Groß geworden

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Akhil Ansary

Perfekt sein zu wollen ist anstrengend. Sophie erzählt, wie sie aufgehört hat, einem Ideal hinterherzurennen und angefangen hat, sich selbst zu vertrauen.

Als Kind und Jugendliche sind mir die Dinge immer riesig vorgekommen. Die Hausaufgaben für den nächsten Tag, Streit mit einer Schulfreundin, die ein bisschen unangenehme Situation im Sportverein.

Irgendwie war um mich herum alles ganz überwältigend und aufregend, manchmal beängstigend – ich dagegen war ganz klein.

Ich habe immer versucht, perfekt zu sein. Die perfekte Freundin, die perfekte Schwester, die perfekte Tochter. Manchmal wusste ich nicht so ganz, wer ich sein wollte, nur wer ich glaubte sein zu müssen.

Ich habe mich immer in die Zukunft geträumt. Hin zu dem, wie es einmal sein könnte. Die Orte, die ich sehen könnte, die Menschen, die ich treffen könnte. Das, was aus all meinen Wünschen und Hoffnungen entstehen könnte, hat mich angetrieben, weiterzumachen.

Ein bisschen habe ich dabei vielleicht auch vergessen zu leben – eine Sache, die mir neben Studium und Job definitiv noch schwerfällt. Aber ich bin großgeworden. Ich habe angefangen, eine Balance zwischen mir und der Welt mit ihren Erwartungen zu finden.

Manchmal ist es einfacher, manchmal ist es schwerer, und ich habe das Gefühl, dass so viele um mich herum schon viel weiter sind und gemeistert haben, was ich noch versuche für mich auszuloten.

Ich weiß aber mittlerweile, was ich wert bin – auch losgelöst von Anforderungen der Gesellschaft. Ich weiß nicht, wo mich das Leben hinführen wird, aber ich habe das Vertrauen, dass ich schon einen passenden Weg finden kann.

Meine Gefühle sind immer noch groß, vielleicht sogar manchmal größer als früher. Aber meine Träume und mein Selbstvertrauen sind es auch.

Ich bin Sophie (21), lebe in Leipzig und denke manchmal, dass ich relativ erfolglos darin bin, meinen Platz in dieser großen und verwirrenden Welt zu finden. Darum schreibe ich neben meinem Musik-und Wirtschaftsstudium und versuche so etwas Ordnung in meinem Kopf zu bekommen. Am meisten beschäftige ich mich mit mentaler Gesundheit, Feminismus und Politik. Ich freue mich, hier die Gelegenheit zu bekommen, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen.