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	<title>Privilegien &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<item>
		<title>Wir Soldaten &#8211; Teil 2</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/03/wir-soldaten-teil-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anton August Dudda]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 22 Mar 2022 07:00:32 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
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					<description><![CDATA[Im ersten Teil von &#8222;Wir Soldaten&#8220; hat Anton Dudda &#8222;männliche Privilegien&#8220; und das veraltete, gesellschaftliche Rollenverständnis dikutiert. Im zweiten Teil geht es konkret um die männliche Besützerrolle und warum diese von Antifemminist*innen und Männerrechtlern als Argument genutzt wird zu behaupten, &#8222;dass in Wirklichkeit Frauen eine unverhältnismäßige Machtposition innehätten.&#8220; Im heteronormativen Weltbild des Maskulinismus legitimiert sich]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1"><strong><span class="s1">Im ersten Teil von &#8222;Wir Soldaten&#8220; hat Anton Dudda &#8222;männliche Privilegien&#8220; und das veraltete, gesellschaftliche Rollenverständnis dikutiert. Im zweiten Teil geht es konkret um die männliche Besützerrolle und warum diese von Antifemminist*innen und Männerrechtlern als Argument genutzt wird zu behaupten, </span><span class="s1">&#8222;</span>dass in Wirklichkeit Frauen eine unverhältnismäßige Machtposition innehätten.&#8220;</strong></p>
<p><span id="more-14654"></span></p>
<p>Im heteronormativen Weltbild des Maskulinismus legitimiert sich diese Hierarchie der Geschlechter durch genau diese tradierte Rollenverteilung, welche auch heute noch sehr strikt eingehalten und reproduziert wird. Zwar ist das Bild des Mannes als alleiniger Ernährer und das der Frau als Hauswirtschaftlerin zunehmend in Auflösung begriffen, spielt aber noch immer eine große Rolle. Besonders äußert sich die Tradition allerdings im substanziellen Ernstfall, wie Jagd oder Kampf. Männliches Leben wird im Zweifel als das von allen entbehrlichste gebrandmarkt, zum Schutz der Familie, der Gruppe oder des Volkes und vor allem deren Reproduktionsfähigkeit, sind Männer weitaus weniger wertvoll, was sich schon in so simplen Formulierungen wie „Beim Anschlag starben 21 Menschen, darunter Frauen und Kinder“ ausdrückt. In modernen Gesellschaften wäre diese Teilung aus diversen Gründen eigentlich überhaupt nicht notwendig (Bei zu einem Beispiel wäre es wohl sinnvoller, wenn man schon einen Unterschied machen wollte, zwischen Zivilist*innen und Soldat*innen zu differenzieren) und doch tritt sie immer wieder zutage, was den meisten antifeministischen „Aktivisten“ und „Männerrechtlern“ ein Grund ist zu behaupten, dass in Wirklichkeit Frauen eine unverhältnismäßige Machtposition innehätten. Diese Ideologien verschleiern dabei, mitunter wissentlich, dass nicht „die Frauen“ die Macht haben, weil sie von den Männern im Zweifel um jeden Preis geschützt werden, sondern jene, welche die Arbeit, die Kriege und Kämpfe beschließen und anordnen, sowie gleichzeitig die Familie als gesellschaftliches Kernkonstrukt und ihre Reproduktionsfähigkeit aufrechterhalten wollen.</p>
<p align="justify">Ich möchte an dieser Stelle ein typisches Beispiel für eine solche Erzählung geben, welche sich in einigen Beispielen der Populärkultur in dieser oder ähnlicher Form finden lässt. Stellt euch eine weiße, heterosexuelle Familie aus der Mittelschicht vor, die am Rand einer größeren Stadt wohnt, gerne auch einer amerikanischen, dieses Bild haben wir mitunter präsenter. Die Familie besteht aus einem Mann und einer Frau, sowie zwei Kindern. Wahrscheinlich auch einem Jungen und einem Mädchen, wenn schon, denn schon.</p>
