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	<title>Ika &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>Ika &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Inter*Happiness</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/05/interhappiness/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ika]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 25 May 2021 07:00:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Inter*]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir haben unglaublich viel mitgenommen und gelernt von Ikas Kolumne zum Thema Inter* hier auf meinTestgelände! Heute präsentieren wir euch mit &#8222;Inter*Happiness&#8220; den vorerst letzten Text aus dieser Reihe, und Ika gibt uns und euch gleich noch einige Tipps für Self-Care fernab von falschen Glücksversprechen mit auf den Weg. Vielen Dank, Ika, für die Einblicke]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir haben unglaublich viel mitgenommen und gelernt von Ikas Kolumne zum Thema Inter* hier auf meinTestgelände! Heute präsentieren wir euch mit &#8222;Inter*Happiness&#8220; den vorerst letzten Text aus dieser Reihe, und Ika gibt uns und euch gleich noch einige Tipps für Self-Care fernab von falschen Glücksversprechen mit auf den Weg. Vielen Dank, Ika, für die Einblicke in dein Leben, deine ehrlichen und direkten Worte, deine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Strukturen und deinen Blick darauf, wie sie uns alle beeinflussen.</strong></p>
<p><span id="more-12945"></span></p>
<p>Wenn irgendwo im Internet schon wieder etwas zu Selbstliebe steht, bin ich ehrlich gesagt eher skeptisch.<br />
Ich glaube nicht daran, dass Mensch sich nur selber lieben muss &#8211; dann wird alles gut.</p>
<p>Weil niemand allein ist auf dieser Welt. Mein Glücklichsein ist also auch abhängig von anderen. Manchmal von Umständen, die ich gar nicht beeinflussen kann.</p>
<p>Auf der Suche nach Wohnungen und Jobs zum Beispiel sind wir eben nicht &#8211; alle gleich.</p>
<p>Zu behaupten, &#8222;Erfolg&#8220; läge hier nur in meiner Hand und Verantwortung, würde ignorieren, dass oft Machtstrukturen mit entscheiden.</p>
<p>Trotzdem glaube ich auch nicht, dass alles nur von außen bestimmt wird.</p>
<p>Immer wieder kann ich Entscheidungen treffen. Dinge tun, die mir gut tun. Sachen hinter mir zu lassen, die mich einschränken.</p>
<p>Dazu kommt dann wohl auch noch ein bisschen Zufall.</p>
<p>Trotz diesem Zufall aber wird es immer leichter sein, auch in schwierigen Umständen Glück zu finden &#8211; wenn ich lerne überhaupt nach dem Glück zu suchen. Wenn ich mir selber dieses Glück gönne.</p>
<p>Darum schreibe ich hier jetzt doch einen Inter*empowerment-Text &#8211; Tadaa.</p>
<p>Es soll diesmal also nicht um Diskriminierungen gehen, sondern um die Dinge, die mir geholfen haben, mich als Inter* zu lieben &#8211; wie ich bin.</p>
<p>Vielleicht können ja auch andere etwas damit anfangen.</p>
<p>Mein Inter* sein hat leider lange dazu geführt, kein besonders gutes Gefühl zu meinem Körper zu haben.</p>
<p>Sport hat mir manchmal geholfen &#8211; mich wieder zu spüren. Außerdem setzt zum Beispiel Krafttraining Adrenalin frei. Ein bisschen wie ein Rausch &#8211; nur ohne Kater.</p>
<p>Auch Tattoos waren eine tolle Entdeckung für mich. Hier habe ich endlich das Gefühl bekommen, selber über meinen Körper zu bestimmen. Es war toll zu fühlen, dass mein Körper veränderbar ist &#8211; und dass ich selber aussuchen kann, wo ich welche Farbe haben will.</p>
<p>Musik war für mich immer ein sehr direkter Weg, Gefühle die sonst unterdrückt werden mussten, rauszulassen.</p>
<p>Lange hatte ich das Gefühl, mit meinem Inter*sein allein zu sein.</p>
<p>Hier war es gut und wichtig, andere Inter* zu treffen. Sich auszutauschen.Von anderen zu lesen. Zu lernen.</p>
<p>Es hat mir geholfen meine eigene Perspektive ernst zu nehmen, wenn ich von anderen Inter* mitbekommen habe, dass es ihnen ähnlich geht.</p>
<p>Da war es auch gut und wichtig, mich mit den Strukturen zu beschäftigen die uns als Inter* unterdrücken. So kann ich lernen mir selber zu verzeihen. Wenn mir manches nicht so leicht fällt wie anderen. Wenn ich wieder denke, dass ich selber schuld daran bin.</p>
<p>Wenn ich gerade zu wenig auf meinem Körper klar komme, um mich auf Nähe zu anderen Menschen einzulassen, dann kann es mir gut tun, mit einer Katze oder einem Hund zu kuscheln.</p>
<p>Wenn ich mal wieder etwas verwirrt und überfordert davon bin, wie diese Welt so funktioniert. Dann hilft genau das hier. Schreiben.</p>
<p>Das ist wie Aufräumen im Kopf &#8211; manchmal anstrengend, aber nachher ist alles etwas sortierter und klarer.</p>
<p>Darum möchte ich auch nochmal ein herzliches Dankeschön an das meintestgelände-Team sagen, dass ich hier diese Kolumne schreiben konnte.</p>
<p>Allen Inter* und Trans* da draußen möchte ich schreiben: It&#8217;s okay not to be okay.</p>
<p>Mann kann nicht jeden Mist, den einem das Leben so hinwirft, zu Gold machen.</p>
<p>Aber wenn die Möglichkeiten da sind, wenn man sich mal wieder selber im Weg steht, weil man dieses Glück doch noch gar nicht kennt oder gewohnt ist, dann gilt auch: It&#8217;s okay to feel good!</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Wie immer hat Ika <a href="https://www.youtube.com/watch?v=qdkBfX6OiqU" target="_blank" rel="noopener"><strong>noch einen Musiktipp</strong></a> für euch!</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Inter* Geschichte</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/04/inter-geschichte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ika]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 01 Apr 2021 07:04:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[Inter*]]></category>
		<category><![CDATA[Vorbilder]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir freuen uns sehr über einen neuen Text von Ika. Heute geht es um die Geschichte von Inter* Personen — und was wir aus ihr lernen können. Wie immer zugänglich reflektiert Ika die Gründe, Gedanken, Gefühle und Erfahrungen festzuhalten und darüber zu schreiben — und weshalb kaum etwas so ermächtigend und mutmachend ist wie die Geschichten anderer Queers. Schon]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir freuen uns sehr über einen neuen Text von Ika. Heute geht es um die Geschichte von Inter* Personen —<span class="Apple-converted-space"> </span>und was wir aus ihr lernen können. Wie immer zugänglich reflektiert Ika die Gründe, Gedanken, Gefühle und Erfahrungen festzuhalten und darüber zu schreiben —<span class="Apple-converted-space"> und weshalb kaum etwas so ermächtigend und mutmachend ist wie die Geschichten anderer Queers.</span></strong></p>
<p><span id="more-12853"></span></p>
<p>Schon im Jahr 1907 wurde das erste mal in deutscher Sprache über Intersexualität geschrieben.<br />
Unter dem Pseudonym N.O. Body veröffentlichte Karl M Baer seine Autobiographie „Aus eines Mannes Mädchenjahren“. Das Buch erlebt schnell mehrere Neuauflagen und wurde im Jahr 1919 sogar als Stummfilm verfilmt.</p>
<p>Das Buch schildert das aufwachsen einer Intergeschlechtlichen Person, der* zunächst als Mädchen erzogen wird und später als Mann lebt.<br />
Es gibt ein Nachwort vom berühmten Sexualwissenschaftler Magnus Hirschfeld.<br />
Die Kindheit und Jugend als intergeschlechtliche Person sind schwer zu der Zeit.<br />
Es gibt Verletzungen und Einsamkeit.<br />
Trotzdem ist es ein Buch das erzählt, wie Karl M Baer seinen Weg geht und findet.</p>
<p>Obwohl ich mich mit Intersexualität als Thema jetzt schon etwas länger beschäftige habe ich erst vor kurzem von dem Buch erfahren. Das ist kein Zufall.<br />
1938 musste Karl M Baer Deutschland verlassen. Als Jude und Inter* musste er vor den Nazis fliehen.<br />
Am 6 Mai 1933 wurde das Institut für Sexualwissenschaften von Magnus Hirschfeld von Nazis zerstört und die dortigen Bücher – also auch das von Karl M Baer – verbrannt.</p>
<p>Es hat bis 1993 gedauert bis es eine Neuauflage dieser ersten Interbiographie gab. Als ich das alles zum ersten mal gehört habe , war ich unglaublich traurig.</p>
<p>Ich hab dieses Buch nur gesehen. Hatte noch gar nicht darin gelesen und musste weinen.<br />
Weil es sich anfühlt als wäre mir ein Teil meiner Geschichte geklaut worden.<br />
Weil ich darüber nachgedacht habe – wie es anders hätte laufen können.</p>
<p>Wenn die Nazis nicht an die Macht gekommen wären. Wenn „Aus eines Mannes Mädchenjahren“ weiter verbreitet worden wäre, wenn das Institut für Sexualwissenschaften weiter hätte forschen können. In was für einer anderen Welt hätte ich als Inter* groß werden können?<br />
Mit Vorbildern. Mit einer Geschichte.</p>
<p>Aber neben der Trauer ist da auch Wut und Trotz.<br />
Ich denke mir – es wurde alles gemacht, um diese Geschichte auszulöschen.<br />
Und es hat lange gedauert. Aber sie ist verdammt nochmal trotzdem da.</p>
<p>Auch wenn ich die Sprache von 1907 manchmal schwer zu lesen finde – kann ich heute hier sitzen und davon lesen dass es andere vor mir gab.<br />
Diese Worte sind immer noch da.<br />
Und können mir Kraft und Bestätigung geben.<br />
Oder zumindest die Versicherung – nicht allein zu sein.</p>
<p>Aber nicht nur früher gab es Menschen die uns als Inter* unsichtbar machen wollten.<br />
Darum ist für mich klar , dass ich als Inter* gar nicht anders kann als gegen Faschismus zu sein.<br />
Darum denke ich dass es wichtig ist, sich alten und neuen Nazis in den Weg zu stellen.</p>
<p>In Deutschland ist es aktuell die Afd, die von Gender Gaga spricht und sich über uns lustig macht oder uns bedroht. Es sind Corona-Leugner, die in Wien Regenbogenfahnen verbrannt haben.</p>
<p>In Ungarn hat Orban ein neues Gesetz erlassen, dass es Trans* und Inter* unmöglich macht, ein bei Geburt festgelegtes Geschlecht später auch offiziel anzupassen.<br />
In Polen gibt es Regionen die sich als „LGBT Ideologie freie Zonen“ bezeichnen.</p>
<p>Aber dieses Wissen über die Geschichte vom Buch „Aus eines Mannes Mädchenjahren“ ist auch ein starker Antrieb. Zu schreiben. Weil ich mir wünsche, dass andere Inter* irgendwann groß werden und Vorbilder und eine Geschichte haben können.</p>
<p>Für mich war es eine der Sachen die mir am meisten Kraft gegeben haben:<br />
Geschichten von anderen mutigen Queers zu lesen.<br />
Darum möchte ich an dieser Stelle gerne allen Inter*<br />
und allen die sich selbst selten oder nie irgendwo wieder erkannt haben &#8211;<br />
in den Büchern und Geschichten des Mainstreams &#8211; sagen:<br />
lasst uns schreiben.</p>
<p>Gegen die Ignoranz. Gegen das Vergessen. Haben wir Worte. Und Gefühle.<br />
Und sogar wenn man Bücher verbrennt<br />
Sind die Worte und Gefühle<br />
stärker.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Heute gibt es<span class="Apple-converted-space"> </span><a href="https://www.youtube.com/watch?v=Vx6aKAMYDHk" target="_blank" rel="noopener"><strong>etwas ältere Musik</strong></a>. <span style="font-size: 1.14285rem;">Diesmal <a href="https://www.youtube.com/watch?v=eeX-QUgnXRI" target="_blank" rel="noopener"><strong>sogar zwei Lieder</strong></a>: v</span><span style="font-size: 1.14285rem;">on zwei tollen Sängerinnen/Liedermacherinnen, </span><span style="font-size: 1.14285rem;">die beide Antifaschistinnen waren bzw. sind.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>(Don&#8217;t) Call the doctor</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/03/dont-call-the-doctor/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Ika]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 Mar 2021 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Inter*]]></category>
		<category><![CDATA[Medizin]]></category>
		<category><![CDATA[Vorbilder]]></category>
		<category><![CDATA[Vorurteile]]></category>
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					<description><![CDATA[Höchste Zeit für eine neue Kolumne von Ika! Und zwar wieder mal mit einem sehr wichtigen Thema. Ärzt*innen und Mediziner*innen mangelt es viel zu oft nicht nur an ausreichend Kenntnissen zum Thema Inter* oder auch Trans*, sondern vor allen Dingen auch an Sensibilität und Empathie. Warum wird bei Unsicherheit nicht einfach nachgefragt? Warum werden persönliche]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Höchste Zeit für eine neue Kolumne von Ika! Und zwar wieder mal mit einem sehr wichtigen Thema. Ärzt*innen und Mediziner*innen mangelt es viel zu oft nicht nur an ausreichend Kenntnissen zum Thema Inter* oder auch Trans*, sondern vor allen Dingen auch an Sensibilität und Empathie. Warum wird bei Unsicherheit nicht einfach nachgefragt? Warum werden persönliche Grenzen nicht respektiert? Warum werden Körper, die nicht der vorgegebenen und auswendig gelernten &#8222;Norm&#8220; entsprechen, exotisiert? All das und noch viel mehr fragt sich Ika in diesem Text.</strong></p>
<p><span id="more-12795"></span></p>
<p>Die erste Person, die mir hätte mitteilen können, dass ich nicht Junge oder Mädchen bin, war eine Gynäkologin.<br />
Aber statt mir zu sagen, dass ich Inter* bin und dass es völlig okay ist Inter* zu sein<br />
hat sie nur von einem „genetischen Defekt“ gesprochen.<br />
Hat Krankheits- und Syndrome-Begriffe genannt, die so gar nicht zu dem Bild was ich von mir selber hatte passten und mich dabei angeguckt als wäre ich ein Monster.</p>
<p>Vor 4 Jahren war ich bei einem Betriebsarzt. Ich sollte mein Shirt ausziehen und habe das getan. Er guckt mich an und meint: &#8222;Ja also – äh, Ihre Brust – hat die schonmal wer untersucht – also ich meine….&#8220;<br />
Ich sage: &#8222;Ich bin trans*, die ist schon ok so.&#8220;<br />
Er fragt: &#8222;Ja – aber Sie wirken ja schon eher männlich, also wann leben Sie das dann aus?&#8220;<br />
Ich sage: &#8222;Jetzt. Ich bin Transmann. Und auch Intersex.&#8220;</p>
<p>Der Arzt guckt immer länger und aufdringlicher und ist wohl froh, so etwas, also mich, mal in Echt zu sehen.<br />
Er meint das sei ja alles so spannend – und will wissen<br />
– &#8222;Also schlafen Sie dann jetzt eigentlich mit Männern oder Frauen?&#8220;<br />
Ich ignoriere die Frage – obwohl ich wohl am besten geantwortet hätte: Selbstverständlich nur mit anderen Zwittern.</p>
