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	<title>Tom &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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	<title>Tom &#8211; meinTestgelaende.de</title>
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		<title>Über das generische Maskulinum</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/09/ueber-das-generische-maskulinum/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tom]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 12 Sep 2023 07:00:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gendern]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechtergerechte Sprache]]></category>
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					<description><![CDATA[Tom reagiert auf Harald Martensteins Auslassungen bei radioeins mit einer Replik, die wirkt wie ein Tritt ins Gemächt, der einen Sternchen sehen lässt. Erst vor einer Weile habe ich zum ersten Mal eine Person in dieser Männers-Sprache so richtig reden hören. Damit mein ich in einer privaten Situation. Mir war bis dahin gar nicht bewusst]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Tom reagiert auf <a href="https://www.radioeins.de/programm/sendungen/modo1619/harald_martenstein/ueber-das-gendersprechen.html">Harald Martensteins Auslassungen</a> bei radioeins mit einer Replik, die wirkt wie ein Tritt ins Gemächt, der einen Sternchen sehen lässt.</strong><span id="more-15711"></span></p>
<p>Erst vor einer Weile habe ich zum ersten Mal eine Person in dieser Männers-Sprache so richtig reden hören. Damit mein ich in einer privaten Situation. Mir war bis dahin gar nicht bewusst gewesen, dass manche Leute so etwas auch im Alltag tun. In meiner neu-hippen Lübecker Bubble habe ich Männers-Sprache für ein Phänomen der Boomergeneration, auf konservativen Wahlplakaten oder Medienformaten wie „Markus Lanz“ gehalten. Überall dort halt, wo ein Cis-Dude ein politisches Bekenntnis ablegen soll oder will. Ich kenne keinen einzigen bekennenden Menschen in meiner Nachbar:innenschaft.<br />
Es war auf einer Fete, meine Gesprächsperson war Kolumnist bei der „ZEIT“ und dem „Tagesspiegel“. Sowie beim Radiosender „Radio Eins“ vom RBB und dem NDR. Frisch im Kiez.<br />
Der Mensch erzählte von seinen ersten Berührungspunkten mit Journalist:innen. Dabei sprach er stets von Medienmännern und den Kameramännern. Dort, wo in gendersensibler Sprache ein Glottisschlag steht, fügte er einfach ein „Mann“ hinzu. Mann – klingt nach einem populistischen Menschen, der sich aufregt über sogenanntes „Gendergaga“. Es ist aber ein Teil des gesellschaftlich und zwar nur gesellschaftlich konstruierten binären Geschlechtersystems. Letzteres unterscheidet zwischen Mann und Frau.<br />
Wir befanden uns in einem Zwiegespräch. Keine einzige Person stand in unmittelbarer Nähe. Das machte die Situation so sonderbar. Kein Mensch war Zeug:in unseres Dialoges, der Kolumnist hätte natürlich „Zeuge“ gesagt. Es gab keinen vom Patriarchat ermächtigten Mann, der sich hätte herabgesetzt, nicht repräsentiert, umgekehrt diskriminiert (was unmöglich ist und wissenschaftlich belegt ist), nicht mit gemeint oder auf welche Weise auch immer hätte ungut fühlen können.<br />
Außerdem redete ich in der normalen entgenderten Sprache, die alle mit meint, ohne generisches und damit gegendertes Masukulinum. Es fühlte sich ein bisschen so an, als ob zwei deutsche Muttersprachler:innen sich auf einer einsamen Waldlichtung treffen, von denen einer konsequent männlisch spricht, damit keine Person auf der Welt sich ausgeschlossen fühlt, die nicht verstehen will, dass Sprache wandelbar ist, einen großen Teil dazu beiträgt, Diskriminerungen abzubauen. Zum Beispiel: Harald Martenstein und Jan Fleischauer.<br />
Aber weil weit und breit kein Mensch mithört, hat die andere Person, die inklusiv sprechende, das Gefühl, das hier vielleicht eine versteckte Kamera im Spiel ist, um ihre Reaktion zu testen. Oder dass die andere Person ein ignoranter, unreflektierter, hassender Cis-Dude ist, den Mensch aus Angst vor seiner Gehässigkeit besser nicht anspricht.<br />
Ja, das Aussterben der Paradigmen durch den demographischen Wandel nimmt mir hier zum Glück einiges ab. Sonst könnten wir den generationenübergreifenden Prozess der Sprache wohl gar nicht so schnell machen. Der Abschied von den wütenden Autofahrern und Pegida Opas fällt uns schwer, wissen wir ja.<br />
Die Leser:innen freuen sich bestimmt nicht, wenn sie die Kolumne „Über das Gendersprechen“ mal zu lesen bekommen. Nur, wenn sie dann noch erfahren, dass NDR, RBB, ZEIT und TAGESSPIEGEL diesem Dude eine Stimme geben, wird ihnen die Kinnlade herunterfallen, stimmts? „Das Sprechen über Vielfalt in Sprache haben wir übrigens einem einfältigen Mann angeboten, gibt ja sonst keine Menschen, die über dieses Thema sprechen könnten. Ja und wenn er nicht gestorben ist, dann schreibt und spricht er noch heute für uns.“ Und so weiter.<br />
Den Dialog der sich im Kreis drehenden Dudes in bekannten deutschen Medienhäusern gerade eben hab ich erfunden. Aber es war so ähnlich. Ich konnte mich gar nicht auf den Inhalt dieses Dudes konzentrieren, weil mein Gehirn mit der Entschlüsselung des Subtextes dieser Situation vollkommen ausgelastet war. Sollte ich aus Höflichkeit anfangen, ihn ernst zu nehmen? Neiiin, das wäre eine Art Kapitulation gewesen.<br />
Was hier stattfand war eindeutig „Mansplaining“, also das Zeichen: „Ich erklär dir als Mann mal meine Welt und gehe davon aus, dass deine genauso aussieht. Ich lasse dich gar nicht zu Wort kommen. Oder?“<br />
Wenn der einfältige Dude in seiner Alt-Kolumnistenblase so redete, dachte er sich womöglich gar nichts dabei in seinen Männerbünden. Auf jeden Fall war es klug, sich schnell zum veganen Buffet zu verabschieden. Sonst hätte es die nächste Diskussion über das generische Fleischessen gegeben. Denn wenn ich aus Versehen dem Cis-Dude etwas Falsches sagen würde, würde der in seinen Augen brave, angepasste Bürger das womöglich noch zur Anzeige als „Terroristischen Akt“ bringen. Und ich hätte den gesamten Gewaltapparat des Staates am Bein. Eine völlig andere Blase als meine. Da muss Mensch aufpassen.</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
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		<title>Von Männern zum Tode verurteilt. Das System: &#8222;Femizid&#8220;</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/05/von-maennern-zum-tode-verurteilt-das-system-femizid/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tom]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 04 May 2023 08:00:22 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Femizid]]></category>
		<category><![CDATA[Gewalt]]></category>
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					<description><![CDATA[MeinTestgelände Autor Tom schreibt darüber, wie die Femizide in Filmen mit denen im echten Leben zusammenhängen. [TW: Gewalt an Frauen*]. „Ich werde die Straßen von diesen Nutten befreien und keiner wird mich davon abhalten“, ist nicht nur ein absolut frauenverachtender Satz, sondern ein Zitat des Serienmörders Saeed aus dem Film „Holy spider“, der aktuell in]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>MeinTestgelände Autor Tom schreibt darüber, wie die Femizide in Filmen mit denen im echten Leben zusammenhängen. [TW: Gewalt an Frauen*].</strong><span id="more-15473"></span></p>
<p>„Ich werde die Straßen von diesen Nutten befreien und keiner wird mich davon abhalten“, ist nicht nur ein absolut frauenverachtender Satz, sondern ein Zitat des Serienmörders Saeed aus dem Film „Holy spider“, der aktuell in den Kinos läuft.<br />
Saeed legitimiert seine Morde. Und zahlreiche Männer und von Männern abhängige Frauen schützen ihn. „Ich hab gehört, es geht ihm nur um sittenlose Frauen“, heißt es in einer Szene, in der der Mörder sich bei der Schlange vor der Bäckerei über die sogenannten Spinnenmorde umhört, die die Bewohner:innen der Pilgerstadt Mashhad im Nordosten des Irans in Aufruhr versetzen. Bis dahin hat Saeed 12 Frauen getötet. Er gibt sich als potenzieller Freier aus und bringt sie nachts an einem bestimmten Ort der Stadt auf seinem Moped in die Wohnung seiner Familie. Saeed ist verheiratet, Familienvater zweier Kinder und begeht in Unwissenheit seiner Familie die Morde. In der Wohnung angekommen gibt er den Frauen, die sich aus Gründen von Armut und Abhängigkeiten zwangsprostituieren, das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen. Er bietet ihnen frisches Obst an und zeigt ihnen, wo sie sich im Bad sauber machen können. Es wird ein Bild von Frauen gezeichnet, die die Zwangsprostitution als allerletztes Mittel sehen, um sich und teilweise ihre Kinder über die Runden zu bringen und körperlich geschändet, wie auch seelisch geschädigt am seidenen Faden ihres Lebens hängen. Als die Frauen sich ein Stück weit in Sicherheit wiegen, erwürgt oder erdrosselt Saeed sie. Dabei nutzt er seine körperliche Überlegenheit maximal aus. Nach dem Mord schnürt er seine Opfer in einem Sack zusammen und wirft sie dann an einem bestimmten Ort ab, wo er, wie er sagt, auch die anderen Frauen „entsorgt“ hat. Am Tag darauf ruft er einen Journalisten an, um das Rampenlicht für seine Morde auf sich zu ziehen und zeigt diesem seine Wut, wenn nicht genug über ihn berichtet wird.<br />
Saeed ist ein Mörder, der gesehen und gefeiert werden will für seine Taten. Er sieht sich als Held und Auserwählten Gottes. In „Holy Spider“ sagt er selbst: „Gott hat mich doch nicht nur erschaffen, damit ich in meinem Leben nicht nur ein einfacher Zimmermann bleibe.“ Er fühlt sich berufen dazu und wird von dem iranisch-dänischen Filmemacher Ali Abbasi als angespannten und fragilen Mann dargestellt, der in seinem parallel geführten Alltag als religiös und konservativ sozialisierter Familienvater selbst in strenger Beobachtung seines Schwiegervaters steckt.<br />
Aufgedeckt werden seine Morde durch die Journalistin Rahimi, die für die Recherche ihre körperliche Unversehrtheit mehrmals riskiert. Aus Teheran kommt sie in die Stadt Mashhad und nimmt sich dort ein Hotelzimmer. Als der Mann an der Rezeption sieht, dass sie alleine unterwegs ist, will er ihr das Zimmer nicht vermieten, bis sie ihm ihren Presseausweis zeigt.&#8220;Wenn Sie bitte Ihre Haare bedecken würden?&#8220;, sagt der Mann zu ihr. &#8222;Das ist meine Sache&#8220;, antwortet die Journalistin &#8222;Aber die Sittenpolizei&#8230;&#8220;, entgegnet der Mann.<br />
Beim Interview mit dem Polizisten Rostami wird sie nicht ernst genommen. Rostami nimmt den Fall gelassen und tut wenig dafür, den Frauenmörder zu fassen. Als Rostami sie später im ihrem Hotelzimmer besucht, sexualisiert er die Journalistin. Sie macht ihm mehrmals deutlich, den Fokus des Gespräches auf den Fall lassen. Rostami hat anderes im Sinne. Er belästigt sie sexuell und spricht Drohungen aus, die seine Macht ihr gegenüber widerspiegeln. Der Mann aus der Justiz blockiert ebenfalls ihre Recherche: „Sie glauben, dass wir hinter verschlossen Türen konspirieren. Ich kann ihnen nur raten, vorsichtig zu sein. Ganz besonders in der heiligen Stadt Mashhad.“ Und selbst ihr Kollege, der Journalist, der die Anrufe des Mörders empfängt, rät ihr mehrmals von diesem Fall ab. Im Porträt der Journalistin kommt immer wieder heraus, dass sie sich selbst „sittenlos“ verhalten habe, was ihre Recherchen erschwert und sie in das Radar des Mörders bringt. Als angestellte Redakteurin in Teheran wurde sie von ihrem Chefredakteur selbst belästigt, hat diesen Versuch abgeblockt und daraufhin ihren Job und ihren Status verloren.<br />
Um die Frauenmorde des Spinnenmörders aufzudecken, gibt sie sich selbst als Zwangsprostituierte aus. Saeed schafft es, sie zu sich in die Wohnung zu bringen. Bei seinem Versuch, sie zu ermorden, kann Rahimi fliehen, ihn daraufhin anzeigen und einen Tag später die Verhaftung des Spinnenmörders durchsetzen.<br />
Ab diesem Punkt im Film wird die Macht des Systems „Femizid“ noch sichtbarer. Seine Familie steht hinter ihm. Sein Schwiegervater versucht als mächtiger Mann in der Gesellschaft mittels seiner Kontakte den Mord offiziell legitimieren zu lassen. Und selbst einige Bürger:innen der Stadt Mashhad demonstrieren für seine Freilassung.Das Selbstbild des Frauenmörders wird durch die Anhänger:innen gestärkt und die Reue für seine Taten im Keim erstickt. Saeed befürchtet keine Strafen und wartet auf seinen offiziellen Freispruch. Selbst wenn er sterben würde, wird jemand anders seine Taten fortsetzen. Vielleicht sogar sein eigener Sohn, der in der letzten Szene des Films am Beispiel seiner kleineren Schwester zeigt, wie sein Vater die Frauen außer Gefecht gesetzt und ermordet hat.<br />
Der Film „Holy Spider“ ist inspiriert von der realen Mordserie der Spinnenmörders Anfang der 2000er Jahre und soll, wie der Regiesseur Ali Abbasi im Interview der Tageszeitung TAZ erklärt, (seine) Wut transportieren. Wut über die Generationen „tief verwurzelte Scheinheiligkeit und Misogynie der iranischen Gesellschaft und wie sich das Regime dieses zunutze macht.“ Holy Spider wurde in Jordanien gedreht, da das Ministerium für Kultur und islamische Führung den Drehort im Iran nicht genehmigt hat.<br />