<p align="justify">Nun wird eines Tages das Haus der Familie überfallen. Dabei kommt Waffengewalt zum Einsatz und es kommt zum Äußersten. Ein Schuss. Auf eines der Kinder wird geschossen. Nun stellt euch vor, die Mutter wirft sich in den Schuss und stirbt. Der Einbrecher flieht. Zurück bleibt der Vater mit beiden Kindern. Dieses Szenario, in welchem die Frau sich schützend vor die Familie stellt ist als heldenhaft erkennbar, hat aber sofort den Makel einer Perversion. Es löst in dem Mann einen Mangel aus, denn er hat seine Schutzfunktion nicht erfüllen können, er ist traumatisiert und schuldig. Die Geschichte verlangt nun von ihm, dass er zur Gegengewalt greift, dass er loszieht, um sich an dem Mörder zu rächen. Dabei darf er sterben, die Tragödie dankt es ihm. Auch denkbar wäre, dass ihn das Trauma schlicht zugrunde richtet. Er kann seiner Rolle als Vater nicht mehr nachkommen, verfällt vielleicht dem Alkohol. Eine Lösung für seinen Mangel könnte sein, dass er die Liebe zu einer neuen Frau lernen muss, zuzulassen.</p>
<p align="justify">Im umgekehrten Fall ist der Tod des Mannes zum Schutze der Familie nicht als traumatisch oder pervers codiert. Die Mutter ist verstört und tieftraurig, ihre Funktion in der Gesellschaft aber nicht erschüttert. Sie kann ihre Liebe und Fürsorge nun den gemeinsamen Kindern widmen, sich das Bild des toten Mannes auf den Kaminsims stellen und als bemitleidetes und respektiertes Mitglied ihrer Gruppe weiterleben. Sie hat zu trauern, möglichst jeden Tag, aber sie hat durch den Tod ihres Mannes, welcher sein Leben vor ihr eigenes stellte, in ihrer Identität keinen Mangel erfahren, sie bleibt eine ganze Frau. Sucht sie sich einen neuen Mann, eine neue Liebe, löst dies im Publikum moralisch ambivalente Gefühle aus, eigentlich hätte ihre Treue über den Tod hinaus zu gelten.</p>
<p align="justify"><a name="_GoBack"></a>Mit diesen Bildern aus Fernsehen und Film operieren Reaktionäre Antifeminist*innen häufig, wenn sie an den „common sense“, also die tatsächliche Alltagserfahrung der Menschen appellieren und diese als widersprüchlich zur feministischen Theorie darstellen wollen. Sie haben mit Sicherheit unrecht damit, dass diese Geschichten die durchschnittliche Wirklichkeit abbilden, aber sie weisen damit, vermutlich unabsichtlich, darauf hin, dass diese Bilder existieren und einen großen Einfluss darauf haben, wie Menschen ihr eigenes Selbstbild und ihre Moralvorstellungen konstruieren. Oder sind diese Bilder schon in der Gesellschaft angelegt und die Kunst macht sie lediglich offenbar? Das ist eine ganz andere Geschichte.</p>
<p align="justify">Für heute soll es erstmal reichen, ich glaube beim nächsten Mal schreibe ich wieder was Ausgedachtes. Bis dahin hoffe ich, dass ihr was anfangen könnt mit diesen Gedanken. Ich freue mich immer sehr, wenn ihr mir schreibt und mir eure Eindrücke mitteilt.</p>
<p align="justify"><a href="https://www.meintestgelaende.de/2022/03/wir-soldaten/">Hier</a> könnt ihr nochmal den ersten Teil von Antons Text lesen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wir Soldaten</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/03/wir-soldaten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Anton August Dudda]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 17 Mar 2022 07:00:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Privilegien]]></category>