<p>Stattdessen redet er weiter mit sich selbst über meinen Körper. &#8222;Das ist ja bemerkenswert &#8211; weil also auf den ersten Blick merkt man ja gar nichts – und dann &#8211; also Sie können das dann auf der Arbeit sicher auch gut verstecken.&#8220;<br />
Ich glaube, das sollte ein Kompliment sein.<br />
Eigentlich konnte vor allem er seine Professionalität sehr gut verstecken.</p>
<p>Vor zwei Jahren war ich zu einer Leberuntersuchung an der Uniklinik – und wurde als erstes laut als Frau aufgerufen und dann von allen im Wartezimmer wegen meinem Bart angestarrt.<br />
Der Arzt ist jetzt auch überfordert und unsicher – aber anstatt das einfach zuzugeben schnauzt er mich an und meint: &#8222;Ja- Herr – Frau – woher soll man da auch wissen, wie man Sie jetzt ansprechen soll.&#8220;</p>
<p>Später dann will er wissen ob ich denn die Brust noch noch operieren will und findet, es sei ja schon besser sowas dann auch komplett durchzuziehen.<br />
Ich versuche seine ungebetenen Ratschläge zu ignorieren und mein Inter*Trans* sein zu erklären, aber er hört gar nicht wirklich zu.</p>
<p>Dann fängt er auch nach meiner Heimat zu fragen. Nachdem wir also schon zusammen meine Genitalien diskutiert haben – obwohl ich ihn gar nicht kenne und er natürlich nichts von sich erzählt – möchte er jetzt auch noch meine ganze Familiengeschichte erfahren. Ich gehe nie wieder zur Leber-Untersuchung.<br />
Dafür mache ich mir – nicht zum ersten Mal – Gedanken über das Thema Inter* in der Medizin.</p>
<p>In unserer Gesellschaft haben Ärzt*innen eine ziemliche Machtposition.<br />
Für manche sind sie wie Halbgötter in Weiß.<br />
Noch immer sind es Ärz*innen, die Inter* als Krankheit definieren. Die Kinder ungefragt an den Genitalien operieren oder Hormone verabreichen ohne darüber aufzuklären.</p>
<p>Ärtzt*innen lernen im Studium: Genau so sieht ein &#8222;normaler&#8220; Mensch aus. Alles andere ist ein Problem.<br />
Dann wird auswendig gelernt, was bei welcher Abweichung zu tun sei, damit alles wieder &#8222;normal&#8220; wird.</p>
<p>Sicher gibt es mittlerweile auch ein paar Progressive in der Medizin, die das anders sehen, aber die Mehrheit glaubt: &#8222;Inter* ist eine Krankheit . Und es ist Aufgabe der Medizin sie zu heilen. Auch wenn diese &#8222;Heilung&#8220; aus Narben und Trauma und Scham besteht, ist das immer noch besser, als einen Körper zu haben, ohne Narben, der aber offensichtlich Inter* ist.&#8220;</p>
<p>Auch wenn es ein großer Erfolg war, dass es endlich einen dritten Geschlechtseintrag gibt, hat es traurig und wütend gemacht, dass wieder ausgerechnet Mediziner*innen entscheiden und begutachten sollen, wer denn jetzt Inter* genug ist. Obwohl es laut Medizin ja eigentlich gar keine Inter* gibt, sondern nur viele verschiedene Syndrome und Diagnosen von Leuten die alle eigentlich Männer* oder Frauen* seien, nur eben mit Abweichungen, die es zu korrigieren gilt.</p>
<p>Aber auch abgesehen von dem spezifischem Inter* Thema ist mir bei vielen Kontakten mit Ärzt*innen folgendes aufgefallen: Sie alle lernen wohl sehr viele Latein-Vokabeln im Studium, aber scheinbar gibt es kein einziges Seminar zu Empathie. Keine einzige Schulung darin, ein freundliches Gespräch mit Patient*innen zu führen.</p>
<p>Oder die Mediziner*innen, die ich getroffen habe, haben alle ausgerechnet dieses Seminar verpasst.<br />
Jedenfalls bin ich wütend. Viele andere Inter* auch. Weil es Zeit wird, dass auch Mediziner*innen unsere Körper respektieren. Und nicht daran herum experimentieren.</p>
<p>Das biologische Geschlecht ist komplexer als die meisten glauben.<br />
Hormone, Chromosonen, innere und äußere Anatomie spielen eine Rolle.<br />
Im Übrigen ist jeder Mensch als Embryo Inter* und fast alle Menschen haben sowohl Testosteron als auch Östrogen im Blut.</p>
<p>Es gibt soviel Unwissen zu dem Thema biologisches Geschlecht, dass ich einmal, nachdem ich mich als Inter* geoutet habe, von einer Person gefragt wurde: &#8222;Ja und welche Farbe hat dann dein Blut?&#8220;<br />
Es ist Rot. Leider gibt es kein Regenbogenfarben-Inter*-Blut, womit ich angeben könnte.<br />
Es glitzert auch nicht im Dunkeln.</p>
<p>Denn obwohl unsere Körper so exotisiert werden gilt ja: eigentlich sind die Ähnlichkeiten zwischen Inter* und Endo (nicht Inter*) Körpern sehr viel größer als die Unterschiede.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Ikas Musikempfehlung: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=_37YRkp4hIQ" target="_blank" rel="noopener"><strong>Ein toller RiotGrrrl Song dazu</strong></a>.</li>
<li>Alle Texte von Ika findet ihr <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/ika/" target="_blank" rel="noopener"><strong>hier</strong></a>.</li>
</ul>
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			</item>
		<item>
		<title>I‘m gonna live until I die</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/01/im-gonna-live-until-i-die/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ika]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 Jan 2021 13:21:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>
		<category><![CDATA[Vorbilder]]></category>
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					<description><![CDATA[Ika schreibt heute über ein Thema, mit dem wir alle früher oder später konfrontiert werden &#8211; kein Weg führt daran vorbei: Es geht um Tod und Trauer. Jede*r geht anders damit um, und das ist auch absolut in Ordnung. Bloß verdrängen sollten wir es nicht unbedingt. Stattdessen lieber darüber reden oder, so wie Ika: darüber]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ika schreibt heute über ein Thema, mit dem wir alle früher oder später konfrontiert werden &#8211; kein Weg führt daran vorbei: Es geht um Tod und Trauer. Jede*r geht anders damit um, und das ist auch absolut in Ordnung. Bloß verdrängen sollten wir es nicht unbedingt. Stattdessen lieber darüber reden oder, so wie Ika: darüber schreiben.</strong></p>
<p><span id="more-12707"></span></p>
<p>Heute hat diese Kolumne ein etwas anderes Thema. Es soll weniger um Inter* sein gehen. Achtung &#8211; nicht erschrecken. Aber heute geht es um das Thema Tod und Trauer. Viele haben Angst vor dem Tod. Oder verdrängen den Tod.</p>
<p>Wir scheinen in einer Zeit und Gegend zu leben, in der für starke Gefühle wenig Platz ist.</p>
<p>Ständig gibt es Nachrichten über die neuesten Corona-Zahlen.</p>
<p>Leute wissen Infektionsraten und R-Werte. Aber Menschen sind keine Zahlen.</p>
<p>Selten lese ich die Geschichten hinter den Zahlen.</p>
<p>Von der Angst vor Corona, von der Trauer um Angehörige.</p>
<p>Es scheint Manchen dann wichtiger, dass &#8222;die Wirtschaft&#8220; läuft &#8211; als dass möglichst viele gesund bleiben.</p>
<p>Ich glaube sogar, dass auch die ganzen Maskenverweigerer unbewusst aus Angst vor dem Tod<span class="Apple-converted-space">  </span>handeln.</p>
<p>Manche Menschen haben ein so zerbrechliches Ego, dass sie nicht durch ein Stück Tuch an die eigene Sterblichkeit erinnert werden wollen.</p>
<p>Für mich ein Zeichen dafür, dass Verdrängung im Umgang mit dem Tod und der Trauer nicht unbedingt die beste Strategie ist.</p>
<p>Auch wenn ich selber Verdrängung kenne.</p>
<p>Ich glaube aber, dass wir eigentlich auch viel vom Tod lernen können.</p>
<p>In einem Interview<span class="Apple-converted-space"> </span>mit einem Hospiz-Mitarbeiter wurde dieser gefragt, ob sein Job nicht sehr psychisch belastend wäre und wie er das schaffen würde.</p>
<p>Er hat sinngemäß geantwortet, dass es ihm gut tue, das Gefühl zu haben, etwas Wichtiges zu tun. Er meinte, dass viele seiner Patienten Humor hätten und sehr dankbar seien.</p>
<p>Dann hat er noch betont, dass ein Satz, den er bis jetzt noch nie von den Sterbenden gehört habe lautet: Ach, wär ich doch nur früher mal länger im Büro geblieben.</p>
<p>Auch der Satz &#8211; hätte ich doch nur besser mal auf einen glatten Lebenslauf geachtet &#8211; wird wohl eher selten am Sterbebett zu hören sein.</p>
<p>Ich denke dann an die Schulzeit zurück.</p>
<p>Im Poesiealbum haben alle noch geschrieben &#8211; Lebe jeden Tag als wäre er dein letzter.</p>
<p>Aber dann kam wohl irgendwie der Alltag dazwischen.</p>
<p>Leute fingen an Bäume zu pflanzen, Kinder zu kriegen, eine Karriere zu machen.</p>
<p>Bei mir war das irgendwie anders.</p>
<p>Das war glaub ich kein Zufall.</p>
<p>Mit drei Jahren ist mein Zwillingsbruder an Krebs gestorben.</p>
<p>Ich hatte eigentlich ziemliche Verlustängste.</p>
<p>Aber auch Angst ist manchmal ein krasser Motor.</p>
<p>Und während ich Angst hatte, andere zu verlieren &#8211; hatte ich um mich selber wenig Angst.</p>
<p>Manchmal eher eine Narrenfreiheit.</p>
<p>Wenn das Leben offensichtlich eh jederzeit vorbei sein könnte &#8211; kann ich auch jetzt ein bisschen geniessen, anstatt vernünftig an die Zukunft zu denken. No Future &#8211; wisst ihr?</p>
<p>Manche verpassen aus Angst vor dem Tod ihr Leben. Ich habe eher versucht für zwei zu leben.</p>
<p>Manchmal war das toll &#8211; manchmal ganz schön anstrengend.</p>
<p>Für ein live fast, die young &#8211; und den Rockstar-Tod mit 27 &#8211; bin ich mittlerweile zu alt.</p>
<p>Also gewöhn ich mich besser mal daran, noch etwas länger auf dieser blauen runden Kugel durch den Raum zu reisen.</p>
<p>Ich muss wohl doch ein bisschen – planen &#8211; an später denken – Geduld &#8211; lernen.</p>
<p>Aber wenn ich daran denke &#8211; wie andere ihr Glück auf nach der Rente oder<span class="Apple-converted-space"> </span>einen angeblichen Himmel &#8211; nach dem Tod verschieben. Wenn ich daran denke, wie andere ihr Leben so wenig schätzen, dass sie nie an den Punkt kommen, mal zu fragen, was ihnen eigentlich wichtig ist.</p>
<p>Dann bin ich doch ein bisschen froh, dass da einiges anders gelaufen ist bei mir.</p>
<p>Ich will hier gar nichts schön reden. Trauer ist ein unangenehmes Gefühl. Tod macht Angst. Auch Corona macht Angst und ich würde lieber nicht in Zeiten einer Pandemie leben.</p>
<p>Aber vielleicht ist es ein guter Zeitpunkt, damit aufzuhören, Tod und Trauer zu verdrängen.</p>
<p>Wir sind alle sterblich. Auch wenn der Tod nicht für alle gleich ist. Weil es viel mit den Lebensbedingungen zu tun hat, wer welche Lebenserwartung hat.</p>
<p>Trotzdem hat jede*r nur ein Leben.</p>
<p>Das könnte und sollte doch eigentlich ein Ansporn sein. Das Beste daraus zu machen.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Wie immer hat Ika <a href="https://www.youtube.com/watch?v=-azBAvaifQk" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>noch einen Musiktipp</strong></a> für euch.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Reclaim your Inter*net</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/11/reclaim-your-internet/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ika]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 26 Nov 2020 07:00:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
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		<category><![CDATA[Hatespeech]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir lieben das Internet. Ihr auch? So viele Möglichkeiten, sich zu vernetzen, informieren, auszutauschen, Gleichgesinnte, Verbündete und Freund*innen zu finden, ganz egal, wo man sich aufhält &#8211; ein Traum! Doch leider ist das nicht alles, es gibt auch Schattenseiten&#8230; Warum wir das Inter*net reclaimen sollten und weshalb Ika Menschen, die online Hass und Häme verbreiten,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir lieben das Internet. Ihr auch? So viele Möglichkeiten, sich zu vernetzen, informieren, auszutauschen, Gleichgesinnte, Verbündete und Freund*innen zu finden, ganz egal, wo man sich aufhält &#8211; ein Traum! Doch leider ist das nicht alles, es gibt auch Schattenseiten&#8230; Warum wir das Inter*net reclaimen sollten und weshalb Ika Menschen, die online Hass und Häme verbreiten, manchmal sogar leidtun, all das erfahrt ihr in Ikas neuem Text. Viel Spaß beim Lesen!</strong></p>
<p><span id="more-12550"></span></p>
<p>Schon im letzten Text ging es viel um Inter*aktivismus.<br />
Hieran möchte ich noch einmal anknüpfen.</p>
<p>Ich habe dort Gruppen, die von und für Inter* sind, vorgestellt.<br />
Aber auch wenn ihr selber gar nicht Inter* seid, könnt und dürft und sollt ihr natürlich gerne aktiv werden.</p>
<p>Wenn ihr euch erstmal noch genauer informieren wollt, geht das zum Beispiel <a href="https://inter-nrw.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>hier</strong></a>.<br />
Die Seite ist aus NRW – aber vieles ist auch allgemeingültig.</p>
<p>Ansonsten soll es diesmal um einen nicht so schönen Nebeneffekt vom Aktivismus gehen.<br />
Der betrifft auch gar nicht nur Inter* oder Trans*, sondern alle, die sich zum Beispiel im Internet politisch äußern.</p>
<p>Es geht um Hate Speech. Ich hatte erzählt, Teil der Dritte Option-Gruppe zu sein.<br />
Leider gab es zu dem Erfolg der Klage auch viel Hetzte in den Kommentarspalten des Internets und natürlich wurde sich darüber lustig gemacht.<br />
Manche Rechte haben sich sogar so sehr von dieser Entwicklung bedroht gefühlt, dass sie meinten, irgendwelche Adressen im Internet veröffentlichen zu müssen.</p>
<p>Hier ist so eine Transition übrigens ein echter Vorteil – ihr rechten Hetzer da draußen, eure Namen stimmen schon lange gar nicht mehr alle.</p>
<p>Trotzdem ist so etwas natürlich traurig und beängstigend.<br />
Aber es zeigt sehr deutlich, dass es nicht darum gehen kann, diese angeblichen „Sorgen“ von vermeintlich „besorgten Eltern“ immer und überall ernst zu nehmen.</p>
<p>Stattdessen muss es darum gehen, sich von rechten Angstmachern nicht einschüchtern zu lassen. Und weiter zu arbeiten. An einer Gesellschaft, die Vielfalt nicht nur mit mehr oder weniger großer Toleranz hinnimmt, sondern Vielfalt akzeptiert und wertschätzt.</p>
<p>Ich will diesem Hass nicht zu viel Raum geben, und doch will ich das alles auch nicht unkommentiert stehen lassen.</p>
<p>Darum hier eine Auswahl der absurdesten Kommentare unter den Artikeln zur dritten Option &#8211;<br />
auch ohne Kommentar-<br />
aber so deutlich-<br />
und so aneinander gereiht-<br />
dass ich denke, dass sich jeder Kommentar erübrigt, weil es nicht nur fies, sondern auch ganz schön absurd und lächerlich ist.</p>
<p>Achtung, es geht los – hier kommt das, was Gaby und Jürgen aus einer langweiligen deutschen Kleinstadt so zur Selbstbestimmung von Inter* einfällt:</p>
<p><strong>Hate Poetry:</strong></p>