Seit dem 16. September 2022 entlädt sich die Wut vieler FLINTA und Allys mit den Worten „Jin, Jiyan, Azadi“ (auf Deutsch übersetzt: „Frau, Freiheit, Leben“) über ein frauenverachtendes System mit dem Funken der tödlichen Gewalt der Sittenpolizei an Jina Mahsa Amini auf der Straße. Kopftücher brennen. Das Regime versucht die landesweiten Proteste zu unterdrücken. Die Polizei geht gewaltsam gegen Demonstrierende vor. Menschen sterben. Journalist:innen aus der ganzen Welt wird die Berichterstattung erschwert, das Internet wird eingeschränkt. Am 09.01.23 berichtet die Deutsche Welle, dass nach Angaben der Nachrichtenwebsite der iranischen Justizbehörde „Misan“ 17 Menschen in letzter Instanz wegen „Kriegs gegen Gott“ zum Tode verurteilt werden.<br />
Der Tod von Jina Masha Amini war kein Einzelfall im Iran und kein Einzelfall auf dieser Welt. Ein Mord an Frauen, begangen und legitimiert von Männern, die vermeintlich die Ehre in der Familie oder in der Gesellschaft herstellen wollen, ist kein Einzelfall. Femizide werden systematisch geplant, vollzogen und verharmlost. Jeden Tag wird laut Statistischem Bundesamt in Deutschland ein Tötungsversuch an einer Frau registriert. Jeden dritten Tag wird eine Frau durch ihren Mann oder Ex-Mann getötet. Frauenverachtende Hassverbrechen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>„Klar doch, mach ich. Alles gut.“</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/03/klar-doch-mach-ich-alles-gut/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tom]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 02 Mar 2023 17:38:08 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[Sozialer Akku leer? Das kennt Tom als Peoplepleaser gut. Wie er damit umgeht und was in seinem Selbstfürsorge-Erste-Hilfe-Koffer steckt, lest ihr hier. Aus den Gedanken eines Peoplepleasers Alle Jahre wieder..kommt der Weihnachts- und Jahresendstress. Die Zeit im Jahr, an der ich alle Baustellen auf einmal abschließen will. Meine Kolleg:innen, Freund:innen, Wahl- und Blutfamilie geht es]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p style="margin-bottom: 0cm;"><b><span style="font-family: 'Arial',sans-serif; color: #222222;">Sozialer Akku leer? Das kennt Tom als Peoplepleaser gut. Wie er damit umgeht und was in seinem Selbstfürsorge-Erste-Hilfe-Koffer steckt, lest ihr hier.</span></b></p>
<p><span id="more-15349"></span></p>
<p>Aus den Gedanken eines Peoplepleasers</p>
<p>Alle Jahre wieder..kommt der Weihnachts- und Jahresendstress. Die Zeit im Jahr, an der ich alle Baustellen auf einmal abschließen will. Meine Kolleg:innen, Freund:innen, Wahl- und Blutfamilie geht es ähnlich. Sie reißen an mir und ich an ihnen, bis ich kurz vorm 24. Dezember gestresst zu meinen Feiertagsverpflichtungen aufbreche. Ich will ihnen allen gerecht werden und gleichzeitig meinem Bedürfnis, den aufgeladenen Stress abzubauen und für mich selbst Sorge zu tragen, nachkommen. Good Luck.</p>
<p>Natürlich dreht sich an dem Ort, den ich aus Gründen nur zwei Mal im Jahr besuche, nicht alles um mich und meine Bedürfnisse. Gleichzeitig will jedes Blutsfamilienmitglied verständlicherweise auch Zeit mit mir verbringen. Rückblickend werde ich aber, wie die letzten Jahre auch, meine Bedürfnisse auf später versetzen und die zahlreichen Bitten zwischen Tür und Angel vergessen. Zu viel auf einmal. Ich fühle mich voll(gefressen).</p>
<p>Was ich aber 2022 gelernt habe:</p>
<p>Es tut gut, sich zwischen Alltags- und Familienweihnachtsstress ein paar Urlaubstage an einem coolen Ort nur für mich zu nehmen. Es tut ebenso gut, meine individuellen Bedürfnisse, Stresspunkte und Wünsche vorab zu äußern und Grenzen zu setzen. Allerdings geht&#8217;s mir nicht gut damit, wenn ich diese vor Ort dann über den Haufen werfe, um den Denk- und Handlungsmustern meiner Blutsverwandtschaft, die in vielen Situationen anders sind als die meinen, gerecht zu werden. Auch wenn Konflikte dabei vermieden werden und die Harmonie zumindest für ein paar Tage bewahrt werden kann. In mir steigt der Stresspegel. Der Stresspegel, der bei dem nächsten „Klar doch, mach ich. Alles gut“ ein Stückchen mehr vorm Überlaufen ist.</p>
<p>Und das alles tue ich nicht aus Nächstenliebe. Es ist ein über die Lebensjahre angelerntes Verhaltensmuster und eine Strategie, Konflikten aus dem Weg zu gehen. Ja verdammt,</p>
<p>ich vermeide Konflikte, wie ein einsames Reh im Wald, die Berührungen fremder Menschen, die doch so gerne das Reh streicheln wollen. Ich bin ein Peoplepleaser.</p>
<p>Der Vorteil: Ich bin in einer anderen Position als damals in meiner Kindheit. Ich bin handlungsfähiger und habe mit der Zeit gelernt, meine eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und vor meinen Bezugspersonen, wenn nötig, mit schlagfertigen Argumenten auszudrücken. Außerdem kann ich mich rausnehmen. Raus aus der Situation (Blickwechsel, Perspektivwechsel, Bewegung, paradoxe Intervention), raus aus dem Raum und auch raus aus meinem Gedankenkarussell, das sich manchmal so wild dreht, dass mir körperlich und seelisch übel wird. Wenn ich mich rausnehme, gehe ich meistens auch raus. Auf einen Spaziergang, auf Geschenkkistentouren oder raus aus der Stadt im Sinne eines Tapetenwechsels.</p>
<p>Und meistens gehe ich dann auch wieder rein. Rein in den Rückzugsraum. Rein in die Selbstfürsorge. Dort steht meistens ein imaginärer Koffer. Oder Zettel und Stift für eine „Was ich jetzt brauche“-Liste. Das kann ganz unterschiedlich sein. Bei meinem letzten stillen Konflikt mit mir und meiner Situation eines Umzugschaos, der sich in einem heißen Konflikt mit meiner Partnerin ausgedrückt hat, stand zum Beispiel:</p>
<ol>
<li>Etwas Leckeres, Wohltuendes selbst kochen</li>
<li>Kleidung von meiner letzten Geschenkkistentour anprobieren</li>
<li>Ein Entspannungsbad nehmen</li>
<li>Mich auf meine Akkupressurmatte legen und einen Podcast hören</li>
<li>(M)eine Serie weitergucken, bei der ich weiß, ich werde sicherlich so berührt sein, dass ich weinen muss. (Ja, muss. Mir hilft Weinen sehr, Druck auf körperlichem Wege abzubauen, allerdings brauche ich Auslöser dafür, da ich auch Gefühlsvermeidungsmuster internalisiert habe.)</li>
<li>Körperpflege (Hand/Fußmassage und Peeling, Haircut, Rasur, Make-Up)</li>
<li>„Was aus der Kreativkiste“</li>
<li>Tanz- und Traumreise, Meditation</li>
<li>Mit Freund:innen telefonieren</li>
<li>Schlafen und Durchatmen. Ja, meistens fühlt sich Körper und Kopf schon ganz anders an, wenn man für n Stündchen den Stand by Modus aktiviert.</li>
</ol>
<p>Was ich auf der Liste nicht aufgeschrieben habe, sondern diesmal auf der „To-do-Liste” gelandet ist:</p>
<p>Reflexion der Situation und der eigenen Handlung → Klärungsgespräch suchen → Handlungsmuster wahrnehmen, überdenken und beim nächsten Mal „anders” reagieren.</p>
<p>An diesem Tag war ich so k.o, dass ich erst mal Zeit und Raum nur für mich gebraucht habe. Erst als mein Akku wieder zur Hälfte geladen war, konnte ich den Energiesparmodus verlassen, die Energiezufuhr abstecken und mich mit dem Grund des plötzlichen Energieverlustes beschäftigen. Das Ladekabel aka meine „Was ich jetzt brauche Liste“ natürlich griffbereit neben mir. Wichtig ist nur: Das alles braucht Zeit und Raum. Geduld und meine „jeder (Baby)step zählt“-Mentalität helfen dabei.</p>
<p>Mein Selbstfürsorge-Erste-Hilfe-Koffer mit allerhand Werkzeugen, mir selbst zu helfen, funktioniert nur, wenn ich auch noch genügend Kraft habe, ihn zu öffnen und die Tools anzuwenden. Wenn ich aber so viel Energie verloren habe, dass mein Körper und Kopf abschaltet und nicht mehr betriebsbereit ist, brauche ich Fremdfürsorge. Dann muss mitunter tief zu mir durchgedrungen werden, weil mein Körper und mein Kopf so viele unterschiedliche Mauern aus Schamgefühlen, Angstgefühlen und Selbstwertminderungen aufgezogen hat, dass ich selbst keinen Zugang mehr zu mir selbst finde und diese Gefühle im Moment auch gar nicht spüren kann. Fehlermeldung.</p>
<p>Meine tiefenpsychologische Therapie hilft mir dabei, das System wiederherzustellen, ein Reset zu veranlassen und die Ursache des Absturzes zu ergründen, und einen Short-Cut für die Behebung dieser Störung zu speichern und in meinen Koffer zu packen.</p>
<p>Meistens sehe ich erst dann: #peoplepleasingalert. „Eines deiner verinnerlichten Verhaltensmuster dreht auf. Es ist Zeit, den fehlerhaften Code zu überschreiben.“</p>
<p>Zurück zum Weihnachts- und Jahresendstress. Im Alltag habe ich mittlerweile ein Umfeld, dass mein Verhaltensmuster kennt und überwiegend Rücksicht nimmt, statt mein Peoplepleasing-Verhalten auszunutzen. Außerdem auch Verständnis dafür hat, wenn der Stresspegel überschwappt und ich mich spontan raus aus dem „für und mit anderen“-Modus nehme und rein in den „nur für mich“-Modus bringe, um aus eigener Kraft wieder klarzukommen und einen Absturz noch zu verhindern. #Konsens. Ein „Nein“ sollte immer okay sein. Beziehungsweise ein „Ja” nicht von vornherein erwartet werden, auch nicht im Kontakt zu mir selbst. Meistens mache ich mir ja den Druck, „ja“ sagen zu müssen und nicht „nein“ sagen zu können ja selbst. Ein „Ich will erst mal &#8217;ne Nacht darüber schlafen und schauen, wie´s mir damit geht“ hilft da meistens schon.</p>
<p>Wenn ich aber im Außen das Gefühl bekomme, ein „Nein“ sei nicht okay. Beziehungsweise sage ich „ja“ aus Ängsten vor Ablehnung und Verlust oder gar sträflich angewandten Konsequenzen. Dann tue ich mir diesen Stress nur zu ausgewählten und fest eingegrenzten Zeiten an. Dabei bin ich mir bewusst, dass ich für diese Herausforderungen genügend Vorlauf, meinen Selbstfürsorge-Erste-Hilfe-Koffer und ausreichend Nachlauf brauche, um aufgeladen zurück in meinen Alltag zu starten.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Das ist doch krank!</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/12/das-ist-doch-krank/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tom]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 15 Dec 2022 15:15:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Krankheit]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;Wieso muss Mensch, wenn er krank ist und auf die Krankheit aufmerksam machen will, sich von anderen Menschen beurteilen lassen, wie krank Mensch doch ist? Das ist doch krank. Und hat Mensch nicht genug mit den Auswirkungen der Krankheit und der Sichtbarmachung der Krankheit zu tun?!&#8220; Tom ist nicht bereit, solchen &#8222;männlichen&#8220; Einstellungen zu folgen.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8222;Wieso muss Mensch, wenn er krank ist und auf die Krankheit aufmerksam machen will, sich von anderen Menschen beurteilen lassen, wie krank Mensch doch ist? Das ist doch krank. Und hat Mensch nicht genug mit den Auswirkungen der Krankheit und der Sichtbarmachung der Krankheit zu tun?!&#8220; Tom ist nicht bereit, solchen &#8222;männlichen&#8220; Einstellungen zu folgen.</strong><span id="more-15203"></span></p>
<p>Mein letzter Text ist am 7.12.2021 erschienen. „Hatte viel um die Ohren. Brauchte Zeit für mich. &#8222;Hab mal &#8217;ne Auszeit gebraucht“, das habe ich oft gesagt, wenn Menschen mich gefragt haben, was denn los sei. Für mich sind das übliche Aussagen, um in unserer Gesellschaft Termine abzusagen oder sich bei Menschen für mangelnde Kontaktpflege zu rechtfertigen. Der Ansatz „Ich bin krank und bereit, über meine Krankheit zu sprechen&#8220;, findet öffentlich selten bis gar nicht statt.<br />
Am 12.04.22 hat die Autorin Margarete Stokowski ihren bis dato letzten Artikel in ihrer Kolumne beim Spiegel veröffentlicht. Zuletzt sprach sie auf der Bundestags-Pressekonferenz in Berlin über ihre Long Covid Erkrankung. 264 Tage seit Symptombeginn lebt sie mit den Folgen der Krankheit. Seither kann sie kaum noch Termine wahrnehmen und weder ihrer Arbeit als Autorin nachgehen noch privat unabhängig für sich sorgen. Die Reaktion: Hass und Anfeindungen im Netz, eingebettet in Twitter-Posts von „Beweisen“, dass es ihr doch gut ginge, weil sie Brot gebacken hat und sich die Nägel lackiert hat.<br />
Wieso muss Mensch, wenn er krank ist und auf die Krankheit aufmerksam machen will, sich von anderen Menschen beurteilen lassen, wie krank Mensch doch ist? Das ist doch krank. Und hat Mensch nicht genug mit den Auswirkungen der Krankheit und der Sichtbarmachung der Krankheit zu tun?!<br />
Wie ich es oft erlebe: Anscheinend nicht, denn Mensch muss für jegliche ungefragten und ungewollten Rückfragen und als Expert:in über die Krankheit und das, was diese mit sich bringt, Rechenschaft ableisten.<br />
Wie ich es mir wünsche: Mensch sollte das nicht müssen.<br />
Denn das führt in unserer Gesellschaft dazu, dass Mensch selten bis gar nicht gerne bereit ist, über die Krankheit öffentlich zu sprechen. Was aber für diesen Menschen und alle anderen Betroffenen wichtig wäre, um Tabus zu brechen und unsichtbare Krankheiten sichtbar zu machen.<br />
Oft scheitern Betroffene sogar daran, sich guten Gewissens krankschreiben zu lassen. Teils aus emotionalen Gründen, teils auch aus finanziellen. Mein Ausbildungsbetrieb hat mich damals untertariflich bezahlt mit der Begründung: „Wir haben ein Bonusprogramm. Für gute Bewertungen der Abtleitungsleitenden und möglichst wenig Krankheitstage kannst du Zulagen auf deinen Lohn erhalten. Ganz easy. Und dann verdienst du quasi übertariflich.“<br />
