<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?><rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>LizzyNet &#8211; meinTestgelaende.de</title>
	<atom:link href="https://www.meintestgelaende.de/author/lizzynet/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>https://www.meintestgelaende.de</link>
	<description></description>
	<lastBuildDate>Tue, 07 Mar 2023 14:19:00 +0000</lastBuildDate>
	<language>de</language>
	<sy:updatePeriod>
	hourly	</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>
	1	</sy:updateFrequency>
	<generator>https://wordpress.org/?v=7.0</generator>

<image>
	<url>https://www.meintestgelaende.de/wp-content/uploads/2021/06/cropped-unnamed-32x32.jpg</url>
	<title>LizzyNet &#8211; meinTestgelaende.de</title>
	<link>https://www.meintestgelaende.de</link>
	<width>32</width>
	<height>32</height>
</image> 
	<item>
		<title>Femvertising</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2023/03/femvertising/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 08 Mar 2023 09:00:53 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=15369</guid>

					<description><![CDATA[Weltfrauentag. Ein wichtiges Datum für alle, denen Frauenrechte und Gleichstellung am Herzen liegen. Aber nicht nur: Viele Unternehmen – von der Fast-Food-Kette bis hin zum Autohersteller – bringen zum Weltfrauentag Werbespots raus, die feministisch sein sollen. Sind sie es wirklich? Ein Artikel von Alexi Am 8. März ist Weltfrauentag. Seit einigen Jahren werden wir an]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Weltfrauentag. Ein wichtiges Datum für alle, denen Frauenrechte und Gleichstellung am Herzen liegen. Aber nicht nur: Viele Unternehmen – von der Fast-Food-Kette bis hin zum Autohersteller – bringen zum Weltfrauentag Werbespots raus, die feministisch sein sollen. Sind sie es wirklich? Ein Artikel von Alexi</strong><span id="more-15369"></span></p>
<p>Am 8. März ist Weltfrauentag. Seit einigen Jahren werden wir an diesem Tag mit Femvertising überschüttet. Femver…. was? In dem Wort stecken “Feminismus” und “Advertising”. Gemeint ist ganz einfach die Strategie, ein bestimmtes Produkt mit Feminismus zu bewerben.</p>
<p>Bestimmt ist euch schon einmal Werbung begegnet, die euch vermitteln wollte: Dieses Produkt ist für coole Mädchen. Oder: Wenn du eine starke Frau bist, dann probier doch mal jenes Produkt. Oder: Wenn du dieses Produkt kaufst, dann kannst du als Mädchen oder Frau (noch) selbstbewusster sein. Femvertising ist eine von vielen Strategien, die zeigen, wie einfallsreich die Werbebranche ist, wenn es darum geht, uns etwas zu verkaufen.</p>
<p>Versteht mich nicht falsch: Ich finde Werbung nicht grundsätzlich schlecht. Es gibt exzellent gemachte Werbung und ein guter Werbespot ist wie ein kleines Kunstwerk. Nicht zuletzt steckt sehr viel Kreativität und Arbeit von Werbeschaffenden darin. Trotzdem lohnt es sich meiner Meinung nach, gerade bei Femvertising etwas kritischer hinzuschauen.</p>
<p>Moment mal, denkt ihr jetzt bestimmt. Femvertising ist doch besser, als Werbespots, in denen Frauen nur Hausfrau sind? Oder nur als sexy Dekoration vorkommen? Auf den ersten Blick schon. Femvertising bedeutet aber zunächst einmal nur, dass die Werbung sich unserer Lebenswelt anpasst – und das muss sie tun, um weiterhin unser Interesse zu wecken. Glücklicherweise sind Frauen heutzutage nicht mehr nur Hausfrauen und es gibt unter anderem auch viele Frauen, die erfolgreich sind, obwohl sie nicht klassischen Schönheitsidealen entsprechen.</p>
<p>Beides ist super, aber kein Verdienst der Werbung. Femvertising bildet diese Realität nur ab. Und was man über die vereinzelten positiven Beispiele von emanzipierten Frauen in der Öffentlichkeit leicht vergisst: Die Mehrheit der Frauen ist von Gleichstellung leider immer noch sehr weit entfernt. Um nur einen von vielen Punkten zu erwähnen: Frauen verdienen in fast allen Branchen deutlich weniger Geld als Männer. Der “Gender Pay Gap” zählt zu den unbequemen Themen, um die es im Feminismus geht – aber unbequeme Themen werden in den meisten Femvertising-Spots völlig ausgeblendet. Ganz einfach, weil sie schlechte Gefühle wecken. Und mit schlechten Gefühlen lässt sich weniger gut werben.</p>
<p>Stattdessen hat sich in der Werbung ein populäres Bild von Feminismus durchgesetzt: Eines, mit dem sich sehr gut werben lässt, weil es sich eignet, um Produkte attraktiv erscheinen zu lassen. Feminismus wird dabei häufig mit der persönlichen Freiheit von Frauen gleichgesetzt; mit grenzenlosen Möglichkeiten der Selbstverwirklichung – und zwar nicht zuletzt durch Konsum. Das beworbene Produkt soll ein unwiderstehliches Angebot sein, die persönliche Freiheit zu nutzen und noch zu steigern.</p>
<p>Typische Werbeversprechen im Femvertising lauten zum Beispiel: Wenn du als Mädchen zu Fast-Food-Kette XY gehst, dann bist du richtig cool und unkonventionell. Oder: Wenn du als Frau Auto XY fährst, dann zeigst du, wie emanzipiert du bist. Das sind Versprechen, die nüchtern betrachtet durchaus skeptisch machen – aber eingebettet in einen gut gemachten Werbespot total überzeugend wirken können.</p>
<p>Vielleicht denkt ihr jetzt, dass doch jeder und jede weiß, dass man Werbung nicht immer so ganz ernst nehmen sollte. Warum ist Femvertising also kritisch zu sehen? Das hat damit zu tun, dass Werbung allgegenwärtig ist und – ob wir wollen oder nicht – oft unsere Wahrnehmung und unser Denken beeinflusst.</p>
<p>Werbung konzentriert sich, wie schon angedeutet, auf die kulturelle Dimension des Frauseins: Oft geht es darum, welche Kleidung Frauen tragen, welchen Lifestyle sie pflegen und welche Hobbies sie haben. Ihr werdet mir zustimmen, dass das nicht mehr wirklich die Bereiche sind, in denen man als Frau in Deutschland noch besonders  eingeschränkt ist. Aber was war nochmal mit “Gender Pay Gap” &amp; Co? Eben diese unbequemen Themen, die vor allem politisch und von Frauen gemeinschaftlich angegangen werden müssen, geraten durch Femvertising aus dem Blick. Der Aspekt der Solidarität unter Frauen gerät in Vergessenheit – und damit ist Femvertising oft genau das Gegenteil davon, wofür der Weltfrauentag stehen sollte.</p>
<p>Wenn euch dieses Jahr am Weltfrauentag also wieder mitreißende Werbespots mit starken Frauenfiguren begegnen, dann denkt daran: Femvertising ist nicht Werbung <em>für</em> Feminismus, sondern <em>mit </em>Feminismus. Am Ende sollen die Zuschauer und vor allem die Zuschauerinnen einfach nur davon überzeugt werden, Produkt XY zu kaufen.</p>
<p>Empfehlungen zum Weiterlesen:</p>
<ul>
<li>Beate Hausbichler “Der verkaufte Feminismus” (Sachbuch)</li>
<li>Nancy Fraser “Neoliberalismus und Feminismus: Eine gefährliche Liaison” (Essay erschienen in “Blätter für deutsche und internationale Politik” (12/2013) )</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Secondhand ist ein eigener Stil</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2022/09/secondhand-ist-ein-eigener-stil/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 22 Sep 2022 13:22:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Mode]]></category>
		<category><![CDATA[Second Hand]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=15053</guid>

