h2>Das Private ist politisch</h2>
<p>Oft hört man, häusliche Gewalt sei etwas, das man in den eigenen vier Wänden klären müsse. Etwas, das niemanden etwas angehe. Doch das stimmt nicht. Häusliche Gewalt ist kein Problem hinter verschlossenen Türen. Sie zeigt patriarchale Strukturen, die tief in unserer Gesellschaft verwurzelt sind. Es ist wichtig, häusliche Gewalt nicht als „Privatthema“ zu betrachten. Solange wir das tun, bleibt alles beim Alten. Veränderung beginnt erst, wenn Gewalt aus dem Privaten ans Licht kommt.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Quellen:</strong><br />
<small><a href="https://www.youtube.com/@jpperformance" target="_blank" rel="noopener noreferrer">JP Performance GmbH</a>, Statement Jean Pierre Kraemer, <a href="https://www.youtube.com/watch?v=mtdEuKG01Fs" target="_blank" rel="noopener noreferrer">YouTube</a> &amp; <a href="https://www.instagram.com/jeanpierrekraemer/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Instagram</a>, abgerufen am 28.08.2026</small></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sprache, Macht und Gender</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/08/sprache-macht-und-gender/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Veronika Rieger]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Aug 2021 07:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir starten in die neue Woche mit einem neuen Text unserer Autor*in Veronika Rieger. Veronika ist selbst nichtbinär und schreibt hier über Sprache, Macht und darüber, wie Personen, die weder Mann noch Frau sind, allzu häufig nur &#8222;mitgemeint&#8220; sind — und weshalb das ein Problem ist. Doch nicht nur das: Step by step erklärt Veronika auch noch,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Wir starten in die neue Woche mit einem neuen Text unserer Autor*in Veronika Rieger. Veronika ist selbst nichtbinär und schreibt hier über Sprache, Macht und darüber, wie Personen, die weder Mann noch Frau sind, allzu häufig nur &#8222;mitgemeint&#8220; sind </b><strong>—</strong><span class="Apple-converted-space"> </span><b>und weshalb das ein Problem ist. Doch nicht nur das: Step by step erklärt Veronika auch noch, wie wir es besser machen können. In diesem Sinne: Liebe Leser*innen, wir wünschen euch viel Spaß bei der Lektüre!</b></p>
<p><span id="more-13270"></span></p>
<p>Liebe Schwestern und Brüder, sehr geehrte Damen und Herren, geachtete Leser und Leserinnen&#8230;</p>
<p>Diesen Ansprachen fehlt etwas. Vielleicht ist es euch aufgefallen, vielleicht steht euch jetzt ein Fragezeichen im Gesicht. Vielleicht geht es euch auch wie mir. Ich bin nichtbinär und ich bin bei solchen Ansprachen oft nur mitgemeint. Während wir beim Thema gegenderte Sprache, die Frauen inkludiert, in unserer Gesellschaft schon etwas weiter sind, wird selbst im feministischen Diskurs gern vergessen, dass auch weitere Geschlechter außerhalb von Mann und Frau existieren.<br />
Für Menschen, die intersexuell sind oder zu den nichtbinären Geschlechtern (wie beispielsweise agender, genderfluid, demigender usw.) gehören, bleibt oft nur die Möglichkeit mitgemeint zu sein.<br />
Aber mitgemeint ist nicht ausreichend, denn es macht die Menschen unsichtbar, deren Geschlecht ein anderes ist und es vergrößert die Ungleichbehandlung von Menschen nichtmännlicher Geschlechter.