Toxische Männlichkeit überwinden

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Schon als Jungen lernen viele: „Sei stark. Zeig keine Schwäche. Reiß dich zusammen.“
Doch was bleibt von einem Kind, das nie traurig sein darf?
Dieser Text von Eileen zeigt, wie starre Rollenbilder Jungs formen – und warum echte Stärke darin liegt, Gefühle zuzulassen, statt sie zu unterdrücken. Für ein Aufwachsen ohne Druck, mit mehr Empathie und Freiheit.

Jungen* lernen bereits in ihrer Kindheit, dass es bestimmte gesellschaftliche Vorstellungen über Männlichkeit gibt, die mit Verhaltensanforderungen verknüpft sind. „Sei ein Mann* und keine Memme!“, „Setze dich durch!“, „Als Mann* musst du kämpfen, du darfst nicht aufgeben!“, „Wer Gefühle zeigt, ist schwach!“ sind einige Äußerungen und Befehle, die mit Männlichkeitsvorstellungen in Verbindung stehen. 

Aber wer legt eigentlich fest, was „männlich“ ist und mit welchen Merkmalen „Männlichkeit“ verbunden ist? Geschlechterbilder und -stereotype verfestigen sich über eine lange Zeit in unserer Gesellschaft und werden mit jeder Anwendung reproduziert und manifestiert. Dabei sollte es nicht Aufgabe der Gesellschaft sein – es sollte ihr nicht einmal zustehen -, Individuen in Schubladen zu packen und festzulegen, wie ein „echter Mann*“ zu sein hat bzw. sich verhalten soll. 

Jungen* und Männer* sind nicht an für sich problematisch, sondern die Assoziationen, die Menschen vom sozialen Konstrukt der Männlichkeit innehaben. Jungen* und Männer* dürfen nicht weinen. Sie dürfen keine Schwäche zeigen. Sie müssen immer stark und durchsetzungsfähig sein. Sie müssen unabhängig sein. Sie müssen karriere- und machtfokussiert sein. Sind das Anforderungen an Jungen* und Männer*, die diese langfristig stärken und ein gesundes soziales Aufwachsen und Weiterwachsen ermöglichen? Wer bislang in dem Glauben gelebt hat und davon überzeugt war, muss ich an dieser Stelle leider enttäuschen. Das funktioniert so nicht. Geschlechterstereotype, Vorurteile und Rollenvorstellungen sind nicht gesundheitsfördernd. Sie kategorisieren, verallgemeinern und lassen die Individualität des menschlichen Seins außer Acht. 

Toxische Männlichkeit ist ein Phänomen, welches genau solche schädlichen Verhaltensanforderungen und Stereotype beschreibt. Die Hauptmerkmale und Auswirkungen toxischer Männlichkeit sind: 

  • Unterdrückung von Emotionen 
  • Dominanz und Aggressivität 
  • Ablehnung von Schwäche 
  • Geschlechtsstereotype 
  • Widerstand gegen Veränderung 
  • Druck zur Leistungsstärke. 

Das klingt meines Erachtens nicht wirklich charmant und schon gar nicht beeindruckend. Für mich klingt es nach sehr viel Stress, überzogenen Realitätsvorstellungen und einer Verausgabung, die den Weg für vielfältige Gesundheitsprobleme ebnet. 

Jungen* und Männer* sind Menschen. Individuell. Vielfältig. Mal laut. Mal leise. Mal mutig. Mal ängstlich. Und all das ist vollkommen okay. Zu weinen bedeutet nicht, schwach zu sein. Gefühle zu zeigen und über sie zu sprechen bedeutet nicht, verletzlich zu sein.  Es ist ein Zeichen von Stärke. 

Es gibt eine Reihe von Sätzen, die Jungen* und Männer* im Sinne einer geschlechtssensiblen Begleitung stärken können: 

  • „Du darfst traurig sein. Weinen ist kein Zeichen von Schwäche.“ 
  • „Du musst nicht alles alleine schaffen. Du darfst um Unterstützung bitten.“ 
  • „Du darfst über deine Gedanken und Gefühle sprechen.“ 
  • „Du musst dich nicht beweisen – du bist richtig so, wie du bist.“ 
  • „Du darfst Umarmungen und Nähe mögen, wir Menschen brauchen das.“ 

Das klingt doch schon sehr viel besser und empathischer, oder? Und genau das ist wichtig bei einer jeden menschlichen Begegnung: Empathie und Wohlwollen. Jungen* und Männer* geschlechtssensibel zu begegnen und zu begleiten heißt, Geschlechterstereotype und Verhaltenserwartungen zu entkräftigen. Ihnen zu verdeutlichen, dass sie sich nicht ständig beweisen oder zusammenreißen müssen. Das ist Gewaltprävention. Menschen, die gelernt haben, Gefühle zuzulassen und über diese zu sprechen, müssen sie nicht an anderen auslassen und sind sanfter zu sich selbst und anderen. 

 Anmerkung: In diesem Beitrag wird der Asterisk (Genderstern *) verwendet, um geschlechtliche Vielfalt abzubilden und um auf die kategorische Unabgeschlossenheit von Geschlecht zu verweisen. 

 

„Sich selbst verlieren steht vor jedem Neufinden.“ – Eileen Ahland Dieses Zitat empfinde ich als sehr kraftvoll, denn es verdeutlicht, dass die Suche nach sich selbst und nach dem Sinn des Lebens nie wirklich abgeschlossen ist. Etwas Altes loslassen bedeutet, die Hände frei für Neues zu haben und sein Herz für neue Erfahrungen und Begegnungen zu öffnen. Wenn etwas endet, ist das der Anfang von etwas Neuem, Wunderbarem. Ich bin täglich auf der Suche nach mir selbst – auf der Suche danach, wer ich bin, was mich ausmacht und begeistert, was ich vom Leben erwarte, welche Ziele und Träume ich habe, mit welcher Einstellung ich meinen Alltag gestalten und wie ich mit mir selbst und anderen umgehen möchte. Kurz: Ich lerne das Leben. Ich heiße Eileen Ahland, bin 25 Jahre und Sozialarbeiterin (B.A.). Im Laufe des Studiums entdeckte ich mein Interesse für die Themen Diversität, Vielfalt und Geschlechtergerechtigkeit. Dieses Interesse wurde während meiner Praxiszeit, die ich in der Fach- und Koordinierungsstelle für die Arbeit mit Mädchen* und jungen Frauen* Dresden verbringen durfte, zu (m)einer Leidenschaft und prägte mich positiv auf inspirierende Weise. Auf meinem Instagram-Blog @gedankenrundgang greife ich diese und weitere Themen auf und leiste Aufklärungsarbeit. Wenn ich nicht gerade Beiträge schreibe und erstelle, lese und male ich gern, schreibe Gedichte, höre Musik, mache Yoga und meditiere, entschleunige in der Natur – oder bin auf der Suche nach mir selbst und lerne das Leben.