Vater werden ist nicht schwer – Vater sein dagegen sehr

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(c) Kat Grigg:  Family  (CC BY 2.0)

Wir melden uns endlich zurück aus der Sommerpause und starten mit unserer Autorin Marie, die sich in diesem sehr persönlichen Text mit der Frage auseinandersetzt, was eigentlich einen guten Vater ausmacht und inwiefern Elternschaft schon weit vor der Geburt beginnt. Triggerwarnung vorweg: Fehlgeburt.

Ein Mann ist während einer Schwangerschaft der eher inaktive Teil. Denn die werdende Mutter trägt das Kind viele Monate unter ihrem Herzen, spürt es, spürt die Veränderungen in und an ihrem Körper und hat schon in dieser Zeit einen Bindungs-Vorsprung zum Baby.
Der werdende Papa kann es mit der Hand fühlen, die Bauchbewegungen sehen, die Entwicklung auf Ultraschallfotos verfolgen, aber eben leider alles nur von außen, die körperliche Verbindung spürt er eher nicht.

Eine Geburt ist der erste richtige Kampf, den die Mama für das Kind führt, damit es leben kann. Der Papa kann nur zusehen, wenn er Glück hat. Jedoch wollen viele Väter so viel mehr. Mitkämpfen, statt hilflos danebenstehen. Zeigen, dass sie da sind und alles geben würden, für das Baby und die Mama. Doch die richtige Bindung, das Kennenlernen entsteht erst, sobald das Baby fertig entwickelt auf der Welt ist. Jetzt ist es für die meisten Väter das größte Ziel, ein guter Vater zu sein.

Doch was ist ein guter Vater?

In den letzten zwei Jahren habe ich selbst den Unterschied kennengelernt, zwischen einem guten Vater und einem schlechten Vater. Der Unterschied ist gravierend.
Ob ein Mann ein guter Vater ist, spürt nicht nur das Kind, sondern auch dessen Mutter.
Ich präsentiere hier einen Vergleich.

Person 1, der Vater meines Sohnes, der ein wundervoller Papa ist – und Person 2, eine vergangene Beziehung, mit zwei Fehlgeburten, die mir gezeigt hat, wie das Gegenteil vom guten Vater aussieht: Als ich im Jahr 2014 schwanger wurde, war für Person 1, den Vater meines Sohnes, der größte Ich-bin-ein-guter-Vater-Beweis, für mich da zu sein, weil er es für das Baby nicht konnte, denn es war ja in meinem Bauch, nicht in seinem. Also war es für ihn am logischsten, mich zu pflegen, denn das spürt das Baby, wenn es der Mama gut geht und sie gesund ist/isst. Als positiven Nebeneffekt habe ich in diesen Monaten erfahren, wie fürsorglich, pflicht- und verantwortungsbewusst er ist.

Ob man ein guter (werdender) Vater ist, geht für mich also schon in der Schwangerschaft los.

Eine Schwangerschaft ist genauso Verantwortung, wie ein Baby auf dem Arm zu tragen. Für beide Elternteile. Im Jahr 2017 war ich in meiner neuen (inzwischen beendeten) Beziehung zweimal schwanger. Beide Male verlor ich die Babys. Leider konnte Person 2 mit dieser Verantwortung, mir während ich seine Babys verlor, beizustehen, nicht umgehen, saß mit einer Null-Bock-Haltung neben mir im Krankenhaus, als ich erfahren habe, dass das Baby weg ist – und ist ausgezogen, wollte sein bequemes Leben weiterführen, weil das Dasein, während einer Fehlgeburt, für ihn zu anstrengend war.

Das war für mich das Zeichen „Halt Stopp! Wenn du während einer Fehlgeburt nicht nur das Baby, sondern auch den dazugehörigen Vater verlierst, wird er sich in anstrengenden Situationen mit Kind auch verziehen und niemals alles geben! Keine Kinder mit solch einem Typen, er wäre kein guter Vater.“.

In diesen Wochen, während der Nachblutungen, der psychischen Belastung, der Trauer und dem Betreuen meines zwei Jahre alten Kindes, das zu dem Zeitpunkt noch nicht in die Kita ging, hat Person 1 mich dort aufgefangen, wo Person 2 mich hat fallen lassen. Er hat die Verantwortung auf sich genommen, diese Fürsorge übernommen, die Person 2 mir nicht mehr geben wollte. Und sein Satz „Hätte er dich verlassen, obwohl du ein Kind mit ihm hast, würde ich das Kind wie mein eigenes behandeln und dich damit nie im Stich lassen“, ist einer der schönsten Sätze, die mir Sicherheit geben. Dass er da war, hat mir eine unglaubliche Last von den Schultern genommen, ich konnte weiterhin eine gute Mama sein und gleichzeitig die Fehlgeburten realisieren, weil ich diese Unterstützung von ihm hatte.

Die Unterstützung in jeglichen Lebenslagen ist also ein wichtiger Punkt, wenn man ein guter Vater sein möchte.

Denn das Kind spürt, wenn es eine Krise gibt. Sich gegenseitig den Rücken zu stärken kann ungemein helfen, Kraft und Energie zu gewinnen. Wenn das Kind auf der Welt ist und sich entwickelt, viele anstrengende Entwicklungsphasen durchlebt, ist es für mich wichtig, dass der Vater sich dran beteiligt, interessiert und gewillt ist, sein Kind in dieser Entwicklung zu begleiten.
Der Vater meines Sohnes hat jegliche Krankenhaus- und Arztbesuche, nächtliches Milchgeben, Wutanfälle und Krankheiten genauso mit begleitet, wie ich. Das war (und ist weiterhin) sein Wunsch.

