Wie wird Erwachsensein definiert? Ist es der Moment, in dem wir das erste mal alleine wohnen? Oder vielleicht der 18. Geburtstag, der erste Job? In ihrem aktuellen Text schreibt Michelle über die unklaren Grenzen des Erwachsenseins, die Erwartungen anderer und die ständige Suche nach dem eigenen Weg.
Vielleicht, seit ich allein wohne, meine Wäsche selbst wasche und mein Essen koche. Aber das habe ich schon getan, als ich noch bei meiner Mutter gelebt habe. Damals hatte ich „Haushaltsgeld“ und habe mich größtenteils selbst versorgt. Ich war 15 – also sicher noch nicht erwachsen.
Vielleicht seit meinem 18. Geburtstag, seit ich in Deutschland als volljährig gelte. Doch auch in diesem Alter habe ich vieles falsch gemacht und noch weniger verstanden. Andererseits geht mir das manchmal immer noch so.
Vielleicht also ab dem Moment, in dem andere mich für erwachsen hielten. Aber auch diese Sicht schwankt. Zu oft habe ich gehört, mir fehle noch „die Lebenserfahrung“ und ich würde das alles später ganz anders sehen. Vielleicht stimmt es, dass sich Meinungen ändern. Aber macht das die jetzigen weniger gültig?
Irgendwann jedenfalls haben alle angefangen zu erwarten, dass ich erwachsen bin – ohne mich zu fragen, wie sich das eigentlich anfühlt. Und sie fragten: Was machst du jetzt? Als wäre „jetzt“ ein Ort, den ich längst hätte erreichen müssen. Ich weiß nicht, was ich jetzt mache. Ich lebe. Ich stolpere über meinen eigenen Weg und versuche, dabei die Richtung nicht ganz zu verlieren.
„Und was, wenn das nicht klappt?“ Dann versuche ich es weiter.
Das Leben besteht nicht aus Checkpoints, die man freischaltet – und wenn man einen verpasst, muss man nicht sofort die Richtung ändern. Auch das Erwachsensein ist kein Punkt, den man plötzlich erreicht. Es ist ein Prozess. Ein Weg aus Fehlern, Zweifeln und Lernen. Und damit hört man, wie man so sagt, nie auf.