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Unsere Sprache ist mächtig, denn sie beeinflusst die Bilder, die wir im Kopf haben und unsere Wahrnehmung der Welt, in der wir leben. Die Verwendung geschlechtersensibler Sprache kann geschlechter-stereotypen Bildern sowie Diskriminierungen und Benachteiligungen entgegenwirken und dabei helfen, Geschlechternormen und Rollendenken zu überwinden. Es gibt zahlreiche Forschungsarbeiten, die belegen, dass die Verwendung von nur männlichen Formen unserer Sprache, also dem generischen Maskulin, Menschen dazu bringt zuerst und vorrangig an Männer zu denken. Bei der Formulierung „Fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“ denken Menschen also primär an männliche Fachpersonen. FINTA (das sind Frauen, Intersexuelle Menschen, nichtbinäre Menschen, Menschen die trans sind und agender Personen), sind zwar „mitgemeint“, sie werden aber tatsächlich meist nicht mitgedacht und fühlen sich oft nicht angesprochen oder ermutigt und fähig dazu z.B. Berufe oder soziale Rollen, die immer als männliche Form erwähnt werden, selbst zu ergreifen.</p>
<p>Um eine gerechtere Behandlung von Menschen aller Geschlechter in dieser Gesellschaft zu erreichen ist es also wichtig auch eine Sprache zu wählen, die alle Menschen mit einschließt und mit darstellt, damit sich unsere Bilder im Kopf und unsere Wahrnehmung der Welt dementsprechend erweitern.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>Aber ist das nicht mega umständlich?<br />
</b>Im Gegenteil, es beugt sogar Missverständnissen vor, denn gendergerechte Sprache bezeichnet konkret, wer alles gemeint ist. Es gibt Forschung dazu, die belegt, dass das Textverständnis der Leser*innen nicht leidet, wenn der Text geschlechtergerechte Sprache verwendet. Eine Sprache zu verwenden, die alle Geschlechter mit einschließt, <a href="https://www.tu-berlin.de/fileadmin/a70100710_gleichstellung/Diversity_Allgemeines/KFG-Leitfaden_geschlechtersensible_Sprache.pdf" target="_blank" rel="noopener">ist leicht zu erlernen und sowohl in schriftlicher als auch mündlicher Form gut machbar.</a></p>
<p><b>Aber das verändert doch Sprache künstlich?<br />
</b>Dass Sprache ein festes und beständiges Konstrukt ist, ist eine Fehlannahme, denn unsere Sprache ist ständig im Werden und verändert sich von alleine, dadurch, dass wir sie verwenden. Es entstehen neue Worte, wie beispielsweise durch die Pandemie „zoomen“, „Alltagsmaske“ und schon vorher „hamstern“. Und so wie neue Worte entstehen, verschwinden langsam auch veraltete Worte aus unserem Vokabular, weil sie unsere Lebensrealität nicht mehr widerspiegeln. Oder weißt du noch was „poussieren“ oder „Biedersinn“ bedeuten?</p>
<p><b>Aber wie viele Menschen betrifft das denn?</b><br />
Das ist schwer zu sagen, denn eine genaue Erfassung aller Geschlechtsidentitäten gibt es in Deutschland noch nicht. <a href="https://www.bundesverfassungsgericht.de/e/rs20171010_1bvr201916.html#abs10" target="_blank" rel="noopener">In Deutschland sind geschätzt ungefähr 0,2 % der Einwohner*innen intersexuell</a>, das sind bei 83,02 Millionen Einwohner*innen Deutschlands ungefähr 166 040 Menschen. Um das in eine begreifbare Größe zu setzen: Das ist mehr als zweimal die Allianzarena komplett voll.<br />
Dazu kommen all die Menschen, die zu den nichtbinären Geschlechtern gehören. Im Jahr 2016 gaben 3,3% der 3100 Befragten bei einer<i> Vermächtnisstudie</i> der ZEIT an, „entweder ein anderes Geschlecht zu haben als bei ihrer Geburt zugewiesen oder sich schlicht nicht als weiblich oder männlich zu definieren“ Das sind ca. 2,5 Millionen Menschen in Deutschland.<br />
Konkrete Zahlen bleiben, solange es keine große Statistik dazu gibt, schwer zu nennen. Deutlich wird aber: Es gibt eine große Gruppe an Menschen, die von einer nur binär gegenderten Sprache, also Sprache, die nur männliche und weibliche Formen verwendet, nicht mit erfasst und erwähnt wird.</p>
<p><b>Ist das nicht alles nur eine neumodische Phase?<br />
</b>Nein. Menschen, die Geschlechtern außerhalb des Mann &#8211; Frau &#8211; Spektrums angehören, sind keine “neumodische Erscheinung”, sondern existieren seit jeher in allen Gesellschaften und Kulturkreisen. <a href="https://missy-magazine.de/blog/2017/10/04/hae-was-heisst-denn-nicht-binaer/" target="_blank" rel="noopener">So gab und gibt es beispielsweise die Baklâ auf den Philippinen, Two Spirit bei der indigenen Bevölkerung Nordamerikas, die Māhū auf Hawaii und noch einige weitere.</a> Transgender Personen sind auch in Mitteleuropa seit der Antike bekannt.</p>