					<description><![CDATA[Wir freuen uns über einen neuen Artikel von LizzyNet auf meinTestgelände. Im Rahmen des Projekts &#8222;Klima &#38;Klamotten &#8211; Ein Crossmediaprojekt zum Thema Mode und Nachhaltigkeit&#8220;, hat die Redaktion dort ein Interview mit zwei jungen Männern geführt, die überzeugte Secondhandkäufer sind. Dabei geht es um Mode, Stil und Nachhaltigkeit. Secondhand riecht muffig und ist altbacken? Die zwei]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<h6><strong>Wir freuen uns über einen neuen Artikel von <a href="https://www.lizzynet.de">LizzyNet</a> auf meinTestgelände. Im Rahmen <span class="">des Projekts &#8222;<a href="https://www.lizzynet.de/wws/klima-und-klamotten.php">Klima &amp;Klamotten</a> &#8211; Ein Crossmediaprojekt zum Thema Mode und Nachhaltigkeit&#8220;, hat die Redaktion dort ein Interview mit zwei jungen Männern geführt, die überzeugte Secondhandkäufer sind. Dabei geht es um Mode, Stil und Nachhaltigkeit.</span></strong></h6>
<p><span id="more-15053"></span></p>
<div id="a61329188" class="m1">
<p class="behind_h3">Secondhand riecht muffig und ist altbacken? Die zwei überzeugten Secondhandkäufer Titus (24, studiert Biologie im Master) und Balduin (23, studiert Informatik im Bachelor) sehen das anders. Sie erzählen, wie sie zu Secondhandmode gekommen sind und was sie über nachhaltigen Modekonsum denken. Beide wohnen in einer Großstadt in Nordrhein-Westfalen. Vor unserem Treffen kannten sie sich nicht.</p>
<h5>Wieso interessiert ihr euch für Secondhandmode?</h5>
<p class="behind_h3"><b>Balduin:</b> Meine Mutter kauft viel Secondhand. Dazu kam dann bei mir das Interesse für gute und teurere Modehäuser. Deren Kleidung findet man gebraucht auf verschiedenen Plattformen zu erschwinglicheren Preisen. Dennoch kaufe ich gezielter und auch seltener als früher. Ich finde es auch sinnvoll, gebraucht zu kaufen, da einfach so viel schon produziert und da ist, was weiterverkauft wird.</p>
<p class="behind_h3"><b>Titus:</b> Ich will mich gut anziehen, ohne wahnsinnig viel über Kleidung und ihre Produktion nachdenken zu müssen. Ich fühle mich schlecht, neue Kleidung zu kaufen, die nicht fair und nachhaltig hergestellt wird. Es geht mir auf den Keks, dass ich bei Neukäufen jede Marke recherchieren müsste, um zu schauen, ob sie meinen Ansprüchen genügt. Wenn ich Sachen neu kaufe, beschränke ich mich daher auf wenige Label, denen ich einen Vertrauensvorschuss gewähre. Wenn ich die Sachen Secondhand kaufe, dann habe ich da einen geringeren Anspruch. Die Sachen wurden ja schon produziert und verkauft, da ist es mir weniger wichtig, dass sie komplett fair oder nachhaltig produziert wurden. Ich richte mich dann einfach nach dem, was mir gefällt und spare dabei auch noch. Das ist für mich entspannter.</p>
<p><b>Balduin:</b> Ich finde es komplett akzeptabel, dass man bei Secondhand weniger auf die Produktionsbedingungen achtet.</p>
<p><b>Titus:</b> Wenn ich bei Einzelpersonen, etwa über Vinted, kaufe, bin ich da manchmal unsicher. Die Leute, die viel über solche Plattformen verkaufen, kaufen bestimmt auch ähnlichen Kram wieder nach. Da habe ich schon ein paar Mal drüber nachgedacht, ob Secondhand an dieser Stelle so eine gute Lösung ist, und mich da von der Verantwortung entbindet. Daher bevorzuge ich Geschäfte, beispielsweise die Secondhandkette „Think Twice“.</p>
<p><b>Balduin:</b> Ist das der Laden, bei dem die Sachen immer günstiger werden? Da sehe ich auch Schattenseiten, zum Beispiel, dass Firmen extra für solche Läden produzieren.</p>
<p><b>Titus:</b> Davon habe ich noch nichts gehört. Ich finde es eigentlich gut, dass sich ja immer mehr Menschen für Secondhand interessieren und dadurch neue Läden und Konzepte entstehen.</p>
<p><b>Balduin:</b> Was ich mich dann frage, ist, ob das noch wirtschaftlich ist. Der Laden will ja auch Geld damit verdienen. Die Sachen, die sie verkaufen sind so günstig, ich finde es krass, dass der Laden sich überhaupt wirtschaftlich hält.</p>
<p><b>Titus:</b> Klar, am Ende des Monats sind die Sachen zwar günstiger, aber die Auswahl der Kleidung ist dann auch stark reduziert und die meisten angebotenen Teile sind auch nicht mehr so toll. Ich tippe darauf, dass der Laden einen Großteil des Gewinns eher Anfang des Monats macht, wenn die Preise auch noch deutlich höher sind, also etwa 30 Euro für eine gebrauchte Jeans. Ich finde es aber eigentlich gar nicht schlecht, wenn die Sachen ein bisschen teurer sind, weil ich mir so genauer überlege, was ich mitnehme.</p>
</div>
<div id="a61329444" class="m1">
<h5>Gab es bei euch ein auslösendes Ereignis, das euch dazu bewegt hat, Secondhandkleidung zu kaufen?</h5>
<p class="behind_h3"><b>Titus:</b> Ich habe ein Auslandsjahr in Neuseeland verbracht und danach mal den CO2-Rechner bedient. Da wurde mir klar, dass ich mit meinen Flügen allein schon mein Lebensbudget an CO2-Ausstoß aufgebraucht hatte. Ich überlegte mir dann verschiedene Optionen, wie zum Beispiel, vegan zu leben, um meinen CO2-Ausstoß zu senken oder auch am Klamottenkonsum zu sparen. Als ich dann mal mit einem Kumpel in einem Secondhandshop war und auf Anhieb eine Hose gefunden habe, die mir gut gepasst hat und die ich schön fand, bin auf Secondhand gekommen. Ich bin relativ groß und habe längere Beine, da ist es gar nicht immer so einfach, gutsitzende Hosen zu finden. Vielleicht bin ich da bei gebrauchter Kleidung auch ein bisschen weniger wählerisch, wie die Hose sitzt &#8211; die Auswahl ist ja viel kleiner. Eine Secondhandhose zu kaufen war für mich so stressfrei, dass ich mir überlegt habe, das weiterhin zu machen.</p>
<p><b>Balduin:</b> Die Auswahl in Secondhandläden ist zwar kleiner, aber gleichzeitig ist der Stil auch sehr besonders. Die Teile sind neu nicht so einfach zu finden, auch wenn einige Label das natürlich versuchen.</p>
<p><b>Titus:</b> Neuware, die auf vintage oder retro macht, ist auch irgendwie weird.</p>
</div>
<div id="a61329700" class="m1">
<h5>Tragt ihr denn gerade ein Secondhandkleidungsstück?</h5>
<p class="behind_h3"><b>Titus:</b> Ja, mein Hemd.</p>
<p><b>Balduin:</b> Nee. Obwohl, doch, ich auch.</p>
</div>
<div id="a61328420" class="m1">
<h5>Was ist euch beim Kauf von Kleidung besonders wichtig?</h5>
<p class="behind_h3"><b>Balduin:</b> Die Zusammensetzung des Stoffes! Die unterscheidet sich natürlich je nach Kleidungsstück, aber ich will eigentlich keine Plastikfasern in meiner Kleidung haben. Natürliche Fasern wie Baumwolle sind einfach angenehmer auf der Haut. Und ich neige eher nicht zu Spontankäufen. Wenn ich einen Windbreaker oder eine bestimmte Hose haben will, recherchiere ich erstmal und entscheide mich dann für ein Modell.</p>
<p><b>Titus:</b> Das ist glaube ich eine gute Herangehensweise. Ich habe das Gefühl, dass man vor allem bei Kleidung dazu tendiert, Massen anzusammeln. Ich würde nicht sagen, dass ich besonders viele Klamotten kaufe, aber bei meinem letzten Umzug habe ich festgestellt, wie viele Anziehsachen ich insgesamt besitze. Auch Teile, die ich ewig nicht getragen habe. Die Sachen musste ich loswerden, weil ich das nicht direkt wieder im neuen Keller zwischenlagern wollte. Darum bin ich vorsichtiger geworden und überlege mir einen Kauf lieber zweimal.<br />
Vor allem bei Secondhandsachen ist oft der Anreiz groß, weil es so viele günstige Angebote gibt. Dann nimmt man doch schnell das Hemd für drei Euro mit, auch wenn es einem nicht 100% gefällt – und dann hängt es eben bei einem zu Hause ungenutzt im Schrank. Das würde man, glaube ich, eher nicht machen, wenn die Sachen teurer wären. Am wichtigsten ist mir, wie das Material sich anfühlt und wie die Kleidung sitzt. Wenn eine Jeans so richtig gut passt, das ist einfach das beste Gefühl, das Kleidung einem geben kann.</p>
</div>
<div id="a61328932" class="m1">
<h5>Was assoziiert ihr mit dem Begriff nachhaltige Kleidung?</h5>
<p class="behind_h3"><b>Balduin:</b> Die Frage finde ich schwierig und ich habe da auch keine einfache Antwort. Aber für mich gehören auf jeden Fall Fast Fashion Riesen wie Primark <b>NICHT</b> dazu.</p>
<p><b>Titus:</b> Ein wichtiger Aspekt für mich ist die Langlebigkeit von Kleidung. Ich muss sagen, ich bin echt von zwei H&amp;M Jogginghosen beeindruckt, die ich gekauft habe, als ich 13 oder 14 Jahre alt war. Die trage ich immer noch, und die gehen einfach nicht kaputt. Die sind wahrscheinlich weder fair noch ökologisch hergestellt, aber die Langlebigkeit überzeugt mich.</p>
<p><b>Balduin:</b> Ich denke, dass das sogar der wichtigste Punkt ist. Je schlechter die Bedingungen sind, unter denen das Kleidungsstück hergestellt wurde, desto länger müssten die Sachen dann zum „Ausgleich“ eigentlich halten. Aber das ist ja meistens nicht der Fall.</p>
<p><b>Titus:</b> Stimmt. Außerdem fallen mir so Schlagworte wie Fairtrade oder recycelte Materialien ein, mit denen inzwischen ja auch viele Kleidungsstücke beworben werden. Aber bei supergünstigen Kleidungstücken aus recycelten Fasern habe ich oft den Eindruck, dass sie einfach nicht so lange halten. Alle Aspekte zusammen wären ideal: Langlebige, ökologisch und fair produzierte Kleidung aus recycelten Materialien.</p>
</div>
<div id="a61328676" class="m1">
<h5>Was macht ihr mit abgelegter Kleidung?</h5>
<p class="behind_h3"><b>Balduin:</b> Bei mir um die Ecke steht ein Altkleidercontainer, da bringe ich ab und zu Sachen hin. Ansonsten verkaufe ich Kleidung online. Aber da muss man ganz schön hinterher sein, das wird schnell anstrengend. Das drei Euro Hemd aus dem Secondhandladen verkauft sich eben doch nicht so schnell weiter. Ansonsten gebe ich auch Sachen an Freunde und Familienmitglieder weiter.</p>
<p><b>Titus:</b> Ja, Sachen weiterzuverkaufen kostet echt viel Zeit und Nerven. Als ich ausgemistet habe, konnte ich einen Teil an meine Mutter weitergeben, einige komplett kaputte Sachen habe ich weggeworfen und der Rest ist dann auch im Altkleidercontainer gelandet.</p>
</div>
<div id="a61327140" class="m1">
<h5>Was bedeutet Mode für euch allgemein und was interessiert euch daran besonders?</h5>
<p class="behind_h3"><b>Titus:</b> Mode ist eine Art, mich auszudrücken und die Möglichkeit, mich wohlzufühlen. Entscheidend ist für mich das Aussehen und die Funktionalität der Kleidung.</p>
<p><b>Balduin:</b> Da würde ich mich anschließen. Vor allem in den letzten drei Jahren ist das Thema Mode für mich wichtiger geworden. Auslöser war das Thema Street Wear, das auch in meinem Umfeld wichtig war. Ich habe dann aber auch schnell angefangen, mich für große Modehäuser und Fashion Weeks zu interessieren. Das macht mir Spaß, auch wenn ich mir die Sachen nicht unbedingt leisten kann.</p>
</div>
<div id="a61330212" class="m1">
<h5>Kauft ihr regelmäßig Klamotten ein? Und wo? Der Durchschnitt in Deutschland liegt bei 60 Kleidungsstücken im Jahr, kommt ihr da dran?</h5>
<p class="behind_h3"><b>Balduin:</b> Ich kaufe mir vielleicht ein Kleidungsstück pro Monat und halte meinen Kleiderschrank eher minimalistisch. Das, was ich wirklich trage, passt ganz locker auf eine 1,20 Meter Kleiderstange. Ich habe eine langfristige Vision, wie mein Kleiderschrank in 10, 15, 20 Jahren aussehen soll. Dafür versuche ich, nach und nach verschiedene Stile in meinen Kleiderschrank zu integrieren, die mir gefallen und überlege gezielt, welche Kleidungsstücke ich besitzen möchte. Die lege ich mir dann auch nur in einer Variante zu, statt fünf. Wenn man 60 Kleidungsstücke im Jahr kauft, die ja hoffentlich länger als ein Jahr halten, dann hat man ja bald vermutlich alles fünffach im Kleiderschrank und das verstehe ich nicht. Es gibt zwei Plattformen, die ich regelmäßig checke: Vinted und Vestiaire Collective. Auf zweiterer werden europaweit Designersachen verkauft. Da kaufe ich aber nicht regelmäßig.</p>
<p><b>Titus:</b> Ich trage bestimmte Kleidungsstücke sehr häufig und die besitze ich teilweise auch mehrfach. Etwa ein schlichtes weißes T-Shirt, das angeblich fair und ökologisch produziert wurde und gut passt. Da haben mich die Kriterien überzeugt, das habe ich mir fünfmal geholt. Ansonsten kaufe ich generell sehr selten Klamotten. Wenn ich etwas kaufe, dann am ehesten in Secondhandläden. Und wenn ich ein bestimmtes, funktionelles Kleidungsstück haben möchte, schaue ich gerne bei Patagonia.</p>
</div>
<div id="a61329956" class="m1">
<h5>Spielen Klima und Nachhaltigkeit eine große Rolle, wenn ihr Klamotten kauft?</h5>
<p class="behind_h3"><b>Balduin:</b> Die Themen sind mir beim Kauf nicht unwichtig. Ich bin zum Beispiel froh, wenn die Sachen aus Biobaumwolle bestehen. Aber wenn ich weiß, dass ich ein qualitativ hochwertiges Kleidungsstück sehr lange tragen kann, ohne dass es kaputt geht, dann ist das für mich auch nachhaltig. Das macht klimaschädliche Produktionsbedingungen zwar nicht wett, aber sie fallen für mich weniger ins Gewicht. Aber wie immer gibt es auch Ausnahmen: Ich würde zum Beispiel auch gebraucht keinen Echtpelz kaufen, selbst wenn der vermutlich 25 Jahre halten würde. Das ist für mich einfach eine persönliche Grenze. Ich finde es auch nicht immer einfach, zu erkennen, welche Marken jetzt nachhaltig produzieren und welche nicht und muss mich da als Verbraucher natürlich auf Berichterstattung und möglichst transparente Einblicke der Marken verlassen.</p>
<p><b>Titus:</b> Für mich ist es auch wichtig, dass die Sachen lange halten. Einerseits, weil ich dann nicht ständig Klamotten kaufen muss und mir den Stress spare und auch weil ich mich unwohl damit fühle, dass die Produktion so schwer einsehbar ist. Ich habe keine Lust, ständig misstrauisch zu sein und die verschiedenen Marken zu checken. Wenn ich mir jetzt etwas kaufe, was gut aussieht und bei dem ich mir sicher sein will, dass es nachhaltig und fair produziert wird und die Sachen so qualitativ hochwertig sind, dass sie lange halten, kosten die natürlich auch echt viel. Das können sich viele Menschen einfach nicht leisten. Ich versuche aber, bei neuen Kleidungsstücken möglichst darauf zu achten.</p>
</div>
<div id="a61327652" class="m1">
<h5>Euer liebstes und/oder euer ältestes Kleidungsstück?</h5>
<p class="behind_h3"><b>Balduin:</b> Mein liebstes Kleidungsstück ist eine große, weite Jeans. Die ist sehr gemütlich und ich fühle mich darin total wohl. Und die kommt nicht von einer krassen Marke.</p>
<p><b>Titus:</b> Meine liebsten Kleidungsstücke sind eine Jeans und ein T-Shirt mit Aufdruck auf dem Rücken, den ich schön finde. Bei beiden Sachen ist für mich auch das wichtigste, dass sie gut passen und ich mich darin wohl fühle.</p>
<p><b>Balduin:</b> Ich habe noch einige T-Shirts aus meiner Kindheit. Die trage ich aber nicht mehr, sondern bewahre sie als Erinnerungsstücke auf. Ansonsten ist meine Kleidung nicht so richtig alt.</p>
<p><b>Titus:</b> Ich habe ein paar alte Jeans, die ich gebraucht gekauft habe. Und abgelegte Jeans und T-Shirts von meinem Vater, die sind teilweise auch älter.</p>
</div>
<div id="a61330724" class="m1">
<h5>Tauscht ihr Kleidung mit Freund_innen? Und wäre ein Leih-Konzept, etwa ein Laden, bei dem man Kleidung für einen Monat leihen kann, für euch interessant?</h5>
<p class="behind_h3"><b>Balduin:</b> Ich habe schon einen anderen Kleidungsstil als die meisten meiner Freunde, da funktioniert tauschen nicht so recht. Ab und zu kaufe ich einem Kollegen Kleidung ab und ich melde mich auch bei ihm, wenn ich Kleidung verkaufe. Generell kaufe ich mir lieber nach und nach den Kleiderschrank zusammen, den ich haben möchte. Und ich möchte die Sachen auch gerne länger als nur für einen Monat tragen. Ich kann mir aber vorstellen, dass das praktisch ist, um sich durch verschiedene Teile durchzuprobieren und so den eigenen Stil zu finden.</p>
<p><b>Titus:</b> Ich habe nicht viele Freunde, die dieselbe Größe tragen wie ich. Und mir ist es wichtiger, mich an die Sachen gewöhnt zu haben, die ich trage, als ständig neue Sachen zu haben oder neue Stilrichtungen auszuprobieren. Daher sehe ich für mich keinen großen Sinn dahinter, ständig Kleidung zu tauschen.</p>
</div>
<div id="a61331236" class="m1">
<h5>Seid ihr bereit, für gebrauchte Kleidung genauso viel Geld auszugeben, wie für neue Kleidung?</h5>
<p class="behind_h3"><b>Balduin:</b> Ja, für gebrauchte Teile bestimmter Marken würde ich mehr bezahlen als für ein neues Teil von einem Fast Fashion Riesen. Aber ich bin nicht bereit, für ein gebrauchtes Teil mehr zu zahlen als den Neupreis.<br />
Cost per Wear finde ich auch wichtig. Wenn ich mir für 200 Euro eine Jacke kaufe, die ich drei Jahre lang jeden zweiten Tag trage, dann ist der Preis pro Tragen geringer, als wenn ich mir eine Jacke für 50 Euro kaufe, die ich aber nur fünf Mal anziehe.</p>
<p><b>Titus:</b> Es ist eigentlich cool, das auszurechnen. Ich habe auch schon überlegt, dass man auch mal ausrechnen könnte, wie viel man so „trägt“, also vom ganzen Outfit her. Das ist dann bestimmt ganz schnell gar nicht mehr so viel, vor allem, wenn man Dinge immer wieder anzieht.</p>
</div>
<div id="a61331492" class="m1">
<h5>Habt ihr zum Abschluss noch eine Idee, wie man das Thema Klima und Kleidung oder Secondhandkleidung an verschiedene Zielgruppen herantragen könnte?</h5>
<p class="behind_h3"><b>Balduin:</b> Secondhandkleidung ist glaube ich schon ein krasses Bubble-Ding. Ich glaube, es ist schwierig, alle Menschen davon zu überzeugen, weil sich nicht alle im Vintage Stil wohlfühlen. Außerdem sind schätzungsweise 80% der Kleidung, die neu verkauft wird, eigentlich nicht zum Weiterverkauf geeignet. Die Sachen halten nicht lange. Sie leiern aus, gehen kaputt und sind dadurch schnell weniger wert. Kleidungsstücke müssen daher schon eher hochqualitativ sein, damit sie dann noch gut in Schuss sind, wenn sie weiterverkauft werden.</p>
<p><b>Titus:</b> Ich denke auch, dass der Stil, den man Secondhand kaufen kann, nicht unbedingt allen gefällt. Aber ich glaube, dass man über Flohmärkte und Plattformen, über die gebrauchte Kleidung verkauft wird, noch mehr Aufmerksamkeit schaffen kann. Generell finde ich es schwierig, dass die Kleidungsindustrie so unreguliert ist. Und dass die Verantwortung da so stark aufs Individuum abgewälzt wird.</p>
<p><b>Balduin:</b> Ich glaube auch nicht, dass Secondhandkleidung das Umweltproblem der Kleidungsindustrie lösen wird oder kann. Gegen Fast-Fashion Riesen, die ständig neue Teile produzieren und supergünstig vertreiben, kommt Secondhand einfach nicht an. Das müsste meiner Meinung nach staatlich reguliert werden. Man bräuchte ein umfassendes Siegel, auf das Verlass ist, so dass die Kunden nicht selbst zu Polizisten werden, und alles selbst durchleuchten müssen.</p>
<p><b>Titus:</b> Die Kleidungsbranche ist an vielen Stellen sehr intransparent, sodass selbst die Leute, die die Initiative ergreifen und sich informieren, teils Produkte kaufen, die einfach eine Greenwashing-Falle sind. Was mich am meisten freuen würde, wäre daher auch eine stärkere Regulierung und damit eine Entlastung der Verbraucher_innen. Wenn Menschen wenig verdienen, kann und will ich nicht von ihnen erwarten, dass sie sich permanent ökologische und nachhaltige Produkte kaufen.</p>
<p><b>Vielen Dank für das Gespräch!</b></p>
<p>Interview: Karla Groth</p>
</div>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Sunny: Ein Tag in unserer Gesellschaft</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/05/sunny-ein-tag-in-unserer-gesellschaft/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 18 May 2021 07:00:58 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=12941</guid>

					<description><![CDATA[Wir durften euch ja schon einige Texte aus dem LizzyNet-Schreibwettbewerb &#8222;Das ist mir was wert!&#8220; (gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen) präsentieren, und heute ist Zeit für einen weiteren Text. Diesmal ist es ein Gedicht, geschrieben von Sunny. Es trägt den Titel &#8222;Ein Tag in unserer Gesellschaft&#8220; und setzt sich]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><b>Wir durften euch ja schon einige Texte aus dem <a href="https://bit.ly/3axATg8" target="_blank" rel="noopener">LizzyNet-Schreibwettbewerb &#8222;Das ist mir was wert!&#8220;</a> (gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen) präsentieren, und heute ist Zeit für einen weiteren Text. Diesmal ist es ein Gedicht, geschrieben von Sunny. Es trägt den Titel &#8222;Ein Tag in unserer Gesellschaft&#8220; und setzt sich mit Mode, Körpern, Schönheit, Normen, Sexismen, Vorurteilen und Schubladendenken auseinander. Viel Spaß beim Lesen!</b><span id="more-12941"></span></p>
<p>Wie üblich stehe ich in der Pause<br />
Mit der anderen Aufsicht draußen.<br />
Still beobachte ich und laufe.<br />
Und während ich so über den Hof schlendere muss ich grinsen,<br />
denn mein Blick fällt auf die kleine Emma ganz hinten.<br />
Über den gelben Schuhen trägt sie eine rosa Hose zu ihrem orangenen Oberteil,<br />
das ist schon ein wirklich schräger Style.<br />
Lächelnd denke ich, wie schön es ist,<br />
dass Mode bei den Kindern nicht<br />
bestimmt wer dazugehört<br />
denn an Kleidung hat sich hier noch nie jemand gestört.<br />
Aber warum denken wir Jugendlichen und Erwachsenen<br />
Die Persönlichkeit hinge ab von irgendeinem Modetrend?<br />
Wieso tragen wir nicht alle was wir wollen,<br />
statt zu denken was wir anziehen sollen?<br />
Warum assoziiert man einen anderen Kleidungsstil<br />
als komisch oder denkt sofort nach, dass diese Mode einem nicht gefiel.<br />
Ist es nicht langweilig, dass wir alle dasselbe tragen,<br />
ist es nicht viel beeindruckender mal was anderes zu wagen?<br />
Zwar ist unsere Gesellschaft toleranter als vor Jahren,<br />
aber warum Klamotten immer noch die Macht haben<br />
Mobbing auszulösen, sollten wir durchaus hinterfragen.</p>
<p>Als ich nach der Arbeit zuhause dann vorm Spiegel steh,<br />
bin ich etwas frustriert, denn mir gefällt nicht, was ich seh.<br />
Aber warum finde ich meine Oberschenkel zu dick?<br />
Ich mache doch Sport und bin körperlich fit.<br />
Warum mag ich mein Aussehen nicht?<br />
Das ist keineswegs eine angeborene Sicht.<br />
Man hat es uns beigebracht,<br />
die Gesellschaft hat diese Selbstkritik entfacht.<br />
Und wird Kritik zu Selbsthass,<br />
sagen die Medien wieder das sei krass.<br />
Wie könne es nur dazu kommen,<br />
jemand hat den Menschen das Vertrauen in die eigene Schönheit genommen.<br />
Dass dieser jemand unsere Gesellschaft ist,<br />
erwähnen sie dabei natürlich nicht.</p>
<p>Ich habe die Gedanken satt,<br />
schüttle sie einfach von mir ab,<br />
denn ich mache mich jetzt fertig,</p>
<p>aber nicht mehr mit Gedanken,<br />
denn ich werde jetzt beim Feiern Komplimente tanken.<br />
Und noch während ich mich schminke frage ich mich<br />
Machst du das eigentlich für andere oder nur für dich?<br />
Ich weiß es nicht, aber ich gehe jetzt feiern.<br />
Dort, wie immer dieselbe Leier.<br />
Jeder labert und grabscht dich an,<br />
und du wehrst dich nicht, bei keinem Mann.<br />
Du willst keine Szene machen,<br />
es gehört eben dazu, dass sie dich ungefragt anfassen.<br />
Aber ist das nicht auch irgendwie falsch?<br />
Man fällt nicht einfach jedem um den Hals.<br />
Trotzdem ist es mir egal,<br />
ich hätte ja die Wahl,<br />
etwas dagegen zu unternehmen,<br />
doch ich will Spaß haben, statt mich aufzulehnen.<br />
Möchte an diesem Abend keine Diskrimination oder Sexismus sehen.<br />
Denn merkt euch, das Motto vom Tanzinsel Festival reicht:<br />
Tanzend sind wir alle gleich!<br />
Ich begleite meine weißen Freunde zur Raucherpause.<br />
Da stehen wir fünf weißen alle draußen.<br />
Als meine Freunde wieder rein gehen,<br />
bleibe ich jedoch stehen.<br />
Ich hab einen jungen Mann kennengelernt,<br />
und er sieht nicht aus wie der typisch deutsche Thomas oder Bernd.<br />
Und es dauert keine ein paar Minuten, nicht mal zehn,<br />
Da haben uns die Türsteher gesehen.<br />
Sofort fragen sie ob alles in Ordnung ist bei mir,<br />
ich dachte sie sehen nur, dass ich frier,<br />
doch es liegt an dem Syrer neben mir.<br />
Sofort denken sie man könne ihm nicht vertrauen,<br />
er bedroht hier bestimmt alle Frauen.</p>
<p>Dem ist nicht so.<br />
Ich mag ihn und bin froh,<br />
als er mich nach meiner Nummer und einem Date fragt,<br />
und ich ganz verliebt ja sag.</p>
<p>Als ich meinen Freundinnen erzähle,<br />
dass wir für das Date einen Dönerladen wählen,<br />
beschweren sie sich<br />
„wie unromantisch“<br />
ob er sich nicht<br />
mehr Mühe geben will,<br />
doch nach meiner Antwort sind sie still.<br />
Ich fand es schön, unser Candlelight-Döner,<br />
ja ich fand es sogar schöner,<br />
als jeden Spießer-Laden,<br />
doch eins muss ich trotzdem sagen:<br />
Die Bedienung dort war nicht mein Geschmack,<br />
weil sie meinen Begleiter einfach kritisiert hat,<br />
warum er der Dame nicht das Essen ausgibt,<br />
worauf hin ich sagte „Emanzipation siegt“ .<br />
Ich lud ihn ein,<br />
zahlte den Döner und brachte ihn heim.<br />
Wieso bedeutet das angeblich keine Frau zu sein?<br />
Diese Gender Klischees regen sowieso nur auf,<br />
doch das Gespräch auf der Feier setzte da nochmal ein Krönchen drauf.<br />
Hatten wir doch einen Transgender Typen getroffen<br />
Und das erzählte er ganz offen.<br />
Geboren als Frau sei er jetzt ein Mann,<br />
und dass er auf Typen steht wisse er auch schon lang.<br />
Und dann mischt sich diese Dumme ein,<br />
und meinte „hättest du mal Frau geblieben sein!“<br />
Warum soll Liebe nur zwischen Mann und Frau existieren?<br />
Kann sich nicht auch das gleiche Geschlecht in gegenseitiger Liebe verlieren?<br />
Aber ich vergaß, Frauen dürfen ja auch kein Fußball spielen,<br />
Männer dürfen sich nicht das Gesicht peelen,<br />
Mädchen spielen nicht mit Autos,<br />
und spielt ein Junge mit Puppen lachen andere laut los.</p>
<p>Und als ich all das abends im Bett vor mich hin denke,<br />
merke auch ich in meinem Kopf diese Schubladen und Schränke.</p>
<p>Ich wünsche mir also, dass vor allem ich aber auch alle anderen<br />
Nur noch positive und nicht diskriminierende Gedanken<br />
Denken<br />
Und uns gegenseitig mehr Liebe schenken<br />
Um die Gesellschaft in richtige Bahnen zu lenken.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Weitere Texte aus dem Schreibwettbewerb <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/lizzynet/" target="_blank" rel="noopener"><strong>findet ihr hier</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Rika Dost: ATLAS TÖCHTER</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/03/rika-dost-atlas-toechter/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Mar 2021 07:00:21 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=12822</guid>