De facto: Die Mitarbeitenden, die sich im Jahr, egal ob krank oder nicht, auf Arbeit geschleppt haben, hatten am Ende des Monats dafür mehr Geld als Mitarbeitende, die krank zu Hause geblieben sind und sich ausgeruht haben. Das ist doch krank.<br />
Wir schicken Menschen in unserer Gesellschaft krank zur Arbeit. Und damit meine ich nicht Menschen, die versuchen, mit chronischer Krankheit ihr Leben zu leben und den Job oft unter Anstrengung zu überleben. Nein, damit meine ich zum Beispiel Krankenhäuser, die ihre Mitarbeitenden fünf Tage nach einer Corona-Infektion mit einem positiven Test zurück auf Station geschickt haben, um einen Kollaps im deutschen Gesundheitssystem zu verhindern. Das ist doch krank. Quelle: https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/rhein-main/zur-arbeit-ins-krankenhaus-trotz-positivem-corona-test_25645297</p>
<p>Nein, krank sein sollte nichts Schlechtes, nichts Außergewöhnliches, nichts Problematisches sein. Und Menschen, die krank sind, sollten von anderen Menschen auch nicht als schlecht, außergewöhnlich oder als Problem von anderen Menschen von außen beurteilt werden. Sie sollten gar nicht beurteilt werden. Ein Mensch, der mit einer oder mehreren Krankheiten temporär oder chronisch lebt, ist genauso individuell zu betrachten wie ein Mensch, der ohne Krankheit lebt. Egal, mit welcher Krankheit Mensch lebt oder wie Mensch im eigenen Empfinden darunter leidet oder Einschränkungen erfährt. Und wenn Mensch darüber sprechen will, sollten wir nicht beurteilen, sondern viel mehr aktiv zuhören und Verständnis zeigen. Denn sprechen wir nicht mehr über unsere Krankheiten, gelangen diese Einblicke nicht in die Öffentlichkeit. Was dazu führt, dass vermutlich nur wenig über diese Krankheit geforscht wird. Dadurch kann nur schwer ein Medikament, eine Therapie oder eine Impfung entwickelt werden, um dafür zu sorgen, dass Menschen mit einer Krankheit, einer Infektion oder einer Störung (OMG, wie ich diesen Begriff nicht ausstehen kann, aber das hat dann Platz in einem anderen Artikel), ohne darunter zu leiden, leben können. Und wenn das nicht klappt, können aus Krankheiten sogenannte Volkskrankheiten oder gar globale Pandemien werden.<br />
Krank sein sollte auch keine Angst hervorrufen, zu medizinischem Fachpersonal gehen und sich krank zu melden. Es ist nicht schlecht, außergewöhnlich oder problematisch, sich von medizinischem Fachpersonal krankschreiben zu lassen und es sollte auch von Arbeitgeber:innenseite oder Kolleg:innenseite keine ungewollten und meist unangenehmen Rückfragen geben. Das Statistische Bundesamt schreibt zum Beispiel über den Krankenstand im Jahr 2007, der seit 1991 im Durchschnitt die niedrigsten Fehlzeiten hervorruft: Mögliche ursachen können eine allgemein verbesserte Gesundheitslage oder der Rückgang gesundheitsbeeinträchtigender Arbeiten (zum Beispiel im Produzierenden Gewerbe) sein. Aber auch die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes kann Arbeitnehmerinnen und Arbeitneher veranlassen, sich seltener krank zu melden. Insbesondere in konjunkturellen Schwächephasen gehen die Krankmeldungen zurück, wie die Entwicklung seit 1991 zeigt. 2007 standen wir kurz vor einer globalen Wirtschaftskrise, heute befinden wir uns inmitten einer Energiekrise. Just saying.<br />
Ich selbst hatte im ersten Lehrjahr 27 Krankheitstage und wurde dafür zum Personalchef zitiert. Dort musste ich mich rechtfertigen. Ihr wollt wissen, warum ich 27 Krankheitstage hatte? Genau, dafür muss ich mich nicht rechtfertigen.</p>
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			</item>
		<item>
		<title>(Un)ruhige Zeiten</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/11/unruhige-zeiten/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tom]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Nov 2022 14:02:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[In diesem Sommer hat Tom verstanden, dass die männlichen Stärke-Mantras seiner Kindheit ihn behindern, anstatt ihm Werkzeug zu sein für ein positives Leben: soft und durchlässig statt stählern und unerreichbar, so soll zukünftig die innere Ordnung aussehen und das Ich befreien. Winter is coming. Die Sommerzeit ist seit dem 30. Oktober endgültig vorbei. Die Tage]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In diesem Sommer hat Tom verstanden, dass die männlichen Stärke-Mantras seiner Kindheit ihn behindern, anstatt ihm Werkzeug zu sein für ein positives Leben: soft und durchlässig statt stählern und unerreichbar, so soll zukünftig die innere Ordnung aussehen und das Ich befreien.</strong></p>
<p><span id="more-15176"></span></p>
<p>Winter is coming. Die Sommerzeit ist seit dem 30. Oktober endgültig vorbei. Die Tage werden kürzer. Wir befinden uns im Übergang. Gerade jetzt in meiner Lieblingsjahreszeit, dem Herbst, reflektiere ich verstärkt und versuche mich wie alle Jahre wieder auf den Winter vorzubereiten, um dann im Winter zu merken, wie wenig ich mich doch vorbereitet habe.</p>
<p>Doch dieses Jahr wird es anders. Die Jahreszeiten haben sich persönlich für mich verschoben. Ich fühle die Leichtigkeit des Sommers, den ich erst seit Ende August wirklich gelebt habe. Erst zu dieser Zeit, als mein dreiwöchiger Jahresurlaub bevorstand, hatte ich das Gefühl, sommerlich im Außen zu leben. Die Freiheit im Kopf, die Sorglosigkeit im Herzen. Erleben. Auf Reisen mit dem 9 Euro Ticket, auf Konzerten, in der Natur, bei Freund:innen und Familie. Spontan und des Erlebens wegen. Und auch mal &#8217;ne Nacht planlos im Freien ohne Schlaf zu verbringen, weil der Zug zu voll war. Ich bin auf neue Menschen zugegangen, habe mich eingeschlafenen Freund:innenschaften wieder gewidmet und meinen Innercircle, mit meinen vertrautesten zwischenmenschlichen Beziehungen, neue Höhepunkte meines Lebens gefühlt.</p>
<p>Diese Zeit fühle ich heute immer noch. Zumindest stelle ich sie mir vor und zehre daran, wie der Akku meines Smartphones von meiner Powerbank. Ich stelle mir vor, dass es möglich ist, trotz Unruhen innerlich ruhig zu bleiben. Unruhen global, Unruhen lokal, Unruhen auf Arbeit, Unruhen im Leben meiner Beziehungsperson und Unruhen, weil ich mich heute schon wieder ausgesperrt und dadurch den Videocall mit meiner Therapeutin verpasst habe. „OMG WO IST MEIN KOPF; WARUM BIN ICH SO TOLLPATSCHIG; ALLES SCHEIßE; ICH LEG MICH INS BETT UND WILL NICHTS MEHR VON DER WELT WISSEN“, hätte ich vor einem Jahr gesagt, als sich meine Traum WG, als Wohnungsalptraum herausgestellt hatte.</p>
<p>Heute stelle ich mir vor, dass ich mit einer abgeschnittenen PET-Flasche selbst bei mir einbrechen kann und dass meine Therapeutin Verständnis hat, wenn ich dadurch später zum Therapietermin komme. Und genau das ist auch eingetroffen. Nicht weil ich zaubern kann, sondern weil dieser Fall nicht das erste Mal eintritt. Weil ich nicht das erste Mal bei mir selbst eingebrochen bin und weil ich nicht das erste Mal aus irgendwelchen Gründen nicht pünktlich zu meinem Therapietermin erscheinen konnte. Ist meiner Therapeutin übrigens auch schon passiert. So what. Ich versuche flexibel zu bleiben. Soft, durchlässig und keineswegs stählern und unerreichbar. Daran würde ich nur zerbrechen. Beziehungsweise bin ich daran schon öfter zerbrochen. Vieles ließ sich aber wieder fixen. Das Chaos wieder in Ordnung bringen.</p>
<p>In dem Buch „Ungezähmt“, von der Bestsellerautorin Glennon Doyle, heißt es: „Es gibt zwei Arten von Ordnungen der Dinge. &#8222;Die Sichtbare und die Unsichtbare“. Als sichtbare Ordnung beschreibt Doyle einen gesamtgesellschaftlichen Blick auf die Dinge. „So ist es“. In meinem Fall mit der Tür, Glaubenssätze wie: „Das schaffst du eh nicht. Was werden die Nachbar:innen denken. Ruf lieber den Schlüsseldienst und zahle 80 Euro. Selbst Schuld.“ Glaubenssätze, die ich als Kind verinnerlicht habe. Meistens von erwachsenen Autoritäts- und Bezugspersonen, die in ihrer Kindheit diese Glaubenssätze verinnerlicht haben. Von meinen Eltern, Großeltern, Lehrer:innen oder Trainer:innen im Sport. Meistens von erwachsenen Autoritäts- und Bezugspersonen, die in ihrer Kindheit diese Glaubenssätze verinnerlicht haben. Und nicht selten erwische ich mich dabei, dass ich auf Arbeit als Erzieher anderen Kindern ähnliche Glaubenssätze mitteile. Und jetzt: Wie lösen wir uns davon?</p>
<p>Der Elefant im Raum heißt „Emanzipation“ und definiert die Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit; Selbstständigkeit. Gleichstellung. Also in meinem Beispiel die Umformung der Glaubenssätze in: „Du schaffst das. Du kannst es den Nachbar:innen erklären. Dann liegt es an ihnen, es zu verstehen. Du kannst dich selbst aus der Situation befreien, auch ohne Geld. Und selbst wenn du nicht erfolgreich bist, es ist nicht Deine Schuld. Es hätte auch Deinem Nachbarn passieren können“. Doyle schreibt hier von der unsichtbaren Ordnung in unserem Inneren. „Es ist die Vision einer wahrhaftigen, schöneren Welt, die wir in unserer Vorstellung mit uns tragen.<br />
Ich glaube, wenn wir diese Vorstellungskraft nicht fühlen können oder uns durch zum Beispiel die bewusste oder unbewusste Unterdrückung unserer Gefühle der Zugang zu unserem Inneren verwehrt ist, dann ertränken wir uns sprichwörtlich in unserem eigenen Leid. Wir verharren in der Opferrolle und verlieren das, was unter all dem „Erwachsenseinkram“ in die hinterste Ecke unseres Bewusstseins verschwindet. Unsere Träume, das, was wir fühlen, erschaffen wollen und die Welt damit verändern wollen.</p>
<p>Unter all diesen Unruhen im Außen und dem ständigen Kampf nach „Gehör finden“ werden wir taub. Taub für unsere Gefühle und für das, was zu jeder Zeit und an jedem Ort in uns ist. Die Möglichkeit, abzutauchen in unsere inneren Welten, in die unsichtbare Ordnung, frei von Krieg, Pandemie, Patriarchat und Kampf und dort innere Ruhe wahrzunehmen. Tief unten am Meeresgrund spüren wir nicht die Welle, die oben das Schiff überschwemmt und zum Sinken bringt. Tief unten können wir in Ruhe an uns und an dem, was uns wichtig ist, arbeiten. Und wenn wir wollen und und es uns möglich ist, dann tragen wir es an die Oberfläche und lassen es selbstständig und frei schwimmen. Sollte es untergehen, dann fixen wir es wieder. Mit dem Wissen: Tief unten im Inneren haben wir die Ruhe dafür.</p>
<p>&nbsp;</p>
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			</item>
		<item>
		<title>Gefühllosigkeit ist ein Gefühl</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/12/gefuehllosigkeit-ist-ein-gefuehl/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tom]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 07 Dec 2021 07:00:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Psyche]]></category>
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					<description><![CDATA[Content Note: Psychische Gesundheiten / Krankeiten. Unser Autor Tom fand zwei Jahre lang keine Worte dafür, was er hier im Text aufgeschrieben hat. Im Laufe seiner tiefenpsychologischen Therapie und eigenen Reflexionsversuchen gelang ihm Anfang diesen Jahres der Sprung raus aus der Ego-Ebene und das Erlebte aus der Vogelperspektive zu betrachten. Dieses Essay erschien zunächst im Mantis]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Content Note: Psychische Gesundheiten / Krankeiten. </b></p>
<p><b>Unser Autor Tom fand zwei Jahre lang keine Worte dafür, was er hier im Text aufgeschrieben hat. </b><b>Im Laufe seiner tiefenpsychologischen Therapie und eigenen Reflexionsversuchen gelang ihm Anfang diesen Jahres der Sprung raus aus der Ego-Ebene und das Erlebte aus der Vogelperspektive zu betrachten. Dieses Essay erschien zunächst im Mantis Magazine #11. Für die Veröffentlichung hier auf meinTestgelände ist er nach gut einem Vierteljahr nochmal in das Thema eingestiegen und versuchte sich bewusst zu machen, was das Aufschreiben dieser Geschichte mit ihm gemacht hat.</b></p>
<p><span id="more-14348"></span></p>
<p>Berlin 2019: Als ich gewusst habe, ich fahre, da dachte ich, es kann nur besser werden, doch es kam schlimmer. Schlimmer als all die schlaf-gestörten Nächte, die ich erlebt hatte, während ich<a href="https://www.torial.com/tom.oswald/portfolio/416429" target="_blank" rel="noopener"> die Lebensgeschichte eines anderen aufgeschrieben habe</a>. Schlimmer als die Zurückweisung der für mich damals wichtigsten Person in meinem Leben in einer neuen Stadt, die mich gleichzeitig ermattet und überfordert hat. Schlimmer als die Angst, dass ich nie wieder aus dem Bett kommen werde, das mich in der Zeit angezogen hat wie ein Magnet ein tonnenschweres Auto anzieht, kurz bevor er das Fahrzeug loslässt, kurz vor dem determinierten Fall in die Schrottpresse. Ich hatte Angst, niemandem in meinem Leben und schon gar nicht mir selbst gerecht werden zu können, Angst vor Arbeitslosigkeit, Energielosigkeit und Verlust. In diesem Moment kam keine meiner früheren Aggressionen zum Vorschein. Keine Emotion, die durchbricht. In diesem Moment war ich leer und mein Kopf voller Gedanken, die mir das Gefühl gaben, er explodiert bald. Ich bin implodiert. Habe mich selbst in Ketten gelegt, um die Auswirkungen des Schadens zu spüren und war gefangen in meinem Dasein als weißer, konservativ sozialisierter, 23-jähriger von Geburt an männlich gelesener, deutscher Student aus einem nicht-akademischen Haushalt ohne Migrationserfahrung. Ohne Emanzipationserfahrung.</p>