<p><em>Gott erschuf erst Adam, aus seiner Rippe erschuf er Eva, das Weib.</em><br />
<em>Und dann kam das Bundesverfassungsgericht – und erschuf den Rest.</em><br />
<em>….</em><br />
<em>Es wird wirklich Zeit für einen Politikwandel in Deutschland. Karlsruhe hat sich durch dieses Urteil selbst diskreditiert. Abschaffen!!!</em><br />
<em>….</em><br />
<em>Mittlerweile glaube ich, diese Entscheidung des BVerfG war ein Ablenkungsmanöver, nämlich um von der Flutung Deutschlands mit Migranten und den damit verbundenen Problemen abzulenken.</em><br />
<em> ….</em><br />
<em>Sie geht weiter, die Demontage der westlichen Zivilisation. Man hat die Feinde von Innen wie von Außen in Stellung gebracht, und das Gift ist fertig gemischt. Sollte doch gelacht sein wenn dieses in tausend Jahren mit Blut und Tränen aufgebaute Bollwerk der Aufklärung nicht in wenigen Jahren zusammenfällt und der neuen Weltordnung Platz macht, die unter der Führung von wirklich weisen und geläuterten Sachverwaltern ins Werk gesetzt wird.</em><br />
<em>Die russische Revolution, das dritte Reich und die Killing Fields waren stümperhafte Erstversuche. Diesmal muss es gelingen. Das Urteil des BVG ist ein krasses Fehlurteil</em><br />
<em>…..</em><br />
<em>Ich bin erschüttert, was der Menschheit Jahrtausende hinab unbekannt blieb. Was für unglaubliche Erkenntnisse uns insbesondere die letzten beiden Jahre bescherten! Das ist ein Ergebnis des Wohllebens und der damit einhergehenden Degeneration einer übersättigten, selbstgefälligen und überheblichen Gesellschaft. Ein drittes „Geschlecht“ – nun ja – wie heißt es nun? Duett? Allinclusive? Deutschland war bekannt und beneidet für seine Erfinder, seine Künstler, seine Wissenschaftler – einen guten Ruf hatte die deutsche Pünktlichkeit, Ordnung, Zuverlässigkeit und der Fleiß seiner Menschen. Zwei Jahre hemmungsloser Irrsinn reichen tatsächlich aus, um aus einem Vorzeigestaat ein der allgemeinen Lächerlichkeit ausgesetztem Land zu werden</em><br />
<em>………………………&#8230;</em><br />
<em>Die Rechtssprechung bekommt mit ihrem lactoseintolerantem, veganem Genderschwerpunkt einen ganz neuen Character. Kein Mensch möchte intersexuelle Menschen diskriminieren, es ist eine Erkrankung oder eine Variante der Natur oder was auch immer. Das aber geht zu weit</em><br />
<em>…………………………………………………….</em><br />
<em>Erstaunlich: laut tagesschau.de hat ein Kläger dieses Urteil erwirkt,  laut zeit.de war es dagegen eine Klägerin.</em><br />
<em>Lügenpresse!</em></p>
<p>Was soll ich dazu noch groß sagen?<br />
Wenn ich mich so schnell angegriffen fühlen würde – von allem, was irgendwie anders ist – ich käme ja gar nicht mehr aus dem Haus. Vor all den anderen nicht Inter* da draussen. Deswegen hab ich was gelernt, was die wohl alle nicht können: Mit Unterschieden umgehen. Verschiedene Perspektiven mitdenken.<br />
Manchmal tun mir die Leute dann auch fast ein bisschen leid. Weil ich denke: muss ganz schön anstrengend sein mit all diesem Hass immer.<br />
Aber ich will das auch nicht kleinreden. Es ist Gewalt, die da passiert. Und wenn es mir gerade nicht gut geht, macht das auch was mit mir.<br />
Zu wissen – da draussen sind Leute die mich hassen, einfach nur weil ich bin, wie ich bin.<br />
Für mich ist das alles zum Glück bis jetzt noch nicht zu bedrohlich geworden. Aber es hat leider seinen Grund, dass ich diese Texte unter einem Pseudonym veröffentliche und es ist schade, dass das so sein muss.<br />
Andere kriegen wegen ihrem Aktivismus zum Beispiel für Feminismus oder gegen Rassismus regelmäßig Todesdrohungen.<br />
Dieser Hass im Netz bleibt leider auch nicht immer im Netz. Darum ist es wichtig da gegen vorzugehen und auch einfach mal Sachen, die nichts mehr mit Meinungsfreiheit, sondern mit Beleidigung und Bedrohung zu tun haben, zu löschen.<br />
Eigentlich sollte das gar nicht so schwer sein. Das Internet könnte dann ein viel schönerer Ort sein.<br />
Denn an sich ist es ja schön, dass so viel Vernetzung und Austausch zwischen verschiedenen Leuten möglich ist wie noch nie.<br />
Auch eine erste Inter*bewegung hätte es so vielleicht nie gegeben wenn Leute nicht auch die Möglichkeit genutzt hätten, sich anonym und im Internet zu informieren und auszutauschen.</p>
<p>Also – Reclaim your Inter*net ! :=)</p>
<p>Hier noch <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Ojnv3fegkfM" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>ein toller Gay Pride-Punk-Song</strong></a>. Heute gelten einige Themen, auch das mit der Krankheitsklassifikation, zwar nicht mehr für Schwule, aber für Trans* und Inter* schon.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Wie ihr mit Hate Speech umgehen könnt, erfahrt ihr <a href="https://www.meintestgelaende.de/2020/09/was-kann-ich-gegen-hate-speech-tun/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>in diesem Text</strong></a> von Veronika Rieger.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Inter*aktiv &#8211; Zusammen ist Mensch weniger allein</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/10/interaktiv/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ika]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 13 Oct 2020 07:00:42 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Inter*]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[trans*]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Unser*e Autor*in Ika kann wirklich stolz auf sich sein – denn es ist unter anderem Ika zu verdanken, dass es jetzt eine dritte Option beim Geschlechtseintrag in offiziellen Dokumenten gibt. Wie es dazu kam, wie so ein Gerichtsweg abläuft und weshalb es so, so wichtig ist, sich mit anderen Menschen zu verbünden, das erzählt euch]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unser*e Autor*in Ika kann wirklich stolz auf sich sein – denn es ist unter anderem Ika zu verdanken, dass es jetzt eine dritte Option beim Geschlechtseintrag in offiziellen Dokumenten gibt. Wie es dazu kam, wie so ein Gerichtsweg abläuft und weshalb es so, so wichtig ist, sich mit anderen Menschen zu verbünden, das erzählt euch Ika im heutigen Text.</strong></p>
<p><span id="more-12497"></span></p>
<p>Ich war Teil der Gruppe die auf eine dritte Option beim Geschlechtseintrag geklagt hat – und mit dafür verantwortlich ist –<br />
dass es in offiziellen Dokumenten jetzt möglich ist, sich als inter*/divers einzutragen.</p>
<p>Aber wie ist es dazu gekommen?<br />
In diesem Text möchte ich meine persönliche und politische Motivation Teil dieser Klagegruppe zu werden ein bisschen erklären.</p>
<p>Je mehr ich mich mit der Geschichte von Inter und Trans beschäftigt habe, je mehr andere Trans und Inter ich traf. Umso mehr wurde mir klar.<br />
Ich will das nicht mehr. Mich wieder verstecken. So tun als wäre ich Mann nur damit die anderen sich nicht in ihrer Zwei Geschlechter Matrix gestört fühlen.<br />
Ich will, dass die Leute endlich akzeptieren, dass wir da sind. Als Inter und Trans.<br />
Und dass wir okay sind, wie wir sind.<br />
Ich will, dass es aufhört, dass wir angepasst und unsichtbar gemacht werden.</p>
<p>Da war viel Trotz und Stolz in mir drin.<br />
Auch ein zunehmendes Bewusstsein, dass nicht mein Körper und meine Identität hier das eigentliche Problem sind.<br />
Sondern eine Gesellschaft, die mich an eine weibliche Norm anpassen wollte. Eine Gesellschaft die sogar schon kleine Kinder ungefragt, ohne medizinische Notwendigkeit an den Genitalien operiert. Weil Narben und Schmerzen angeblich immer noch besser seien, als einen Körper zu haben, der offensichtlich nicht männlich oder weiblich sondern Intergeschlechtlich ist.</p>
<p>Vor allem aber war ich zum ersten Mal nicht mehr alleine mit diesen Gefühlen. In Queerfeministischen Gruppen, in Trans* Gruppen, bei Inter Treffen, immer mehr und mehr habe ich andere gefunden, die auch unzufrieden waren mit engen Geschlechterrollen und dem Anpassungsdruck.</p>
<p>An dieser Stelle war klar: ich möchte Veränderungen bewirken. Nicht nur für mich, sondern auch und vor allem für die Inter* und Trans* die nach mir kommen.<br />
Mit dem Wissen endlich auch Leute zu kennen die ein ähnliches Interesse haben fühlte ich mich stark genug dafür.</p>
<p>Jetzt blieb die Frage wie. Bei einer Gesellschaft in der so vieles nach Geschlechtern getrennt ist, wo fange ich da an?<br />
Bei der Medizin, deren Umgang mit Inter* immer noch davon geprägt ist, an eine männliche oder weibliche Norm anzupassen?<br />
Bei den Toiletten, die jetzt im Zuge der dritten Option plötzlich so viel diskutiert werden? Obwohl die Bahn schon seit Jahren Unisextoiletten hat.<br />
Fange ich an beim Sport, der noch immer nach Geschlechtern trennt und Inter* wie Caster Semenya ausschließt? Bei den Formularen im Amt, beim Onlineticket überall wo ich m oder w ankreuzen muss?<br />
Fange ich an in Kindergarten und Schule, wo schon die Kleinsten oft beigebracht bekommen, in geschlechtergetrennten Gruppen zu spielen?<br />
Fange ich an bei den Läden, die Kleidung, ja sogar Socken nach Geschlechtern sortieren?</p>
<p>Eine angebliche Normalität von Mann* und Frau* wird erst mit Gewalt hergestellt: durch Selektion, durch OPs, durch Anpassungsdruck.</p>
<p>Für mich war klar, die Veränderung muss radikal sein. Radikal heißt an der Wurzel. Ich wollte nicht nur einen Teil der Auswüchse von diesem Zwei-Geschlechter-System verändern, sondern dahin gehen, wo alles angefangen hat.</p>
<p>Logischerweise war der Anfang für mich die Geburtsurkunde. Irgendwann hatte irgendwer ohne mich zu kennen, ohne dass ich selber was dazu sagen konnte, eingetragen, dass ich weiblich sei. Wenn ich will, dass die Leute verstehen, akzeptieren dass ich Inter* bin, muss ich also genau hier anfangen. Ich wollte nicht als Mann oder Frau sondern als Inter* anerkannt werden. Ganz offiziell.</p>
<p>Denn von da aus lassen sich hoffentlich auch die anderen oben genannten Punkte verändern. Zumindest ist das die Hoffnung. Wenn es einen dritten Eintrag gibt lässt sich schwerer begründen, dass es medizinische Anpassungen an eine weibliche oder männliche Norm braucht.</p>
<p>Aber natürlich war es nicht mit einem einfachen Besuch beim Standesamt getan. Offiziell war es ja gar nicht möglich einen Eintrag als Inter*/Trans*/divers zu haben. Letztendlich haben wir als Gruppe über fünf Jahre weiter daran gearbeitet und uns bis vor das Bundesverfassungsgericht geklagt.<br />
Auch hier war es kein Zufall, sondern eine strategische Überlegung, dass wir den Gerichtsweg gegangen sind.</p>
<p>Während in der Politik Inter und Trans als vermeintliches Minderheitenthema oft hintenan steht, muss ein Gericht den Einzelfall betrachten.<br />
Für uns war klar, dass es auch deswegen eine realistische Perspektive auf einen erfolgreichen Prozess gab weil auch die letzten Verbesserungen des TSG nicht von der Politik ausgingen, sondern durch Einzelpersonen eingeklagt wurden.</p>
<p>Eine andere politische Frage ist da etwas komplizierter gewesen doch auch hier ist uns allen die Entscheidung eigentlich sehr leicht gefallen.<br />
Natürlich wäre eine Welt am besten, in der niemand mehr ein Geschlecht angeben muss. Aber wir leben nun mal immer noch in einer Welt, in der Geschlecht eine große Rolle spielt.<br />
Solange das so ist, fanden wir es wichtiger und realistischer erst mal Sichtbarkeit und Akzeptanz zu schaffen für Inter* und Trans*, durch einen expliziten dritten Geschlechtseintrag, anstatt zu versuchen, dass der Geschlechtseintrag für alle gestrichen wird. Gerade für Antidiskriminierungsarbeit kann so ein dritter Eintrag sehr viel mehr Möglichkeiten bieten.</p>
<p>Juristisch war es auch gar nicht möglich, auf eine Abschaffung des Geschlechtseintrages für alle zu klagen. Es wäre möglich gewesen meinen Geschlechtseintrag streichen zu lassen beziehungsweise darauf zu klagen.<br />
Aber das schien mir nie wie eine gleichberechtigte Option. Männer und Frauen hätten dann weiter einen Geschlechtseintrag nur wir als Inter* und Trans* hätten stattdessen eine Leerstelle und würden wieder unsichtbar bleiben.</p>
<p>Aber auch politisch glauben ich dass ein Erfolg der Klage eben nicht nur darin liegt dass es jetzt einen dritten Eintrag gibt, sondern auch darin das besonders in der Zeit nach dem Urteil so viel über Inter* und Trans* in den Medien berichtet wurde, wie wir es vorher nicht erlebt haben.<br />
Vor allem in den ersten Jahren der Klage haben wir als Kampagnengruppe in vielen verschiedenen Städten Infoveranstaltungen organisiert und erklärt was das überhaupt heißt Inter* und Trans*.<br />
Wir haben über Chromosome, Identität und Hormone gesprochen.</p>
<p>Manchmal ist es immer noch unglaublich für mich zu merken, dass jetzt 8 Jahre später so viele Fragen die uns damals gestellt wurden auch von anderen Medien beantwortet werden. Wir konnten quasi dabei zugucken wie von Jahr zu Jahr mehr wissen zu Trans* und auch Inter* vorhanden war.</p>
<p>Insgesamt war es auch einfach eine tolle Erfahrung in einer zwar kleinen aber feinen Gruppe, sehr strukturiert und beständig an diesem Prozess und der Kampagne drumherum zu arbeiten. „True focus lies somewhere between rage and serenity“ (Professor X , X-Men First Class) Ich habe bis heute keine Gruppe getroffen die so fokussiert zusammengearbeitet hat.<br />
Nochmal ein großes danke an dieser Stelle.</p>
<p>Das erhoffte Gesetz zum Verbot von ungefragten OPs an Inter* Kindern ist leider noch nicht da.<br />
Immer noch muss dafür geklagt werden dass eine dritte Option nicht an irgendwelche Gutachten geknüpft sein darf.<br />
Dabei ist es doch logisch das nur ich selber mein Geschlecht am besten kenne.</p>
<p>Aber es gibt schon eine nicht-binäre person – die nicht Inter* ist – die sich auch bis vor das Verfassungsgericht geklagt hat &#8211; und hoffentlich bald klären kann das ein dritte Geschlechtseintrag – allen offen stehen sollte die nicht Mann oder Frau sind -egal ob Inter* oder Trans*. Mehr aktuelles dazu <a href="http://dritte-option.de/ueber-uns/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>findet ihr hier</strong></a>.</p>
<p>Warum ich das alles erzähle – weil es zeigt – das Veränderung manchmal doch möglich ist.<br />
Weil es zeigt – dass es gar nicht immer riesige viele Menschen braucht – manchmal reicht eine kleine aber engagierte Gruppe – und viel Hartnäckigkeit.</p>
