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	<title>Damian &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Kapitel 1</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Damian]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jun 2020 07:00:41 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Unser neuer Autor Damian sagt über sich selbst: &#8222;Ich benutze Sprache als Ventil um einen Ausdruck zu finden, und als Mittel, mich selber und meine Umgebung zu reflektieren.&#8220; Und YES, genau das tut er! Heute präsentieren wir euch seinen zweiten Text, in dem es um fehlende Vorbilder, um Männlichkeit und um die große Bedeutung feministischer]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unser neuer Autor Damian sagt über sich selbst: &#8222;Ich benutze Sprache als Ventil um einen Ausdruck zu finden, und als Mittel, mich selber und meine Umgebung zu reflektieren.&#8220; Und YES, genau das tut er! Heute präsentieren wir euch seinen zweiten Text, in dem es um fehlende Vorbilder, um Männlichkeit und um die große Bedeutung feministischer Räume geht &#8211; und außerdem auch um Humor. Wie all das zusammenpasst? Lest selbst!</strong></p>
<p><span id="more-12239"></span></p>
<p>Ich bin also 18 und spiele eine Frau. Ich war immer sehr schlecht in der Schule und machte auf dem zweiten Bildungsweg alles nach. Ich war die einzige Frau in der Klasse. Ja, das war übel. Und ich hörte Musik, in der es mehr „Fotzen“ in den Texten von irgendwelchen Trotteln gibt, als auf der Bühne. (Ich darf das sagen!)<br />
Also: weder weibliche Vorbilder, und schon gar keine männlichen.<br />
Und so, wie die Jungs mich überall behandelten, wurde auch nur ich behandelt, aber kein anderer Mann. Irgendwann dachte ich darüber nach, warum es für (cis-)Männer keine so entwürdigenden Beleidigungen gibt wie für Frauen. Ja, klar, du kannst Pimmel oder Schwanz negativ benutzen, aber das ist nicht dasselbe wie Fotze.<br />
Ich suchte also einen Begriff für diese ganzen Erfahrungen, die ich machte.<br />
Und ich fand ihn: Sexismus.<br />
Ich benutzte ihn und ich merke, Sexismus ist für viele nur ein Wort. Für mich 24 Jahre eine unbenannte Vormachtstellung von Cismännern gegenüber meinem Körper, meinem Charakter, meinen Emotionen und meiner Menschlichkeit, gegen die ich mich nie wusste zu wehren.<br />
Wenn ich das Gefühl habe, Schuld zu sein, immer wenn eine Cismännerhand im Vorbeigehen meinen Arsch gekniffen, gedrückt oder gehauen hat, wie soll ich dann emotional dazu fähig sein, mich zu wehren? Schuld ist ein lähmendes<br />
Gefühl.<br />
Obwohl ich nie in meinem Leben einen Rock getragen habe, hatte ich immer das Gefühl, mein Rock sei zu kurz, dass mir sowas passiert.<br />
Zwischen zu Hübsch, dass die Cismänner nichts für ihre Triebe können und zu Hässlich, dass ich dankbar sein solle, dass mich überhaupt ein Mann haben will, gab es nichts.<br />
Für alles hatte das Patriarchat und seine Vertreter faule Ausreden, die mir zeigten:<br />
Egal, wirklich egal, wie ich mich verhalte: in ihren Augen werde ich es nie richtig machen.<br />
Wenn du dich auf sie einlässt, bist du eine „billige Hure“, die jeder haben kann. Wenn du sie absagst, wollen sie es „dir fotze so richtig heimzahlen“.<br />
Nein, nicht alle cismänner sind so. Aber die Traumata habe ich ja nicht von denen, die keine Täter sind, sondern von den Tätern. Und in meinem Leben habe ich Erinnerung an Taten, die so weit zurückliegen, dass nicht mal mehr der Name des Täters bleibt.<br />