<p>Den Begriff „Emanzipation“ definiert der Duden mit: „Befreiung aus einem Zustand der Abhängigkeit; Selbstständigkeit; Gleichstellung.“ In gesellschaftlichen Debatten wird dabei meist nur die Emanzipation der <b>FLINTA</b> ( cis <b>F</b>rauen, <b>L</b>esben, <b>I</b>ntersexuelle, <b>N</b>onbinäre Menschen, <strong>t</strong>rans Personen und <b>A</b>gender) diskutiert. Diese Bewegungen sind global, entwickelten sich über Jahrhunderte weiter und dauern bis heute an. FLINTA kämpfen für ihre Rechte. Sie kämpfen gegen die strukturelle Diskriminierung und Unterdrückung im Patriarchat. Und CIS-Männer? Sie mussten nie für ihre Rechte kämpfen, sie halten Macht und Privilegien bis heute inne.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>Verinnerlichte Rollenbilder, verinnerlichter Druck</b></p>
<p>Meine Glaubenssätze, wie „Sei ein Mann“ (sei stark, sei tapfer, sei hart, sei bestimmt, sei abgesichert und setze dich solange gegen alles und alle anderen durch, bis du bekommst, was du willst), verfestigten sich mit der Zeit, wie Grabsteine aus flüssigem Beton, in meinem Bewusstsein. Sie waren das Symbol vom Tod meiner Hoffnung. Der Hoffnung auf „Nicht sein zu müssen, wie es vom außen erwartet und mir zugeschrieben wird. Vielmehr so sein zu können, wie ich es im Inneren bin und fühle.“<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Mit dem Umzug nach Berlin wollte ich aus dieser Sozialisation ausbrechen. Den Ausbruch aus Bayern, den Ausbruch meiner seit Jahren unterdrückten Gefühle erzwingen. Aus dem Zwang mir selbst gegenüber brach ich ein und schon im ersten Jahr meiner Ankunft in mich zusammen. Unter der Saugglocke in meinem Bett, betäubt von Dokus und Serien sah ich mich, gut 10 Jahre später, Anfang/Mitte Dreißig und immer noch im selben Bett liegend. Ich sah, wie ich mich immer noch quälte, von journalistischer Arbeit leben zu können, weil das in all den Jahren das Einzige war, was mich ausmachen würde. Zumindest in meinem Kopf.</p>
<p>Ich wollte heulen. Ging nicht. Wollte all das vergessen, was sich wie mit einem Vorschlaghammer in meine Gedanken schlug. Wollte loslassen. Dabei hatte ich Pläne, auf die ich mich freuen sollte. Ich stand kurz vor dem Aufbruch in die Ukraine. Hatte die Zusage für ein interkulturelles Projekt im Hinterland der Karpaten. Hatte den Anreiz, mein Bett zu verlassen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Zurück in Berlin, Südkreuz, Februar 2019: Als der Zug sich in Bewegung setzte, begann das Grübeln wieder. Ein Gedankenchaos, das sich wie ein gefährlicher Strudel auf hoher See in meinem Kopf ausbreitete und mich in ein tiefes Loch ohne sichtbaren Boden hineinzog. Ich war beschämt. Beschämt von mir und meiner Vergangenheit, beschämt von meinen Eigenschaften als Mann im Patriarchat, beschämt von all den Ungerechtigkeiten in der Welt. Lange Zeit fühlte ich mich als Opfer, in dem Moment sah ich nur den Täter in mir. Ich habe schwarz oder weiß gedacht, schwarz oder weiß gefühlt, die Welt nur schwarz oder weiß gesehen. Da war kein grau mehr. Kein warum? Nur eine Ohnmacht, die mich bewegungsunfähig machte.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>„Ich muss etwas ändern“, dachte ich. „Jetzt!<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ich wollte mir Hilfe von außen holen, eine Therapie machen oder so. Wollte einen gesunden und nachhaltig anhaltenden Weg aus meinem Leid finden und mich von dem durchdringenden Schmerz befreien. Einen Augenblick später tippte ich die E-Mail an die Kassenärztliche Vereinigung Berlin:</p>
<p><b><i>Sehr geehrte Damen und Herren, </i></b><br />
<b><i>ich befinde mich aktuell in einer Phase der extremen Antriebslosigkeit und habe durch Gespräche mit Freunden festgestellt, dass es depressive Anzeichen sind. </i></b><br />
<b><i>Ich weiß nicht mehr weiter&#8230; </i></b><br />
<b><i>Viele Grüße</i></b></p>
<p>Wirklich weitergekommen bin ich in diesem Jahr nicht mehr. Aus Nachhaltigkeit wurde ein Feuerwerk aus Ablenkungen und Kompensationen. Die Bilanz: eine abgebrochene Therapie, eine zweimal beendete romantisch-polygame Beziehung, ein weiteres unbezahltes Praktikum, um mich doch noch im Berufsfeld des Journalismus irgendwie zu etablieren. Und viele Fluchtwege aus meinem Kummer. Darunter: Sieben Festivals im Sommer, sechs Länder bereist und eine Menge abgestumpften Sex auf der Suche nach Nähe und Geborgenheit. Auf der Suche nach einer flauschigen Decke, die mich wohlwollend umhüllt und mich die Welt da draußen für einen Moment vergessen lässt. Auf einen Arm, der mich auffängt und sich um mich legt. Auf einen Neustart. Das Feuerwerk knallte laut und zog in bunten Farben wie Blitze in der Dunkelheit an meinen Augen vorbei. Einen Augenblick war alles um mich herum wieder dunkel. War vergessen. Zurück blieben Asche und das Verlangen nach dem nächsten Kick.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Mitte des Jahres sah ich, dass kein Kick der Welt mich zurück in die Bahn kickt. Stattdessen lag ich betäubt am Straßenrand. Mit dem nächsten Auslandsprojekt, der nächsten Flucht vor mir selbst, schwor ich mir 3 Monate auf viele dieser Ablenkungen zu verzichten. Kalter (Sex)entzug. In der Hoffnung, ich wäre danach dazu fähig, den Neustart-Button drücken.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b>2020 ist alles anders. Alles besser?</b></p>
<p>Januar 2020 in Berlin: Ich drückte den Neustart-Button. Eine neue Therapie, neues Bewusstsein für Freundschaften, regelmäßiger Ausgleich durch Theaterarbeit und Schwimmen. Und Sexualität nur nach Gefühl. Nicht um meine Leere zu kompensieren oder meine Unsicherheiten, meinen Zweifel und meinen Hass auf mich selbst. Nein, diesmal will ich anfangen mich zu lieben, mich fair und wertschätzend zu behandeln. Und nicht nur mir zu verzeihen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Nicht mehr der Mensch sein, der abends, weil er „nichts Produktives“ geschafft hat, die Verabredung mit seinen Freunden aus Scham absagt und ohne Essen versucht zu schlafen. „Das hast du dir nicht verdient“, sagte meine immer lauter werdende innere Stimme damals.</p>
<p>Nicht mehr der Mensch sein, der sich selbst durch Erfolg im Job, Geld und in Sex bemisst. Das Credo „höher, schneller, weiter“ sollte aus meinen Lebensplänen gestrichen werden. Ebenso die „Base-Theorie“, bei der es darum geht, wie bei einer Checkliste, bei Dates meine Gegenüber möglichst „sicher“ zum Sex zu motivieren. „Wenn ich mit einer Frau schon im Bett liege, muss ich auch mit ihr schlafen. Auch, um dann mir selbst und anderen etwas zu beweisen.“ Eine Theorie aus meiner Kindheit und Jugend, die in meinem damaligen Umfeld heteronormativ und patriarchal kultiviert wurde. Ansonsten warst du als Mann schwach und uncool. Mann macht den ersten Schritt. Mann macht die Show. Mann muss eine Strategie haben, um mit Frau intim zu werden. Was ich heute sofort in die Schublade der Pick-Up-Artists packen würde, war zu Jugendzeiten die Norm. 2020 war ich absolut dagegen. Gegen Diskriminierung aller Art.</p>
<p>Dennoch fällt es mir auch heute noch schwer, meinen eigenen moralischen Ansprüchen zu genügen und eine klare Meinung zu all den Themen zu finden. Politisch und gesellschaftlich: Je mehr Perspektiven, Bildungsfaktoren, Sozialisationen und Lebensrealitäten ich gesehen habe, desto weniger konnte ich mir eine sachliche Meinung darüber bilden. Desto weniger konnte ich im Kopf rational bleiben, auch wenn in eigenen Krisenzeiten auf meinen Rationalen Autopilot immer Verlass ist. Bis heute. Selbst, wenn ich dagegen ankämpfen will. Ist der Schmerz zu groß, schaltet er um. Rationalisiert und legitimiert mein Verhalten, selbst, wenn ich damit geliebten Menschen an meiner Seite nachhaltige Schmerzen zufüge. Er redet mir ein: „Ich bin der Gute.“</p>
<p><b>Sichtbare Wut, unsichtbarer Schmerz</b></p>
<p>Letztendlich kamen die Symptome und die Probleme gar nicht so plötzlich und erst recht nicht die Einsicht, was dagegen zu tun. Ich unterdrückte, seitdem ich denken kann, viel. Nicht bewusst, sondern aus mangelnder Sensitivität. Aus mangelnder Durchlässigkeit und mangelndem Mut, der Mensch zu sein, der ich bin und so zu sein, wie ich bin. Mehrdimensional. Als Mann, als Sohn, als Bruder, als Freund oder als Boyfriend. Mit harten Seiten und mit weichen. Mit zahlreichen Männlichkeiten und ebenso vielen Weiblichkeiten. Mit Gefühlen, die nicht immer sichtbar an der Oberfläche waren und es bis heute noch immer nicht sind. Seit ich denken kann, war ich wütend. Als Kind der Giftzwerg, der sich ausspinnen soll und erst dann wieder kommen darf, wenn er wieder „normal“ ist, später als junger Erwachsener, der Igel mit ausgefahrenen Stacheln, der nicht wirklich einen Menschen an sich ran lässt, zwischenmenschliche Beziehungen schnell wieder abbricht oder gar nicht erst annimmt. Demut und Versöhnungsgedanken, Fehlanzeige. Heute ziert eine tiefe Zornesfalte mein Gesicht.</p>
<p>Doch mein Zorn war nur die sichtbare Spitze eines Eisberges, gegen den selbst mein Autopilot nicht mehr ankommen konnte. Unsichtbar aber da und unterhalb der Wasseroberfläche verbarg sich meine Trauer. Meine Angst und meine Scham. Damals wurde mein Verhalten von außen meist mit Unverständnis bewertet, irgendwann tat ich es selbst nach innen. Ich verstand mich nicht. Verstand nicht, wer dieser Mensch sein mag, der in seinen Wutausbrüchen so in sich zusammen fällt. Der insgeheim nach Hilfe ruft, einen Ausweg aus seiner selbst sucht und dies in seiner Verzweiflung anmaßend als Drohung ausspricht und manipuliert. Der Mensch, der so viele Menschen, die ihm etwas bedeuten, aktiv verletzt hat und es kurz darauf wieder bereute, aber nicht fähig war, diese Reue zu kommunizieren. Ich war passiv und still. In diesen Momenten war nur eines größer als die Scham. Der Selbsthass.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Ich hasste bis zu meinem unausweichlichen Zusammenbruch 2019 im emotionalen Chaos. Aus mir selbst heraus konnte ich mir nicht helfen und die Reisen oder auch Flucht- und Kompensationsbewegungen nach Außen bewiesen letztendlich nur eines. Ich brauche Hilfe. Spezielle Hilfe. Bei einer meiner Tramperfahrungen lernte ich einen erfahrenen Psychotherapeuten kennen. Er war damals so um die 60 Jahre alt und auf dem Weg zu einem Fachkongress in Berlin, bei dem er selbst einen Vortrag gehalten hat. „Du bist anders“, meinte er damals, „anders als 90% der Menschen in deinem Alter.“ Dementsprechend brauchst du auch eine therapeutische Hilfe, die mit deinem Lebensstil vertraut ist und ihn anerkennt.“ Bevor er mich in Berlin Mitte absetzt, erzählte er mir noch etwas von einem Stürmer und Dränger in mir, abgeleitet aus der Historischen Epoche des Sturms und Drangs. Ich war mehr als verwirrt.</p>
<p><b>Meine Emanzipation: Ich bin am Anfang, aber ich hab angefangen</b></p>
<p>Heute kann ich es immer noch nicht nachvollziehen, wie er mich gesehen hat. Für mich aber zählt: Er hat mich gesehen und letztendlich mich dazu motiviert, einen zweiten Therapieversuch im Januar 2020 zu starten. Eine Stütze, die mir bis heute Stabilität gibt. Aus dieser Stütze entstanden weitere Inseln in einem weiten Meer der Außenwelt und näherem Umfeld in Berlin; Lübeck und an weiteren Orten, an denen mir auf meiner Lebensreise die Türen geöffnet und die Hand gereicht wurde. Orte, wo ich willkommen bin und immer noch aufgefangen werde, wenn ich mich danach fühle und den Mut habe, um Hilfe zu fragen. Sie aber auch anzunehmen gelingt mir nicht immer, Scham, Angst und Sorgen sind noch da, auch wenn der Hass langsam sich auflöst, wie der Nebel an einem kalten sonnigen Morgen im Frühling. Was neu ist, ist die Zuversicht. Die Zuversicht, dass alles gut wird, auch wenn ich meiner Oma damals nach dem Ausspruch dieses Satzes selten geglaubt habe. Vor allem, wenn ich dachte, ich bin kurz davor in den Fluten des Neuen, Aufregenden, Experimentellen und sich ständig veränderten Meeres zu ertrinken. Heute kann ich sagen:, Ich liebe es, in diesem Meer zu schwimmen, tief einzutauchen und mich auch mal treiben zu lassen. Mich frei zu bewegen und frei zu fühlen. Dennoch brauche ich Inseln, um nicht in der Flut, die dieses Leben mit sich bringt, unterzugehen. Eine Insel, auf der ich mich zu Hause fühle. Eine Insel, auf der ich individuelle Familiengefühle spüre. Eine kreative Insel für Theaterarbeit, Körperarbeit, Kunst und Experimente. Eine Insel, auf der ich soft sein und auch Schwäche und Emotionen zeigen kann und auch lernen kann, diese zu zeigen. Eine Insel, auf die ich zu jeder Zeit hin kann, wenn&#8217;s mir schlecht geht. Mit maximalem Vertrauen, Aufrichtigkeit und Respekt vor den Lebensrealitäten und Umständen anderer. Für das Gefühl von Geborgenheit, Sicherheit und Lebendigkeit und der Lust, alle Parameter nach Lebensphase und Gefühl frei und selbstständig justieren zu können. Eine Inselgemeinschaft. (M)ein Leben lang.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><i>Essay, verfasst am 08.02.2021, überarbeitet am 20.07.2021</i></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>In diesem Text stellt Tom die Frage: <a href="https://www.meintestgelaende.de/2021/05/wann-ist-ein-mann-ein-mann/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Wann ist ein Mann ein Mann?</strong></a></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Vielleicht wollen nackte Menschen einfach nur für sich nackt sein</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/07/nackt-sein/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tom]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 08 Jul 2021 07:00:59 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Me, Myself & I Sticky]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbilder]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