<p>Vielleicht hat die*der eine oder andere ja auch Lust auf Aktivismus bekommen?</p>
<p>Wenn ihr Inter seid und denkt – es wird Zeit mal andere zu treffen, könnt ihr zum Beispiel hier nachschauen:<a href="http://www.im-ev.de/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong> Intersexuelle Menschen e.V.</strong></a> &#8211; heißt der Verein und bietet in verschiedenen Städten regelmäßig Treffen von und für Inter*, um sich zusammen auszutauschen und zu unterstützen.</p>
<p><a href="https://oiigermany.org/aktuell/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Das hier ist eine Organisation</strong></a> die sich mit Inter* aus aller Welt vernetzt und auf politische Fordrrungen von Inter* aufmerksam macht, vor allem in Berlin aktiv.</p>
<p><a href="http://www.transinterqueer.org/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Das ist ein Verein</strong></a> der Beratung für Inter* und Trans* anbietet außerdem gibt es Gruppentreffen mit verschiedenen Themen . Auch in Berlin.</p>
<p>Falls ihr jetzt denkt – hier ist irgendwie noch nicht das richtige für mich dabei &#8211; dann gilt vielleicht der alte Spruch-<br />
alles muss Mensch selber machen. Niemand hält euch davon ab, einfach eine Gruppe neu zu gründen 🙂</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Wie immer <a href="https://www.youtube.com/watch?v=yh91lO-PU0o" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>hat Ika noch einen Songtipp für euch</strong></a>, zum Mutmachen und Starkfühlen.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Passing Probleme</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/09/passing-probleme/</link>
					<comments>https://www.meintestgelaende.de/2020/09/passing-probleme/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ika]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Sep 2020 07:00:56 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Inter*]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<category><![CDATA[Vorurteile]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=12451</guid>

					<description><![CDATA[Warum Ika irgendwann angefangen hat, zu sagen, &#8222;vom Pluto&#8220; zu kommen, und was das mit Rassismus und Passing Problemen zu tun hat, das erklärt euch dieser neue Text. Wie immer ein kraftvolles Plädoyer dafür, dass wir unbedingt auch an uns selbst arbeiten müssen, um Klischees und Vorurteile zu verlernen, um uns zu verbünden, denn: &#8222;No]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Warum Ika irgendwann angefangen hat, zu sagen, &#8222;vom Pluto&#8220; zu kommen, und was das mit Rassismus und Passing Problemen zu tun hat, das erklärt euch dieser neue Text. Wie immer ein kraftvolles Plädoyer dafür, dass wir unbedingt auch an uns selbst arbeiten müssen, um Klischees und Vorurteile zu verlernen, um uns zu verbünden, denn: &#8222;No one is free until we all are free.&#8220; (Martin Luther King Jr.)</strong></p>
<p><span id="more-12451"></span></p>
<p>Als ich vor ein paar Jahren anfing, Testosteron zu nehmen, war mir klar, dass ich mich verändern würde. Mir war auch klar, dass es dabei um mehr geht als um das Aussehen.</p>
<p>Tatsächlich hat sich gefühlt meine Welt einmal auf den Kopf gestellt.<br />
Manchmal waren die Veränderungen dabei schneller als ich.<br />
Aber mittlerweile hoffe ich, einigermaßen hinterher gekommen zu sein, darum möchte ich gern davon erzählen.</p>
<p>Ich war zwar nie typisch &#8222;weiblich&#8220;, trotzdem kenne ich es noch, dass mir Sachen aus der Hand gerissen wurden, weil sie ja bestimmt zu schwer für mich seien.<br />
Ich kenne es auch selbstverständlich von Männern* unterbrochen zu werden.<br />
Mich im öffentlichen Raum kleiner zu machen als ich sowieso schon bin.</p>
<p>Mit Bart nachts durch die Straßen zu laufen, war tatsächlich manchmal ein neues Gefühl von Freiheit. An manchen Tagen bin ich selber noch überrascht, plötzlich so viel Platz zu haben in der U-Bahn.</p>
<p>Doch in meiner Transitions hat sich irgendwie unerwartet noch viel mehr verändert.</p>
<p>Ein dunkler Bart hat plötzlich dazu geführt, dass ich gefragt werde wo ich denn herkomme. Mir wurde gesagt oder gezeigt, dass ich nicht von „hier“ sein könne.<br />
Was auch immer das heißt.</p>
<p>Wenn das auf der Straße passiert ist, konnte ich meist noch ganz gut darüber lachen.<br />
Gerade in Arbeitskontexten hat es mich aber oft angestrengt.</p>
<p>Als undercover Inter* und gleichzeitig als Ausländer* wahrgenommen zu werden, der*die eigentlich eher deutsch groß geworden ist, habe ich mich oft wie ein Alien gefühlt.</p>
<p>Für mich selber habe ich beschlossen, die nervige Herkunftsfrage ganz einfach zu beantworten.<br />
Ich bin vom Pluto.</p>
<p>Das ist erstens ganz weit weg.<br />
Zweitens nicht Mars oder Venus – also weder Mann noch Frau.<br />
Außerdem hatte auch schon Pluto – genau wie ich &#8211; Passing Probleme.</p>
<p>2006 wurde er plötzlich zum Zwergplaneten degradiert.<br />
Hat da jemand mal Pluto gefragt?</p>
<p>Nein – im Ernst.<br />
Wir als Gesellschaft sollten endlich damit aufhören, bestimmten körperlichen Merkmalen so eine übergroße Bedeutung zuzuschreiben.</p>
<p>Ich will, dass weder die Größe meiner Brust noch die Farbe von meinem Bart dazu führt, dass Leute plötzlich irgendwelche Bilder und Filme im Kopf haben, die dann auf mich projiziert werden, obwohl sie eigentlich gar nichts mit mir zu tun haben.</p>
<p>Darum bin ich froh, dass in diesem Jahr auch die offiziellen CSDs sich solidarisch mit Black Lives Matter erklärt haben.<br />
Es macht gar keinen Sinn nur für queere Emanzipation zu kämpfen.<br />
Ich glaube an den alten Spruch „No one is free – untill all are free“</p>
<p>Aber selbst wenn euch das nicht überzeugt, schon allein ein Blick auf queere Geschichte zeigt:<br />
Auch wenn heute queere Institutionen oft sehr weiß* sind, für unsere Vorkämpfer*innen gilt das nicht.</p>
<p>Oft waren gerade Leute, die gegen mehr als eine Form der Unterdrückung gekämpft haben, am mutigsten.</p>
<p>Das gilt für die vielen Schwarzen Trans*Frauen der Stonewall Riots – aber auch für queere Geschichte in Deutschland.<br />
Das erste Institut für Sexualwissenschaften in Berlin wurde von Magnus Hirschfeld gegründet.<br />
Leider haben dann die Nazis in den 30ern das Institut komplett zerstört und Magnus Hirschfeld musste als schwuler Jude aus Deutschland fliehen.</p>
<p>Caster Semenya (erfolgreiche 800m Läuferin) war die erste Person, bei der ich 2010 mitbekommen habe, dass öffentlich über Intersexualität gesprochen wurde.<br />
Wie rücksichtslos dabei ihr Recht auf Privatsphäre missachtet wurde, wie sehr alle möglichen Leute meinten, das Recht zu haben zu beurteilen, wie weiblich oder nicht weiblich Caster Semenya sei.<br />
Das hatte nicht nur mit Queerfeindlichkeit zu tun, und mit Inter*feindlichkeit – das war ganz oft auch Rassismus.</p>
<p>Leslie Feinberg, eine der ersten Menschen, die eine Transition mit Hormonen gemacht haben und wichtige*r Trans*vorkämpfer*in, hat auch gegen Antisemitismus und Rassismus gekämpft.<br />
Auch Freddy Mercury, Sänger von Queen und der wohl berühmteste Schwule der Rockmusik, musste gegen Homofeindlichkeit und rassistische Zuschreibungen kämpfen.</p>
<p>Ich selber bin mit antirassistischem Kinderbuch aber auch rassistischen Bildern von Entwicklungshilfe groß geworden.<br />
Genauso wie es gebraucht hat zu lernen, dass es gar nicht nur Mann oder Frau gibt – und dass all die damit verbundene Zuschreibungen ziemlicher Quatsch sind &#8211; genauso hat es auch gedauert, rassistische Klischees loszuwerden.</p>
<p>Ich hatte auch einen Irokesen Haarschnitt, weil das in meinen weisen Augen &#8222;wild und punk&#8220; war, ohne darüber nachzudenken, dass es meine Projektionen sind und die Frisur eigentlich eine ganz andere Geschichte hat, die ich gar nicht wirklich kannte.</p>
<p>Ich war ein Jahr nach der Schule woanders, klar – auch weil ich es in meiner Kleinstadt nicht ausgehalten hab &#8211; aber auch weil irgendwelche Klischees meinten, weit weg, woanders, ist bestimmt aufregender als hier.</p>
<p>Im Grunde ist es auch eine never ending Story. Ständig werden wir offen oder subtil damit konfrontiert, dass Leute nach bestimmten Kriterien unterschieden und auch bewertet werden, da muss ich schon aktiv gegen arbeiten im Kopf.<br />
Wenn ich das nicht mitmachen will.</p>
<p>Das sollte aber nicht aus einem seltsamen Pflichtgefühl oder aus Paternalismus passieren.<br />
Letztlich geht es nicht nur darum, andere nicht zu diskriminieren – sondern auch darum, zur eigenen Menschlichkeit zurück zurück zu finden.</p>
<p>Als Person die lange weiblich gelesen wurde und jetzt männlich, als Person die weiß groß geworden ist, und jetzt manchmal Rassismus erlebt, als Person, die in eine bürgerliche Familie geboren wurde und jetzt eher lower class lebt, kann ich sagen:</p>
<p>Natürlich ist es manchmal anstrengend oder es klappt nicht, gegen alte Vorurteile zu kämpfen.<br />
Natürlich kann es weh tun sich Fehler einzugestehen.<br />
Natürlich macht es Angst, loszulassen.</p>
<p>Aber eine Sache, die Vorurteile machen ist es, Empathie zu blockieren.<br />
Der Mensch, der mir aus dem Nichts heraus die Schulter tätschelt und sagt dass ich ja bestimmt ein armes Schwein bin, aber ich solle mich doch mal gerade hinsetzen dann klappt das schon mit dem Ankommen &#8211; der sieht nicht nur mich als Mensch nicht, der verliert auch seine eigene Menschlichkeit.</p>
<p>Eigentlich logisch, dass das für niemanden gut ist,<br />
auch nicht für die Person, die ihre Empathie verliert.</p>
<p>Nur manchen scheint Macht wichtiger zu sein als Empathie, aber das ist nicht die Seite, auf der Mensch stehen will, oder?</p>
<p>Gerade wir Inter* und Trans* kennen uns doch eigentlich aus mit Vorurteilen.<br />
Also lasst uns nicht nur gegen die einen Vorurteile kämpfen, sondern gegen alle, vielleicht auch die eigenen,<br />
bis alle frei sind.</p>
<p>Manche setzen sich mit ihrer Musik für Emanzipation ein &#8211; hört gern mal <a href="https://www.youtube.com/watch?v=CXELI8GABXQ" target="_blank" rel="noopener noreferrer">hier rein.</a></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Mehr Texte von Ika <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/ika/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>findet ihr hier</strong></a>.</li>
</ul>
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			</item>
		<item>
		<title>It´s a shame &#8211; von Liebe und Scham </title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/08/its-a-shame-von-liebe-und-scham/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ika]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 27 Aug 2020 07:00:39 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Liebe_n]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Beziehung]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Inter*]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
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					<description><![CDATA[Ika bespricht in diesem neuen Text etwas sehr, sehr Wichtiges und gleichzeitig unglaublich Kompliziertes: Scham und Liebe. Zwei Gefühle, die manchmal bloß schwer auszuhalten sind, die für Verwirrung sorgen können &#8212; und die viel mehr zusammenhängen, als wir vielleicht glauben. Wie immer fließen auch Ikas eigene Erfahrungen in puncto Verliebtheit und Scham sowie die spezielle]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ika bespricht in diesem neuen Text etwas sehr, sehr Wichtiges und gleichzeitig unglaublich Kompliziertes: Scham und Liebe. Zwei Gefühle, die manchmal bloß schwer auszuhalten sind, die für Verwirrung sorgen können &#8212; und die viel mehr zusammenhängen, als wir vielleicht glauben. Wie immer fließen auch Ikas eigene Erfahrungen in puncto Verliebtheit und Scham sowie die spezielle Bedeutung für Ika als Inter* Person mit in den Text ein. Viel Spaß beim Lesen!</strong><br />
<span id="more-12406"></span></p>
<p>Die erste Person, in die ich so richtig verliebt war – war meine beste Freundin. Im Grunde haben wir eine über vier Jahre lange Beziehung geführt. Wir haben uns jeden Tag gesehen und sie war die einzige Person, der ich einigermaßen vertraut habe zu der Zeit.</p>
<p>Nur hatten wir keinen Sex oder haben uns geküsst. Für manche nennt sich das dann „nur befreundet“.<span class="Apple-converted-space">  </span>Für mich war es schwierig, als dann wer anders da war – den sie küssen und kuscheln und mit dem sie Sex haben wollte, und ich mich plötzlich nur noch als Nummer zwei gefühlt hab.</p>
<p>Meine ersten sexuellen Erfahrungen hatte ich dann mit einer Person, in die ich gar nicht verliebt war. Aber ich wollte dazugehören und auch mal Liebe, Sex und Zärtlichkeit.<span class="Apple-converted-space">  </span>Leider habe ich irgendwie mehr Druck als Lust gefühlt und es hat alles nicht sonderlich gut funktioniert.</p>
<p>Schon bevor ich wusste was das heißt, wurde mir gesagt, ich sei lesbisch. Ich hab das dann auch erst mal geglaubt. Erst als ich selber immer mehr als männlich gelesen wurde, habe ich gemerkt, dass ich auch Männer*<span class="Apple-converted-space">  </span>attraktiv finden kann. Immer mehr merke ich – nicht nur Geschlechtergrenzen sind fließend.<span class="Apple-converted-space">  </span>Auch die Grenzen zwischen Freundschaft und romantischer Liebe.</p>
<p>Klingt alles ganz schön kompliziert ? Ist es leider auch. Und trotzdem – oder vielleicht auch gerade deswegen – ist es auch wahnsinnig schön.</p>
<p>Heute kann ich sagen – ich habe viele verschiedene Formen der Liebe – für ganz unterschiedliche Menschen. Mit manchen kann ich mich gut über Gefühle austauschen – weil da irgendwas in uns ähnlich ist. Mein Herz kann dann Luftsprünge machen – wenn ich mich verstanden fühle. Wenn andere Worte finden für etwas, wofür ich nach Worten gesucht habe. Manche Menschen sehe ich sehr lange nicht – aber weil wir vor Jahren viel zusammen durchgemacht haben, sind sie ein bisschen wie Geschwister geworden – und sehr schnell ist da ganz viel Nähe, wenn wir uns wiedersehen.</p>
<p>Für mich ist das nicht mehr oder weniger wertvoll als Beziehungen, in denen ich auch kuscheln, küssen oder anderen Körperkontakt mag. Wenn es etwas gibt was ich heute mag an meinem Inter* sein – dann ist es wohl genau das. Wer schon nicht Mann oder Frau ist – warum sollte der*die dann irgendwelchen Beziehungsidealen von vor 100 Jahren hinterher rennen? Ich muss zugeben, dass ich da nicht immer so entspannt war. Ich habe lange gebraucht mich davon zu lösen. Von dem was mir jede Werbung, jede romantische Komödie immer wieder erzählt.</p>