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					<description><![CDATA[In &#8222;Wir Soldaten&#8220; beschreibt Anton Dudda die traditionelle Rolle von Hetero- und Cis-Männern historisch als Soldat, Handwerker oder Jäger und vor allem auch Beschützer der Familie, die Frau ist in dieser Rollenzuweisung für die Reproduktion einer Gruppe zuständig. Im ersten Teil des Textes erklärt Anton &#8222;männliche Privilegien&#8220; und warum diese sich stetig mannifestieren. Hallo. Ich]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p class="p1"><strong><span class="s1">In &#8222;Wir Soldaten&#8220; beschreibt Anton Dudda die traditionelle Rolle von Hetero- und Cis-Männern historisch als Soldat, Handwerker oder Jäger und vor allem auch Beschützer der Familie, die Frau ist in dieser Rollenzuweisung für die Reproduktion einer Gruppe zuständig. Im ersten Teil des Textes erklärt Anton &#8222;männliche Privilegien&#8220; und warum diese sich stetig mannifestieren.<br />
</span></strong></p>
<p><span id="more-14647"></span></p>
<p align="justify">Hallo. Ich bin ein weißer, heterosexueller und cisgeschlechtlicher Mann. Ich mache an dieser Stelle darauf aufmerksam, weil ich das Privileg habe, dass meine Identität erstens, was diese Zugehörigkeitsattribute anbelangt, mit der Identität übereinstimmt, welche mir die meisten Menschen intuitiv zuschreiben würden, und zweitens, weil diese Identität, trotz ihrer eigentlichen Spezifität, als so etwas wie der Normalfall wahrgenommen wird. Wenn ich mich äußere, dann wird mir gemeinhin nicht unterstellt, aus einer bestimmten Position heraus zu denken und zu sprechen. Eine schwarze Person, eine weiblich gelesene Person oder eine nicht heterosexuelle Person beispielsweise, müssen im Gegensatz zu mir damit rechnen, dass ihre Identität als Ausgangspunkt ihrer Positionen verstanden, aufgenommen und diskutiert wird oder die Wahrnehmung der Rezipient*innen zumindest einer gewissen Färbung unterliegt. Zwar sind progressive Diskurse, welche diese Verzerrung aufzuheben versuchen, in den letzten Jahren zunehmend in die breite Öffentlichkeit gesickert, das Problem besteht aber nach wie vor und zementiert das Vorurteil, Menschen meiner Zugehörigkeit seien zu einer Art überideologischem Universaldenken fähig.</p>
<p align="justify">Nun ist es so, dass ich hier in diesem Magazin nicht nur schreibe, <i>obwohl </i>ich zu jener Gruppe gehöre, welche in unserem ökonomischen und gesellschaftlichen System die größten Privilegien genießt, sondern grade <i>weil </i>zu ihr gehöre. Ich verstehe mich als beauftragt, mit meinem Schreiben der Frage nachzugehen, was genau eigentlich abgeht bei uns <i>average white guys</i><i>™</i><i> </i>und warum es uns als Gruppe scheinbar, trotz unserer Privilegien, so wahnsinnig schlecht zu gehen scheint.</p>
<p align="justify">Und ja, es geht uns ganz offenbar schlecht. Die postmoderne Welt ist beharrlich dabei, am Ast unserer wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Dominanz zu sägen und lässt uns nicht mehr einfach mit allem durchkommen, wie die letzten paar Jahrtausende. Plötzlich wird von uns erwartet, dass wir uns rechtfertigen für unser Verhalten, dass wir über unsere Gefühle sprechen, statt einfach nach ihnen zu handeln mit der fixierten Erwartungshaltung, es würde am Ende schon irgendwie nach unserer Pfeife getanzt. Während der eine, kleinere Teil von uns über jahrelange Arbeit versucht, den verinnerlichten, toxisch-maskulinen Habitus abzulegen, nicht selten mithilfe von Psychotherapie, denn bei Merlins Bart, this Shit goes deep, wählt ein anderer Teil den offensiven Weg und beginnt sein problematisches, selbst- und viel zu oft fremdschädigendes Verhalten, als Manifest einer metaphysischen Urmännlichkeit offen zur Schau zu tragen, rationalisiert die offensichtlichen Widersprüche und massiven Ungerechtigkeiten als so etwas wie eine Naturordnung oder Kulturerrungenschaft, die es zu verteidigen gilt, bis hin zur verbalen und psychischen Gewalt gegenüber jenen, denen sie die Schuld geben an ihrem Autoritätsverlust. Ein dritter und wohl größter Teil, versucht sich schadlos zu halten, benimmt sich, meckert gelegentlich (getriggerterweise) über die viel zu schnell getriggerten Snowflakes und zieht sich zurück in immer engere Kreise, in welchen er das Gefühl hat, noch ungestört zu sein. Der Kneipenabend mit „den Jungs“, der Hobbykeller mit dem Billardtisch und der Plattensammlung, das Fußballstadion.</p>