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					<description><![CDATA[Vor ein paar Monaten hat Tom hier schon einmal über Nacktheit geschrieben. Er ist über seinen Schatten und direkt ins kalte Wasser gesprungen und hat sich bei einem Nackt-Shooting im Wald ablichten lassen. Die dabei entstandenen Fotos zeigt er unter anderem auf seinem Instagram-Kanal, und die Reaktionen von außen verwundern ihn etwas. Warum müssen nackte]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vor ein paar Monaten hat Tom hier schon einmal über Nacktheit geschrieben. Er ist über seinen Schatten und direkt ins kalte Wasser gesprungen und hat sich bei einem Nackt-Shooting im Wald ablichten lassen. Die dabei entstandenen Fotos zeigt er unter anderem auf seinem <a href="https://www.instagram.com/tom__oswald/?hl=de" target="_blank" rel="noopener"><em>Instagram-Kanal</em></a>, und die Reaktionen von außen verwundern ihn etwas. Warum müssen nackte Körper immer gleich sexualisiert werden?</strong></p>
<p><span id="more-13156"></span></p>
<p>Im Text: <a href="https://www.meintestgelaende.de/2020/12/was-ist-nacktheit/" target="_blank" rel="noopener"><strong>„Was ist Nacktheit &#8211; für und in (unserer) Gesellschaft)?“</strong></a> habe ich mich mit meinen Erfahrungen mit Nacktheit auseinandergesetzt. Ein kleiner Auszug: „Das Nacktbaden war in unseren Kreisen eine ähnliche Mutprobe wie rückwärts vom 10 Meter Turm zu springen. Und wenn dann doch jemand sich im Waldbad nackt zeigte, ist die Person von allen Seiten beäugt und bewertet worden.“ Mein nackter Körper ist verglichen, beäugt, bewertet und belacht worden. In Situationen, in denen ich nackt nicht aus der Reihe getanzt bin. Beim Duschen nach den Eishockeyspielen zusammen im Team oder bei einem ungezwungenen Festival in Ostdeutschland.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><img fetchpriority="high" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-13158" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-4-480x600.jpg" alt="" width="480" height="600" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-4-480x600.jpg 480w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-4-240x300.jpg 240w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-4-768x960.jpg 768w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-4-1229x1536.jpg 1229w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-4.jpg 1280w" sizes="(max-width: 480px) 100vw, 480px" /></p>
<p>Im letzten Jahr habe ich ein Experiment gemacht und in meinem ersten Nacktfotoshooting vor der Kamera posiert. Frei von Menschen im Wald wurde mein Körper von den Photographen in die Natur integriert. Eingebunden in die Brauntöne des Spätsommerlaubes und die natürlichen Formen der Bäume und Äste. Ich habe meine Körperform zum ersten Mal gezeigt. Nackt. Präsent und für die Leser*innen von MeinTestgelände, meiner Instagramcommunity und allen, die den daraus entstandenen Kalender des Photographen käuflich erworben haben, sichtbar. Ich habe mich sowohl alleine gezeigt, als auch verschlungen mit dem professionellen Male-Model Fridos Meier, einem Mann aus Mönchengladbach, Mitte 50 und mit internationaler Erfahrung im Aktshooting.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Für mich war das ein Schritt, meine Scham zu überwinden und negative Erfahrungen aus der Vergangenheit hinter mir zu lassen. Ich wollte mich zeigen, doch dachte ich nicht daran, wie herausfordernd es sein kann, meinen nackten Körper zu betrachten.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><b><i>Wie ist es, mit Nacktheit konfrontiert zu werden?<span class="Apple-converted-space"> </span></i></b></p>
<p>„Sei ehrlich. Biste jetzt schwul oder nicht!“ &#8211; fragte mich jemand, den ich seit meiner Kindheit kenne und zu Weihnachten wieder besucht habe. Ich war irritiert.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>„Ja, da ist doch dieses Foto auf Instagram mit dir und diesem anderen nackten Mann drauf.“ Selbst meine Eltern wurden von vielen Seiten auf meine Fotos angesprochen und gefragt, warum ich das gemachte habe. Der Artikel unter den geposteten Fotos kam allerdings kaum zur Sprache. In diesem Text habe ich versucht, mich mit Nacktheit in Bezug auf meine Männlichkeiten auseinanderzusetzen. In keiner der Zeilen schreibe ich über Homosexualität, das wäre ein anderes Thema. Dennoch sahen manche Menschen durch die Fotos eine Verbindung dazu.</p>
<p><img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-13161" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-2-800x533.jpg" alt="" width="700" height="466" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-2-800x533.jpg 800w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-2-300x200.jpg 300w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-2-768x512.jpg 768w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-2-1536x1024.jpg 1536w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-2.jpg 2048w" sizes="(max-width: 700px) 100vw, 700px" /> <img decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-13160" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-6-800x533.jpg" alt="" width="700" height="466" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-6-800x533.jpg 800w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-6-300x200.jpg 300w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-6-768x512.jpg 768w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-6-1536x1024.jpg 1536w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-6.jpg 2048w" sizes="(max-width: 700px) 100vw, 700px" /></p>
<p>Wie ich in der Zeit feststellte, hatten meine Fotos eine Wirkung auf Menschen, der ich mir selbst nicht bewusst war. Die Bilder waren teilweise für sie schwer einzuordnen und das warf Fragen auf, die sie sich versucht haben, selbst zu beantworten. Vor allem, wenn ein Mensch sich nackt zeigt, der seinen Körper nicht sexualisiert darstellt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Nicht sexualisierte Nacktheit findet im öffentlichen Raum, außer an dafür ausgewiesenen Orten, kaum noch statt. Im digitalen Raum sieht das ganz anders aus. Das Internet ist voll davon. Wer „Nacktheit“ googelt, landet auf heilsamen FKK Yoga Blogs, die dir das Paradies auf Erden versprechen oder gleich in der Pornographie. Wer sich also mit Nacktheit beschäftigen will, kann es kaum erwarten, nackte Menschen auf dem Bildschirm gezeigt zu bekommen. So die Theorie. Wo wir wieder bei der Sexualisierung von Nacktheit sind.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Nackt bedeutet für mich persönlich aber nicht gleich Sex. Das Zeigen der weiblichen Brust oder das Weglassen des Büstenhalters nicht: „Komm, sexualisiere mich.“ Auch ein männlicher nackter Körper will nicht unbedingt das Signal senden, bewertet zu werden oder „Der hat&#8217;s aber nötig.“</p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-13159" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-3-400x600.jpg" alt="" width="400" height="600" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-3-400x600.jpg 400w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-3-200x300.jpg 200w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-3-768x1152.jpg 768w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-3-1024x1536.jpg 1024w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-3-380x570.jpg 380w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-3-760x1140.jpg 760w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/07/II-nackt-3.jpg 1365w" sizes="auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px" /></p>
<p>Vielleicht wollen nackte Menschen einfach nur für sich nackt sein, volle Bräune ihres Körpers ohne weiße Streifen oder keine nassen Badeklamotten in ihrer Tasche haben. Vielleicht wollen sie für sich etwas ausprobieren, sich mit ihrem nackten Körper und den Gefühlen dahinter auseinandersetzen. Nackt sein auf ausgewiesenen Plätzen ist keine Einladung zum Gaffen oder viel schlimmer, zum Anfertigen von Fotos. Ein nackter Körper ist kein Interpretationsobjekt. Ein nackter Körper ist in den meisten Fällen nicht und nicht weniger als ein nackter Körper. Körper dürfen Körper sein und bleiben. Nackt, behaart, tattoowiert, gepierct, faltig, glatt und in allen Formen und Farben. Ein Penis oder eine Vulva darf ein gleichwertiges Körperteil sein und bleiben. Fridos, das Model vom Shooting meinte zu mir: „Dein Penis ist genauso viel wert wie Deine Nase. Deine Eichel genauso viel wert wie dein großer Zeh oder Dein Bauchnabel.“</p>
<p>Vielleicht sollten wir uns öfter daran zurückerinnern, wenn wir uns mal wieder den Impuls haben zu kichern, sobald wir einen nackten Körper auf der Liegewiese am See bemerken oder das Aufkommen von Scham verspüren, wenn wir unseren eigenen nackten Körper im Spiegel betrachten.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Auch Fee befasst sich mit dem Thema Nacktheit, <a href="https://www.meintestgelaende.de/2015/07/von-hier-an-nackt/" target="_blank" rel="noopener"><strong>hier geht&#8217;s zu ihrem Text</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wann ist ein Mann ein Mann?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/05/wann-ist-ein-mann-ein-mann/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tom]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 06 May 2021 07:00:15 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Jungen]]></category>
		<category><![CDATA[Männer]]></category>
		<category><![CDATA[Männlichkeit]]></category>
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					<description><![CDATA[Tja, wann ist denn nun ein Mann ein Mann? Habt ihr euch diese Frage auch schon mal gestellt? Und was hat das mit dem eigenen Selbstwert zu tun? Unser Autor Tom berichtet, dass er sich in seiner Jugend oft damit beschäftigt hat. Inzwischen aber weiß er: &#8222;Egal ob ich mich männlich fühle oder nicht, egal]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Tja, wann ist denn nun ein Mann ein Mann? Habt ihr euch diese Frage auch schon mal gestellt? Und was hat das mit dem eigenen Selbstwert zu tun? Unser Autor Tom berichtet, dass er sich in seiner Jugend oft damit beschäftigt hat. Inzwischen aber weiß er: &#8222;Egal ob ich mich männlich fühle oder nicht, egal ob mich mein Umfeld als männlich wahrnimmt und anerkennt oder nicht: Ich darf &#8222;du bist gut, wie du bist&#8220;, zu mir sagen. Ich muss das niemandem auf der Welt beweisen. Ich muss es mir nur selbst glauben.&#8220; Wir wünschen euch viel Spaß mit Toms neuem Text.</strong></p>
<p><span id="more-12923"></span></p>
<p>Wann ist ein Mann ein Mann? &#8211; Das fragten sich auch <a href="https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/maenner-2020-was-ist-maennlich" target="_blank" rel="noopener"><strong>Shanli Anwar und Till Opitz vom Deutschlandfunk Nova Podcast „Eine Stunde Liebe“</strong></a> auf dem diesjährigen Podcastfestival in Hamburg. Ihre Gäste: Männercoach John Aigner, der über ein „Männercamp“ und private Anfragen von Männern zum Mentor für Männern wurde, denen das soziale Correctiv in ihrer männlichen Peergroup fehlt. Und Jungensozialarbeiter Rick Reuther, der unter anderem in Wien Workshops in Schulen mit Teenagern durchführt. „In den 70ern und 80ern haben überwiegend Frauen aus der feministischen Mädchenarbeit mit Mädchen zu emanzipativen Themen, mehr Selbstbewusstsein und Sexualaufklärungen gearbeitet, und die Jungs wurden Fußballspielen geschickt“, sagt er über die Anfänge der geschlechtsspezifischen Mädchenarbeit. Heute arbeitet er überwiegend mit Akteur:innen aus der Frauen- und Mädchenarbeit zusammen.</p>
<p>„Irgendwann dachten sich dann Leute: Hey, vielleicht kann man auch mit Jungs mal über Sachen reden, die ein bisschen sensibel sind und die man vielleicht besser bereden kann, wenn man nicht das Gefühl hat, die ganze Zeit performen zu müssen.“</p>
<p>Während es bei Jungenarbeit in erster Linie um den Abbau von Gewalt geht, sind die Themen der Männerrunden von John Aigner oft tiefere Gespräche und Identitätsfragen. Ziel vieler Männer ist es anfangs, eine klare Struktur zu bekommen, wie Männer sein sollen und was sie dürfen oder auch nicht. „Bin ich richtig, bin ich gut genug?“</p>
<p>Auch ich wollte damals im Zuge meines Erwachsenwerdens ein klares Bild, an das ich mich richten kann. Vorbilder, Merkmale und Eigenschaften, auch um Frauen zu beeindrucken. Mich anzupassen scheint mir zu dieser Zeit einfacher, als mich selbst zu finden, zu erkennen und kennenzulernen. Mir selbst bewusst, wer ich bin und wer ich sein will, bin ich mir wenig. Doch männliche Vorbilder finde ich nicht. Stattdessen überwiegen Frauen in allen Bereichen meines Lebens. Mein Sandkastenfreund war eine Sandkastenfreundin,<span class="Apple-converted-space">  </span>mein Lieblingslehrer eine Lieblingslehrerin und meine besten Freunde aus der Schulzeit zwei beste Freundinnen.</p>