<p>Dass es<span class="Apple-converted-space"> </span>die eine Richtige gibt – und wenn du die findest, dann wird alles gut.<span class="Apple-converted-space"> </span>Dass zu zweit gegen den Rest der Welt die beste Strategie ist. Surprise – die Realität ist<span class="Apple-converted-space"> </span>etwas<span class="Apple-converted-space"> </span>komplexer.</p>
<p>Heute glaube ich, dass es vielleicht gar nicht am wichtigsten ist, ob ich jetzt in einer romantischen Zweierbeziehung bin, mehrere Polybeziehungen habe oder viele enge Freundschaften. Ich glaube Liebe ist gar nicht etwas abstraktes, das plötzlich und auf einmal – dann aber<span class="Apple-converted-space">  </span>für immer &#8211; da ist. Natürlich gibt es Verliebheitsgefühle. Aber ich glaube Liebe ist etwas, das wir tun. Wenn wir ehrlich und liebevoll miteinander umgehen. Dann lieben wir. Das ist manchmal schwer. Oder anstrengend. Oder beängstigend. Aber auch schön. Weil wir nicht auf das Schicksal oder Amor warten brauchen.</p>
<p>Wir müssen uns nur trauen. Das ist nicht immer leicht in einer Welt, in der Bilder beim Daten<span class="Apple-converted-space"> </span>oft wichtiger sind als eine ähnliche Einstellung. Sowieso ist es schwer mit der Ehrlichkeit, wenn gleichzeitig an so vielen Stellen Erwartungen zu erfüllen sind. Viele wollen dann nur<span class="Apple-converted-space">  </span>bestimmte Seiten von sich zeigen. Ecken und Kanten werden glatt gebügelt. Oder verdrängt.</p>
<p>Bei mir hat das nie so richtig funktioniert. Mit 17 Jahren war ich im Urlaub ziemlich verliebt. Für meine beste Freundin hatte ich wie oben im Text erwähnt auch Gefühle, aber die waren<span class="Apple-converted-space"> </span>mittlerweile mehr wie eine feste starke Verbundenheit. Diese Urlaubsbekanntschaft fühlte sich dagegen wie ein Feuerwerk an. Unbekannter. Gefährlicher. Aufregender. Was habe ich also getan – mit diesen Gefühlen umzugehen? Mich betrunken. Und dann kotzend alles ausgepackt was ich an Trauma und Neurosen so anzubieten hatte.</p>
<p>Ich war auch an anderen Stellen ziemlich gut im anti-flirten. Wenn du wen gut findest, nicht die schönsten, nettesten Seiten von sich zeigen. Sondern die abstoßendsten.<span class="Apple-converted-space"> </span>Ich glaube ich hab es mir selber gar nicht gegönnt. Zu lieben. Geliebt zu werden. Das wiederum hat viel mit Scham zu tun. Schon in der Grundschule fingen die ersten<span class="Apple-converted-space"> </span>an, sich über mich lustig zu machen. War „es“ ein Zwitter? Ein Mädchen, das ein Junge sein wollte? In jedem Fall<span class="Apple-converted-space"> </span>irgendwie komisch. Da ich nie besonders groß, stark oder mutig war, brauchte ich andere Strategien um mich gegen Anfeindungen zu verteidigen. Wenn die Jungs also hinter mir herliefen, um zu versuchen, mich zu schlagen, habe ich ihnen einfach Küsschen zugeworfen mit meiner Hand. Das reichte manchmal schon aus, um sie in die Flucht zu schlagen. Wenn sie doch mal zu nahe kamen habe ich sie frech auf den Arm geküsst. Spätestens dann waren alle sehr schnell weg. Liebesbekundungen sind für kleine Jungs ziemlich uncool und eklig. Wenn sie dann noch von einem Zwitter kommen, gilt beides wahrscheinlich doppelt. Für den Moment war das eine gute Strategie. Sie sind schreiend weggerannt und ich hatte meine Ruhe.</p>
<p>Kill them with kindness – nennt sich das wohl. Irgendwann hat sich niemand mehr getraut, mich zu ärgern. Aber ohne dass ich es verstanden habe, ist da auch noch etwas ganz anderes passiert. Ich habe mich immer mehr geschämt. Ich habe verinnerlicht, dass mein Körper so anormal ist, dass es die einzige legitime Reaktion auf Berührung mit meinem Körper ist, wegzulaufen.</p>
<p>Scham ist glaube ich für viele Inter* ein Thema. Hier ein Zitat aus der Apothekenumschau zum Thema Scham: &#8222;Für Daniel Fessler von der University of California ist Scham seit der Frühgeschichte des Menschen der &#8222;entscheidende Mechanismus, um die Zusammenarbeit in Gruppen zu etablieren und aufrechtzuerhalten.&#8220; Die peinigende Emotion treibt dazu an, die geltenden Normen einzuhalten. Dies sichert den Verbleib in der Gruppe – und somit das Überleben. Nach innen wirkt Scham wie eine Alarmglocke, nach außen beschwichtigt sie: Seht her, ich habe eine Regel verletzt, und mir geht es nicht gut damit. Mehr Bestrafung ist nicht nötig.&#8220;<span class="Apple-converted-space">  </span>(Ingrid Kupzik, Apothekenumschau , 06.05.2014)</p>
<p>Das Fiese dabei ist: Wir als Inter* haben noch nicht mal irgendwas Aufregendes, Verbotenes getan. Wir hatten nicht einmal den kurzen Moment, uns beim Regelbruch erst mutig und stark zu fühlen, bevor dann die Scham kommt. Schon allein unsere Existenz scheint die Regeln des Zusammenlebens so sehr zu stören,<span class="Apple-converted-space"> </span>dass wir als erstes lernen uns zu schämen. Aber mir reichts.</p>
<p>Und ich hoffe und glaube,  anderen auch. Sollen die sich doch schämen, die mich ärgern wollten – nur weil ich nicht Junge oder Mädchen bin. Sollen sich die schämen, die meinen, dass es eklig wäre, von mir geküsst zu werden.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Ika wünscht sich eine Verlinkung <a href="https://www.youtube.com/watch?v=J-4gAetwNkw" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>zu folgendem Pet Shop Boys-Song</strong></a> 🙂</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Der Fehler in der Matrix</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/07/der-fehler-in-der-matrix/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ika]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Jul 2020 07:00:40 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Inter*]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbilder]]></category>
		<category><![CDATA[Queer]]></category>
		<category><![CDATA[trans*]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir freuen uns über einen neuen, spannenden Text von Ika! Auch innerhalb einer bestimmten &#8218;Bubble&#8216; kann es zu hitzigen Diskussionen und Streit kommen &#8211; selbst wenn eigentlich gegen ein und dasselbe gekämpft wird, beispielsweise das Patriarchat. Ika schreibt über Konflikte und mangelnde Solidarität zwischen trans und inter Personen. Ein wichtiger Einblick! Im letzten Text „Zur]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir freuen uns über einen neuen, spannenden Text von Ika! Auch innerhalb einer bestimmten &#8218;Bubble&#8216; kann es zu hitzigen Diskussionen und Streit kommen &#8211; selbst wenn eigentlich gegen ein und dasselbe gekämpft wird, beispielsweise das Patriarchat. Ika schreibt über Konflikte und mangelnde Solidarität zwischen trans und inter Personen. Ein wichtiger Einblick!</strong></p>
<p><span id="more-12349"></span></p>
<p>Im letzten Text „Zur Frau wurden wir gemacht“ ging es sehr viel um Inter* in feministischen und/oder queeren Kontexten.<br />
Diesmal geht es um Konflikte, die zum Teil zwischen Inter* und Trans* Aktivisten auftauchen.</p>
<p>Für mich war immer klar, dasss ich mich als beides sehe. Also dass ich irgendwie Inter* bin , weil mein Körper nie ein typisch weiblicher Körper war und auch nie ein typisch männlicher Körper sein wird, sondern irgendwo dazwischen ist.</p>
<p>Gleichzeitig sehe ich mich auch als Trans*, weil auch mein psychisches Geschlecht nicht männlich oder weiblich ist.<br />
Vor allem habe ich die Erfahrung gemacht, lange Jahre als Frau angesehen zu werden und dann irgendwann als Mann.</p>
<p>Trotzdem muss ich zugeben, dass es zum Teil große Unterschiede gibt in den Erfahrungen von Inter* und Trans*. Während manche Inter* am liebsten nichts mehr von Pronomen hören wollen, weil sie diese mit falschen Zuschreibungen und Anpassungversuchen verbinden, sind sie vielen Trans* Personen sehr wichtig. Für manche sind sie ein Zeichen endlich im richtigen Geschlecht wahrgenommen zu werden.</p>
<p>Hier scheinen mir aber die Unterschiede zwischen nicht binären Inter und binären Inter zum Teil auch sehr groß. Mit binären Inter* meine ich Leute deren Körper zwar intergeschlechtlich ist, die sich aber als Frau oder Mann definieren. Nich-binäre Inter* haben einen intergeschlechtlichen Körper und definieren sich auch weder als Mann oder Frau. Genauso gibt es binäre und nicht binäre Trans*.</p>
<p>Vielleicht sollten wir also nicht immer so viel darauf gucken, wo wir geschlechtermäßig herkommen, sondern wo wir hinwollen beziehungsweise wo wir jetzt sind.</p>
<p>Darum finde ich es schade, wenn manche Inter* so tun als würden Trans* nicht auch sehr unter dem Zwei-Geschlechter-System leiden, sondern sich das Transsein aussuchen, weil der Körper ja binär ist.</p>
<p>Am Ende leiden wir alle in dieser Geschlechter-Matrix, die nur 0 oder 1 kennt. Nur männlich oder weiblich.<br />
Wir sind die 2. Oder 3. Oder 4.<br />
Oder was auch immer.<br />
Aber mit Sicherheit nicht vorgesehen in diesem System.</p>
<p>Ich bin dann hin- und hergerissen.<br />
Ich denke – reißt euch zusammen und arbeitet alle mal zusammen.<br />
Dann denke ich aber – wenn Leute Mist bauen, darf auch das Inter- oder Transsein keine Entschuldigung dafür sein.</p>
<p>Ja, natürlich ist es ein Problem, wenn auf einer Tagung von und für Inter und Trans ein Arzt eingeladen wird, der ungefragte OPs an Inter Kindern durchführt.<br />
Weil es der gleiche Arzt ist, der jungen trans Personen bei ihren OPs hilft.<br />
Das ist einfach unsolidarisch. Und da fällt mir dann auch nichts mehr zu ein.</p>
<p>Aber bei anderen Punkten, über die sich geärgert wird, frage ich mich: warum sind wir Queers mit anderen Queers immer am strengsten? Ist das auch irgendwie Selbsthass?</p>
<p>Kleinere Fehler sollten kein Grund zum Draufhauen auf andere Queers. Ich würd mir dann wünschen, dass wir nicht so sehr diejenigen kritisieren, die uns eigentlich sehr nah sein könnten, sondern besser mal auf dieses Patriarchat zielen.</p>
<p>Das ist ja immer noch da und lacht sich ins Fäustchen – wenn wir Unterdrückten mit unserer Wut und Verletzung lieber aufeinander losgehen als auf den Unterdrücker.</p>
<p>Für mich ist das der Typ, der mich in der Bahn auslacht, weil ich ihm zu queer bin,<br />
oder ein Arzt, der meint, dass es okay ist, mich direkt nach meinem Sexleben auszufragen,<br />
weil er so etwas &#8218;Exotisches&#8216; wie mich ja vorher noch nie in live gesehen hat.</p>
<p>Anderen Queers verzeihe ich viel mehr.<br />
Weil ich denke – i know your struggle.</p>
<p>Trotzdem sind zur Zeit Trans* sichtbarer als Inter*. Da ist es wichtig dass in der Zusammenarbeit nicht die größere oder lautere Gruppe den Ton angibt. Sondern wirklich gleichberechtigt zusammengearbeitet wird.</p>
<p>Aber immer wieder gibt es dann Menschen, meist weiße schwule cis Männer, die denken, von den Rechten akzeptiert zu werden wenn sie sich nur laut genug von diesem ganzen &#8218;Gender Gaga&#8216; – also im Klartext von allen trans und inter Personen, allen unangepassten Queers, distanzieren.</p>
<p>Genauso gibt es binäre trans Personen, die nichts mit diesen &#8218;komischen anderen&#8216; trans Personen zu tun haben wollen, die sich nicht für ein Geschlecht entscheiden. Die alles dafür tun, sich an eine männliche oder weibliche Norm anzupassen und über alle anderen lachen, die nicht mitmachen können oder wollen, und die dafür auf Applaus von der cis Welt hoffen.</p>
<p>Es gibt Inter die denken, wenn sie nur hetero und angepasst genug sind, dann werden sie zwar immer noch bemitleidet &#8211;<br />
aber wenigstens nicht abgelehnt. Und so weiter.</p>
<p>Ich sage – schaut nach Ungarn. Schaut auf Trump. Schaut auf die AfD.<br />
Wenn jetzt wie in Ungarn ein Gesetz erlassen wird, dass nur noch das bei Geburt festgelegte Geschlecht im Pass stehen darf, betrifft das alle Trans* und Inter*.<br />
Letztlich auch alle Queers. Auch wenn es die Inter* und Trans* als erste abbekommen.</p>
<p>In Polen betreffen die LGBTQI-freien Zonen schon jetzt alle.</p>
<p>Ich wünsche mir darum nicht-binäre-binäre-trans-inter-schwule-lesbische-bisexuelle-tunten-Queers, die sich nicht voneinander abgrenzen, sondern sich laut und deutlich von dieser Gesamtscheiße distanzieren.</p>
<p>Mit Gesamtscheiße meine ich hier den von Rechten angestrebten Rollback zu Geschlechter- und Familienbildern des vorletzten Jahrhunderts.</p>
<p>Wer wenn nicht wir sollte der Welt zeigen, dass es anders und besser geht &#8211;<br />
als in zu engen Rollenbildern stecken zu bleiben?</p>
<p>Dass Sex mehr sein kann als Penentration, dass Familie mehr ist als Mutter, Vater, Kind?</p>
<p>Was nicht heißt, das es jetzt ein neues Dogma werden sollte möglichst Poly zu leben. Und sich gegenseitig überbieten wer den krasseren Sex hat klingt für mich mehr nach Selbstoptimierung, als nach Freiheit.</p>
<p>Es geht darum in sich rein zu fühlen – welche Art zu leben wirklich zu mir passt.</p>
<p>Spoiler Alarm 1: Das ist für verschiedene Menschen sehr unterschiedlich.</p>
<p>Spoiler Alarm 2: Das kann sich durchaus auch ändern.</p>
<p>Ich will nicht mehr darüber jammern oder traurig sein, nicht reinzupassen in dieses Zwei-Geschlechter-Konzept, sondern endlich anerkennen und feiern, dass es auch anders geht.</p>
<p>Dass es auch eine Freiheit ist, in all diese Schubladen nicht hineinzupassen.<br />
Andere gehen die Lebenswege ihrer Eltern nach ohne zu fragen warum.</p>
<p>Für mich – für uns<br />
gab es keine Bilder und Vorbilder.<br />
Das war manchmal hart und schwer.<br />
Oder einsam.</p>
<p>Aber immerhin gab es auch keine ausgetretenen Pfade.<br />
Sondern viel Neues zu entdecken und probieren.</p>
<p>Lasst uns das zusammen feiern.<br />
Und den Fehler nicht doch immer wieder bei uns suchen &#8211;<br />
sondern bei denen, die uns ausgrenzen und einschränken.</p>
<p>Stay Queer, stay rebel, stay pride.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Ika hat sich noch einen Link zu <a href="https://www.youtube.com/watch?v=Xq8mt6WuD-E" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>WRABEL:THE VILLAGE</strong></a> gewünscht &#8211; hört mal in den Song rein!</li>