Aber durch die Feministische Szene erkannte ich: Es geht vielen Frauen so. Vielen geht es noch schlechter als mir, wiederum andere haben nicht mal ansatzweise so viel erlebt wie ich. Doch uns verbindet etwas, das mindestens genauso stark war:<br />
Diese bestialische Energie, die du bekommst, wenn du dich plötzlich als Handelnde Person erkennst. Vom Objekt wieder zu einem Menschen wirst.<br />
Bei mir ist dieser Prozess vor allem durch Humor passiert. Humor ist in meinen Augen die stärkste Form von rhetorischer Macht. Kennst du das auch, wenn du mit einer Runde von 10 cismännern am Tisch sitzt, und du machst einen Witz, aber keiner lacht? Zwei Minuten später erzählt einer der Cismänner denselben Witz, mit minimal anderen Worten &#8211; die Runde gröhlt bis irgendwer Schluckauf kriegt.</p>
<p>Wenn das alles ist, was 5 Tage die Woche passiert, macht das zwangsläufig depressiv. Ich hatte einen tiefen Wunsch, den ich immer öfter begann zu träumen: dass meine ganze Welt sich verändert. Ich wollte mehr Frauen um mich haben und mich über die Erfahrungen unterhalten.<br />
Desto mehr ich selber darüber sprach, desto mehr veränderte sich auch mein Freund_innenkreis. Und so kam ich immer mehr in die Feministische Szene.<br />
Und hier begegnete ich diesen „Feminazis“. Cis-Frauen, die dem Patriarchat tagtäglich ein lautes „Viva la vulva“ entgegenfauchten und ich so: geil! Und ich merkte, wie viel System darin steckt, dass uns im Bio-Unterricht über „weibliche“ Körper so wenig beigebracht wird. Alles was ich lernte: können schwanger werden, müssen verhüten, da Scheide, da Schamlippen, da Anus, ach ja es gibt ja noch den Kitzler, fast vergessen, jetzt könnt ihr eure Bücher wieder zuklappen. Das Vokabular war ekelerregend und unmenschenwürdig, und die Funktion rein auf Gebären zu limitieren, ist sexistisch.<br />
Aber jetzt saß ich nicht mehr auf der Schulbank sondern zwischen Frauen mit haarigen Beinen und Lianen in den Acheln und Frauen mit Beinen wie Seide, die in einem Stuhlkreis über Schamgefühle und Schönheitsdruck sprachen und Verständnis füreinander aufbauten. Jetzt träumte ich nicht mehr hinter der Drehmaschine, sondern erlebte stinknormale Lesbenküsse im Panorama eines Konzertes, die nicht den Fokus von gröhlenden Broilern sich ziehen. Lauthals rülpsende Streuner-Punkerinnen, und Femmes die nicht mal aus ihrer Performance weichen müssen um dir bei einem sexistischen Spruch treffsicher eine reinzuzimmern. Und noch viele Geschlechter, Liebens- und Lebensweisen mehr, die sich im Stadtbild nur zeigen können, wenn sie gerade die Resilienz dafür haben, die Blicke abzuschirmen, mit denen sie jede Sekunde beworfen werden.<br />
Plötzlich fiel mir ein riesiger Stein vom Herzen. Ich war viel entspannter, denn ich war zwar immer noch nicht innerlich frei, aber zumindest war mein Umfeld weniger wertend und urteilend mit mir. Und mein Begehren war zwar immer noch nicht die Norm der linken Szene, aber wenigstens nicht mehr Abnormal. Ich konnte, durfte, wollte begehren und über begehren sprechen. Und erst da wurde mir klar, wie groß meine Sehnsucht nach diesem Raum war, alleine schon, weil ich ihn mir bis vor kurzem nie hätte vorstellen können.<br />
Und das hat Prozesse losgetreten, die weitere Prozesse losgetreten haben, worauf Prozesse folgten, die mich in meinen jetzigen Prozess geführt haben.<br />
Tschüss Patriarchat, und hallo Feminismus, hier bin ich!</p>
