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		<title>Unkraut vergeht nicht</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Sven Hensel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 16 Jun 2026 10:25:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Coming of Age]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[In einer Welt, in der queere Geschichten oft ignoriert werden, erzählt uns ein kleiner Kaktus von seinem Kampf gegen die Erwartungen seiner Familie und Gesellschaft. Er wächst über seine Wurzeln hinaus und zeigt, dass selbst die Stacheln eines Kaktus Platz für Farbe und Vielfalt haben. Ich wollte schon immer mal darüber schreiben, wie es für]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p data-prosemirror-content-type="node" data-prosemirror-node-name="paragraph" data-prosemirror-node-block="true"><strong>In einer Welt, in der queere Geschichten oft ignoriert werden, erzählt uns ein kleiner Kaktus von seinem Kampf gegen die Erwartungen seiner Familie und Gesellschaft. Er wächst über seine Wurzeln hinaus und zeigt, dass selbst die Stacheln eines Kaktus Platz für Farbe und Vielfalt haben.</strong><span id="more-17524"></span></p>
<p>Ich wollte schon immer mal darüber schreiben, wie es für mich war, aufzuwachsen. Ich bin nicht der Einzige, dem eine solche Geschichte passiert ist, und auch wenn es für uns alle als queere Menschen tendenziell eher besser wird, passieren diese Geschichten auch so oder so ähnlich, noch immer heutzutage, und noch schlimmer.</p>
<p>Leider fiel es mir schon immer schwer, die Geschichte meines Lebens zusammenzufassen. Manche möchten nicht, dass ich über meine Erfahrungen erzähle, andere schämen sich, wieder andere sprechen mir meine Erfahrungen komplett ab. Deshalb möchte ich euch stattdessen ein Märchen erzählen, das natürlich überhaupt gar nichts mit mir zu tun hat, sondern darum geht, wie Pflanzen über ihre Ursprünge hinauswachsen.</p>
<p>Es war einmal ein kleiner Keimling, der nie selbst seine Wurzeln schlug. Man könnte stattdessen eher sagen, seine Wurzeln wurden geschlagen. Er hat sich nicht ausgesucht, wohin und wann er gepflanzt wurde, aber das tun wir alle nicht, außer wenn wir kleine Pusteblumensamen im Wind sind.</p>
<p>Er wurde ein kleiner Pflanzerich, der anders war als die meisten Pflanzen um ihn herum, denn statt schöner Blätter wuchsen ihm nur Stacheln aus dem Haupt: Ein kleiner Kaktus wurde geboren, hinein in eine Familie voller Veilchen. Die Vornamen seiner Familie kamen aus dem Land der Fjorde, der immergrünen Tannenbäume und den Permafrostböden – da war es irgendwo nachvollziehbar, dass die Atmosphäre hier leider eher eine kalte war.</p>
<p>Hier wurden Traditionen aufrechterhalten, so gab es zum Sonntagsessen immer den gleichen Sauerbraten, so wurde der Sauerteigstarter selbst gepflegt und gezüchtet, und so wurde auf die Flora, die anders war als die Veilchen, sauer hinunter geblickt und sie wurde gemieden.</p>
<p>Dem Kaktus wurde also schon vom Sprösslingsalter an klargemacht, er habe sich anzupassen. Er eckte an und stach andere Pflanzen, wo er sie eigentlich nur umarmen wollte. Schon im Kindergarten verstand er nicht, warum andere die Esel zu zählen begannen, wann auch immer sein Hosenstall offen war.</p>
<p>Als Scheidungssprössling hat er schon immer zwischen den Töpfen aus den 1€-Shops gesessen. Das Vaterveilchen schlug nicht nur seine Wurzeln, und auch nicht nur die Wurzeln des Mutterveilchens, also nahm sie ihre Wurzeln und zog weit weg.</p>
<p>Sein Liebväterchenveilchen nannte sein Mutterveilchen immer böses Unkraut, und es begann ein einseitiger Rosenkrieg, in der Hoffnung, dem Kaktus klarzumachen, dass nicht nur er als Vaterveilchen verlassen worden wäre, sondern wir alle im Stich gelassen wurden. Wären sie doch nur wenigstens Rosen gewesen, oder hätte man ihm nur gezeigt, dass Dornen auch in Ordnung sein können, dann hätte der kleine Kaktus sich mit seinen Stacheln weniger allein gefühlt.</p>
<p>So wuchs er also auf, zwischen den Saatgütern der Veilchen. Dem Kaktus selbst wurde durchaus oft ein Veilchen verpasst, denn über Gefühle reden Kakteen nicht. Kakteen müssen sich durch Gewalt zu helfen wissen, dafür sind sie schließlich gemacht: um mit ihren Stacheln zu verletzen.</p>
<p>In der Luft seines Aufwachsens duftete es nach den flüssigen Pflanzen-Nahrungsergänzungsmitteln des Blumenladens seiner Familie, wo er als heranwachsender Zögling auch arbeiten musste, um öfter und länger unter Beobachtung stehen zu können.</p>
<p>Die Privilegien der Freiheit wurden ihm entzogen, als er einmal zu oft dabei erwischt wurde, wie er anderen Kakteen ein bisschen zu lange hinterherblickte. Der kleine Kaktus konnte die Schönheit der Rosen durchaus sehen und verstehen, aber er fand sie nicht so schön wie Kakteen.</p>
<p>Dem Kaktus wurde eingebläut, er sei nicht richtig, wie er ist. Dem Kaktus wurde versucht einzureden, dass er sich das alles nur einbildet mit dem Kaktus-Dasein, denn eigentlich sei er natürlich ein normales Veilchen wie der Rest der Familie. Und überhaupt, wenn er so unbedingt ein Kaktus sein möchte, dann könne man ihm ja auch einfach direkt alle Nadeln, die er will, einzeln reinrammen, dann sieht er schon, wie toll das ist.</p>
<p>Als Kaktus könne man niemals Setzlinge züchten. Soll der Stammbaum bei dir enden? Als Kaktus wird man viel schneller alleine gelassen und unglücklich und sucht sich illegale Wege des Wachstums. Willst du auf die schiefe Wachstumsbahn geraten?</p>
<p>Als Kaktus kriegst du das Kaktus-Immunschwächesyndrom und stirbst, wenn ich dir nicht schon vorher deine Wurzeln ausgerissen habe. Also überleg einmal ganz genau, welchen Weg deine Wurzeln einschlagen. Diese Worte musste der kleine Kaktus immer wieder hören.</p>
<p>Der kleine Kaktus blieb kein kleiner Kaktus. Der Zwergkaktus wuchs und wuchs und wuchs, und eines Tages schnitt er sich selbst von den vergifteten Wurzeln seiner Abstammung frei. Und wenn er nicht verdorben ist, dann pflegt er sich noch heute.</p>
<p>Eigentlich wollte ich nicht schon immer mal darüber schreiben, wie es für mich war, aufzuwachsen, denn das Aufwachsen war für mich nichts Schönes, und dennoch etwas, was zu mir gehört, etwas, das mich ausmacht, etwas, das informiert, wieso ich heute so bin, wie ich bin: laut, bunt, radikal queer.</p>
<p>Mir und anderen ging es so, und wir können nichts dafür, wir sind nicht schuld an unseren Traumata. Wir müssen nicht dankbar dafür sein, dass sie uns widerfahren sind, wir müssen nur uns selber dankbar dafür sein, dass wir sie überlebt haben, dass wir über sie hinauswuchsen. Auch wenn man uns als Unkraut sieht, auch wenn man uns versucht zu stutzen, auch wenn man versucht, uns klein zu halten, und auch wenn man versucht, uns zu verbieten: Unkraut vergeht nicht, und selbst Kakteen können und dürfen und werden blühen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
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		<item>
		<title>Warum queere Frauen auch Männer lieben dürfen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/09/warum-queere-frauen-auch-maenner-lieben-duerfen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Aurum]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Sep 2025 11:02:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Warum wird Frauen die Queerness abgesprochen, sobald sie mit einem Mann zusammen sind?Aurum&#8217;s Text wirft einen Blick auf Spannungen innerhalb der queeren Community, den Einfluss gesellschaftlicher Rollenbilder – und die Frage, wie wir Solidarität statt Ausgrenzung leben können. Auf meiner abendlichen Reise durch das Internet stolperte ich neulich über eine Meinung die ich in letzter]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Warum wird Frauen die Queerness abgesprochen, sobald sie mit einem Mann zusammen sind?</strong><br data-start="253" data-end="256" /><strong>Aurum&#8217;s Text wirft einen Blick auf Spannungen innerhalb der queeren Community, den Einfluss gesellschaftlicher Rollenbilder – und die Frage, wie wir Solidarität statt Ausgrenzung leben können.</strong><br />
<span id="more-17114"></span></p>
<p><span data-contrast="auto">Auf meiner abendlichen Reise durch das Internet stolperte ich neulich über eine Meinung die ich in letzter Zeit in einer ähnlichen Form des öfteren lesen durfte: “Billie Eilish betrayed us in pride month because she’s dating a men” (übersetzt: Billie EIlish hat uns betrogen, weil sie mit einem Mann zusammen ist.) Doch um diese Aussage zu verstehen, werden zuerst einige Hintergrundinformationen benötigt. </span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:240}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Bei Billie EIlish handelt es sich um eine 24 Sängerin, die mit ihrer experimentellen Pop Musik die Massen begeistert und die Stadien zum Beben bringt. Zu ihrer queeren Identität äußerte sie sich erstmals in einem Interview mit Variety, indem sie erwähnte, dass sie Frauen attraktiv findet und sich zu ihnen hingezogen fühlt. Im Nachhinein äußerte sich Billie innerhalb ihrer Instastory, dass sie mit dem Umgang mit dieser Aussage und dem extremen Fokus auf ihr Coming-out unzufrieden war. Doch das Fazit der queers online war bereits besiegelt &#8211; Billie is for the girls and the gays. Jedoch hielt die anfängliche Ruhe, welche sich um Billies Sexualität legte, nicht lange an. Am 08.06.2025 kam es zu der Veröffentlichung von Bildern, auf denen Billie mit ihrem guten Freund Nat Wolff auf einem Balkon in Italien küssend gesichert wurde. Die Fotos waren ohne ihr Einverständnis aufgenommen und veröffentlicht worden und so bildete sich das Internet über Nacht eine Meinung, die scheinbar nicht klarer hätte sein können: “Billie Eilish betrayed us”.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:240}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Dies ist natürlich nicht der Fall, denn Queerness ist und bleibt ein Spektrum und inkludiert tatsächlich auch Menschen, welche mehr als ihr eigenes Geschlecht lieben können. Die viel spannende Frage hierbei ist jedoch, warum queere und insbesondere bisexuelle Frauen immer wieder mit Ausgrenzungen  innerhalb der Community rechnen müssen, sobald sie mit einem Mann zusammenkommen. Eine Ausgrenzung, die den Punkt erreicht, an dem die queere Identität komplett angezweifelt wird und ihnen mitgeteilt wird, dass ihre Anwesenheit bei pride Events nicht erwünscht ist.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:240}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Als einen der Hauptgründe, lässt sich sicherlich der äußerst schlechte Ruf von Männern im Allgemeinen nennen. Fast jede Frau und auch fast jede Person, die innerhalb ihrer Kindheit weiblich geprägt wurde, hat in ihrem Leben schlechte Erfahrungen mit Männern in Form von übergriffigem Verhalten, unangemessenen Kommentaren oder anderen Grenzüberschreitungem gemacht. Laut der Jugendtrendstudie 2025 des Instituts für Generationenforschung haben 0% der Frauen im Alter von 15 bis 30 Jahren keine Angst vor Männern. Auf die Frage, was sie tun würden, wenn es keine Männer mehr gäbe, werden häufig die alltäglichsten Dinge genannt, wie nachts ohne Angst unterwegs sein, oder die Outfits tragen, die sie eigentlich gerne anziehen würden. Und bei der Auswahl, ob sie lieber einen Mann oder einen Bär im Wald treffen wollen, lautet die Antwort oft Bär. Dieses Image haben sich die Männer jedoch selbst zu verdanken. Zu oft wird still geschwiegen, wenn der Kumpel jemanden vergewaltigt, und vielleicht waren sie sogar selbst schonmal übergriffig, wohlmöglich unbewusst. Bei diesen Aussagen handelt es sich natürlich um Verallgemeinerungen und keinesfalls um die Verurteilung jedes einzelnen Mannes &#8211; doch würdest du in einen Apfel beißen, wenn die Chance besteht, dass du vergiftet wirst?</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:240}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Gegenüber dieser harschen Realität scheint die Erkenntnis, Frauen zu lieben geradezu wie der perfekte Ausweg. Eine Erleichterung, nicht mehr Teil einer Welt zu sein, in der sich alles um Männer dreht. So treten Phrasen wie “i hate men” oder “unfortunately I like men” innerhalb der queeren Community im Überfluss auf. Und ja, eine Möglichkeit, sich aus den patriarchalen Strukturen zu befreien, ist die komplette Verteufelung von jedem einzelnen Mann, doch es ist sicherlich nicht die eleganteste und effektivste Methodik. Denn bereits innerhalb der queeren Community kommt es so zu Diskriminerung. Zum Einen die bereits erwähnte Ausgrenzung von queeren und besonders bisexuellen Frauen, die sich in einer Beziehung mit einem Mann befinden. Zum Anderen natürlich auch die Männer, die sich aufgrund ihrer Sexualität oder Geschlechtsidentität zur queeren Community zugehörig fühlen. Das ständige darauf hinweisen, dass alle Männer schlecht seien, scheint mir genauso wenig zu einem gesellschaftlichen Fortschritt zu führen, wie der extreme Drang, jedes Mal darauf hinzuweisen, dass es auch gute Männer gibt. Tatsächlich glaube ich, es ist sinnfrei jeden einzelnen Mann als gut oder schlecht einkategorisieren zu wollen. Was mir hingegen gut gefällt ist der auf Social Media entstandene Trend um das Wort “Menners”. Die Abwandlung des Wortes Männer verkörpert alles was Frauen das Leben schwer macht und bietet die Möglichkeit, den Unmut über das Patriarchat auszudrücken, ohne dass sich gleich alle Männer angegriffen fühlen müssen. So entsteht eine Balance zwischen dem gerechtfertigten Drang von Frauen sich über die systematischen Probleme zu beschweren und  dem Existenzrecht von Männern und queeren Frauen in einer Beziehung mit Männern in queeren Räumen. </span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:240}"> </span></p>
<p><span data-contrast="auto">Letztlich besteht die Aufgabe der Männer jedoch darin, die Welt zu einem Ort zu machen, an dem sich alle und insbesondere Frauen wohlfühlen und sich queere Frauen nicht dafür rechtfertigen müssen, in einer Beziehung mit einem Mann zu sein. Denn schließlich werden Männer in eine Gesellschaft geboren, welche überwiegend für sie geschaffen wurde und diese Privilegien gilt es zu überdenken, um feministisch handeln zu können.</span><span data-ccp-props="{&quot;335551550&quot;:6,&quot;335551620&quot;:6,&quot;335559738&quot;:240,&quot;335559739&quot;:240}"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Nächster Halt: Wunderland. Ausstieg links.</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/09/naechster-halt-wunderland-ausstieg-links/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Marv]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Sep 2025 09:00:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[„Nächster Halt: Wunderland.“ – Eine U-Bahn-Fahrt zwischen Hass, Tränen und Hoffnung. Im ersten Text von Marv auf meintestgelände geht es um Mut, Verletzlichkeit und die Kraft des Zusammenhalts. Vorwort: Am 12.6.2016 wurden im „Pulse“, einem schwulen Nachtclub in Orlando, 49 Menschen getötet und 53 verletzt. Im Nachgang fanden einige Gedenkveranstaltungen statt. Dort sang Sia ihren]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Nächster Halt: Wunderland.“ – Eine U-Bahn-Fahrt zwischen Hass, Tränen und Hoffnung. Im ersten Text von Marv auf meintestgelände geht es um Mut, Verletzlichkeit und die Kraft des Zusammenhalts.</strong><span id="more-17100"></span></p>
<p><em>Vorwort: Am 12.6.2016 wurden im „Pulse“, einem schwulen Nachtclub in Orlando, 49 Menschen getötet und 53 verletzt. Im Nachgang fanden einige Gedenkveranstaltungen statt. Dort sang Sia ihren Song „Titanium“ in einer Balladen-Version. Es ist ein Song, der (nicht nur queeren Menschen) Mut macht und ausdrückt, dass wir stärker sind, als wir manchmal glauben. Schon vor jenem Vorfall hatte sie den Song bei LGTB*-Events performt, nach dem Anschlag umso häufiger. Er bestärkt fortan auch das Gemeinschaftsgefühl.</em></p>
<p>U3. Ich sitze am Rande eines Dreier-Sitzes.<br />
Ich trage Brille, Bart und grüne Fingernägel – das heißt, ich bin einfach nur ich selbst.<br />
Fühlt sich gut an.<br />
Zwei Männer steigen in die U-Bahn ein.<br />
Ihre Blicke bleiben an mir hängen, irritiert – und trotzdem setzen sie sich neben mich auf den leeren Dreier-Sitz. Absichtlich.<br />
Sie machen die Beine breit (typisch Mann!) und blicken mich angewidert an, besonders meine Fingernägel.<br />
In meinen Kopfhörern läuft „Titanium“ von Sia. Sie singt mir bestärkend zu: „I’m bulletproof, nothing to lose. Fire away, fire away.“, da höre ich, wie mich die Typen beleidigen: „Schwuchtel. Krankes Schwein!“<br />
Aber von sowas lasse ich mich doch nicht provozieren! …<br />
Dachte ich.<br />
Die beiden Männer reden noch lauter. Absichtlich! Sie meinen: „Es gibt ja zum Glück noch genug alte KZs. Da MUSS man solche Leute alle verbrennen.“ Sie lachen eklig und rutschen mir noch dichter. Es riecht nach Alkohol und braunem Hass.<br />
Obwohl sie mich nicht kennen, sagen sie solch unmenschliche Dinge. Und obwohl ich sie nicht kenne, verliere ich eine Träne. Denn es macht mich traurig… nein: wütend. Es macht mir Angst. Will sagen „Es reicht jetzt!“, aber ich bleibe still.<br />
Denn „Bulletproof und Nothing to loose“ stimmen nicht: Die Würde mag unantastbar sein, mein Körper ist es nicht. Ich habe hier sehr wohl etwas zu verlieren: z.B. meine restlichen Zähne, und ich möchte auch nicht verbrannt werden, nur weil ich ICH selbst bin.</p>
<p>Endlich tönt es: „Ding-dong! Nächster Halt: Sierichstraße, Ausstieg links“, auch wenn die Situation hier gerade sehr rechts ist.<br />
Ich stehe auf.<br />
Die beiden Männer brüllen noch irgendwas von „Hoffentlich kriegt er AIDS und verreckt daran“, doch niemand anderes im Zug scheint es mitzubekommen.<br />
Ich steige aus. Nächster Zug in 4 Minuten.<br />
Ich warte nahe der Notrufsäule.<br />
Neben mir steht eine junge Frau mit einer Katze auf dem Arm und einem Buch in der Hand: „Alice im Wunderland“. Sie lächelt mich hoffnungsvoll an.<br />
Ich schaue weg, aus Scham, sie könnte meine Tränen sehen.<br />
Erst einmal kurzer Reality-Check in der Amygdala: Sie meldet noch immer Alarm. Der Puls schlägt bis in die Ohren. Ich zittere. Tränen laufen meinen Wangen herunter. All das wegen dieser eben erlebten verbalen Gewalt.<br />
Sie verletzt genauso, wie körperliche Gewalt.<br />
Wenn du „Glück“ hast, dann triggert sie „nur“ ein ganzes Trauma. Und das hat nichts damit zu tun, dass du schwach oder empfindlich wärst, oder dass du „ein dickeres Fell“ bräuchtest – nein, Manfred, das sind keine echten Ratschläge. Das sind nur Schläge!<br />
Ich meine: Ist es noch sicher, alleine unterwegs zu sein?<br />
Wer würde mir helfen, wenn etwas Schlimmeres als eben passiert?<br />
Andere Fahrgäste, die im Handy vertieft sind?<br />
Das Pfefferspray, das ich erst ab 18 besitzen darf?<br />
Die Polizei, deine Freundin und Helferin? (Dieselbe Polizei, die zuletzt von hinten eine Person of Colour erschießt, während die Bodycams ausgeschaltet sind?) …<br />
Weiß nicht.<br />
Ist wohl wahrscheinlicher, dass die junge Frau neben mir wirklich diese „Alice“ ist und mich mit in ihr Wunderland nimmt. Kann ja nur besser dort sein.</p>
<p>500 Herzschläge fährt die nächste U3 ein. Ich trete ein.<br />
Ich schaue mich um, ob alle Menschen einigermaßen freundlich aussehen. Hier in Hamburg heißt das: Sie gucken aufs Handy, hören Musik, unterhalten sich feucht-fröhlich, oder haben ein Stück Rasen dabei, weil der HSV nach 7 Jahren endlich wieder aufgestiegen ist.<br />
„Alles sicher!“, meldet meine Amygdala an das erschöpfte Herz.<br />
Erleichtert lasse ich mich in einem Vierer-Abteil fallen.<br />
Mir gegenüber sitzt bereits die junge Frau vom Bahnsteig eben, inklusive Katze, die zu grinsen scheint. Die Frau schaut kurz von ihrem Buch auf und lächelt mich wieder hoffnungsvoll an.<br />
Ich verliere noch eine Träne.<br />
Sie sieht es, ebenso wie meine bunten Fingernägel.<br />
Ich schaue wieder weg und verliere mich in Gedanken.</p>
<p>Manchmal wäre ich gern woanders. Oder jemand anderes. Aber bitte nicht so breitbeinig-respektlos, und nicht so unzufrieden mit dem eigenen Leben, wie die Typen vorhin.  Jener Vorfall ist nur eine Mini-Spitze des Eisberges. Der Hass schläft nicht. Er wächst in der Stille und in den feigen Kommentarspalten. Und mit diesem Hass kommt die Gewaltbereitschaft, körperlich und verbal. Beängstigend!<br />
Manchmal habe ich keine Kraft mehr. Bulletproof- und „Einfach-nur-du-selbst sein“ fühlt sich gerade tonnenschwer an, schwerer als all das Titanium dieser Erde zusammen.<br />
Manchmal will ich nicht mehr kämpfen und Angst haben müssen, weder um mich, noch um meine Freund*innen.<br />
Solch ein Wunderland wäre echt schön: Wo alles voller Respekt und Frieden ist. Ein Land, wo ich, du, wir in Ordnung sind, so wie wir sind.<br />
Ein Land, wo nicht Alice, sondern Rechtsextreme und Hass als „verrückt“ gelten, Diagnose: kein Gehirn vorhanden (#afd). Ich meine, wir haben 2025 und queerfeindliche Gewalt, Rassismus, Femizide und mehr sind echt noch ein Ding?<br />
Wie abgefuckt ist das?!<br />
Es geht also nicht länger um mich oder um eine Minderheit (zumal Flinta* eigentlich nie eine Minderheit waren). Es geht ums uns alle als Gesellschaft. Um Demokratie und Sicherheit.<br />
Wir Menschen sind bunt. Alle Farben zählen gleich viel (außer vielleicht braun und hellblau).</p>
<p>Meine Gedanken werden durchbrochen von der jungen Frau, die sich nun neben mich gesetzt hat: „Schschsch. Hey! Ich bin Alice.“, stellt sie sich vor, „Gemeinsam kriegen wir das hin. Versprochen! Komm mal mit!“</p>
<p>Da tönt es: „Ding-dong! Nächster Halt: Wunderland. Übergang zu Respekt, Sicherheit und weiteren Eigenschaften einer modernen Gesellschaft. Ausstieg links.“</p>
<p>Wir steigen aus, und ich … wundere mich: „Wunderland“?! Nein, das ist U-Bahn Kellinghusenstraße?! Es ist alles wie immer: Menschen, die aufs Handy schauen, Notrufsäulen, irgendwo chillt eine Grinsekatze.<br />
Irritiert schaue ich zu Alice.<br />
Sie nickt mir zu, lächelt wieder hoffnungsvoll und schlägt vor: „Lass uns was singen!“</p>
<p>„Ich?? Nein, ich kann nicht singen.“</p>
<p>„Doch, du kannst ALLES!“, bestärkt sie mich und nimmt meine Hand.</p>
<p>Und tatsächlich, ich beginne es zu fühlen: Gemeinsam sind wir stärker als all der Hass.<br />
Also singen wir. Ziemlich schief, aber egal; wir singen drauf los:<br />
“You shoot me down, but I won’t fall – I am Titanium!<br />
They shoot us down, but we won’t fall – we are Titanium!”</p>
<p>Ja! Gemeinsam sind wir standhaft wie verdammtes Titan. WIR sind laut, damit wir uns alle sicher fühlen können – ganz egal welche Hautfarbe, Identität, Sexualität oder welches Geschlecht du hast.<br />
Ich begreife: Das Wunderland ist bereits direkt vor unseren Augen. Wir müssen es nur gestalten und beschützen, sowohl die Welt selbst als auch uns Menschen.<br />
Lasst uns also das tun, was im Sitzen (vor allem Männer) in der Bahn mit ihren Beinen tun sollten: zusammenhalten. So wie es schon Hunderttausende; Millionen vor uns taten.</p>
<p>Das Wunderland beginnt heute, genau hier in der Kellinghusenstraße, weil wir laut sind. „Hoffen und stillsein“ reicht nicht länger.<br />
Gemeinsam nie wieder still.<br />
Für Respekt. Für Liebe.<br />
Für eine sichere Demokratie<br />
für uns alle.<br />
//</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein paar meiner Queeren Orte im Ruhrgebiet</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/06/ein-paar-meiner-queeren-orte-im-ruhrgebiet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sven Hensel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 20 Jun 2025 08:00:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[pride month]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Save Space]]></category>
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					<description><![CDATA[Sven hat sein bisheriges Leben im Ruhrgebiet verbracht. Pünktlich zum Pride Month hat er für uns seine liebsten, queeren Orte im Pott vorgestellt. Wenn ihr also Lust habt euch in queeren in Save Spaces zu bewegen, findet ihr hier ein paar Vorschläge. Ich bin schon seit meinem ganzen Leben im Ruhrgebiet wohnhaft und habe dabei]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sven hat sein bisheriges Leben im Ruhrgebiet verbracht. Pünktlich zum Pride Month hat er für uns seine liebsten, queeren Orte im Pott vorgestellt. Wenn ihr also Lust habt euch in queeren in Save Spaces zu bewegen, findet ihr hier ein paar Vorschläge.</strong><span id="more-16976"></span></p>
<p>Ich bin schon seit meinem ganzen Leben im Ruhrgebiet wohnhaft und habe dabei immer wieder verschiedene Orte frequentiert, um mich mit meinen queeren Gefährt*innen gemeinsam in sicheren Räumen zu bewegen. Dort dürfen wir auf volle Lautstärke aufgedreht so bunt und queer sein, wie wir wollen &#8211; seien es Parties, Jugend- oder Kulturzentren, oder Bars. Es ist einerseits schade, dass wir diese Orte immer noch brauchen, gerade zurzeit, wo unsere Rechte weltweit wieder weiter eingeschränkt werden, Hass und Gewalt gegenüber queeren Menschen zugehend normalisiert wird, und der Fortschritt leider nur langsam voran geht &#8211; aber andererseits ist es wunderbar, dass es diese queeren Spielstätten gibt, um uns in sicheren Räumen miteinander auszuprobieren, Erfahrungen zu teilen und solidarisch zu lieben und zu leben. Jeder dieser Orte ist eine Pride Celebration in sich! Ein paar von ihnen gibt es schon nicht mehr, und ein paar der Orte, die hier stehen könnten, gibt es vielleicht noch nicht, aber hier präsentiere ich euch eine Auswahl von ein paar meiner Lieblingsorte, um Pride nicht nur, aber auch im Pridemonth hoch leben zu lassen:</p>
<p><strong>Queere Orte in Bochum:</strong><br />
<a href="https://www.instagram.com/fluid_bo/">FLUID</a><br />
Das queere Kultur- und sexuelle Bildungszentrum existiert in dieser Form seit drei Jahren und ist für mich nicht mehr aus unserer lokalen Szene wegzudenken, besonders für mich als in Bochum wohnend. Dieser dritte Ort (also wo man sein darf, ohne Geld dafür bezahlen zu müssen, wie z.B. eine Bibliothek oder ein öffentlicher Park) behaust einige queere Gruppen, die sich teilweise monatlich, teils öfters treffen, z.B. die FLINTA Gruppe “Form Up!”, den queeren Männertreff “Queere Kumpels” und Spielegrüppchen für alle Gender. Ich durfte hier zur großen Neueröffnung der Räumlichkeiten die erste Ausgabe meiner eigenen Reihe, der Queer Poetry Gala Bochum, halten &#8211; und was für ein Auftakt es war! Seitdem ist das Fluid ein Ort für mich sondergleichen geworden, ich treffe hier auf die verschiedensten queeren Communitys, und manchmal mixen sie sich auch untereinander bunt durch, da stoßen dann die trans Leute mit den Schwulen und Lesben am selben Tresen an. Es wird einander respektiert, die Ehrenamtlichen sind engagiert, sich tatkräftig einzubringen, und das kleine Café unter der Aidshilfe in Bochum floriert. Manchmal gibt&#8217;s hier veganen Kuchen, manchmal werden Pommes frittiert, manchmal bringen wir alle kleine selbstgemachte Speisen mit und genießen gemeinsam, uns zu nähren. Ich habe hier schon Geburtstage feiern dürfen, meinen eigenen und den vieler Freund*innen, und den Raum jedes Mal individuell gestaltet zu sehen, wie in jedem der Gruppenangebote, ist wunderschön: wir dürfen diesen Raum nutzen, er ist ein Angebot, und wir bringen die Nachfrage mit.</p>
<p><a href="https://www.instagram.com/ovalofficebar/">Oval Office Bar</a><br />
Das Oval Office befindet sich in der Seite des Schauspielhaus Bochum, man geht eine kleine Treppe hinunter in den Keller und schon ist man angekommen in einem queeren Nirvana. Seitdem in der Spielzeit 2018/2019 Johan Simons die Intendanz des Schauspielhauses innehat, ist diese Kellerbar zu einem der queeren Hotspots im Pott geworden, die Gründung eines Vereins (der Kosmopolis e.V.) zur Selbstorganisation der Räumlichkeiten folgte bald. Ich habe hier schon öfter selbst auf der Bühne gestanden, aber noch öfter mit Freund*innen ein Getränk getrunken, neue Leute überall in der Alphabetmafia angesiedelt kennengelernt und mir Shows angesehen. Sehr eindrucksvoll war ein queeres Bourlesque, das Schlesien thematisierte, was mich auch zu der Verbindung zu meinen eigenen schlesischen Wurzeln (wie viele Leute im Ruhrgebiet sie haben) brachte. Hier gibt&#8217;s Öffnungstage für schüchterne Menschen, manchmal gibt&#8217;s Hair Bars, wo alle ungeachtet des Geschlechts einfach, affirmativ und unkompliziert die Haare geschnitten bekommen können, und noch weitere, schöne Aktionen, die vor Queerness nur so sprudeln.</p>
<p><strong>Queere Orte in Essen:</strong><br />
<a href="https://www.instagram.com/togethervirtuell/">Together Jugendzentren</a><br />
Ich war hier schon regelmäßig zu Besuch, als ich noch Teenager war, spezifisch in den Zentren in Essen und Gelsenkirchen. Seitdem hat sich einiges geändert, aber die besten Dinge sind gleich geblieben, und zwar, dass man ganz einfach willkommen geheißen wird.<br />
Es gibt für TIN* Menschen, Jungs und Mädchen gesonderte Öffnungstage und Treffs, aber auch Tage, an denen alle Queers and Friends von 14 bis 26 vorbeikommen dürfen, um gemeinsam abzuhängen, einander kennen zu lernen, miteinander Aktionen oder Ausflüge zu planen und sich kreativ zu betätigen. Ich bin so froh, dass es im Together Essen<br />
spezifisch mittlerweile ein queeres Bücherregal gibt, weil mir diese literarischen Entwürfe und Vorbilder in meiner Jugend gefehlt haben, ich aber sehr gerne las und es noch immer gern tue. Ich durfte schon häufiger als Erwachsener Workshops zum kreativen Schreiben und zum Selbstausdruck in den Together Jugendzentren leiten, und immer wieder ist es eine Freude, zu sehen, wie die jungen Menschen diesen Ort mit Leben füllen.</p>
<p><a href="https://www.instagram.com/divine.essen/">Divine Bar</a><br />
In der Divine Bar finden seit etwas über einem Jahr an jedem Samstag Dragshows statt. Das Team hinter der Bar schafft einen Raum für queere Menschen aller Geschlechter und Sexualitäten, und auch für unsere Allys. Ich weiß noch, wie ich mit ein paar Freunden das erste Mal zur großen Eröffnungsfeier vor der Bar in der Einlassschlange stand, die ein Stück<br />
der Einkaufsstraße hoch ging, und ich froh war, dass der Laden damals schon mit so offenen Armen angenommen und seine Eröffnung sehnlichst erwartet wurde. Drinnen wie draußen im Biergarten ist eine tolle Atmosphäre, auf den Wänden und Säulen ist künstlerisch vom Illustrator Maurizio Onano die Transformation einer Drag Queen dargestellt, es gibt eine barrierearme Toilette, und alle anderen Toiletten sind für alle Geschlechter, die Getränkekarte und Snacks sind sehr lecker, und die Showangebote toll. Neben meiner eigenen Reihe hier, der Queer Poetry Gala Essen, mache ich mit einem Freund von mir als Glitter und Pailletten hier auch manchmal bunte Bingoabende und wir veranstelten queere Kneipenquizzes, aber ich bin auch gern zu Gast, wenn es heißt “Lip Sync For Your Shot”, das Showformat ist selbsterklärend und jedes Mal wieder ein absolutes Highlight meiner Woche. Ich jubel dort auf jeden Fall in der Crowd den Leuten auf der Bühne zu, wann immer ich Zeit habe.</p>