<li>Mehr Texte von Ika gibt&#8217;s <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/ika/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>hier</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zur Frau wurden wir gemacht</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/06/zur-frau-wurden-wir-gemacht/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ika]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 30 Jun 2020 07:00:36 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Inter*]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir freuen uns über einen neuen Text von Ika! Ika ist Inter* und berichtet uns von Erfahrungen und aus dem Alltag, von queeren Partys und von Veränderungen. Heute geht es um ein ziemlich heikles Thema: queer-feministische Räume und Bündnisse. Denn da herrscht bei Weitem nicht immer Einigkeit und Harmonie&#8230; es gibt auch innerhalb feministischer Kreise]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir freuen uns über einen neuen Text von Ika! Ika ist Inter* und berichtet uns von Erfahrungen und aus dem Alltag, von queeren Partys und von Veränderungen. Heute geht es um ein ziemlich heikles Thema: queer-feministische Räume und Bündnisse. Denn da herrscht bei Weitem nicht immer Einigkeit und Harmonie&#8230; es gibt auch innerhalb feministischer Kreise viele Streitpunkte und eine ganze Menge auszudiskutieren. Warum es dennoch ungeheuer wichtig ist, zusammenzuhalten, das lest ihr in Ikas Text.</strong></p>
<p><span id="more-12268"></span></p>
<p>Im Text „<a href="https://www.meintestgelaende.de/2020/03/no-choice-no-voice-no-body/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>No choice, no voice, no body</strong></a>“ ging es darum dass Inter* noch immer ungefragt von Mediziner*innen Richtung Mann oder Frau operiert oder schlecht aufgeklärt mit Hormonen behandelt werden, um bessere Männer oder Frauen zu werden. Meistens wird dabei Richtung Frau operiert oder beraten. Ganz konkret meinte ein Arzt dazu: Es ist einfacher ein Loch zu graben als einen Stab aufzurichten.</p>
<p>Für das Patriarchat zählt nur ein möglichst langer, erigierbarer Penis. Alles andere ist „nicht Mann“. Weil sich das Patriarchat sowieso nicht für Vulven interessiert macht es dann ja auch keinen Unterschied, wenn da bei diesen komischen Inter hier und da was anders aussieht.<br />
Jedenfalls sind das keine echten Männer, das ist jawohl klar &#8211; also — Frauen.</p>
<p>Das habe ich jetzt natürlich sehr plakativ formuliert, aber im Endeffekt hat es viel mit dem Patriarchat zu tun, wie Inter* behandelt werden. Denn wenn es keine sexistische Hierarchie zwischen Männern und Frauen gäbe &#8211; dann würden Menschen „dazwischen“ nicht so sehr als Bedrohung für diese starre Ordnung angesehen werden.<br />
Darum war es für mich als Inter* immer klar, dass ich auch Feminist*in bin.</p>
<p>Neben Inter* sind auch Trans* oft diskriminiert vom Zwei-Geschlechter-System. Es klingt also total logisch das Inter* und Trans* zusammen gegen die männlich/weibliche Ordnung kämpfen sollten.<br />
Am besten unterstützt von queeren und feministischen Gruppen.<br />
Warum sieht die Realität dann oft so ganz anders aus?<br />
Mir sind solche Bündnisse gerade auch in Zeiten von einem allgemeinen Rechtsruck sehr wichtig.<br />
Trotzdem möchte ich erklären warum das alles nicht immer so einfach ist.<br />
Dazu gehe ich in der Geschichte etwas zurück.</p>
<p>Der Sexualwissenschaftlicher John Money machte in den 70er Jahren ein „Experiment“, um zu beweisen das Geschlecht nur anerzogen sei. Bruce und Brian Reimer kommen als eineiige Zwillinge zur Welt. Bei einer missglückten OP verliert Bruce seinen Penis und wird auf Anraten von John Money mit 21 Monaten zu Brenda operiert. Und als Mädchen großgezogen. John Money veröffentlicht darüber ein in der Fachwelt gefeiertes Buch &#8211; verschweigt aber, dass Bruce/Brenda sich später David nennt und sich nicht wohlfühlt als Frau. Noch später nehmen beide Zwillinge sich das Leben.</p>
<p>Viele Feminist*innen und Queers haben John Money für diesen Menschenversuch gefeiert. Er galt als fortschrittlich. Weil er ja bewiesen habe, dass Geschlecht vor allem eine soziale Kategorie ist. Tatsächlich wird sein „Experiment“ sogar zur Grundlage für die Behandlung Intergeschlechtlicher. Ist es zum Teil noch heute.<br />
Kritisiert wird Money vor allem von Rechten, die versuchen zu behaupten Geschlecht sei eine natürliche, biologisch eindeutige, nicht veränderbare Tatsache.<br />
Als progressive*r Inter* und Trans* Aktivist*in fühle ich mich dann oftmals wieder zwischen den Stühlen.<br />
Mir ist klar, dass in engen rechten Weltbildern von endo-cis-hetero Kleinfamilie nie ein Platz sein kann und wird – für mich als queerer Inter*.</p>
<p>Ich glaube auch nicht, dass Geschlecht nur von der Biologie abhängt, sondern viel komplexer ist.<br />
Gleichzeitig glaube ich eben auch nicht, dass Geschlecht völlig unabhängig vom Körper betrachtet werden kann.Für mich persönlich ist es eher ein komplexes Zusammenspiel von Körper und sozialer Rolle &#8211; was meine Identität ausmacht.<br />
Manchmal fehlt mir dann in queren Kreisen eine Auseinandersetzung darüber.</p>
<p>Da wird dann Inter* gerne als Beispiel genommen, wie absurd dieses Cis-Hetero-Zwei-Geschlechter-Modell ist, aber was es wirklich bedeutet mit einem Körper zu leben, der nicht dem entspricht, was als Mann oder Frau gilt, ist den meisten gar nicht klar.</p>
<p>Oft gibt es also nur wenige Überschneidungen zwischen Inter* und anderen Queers. Ich vermute dahinter verschiedene Gründe.<br />
Viele schwule/queere Kreise, die Verbündete sein könnten, legen zu recht Wert darauf, sex-positiv zu sein, um der Tabuisierung queerer Sexualität was entgegenzusetzen.<br />
Für viele Inter* aber sind sehr sexualisierte Räume oft nicht so leicht zugänglich. Wer Narben hat, die weh tun beim Sex, wer gelernt hat sich für seinen Körper zu schämen, hat vielleicht gar keinen Sex. Oder keinen schnellen, spontanen.<br />
In der queeren Großstadt, in der ich mal gewohnt hab, gab es mehrere Saunen und Clubs mit Dark Rooms, aber kein einziges gemütliches queeres Café, kein queeres Wohnzimmer.</p>
<p>Ich finde die Saunen und Dark Rooms wichtig als Räume queerer Emanzipation, aber sie sind oft nur für endosexuelle (nicht–Inter) zugänglich. Ich finde es darum schade, wenn sie die einzigen queeren Räume sind.</p>
<p>In feministischen/queerfeministischen Gruppen ist das zum Glück anders. Körper spielen nicht eine so große Rolle, auch asexuell zu sein oder Scham zu haben ist hier viel eher ok.<br />
Dafür gibt es oft leider andere Barrieren.</p>
<p>Die meisten Inter*, die ich kenne, haben sehr viel zum Thema Geschlecht zu sagen. Für viele von uns gilt die feministische Erkenntnis von Simone de Beauvoir: „Man ist nicht als Frau geboren, man wird es“ im doppelten Sinne.</p>
<p>Ich bin durch Hormone, andere durch OPs, auch körperlich an das Bild einer Frau angepasst worden. Dazu dann die Erfahrung einer „weiblichen Sozialisation“.<br />
Eigentlich sollten also Inter* in der ersten Reihe stehen, wenn es gegen das Patriarchat geht.<br />
Aber dafür braucht es feministische und queerfeministische Gruppen, die nicht nur irgendwo ein I im Namen haben, sondern Erfahrungen von Inter* ernst nehmen. Die über diverse Körper sprechen. Diese Körper lassen sich nicht wegtheoretisieren.<br />
Es braucht Gruppen, die mit Inter* zusammenarbeiten, auch wenn die vielleicht nicht immer die richtigen Szenecodes kennen oder eine Sprache benutzen, die selber oft noch im zwei-Geschlechter-Denken hängt. Ich glaube trotzdem das jede queerfeministische Gruppe viel von Inter* lernen kann.<br />
Vielleicht haben nicht alle immer die richtigen Bücher gelesen. Aber wir sind Alltagsexperten im Kampf mit dem Zwei-Geschlechter-System.<br />
Für so eine Zusammenarbeit braucht es aber auch Inter* die mutig sind. Die nicht nur unter sich bleiben. Die genug haben von einer Welt in der für sie kein Platz sein soll. Die Platz fordern und Platz nehmen. Die Bündnisse eingehen und die ganze berechtigte Trauer und Wut nicht nur gegen sich selber richten oder verdrängen.<br />
Vielleicht kann das ein oder andere queerfeministische Buch ja auch und gerade für Inter* dabei ermutigend sein.<br />
Mir hat es jedenfalls Mut gemacht zu lesen, dass es da draußen einige gibt – die mit den jetzigen engen Rollenbildern und Körpernormen unzufrieden sind.</p>
<p>Speziell Inter* und Trans*-Bündnisse sind oft ein schwieriges Thema.<br />
Manche Inter* sind enttäuscht, fälschlich als Trans* angesehen zu werden. Das kann ich verstehen.<br />
Manche Inter* sagen: Wie sollen wir zusammen arbeiten – wir kämpfen gegen OPs am Geschlecht – die wollen welche.<br />
Aber so einfach ist das nicht. Manche Trans* wollen keine OPs. Manche Inter* entscheiden sich vielleicht später im Leben noch für welche.<br />
Auch sonst denke ich – das Wichtigste bei allem bleibt doch die Selbstbestimmung über den eigenen Körper.</p>
<p>Darum ist es ein Problem wenn Kinder ungefragt operiert werden nur weil sie Inter* sind. Aber darum ist es genauso eine tolle Errungenschaft wenn Trans* mit OPs, für die sie sich selbst entscheiden, ein besseres Gefühl zum eigenen Körper bekommen können. Wichtig ist das alle selbst entscheiden. Am besten in einer Welt, die irgendwann damit aufhört, Menschen nach ihren Geschlechtsteilen zu sortieren. Eine Welt in der unterschiedliche Geschlechtsteile irgendwann genauso entspannt zur Kenntnis genommen werden wie unterschiedliche Schuhgrößen.</p>
<p>Dafür lohnt es sich doch vielleicht zusammenzuhalten.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Pubertät  2: The Show must go on</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/05/pubertaet2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ika]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 28 May 2020 07:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Inter*]]></category>
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					<description><![CDATA[Ika schreibt für uns über das Leben als Person, die Inter* ist. Ika möchte damit anderen, insbesondere jüngeren Menschen Halt und Hilfe geben, damit die Pubertät für sie nicht ganz so verwirrend verläuft wie für Ika selbst&#8230; wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen! Mit den ersten feinen Haaren im Gesicht und einer zwar kleinen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ika schreibt für uns über das Leben als Person, die Inter* ist. Ika möchte damit anderen, insbesondere jüngeren Menschen Halt und Hilfe geben, damit die Pubertät für sie nicht ganz so verwirrend verläuft wie für Ika selbst&#8230; wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen!</strong></p>
<p><span id="more-12202"></span></p>
<p>Mit den ersten feinen Haaren im Gesicht und einer zwar kleinen aber unter dem T-Shirt doch hervortretenden „weiblichen“ Brust wird schon das Straßenbahn fahren zur Herausforderung.Irgendwer fragt: „Ey, Schwanz oder Muschi“ und ich merke, dass ich nicht nur wütend werde, sondern auch keine Antwort habe.</p>
<p>Ich mache viel Sport, um ein besseres Körpergefühl zu bekommen. Hanteltraining mit lauter Musik. Es tut wahnsinnig gut und ich fühle mich überraschend stark. Sonst bin ich irgendwie verwirrt von dieser Welt. In die ich so gar nicht rein zu passen scheine.Ein bisschen ist es so, als hätte ich meine Sprache verloren und muss jetzt eine neue lernen. Nur dass es meine Körpersprache ist.</p>
<p>Aber auch beim Sprechen merke ich, dass ich in den Stimmbruch komme und trotzdem gerade am Telefon oft als Frau angesprochen werde. Ein Trans*Mann erklärt mir dann: Du musst einfach abgehackter und weniger freundlich klingen, dann klappt es besser mit dem Passing. Mit dem durchgehen als Mann.<br />
Als Frau gelesen war mein Gang oft als zu breitbeinig aufgefallen. Jetzt immer öfter als Mann gelesen sind es schnelle, kleine Handbewegungen, die als weiblich oder schwul gelesen werden.</p>
<p>Es passiert irgendwann zum ersten Mal, dass ein Typ mit mir über Frauen lästern will und ich gar nicht weiss, ob ich jetzt sauer werden will, weil ein kleiner Teil sich auch freut, dass er mich offensichtlich als Mann wahrnimmt. Natürlich werde ich trotzdem sauer.<br />
Manchmal schäme ich mich auch für den wachsenden Bart. Der mir doch eigentlich so gut steht.<br />
Schäme mich, wenn ich plötzlich mehr Platz habe auf der Straße und in der Bahn. Weil ich ja noch weiss, wie es ohne Bart war.</p>
<p>Es ist eine Zeit, in der ich mich und alles um mich herum mehr und mehr hinterfrage.<br />
Manchmal kommt es mir vor, als würde ich nur eine Rolle spielen, wenn ich versuche als Mann durchzugehen. Dann merke ich immer mehr. Eigentlich spielen alle eine Rolle. Nur dass die meisten das gar nicht merken. Weil sie sich schon so sehr daran gewöhnt haben.</p>
<p>Nach dem das erste Pubertätschaos sich etwas gelegt hat und auch das Hanteltraining irgendwann langweilig wird, entdecke ich den Aktivismus für mich. Ich will Sichtbarkeit schaffen für alle, die auch Inter und Trans sind.</p>
<p>Ich besuche Inter und Trans Selbsthilfegruppen, lerne tolle Menschen kennen und fühle mich erholt von der komischen Welt da draussen. Weil ich nicht halb so allein bin wie ich dachte. Wir sind überall. Inter* und Trans* &#8211; in den großen Städten aber auch im kleinsten Dorf am Meer oder in den Bergen.  Vor allem gilt bei allen Unterschiedlichkeiten  eine gewisse Grundsolidarität. Auch wenn du sonst ein Leben leben lebst was ich nicht verstehe, meine Musik nicht fühlst, andere Gewohnheiten hast. Wir sind beide Inter*. Wir sind beide Trans*. Wir halten zusammen.</p>
<p>Leider merke ich irgendwann auch hier manchmal etwas zwischen den Stühlen zu sitzen. Teilweise ist es schade, dass viele Trans und Queers gar nichts von Inter* wissen, andererseits bin ich überrascht wie wenig queer einige Inter sind*.</p>
<p>Trotz allem klappt es Bündnisse zu schmieden, mich selber stärker und weniger allein zu fühlen. Ich will lernen mich nicht zu verstecken sondern selbstbewusst sichtbat sein.</p>
<p>Weil ich genervt bin, immer dieselben Reaktionen auf ein Outing zu bekommen, die gleichen Fragen zu beantworten, schreibe ich Geschichten, in denen sich viele Fragen aber hoffentlich  auch ein paar Antworten finden. Wie aufräumen im Kopf. Manchmal anstrengend, aber die Belohnung ist eine neue Klarheit. Am Anfang lakiere ich mir oft die Nägel. Trage viel Lila oder Pink.  Weil ich denke jetzt mit Bart geht das endlich.  Dabei fühle ich mich wie eine glamouröse Drag Queen.</p>
