Was kann ich gegen Hate Speech tun?

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(c) HateAid

In ihrem letzten Beitrag hat uns Veronika Rieger erklärt, was Hate Speech eigentlich ist (den Link findest du unten). Heute geht es darum, was wir alle gegen Hate Speech tun können. Glücklicherweise ist das nämlich so einiges! Wir müssen den ganzen Hass keinesfalls einfach aushalten oder gar tolerieren. Also lasst uns aktiv werden!

Rezepte gegen Trolle – Wie Stellung gegen Hass im Netz beziehen funktionieren kann 

Hate Speech ist ein weit verbreitetes Phänomen und trotzdem reagiert bisher nur ein kleiner Teil der digitalen Gesellschaft mit aktiver Gegenrede auf Hass im Netz. Das führt dazu, dass nur 31% der Verfasser*innen von Hate Speech für ihre Postings kritisiert werden.
Dabei ist es unerlässlich Hass im Netz nicht einfach unkommentiert stehen zu lassen, sondern Haltung zu bewahren und Stellung zu beziehen.

Warum sollte ich mich gegen Hate Speech einsetzen?

Hate Speech greift nicht nur die explizit angegriffene Person oder Personengruppe an, sondern immer auch die Gesellschaft, in der wir leben! Wenn Menschen durch Hass im Internet so eingeschüchtert werden sollen, dass sie sich nicht mehr trauen ihre Meinung zu sagen oder sich zu zeigen, schadet das unserer Demokratie

Sich gegen Hass im Netz einzusetzen heißt also sich für die Freiheit und Sicherheit von sich und anderen in der Gesellschaft einzusetzen. Die Gesetze schützen uns dabei, denn niemand muss Hassreden hinnehmen oder aushalten. 

Wie kann ich mich gegen Hate Speech einsetzen?

Wenn du Hate Speech im Internet entdeckst, kannst du aktiv werden! Das Ziel ist dabei die Betroffenen nicht alleine in der Auseinandersetzung mit den Hater*innen stehen zu lassen und den Mitlesenden zu zeigen, dass Hate Speech nicht akzeptiert und haltlos ist. 

Stärke die Angegriffenen:
Kontaktiere die angegriffene Person und frag nach, wie du sie unterstützen kannst. Tritt für ihre Rechte ein. Wenn eine Personengruppe angegriffen wird, kannst du nachforschen ob ein*e Vertreter*in der Personengruppe sich geäußert hat und diese unterstützen. 

Bleibe sachlich und ruhig. Lass dich nicht auf das Niveau der Hater*innen ein, indem du beleidigend oder abwertend reagierst. 

Benenne die Hassrede des/der anderen („Das ist rassistisch/sexistisch etc.“).

Fake News kannst du leicht enttarnen, in dem du sie mit verlässlichen Artikeln widerlegst oder nach konkreten Quellen für das Behauptete fragst.

Über strafrechtlich relevante Hate Speech musst du nicht diskutieren! Du kannst online den relevanten Paragraphen finden und unter das Hass-Posting setzen, um die anderen Personen darauf aufmerksam machen, dass der Inhalt dieses Postings illegal ist.
Wenn du dir unsicher bist, kannst du dich an die Internet-Beschwerde-Stelle, die Online-Wache der Polizei oder love-storm.de wenden! 

Dokumentiere die Hasskommentare und Nachrichten dazu, am besten mit einem Screenshot und einem Screenshot des Profils der Hater*innen.

Lösche den Hasskommentar, fordere die Person auf ihren Kommentar / ihr Bild / ihr Posting zu löschen oder mache die Seite darauf aufmerksam, was auf ihrer Plattform geschieht, und fordere sie dazu auf das Hassposting zu entfernen.

Du musst nicht ewig diskutieren. Mach deine Position klar und beende das Gespräch, wann immer du willst. 

Und wenn ich selbst betroffen bin? 

Zu aller Erst: Es liegt nicht an dir! Der dir entgegengebrachte Hass entsteht aus Projektionen, die mit dir als Person nur sehr sehr wenig zu tun haben. Das im Bewusstsein zu haben verringert den Hass leider nicht, hilft dir aber vielleicht die Nachrichten besser abstreifen zu können.

Mach dein Profil dicht! Stelle es auf privat, überprüfe deine Sicherheitseinstellungen und verwende ein sicheres Passwort.

Blockiere die lautstärksten Angreifer*innen! Du musst dich derartigen Angriffen nicht aussetzen und bist unter keinen Umständen verpflichtet auf sie zu reagieren.

Du entscheidest, ob und wie du auf einen Angriff reagieren möchtest! Du kannst jederzeit offline gehen und eine Person deines Vertrauens mit einbinden.

Hol dir Hilfe: Aktiviere deine Freund*innen! Wenn du selbst die Kommentare nicht mehr sehen willst und es dich belastet, kann es helfen, eine vertraute Person zu haben, die sich für dich um den Hass kümmert, Kommentare meldet, Nutzer*innen sperrt und Ihr Profil wieder nutzbar macht.
Wenn du weitere Unterstützung möchtest, wende dich an professionelle Beratungsstellen wie HateAid.

Sammle strafrechtlich Relevantes mit Screenshot und URL, melde Nachrichten und Kommentare auf der Plattform 

Sprich über deine Erfahrungen mit Hass im Internet und suche dir Verbündete! Gemeinsam ist es leichter deine Erlebnisse zu reflektieren und zu verarbeiten

Es ist nicht schwer sich gegen Hate Speech einzusetzen und je mehr von uns aktiv werden, umso stärker und geschlossener können wir auf Hass im Internet reagieren. Wenn du dich weiter schlau machen möchtest, findest du hier  kostenlose Online-Trainings für den richtigen Umgang mit Hate Speech. Niemand muss Hass im Internet aushalten und über sich ergehen lassen und niemand muss Hass im Internet alleine bewältigen. Gut, dass wir gemeinsam ganz schön viele sind!  

Mehr dazu:

  • Weitere Beiträge von Veronika, zum Beispiel darüber, was Hate Speech eigentlich ist, findest du hier.

Ich bin Veronika Rieger und bin Poetry Slammerin und Theologiestudentin. Weil ich Themen wie Identität, Gerechtigkeit, Kunst, ich sein und anders sein für besonders spannend und wichtig halte und mir einen breiteren Dialog über diese Themen wünsche, schreibe ich darüber bei meinTestgelände.

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