Blase im Seifenschaum

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(c) Michael Muecke:  Seifenblase  (CC BY-SA 2.0)

Wie versprochen kommen hier die nächsten zwei Gedichte, die im Rahmen der Pink Stinks Protestaktion „Einfach Top ohne Model“ von Mädchen und jungen Frauen eingereicht worden. Die acht besten Gedichte wurden von Pink Stinks prämiert. Auf meinTestgelaende.de gibt es jetzt jede Woche zwei davon. Wir wünschen euch viel Spaß beim Lesen und freuen uns auf eure Kommentare!

 

Wahre Schönheit

Sie, die Größte unter den Großen,
die sich Auskennende, die Ahnungsvolle
bezaubernde, bewundernswerte Frau, mein Idol
steht mir nach so langer Zeit des Wartens und Hoffens nun endlich gegenüber
und offenbart sich mir:
Komm in meine Welt, mein Kind ,sagt sie
Ich reiche dir meine Hand und schenke dir mein Lächeln.
Du kannst mir vertrauen!
Schließe deine Augen und lass es geschehen.
Hab keine Angst. Ich mache dich wunderschön.
Ich bin sozusagen deine gute Fee.
Du musst mich dafür nur in dein Bewusstsein lassen.
Hör nicht darauf, wenn deine innere Stimme dir sagt ” du bist gut wie du bist”.
Sie blendet dich. Sie hat keine Ahnung von der wahren Schönheit.
Entdecke meine Welt, mein Kind
und du wirst sie nie wieder verlassen wollen.
Glamour, Glanz, Luxus, Klamotten in Hülle und Fülle,
alles was du dir je erträumt hast;
Du wirst eine Prinzessin sein!
Hab keine Angst davor die Hüllen fallen zu lassen,
ich versichere dir, mit den Kilos wird die Scheu schwinden.
Die Männerwelt wird dir zu Füßen liegen!
Ich zeige dir die wahre Schönheit,
die Schönheit für die du geboren wurdest.
Du musst dich mir nur anvertrauen,
mich als deine Autorität anerkennen
und ich werde deine Macherin sein.
Vergiss Gottes Moral.
Wir sind nicht als Unikate auf die Welt gekommen,
noch lange nicht perfekt.
Bis dorthin ist es ein langer Weg.
Wer schön sein will muss leiden und opfern.
Geb dich auf und lass mich dich neu erschaffen.
Ich bin dein Licht, dein Weg,
wenn du mir folgst wirst du die wahre Schönheit erlangen.

Ich befolgte ihre Forderungen.
Machte sie zu meiner Autorität.
Sie wüsste schon was zu tun,
was das Beste sei, für mich.
Die wahre Schönheit, wer will sie nicht?
Ein Leben in Bewunderung badend,
voller Aufmerksamkeit getränkt.
Doch endete dieser Weg nicht in der prophezeiten Utopie,
sondern in der Hölle,
vollgestopft mit Bulimie, zwanghaften Kontrollen,
Verkauf der Unschuld des Körpers und der Seele.
Ich plädiere auf das Ende dieser falschen Philosophie,
des Todesengels von Victorias Secret. (Platz 5, Tomna)

 

Der ungeschminkte Schmerz

Mein Job ist das, was man sieht,
Nicht das, was tief in mir geschieht.
So verkauf‘ ich mich für Scheine,
Doch reicht’s mir nicht aus,
Brauch‘ nen flachen Bauch & lange Beine.

Klack, klack – der Kamera schenk ich einen Kuss.
Für die Glamour tu ich alles, was ich muss.
Der Fotograf ruft: mach auf crazy, mach auf happy.
Ich wälz mich auf Betten, fühl‘ mich eher Deppy.

Der ewige Schwindel zieht mich runter,
Manch‘ ein Tablettchen macht mich munter,
Doch das heilt nicht Seele und Herz,
In mir tobt ein unterdrückter Schmerz,
Der Stress- der ist ein böser Geist,
Der immer mehr von meiner Power speist.
„Jury, ich will gewinnen“ heißt: „ich bin bereit zu leiden“,
Sie erinnern mich: Andere Mädchen würden mich beneiden.

Glitzer, Glitzer, Blitzgewitter: wer ist dünner, wer ist dicker?
Flimmer, Flimmer, Lichterglimmer: Essen sollt ich nie & nimmer.
Goldleuchtend ist mein Kleid, das so im Kameralicht scheint.
Weiß ist mein Gesicht, da unter der Makeup-Schicht.

Catwalk, people! Ich spür die tötenden Blicke,
Von der einen oder anderen schönen Zicke.
Dort auf der Bühne schieb ich ne große Nummer,
Doch in mir wächst der Schmerz und Kummer.

Nächster Termin – man wartet sicher nicht.
Ich will dahin –mitten ins Scheinwerferlicht!
Unheimlich, ihre mikroskopischen Blicke,
Ich schluck es runter – bis ich daran ersticke.

Sie finden mich nicht haute couture.
Was ist das- Ein Pickel? Ein Geschwür?
Sie lachen kurz, was ein dummes Gekicher,
Ich bin ein Highheel -Kartenhaus- so verdammt unsicher.

New York, München, Paris
Ich, die Prinzessin im Modelparadies.
Das war einst mein Traum,
Wohl eher ne Blase im Seifenschaum.

Zwei Tage hab ich nichts gegessen.
Wie konnt‘ ich das vergessen?
Schön und Reich- das will ich sein
Zum Leben sag ich deshalb nein.
Denn ein langes Leben schätzt man nicht,
Sondern das mit hübschem Gesicht (Platz 6, Helena Weitzel)

Nächste Woche gibt es mehr zu lesen. Wer schon jetzt alle Gedichte lesen möchte, der kann ganz einfach auf http://pinkstinks.de/unser-protestfilm-eure-gedichte/ vorbeischauen.

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