<p><a href="https://www.instagram.com/gentlem_bar/">GentleM Karaoke</a><br />
Wenn man als queere Person im Ruhrgebiet Karaoke singen gehen möchte, dann ist das GentleM in Essen (oder in der Zweitfiliale in Dortmund!) immer ein guter Anlaufpunkt. Ich habe hier schon geknutscht, aus Versehen beim Mitsingen von Shallow ein Bild von der Wand gerissen (aber keine Sorge, ist nichts kaputt gegangen!), mit Junggesell*innenabschieden gequatscht, neue Leute kennen gelernt und mit Freund*innen tolle Abende verbracht. Ich war schon abseits vom Karaoke hier, aber meine liebsten Abende hier habe ich damit verbracht, selbst zu singen oder anderen beim Singen<br />
zuzuhören. Wer es eng und schwitzig mag, wird es im GentleM gefallen!</p>
<p>Ich hoffe, dass hier in dieser Auswahl etwas für dich mit dabei ist, vielleicht sehen wir uns ja bald schon hier oder dort auf ein Getränk und stoßen einander stolz zu &#8211; Happy Pride!</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>ich habe die zukunft gesehen und wir waren alle am leben und glücklich</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/03/ich-habe-die-zukunft-gesehen-und-wir-waren-alle-am-leben-und-gluecklich/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Isaak]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Mar 2025 07:00:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Erinnerungskultur]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Hoffnung]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;Anti-Faschismus ist Handarbeit&#8220;, sagt Esther Bejarano, Holocaustüberlebende. Auch unser Autor Isaak findet trotz aller Widrigkeiten, Hürden und Rückschläge immer wieder Hoffnung, unter anderem in Geschichtsbüchern. In seiner bemerkenswert düsteren und gleichzeitig hoffnungsvollen Analyse stellt er fest: Andersdenkende, Queere und unbequeme Menschen sind, trotz größter Bemühungen autoritärer Kräfte, nie verschwunden. vor paar tagen habe ich einen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8222;Anti-Faschismus ist Handarbeit&#8220;, sagt Esther Bejarano, Holocaustüberlebende. Auch unser Autor Isaak findet trotz aller Widrigkeiten, Hürden und Rückschläge immer wieder Hoffnung, unter anderem in Geschichtsbüchern. In seiner bemerkenswert düsteren und gleichzeitig hoffnungsvollen Analyse stellt er fest: Andersdenkende, Queere und unbequeme Menschen sind, trotz größter Bemühungen autoritärer Kräfte, nie verschwunden.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-16608"></span></p>
<p>vor paar tagen habe ich einen interessanten post auf instagram gelesen: “ich wünschte, die rechten würden verstehen, dass sie schon lange gewonnen haben… unser gesundheitssystem ist rechts, unsere außenpolitik ist rechts, unsere sozialpolitik ist rechts &#8211; und dein leben ist und bleibt trotzdem scheiße.” (paraphrasiert)</p>
<p>aktuell suche ich auch nach hoffnung. nach diesem funken, der einer*m kraft gibt weiterzumachen, trotz merz, weidel, höcke, lindner und scholz. trotz der forderung, meine freund*innen alle abzuschieben, und/ oder ihnen die staatsbürger*innenschaft zu entziehen. (habeck und baerbock gehören auch in diese liste, aber da sie schon ziel von cduafd sind, lasse ich sie an dieser stelle mal raus. fühlt euch aber mitgemeint, ihr lieben rassismus-aber-mit-bauchschmerzen-leute.)</p>
<p>ich habe auch mal einen anderen sehr interessanten post auf instagram gelesen (ja, ich weiß, ich verbringe zu viel zeit auf dieser plattform, aber was soll man machen): “die tatsache, dass es in deutschland keine starke linke, überhaupt keine ernstzunehmende linke opposition gibt, ist bereits der faschismus. er ist schon lange eingetreten, schon vor jedweden cdu eskapaden und forderungen nach remigration.” (paraphrasiert)</p>
<p>wenn ich ab und an mal nachrichten lese, dann ist es jedesmal wie ein schlag in den magen. und dieses gefühl von ohnmacht. immer diese ohnmacht.</p>
<p>man kann noch so viele kommentare schreiben, mit sturköpfigen verwandten reden, diskussionen in der teeküche im büro anzetteln, petitionen unterschreiben, auf demos gehen. aber es bringt ja alles nichts. es bringt ja nichts.</p>
<p>naja. ein bisschen was bringt es schon. aber halt nicht genug.</p>
<p>und auch nicht schnell genug. mir fallen aus dem kopf heraus bestimmt 20 in naher zukunft real umsetzbarer horrorszenarien ein: von der inhaftierung psyc— ich versuche, mir nicht zu viele albträume auszumalen, aber es fällt mir ehrlich gesagt schwer, <i>nicht </i>an sowas zu denken. und was hilft dagegen? was sind realistische, umsetzbare anti-horrorszenarien?</p>
<p>wenn ich das wüsste, dann würde ich sie gerade alle machen und hätte ggf schon einen friedensnobelpreis, glaube ich. ich hab ehrlich gesagt nicht viel eigene erfahrung, was aktivismus angeht, aber ich habe eine absurde menge an geschichtsbüchern gelesen und würde gerne ein bisschen wissen daraus teilen und vielleicht hoffnung generieren (und vor allem mir selbst wieder hoffnung machen).</p>
<p>wer politische veränderung will, braucht a) einen sehr, sehr, sehr langen atem (z.b. die gleichgeschlechtliche ehe in deutschland hat 21 jahre (!) vom 1. vorschlag bis zur umsetzung gebraucht (von 1996 bis 2017)) und b) genug menschen, dass politiker*innen angst haben.</p>
<p>nein, ehrlich jetzt.</p>
<p>es braucht so viele leute, dass es für politiker*innen unglaublich unangenehm ist, den status quo beizubehalten und sie dann wider ihres eigenen willens nun die forderung von besagter politischer bewegung umsetzen und z.b. klimaschutz maßnahmen beschließen. oder, einfacher gesagt: es braucht (die illusion von) gewalt.</p>
<p>eine demo? kann man easy ignorieren. zwei demos? ebenso. bundesweit in nahezu allen städten demos mit millionen demonstrant*innen, die so unzufrieden aussehen, dass man sich sorgen machen muss, ob sie gleich ne scheibe einschlagen? hmmmmm schwierig zu ignorieren.</p>
<p>um eins klarzustellen: das ist kein aufruf zu gewalt. das ist nur das, was ich nach wirklich vielen seiten geschichte für mich rausgezogen habe &#8211; politik hört auf genau 2 sachen: geld und gewalt. natürlich gibt es auch die option, einfach keine forderungen an die politik zu stellen und das eigene ding zu machen, aber das ist auch sehr tricky/ je nachdem, um was und um welchen ausmaß es ging, historisch bisher leider oft gescheitert (imo interessante gruppen zum nachgooglen an dieser stelle sind z.b. die pariser kommune und die machno-bewegung).</p>
<p>vielleicht braucht es jetzt große, riesengröße bündnisse. so große und so unerwartete zusammenschlüsse an menschen, dass die ganzen cduafd leute gar keine zeit haben, um schnell und sinnvoll genug dagegen zu reagieren. wenn sich z.b. plötzlich queere menschen und alle mitarbeitenden der deutschen bahn zusammentun würden, um brennende geflüchteten-unterkünfte zu verhindern. oder alle leute, die in pflegeberufen arbeiten solidarisieren sich mit inhaftierten personen. keine ahnung!!! überrascht mich.</p>
<p>wir leute, die nicht ins weltbild der cduafd reinpassen, können es uns schon lange nicht mehr leisten a) uns wegen lächerlich irrelevanten differenzen aufzuspalten und b) berechtigte kritik aus den eigenen gruppen, z.b. an rassismus im plenum, zu ignorieren.</p>
<p>es brennt mir unter den fingern. ich will irgendwas tun. und dann meldet sich mein körper mit seinen chronischen schmerzen, zwingt mich zu einer kotz-session in der uni-mensa und fragt: “hast du mich etwa vergessen?”</p>
<p>ach, ich weiß doch auch nicht. anti-faschismus bleibt handarbeit, das wissen wir ja alle. “wer gegen nazis kämpft, kann sich auf den staat überhaupt nicht verlassen” (esther bejarano), wissen wir auch alle.</p>
<p>und trotzdem ertappe ich mich immer wieder bei den doppel-gedanken: ich kann ja gar nichts machen und kann das nicht wer anders für mich erledigen? kann sich jemand anderes etwas schlaues überlegen und umsetzen? direkte aktion schön und gut, aber das ist ja auch einfach super gefährlich und ich will nicht ins gefängnis??? ich habe zwar viel gelesen und mit vielen menschen gesprochen, aber eigentlich weiß ich auch nicht, was ich hier tue?? ich bin am ende meiner kräfte, ich hab nur total wenig politische erfahrung, ich will eigentlich nur nach hause (wo auch immer das eigentlich ist) und wie zur hölle soll ich arme kleine einzelperson so ein riesengroßes ziel wie “geschlechtergerechtigkeit” oder “klimakatastrophe aufhalten” oder “faschismus überwinden” schon hinkriegen?</p>
<p>ich glaube, vielen menschen geht es so. super viele leute haben eigentlich gar keinen bock auf das, was die cduafd vorschlägt. sie sind nicht “das volk”, von dem immer geredet wird. aber sie sind eben auch wie ich &#8211; alleine. nicht teil einer politgruppe, einer gewerkschaft, einer partei oder einer anderen organisation. shit. wohin mit mir? was kann ich denn tun, wenn ich so alleine bin? wie find ich anschluss??</p>
<p>ich schaue wieder in meine lieblingsquelle von hoffnung (= geschichtsbücher) und merke, dass ich vielleicht doch nicht so alleine bin, wie ich mich oft fühle. dass es z.b. queere menschen schon immer gab und auch geben wird. dass sie niemand ausradieren kann, egal wie sehr sie es versuchen. dass marginalisierte leute unendlich kreativ sind, untertauchen, verschwinden, dann wieder auftauchen und immer wieder strategien finden, um in dieser hölle namens spätkapitalismus zu überleben. dass es eine gruppe gibt, der ich mich anschließen kann und werde, aber dass ich sie halt erst suchen und/ oder gründen muss.</p>
<p>dass auch ich, mit meinen sehr begrenzten skills und meinen ganzen chronischen krankheiten etwas tun kann und es einen sinnvollen platz für mich gibt. dass ich, selbst wenn es mir gar nicht bewusst ist, schon einen impact habe, einfach indem ich z.b. mit arbeitskolleg*innen, freund*innen, bekannten und kommiliton*innen rede. dass es, wenn man sich die gesamte geschichte der menschheit anschaut, erst für einen enorm kurzen zeitraum so ist, dass ausbeutung der normative zustand ist. dass wir eben wirklich nicht alleine sind und auch nie waren. oder, um es in den worten vom super klugen autor &amp; aktivisten max czollek zu sagen: “alleine sind wir erledigt, aber zusammen erledigen wir das.”</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Review zum Film &#8222;Queer&#8220; von Kenji</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2025/01/review-zum-film-queer-von-kenji/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kenji]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Jan 2025 07:00:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Debatten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Aktivistisch ins neue Jahr]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute hat Kenji wieder eine Filmkritik für euch – diesmal zu Queer von Luca Guadagnino. Warum dieser Film für ihn so besonders ist, erfahrt ihr nach dem Steckbrief. Titel: Queer Regie: Luca Guadagnino Besetzung: Daniel Craig, Drew Starkey, Lesley Manville, Jason Schwartzman u. a. Genre: Romanze/Drama Altersfreigabe: 16 Inhaltshinweis: Drogenkonsum, explizit sexuelle Szenen, Alkoholkonsum, Gewalt,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong><span style="color: #000000;">Heute hat Kenji wieder eine Filmkritik für euch – diesmal zu <i>Queer</i> von Luca Guadagnino. Warum dieser Film für ihn so besonders ist, erfahrt ihr nach dem Steckbrief.</span></strong><span id="more-16553"></span><br />
<span style="color: #000000;"><b><br />
Titel:</b> Queer<br />
<b>Regie:</b> Luca Guadagnino<br />
<b>Besetzung:</b> Daniel Craig, Drew Starkey, Lesley Manville, Jason Schwartzman u. a.<br />
<b>Genre:</b> Romanze/Drama<br />
<b>Altersfreigabe:</b> 16<br />
<b>Inhaltshinweis:</b> Drogenkonsum, explizit sexuelle Szenen, Alkoholkonsum, Gewalt, Tabakkonsum, Stroboskop-Licht</span></p>
<p><!--more--></p>
<p><span style="color: #000000;"><b>Kann man süchtig nach einer Person sein?<br />
</b></span><span style="color: #000000;">Diese Frage stellt man sich unweigerlich beim Schauen von <i>Queer</i>. Der Film erzählt die Geschichte von William Lee, der in den 1950er-Jahren aus den USA nach Mexiko-Stadt gezogen ist. Hier lebt er allein, drogenabhängig und verbringt seine Nächte in Bars – immer auf der Suche nach neuen Bekanntschaften. Eines Abends trifft er auf den jungen Eugene Allerton (gespielt von Drew Starkey). Es ist fast wie Liebe auf den ersten Blick. Aber ist sie das nur einseitig? Doch diese Begegnung führt zu riskanten Situationen, einen Trip und tiefen Existenzängsten. Mehr möchte ich an dieser Stelle nicht verraten.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Der Film ist in verschiedene Akte unterteilt. Jeder Akt hat ein eigenes Hauptthema – mal einen bestimmten Handlungsort, mal ein Gefühl, manchmal auch beides. Diese Erzählstruktur ist einer der Gründe, warum <i>Queer</i> trotz seiner Laufzeit von 2 Stunden und 17 Minuten nicht langweilig wird. </span><span style="color: #000000;">Wir folgen Lee auf seinem Weg, fühlen mit ihm, verurteilen ihn, empfinden Scham oder Mitleid. Wir erfahren erst spät von seiner Drogensucht, müssen sie aber akzeptieren, weil Lee uns schon im ersten Akt ans Herz gewachsen ist. Doch diese Sucht nimmt im weiteren Verlauf viel Raum ein – vielleicht zu viel.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Was bewegt uns bei diesem Film so sehr? Ist es die Sehnsucht? Die Sehnsucht nach Liebe, nach Existenz, nach Bedeutung? Diese Sehnsucht verbindet uns mit Lee und gibt uns die Freiheit, sie nach unseren eigenen Gefühlen zu interpretieren.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><b>Inszenierung<br />
</b></span><span style="color: #000000;">Luca Guadagnino ist bekannt für <i>Call Me by Your Name</i>. Vielleicht kennt ihr den Film: Ein junger Timothée Chalamet trifft auf einen älteren Armie Hammer – eine Liebesgeschichte, die sich wirklich in mein Herz gebrannt hat (und vermutlich nicht nur in meines). Auch <i>Challengers</i> lodert vor bisexual energy. Wenn Guadagnino einen neuen Film macht – und dann noch mit einer LGBTQIA+-Geschichte –, werde ich sofort aufmerksam. </span><span style="color: #000000;">Mit <i>Queer</i> verfilmt er die semi-autobiografische Novelle von William S. Burroughs. Guadagnino setzt auf ästhetische Sets, meisterhafte Kameraarbeit und einen dynamischen Erzählrhythmus, der zwischen langsamen und schnellen Passagen wechselt. Diese Mischung sorgt dafür, dass fast keine Szenen langweilig oder inhaltslos wirken.<br />
</span><span style="color: #000000;">Aber Achtung: <i>Queer</i> ist ein eher künstlerischer Film, der viel Raum für Interpretationen lässt. Viele Szenen fordern uns Zuschauenden auf, ihre eigene Bedeutung darin zu finden – das macht den Film anspruchsvoll, aber auch unglaublich fesselnd.</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Die Kameraarbeit von Sayombhu Mukdeeprom, der bereits für <i>Call Me by Your Name</i> und <i>Challengers</i> verantwortlich war, ist atemberaubend. Jede Einstellung wirkt wie ein Kunstwerk. Der Film hat einen Retro-Look mit klaren Farben. Beige- und Blautöne dominieren und ziehen sich als stilistisches Element durch den gesamten Film. Auch das Set-Design fügt sich perfekt in diese Ästhetik ein. Ob es historisch korrekt ist, kann ich nicht sagen – aber es passt hervorragend zur Atmosphäre. Der prägnante Soundtrack macht den Film nur noch besser- Nirvana, New Order und andere begleiten den Film mit perfekter Musik. Trent Reznor und Atticus Ross liefern dazu einen fast traumhaften Score, de ich mir jetzt noch anhöre.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><b>Ein schwuler James Bond<br />
</b></span><span style="color: #000000;">Doch jetzt zu den Hauptdarstellern. Daniel Craig liefert eine Performance, die wir so noch nie von ihm gesehen haben. Der Ex-James-Bond-Darsteller zeigt eine verletzliche, sinnliche Seite, die uns mitreißt. Man fiebert und leidet mit ihm mit. </span><span style="color: #000000;">Drew Starkey ergänzt ihn perfekt. Seine Darstellung von Eugene Allerton ist liebevoll, mysteriös und distanziert zugleich. Er verkörpert den einen Menschen, den man unbedingt erreichen möchte, der aber immer unerreichbar bleibt. Diese Dynamik zwischen Craig und Starkey macht den Film emotional und unglaublich intensiv.</span></p>
<p><span style="color: #000000;"><b>Kritik und Fazit<br />
</b></span><span style="color: #000000;">„Queer“ wurde in der Türkei wegen „provokativen Inhalts“ und der „Gefährdung des gesellschaftlichen Friedens“, also einer Argumentation mit bewusst homophober und menschenfeindlicher Denkweise, verboten. Darüber hinaus dann auch in der ganzen Türkei. Wir sollten den Film gucken, um uns gegen die Zensur zu stellen und sie nicht an oberste Stelle stehen lassen, wenn es um den Film geht. Oder wie Timo Lindemann aus der jungle.world zu dem Film sagt: „<i>Queer</i> ist Guadagninos bisher bester Film und der Gang ins Kino sei ausdrücklich empfohlen – nicht nur, um dem homophoben Verbot des Films durch türkische Zensurbehörden an den Kinokassen zu widersprechen.“</span></p>
<p><span style="color: #000000;">Ich weiß, dass der Film nicht für jeden gemacht ist. Aber ich empfehle euch, euch auf <i>Queer</i> einzulassen. Vielleicht hat er ja eine ähnliche Wirkung auf euch, wie auf mich.</span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Binäre Geschlechterkategorien im Sport: Wie wir mehr Vielfalt und Inklusion schaffen können</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/06/binaere-geschlechterkategorien-im-sport-wie-wir-mehr-vielfalt-und-inklusion-schaffen-koennen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 05 Jun 2024 12:59:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Sport]]></category>
		<category><![CDATA[Sport - Deine Story über Schweiß und Tränen]]></category>
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					<description><![CDATA[Gerade im Sport stellen die binären Geschlechterkategorien eine große Hürde für Menschen dar, die sich in diesen nicht verorten. Lilith zeigt in ihrem Text wieso das so ist und wie diese Hürden abgebaut werden können. Ich liebe es, wenn ich durch die Luft ﬂiege, mich in verschiedenste Richtungen drehe, springe und tanze. Sport ermöglicht mir]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Gerade im Sport stellen die binären Geschlechterkategorien eine große Hürde für Menschen dar, die sich in diesen nicht verorten. Lilith zeigt in ihrem Text wieso das so ist und wie diese Hürden abgebaut werden können.</strong><span id="more-16070"></span></p>
<p class="western" lang="de-DE"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Ich liebe es, wenn ich durch die Luft ﬂiege, mich in verschiedenste Richtungen drehe, springe und tanze. Sport ermöglicht mir persönlich, mich auszutoben, frei zu sein, Stress abzubauen &#8211; eine Abwechslung im Alltag zu haben. Gleichzeitig ist mir mein Privileg bewusst, meiner Sportbegeisterung nachgehen zu können wie ich will. Das ist nämlich bei weitem nicht für jede Person der Fall, obwohl das Ziel unserer Gesellschaft eigentlich sein sollte, die sportlichen Türen weit zu öﬀnen, anstatt zu schließen &#8211; denn: laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit schätzungsweise 81% der Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahren zu wenig körperliche aktiv.</span></p>
<p class="western" lang="de-DE"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Umso besorgniserregender also, dass einigen Jugendlichen der Zugang zu Sport erschwert wird &#8211; insbesondere der LGBTQIA+ Community. </span><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Die Liste an Barrieren, denen sich Zugehörige dieser Gruppe noch bis heute in zahlreichen Disziplinen und sportlichen Beteiligungsformaten gegenübersieht, ist lang. So sind diese Individuen in Gruppensportarten extrem unterrepräsentiert und begegnen auch bei Individualsportarten, zahlreiche Hürden &#8211; insbesondere in Hinblick auf Wettbewerbskategorien und vergleichbaren Leistungsmessungen. Dies reicht bis hin zu den Olympischen Spielen, bei denen Diskussionen über Testosteronhöchstwerte, regelmäßige Testungen und Untersuchungen der Körpermerkmale immer und immer wieder in der Diskussion stehen. Traditionell finden die meisten Teamsportarten in gleichgeschlechtlichen Teams staN, und schon in jüngsten Jahren wird binär getrennt. Bereits im Sportunterricht begegnet uns tagtäglich eine Leistungsmessung in binären <span style="font-size: small;"><span lang="de-DE">Geschlechterkategorien</span></span>. All dies führt dazu, dass es für diese Jugendlichen nur wenig Raum gibt, sich auszudrücken, <span style="font-size: small;"><span lang="de-DE">Geschlechternormen</span></span> in Frage zu stellen und die Vielfalt und Inklusion zu erhöhen.</span></p>
<p class="western" lang="de-DE"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Darüber hinaus haben Schülerinnen und Schüler mit nicht-binären Geschlechtsidentitäten Schwierigkeiten, an geschlechtsspeziﬁschen Aktivitäten wie vielen Sportdisziplinen teilzunehmen. Eine kürzlich an der Simon Fraser Universität durchgeführte Studie fand heraus, dass unter 11 % der nicht-binären Jugendlichen in Kanada an Mannscha1ssport teilnehmen. Deutlich weniger als mit 68 % in ihrer Altersgruppe üblich. Missbrauch und Diskriminierung sind die Hauptfaktoren, die nicht- binäre Individuen davon abhalten, an Teamaktivitäten teilzunehmen. Egal ob in Wettkampfsituationen oder während des Trainings haben nicht-binäre Jugendliche von der Verwendung transphober Sprache durch Trainerinnen und Trainer und dem Gefühl berichtet, in Sportumkleideräumen nicht sicher zu sein. All dies sind tiefgreifende Gründe für ein Klima, in dem LGBTQIA+ Jugendlichen Sporttreiben alles andere als schmackhaft gemacht wird.</span></p>
<p class="western" lang="de-DE"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Die Schwierigkeiten der LGBTQIA+ Community im Sport erstrecken sich auch auf Paarsportarten, wie </span><span style="font-family: Arial, sans-serif;">z.B. Lateinamerikanischer Tanz oder Rock&#8217;n&#8217;Roll Akrobatik, wo die Paarkategorien klar binär getrennt sind. Während in sozialen Settings im Ballsaal inzwischen lieber die Rede von <i>Leader</i><i> </i>und <i>Follower</i><i> </i>ist anstelle von <i>Herr </i>und <i>Dame</i>, denen <span style="font-size: small;"><span lang="de-DE">spezifische</span></span> Schritte und Führungsaufgaben innerhalb der Choreographie zugewiesen werden, existiert sobald es auf die Wettkampﬄäche geht, wenig Freiraum.</span></p>
<p class="western" lang="de-DE"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Es gibt jedoch auch Hoﬀnung: Bei den Olympischen Spielen in Tokio traten mindestens 180 oﬀen queere Athletinnen und Athleten an &#8211; ein Rekord. Das sind fast dreimal so viele wie bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro und mehr als bei allen bisherigen Olympischen Sommer- und Winterspielen kombiniert. Auch Veranstaltungen wie die Gay Games, die seit 1982 stattfinden, bieten der LGBTQIA+ Community die Möglichkeit, Sport zu treiben und sich oﬀen auszutoben. Auch gibt es Sportarten, die von Grund auf inklusiver sind, als Ballsportarten oder olympische </span><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Individualdisziplinen. Während es im Zirkus z.B. durchaus rollentypischere Disziplinen für spezifische Geschlechter gibt, stehen alle Gerätschaften, vom Vertikaltuch bis hin zum Jonglieren, grundsätzlich jeder und jedem oﬀen. Die “Teams” sind nicht nach Geschlecht eingeteilt, und die Sportler:innen können sich individuell austoben.</span></p>
<p class="western" lang="de-DE"><span style="font-family: Arial, sans-serif;">Dennoch sollten uns diese positiven Beispiele für mehr Oﬀenheit und Toleranz nicht davon abhalten, weiter aktiv zu sein und einen gleichberechtigten Zugang zu Sport einzufordern – denn der Weg zu diesem Ziel ist noch lang. Entsprechend ist es umso wichtiger, dass wir alle zusammenarbeiten, um sicherzustellen, dass alle Jugendlichen, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität, die Möglichkeit haben, an Sportarten teilzunehmen und von den Vorteilen körperlicher Aktivität zu profitieren.</span></p>
<p class="western" lang="de-DE"><span style="font-family: Arial, sans-serif;"> </span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Mein eigenes Vorbild</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/02/mein-eigenes-vorbild/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Feb 2024 11:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Non-binary]]></category>
		<category><![CDATA[PoC]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Vorbilder]]></category>
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					<description><![CDATA[sabylonica ist &#8222;eine Person of Color, männlich gelesen, nicht binär und queer.&#8220; In ihrem*seinem neuen Text erzählt er*sie, wie schwer es war, als heranwachsender Mensch passende Vorbilder zu finden und warum es SpongeBob wurde. Ich gehöre zu der Generation, in der das Sitzen vor dem Fernseher dazugehörte. Wo nach der Schule klassische Cartoons angeschaltet und]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>sabylonica ist &#8222;eine Person of Color, männlich gelesen, nicht binär und queer.&#8220; In ihrem*seinem neuen Text erzählt er*sie, wie schwer es war, als heranwachsender Mensch passende Vorbilder zu finden und warum es SpongeBob wurde.</strong><span id="more-15919"></span></p>
<p>Ich gehöre zu der Generation, in der das Sitzen vor dem Fernseher dazugehörte. Wo nach der Schule klassische Cartoons angeschaltet und angeschaut wurden. Diese Generation war weder Generation Y noch Generation Z. Eher war sie eine Übergangsgeneration und selbst heute ist es schwierig, welcher Generation ich mich zugehörig fühle. Allenfalls gab es zu dieser Zeit eine Bandbreite an Zeichentrickserien und -filmen. Zu meiner Lieblingsfigur gehörte SpongeBob. Ich habe in SpongeBob eine Realität gesucht und glaubte, er existiere wirklich.</p>
<p>Ich meine, wen sollte ich sonst als Lieblingsfigur haben? Ich bin eine Person of Color, männlich gelesen, nicht binär und queer. Wer also hätte meine Lieblingsfigur sein können? Aladin? Pleakley? Tatsächlich fallen mir nicht mehr Figuren ein, die meiner ähnlich kommen. Dabei kommen nicht einmal diese zwei mir ähnlich. Mehr als diese zwei gab es aber dennoch nicht für mich.</p>
<p>Nahezu alle Figuren sind weiß, nahezu alle Figuren sind hetero und nahezu alle sind cis. Nur keiner kommt meiner Person nahe. Vielleicht genau aus diesem Grund habe ich eine Lieblingsfigur, die mir in keinerlei Hinsicht nahekommt, aber ebenso sonst niemandem. Für mich war es einfacher zu sagen, ich identifiziere mich am ehesten mit SpongeBob, als mit einer sonstigen Figur. Zugegeben, eine Ähnlichkeit zwischen SpongeBob und mir gab es tatsächlich. SpongeBob als Figur und mit der Unterwasserumgebung zeigte eine irreale Welt, wo beispielsweise ein Feuer unter Wasser entfacht werden konnte. So irreal SpongeBob und seine Welt war, so surreal habe ich mich auch gefühlt.</p>
<p>Ich verstand meine Lebensrealitäten nicht als normentsprechend und somit auch nicht real. Vor allem, weil mir Medien nicht zeigen konnten, dass es meine Lebensrealitäten auch gibt. Ich habe keine Möglichkeit bekommen mich mit einer mir ähnlichen Figur identifizieren können und hatte kein Vorbild, dem ich nachahmen konnte. Ich habe mich nicht abgeholt, nicht verstanden und nicht real gefühlt. Ich musste dies früh begreifen und mich damit abfinden. Ich musste lernen mein eigenes Vorbild zu kreieren oder mein eigenes Vorbild zu sein.</p>
<p>Ob nun Zeichentrickserien oder -filme, Musik, Bücher oder sonstige Medien, keiner der Medien hatte Repräsentationsangebote für Minderheiten. In frei erschaffenen Welten waren Minderheiten weiterhin die Minderheit.</p>
<p>Auch grundsätzlich stellen Normvorstellungen, was das Aussehen angeht, einen großen Druck für viele dar, auch so aussehen zu wollen und viele tauchen dadurch in ein verzerrtes Bild ein und übersehen die eigene Realität und das eigene Aussehen. Dabei sind alle so individuell und ansehnlich auf ihre Art und Weise, wo Repräsentationen in Medien uns das Wasser nicht reichen können. Nur haben viele, mich eingeschlossen, den Druck, sich anpassen zu müssen, um leichter und besser verstanden werden zu können. Dies gilt es die Stirn zu bieten und den eigenen Mehrwert zu erkennen.</p>
<p>Auch wenn es heutzutage deutlich mehr Repräsentationen existieren und es keineswegs abwegig ist, sich noch heute als junge erwachsene Person ein Vorbild zu suchen oder auch in sozialen Medien fündig zu werden, aber es braucht die Zeit zu lernen, dass wir mit unseren eigenen Lebensrealitäten und eigene Person das eigene Vorbild sein können und dürfen.</p>
<p>Statt mich auf die ermüdende Reise zu begehen ein Vorbild zu suchen, mache ich es mir einfach und sehe in mir das Vorbild, welches mir lange unbekannt blieb. Und ja, mein Charakter ist nicht perfekt, ich mache unzählige Fehler und habe genug Tiefs, aber all das gehört zu mir und macht auch mich zu der Person, die ich bin und der ich mich am besten zuordnen kann. Denn das schöne an mir ist, ich kann mich ändern und ich kann reflektieren.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Lass es kreisen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/01/lass-es-kreisen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Diana Podoynitsyn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jan 2024 09:53:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Outing]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Autorin Diana ist queer und war bis vor Kurzem bei ihren Eltern noch ungeoutet. Erst nach ihrem Auszug hat sie sich getraut, ihren Eltern in einem Brief nicht nur von ihrer Queerness, sondern auch von ihrer politischen Haltung und ehrenamtlichen Arbeit zu erzählen. Im Folgenden schreibt sie von ihrem Weg zu dieser Entscheidung und den Folgen dieser]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Autorin Diana ist queer und war bis vor Kurzem bei ihren Eltern noch ungeoutet. Erst nach ihrem Auszug hat sie sich getraut, ihren Eltern in einem Brief nicht nur von ihrer Queerness, sondern auch von ihrer politischen Haltung und ehrenamtlichen Arbeit zu erzählen. Im Folgenden schreibt sie von ihrem Weg zu dieser Entscheidung und den Folgen dieser Zäsur. Ein Text über Coming-Out, Erwachsenwerden und viele erste Male.</strong><span id="more-15899"></span></p>
