Wem gehört deine Schönheit?

Geflüchtete
(c) Genie09:  Beauty  (CC BY-NC-SA 2.0)

Dieser Text unserer Redaktionsgruppe Anonymus beschreibt das Spannungsfeld zwischen pauschalen Zuschreibungen an ‚arabisch aussehende‘ junge Männer und der Lebensrealität eines jungen Mannes, der keinerlei körperliche Erfahrungen mit Mädchen hat – weshalb ihn die nonverbalen Zeichen und die Ablehnung besonders schwer treffen.

Ich war mit dem Zug unterwegs zu einem Projekt. Ein Mädchen saß schon vor mir im Zug und daneben mein Kollege. Sie haben über unsere Arbeit diskutiert. Dann, in einem Augenblick, habe ich gesehen, dass sie ihren Rock auf ihrem Bein heruntergezogen hat, so dass ich nicht so viel von ihrem Bein zu sehen bekam. Ich habe zu meinem Kollegen gesagt: ich gehe zu einem anderen Platz und setze mich dorthin!

Mein Kollege hat über unsere Arbeit mit ihr ein bisschen gesprochen und diskutiert!

Endlich erreichen wir Bremen, alle sind ausgestiegen und mein Kollege ging mit dem Mädchen. Ich habe gefragt: ist sie mit uns in dem Projekt? Er hat ja gesagt.

Einen Bus und dann eine Straßenbahn später waren wir in einer schönen Straße, auf beiden Seiten Kunst und Galerien und farbige Gemälde und alles war schön. Wir erreichten eine Galerie, es gab ein Interview in einem Café und dann zeigte ein Künstler seine Kunstwerke.

Das Mädchen war ohne Mantel und hatte kein Problem damit und war zufrieden mit ihrem kurzen Rock in der Galerie. Ich habe mir gedacht, dieses Mädchen hat sich mit ihrem kurzen Rock geschämt, als ich vor ihr im Zug gesessen habe und jetzt ist sie ganz fröhlich in einer warmen Atmosphäre mit dem Künstler!

Schade! Ihre Schönheit gehört nur dem Künstler und nur ihr Schämen gehört zu mir, ich habe mit selber gesagt. Ich wollte nichts von ihr, aber was habe ich jetzt bekommen? Ein schlimmes Signal ohne dass ich ein Signal schicke!

Glaub mir, bis heute ich weiß nicht was das ganz genau ist! Ich meine Sex! Keine Erfahrung!

Ich habe noch kein Mädchen geküsst, keine Mädchen berührt.

In meiner Kultur Leute treffen nicht einfach zueinander!

Ich will nicht so zu Mädchen gucken und sie damit schädigen. Mein Leben und ich leben mit einem sehr großen Selbstbewusstsein und Verantwortlichkeit und ich will nicht mit irgendjemand sprechen, die das nicht will.

Ich weiß nicht, ich gebe dir im nächsten Text einen Vorschlag, vielleicht unsere Schönheit hilft uns! Oder wem gehört deine Schönheit! Ich gebe allen später einen Vorschlag – einen guten Vorschlag!

 

Mehr dazu: 

  • Beim Redaktionstreffen der HeRoes und queerblick wurde über Antirassismus und Anti-Homofeindlichkeit gesprochen. Hier gibt’s einen Einblick.
  • „Schwarzkopf“, ein Text über die Erfahrungen als männlicher Geflüchteter.

Wir begrüßen auf meinTestgelände junge Menschen, die Fluchterfahrungen haben. Einige haben Angst vor Repressalien und Gewalt. Deshalb möchten sie ihre Geschichten anonym erzählen. Dies ist der Ort, an dem diese Geschichten ihren öffentlichen Platz haben.

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