					<description><![CDATA[Heute freuen wir uns, euch einen weiteren Beitrag aus dem LizzyNet-Schreibwettbewerb „Das ist mir was wert!“ zum Thema Werte, Grundrechte und Demokratie präsentieren zu dürfen 🙌 Der Wettbewerb wird gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. Der heutige Text ist ein feministisches Gedicht von Rika Dost. „Ich bin eine Frau und ich]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute freuen wir uns, euch einen weiteren Beitrag aus dem LizzyNet-Schreibwettbewerb „<a href="https://www.lizzynet.de/wws/dasistmirwaswert-wettbewerb.php?sid=41092982455971637358762546255030" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das ist mir was wert</a>!“ zum Thema Werte, Grundrechte und Demokratie präsentieren zu dürfen </strong>🙌 <strong>Der Wettbewerb wird gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. Der heutige Text ist ein feministisches Gedicht von Rika Dost.</strong></p>
<p><span id="more-12822"></span></p>
<p>„Ich bin eine Frau<br />
und ich will viele Dinge.<br />
Die Welt, zum Beispiel.“</p>
<p>Tut mir leid.<br />
Klingt das töricht?<br />
Oder naiv?<br />
Vielleicht sollte ich sagen:<br />
„Bitte, gnädiger Herr,<br />
dürfte ich wenn möglich darum bitten?<br />
Wenn Ihr es erlaubt.“</p>
<p>So werden wir erzogen,<br />
so werden wir geboren.<br />
Auf die männliche Meinung wird geschworen<br />
und Ungerechtigkeit wird zur Regel verbogen.</p>
<p>Wir sollen uns klein machen,<br />
am besten schweigen,<br />
nicht schwierig sein<br />
und uns vor den Krümeln verneigen,<br />
die man uns hinwirft<br />
als wären wir Vieh.</p>
<p>„Ich bin eine Frau<br />
und ich bin wütend.“</p>
<p>Soll ich euch sagen,<br />
was ich will?<br />
Nein?<br />
Ich sag es euch trotzdem.<br />
Nein heißt doch ja.<br />
Das habt Ihr oft genug bewiesen.</p>
<p>Ich will<br />
Autonomie über mich selbst.<br />
Mein Körper, meine Regeln.<br />
Egal ob<br />
im kurzen Schwarzen<br />
oder im Anzug mit Hut,<br />
in Tarnfarben<br />
oder so wie Gott mich schuf.<br />
Ich bin ich<br />
und ich verdiene Respekt.</p>
<p>Ich will<br />
nachts spazieren gehen<br />
ohne mich zu fürchten,<br />
denn ich liebe die Dunkelheit<br />
und verehre die Nacht,<br />
doch verabscheue zutiefst,<br />
was Ihr aus ihr macht.</p>
<p>Ich will<br />
ernst genommen werden<br />
in jeder Lage<br />
egal<br />
wie viel ich getrunken habe<br />
oder wie viel Makeup ich trage.<br />
Egal<br />
wie ich mein Leben gestalte<br />
oder wessen Hand ich halte.<br />
Ich bin ich<br />
und ich verdiene Respekt.</p>
<p>Nochmal zum Mitschreiben:<br />
Ich bin ich<br />
und<br />
Ich. Verdiene. Respekt.</p>
<p>Ich will<br />
keine Regeln darüber lesen,<br />
wie man nicht missbraucht wird:<br />
Gehe nicht allein bei Nacht.<br />
Trage deine Haare kurz.<br />
Trinke nicht.<br />
Tanze nicht.<br />
Lebe nicht.<br />
Wisst ihr, was wir damit sagen?<br />
Vergewaltige die Andere.</p>
<p>Ich will,<br />
dass wir Männern<br />
beibringen<br />
nicht zu vergewaltigen,<br />
Grenzen zu respektieren.<br />
Ich will auch,<br />
dass wir ihnen erlauben<br />
zärtlich zu sein und grenzenlos zu lieben,<br />
denn wir erziehen sie schon zu lange<br />
zu unmenschlichen Menschen.</p>
<p>Ich will<br />
nichts weiter als ein faires Spiel,<br />
denn ihr gewinnt schon zu lange mit gezinkten Karten.<br />
„All in“, sage ich,<br />
„ich will sehen.“<br />
Kann dann vielleicht sogar verstehen,<br />
warum ich die einzige Frau<br />
in diesem Spiel hier bin.</p>
<p>Und wenn ich gewonnen habe,<br />
dann steige ich auf den Tisch,<br />
pflücke mir einen Blumenstrauß aus Krawatten<br />
und sage, was endlich gesagt werden muss:</p>
<p>„Habt ihr es noch nicht gehört?<br />
Trennung ist eine Illusion<br />
Ich bin kein ich,<br />
und du kein du,<br />
wir sind ein wir,<br />
nichts weiter als ein<br />
amorphes milliardenköpfiges Tier,<br />
das älter wird<br />
und doch niemals reift,<br />
jeden Tag stirbt, geboren wird<br />
und doch niemals begreift.</p>
<p>Ihr habt schon vor langem<br />
unsere Namen vergessen,<br />
vergessen wer wir sind,<br />
vergessen, dass es unser Blut ist,<br />
das unter euren Füßen zu dem roten Teppich gerinnt.</p>
<p>Lasst mich euch erinnern.</p>
<p>Nennt uns Atlas Töchter,<br />
denn auf unseren Schultern rumort der Himmel<br />
und unter unseren Füßen<br />
bebt die Erde.<br />
In unserem Inneren geschieht das Sein,<br />
das Leben<br />
und das Werden.</p>
<p>Ich bin eine Frau<br />
und ich will viele Dinge.<br />
Für den Anfang<br />
genügt mir die Welt.“</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Weitere Texte aus dem Wettbewerb findet ihr <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/lizzynet/" target="_blank" rel="noopener"><strong>bei LizzyNet</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>mytruestorys2000: Sicherheit</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2021/02/mytruestorys2000-sicherheit/</link>
					<comments>https://www.meintestgelaende.de/2021/02/mytruestorys2000-sicherheit/#comments</comments>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 23 Feb 2021 07:00:18 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=12769</guid>

					<description><![CDATA[Heute dürfen wir euch wieder einmal einen Beitrag aus dem LizzyNet-Kreativ- und Schreibwettbewerb für Mädchen und junge Frauen „Das ist mir was wert!“ präsentieren. Der Wettbewerb wurde gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. In diesem Text beschreibt die junge Autorin eindrucksvoll, welchen Einfluss Rassismus und Hass auf ihr Leben und]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute dürfen wir euch wieder einmal einen Beitrag aus dem LizzyNet-Kreativ- und Schreibwettbewerb für Mädchen und junge Frauen „<a href="https://www.lizzynet.de/wws/dasistmirwaswert-wettbewerb.php?sid=41092982455971637358762546255030" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das ist mir was wert</a>!“ präsentieren. </strong><strong>Der Wettbewerb wurde gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. In diesem Text beschreibt die junge Autorin eindrucksvoll, welchen Einfluss Rassismus und Hass auf ihr Leben und ihre Entscheidungen haben&#8230;</strong></p>
<p><span id="more-12769"></span></p>
<p>Ich habe mich in diesem Land immer sicher gefühlt. Es gab nie einen Grund, um von irgendeiner Gefahr auszugehen. Bis heute.</p>
<p>Wenn ich auf die Straßen ging, konnte ich immer die Blicke auf mir spüren. Sah ich so anders aus? Passte ich nicht ins Bild?</p>
<p>Wenn ich in den Bus oder die Bahn stieg, wendeten die Leute ihren Kopf zu mir, beäugten mich kritisch und rückten weg. Niemand setzte sich neben mich, wenn ich mir einen Platz aussuchte.</p>
<p>Wenn ich eine große Tasche mit Büchern mitschleppte, ließen mich die Blicke erst gar nicht los. Und manchmal sah ich dann direkt in die Augen von jemandem, der mich mit Hass ansah.</p>
<p>Aber warum? Was war der Grund für diesen Hass gegen einen Menschen, den die Leute doch überhaupt nicht kannten?</p>
<p>Ich kenne die Antwort. Aber ich möchte es mir nicht eingestehen. Ich sehe es, aber ich verschließe die Augen davor.</p>
<p>Sie starren mich an, weil meine Haut etwas dunkler ist. Weil meine Gesichtszüge mich als Ausländerin verraten. Weil das Tuch auf meinem Kopf mich als Muslimin kennzeichnet. Sie starren mich an, weil sie Angst vor Leuten wie mir haben. Oder glauben, ich sei wie die Leute, vor denen sie sich wirklich fürchten. Und das obwohl mich absolut nichts mit diesen Menschen verbindet.</p>
<p>Zunächst waren mir die Blicke egal. Ich wurde nie angesprochen oder angegriffen, weshalb ich mir keiner Gefahr bewusst war. Ich lebte einfach mein Leben, ging zur Schule und machte meinen Abschluss. Anschließend bewarb ich mich für ein Medizinstudium und wartete ab. Ich ging meinen Weg, wie jeder andere.</p>
<p>Aber mir war nicht bewusst, dass ich dieses Privileg nicht besaß.</p>
<p>Ich hatte mich auf alle Unis in der Nähe beworben, da ich nicht weit weg von meiner Familie sein wollte. Den Studienplatz in meiner Heimatstadt bekam ich leider nicht, aber dafür wurde ich woanders angenommen. Ich konnte es kaum glauben, als die Nachricht eintraf. Und ganz schnell hatte sich alles geändert. Innerhalb von Tagen musste ich einen Umzug planen, mir eine Wohnung suchen und die gewünschten Unterlagen an die Uni schicken. Nur langsam konnte ich mich mit dem Gedanken anfreunden, alles hinter mir zu lassen, um endlich das zu studieren, für das ich mich so lange angestrengt hatte.</p>
<p>Aber auf die große Freude folgte der bittere Absturz.</p>
<p>Halle an der Saale. Das sollte der Ort sein, wo ich mein Studium beginnen sollte. Bei der Stadt hatte ich mir nichts gedacht. Ich hatte sie nur ausgewählt, weil sie nicht weit weg von meiner Heimatstadt war.</p>
<p>Aber genau da lag mein Fehler.</p>
<p>Ich hatte nicht das Privileg, mir irgendeine beliebige Stadt auszusuchen. So wie die anderen.</p>
<p>Ich war naiv. Ich dachte Rassismus wäre nur etwas, was man in den Medien hört. Ich dachte, es wäre etwas, was der Vergangenheit angehört. Aber ich hatte mich gewaltig getäuscht.</p>
<p>Als mein älterer Bruder davon hörte, dass ich zur Uni zugelassen wurde, freute er sich für mich. Er bat mir seine Hilfe in der Wohnungssuche an und fuhr sogar mit mir zu der besagten Stadt, um ein paar Wohnungen zu besichtigen. Mir wurde ganz flau im Magen, als wir zu der Stadt fuhren, in der ich einen neuen Abschnitt meines Lebens beginnen sollte. Hier würde ich erst einmal für die nächsten sechs Jahre alleine sein. Dieser Gedanke gefiel mir nicht, aber ich stieß es beiseite. Die Freude auf das Studium überspielte alle negativen Gefühle.</p>
<p>Nachdem wir ein paar Wohnungen besichtigt hatten und zusammen mit meiner Mutter im Auto zurückfuhren, versuchte mein Bruder mich von der Idee abzubringen. Ich sollte nicht wegziehen. Ich sollte es einfach nächstes Jahr nochmal versuchen. Aber warum? Das hier war meine Chance! Wer wusste schon, ob ich nächstes Jahr wieder direkt einen Platz bekommen würde? Alles in mir stimmte gegen diese Idee. Ich verstand einfach seinen Grund nicht.</p>
<p>Und dann erzählte er mir, was ihm passiert war, als er schon einmal hierherkam. Wie man ihn bedroht und mit Messern angegriffen hatte. Und er zeigte mir die Zeitungsartikel anderer schlimmer Taten im Internet. Dann erzählte seine Frau mir, dass diese Stadt nicht sicher sei für Mädchen wie mich. Ausländer. Muslime. Kleine Mädchen, die noch nichts von der Welt gesehen hatten.</p>
<p>Ich wollte das alles nicht glauben. Rassismus? Den hatte man doch schon überwunden. Das war doch ein Ding der Vergangenheit! Ich hatte mich doch oft genug im Unterricht mit der Geschichte Deutschlands beschäftigt und wusste, was alles passiert war. Es konnte doch nicht sein, dass es da draußen noch Menschen gibt, die immer noch dieser schwachsinnigen Ideologie folgen! Oder?</p>
<p>Ich hatte zu große Angst. Meine Familie wollte nur das Beste für mich. Sie wollten, dass ich sicher war. Alleine in eine Stadt zu ziehen, in der man Menschen wie mich hasste, war einfach nicht sicher für mich. Und ich akzeptierte es nach einer Weile. Ich glaubte meinen Eltern und meinem Bruder und ließ es einfach sein. Am nächsten Tag schickte ich meinen Verzicht auf den Studienplatz an die Universität.<br />
Die nächste Zeit danach war ich am Boden zerstört. Ich hatte meinen Traum aufgegeben, weil es manchen Menschen da draußen einfach nicht passte, wie ich aussah oder welcher Religion ich angehörte. Ich hatte meinen Traum für meine Sicherheit eingetauscht.</p>
<p>Ich wollte nicht wahrhaben, dass meine Familie Recht hatte.</p>
<p>Nicht bis zum 09.Oktober 2019. Es stand überall in den Zeitungen, jeder Sender berichtete davon und meine Freunde schickten mir sofort Links zu den Artikeln.</p>
<p>Ein Anschlag auf eine Synagoge in Halle an der Saale, zwei Menschen wurden getötet.</p>
<p>Ein Anschlag in der Stadt, dessen Universität ich besuchen wollte. Und das in der ersten Woche, in der das Semester begonnen hatte.</p>
<p>Ich war einfach nur sprachlos. Die Bedrohung wurde zur Realität. Es waren keine leeren Worte. Es gibt wirklich Menschen da draußen, die sogar so weit gehen würden, um die unerwünschten Leute aus diesem Land zu treiben. Eine Realität für die ich meinen Traum aufgab, aber meine Sicherheit bewahrte.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Weitere Wettbewerbstexte und auch andere Beiträge von LizzyNet <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/lizzynet/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>findet ihr hier</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
					<wfw:commentRss>https://www.meintestgelaende.de/2021/02/mytruestorys2000-sicherheit/feed/</wfw:commentRss>
			<slash:comments>2</slash:comments>
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Pia Brauneis: Worte schaffen Werte </title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/10/pia-brauneis-worte-schaffen-werte/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 27 Oct 2020 07:00:28 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgrenzung]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=12514</guid>

