Diskrimi

2017_03_03
(c) Pierre Wolfer  Freiheit  (CC BY-ND 2.0)

Dennis Lange von den Story Tellern erfährt schon sein ganzes Leben Diskriminierung im Alltag: nicht so lernen wie andere? Geht nicht! Nicht gut im Sport? Ganz schlecht! Immerzu hören, dass man nicht „richtig“ ist, macht mürbe und führt dazu, sich irgendwann selbst zu diskriminieren – weil man glaubt, was die anderen sagen. Und am Ende des Tages bemerkt Dennis, dass er selbst auch zum Diskriminierer geworden ist – und schämt sich dafür.

Jahrzehntelang diskriminiert, das bin ich. Nun hab Dich nicht so. Dir geht es doch gut. Ignoriere einfach die, die Dich nicht mögen. Oder noch besser: Halt auch die andere Wange hin. Dann lebst Du gottgefällig. Hey, auch die, die mich „lieben“, sind die, die mich diskriminieren. Meine eigene Persönlichkeit nicht entfalten können, das ist Diskriminierung. Und dies habe ich schon von Kindessein an erlebt. Da fängt es schon an: Kinder haben keine eigene Persönlichkeit, sie müssen sie noch finden. Hä? Persönlichkeit ist doch kein Osterei. Jemanden, der Schlagzeug lernen will, eine Blockflöte in die Hand zu geben, das ist Diskriminierung. Jemanden immer wieder wegen seiner Körperhaltung Vorwürfe zu machen, das ist Diskriminierung. Und mir hat es nur geholfen, meinen Körper nicht anzunehmen. Ein Schritt der Distanzierung, ein Schritt zur Unsicheren Persönlichkeit. Diskriminierung ist das Schulsystem, das ich erlebt habe. Wissen reinpauken, persönliche Interessen ignorieren, es sei denn sie passen zufällig ins System. Immer alles korrekt machen müssen ist schon Diskriminierung. Schon solche Worte wie Diskriminierung oder Legasthenie „korrekt“ schreiben zu müssen, um eine „gute“ Note zu erhalten, ist diskriminierend. Selbst diese „Schwäche“ nicht mehr zu bewerten, wurde zur Diskriminierung. Sportunterricht ist eine pure Katastrophe. Von wegen: hier soll Gemeinschaftsgeist gelehrt werden. Auch hier geht es nur darum: Wer ist der Schnellste, der Beste? Auch wenn mit der Schulzeit die schlimmste Zeit meines Lebens schon lange vorbei ist: Sie harkt nach. Schiebe es auf die Pubertät. Nee, da ist mehr. Ich habe gelernt mich zurückzunehmen, in allen Rollen meines Lebens. Das heißt ich habe gelernt, mich selbst zu diskriminieren. Sarkasmus hilft, solch einen Scheiß auszuhalten. Ich hasse Euch, ich hasse mich. Diese beiden Sätze mussten jetzt kommen. Diskriminierung behindert die Lebensfreude.

Wenn über Diskriminierung geschrieben wird, dann gerne über die Verfolgung der Juden im Dritten Reich. Das ist schön lange her, in einem anderen System, verdammt viele Täter und Opfer schon tot. Mit solch einer Distanz kann man das Thema Diskriminierung weit von sich wegschieben. Wenn man das Thema boulevardpressemäßig aufbauschen möchte, hilft es natürlich, sich mit der Diskriminierung von Ausländern und Migranten zu beschäftigen. Wer sich am wenigsten Feinde machen will, sollte sich nur mit dem Thema Barrierefreiheit für Blinde und Rollstuhlfahrer beschäftigen.

Ich kann aus eigener Erfahrung, am ehesten über Diskriminierung durch Einschränkung der individuellen Persönlichkeit erzählen. Leider ertappe ich mich immer wieder dabei, auch ein Diskriminierer zu sein. Und schäme mich dafür. Wie sieht es mit Dir aus?

 

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Menschen mit Behinderung haben was zu sagen! Wir Story Teller sind die inklusive Schreibwerkstatt Story Teller aus Hamburg. Mit unseren Texten möchten wir von unseren Erfahrungen berichten, Denkanstöße geben und Selbstermächtigung voranbringen.

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