<p>Durch das Vertrauen von Frauen habe ich verstanden, dass ich als Mann nicht einem traditionell etablierten Männerbild entsprechen muss. Das ich nicht der starke Macker sein muss, um gesehen zu werden. Dass ich nicht mit Männern abhängen muss, um Frauen kennenzulernen und dass ich nicht meine Gefühle unterdrücken muss, um als Mann wahrgenommen zu werden.</p>
<p>Von Frauen über sein „Mannsein“ lernen zu dürfen ist ein Privileg und es ist nicht ihre Aufgabe, uns Jungs und Männer zu weniger frauenverachtenden Jungs und Männern zu erziehen. Es ist überhaupt nicht ihre von Geburt an gegebene Aufgabe zu erziehen. Wie wir uns verhalten und leben, hat aber Auswirkungen auf das Leben von Frauen. Deswegen halte ich es in einer männerdominierten Gesellschaft für notwendig, dass Jungs und Männer Jungs und Männer zu weniger frauenverachtenden Jungs und Männern machen und miteinander sprechen. Wir wachsen damit auf, Jungs und Männern mehr zuzuhören, sagt Jungensozialarbeiter Rick Reuther. Wichtig für ihn ist aber auch, heranwachsenden Jungs die Botschaft auf dem Weg zu geben „mal auf Frauen zu hören. Hört mal Frauen zu, wenn sie von Erfahrungen erzählen, was ihnen auf der Straße passiert, was sie von Beziehungen erzählen. Hört mal Frauen zu und glaubt ihnen.“</p>
<p>“Vielleicht braucht es einen Typen, der das<span class="Apple-converted-space"> </span>anderen Typen sagt, damit Typen damit überhaupt anfangen.” &#8211; Rick Reuther.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Viele Autor*innen auf meinTestgelände setzen sich mit dem Thema Männlichkeit auseinander. <a href="https://www.meintestgelaende.de/schlagwort/maennlichkeit/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Checkt mal den entsprechenden Hashtag!</strong></a></li>
</ul>
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			</item>
		<item>
		<title>Gemeinsam Verschieden!</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/03/gemeinsam-verschieden/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tom]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 11 Mar 2021 07:00:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Kunst]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Ausstellungen finden — wie so vieles — momentan ja ausschließlich online statt. Aber immerhin haben auf diese Weise ganz schön viele Menschen die Möglichkeit, sie zu besuchen! Unser Autor Tom hat sich die Vernissage zur Ausstellung &#8222;Gemeinsam verschieden&#8220; der FH Bielefeld angeschaut und berichtet hier darüber. Er findet: Lohnt sich total! Also nichts wie los, schaut euch ein bisschen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ausstellungen finden — wie so vieles — momentan ja ausschließlich online statt. Aber immerhin haben auf diese Weise ganz schön viele Menschen die Möglichkeit, sie zu besuchen! Unser Autor Tom hat sich die Vernissage zur Ausstellung &#8222;Gemeinsam verschieden&#8220; der FH Bielefeld angeschaut und berichtet hier darüber. Er findet: Lohnt sich total! Also nichts wie los, schaut euch ein bisschen Kunst an! Oder werdet vielleicht gleich selbst kreativ? Mehr Infos dazu findet ihr am Ende des Texts </strong>🤗</p>
<p><span id="more-12810"></span></p>
<p>Studierende der FH Bielefeld zeigen, was Diversität für sie persönlich bedeutet. Gemeinsam verschieden“ ist eine Plattform für Projekte, die sich mit allen Facetten und Perspektiven von „Diversität“ auseinandersetzen will.</p>
<p>Divers, bunt, aber einheitlich traten am 22. Februar 2021 die Koordinator:innen und Studierenden des Projektes „Gemeinsam Verschieden“ der FH Bielefeld bei der Online-Vernissage via Zoom auf. Hinter ihren Gesichtern leuchtete das nie gedruckte Poster für die ursprünglich geplante physische und interaktive Ausstellung der zehn Projekte. So sahen die Teilnehmenden der digitalen Veranstaltung schnell, wer mit involviert ist und wer zusieht. Knapp 100 Menschen schalteten sich zu.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Nachdem sie in den Begrüßungsworten vom Diversity Beauftragten des Fachbereichs Gestaltung Dr. Philip Rupp und Lore Funk vom Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V. erste Einblicke der Entstehungsgeschichte von „gemeinsam verschieden“ erfahren konnten, wurde die Website präsentiert und somit der Ausstellungsraum dieser Vernissage eröffnet. Die Ausstellung bündelt diese Arbeiten und bietet ihnen eine Plattform“, so Dr. Philipp Rupp. „Sie soll zur Auseinandersetzung mit den verschiedenen Aspekten von Diversity anregen. Die Studierenden sollen dazu ermutigt werden, Fragen zu stellen und ihren ganz eigenen Zugang zu Diversity-Themen zu erforschen.“ Herausfordernd war dabei nicht nur die Übersetzung der Ausstellung im digitalen Raum, sondern auch mit den unterschiedlichsten Meinungen der Initiator:innen einen zielorientierten Entstehungsprozess basisdemokratisch voranzubringen, sagt Lore Funk. „Begeistert hat mich aber auch der Entstehungsprozess und die Kombination aus persönlichen Reflexionen und wissenschaftlich soziologischen Untersuchungen.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Mit dem selbst ernannten Ziel, die Vielfalt der Hochschule Bielefeld sichtbar zu machen, wird die Plattform ins Leben gerufen. Dabei wurde den Künstler:innen, in diesem Fall den Studierenden der Abschlussjahrgänge des Fachbereichs Gestaltung, nicht das Thema „Diversity“ strikt vorgegeben, sondern die Inspiration und Umsetzung der Abschlussarbeiten war den Studierenden selbst überlassen. Letztendlich waren 10 der Projekte sehr nah an der Auseinandersetzung mit Diversität dran und wurden auf unterschiedlichste Art und Weise ausgedrückt.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>Besonders sticht dabei die Auseinandersetzung mit Körperformen von Isabel Pallas, sowie die Arbeit an sich selbst und gesellschaftlichen Geschlechtszuschreibungen von Marvin Glißmann heraus, die beide auch im Videocall der Onlineveranstaltung zugeschaltet waren. Im Rahmen seiner Bachelorarbeit an der FH Bielefeld beschäftigt er sich mit der Rolle von „Countess Marrin“, die im knallpinken Kostüm, silbern glänzendem Haar und markantem Make-UP mit matt-roten Lippen bei ZOOM auftritt und auf einem Video der Plattform „gemeinsam verschieden“ chic C&#8217;est La Vie performt. Inspiriert von der Serie „Rupaul&#8217;s Drag Race“, spürt der Absolvent der FH Bielefeld in der weiblichen Rolle von Marrin schon früh, wie chic und elegant das Leben sein kann. „In Bielefeld trat ich so nicht in die Öffentlichkeit, das wäre aufgefallen.“ Heute lebt Marvin Glißmann in Berlin und will dort &#8211; nach dem Studium und seiner Ausbildung zum Haar- und Make-Up-Artist &#8211; Drag als professionelle Tätigkeit ausüben. Für ihn bedeutet Diversität freie Selbstbestimmung seines Auftretens und die Einordnung seines Geschlechts und seinen sexuellen Vorlieben, abseits einer heteronormativen Gesellschaft, auch wenn er anfangs Angst vor negativen Reaktionen und den gesellschaftlichen Stigmata „Drag Queen“ und „schwul“ hatte.<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p>„Mode sieht schön und besonders aus, egal an welchem Körper sie ausgestellt wird.“</p>
<p>Isabel Pallas nimmt Bilder von der Haute Couture bekannter Laufsteg-Labels wie Off-White und Prada und setzt sie mithilfe eines Bildbearbeitungsprogramms an diversere Körperfomen (Plus-Size-Models). Im Rahmen eines Seminarprojektes ihrer Masterarbeit untersucht sie die Rolle der Gesellschaft und der Bekleidungsindustrie im Bezug auf Body Shaming als Form der Diskriminierung. Dabei konzentriert sich Isabel Pallas auf Körperformen abseits der Normen, die von der Modeindustrie gesetzt werden. Sie entwickelt während ihres Studiums Kleidung für mehr gewichtige Körper, nachdem sie selbst bei einem Casting von Models gemerkt hat, dass Menschen abseits der gesellschaftlichen Körperformen und Größen nicht in die Kleidungsstücke passen, die sie entworfen hat. „Warum differenziert die Industrie und Gesellschaft heute noch das Spektrum der Kleidergrößen? Im Sinne der Gleichberechtigung ist das diskriminierend.“ Sie sieht Body Shaming aber nicht nur als Problem in der Modewelt, auch beispielsweise bei der Größe der Stuhllehne oder der Länge des Gurtes bei Flugzeugen und plädiert dafür, dass die Normgrößen eines Körpers auch von Kosument:innen grundlegend infrage gestellt werden sollten. Von Body Shaming betroffenen jungen Menschen rät Isabel Pallas die Bodypositivity-Bewegung in den sozialen Medien, die von Schwarzen, mehr-gewichtigen Aktivist:innen ins Leben gerufen wurde. „Ich wäre froh gewesen, wenn ich damals auf die Bodypositivity-Blase zurückgreifen hätte können. Die, die Menschen aufgrund ihrer Körperform beschimpfen, haben vielleicht das Problem, nicht die Beschimpften. Das ist ein Kommunikationsthema.“<span class="Apple-converted-space"> </span></p>
<p><em>*Body Shaming bedeutet, jemanden aufgrund seiner körperlichen Erscheinung zu beleidigen oder zu diskriminieren. Das kann jeden Körper treffen, aber vor allem weibliche Körper werden bewertend und herablassend kommentiert. Es ist ein Irrglaube, dass Body Shaming nur dicke Körper betrifft (Fat Shaming) (Skinny Shaming), alte oder behinderte Körper werden Opfer von Body Shaming.<span class="Apple-converted-space"> </span>Quelle: Marshmellow-Mädchen.de<span class="Apple-converted-space"> </span></em></p>
<p>Neben den Aspekten der Projekte von Marvin Glißmann und Isabel Pallas stellt die Plattform „gemeinsam verschieden“ Vielfalt auf unterschiedliche Arten dar. Ziel ist es, eine diverse Gesellschaft kulturell vielfältig, sexuell vielfältig und innerhalb eines Genderspektrums, ebenso barrierefrei und inklusiv abzubilden. Die einzelnen Arbeiten überschreiten dabei Grenzen von Geschlechtern und Geschlechtszuschreibungen, wie in „Moments“ von Johanna Baschke, einer künstlerischen Reflexion ihrer eigenen Geschlechtsidentität als CIS-Frau “ oder kulturelle Grenzen, wie die Portraitreihe von Paul Koncewicz „I am not your ideologie“ über politische und gesellschaftliche Anfeindungen queerer Menschen und LGBTQIA*-freie Zonen in Polen. Grenzen von Barrieren im öffentlichen Leben, die mit ausfahrbaren „Beep Rampen“, von Betül Ügüden, Sarah Rehrmann und Chantal Schäffer von Rollstuhlfahrer:innen überschritten werden und Grenzen im Kopf, die in einem gesamtgesellschaftlichen und generationsübergreifenden Prozess überwunden werden können.</p>
<p>Da Diversität aber noch vielfältiger und von noch vielfältigeren Künstler:innen aus noch unterschiedlicheren Lebensrealitäten und Perspektiven ausgedrückt werden kann, soll diese Ausstellung nur der Beginn der Plattform „gemeinsam verschieden“ sein. „Wir sind Feuer und Flamme für weitere Projekte, sagt Lore Funk „Was fehlt, ist eine stärkere Auseinandersetzung mit Inklusion.“ Was aber auch fehlt sind Perspektiven von Menschen mit Rassismus-, Antiziganismus-, Islam- und Fremdenfeindlichkeit- und Antisemitismuserfahrung, von Ausgrenzung durch Langzeitarbeitslosigkeit und Wohnungslosigkeit. Sogenannte gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (hier <a href="https://www.bpb.de/mediathek/230610/gruppenbezogene-menschenfeindlichkeit" target="_blank" rel="noopener"><strong>in einfacher Sprache erklärt</strong></a>).</p>
<p><strong>Die Initiator:innen von „gemeinsam verschieden“ rufen daher auf, eigene Projektideen bis zum 30.04.21 unter <a href="mailto:diversity@fh-bielefeld.de">diversity@fh-bielefeld.de</a> einzureichen. Alle bisherigen Arbeiten sind seit dem 22.02.2021 und für unbegrenzte Zeit unter <a href="http://www.gemeinsamverschieden.de/">www.gemeinsamverschieden.de</a> einsehbar.</strong></p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Was ist Nacktheit &#8211; für und in (unserer) Gesellschaft)?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/12/was-ist-nacktheit/</link>
					<comments>https://www.meintestgelaende.de/2020/12/was-ist-nacktheit/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tom]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 10 Dec 2020 07:00:24 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgrenzung]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbilder]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
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					<description><![CDATA[Wir freuen uns über einen neuen Text von Tom! Er macht darin ein ganz schön spannendes Feld auf— nämlich Nacktheit. Was hat es damit auf sich und wie verändern sich Nacktheit sowie die Gefühle und Gedanken dazu mit dem Erwachsen- und Älterwerden? &#8222;Wie wir uns anziehen, sagt etwas über uns aus. Auch wie wir uns ausziehen?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir freuen uns über einen neuen Text von Tom! Er macht darin ein ganz schön spannendes Feld auf— nämlich Nacktheit. Was hat es damit auf sich und wie verändern sich Nacktheit sowie die Gefühle und Gedanken dazu mit dem Erwachsen- und Älterwerden? &#8222;Wie wir uns anziehen, sagt etwas über uns aus. Auch wie wir uns ausziehen? Wie wir uns (in der Gesellschaft) nackt zeigen?&#8220;, sagt Tom. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen! </strong></p>
<p><span id="more-12644"></span></p>
<p><span style="color: #000000;">Wie wir uns anziehen, sagt etwas über uns aus. Auch wie wir uns ausziehen? Wie wir uns (in der Gesellschaft) nackt zeigen? &#8211; eine Selbstreflexion</span></p>