<p align="justify">Dieses Bild moderner <i>average white guys</i><i>™</i> entbehrt nicht einer gewissen Lächerlichkeit. Und zugegeben, es ist wohl auch ein stückweit lächerlich. Nur wird man nicht umhinkommen, möchte man die Probleme möglichst aller Gruppen zu einer guten und gerechten Lösung führen, auch die verhältnismäßig kleinen Probleme der Privilegiertesten ernst zu nehmen. Denn sonst wachsen auf der einen Seite die Ressentiments und führen mitunter zu noch mehr und noch heftigerer Radikalisierung und steigt auf der anderen Seite die Angst, sich zu den eigenen Gefühlen und Ängsten vor Abwertung und Geringschätzung zu bekennen, selbst wenn emanzipatorische Diskurse verstanden werden und sich mit den betroffenen Gruppen solidarisiert wird.</p>
<p align="justify">Bei der Analyse dieses Problemfeldes muss man sich zunächst bewusst machen, wie unscharf der Begriff „Privileg“ ist, wenn man nicht die durchschnittliche Verteilung von Zugang zu Chancen, Geld, Wohnraum, oder auch schlicht individuelle Freiheit auf gesamtgesellschaftlichem oder sogar globalem Niveau bespricht, sondern auf eine individuelle, mikroökonomische Ebene schaut. Global betrachtet, ist das System so verfasst, dass es weiße, cismännliche Personen in den genannten und weiteren Bereichen massiv bevorzugt, im alltäglichen Leben der Menschen äußert es sich aber als permanenter Brandherd von härtester Konkurrenz zwischen Einzelsubjekten um jene Ressourcen, die durch die Ungleichverteilung in viel zu wenigen Händen liegen und für den Rest grade so viel übriglassen, wie absolut notwendig ist. Auch der hieraus zwangsläufig entstehende Mangel betrifft marginalisierte Gruppen im Durchschnitt deutlich härter als die <i>average white guys</i><i>™, </i>aber dennoch sollte es einen nicht wundern, wenn ein Familienvater mit zwei Jobs, ein entlassener Braunkohlebergbauer oder ein alleinstehender Sozialhilfeempfänger sich nicht mit dem Narrativ des <i>male privilege </i>identifizieren können. In meinen Augen muss eine gute feministische Theorie und Praxis immer berücksichtigen, dass sich Privilegien nicht allein aufgrund von Identitäten ungerecht verteilen, sondern vor allem durch ökonomische Ausbeutungsverhältnisse.</p>
<p align="justify">So weit so grundlegend.</p>
<p align="justify">Nun leben wir allerdings in einer Gesellschaft, die es aus den verschiedensten Gründen nicht schafft, sich nachhaltig von diesen Verhältnissen zu lösen, welche die Privilegien so auffallend ungerecht verteilen. Es muss etwas geben, was unter den <i>average white guys</i><i>™ </i>eine Einheit stiftet, welche stärker ist als der immense Druck der ökonomischen Ungleichheit, etwas, womit sich sowohl die absolut Obersten, als auch die absolut Untersten von ihnen identifizieren und was ihnen ein „Weiter-So“ oder sogar ein Abgleiten in Autoritäre, Rückschrittliche Ideologien attraktiver erscheinen lässt, als eine fundamentale Änderung der Gesellschaft. Der ganz individuelle Vorteil dieser Ideologie, die man Maskulinismus nennen kann, liegt auf der Hand. Auch wenn das Individuum unter unerreichbaren Idealen und ökonomischer Ausbeutung leidet, kann es doch innerhalb seiner Mikrosphäre eine Dominanz für sich beanspruchen. Es hat fast sadomasochistische Züge. Ich weiß, nach „Oben“ muss ich gehorchen und mich unterordnen und bin dadurch legitimiert, nach „Unten“ Gewalt auszuüben, in welcher Form auch immer. Der sehr heteronormative Trope des Familienvaters, der das Geld verdient, in den Krieg zieht oder in anderer Form die Familie nach „Außen“ vertritt, indem er sich in ein hierarchisches System eingliedert um das Überleben und/oder den Lebensstandard zu sichern, der aber dann zuhause seine Entfremdung, Überforderung oder seine Traumata gewaltvoll an seiner Frau oder seinen Kindern auslebt, ist in unseren Kulturprodukten vielfach wiedergegeben und kritisiert, aber auch schon reproduziert und legitimiert worden, falls die moralische Grenze zur physischen Gewalt nicht überschritten wurde.</p>