<p>Langsam wird es Herbst, noch fühlt es sich häufig an wie Spätsommer. Zwischen vielen Sonnentagen schwingt sich immer häufiger ein kühler Wind in den Vordergrund. Als ich heute in den Zug stieg, hat es in Strömen geregnet. Das Gefühl kalter Regentropfen, die sich mit meinen warmen Tränen vermischen, hat mich getröstet.<br />
Es war Frühling, als ich auszog in den Altbau, den ich bis heute so sehr romantisiere, obwohl sich Risse an der Decke abzeichnen und der Putz von der Wand fällt. Trotz Wespennest, immerzu wiederkehrenden Lebensmittelmotten und fehlender Badewanne, fehlenden Rauchmeldern, fehlenden Fliesen im Bad und einem Fenster, das sich nicht mehr schließen lässt. Mühsam schleppten wir meine Möbel durch das enge Treppenhaus, das zur Belagerung durch Fahrräder verdammt ist.<br />
Wir liegen im Bett, Hochsommer. Seine Hände gleiten über meinen Körper und streicheln mich mit einer Zärtlichkeit und Leidenschaft, die mich kurzatmig zurücklässt. „Ich will Dich endlich küssen“, sagt er. Ich strecke ihm meinen Hals entgegen. Seine Lippen liebkosen weiterhin meinen Körper, er fragt, ob seine Hände unter meine Unterhose, an meinen nackten Arsch, gleiten dürfen und ich sage ja. Ich höre die Lust in seinem Atem und spüre, wie das Kneten meiner Arschbacken drängender wird. „Ich will Dich endlich küssen“, sagt er. Ich überlege, sage ja. Er küsst mich und es ist schrecklich. Unglaublich feucht und unbeholfen. Danach erst einmal Schweigen. „Das war mein erster Kuss“, sage ich. Ich bin vor etwas über einem Monat 19 geworden, er wird 26. Ich liebe ihn über alles. Liege mit so großen Schmerzen im Bett, dass er mich mitten in der Nacht ins Krankenhaus fährt. Ich kann mich nicht mehr bewegen und tagelang nichts essen, danach nur Reis mit gebratenen Zucchini, kleine Portionen fünfmal täglich. Ich weine jeden einzelnen Tag.<br />
Meine Freiheit hat mich 85 Cent gekostet. Ein warmer Samstagvormittag, die Sonne scheint. 85 Cent. Sagt der Kassenzettel für das Briefporto. Ich schreibe all meinen Freund*innen.<br />
Jetzt ist Herbst und ich bin in Therapie. In meiner ersten Beziehung mit einem Mann, mit dem sich mittlerweile jeder Kuss so anfühlt, als würden tausend Schmetterling in meinem Bauch Halleluja im Kanon singen und mit dem ich zusammenwohne. In einer Wohnung, die durch tolle Handwerker bald wieder ein nutzbares Bad hat. Zwar immer noch ohne Rauchmelder und mit einem riesigen Riss an meiner Zimmerdecke, einem Treppenhaus voller Fahrräder, aber dafür mit einem neuen Fenster, das ich ohne Bedenken öffnen und schließen kann, wann immer ich mag.<br />
Die Blätter fallen noch nicht von den Bäumen, aber auch das ist nur eine Frage der Zeit. Ich rede wieder mit meinen Eltern. Zwar noch immer nicht über den Brief, den ich ihnen geschrieben und der mich mehr als 85 Cent gekostet hat, aber wir sprechen wieder miteinander. Zwar noch immer nicht über uns und die Frage danach, was das heißt. Aber zumindest wissen sie jetzt, dass sie nichts wissen. Ihre Tochter nicht kennen. Erst im Begriff sind, sie kennenzulernen. Was auch immer das heißt, wie auch immer das aussieht. Wie auch immer sich das gestaltet. Wie auch immer ich das schaffen soll.<br />
Meine Eltern wissen jetzt, dass ich queer bin. Wo ich politisch stehe, übertragen und ganz wörtlich. Was ich alles ehrenamtlich mache. Meine Eltern lieben mich.<br />
Mein Freund ist sieben Jahre älter als ich. Mein Freund wird Lehrer. Ich bin zum zweiten Mal Ersti und habe es zum ersten Mal nicht geschafft, meinen Stundenplan ohne ihn zu erstellen. Ich studiere<br />
Philosophie im Haupt- und Germanistik im Nebenfach. Ich werde nicht verbeamtet. Ich stehe mit einem Fuß vor der Obdach- und mit dem anderen vor der Arbeitslosigkeit. Und trotzdem sitze ich in meinem Lieblingscafé, schon die zweite heiße Schokolade trinkend mit veganer Nussecke. Meinen Lieblingskuchen haben sie heute leider nicht da. Ich werde nicht verbeamtet, ich werde schreiben und weiter für eine bessere Welt kämpfen. Und mich dabei fragen, wann ich für meine bessere Welt kämpfe. Wann ich den Achtsamkeitsübungen meiner Therapeutin eine Chance gebe, wann das klärende Gespräch mit meinen Eltern folgt. Wann ich einen Job finde, in dem ich auch einen Arbeitsvertrag mit basic workers rights.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Queere Film Tipps</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2024/01/queere-film-tipps/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kenji]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Jan 2024 10:24:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Filme]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Wer „Heartstopper“ mochte, mag vielleicht auch diese queeren Film-Empfehlungen von Kenji:„Booksmart“, „Sommer mit Anaïs“ und „The Favorite“. &#160;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wer „Heartstopper“ mochte, mag vielleicht auch diese queeren Film-Empfehlungen von Kenji:„Booksmart“, „Sommer mit Anaïs“ und „The Favorite“.</strong><span id="more-15876"></span></p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Was es heißt (k)ein Mädchen zu sein</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/09/was-es-heisst-kein-maedchen-zu-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Rosa]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 26 Sep 2023 09:38:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Drag]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[trans*]]></category>
		<category><![CDATA[Transfeindlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Rosa schreibt sich die Unsicherheit, den Frust und die Angst von der Seele, (k)ein Mädchen zu sein. Ich bin auf dem Weg zu dir. Eine Stunde lang habe ich mich fertig gemacht, geschminkt, mich umgezogen. Ich blicke in den Spiegel und was zurückstarrt, verblüfft mich. Ich sehe einen Mann mit Bart und Make-Up. Flache Brüste]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Rosa schreibt sich die Unsicherheit, den Frust und die Angst von der Seele, (k)ein Mädchen zu sein.</strong><span id="more-15725"></span></p>
<p>Ich bin auf dem Weg zu dir. Eine Stunde lang habe ich mich fertig gemacht, geschminkt, mich umgezogen. Ich blicke in den Spiegel und was zurückstarrt, verblüfft mich. Ich sehe einen Mann mit Bart und Make-Up. Flache Brüste in einem taillierten Kleid. Große Füße in hautfarbenen Strumpfhosen. Schichten von Foundation, bunter Lidschatten, greller Lippenstift in einem markanten Gesicht. Ich schaue in den Spiegel, dann an mir runter. Zwei Bilder, die nicht zusammenpassen.<br />
Ein, zwei Mal ziehe ich mich um. Es passt alles<br />
nicht zusammen. Alles sieht komisch aus. Ich gebe auf und gehe raus.<br />
In dem Kleid.<br />
An der Straßenbahnhaltestelle starrt mich jemand an. Zwei, Drei, Vier Sekunden. Ich starre zurück. Erst als die Person wegguckt<br />
atme ich weiter. Meine Musik habe ich auf voller Lautstärke währenddessen gestellt, aber ich skippe doch noch drei, vier, fünf Songs,<br />
ich kann mich auf nichts konzentrieren. Die Bahn kommt<br />
nicht.<br />
Was werde ich mir anhören müssen, wenn ich zusammengeschlagen werde: „Du hättest ja nicht so rausgehen müssen. Das kann mich sich ja auch vorher überlegen. Du musst es ja nicht jedem aufzwingen.“ 4 Minuten kommt die Straßenbahn zu spät.<br />
Einen Blick meiner Reflexion erhasche ich in der Tür der Bahn bevor sie sich öffnet. Ich bin kurz davor, umzudrehen und mich in meiner Wohnung abzuschminken. Trotzdem betrete ich die Bahn.<br />
Mehrere Köpfe drehen sich zu mir hin, ich starre aus dem Fenster.<br />
Ich komme bei dir an. Wir setzen uns aufs Dach und schauen dem Sonnenuntergang entgegen. Du verschüttest etwas mittelteuren Rotwein auf der Decke. Es ist warm. Ich frage dich:<br />
„Was heißt es, ein Mädchen zu sein?“ Du drehst den Kopf zu mir, schaust mich ein, zwei, drei Sekunden an und drückst die Kippe aus. „Passiv sein, sich nicht zu wehren, diskriminiert zu werden; Manche Leute würden sagen: ‚Brüste, Vulven, Gebärmutter, weite Hüften und all das Körperliche‘.“ Du verstummst und ich frage mich, wer so sehr für meine Geschlechtsteile brennt, dass es fast einer STI gleicht. Ich glaube nicht dran, dass es fair ist. Nur weil ich kein breites Becken hab und einen Adamsapfel, soll meine Identität, wer ich bin, was ich kann, was mich ausmacht für immer in die Zukunft gestampft sein. Ich sage dir, dass das Bullshit ist und du nickst. Dann legt sich das Schweigen über uns, wie die Nacht, die uns getrost zudeckt. „Mich nicht zu wehren, wenn ich es tun müsste. Immer wieder an den Punkt zu kommen, dass das getestet wird.“, sagst du. Durch ein Meer voller Gedanken wate ich nach Hause.<br />
Was ist dieses Gefühl? Ein Kratzen, ein langer Nagel auf einer Tafel.<br />
Stimmen, die mir sagen ich bin nicht gut genug.<br />
Ein Monster, das auf meiner Schulter sitzt und mir ins Ohr flüstert: „Du bist ein Mann, wirst auch niemals was anderes sein, egal was du behauptest. Du versuchst vor deiner Verantwortung zu fliehen. Dich zu verstecken. Dich zu verstellen. Das ist doch alles nur Show. Akzeptier doch endlich deine wahre Natur und hör auf zu lügen.“<br />
In der Raufasertapete an der Decke versuche ich Muster zu erkennen, scheitere aber an meiner fehlenden Konzentration.<br />
Und an dieser Stelle hört die Geschichte auf.</p>
<p>Und was heißt es jetzt, (k)ein Mädchen zu sein?<br />
Ich hab keine Ahnung.<br />
Aber ich hab herausgefunden, was es heißt,<br />
ich selbst zu sein.<br />
Widerstand zu leisten,<br />
sich den Raum zu nehmen, der mir zusteht,<br />
mich nicht dem zu beugen, was die Cis-Heten und Terfs von mir wollen.<br />
Und manchmal ist der stärkste Widerstand, den man leisten kann,<br />
zu überleben,<br />
weiterzuexistieren<br />
und<br />
glücklich zu sein.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Rollenspiel</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/09/rollenspiel/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 07 Sep 2023 07:00:19 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[„Wäre ich nicht queer, wäre alles so viel erträglicher. Das habe ich mir lange genug gedacht und vorgeworfen“, schreibt Sabylonica über die Ablehnung der eigenen Eltern und die Auswirkungen auf sein*ihr Leben. Der Begriff Queersein ist mir schon seitdem ich denken kann bekannt. Es waren meine Eltern, die mir diesen Begriff beibrachten. In dem Zusammenhang]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Wäre ich nicht queer, wäre alles so viel erträglicher. Das habe ich mir lange genug gedacht und vorgeworfen“, schreibt Sabylonica über die Ablehnung der eigenen Eltern und die Auswirkungen auf sein*ihr Leben.</strong><span id="more-15704"></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Der Begriff Queersein ist mir schon seitdem ich denken kann bekannt. Es waren meine Eltern, die mir diesen Begriff beibrachten. In dem Zusammenhang habe ich stets vorgegaukelt bekommen, dass es was Schlechtes sei queer zu sein und ich nicht mehr deren Kind sein könnte, wenn ich selbst queer sei. Das ist ein immenser Druck, dem ich ausgesetzt war und noch immer bin. Dass ich queer bin, wusste ich, ehe ich noch denken konnte, umso schwerer trafen mich die vermeintlich fürsorglichen Worte meiner Eltern. Diese Worte durchstochen meinen Leib und meine Seele. Dieses Ultimatum trage ich heute noch immer mit mir. Die Frage, ob ich nach der abhängigen Liebe meiner Eltern nachgehen soll oder selbstbestimmt lieben kann, wen ich möchte, versetzt mich in eine Schockstarre, aus der ich nicht entfliehen kann.</span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Mich bedrückt der Gedanke, dass ich mich niemals auf eine Person komplett einlassen kann, dass ich nie eine Person innigst lieben werde oder dass ich nicht zulassen kann geliebt zu werden. Es gab wenige und kurze Momente in meinem Leben, in denen ich vollkommen mich einer Person geben konnte. Ich wünsche mir so sehr diese Momente in eine Ewigkeit sprühen, mein Leben nach dem Herzschlag der Person richten und die Person fest an meinem Körper drücken zu können. Ich möchte eins werden mit der Person, aber ich weiß, dass ich all das nicht tun kann. Ob ich nun meine Eltern liebe, kann ich ebenso wenig sagen, ich weiß nur, dass ich eine starke Abhängigkeit durch die jahrelange Gewohnheit entwickelt habe und diese mir sehr fehlen würde, wenn ich selbstbestimmt liebe. </span></span><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Wie ich beide Wege gleichzeitig einschlagen kann, weiß ich nicht, ich denke sogar eher, dass es gar nicht möglich ist und ich mich entscheiden müsste. Aber diese Entscheidung erscheint mir so ungerecht. Warum sollte ich zwischen mir selbst und meiner Familie eine Entscheidung treffen? Wäre ich nicht queer, wäre alles so viel erträglicher. Das habe ich mir lange genug gedacht und vorgeworfen. Heute jedoch denke ich mir, warum meine Familie nicht queerfreundlicher sein kann. Der Gedankenweg, ich müsste mich meiner Familie Willen verändern und mich nach deren Idealen anpassen, beengt meine Atemwege enorm. Ob es zu viel verlangt wäre, wenn meine Familie mich so akzeptiert wie ich bin.</span></span></p>
<p><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Prinzipiell fällt es mir nicht sonderlich schwer etwas vorzuspielen. Immerhin spiele ich das Doppelleben, seit ich denken kann. Das Einzige, was es erschwert, ist meine Begierde und die Sehnsucht mich ausleben zu können und eine Person zu haben, die ich lieben kann und von der ich ebenso geliebt werde. </span></span><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Das Doppellebenspiel ist mir nicht unbekannt. Neben meiner Familie tauche ich in eine Rolle ein, die mir an und für sich nicht fremd ist, dennoch unlieb erscheint. Daraus resultiere ich, dass alle Menschen fähig sind, auf der Bühne zu stehen und in Rollen hineinzuschlüpfen. Ich bin der Meinung, dass wir alle Situationen kennen, in denen wir uns anpassen oder verstellen und somit von der eigenen Rolle in eine fremde Rolle schlüpfen. </span></span><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">Bezogen auf das Problem ist es eine Frage der Geduld. Es bedarf viel Geduld die Rolle auszuhalten. In die Rolle werde ich ohnehin reingedrängt, nun kommt es darauf an, wie ich mit der Rolle umgehe. Es lässt sich erschließen, dass es mir lieber wäre, die Rolle nicht annehmen zu müssen, aber der Druck ist immens, dem Druck könnte der Mut entgegenstehen. Weiter gedacht bin ich mir ebenso dessen bewusst, dass selbst meine Eltern in einer toxischen Rolle seit jeher gefangen sind und das Leben nicht außerhalb ihrer zugeschriebenen Rollen kennen. Nichtsdestotrotz können sie sich nicht das Recht nehmen anderen eine Rolle einzuzwängen. </span></span><span style="font-family: Arial, serif;"><span style="font-size: medium;">So leicht es sich auch sagen lässt, es ist sehr schwierig, aber alle sollten doch selbst entscheiden, ob, wann, wo und wie sie in eine Rolle schlüpfen oder sie aus einer Rolle herauswollen. Und ich für meine Person muss es ebenso tun. Es ist ein Prozess und ich entscheide, wann ich aus der Rolle, die von meiner Familie zugeschrieben wurde, herausbrechen möchte. Immerhin geht es um mein Wohlbefinden und ebenso um Gefahren- und Risikenabschätzung.</span></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Geschichte der Pride Flag</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/06/geschichte-der-pride-flag/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kenji]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Jun 2023 07:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[pride month]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[regenbogenfahne]]></category>
		<category><![CDATA[stonewall]]></category>
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					<description><![CDATA[Zum Jahrestag des historischen CSD, den Stonewall Riots am 28. Juni 1969, berichtet Hendrik über die Geschichte der Regenbogen-Flagge.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Zum Jahrestag des historischen CSD, den Stonewall Riots am 28. Juni 1969, berichtet Hendrik über die Geschichte der Regenbogen-Flagge.</strong><span id="more-15624"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>MONSTER by Sir Mantis</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/06/monster-by-sir-mantis/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sir Mantis]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 09 Jun 2023 07:00:10 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Rap]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;Ich bleib bei mir selbst, aber das ist nicht meine Comfort Zone&#8220; rappt Sir Mantis in seinem neuen Song MONSTER. Der Clubsound geht ins Bein, die Hooks bleiben im Gedächtnis, die Botschaft ist nachdenklich. Der Leipziger Rapper und Produzent Sir Mantis sagt darüber:„In dem Track geht es um die Dämonisierung von queeren Identitäten. Das ‚Monster‘]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8222;Ich bleib bei mir selbst, aber das ist nicht meine Comfort Zone&#8220; rappt Sir Mantis in seinem neuen Song MONSTER. Der Clubsound geht ins Bein, die Hooks bleiben im Gedächtnis, die Botschaft ist nachdenklich.</strong> <span id="more-15589"></span></p>
<p>Der Leipziger Rapper und Produzent Sir Mantis sagt darüber:„In dem Track geht es um die Dämonisierung von queeren Identitäten. Das ‚Monster‘ ist die innere Stimme, die die eigene Queerness dämonisiert und das tragische Ergebnis einer Gesellschaft ist, die mit Negativfokus auf queere Lebensweisen blickt.“</p>
<p>MeinTestgelände ist stolz, den neuen Track von Sir Mantis exklusiv auf Soundcloud featuren zu dürfen. Hört rein in <a href="https://soundcloud.com/bundes-arbeitsgemeischaft/sir-mantis-monster-1">MONSTER by Sir Mantis!</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>GÖTTIN SEI DANK GIBT ES DIE PROSTATA</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/05/goettin-sei-dank-gibt-es-die-prostata/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 May 2023 12:27:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Religion]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=15550</guid>

					<description><![CDATA[Sabylonica setzt sich nicht nur mit der Queerfeindlichkeit mancher religiöser Institution auseinander, sondern er*sie sucht und findet viel(mehr) Queerness in Religion. Mit dem Queersein kommen allerlei Einflüsse auf einen Menschen zu. Verschiedenste Einflüsse wie Empowerment, Zuspruch, Gutheißung, aber auch Ablehnung und gar Hass können auf eine Person zukommen. Zweitere Einflüsse, eben Ablehnung und Hass, kommen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sabylonica setzt sich nicht nur mit der Queerfeindlichkeit mancher religiöser Institution auseinander, sondern er*sie sucht und findet viel(mehr) Queerness in Religion.</strong><span id="more-15550"></span></p>
<p>Mit dem Queersein kommen allerlei Einflüsse auf einen Menschen zu. Verschiedenste Einflüsse wie Empowerment, Zuspruch, Gutheißung, aber auch Ablehnung und gar Hass können auf eine Person zukommen. Zweitere Einflüsse, eben Ablehnung und Hass, kommen von verschiedenen Seiten, besonders von Seiten der Religion. Oder viel eher von der institutionellen Religion.Die Religion stellt seit jeher ein begrenztes Spektrum dar, wo man sich nur darin aufhalten und frei bewegen und denken kann. Weit außerhalb der gesetzten Religionsgrenzen erwarten eine Person Spott und Ausgrenzung. Naheliegend, dass für uns bekannte und führende Religionen bei dem Thema Queersein es gleichtun und dieses ablehnen. In diesem Kontext meine ich lediglich die Religionen, die in unserer westlich-weißen Gesellschaft verbreitet sind.In einer heteronormativen und binär-konstruierten Gesellschaft, deren Grundbausteine zum Teil vonder Religion stammen, stellt Queersein keine Gefahr dar, wie die Institutionen der Religionen es behaupten. Stattdessen liegt die Begründung in Gott. Er sei dagegen, weshalb es die Menschen auchsein sollten. Nun kommt ein Paradoxon: Gott sei gegen Queersein, aber Jesus hat auch gleich zwei Väter, Gott und Josef. Oder weiter ausgeholt: sind die Elternteile von Jesu, Maria, Gott und Josef, wohl in einer polyamoren Beziehung?Schon der Gedanke, dass unsere Gesellschaft Gott als männlich konstruiert hat, zeugt von patriarchalen Strukturen, deshalb versuche ich das Konstrukt Gott auszuprägen und ebenso Göttin in meinen Wortschatz einzubauen. Wenn doch die Institutionen der Religionen behaupten, Gott hätte kein Geschlecht, so müsste es doch Gotteslästerung sein, IHN mit „er/ihm“ zu deklarieren. Und außerdem müsste doch Religion das beste Beispiel dafür sein, dass es mehrere Geschlechter alsnur Mann* und Frau* gibt. Ist nun der Gott oder die Göttin, oder auch die Götter*innen, genderfluid, agender oder nicht-binär? Im Endeffekt weiß es nur Gott*Göttin selbst, aber die Mehrheitsgesellschaft gibt das Geschlecht, genauso wie einzelnen Personen.Was ebenso vom Patriarchat der Menschen, oder Männer*, zeugt, ist die religiös-institutionelle Ablehnung von Queersein lediglich auf den Mann* bezogen, weil die Überzeugung da ist, eine Frau* hätte kein Lustempfinden oder gar eine eigene Sexualität. Wir sollten aber alle wissen, dass dies nicht der Fall ist und eine Frau* sehr wohl Sexualempfindungen hat, in dem Sinne hoch lebe die Klitoris. Schon dieser Fakt entkräftet, dass Queersein wider die Natur sei. Was den Mann* angeht ist die Entkräftung ebenso simpel. Der Mann* hat die Prostata. Ein göttliches Geschenk, wiedie Klitoris selbst, ist die Prostata. Beim Einführen eines Fingers, Penis oder Sexspielzeugs durch den Anus beim Mann* befindet sich die Prostata wenige Zentimeter vom After, unterhalb der Harnblase. Und diese Prostata kann man sehr gut stimulieren und führt bestenfalls zu einem Orgasmus. Würde Göttin oder Gott wollen, dass wir Menschen keinen Sex, ob nun queeren oder nicht queeren und allein oder mit mindestens einer weiteren Person, haben, hätten wir wohl keine Klitoris oder Prostata geschenkt bekommen.Wir wissen, dass Religion, Geschlecht, Sexualität und so vieles mehr patriarchalisch, binär und heteronormativ konstruiert hat. Deshalb ist es wichtig, alle Lebensbereiche neu zu denken und neue Sichtbarkeiten zu schaffen. Und es gehört ebenso dazu, mit dem System zu arbeiten, um das Systemändern zu können. Es ist wichtig zu reflektieren und alles kritisch zu hinterfragen, auch die eigene Person. Nur so ist es möglich, die Strukturen nachhaltig zu ändern und zu verbessern.In diesem Sinne, hoch lebe die Klitoris und die Prostata!</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Less lesbian Lesbe</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/04/less-lesbian-lesbe/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ursula Recih]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Apr 2023 09:00:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Lesbisch]]></category>
		<category><![CDATA[pride month]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Ursula beschreibt „den Prozess ihrer lesbischen Subjektivierung“, der die Frage aufwirft, wer sich eigentlich als lesbisch bezeichnet und warum? Und was ändert sich, wenn sich was ändert? Bis vor zehn Monaten habe ich mich noch als lesbisch definiert. Die längste Zeit in meinem Leben war ich queer. Ich nutzte das Label bereits in meiner Jugend]]></description>
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<p class="Body"><strong>Ursula beschreibt „den Prozess ihrer lesbischen Subjektivierung“, der die Frage aufwirft, wer sich eigentlich als lesbisch bezeichnet und warum? Und was ändert sich, wenn sich was ändert?</strong></p>
<p><span id="more-14871"></span></p>
<p>Bis vor zehn Monaten habe ich mich noch als lesbisch definiert. Die längste Zeit in meinem Leben war ich queer. Ich nutzte das Label bereits in meiner Jugend für mich. Es sollte ausdrücken, dass ich nicht einfach nur pansexuell bin, sondern auch eine politische Person, die diese Bezeichnung als politischen Kampfbegriff versteht und sich der queeren Community zugehörig fühlt. Damit identifizierte ich mich, bis ich mit 22 step by step, über ein Jahr hinweg begriff, dass ich lesbisch bin. Das war eine wunderbare Phase. Aber auch anstrengend und aufwühlend, da ich mich gefragt habe, ob das die richtige Kategorie für mich ist, und ob ich, wenn ich einmal sage, dass ich lesbisch bin, dann immer lesbisch sein muss und was das dann (für den sehr unwahrscheinlichen Fall), dass ich mich doch nochmal in einen Mann verlieben sollte, bedeutet. Ich nenne diesen Prozess immer meine „lesbische Subjektivierung“. Ich begann mich zu erinnern und ein anderes, ein ursprünglicheres und gleichzeitig neues Ich zu entdecken.</p>
<p><em>Als Zehnjährige habe ich die „No Angels“ gehört, besonders das Album „Elle‘ments“. Ich erinnere mich an die zerkratzte Hülle und das Booklet, bestehend aus Songtexten und Bildern. Auf ihnen waren die fünf Sängerinnen in Outfits zu sehen, welche die Elemente verkörpern sollten. Jede von ihnen ein anderes. Nadja Benaissa war Luft. Auf dem Cover hatte sie ein lila-glitzernd schulterfreies Top an, das ich noch exakt vor Augen habe. Ich war lange davon überzeugt, dass ich diese Frauen einfach schön fände und irgendwann so aussehen und singen wollen würde wie sie. Dass es nicht nur das war, war mir damals nicht bewusst.</em></p>
<p>Ich erinnerte mich und reflektierte meine Kindheit und Jugend und begriff, dass es immer schon da gewesen war. Die Vorstellung meines kindlichen Ichs, das das Booklet hunderte Male durchblätterte und Nadja behutsam erkundete, konnte endlich freigelegt und als ent-täuschte, ehrliche Erinnerung gedeutet werden: Ich habe mich erotisch auf sie bezogen. In Konversationen mit Freund*innen wurde deutlich, dass es nicht nur mir so ging. Auch andere Frauen mussten tief graben, um an den Kern ihres Begehrens zu gelangen. Ich realisierte, dass dieser Kern vor langer Zeit Wurzeln in alle denkbaren Richtungen geschlagen hatte. Nicht-geradlinige Wurzeln wurden jedoch unmittelbar von der Heteromatrix beschnitten, durften sich nicht entfalten und niemals neue Triebe entwickeln. Erst als ich sie nach langer Zeit und viel Mühe ausgrub, gab ich ihnen den Raum zu wachsen. Und sie wuchsen. Ich trat auf die Straße und mein Körpergefühl hatte sich verändert. Ich lief aufrechter, selbstbewusster und begann Frauen anders anzusehen. Mein Blick auf sie war bisher durchaus liebevoll, solidarisch, häufig platonisch, selten auch sexuell, aber meist dominiert von einem Konkurrenzgedanken. Dieser vergleichende Blick war nicht von einem auf den anderen Tag weg, das ist er bis heute nicht. Er ist leider eins der extrem psychisch belastenden Resultate einer weiblichen Sozialisierung im Patriarchat. Dass man sich selbst und andere Frauen abwertet und in eine Konkurrenz um den Mann tritt, oder zumindest darum konkurriert, wer nach patriarchalen Standards die Schönste, manchmal auch Schlauste, halt generell die Beste (in wtf auch immer) ist. Und am Ende geht es meist um die Anerkennung von einem Mann: Dem Vater, dem Dozent oder dem Chef – der Bezug muss nicht immer ein romantischer oder sexueller sein. Aber wir lernen eben, dass wir erst dann etwas wert sind, wenn ein Mann uns das bestätigt. Wenn ein Mann uns lobt oder liebt oder begehrt.</p>
<p>Und auf einmal ist dieser Druck von mir abgefallen. Als hätte sich etwas, an dem ich bereits lange gearbeitet hatte, gelöst. Mein Zugang zur Welt wurde ein anderer, da sich mein Blick auf Frauen und so auch auf mich selbst verändert hatte. Ich begann Frauen offener und bewusster zu begehren und ich legte behutsam die Schichten ab &#8211; die etlichen Schichten der heterosexuellen Subjektivierung zur Frau.<br />
Es war sooo befreiend, Frauen erotisch zu begehren. Und vor allem, da dieses Begehren nicht von einem männlichen Blick geprägt war, sondern eine Eigenständigkeit entwickelte. Ich begehrte Frauen, die nicht ins normative Schönheitsideal passten. Als wäre endlich ein Knoten geplatzt, der mir erlaubte, Frauen und mich selbst nun richtig zu sehen und nicht mehr durch eine heteropatriarchale Brille. Ich durfte andere Menschen, mich und unsere Beziehungen unter Maßstäben betrachten, die ich stückweise mit Hilfe von lesbischer Literatur, Filmen und Serien erspürte und formte. Ich habe mich gestärkt gefühlt, auch in meinem Körper, den ich fortan neutraler, aber auch wertschätzender und liebevoller betrachtete. So entdeckte ich Erotik, weiblich gelesene Körper und Dynamiken zwischen Frauen neu. Meine Fantasie war so viel freier, auch freier von Gewalt. Ich konnte plötzlich eine Sexfantasie haben, in der ich dominant war, ohne mich auf einmal in einen Mann zu verwandeln. Eine Sexfantasie, mit mir als dominanter Frau, ganz ohne Gewalt. Der Perspektivwechsel auf Frauen eröffnete mir die Möglichkeit eine konsensuelle, respektvolle erotische Begegnung zu kreieren. Die Gleichzeitigkeit von Erotik und Identifikation, Begehren und Respekt ermöglicht ein Moment, das sich grundlegend von heteropatriachalen Standards unterscheidet. Es hat sich so emanzipatorisch angefühlt, so wichtig, so elementar, dass ich dachte, das ist revolutionär, das braucht der Feminismus, das soll jede Frau erleben und deshalb begann ich darüber zu lesen und zu schreiben, bis ich nach langer Zeit eine 50 seitige Bachelorarbeit beendete.</p>
<p><em>Audre Lorde liegt auf meinem Tisch. Natürlich nicht sie. „Zami“, ihr Buch. Neben Sara Ahmed, Sabine Hark und Alice Walker. Lesbische Literatur. Lesbische Theorie. Da finde ich mich drin wieder, auf so vielen Ebenen. Ich sehe „Audre Lorde – The Berlin Years“ und verliebe mich in sie. Wärme steigt in mir auf. Oh, ich bewundere diese Frau. Ich empfinde eine kindliche Zuneigung zu ihr, sie hat eine mütterliche Wirkung auf mich. Audre Lorde ist für mich mehr als akademischer Habitus, Universität, die Diskussion im Seminarraum, ein Name den man gerne droppt. Audre Lorde soll neben meinem Bett liegen, während ich über sie wache und sie über mich, während wir uns unsere erotischen Sehnsüchte zuflüstern. Lesbisches Begehren. Du bist der Inbegriff von lesbischem Begehren für mich. Du hast mir die Welt eröffnet, in der ich nun Zuhause bin. Ich möchte mehr und mehr lesen von Dir, möchte all Deine Bücher in meinem Regal stehen haben. Niemand wird das ganz verstehen, aber Du hast etwas in mir ausgelöst, das so viel mehr ist, als alles je zuvor.</em></p>