<p><b>Und wie kann geschlechtersensible Sprache aussehen?</b><br />
Deine Sprache kannst du zum Beispiel durch das Verwenden eines Gender-Sternchens gendergerecht machen. Du sagst dann „Liebe Leser*innen“. Das Gender-Sternchen zeigt dabei die Vielfalt aller Geschlechter auf.</p>
<p>Auch die Verwendung eines Doppelpunkts ist möglich, also „Liebe Leser:innen“. Der Doppelpunkt kann von einigen Lesehilfen für visuell eingeschränkte Personen besser ausgesprochen werden und ist im Sinne der Inklusion hilfreich, allerdings fühlen sich viele nichtbinäre Personen von ihm nicht gut dargestellt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Wenn du gegenderte Sprache in der gesprochenen Form verwendest, machst du eine kurze Sprechpause dort, wo der Doppelpunkt oder das Gender-Sternchen steht.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Wenn du lieber kein Sonderzeichen verwenden möchtest, lohnt es sich neutrale Personenbezeichnungen zu verwenden, wie beispielsweise: „Liebe Gäste“, „Liebes Publikum“ „Liebe Mitglieder“ , „Liebe Geschwister“, „Liebe Anwesende“, „medizinisches Fachpersonal“, „Lehrkraft“, usw.<br />
Diese geschlechtsneutralen Formulierungen erfordern manchmal ein bisschen sprachliches Geschick, sind aber auf alle Fälle ein guter Anreiz die eigene Sprache kreativ und vielfältig zu verwenden.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ich kann mich gut erinnern, als ich gelernt habe zu gendern. Ich saß mit lauter neuen Menschen zusammen und war ein bisschen irritiert und gleichzeitig sehr neugierig, warum diese alle eine Sprechpause machten und darauf achteten, alle in ihrer Sprache mit einzuschließen. Ich dachte eine Weile, dass gendern lernen schwierig ist, aber um ehrlich zu sein, geht es einem nach kürzester Zeit ganz flüssig von der Zunge. Natürlich kann man sich dagegen entscheiden gegenderte Sprache zu verwenden, obwohl sie ein so einfaches und dennoch so hilfreiches Werkzeug ist um Diskriminierung zu verringern und unsere Gesellschaft zum positiven zu verwenden. Aber das zeigt letztendlich mehr die eigene Ignoranz und Faulheit auf, als man vielleicht denkt.<br />
Wenn ich sehe, wie instinktiv und freudig junge Menschen heute an gegenderte Sprache herangehen und sie verwenden, dann freut mich das wahnsinnig und stimmt mich optimistisch. Ich glaube, Pinkstinks haben recht: Die Zeiten gendern sich.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Mit der Macht der Sprache hat sich auch Pia<a href="https://www.meintestgelaende.de/2020/10/pia-brauneis-worte-schaffen-werte/" target="_blank" rel="noopener"><strong> in ihrem Text für den LizzyNet-Schreibwettbewerb beschäftigt</strong></a>.</li>
<li>Und in den Kolumnen von Ika <a href="https://www.meintestgelaende.de/2021/04/inter-geschichte/" target="_blank" rel="noopener"><strong>erfahrt ihr mehr über das Inter-Sein</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sag&#8217;s korrekt, Bitch!</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/02/sags-korrekt-bitch/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[jeco]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 15 Feb 2016 08:00:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Redaktionsgruppe Jeco war auf dem taz lab 2015 und hat sich zum Thema gendergerechte Sprache, deren politische Bedeutung und auch Diskriminierung durch Sprache in der Podiumsdiskussion: „Sag´s korrekt Bitch!“ mit Rehan Sahin (Lady Bitch Ray), Lann Hornscheid und Ferda Ataman umgehört. Denn &#8222;Sag´s korrekt Bitch!&#8220; erklärt warum Sprache und ihre bewusste Anwendung so wichtig]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Unsere Redaktionsgruppe Jeco war auf dem taz lab 2015 und hat sich zum Thema gendergerechte Sprache, deren politische Bedeutung und auch Diskriminierung durch Sprache in der Podiumsdiskussion: „Sag´s korrekt Bitch!