<p align="justify">Speaking of.</p>
<p align="justify">Fortsetzung folgt.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Es ist mir egal, dass du einer von den Guten bist</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/01/es-ist-mir-egal/</link>
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		<dc:creator><![CDATA[Fee]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 10 Jan 2017 08:00:52 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Macht]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Privilegien]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Kampf gegen den Sexismus ist ein langer, zäher und schwerer. Neben den eindeutig danebengegriffenen, sexistischen Aussagen mancher Werbeagenturen oder des ein oder anderen Präsidenten, gibt es da aber auch immer noch die Männer und Jungs in meinem Umfeld, die ich eigentlich sehr gerne mag und die eigentlich auch „eh keine Arschlöcher“ sind. Trotzdem passiert]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Kampf gegen den Sexismus ist ein langer, zäher und schwerer.</strong><br />
<strong> Neben den eindeutig danebengegriffenen, sexistischen Aussagen mancher Werbeagenturen oder des ein oder anderen Präsidenten, gibt es da aber auch immer noch die Männer und Jungs in meinem Umfeld, die ich eigentlich sehr gerne mag und die eigentlich auch „eh keine Arschlöcher“ sind. Trotzdem passiert es von Zeit zu Zeit, dass sie sich sexistisch äußern oder etwas tun, das mich an zu viel Schlechtes erinnert. </strong><strong>Und wenn ich sie darauf hinweise, kann es auch passieren, dass sie beleidigt sind oder es übertrieben von mir finden.</strong> <strong>Für alle, denen das manchmal passiert und die gern verstehen wollen, und speziell für den Mann, der neulich zu mir meinte, ich sei zu empfindlich und man könne es auch übertreiben, er habe es ja nur gut gemeint, außerdem sei er einer von den Guten, ist dieses Gedicht:</strong><br />
<span id="more-7662"></span></p>
<p><em>Warum ich es manchmal einfach übertreibe, zu empfindlich bin und es mir egal ist, dass du einer von den Guten bist.</em><br />
Du setzt die Grenzen fest für die Welt,<br />
das hast du so gelernt.<br />
Du bist der Atlas, der den Globus hält,<br />
von dem sich die Sonne nie zu weit entfernt.<br />
Um deine Gefühle drehen sich Planeten,<br />
um deine Würde ein Grundgesetz,<br />
man kämpft für dich mit Gewehr und Macheten,<br />
hat man dich gekränkt oder ohne Grund verletzt.</p>
<p>Du bestimmst, was zu weit geht,<br />
wie viel zu viel ist und auch, was nicht reicht,<br />
du legst das Thema fest und das, was mir frei steht,<br />
und nur wenn du es zulässt, dann bin ich auch frei.<br />
Du hältst mich aus und duldest meine Wut,<br />
du bist bereit, mit mir zu diskutieren,<br />
denn du findest wütende Mädchen gut,<br />
und für dich nicht gut zu sein, will ich nicht riskieren.</p>
<p>Du stehst auf eigenständige, freie Menschen,<br />
die auch mal ihre Meinung sagen,<br />
du setzt dich für Minderheiten ein und gegen Grenzen,<br />
in deiner Gegenwart darf ich es sogar wagen,<br />
dich höchst selbst vorsichtig zu kritisieren,<br />
du kannst damit umgehen, du bist reflektiert.<br />
mir wird ganz sicher nichts Schlimmes passieren,<br />