<p>Dennoch ist es ein Prozess, in dem ich immer wieder in alte Muster zurück falle. Denn die Zurichtung zur Frau ist nicht einfach mit dem Erwachsenenalter abgeschlossen. Wir lernen Frauen vergleichend zu betrachten und dem kann ich mich nicht entziehen, nur weil ich mich auch erotisch auf sie beziehe. Die patriarchale Idee von Frauen und ihre Inszenierung als Konkurrent*innen in einem Schönheitswettbewerb im Kampf um den Mann ist omnipräsent. Das klingt absurd, aber diese Mechanismen greifen nach wie vor. Ich sehe einen Mann auf der Straße, der mit mir flirtet und ganz ohne es zu wollen, checke ich, ob ich gut aussehe, achte auf meine Haltung, meinen Gesichtsausdruck und trete, wenn auch nur sehr subtil, in Interaktion mit ihm. Dabei finde ich ihn weder anziehend, noch will ich, dass aus diesem Blickflirt etwas folgt. Eigentlich will ich nicht mal diesen Blickflirt und ständig checken, ob ich gut aussehe. Und wenn ich Frauen begegne, vergleiche ich auch heute noch manchmal unsere Körper, die Kleidung, die wir tragen, wie wir uns ausdrücken, was wir leisten und die Aufmerksamkeit, die wir von Männern bekommen. Das heißt es kann koexistieren. Ich habe mich also als Zehnjährige nicht nur erotisch, sondern auch vergleichend auf Nadja Benaissa bezogen, weil es mir als normal eingeprägt wurde. Heute weiß ich, dass diese Normsetzung keine Wahrheit ist, sondern ein Konstrukt, und dass mein Begehren immer schon deviant war. Es ist jedoch weder vorgesehen, die Tools zu haben dieses zu erkennen, noch das Vokabular zu lernen es zu artikulieren. Ich war ein zehnjähriges Mädchen, das bereits gewaltsam zur Frau sozialisiert wurde. Und Frauen werden in dieser Gesellschaft immer im Bezug zum Mann gedacht.</p>
<p>Das alles wurde nicht gerade leichter, als ich mich dann vor zehn Monaten wieder in einen Mann verliebte. In einen heterosexuellen Cis-Mann. Und seitdem kann ich ja irgendwie nicht mehr so richtig behaupten, dass ich lesbisch bin. Also nutze ich den Begriff nur noch selten leise murmelnd, weil ich denke, ich darf ihn nicht mehr für mich beanspruchen. Deshalb sage ich jetzt eher, ich bin gay oder halt eben wieder queer. Das bedeutet auch, dass mein Begehren für Frauen in den Hintergrund gerückt ist und ich wieder stärker mit klassisch weiblich sozialisierten Mechanismen zu kämpfen habe, die heterosexuelle Dynamiken so mit sich bringen können. Außerdem werde ich häufig als heterosexuell gelesen und unsere Beziehung auch. Das ist sie aber nicht, nicht nur, weil ich, ich bin queer. Vielleicht bin ich jetzt also wieder politisch pansexuell, mit einem dollen Hang zu Frauen und irgendwie gerade mit einem Mann zusammen. Vielleicht bedarf es auch einfach keiner Kategorie. Denn meine lesbische Subjektivierung ist eins der besten Dinge, die mir in meinem Leben passiert sind. Weil sie mich näher zu mir selbst und anderen Frauen gebracht hat. Weil sie mich Frauen anders sehen und lieben lässt, weil sie mir die Welt eröffnet hat, in der ich mich am meisten gesehen und am wohlsten gefühlt habe und am ehesten Zuhause war.<br />
Versteht mich nicht falsch. Ich bin immer noch in diesen Mann verliebt und auch wenn es mich anfangs verwirrt hat, ich mich an den Gedanken gewöhnen musste und auch immer wieder fliehen wollte, habe ich mich bewusst für ihn und diese Beziehung entschieden. Weil ich eben ihn, als Menschen liebe. Aber ich weiß auch, dass es einen Teil von mir, der mir Kraft gibt, wieder unsichtbarer macht. Ich möchte damit sagen, emanzipatorische Prozesse sind nicht stetig und können auch Rückschläge und Abweichungen beinhalten. Sie sind widersprüchlich und kommen in Phasen und erfüllen nicht immer das Fortschrittsnarrativ, in dem gerne über sie berichtet wird. Ich habe niemals damit gerechnet, dass mich so starke Gefühle, die aus einer patriarchalen Vorstellung der Frau gebären, erneut einholen würden. Ich dachte manche Muster hätte ich ausreichend theoretisch durchexerziert und so hinter mir gelassen. Aber auch da wurde ich enttäuscht. Das bedeutet nicht, dass ich nicht auch in einer heterosexuellen Dynamik emanzipatorische Prozesse durchlaufen kann. Gerade bin ich an anderen Stellschrauben und arbeite eben gemeinsam mit einem Mann an den Widersprüchen einer feministischen heterosexuellen Beziehung, Fremdzuschreibung und Selbstidentifikation. Und dennoch wünsche ich mir wieder mehr Momente, in denen meine Frauen-begehrende Seite Raum hat, sichtbar ist und ich diesen ganz besonderen, wahrlich revolutionären Blick auf die Welt und mich selbst habe, der mich inspiriert und stärkt.</p>
<p>&nbsp;</p>
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		<item>
		<title>Filmempfehlung &#8211; Everything Everywhere All At Once</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/04/15454/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Kenji]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 Apr 2023 12:19:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Filmkritik]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Queerness, Steuern und ein Multiversum – Kenji teilt mit seiner Filmkritik zu &#8222;Everything Everywhere All At Once&#8220; sein Hobby und seinen ersten Beitrag für meinTestgelände mit uns. Hi, ich bin Kenji. Ich bin 16 Jahre alt und dies ist mein erster Beitrag. Ich interessiere mich viel für Filme und deren Produktionen. Die Welt der Filme]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Queerness, Steuern und ein Multiversum – Kenji teilt mit seiner Filmkritik zu &#8222;Everything Everywhere All At Once&#8220; sein Hobby und seinen ersten Beitrag für meinTestgelände mit uns.</strong><span id="more-15454"></span></p>
<p>Hi, ich bin Kenji. Ich bin 16 Jahre alt und dies ist mein erster Beitrag. Ich interessiere mich viel für Filme und deren Produktionen.<br />
Die Welt der Filme wird seit den letzten Jahren immer vielfältiger und es gibt immer mehr Filme über Queere-Themen. Auch wenn die Anzahl an Queeren-Filmen oder Filmen mit Queerer Repräsentation, um einiges mehr sein könnte, existieren schon ziemlich gute Queere-Filme. Um auf einige dieser Filme aufmerksam zu machen, werde ich hier einige Filmempfehlungen veröffentlichen und mein Hobby teilen.</p>
<p>&#8222;The Only Thing I Do Know Is That We Have To Be Kind. Please, Be Kind. Especially When We Don&#8217;t Know What&#8217;s Going On.&#8220; &#8211; Waymond</p>
<p>&#8222;Das Einzige, was ich weiß, ist, dass wir freundlich sein müssen. Bitte, seid freundlich. Besonders wenn wir nicht wissen, was los ist.” &#8211; Waymond</p>
<p>Dieses Zitat stammt aus dem Film “Everything Everywhere All At Once”. “Everything Everywhere All At Once” ist der erste Film, den ich hier empfehle. Der Film stammt aus dem Jahr 2022 und wurde von Daniel Kwan und Daniel Scheinert, auch “die Daniels” genannt, gedreht.<br />
In Everything Everywhere All At Once (abgekürzt EEAAO) geht es um die Mutter und Waschsalonbesitzerin Evelyn (gespielt von Michelle Yeoh), ihren Mann Waymond (gespielt von Ke Huy Quan) und ihre Tochter Joy (gespielt von Stephanie Hsu). Evelyn macht einen guten Job in ihrem Waschsalon, hat aber leider nicht so viele Kunden. Es ist ihr wichtig, ihren Vater stolz zu machen und gleichzeitig ein gutes Verhältnis zu ihrer Tochter zu haben. Als sie eines Tages ihre Steuererklärung machen soll, passiert etwas Seltsames. Sie wird in ein sogenanntes Multiversum gezogen, macht sich auf die Suche nach einem Verbrecher und erlebt einige beeindruckende Abenteuer.</p>
<p>Dies ist nur eine kurze und grobe Beschreibung des Inhalts des Films. Der Film hat noch so viel mehr zu bieten, ist sehr kreativ und emotional.</p>
<p>Ich habe EEAAO bereits zweimal gesehen und beide Male war es ein atemberaubendes Erlebnis. Als der Film in die Kinos kam, hatte er noch nicht so viele Zuschauer, aber das änderte sich mit der Zeit. Viele Leute, die aus dem Kino kamen, sprachen positiv über den Film und so wurde er immer bekannter. Zu Recht wurde er von vielen zum besten Film des Jahres gewählt.</p>
<p><strong>Evelyn</strong></p>
<p>Everything Everywhere All At Once gibt einen wunderschönen, spannenden und emotionalen Einblick in das Leben von Evelyn und einer Mutter, die eine engere Beziehung zu ihrem Kind aufbauen will. Joy, Evelyns Tochter, ist Queer und hat eine Freundin namens Becky (gespielt von Tallie Medel). Der Charakter von Joy ist nicht nur eingebaut, um eine queere Repräsentation im Film zu haben, sondern er spielt eine wichtige Rolle im Film. Evelyn versucht ihrem alten und schrulligen Vater aus China zu erzählen, dass ihr Kind Queer ist und eine Freundin hat. Aber Evelyn kann es nicht, weil sie denkt, dass sie ihren Vater damit nicht stolz machen würde. So entsteht ein sehr emotionaler Konflikt über Akzeptanz zwischen Evelyn und Joy.</p>
<p><strong>Steuern</strong></p>
<p>Steuern spielen in diesem Film eine größere Rolle, als es auf den ersten Blick scheint. Das klingt zunächst langweilig, aber Steuern haben tatsächlich einen großen Einfluss auf den Film. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Steuerberaterin Deirdre (gespielt von Jamie Lee Curtis). Evelyn, Waymond, Joy und Gong Gong, ihr Vater, gehen gemeinsam zum Finanzamt, um über ihren Waschsalon und die Zukunft des Unternehmens zu sprechen. Evelyn hat vergessen, ihre Steuererklärung abzugeben, bittet freundlich um einen anderen Termin und versucht Deirdre zu überreden. Aber die Zeit im Finanzamt scheint für Evelyn sehr langweilig zu sein und sie bemerkt etwas Seltsames.</p>
<p><strong>Das Multiversum</strong></p>
<p>Das Multiversum ist der größte Handlungsstrang des Films und macht ihn so besonders. Wie gerade beschrieben, bemerkt Evelyn im Finanzamt etwas sehr Merkwürdiges, während sie Deirdre zuhört. Sie erhält eine Nachricht mit einer Reihe von seltsamen Aktionen, die sie ausführen muss. Das Multiversum in EEAAO ist eine wunderschöne, farbenfrohe und einfach faszinierende Welt. Einzigartige Bilder, verrückte Fantasien und unzählige Möglichkeiten, auf die man erst einmal kommen muss, finden in diesem Film statt. Das Ziel im Multiversum ist es, einen Verbrecher zu fangen, der durch das Multiversum reist. Was sonst noch im Multiversum passiert, könnt ihr gerne selbst herausfinden und ich werde nicht weiter spoilern.</p>
<p><strong>Der Erfolg des Filmes</strong></p>
<p>Everything Everywhere All At Once war nach seinem Kinostart sehr erfolgreich. Der Film hat in der Produktion nur 25 Millionen Dollar gekostet (was für einen Film relativ wenig ist), spielte aber nach der Veröffentlichung rund 100 Millionen Dollar ein, was ein sehr großer Erfolg war. So wurde der Film immer populärer und gewann viele Preise bei Filmfestivals und andere Auszeichnungen. Viele Leute waren der Meinung, dass dies der beste Film des Jahres werden würde und das wurde besonders bei einer sehr bekannten Veranstaltung deutlich. Diese Veranstaltung war die Oscar-Verleihung. Auch wenn es viel Kritik an den Oscars gibt, sind sie vielleicht die etablierteste Veranstaltung für Filme und Filmschaffende. Wenn ein Film, eine Schauspielerin oder ein Schauspieler einen Oscar gewonnen hat, kann das für diese Person eine Karriereleiter sein. Durch einen Oscar bekommt man oft mehr Filmangebote und wird bekannter.<br />
EEAAO hat ganze 9 Oscars bekommen. Darunter der Oscar für Michelle Yeoh als beste Hauptdarstellerin, Ke Huy Quan als bester Nebendarsteller oder auch der Oscar für den besten Film, der die wichtigste Auszeichnung bei den Oscars ist.</p>
<p>Everything Everywhere All At Once ist wirklich einer der besten Filme, die das Kino in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Der Film steckt voller Spaß, Kreativität und genialen Einfällen. Die Regisseure des Films, die Daniels, haben wieder einmal ein Meisterwerk geschaffen, aber ohne die hervorragende Arbeit und Leistung der Schauspieler_innen wäre der Film wahrscheinlich nicht so geworden, wie wir ihn jetzt kennen. Insgesamt kann ich den Film nur empfehlen. Im Moment kann man den Film noch in einigen kleinen Kinos sehen und er läuft auf der Streaming Plattform WOW.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Nie zu spät für queeres Glück: Eine Geschichte über die Liebe im Alter</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/03/nie-zu-spaet-fuer-queeres-glueck-eine-geschichte-ueber-die-liebe-im-alter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 14 Mar 2023 11:22:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Glück]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[„Es ist nie zu spät, um sein Leben zu verändern. Wir haben immer die Freiheit, neue Entscheidungen zu treffen!“ – Das wissen Dorle und Christel besonders gut. Dorle und Christel haben miteinander das gefunden, was für viele der Traum ist: Das große Glück in der Liebe. Eine Überraschung war es aber für beide. Sie haben]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>„Es ist nie zu spät, um sein Leben zu verändern. Wir haben immer die Freiheit, neue Entscheidungen zu treffen!“ – Das wissen Dorle und Christel besonders gut.</strong><span id="more-15384"></span></p>
<p align="justify"><em>Dorle und Christel haben miteinander das gefunden, was für viele der Traum ist: Das große Glück in der Liebe. Eine Überraschung war es aber für beide. Sie haben nämlich 2022 geheiratet, im Alter von 80 und 67 Jahren. Jetzt wollen sie, dass auch andere queere Menschen wissen: „Es ist nie zu spät, sich selbst zu finden!“</em></p>
<p align="justify">Der Weg zueinander hätte für beide unterschiedlicher nicht sein können: Christel wusste schon im Alter von 10 Jahren, dass sie andere Mädchen interessanter fand als Jungs und hat immer allein gelebt, bis Dorle bei ihr einzog. Dorle wiederum hat im Alter von 21 Jahren ihren inzwischen ex-Mann geheiratet, und mit ihm eine Familie mit 2 Kindern und 5 Enkelkindern gegründet. Ein Jahr vor der Trennung wurde noch die goldene Hochzeit gefeiert.</p>
<p align="justify">Dass Dorle sich auch zu Frauen hingezogen fühlen könnte, wäre ihr vor Christel nie in den Sinn gekommen.</p>
<p align="justify"><span style="color: #000000;">„Ich hatte einen Ehemann, den der Beruf sehr forderte und habe mich mein Leben lang immer nur um andere gesorgt und keinen Blick auf mich selbst gehabt. Als ich Christel kennengelernt habe, fing ich auf einmal an, mich selbst anzugucken </span>und da war diese große Zuneigung für sie. Es war eine Seelenfreundschaft“, erzählt Dorle über das erste zaghafte Erwachen ihrer Gefühle für Christel.</p>
<p align="justify">Kennengelernt haben sich die beiden in einem kirchlichen Arbeitskreis zum Weltgebetstag, einer ökumenischen Bewegung, die von Frauen auf der ganzen Welt gegründet wurde, die zusammen über Grenzen hinweg ihren Glauben feiern wollen. Die Kirche und der Glaube haben im Leben beider Frauen immer eine wichtige, aber auch zweischneidige Rolle gespielt. Beide kamen sehr früh mit der Kirche in Kontakt. „Ich bin nicht von meinem Elternhaus, sondern von der Kirchengemeinde religiös sozialisiert worden, und diese Kirche sagte mir, mein Begehren sei Sünde“, erinnert sich Christel, die schon sehr früh von ihrer Zuneigung zu Frauen wusste. Sie hatte einen kirchlichen Berufsweg als Gemeindepädagogin gewählt, und jahrzehntelang versucht, ihre eigenen Gefühle zu unterdrücken „denn mir wurde eingebläut, diese Gefühle seien in Gottes Augen falsch und ich wollte vor Gott doch richtig Leben.“</p>
<p align="justify">Dazu kam auch noch, dass es damals keine Informationen zu homosexuellen Identitäten gab. „Früher haben wir nie über andere Lebens- und Liebesformen gesprochen. Ich war 35, als ich zum ersten Mal ein Buch las, in dem Frauen andere Frauen lieben und das hat mich vor Freude zum Weinen gebracht. Ich freue mich sehr darüber, dass heutzutage Menschen sagen können, dass sie jemanden vom gleichen Geschlecht lieben oder ein anderes Geschlecht sind. Als Kind gab es für mich keine Filme, keine Bücher, mit deren Protagonistinnen ich mich identifizieren konnte, nix. Ich war sehr allein mit allen meinen Fragen und Ängsten.&#8220;</p>
<p align="justify">1995 führte die Unterdrückung ihrer Gefühle zu einem psychischen Zusammenbruch, doch die Klinik, in die sie daraufhin eingewiesen wurde, war christlich geprägt. „Meine Therapeutin sagte damals zu mir, wenn ich als Lesbe leben will, dann würde ich ein ‚behindertes Leben‘ führen.“ Trotzdem fand Christel den Mut, zu sich selbst und ihren Gefühlen zu stehen. „Ich habe für mich die Entscheidung getroffen: Die Kirche ist für mich nur Arbeitgeberin und ich will mich in meinem Glauben selbst weiterentwickeln und mich nicht mehr fesseln lassen. Mir wurde so eindeutig gesagt, dass ich ein falsches Leben führe, ein ‚behindertes Leben‘! Doch wenn es diesen Gott wirklich gibt, dann hat er mich geschaffen, wie ich bin. Ich bin ein wunderbares Geschöpf göttlicher Liebe und ich stehe in dieser Welt und freue mich.“ Kraft hat ihr in diesem Prozess die ökumenische Arbeitsgruppe „Homosexuelle und Kirche“ (kurz: HuK) gegeben.</p>
<p align="justify">Als Christel 2015 in den Ruhestand ging, hielt sie zum Abschied eine Rede, in der sie von der biblischen Geschichte der “Gekrümmten Frau” sprach, die von Jesus aufgerichtet wurde [Lukas 13, 10-17]. „Damit habe ich mich nämlich identifizieren können. Ich habe meine lesbische Identität nie versteckt, aber habe sie auch nie groß vor mir hergetragen und dann habe ich genau diese Geschichte der gekrümmten Frau 130 Menschen als meine Lebensgeschichte erzählt und mich geoutet. Als meine Ansprache zu Ende war, herrschte zunächst Schweigen, aber dann standen alle auf und applaudierten mir. Das war unbeschreiblich schön für mich. Ich <span style="color: #000000;">fühlte</span> mich sehr geehrt und angenommen. Einige waren zunächst überrascht über mein Outing, aber wenn Menschen andere Menschen kennen und sie schätzen und akzeptieren, dann entwickelt man auch für andere Lebensarten Verständnis.“</p>
<p align="justify">Dorle hatte andere, aber ähnliche Erfahrungen mit dem Thema Glaube und Kirche gemacht. „Ich habe immer das Wohlergehen von anderen vor mein eigenes gestellt, und gedacht, ich würde im Himmel einen Orden dafür kriegen, aber meine Seele verhungerte.“ Einen Wandel brachte ihr der Kontakt zum Arbeitskreis zum Weltgebetstag, in dem sie auch Christel kennenlernte. „Der Kreis hatte ein weniger enges Bild von Gott und ich konnte aufatmen, weil dieser Gott mehr Weite gab. Wir haben viele Veranstaltungen und Reisen organisiert und mein Leben weitete sich.”</p>
<p align="justify">In dem Arbeitskreis freundeten sich Dorle und Christel sehr schnell an. Für Christel kam aber zunächst nicht mehr in Frage, immerhin war Dorle ja verheiratet und auch Dorle selbst hatte es vorher in über 50 Jahren Ehe nie in Erwägung gezogen, fremdzugehen, „aber so ein Gefühl wie mit Christel habe ich noch nie gespürt, es erfüllte mich irgendwann ganz.“ Dorle war 72 und Christel 55, als ein einjähriges hin und her begann. Dorles Mann verbot ihr zunächst den Kontakt, als er erfuhr, dass sich seine Frau zu Christel hingezogen fühlte, und beide versuchten sich auch daran zu halten. Als sich Christel und Dorle beim evangelischen Kirchentag 2015 in Stuttgart nach einem halben Jahr ohne Kontakt wieder sahen, wurde beiden bewusst: ohneeinander leben möchten sie nicht mehr.</p>
<p align="justify">Es folgte vor allem für Dorle und ihre Familie eine schwierige Phase. Oma lässt sich nach über 50 Jahren Ehe scheiden, und dann auch noch, um mit einer anderen Frau zusammen zu sein. Das ist ein Gedanke, der viel Auseinandersetzung mit dem Thema erfordert, damit man ihn akzeptiert. Inzwischen ist aber sogar das Verhältnis zu ihrem Ex-Mann gut und zur Hochzeit kamen alle Kinder und Enkelkinder mit ihren Familien.</p>
<p align="justify">Der Gedanke, jemals heiraten zu können, war für Christel ihr Leben lang ein weit entfernter Traum. „Das war undenkbar in meiner Zeit, aber als der Prozess begann, die Ehe für gleichgeschlechtliche Beziehungen zu legalisieren, übertraf das schon alle meine Vorstellungen.“ Beim Gedanken, Dorle eines Tages zu heiraten, war sie aber auch zögerlich. „Immerhin hat sie das schon einmal mitgemacht und schon einmal versprochen, mit jemandem zusammenbleiben, bis dass der Tod sie scheidet. Ich hätte auch ein Nein zur Hochzeot von Dorle akzeptiert.“</p>
<p align="justify">Trotzdem fanden die beiden ihren eigenen Weg für eine Hochzeit. Dorle erzählt: „Es war mir wichtig, unsere eigenen Eheversprechen zu formulieren und einen eigenen Segen zu haben, um nicht noch einmal die Worte ‚bis dass der Tod euch scheidet‘ sagen zu müssen. Ich habe schon einmal mein Versprechen vor Gott gebrochen und ich kann jedem Paar nur raten, so etwas nicht leichtfertig zu versprechen, denn Trennungen können auch lebenswichtig sein.“</p>
<p align="justify">Im Endeffekt heirateten beide standesamtlich und kirchlich. “Die kirchliche Trauung und der Segen umhüllte uns wie ein liebevoller Mantel“, so Dorle. Das Eheleben könnten sich die beiden auch nicht schöner vorstellen. „Ich war noch nie in meinem Leben so glücklich wie in diesen letzten 7 Jahren mit Dorle zusammen”, erzählt Christel. „Freunde haben mir oft den gut gemeinten Rat gegeben, ich hätte zu hohe Erwartungen an eine Beziehung. Seit meinem Leben mit Dorle kann ich aber sagen, meine Erwartung war nicht zu hoch.“ Das wichtigste sei, ehrlich und offen über alles reden zu können und das Gegenüber auf Augenhöhe mit eigenen Schwächen und Stärken anzuerkennen. „Ich will Dorle nicht glücklich <i>machen.</i> Ich will, dass Dorle glücklich <i>ist</i>. Und dass ich glücklich bin.“</p>
<p align="justify">Was die beiden anderen Menschen in ihrem Alter raten würden? Diese Antwort kommt bei ihnen sehr schnell und bestimmt: „Es ist nie zu spät, um sein Leben zu verändern. Wir haben immer die Freiheit, neue Entscheidungen zu treffen!“ Es lohne sich, so Christel. „Wir haben viele Tage, die nennen wir Tage mit Goldrand. Das sind Tage, mit alltäglichen Erlebnissen, die uns mit Glück und Dankbarkeit füllen.”</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>100 Tage zeitgenössische Kunst, 2 Tage persönliche Erfahrung</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/10/100-tage-zeitgenoessische-kunst-2-tage-persoenliche-erfahrung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Moritz Mager]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Oct 2022 08:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Dokumenta]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Moritz war zwei Tage auf der diesjährigen Dokumenta unterwegs und hat seine Eindrücke für uns aufgeschrieben. Einen besonderen Fokus hat er dabei auf queere Künster*innen und Aussteller*innen gelegt. Eine ganze Stadt ist wie verzaubert, alles ist voller Peripetien, egal wo man/frau hinschaut, wo man/frau hingeht, immer sieht man/frau die Kunst und immer verschmilzt sie mit]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Moritz war zwei Tage auf der diesjährigen Dokumenta unterwegs und hat seine Eindrücke für uns aufgeschrieben. Einen besonderen Fokus hat er dabei auf queere Künster*innen und Aussteller*innen gelegt.</strong><span id="more-15080"></span></p>
<p>Eine ganze Stadt ist wie verzaubert, alles ist voller Peripetien, egal wo man/frau hinschaut, wo man/frau hingeht, immer sieht man/frau die Kunst und immer verschmilzt sie mit einer Stadt, sodass man/frau sich fragt, warum es nicht überall so sein kann.<br />
ruangrupa, eine indonesische Künstlergruppe, hat die Documenta Fifteen kuratiert und die Maxime nach dem Begriff lumbung ausgerichtet. Ein Begriff der direkt übersetzt ‚Reisscheune‘ bedeutet, die typischer Weise kollektiv genutzt wird und genau um dieses Gefühl der Kollektivität und Gemeinschaftlichkeit hat sich auch die Documenta Fifteen ausgerichtet. Endlich mal keine Weltuntergangsstimmung auf einer Kulturveranstaltung, die Themen ‚Demokratiekrise‘, ‚Klimakrise‘, ‚Hungersnöte‘ und ‚Pandemie‘ wurden natürlich dennoch behandelt, sie haben aber keinen Mittelpunkt verkörpert. Nach all der Antisemitismus-Kritik habe ich mich also dennoch durchgerungen, die Documenta zu besuchen.<br />
Also gibt es ein paar Punkte, die ich dann doch mit euch teilen möchte, fernab von den Ansprüchen einer hochkarätigen Kunstkritik, die Stimme eines normalen Rezipienten: Größe und Zeit, Organisation und Übersicht, Orte, Kunst, Progressivität<br />
Die meisten Ausstellungen fanden sich in der Innenstadt wieder. Dort konnte man/frau keinen Meter gehen, ohne von dem Gefühl einer großen Kunstmesse getragen zu werden. Im Osten der Stadt verschmelzten Kunst und Stadtgefühl am stärksten. Im Süden gab es vereinzelt Kunst im Staatspark, der schon ohne Documenta Atemberaubend ist, Stadtparks, die man/frau nicht in 10 Minuten durchqueren kann, findet man/frau in Westdeutschland sowieso selten. Im Westen und Norden gab es nur vereinzelt Kunst zu betrachten. Um Zeit zu sparen war ich nur habe ich den Westen und Norden also ausgelassen, zwei Tage reichen für die Documenta offensichtlicher Weise nicht aus. Erstmal ist jede Ausstellung unfassbar groß und man/frau könnte, wenn man/frau sich angemessen viel Zeit nimmt, vielleicht drei oder vier Ausstellungen an einem Tag besuchen, dann kann man/frau sich noch an Workshops und Kursen anmelden, diese dauern auch zwei bis drei Stunden, und wenn man/frau dann noch die zahlreichen Sitzgelegenheiten nutzt, um sich einander in Gemeinschaft zu begegnen und über die Kunst zu reden bleibt wirklich gar keine Zeit mehr.<br />
Mein liebstes Feature auf der Website ist eigentlich, dass „Derzeitige Reisezeiten mit dem ICE“ angegeben werden. Natürlich sind diese unter Voraussetzung, dass bei der DB alles klappt, wovon man/frau schonmal nicht ausgehen sollte, und trotzdem sind die Zeiten einfach falsch angegeben. Die Fahrtlänge ist ca. 20min zu kurz, selbst wenn man/frau von der schnellsten Verbindung ausgeht.<br />
Es ist schwer sich eine Übersicht zu verschaffen, vorher zu wissen, wo genau man/frau gerade eigentlich rein geht und was die Hauptthemen sind und wann welcher Workshop zu besuchen ist. Am hilfreichsten hat sich eine kleine Map auf der Website oder auf dem Flyer erwiesen. Um an mehr Informationen zu gelangen, die gebündelt sind und etwas weiter ausführen kann man/frau sich für 30€ ein Taschenbuch kaufen. Overpriced. Wer ein Andenken haben möchte, kann sich aber auch für 12€ ein Poster oder für 15€ einen Jutebeutel im ruruhaus kaufen. Overpriced. Overpriced. Vielleicht würden die ganzen Andenken nicht im Resale so ansteigen, wenn sie von vorne rein für alle erschwinglich werden. Künstliche Limitation durch höhere Preise, Kunst war noch nie für die gesamte Gesellschaft zugänglich aber bei diesen Preisen für die einfache Souvenirs wirkt das ruruhaus als Verkaufs -und Ausstellungsort wie eine Karikatur von sich selbst als überzogene Kritik. Obwohl man/frau von vorne rein schon über die Ticketpreise diskutieren könnte, verstehe ich ja auch das Argument, dass sich Kunst für die meisten Besucher*innen auch teuer bezahlt anfühlen muss, damit diese auch mit voller Aufmerksamkeit rezipiert wird.<br />
Ich musste mich also richtig einarbeiten, um eine Übersicht zu bekommen, dafür gab es echt coole Walks die man/frau auch einfach ohne Vermittler*in machen konnte, diese wurden einfach direkt von der Website auf Maps übertragen, zudem war alles auch super ausgeschildert. In den meisten Ausstellung sah es wiederrum anders aus. Teilweise wurde Kunst einfach gar nicht mit Angaben versehen oder es gab Datum und Titel aber keinen Subkontext, was es wirklich schwer gemacht hat einige Dinge richtig einzuordnen, generell war es wirklich oft eine lange suche nach dem Zusammenhang. Wenn es glückte und es konnte eine gute, eigene Interpretation gefunden werden war es dafür um so mehr befriedigend. Generell hätte ich mir aber schon mehr Text zu den ganzen Ausstellungsstücken gewünscht. Ich habe mich oft sehr überfordert gefühlt. Aber man/frau hätte ja eine Tour mieten können (Das hätte man/frau dann aber auch zwei Wochen im Voraus machen müssen, denn alle waren restlos ausgebucht) und nochmal Geld ausgeben können, schade, dass Informationen so daran gekoppelt sind.  Ansonsten musste man/frau nie lange anstehen, es gab immer und überall Garderoben und das Personal war immer sehr hilfsbereit.<br />
Die Locations waren teilweise echt super und es wurden keine Mühen gescheut. Im Hallenbad Ost wurde der Verschmilzt ein altes Hallenbad mit dem Look einer Galerie, sogar der Beckenboden wurde erhöht. Auch bei mehreren Unterführungen gab es kleine Versteckte Räume oder eine Soundinstallation. Konventionelle Museen, wie die Grimmwelt Kassel ließen sich mit mehreren Ausstellungen zeitgenössischer Narrative verknüpfen.<br />
In der Grimmwelt war auch mein persönliches Highlight der Documenta Fifteen, eine Videoinstallation im untersten Geschoss. Leider lässt sich mithilfe der Website nicht Rekonstruieren, von wem die Installation war, und dort wurde es auch nicht ausgeschildert. Es war ein Animationsvideo von einem Schwan, der eine hübsche Disneyprinzessin sein möchte, alles wurde sehr düster gehalten, so versagt der Schwan in seinem Streben und zerstört sein Umfeld. Eine klare Kritik an Rollenbilder und Schönheitsideale der Popkultur, aus meiner Sicht. Ansonsten war die Kunst immer sehr interessant, ich habe mich immer auf den nächsten Raum gefreut und auch die Kunst in der Öffentlichkeit hat sich so gut in die Stadt integriert, am stärksten ist mir das Gemälde auf der C&amp;A Fassade im Gedächtnis geblieben, Gesellschaftskritik neben einem Fast Fashion Label. Im Ottoneum gab es extrem viel über den Pazifikkrieg zu lernen und einem/einer wurden viele Wissenslücken aufgezeigt. Es gab eine Ausstellung über Macht und eine Mathematische Darstellungsform von Macht im Museum für Sepulkralkultur, diese Ausstellung war die einzige, gefüllt mit Textgrundlagen. Dafür war das Vorgehen des Künstlers, der sich an die Frage ‚Was ist Macht?‘ annähert eine intellektuelle Herausforderung, die ich so noch nicht erlebte. Ich habe es am Ende kaum verstanden. Insgesamt gab es also viele Highlights, die die Documenta von einem normalen Besuch im Museum oder einer Galerie abheben.<br />
Ich war auf gut 70% der Ausstellungsorte und wie oft habe ich Gendertoiletten gesehen? Ein Mal. Ein Mal gab es Flinta* und All Gender Toiletten, sonst war die Toilettensituation konservativ wie die Wahl in Italien. Da wurden wirklich die Chancen der Progressivität nicht ausgenutzt, mal so richtig in der Gegenwahrt zu sein, mit einer Veranstaltung über Zeitgenössische Kunst.<br />
Bei der Progressivität kann man/frau direkt Abzüge machen. Nach queer feindlichen Übergriffen hat die Künstler*innengruppe aus Neu Dehli, Party Office, streicht die Gruppe ihr Programm ein Tag nach Start der Documenta. Glücklicherweise kehren sie am 08.08.2022 wieder zurück um ihr live-Programm fortzuführen, diesmal aber mit verschärften Einlassregeln für ihren Rave. Weiße Cis Männer dürfen nicht mehr kommen. Zu den ganzen Vorfällen gab es kein Statement von der Polizei oder von den Kurator*innen der Documenta, dieser Fail wurde im Keim erstickt.<br />