Dass der Vater, soweit es beruflich möglich ist, aktiv und gewillt ist, in stressigen und unentspannten Situationen zu helfen, gehört für mich dazu, wenn man ein guter Vater ist.

In der anderen vergangenen Beziehung hat sich mein Partner oft nur zu uns gesellt, wenn es entspannt und bequem war. Die helfende Hand zu sein, wenn es anstrengend wird, war nicht in seinem Sinne. Oft war er in solchen Situationen sauer, weil die Stimmung umschlug, es anstrengend wurde und man sich bemühen musste, Werte zu vermitteln.

Alles in allem muss ich sagen, dass alle Kriterien für mich auf beide Elternteile zutreffen, ob man Vater oder Mutter ist, ist egal, denn keiner muss meiner Meinung nach mehr tun als der andere. Wenn der Vater berufstätig ist, während die Mutter in Elternzeit das Baby betreut, zählen für ihn die Aufgaben zu Hause genauso dazu wie für die Mutter.Das Stillen kann er nicht übernehmen und auch manch andere Dinge kann der eine besser als der andere.
Ein Gleichgewicht zu finden, ist sehr, sehr wichtig und zu versuchen, sich gegenseitig auszugleichen. Wenn die Mama am Ende ihrer Kräfte angekommen ist, ist das für den Papa das Zeichen, zu übernehmen. Wenn der Papa erschöpft ist, übernimmt die Mama. Und ansonsten machen es beide zusammen.

Dass der Papa dazu bereit ist – und sich im Klaren ist, dass das auch nach Feierabend so sein wird, ist für mich ein Zeichen, dass er ein guter Vater ist. 

Wenn er es sich für alle Beteiligten fair einteilt, ob er sich nach dem Feierabend ausruht und dann Zeit mit seiner Familie verbringt oder umgekehrt. Wichtig ist, dass der Feierabend nicht so aussieht, dass er nach Hause kommt und den Rest des Tages mit der Couch verschmilzt.

Diese Erfahrung habe ich gemacht und habe mich allein gefühlt. Denn auch ich habe zuvor einen anstrengenden Tag gehabt, mehrere Stunden den Haushalt erledigt, mit dem Baby gespielt, eingekauft, geputzt, aufgeräumt und der Tag ist für mich, mit dem Feierabend des Partners, nicht vorbei, sondern geht weiter, bis zum Abend, wenn das Kind eingeschlafen ist und wenn möglich durchschläft.

Leider gibt es viele Väter, die sich die Freiheit herausnehmen, während der Schwangerschaft – oder wenn es ihnen zu anstrengend wird, zu gehen. Die Familie zu verlassen. Weil die Kinder oft, gerade im Babyalter, mehr von Mama abhängig sind, die Mutter meistens diejenige ist, die Elternzeit in Anspruch nimmt – und nicht mal die Möglichkeit und Freiheit hätte, zu gehen.

Dass ich dem Vater meines Kindes vertrauen kann, mich auf ihn verlassen kann und somit auch das Kind immer das Gefühl bekommt, dass Papa nach Hause kommt nach der Arbeit, macht einen guten Vater aus.

Nicht jeder Mensch mag es, zu spielen. Ich persönlich bin eine Person, die sich sehr, sehr schwer tut mit Rollenspielen. Da kommen wir wieder zu dem Punkt gegenseitiger Ausgleich. Der eine kann das besser, der andere das. Mit einem Kind zu spielen, sich mit ihm auf Augenhöhe zu beschäftigen, ist ein toller Weg, sein Kind mehr und mehr kennenzulernen. Und es gibt dem Kind das Gefühl, nicht nur jemand zu sein, der dafür sorgt, dass es alles bekommt, um zu überleben, sondern auch, dass man ein Spielpartner ist. Wem das Spielen nicht liegt, liest vor oder bastelt mit ihm.

Ein guter Vater bemüht sich, eine Beziehung, eine tiefe Bindung zu seinem Kind aufzubauen. Und das funktioniert spielerisch einfach extrem gut, ohne dass es stressig ist.

Der Überbegriff, was einen guten Vater ausmacht, ist derselbe, der einen guten Beziehungspartner ausmacht: LIEBE. Sobald man liebt, gibt man. So viel es geht.
– Fürsorge
– Vertrauen
– Respekt
– Geduld
– Ehrlichkeit
– Verlass
– Nähe
– Geborgenheit

Ein guter Vater – und das ist wahrscheinlich der einzige Unterschied zur Mutter – setzt seine Kraft und seine Körpergröße nur zum Schutz ein, niemals gegen das Kind oder dessen Mutter.

Ob nun dem Beziehungspartner, oder dem Kind. Liebe ist immer der Überbegriff, um ein guter Mensch zu sein. Der Überbegriff einer guten Mutter oder eines guten Vaters. Liebende Menschen sind liebevoll und behandeln so ihre Mitmenschen, vor allem die eigene Familie.

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Mein Name ist Marie (24), ich lebe mit meinem Sohn in Berlin - Blogge, lese, schreibe gerne und beschäftige mich so intensiv mit den Bedürfnissen des Menschen, der Vielseitigkeit unserer Persönlichkeit und Lebensqualität, dass ich ganze Bücher verfassen könnte!

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