<p>In Feministischen Räumen habe ich mich wieder getraut, meinen Humor zu entdecken und etwas witzig zu sein &#8211; die Runde lachte! Natürlich auch nicht immer alle, weil nicht alle Menschen denselben Humor teilen, aber darüber fand ich Freund*innen, mit denen ich mich von Zeit zu Zeit besser verstand.<br />
Und in diesen neuen Kreisen lernte ich Tag für Tag, was eigentlich der Inhalt meiner selbst ist. Was in dieser Hülle ist, die mich 24/365 durch die Welt transportiert. Ich lernte mich neu kennen, und fing an, anders über mich zu denken.<br />
Ich fand mich allmählich lustig, unterhaltsam, wissensdurstig, und aus schüchtern wurde laut. Mit dieser neuen Einstellung zu mir selber lernte ich auch schnell Lesben kennen, mit denen ich Zärtlichkeiten tauschen konnte. Das gab mir viel, und öffnete nochmal Seiten in mir, die ich immer versuchte vor dem Patriarchat zu verstecken: Ein klitzekleiner Teil meines weichen Gemüts traute sich aus mir raus. Ich bin ein sehr empfindsamer Mensch, und bin froh, dass ich in meinem Kontext sehr früh lernte, so sein zu dürfen.</p>
<p>Heute sitze ich hier als 24 jähriger Mann und weiß um den Wert von feministischen Strukturen. Ich möchte immer für sie kämpfen, sie dürfen niemals zerstört werden.<br />
Mit ihrer Hilfe haben sie es mir damals ermöglicht, mir mein ganzes Leben zurückzuholen. Damals wusste ich noch nicht, dass jeder Schritt zu mir selber auch ein Schritt Richtung Männlichkeit ist. Aber einer neuen Männlichkeit, einer schönen und heilsamen Männlichkeit. I love it!</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Falls ihr den ersten Text von Damian verpasst habt &#8211;<a href="https://www.meintestgelaende.de/author/damian/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong> hier entlang</strong></a>!</li>
</ul>
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			</item>
		<item>
		<title>Intro</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/03/intro/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Damian]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 17 Mar 2020 07:00:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[trans*]]></category>
		<category><![CDATA[Vorbilder]]></category>
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					<description><![CDATA[Woooho! Wir freuen uns wieder einmal über einen neuen Autor auf meinTestgelände: Herzlich Willkommen, Damian! Er schreibt für uns eine Kolumne über seine &#8222;Reise von &#8218;Frau zu Mann&#8216; würde man so sagen. Je mehr du liest, desto mehr merkst du, dass es gar nicht so einfach ist. Herzlich Willkommen in meinem Testgelände-Tagebuch!&#8220; In diesem Sinne: Los]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Woooho! Wir freuen uns wieder einmal über einen neuen Autor auf meinTestgelände: Herzlich Willkommen, Damian! Er schreibt für uns eine Kolumne über seine &#8222;Reise von &#8218;Frau zu Mann&#8216; würde man so sagen. Je mehr du liest, desto mehr merkst du, dass es gar nicht so einfach ist. Herzlich Willkommen in meinem Testgelände-Tagebuch!&#8220; In diesem Sinne: Los geht&#8217;s!</strong></p>
<p><span id="more-12077"></span></p>
<p>Hi, ich bin Damian, 24 Jahre alt und Transmann. Wenn du dich noch nie mit der Perspektive von Transpersonen befasst hast, mache ich es für dich mal ganz einfach: man könnte sagen, ich bin ein Mann, der in einem Frauenkörper geboren wurde, welcher nun mit medizinischer Hilfe zu einem männlichen Körper wird: also ein Körper, der zu meinem Innenleben passt. Natürlich ist das sehr verkürzt, aber in einem Halbsatz kann man ja auch nicht eine ganze Realität zusammenfassen.</p>