Ansonsten gab es noch die Serigrafistas queer (queere Siebdrucker*innen), die Nicht-Gruppe stellte im, bzw. neben Sandershaus Rancho Cuis aus. Rancho ist ein Slangwort für prekäre, meist ländliche Lebensräume, ranchear das zugehörige Verb, mit dem eine bestimmte Art zu wohnen beschrieben wird. Leider war dieser Ausstellungsort etwas weiter im Osten der Stadt, ich habe ihn dennoch besucht, die dort aufgebauten Hütten und Gerüste waren jedoch ohne Subtext kaum zu verstehen, es war dennoch sehr interessant.<br />
Das neuseeländische queere Kollektiv FAFSWAG hatte Live-Performances im Stadtmuseum Kassel, diese wurden online von Rezipient*innen gefeiert. Die Gruppe vereint den antirassistischen Kampf mit dem Kampf um Gendergerechtigkeit.<br />
Zu den Preisen ist dennoch anzumerken, dass es auch Soli-Tickets gab für Menschen, die sich Tickets nicht leisten können. Man/Frau konnte auch mehr Geld für das eigene Ticket zahlen, um Soli Tickets mit zu finanzieren, das ist ein schönes Prinzip, ganz im Sinne der Gemeinschaft.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>CSD Bochum</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/09/csd-bochum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sven Hensel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Sep 2022 13:44:29 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[CSD]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Für Sven gibt es viele Anhaltspunkte, um über den CSD und seine Bedeutung für ihn zu sprechen. Doch am besten lässt sich das anhand des diesjährigen CSDs in Bochum und Svens Mitgestaltung daran erzählen. Lest am besten selbst. Wenn ich über den CSD Bochum reden will, könnte ich an vielen Stellen ansetzen: Ich könnte eine]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Für Sven gibt es viele Anhaltspunkte, um über den CSD und seine Bedeutung für ihn zu sprechen. Doch am besten lässt sich das anhand des diesjährigen CSDs in Bochum und Svens Mitgestaltung daran erzählen. Lest am besten selbst.</strong><span id="more-15044"></span></p>
<p>Wenn ich über den CSD Bochum reden will, könnte ich an vielen Stellen ansetzen: Ich könnte eine Reise in die Vergangenheit zu den Stonewall Riots in New York 1969 machen, die als einer der Anstöße der modernen queeren Kämpfe genannt wird. Ich könnte ein Jahr später mit der Gründung der Homosexuellen Aktionsgruppe Bochum beginnen, die das erste studentische Bündnis seiner Art in Deutschland darstellte; Der HAB sollten noch viele weitere studentische Bündnisse folgen, denn durch die Arbeit dieser Gruppen ist auch letztlich der CSD in Deutschland gelandet; Ich könnte in den Zeitungsarchiven der Stadt recherchieren (oder googlen), wann der erste Bochumer CSD genau stattfand, aber wann der erste CSD in Bochum genau war, ließ sich nicht so leicht ergooglen &#8211; was ich noch im Gedächtnis habe war &#8222;in den 90ern/frühen 2000ern&#8220;. Ich könnte auch mit der Wiedergeburt des Bochumer CSDs anfangen, die 2019 begann, zum Anlass des 50. Jubiläums der Stonewall Riots auf der Christopher Street in New York, was ein fantastischer Neuauftakt für einen nonkommerziellen, queerfeministischen CSD in Bochum war. Diese Tradition sollte sich leider erst ab 2021 wieder jährlich bewahrheiten, 2020 fielen weltweit Pride-Festivitäten aus oder konnten nur Online gemeinsam verbracht werden. Ich könnte über den Beginn der Organisation des vierten CSD Bochums anfang dieses Jahres als Einleitung erzählen, wie sich ein offenes Plenum mit vielen wertvollen Perspektiven dienstäglich traf, um wichtige und bereichernde Arbeit für unsere lokale Community zu tun. Eine Gruppe an ehrenamtlichen mit Expertise auf ganz verschiedenen Ebenen, die diese Aufgabe und Verantwortung wahrgenommen haben, diese Tradition weiter zu leben und zu entwickeln.</p>
<p>Oder ich könnte mit all diesen Hintergrundinfos zu Anfang einfach direkt in mein Erlebnis der diesjährigen CSD Bochum-Woche einsteigen.</p>
<p>Am 23.06. traf ich mich im fluid, um mit anderen Queers gemeinsam Plakate, Demonstrationsmaterial und Transparente zu gestalten, die wir auf die Demo mitnehmen konnten. In einer Gruppe sowas vorzubereiten mobilisiert, inspiriert und macht Spaß! Eine Tradition, die ich bei einem meiner ersten CSDs in beim Hamburger Queerreferat gelernt und oft genutzt hatte, alles was gebraucht wird sind Bastelmaterial, Papier und ein paar Sprüche, die man sich gegenseitig vorschlägt. Was sind unsere Anlässe dieses Jahr, auf die Straße zu gehen? Das Motto war in Bewegung sein &#8211; solidarisch bleiben, und in diesem Sinne wollte ich eine Regenbogenflagge auf mein Plakat malen, und auf jedem Streifen stand, wofür dieser Streifen eigentlich steht. Das kann ich mir sonst nicht merken, und die meisten anderen die ich kenne auch nicht, da ist ein wenig Bildung auf den Straßen doch auch bestimmt nicht schlecht. Die anderen Teilnehmenden des Demonstrationsworkshops tauschten sich gemeinsam mit mir über die Vorfreude auf den CSD am Samstag aus, im Hintergrund spielte ein DJ ein gechilltes Set, und sein Plakat durften wir sogar am nächsten Tag bei der Queer Poetry Gala benefiziös versteigern.</p>
<p>Am 24.06. fand nach langer Vorfreude und viel Arbeit von Yasse die Eröffnung des queeren Kulturzentrums fluid und Queer Poetry Gala statt. Es war schon eine Woche vorher komplett ausgebucht, was für ein Kulturzentrum nicht schöner sein könnte! Ich fummelte mich auf, trug anlässlich der Eröffnung und Gala mein bestes Kleid und die höchsten Stöckel, und konnte mit allen Anwesenden mit alkoholfreiem Sekt anstoßen. Nach einem offiziellen Teil der Begrüßung aller Anwesenden ging das künstlerische Programm bald los, an dem Tag durfte ich drei Gäst*innen zur Premiere begrüßen, nämlich Jay Nightwind, Valo und Laron. Die Poet*innen moderierte ich vor ihrem Auftritt mit einer Laudatio von Herzen an, sie trugen ihre queere Kunst vor und danach interviewte ich sie zu ihrer eigenen Queerness, ihrer Communityarbeit und ihrer Kunst; Jay sprach über den Werdegang zu seiner eigenen Demisexualtität, Valo sprach über das Vermächtnis their schwulen Großvaters, und Laron sprach über die Notwendigkeiten von Labeln und seinen Aktivismus in Herne, und alle bekamen großen Applaus vom vollen Haus. Der Abend endete für einige noch beim CSD-Warm-Up in der Oval Office Bar, ich musste aber Energie tanken für einen langen Tag.</p>
<p>Nämlich den 25.06., den 4. CSD Bochum!<br />
Der Tag, auf den all unsere Vorbereitungen hinausliefen, war endlich gekommen. Ein halbes Jahr intensive Vorbereitung, in den letzten Wochen heiße Phase, und alle kamen an diesem Tag zusammen, um auf die Straße zu gehen und zu demonstrieren. Zu höchstzeiten waren über 2000 Menschen Teil der Demonstration. Am Vortag war noch das Attentat in Schweden passiert, und als Reaktion darauf gab es zusätzlich zur Schweigeminute später auf dem Platz auf der Demonstration eine Schreiminute, für all den Abfuck und den Schmerz, die Trauer, die nicht in schweigender Andacht ausgedrückt werden kann. Ich kam mit meinem Partner um 16:00 Uhr am Dr.-Ruer-Platz an, wo die Demonstration auch ihren Schlusspunkt hat und in das Straßenfest mündete.</p>
<p>Ich traf an der Treppe zur Bühne eine Person, die auch schon öfter zum Dortmunder Queerslam zum Zuschauen kam, und bekam ein Kindertattoo auf den Arm geklebt. Der Platz füllte sich schnell, der Bierwagen lief gut, die Infostände der Gruppen, die vor Ort waren, wurden gut frequentiert, und meine Aufgabe an dem Tag näherte sich: ein kleiner Traum stand nah seiner Erfüllung, als mir das Plenum das Vertrauen und das Mikrofon in die Hand legte, um das Bühnenprogramm unseres CSDs zu moderieren. Ich bereitete mich die Wochen und Tage vorher noch vor, legte mir meine Moderationskarten zusammen, die ich erst beim Demonstrationsworkshop selbst gebastelt habe, mit all meinen Notizen zu den Künstler*innen, und die anfängliche Nervosität konnte ich mit einer Portion Pommes von nebenan stillen. Zur Eröffnung brachte ich den Teilnehmenden des Straßenfests eine tuntische Tradition bei, nämlich die Winkprobe &#8211; alle nehmen den linken Arm hoch, ich zähl runter 3 2 1 , und dann sagen alle schön &#8222;Juuuhuuuuu!&#8220;. Schon war die Aufmerksamkeit vorne, und die Stage war bereit für die eröffnenden Worte von Alva und Eicke. Wir reichten uns die Mikrofone einander in die Hände, ich moderierte die nächste Künstlerin Clara Clasen aus Bonn auf die Bühne, und genoss eine kurze Pause, in der ich mit meinem Freund und zwei Lesben zusammen weiter Pommes aß.</p>
<p>Als Clara mit ihrem Set durch war, strömten die Fans hinter die Bühne, um ihr Merch aus der Hand zu reißen, und die nächsten Redebeiträge begannen: Neo vom Queeren Netzwerk und Laron vom CSD Herne richteten inspirierende Worte an die Crowd, sich nicht auf den Errungenschaften auszuruhen, sondern weiterzukämpfen, und besonders an den Orten und für die Geschwister im Geiste, für die wir noch zu wenig Errungenschaften feiern können.</p>
<p>Danach ging Ms. Bless auf die Bühne, es folgte ein Reveal nach dem nächsten, Lipsyncing und Crowdpleasing, eine tolle Drag Queen mit einer tollen Show und Bühnenpräsenz. Ich moderierte sie fälschlicherweise aus Changchun in China kommend an, zumindest sagte man mir, dass sie irritiert auf diesen Fact reagierte. Die einzige Info, die ich an dem Tag nicht gefactchecked habe, und die ist falsch &#8211; upsie!</p>
<p>Alva kam danach mit Adam auf die Bühne, um von der Rosa Strippe aus über die Situation von queeren Geflüchteten in Deutschland zu präsentieren und darüber zu sprechen, dass mehr Arbeit und Unterstützung in diesem Bereich von der gesamten Community, aber besonders auch von behördlichen Institutionen benötigt wird.<br />
Der politische Block wurde von Vergissmeinnicht aufgebrochen, mit queerem Rap, was eine fantastische Kombi in their Hand war. Die Crowd ging mit, es wurde gefeiert, die erste Hälfte des Programms ging ohne große Komplikationen über die Bühne.</p>
<p>Auch vergissmeinnicht und Mrs. Bless wurden hinter der Bühne von ihren Fans gefeiert, nach Fotos gefragt, während Payton von Trans* Action Dortmund auf die Bühne ging und their politische Rede den Demonstrierenden unter tosendem Applaus vortrug. Ein bisschen stolz bin ich immer wieder auf diese spezielle Gruppe, denn viele dieser Jugendlichen und jungen Erwachsenen,  die sich dort engagieren,  waren auch früher Besuchende des Jugendzentrums in dem ich Leitung des offenen Treffs war. Shout-out an die Crew,  ihr macht fantastischen Aktivismus!</p>
<p>Im Laufe des Tages gab es vereinzelt ein paar wenige Aggressionen und queerfeindliche Übergriffe, die sich auch neben der Bühne abgespielt haben. Wo ich konnte, stellte ich mich dazwischen, einmal musste ich einen übermutigen Jugendlichen von der Bühne ziehen, aber insgesamt war es eine friedliche Veranstaltung. Aus den wenigen Dingen, die passiert sind, konnten wir Lernerfahrungen als Plenum ziehen und reflektieren darüber bereits fürs nächste Jahr.</p>
<p>Im Anschluss durfte ich Kevin Kocur von der Aidshilfe Bochum zu dem Angebot der Aidshilfe für Queere Menschen, den Fokus ihrer Arbeit bei Herzenslust und der PreP-Beratung, dessen Wurzeln in Deutschland selbst auch in Bochum liegen. Wir redeten auf der Bühne auch über eine erfolgreiche Eröffnung des fluids, und es gab tollen Applaus für einen tollen Aktivisten, Kevin.</p>
<p>Danach musste ich ein wenig Zeit für die nächsten Redner*innen schinden, aber ein Profi hat immer eine Kazoo im Hinterpocket und kann entertainment improvisieren! Auch lang genug, um einen wichtigen Redebeitrag zu Josef Gera, der von rechtsextremen ermordet wurde, anmoderieren zu können. Die Forderung war klar: die Stadt Bochum soll aufarbeiten, was geschah, und einen Platz nach Josef Anton Gera benennen.</p>
<p>Danach moderierte man mich auf die Bühne für meinen Slambeitrag &#8211; und ich konnte keine zwanzig Sekunden am Stück ohne Zwischenapplaus durchsprechen, die Crowd ließ sich den ganzen Tag von mir mitreißen, und besonders bei meinem persönlichen Beitrag, das war sehr berührend. Im Anschluss an meine Spoken Word Poetry durfte ich die Schweigeminute auf der Bühne einleiten, zur Andacht an die Menschen die wir in der AIDS-Pandemie verloren haben, die queeren Sexworker*innen, die trans Menschen, die verfolgt wurden, und unseren persönlichen Verlusten. Somewhere over the rainbow spielte, ich musste auch ein bisschen weinen, und ganz viele liebe Leute kamen an den Bühnenrand, um mich zu drücken.</p>
<p>Als letztes schangelte die Drag Queen Mercedes Tuccini über die Bühne und auch darüber hinaus in die Menge, und ich feierte jede Sekunde ihrer Performance &#8211; denn sie hatte Spaß, und war danach glaub ich nicht sonderlich außer Atem. Der Tag endete mit Abschlussworten von Alva und Eicke vom Plenum, und wir beendeten die Bühnenshow mit einer Verneigung des gesamten Orgateams. Danach kaperte ein Jugendlicher die Bühne, um sich öffentlich zu outen unter tosendem Applaus, und danach gab es einen lesbischen Heiratsantrag, der zum Glück bejaht wurde, sonst wäre das peinlich geworden.</p>
<p>Die Bühne wurde abgebaut, die Stände auch, der Stickerstand schenkte mir sogar ein paar Sticker für eine gelungene Moderation, und ich ging mit meinem Freund zur Aftershowparty in der Rotunde, dem alten Katholikentagsbahnhof, in dem ich 2015 auch U20NRWMeister wurde. Fast an der selben Stelle, an der damals die Bühne stand, stoß das Plenum um Mitternacht auf einen erfolgreichen CSD mit Sekt an, es wurde noch von vielen weiter gefeiert, aber ich gehörte ins Bett. Ich durfte mir einen kleinen Traum erfüllen, und war bereit, vom  CSD Bochum im nächsten Jahr zu träumen.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ich zeriss ihn</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/08/ich-zeriss-ihn/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Diana Podoynitsyn]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Aug 2022 11:03:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir freuen uns mit Diana eine neue Autorin auf meinTestgelände begrüßen zu können. Diana ist &#8222;Russin, – und Deutsche. Rheinland-Pfälzerin mit wolgadeutschen Wurzeln. Postsowjetisch geprägt und eine Trierer Seele.“ Seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine fühlt es sich für Diana an, als stände ihre Welt still. Halt findet sie in der Literatur und stellt euch]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir freuen uns mit Diana eine neue Autorin auf meinTestgelände begrüßen zu können. Diana ist &#8222;Russin, – und Deutsche. Rheinland-Pfälzerin mit wolgadeutschen Wurzeln. Postsowjetisch geprägt und eine Trierer Seele.“ Seit dem Kriegsbeginn in der Ukraine fühlt es sich für Diana an, als stände ihre Welt still. Halt findet sie in der Literatur und stellt euch daher den Roman „Die Lüge“ von Mikita Franko vor &#8211; darin geht es um ein Kind, welches bei seinem schwulen Onkel und seinem Freund aufwächst.</strong></p>
<p><span id="more-15012"></span></p>
<p>Mikita Franko wurde 1997 in Kasachstan geboren und lebt heute in Moskau. Er “versteht sich als Akyn, als kasachischen Volksdichter, der politische Themen behandelt”, heißt es in seiner Autorenbiographie. Sein Debütroman wurde 2020 veröffentlicht und erschien Anfang Mai 2022 nun unter “Die Lüge” in deutschen Buchhandlungen. Mich freut das sehr.</p>
<p>Seit dem 24. Februar 2022 scheint mir, als stünde die Welt still – jedenfalls meine. Ich habe das Gefühl, ich komme nicht mehr mit. Irgendwie geht alles weiter, immer mehr, aber ich sehe in mir Stillstand. Irgendwie jedenfalls. Denn auf der anderen Seite kreisen meine Gedanken fortwährend, eine Frage jagt die nächste: Ich bin Russin, – und Deutsche. Rheinland-Pfälzerin mit wolgadeutschen Wurzeln. Postsowjetisch geprägt und eine Trierer Seele. Wer bin ich dann in Zeiten wie diesen?</p>
<p>zwischen Pubertät und Depression</p>
<p>Frankos Roman entstand, weil er schreiben musste. Einzelne Passagen online veröffentlichte, als es in ihm tobte. Weil er nicht wusste, wohin sonst mit all dem, was raus muss. Die Begeisterung anderer über sein schriftstellerisches Talent inspiriert ihn dazu, seine Textfragmente zu bündeln. Daraus entstand “Die Lüge”, ein Roman, in dem wir Mikitas Kindheit und Jugend begleiten und Wahrheit und Fiktion auf eine Weise verschmelzen, die mein Herz höher schlagen und mich euphorisch schreien lässt.</p>
<p>Mikita wächst bei seinem schwulen Onkel Slawa und seinem Freund Lew auf. Wir begleiten Mikita dabei, zu erkennen, dass Lew nicht bloß ein guter Freund seines Onkels ist. In der Welt des Postsowjetismus, in die Mikita hineingeboren wurde, stellt Homosexualität etwas Undenkbares dar. Und doch zeigt Mikita schon im Kindergartenalter ein Reflexionsvermögen, das bei vielen älteren Menschen nicht vorzufinden ist: “Ich musste zugeben, dass man Aschenputtel durch einen Jungen ersetzen konnte, ohne den Handlungsverlauf groß ändern zu müssen. Oder den Prinzen durch eine Prinzessin. Aber wenn das wahr war, warum schrieben dann alle Schriftsteller nur über Jungs und Mädchen? Schriftsteller sind doch kluge Menschen, die müssen genau wissen, was wahr ist und was nicht.” (S. 23)</p>
<p>Diese Beobachtung der fehlenden Repräsentation queerer Menschen ist nicht die einzige Parallele, die zwischen Mikita und dem Autor Franko zu ziehen ist, – der nicht zuletzt aus dem Bedürfnis heraus, etwas an diesem Umstand zu ändern, “Die Lüge” publizierte. Franko zeigt, dass Queerness nicht vor der internalisierten Queerfeindlichkeit schützt, die wir dem heteronormativen Patriarchat zu verdanken haben, in dem wir leben.</p>
<p>“Es war, als stünde ich auf wackeligem Grund, der mich nicht tragen konnte. Und als wäre es nur eine Frage der Zeit, bis alles zusammenbrach.” (S. 187)</p>
<p>Mikitas Kernkonflikt besteht in dem Doppelleben, das er führt: Er darf niemandem erzählen, dass er zwei Väter hat, weil ihnen sonst das Sorgerecht entzogen werden kann. Was dieses Luftanhalten von Kindesbeinen an mit einem Heranwachsenden macht, erleben wir in “Die Lüge” hautnah mit und begleiten Mikita somit bei seinem Wachstums- und Reifeprozess. Wir erleben wie wütend er auf die queerfeindliche Gesellschaft ist, in der er lebt und wie er sich einer irrationalen Wut auf seine Eltern hingibt, weil er in ihrer Liebe den Grund für seine Unfreiheit ausmacht.</p>
<p>Es sind nicht zuletzt diese Momente des Ringens und Kämpfens, die Franko mit einer Alltagsnähe beschreibt, die berührt, betrifft und bewegt. Auch ohne in einer Regenbogenfamilie großzuwerden sind die Erfahrungen Mikitas kollektive Erlebnisse, die wir alle so oder so ähnlich früher oder später durchleben: Zu begreifen, dass Erwachsene qua ihres Erwachsenenstatus keine Superhelden und moralischen Vorbilder sind und Eltern Menschen sind, die mit jedem Tag des Elternseins mehr in ihre Elternrolle wachsen. Zu akzeptieren, dass wir in einer ungerechten Welt leben und die Macht haben, etwas mehr Licht in diese zu bringen.</p>
<p>zwischen Poetisieren und Politisieren</p>
<p>Frankos Charaktere sind ehrlich und authentisch – ebenso wie ihre Beziehungen. Mikita ist ebenso unperfekt wie seine Väter Slawa und Lew. Nicht zuletzt dadurch werden auch die noch unperfekteren Buchcharaktere wie der fast schon klassisch böse Mobber ebenso liebenswürdig wie Mikita, Slawa und Lew. Wir sehen die Fülle an Ecken und Kanten des Lebens, die Verantwortung eines jeden Einzelnen und die deterministischen Züge des Meisterwerks Leben. Die einzelnen Kapitel beschreiben Situationen, die nicht aus der Luft, sondern dem Leben gerissen wurden und sich verflechten lassen zu einem Bild, das besser als jedes andere zeigt, was Heranwachsen, Familie und Brückenschlagen heißt. Damit erinnert Franko an “Die jüngste Tochter” von Fatima Daas, das im französischsprachigen Original ebenfalls 2020 und in der deutschen Übersetzung letztes Jahr erschien, – ein ebenso empfehlenswertes Debüt.</p>
<p>Sie beide reihen sich an Elif Shafak an, die die Kunst des Poetisierens und Politisierens alltäglicher, kollektiver Erfahrungen der wahrhaftigsten Wirklichkeit mit jedem neuen Roman auf den Höhepunkt treibt – in absoluter Perfektion. Dadurch liest sich “Die Lüge” federleicht, auch wenn das Herz dauerschwer ist und eine Träne der nächsten folgt, während ich immer wieder vor mich hingrinse. Franko schafft es, dass ich mich in Mikita ein Stück weit selbst finde und Mikita in mir, obwohl seine Lebenswirklichkeit meiner nur in den wenigsten Punkten gleicht. Diese Fähigkeit macht Franko nicht nur zum literarischen Meister der Schreibkunst, einem Könner, der sein Handwerk genauestens beherrscht. Franko ist ein philosophisches Genie, vor dem ich nicht nur meinen Hut ziehen, sondern mich im Geiste verneigen will. Es bleibt zu hoffen, dass auch seine weiteren Romane ins Deutsche übersetzt werden und mehr Menschen in den Genuss seiner Geistes- und Schaffenskraft kommen.</p>
<p>Ich finde, es braucht das. Stimmen wie Franko sind diejenigen, die Gehör finden müssen – in Russland und der Welt. Gerade in Zeiten wie diesen. Denn Literatur hat Kraft.</p>
<p><a href="https://hoffmann-und-campe.de/products/58855-die-luege">Das Buch ist im Mai 2022 erschienen Verlag Hoffmann &amp; Campe.</a></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Alienation</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/08/alienation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Beau]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 09 Aug 2022 10:42:14 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Angst]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[trans*]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir freuen uns, euch mit Beau einen neuen Autoren auf meinTestgelände vorstellen zu dürfen. In seinem ersten Text „Alienation“ beschreibt er das Gefühl, sich als trans* Person alleine in Cis-Räumen zu bewegen. Er lässt uns an der Anspannung teilhaben, die bereits durch die Antizipation von Diskriminierung ausgelöst wird und wie wichtig daher queere Rückzugsräume sind.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body"><strong>Wir freuen uns, euch mit Beau einen neuen Autoren auf meinTestgelände vorstellen zu dürfen. In seinem ersten Text „Alienation“ beschreibt er das Gefühl, sich als trans* Person alleine in Cis-Räumen zu bewegen. Er lässt uns an der Anspannung teilhaben, die bereits durch die Antizipation von Diskriminierung ausgelöst wird und wie wichtig daher queere Rückzugsräume sind.</strong></p>
<p><span id="more-14976"></span></p>
<p>Vor kurzem war ich, relativ kurz aufeinander folgend, Gast auf zwei künstlerischen Festivals. Meine Freude über das Privileg, solche Veranstaltungen besuchen zu können – gerade in pandemischen Zeiten – trübte jedoch der Fakt, dass ich meines Wissens nach die einzige trans Person unter dutzenden bis hunderten von cis Menschen war. Im Englischen gibt es ein schönes Wort dafür: alienation. Die Übersetzung Entfremdung trifft es für mich nicht so ganz; alienation fängt das „zum Alien werden“ ein. In einem Raum voller cis Menschen war ich das Alien. Ich habe zum ersten Mal verstanden, wie dieses Gefühl einen brechen kann. Als ich mich wieder in einem Raum voller queerer Menschen aufhielt, war es wie ein Aufatmen.</p>
<p>Dabei könnte man einlenken: mir ist doch gar nichts passiert. Mir ist keine konkrete Gewalt widerfahren, niemand hat mich blöd angemacht – ich sollte doch froh sein. Tatsächlich ist es schwierig, in Worte zu fassen, was denn eigentlich das Problem ist, wenn nur das Potential von Diskriminierung in der Luft liegt, die Angst, jederzeit könnte ein beschissener Kommentar fallen, und niemand würde sich Mühe geben, mir zur Unterstützung beizuspringen. Das Wissen: wenn etwas passiert, bin ich allein. Die Fragen: tolerieren sie mich nur, weil ich ein weißer, transmaskuliner Mensch bin? Würden sie mit meinen Geschwistern, die andere Labels tragen, anders umspringen? Werden meine Arbeit und meine Aussagen anders behandelt als die von meinen cis Mitbürger*innen? Sind sie wirklich froh, dass ich da bin – oder sind sie froh, weil meine Anwesenheit ihnen beweist, wie tolerant sie selbst sind?</p>
<p>Denn gerade in linken Räumen besteht ja häufig durchaus ein Interesse, dass trans Menschen und queere Menschen mit am Tisch sitzen. Doch dieses Interesse resultiert dann nicht in konkreten Maßnahmen, die Räume für trans Menschen zugänglicher machen würden. Wie viele Orte nennen sich beispielsweise „FLINTA* Only“, begreifen „FLINTA*“ jedoch nur als „aufgeklärte“ Version des Wortes „Frauen“ und verweigern dann sowohl trans Frauen, trans femme Personen und als auch Menschen, die sie als zu butch und zu maskulin einstufen, den Zutritt? Andere wichtige Maßnahmen wären vielerorts die Schaffung von einer nicht gegenderten Toilette, die Einführung von Awareness Teams oder Diskriminierungsbeauftragen oder generell das Anbieten von Schulungen über Transphobie. Wenn es an Wissen fehlt, bestehen in unserer Zeit der Instagram-Infographik genug Möglichkeiten, sich dieses Wissen anzueignen – das Interesse muss nur da sein. Wahres Interesse, die Perspektiven von trans Menschen mit einzubeziehen, auch wenn das zusätzliche Arbeit bedeutet.</p>
<p>Und selbst, wenn man als Organisation all die Arbeit macht, ist es wichtig, ein Verständnis dafür zu entwickeln, dass es trotzdem nicht genug sein kann. Kein Ort, an dem Menschen miteinander kommunizieren, ist je perfekt, egal wie viel Anti-Diskriminierungs-Wissen in ihm steckt. Die Erkenntis der Unmöglichkeit darüber, jemals mit der Arbeit gegen Diskriminierung fertig sein zu können, sollte jedoch nicht davon abhalten, es zu versuchen. Solange ein Raum größtenteils aus nicht queeren Menschen besteht – und das sind die meisten Räume – wird es für mich eben immer einen Punkt geben, an dem ich mich wieder irgendwohin zurückziehen muss, wo ich von meiner Community umgeben bin. Ich vermute, das geht vielen queeren Menschen so.</p>
<p>Genau deswegen braucht es auch eine Vielzahl von queeren Räumen, welche die Bedürfnisse aus allen Ecken der Community erfüllen: sowohl offene, fehlerfreundliche Orte, in denen Menschen mit verschiedenen Erfahrungsschätzen miteinander in Diskurs treten können, als auch geschlossene safe spaces als Entspannungs- oder Unterstützungsangebot und Antwort auf diskriminierende Erfahrungen. Vielerorts bestehen bereits hervorragende Strukturen – queere Menschen haben sich vernetzt, ihre eigenen Räume geschaffen. Abseits von großen Städten stoßen derartige Initiativen jedoch oft auf Unverständnis von öffentlicher Seite, auf einen Mangel an geeigneten<br />
Räumlichkeiten oder an finanzieller Förderung. Zum Glück schafft das Internet inzwischen Abhilfe, auch wenn Online-Communities nicht immer ein Ersatz für konkrete Hilfe vor Ort sein können.</p>
<p>In der ebenfalls eher provinziell veranlagten Gegend, in der ich mich gerade herumtreibe, hat sich vor ein paar Monaten ein Transmännlichkeiten-Stammtisch zusammengefunden. Zeitgleich hat eine Gruppe begonnen, zweimal pro Monat ein queeres Treffen im örtlichen linken Zentrum zu organisieren. All die Bücher von trans Autor*innen, die ich gelesen habe, die Twitteraccounts, denen ich folge, die Online-Communities – all diese Ressourcen haben mir geholfen, doch sie kommen nicht an die heilende Wirkung heran, welche diese beiden regelmäßigen online oder in Präsenz stattfindenden Treffen auf mich hatten. Ich wünsche mir für alle trans Menschen, die sich des Öfteren in cis-dominierten Räumen aufhalten, solche Rückzugsmöglichkeiten.</p>
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		<title>Impfzentrum und Sächs_innen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/06/impfzentrum-und-saechs_innen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Fluff]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 10 Jun 2022 09:00:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Covid19]]></category>
		<category><![CDATA[Drag]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[“Corona, Gift für Kunst und Kultur. Gift für Dragshows und Tunten”. Fluff erzählt von einer Zeit, in der Glitzer, Pailletten, angeklebte Wimpern, Highheels und Perücken nur zu Hause zum Üben getragen wurden, von trans-Hass und von Freundschaft, die das alles ertragen lässt. Die Wimpern flattern. Ich fluche. Der Kleber hält nicht. Eingetrockneter Wimpernkleber ist mit]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body"><strong>“Corona, Gift für Kunst und Kultur. Gift für Dragshows und Tunten”. Fluff erzählt von einer Zeit, in der Glitzer, Pailletten, angeklebte Wimpern, Highheels und Perücken nur zu Hause zum Üben getragen wurden, von trans-Hass und von Freundschaft, die das alles ertragen lässt.</strong></p>
<p><span id="more-14864"></span></p>
<p class="western" align="left">Die Wimpern flattern. Ich fluche. Der Kleber hält nicht. Eingetrockneter Wimpernkleber ist mit Abstand die lächerlichste Make-Up-Fail Variante. Hinter mir ertönt eine gelangweilt-amüsierte Stimme: „Warum fummelst du dich überhaupt auf? Sieht doch eh kein Mensch.“ Ich verziehe das Gesicht. They hat ja nicht Unrecht. „Übung.“, gebe ich knapp zurück und fummele die halb angesetzten Wimpern wieder runter. Lippenstift sitzt. Meine Augenbrauen habe ich mit Klebstoff bearbeitet und unsichtbar geschminkt. Stattdessen prangen buschige, raupenähnliche Gebilde beinahe auf meiner Stirn. Schließlich muss ja ausreichend Platz für den Lidschatten, Lidstrich, Glitzer und Pailletten sein. Aber auch Pailletten halten nicht, wenn der Kleber eingetrocknet ist.</p>
<p>Ich stülpe mir die Perücke auf den rasierten Kopf und schmeiße die Tube in den Mülleimer.</p>
<p class="western" align="left">Corona, Gift für Kunst und Kultur. Gift für Dragshows und Tunten, die ihre Fummel seit knapp zwei Jahren nur zu Hause spazieren trugen. Auf der Straße ist es mittlerweile ebenfalls gefährlicher geworden, sichtbar queer zu sein. Gleichzeitig hat die neue Koalition, die Ampel, versprochen, das Selbstbestimmungsgesetz für trans Personen endlich in die Tat umzusetzen. Wilde Zeiten, in denen wir leben. Fortschritt im Parlament, Angst auf den Straßen.</p>
<p class="western" align="left">Mein Handy vibriert. Ich seufze. Hass im Netz, den hatte ich ganz vergessen. Ich lösche, blende aus, blockiere die Menschen. Die Argumente sind immer die gleichen, es gäbe nur zwei Geschlechter, ich wäre psychotisch, psychisch krank, irre, würde mich in Frauenumkleiden schleichen wollen… (Und Frauen vergewaltigen. Immer wieder, ich würde Frauen vergewaltigen wollen.)</p>
<p class="western" align="left">Ich werfe den Kopf zurück, die Perücke wippt. Ich weiß oft nicht, ob ich es zum Lachen oder zum Weinen finden soll. Mir schlägt der Hass entgegen, weil sie mich für eine trans Frau halten. Alternativ schlägt mir der Hass entgegen, weil sie mich wieder zurück ins Frau-Sein zerren wollen.</p>