					<description><![CDATA[Heute dürfen wir euch noch einmal einen Beitrag aus dem LizzyNet-Schreibwettbewerb „Das ist mir was wert!“ zum Thema Werte, Grundrechte und Demokratie veröffentlichen 🙌 Der Wettbewerb wird gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. Der heutige Text kommt von der jungen Autorin Pia Brauneis und es geht darin um die Macht der]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute dürfen wir euch noch einmal einen Beitrag aus dem LizzyNet-Schreibwettbewerb „<a href="https://www.lizzynet.de/wws/dasistmirwaswert-wettbewerb.php?sid=41092982455971637358762546255030" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das ist mir was wert</a>!“ zum Thema Werte, Grundrechte und Demokratie veröffentlichen </strong>🙌 <strong>Der Wettbewerb wird gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. Der heutige Text kommt von der jungen Autorin Pia Brauneis und es geht darin um die Macht der Worte. Viel Spaß beim Lesen!</strong></p>
<p><span id="more-12514"></span></p>
<p>„Es war einmal eine kleine süße Dirne, die hatte jedermann lieb, der sie nur ansah, am allerliebsten aber ihre Großmutter […].“</p>
<p>Frau, Weib, Dame, Mädchen, Fräulein und Dirne –<br />
bei einer Zeitreise durch die Jahrhunderte wäre jeder dieser Begriffe unterschiedlich konnotiert und würde somit auch jeweils verschiedene Reaktionen hervorrufen.<br />
Anders als in der Originalfassung von Rotkäppchen heißt es heute nicht mehr Dirne, sondern „junges Mädchen“. Rotkäppchen war und ist also keine Prostituierte – es zeigt sich ein Worte-Werte-Wandel.</p>
<p>Das beliebte Argument gegen gendergerechte Sprache: „Das heißt doch schon immer so!“, ist also falsch. Schon immer ist nicht für immer: Sprache wandelt sich mit den Menschen, die sie sprechen.<br />
Dieser Wandel ist wichtig und völlig normal. Die Umstände, in denen wir leben, und die Worte, die wir verwenden, verändern sich stetig – bewusst und unbewusst.</p>
<p>Liebe Leser … – und natürlich auch liebe weibliche Leser,<br />
wenn Mädchen in der Schule immer und immer wieder mitgemeint sind, wenn sie morgens mit „Liebe Schüler!“ begrüßt werden, dann wirkt sich das auf ihr (Selbst-)Bewusst-Sein aus; sie werden nicht direkt angesprochen und begrüßt, aber sollen sich zugehörig fühlen. Sie sind weniger bewusst als ihre männlichen Mitschüler, genau genommen sprachlich unsichtbar.</p>
<p>Doch wird das generische Maskulinum eigentlich immer verwendet? Wann wird es plötzlich wichtig, eine sprachliche Unterscheidung zwischen Männern und Frauen zu machen? Immer dann, wenn es um soziale Abwertung oder schlecht bezahlte Berufe geht. Man spricht von Ärzten, Politikern und Wissenschaftlern, ebenso im gleichen Atemzug von Putzfrauen, Arzthelferinnen und Erzieherinnen. DIE Wissenschaftlerin geht dabei sprachlich genauso unter wie DER Arzthelfer.</p>
<p>2005 war zunächst nicht klar, ob es Frau Bundeskanzler oder Frau Bundeskanzlerin heißen soll. Zwar hat sich die weibliche Anrede, nach vier Amtszeiten, eindeutig durchgesetzt, doch heißt es im Grundgesetz immer noch „das Amt des Bundeskanzlers“.<br />
Da staunt man schon gar nicht mehr, dass das Wort „Kanzlerin“ im Duden als „weibliche Form zu Kanzler“ definiert ist.<br />
Andersherum heißt es beim „Kanzler“ „Bundeskanzler“, „Reichskanzler“ oder auch „leitender Beamter in der Verwaltung einer Hochschule“.</p>
<p>Doch wie steht es eigentlich um die freie Meinungsäußerung? Man sollte doch wohl reden und schreiben dürfen, wie und was man möchte!<br />
Doch wenn Äußerungen wie „Wurde diese „Dame“ vielleicht als Kind ein wenig viel gef&#8230; und hat dabei etwas von ihre[m] Verstand eingebüßt“ oder „Pädophilen-Trulla“ als eine „auf Künasts Aussage abzielende Kritik“ abgestempelt werden, die im Zuge der freien Meinungsäußerung erlaubt bleiben, dann stellt sich die Frage, wie Frauen weiterhin bezeichnet werden dürfen, gedeckt durch Meinungsfreiheit, ohne dass diese Aussagen vor Gericht landen. Gerichtsurteile setzen Zeichen den Umgang von Menschen miteinander betreffend. Ebenso setzt Sprache Zeichen.<br />
Diese Beispiele zeigen ganz deutlich: Aktuelle Diskussionen zu geschlechtsneutraler Sprache sind notwendig.</p>
<p>Viele verschiedene Emotionen leiten diese Debatte.<br />
Sobald es um gendergerechte Sprache geht, spielen auch Machtverhältnisse eine große Rolle. Wer behält seine (oder ihre?!) Macht, wer macht Kompromisse, wer wird laut und kämpft für die eigenen Ansichten, wer will die Oberhand behalten?<br />
Sprache steuert uns; oftmals ohne dass wir diese Lenkung bemerken. Wir nehmen Worte auf, verarbeiten diese unbewusst weiter und bemerken womöglich erst hinterher, dass bestimmte Worte bestimmte Taten ausgelöst haben.<br />
Genau aus diesem Grund ist Sprache Macht bzw. Mittel zur Macht.<br />
Viele Ausdrücke und Worte, die heute immer noch benutzt werden, stammen aus einer Zeit, in der die Machtverhältnisse anders aussahen. Eine Zeitreise 100 Jahre zurück. Männer konnten über Frauen und deren Leben bestimmen und dominierten somit auch die Sprache und sprachliche Regeln. Diese Machtverhältnisse haben sich mittlerweile in vielen Ländern bereits stark geändert. Viele Frauen bestimmen mit und sind autonom. Doch dieser Wandel ist noch lange nicht abgeschlossen und absolute Gleichberechtigung ist, auch in Deutschland, noch nicht erreicht. Durch das Beibehalten der sprachlichen Muster, die damals bereits verwendet wurden, wird dieser Wandel blockiert. Das, was das Denken steuert, darf nicht gegen die Gleichstellung arbeiten, sondern muss diese voranbringen. Sprache muss, als Basis für alles Weitere, gerecht werden und aufhören, Frauen, ebenso auch alle anderen Geschlechter, zu diskriminieren.</p>
<p>Schlampe, Tussi, Diva, Hure, Hexe und Emanze –<br />
hinsichtlich Beleidigungen sind Frauen sehr wohl sichtbar und werden nicht bei einer männlichen Bezeichnung mitgemeint. Dies sind nur einige Beispiele dafür, dass man ohne Probleme in jeder möglichen Situation unterschiedlichste Beleidigungen für Frauen finden kann.<br />
So meint auch Fräulein-chen eindeutig keine Verniedlichung, wie es die Endung „-chen“ normalerweise andeutet, sondern ist abwertend und tadelnd gemeint.<br />
Wenn ein Junge einen anderen „Du Mädchen!“ nennt, dann will er diesen damit beleidigen – ein Mädchen ist für ihn minderwertig.<br />
Diese Aufzählung ließe sich noch lange fortsetzen.</p>
<p>Wenn wir noch eine Zeitreise nur fünf bis zehn Jahre in die Zukunft machen könnten, bin ich mir sicher, dass sich unsere Sprache weiterentwickelt hat. Jetzt ist die Zeit, um diesen Wandel zu beeinflussen. Wir müssen darauf achten, wie wir sprechen, wen wir damit, bewusst oder unbewusst, diskriminieren und die Sprache so vielfältig machen, wie es die Gesellschaft ist. Denn Sprache bestimmt unser Denken, Fühlen und Handeln. Sie ist Kommunikationsmittel und spiegelt das eigene Bewusstsein wider.</p>
<p>Schön, dass du den Text gelesen hast, du Mädchen!<br />
Schön, dass du den Text gelesen hast, du Junge! – oder fühltest du dich gerade schon mitgemeint?</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Wir durften schon einige Texte des Wettbewerbs hier veröffentlichen. Falls ihr sie verpasst habt, kein Problem: <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/lizzynet/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Hier entlang.</strong></a></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Elisa Marski: Männer und Frauen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/09/elisa-marski-maenner-und-frauen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 15 Sep 2020 07:00:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=12443</guid>

					<description><![CDATA[Heute dürfen wir euch noch einmal einen Beitrag aus dem LizzyNet-Schreibwettbewerb „Das ist mir was wert!“ zum Thema Werte, Grundrechte und Demokratie veröffentlichen 🙌 Der Wettbewerb wird gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, und der heutige Text, ein Gedicht, kommt von Elisa Marski. Auf Instagram findet ihr sie unter @writerstheorem. Gleichberechtigung?]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Heute dürfen wir euch noch einmal einen Beitrag aus dem LizzyNet-Schreibwettbewerb „<a href="https://www.lizzynet.de/wws/dasistmirwaswert-wettbewerb.php?sid=41092982455971637358762546255030" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das ist mir was wert</a>!“ zum Thema Werte, Grundrechte und Demokratie veröffentlichen </strong>🙌 <strong>Der Wettbewerb wird gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen, und der heutige Text, ein Gedicht, kommt von Elisa Marski. Auf Instagram findet ihr sie unter @<a href="https://www.instagram.com/writerstheorem/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">writerstheorem</a>.</strong><span id="more-12443"></span></p>
<p>Gleichberechtigung? Angeblich vorhanden im einundzwanzigsten Jahrhundert,<br />
Doch was mich daran stark verwundert,<br />
Ist, warum Frauen immer noch weniger Lohn erhalten<br />
Und auch nach wie vor überwiegend den Haushalt verwalten,<br />
Wieso sie für Führungspositionen nicht so gut geeignet sind<br />
Und weshalb man keine Aufstiegschancen hat mit Kind.</p>
<p>Immer noch müssen mehr Mütter als Väter Teilzeit arbeiten,<br />
Und dass sich das negativ auf die Rente auswirkt, kann auch niemand bestreiten.<br />
Außerdem hat “man“ die Werbung mit halbnackten Frauen satt,<br />
Die auch noch vorschreibt, wie eine Frau auszusehen hat:<br />
Großer Busen, runder Po,<br />
Flacher Bauch, das sowieso,<br />
Lange Beine, lange Haare,<br />
Blond &#8211; das ist das einzig Wahre!</p>
<p>Trotz Vorurteilen und auch trotz Kind<br />
Lasst uns der Gesellschaft zeigen, wer wir sind!<br />
Lasst uns nicht auf Teile des Gehalts verzichten<br />
Und den Haushalt ganz allein verrichten<br />
Kinder und Karriere? Klar geht das!<br />
Wenn uns Schutz und Hilf‘ zuteil wird, dann schaffen wir das!<br />
Nicht umsonst gibt’s Elternzeit auch für den Mann<br />
&#8211; der uns damit sehr unterstützen kann.</p>
<p>Wir müssen uns das nicht länger gefallen lassen,<br />
Dürfen den Absprung nur nicht verpassen!<br />
Auch Männer sind ganz herzlich eingeladen,<br />
Für Frauenrechte einzutreten &#8211; das wird keinem schaden.<br />
Wenn wir alle gemeinsam kämpfen und gemeinsam verstehen,<br />
Können wir in Zukunft vielleicht tatsächlich Gleichberechtigung sehen.<br />
Aber heute, jetzt und hier,<br />
Existiert dieses Konstrukt in Gänze<br />
Leider nur auf dem Papier.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Weitere Wettbewerbs-Texte findet ihr <a href="https://www.meintestgelaende.de/author/lizzynet/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>hier</strong></a>.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ronja: Mädchen und Technik?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/06/ronja-maedchen-und-technik/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Thu, 18 Jun 2020 07:00:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgrenzung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Stereotyp]]></category>
		<category><![CDATA[Vorurteile]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=12254</guid>

					<description><![CDATA[Letzten Monat haben wir hier ja schon einmal einen der Gewinner*innentexte des LizzyNet-Schreibwettbewerb „Das ist mir was wert!“ zum Thema Werte, Grundrechte und Demokratie veröffentlicht, jetzt freuen wir uns, euch eine weitere Geschichte präsentieren zu können. In &#8222;Mädchen und Technik?&#8220; setzt sich die junge Autorin Ronja mit Geschlechterstereotypen und -vorurteilen auseinander. Viel Spaß beim Lesen!]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Letzten Monat haben wir hier ja schon einmal einen der Gewinner*innentexte des LizzyNet-Schreibwettbewerb „<a href="https://www.lizzynet.de/wws/dasistmirwaswert-wettbewerb.php?sid=41092982455971637358762546255030" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das ist mir was wert</a>!“ zum Thema Werte, Grundrechte und Demokratie veröffentlicht, jetzt freuen wir uns, euch eine weitere Geschichte präsentieren zu können. In &#8222;Mädchen und Technik?&#8220; setzt sich die junge Autorin Ronja mit Geschlechterstereotypen und -vorurteilen auseinander. Viel Spaß beim Lesen!</strong></p>
<p><span id="more-12254"></span></p>
<p>Mein Herz schlug mir bis zum Hals, Monate lang habe ich auf diesen Moment hingearbeitet. Ich muss es schaffen, ich will mich beweisen! Sollte die ganze Arbeit etwa umsonst gewesen sein? Tausende Gedanken und Gefühle schossen mir durch den Kopf. Ich saß auf dem Beifahrersitz des kleinen, mausgrauen VW-Golf meiner Mutter, der mich zu dem Robot-Technik Wettbewerb bringen sollte. Meine Mutter lächelte mir von der Fahrerseite aus entgegen. Meine Aufregung und Angst mussten sich in meinem Gesicht gespiegelt haben. „Du schaffst es Malina.“, sagte meine Mutter und nahm meine Hand, die sich auf dem Oberschenkel verkrampft hatte.<br />
Kurze Zeit später lenkte sie den Wagen auf einen großen Parkplatz, auf dem schon viele protzige, aber auch ältere Modelle von Autos standen. Von plötzlicher Erregung und Vorfreude erfasst, sprang ich aus dem Auto und atmete eine frische Priese kühle Luft ein. Meine Mutter öffnete den Kofferraum und nahm einen kleinen Legoroboter heraus, meinen Roboter. Der, mit dem ich in wenigen Stunden gegen meine Konkurrenten antreten würde, die höchst wahrscheinlich ausschließlich Jungen sein würden. Ich war es gewohnt wegen meiner technischen Fähigkeiten unterschätzt und manchmal sogar verspottet zu werden, doch jetzt war der Moment gekommen, an dem ich mich beweisen würde.</p>
<p>In der Halle angelangt, musste ich mich in eine aushängende Liste der Teilnehmer eintragen und wurde anschließend in einen großen Raum mit vielen Tischen, Stühlen und Kabeln geführt, wo ich meinen Roboter an die Lichtverhältnisse und andere Schwierigkeiten anpassen sollte. Gehorsam setzte ich mich auf meinen Stuhl, zog meinen Laptop aus der Tasche und machte mich ans Werk. Hinter mir hörte ich leise Stimmen: „Michael schau mal, der letzte Platz ist grad gekommen, ein Mädchen!“, doch es scherte mich nicht.<br />
Nach etwa 30 Minuten Vorbereitungszeit war es endlich soweit. Wir mussten unsere Roboter auf ein Feld stellen, wo die kleinen Legofahrzeuge bis zum Start warten mussten, damit keiner der Teilnehmer schummeln konnte. Die Aufgabe bestand darin, einer vorgezeichneten M-förmigen Linie nach zu fahren, am Start einen grünen Legostein aufzusammeln und ihn in einen ebenfalls grünen, auf den Boden gezeichneten Kasten zu transportieren. Man hatte zwei Versuche direkt hintereinander. Dann wurde ausgewertet und am Schluss der Sieger des Wettbewerbs verkündet. Die ersten drei Plätze würden eine 2-wöchige Reise nach „Rio de Janeiro“ gewinnen und dort kostenlos viele Sehenswürdigkeiten anschauen. In der alphabetischen Reihenfolge wurden die Namen der Teilnehmer aufgerufen, die auf die Bühne kommen sollten, um ihren vorbereiteten Roboter auf der am Boden gezeichneten Bahn fahren zu lassen. Von den beiden Fahrten wurde allerdings nur die Bessere gewertet.<br />
Plötzlich ertönte mein Name durch das Mikrofon des Moderators, der diesen Wettbewerb leitete: „Malina Beck!“ Vorsichtig stand ich auf, nahm meinen Roboter von seinem Platz und stellte ihn auf das Startfeld. Die Zeit wurde von einem jungen Helfer, vielleicht Mitte 20, heruntergezählt: „3,2,1 und LOS!“ Schnell drückte ich auf den Start-Knopf meines Roboters, der sich in Bewegung setzte und die Linie entlangfuhr. Aber Moment, wo ist der Stein?! Er hat ihn nicht eingesammelt. „Nein!“ entfuhr es mir leise, doch ich erntete dafür nur einen spöttischen Blick des Moderators. Hinter mir hörte ich leise Stimmen flüstern: „Das war doch sowas von klar, dass sie es nicht schafft. Die ist doch schließlich ein Mädchen.“ Tränen schossen mir in die Augen, doch ich kämpfte gegen sie an. Ich würde keine Schwäche zeigen! Im Stillen wiederholte ich immer wieder mein Mantra: „Du musst es schaffen, du musst dich beweisen!“ Langsam öffnete ich wieder die Augen und zwang mich mit aller Willenskraft, die ich aufbringen konnte, den restlichen Weg meines Roboters mit den Augen zu verfolgen. Er fuhr die Strecke sauber ab, aber der Stein…! „Und aus!“ Der Helfer drückte auf seine Stoppuhr, um die Laufzeit zu beenden und rief dann erneut: „Zweiter Versuch!“ Schnell nahm ich das kleine Legogefährt in die Hand und stellte ihn erneut auf den Start. „3,2,1 und Los!“ Mein Roboter setzte sich in Bewegung, da! Er hatte den Stein eingesammelt! Mein Mund verzog sich zu einem Grinsen, jetzt musste er nur noch den Rest der Strecke schaffen…</p>
<p>Jetzt war es endlich so weit, die Sieger wurden verkündet. Seit 1,5 Stunden hatte ich auf diesen Moment hin gefiebert, während die anderen Teilnehmer an der Reihe waren. Hatte meine Leistung gereicht? Nur eines konnte ich mit Sicherheit sagen, beim zweiten Durchgang hatte alles hervorragend funktioniert, keine Fehler, gar nichts…<br />
Trommelwirbel, die durch die Lautsprecher zu hören waren, rissen mich ruckartig aus meinen Gedanken. Vielleicht etwas zu ruckartig, denn ich hatte mich so erschreckt, dass ich meinem Sitznachbarn, einen Jungen in meinem Alter, und bestimmt 2,5 Köpfe größer als ich, meinen Ellenbogen in die Seite gerammt hatte und der mich jetzt böse und spöttisch anstarrte. Starr heftete ich meinen Blick wieder auf die Bühne, wo ein Mann gerade die ersten drei Plätze von einer sehr langen Teilnehmerliste verlas. „Und den dritten Platz belegt Johannes Schröder, herzlichen Glückwunsch!“ Der Junge kam vor und stellte sich neben ihn. „Der zweiter Platz ist Simon Nissel!“ Meine Hoffnung auf einen der obersten Ränge schwand und ich ließ den Kopf hängen. Denn Erste war ich bestimmt nicht. „Und der glückliche erste Platz ist…!“, der Moderator runzelte die Stirn, guckte verblüfft auf seine Liste und meinte dann schließlich: „Moment, das muss ein Fehler sein.“ Der junge Mann mit der Stoppuhr trat neben ihn und die beiden Jungen mit der hohen Wertung, warf einen Blick auf die Liste und meinte dann: „Nein, da ist alles in Ordnung, das ist der erste Platz!“, und deutete mit seinem Finger auf einen Namen, der auf der Liste stand. „Nun gut, die Siegerin dieses Wettbewerbs ist Malina Beck!“ Blitzschnell blickte ich auf. Mein Name…, das ist mein Name! Mein Herz schlug mir bis zum Hals und ich spürte, wie sich mir ein Lächeln ins Gesicht stahl, während ich mich auf den Weg zur Bühne machte.</p>
<p>Ich habe es allen gezeigt, die geglaubt haben, Mädchen können so etwas nicht, die behauptet haben Technik ist nur was für Männer, denn das ist es nicht! Ich habe bewiesen, dass Mädchen das genauso gut können wie Jungs!</p>
<p><em>Der Schreibwettbewerb wurde gefördert durch das Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen.</em></p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Hier findet ihr den ersten Beitrag aus dem Wettbewerb, &#8222;<a href="https://www.meintestgelaende.de/2020/05/ein-ganz-normaler-abend/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Ein ganz normaler Abend</strong></a>&#8220; von Anna.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein ganz normaler Abend</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2020/05/ein-ganz-normaler-abend/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 19 May 2020 07:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Feminismus]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Träume]]></category>
		<guid isPermaLink="false">https://www.meintestgelaende.de/?p=12188</guid>