<p>Vor allem Trans-Sein als einen rein körperlichen Prozess zu sehen ist eigentlich total falsch. Körper sind nur immer so etwas Offensichtliches, alles unter der Oberfläche ist komplex. Vielleicht hast du ja schon mal den Satz gehört „We are born naked, the rest is drag“, also „wir sind nackt geboren, der Rest ist Verkleidung“.</p>
<p>Denn mit meiner körperlichen Veränderung begegnet mir die Gesellschaft jeden Tag neu, jeden Tag anders, und zeigt mir vor allem eins: Wie erfunden Geschlecht überhaupt ist!</p>
<p>Deswegen möchte ich dich jetzt mit auf meine Reise nehmen und dir jeden Monat etwas Neues aus meinem Leben erzählen. Bevor wir aber zu dem Punkt kommen, um den es eigentlich geht, meine Reise von der Frauen-Erfahrung zur Männer-Erfahrung in der Gesellschaft, müsst ihr erstmal verstehen, wie ich diese Welt vor der Transition wahrgenommen habe. Ich freue mich, wenn du dich darauf einlässt, die Welt einmal aus meinen Augen zu sehen. Also, die Reise geht los!</p>
<p>Stellen wir unsere Zeitmaschine mal auf das Jahr 1995. An einem kalten Wintermorgen wurde ich in einer halbtoten Stadt geboren. Zwischen westdeutschen Birken und Kiefernwäldern, die um das Krankenhaus herum wachsen, hält ein weinender Mann die Hand seiner vor Schmerzen stöhnenden Frau. Es dauert knapp 2 Stunden, bis sie es geschafft hat: Ich bin endlich da. Für meine Eltern ein anstrengender, aber glücklicher Moment. Ihnen hat dieser Tag ihr erstes und einziges Kind hervorgebracht, mir hat dieser Tag ein tragisches Urteil gesprochen: „Es ist ein Mädchen!“</p>
<p>Doch die nächsten Jahre sollten zeigen, dass dem nicht so ist.</p>
<p>Mit 5 Jahren war ich ein waschechter Ritter in Vollmontur. Ich kämpfte mit den Jungs die epischsten Dorfschlachten. Wir eroberten imaginäre Burgen, töteten Drachen und redeten über Mädchen. Ja klar, es gibt auch Ritterinnen, aber ich war ein Ritter.</p>
<p>Das erkannten damals alle, nur nicht die Erwachsenen. Weder die NachbarInnen, und erst recht nicht meine Eltern.</p>
<p>Kinderkörper produzieren ja noch keine Geschlechtshormone und unterscheiden sich deshalb in sekundären Geschlechtsmerkmalen auch nicht, also macht die Erwachsenenwelt das Geschlecht vor allem an Kleidung und Verhalten fest und argumentiert dies mit Genitalien. Vom Verhalten konnte ich immer easy als Junge durchgehen: stürmisch, technisch interessiert und eine starke Abneigung gegen Haarbürsten. Meine Freunde suchten mir sogar einen männlichen Namen, weil sie fanden, dass Bianca sowas von gar nicht passt. Das war ich dann, bis zur Pubertät.</p>
<p>Da war plötzlich allen klar: Er ist doch ein Mädchen! Allen außer mir. Heute fällt mir immer wieder auf, wie sehr ich als Kind wirklich geglaubt habe, dass ich eine männliche Pubertät kriege, und dann ein großer Mann werde. Als meine Pubertät dann einsetzte, wurde aus dem offenen Glauben nur noch ein verschwiegenes Hoffen, weil das alles war, was mir noch blieb. Dass es Transgender Personen und Hormontherapien gibt, wusste ich damals nicht. Dass man sogar meine falsche Pubertät hätte blocken können, um die richtige einzuleiten, wusste ich auch nicht.</p>
<p>Manchmal wünsche ich, es wäre so gewesen. Dann hätte ich zwar auch viel aushalten müssen, vor allem wenn der Psychologe schrecklich gewesen wäre, aber mein Körper wäre nicht 13 Jahre lang nur ein Klumpen aus Muskelgewebe und Knochen gewesen, der nur eine Funktion hat: mich aus der Haustür zur Pizzeria zu schieben, und wieder zurück. Fazit: Falsche Pubertät war blöd, Mitschüler noch schlimmer als die Tatsache an sich, fehlende Aufklärung das allerschlimmste.</p>