<p class="western" align="left">Am liebsten hätte ich gar keinen Hass, aber die Aktion scheint es nicht zu geben. Und meine bevorzugte Freizeitaktivität, Drag und Highheels, fällt auch weg.</p>
<p class="western" align="left">„Da war ja was… für jede ausgefallene Drag-Show trag ich eine_n Sächs_in zum Impfzentrum.“</p>
<p class="western" align="left">Ich muss grinsen. Mein_e Mitbewohner_in hat eine seltsame Art, mich zu trösten, aber sie funktioniert. They weiß genau, was in meinem Kopf vor sich geht. Gleichzeitig ist they die Person, die am wenigsten mit überdrehter Glitzerkultur etwas anfangen kann.</p>
<p class="western" align="left">They fluchte früher ausgiebig (so wie ich mit eingetrocknetem Wimpernkleber), wenn ich them dazu überreden wollte „doch etwas Spaß zu haben“. Spaß und Glitzer, der noch Monate später im Bett gefunden wurde, schlossen sich für them kategorisch aus. Außerdem hasst they Highheels, kann mit Schaumwein nichts anfangen und würde sich lieber nackt auf ein Nagelbrett legen, als sich in ein grünes Paillettenkleid zu zwängen.</p>
<p class="western" align="left">Zwei Tage später.</p>
<p>Ich komme ins Wohnzimmer, die erste Tasse Kaffee in der Hand. Auf dem Tisch liegt eine frische Packung Wimpernkleber und eine kleine Zange, um Kunstwimpern besser greifen zu können.</p>
<p class="western" align="left">Daneben klebt ein Post-It. „Zum Üben.“ steht darauf.</p>
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		<title>Queer- und Deutschsein</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/05/queer-und-deutschsein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[sabylonica]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 30 May 2022 09:48:33 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Identität]]></category>
		<category><![CDATA[Islam]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Sabylonica ist queer, muslimisch sozialisiert, ihre*seine Familienmitglieder sind People of Color und nach Deutschland eingewandert. Sie*er hat Queerfeindlichkeit, Rassismus und antimuslimischen Rassismus erlebt. Über ihren*seinen Wunsch deutsch zu sein und dem eigenen Identitätenkonflikt erzählt Sabylonica in ihrem*seinem Text. Das Augenmerk meines heutigen Artikels liegt in meiner eignen Sozialisation. Um präziser zu sein als nicht-binärer, queerer]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body"><strong>Sabylonica ist queer, muslimisch sozialisiert, ihre*seine Familienmitglieder sind People of Color und nach Deutschland eingewandert. Sie*er hat Queerfeindlichkeit, Rassismus und antimuslimischen Rassismus erlebt. Über ihren*seinen Wunsch deutsch zu sein und dem eigenen Identitätenkonflikt erzählt Sabylonica in ihrem*seinem Text.<br />
</strong></p>
<p><span id="more-14832"></span></p>
<p>Das Augenmerk meines heutigen Artikels liegt in meiner eignen Sozialisation. Um präziser zu sein als nicht-binärer, queerer Mensch in einer mulimischen Sozialisation.<br />
Mein Bewusstsein dafür, dass ich weiß, ich bin queer und ebenso muslimisch, war schon von klein auf da, auch, wenn das Bewusstsein für mein Queersein schon eher eine Rolle in meinem Leben gespielt hat als der Islam. Mein Bewusstsein über meine Geschlechtsidentität dagegen tauchte viel später auf und genauso wie das Denken nicht muslimisch, sondern muslimisch sozialisiert zu sein.</p>
<p>Zu sagen, ich sei muslimisch, würde eine direkte und vor allem aktive Verbundenheit zur Religion deuten, aber muslimisch sozialisiert zu sein, kann sowohl direkt als auch indirekt, genauso wie aktiv als auch passiv zur Religion verbunden zu sein bedeuten. Das heißt, dass ich mir meine Freiheit darüber nehme selbst zu entscheiden, was ich mit dieser Sozialisation mache oder eben nicht. Ich bin muslimisch sozialisiert, ob ich nun gläubig oder religiös oder weder noch bin, spielt dabei keine Rolle.</p>
<p>Was ich aus meiner muslimischen Sozialisation als Kind verstand, war die queerfeindliche Haltung, was mich als Kind abschreckte. Es hieß immer, andere sind es und können es sein, aber wir Muslim*innen könnten es nicht sein. Ja genau, es. Schon allein die Wortwahl machte mich zum Fremden. Und der komplette Satz verfremdete mich aus der Community. Obgleich ich schon immer wusste, dass ich queer bin, wusste ich sogleich auch immer, dass ich mich nicht outen darf. Weil ich sonst wortwörtlich verfremdet werde. So behalte ich mein Empfinden bis heute für mich. Kurz angemerkt, Queerfeindlichkeit habe ich leider in vielen religiösen und kulturellen Sozialisationen erleben müssen.</p>
<p>Jetzt kommt es zur nächsten Etappe. Meine Familie ist nicht nur muslimisch sozialisiert, sondern auch People of Color, also wir sind nicht Weiß, und zusätzlich sind sie aus einem anderen Land nach Deutschland eingewandert. Aufgrund dessen habe ich, extern zur Queerfeindlichkeit, Rassismus und antimuslimischen Rassismus erleben müssen. Mit der Grundschulzeit wurde mir immer mehr klar, dass ich nicht deutsch sein könne, ich es aber sein wollte. Der queere Aspekt verschwand in den Hintergrund, da ich ohnehin nichts an der Tatsache hätte ändern können, und widmete mich meinem Identitätskonflikt deutsch sein zu wollen. Als Kind tat ich alles dafür, als deutsch gelesen zu werden, begriff aber im Jugendalter, dass es in erster Linie nicht darum gehe, deutsch zu sein oder nicht, sondern Weiß zu sein oder nicht. Also begriff ich, ich bin nicht Weiß, sondern eine Person of Color. Aber das Problem, nicht deutsch sein zu können, besteht weiterhin. Nach vielerlei Bemühungen, als deutsche Person anerkannt zu werden, gab ich den Identitätskampf auf und akzeptierte für mich, dass ich als PoC nicht deutsch sein kann.</p>
<p>Nun, alles in allem: Innerhalb meiner queerfeindlichen Familie of Color, die muslimisch sozialisiert ist, verhalte ich mich dennoch sehr deutsch, weil es nicht nur ein Akt des Bruches für mich mit ihrer Tradition darstellt, sondern weil sie das auch annehmen. Meine Familie würde mich niemals als queere Person akzeptieren, tut es aber als deutsche Person. Und die Weiß-deutsche Mehrheitsgesellschaft würde mich als Deutschen nicht akzeptieren. Auch was meine queere Identität angeht, würden nicht alle aus der Weiß-deutschen Mehrheitsgesellschaft akzeptieren, aber die wenigen, die mich als queere Person akzeptieren würden, sind in der Mehrheit als meine Familie, was das Thema angeht.</p>
<p>Der jahrzehntelange Austausch über Interkulturalität, dass Menschen mit zwei kulturellen Sozialisationen einen Spagat zwischen beiden machen müssen, hat für mich eine tiefergehende Bedeutung. Abgesehen von den Kulturen kann es ein Spagat zwischen Mehrheitsgesellschaft und Community sein. Oder ein Spagat zwischen Queersein-Können und Nicht-Queersein-Können. Vielleicht aber auch zwischen Deutschsein-Können und Nicht-Deutsch-Sein-Können.</p>
<p>Dieser Artikel sollte einen Einblick hinter meiner Person geben und ein Beispiel an Intersektionalität, also eine Mehrfachdiskriminierung.</p>
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		<item>
		<title>Buntes Disney ist nicht gleich „Regenbogen“-Bunt</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/05/buntes-disney-ist-nicht-gleich-regenbogen-bunt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ann Katrin]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 23 May 2022 08:59:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Disney]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Disneyhelden sind oft Vorbilder, an denen sich Kinder orientieren und die sie nachahmen. Dabei versucht Disney, Werte wie Treue und Mut zu vermitteln, doch mit Themen wie sexuelle Orientierung und Identitäten scheint sich der Konzern wenig zu beschäftigen. Was sie dazu im Programm haben und welche Charaktere mit queeren Persönlichkeiten auftreten, untersucht Ann Katrin. Wer]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="Body"><strong>Disneyhelden sind oft Vorbilder, an denen sich Kinder orientieren und die sie nachahmen. Dabei versucht Disney, Werte wie Treue und Mut zu vermitteln, doch mit Themen wie sexuelle Orientierung und Identitäten scheint sich der Konzern wenig zu beschäftigen. Was sie dazu im Programm haben und welche Charaktere mit queeren Persönlichkeiten auftreten, untersucht Ann Katrin.</strong></p>
<p><span id="more-14820"></span></p>
<p>Wer mit Disney-Filmen oder Serien aufgewachsen ist erinnert sich vielleicht noch gut an die kindgerechte Vermittlung von gesellschaftlichen Werten durch Handlungen der Hauptfiguren. Die Helden und Bösewichte im Disney-Entertainment sollen den oftmals kindlichen Zuschauern bestimmte Charakterzüge als positiv oder negativ darstellen und gleichzeitig erklären. Denn wie lernen Kinder und auch noch junge Erwachsene anders, wenn nicht durch Vorbilder und das Nachahmen von Werten oder Handlungen. Disney beweist fast von Beginn an eine umfangreiche Kreativität sowie sehr gutes Einfühlungsvermögen darin, Probleme, Konflikte aber auch teilweise Krankheiten die in der Gesellschaft vorkommen auf einfache, witzige und tiefsinnige Art in ihren Produkten einzubauen.</p>
<p>Kinder können in den unterschiedlichen Figuren Merkmale erkennen, die sie vielleicht auch im echten Leben mitbekommen und sich dann an den Handlungen ihrer Helden orientieren. In fast allen Filmen beruhen die Heldenfiguren auf den moralischen Werten wie Treue, Wahrheit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, Mut, aber auch Trauer und Verlust. Die Bösewichte hingegen erhalten unmoralische Charakterzüge wie List, Egoismus, Großmut, Verachtung oder Bösartigkeit. Wir alle kennen die Geschichten; die Helden gewinnen gegen die Bösewichte und haben ein glückliches Leben. Nichts falsch daran! Was aber seit einigen Jahren auffällt oder vermehrt angesprochen wird, ist das Disney sich sehr wenig mit Charakterzügen beschäftigt die Kinder oder älteren Zuschauern sexuelle Orientierung und Identitäten, also das persönliche Selbstbild des eigenen Geschlechts aufzeigt.</p>
<p>Nicht ganz; wer sich die Mühe macht die Reihe der klassischen Disney-Filme durchzuschauen bemerkt vielleicht ein auffälliges Detail in der Darstellung der Bösewichte und Helden: Die Helden aus den früheren Filmen, seien sie männlich oder weiblich, fühlen sich immer zum jeweils anderen Geschlecht hingezogen, beweisen eindeutige Charakterzüge und haben oft ein straightes Selbstbild, dass nur zwischenzeitlich in ihrer Entwicklungsgeschichte erschüttert wird. Die Antihelden hingegen, seien sie von den negativen Zügen gezeichnet, zeigen oft die Attribute die heutzutage mit den Selbstwahrnehmungen von (manchmal) homosexuellen, bisexuellen, a-sexuellen oder weiteren queeren Personenzügen übereinstimmen. Außerdem können bei einigen Bösewichten psychische Krankheiten oder zumindest die Symptome von solchen erkannt werden. Bei Helden sind diese ebenso zu erkennen, aber mit wenigen Ausnahmen überwinden diese die Symptome oder Krankheiten durch ein persönliches Wachstum. Disney vermittelt hierdurch, dass der offene Umgang mit den Problemen oder traumatischen Einschnitten im Leben zum Überwinden von Krankheiten führen kann, aber auch, dass Bösewichte in ihren charakterlichen Zügen eher fließend und weniger gestärkt sind. Einige Beispiele von Antagonisten mit Zügen von queeren Persönlichkeiten sind:<br />
Ursula die Züge einer Drag Queen aufweist, mit dem extravaganten Make-Up, dramatischen Auftritten und Verhalten, sowie ihrem Bewusstsein ihrer Kurven würden übereinstimmen.</p>
<p>Scar könnte als homosexuell identifiziert werden, durch ein feines Körperbewusstsein, die Änderung der Stimmlage und einiger Ironie gegenüber seinem Bruder und dessen männlichen Verhalten (obwohl dies auch auf Geschwisterfeindlichkeit und der Rivalität unter Löwen-Alphas beruhen kann).</p>
<p>Hades fällt nicht direkt in die Kategorie von homosexualität, zeigt aber auch eine fließende Darstellung im Umgang mit den jeweiligen Geschlechtern und seinem eigenen Verhalten.</p>
<p>Auch viele weitere Charaktere die Nebenrollen innehaben werden durch ihre Züge und Handlungen als homosexuell oder queer dargestellt. Diese Funktionen nennt sich Queer-Coding, Figuren werden durch ihr Verhalten und auch die Kleidung in manchen Fällen als queer impliziert obwohl es nicht explizit ausgesprochen wird. Mittlerweile wurde der Zusammenhang erkannt, dass homosexuelle, a-sexuelle oder weitere Merkmale von LGBTQ+ Personen im Verhalten der Antagonisten für Kinder als negativ und unmoralisch vermittelt werden sollen.</p>
<p>Ob Disney mittlerweile neue Figuren erfindet, die sich als eindeutig queer zeigen bleibt noch abzuwarten. Der Entertainment-Riese erhält jedenfalls auch in diesem Thema viel Aufmerksamkeit. Bei der Suche auf Disney+ schließt das Programm jedoch schlecht ab. Denn mit der Suche nach „LGBTQ+“ wird kein einziger Film oder Serie angezeigt. Auch unter den Genres bei den Filmen oder Serien-Auswahl wird kein Hinweis auf ein mögliches Programm gegeben. Hat Disney also nichts im Angebot? Dieselbe Suche bei den Konkurrenten Netflix und Amazon Prime führt mit wenigen Einbußen zu einer soliden Auswahl rund um Filme oder Serien die sich mit queeren Charakteren verbinden. Die neusten Disney-Filme hingegen fallen mit einer großen Neutralität der Hauptfiguren auf. Die Definition ob die Figuren wirklich queere Züge haben oder nicht, wird immer schwerer. Netflix und Amazon hingegen setzen auf mehr Deutlichkeit. Die Streaming-Portale verfügen über Angebote die von Unterhaltung bis zu Aufklärung über das Leben von queeren Personen führen. Obwohl auch hier noch auf Stereotypen zurückgegriffen wird, können Zuschauer sich dem Programm hingeben und sitzen vor deutlichen Darstellungen der jeweiligen Charakterzüge.</p>
<p>Wie geht Disney in Zukunft mit der Möglichkeit auf explizite queere Figuren um? Seit neustem arbeitet der Streaming-Anbieter and er Aufarbeitung und Aufklärung kultureller Stereotypen mit dem Programm StoriesMatter. Kommen anschließend auch Experten der LGBTQ+ Szene und erklären, wie sowohl Helden als auch Bösewichte ohne die negativen Darstellungen von Stereotypen mit queeren Attributen in den Disney-Produkten Anklang finden können?<br />
Ein Anfang mit einer geringen Auswahl an LGBTQ+ freundlichen Shows existiert bereits, abgesehen von den unterschwelligen Figuren. Der Kurzfilm „Out“ handelt über die sexuelle Orientierung von Greg und wie er lernt seine bisher geheim gehaltene Orientierung mit seiner Familie und Freunde zu teilen. Über den Star-Kanal auf Disney+ ist das Angebot LGBTQ+-freundlicher und auch viel umfangreicher. In vielen Serien und Filmen wird das Thema offen aufgegriffen. Reines Entertainment aus dem Hause Disney sind diese Shows jedoch nicht, was weiterhin dazu führt, dass der Streaming-Dienst den Ruf als LGBTQ+ feindlich oder abblockend so schnell wohl nicht loswird.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Mach was immer du willst</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/05/mach-was-immer-du-willst/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FaulenzA]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 18 May 2022 09:21:44 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Rap]]></category>
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					<description><![CDATA[“Ich versuche, ich selbst zu sein und zu tun wonach mir ist. […] Mach was immer du willst.”, ist die Message aus dem neuen Lied von FaulenzA. Zur Zeit arbeitet FaulenzA am neuen Album Riot Queer: Kämpferisch freche Texte zu wichtigen Themen, begleitet von Musik zwischen Punk und Hip-Hop. Viel Spaß beim hören!]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>“Ich versuche, ich selbst zu sein und zu tun wonach mir ist. […] Mach was immer du willst.”, ist die Message aus dem neuen Lied von FaulenzA. Zur Zeit arbeitet FaulenzA am neuen Album Riot Queer: Kämpferisch freche Texte zu wichtigen Themen, begleitet von Musik zwischen Punk und Hip-Hop. Viel Spaß beim hören!<br />
</strong></p>
<p><span id="more-14806"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Queere Bücher &#8211; meine Empfehlungen und die persönlichen Geschichten dahinter</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/05/queere-buecher-meine-empfehlungen-und-die-persoenlichen-geschichten-dahinter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Aurum]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 02 May 2022 09:00:20 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=14743</guid>

					<description><![CDATA[Nach Zeiten des Lockdowns und Ferien hat Amelie die Liebe für Bücher wiedergefunden. Für uns hat Amelie fünf Empfehlungen und persönliche Geschichten zu queeren Büchern geschrieben. Vielleicht ist auch für euch etwas dabei? Lockdown, Ferien und mein Englischlehrer. Die drei Faktoren, welche mich in den letzten Monaten dazu brachten nach langer Zeit freiwillig ein Buch]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Nach Zeiten des Lockdowns und Ferien hat Amelie die Liebe für Bücher wiedergefunden. Für uns hat Amelie fünf Empfehlungen und persönliche Geschichten zu queeren Büchern geschrieben. Vielleicht ist auch für euch etwas dabei?</strong></p>
<p><span id="more-14743"></span></p>
<p>Lockdown, Ferien und mein Englischlehrer. Die drei Faktoren, welche mich in den letzten Monaten dazu brachten nach langer Zeit freiwillig ein Buch in die Hand zu nehmen.<br />
Über Jahre hinweg verlor ich immer mehr meine anfängliche Liebe zu Büchern. Aus “Bücherwurm” wurde “Lesemuffel“ und ich verlor das Interesse. Doch das sollte sich ändern.</p>
<p><strong>„Girl Woman Other“ von Bernadine Evaristo (she/her)</strong><br />
Eines Tages lasen wir im Englischunterricht die Kurzgeschichte Megan/Morgen als Teil des Buches “Girl Woman Other”. Die Prämisse der Handlung: ein Blick in das Leben von 11 Schwarzen Frauen und einer nicht-binären Person (Morgen) zu verschiedenen Zeiten in England.<br />
Der Erzählstil weckte mein Interesse und ich wollte auch die anderen Geschichten lesen. Ich kaufte mir also das Buch und die Reise begann.<br />
An “Girl Woman Other”, von dem es mittlerweile auch eine deutsche Übersetzung (Mädchen, Frau, Etc.) gibt, begeisterte mich vor allem die Multiperspektivität. Dabei macht die Autorin einen sehr guten Job, die jeweiligen Lebenssituationen zu beschreiben, gerade auch bezogen auf die Sexualitäten, Beziehungen und Geschlechterrollen.<br />
Es ist zu beobachten, wie die einzelnen Geschichten aufeinander aufbauen und zum Schluss wie Puzzleteile ein Gesamtbild erzeugen.</p>
<p><strong>„Ich bin Linus“ von Linus Giese (er/ihm)</strong><br />
Um “Girl, Woman, Other” zu kaufen, besuchte ich einen ganz besonderen Buchladen. „She said books“ in Berlin Neukölln hat es sich zur Aufgabe gemacht, nur Bücher von Frauen oder queeren Autor*innen zu verkaufen. Lustigerweise kommt auch diese Empfehlung aus meinem Englischunterricht.<br />
Ich hatte ein sehr schönes Kauferlebnis und hab mich selten an einem Ort so wohl gefühlt. Linus ist selbst Buchhändler in diesem Geschäft und als ich via Insta mitbekam, dass er ein Buch veröffentlicht hatte, konnte ich nicht anders, als es zu kaufen.<br />
„Ich bin Linus“ ist eine Biografie, in welcher Linus uns seine Erlebnisse und Entwicklungen im Bezug auf das Trans-sein in Deutschland schildert. Oder wie er es selbst beschreiben würde, es geht darum, wie er der Mann wurde, der er schon immer war. Beim Durchleben der guten aber auch schlechten Ereignisse, lernen wir ihn auf sehr persönliche Art und Weise kennen. „Ich bin Linus“ zeigt in schönem Schreibstil das Leben von trans Personen in Deutschland und auch dessen Hindernisse. So wird zum Beispiel das immer noch aktive Transsexuellengesetz zu Recht kritisiert und versteckte Transphobie aufgedeckt.</p>
<p><strong>„I Wish You All The Best“ von Mason Deaver (they/them)</strong><br />
Ich konnte „she said“ an diesem ersten Besuch nicht verlassen, ohne vorher nicht noch impulsiv ein weiteres Buch zu kaufen. Die auf dem Buch vermerkten Hinweise des Personals leiteten mich schließlich zu „I Wish You All The Best“. Dass ich an der Kasse prompt für meinen guten Geschmack gelobt wurde, bestätigte mich in meiner Entscheidung.<br />
„I Wish You All The Best“ ist das erste Buch, mit nicht binärer Hauptfigur, auf das ich stieß. Dies alleine war eigentlich schon Kaufargument genug und ich wurde nicht enttäuscht. In dem Young Adult Roman begleiten wir Ben, welcher nach deren Outing als nicht binär von deren Eltern aus dem Haus geschmissen wird. Ben sucht Zuflucht bei deren älterer Schwester, mit welcher they viele Jahre keinen Kontakt hatte. Ben lernt langsam mit der neuen Situation und auch deren Angststörung zurechtzukommen. Gleichzeitig trifft they auf Nathan, welcher Ben unter die Arme greift und zusammen sieht die Zukunft gar nicht mal so grau aus. Der Mix aus ernsten Themen aber auch leichteren fröhlichen Szenen und Humor sorgt für ein schönes Gesamtbild.</p>
<p><strong>„Felix Ever After“ von Kacen Callender (they/them)</strong><br />
Ausgelöst durch „I Wish You All The Best“ fand ich mein Gefallen an queeren Young Adult Büchern und wollte unbedingt mehr davon lesen. Als ich also eines Nachmittags durch meinen lokalen Buchladen wanderte, fiel mein Blick auf „Felix Ever After“. Gerade die sichtbaren top-surgery Narben auf dem Cover bewegten mich dazu, den Klappentext zu lesen. Sofort fand ich Interesse daran und für die nächsten paar Wochen hielt es mich trotz beginnender Schule bei Laune.<br />
Mit fesselndem Schreibstil und einer Menge Fingerspitzengefühl wird das Leben des 17 jährigen Felix Love beschrieben. Eigentlich möchte er nur die Zeit mit seinem besten Freund verbringen, doch dann hängt im Flur seiner Schule plötzlich eine Ausstellung mit Fotos aus seiner Kindheit und dead name. Zusätzlich wird er von anonymer Person via Textnachrichten transphob beschimpft. Felix tut das einzig „logische“ und erstellt ein fake Profil um dem vermeintlichen Täter auf die Spur zu kommen. Dabei wird das eigentliche Vorhaben immer mehr von einem anderen Gefühl überschattet &#8211; ob das Liebe ist?<br />
Neben den diversen Charakteren hat mir besonders der sehr stilvolle Umgang mit Felix gender Identität gefallen. So wird zwar über seinen dead name gesprochen, jedoch nie selbst im Buch erwähnt. Außerdem wird gezeigt, dass nichts endgültig sein muss und auch trans Menschen ihr gender weiter überdenken dürfen. Mittlerweile ist das Buch auch unter gleichem Namen in Deutsch verfügbar.</p>
<p><strong>„Mona &#8211; Und täglich grüßt der Erzdämon“ von I. B. Zimmermann (sie/ ihr)</strong><br />
Ich muss zugeben, das letzte Buch auf dieser Liste passt nicht so zu den anderen. Aber trotzdem hat es seinen Platz verdient. Zur Abwechslung handelt es sich bei „Mona- Und täglich grüß der Erzdämon“ nicht um einen Buchhandlungsfund. Stattdessen hat die Autorin höchstpersönlich mein Interesse geweckt. Isabel auch bekannt unter den Künstlernamen „Honeyball“ und „Kritzelpixel“ ist Contentcreatorin, Künstlerin und vor allem ein sehr kreativer Kopf. Schon seit einigen Jahren verfolge ich ihre verschiedenen Projekte mit viel Freude und konnte auch dieses Buch kaum erwarten. Passend zu Halloween kam der Lesestoff handelnd von Hexen und Magie bei mir an.<br />
Das Urban Fantasy Buch liest sich ein wenig wie eine Sitcom und spielt in unserer Welt. Mit nur einem „kleinen“ Unterschied. Die magische Welt ist schon längst geoutet und niemanden interessiert es. Diese magische und doch manchmal sehr unperfekte Welt dürfen wir durch die Augen von Mona erleben. Sie ist Bewährungshexe und wacht nachts in einem Museum über magische Artefakte. Doch für sie ist das Zaubern vor allem eine Last, denn meist geht alles schief. Bester Beweis dafür ist der Erzdämon, den sie eigentlich nur einmalig beschwören wollte. Stattdessen taucht selbiger jedes Mal auf, wenn Mona sich unsicher fühlt und das ist nicht selten. Konflikte sind da vorprogrammiert. Wenn sich doch nicht noch andere Gefühle untermischen würden.<br />
Von dem heterosexuell wirkenden Hauptplot darf man sich dabei nicht täuschen lassen. Ob queere Vampire oder trans Skelette, das gesamte Buch strotzt nur so von Regenbögen. Zwar wird die Sexualität von Mona nie explizit erwähnt, zwischen den Zeilen lässt sich jedoch eine starke Tendenz zur Demisexualität bzw. dem Ace-Spektrum heraus lesen. Außerdem ist immer wieder das Konzept sehr fluider Geschlechter zu erkennen, welches auch stark von der ebenso genderfluiden Autorin beeinflusst ist.</p>
<p>All diese Werke haben mich dazu gebracht, dass mein Regal mittlerweile wieder prall gefüllt mit jeder Menge Bücher ist. Diese Bücher zeigen wie wichtig Repräsentation ist und wie divers der Büchermarkt sein könnte, wenn sich mehr Autor*innen daran ein Beispiel nehmen würden. Also schreibt mehr queere Bücher, damit ich sie lesen kann.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Radio Glow Girls &#8211; Interview mit Kuku von Tiam e.V.</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/02/radio-glow-girls-interview-mit-kuku-von-tiam-e-v/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Radioglowgirls]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Feb 2022 07:00:45 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Audios]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Vorbilder]]></category>
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					<description><![CDATA[Heute präsentieren wir wieder mal eine Sendung der Radioglowgirls, ein Interview mit Kuku. Kuku arbeitet für den Verein Trans-Inter-Aktiv Mitteldeutschland (TIAM), und setzt sich für geschlechtliche Vielfalt ein. In dem Interview geht es um “Geschlecht und Sex”. Kuku beantwortet dabei Fragen wie die, welche medizinischen oder juristischen Schritte trans* Personen gehen können oder erklärt was]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1"><strong>Heute präsentieren wir wieder mal eine Sendung der Radioglowgirls, ein Interview mit Kuku. Kuku arbeitet für den Verein Trans-Inter-Aktiv Mitteldeutschland (TIAM), und setzt sich für geschlechtliche Vielfalt ein. In dem Interview geht es um “Geschlecht und Sex”. Kuku beantwortet dabei Fragen wie die, welche medizinischen oder juristischen Schritte trans* Personen gehen können oder erklärt was der Begri<span class="s1">ﬀ</span> trans* eigentlich bedeutet. Hört gerne ‘rein!</strong></p>
<p><span id="more-14481"></span></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kreuzweise: Checklist Gesellschaft</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/01/kreuzweise-checklist-gesellschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Online-Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 13 Jan 2022 07:00:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Toleranz]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Angesichts der vielen Wahlwerbespots und zahlreichen politischen Versprechungen, die den Landtags- und Bundestagswahlen im vergangenen Jahr 2021 vorausgegangen sind, wurde &#8222;Kreuzweise &#8211; der Film-Ideenwettbewerb&#8220; ins Leben gerufen. Denn die Lockrufe der Parteien stimmen nicht immer mit den Interessen junger Menschen überein. Das Motto lautete: &#8222;Macht deutlich, was euch jetzt und für die Zukunft wichtig ist!&#8220;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="brz-fw-xs-im-400 brz-fw-sm-im-400 brz-fw-lg-400 brz-ft-google brz-ff-overpass brz-fs-xs-im-24 brz-fs-sm-im-24 brz-fs-lg-23"><strong><span style="font-size: 1.14285rem;">Angesichts der vielen Wahlwerbespots und zahlreichen politischen Versprechungen, die den Landtags- und Bundestagswahlen im vergangenen Jahr 2021 vorausgegangen sind, wurde &#8222;Kreuzweise &#8211; der Film-Ideenwettbewerb&#8220; ins Leben gerufen. Denn die Lockrufe der Parteien stimmen nicht immer mit den Interessen junger Menschen überein. Das Motto lautete: &#8222;</span><span class="brz-cp-color6">Macht deutlich, was euch jetzt und für die Zukunft wichtig ist!&#8220;</span></strong></p>
<p><strong>Wir dürfen euch heute einen der Gewinner*innen-Filme präsentieren. In &#8222;Checklist Gesellschaft&#8220; macht Robin Csodo aus Halle auf die gespaltene Gesellschaft aufmerksam. Ort und Handlung: die Aufnahmeprüfung an einer Grundschule in Halle, in der die Dinge aus dem Ruder laufen. Viel Spaß beim Anschauen!</strong></p>
<p><span id="more-14370"></span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Hier findet ihr <a href="https://kreuzweise2021.de/#Home" target="_blank" rel="noopener"><strong>weitere Infos zum Wettbewerb</strong></a> sowie die anderen Gewinner*innen-Filme.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zwischen Pinkwashing und Homonationalismus:  Was mir die Regenbogenflagge immer noch bedeutet</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/11/regenbogenflagge/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Mare]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Nov 2021 07:00:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Toleranz]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir freuen uns über einen neuen Text von Mare! Sie schreibt über die Regenbogenflagge. Das hat sie für meinTestgelände 2017 schon einmal getan. Was hat sich seitdem verändert? Was bedeutet es, dass wir die Regenbogenflagge immer häufiger sehen, dass sich Unternehmen, Produkte, Organisationen und ganze Staaten damit schmücken? Ist die Welt dadurch ein sicherer, ein]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir freuen uns über einen neuen Text von Mare! Sie schreibt über die Regenbogenflagge. Das hat sie für meinTestgelände 2017 <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/07/remembering-orlando-was-mir-die-regenbogenflagge-bedeutet/" target="_blank" rel="noopener">schon einmal getan</a>. Was hat sich seitdem verändert? Was bedeutet es, dass wir die Regenbogenflagge immer häufiger sehen, dass sich Unternehmen, Produkte, Organisationen und ganze Staaten damit schmücken? Ist die Welt dadurch ein sicherer, ein besserer Ort für LGBTQIA+-Personen geworden? Viel Spaß beim Lesen!</strong></p>
<p><span id="more-14313"></span></p>
<p>Es ist der 23. Juni 2021. Die deutsche Nationalmannschaft spielt gegen Ungarn in der Münchener Allianzarena. Aus Protest gegen die queerfeindliche Politik Orbáns und aus Trotz gegen die Entscheidung der UEFA, das Münchener Fußballstadion nicht in Regenbogenfahnen erstrahlen zu lassen, zeigen sich viele deutsche Städte solidarisch und wehen Regenbogenflaggen. Auch Social Media wird geflutet von regenbogenfarbenen Profilbildern und Posts. Mit dabei: Die UEFA selbst.</p>
<p>Vor vier Jahren schrieb ich bereits einen Beitrag auf meinTestgelände zu der Regenbogenflagge. Ich schrieb damals, dass sie vor allem eine Sache für mich bedeutet:</p>
<p>„Stolz. Stolz auf uns. Stolz auf den Mut, man selbst zu sein. Stolz auf die Menschen, die trotz aller Widerstände Rechte und Räume erkämpft haben. Stolz, dass wir einen Ort haben, an dem wir weinen können, uns gegenseitig halten können und dass dabei eine Flagge auf unserer Schulter liegt, die keinem Staat gehört, sondern uns.“</p>