“ mit Rehan Sahin (Lady Bitch Ray), Lann Hornscheid und Ferda Ataman umgehört. Denn &#8222;Sag´s korrekt Bitch!&#8220; erklärt warum Sprache und ihre bewusste Anwendung so wichtig ist.</p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Verdana,sans-serif;"><span style="font-size: small;"> </span></span></span></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Von gegenderter Sprache und ihren Folg_Innen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2015/09/von-gegenderter-sprache-und-ihren-folg_innen/</link>
					<comments>https://www.meintestgelaende.de/2015/09/von-gegenderter-sprache-und-ihren-folg_innen/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fee]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Sep 2015 09:00:17 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Poetry Slam]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
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					<description><![CDATA[„Ich gender dich tot, bitch.“ Aber so ein schönes Wort ist Studentenwohnheim dann auch wieder nicht! Sprache ist nice. Darüber sind wir uns in der Welt doch ziemlich einig. Ist ja auch kein Wunder, unsere Welt wird zum Großteil von Sprache bestimmt. Die ganzen großartigen Ereignisse unseres Lebens haben und hatten was damit zu tun:]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>„Ich gender dich tot, bitch.“ Aber so ein schönes Wort ist Studentenwohnheim dann auch wieder nicht!</b></p>
<p>Sprache ist nice.</p>
<p>Darüber sind wir uns in der Welt doch ziemlich einig. Ist ja auch kein Wunder, unsere Welt wird zum Großteil von Sprache bestimmt. Die ganzen großartigen Ereignisse unseres Lebens haben und hatten was damit zu tun: Liebeserklärungen werden meistens sprachlich rübergebracht, wichtige Klausuren haben wir geschrieben statt gemalt, die Beförderung wurde uns vermutlich auch eher schriftlich mitgeteilt als vorgetanzt, aufmunternde Worte sind genauso wichtig wie Umarmungen, wir haben unsere Lieblingsbücher und unsere Lieblingsgedichte, die Leute, mit denen wir uns gut unterhalten können, mögen wir auch gern, unser Lieblingslied mit den deepen lyrics hat unser Leben verändert und wir werden nie vergessen, was der beste Freund damals in der Grundschule als erstes zu uns gesagt hat.</p>
<p>„Ein Ponyhof“ ist zwar Sprache, aber Sprache ist natürlich kein Ponyhof. Man kann mit ihr ja auch Beleidigungen formulieren, Missverständnisse erschaffen, Hassparolen von sich geben und diskriminieren. Und genau darum geht es.</p>
<p>Ich denke, im Prinzip haben wir alle die Macht der Sprache verstanden. Wir wissen, dass es für Kinder wichtig ist, Lesen und Schreiben zu lernen, weil das der Zugang zur Bildung und einem besseren Leben ist. Wir wissen, dass man Formulierungen wie „Untermensch“ aus seinem Sprachgebrauch streichen sollte, weil die Nazis durch solche Zuschreibungen ihre menschenverachtende Ideologie mitgestützt haben. Mittlerweile haben wir vielleicht sogar größtenteils kapiert, dass „schwul“ eine sexuelle Orientierung ist und sich daher eher weniger als Schimpfwort eignet. Klar, manchmal muss man auf den Schulhöfen noch erklären, warum die Virgina-Clarise keine „blöde Schwuchtel“ ist, wenn sie dich nicht abschreiben lässt, und auch (schon allein von der Logik her) keine „dumme Schlampe“, wenn sie dich beim Flaschendrehen nicht küssen will, und den Eltern von der Virginia-Clarise muss man vielleicht auch erklären, dass die Idee, ihre Tochter Virginia-Clarise zu nennen, keine von den ganz herausragenden war. Aber so im Prinzip habe ich das Gefühl, dass wir das langsam verstanden haben: Sprache ist mächtig und deshalb wichtig.</p>