					<description><![CDATA[Wir freuen uns sehr, dass wir einige Beiträge aus dem LizzyNet-Schreibwettbewerb &#8222;Das ist mir was wert!&#8220; zum Thema Werte, Grundrechte und Demokratie veröffentlichen dürfen 🙌 Der Wettbewerb wird gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. Dieser erste tolle Text ist von Anna Schlutter: Es ist 17:49 Uhr, der 19. Januar, draußen ist]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir freuen uns sehr, dass wir einige Beiträge aus dem LizzyNet-Schreibwettbewerb &#8222;<a href="https://www.lizzynet.de/wws/dasistmirwaswert-wettbewerb.php?sid=41092982455971637358762546255030" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Das ist mir was wert</a>!&#8220; zum Thema Werte, Grundrechte und Demokratie veröffentlichen dürfen </strong>🙌 <strong>Der Wettbewerb wird gefördert vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung des Landes Nordrhein-Westfalen. Dieser erste tolle Text ist von Anna Schlutter:</strong></p>
<p><span id="more-12188"></span></p>
<p>Es ist 17:49 Uhr, der 19. Januar, draußen ist es stockdunkel.<br />
Mein Vater zieht sich eine schwarze Mütze über den Kopf und verabschiedet sich von uns. Er geht joggen. Wohin? „Richtung Freibad.“ Der Weg ist teilweise nicht beleuchtet, eine verlassene Landstraße.<br />
„Viel Spaß.“ Meine Mutter wirft ihm über die gläserne Auflaufform ein Lächeln zu. Sie räumt die Spülmaschine aus.<br />
Ich sitze am Küchentisch und stelle mir vor, dass es andersrum abläuft.<br />
Dass mein Vater die Spülmaschine ausräumt.<br />
Und meine Mutter joggen geht.<br />
Ich frage sie. Würdest du jetzt auch&#8230;?<br />
Sie guckt aus dem Fenster in die Dunkelheit. „Nicht alleine, wahrscheinlich.“ Zwei Löffel landen in der Schublade. Dann wandert ihr Blick plötzlich zur Uhr. „Oh, es ist ja erst 6.“ Sie hält einen Moment inne, wirkt unzufrieden mit ihrer Antwort. „Also eine andere Strecke würde ich jetzt natürlich schon noch laufen. Wo auch Straßenbeleuchtung an ist.“<br />
Ich meine aber nicht eine andere Strecke, ich meine genau die Strecke, auf der mein Vater jetzt unterwegs ist.<br />
Und die Tatsache, dass wir uns im Jahr 2020 befinden, Gleichberechtigung von uns in Deutschland als normalste Sache der Welt hingenommen wird und eine Frau sich trotzdem nicht trauen kann, um 18 Uhr abends alleine joggen zu gehen, verstört mich.<br />
Weil das nicht die erste Situation ist, in der mir diese Ungerechtigkeit auffällt.<br />
In Wahrheit fällt es mir ständig auf: wenn in unserem Kaff irgendwo eine Party stattfindet, und die Jungs um vier Uhr nachts einfach nach Hause laufen, anstatt sich ein Taxi zu rufen. Ist zwar fast eine halbe Stunde Fußweg, aber was soll denn schon passieren?<br />
Denkt ihr, meine Freundinnen oder ich hätten das jemals gemacht? Wahrscheinlich nicht, oder?<br />
Und doch habe ich eine Freundin, die nachts manchmal allein nach Hause läuft. Und das, obwohl sie in der absoluten Pampa wohnt. Da braucht man nach Straßenlaternen gar nicht erst zu suchen. Warum? Weil man kein Auto fahren darf, wenn man Alkohol getrunken hat, nicht immer ein Fahrer parat ist und Taxis teuer sind. Eigentlich verständlich, oder?<br />
„Aber nicht, dass du morgen vergewaltigt im Graben liegst.“<br />
So oder so ähnlich fielen die Kommentare, vor allem die Kommentare der Jungs, bei der letzten Hausparty aus, als sich eben diese Freundin auf den Heimweg machen wollte, alleine. Zu Fuß.<br />
Sie haben sich ernsthafte Sorgen gemacht, und ich mir auch.<br />
Aber neben dieser Sorgen sind mir noch andere Gedanken in den Sinn gekommen. Und zwar, dass genau diese Jungs, die meiner Freundin sagen, dass sie nicht nachts alleine nach Hause gehen sollte, weil sie ein Mädchen ist, mich immer auslachen, wenn ich von Feminismus anfange.<br />
„Wer braucht denn heute noch Feminismus?“<br />
Ich, weil ich gern ohne Angst nachts durch die Straßen laufen würde.<br />
Ihr, weil ihr genau diese Problematik erkannt habt.<br />
Ich, weil ich gerne einfach mal anziehen würde, was ich möchte, ohne dass ich mich darum sorgen muss, ob die Hose zu kurz oder das Top zu tief ausgeschnitten ist.<br />
Ihr, weil ihr viel zu oft das Wort Schlampe benutzt.<br />
Ich, weil ich keine Lust mehr habe, von ekeligen alten Männern in Zügen in Gespräche verwickelt zu werden.<br />
Ihr, weil ihr letztens noch damit angegeben habt, später mehr zu verdienen, weil ihr Männer seid.<br />
Ich, weil ihr letztens noch damit angegeben habt, später mehr zu verdienen, weil ihr Männer seid.<br />
Ihr, weil ihr auch Augen im Kopf habt, weil ihr auch seht, wie euer Vater morgens zur Arbeit geht, und eure Mutter auch zur Arbeit geht, aber danach auch noch den kompletten Haushalt schmeißt, während euer Vater schon auf dem Sofa liegt.<br />
Ich, weil mein Professor mich bittet, die Tür aufzulassen, wenn ich allein mit ihm im Büro bin, weil man das wohl irgendwie so machen muss, wenn man als männlicher Professor mit seiner weiblichen Studentin allein ist.<br />
Ihr, weil ihr vielleicht eine Freundin habt und vielleicht irgendwann auch eine Tochter und euch dann auch wünscht, dass sie nachts sicher nach Hause kommt, dass sie im Beruf die gleichen Chancen hat, wie ihre männlichen Mitstreiter und dass sie ernst genommen wird, wenn ihr gesellschaftliche Ungerechtigkeiten auffallen.<br />
Ich, weil ich doof angeguckt werde, wenn ich sage, dass ich meinen Namen bei einer Hochzeit nicht abgeben würde. (Wer hat sich ausgedacht, dass das immer die Frau macht?? Ich bin Anna Schlutter und ich möchte auch immer Anna Schlutter bleiben.)<br />
Ihr, weil ihr auch die Nachrichten seht, Nachrichten aus manchen Ländern, in denen Frauen massenvergewaltigt werden, nicht Auto fahren dürfen, zwangsverheiratet werden, nicht arbeiten dürfen und schlicht und ergreifend keine Rechte haben.<br />
Ich, weil ich auch die Nachrichten sehe, Nachrichten aus manchen Ländern, in denen Frauen massenvergewaltigt werden, nicht Auto fahren dürfen, zwangsverheiratet werden, nicht arbeiten dürfen und schlicht und ergreifend keine Rechte haben.<br />
Ihr, weil es beim Feminismus nicht darum geht, Frauen über Männer zu stellen, sondern Frauen endlich mit Männern gleichzustellen.<br />
Ich, weil es beim Feminismus nicht darum geht, Frauen über Männer zu stellen, sondern Frauen endlich mit Männern gleichzustellen.</p>
<p>Es ist 18:22 Uhr.<br />
Mein Vater kehrt vom Laufen zurück, etwas außer Puste, aber sichtlich zufrieden. Und vor allem eins: sicher und heile.<br />
Meine Mutter sitzt vorm Fernsehen, auf ihrem Schoß eine Unterhose, die gefaltet werden will. Sichtlich müde.<br />
Ich sitze auf dem Sessel, tippe diesen Bericht in meinen Laptop-<br />
und wünsche mir, dass diese Situation irgendwann andersherum stattfinden kann, in jedem Haushalt, zu jeder Tageszeit, in jedem Land.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein Schrank voller Schubladen von Annika Krüger</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/06/ein-schrank-voller-schubladen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 20 Jun 2018 07:00:11 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Gender]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Klischees]]></category>
		<category><![CDATA[Stereotyp]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
		<category><![CDATA[Vorurteile]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=10691</guid>

					<description><![CDATA[Ein gut organisiertes Schubladensystem kann in dieser dynamischen Welt sicher für einige hilfreich sein, da muss halt nicht soviel nachgefragt, nachgedacht und verstanden werden. Da lassen sich Menschen anhand äußerer Merkmale schnell einsortieren. Annika von LizzyNet wünscht sich aber ein wenig mehr Offenheit. Denn oft überraschen uns Menschen, da sie einfach in keine Schublade passen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Ein gut organisiertes Schubladensystem kann in dieser dynamischen Welt sicher für einige hilfreich sein, da muss halt nicht soviel nachgefragt, nachgedacht und verstanden werden. Da lassen sich Menschen anhand äußerer Merkmale schnell einsortieren. Annika von LizzyNet wünscht sich aber ein wenig mehr Offenheit. Denn oft überraschen uns Menschen, da sie einfach in keine Schublade passen wollen – und wir selbst wollen es ja eigentlich auch nicht.</strong></p>
<p><span id="more-10691"></span></p>
<p><strong>Über individuelle Stereotypen und stereotype Individualität</strong></p>
<p>Fast jeden Tag passiert es: Morgens am Busbahnhof sehen wir einen Mann im Anzug und gehen aufgrund seiner Kleidung automatisch davon aus, dass er sicherlich sehr konservativ ist. Neben ihm steht eine junge Frau in schrillen Klamotten und mit bunt gefärbten Haaren. Sie ist politisch sicherlich nach links orientiert und lebt ein Leben ohne Regeln und Grenzen.</p>
<p>Sicher kennt ihr noch andere Beispiele. Deutlich wird hier aber schon: Wir denken ständig in Stereotypen. In unserem Kopf befindet sich quasi ein riesiger Schrank, der unzählige Schubladen enthält. Und in diese sortieren wir die vielen Menschen, die wir täglich sehen und vielleicht auch kennenlernen, fein säuberlich ein. Jede Schublade wiederum enthält ein vorgefertigtes Muster, dem wir andere Menschen – zum Beispiel wegen ihres Aussehens – zuordnen. Oft müssen wir uns dabei eingestehen, dass wir mit den Personen, um die es geht, nur sehr wenig-, oder sogar gar nicht gesprochen haben. Nicht selten entscheiden wir nur ausgehend davon, was wir sehen, was wir von einer Person halten sollen und ob wir sie auf anhieb mögen, oder nicht. Sicher mag der Eine stärker in Schubladen denken als der andere, aber bestimmt haben wir alle schon einmal die Erfahrung gemacht, dass man andere beurteilt, ohne sie tatsächlich zu kennen.</p>
<p><strong>Wenn nicht drinsteckt, was draufsteht…</strong></p>
<p>So werden denn einige von euch auch schon einmal in der Situation gewesen sein, dass sie völlig irritiert waren, wenn die Muster, denen wir andere zuordnen, nicht passen. Wenn wir nämlich plötzlich erfahren, dass der Mann im Anzug, den wir in die Schublade „konservativ“ gesteckt haben in seiner Freizeit nicht nur Heavy Metal hört, sondern auch selbst in einer Band spielt, können wir damit am Anfang oft nicht umgehen. Schließlich wird so unsere vorgefertigte Meinung völlig zerstört. Genauso verhält es sich mit der jungen Frau in schrillen Klamotten und mit bunt gefärbten Haaren. Erzählt sie uns auf einmal, dass sie weder einer linken Bewegung, noch der Hausbesetzerszene oder ähnlichem angehört, sondern mit ihrem Ehemann und den gerade geborenen Zwillingen Max und Moritz in einem kleinen Reihenhaus lebt, wissen wir oft nicht, was wir sagen sollen.</p>
<p><strong>Uniform/Schablonenhaft/Immer gleich/Gleichförmig sind nur die Anderen</strong></p>
<p>Völlig anders sieht es allerdings bei unserer Selbstwahrnehmung aus. Wie oft denken wir zum Beispiel: „Ich bin individuell“, oder „Ich bin nicht so, wie die breite Masse.“ Während wir also andere Personen teilweise beliebig in Schubladen stecken und ihnen Verhaltensweisen andichten, die sie vielleicht gar nicht an den Tag legen, nehmen wir uns selbst als Individuum war und möchten, dass dies bitte auch andere tun. Wir möchten mit all unseren individuellen Stärken und Schwächen wahrgenommen werden, ohne in eine bestimmte Kategorie abgeschoben zu werden.</p>
<p><strong>Etwas mehr Offenheit</strong></p>
<p>Natürlich denken wir alle in Stereotypen. Und das vermutlich jeden Tag. Sicher ist es auch in Ordnung, dass wir Menschen bis zu einem bestimmten Punkt in unserer privates Schubladensystem einordnen. Nur sollten wir uns doch vielleicht das ein oder andere Mal die Mühe machen, eine Person besser kennenzulernen und ihr die Chance geben uns zu zeigen, dass sie nicht unseren Vorurteilen entspricht. Es könnte nämlich ein ganz anderer Mensch dahinterstecken, als wir vermuten…</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Hier findet ihr <a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/04/die-vorurteilsfalle/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>einen weiteren tollen Text zum Thema Vorurteile</strong></a>, ebenfalls von LizzyNet.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Vor allem geflüchtete Menschen werden in Deutschland oft in Schubladen gesteckt. In Neuruppin haben sich einige <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/06/gefluechtete-in-neuruppin-eine-umfrage/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Geflüchtete auf der Straße umgehört</strong></a>, was die Leute von ihnen denken.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Vorurteilsfalle</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/04/die-vorurteilsfalle/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 25 Apr 2018 07:00:06 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgrenzung]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Klischees]]></category>
		<category><![CDATA[Körper]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Vorurteile]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=10527</guid>

