Warten auf die Bahn, Fragen über Kinderkriegen und die Realität des Erwachsenwerdens: Wie viel Verantwortung kann und will ich wirklich übernehmen? Inmitten von Unsicherheiten und Zukunftsträumen reflektiert Phuong über Freiheit, Erwartungen und das Streben nach dem eigenen Weg.
Es ist schon spät und kalt. Meine befreundete Person und ich warten auf die Bahn. Ich teile, dass ich vor Kurzem die Entscheidung getroffen habe, keine Kinder zu wollen. Die Reaktion daraufhin hallt noch bis heute nach. Während ich darüber nachdenke, ob ich will, beschäftigt sie viel mehr die Frage, ob sie überhaupt kann. Sie realisiert nämlich, dass sie gar nicht fähig dazu wäre, so viel Verantwortung zu übernehmen.
Lange Zeit war das Kinderhaben für mich keine Frage des Ob, sondern des Wie und Wann. Wie viele Kinder möchte ich? Wo würden sie aufwachsen? Welche Sprachen würde ich ihnen beibringen? Mit welchen Menschen würde ich diesen Weg gehen? Ist eine polycule-artige Familie überhaupt möglich? Will ich das selber überhaupt? Wie viel vietnamesische Kultur könnte ich weitergeben, obwohl ich selbst nur begrenzt Zugang habe? Werden meine Eltern meine Kinder jemals kennenlernen und andersrum? Weil ich gerne mit Kindern bin, stellte ich mir ein erfülltes Leben mit drei Kindern vor. Mittlerweile erkenne ich, dass ich Elternschaft viel zu sehr romantisiert habe und die Realität um einiges herausfordernder ist. Während Kinder zu haben etwas Wundervolles ist und ich großen Respekt vor Eltern bzw. Elternschaft habe, hat es auch seinen Preis. Und ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Preis zahlen möchte oder kann, wenn ich meine Freiheit zu sehr mag. Ich erkenne auch, dass die Option, auf die Frage des Kinderwollens mit Nein zu antworten, viel damit zu tun hat, welche sozialen Erwartungen auf mir liegen. Je länger ich darüber nachdenke, desto mehr Zweifel habe ich, ob ich es verantworten kann, ein Kind in diese Welt, in der wir leben, zu setzen und zu erziehen.
Meine Mama hatte bereits in meinem Alter meine Schwester geboren und ich war auch kurz davor, auf die Welt zu kommen. Ich hingegen springe von einem Bewerbungsgespräch zum nächsten. Mein Leben ist in vieler Hinsicht instabil. Gerade deshalb bin ich froh, keine Kinder zu haben. Nach mehreren Jahren habe ich meinen Abschluss gemacht und habe ziemlich Angst vor dem Arbeitsleben. Der Gedanke, mich mein ganzes Leben selbst finanzieren und arbeiten zu müssen, fühlt sich schwer an. Manchmal denke ich, ein Masterstudium wäre der einfachere Weg gewesen, aber weiter zu studieren konnte ich mir gar nicht vorstellen. Das Leben nach dem Studium ist härter, als ich erwartet habe, besonders wenn man keinen geradlinigen Lebenslauf hat. Ich habe bislang verschiedene Dinge erlebt, berufliche Erfahrungen gesammelt und in verschiedenen Städten gewohnt, in WGs, Hausprojekten und habe alleine gelebt. Ich war schon immer viel unterwegs und verbringe tatsächlich die meiste Zeit im Zug. Mir ist es wichtig, in Bewegung zu bleiben, auch wenn es nur zwischen zwei Städten ist. Ich möchte mir sagen, dass ich noch jung bin und viel Zeit habe, Dinge herauszufinden. Die Vorstellung aber, eine feste Sache zu finden und mich mein Leben lang dafür zu investieren, scheint auch nicht zu passen. Ich bin unentschlossen darüber, was ich machen will, aber ich möchte mir die Möglichkeit geben, immer wieder Neues auszuprobieren.
Wenn ich in mein Umfeld blicke, sehe ich Menschen, die auch verschiedene Lebensabschnitte durchlaufen