nur gesellschaftlich werde ich vielleicht sanktioniert.</p>
<p>Du bist kein Arschloch, du bist einer von den Guten.<br />
Das rufst du mir in Erinnerung,<br />
trifft dich ungerechtfertigt meine Wut, denn<br />
ich sollte nach außen hin kämpfen, nicht innen rum.<br />
Wenn ich nicht sehe, wie gut du es meinst,<br />
was eigentlich deine Absicht war,<br />
dann muss ich taub und blind und geistesgestört sein,<br />
ich muss doch merken, dass das keine Absicht war.</p>
<p>Du bist auf meiner Seite, du beleidigst mich nicht.<br />
Und manchmal mischt du dich sogar ein,<br />
oft publikumswirksam, doch schon gut, ich beschwer mich ja nicht,<br />
man kann wohl nur entweder oder sein.<br />
Und da sollte ich dankbar sein, dass du oder bist,<br />
auch wenn du manchmal keine Lust darauf hast,<br />
und in mancher Gesellschaft deine Haltung vergisst,<br />
oder nur wenig nach unten, aber noch Luft rauf hast.</p>
<p>Du ahnst gar nicht, welche Macht du besitzt<br />
und welches Glück, deine Kämpfe wählen zu können,<br />
mein Freund, der du bequem auf deinen Privilegien sitzt,<br />
du kannst problemlos Erlebtes von Erzähltem trennen.<br />
Denn du musstest niemals, nicht ein einziges mal,<br />
die Blicke aushalten, die ich täglich spüre,<br />
du musst dich nicht entscheiden, denn ist´s dir egal,<br />
hast du ganz persönlich nichts zu verlieren.<br />
Wenn du dich einsetzt, wirst du noch gefeiert,<br />
als ob das nicht ganz selbstverständlich wäre.<br />
Und fasst man dich nicht an wie rohe Eier,<br />
tust du noch als müsste es mir eine Ehre<br />
sein, dich auf meiner Seite zu wissen,<br />
und eine Zumutung, dich jetzt zurechtzuweisen,<br />
immerhin verhältst du dich meist höchstens halb beschissen,<br />
du hast Recht, man kann es auch echt übertreiben.</p>
<p>Du hast nicht die Erfahrung machen müssen,<br />
schon mit zwölf kindlichen Jahren,<br />
ohne von der Bösartigkeit von Menschen zu wissen,<br />
umgeben zu sein von Gefahren.<br />
Du hast nie die Hand eines Fremden<br />
auf deinem kindlichen Körper gespürt,<br />
der dir von einer Sekunde auf die andere im völlig enthemmten<br />
Zustand deine Mitschuld suggeriert.<br />
Du hast nie ein Lieblingskleid in den Schrank verbannt,<br />
weil an ihm Worte wie „sexy“ und „aufreizend“ klebten,<br />
weil man dich in diesem Kleid als Opfer erkannt<br />
hat und mit ihm von nun an Angst und Schuldgefühl lebten.<br />
Du hast nie überlegen müssen, ob du davon berichtest,<br />
weil du dachtest, vielleicht gibt man dir die Schuld,<br />
und als du es tatst, erwies deine Angst sich nie als richtig,<br />
doch ich seh schon, mein Freund, ich strapazier deine Geduld.<br />
Denn du hast nie gelernt darauf zu warten, gehört zu werden,<br />
deine Meinung war immer schon wertig.<br />
du brauchtest nie weitere Hosen oder engere Röcke, um ernstgenommen zu werden,<br />
du ziehst dich morgens an und bist fertig.<br />
Und siehst noch nicht mal,<br />
Scheiße, bist du privilegiert,<br />
du hattest eben immer schon die Wahl,<br />
ob man sich heut einsetzen soll oder Unrecht ignoriert.<br />
Denn ob dieser Vorwurf stimmt,<br />
bestimmst immer noch du.<br />
Und welches Recht mir die Gesellschaft nun wirklich nimmt,<br />
erfahr ich spätestens, hör ich dir weiter zu.</p>
<p>Du hast keine Ahnung wie das ist, wenn man Todesangst hat,<br />
sobald man allein auf einer öffentlichen Toilette ist,</p>
<p>stattdessen hast du meine ständige Thematisierung satt,<br />
weil dir das in deinem Umfeld echt noch nicht aufgefallen ist.<br />
Gratuliere, mein Freund, denn das bedeutet auch,<br />
du konntest nachts heimgehen ohne verkrampft das Handy in der Hand,<br />
ohne Deo statt Pfefferspray in der andern und Krämpfen im Bauch,</p>
<p>ohne die Panik, wenn auf deinem Weg nach Hause irgendwo einsam ein Auto stand.<br />