					<description><![CDATA[Warum darf ein dicker Mensch eigentlich nicht sportlich und ein dünner Mensch kein Couch-Potato sein? Warum denken viele Menschen bei dicken Menschen eigentlich so schnell an Fast Food und bei Dünnen an Sport und Salat? Vermutlich weil sie Vorurteile haben. Mit diesen möchte Lea von LizzyNet in ihrem Text aufräumen. Woran denkt ihr, wenn ihr]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Warum darf ein dicker Mensch eigentlich nicht sportlich und ein dünner Mensch kein Couch-Potato sein? Warum denken viele Menschen bei dicken Menschen eigentlich so schnell an Fast Food und bei Dünnen an Sport und Salat? Vermutlich weil sie Vorurteile haben. Mit diesen möchte Lea von LizzyNet in ihrem Text aufräumen.</strong></p>
<p><span id="more-10527"></span></p>
<p>Woran denkt ihr, wenn ihr einen dicken Menschen seht? An Pommes bei McDonald’s und einen doppelten Frappuccino bei Starbucks? Woran denkt ihr, wenn ihr einen sehr schlanken Menschen seht? An akkurat abgewogene Mahlzeiten und Zwangsernährung wegen Magersucht? Woher wisst ihr, dass ihr damit auch richtig liegt?<em><br />
</em>Unsere Klischees und Vorurteile begleiten unseren gesamten Alltag, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr. Natürlich arbeiten die meisten von uns an unseren Klischees und viele unserer Vorurteile lassen sich auch ausräumen, egal ob durch Fakten oder Erfahrungen.</p>
<p>Wie ist es jedoch mit Vorurteilen, die wir weniger bewusst wahrnehmen, die wir beinahe als objektiven Fakt akzeptieren, als ein „Das kann doch gar nicht anders sein“? Wie sollen wir versuchen, solche Vorurteile auszumerzen, wenn wir uns ihrer gar nicht wirklich bewusst sind? Da sich so gut wie niemand mit diesen Themen befasst, habe ich beschlossen, einen kurzen Artikel zu schreiben, der auf das Problem aufmerksam machen soll.</p>
<p>Fast jeder denkt doch bei übergewichtigen Menschen an zügelloses Essen oder bei sehr, sehr schlanken Menschen an bekannte Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie. Dass Betroffene unter solchen Klischees leiden, bekommt man als bloßer Betrachter, als vorbeieilender Passant kaum mit. Ganz unabhängig davon, ob das Gewicht zu hoch oder zu niedrig ist, bemerken Betroffene die Blicke und meistens kennen sie schon alle möglichen Kommentare von Menschen, die keine Ahnung über den Hintergrund der Betroffenen haben.</p>
<p>Wenn wir einen Menschen im Rollstuhl anstarren oder jemanden, der etwa an einer Hautkrankheit leidet, dann ist uns das viel eher bewusst als wenn wir Menschen wegen ihres Gewichtes anstarren. Dass aber manche, wohlgemerkt nicht alle, für ihr Gewicht nicht so viel können, geht uns nicht durch den Kopf. Ich bin selbst nicht ganz schlank und kenne diesbezüglich schon alle Bemerkungen. Dass ich dumm bin, nur, weil ich keine Modelmaße habe, dass ich extrem unsportlich sein muss und faul noch obendrein, alles habe ich schonmal gehört. Stammgast bei Fast-Food-Ketten bin ich natürlich auch, wenn es nach der Meinung anderer geht. Die Meinung der anderen, derjenigen, die mich nicht kennen und sich unmöglich eine Meinung bilden konnten, die auf etwas anderem als Vorurteilen und Klischees beruht.</p>
<p>Natürlich gibt es viele Menschen, die keinen Sport treiben, nur Ungesundes essen und weniger Selbstkontrolle haben, umgekehrt solche, die so viel Sport treiben und so wenig essen, dass ihr Leben ernsthaft in Gefahr gerät. Das muss aber nicht zwingend so sein. Vor allem im Sport fällt auf, dass das Gewicht einer Person nicht zwingend auf den bekannten Klischees beruhen muss. Eine Boxerin oder eine Kugelstoßerin müssen etwa mehr wiegen, sind aber trotzdem sehr sportlich, trainiert und diszipliniert. Genau umgekehrt ist es etwa bei Turnerinnen, die sehr schlank sein müssen aber dennoch nicht gleich magersüchtig sind.</p>
<p>Ich selbst mache regelmäßig Sport, trainiere gerade für den 10 Kilometer-Lauf, ernähre mich ausgewogen, esse Salat zu den Mahlzeiten und statt normalem Brot Vollkornprodukte. Ich fahre auch gerne mal mit dem Fahrrad, statt mit dem Bus und schaffe es, den ganzen Abend neben meinem Bruder zu sitzen, der Chips ohne Ende futtert, und mir keinen zu nehmen. Etwas übergewichtig bin ich trotzdem.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>In diesem Text hat sich Sophia mit <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/04/vorurteile-gegenueber-bisexualitaet/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Vorurteilen gegenüber Bisexualität</strong></a> beschäftigt.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Auch in diesem Text muss sich der Autor mit <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/10/11-september/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Vorurteilen gegenüber seiner Person</strong></a> auseinandersetzen.</span></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kein Couchsurfing, aber im Iran. Von Deniz Marina</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/02/iran-von-deniz-marina/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Feb 2018 07:00:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=10383</guid>

					<description><![CDATA[Deniz ist als Frau alleine durch Iran gereist und hat ihre Erlebnisse in einem Bericht festgehalten. Darin schildert sie all ihre Eindrücke, Begegnungen und Überraschungen die sie unterwegs erlebt hat. Als Frau unbeschwert in Iran reisen? Für die meisten Menschen aus dem Westen heute gar keine so abwegige Vorstellung mehr. Immer mehr Leute (vor allem]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Deniz ist als Frau alleine durch Iran gereist und hat ihre Erlebnisse in einem Bericht festgehalten. Darin schildert sie all ihre Eindrücke, Begegnungen und Überraschungen die sie unterwegs erlebt hat.</strong></p>
<p><span id="more-10383"></span></p>
<p>Als Frau unbeschwert in Iran reisen? Für die meisten Menschen aus dem Westen heute gar keine so abwegige Vorstellung mehr. Immer mehr Leute (vor allem Europäer) wagen eine Reise nach Iran. Noch vor einigen Jahren war dies jedoch ein schier wahnsinniger Gedanke. Vielleicht auch für mich, bevor ich mich schlauer über die Region gemacht und &#8211; wie so einige der deutschen Iran-Touristen &#8211; vorher in &#8222;Couchsurfing im Iran&#8220; geschmökert hatte. Abgesehen davon war wohl auch mein brennendes Interesse für den nahen und mittleren Osten nicht ganz irrelevant, sodass meine Neugierde letztendlich überwog. Mein Entschluss war also gefasst: Ich wollte dieses Land, so reich an Kultur und Geschichte, bereisen. Die Geschichten, die ich über Iran gehört und gelesen hatte, faszinierten mich: Ein Land voller Widersprüche und Vielfalt. Ein Land, in dem 70 Prozent der Bevölkerung unter 30 Jahre alt sind (Stand 2015). Ein Land, in dem sich ein großer Teil der so jungen Bevölkerung trotz der strikten Gesetze ihre kleinen Freiheiten rausnimmt. Und das angeblich gastfreundlichste Land der Welt.</p>
<p>Vielleicht grenzt es auch an eine Art Perversion von uns westlichen Reiselustigen, Länder bereisen zu wollen, die von unseren Medien angefochten werden. Aber geht es im Grunde nicht genau darum? Herauszufinden, ob an dem von den Medien propagierten Bild etwas dran ist, und wenn ja &#8211; wie viel eigentlich? Jeder von uns kann die Moralkeule über die unterschiedlichen Reise-Destinationen schwingen, ohne jemals selbst einen Fuß auf Grund und Boden des Landes gesetzt zu haben. Wirklich eine Meinung bilden kann man sich meiner Meinung nach aber erst, wenn man die Menschen und das Land vor Ort erlebt hat. Meiner Meinung nach sollte die Neugier im Vordergrund stehen, und man sollte sich selbst ein Bild von der Realität verschaffen. Im Fall Iran ging es also darum, herauszufinden, ob sich das Bild vom &#8222;Schurkenstaat&#8220; eigentlich bewahrheitet. Zugegeben: In knapp zwei Wochen keine leichte Aufgabe, aber dennoch möchte ich meine Eindrücke darüber teilen.</p>
<p><strong>Die Gastfreundschaft der Iraner</strong><br />
Natürlich war auch ich nur eine Touristin in Iran und werde allein schon aufgrund dieser Tatsache das Land niemals so erfahren können wie die Menschen, die vor Ort leben und auch mit der Politik leben müssen. Aber ab der ersten Sekunde auf iranischem Boden habe ich dieses Land mit all seinen warmen, fröhlichen und freundlichen Menschen in mein Herz geschlossen. Egal, ob das chaotische Teheran, das bezaubernde Isfahan, das historische Yazd oder das bunte Schiraz &#8211; die Städte sind so reich an Kultur und Geschichte, dass es scheinbar an jeder Ecke etwas zu Bestaunen gibt. Und die Iraner haben einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik. So sind sogar fahle Lehmwände oft mit orientalischen Kunstwerken verziert.</p>
<p>Ein einziger Reizüberfluss, bei dem man aus dem Staunen einfach nicht rauskommt. Aber was das Land als Reiseland tatsächlich zu dem macht, was es ist, sind die Menschen. Jeder Iran-Tourist wird einem dies erzählen. Auch ich hatte mich aufgrund zahlreicher Erzählungen darauf eingestellt, auf wahnsinnig gastfreundliche Menschen zu treffen, aber auch meine Erwartungen wurden noch um ein Vielfaches übertroffen. Wenn man nur ein wenig verloren in der Teheraner Metro-Station stand, wurde man direkt von ein paar Einheimischen (Männer sowie Frauen) unter die Fittiche genommen. Nicht nur wurde einem der Weg zu der gewünschten Destination detailliert beschrieben: Es passierte nicht selten, dass man von Einheimischen bis zum gewünschten Zielort begleitet wurde.</p>
<p>Wie bereits erwähnt, hat die Gastfreundschaft der Iraner alle meine Erwartungen bei Weitem übertroffen. Wie geschockt muss erst jemand sein, der mit einer beschränkten und von den westlichen Medien geprägten Brille auf das Land blickt und dann solche Erfahrungen macht? Vielleicht wird dieser Mensch beim Erfahren der Warmherzigkeit der Menschen das Gefühl haben, das erste Mal richtig durch diese Brille sehen zu können. Sie wird nicht mehr beschlagen sein von all den Negativ-Schlagzeilen wie &#8222;Schurkenstaat&#8220; und &#8222;Atomarer Endgegner&#8220;. Was metaphorisch ausgedrückt so übertrieben klingen mag, habe ich genau so wahrgenommen. Ich kann mit großer Sicherheit sagen, dass mir die Menschen als Touristin immer sehr aufgeschlossen und interessiert begegnet sind &#8211; Männer wie Frauen. Als weibliche Touristin habe ich mich mindestens genau so sicher wie in den meisten europäischen Ländern gefühlt, in denen ich gereist bin. Wirkte man mal verloren, war man, wie bereits erwähnt, in der nächsten Sekunde bereits umzingelt von zahlreichen hilfsbereiten Iranern, die für ihre Nettigkeit keine Gegenleistung erwarteten. Man traf auf zahlreiche Menschen, die sich einfach nur freuten, auf Ausländer zu treffen und ihre Sprachkenntnisse in Englisch oder Deutsch (eine derzeit sehr beliebte Sprache) ein wenig in Einsatz zu bringen. Auch ohne diese aufgeschlossenen und freundlichen Menschen wäre Iran mit Sicherheit ein sehenswertes Reiseland, aber die vielen Menschen, die man getroffen hat, sind mit ein Hauptgrund dafür, dass man schnell dorthin zurückmöchte. Abgesehen davon fehlt mir die sagenhafte persische Küche jetzt schon.</p>
<p><strong>Wenn die Luft zum Atmen fehlt</strong><br />
Mit meiner Reiseerfahrung möchte ich keinesfalls die politische Situation im Land herunterspielen. Auch wenn sich das Land seit Amtsantritt des Präsidenten Rohani im Jahre 2013 immer mehr dem Westen geöffnet hat und sich die Sittenpolizei etwas von den Straßen zurückgezogen hat, sprechen Berichte großer NGOs wie der Menschenrechtsorganisation Amnesty International für sich: Zahlreiche Hinrichtungen, Folter und Verhaftungen &#8211; wegen Dingen, die man hier vor Ort als Lappalie abtun würde. Tätigkeiten, die für uns hierzulande als Selbstverständlichkeit angesehen werden, können einen dort in ernsthafte Schwierigkeiten bringen. Oft muss ich an eine junge Soziologie-Studentin zurückdenken, die ich in einem Hostel in Yazd kennengelernt habe. Sie hatte ihre Heimatstadt Maschhad hinter sich gelassen, weil der Ort ihr zu religiös und traditionell war. Wie viele junge Iraner trieb es sie in die Metropole Teheran. Auch wenn das Mädchen, das in etwa so alt war wie ich, sich dort freier bewegen konnte als in ihrer Heimatstadt, hatte sie das Gefühl, als ob sie in dem Land eingehen würde. Ohne, dass ich sie danach fragte, berichtete sie von dem beklemmenden Gefühl, was viele junge Leute (insbesondere Frauen) in Iran verspüren. Ein anderer Mann, dem ein kleiner Imbiss in Teheran gehörte, fragte mich und meine Reisebegleitung, wie uns das Land gefiel, woraufhin wir anfingen, von den Menschen und dem Essen zu schwärmen. Aber auch er lenkte das Thema schnell auf die Regierung und beteuerte, wie unzufrieden er mit der politischen Situation in seinem Land sei. Er fand es jedoch wichtig zu betonen, dass eben dies zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind: Politik und Gesellschaft. Ich stimme ihm da zu hundert Prozent zu.</p>
<p><strong>Die &#8222;westliche Brille&#8220;</strong><br />
Mir ist bewusst, dass man als Tourist auch nur einen kleinen Einblick in das Geschehen vor Ort bekommt, und ich möchte mir nicht ansatzweise anmaßen, dass ich nun das Große und Ganze kennengelernt hätte. Ich finde es jedoch wichtig auszudrücken, wie verzerrt und beschränkt unser Bild der iranischen Gesellschaft im Westen aufgrund des &#8222;medialen Bombardements&#8220; oftmals ist. Dieses Land ist so reich an Kunst und Kultur, an fröhlichen und aufgeweckten jungen Menschen, an einer atemberaubenden Natur und historischen Schätzen. All jenen, die Iran als Reiseland nicht mit ihrem moralischen Gewissen vereinbaren können, möchte ich folgende Frage stellen: In welches Land kann man heutzutage schon guten Gewissens reisen? Selbst das Fliegen an sich, was für uns mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit gehört, ist doch schon an sich problematisch, aufgrund des immer größer werdenden ökologischen Fußabdruckes, den wir auf der Welt hinterlassen. Ob man sich nun aber dafür entscheidet, den Massen-Tourismus in Thailand zu unterstützen oder eben in ein politisch schwieriges Land im Nahen Osten zu reisen: Ganz guten Gewissens kann man das meiner Meinung nach nie tun, aber ich finde, letztendlich sollte mit diesem Bewusstsein die Neugier und Wissbegierde überwiegen (selbstverständlich sollte man jedoch das Risiko abwägen und Gefahren für sich und andere überwiegend ausschließen können).</p>
<p>Neben zahlreichen tollen Menschen, die ich auf meinem kurzen Trip auf der Reise kennengelernt habe, ist mir der Satz eines Mexikaners, der kürzlich seinen Job gekündigt hat und nun mit seiner Frau um die Welt reist, im Kopf geblieben: &#8222;Reisen ist wie wieder Kind sein. Man sieht wieder alles zum ersten Mal.&#8220; Ich denke, dass es im Endeffekt darum geht: Kinder sind vorurteilsfrei und nehmen alles völlig unvoreingenommen wahr. Davon sollten wir uns öfter mal eine Scheibe abschneiden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Clara ist nach der Schule für einige Zeit auf einem Segelschiff umher gefahren. Auch sie hat darüber <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/05/6-monate-auf-hoher-see-und-doch-so-viel-mehr-als-nur-eine-segelreise-teil-1/" target="_blank" rel="noopener"><strong>einen Reisebericht</strong></a> geschrieben, lest doch mal rein!</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Und </span><a style="font-size: 1.14285rem;" href="https://www.meintestgelaende.de/2017/06/erst-einmal-weg-teil-1/" target="_blank" rel="noopener"><strong>hier könnt ihr lesen</strong></a><span style="font-size: 1.14285rem;">, wie unsere Autorin Lilith sich die Zeit nach dem Abi vertrieben hat.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Wo sind die passenden Mädchenzeitschriften für uns ältere?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/09/maedchenzeitschriften/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Sep 2017 07:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Freundschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Stereotyp]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
		<category><![CDATA[Vorbilder]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=9360</guid>