<p>Trotzdem gibt es in meiner Moderatorinnentätigkeit bei Poetry Slams einen Witz, auf den ich immer zählen kann: Wenn mein Co-Moderator sagt „Es treten heute zehn Poeten auf“, muss ich einwerfen: „Und Poetinnen!“ Zack, die Leute werden lachen.</p>
<p>Das ist die einfachste Sache der Welt und das Traurige: Es funktioniert immer. Zehnmal am selben Abend, wenn es länger dauert, auch zwanzigmal. Ich gendere und die Leute lachen. Und ein bisschen kann ich auch verstehen, warum.</p>
<p>Ich verstehe, warum die Rolle der etwas verbissenen Feministin, die nach jedem Satz „und -Innen!“ ruft, etwas Komisches hat. Ich kann sogar nachvollziehen, dass Menschen mittlerweile so genervt sind von der Überkorrektheit der Sprache, dass sie diese Ironie brauchen. Bei einem Poetry Slam zum Thema Gender kam wohl einmal ein Teilnehmer auf die Bühne und wiederholte den Satz „Ich gender dich tot, bitch“ solange, bis das Zeitlimit ausgelaufen war. Manchmal fühlt sich das im echten Leben bestimmt auch so an, das kann ich verstehen.</p>
<p>Aber wenn die simple Tatsache, dass ich in meiner Moderation 50 Prozent der Weltbevölkerung mitberücksichtige, auch beim zehnten Mal noch unfassbar komisch ist, dann frage ich mich doch, ob da nicht vielleicht noch mehr dahinter steckt als bloß ein bisschen Ironie oder Genervtheit.</p>
<p>Ich betreue die Webpräsenz unserer Fachschaftsarbeit und habe vor einiger Zeit online eine kurze Meldung über ein „Studierendenwohnheim“ geschrieben, das noch Leute sucht. Danach kam eine eigentlich sehr ruhige und liebe Kommilitonin relativ aufgebracht auf mich zu, wollte mich -so sagte sie jedenfalls- „erwürgen“ und regte sich darüber auf, dass ich das Wort gegendert hätte. „Es heißt eben einfach nicht Studierendenwohnheim! Das klingt kacke!“, sagte sie, bevor sie den Raum verließ.</p>
<p>Das ist die andere Reaktion, die ich oft miterlebe: Aggression. Unverhältnismäßige Wut auf die Menschen, die ihre Überzeugungen unbedingt in die Sprache tragen müssen. „Als würde das etwas bringen!“</p>
<p>Auch, dass man eine Liebe zur Ästhetik entwickelt, kann ich nachvollziehen. Ich studiere u.a. Germanistik, ich bin Poetin und Autorin: Ich liebe Sprache, ehrlich! Aber eine gerechtere Welt ist mir wichtiger als mein Ästhetikempfinden. Und erwürgen will ich deshalb niemanden.</p>
<p>Bei beiden Reaktionen liegt es doch nahe zu fragen, ob es hier nicht doch um mehr geht. Warum ist es so verdammt witzig, die Realität sprachlich abzubilden? Warum ist es so unglaublich nervig, ein Ideal sprachlich zu vermitteln? Geht es hier nicht vielleicht um unterdrückende Strukturen, an die wir uns recht gut gewöhnt haben? Oder um einen Diskurs, in dem es eigentlich um Gleichwertigkeit statt um Sprache geht?</p>
<p>In einer Studie von Dries Vervecken und Bettina Hannover diesen Jahres wurden Kindern Berufe vorgestellt &#8211; bei einer Gruppe in der „normalen“ Version (denn „normal sein“ heißt männlich sein &#8211; oder Kindergärtnerin ) und bei einer anderen Gruppe mit den weiblichen (bzw. männlichen) Endungen, also: Ärzte und Ärztinnen, Maurer und Maurerinnen, aber auch Nageldesignerin und Nageldesigner. Danach wurden die Kinder gefragt, ob sie sich vorstellen könnten, diesen Beruf später mal zu ergreifen. Und siehe da: Aus der Gruppe, in der beide Geschlechter in der Sprache berücksichtigt wurden, konnten Mädchen sich um einiges eher vorstellen, typisch männliche Berufe zu ergreifen und Jungen hatten kein Problem damit, einen weiblich konnotierten Beruf auszuüben, während die Ergebnisse in der „normalen“ Gruppe erschreckend waren. Das ist bei weitem nicht die einzige Studie, im englischsprachigen Raum gibt es massig Studien, die genau das belegen: dass Sprache von uns als Wahrheit anerkannt wird, aber auch neue Wahrheit schaffen kann. Und das, wo die englische Sprache ohnehin schon viel weniger diskriminiert als die deutsche! Es wäre also gar nicht mal so schlecht vorstellbar, dass dieser Effekt im Deutschen noch größer ist.</p>