<p>Ich will ein Inter*Mann werden, der zu seinen weiblichen Seiten steht. Aber irgendwann habe ich keine Lust mehr aufzufallen. Ich bin auch enttäuscht, wenn manche immer noch „sie“ zu mir sagen. Also fange ich an, mich etwas mehr an die Regeln zu halten.<br />
Und tatsächlich falle ich irgendwann kaum noch auf. Gehe unter in der Männlichkeit.</p>
<p>Ein Teil von mir ist traurig über die verlorene Queerness. Es tut weh, als ein Kollege in der Bahn mit mir homophobe Witze machen will. Ich stelle mir vor, dass ich wie ein Undercover Agent bin. Eingeschleust in die Hetero Matrix, um sie von innen heraus besser analysieren und angreifen zu können. Ein anderer Teil von mir will einfach nur diesen Urlaub vom Anderssein genießen. Aber wie das so ist mit dem Urlaub, ist er nur von kurzer Dauer.<br />
Plötzlich fallen mir andere Sachen auf. Manchmal Kleinigkeiten. Aber sie sind da.<br />
Mein Deutsch wird gelobt. Ich werde gefragt, wo ich denn wirklich herkomme.</p>
<p>Je mehr ich als männlich gelesen werde, desto mehr werde ich als nicht Deutsch wahrgenommen. Am Anfang bin ich nur verwirrt. Manchmal merke ich erst später, dass Leute gerade rassistisch zu mir waren, weil ich gar nicht davon ausgehe, gemeint sein zu können.<br />
Dann tut es weh. Dann muss ich lachen.<br />
Für einen Mann bin ich sehr klein und dann dunkle Haare, dunkler Bart. Das ist wohl für manche nicht arisch genug.</p>
<p>Es ist ein clash von Erwartungen, der mich ziemlich überfordert. Vorher niedlich und darum aber auch nicht ernst zu nehmen.</p>
<p>Jetzt plötzlich habe ich das Gefühl von manchen als gefährlich wahrgenommen zu werden. Manchmal denke ich dann kurz: Hah. Jetzt habt ihr also Angst vor mir. Und das kleine Mädchen in mir drin, das nicht ernst genommen wurde, freut sich ein bisschen.</p>
<p>Aber eigentlich  bin ich traurig. Weil ich mich darin verliere. In den Erwartungen und Projektionen von Anderen. Vor allem bin ich müde.  Müde von mir selbst und müde von diesen ganzen Blicken.</p>
<p>Ich habe also Jahre mit mir gekämpft, doch irgendwie einen Weg zu finden, mit mir als Inter* cool zu sein und trotzdem vom Geschlecht her nicht mehr immer aufzufallen.<br />
Nur damit Leute plötzlich nicht über die Größe der Brüste, sondern die Farbe der Haare reden?</p>
<p>Wann, frage ich mich, wann kommt denn jetzt endlich dieser Punkt, wo ich einfach sein kann. Ohne Fragen. Ohne Erklärung. Ohne Rechtfertigung. Eine Antwort habe ich bis heute nicht.<br />
Doch auch die zweite Pubertät findet irgendwann ein Ende.</p>
<p>Wisst ihr, bin schon Kampflesbe, Transe, Zwitter und Schwuchtel gewesen. Bin irgendwo innen drin immer noch ne halbe Kartoffel und doch manchmal Ausländer.</p>
<p>Was auch immer also nach dieser zweiten Pubertät auf mich wartet.<br />
Ich glaube nicht, das es viel gibt, was mich jetzt noch überraschen kann.</p>
<p>Zum Glück habe ich auch immer wieder und immer noch einiges an Trotz und Stolz in mir drin.</p>
<p>Das heißt leider nicht, dass nach Pubertät 2 alles gut ist.<br />
Aber ich lerne zu entspannen und denke – lass sie reden &#8211; sollen sie sehen in mir und denken von mir was auch immer sie wollen. Hauptsache ist – ich bin immer noch da.</p>
<p>Es gilt: <a href="https://www.youtube.com/watch?v=uKLMYZlbIb8" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>The show must go on</strong></a>!</p>
<p><strong>Mehr von Ika findet ihr <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/ika/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><em>hier</em></a>.</strong></p>
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			</item>
		<item>
		<title>Wie ich lernte Pickel zu vermissen und Papierkügelchen auszuweichen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/04/pickel-und-papierkuegelchen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ika]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Apr 2020 07:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Inter*]]></category>
		<category><![CDATA[Pubertät]]></category>
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					<description><![CDATA[Die Zeit, von der Ika in diesem Text berichtet, lässt sich ganz gut als &#8222;Zwischen Pubertät 1 und 2&#8220; beschreiben. Ika ist auf der Suche &#8211; der Suche nach den passenden Partys, den passenden Vorbildern, dem passenden Körper, den passenden Hormonen. Es geht vom Dorf in die Kleinstadt, von der Kleinstadt in die Großstadt &#8211;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Zeit, von der Ika in diesem Text berichtet, lässt sich ganz gut als &#8222;Zwischen Pubertät 1 und 2&#8220; beschreiben. Ika ist auf der Suche &#8211; der Suche nach den passenden Partys, den passenden Vorbildern, dem passenden Körper, den passenden Hormonen. Es geht vom Dorf in die Kleinstadt, von der Kleinstadt in die Großstadt &#8211; und am Ende ist da ein Bart. Aber lest selbst!</strong></p>
<p><span id="more-12116"></span></p>
<p>Spätestens so mit 13 Jahren fing es an. Um mich herum veränderten sich Jungen und Mädchen. Körperlich, aber auch vom Kopf her. Und ich hab mich gefühlt als wäre ich verloren im Dazwischen. Bei mir gab es weder einen Stimmbruch noch habe ich meine Tage bekommen. Ein bisschen war es so, als würde ich eher noch Kind bleiben statt langsam Frau oder Mann zu werden. Ein Kind ist ja auch geschlechtlich zumindest eher neutral. Und ältere Personen, die auch Inter* waren, kannte ich nicht.</p>
<p>An sich hat es mich erstmal nicht gestört. Die etwas tiefere Stimme ohne Stimmbruch. Die flache Brust mit etwas breiteren Schultern. Auch meine Tage und Pickel habe ich eher nicht so vermisst. Trotzdem war es eine sehr verwirrende Zeit. Noch vorher war es zwar auch auffällig, aber zumindest ok gewesen, dass ich oft mit den Jungs Fußball gespielt hab. Jetzt war ich zwar ein komisches Mädchen, aber trotzdem ein Mädchen &#8211; und darum nicht mehr eingeladen.</p>
<p>Es war ein bisschen so, als hätten sich um mich herum alle in zwei getrennte Gruppen sortiert, die sich misstrauisch beäugten, jederzeit bereit aufeinander loszugehen. Nur ich hatte dummerweise den Anschluss verpasst und stand dazwischen. Nicht sehr bequem, kann ich euch sagen! Aber ich habe auch viel gelernt und bin heute immer noch super darin, weiße Fahnen zu schwenken und den Papierkügelchen, die aus allen Richtungen geflogen kommen, in ebenso viele verschiedene Richtungen auszuweichen.</p>
<p>Während andere sich also Zettel schrieben auf denen stand: &#8222;Willst du mit mir gehen – Ja-Nein-Vielleicht&#8220; stand auf den ersten Zettelchen, die mir zugeworfen wurden: &#8222;Du siehst aus wie ein  Zwita.&#8220; Ich hatte keine Ahnung was das heißt. Die schreibende Person wahrscheinlich auch nicht. Aber wehgetan hat es trotzdem. Später dann wurde ich &#8218;Kampflesbe&#8216;. Weil von Inter* und Trans* nie die Rede war, hat das zumindest schon mal besser zu mir gepasst als der Versuch, eine Hetero-Frau zu sein.</p>
<p>Aber ich will hier nicht nur jammern, ehrlich gesagt – es hatte auch seine Vorteile. Im Grunde hatte ich auch eine gewisse Narrenfreiheit. Wenn der Körper sowieso schon auffällig anders ist, dann haben die bunt gefärbten Haare auch keinen Unterschied mehr gemacht. Ich weiß noch, wie sich eine Mitschülerin bei mir beschwerte: Es ist alles so anstrengend mit dem überall immer alles rasieren müssen. Und ich völlig verwirrt meinte: Ja, dann lass es doch. Und sie daraufhin sagte: Nein, also das geht ja jetzt auch nicht. Immer noch verwirrt entgegnete ich: Aber ich rasier mir auch nicht die Beine. Das klappt super. Dieses nicht rasieren. Hab mich noch nie geschnitten dabei. Ihre Antwort hat meinen Status im Positiven wie Negativen wohl ganz gut zusammengefasst: „Du zählst ja auch sowieso nicht.“</p>
<p>Mit 16 kam ich dann doch verspätet in die Pubertät durch das Östrogen, das mir verschrieben wurde. Ich stand vorm Spiegel, sah, was sich alles verändert hatte, und wollte den Spiegel einfach nur zerschlagen. Irgendwas war hier eindeutig falsch. Aber weil ich noch nicht wusste, was Inter* oder Trans* heißt, blieb mir nicht viel anderes übrig, als den ungeliebten Körper unter möglichst weiten Hosen und Pullovern zu verstecken, und mich ansonsten mit Büchern, Musik oder Gras in andere Welten zu flüchten. Ein halbes Jahr gab es nur böse Blicke für den Spiegel &#8211; die aber komischerweise nichts an dem unpassenden Bild, was dieser Spiegel zeigte, änderten.</p>
<p>Dann gab es noch einen kurzen letzten Versuch, weiblich zu werden. Ja, ich war wirklich bemüht. Habe sogar die Haare etwas länger wachsen lassen, seit Langem mal wieder ein paar Sachen aus der Frauenabteilung getragen. Und schnell wieder damit aufgehört. Immerhin aber konnte ich da langsam in die nächste größere Stadt fahren. Hier habe ich tatsächlich ein paar Menschen getroffen, die etwas besser zu mir passten als die aus der Schule. Sogar ein paar queere Erwachsene als erste Vorbilder.</p>
<p>Aber so richtig gepasst hat es trotzdem oft nicht. Auf meiner ersten queeren Party hatte ich mir extra meine grüne Punk-Frisur schick gemacht. Nach zwei nervösen Runden um den Block traute ich mich in den Raum. Alle waren 20 Jahre älter. Die meisten schwul und schick. Und es lief Madonna. Da bin ich als 17-jährige Punk-Kampflesbe, die heimlich Inter* und Trans* war, fast genauso aufgefallen wie auf den Dorfpartys.</p>
<p>Mit meiner besten Freundin zusammen haben ich dann versucht eine lesbische Bar zu besuchen. In der queeren Großstadt gab es genau eine davon und dank dem Internet haben wir sie nach etwas Verlaufen sogar gefunden. „Ihr seid früh. Erstes Mal hier?&#8220;, war die freundliche Begrüßung von der Türsteherin. Wir gingen trotzdem rein und standen zu zweit verloren auf dieser Tanzfläche. Als Kleinstadtkinder wussten wir ja gar nicht, dass es erst um 12 so langsam los geht. Es hätte uns aber auch wenig gebracht, das zu wissen, wo doch unser letzter Zug sowieso spätestens um halb 1 gefahren ist. Als endlich Leute kamen, mussten wir also wieder los und irgendwie hatte ich auch schon wieder das Gefühl, dass es hier einen Dresscode gab – den mir keiner verraten hatte.</p>
<p>Es dauert also noch ein paar Jahre, bis ich dann selber in der Großstadt wohne und mir auf einer sehr netten Party zum ersten Mal einen Bart anklebe. Es war Liebe auf den ersten Blick.</p>
<p>Ich fing betrunken an, allen ungefragt zu erzählen, dass und warum ich unbedingt einen Bart brauche. Wer nicht schnell genug weg geht – kriegt dazu noch erklärt, warum ich keine Lust mehr auf diese komischen Brüste habe, die doch durch Östrogen erst gewachsen sind. Ich versprach mir selber feierlich, die blöden Östrogen Tabletten jetzt wegzuwerfen und habe mindestens einer Person fast die Feierstimmung verdorben. „Ich geh jetzt mal wieder tanzen – aber M kann da bestimmt helfen,&#8220; meinte sie. M arbeitet gerade an dem Aufbau einer Beratungsstelle für Trans*.</p>
<p>Ich kann also endlich irgendwo über meinen Gender-Trouble reden. Weil es für Inter* noch keine Regelung gibt, erkläre ich einer anstrengenden Psychologin, schon von Kind an Macho gewesen zu sein und jetzt unbedingt Testosteron zu brauchen. Ich darf mich daraufhin offiziell geschlechtsidentitätsgestört nennen und freue mich zum ersten Mal im Leben auf eine Spritze. Die ist nämlich voll mit dem, was mir einen dauerhaften Bart schenken wird. Testosteron.</p>
<p>An einem verregneten Dienstag ist es soweit. Als wäre die erste nicht schon peinlich genug gewesen, beginnt meine zweite Pubertät. Diesmal immerhin selbstbestimmt. Wie das abläuft -darum geht es dann im nächsten Text.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Für den Fall, dass ihr die ersten beiden Texte von Ika verpasst habt: <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/ika/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Klickt hier!</strong></a></li>
</ul>
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			</item>
		<item>
		<title>No Choice + No Voice = No Body?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/03/no-choice-no-voice-no-body/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ika]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Mar 2020 07:00:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
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		<category><![CDATA[Inter*]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Selbstbestimmung]]></category>
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					<description><![CDATA[Vergangenen Monat durften wir euch den ersten Text von Ika präsentieren, heute folgt bereits der zweite 🎉🎉🎉 Ika sagt von sich selbst übrigens: &#8222;Weil ich selber keine Geschichten kannte von Leuten die so sind wie ich, nämlich Inter*, habe ich einfach angefangen selber zu schreiben.&#8220; Wir sind froh um die Bereicherung durch Ikas Perspektive und Texte!]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vergangenen Monat durften wir euch den ersten Text von Ika präsentieren, heute folgt bereits der zweite 🎉🎉🎉 Ika sagt von sich selbst übrigens: &#8222;Weil ich selber keine Geschichten kannte von Leuten die so sind wie ich, nämlich Inter*, habe ich einfach angefangen selber zu schreiben.&#8220; Wir sind froh um die Bereicherung durch Ikas Perspektive und Texte! Heute geht es um körperliche Selbstbestimmung &#8211; und leider auch um Gewalt&#8230;</strong></p>
<p><span id="more-12062"></span></p>
<p>Jeder Mensch hat das Recht über den eigenen Körper selbst zu bestimmen. Eigentlich sollte das selbstverständlich sein. Leider ist die Realität für manche Menschen eine ganz andere. Zum Beispiel wenn Menschen schwanger werden. Aber das ist ein anderes Thema.</p>
<p>Hier möchte ich davon schreiben, was es heißt, zu dieser Zeit, in diesem Land mit einem intergeschlechtlichen Körper geboren zu werden. Allerdings muss ich hier kurz eine kleine Warnung vorausschicken. Es wird etwas ernster heute als in anderen Teilen dieser Intersex-Kolumne und es geht viel um Gewalt. Aber die ist ja nun mal da und schweigen hilft dann ja auch nicht weiter.</p>
<p>Also los. Laut medizinischer Definition wird ein Junge bei der Geburt mit einer Penisgröße von 2,5-4,5 cm geboren. Ein Mädchen wird laut Medizin mit einer Klitoris die zwischen 0,2 und 0,85 cm groß ist geboren.</p>