					<description><![CDATA[Vom Mädchen zur Frau &#8211; doch wo ist die passende Zeitschrift, die diese Entwicklung begleitet? Jacqui von Lizzy Net über eine Marktlücke für ihre Altersgruppe. Jedes Mädchen beginnt etwa im Alter von 12 Jahren mit dem Lesen einer Jugendzeitschrift. Heutzutage gibt es eine große Auswahl an Zeitschriften für junge Mädchen, angefangen mit der &#8222;Bravo Girl&#8220;]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Vom Mädchen zur Frau &#8211; doch wo ist die passende Zeitschrift, die diese Entwicklung begleitet? Jacqui von Lizzy Net über eine Marktlücke für ihre Altersgruppe.</strong></p>
<p><span id="more-9360"></span></p>
<p>Jedes Mädchen beginnt etwa im Alter von 12 Jahren mit dem Lesen einer Jugendzeitschrift. Heutzutage gibt es eine große Auswahl an Zeitschriften für junge Mädchen, angefangen mit der &#8222;Bravo Girl&#8220; bis zur &#8222;Mädchen&#8220; helfen die Zeitschriften jungen Mädchen mit Fragen über Beauty, Mode, die erste Liebe, Freundschaft, Schule und Familie. Mit großem Interesse werden diese Zeitschriften gelesen und Tipps befolgt. Aus diesen Zeitschriften entstehen neue Trends in Sache Mode und Beauty für junge Mädchen im Alter zwischen 12 und 16 Jahren.</p>
<p>Doch was kommt danach? Wo holt sich ein 18 jähriges Mädchen ihre Inspiration in Mode, Beauty, und wo bekommt sie Tipps für ihre altersgerechten Probleme? Vielleicht in der &#8222;Jolie&#8220; oder in der &#8222;Brigitte&#8220;? Beide Zeitungen sprechen die Zielgruppe der jungen bis älteren Frauen an, doch können sich 18 bis 21 jährige Frauen mit diesen Zeitschriften identifizieren? Kaufen Studentinnen &#8222;High-End&#8220; Produkte, die dort vorgestellt werden? Ich könnte die Frage mit nein beantworten; ich bin 18 Jahre alt und kann mir selten solche High-End Produkte leisten. Mit einem Nebenjob hat man nicht das Geld für die neue Kollektion von Chanel oder die Beauty Produkte von Bobbi Brown, die häufig in den Zeitschriften vorgestellt werden. Für mich ist das eine Marktlücke.</p>
<p>Die &#8222;Grazia&#8220; z.B. ist eine Zeitschrift, die interessante Reportagen über das Leben von Lesern abdruckt und auch sonst nicht nur über den üblichen Klatsch und Tratsch der Stars berichtet. Doch auch was in dieser Zeitschrift fehlt, sind Mode- und Beautytipps in erschwinglichen Preisen für Schülerinnen, Azubis und Studentinnen. Kann man nicht einmal eine Fotostrecke in &#8222;H&amp;M&#8220; oder &#8222;Zara&#8220; Kleidung in einer  Zeitung veröffentlichen, mit der sich auch Junge und Normalverdienerinnen identifizieren können? Bis jetzt habe ich keine Antwort auf diese Frage gefunden.</p>
<p>Das heißt: wir jungen Frauen haben die Wahl, ob wir auf eine der Jugendzeitschriften wie die &#8222;Bravo Girl&#8220; zurückgreifen und über den ersten Kuss einer Leserin schmunzeln oder uns über die High-End Produkte ärgern, die uns gefallen, aber die wir uns in dem Moment, wo sie IN sind, nicht leisten können.</p>
<p>Die meisten, so auch ich habe mich dann für die Frauenzeitschriften &#8222;Jolie, Instyle oder Grazia&#8220; entschieden, auch wenn ich nicht mit allen Themen zufrieden bin und dort kaum wertvolle Tipps für mich in Sachen Lifestyle finde, da die Rubriken über das Leben häufig auf 25-30 jährige Frauen bezogen sind, jedoch gibt es auch interessante Artikel, die auch mich zum Nachdenken und zum Kauf dieser Zeitschriften bringen.</p>
<p>Vielleicht wird bald diese Marktlücke erkannt und eine Zeitschrift kommt auf dem Markt, in der meine Wünsche berücksichtigt werden?!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li><a href="https://www.lizzynet.de/wws/netzheldin-siegerehrung.php" target="_blank" rel="noopener"><strong>Hier</strong></a> gibt es weitere Beiträge aus dem Lizzy Net Schreibwettbewerb #Netzheldin.</li>
<li>Und <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/07/ich-bin-richtig/" target="_blank" rel="noopener"><strong>hier</strong></a> einen Beitrag der Hollies gegen Körpernormierung.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Beeinflussen Models unser Selbstwertgefühl?</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/05/beeinflussen-models-unser-selbstwertgefuehl/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 31 May 2017 07:00:23 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Body Positivity]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Körperbilder]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Vielfalt]]></category>
		<category><![CDATA[Werbung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=8981</guid>

					<description><![CDATA[Wir sind fast den ganzen Tag von Werbung umgeben. Um ihre Produkte zu verkaufen, werben viele Unternehmen mit gut aussehenden Models. Sarah von LizzyNet geht daher in ihrem Artikel der Frage nach, inwieweit Models unser Selbstwertgefühl beeinflussen. Wie leicht Mädchen beeinflusst werden&#8230; Wenn man mal ein Mode-Magazin aufschlägt, findet man nur Frauen, die perfekte Körper]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wir sind fast den ganzen Tag von Werbung umgeben. Um ihre Produkte zu verkaufen, werben viele Unternehmen mit gut aussehenden Models. Sarah von LizzyNet geht daher in ihrem Artikel der Frage nach, inwieweit Models unser Selbstwertgefühl beeinflussen.</strong></p>
<p><span id="more-8981"></span></p>
<p><strong>Wie leicht Mädchen beeinflusst werden&#8230;</strong></p>
<p>Wenn man mal ein Mode-Magazin aufschlägt, findet man nur Frauen, die perfekte Körper haben und die hübsch sind. Doch ist das das wahre Leben? Wohl eher nicht! Vielmehr wünscht man sich doch insgeheim normale Frauen in einer Zeitschrift, die einem nicht das Gefühl geben hässlich und zu dick zu sein.</p>
<p><strong>Aber warum findet man nur perfekte Models zum Beispiel in Magazinen oder auf großen Plakaten, auf denen für die neue Diesel Hose geworben wird?</strong></p>
<p>Ganz klar! Weil schöne Menschen die Blicke auf sich ziehen, und somit wird gleichzeitig das Produkt interessant gemacht. Würden wir eine Hose kaufen, die auf einem Plakat von einem nicht perfekten Menschen getragen wird? Wohl kaum. Denn wenn wir einen schönen Menschen sehen, der eine Hose trägt, wollen wir ihm nacheifern und erhoffen uns, genauso eine top Figur in der Hose zu machen. Genauso ist es doch auch bei Hollister. Überall laufen perfekt gestylte und super hübsche Angestellte rum. Kein einziger sieht schlecht aus oder ist etwas dicklicher. Für viele kann somit ein kleiner Einkauf bei Hollister ein deprimierendes Erlebnis werden. Aber im Endeffekt erhoffen sich alle eine so tolle Figur in den Klamotten zu machen, wie die schönen Models.</p>
<p><strong>Magerwahn der Models &#8211; Muss Size Zero wirklich sein?</strong></p>
<p>Die meisten von euch werden schon mal den Begriff &#8222;Size – Zero&#8220; gehört haben. Size – Zero ist ein Begriff für die Größeneinheit 32. In die Größe 32 passt ein 12 jähriges Kind. Dementsprechend erschreckend sieht es aus, wenn eine erwachsene Frau in Kleidung mit der Größe Size –Zero passt. Ein schrecklicher Schlankheitswahn, der für mich völlig überflüssig scheint. Denn wer findet es schön, solche Frauen auf dem Laufsteg zusehen oder gar auf dem Cover der Vogue? Die Frauen sehen total abgemagert und krank aus, aber definitiv nicht schön.</p>
<p><strong>Vorbilds Funktion</strong></p>
<p>Models sind meistens auch gleichzeitig Vorbilder für die jüngere Generation. Daher sollten sie sich auf keinen Fall in der Öffentlichkeit total abgemagert präsentieren. Es könnte zur Folge haben, dass die Mädchen denken sie seien zu dick. Erstens beeinflusst dies das Selbstwertgefühl und zweitens wollen sie also ganz klar ihren Idolen nach eifern und ebenfalls in Size – Zero Klamotten rein passen. Dies kann für junge Mädchen schnell gefährlich werden!</p>
<p><strong>Lasst es nicht soweit kommen!</strong></p>
<p>Vergleicht euch erst gar nicht mit den perfekt scheinenden Frauen und verfallt nicht diesem Wahn. Zu dünn ist auch nicht schön 😉<br />
Und nehmt sie nicht als Maßstab der Gesellschaft!</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li><a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/10/zahlen/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Dieser Text von Mare</strong></a> verdeutlicht mit wechen Zahlen wir unseren Körper bewerten.</li>
<li><a href="https://www.meintestgelaende.de/2015/05/das-model/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Ein Song</strong></a> zum Thema Modelshows.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die vierte Stunde</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/11/die-vierte-stunde/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Tue, 29 Nov 2016 08:00:48 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Ausgrenzung]]></category>
		<category><![CDATA[Benachteiligung]]></category>
		<category><![CDATA[Cybermobbing]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=7581</guid>

					<description><![CDATA[Wie schnell aus Cybermobbing Übergriffigkeiten und verbale Attacken in der Schule werden können, zeigt Anna bei #netzheldin mit dieser guten Story. Veronicas Lippen waren ganz besonders glänzend und erst die Farbe. Wo hatte sie nur diesen Lipgloss her. Ich versuchte mich wieder auf den ausgeklügelten Mist, der aus diesem perfekt gestylten Lippen tropfte, zu konzentrieren.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Wie schnell aus Cybermobbing Übergriffigkeiten und verbale Attacken in der Schule werden können, zeigt Anna bei #netzheldin mit dieser guten Story. </strong><span id="more-7581"></span></p>
<p>Veronicas Lippen waren ganz besonders glänzend und erst die Farbe. Wo hatte sie nur diesen Lipgloss her. Ich versuchte mich wieder auf den ausgeklügelten Mist, der aus diesem perfekt gestylten Lippen tropfte, zu konzentrieren. Wen hatte diese Terrorschlampe nun für ihren feigen Machenschaften auserkoren?<br />
&#8222;Ich wüsste zu gern wer diese supergirl43 ist? Ich würde ihr zu gern den Hals umdrehen. Sie hat den letzten Shitstorm auf die Streber-Lisa total ruiniert. Betti wir hätten dich echt gebraucht.&#8220;, sagte sie, als ob sie über Germanys Next Topmodel reden würde.<br />
Ich verzog mein Gesicht zu einer bedauernden Maske und erwiderte: &#8222;Ja, ich hätte dich so gerne unterstützt, aber meine nervige Mutter erlaubt mir nicht ohne Aufsicht im Netz zu surfen. Sie ist ja so eine paranoide Kuh.&#8220;<br />
Meine Mutter ist eigentlich ganz in Ordnung. Sie hat mir erst einen neuen Rechner besorgt. Ich liebte dieses Stück, aber ich war zu feige um Veronica ins Gesicht zu sagen, dass ich bei ihrem Cybermobbing nicht mitmachen werde.<br />
&#8222;Egal&#8220;, setzte Veronica fort. Mein Einwurf hatte sie nicht interessiert. Sie wusste nun, dass ich ihr noch zuhörte. Das reichte.<br />
&#8222;Lisa hat einen neuen grottenhässlichen Pullover. Wir sollten ihr heute Abend wirklich die Hölle heiß machen. Habt ihr gesehen wie sie sich bei Herrn Schubert eingeschleimt hat? Diese dreiste Streberin hat es so verdient.&#8220;<br />
Jenny und Daniela pflichteten ihr bei. Ich nickte, zu ängstlich meine echte Meinung zu sagen.<br />
Veronica, du bist eine Schlange, eine schlechte Freundin und mit dem Rock siehst du aus wie eine Nutte.<br />
Ein Glück konnte ich mich während des Unterrichts abkapseln. Ich wusste, was Veronica vorhatte. Mehr wollte ich eigentlich nicht von ihr.<br />
Mit Karikaturen meines Lehrers Herr Nase konnte ich mich vom gehässigen Getuschel hinter Lisas Rücken drücken. Jenny, neben mir, kicherte über die übertrieben groß gezeichneten Nasenhaare. Auch wenn mir die Galle hochstand, hatte ich zu viel Angst vor ihrem Zorn in der Schule.<br />
Ich freute mich schon auf das letzte Läuten, nach dem ich mich in mein Netz zuhause verziehen konnte.</p>
<p>Ich schleuderte meinen Rucksack in eine Ecke und fuhr meinen Schatz hoch. Das Summen der Lüftung beruhigte mich und ich konnte schnell das Gefühl bevorstehender Rache genießen. Bald schon lag ich in sämtlichen sozialen Netzwerken auf der Lauer wie eine Spinne und wartete bis die Gruppe Wespen, die ich meine Freunde nannte, auf die Jagd gingen.<br />
Nun war ich supergirl43, eine Verteidigerin der Schwachen im Netz. Ein spezielles Programm teilte mir immer mit, wenn die Klicke schrieb. Einfache Antworten schrieb die Anwendung für mich. Ich war sehr stolz auf das, was ich programmiert hatte. Im Netz fühlte ich mich stark und mutig. Ich bekämpfte die Tyrannei Veronicas. Ich war eine moderne Heldin.</p>
<p>Am nächsten Tag war Veronica nicht wiederzuerkennen. Ich hatte sie wohl etwas überreizt. Sie tobte so stark, dass es ihr glatt die Sprache verschlug. Ich genoss die Stille und fühlte mich gut. Das Gefühl, sie besiegt zu haben erfüllte mich. Ich dachte, ich hätte sie gebrochen. Veronica lästerte nicht einmal mehr über Lisa oder supergirl43.<br />
Dann kam die vierte Stunde und Herr Nase war spät dran. Veronica kochte über. Sie nahm eine Schere, ging zielstrebig auf Lisa zu und packte ihre Haare. Über das erschrockene und schmerzerfüllte Wimmern Lisas, brüllte Veronica:<br />
&#8222;Hier kann dich dein Supergirl nicht beschützen. Soll ich dir nicht eine schöne neue Frisur verpassen? Dann kann dich deine Heldin ja loben und trösten. Ein Zwei-Zentimeter-Schnitt würde dir stehen.&#8220;<br />
Eingefroren starrte die ganze Klasse auf die Szene. Bis auf das herzzerreißende Heulen Lisas, war es sehr still geworden. Ich musste etwas dagegen tun. Das erhabene Gefühl war verpufft. Die virtuelle Veronica so zu reizen, dass sie in der Realität noch mehr Schaden anrichtet, war ein großer Fehler gewesen. Übrig blieben nur die Schuld und die Angst. Ich musste endlich etwas sagen, doch meine Stimmbänder waren gelähmt. Das einzige, was ich schaffte, war mich auf meine Beine zu stellen. Mit aller Kraft versuchte ich einen Ton hervorzubringen und schaffte es doch nicht. Stattdessen klingelte mir nur das linke Ohr, als Jenny neben mir brüllte:<br />
&#8222;Veronica, es reicht jetzt endgültig. Der Spaß ist jetzt vorbei. Ich habe lang genug mitgemacht. Wenn du das tust, bin ich nicht mehr deine Freundin.&#8220;<br />
&#8222;Ja, Veronica, du bist in letzter Zeit immer schlimmer geworden. Ich fühle mich schon seit Wochen schlecht, wegen dir. Wenn du nicht sofort loslässt, ist es aus.&#8220;, warf auch Daniela Veronica an den Kopf.<br />
Nach einem sehr langen Moment der Stille, in dem Lisa und Veronica die beiden Sprecherinnen aus großen Augen anstarrten, ließ Veronica die Schere fallen und ging zu ihrem Platz.<br />
Herr Nase betrat den Raum und alle setzten sich.<br />
Nicht ich war eine Heldin, sondern Jenny. Ich bin so schlecht wie Veronica gewesen und genauso feige.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li><a href="http://www.lizzynet.de/behaupte-dich-gegen-mobbing-tag.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline;">Wie gegen Cybermobbing</span></a> aktiv werden, lest ihr auf lizzynet</li>
<li>Material gegen Cybermobbing für Unterricht und Eltern <a href="https://www.schau-hin.info/extrathemen/cybermobbing.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline;">von klicksafe kostenlos hier</span></a></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Willkommen im 21. Jahrhundert</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/08/willkommen-im-21-jahrhundert/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 10 Aug 2016 08:00:07 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlecht]]></category>
		<category><![CDATA[Gleichberechtigung]]></category>
		<category><![CDATA[Hatespeech]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=7036</guid>