Du hast deinen Freunden nie SMS geschrieben,<br />
sobald du sicher angekommen warst,<br />
und bist wahrscheinlich selten die ganze Nacht aufgeblieben,<br />
wenn eine nicht zurückschrieb, während dein Herz wild raste.<br />
Du hast die Welt bereist und auf Couches gepennt,<br />
bist in Autos mitgefahren und hattest höchstens Angst, dass dich jemand bestiehlt,<br />
kein nettes Gespräch endet damit, dass dir ein Typ nachrennt,<br />
oder dir plötzlich Bilder seines Geschlechts unter die Nase hielt.<br />
Auf deinem Schulweg stellte sich dir kein Mann in den Weg,<br />
kein Lehrer hat dir je in den Ausschnitt gestarrt,<br />
auf Facebook sind Dick-Pics nicht gerade die Regel<br />
und in der Bahn sitzt dir keiner gegenüber und wird hart.<br />
Man pfeift dir nicht nach<br />
und nein, das ist keine Kompliment,<br />
man ruft dich nicht Schlampe und fragt,<br />
bevor man dir einfach so deine geschätzte Körbchengröße nennt.<br />
Auf deine Kosten wurden selten Witze gemacht,<br />
du musstest dich nicht für jede Äußerung rechtfertigen,<br />
und wenn ich dir nun sage, dies oder jenes war unangebracht,</p>
<p>dann kannst du mich ungestraft mit einem „Du bist zu empfindlich“ abfertigen.<br />
Denn du bestimmst, worüber wir sprechen<br />
Ärgern darf mich nur, wen wir gemeinsam hassen,<br />
Passt´s dir nicht, kannst du es jederzeit abbrechen.<br />
in letzter Konsequenz muss ich mich auf deine Bereitschaft verlassen,<br />
denn du bestimmst, was du sehen willst,<br />
und ob du meine Erfahrungen ernstnehmen möchtest,<br />
ob das was mit dir zu tun hat, oder ob ich still<br />
sein soll, wenn´s dir grad zu viel oder nicht recht ist.<br />
Deine Komfortzone bleibt so lange unangetastet,<br />
solange du annimmst, du wüsstest schon alles.<br />
solange meine Kritik nur an deinem Ego tastet<br />
und auch nur ´ne Meinung ist im Falle des Falles.</p>
<p>Du kannst es gut finden, dass ich diesen Text hier performe,<br />
aber du könntest auch selbst einen verfassen,<br />
du könntest einsehen, dass das keine enorme<br />
Forderung ist, sondern das, was jeden Tag auf mir lastet.<br />
Du kannst etwas sagen und das mega gut gemeint haben<br />
aber du könntest auch zuhören, wenn ich sag, es war kontraproduktiv,<br />
dann könntest du für deine Äußerung die Verantwortung tragen<br />
und dafür, was dank deines Jokes in den Köpfen ablief.<br />
Du kannst sagen, DU bist ja nicht so<br />
Doch könntest auch verstehen, dass ich dir da misstrau,<br />
und dann könntest du vorsichtiger sein als sowieso<br />
zuhören, wenn ich sag: Hör doch! Und hinsehen, wenn ich sag: schau!<br />
Du kannst sagen, ich übertreibe es,<br />
Aber du könntest dich auch fragen, warum mir das so wichtig ist,<br />
Du kannst sagen: Ich bin dieser Meinung und bleibe es!<br />
Aber du könntest auch überlegen, ob das wirklich richtig ist.<br />
Meine Empfindlichkeit kommt nicht von irgendwoher,<br />
und deine Befindlichkeit steht nicht über allem,<br />
ich wäre ja still, wenn das alles kein Problem für mich wär,<br />
aber es ist eins. Und das zu bekämpfen ist mir mehr wert als dir zu gefallen!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Lest in einem Text von Was geht Almanya, <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/06/alltags-sexismus-gehts-noch/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">wie sehr Sexismus im Alltag nervt</a>.</li>
<li>Was einen Mann ausmacht und wieso Nils Pickert die Frage danach nicht mehr hören kann, seht ihr in <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/06/fragile-maennlichkeit/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">diesem Video</a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
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