Manchmal verläuft das Leben ganz anders, als man denkt. Von der Tagesschau-Moderatorin über die Alternative Bundeskanzlerin bis zur Begleiterin – der Weg ist oft ein Umweg. Luisas Text zeigt, wie gesellschaftliche Erwartungen und Geschlechterrollen unsere Entscheidungen beeinflussen.
Es kommt oft anders, als man denkt
Vor allem, wenn es um den eigenen Weg geht. Auch ich dachte lange, es gäbe diesen einen Lebensplan, der einfach funktioniert, wenn ich mich nur genug anstrenge.
Es begann als Grundschulkind, da wollte ich Tagesschau-Moderatorin werden, weil ich so gern redete. Bis ich gemerkt habe, dass ich nicht neutral bleiben will. Als Teenager wollte ich dann als alternative Bundeskanzlerin werden. Bis mir klar wurde, dass dieser Weg Parteistrukturen braucht, die ich so nicht wollte. Heute, als junge Erwachsene, geht es mir mehr darum, andere dabei zu unterstützen, sich selbst zu helfen.
Ich bin also durch drei Phasen gegangen, mit drei völlig unterschiedlichen Richtungen. Die Wendepunkte waren dabei immer ähnlich. Es waren keine großen Entscheidungen, sondern eher ein leises Gefühl, dass etwas nicht mehr stimmt. Genau da wird es schwierig, denn wir wachsen stets in einem Spannungsfeld zwischen eigenen Wünschen und den Ansprüchen von außen auf. Sich darin zu finden, erzeugt Druck. Und schnell passiert es, dass man sich daran orientiert und nicht mehr an sich selbst. Dass Entscheidungen sinnvoll wirken, aber sich nicht richtig anfühlen – so wie es bei mir der Fall war – ist dann die Konsequenz. Deswegen ist die Reflexion mit sich selbst auch so wichtig. Wer bin ich? Wer will ich sein? Wovor habe ich Angst?
So gelingt es, bei sich zu bleiben. Denn Außenstehende wissen nie so viel wie man selbst. Für Außenstehende wirkt vieles riskanter als für einen selbst. Deswegen ist es kein Maßstab, sondern nur eine Perspektive von vielen. Wenn sich etwas richtig anfühlt, reicht das oft als Ausgangspunkt. Und selbst wenn es nicht aufgeht, bleibt etwas: die Erfahrung.
Bei mir verlief es von der Moderatorin zur Kanzlerin zur Begleiterin. Drei Richtungen ohne einen roten Faden. Aber jede davon hat etwas hinterlassen. Und genau deshalb kommt es oft anders, als man denkt. Vielleicht sogar viel besser.