<p>Liegt ein Genital von der Größe her irgendwo dazwischen ist das Kind intergeschlechtlich. Man könnte jetzt denken, na gut, Menschen haben verschiedene Augenfarben, sind unterschiedlich groß, da können sie auch unterschiedliche Genitalien haben und alle davon sind ok.</p>
<p>Die Medizin sieht das meistens immer noch anders.  Sie sieht eine Krankheit. Die Medizin sieht einen Notfall. Also wird das Genital angepasst. Meist eher an die weibliche als die männliche Norm, denn wie ein Mediziner meinte „Es ist einfacher ein Loch zu graben als einen Stab aufzustellen“.</p>
<p>Ab den 1960er Jahren wurden darum  häufig bereits im Neugeborenenalter genital-angleichende Operationen durchgeführt. Dazu gehören zum Beispiel die Anlage einer Neovagina und die Verkleinerung der Klitoris. Dabei wäre es aus gesundheitlichen Gründen gar nicht notwendig irgendwas zu ändern. Dabei können die Kinder noch gar nicht sagen, ob sie an ihrem Genital etwas ändern wollen oder nicht. Auch den Eltern ist selten ganz genau erklärt worden was los ist. Stattdessen wurden viele unter Druck gesetzt. Mediziner agieren zum Teil in dem sie erklären: „Ihr Kind hat da ein Problem. Aber wir haben die Lösung, wir operieren, alles wird normal und ihr Kind kann sich an nichts erinnern.“</p>
<p>So haben dann verunsicherte Eltern dieser genitalangleichenden OP zugestimmt. Oft bleibt es auch nicht bei einer OP, sondern es müssen immer wieder Korrektur-OPs durchgeführt werden.</p>
<p>Ich kenne Leute, deren Kindheitserinnerungen vor allem aus Aufenthalten im Krankenhaus bestehen, denn ja, manche erinnern sich, sogar sehr genau.</p>
<p>Bei anderen ist die Erinnerung vielleicht verschwommen aber die Gefühle der Ohnmacht von damals trotzdem sehr präsent.</p>
<p>Eine Neovagina, die bei einem so jungen Menschen angelegt wird, muss später immer wieder gedehnt werden. Wieder wird in die Intimsphäre des Kindes eingegriffen. Auch das ist für viele ein immer wiederkehrendes Trauma.</p>
<p>Am Ende entsprechen die Genitalien immer noch nicht der Norm , aber das Krankenhaus hat sicher gut dabei verdient. Und das Intersexuelle Kind wächst mit dem Gefühl auf so falsch zu sein , dass nur schmerzhafte OPs das wieder gerade biegen können.</p>
<p>Besonders schlau war es auch das die Mediziner dann meistens noch gesagt haben die Eltern sollen besser nicht mit dem Kind darüber reden dass es intergeschlechtlich ist, sonst würde es ja vielleicht in seiner Geschlechtsidentität verwirrt.</p>
<p>Ich frage mich wenn ich so was höre wie verwirrt so ein Artzt eigentlich sein muss. Dass er glaubt ein Problem zu verschweigen wäre das gleiche, wie es zu lösen. Doch auch wenn Intersexuelle erst später behandelt werden, passiert das oft ohne richtige Aufklärung und mit dem klaren Ziel an eine männliche oder weibliche Norm anzupassen.</p>
<p>Wenn mich wer gefragt hätte, welche Hormone ich gern nehmen möchte, als mit 16 klar war, dass mein Körper keine Geschlechtshormone produziert, hätte ich mir sicher einiges ersparen können. Anstatt erst eine weibliche und dann später eine männliche Pubertät zu erleben, hätte ich direkt Testosteron nehmen können. Denn ich wusste ja in mir drin, dass ich eher Mann als Frau werden möchte.</p>
<p>Aber leider hat es gar nicht interessiert, wer ich bin oder was ich will sondern nur, dass mein Körper näher an dem einer Frau als an dem eines Mannes ist. Darum war es gar keine Frage sondern eine Forderung, dass ich Östrogen nehmen soll um mehr wie eine Frau auszusehen.</p>
<p>Andere Intersex sind jetzt auf die Einnahme von Hormonen angewiesen, obwohl ihr Körper welche produziert hat. Weil sie schlecht aufgeklärt einer OP zugestimmt haben die ihr funktionierendes Hodengewebe im Bauchraum entfernt hat, damit sie endlich eine richtige Frauen werden können. Mit einer menschenwürdigen Behandlung oder gar körperlicher Selbstbestimmung hat das alles sehr wenig zu tun.</p>
<p>Immerhin gibt es bei manchen in der Medizin mittlerweile ein Umdenken. Dank intersexuellen Aktivisten steht auch im Koalitionsvertrag der Regierung, dass genitalangleichende Operationen verboten werden sollen. Aber noch ist nichts passiert. Darum ist es wichtig weiter Druck zu machen, dass es wirklich zu einem OP-Verbot kommt.</p>
<p>Denn obwohl es schon viele queere Emanzipationsbewegungen gab, ist die Intersex-Community leider immer noch oft sehr unsichtbar. Durch die traumatisierenden Behandlungen schämen sich viele Inter* und wollen ihr  Inter*sein um jeden Preis verstecken. Dabei hat es Inter* schon immer und überall gegeben.</p>
<p>Sogar das Preußische Landrecht kannte einen „Zwitterparagraphen“. Inter* sollten sich zwar auch an eine männliche oder weibliche Rolle anpassen aber konnten immerhin mit 18 selber entscheiden, ob sie als Mann oder Frau leben wollen. Später hat diese Entscheidung immer öfter die Medizin übernommen.</p>
<p>Wenn ihr dyadisch seid, also nicht Inter*, könnt ihr ja mal versuchen euch vorzustellen, was es heißt, schon so früh an eine Norm angepasst zu werden, wie ein Quadrat, das in einen Kreis passen soll. Überlegt, was es heißt, Eingriffe an den Intimsten Stellen eures Körpers zu erleben, über die ihr nicht selbst entscheiden könnt.</p>
<p>Wenn ihr Inter* seid, wisst ihr das vielleicht alles schon. Dann möchte ich euch gerne mit den Worten von einem wichtigen Aktivisten der  frühen Schwulenbewegung Mut zum widerständig sein machen.</p>
<p>Frei nach Rosa von Praunheim, der gesagt hat: „Nicht der Schwule ist pervers, sondern die Welt in der er lebt“ gilt auch: „Nicht der*die  Inter* ist krank, sondern die Welt, in der Inter* lebt.“</p>
<p>Ich glaube nämlich, dass alle Körper und Genitalien schön sind, auch wenn sie nicht der Norm entsprechen.</p>
<p>Ich glaube auch, dass wir alle das Recht haben mit Lust unseren eigenen Körper und unsere Sexualität zu entdecken ohne uns dafür zu schämen.</p>
<p>Darum sollten wir dafür sorgen, dass der alte feministische Slogan: „My body, my choice“ endlich Realität wird.</p>
<p>Auch für Inter*.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Falls ihr Ikas ersten Text verpasst habt, könnt ihr ihn <a href="https://www.meintestgelaende.de/2020/02/inter-was/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>hier noch einmal nachlesen</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Inter*galaktisch, Inter*sexy, Inter*- Was?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/02/inter-was/</link>
					<comments>https://www.meintestgelaende.de/2020/02/inter-was/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Ika]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 Feb 2020 09:00:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Me, Myself & I Sticky]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
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		<category><![CDATA[Inter*]]></category>
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					<description><![CDATA[Juhu! Wir freuen uns sehr, mal wieder eine*n neue*n Autor*in auf meinTestgelände begrüßen zu dürfen: Herzlich Willkommen, Ika! Die Pubertät verlief für Ika ziemlich krass &#8211; und ganz schön anders als erwartet. Warum, das erfahrt ihr in Ikas erstem Text. Viel Spaß beim Lesen! Ihr habt bemerkt, dass euer Körper nicht so richtig in diese]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Juhu! Wir freuen uns sehr, mal wieder eine*n neue*n Autor*in auf meinTestgelände begrüßen zu dürfen: Herzlich Willkommen, Ika! Die Pubertät verlief für Ika ziemlich krass &#8211; und ganz schön anders als erwartet. Warum, das erfahrt ihr in Ikas erstem Text. Viel Spaß beim Lesen!</strong><span id="more-12024"></span></p>
<p>Ihr habt bemerkt, dass euer Körper nicht so richtig in diese Kategorie &#8218;Mann&#8216; oder &#8218;Frau&#8216; passt und irgendwo das Wort „Intergeschlechtlich“ gelesen? Oder irgendwer hat zu euch gesagt: &#8222;Ach so, ich bin übrigens Inter*&#8220;. Vielleicht ist euch auch einfach nur aufgefallen, dass bei Stellenanzeigen seit kurzem neben m/w für männlich und weiblich auch ein d für divers steht. Jedenfalls fragt ihr euch jetzt, was das heißt: Inter*.</p>
<p>Die Medizin spricht von Intersexualität, manche sagen Intergeschlechtlich. Für mich ist es Inter*galaktisch. Gemeint ist immer, dass Menschen von ihrer Anatomie, von den Hormonen oder von den Chromosomen her nicht oder nicht nur Mann oder Frau sind. Biologisches Geschlecht ist tatsächlich viel komplexer als die meisten glauben.</p>
<p>Wie genau dieses Inter* sein konkret aussieht, kann sehr unterschiedlich sein. Bei manchen fällt schon bei Geburt auf, dass die Geschlechtsteile besonders sind. Einige merken es, wenn die Pubertät anders eintritt als gedacht. Andere können keine Kinder bekommen, werden darum untersucht und erfahren plötzlich, XY-Chromosomen zu haben, die als männlich gelten, obwohl sie immer als Frau gelebt haben.</p>
<p>Bei mir lief das so ab: Als ich 11 war, habe ich zwar als offiziell einziges Mädchen mit den Jungs Fußball gespielt, angefangen zu schreien, wenn ich ein Kleid anziehen sollte, aber von der Biologie her waren ich und alle anderen sicher – dass ich weiblich bin.</p>
<p>Dann haben nach und nach die Mädchen um mich herum Brüste und ihre Tage bekommen. Mir war zwar auch ab und zu schlecht, aber geblutet habe ich nicht. Meine Brust war auch eher ein Brett als irgendwas anderes. Was in der Schule nicht unbedingt positiv aufgefallen ist, wie ihr euch vielleicht denken könnt. Vorher war ich auch schon anders – aber zumindest für manche ok. Jetzt war ich zu weich für die pubertierenden Jungen und zu wenig geschminkt für die pubertierenden Mädchen.</p>
<p>Ich kann nicht behaupten, dass mir die Regelschmerzen gefehlt haben, aber meine Mutter fand das dann doch irgendwann komisch und ist mit mir zur Gynäkologin gegangen. Wahrscheinlich für niemanden eine sonderlich schöne Erfahrung. Mich hat es wirklich verstört. Nach dieser Untersuchung meinte die Ärztin zu mir und meiner Mutter: Das sieht nicht gut aus, also das ist ein richtiger genetischer Defekt.</p>
<p>Gemeint war ich. Und die Tatsache, dass ich ein und nicht zwei X-Chromosomen habe. Auf jeden Fall klang es nicht wie eine okaye Form von Geschlecht, sondern eher nach Krankheit. Darum wollte ich erstmal nichts mehr davon wissen. Und habe auch keine Fragen gestellt. Oder Hilfe gesucht. Obwohl es natürlich verwirrend war zu merken, dass mein Körper anders ist als der von den meisten um mich herum. Aber ich kannte keine positiven Worte dafür. Also habe ich lieber geschwiegen. Meiner besten Freundin habe ich mich anvertraut, immerhin, aber sonst war klar: Du darfst davon niemandem erzählen, also dass du so ein Monster bist.</p>
<p>Ich war Zwitter. Aber eigentlich nicht mal das. Echte Zwitter, das waren ja die mit Penis und Vagina, wie ich dachte. Das war wenigstens noch irgendwie cool. Ich war Pseudozwitter. Oder wie die X0-Infoseite im Internet meinte: Eigentlich eine Frau wie jede andere. Nur dass da halt was fehlt.</p>
<p>Während die anderen also in der Bravo lesen konnten um den eigenen Körper zu entdecken. Während die anderen betrunkene Küsse auf den Kleinstadt-Kellerpartys austauschten, blieb ich alleine zu Hause und hörte lauten Punk. Seitdem ist zum Glück viel passiert. Und ich lerne meinen Körper so zu akzeptieren wie er ist. Immer mehr merke ich: Das Problem liegt in der Gesellschaft. Nicht bei mir. Weil Menschen so sehr an ihrem Bild von nur zwei Geschlechtern hängen, muss alles, was dazwischen liegt, schon vor Geburt ausselektiert, angepasst oder unsichtbar gemacht werden.</p>
<p>Wir Inter* stören ihre Ordnung. Viele Menschen mögen es, wenn Sachen einfach, leicht einzusortieren sind. Sie haben Angst vor dem Leben und halten sich an irgendwelchen Schubladen fest. Aber das Leben ist keine Ikea-Kommode. Sondern viel komplexer. Aber darum gibt es noch immer OPs an kleinen Kindern ohne Zustimmung. Nicht weil an den Kindern irgendwas falsch wäre. Nicht aus medizinischen Gründen. Sondern nur um an eine männliche oder weibliche Norm anzupassen. Darum werden Embryos mit Inter*-Diagnose durch Pränataldiagnostik entdeckt und dann schon vor Geburt ausselektiert. Obwohl die Eltern sich ein Kind wünschen. Aber keines das nicht „normal“ genug ist. Es geht dabei nicht um das Recht auf Abtreibung, was auch noch immer erkämpft werden muss. Leider. Auch nicht darum einzelne Leute für Entscheidungen zu verurteilen. ES gibt viele gute Gründe für eine Abtreibung. Aber wenn Menschen sich ein Kind wünschen, aber nur eines, was irgendwelchen „Normen“ entspricht, sendet das ein Zeichen nicht erwünscht zu sein, an alle, die nicht dieser Norm entsprechen. Genau darum gibt es noch immer so wenig von uns, die öffentlich von ihrem Inter* sein sprechen. Aber wir müssen reden, uns zeigen und unsere Geschichten erzählen. Damit wir endlich so anerkannt werden wie wir sind.</p>
<p>Nicht  als Mann oder Frau, sondern Inter*. Weil ich es nicht mehr einsehe mich zu verstellen, zu verstecken und zu schämen. Nur damit andere sich nicht in ihrem Mann- oder Frausein gestört fühlen. Obwohl ich doch niemandem etwas wegnehmen will. Sondern einfach nur bleiben möchte, wie ich bin. Inter*galaktisch, Inter*sexy, Inter*geschlechtlich.</p>
<p>Menschliche Körper sind und waren schon immer sehr divers. Es gibt unglaublich viele verschiedene Schuhgrößen, Körperformen und Gesichtszüge. Warum sollte ausgerechnet Geschlecht nur als Variante A oder Variante B existieren? Die Zwei-Geschlechter Ordnung, in der wir leben, ist nicht natürlich. Auch wenn das gerne so behauptet wird.</p>
<p>Zu manchen Zeiten, an manchen Orten der Welt wurden wir  Inter* verehrt. Als besonders spirituelle Wesen, die sowohl Männliches als auch Weibliches in sich tragen und darum „komplett“ sind. Zu anderen Zeiten wurden Inter* verfolgt oder verbrannt. Aber eines galt schon immer. Und wird auch weiter gültig bleiben. Auch wenn viele es nicht hören wollen: Wir sind da.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Vielfalt, Vielfalt, Vielfalt! Wir brauchen Vielfalt in unserem Leben. Checkt doch mal <a href="https://www.meintestgelaende.de/schlagwort/vielfalt/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>den entsprechenden Hashtag</strong></a> aus 😉</li>
</ul>
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