<p>Doch trotzdem bin ich meistens sehr froh, dass es genau so gekommen ist.</p>
<p>Weil mein Weg mehr ist als nur ein Leidensweg. Er ist ein Weg der Erkenntnis, eine Sicherheit in der Unsicherheit zu finden. Er ist ein Weg der Gewissheit im Ungewissen und der Weisheit in der Illusion. Ja, das ist widersprüchlich, ich weiß.</p>
<p>Aber diese Widersprüche habe ich nicht erfunden, sie sind in der Gesellschaft und alle leben mit ihnen, denn sie sind in ihren Köpfen selbstverständlich geworden. Sie werden gelebt, deshalb werden sie echt. Mein Weg hat diese Widersprüche aufgedeckt, und je nach dem Punkt, von dem aus ich auf sie geschaut habe, auch anders beleuchtet. Ich bin Experte am Punkt Geschlecht, am Punkt Sexismus, Homophobie (gegen Schwule und gegen Lesben), am Punkt Transphobie. Und ich habe mein Leben lang dafür gekämpft, ich selber sein zu dürfen und das gibt mir etwas, was die meisten Menschen ihr Leben lang suchen: Selbstwert. Selbstbewusstsein. Einen Grund, zu sich selber ehrlich zu sein, und zu allen Gefühlen ein Ja zu sagen, auch wenn das nicht immer leicht fällt.</p>
<p>Also los, reisen wir von 2009 ins Jahr 2014. Mein 18 jähriges Ich ist verkleidet als hübsche Frau. Braune, glatte Haare bis zum Hüftknochen, dezenten Rouge, und die blauen Augen betont mit silbernem Eyeliner. Aus heutiger Sicht würde ich fast schon sagen, dass ich im Schminken alle Skills hatte, die eine Drag Queen braucht. Nur dass Drag Queens sich über weibliche Performance immer wieder selbst befreien. Und ich musste mich immer wieder selbst verstecken, weil es da immer noch nichts gab.</p>
<p>Ich versteckte aber nicht nur den Mann, der ich wirklich war, sondern auch alles an meinem Weiblichen Körper was nicht in die Schönheitsnorm passte. Ich war nicht dick_fett, aber in meiner ersten Pubertät nahm ich rasant an der Hüfte und den Brüsten zu, deswegen hatte ich dort lange, breite Dehnungsstreifen, die damals sogar noch Rot, Blau und Lila waren. Wenn ich abends mal ausging, überschminkte ich sie mit Make-Up. Ich schämte mich oft für meinen Körper. Aber nie nur weil ich nicht ganz in die Rolle passte und z.T. von der Norm abwich, sondern auch immer auf eine viel tiefere Art und Weise in meinem Innenleben, die ich mir lange nicht erklären konnte.</p>
<p>Es gab einfach keinen Bezug mehr zu meinem Körper. Er war nicht für mich, sondern für andere da. Bis zu meinem 16. Lebensjahr für cismänner. Dann hatte ich mein Lesbisches Outing. Ab da an war er nur noch für cisfrauen da.</p>
<p>Ja, es war so scheiße wie es klingt. Nur, dass sich damals nicht überregionale Plenakreise anfingen zu kloppen, ob ich als Mann noch bei Feministischen Streiks dabei sein darf, sobald ich auch nur einen Fuß in den Raum setze.</p>
<p>Bei allem, was ich erfahren habe, weiß ich mehr über Männlichkeit, Weiblichkeit, die Erfundenheit von Geschlechtern und vor allem die Aufgaben von Feminismus als weiße cisfrauen oder weiße cismänner. Du findest, ich habe mit dieser Behauptung weit ausgeholt? Dann begleite mich weiter, den das ist erst der Anfang der Geschichte.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Trans und Pubertät &#8211; uff, ein schwieriges Thema, findet auch FaulenzA in ihrem Song &#8222;<a href="https://www.meintestgelaende.de/2019/11/waer-ich-heute-in-der-schule/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Wär ich heute in der Schule</strong></a>&#8222;.</li>
</ul>
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