<p>Der Umgang mit unserem nackten Körper beschäftigte dieses Jahr nicht nur mich als jungen Mann sondern auch Frank und sein Team von dem FUNK Format „PULS die Frage“. Im Sommer sind sie der Frage: „Wie nackt dürfen wir uns zeigen?“ auf den Grund gegangen und beleuchteten das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln. Für manche Menschen bedeutet Nacktheit Selbsterfahrung, in unserer Gesellschaft steht nackt sein gerne für Freizügigkeit. Doch wirklich nackt können wir uns nur selten zeigen.<span style="color: #8fca40;"><span style="font-size: xx-small;"> </span></span><span style="color: #000000;">Ungewollte Sexualisierungen und Missbrauch von Nacktbildern online oder offline können die Konsequenz sein. Auch die ständige Bewertung unseres Körpers und die Idealbilder in der Werbung und bei Instagram hemmen uns.</span></p>
<p><span style="font-family: Roboto;"><span style="color: #000000;">Hast Du dich schon mal vor dem Spiegel gestellt und dich lange Zeit angesehen? Was fühlst Du persönlich dabei?</span></span></p>
<p><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Roboto;">Vor ein paar Jahren habe ich zusammen mit einem Team für den Münchner Ausbildungskanal </span></span><a href="http://afk.tv/"><span style="font-family: Roboto;">afk.tv</span></a><span style="color: #000000;"><span style="font-family: Roboto;"> ein Experiment gemacht: Rund 20 unterschiedliche Teilnehmer:innen haben wir dafür in das TV Studio eingeladen und ihnen dort die Aufgabe gestellt, sich selbst, wohlgemerkt angezogen, in einem Spiegel zu betrachten. Eine Minute lang. Jede dieser Sekunden war mithilfe einer Countdownuhr oben mittig sichtbar. Der Plan, jede Person von vorne durch den Spiegel in dieser Zeit zu filmen. Wo sehen sie hin? Wie verändern sich ihre Blicke? Wie ihre Mimik? Halten sie es überhaupt aus? Im anschließenden Interview berichtet ein Großteil der Teilnehmer:innen, dass es bedeutend anstrengender war, als anfangs vermutet. Einige erzählen von aufkommenden negativen Gedanken, von Kritik an ihnen und ihrem eigenen Körper. Sitzt alles? Bin ich richtig? Bin ich schön? Gefalle ich mir? &#8211; Die meisten von ihnen schauen während der 60 Sekunden oft weg oder kaschieren ihre Unsicherheit mit Grimassen oder Gelächter. Dabei sieht ihnen während der Zeit niemand zu. Lediglich eine Kamera, von der sie erst im anschließenden Interview erfahren haben und dann entscheiden konnten, ob wir als Filmteam die Aufnahmen für unser Projekt verwenden dürfen.</span></span></p>
<p><span style="font-family: Roboto;"><span style="color: #000000;">Wenn wir selbst mit von uns ausgewählten Kleidern und Looks nicht lange allein im Spiegel betrachten können, ohne uns zu begutachten, wie ist das dann erst splitterfasernackt und in Gesellschaft? &#8211; Mein Erfahrungsbericht zwischen Kind sein und Leben eines jungen Erwachsenen, zwischen Bayern und Mecklenburg-Vorpommern, zwischen, Normalität und Absurdität.</span></span></p>
<p><span style="font-family: Roboto;"><span style="color: #000000;">Damals in der Eishockeymannschaft in Bayern duschten wir alle zusammen. Moment. Nicht alle. Die beiden Mädchen in unserem Team sollten zu unserem damaligen Unverständnis mit gerade mal sechs Jahren von uns getrennt duschen. Am Eis und angezogen in voller Montur, sind wir ein Team, nackt sind wir getrennt. Aus gutem Grund? Oder um mögliche unangenehme Fragen von uns an unsere Eltern zu verhindern? Die sind natürlich nicht ausgeblieben. Aber auch innerhalb des Teams haben wir damals angefangen, nackt unsere Körper stärker und zu vergleichen, als angezogen. Spielen auf dem Eis Faktoren wie Kondition, Teamfähigkeit und Schusskraft die Hauptrolle, so sind es beim Duschen Bauchumfang, Brustbehaarung und die Körperstatur. Nicht zu vergessen, Größe, Form, Behaarung, Farbe und Kraft des Penis. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Roboto;"><span style="color: #000000;">Im Team sind wir schon früh gewohnt, uns nackt zu zeigen und dem Vergleich unserer geschlechtsspezifischen Merkmale bewusst oder unbewusst ausgesetzt. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Roboto;"><span style="color: #000000;">Später beim Baden am See sollen wir uns aber auf keinen Fall nackt zeigen, außer an ausgewiesenen FKK-Badestellen. Und auch das Nacktbaden, war in unseren Kreisen eine ähnliche Mutprobe wie rückwärts vom 10 Meter Turm zu springen. Und wenn dann doch jemand sich im Waldbad nackt zeigte, ist die Person, vor allem Mädchen und Frauen, von allen Seiten beäugt und unter den Jungs lautstark für alle umliegenden Badegäste bewertet worden. Statt bei uns selbst zu sein, haben wir lieber auf andere gesehen.</span></span></p>
<p><img loading="lazy" decoding="async" class="alignnone size-large wp-image-12670" src="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2020/12/in-den-Text-einbinden-nackt-Daniel-Anhut-und-Sascha-Lang-337x600.jpg" alt="" width="337" height="600" srcset="https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2020/12/in-den-Text-einbinden-nackt-Daniel-Anhut-und-Sascha-Lang-337x600.jpg 337w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2020/12/in-den-Text-einbinden-nackt-Daniel-Anhut-und-Sascha-Lang-169x300.jpg 169w, https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2020/12/in-den-Text-einbinden-nackt-Daniel-Anhut-und-Sascha-Lang.jpg 750w" sizes="auto, (max-width: 337px) 100vw, 337px" /></p>
<p><span style="font-family: Roboto;"><span style="color: #000000;">Für viele meiner Mitschüler:innen ist damals das Zeigen von nackten Körpern in der Öffentlichkeit ein Tabu. Vor allem, wenn man die Person persönlich kennt. Einmal ist das Gerücht an unserer Schule herumgegangen, dass eine Mitschülerin nackt auf einer Pornoseite zu sehen sei. Schlagartig wurde sie zur Zielscheibe für Anfeindungen und Mobbing. Auch Nacktbilder aus gescheiterten Beziehungen wurden zum Druckmittel. Dementsprechend angezogen zeigen wir uns auch innerhalb unseren Cliquen und sind vorsichtig, wem wir uns nackt zeigen. Die ersten Versuche, Sex zu haben, sind natürlich auch unter dem Credo: LICHT AUS. </span></span></p>
<p><span style="font-family: Roboto;"><span style="color: #000000;">Mitte Zwanzig, im Osten Deutschlands, zur wohl nacktesten und ungezügeltesten Zeit des Jahres, passierte mir dann folgendes: Bei einem Festival mit schwimmender Sauna im See bin ich zu meiner Verwunderung auf dem Weg aus dem Wasser in die Sauna von einer Gruppe junger, vermutlich, dem Proseccoglas in ihrer Hand zufolge erkennbar alkoholisierter Frauen, mit dem Schrei „Penis“ und anschließendem Gelächter darauf hingewiesen worden, dass ich höchstwahrscheinlich „dieses Ding da“ sichtbar für alle zwischen meinen Beinen hängen habe. Erkenntnis: Selbst dort, wo vermeintlich bezüglich Nacktheit keine Tabus herrschen, erlebe ich Situationen, wo Nacktsein der Aufhänger zu Belustigung ist. Und das prägt mich. Wann ich mich nackt zeige, entscheide ich nicht nach Gefühl, sondern nach Abwägung der Pros und Cons in der jeweiligen Situation, im jeweiligen gesellschaftlichen Umfeld.</span></span></p>
<p><span style="font-family: Roboto;"><span style="color: #000000;">Wie nackt dürfen wir uns zeigen? Wie frei(zügig) dürfen wir sein?</span></span></p>
<p><span style="font-family: Roboto;"><span style="color: #000000;">Dustin, 21, Protagonist vom fünften Teil der Serie von „Die Frage“ meint:</span></span></p>
<p><span style="color: #000000;">„<span style="font-family: Roboto;">So, wie sich jeder wohlfühlt.“ &#8211; Das Gefühl von Nacktheit bedeutet für ihn Freiheit. </span></span></p>
<p><a name="_GoBack"></a> <span style="font-family: Roboto;"><span style="color: #000000;">Frei wollte ich mich in diesem Coronasommer, ohne Festivals, aber mit vielen Deadlines, auch spüren. Loslassen von all den Erfahrungen mit Nacktheit in meinem Leben und den Gedanken der Konsequenzen in meinem Kopf. Ich wollte bei mir selbst sein. Ohne Bewertung meines Körpers von mir selbst und der Gesellschaft. Nackt. Frei. Und letztendlich für alle, die diesen Text gelesen haben, sichtbar. Ich pose für mein erstes Nacktshooting. Entstanden sind Momente, die nicht nur meinen Kopf frei von Gedanken über Nacktheit gemacht haben, sondern auch Bilder, die mir sagen: „Du bist jederzeit nackt so schön, wie Du dich in dem Moment (wohl)fühlst.“</span></span></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Mehr Texte von Tom <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/tom/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>findet ihr hier</strong></a>.</li>
</ul>
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		<title>Corona: Und wieder sind es die Frauen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/05/wieder-sind-es-die-frauen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tom]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 14 May 2020 07:00:35 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Benachteiligung]]></category>
		<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Covid19]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
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					<description><![CDATA[Ob es um Kinderbetreuung geht, um die Pflege von Angehörigen, um den Haushalt, um einen Job in der Pflege oder an der Kasse im Einzelhandel &#8211; die Corona-Krise zeigt einmal mehr, dass es noch lange keine tatsächliche Geschlechtergerechtigkeit gibt. Darüber hat unser Autor Tom einen Text geschrieben. Er sagt: &#8222;Covid-19 trifft uns alle. Mal mehr,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ob es um Kinderbetreuung geht, um die Pflege von Angehörigen, um den Haushalt, um einen Job in der Pflege oder an der Kasse im Einzelhandel &#8211; die Corona-Krise zeigt einmal mehr, dass es noch lange keine tatsächliche Geschlechtergerechtigkeit gibt. Darüber hat unser Autor Tom einen Text geschrieben. Er sagt: &#8222;Covid-19 trifft uns alle. Mal mehr, mal weniger. Ausbaden tun es aber überwiegend Frauen.&#8220; Hier könnt ihr seine &#8222;Analyse aus Zeiten der sozialen Isolation&#8220; lesen:</strong></p>
<p><span id="more-12184"></span></p>
<p>Homeoffice. Familienzeit. Innehalten. Die Coronakrise hat uns fest im Griff. Die einen können ihren Beruf nicht ausüben, den anderen fällt die Bude mit Kindern, LebenspartnerIn(nen) und Job auf den Kopf und wiederum andere leben unter menschenunwürdigen Bedingungen eingepfercht auf engstem Raum im Camp Moria, einem Flüchtlingslager in Griechenland. Weltweit verbringen die Menschen also nun erst mal ihre Lebenszeit an einem Ort. Ausgenommen die Menschen, die in Lagern festgehalten werden, leben die meisten von uns auch an einem Ort nur mit sehr wenigen Bezugspersonen. #sozialeIsolation</p>
<p>Umso wichtiger werden gerade in dieser Zeit soziale Kompetenzen wie Mitgefühl, Fürsorge und emotionale Arbeit.</p>
<p>Vermutlich jeder von uns hat Probleme, die am ehesten durch Zuhören, Verständnis zeigen und in den Arm nehmen gelöst werden können und das am besten Face to Face. Letzteres ist schon mal nicht per Skype Videocall möglich. Viel mehr sehnen wir uns jetzt in der sozialen Isolation noch ein Stückchen mehr nach Nähe, Geborgenheit und Präsenz von Personen aus dem engsten Freundes- und/oder Familienkreis. Und diese Kompetenzen werden auch im Jahr 2020 meistens von Frauen erwartet.</p>
<p>Bei der Entscheidung innerhalb einer heteronormativen Familienkonstellation, wer zuhause bleibt und auf die Kinder aufpasst, die jetzt nicht in der Schule sind, wenden die Eltern meist das Prinzip der Kausalität an. Dadurch, dass Männer häufig mehr Einkommen haben, oft in einer Vollzeitstelle arbeiten und weniger flexibel sind, bleiben Frauen auch in Coronazeiten ihren Teilzeit- und Minijobs fern und tragen die Carework in der Familie. Laut einer Studie der internationalen Arbeitsorganisation ILO übernehmen weltweit Frauen etwa viermal mehr sogenannte Fürsorgearbeit als Männer. Dabei arbeiten sie durchschnittlich vier Stunden unbezahlt in Pflege, Kindererziehung und im Haushalt, während Männer zu dieser Zeit Lohnarbeit verrichten. Ist das jetzt während der aktuellen Situation durch Corona anders? Vielleicht.</p>
<p>Vielleicht haben aber genau diejenigen Frauen in diesen Wochen noch mehr an Carearbeit zu verrichten als sonst. Zum einen, um die schulpflichtigen Kinder zu bespaßen, zum anderen aber auch den Frust ihres Mannes im Homeoffice zu besänftigen, weil seine jobtechnisch wichtige Skypekonferenz mit den anderen Homeofficemännern nicht flüssig läuft.</p>
<p>Alles veraltet. Die moderne, emanzipierte Frau arbeitet doch. Laut der aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) sogar in einer Notstandsinfrastruktur. So liegt der Frauenanteil in systemrelevanten Berufsgruppen bei knapp 75 Prozent. Gemeint sind dabei zum Beispiel VerkäuferInnen im Einzelhandel für die Grund- und Lebensmittelversorgung, ErzieherInnen in der Kindernotbetreuung und KrankenpflegerInnen im Gesundheitswesen. Jobs, die überwiegend in Teilzeit bewältigt werden und ein geringes gesellschaftliches Ansehen außerhalb von Krisenzeiten genießen.</p>