<p>Und werfen wir doch kurz mal einen Blick in die Realität: Wir haben etwa ziemlich genau zur Hälfte männliche und weibliche Menschen auf der Welt. Die wirklich anerkannten Berufe allerdings, also z.B. Arzt, Architekt, Professor, Firmenchef oder Regisseur werden so richtig erfolgreich irgendwie fast nur von Männern ausgeübt. Eben von Ärzten und Firmenchefs, nicht von Ärztinnen und Chefinnen. Seltsam, oder?</p>
<p>Fast so seltsam wie die Tatsache, dass auch Putzfrauen meistens Frauen sind, Kindergärtner hart damit zu kämpfen haben, wenn sie männlich sind und die Krankenschwester eben auch nicht als Bruder gerufen wird. Aber vielleicht sind Frauen eben einfach prinzipiell dümmer, schwächer und weniger ehrgeizig?</p>
<p>Das mit der Sprache und dem Weltbild, das hat doch schon öfter geklappt. Wäre das nicht einen Versuch wert? Einfach mal ein bisschen -Innen anhängen oder zu -nden umformen und hoffen, dass sich das auf unser Bewusstsein auswirkt? Dass Frauen sich dann plötzlich immer und alle mitgemeint fühlen? Weil, dass mir manche superselbstbewusste Damen erzählen, sie würden sich schon mitgemeint fühlen und SIE hätten kein Problem, find ich ehrlich ganz toll. Zwar ist von denen auch niemand da gelandet, wo man sonst eher als Mann hinkommt, aber, wenn sie kein Problem damit haben, ist das doch prima. (Klar benutzen gerade diese Frauen weibliche Zuordnungen dann oft abwertend, aber hey!)</p>
<p>Ich denke nur einfach, dass es in unserer Gesellschaft darum gehen sollte, sich um genau die zu kümmern, die ein Problem haben, für die eben noch nicht alles stimmt, die sich ungleich behandelt fühlen. Und wenn es sich dabei nicht um eine Randgruppe handelt, sondern um annähernd 50 Prozent von allen, dann wird das gleich noch etwas drängender. Einen eigenen Artikel wären dann natürlich noch all jene wert, die eben weder Mann, noch Frau, sondern dazwischen sind. Aber wisst ihr was? Dafür gibt es auch eine schöne Lösung: Den Unterstrich! Student_innen und alle sind dabei. Nice, oder?</p>
<p>Und ja, manchmal hört sich das Gegender einfach kacke an! Klar, das liegt eben auch daran, dass wir etwas anderes gewöhnt sind. In ein paar Jahren tut´s nicht mehr so weh; Versprochen! Außerdem wäre das Ziel ja gar nicht unbedingt, dass alles immer gegendert wird, sondern dass wir irgendwann dahin kommen, wo ich Bauarbeiterin sagen kann und sich auch alle Bauarbeiter mitgemeint fühlen. Ist im Moment aber nicht so. Wenn irgendwann die Verhältnisse in der Realität wirklich gleich sind und Männer kein Problem mehr damit haben oder sich gar beleidigt fühlen, wenn man sie in der weiblichen Form anspricht, Frauen dafür so zahlreich und mit so vielen „weiblichen“ Verhaltensweisen wie sie wollen in den hohen Positionen sitzen, dass es sie nicht stört, als Manager angesprochen zu werden, dann können wir das von mir aus gern wieder lassen. Bis dahin tut uns allen den Gefallen und denkt mal drüber nach, was daran so schlimm oder witzig ist, die Gleichberechtigung ein bisschen vorwärts zu bringen und eben von Poeten und Poetinnen zu sprechen, wenn Poeten und Poetinnen anwesend sind.</p>
<p>So viele Menschen werden unglücklich, weil sie nicht dem entsprechen, was wir ihren Geschlechtern vorschreiben wollen und in jedem Satz durch ungegenderte Sprache werden sie und wir wieder daran erinnert, dass da jemand nicht den Konventionen entspricht. Mir persönlich ist es das wert, Menschen glücklicher zu machen (ja, das hab ich geschrieben: so richtig mit Einhorn und Glitzer und Kitsch) und dafür ein Auge bei der Sprachästhetik zuzukneifen. Beim Genitiv oder den immer falsch verwendeten Imperativen stört euch das doch auch nicht so! Also, lasst uns das doch versuchen, das könnte sich echt lohnen.</p>
<p>Und ganz ehrlich: So ein schönes Wort ist „Studentenwohnheim“ dann auch wieder nicht!</p>
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