<p>Diesen Beitrag hatte ich damals zum Jahrestag des Anschlages auf den queeren Nachtclub <i>Pulse </i>in Orlando geschrieben. Es war ein Ereignis, das mich und viele um mich herum zutiefst erschütterte. Viel hat sich seitdem verändert, in der Welt und in meinen Einstellungen. Einige Sachen zum Positiven, einige zum Negativen und einige Sachen, die ich noch nicht einordnen kann.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>„Pinkwashing“ ist in den letzten Jahren ein Begriff geworden, der immer mehr auf Social Media und unter Aktivist*innen herumgeistert. Laut Wikipedia bedeutet das Wort „Strategien, die durch das Vorgeben einer Identifizierung mit der LGBT-Bewegung bestimmte Produkte, Personen, Organisationen oder Staaten bewerben, um dadurch modern, fortschrittlich und tolerant zu wirken.“</p>
<p>Immer öfter höre ich diese Kritik: Firmen wollen nur unser Geld und zeigen deshalb die Regenbogenflagge, aber zeitgleich unterstützen sie homophobe Regierungen, wenn es für sie profitabel ist. Das Beispiel der UEFA ist dafür sehr anschaulich.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ein anderes Wort ist vor allem im Zuge des Ungarn-Deutschland-Spiels auch häufiger gefallen: Homonationalismus. Vereinfacht gesagt bezeichnet dieser Begriff eine Kombination aus Nationalstolz und pro-queeren Einstellungen. Einige Beispiele, die ich in den Tagen vor besagtem Länderspiel selber gesehen habe:<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Politiker*innen, die noch ein paar Wochen vorher gegen das Selbstbestimmungsgesetz für trans* Menschen gestimmt haben, aber sich selber auf die Schulter klopfen „weil sich Deutschland so offen und fortschrittlich zeigt!“</p>
<p>Leute, die sagen, wie toll doch Deutschland ist und ungarischen Personen Gewalt wünschen für die Taten ihrer Regierung, ohne dabei zu bedenken, dass es die (queeren) Menschen in Ungarn sind, die am meisten unter seiner Politik leiden.</p>
<p>Frontex, die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache, die maßgeblich an der Abschottung der „Festung Europas“ arbeitet und zum Massensterben im Mittelmeer beiträgt, veröffentlicht einen Post in Regenbogenfarben. Das zähle ich auch dazu, denn europäischer Patriotismus gehört genauso auf die Liste hier.</p>
<p>Hat sich also die Regenbogenflagge verkauft und ist, wie einige behaupten, nur noch ein Werbe- und Propagandamittel? Die Sache ist kompliziert.</p>
<p>Genauso wie sich Leute über diese Entwicklung beschweren, gibt es auch Menschen, denen es schwerfällt, Pinkwashing als ein Problem zu sehen. Ein Tweet ist mir dabei vor allem in Gedächtnis geblieben. „In meinem Land wird man verprügelt, wenn man eine Regenbogenflagge vom Balkon hängen lässt, und Europäer beschweren sich, wenn Unternehmen Regenbogenflaggen benutzen? Wisst ihr, wie viel ich dafür geben würde, in so einem Land zu leben?“</p>
<p>Außerdem ist es einfach, auszublenden, was für Prozesse in den Unternehmen an sich stattfinden. Oft sind es Mitarbeitende, die selber queer sind, die von innen heraus versuchen, positive Veränderungen zu bewirken. Natürlich ist Doppelmoral und heuchlerisches Verhalten von Unternehmen und Staaten zu kritisieren, aber dass queere Menschen überhaupt als Zielgruppe für Marketing und Propaganda gesehen werden, ist, so paradox es auch scheinen mag, ein immenser Fortschritt. Wir als queere Community dürfen nicht vergessen, wie weit wir eigentlich in den letzten Jahren gekommen sind und wie sehr wir noch vor einigen Jahren an den sozialen Rand gedrängt wurden.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Im Endeffekt sehe ich die Dinge so: Queer sein ist für mich nicht primär eine Identität, sondern eine politische Forderung, und die queere Community ist für mich vor allem eine politische Gemeinschaft. Das klingt vielleicht im ersten Moment merkwürdig, aber was ich damit meine ist, dass wir in unserer jetzigen Welt, die noch voller Hass, Verfolgung und Diskriminierung gegen queere Menschen ist, vor allem zusammenkommen, weil wir Forderungen an die Gesellschaft und die Politik haben, die wir noch nicht erfüllt sehen. In einer Welt komplett ohne Queerfeindlichkeit gäbe es vielleicht noch Labels wie „lesbisch“ oder „nicht-binär“, aber würden wir wirklich eine Community brauchen?</p>
<p>Die Regenbogenflagge ist für mich also eine politische Flagge, die mit politischen Forderungen verbunden ist. Eine Flagge, wie ich schon 2017 schrieb, „die keinem Staat gehört, sondern uns“. Aber was bedeutet sie jetzt? Für mich steht sie dafür, dass Menschen ein Recht darauf besitzen, frei von Diskriminierung leben und lieben zu dürfen, wie sie möchten. Das bedeutet für mich, dass jeder Mensch ein Anrecht darauf besitzt, dass seine*ihre Menschenrechte geachtet werden, und dazu gehört, dass Geschlechtsidentität und Sexualität frei ausgelebt werden dürfen.</p>
<p>Klingt erstmal ganz nett. Jetzt kommt aber der Haken: Wenn die Regenbogenflagge eine politische Flagge ist, dann heißt das, dass sie keine feste Bedeutung hat, sondern ihre Bedeutung in gesellschaftlichen Prozessen immer neu ausgehandelt wird. Ein Beispiel: Wofür steht Deutschland? Wofür sollte Deutschland stehen? Je nach politischer Einstellung kriegt man auf diese Frage unterschiedliche Antworten, und wofür im Endeffekt die Deutschlandfahne steht, ist kein festes Ergebnis, sondern verändert sich auch danach, wie genau die Diskussion darum in einem spezifischen Moment aussieht, und wen man fragt. Für die Regenbogenfahne also heißt das, dass die eigentlich wichtige Frage ist: Was will ich, wofür die Regenbogenflagge steht, und wie setze ich das um? Das ist eine offene Frage, auf die ich auch kein abschließendes Ergebnis präsentieren kann, sondern nur meine eigene Meinung.</p>
<p>Zusammenfassend also: Wenn wir Pinkwashing und Homonationalismus kritisieren, dürfen wir nicht vergessen, dass die bloße Existenz dieser Phänomene ein Zeichen dafür ist, wie weit wir als Bewegung schon gekommen sind. Gleichzeitig müssen wir uns aber auch laut in unseren Taten und Worten dafür einsetzen, dass die Regenbogenflagge eine Bedeutung besitzt, die es wert ist zu unterstützen, und nicht von Bewegungen vereinnahmt wird, die versuchen, ihre Bedeutung zu verändern.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Für mich persönlich heißt die Flagge: Jeder Mensch hat ein Recht auf ein Leben in Würde und Freiheit, nicht nur unabhängig von der Sexualität und Geschlechtsidentität, sondern auch von Herkunft, Hautfarbe, Religion und sozialer Herkunft. Und das versuche ich nicht zu vergessen, wenn ich die Regenbogenflagge wehen lasse.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Queer, queer, queer: <a href="https://www.meintestgelaende.de/schlagwort/queer/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Hier entlang!</strong></a></li>
</ul>
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			</item>
		<item>
		<title>FaulenzA Konzert in Dresden Queer Pride</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/11/faulenza-konzert-in-dresden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FaulenzA]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 02 Nov 2021 07:00:02 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Stimme Sticky]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Konzert]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[trans*]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Künstlerin FaulenzA war mit ihren grandiosen Songs live in Concert auf der Queer Pride in Dresden. Wir wünschen euch ganz viel Spaß mit ihrem großartigen Auftritt! We&#8217;re here, we&#8217;re queer, we&#8217;re fabulous, don&#8217;t mess with us! Mehr dazu: Mehr von FaulenzA findet ihr hier.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Künstlerin FaulenzA war mit ihren grandiosen Songs live in Concert auf der Queer Pride in Dresden. Wir wünschen euch ganz viel Spaß mit ihrem großartigen Auftritt! We&#8217;re here, we&#8217;re queer, we&#8217;re fabulous, don&#8217;t mess with us!</strong><br />
<span id="more-13645"></span><br />
<strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Mehr von FaulenzA <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/faulenza/" target="_blank" rel="noopener"><strong>findet ihr hier</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Falsch sein</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/10/falsch-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lina]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 Oct 2021 07:00:13 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Familie]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Dieser Text von unserer Autorin Lina erzählt die Geschichte einer jungen Person aus Mockau, Leipzig. Zuhause wird sie &#8218;Sophie&#8216; genannt, doch sie selbst nennt sich Gerrit. Und Gerrit ist auf der Suche. Nach Freund*innen, nach Zugehörigkeit, nach sich selbst, immer getrieben von der Sehnsucht, endlich keine falsche Rolle mehr spielen zu müssen. Wir wünschen euch]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Dieser Text von unserer Autorin Lina erzählt die Geschichte einer jungen Person aus Mockau, Leipzig. Zuhause wird sie &#8218;Sophie&#8216; genannt, doch sie selbst nennt sich Gerrit. Und Gerrit ist auf der Suche. Nach Freund*innen, nach Zugehörigkeit, nach sich selbst, immer getrieben von der Sehnsucht, endlich keine falsche Rolle mehr spielen zu müssen. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!</b></p>
<p><span id="more-13622"></span></p>
<p>Wenn du aufwächst lernst du falsch zu sein.</p>
<p>Es fängt bei dem ungeliebten Onkel an, bei welchem du jedes Mal vorgeben musst, alles, was er sagt, lustig zu finden oder zumindest nicht auf seine stichelnden Aussagen auf die Politik bezogen zu reagieren.</p>
<p>Wenn du aufwächst lernst du falsch zu sein.</p>
<p>Kleine Splitterpersönlichkeiten in unterschiedlichen Freundeskreisen. Tiefes Durchatmen auf der Restauranttoilette, bevor es zurück geht zu der Familienfeier, bei welcher du dich ständig unter dem Tisch kneifst. Wangen die vom falschen Lächeln schmerzen.</p>
<p>Wenn du aufwächst lernst du falsch zu sein.</p>
<p>Schule als gesellschaftliches Horrorsystem, mit strikten Kategorien im Sportunterricht gefestigt. Die Umkleide davor als Zerreißprobe der Körperscham.</p>
<p>Wenn du aufwächst lernst du falsch zu sein.</p>
<p>„Sophie, gibst du deinem Vater bitte die Leberwurst?“<br />
„Sophie, zur Geburtstagsfeier deines Onkels solltest du schon ein Kleid anziehen, das gehört sich einfach so für ein Mädchen.“<br />
„Sophie, warum bringst du denn nie Freunde von dir mit?“</p>
<p>Wenn du aufwächst lernst du falsch zu sein.</p>
<p>„Sophie ist nicht mein Name“, hätte Gerrit gerne gesagt.<br />
„Ich bin kein Mädchen“, hätte Gerrit gerne gesagt.<br />
„Ich habe keine Freunde, die mich so nennen wie ihr mich nennt. Ich habe keine wirklichen Freunde, die nach Mockau kommen würden, hinten in die Siedlung an dem großen Wiesenplatz, vorbei, wo das Stadtteilfest manchmal stattfindet und sich dort an einen Tisch mit euch setzen würden. Ich habe keine Freunde, die mich so kennen wie ihr mich kennt“, hätte Gerrit gerne gesagt.</p>
<p>Wenn du aufwächst lernst du falsch zu sein.<br />
Füße wippen unruhig unter dem Esstisch, Nägel sind abgekaut.<br />
Kapuze tief im Gesicht.<br />
Das Zimmer voller Poster.<br />
Eine Schublade unter dem Bett gefüllt mit Zeichnungen, Gedichten und einem Binder.<br />
Wenn du aufwächst lernst du falsch zu sein.<br />
Gerrit hatte nicht das Pronomen sie.<br />
Gerrit hatte auch nicht das Pronomen er.<br />
Gerrit war einfach Gerrit.</p>
<p>Wenn du aufwächst dann lernst du falsch zu sein.</p>
<p>Gerrit wusste nicht, wie ihre Eltern reagieren würden.<br />
Kein Junge, kein Mädchen.<br />
Irgendwie dazwischen oder ganz woanders.<br />
Über ‚solche Personen‘ riss Gerrits Vater meistens Witze oder verdrehte nur die Augen.<br />
Niemand verstand es.</p>
<p>Wenn du aufwächst lernst du falsch zu sein.</p>
<p>Gerrit sagte meistens wenig.<br />
Es gibt am Oberschenkel diese Stelle, die etwas weicher ist und sich gut drücken lässt.<br />
Flecken die so weit oben waren, dass diese selbst in der Sportumkleide unsichtbar waren.</p>
<p>Wenn du aufwächst lernst du falsch zu sein.</p>
<p>Am Esstisch in Mockau wurde ein Filmset aufgebaut.<br />
Gerrit versetzte sich in ihre Lieblingscharaktere und versuchte wie sie zu reagieren, wie sie zu sprechen, wie sie zu fühlen und zu handeln.<br />
Gerrit kannte es eine Rolle zu spielen.<br />
Klamotten, die Gerrit aufgezwungen wurden, waren die Garderobe ihrer Künstlerpersönlichkeit und Gerrit performte einwandfrei.</p>
<p>Wenn du aufwächst lernst du falsch zu sein.</p>
<p>Das erste Mal, das Gerrit ausgesprochen hatte, dass sie nicht-binär war, war während eines Gewitters.<br />
Trommelnder Regen gegen das Fenster in der Dachschräge und Worte, die sich gegen den Sturm fast unbedeutend anhörten.</p>
<p>Wenn du aufwächst lernst du falsch zu sein.</p>
<p>In der Schule war es eine andere Rolle die Gerrit spielte.<br />
Die Rolle eines schüchternen Mädchens, welches lieber für sich blieb.<br />
Gerrit beobachtete, wie andere ihre Rollen besser spielten.<br />
Besonders gut waren die beiden Jungen aus der Parallelklasse, welche sich nicht zu mögen schienen und in Sportwettkämpfen immer wieder aneinandergerieten. Das was diese Jungen hinter der Schule getan hatten, als Gerrit weinend aus einem Unterricht gerannt war, taten nicht unbedingt Personen, die sich nicht mochten.<br />
Doch was wusste Gerrit schon.</p>
<p>Wenn du aufwächst lernst du falsch zu sein.</p>
<p>Leichtathletik Training – da hätte Gerrit drei Mal in der Woche sein gemusst.<br />
Dort spielte Gerrit keine Rolle denn dort war Gerrit nicht.<br />
Gerrit war bei Freunden aus ihrer Jugendgruppe oder bei der Jugendgruppe selbst.<br />
Gerrits Rolle war bei diesen Freunden Gerrit.<br />
Gerrit hörte zu, wie andere ihrer Freunde ähnliche Probleme hatten. Gerrit hörte zu, wie andere Freunde ausgezogen waren und das Leben lebten, von dem sie immer träumte, wenn sie durch Leipzig mit der 9 in Richtung Thekla oder in der 1 in Richtung Mockau fuhr.</p>
<p>Wenn du aufwächst dann lernst du falsch zu sein.</p>
<p>Bei Gerrits erstem CSD war sie mit ihren Freunden und musste sich 2 Tränen aus dem Augenwinkel wischen. Gerrit würde dies später nicht zugeben.<br />
Gerrit bekam eine Regenbogenfahne geschenkt, welche mit in die kleine Schublade unter dem Bett wandern würde und war überwältigt.</p>
<p>Wenn du aufwächst lernst du falsch zu sein.</p>
<p>Auf dem Weg nach Mockau nahm Gerrit die Sticker, welche auf Oberteil und Rucksack geklebt wurden, ab.<br />
Die Bemalung im Gesicht hatte Kim mit einem Feuchttuch von Gerrits Wange entfernt noch während sie als Gruppe auf dem Leipziger Marktplatz standen.<br />
Kim war dabei vorsichtig gewesen und hatte Gerrits Gesicht umgriffen.<br />
Gerrit hatte dabei kurz vergessen zu atmen.</p>
<p>Wenn du aufwächst lernst du falsch zu sein.</p>
<p>Gerrit lief durch die Mockauer Siedlung vorbei an der großen Wiese, auf welcher das Stadtteilfest stattfinden würde auf dem Weg zu einem weiteren Mal Esstisch mit den Eltern.<br />
Ein weiteres Mal wippende Beine, abgekaute Nägel und nicken.<br />
Ein weiteres Mal an dem Filmset zu Hause eine Rolle spielen.<br />
Ein weiteres Mal Sophie genannt werden.</p>
<p>Wenn du aufwächst lernst du falsch zu sein.</p>
<p>Gerrit würde sich irgendwann von ihrer Rolle verabschieden.<br />
Gerrit würde irgendwann den Mut aufbringen Kim zu fragen mal was allein zu machen.<br />
Irgendwann war aber nicht jetzt.</p>
<p>Wenn du aufwächst lernst du falsch zu sein.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Lina ist übrigens auch Slam Poetin.<a href="https://www.instagram.com/lina_kloepper/?hl=de" target="_blank" rel="noopener"><strong> Hier geht&#8217;s zu ihrem Insta-Profil</strong></a>!</li>
<li>Und wenn ihr mehr von Lina lesen mögt, <strong><a href="https://brimborium-verlag.de/produkt/liebe-und-das-gegenteil-lina-kloepper-jetzt-vorbestellen/">hier gehts zur ihrem aktuellen Buch</a></strong>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Ansage &#8211; Wie viel Gleichberechtigung steckt in den Wahlprogrammen 2021?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/09/die-ansage-wie-viel-gleichberechtigung-steckt-in-den-wahlprogrammen-2021/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Online-Redaktion]]></dc:creator>
		<pubDate>Sun, 19 Sep 2021 10:45:25 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[#Bundestagswahl2021]]></category>
		<category><![CDATA[#Geschlechtergerechtigkeit]]></category>
		<category><![CDATA[#Parteien]]></category>
		<category><![CDATA[#Wahl]]></category>
		<category><![CDATA[#Wahl2021]]></category>
		<category><![CDATA[#Wahlprogramme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Geflüchtete]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[trans*]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=13407</guid>

					<description><![CDATA[Willkommen bei unserem neuen Format „Die Ansage“. In unserem ersten Video haben wir uns die Wahlprogramme zur Bundestagswahl der sechs größten Parteien vorgenommen. Wir haben uns angeschaut, wie die Parteien mit den Themen Gender und Geschlechtergerechtigkeit umgehen, damit ihr es nicht tun müsst. Moderation: Abdul Kader Chahin Regie &#38; Konzept: Luisa Ederle &#38; Anton Dudda]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Willkommen bei unserem neuen Format „Die Ansage“. In unserem ersten Video haben wir uns die Wahlprogramme zur Bundestagswahl der sechs größten Parteien vorgenommen. Wir haben uns angeschaut, wie die Parteien mit den Themen Gender und Geschlechtergerechtigkeit umgehen, damit ihr es nicht tun müsst.</strong></p>
<p>Moderation: Abdul Kader Chahin<br />
Regie &amp; Konzept: Luisa Ederle &amp; Anton Dudda<br />
Kamera: Ayman Srmaney<br />
Schnitt: Nico Schander</p>
<p><a class="yt-simple-endpoint style-scope yt-formatted-string" dir="auto" spellcheck="false" href="https://www.youtube.com/watch?v=EN4TzyVIdVw&amp;t=0s">00:00</a><span class="style-scope yt-formatted-string" dir="auto"> Einleitung<br />
</span> <a class="yt-simple-endpoint style-scope yt-formatted-string" dir="auto" spellcheck="false" href="https://www.youtube.com/watch?v=EN4TzyVIdVw&amp;t=27s">00:27</a><span class="style-scope yt-formatted-string" dir="auto"> Einführung Parteien </span><br />
<a class="yt-simple-endpoint style-scope yt-formatted-string" dir="auto" spellcheck="false" href="https://www.youtube.com/watch?v=EN4TzyVIdVw&amp;t=380s">06:20</a><span class="style-scope yt-formatted-string" dir="auto"> Teilhabe &amp; Gesetze </span><br />
<a class="yt-simple-endpoint style-scope yt-formatted-string" dir="auto" spellcheck="false" href="https://www.youtube.com/watch?v=EN4TzyVIdVw&amp;t=563s">09:23</a><span class="style-scope yt-formatted-string" dir="auto"> Lohnarbeit &amp; Quoten </span><br />
<a class="yt-simple-endpoint style-scope yt-formatted-string" dir="auto" spellcheck="false" href="https://www.youtube.com/watch?v=EN4TzyVIdVw&amp;t=765s">12:45</a><span class="style-scope yt-formatted-string" dir="auto"> Gender Pay Gap &amp; Gleichstellung im Beruf </span><br />
<a class="yt-simple-endpoint style-scope yt-formatted-string" dir="auto" spellcheck="false" href="https://www.youtube.com/watch?v=EN4TzyVIdVw&amp;t=905s">15:05</a><span class="style-scope yt-formatted-string" dir="auto"> Teilhabe &amp; Bildung </span><br />
<a class="yt-simple-endpoint style-scope yt-formatted-string" dir="auto" spellcheck="false" href="https://www.youtube.com/watch?v=EN4TzyVIdVw&amp;t=1020s">17:00</a><span class="style-scope yt-formatted-string" dir="auto"> Algorithmen </span><br />
<a class="yt-simple-endpoint style-scope yt-formatted-string" dir="auto" spellcheck="false" href="https://www.youtube.com/watch?v=EN4TzyVIdVw&amp;t=1068s">17:48</a><span class="style-scope yt-formatted-string" dir="auto"> LGBTQI+ </span><br />
<a class="yt-simple-endpoint style-scope yt-formatted-string" dir="auto" spellcheck="false" href="https://www.youtube.com/watch?v=EN4TzyVIdVw&amp;t=1156s">19:16</a><span class="style-scope yt-formatted-string" dir="auto"> TSG </span><br />
<a class="yt-simple-endpoint style-scope yt-formatted-string" dir="auto" spellcheck="false" href="https://www.youtube.com/watch?v=EN4TzyVIdVw&amp;t=1248s">20:48</a><span class="style-scope yt-formatted-string" dir="auto"> Maßnahmen zur Unterstützung der LGBTQI+ Community </span><br />
<a class="yt-simple-endpoint style-scope yt-formatted-string" dir="auto" spellcheck="false" href="https://www.youtube.com/watch?v=EN4TzyVIdVw&amp;t=1320s">22:00</a><span class="style-scope yt-formatted-string" dir="auto"> Familie </span><br />
<a class="yt-simple-endpoint style-scope yt-formatted-string" dir="auto" spellcheck="false" href="https://www.youtube.com/watch?v=EN4TzyVIdVw&amp;t=1373s">22:53</a><span class="style-scope yt-formatted-string" dir="auto"> Abstammungsrecht </span><br />
<a class="yt-simple-endpoint style-scope yt-formatted-string" dir="auto" spellcheck="false" href="https://www.youtube.com/watch?v=EN4TzyVIdVw&amp;t=1497s">24:57</a><span class="style-scope yt-formatted-string" dir="auto"> Gesundheit &amp; Gender Data Gap </span><br />
<a class="yt-simple-endpoint style-scope yt-formatted-string" dir="auto" spellcheck="false" href="https://www.youtube.com/watch?v=EN4TzyVIdVw&amp;t=1556s">25:56</a><span class="style-scope yt-formatted-string" dir="auto"> Schwangerschaftsabbrüche<br />
</span><a class="yt-simple-endpoint style-scope yt-formatted-string" dir="auto" spellcheck="false" href="https://www.youtube.com/watch?v=EN4TzyVIdVw&amp;t=1704s">28:24</a><span class="style-scope yt-formatted-string" dir="auto"> Gewalt </span><br />
<a class="yt-simple-endpoint style-scope yt-formatted-string" dir="auto" spellcheck="false" href="https://www.youtube.com/watch?v=EN4TzyVIdVw&amp;t=1808s">30:08</a><span class="style-scope yt-formatted-string" dir="auto"> Flucht &amp; Geschlecht<br />
</span><a class="yt-simple-endpoint style-scope yt-formatted-string" dir="auto" spellcheck="false" href="https://www.youtube.com/watch?v=EN4TzyVIdVw&amp;t=1910s">31:50</a><span class="style-scope yt-formatted-string" dir="auto"> Fazit</span></p>
<p>Wahlprogramme: <a href="https://www.bundestagswahl-2021.de/wahlprogramme/" target="_blank" rel="noopener">https://www.bundestagswahl-2021.de/wahlprogramme/</a></p>
<p>Wahl-O-Mat: <a href="https://www.wahl-o-mat.de/" target="_blank" rel="noopener">https://www.wahl-o-mat.de/</a></p>
<p>Frauenquote in börsennotierten Unternehmen: <a href="https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/frauenquote-unternehmen-fuenf-jahre-100.html" target="_blank" rel="noopener">https://www.zdf.de/nachrichten/wirtschaft/frauenquote-unternehmen-fuenf-jahre-100.html</a></p>
<p>Entscheidung der SPD gegen Änderung TSG: <a href="https://www.zeit.de/zett/politik/2021-05/transsexuellengesetz-bundestag-ablehung-groko-gesetzentwurf-gruene-selbstbestimmungsgesetz-tsg" target="_blank" rel="noopener">https://www.zeit.de/zett/politik/2021-05/transsexuellengesetz-bundestag-ablehung-groko-gesetzentwurf-gruene-selbstbestimmungsgesetz-tsg</a></p>
<p>Fall Akkermann:<br />
<a href="https://taz.de/Entscheidung-zum-Abstammungsrecht/!5757208/" target="_blank" rel="noopener">https://taz.de/Entscheidung-zum-Abstammungsrecht/!5757208/</a><br />
<a href="https://freiheitsrechte.org/pm-akkermann-bverfg/" target="_blank" rel="noopener">https://freiheitsrechte.org/pm-akkermann-bverfg/</a></p>
<p>GFF: <a href="https://freiheitsrechte.org" target="_blank" rel="noopener">https://freiheitsrechte.org</a></p>
<p>Komplexität von Geschlecht: <a href="https://www.bpb.de/apuz/135433/geschlecht-und-geschlechterrolle-soziobiologische-aspekte?p=all" target="_blank" rel="noopener">https://www.bpb.de/apuz/135433/geschlecht-und-geschlechterrolle-soziobiologische-aspekte?p=all</a></p>
<p>Intersektionalität Kimberle Crenshaw: <a href="https://chicagounbound.uchicago.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1052&amp;context=uclf" target="_blank" rel="noopener">https://chicagounbound.uchicago.edu/cgi/viewcontent.cgi?article=1052&amp;context=uclf</a></p>
<p>Intersektionalität als Mehrebenenanalyse Winker/ Degele: <a href="https://tore.tuhh.de/bitstream/11420/384/1/Intersektionalitaet_Mehrebenen.pdf" target="_blank" rel="noopener">https://tore.tuhh.de/bitstream/11420/384/1/Intersektionalitaet_Mehrebenen.pdf</a></p>
<p>Gewalt gegen Männer: <a href="https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/gewalt-in-partnerschaften-bleibt-auch-2019-auf-hohem-niveau-162194" target="_blank" rel="noopener">https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/alle-meldungen/gewalt-in-partnerschaften-bleibt-auch-2019-auf-hohem-niveau-162194</a></p>
<p>Wählen ab 16:<br />
<a href="https://www.dw.com/de/w%C3%A4hlen-schon-mit-16/a-54430089" target="_blank" rel="noopener">https://www.dw.com/de/w%C3%A4hlen-schon-mit-16/a-54430089</a></p>
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		<title>cis oder stirb</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/09/cis-oder-stirb/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Jungen* Wettbewerb 2021]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 16 Sep 2021 07:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Jungen]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Isaak Eden schreibt über Geschlechterrollen, Hass, schädliche Erwartungen und Normen in unserer Gesellschaft, die nicht nur Frauen, sondern alle Geschlechter und damit auch Männer betreffen. Er plädiert für eine zarte Männlichkeit. Volle Zustimmung! Mit diesem Text hat er den 3. Platz bei unserem Jungen*Wettbewerb belegt. Wir gratulieren herzlich und wünschen euch viel Freude beim Lesen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<div class="page" title="Page 1">
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<div class="column">
<p><strong>Isaak Eden schreibt über Geschlechterrollen, Hass, schädliche Erwartungen und Normen in unserer Gesellschaft, die nicht nur Frauen, sondern alle Geschlechter und damit auch Männer betreffen. Er plädiert für eine zarte Männlichkeit. Volle Zustimmung! Mit diesem Text hat er den 3. Platz bei unserem Jungen*Wettbewerb belegt. Wir gratulieren herzlich und wünschen euch viel Freude beim Lesen.</strong></p>
<p><span id="more-13339"></span></p>
<p>Männer sollen in Deutschland 180cm groß sein, aber ich werde immer kompakte 170cm bleiben. Männer sollen einen Bart und stark behaarte Beine haben, aber mein Körper produziert eher wenig Haare. Sie sollen eine (also nicht mehrere oder keine) Frau heiraten, aber ich habe kein Interesse an Frauen, was über Freundschaft hinausgeht. Und zu guter Letzt sollen sie auch noch einen mittelgroßen Penis und zwei Hoden haben. Die cissexistische, patriarchale, deutsche Gesellschaft stellt eine Bandweite an Anforderungen an mich (und alle anderen Männer), bei deren Erfüllung jedoch ein angenehmes, sorgenfreies Leben wartet&#8230; oder? Oder?</p>
<p>Ich konnte und kann nur wenige Männlichkeits-Erwartungen erfüllen, was mich vor allem während meiner Schulzeit sehr deprimierte. Wie viele andere Jungs und Männer vor mir, dachte auch ich, dass irgendetwas mit mir nicht stimmt, dass ich unmännlich sei, ein Mann zweiter Klasse, ein Mensch zweiter Klasse. Ich war wirklich fest davon überzeugt, dass ich eine schlechte Person sei, weil ich z.B. schon seit dem Kindergarten gerne pink trage, „obwohl“ ich doch ein Junge (bzw. jetzt Mann) bin.</p>
<p>Nachdem ich einige Menschen, Bücher und Dokumentationen im Internet kennengelernt hatte, wurde mir zum Glück bewusst, wie arbiträr und vor allem sinnlos und gewalttätig diese ganzen Männlichkeits-Ideale sind &#8211; warum zur Hölle gilt Queerness als unmännlich? Was sagt es über uns als Gesellschaft aus, wenn wir nur Personen mit Bartwuchs als Männer akzeptieren und somit (oftmals) trans* und inter* Männer abwerten?</p>
<p>Für feministische, gesunde, zarte Männlichkeit gibt es in der deutschen Mehrheitsgesellschaft einfach keine Grundlage, ganz im Gegenteil: Jungs, Kleinkindern und sogar Neugeborenen wird von den meisten (!) Eltern leider immer noch u. A. gesagt: „nein du darfst nicht damit spielen, weil das nur für Mädchen ist und ich keine trans* Frau als Kind haben möchte, wenn du dich im Laufe deines Lebens als trans* outen solltest, enterbe ich dich sofort :)“, „wein mal nicht lol“, „zieh das nicht an, sonst wirst du schwul und ich hasse Schwule“ etc.</p>
<p>Natürlich sprechen Leute selten so explizit queerfeindlich, sondern verpacken ihren Hass als „wohlgemeinte Ratschläge“, aber am Ende des Tages ist es doch genau das – Geschwister, Cousins, Eltern wollen nicht, dass ihre Söhne z.B. schwul sind, weil sie selbst schwule, trans*, bisexuelle, pansexuelle, queere Männer hassen.</p>
<p>Ähnlich verhält es sich mit allen Dingen, die mit Frauen oder Weiblichkeit assoziiert werden: weil unsere Gesellschaft eben Frauen hasst, sind z.B. Tätigkeiten wie Nähen, Kinderbetreeung, Pflege, nett sein, Make Up tragen eine Schande für Männer. Das liegt nicht daran, dass z.B. Kinderbetreuung besonders schlecht für die Umwelt wäre, sondern einzig und allein daran, dass es angeblich eine „Frauensache“ ist, was schon ausreicht.</p>
<p>Wenn wir die Situation für Männer verbessern (also sie nicht mehr verachten wollen, wenn sie z.B. Nagellack tragen) wollen, dann kommen wir nicht drum herum, unseren Frauenhass abzubauen. Sobald etwas nämlich nicht (mehr) als „Frauensache“ gilt, werden Männer auch nicht dafür verurteilt, diesem Hobby nachzugehen.</p>
<p>Briefmarken sammeln? Klar, warum nicht. Schwimmen gehen? Sure, go for it. Röcke tragen? Nee sorry Mann, das machen in Deutschland nur Frauen und Frauen werden hier gehasst, weißte doch selber.</p>
</div>
</div>
</div>
<div class="page" title="Page 2">
<div class="layoutArea">
<div class="column">
<p>Um zum Anfang zurück zu kommen: Dass Männer wie ich, welche die Ideale nicht erfüllen, deshalb ausgeschlossen werden und unangebrachte Kommentare abbekommen, ist leider nicht verwunderlich. Aber was passiert mit den Leuten, die das Glück haben, perfekt in diese willkürlichen Standards reinzupassen?</p>
<p>Nun ja, der Witz ist, dass Männer, selbst wenn sie alle Ideale erfüllen, groß, durchtrainiert und normschön sind, es sie trotzdem nicht vor Trans*feindlichkeit und Frauenhass bewahrt. Heute bist du vielleicht Kfz-Mechatroniker, aber morgen hast du einen Arbeitsunfall, kannst deshalb nicht weiter arbeiten und musst zu Hause bleiben, während deine Ehefrau weiterhin Anwältin ist: tja, tut mir Leid, aber für deine Freund*innen bist du jetzt leider „die Hausfrau“ und wirst deshalb belächelt und beleidigt weil -und das kann man nicht oft genug betonen-, unsere Gesellschaft alles, was mit Frauen zu tun hat, hasst.</p>