<p>Gut, dass die Bundesregierung ihnen immerhin dafür dankt, dass sie laut der Rede an die Nation von Bundeskanzlerin Merkel den Laden auf dem Laufenden halten, während der Gender Pay Gap laut Statistischem Bundesamt aktuell bei ca. 20 Prozent liegt und der Mindestlohn in der Pflege ein bisschen mehr als 11 Euro pro Stunde ist. Und gut, dass die Männer der ProSiebenSat1-Media SE mit ihrem #WirsagenDanke-Spot immerhin an sie denken, während nicht einmal 20 Prozent der Frauen bei ihnen als Führungskraft arbeiten. Vielleicht sollten wir an diesen Dingen in unserer Gesellschaft noch mehr feilen, wenn wir &#8211; dank vieler Frauen &#8211; die Krisenzeit überwunden haben.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Mehr von Tom <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/tom/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>findet ihr hier</strong></a>!</li>
</ul>
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		<title>Empathie: Mitgefühl vs. Druck, mitzufühlen </title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/03/empathie-mitgefuehl-vs-druck-mitzufuehlen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tom]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 19 Mar 2020 07:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgrenzung]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Träume]]></category>
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					<description><![CDATA[&#8222;Mit dem Wort Empathie verbinden wir 2020 große Hoffnung. Hoffnung auf ein Ende der Diskriminierung gegen Teile unserer Gesellschaft und eine Stärkung der Demokratie. Ich habe mich in diesem Text mit den Schattenseiten eines Wortes befasst, das wir in der heutigen Zeit sehr inflationär in unserem Sprachgebrauch verwenden.&#8220;, schreibt Tom über seinen heutigen Text. Wir]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>&#8222;Mit dem Wort Empathie verbinden wir 2020 große Hoffnung. Hoffnung auf ein Ende der Diskriminierung gegen Teile unserer Gesellschaft und eine Stärkung der Demokratie. Ich habe mich in diesem Text mit den Schattenseiten eines Wortes befasst, das wir in der heutigen Zeit sehr inflationär in unserem Sprachgebrauch verwenden.&#8220;, schreibt Tom über seinen heutigen Text. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen dieses spannenden Beitrags!</strong></p>
<p><span id="more-12085"></span></p>
<p>„Der öffentliche Raum in unserer Gesellschaft wird zunehmend rationalisiert, wohingegen der private emotionaler wird“, sagte mein Freund Anfang Januar bei einem Sparziergang durch Berlin Neukölln. Er wiederholt dabei Thesen seiner Vorlesung.</p>
<p>Ich denke an Emotionalität, Kuscheln und an Empathie. Letzterem Wort begegne ich zurzeit fast täglich im Alltag. Für mich ist Empathie der Oberbegriff für Mitgefühl, Teilhabe und Verständnis. Laut Google Definition bezeichnet es die Bereitschaft und Fähigkeit, sich in die Einstellungen anderer Menschen einzufühlen. Gleichzeitig komme ich damit so oft in Berührung, dass ich mich mittlerweile frage, ob dieser Begriff wirklich derart oft notwendig ist. Sei es im Job, in der Werbung oder auf Instagram.</p>
<p>Es wirkt für mich, als ob Empathie auch ein Verkaufsargument ist. Konsum ist mitnichten ein reines Erwerben von Dingen. Konsum ist ein Erlebnis, erwähnte mein Dozent damals während meiner Ausbildung im Handel. Attention, Interest, Desire, Action. Ein Prinzip aus der Wirtschaft, anwendbar auf viele Bereiche des Lebens. Und wie kreiere ich dieses Erlebnis, diese Wohlfühlatmosphäre? &#8211; Mit Verständnis, Teilhabe und Mitgefühl. Oder warum haben dieses Jahr Großkonzerne wie Nike und CocaCola ihre Produkte und Werbeplakate mit einem Regenbogenlook versehen? Zwar auch um Kunden, also KäuferInnen zu zeigen, dass Sie LGBTIQ-friendly sind, dennoch haben sich diese Konzerne nicht auf die Fahne geschrieben, als Organisationen eine Minderheit in der Gesellschaft zu vertreten. Sie sind da um Gewinne zu machen. Gewinne mit einer Generation, die verstanden werden will. Kids, wie auch mich, die nicht mehr einkaufen, weil Sie etwas brauchen, sondern mit ihren Klamotten, Lebensmitteln und Transportmitteln eine politische Botschaft senden wollen. Vielleicht wollen wir irgendwann auch unserem Konsum zeigen, dass wir empathisch sind und Mitgefühl zeigen. Oder tun wir das nicht schon längst?</p>
<p>Ist also Empathie das, was eine Gesellschaft jetzt braucht? „Mit Empathie verbinden die meisten Menschen große Hoffnung. Wenn wir nur mehr Empathie hätten, dann würde es der Menschheit besser gehen“, sagt Fritz Breithaupt von der Indiana Universität in Bloomington, USA in dem DLF- Artikel „Die dunkle Seite der Empathie“ und zitiert dabei Barack Obama. Gleichzeitig spricht der Professor für Germanistik, Komparatistik und Kognitionswissenschaften über Empathie als Brandbeschleuniger für Konflikte. Allein die Fähigkeit mitzufühlen und moralisch zu handeln macht uns nicht zu besseren Menschen, wenn wir eine abweichende Vorstellung von Moral und Idealen haben. Plump gesagt: Auch Nazis zeigen Mitgefühl für andere Nazis. Von Emotionen gesteuertes Handeln ist also per se nicht das Stärken der Gemeinschaft, sondern kann in heterogenen Gemeinschaften auch zu einer Verhärtung der einzelnen Parteien beisteuern. Im Zeitalter des Individualismus, so Breithaupts Vorschlag, fehlt der Empathie ja vielleicht ein „Wir“, das weit über das Individuum und auch die eigene Gruppenzugehörigkeit hinausgeht. Dennoch sind Handlungen aus dem Herzen heraus für mich eine lebenswichtige Komponente. Glaube aber auch, dass es Fehlentwicklungen dieser Handlungen gibt und gegeben hat. Gerade wenn Eigeninteresse vor globalem Interesse steht. Als Individuum mit diesem Dilemma umzugehen, fordert. Es fordert aber auch, sich die Auswirkungen des Handelns anderer vor Augen zu halten, sie empathisch aufzunehmen und zu hinterfragen.</p>
<p>„Zu viel Empathie kann Stress auslösen und zum Burn-out führen“, sagt Grit Hein, Professorin der Translationalen und Sozialen Neurowissenschaften in einem Interview von Deutschlandfunk. Gerade dann, wenn man nicht in der Lage ist zu helfen, spüren empathische Menschen den Druck der Machtlosigkeit.</p>
<p>Ich persönlich musste lange lernen mit diesem Druck umzugehen, meistere ihn aber scheitere dennoch damit bis heute. Empathie ist für mich wichtig und steht in meinem Leben weit über monetären und materiellen Dingen. Dennoch raubt sie mir in einigen Situationen weitaus mehr Energie, als ich aufbringen kann. Erst recht, wenn ich Verständnis zeigen soll für die Bedürfnisse anderer, die sich vehement weigern demokratische Werte zu leben und Teile unserer Gesellschaft ausgrenzen. (Mein) Mitgefühl hat Grenzen.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Auch schon <a href="https://www.meintestgelaende.de/2019/12/sozialisierte-maennlichkeit/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>dieser Text von Tom</strong></a> hat sich unter anderem mit Empathie befasst &#8211; schaut doch nochmal rein!</li>
</ul>
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		<title>Die Folgen (m)einer sozialisierten Männlichkeit </title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2019/12/sozialisierte-maennlichkeit/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Tom]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 03 Dec 2019 07:00:12 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Jungen]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Stereotyp]]></category>
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					<description><![CDATA[Neuer Monat, neuer Autor: Heute präsentieren wir euch den ersten Text von Tom! Er setzt sich darin mit der unterschiedlichen Sozialisation und Wahrnehmung von Jungen und Mädchen auseinander. Bestimmt habt ihr auch schon mal von &#8218;toxischer Männlichkeit&#8216; gehört. Auch darum geht es in diesem Text &#8211; nicht jedoch, ohne auch ein passendes Gegengift in der]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Neuer Monat, neuer Autor: Heute präsentieren wir euch den ersten Text von Tom! Er setzt sich darin mit der unterschiedlichen Sozialisation und Wahrnehmung von Jungen und Mädchen auseinander. Bestimmt habt ihr auch schon mal von &#8218;toxischer Männlichkeit&#8216; gehört. Auch darum geht es in diesem Text &#8211; nicht jedoch, ohne auch ein passendes Gegengift in der Hinterhand zu haben!</strong></p>
<p><span id="more-11933"></span></p>
<p>Meine damalige Freundin kauft sich eine Ballonhose und trägt sie noch am gleichen Tag am Stadtfest meines Heimatortes. Am selben Tag schlägt Holland das spanische Team bei der Fußballweltmeisterschaft fünf zu eins. Einen Tag später in der Umkleidekabine meiner Eishockeymannschaft: Das Topthema der Stunde? Ihre Hose: „Hast du deine Freundin nicht im Griff, dass sie in so einer Schlafanzughose herumlaufen kann?“ Bei dem nächsten Familientreffen eine Woche später, gleiches Thema. Ich, damals 18 Jahre jung und noch grüner hinter den Ohren als heute, hatte das Ausmaß dieses „Kontrollverlustes“ nicht begriffen. Ebenso nicht, dass ich die Entscheidung treffen solle, was meine damalige Freundin anzuziehen hätte und dass es auch noch „sexy“ aussehen müsse.</p>
<p>Heute würde ich von einer Sexualisierung des weiblichen Geschlechts sprechen. Jungs und Männer werden als das „starke Geschlecht“ erzogen. Das Geschlecht mit dem Beschützerinstinkt, der Verantwortung und der Führung. Anders gesagt sollen sie Frauen vor Gefahren bewahren, ihre zukünftige Familie ernähren und dabei das weibliche Geschlecht in jeglicher Hinsicht bevormunden und kontrollieren. Wenn sie dabei aber selbst in Schwierigkeiten geraten, dann bloß keine Schwäche zeigen. Männer sind standhaft. Männer weinen nicht. Fällt einer kleiner Junge aufs Knie, wird ihm gesagt: „Sei nicht so wehleidig. Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“ Und Frauen? Sie werden gar nicht erst gefragt, ob sie das wollen oder überhaupt brauchen?</p>
<p><strong>Auf keinen Fall auffallen.</strong></p>
<p>Ich bin einer dieser Männer. Als kleiner Junge versuchte ich vom Kindergarten an um jeden Preis tapfer und männlich zu sein. Ich wollte nicht die „Memme“ sein, die sich beim Fallen vom Klettergerüst einen halben Tag bei der Erzieherin die Augen ausheult. Ich wollte nicht die Null im Sportunterricht sein, der &#8222;wie ein Mädchen&#8220; wirft. Und ich wollte nicht „die Schwuchtel“ in der Clique sein, nur weil ich die Farbe Lila mag. Meine Kleidung zeigte es nicht. Als ich dann mit sechszehn Jahren anfing, meine Schüchternheit zu überwinden und Mädchen in meinem Alter zu treffen, wollte ich mich genau von dieser starken Seite zeigen, wie es mir all die Männerwelt jahrelang vorgelebt hat. Ich wollte sein wie all die Männer, die ohne zu fragen ihrer Freundin die Jacke um die Schulte legen. Die schon, bevor eine Frau es überhaupt realisiert, wissen, welche Bedürfnisse sie in diesem Moment hat. Und die, die zu jeder Tages- und Nachtzeit für ihre Freundin präsent sind – ob im selben Raum oder im gemeinsamen Chat.</p>
<p>Weiblichkeit ist in unserer Sozialisierung ein zerbrechliches Gut. Und Männer sollen dieses Umhüllen, wie die Luftpolsterfolie einer Porzellanvase. Super Mario befreit Prinzessin Peach von dem bösen Bowser und der große Bruder befreit seine kleine Schwester von den bösen Jungs der Oberstufe. Solange bis die Jungs Männer werden und Frau sie anbeten muss.</p>
<p>Einige Male habe ich mich im letzten Monat mit Frauen verabredet, um mit ihnen über ihre Kindheit zu sprechen. Ich wollte erfahren, wie sie ihre Geschlechterrolle in der Gesellschaft wahrgenommen hatten. Eine Freundin aus Berlin erinnert sich dabei an die ersten Jahre ihres Lebens, in denen sie als Mädchen Gleichberechtigung im weitesten Sinne erfahren hat. Bis zu einem einschneidenden Moment ihrer äußerlichen Entwicklung. An diesem Tag hat sie schlagartig gemerkt, dass nicht nur Jungs, sondern vor allem auch erwachsene Männer sie anders wahrnehmen. Sie pfiffen ihr hinterher und keiner sagte ihr warum.</p>
<p>Einige Jahre, nachdem meine Freundin mit ihrer Ballonhose am Stadtfest hinter ihrem Rücken sexualisiert wird, beschäftigt mich der Vorfall noch immer. Warum reagierten meine Teamkollegen so? Und wieso habe ich nicht interveniert, sondern das Thema mit mir selbst im Stillen ausgemacht. Ich beschäftige mich mit meiner Persönlichkeit und hinterfrage meine eigenen Werte. An einem Tag will ich wissen, warum ich Emotionen in widersprüchlichen Verhalten ausdrücke. Ein Beispiel aus meiner Pubertät, das mich bis heute begleitet: Bin ich damals traurig, betroffen und gewollt mein Mitgefühl auszudrücken, reagiere ich verärgert und wütend. Wütend vor allem auf mich selbst und mein Verhalten. Standesgemäß habe ich dafür von meinen Eltern den Titel des „Giftzwergs“ erhalten. Das Gift in mir spüre ich bis heute. Ein Gift, was mich hemmt und langsam aber sicher emotional versteinern lässt. Mein persönliches Gegengift: Empathie.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li><a href="https://www.meintestgelaende.de/2019/05/maennlichkeit-2/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>In diesem Video</strong></a> teilt euch Memo von den HeRoes Duisburg seine Gedanken zum Thema Männlichkeit mit.</li>
<li>Und <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/09/was-ist-maennlichkeit-eine-endgueltige-antwort/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>hier lest ihr</strong></a> Dominiks Ansichten dazu.</li>
</ul>
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