<p>Oder okay, du hast vielleicht heute zwei Hoden, aber was ist, wenn bei dir nächstes Jahr Hodenkrebs entdeckt wirst und ein (oder sogar zwei) Hoden entfernt werden muss? Ich sage, dass du immer noch ein Mann bist, aber deine Arbeitskolleg*innen, Freund*innen und wahrscheinlich sogar deine eigene Familie wird mir da leider widersprechen, weil sie Männer ohne Hoden (was vor allem trans* und inter* Männer sind) eben hasst. Und da ist es egal, dass du ein cis Mann bist und dich nie als trans* Mann outen musstest, von Geburt bis heute als Mann gelebt und so wahrgenommen und akzeptiert wurdest – in unserer trans*feindlichen Gesellschaft gilt das Motto: kein Hoden, kein Mann.</p>
<p>Und wenn du cis Mann ohne 2 Hoden auch ausgeschlossen, ausgelacht, ausgegrenzt, diskriminiert wirst, ist das den Leuten in deinem Umfeld wahrscheinlich egal.<br />
Ein paar werden (wenn du Glück hast) vereinzelt sagen, dass du ihnen furchtbar leid tust und sie dich natürlich immer noch als Mann sehen, aber wie sehr kannst du ihnen das glauben?</p>
<p>Wie sehr möchtest du ihnen das glauben, wenn dieselben Leute auch meinten, dass sie deine Bekannte Maria, eine trans* Frau, selbstverständlich als Frau sehen würden, aber sie trotzdem regelmäßig als „er“ ansprechen, mit der Begründung, „er habe ja noch nicht mal eine Vagina“?</p>
<p>In unserer cissexistischen Mülltonne von Gesellschaft heißt es „cis oder stirb“, „Frauen sind weniger wert als Männer“ und von Rassismus und Nazis bei der Polizei muss ich gar nicht erst anfangen.<br />
Natürlich will ich bei sowas nicht mitmachen. Ich weiß, dass ich ein Mann bin, egal, was mir besagte Mülltonne durch Arbeitskolleg*innen und Medien vermitteln will. Außerdem muss ich im Gegensatz zu den allermeisten Männern nicht betonen, wie sehr ich Frauen und/ oder Queers hasse, da meine Männlichkeit weder von Misogynie noch Queerfeindlichkeit abhängt. Let that sink in.</p>
<p>Ich hab überhaupt keinen Bock mehr auf diesen Hass gegen queere Menschen. Ich habe gar keinen Bock mehr darauf, jeden Tag meine Menschlichkeit mit Leuten, „die es ja nur nett meinen“, verhandeln zu müssen. Queere Männer leben &#8211; ich lebe und ich verdiene denselben Respekt wie cishetero Männer. Ich verdiene dasselbe Adoptionsrecht, dasselbe Blutspendegesetz, denselben Schutz vor Diskriminierung am Arbeitsplatz, dieselbe Lebensqualität. Respect our existence or expect resistance.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Hier kommt ihr zum <strong>Text, der den 2. Platz</strong> belegt hat, und <a href="https://www.meintestgelaende.de/2021/08/verzerrte-sicht/" target="_blank" rel="noopener"><strong>hier zum Gewinner-Beitrag</strong></a>.</li>
</ul>
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</div>
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		<item>
		<title>Meine Augen sind rot</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/08/meine-augen-sind-rot/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Celine]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Aug 2021 07:00:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir freuen uns über einen neuen Text von Celine! Atmosphärisch und beinahe lyrisch schreibt sie über verwirrende, aber eigentlich doch recht eindeutige Gefühle, über Begehren, über Liebe, über Angst und über ihre ganz persönliche Definition von Freiheit. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen und beim Hineinfühlen! Die Sonne scheint, Kirschblüten fliegen durch die Gegend,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir freuen uns über einen neuen Text von Celine! Atmosphärisch und beinahe lyrisch schreibt sie über verwirrende, aber eigentlich doch recht eindeutige Gefühle, über Begehren, über Liebe, über Angst und über ihre ganz persönliche Definition von Freiheit. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen und beim Hineinfühlen!</strong></p>
<p><span id="more-13278"></span></p>
<p>Die Sonne scheint, Kirschblüten fliegen durch die Gegend, ein leichter Wind… und das Gefühl von einem kleinen bisschen Freiheit…<br />
FREI von allem was um dich herum passiert, von allem was auf dir lastet…</p>
<p>von dem was ich fühle, neue Gefühle, Gefühle für eine Frau die mich so verwirren, ein Gefühl das ich vorher noch nicht kannte, dann dieses Gefühl nicht mehr dazu zugehören, ein Gefühl von Einsamkeit …<br />
ein Gefühl von .. ich muss traurig sein ..</p>
<p>Das Gefühl, das ich merke das hier ist nicht meine Zukunft.</p>
<p>So wie es jetzt ist, ist es nicht das was ich will.<br />
Ich will doch da sein wo ich mich FREI fühlen kann…</p>
<p>Ich vergrab mein Gesicht in meinen Armen… das Gefühl von ENGE nichts dagegen tun zu können… Die Sonne scheint, und ich sitze hier… sehe im Moment alles so GRAU, ob das wieder nur eine Phase ist?</p>
<p>Und meine Augen sind Rot … Und alles ist so leise, fühle mich aber ganz laut …</p>
<p>DOCH MAN HÖRT MICH NICHT … Die Augen sind rot und ich stehe auf und gehe wieder nach haus und dann, dann ist da nicht mehr von diesem kleines bisschen Freiheit… Die Augen sind Rot…</p>
<p>Mein Bauchgefühl sagte mir sofort sie ist besonders, aber wie erkläre ich ihr das?<br />
Diese Frau war soviel reifer als ich, für sie bin ich nur ein kleines Mädchen die keine Ahnung von Liebe zwischen einer Frau und Frau hat.</p>
<p>Doch sie hatte diese Art, mit mir umzugehen so wie es noch nie jemand vorher getan hatte. Es war das erste mal für mich das ich so fühlte… so neu… Diese Frau wusste was liebe bedeutet.<span class="Apple-converted-space"> </span><br />
Wusste wie viel es auslöste mich zu berühren, mir in die Augen zuschauen… Ich verlor mich in ihren… Sie wusste wie sie mit mir reden musste damit ich ihr alles erzählte, mich ihr öffne…</p>
<p>Ich hatte mich für einen Moment in ihren Armen verloren… zum ersten mal mich sicher und verstanden gefühlt… Sie hatte mich unter Kontrolle, wenn ich traurig war … Sie hatte mich unter Kontrolle wenn ich durcheinander fühlte…</p>
<p>Sie wusste ich würde fallen… mich fallen lassen in ihren Armen… Sie hatte diese Kontrolle über meine Wut…Sie wusste wie man mich zu beruhigen hat…<br />
Dieses Gefühl ist so neu für mich… Kann an nichts anderes mehr denken… Ich suche ich ihre Augen in anderen… doch ich finde sie nicht…<br />
Du bist so einzigartig, so umwerfend… so schön und so warm … du bist so viel Frau … so perfekt…</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Die Liebe, die Liebe: Mehr Texte zu diesem schönen und doch oft schmerzhaftem Thema <a href="https://www.meintestgelaende.de/schlagwort/liebe/" target="_blank" rel="noopener"><strong>findet ihr hier</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>#wosindqueer &#8211; eine proklamation</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/07/wosindqueer-eine-proklamation/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sven Hensel]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Jul 2021 07:00:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Homofeindlichkeit]]></category>
		<category><![CDATA[Homosexualität]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=13140</guid>

					<description><![CDATA[Wir freuen uns heute über einen Text von Sven Hensel! In #wosindqueer schreibt er über Queerfeindlichkeit, die ihm schon begegnete, als Sexualität noch gar keine Rolle in seinem Leben spielte. Er schreibt über die Macht der Worte und darüber, wieso es eine Rolle spielt, wer welche Begriffe benutzt — und mit welcher Intention. Er schreibt über Ermächtigung]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir freuen uns heute über einen Text von Sven Hensel! In #wosindqueer schreibt er über Queerfeindlichkeit, die ihm schon begegnete, als Sexualität noch gar keine Rolle in seinem Leben spielte. Er schreibt über die Macht der Worte und darüber, wieso es eine Rolle spielt, wer welche Begriffe benutzt </strong><b>— </b><strong>und mit welcher Intention. Er schreibt über Ermächtigung und über Solidarität. Und ihr solltet all das unbedingt lesen! 🏳️‍🌈🏳️‍🌈🏳️‍🌈 [CN: Gay Slurs, queerfeindliche Gewalt]</strong></p>
<p><span id="more-13140"></span></p>
<p>Ich bin eine Schwuchtel, eine Tunte, ein Trine,<br />
ein Arschficker, eine perverse Sau, eine Schlampe, ein Sünder.<br />
Ich bin tuckig, zickig, emotional, irrational, weibisch.<br />
Ich lasse mich in den Arsch ficken, ich lutsche Schwänze, ich schlucke Sperma.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Hi, ich bin Sven.<br />
Es gab viele Jahre in meinem Leben, in denen diese Worte und Sätze mir,<br />
sobald sie in Verbindung mit mir Erwähnung fanden, es kalt den Rücken haben runterlaufen lassen. Fremdzuschreibungen, von denen ich die meisten, wenn nicht alle, in ihrer Gewalt schon hörte,<br />
noch bevor mein Alter zweistellig war. Es waren Worte, um mich und mein Sein zu devaluieren,<br />
lange bevor Sex oder Sexualität für mich auch nur irgendeine Gewichtung hatte.<br />
So wurde auch von Gleichaltrigen nie mein vermeintliches sexuelles Verhalten damit kommentiert, sondern war die Intention, mich ob meiner Andersartigkeit zu beleidigen. So wurde ich mir auch meiner selbst erst gewahr, indem Andere mich mir &#8211; wenn auch in einem, milde gesagt, unfreundlichem Ton &#8211; kommunizierten.</p>
<p>Ich wurde nicht homosexuell geboren. Versteht mich nicht miss, meine Queerness ist mir inhärent, ob sozial, biologisch, oder ob meine Seele vor Geburt in einen Topf voll mit Gay gefallen ist: das ist meine Natur, mein Wesen, mein Sein, dem diese Namen gegeben wurden.</p>
<p>Lediglich die Bezeichnung dafür, nicht mehr Dinge und Handlungen auszuführen, sondern jene Personen, die ihnen nachgehen oder Wunsch danach äußern, ist eine unnatürliche. Wir wurden irgendwann zu Homosexuellen gemacht, man hat nicht mehr Handlungen benannt, sondern diejenigen, die sie ausführen.</p>
<p>So nütze Menschen, in ihrer staatsgezüchteten Binarität, wo es nur die Geschlechter Brutstätte und Munition gibt, unsere Queerness so viel wie dem Getriebe der Sand.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Sie wurde wegverpseudowissenschaftlicht, wir wurden aus der Geschichte verbrannt, es wurden viele Brüche der Farben im Geschlechtsspektrum wegrationalisiert und wegkolonialisiert. Mir wurde ein Teil meines Menschseins genommen, politisiert und niedergemacht, weil dieser signifikante Teil zu viel Gefahr darstellt für eine meiner Ansicht nach abhorrende &#8222;Normalität&#8220;. Mir und vielen anderen ist seit jeher eine Kultur auferzogen worden, in der Leute ihre Erfahrungen nicht in sicheren Umgebungen machen können. Es ist ein Tabu, wenn man die Arschkarte gezogen hat. Und wenn Leute Dinge nicht sagen oder machen dürfen, dann finden Kinder es irre witzig, andere Kinder damit zu beleidigen. Jungsein ist Grenzüberschreitung und -findung, besonders sprachlich. Wenn es doch nur öfter so witzig und kokett wäre, immer lauter &#8222;Penis&#8220; zu rufen, ohne, dass es der Lehrkraft auffällt. Unsere Sprache hat Einfluss auf unsere Realität. Es wundert mich nicht, dass es als Gefickter Scham zu überwinden gilt, wenn wir was anderes meinen mit &#8222;du bist voll gefickt&#8220; als was &#8222;du bist voll der Ficker&#8220; aussagt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ich bin eine Schwuchtel, eine Tucke, eine Tunte-<br />
Wie mächtig ich mich deshalb fühle. Manche dieser Worte sind mir mittlerweile sakral,<br />
ich kann und darf mich ihrer Bedienen, um mich meiner Umwelt zu kommunizieren.<br />
Tunten sind Revolutio-Närrinnen, Schwuchteln sind Helden,<br />
Arschficker sind ein Segen und Arschgefickte sind Musen.<br />
Gesegnet sind wir Niederträchtigen, die nicht-konformen Schwuchteln,<span class="Apple-converted-space">  </span><br />
die vereinigten Tunten aller Länder und Geschlechter,<br />
die sich nicht zufrieden geben mit einer Assimilation unserer Identität.<br />
Die alles sagen, alles bewegen, alles tun, aber nicht glauben, dass mit der &#8222;Ehe für Alle&#8220; (und ganz ehrlich, so wie sie ist, ist auch der Name zu überdenken) alles geschafft wäre, geschweige denn überhaupt ein Schritt in die richtige Richtung.<br />
Ich kann mich ihrer Bedienen, denn in der Rückeroberung der Sprache, die mich beschreibt, liegt Heilung. Heilung, die notwendig war, weil diese Sprache, diese Kultur, einen Menschen wie mir Schaden zugefügt hat.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ich selbst wurde vor kurzem auf dem Weg zu einer Veranstaltung das erste Mal seit langem queerfeindlich angegriffen. Der Austausch begann, als wir zu dritt von einer Meile entfernt unsere Queerness in die Hemisphäre ausstrahlten, durch nichts weiter als authentisches Existieren. Es kamen Würgegeräusche von der Seite, als müsste jemand erbrechen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Und wir wurden nicht wie gewöhnliche Schwuchteln bezeichnet, sondern so, wie Hagrid es dereinst in Harry Potter und ein Stein gesagt hat: SchwuchtEEEEEEeeeeln. Ich, bestätigt in der Kommunikation meiner Geschlechtsexpression in die Außenwelt reagierte auf diesen Kommentar mit der Frage, ob er da was ausprobieren wollte, und weil ich mutig bin, habe ich ihn auch Baby genannt, weil aus irgendwelchen seltsamen Verbindungen in meinem Gehirn, leider die Aggressoren in meinem Leben oftmals phänotypisch nicht weit entfernt sind von den Männern, die ich begehre.</p>
<p>Wir gingen lachend weiter, unterhielten uns darüber, dass die Würgegeräusche bei einem echten ersten Oralverkehrgehversuch wahrscheinlich aufkommen würden, weil der Aggressor wie ein Noob in Sachen Oral klang. Als wir außerhalb der Reichweite von Kameras, aber noch immer umgeben von Menschen waren, an einer Hauptstraße einer Großstadt, tritt einer der Prolls einem von uns in den Rücken. Um uns herum waren Leute, aber niemand ist eingeschritten &#8211; zum Glück trug der Betroffene einen Rucksack, zum Glück trug ich Crocks, zum Glück hat unser Adrenalin uns weder zur Flucht noch zum Kampf angehalten, sondern nur kurz den Blutdruck hochgetrieben, sonst wäre das ganze eventuell krawalliger ausgegangen. Wir konnten die Typen, die uns verfolgten, dank einer Ampelschaltung abhängen, aber der Blutdruck senkte sich nur langsam, und das Gefühl, dass da was wirklich Unschönes passiert ist, hielt für uns noch Tage bestand. Ein*e Freund*in sagte, es wären drei gewesen, ich kann mich nur an zwei erinnern, die uns hinterher sind, das Adrenalin hat mir vielleicht auch meine Erinnerung verwolkt. Ich habe das Gefühl, noch als priviligierteste*r Betroffene*r aus dieser Begegnung herausgegangen zu sein, denn wo meinen Freund*innen das ganze doch noch näher ging, fühlte ich mich stark, wenn es nur aus dem Wissen resultiert, dass es mich stolz macht, eine Schwuchtel zu sein. <span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Der Stolz kam nicht von Mundbekenntnissen irgendwelcher Parteien, die mich nicht viel mehr als demographisch abgrenzbares Wählvieh wahrnehmen. Der Stolz kommt auch nicht durch Übergriffigkeiten, Gewalt und Beleidigungen von (in der Regel) endo-cis-Männern. Dieser Stolz kommt von Reflexion, durch Vorbilder, durch Sichtbarkeit und Bandenbildung. Und diesen Stolz lasse ich mir von keinem Wort der Welt mehr nehmen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Wir brauchen aktive Veränderungen in unseren Strukturen, wir brauchen mehr Repräsentanten, -onkel und geschwister unserer Eltern auf den Straßen und in den Gremien. Wir brauchen queere Geschichten von queeren Autor*innen, die von queeren Filmemacher*innen und Schauspieler*innen gespielt werden, erzählt von unserer Freude, unserem Schmerz, unserer Liebe, unserem Begehren, unserer Langeweile, aber hört auf, &#8222;Disneys erster Gay-Charakter!&#8220; durch die Medien zu zelebrieren, wenn es am Ende doch nur wieder Promo für eine &#8222;blink-and-you-miss-it&#8220;-Szene und damit absoluter cash grab ist.</p>
<p>Das oberste Ziel war nie Anpassung, sondern zu Leben und zu überleben. Für mich, wie für viele Queers, noch vor und auch nach mir. Mit meinen Tun kann ich es nicht für alle Queers, die folgen, allein ändern. Aber ich kann es gemeinsam mit der Community, den Communities, den selbstgewählten Familien und den Blutsfamilien, die einen blühen lassen, im Sinne derer, die es nicht mehr können, die es nie durften.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>#wosindqueer? &#8222;Queer&#8220; sind am Überleben, im Großen und im Kleinen, jeden Tag.<br />
Das klingt dramatisch, aber 1. Ich bin gay und liebe Drama und 2. ist es möglicherweise sogar noch eine Untertreibung. Sorgt mit uns dafür, dass wir nicht mehr nur an unser Überleben, sondern auch ans Leben denken können.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Mehr von Sven <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/sven-hensel/" target="_blank" rel="noopener"><strong>findet ihr hier</strong></a>.</li>
</ul>
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			</item>
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		<title>Queer Punk</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/05/queer-punk/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[FaulenzA]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 May 2021 07:00:26 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Rap]]></category>
		<category><![CDATA[trans*]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;Aus Selbstverachtung wurde eine Wut auf die Welt&#8220; &#8211; OH YES! Wir freuen uns riesig, euch heute mal wieder einen Song plus Musikvideo von unserer Lieblingsrapperin FaulenzA präsentieren zu können. In &#8222;Queer Punk&#8220; geht es um Selbstermächtigung, um Zusammenhalt, Freund*innenschaft und um Widerstand gegen Leistungsgesellschaft und Kapitalismus. Viel Spaß beim Anhören! Mehr dazu: Mehr Musik]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8222;Aus Selbstverachtung wurde eine Wut auf die Welt&#8220; &#8211; OH YES! Wir freuen uns riesig, euch heute mal wieder einen Song plus Musikvideo von unserer Lieblingsrapperin FaulenzA präsentieren zu können. In &#8222;Queer Punk&#8220; geht es um Selbstermächtigung, um Zusammenhalt, Freund*innenschaft und um Widerstand gegen Leistungsgesellschaft und Kapitalismus. Viel Spaß beim Anhören!</strong></p>
<p><span id="more-12949"></span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Mehr Musik von FaulenzA <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/faulenza/" target="_blank" rel="noopener"><strong>findet ihr hier</strong></a>.</li>
</ul>
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		<title>Lebensläufe &#8211; FaulenzA</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/01/lebenslaeufe-faulenza/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Conrad]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 Jan 2021 08:56:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Musik]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Rap]]></category>
		<category><![CDATA[trans*]]></category>
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					<description><![CDATA[Lange hat FaulenzA versucht, wie eine Cis Frau rüber zu kommen und zu vermeiden, dass Leute erkennen, dass sie eine trans Frau ist. Warum ihr das inzwischen egal ist, wie sie über eine Wagenburg in Bochum inzwischen in Berlin angekommen ist, warum es eine gewisse Zeit gedauert hat, dort heimisch zu werden, welche Bedeutung ihre]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Lange hat FaulenzA versucht, wie eine Cis Frau rüber zu kommen und zu vermeiden, dass Leute erkennen, dass sie eine trans Frau ist. Warum ihr das inzwischen egal ist, wie sie über eine Wagenburg in Bochum inzwischen in Berlin angekommen ist, warum es eine gewisse Zeit gedauert hat, dort heimisch zu werden, welche Bedeutung ihre Tattoos haben und wie ihr künstlerisches Schaffen ihren Tagesablauf prägt, davon erzählt sie in dieser Lebensläufe-Folge. Conrad hat FaulenzA in Berlin getroffen und ein beeindruckendes Porträt der jungen Musikerin und Autorin gedreht. </strong></p>
<p><span id="more-12699"></span><br />
<strong>Mehr dazu:</strong></p>
<p>Noch mehr zu FaulenzA <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/faulenza/">findet ihr hier</a> und auf <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/conrad/">dieser Seite</a> gibt es noch weitere, tolle Lebensläufe Folgen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Reclaim your Inter*net</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/11/reclaim-your-internet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ika]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Nov 2020 07:00:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Hatespeech]]></category>
		<category><![CDATA[Inter*]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir lieben das Internet. Ihr auch? So viele Möglichkeiten, sich zu vernetzen, informieren, auszutauschen, Gleichgesinnte, Verbündete und Freund*innen zu finden, ganz egal, wo man sich aufhält &#8211; ein Traum! Doch leider ist das nicht alles, es gibt auch Schattenseiten&#8230; Warum wir das Inter*net reclaimen sollten und weshalb Ika Menschen, die online Hass und Häme verbreiten,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir lieben das Internet. Ihr auch? So viele Möglichkeiten, sich zu vernetzen, informieren, auszutauschen, Gleichgesinnte, Verbündete und Freund*innen zu finden, ganz egal, wo man sich aufhält &#8211; ein Traum! Doch leider ist das nicht alles, es gibt auch Schattenseiten&#8230; Warum wir das Inter*net reclaimen sollten und weshalb Ika Menschen, die online Hass und Häme verbreiten, manchmal sogar leidtun, all das erfahrt ihr in Ikas neuem Text. Viel Spaß beim Lesen!</strong></p>
<p><span id="more-12550"></span></p>
<p>Schon im letzten Text ging es viel um Inter*aktivismus.<br />
Hieran möchte ich noch einmal anknüpfen.</p>
<p>Ich habe dort Gruppen, die von und für Inter* sind, vorgestellt.<br />
Aber auch wenn ihr selber gar nicht Inter* seid, könnt und dürft und sollt ihr natürlich gerne aktiv werden.</p>
<p>Wenn ihr euch erstmal noch genauer informieren wollt, geht das zum Beispiel <a href="https://inter-nrw.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>hier</strong></a>.<br />
Die Seite ist aus NRW – aber vieles ist auch allgemeingültig.</p>
<p>Ansonsten soll es diesmal um einen nicht so schönen Nebeneffekt vom Aktivismus gehen.<br />
Der betrifft auch gar nicht nur Inter* oder Trans*, sondern alle, die sich zum Beispiel im Internet politisch äußern.</p>
<p>Es geht um Hate Speech. Ich hatte erzählt, Teil der Dritte Option-Gruppe zu sein.<br />
Leider gab es zu dem Erfolg der Klage auch viel Hetzte in den Kommentarspalten des Internets und natürlich wurde sich darüber lustig gemacht.<br />
Manche Rechte haben sich sogar so sehr von dieser Entwicklung bedroht gefühlt, dass sie meinten, irgendwelche Adressen im Internet veröffentlichen zu müssen.</p>
<p>Hier ist so eine Transition übrigens ein echter Vorteil – ihr rechten Hetzer da draußen, eure Namen stimmen schon lange gar nicht mehr alle.</p>
<p>Trotzdem ist so etwas natürlich traurig und beängstigend.<br />
Aber es zeigt sehr deutlich, dass es nicht darum gehen kann, diese angeblichen „Sorgen“ von vermeintlich „besorgten Eltern“ immer und überall ernst zu nehmen.</p>
<p>Stattdessen muss es darum gehen, sich von rechten Angstmachern nicht einschüchtern zu lassen. Und weiter zu arbeiten. An einer Gesellschaft, die Vielfalt nicht nur mit mehr oder weniger großer Toleranz hinnimmt, sondern Vielfalt akzeptiert und wertschätzt.</p>
<p>Ich will diesem Hass nicht zu viel Raum geben, und doch will ich das alles auch nicht unkommentiert stehen lassen.</p>
<p>Darum hier eine Auswahl der absurdesten Kommentare unter den Artikeln zur dritten Option &#8211;<br />
auch ohne Kommentar-<br />
aber so deutlich-<br />
und so aneinander gereiht-<br />
dass ich denke, dass sich jeder Kommentar erübrigt, weil es nicht nur fies, sondern auch ganz schön absurd und lächerlich ist.</p>
<p>Achtung, es geht los – hier kommt das, was Gaby und Jürgen aus einer langweiligen deutschen Kleinstadt so zur Selbstbestimmung von Inter* einfällt:</p>
<p><strong>Hate Poetry:</strong></p>
<p><em>Gott erschuf erst Adam, aus seiner Rippe erschuf er Eva, das Weib.</em><br />
<em>Und dann kam das Bundesverfassungsgericht – und erschuf den Rest.</em><br />
<em>….</em><br />
<em>Es wird wirklich Zeit für einen Politikwandel in Deutschland. Karlsruhe hat sich durch dieses Urteil selbst diskreditiert. Abschaffen!!!</em><br />
<em>….</em><br />
<em>Mittlerweile glaube ich, diese Entscheidung des BVerfG war ein Ablenkungsmanöver, nämlich um von der Flutung Deutschlands mit Migranten und den damit verbundenen Problemen abzulenken.</em><br />
<em> ….</em><br />
<em>Sie geht weiter, die Demontage der westlichen Zivilisation. Man hat die Feinde von Innen wie von Außen in Stellung gebracht, und das Gift ist fertig gemischt. Sollte doch gelacht sein wenn dieses in tausend Jahren mit Blut und Tränen aufgebaute Bollwerk der Aufklärung nicht in wenigen Jahren zusammenfällt und der neuen Weltordnung Platz macht, die unter der Führung von wirklich weisen und geläuterten Sachverwaltern ins Werk gesetzt wird.</em><br />
<em>Die russische Revolution, das dritte Reich und die Killing Fields waren stümperhafte Erstversuche. Diesmal muss es gelingen. Das Urteil des BVG ist ein krasses Fehlurteil</em><br />
<em>…..</em><br />
<em>Ich bin erschüttert, was der Menschheit Jahrtausende hinab unbekannt blieb. Was für unglaubliche Erkenntnisse uns insbesondere die letzten beiden Jahre bescherten! Das ist ein Ergebnis des Wohllebens und der damit einhergehenden Degeneration einer übersättigten, selbstgefälligen und überheblichen Gesellschaft. Ein drittes „Geschlecht“ – nun ja – wie heißt es nun? Duett? Allinclusive? Deutschland war bekannt und beneidet für seine Erfinder, seine Künstler, seine Wissenschaftler – einen guten Ruf hatte die deutsche Pünktlichkeit, Ordnung, Zuverlässigkeit und der Fleiß seiner Menschen. Zwei Jahre hemmungsloser Irrsinn reichen tatsächlich aus, um aus einem Vorzeigestaat ein der allgemeinen Lächerlichkeit ausgesetztem Land zu werden</em><br />
<em>………………………&#8230;</em><br />
<em>Die Rechtssprechung bekommt mit ihrem lactoseintolerantem, veganem Genderschwerpunkt einen ganz neuen Character. Kein Mensch möchte intersexuelle Menschen diskriminieren, es ist eine Erkrankung oder eine Variante der Natur oder was auch immer. Das aber geht zu weit</em><br />
<em>…………………………………………………….</em><br />
<em>Erstaunlich: laut tagesschau.de hat ein Kläger dieses Urteil erwirkt,  laut zeit.de war es dagegen eine Klägerin.</em><br />
<em>Lügenpresse!</em></p>
<p>Was soll ich dazu noch groß sagen?<br />
Wenn ich mich so schnell angegriffen fühlen würde – von allem, was irgendwie anders ist – ich käme ja gar nicht mehr aus dem Haus. Vor all den anderen nicht Inter* da draussen. Deswegen hab ich was gelernt, was die wohl alle nicht können: Mit Unterschieden umgehen. Verschiedene Perspektiven mitdenken.<br />
Manchmal tun mir die Leute dann auch fast ein bisschen leid. Weil ich denke: muss ganz schön anstrengend sein mit all diesem Hass immer.<br />
Aber ich will das auch nicht kleinreden. Es ist Gewalt, die da passiert. Und wenn es mir gerade nicht gut geht, macht das auch was mit mir.<br />
Zu wissen – da draussen sind Leute die mich hassen, einfach nur weil ich bin, wie ich bin.<br />
Für mich ist das alles zum Glück bis jetzt noch nicht zu bedrohlich geworden. Aber es hat leider seinen Grund, dass ich diese Texte unter einem Pseudonym veröffentliche und es ist schade, dass das so sein muss.<br />
Andere kriegen wegen ihrem Aktivismus zum Beispiel für Feminismus oder gegen Rassismus regelmäßig Todesdrohungen.<br />
Dieser Hass im Netz bleibt leider auch nicht immer im Netz. Darum ist es wichtig da gegen vorzugehen und auch einfach mal Sachen, die nichts mehr mit Meinungsfreiheit, sondern mit Beleidigung und Bedrohung zu tun haben, zu löschen.<br />
Eigentlich sollte das gar nicht so schwer sein. Das Internet könnte dann ein viel schönerer Ort sein.<br />
Denn an sich ist es ja schön, dass so viel Vernetzung und Austausch zwischen verschiedenen Leuten möglich ist wie noch nie.<br />
Auch eine erste Inter*bewegung hätte es so vielleicht nie gegeben wenn Leute nicht auch die Möglichkeit genutzt hätten, sich anonym und im Internet zu informieren und auszutauschen.</p>
<p>Also – Reclaim your Inter*net ! :=)</p>
<p>Hier noch <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Ojnv3fegkfM" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>ein toller Gay Pride-Punk-Song</strong></a>. Heute gelten einige Themen, auch das mit der Krankheitsklassifikation, zwar nicht mehr für Schwule, aber für Trans* und Inter* schon.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Wie ihr mit Hate Speech umgehen könnt, erfahrt ihr <a href="https://www.meintestgelaende.de/2020/09/was-kann-ich-gegen-hate-speech-tun/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>in diesem Text</strong></a> von Veronika Rieger.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Letzte Rechtfertigung</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/11/letzte-rechtfertigung/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Sven Hensel]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 24 Nov 2020 07:00:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Videos]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Poetry Slam]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=12570</guid>

					<description><![CDATA[&#8222;Ich bin eine Frage ohne bequeme Antwort.&#8220; Wow! Was für ein Sprachfeuerwerk! Sven Hensel hat einen tollen, stolzen, mutmachenden Poetry Slam-Text geschrieben, und zwar offiziell &#8222;für einen Freund&#8220;. Ihr wisst schon 😉 Schaut unbedingt rein, hört zu, lasst euch mitreißen, beeindrucken und vor allem: inspirieren!  Mehr dazu: Mehr von Sven findet ihr hier!]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8222;Ich bin eine Frage ohne bequeme Antwort.&#8220; Wow! Was für ein Sprachfeuerwerk! Sven Hensel hat einen tollen, stolzen, mutmachenden Poetry Slam-Text geschrieben, und zwar offiziell &#8222;für einen Freund&#8220;. Ihr wisst schon 😉 Schaut unbedingt rein, hört zu, lasst euch mitreißen, beeindrucken und vor allem: inspirieren! </strong></p>
<p><span id="more-12570"></span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Mehr von Sven findet ihr <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/sven-hensel/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>hier!</strong></a></li>
</ul>
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