					<description><![CDATA[Online können wir sein, wer wir wollen. Doch ist das virtuelle Ich wirklich soviel wichtiger als das echte Ich? #netzheldin Miriam hat ein Plädoyer für Menschenwürde und Gleichberechtigung im Netz verfasst. Ein Text vom LizzyNet-Schreibwettbewerb #netzheldin. Jeden Morgen werde ich vom Vibrieren meines Handys wach. Noch bevor ich die Augen aufschlage, taste ich im Dunkeln]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Online können wir sein, wer wir wollen. Doch ist das virtuelle Ich wirklich soviel wichtiger als das echte Ich? #netzheldin Miriam hat ein Plädoyer für Menschenwürde und Gleichberechtigung im Netz verfasst. Ein Text vom LizzyNet-Schreibwettbewerb #netzheldin.</strong></p>
<p><span id="more-7036"></span></p>
<p>Jeden Morgen werde ich vom Vibrieren meines Handys wach. Noch bevor ich die Augen aufschlage, taste ich im Dunkeln danach. Es liegt immer auf der Kommode neben meinem Bett, direkt neben den Taschentüchern. Während ich das Ladekabel entferne, setzte ich mich auf und entsperre den Bildschirm und gehe online. Dieser Vorgang dauert in der Regel etwa dreißig Sekunden. Die einzigen dreißig Sekunden in wachem Zustand, die ich nicht erreichbar bin. Dreißig Sekunden, die dazu ausreichen, dass in den ersten Chats schon Fragezeichen blinken. Als erstes checke ich meine WhatsApp Nachrichten, anschließend die auf Facebook, Instagram, Snapchat und Twitter. Nachdem ich allen einen guten Morgen gewünscht und meine Träume gepostet habe, gehe ich ins Bad. Während ich dusche, überlege ich mir welchen Lidschatten und welche Lippenstiftfarbe ich heute auftrage. Kajal oder Eyeliner? Eine falsche Entscheidung und die ganze Welt tratscht über deinen schlechten Geschmack! Als meine Haare gerichtet und mein Make-Up-Kunstwerk vollendet ist, positioniere ich mich für ein paar Fotos vor dem Fenster in meinem Zimmer. Ich rotiere mit den Hintergründen immer, damit ich nicht zwei Tage hintereinander denselben habe: Die Fotowand in meinem Zimmer, die hellgrüne Wand, die Spiegel im Badezimmer und die Fenster. Die Wand mit den Bücherregalen in meinem Zimmer benutze ich nicht mehr als Hintergrund seit unter meinen Bildern Kommentare, wie &#8222;Streberin&#8220;, &#8222;Hast du keine Freunde?&#8220;, &#8222;Du weißt aber schon, dass wir im 21. Jahrhundert leben, oder?&#8220; und ähnliches gepostet wurden.</p>
<p>Das Licht, das durch die Fenster fällt, ist schlecht, deshalb jage ich meine Fotos noch durch einen Filter, bevor ich mein Gesicht mit drei verschiedenen Apps korrigiere. Meine Augen wirken danach ausdrucksstärker, mein Haar voller, mein Mund besser geformt. Jetzt sehe ich beinahe perfekt aus, fast so wie die anderen Mädchen. Sofort lade ich die Bilder hoch. Schon während ich die Treppen hinunter gehe um zu frühstücken, schreiben mich die ersten Männer an, ob ich heute Abend nicht Zeit hätte. Offensichtlich sind mir die Fotos heute wirklich gut gelungen! Als nächstes poste ich ein Glas Wasser und einen Apfel, ich drapiere beides so auf der Ablage, dass es aussieht wie ein kleines Stillleben. Augenblicklich bekomme ich Komplimente, dass ich so diszipliniert bin, und eine tolle Figur hätte. Unter den Kommentaren sind aber auch ein paar, die mir raten, lieber gar nichts zu frühstücken, in Äpfeln sei viel Fruchtzucker. Dazu werden auch ein paar Links zu Diätplattformen gepostet, ich hätte es nötig. Auf den nächsten Bildern werde ich mich dünner korrigieren! Ich lasse den Apfel bei meinem Frühstück weg, und kommentiere stattdessen noch Bilder und Statements anderer Leute. Auf Facebook finde ich eine interessante Seite, auf der ich mich zu lange aufhalte. Nachdem ich zwei Minuten lang nicht geantwortet habe, hat meine Freundin Clara schon auf vier verschiedenen Plattformen gepostet, ich sei verschollen. Schnell antworte ich ihr, und entschuldige mich. Um zu beweisen, dass ich voll bei der Sache bin, stelle ich schnell noch ein paar neue Fotos online. In der Eile vergesse ich, mir etwas Neues anzuziehen und ein neues Make-Up aufzulegen. Mist, jetzt sehe ich genauso aus, wie vor einer halben Stunde!</p>
<p>Schreiend erwache ich. Nicht schon wieder dieser Traum! Das schlimmste an dieser Art Albträumen ist, dass sie wahr sind. Bis vor kurzem sah mein Leben wirklich noch so aus. Ich war abhängig davon, was andere über mich dachten, oder besser gesagt, was sie von meinem virtuellen Ich hielten. Aber eigentlich gibt es da keinen großen Unterschied mehr. Virtuell oder real, das spielt keine Rolle mehr. Wer im Netz unten durch ist es auch in der realen Welt, denn &#8211; seien wir einmal ehrlich &#8211; die virtuelle Welt ist ein großer Bestandteil der Realität. Ob wir das wahr haben wollen oder nicht! Ob unsere Eltern und Lehrer uns etwas anderes erzählen oder nicht! Ich dachte, dass ich diesem Leben, in dem ich immer online sein muss, vom Klingeln des Handyweckers bis mir die Augen zufallen, diesem Leben, in dem ich mich ständig präsentieren muss, als wäre ich ein Pferd, dass zum Verkauf angeboten wird, diesem Leben, in dem ich mich ständig von anderen bewerten lassen muss, wie ein Gegenstand, dessen Wert ermittelt werden soll, niemals entkommen werde. Ich hatte mich damit abgefunden kontrolliert, beurteilt und verspottet zu werden. Ich hatte mich damit abgefunden, dass nur mein Körper im Netz entscheidend war. Ich hatte mich damit abgefunden, jegliche vorhandene Intelligenz zu verbergen. Statt einer starken emanzipierten Frau war ich ein kleines, oberflächliches, auf ihren Körperbau und ihr Gesicht reduziertes Mädchen. Was ich jetzt bin? Unscheinbar. Unbekannt. Natürlich. Ich selbst. Eine Hackerin.</p>
<p>Zusammen mit meinen neuen Freundinnen, Freundinnen, die mich auch ohne Schminke, tolle Frisur und ständige Präsenz im Internet mögen, schleuse ich mich heimlich in die sozialen Netzwerke. Wir sind dort genauso aktiv wie die üblichen Nutzer. Eigentlich unterscheiden wir uns auch nicht großartig von ihnen. Außer, dass wir den Hintereingang benutzen, und statt selber Kommentare zu posten, die von anderen überarbeiten oder löschen. Statt die Mädchen zu ermutigen Fotos mit weniger Bekleidung hochzuladen, motivieren wir sie, die Filter und Bearbeitungsprogramme wegzulassen, aus Beleidigungen kreieren wir Komplimente, besonders anzüglichen Kommentaren antworten wir mit Viren. Wir möchten niemandem Schaden zufügen, wir möchten auch nicht die Meinungsfreiheit eingrenzen, aber wir möchten faires Verhalten im Netz. Wir leben im 21. Jahrhundert, wir leben in großem technischen Fortschritt, der viele Möglichkeiten bietet, aber wir leben auch in einer Zeit, in der Menschenwürde und Gleichberechtigung herrschen (sollten)!</p>
<p><strong>Weiterführende Links:</strong></p>
<ul>
<li><a href="https://www.meintestgelaende.de/2014/08/klischees-was-ist-dran/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline;">„barner16 erklärt die Welt“</span></a>: Klischees – was ist dran?</li>
<li>Fees Text zu <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.meintestgelaende.de/2014/08/klischees-was-ist-dran/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">„sexistischer Kackscheisse“</a></span></li>
<li>Warum wir lernen müssen, <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.tagesspiegel.de/berlin/jugendblog/zwischen-realitaet-und-internet-warum-wir-lernen-muessen-online-endlich-wir-selbst-zu-sein-/11290724.html" target="_blank" rel="noopener noreferrer">online endlich wir selbst zu sein</a></span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Die Online-Sanitäterinnen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/07/die-online-sanitaeterinnen/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 08 Jul 2016 08:00:43 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Cybermobbing]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=6860</guid>

					<description><![CDATA[Immer wieder hat #netzheldin kleeblatt41 Stress durch Mobbingattacken von Mitschüler*innen. Der Griff zu Smartphone ist fast immer mit dem Lesen von Beleidigungen im Gruppenchat verbunden. Doch unverhofft kommen ihr die Online-Sanitäterinnen auf Whatsapp zu Hilfe. Mein Handy klingelte, immer und immer wieder. Ging das schon wieder mit dem Mobbing los? Aber früher oder später musste]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Immer wieder hat #netzheldin kleeblatt41 Stress durch Mobbingattacken von Mitschüler*innen. Der Griff zu Smartphone ist fast immer mit dem Lesen von Beleidigungen im Gruppenchat verbunden. Doch unverhofft kommen ihr die Online-Sanitäterinnen auf Whatsapp zu Hilfe.</strong></p>
<p><span id="more-6860"></span></p>
<p>Mein Handy klingelte, immer und immer wieder. Ging das schon wieder mit dem Mobbing los? Aber früher oder später musste es ja so kommen. Zuvor wurde ich wenigstens &#8222;nur&#8220; in der Schule als &#8222;abgemagerte Bohnenstange&#8220;, oder &#8222;Hast du nicht Angst, du fließt beim Duschen durch den Abfluss?&#8220; beleidigt. Aber seit die Leute aus der Schule im Internet angefangen hatten, sich über meine Magersucht lustig zu machen, ging der Shitstorm richtig los. Nicht mal in unserer WhatsApp-Klassengruppe schreckten sie davor zurück. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, die Sache zu ignorieren und erst recht nicht die Nachrichten zu lesen, doch ich konnte es nicht ertragen, nicht zu wissen, was die Leute über mich redeten.<br />
Mit zitternden Händen nahm ich also mein Smartphone entgegen und tippte den PIN ein. Ich machte mich schon auf das Schlimmste gefasst, während ich den Klassenchat öffnete. Was war das? Ich überflog einige Beleidigungen, aber erst nach ein paar Kommentaren erkannte ich, dass diese ausnahmsweise nicht mir galten.<br />
&#8222;Schämt euch!&#8220;<br />
&#8222;Ihr seid das Letzte!&#8220;<br />
&#8222;Es ist schon erbärmlich, Menschen grundlos zu beleidigen, aber was ihr hier online treibt, ist mehr als bodenlos!&#8220;<br />
&#8230;<br />
Darunter stand noch:<br />
Ira hat die Gruppe verlassen.<br />
Maya hat die Gruppe verlassen.<br />
Nele hat die Gruppe verlassen.</p>
<p>Da ich so viel Schlimmes in den letzten Monaten erlebt hatte, konnte ich mir nicht sicher sein, ob sich hier tatsächlich jemand auf meine Seite stellte und versuchte mich zu unterstützen. Aber ich wagte es zu hoffen.<br />
Trotzdem reagierte ich zunächst nicht, da ich Angst hatte, es könnte sich um eine Art &#8222;Trick&#8220; handeln. Bis jetzt hatte ich Ira, Maya und Nele kaum wahrgenommen. Auch sie hatten mich bisher kaum beachtet, und die fiesen Attacken gegen mich schienen einfach an ihnen vorbeizugehen. Wenigstens hatten sie sich nicht daran beteiligt, was mir Mut machte.</p>
<p>An diesem Tag schien mein Handy nicht mehr still zu liegen. Nachricht um Nachricht folgte, die Gespräche in der Gruppe schienen zu eskalieren. Spannend verfolgte ich alles mit, und spätestens als zum ersten Mal mein Name auftauchte, war ich sicher, dass es hier um mich ging. Als jedoch die Beschimpfungen mir gegenüber wieder überhand gewannen, nahm ich mir vor, mich zunächst einmal nicht mehr mit diesem Thema zu beschäftigen.<br />
Nach dem &#8222;Abendessen&#8220;, einem Streit mit meiner Mutter und unzähligen Versuchen, endlich mein Deutschreferat zu erledigen, gelang mein Handy mal wieder auf unerklärliche Weise in meine Hände.</p>
<p>Nele hat dich zu einer Gruppe hinzugefügt.<br />
Gespannt ließ ich meine Finger über den Bildschirm gleiten. Und fand mich als Mitglied in einer Gruppe namens &#8222;Die Online-Sanitäterinnen&#8220; wieder. Scherz oder Wirklichkeit?<br />
Ohne auch nur den Blick einmal abzuwenden, verfolgte ich den Chatverlauf. Ich war aufgeregt, ungeheuer aufgeregt.</p>
<p>Nele: &#8222;Hey Leute, willkommen in der Realität!&#8220;<br />
Ira: &#8222;Ohne Feigheit und Beschimpfungen!&#8220;<br />
Maya: &#8222;Ja Mädels, zusammen schaffen wir&#8217;s!&#8220;</p>
<p>Ich wusste nicht, was sie damit meinten. Außer mir hatte Nele auch ein paar Mädchen aus der Parallelklasse der Gruppe hinzugefügt, die ich ebenfalls nur flüchtig kannte. Nach einigen Minuten folgten endlich Erklärungen.</p>
<p>Ira: &#8222;So jetzt schaffe ich hoffentlich Klarheit! Eure verdutzten Gesichter hätte ich gerne gesehen. 🙂 Nele, Maya und ich hatten eine Idee! Da wir alle unter unseren Problemen leiden und manche von euch niemanden haben, mit dem sie diese teilen können, dachten wir uns, wir führen so eine Art &#8222;Erste Hilfe-Chat&#8220; ein. Ihr könnt jederzeit Fragen, Anmerkungen und euren Stress mit uns teilen.<br />
Und ich spreche hier im Sinne aller: ALLES WAS WIR HIER BESPRECHEN, BLEIBT AUCH HIER!!!“</p>
<p>Maya: &#8222;Genauso ist es, wir haben hier auch nur vertrauenswürdige Personen ausgewählt, also keine Scheu!&#8220;</p>
<p>Gerne hätte ich sofort losgelegt, da ich wirklich das Gefühl hatte, dass es endlich jemanden gab, der mir zuhörte und mich ernst nahm. Aber aus Vorsicht wollte ich den Anderen Vortritt gewähren und warten, wer dem Angebot nachkam.</p>
<p>Es dauerte nicht lange, dann schrieb jemand:<br />
Sarah: &#8222;Hey Mädels, ich hab ein riesiges Problem, meine Eltern lassen sich scheiden und sind völlig zerstritten. Und jetzt soll ich mich entscheiden, zu wem ich ziehen soll&#8230;.“<br />
Ira: &#8222;Das können sie doch nicht von dir verlangen!&#8220;<br />
Sarah: &#8222;Scheint leider so :/ &#8220;<br />
Lisa: &#8222;Mach ihnen klar, dass du dich nicht auf einen von ihnen beschränken willst!&#8220;<br />
Ich: &#8222;Genau! Für einen von ihnen musst du dich wohl oder übel entscheiden, aber mach ihnen klar, dass dir beide GLEICH WICHTIG sind und du den anderen jederzeit besuchen und sehen möchtest. Gib ihnen auch zu verstehen, wie sehr du unter der Situation leidest und dass du hoffst, sie bemühen sich um ein gutes Verhältnis.&#8220;<br />
Sarah: &#8222;Wenn das so einfach wäre&#8230; Aber ihr habt Recht, ein ruhiges Gespräch ist das Beste. Es wird schwierig&#8230;&#8220;<br />
Ira: &#8222;Kopf hoch, wir stehen dir zur Seite!&#8220;<br />
Maya: &#8222;Es wird besser!&#8220;</p>
<p>Jetzt traute ich mich auch, über meine Situation zu schreiben.</p>
<p>Ich: &#8222;Ich hab da, wie ihr sicher wisst, auch ein Problem! Nicht nur, dass ich unter der Essstörung leide, die gemeinen Mobbingattacken machen mir unglaublich zu schaffen!&#8220;<br />
Sarah: &#8222;Das tut mir leid. Sich immer gegen einen zu stellen, so feige und asozial.&#8220;<br />
Nele: &#8222;Wir müssen ein Zeichen dagegen setzen! Deshalb sind wir auch aus der Klassengruppe raus! Tut mir leid, dass ich nicht schon eher reagiert habe!&#8220;<br />
Ira: &#8222;Mir auch..&#8220;<br />
Maya: &#8222;Morgen rede ich mit ein paar Leuten in der Klasse, damit sie dir auch zur Seite stehen. Wenn wir nur genügend Mitschüler überzeugen, wie erbärmlich die Aktionen sind, sinkt die Unterstützung und Bewunderung für die Mobber automatisch!&#8220;<br />
Ich: &#8222;Danke, Maya!&#8220;<br />
Maya: &#8222;Keine Ursache, wir bringen sie dazu, sich klein und nichtig zu fühlen.&#8220;<br />
Nele: &#8222;Das bekommen wir hin, zusammen!&#8220;<br />
Sarah: &#8222;Auch wenn ich in einer anderen Klasse bin, ich helfe euch!&#8220;<br />
Kati: &#8222;Ich auch!&#8220;<br />
Lina: &#8222;Ich auch!&#8220;<br />
&#8230;.</p>
<p>Nach unzähligen weiteren Nachrichten schlief ich ein und zum ersten Mal seit langer Zeit freute ich mich wieder auf die Schule.</p>
<p><strong>Weiterführende Links:</strong></p>
<ul>
<li>Poetry-Slam-Text: <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/04/poetry-slam-text-anders-sein/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Anders sein als die Masse</a></span></li>
<li>Jeder ist anders. <span style="text-decoration: underline;"><a href="https://www.meintestgelaende.de/2015/10/gleichberechtigung-ist-fuer-alle-da/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Doch Gleichberechtigung ist für alle da.</a></span></li>
<li>Mobbing in der Schule – <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.vigeno.de/heli-scheuble-kerntopf/praxis-life-mobbing-schule-free" target="_blank" rel="noopener noreferrer">Magersucht</a></span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Netzheldin – Dinge mit denen jede Frau im Internet konfrontiert wird</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/06/netzheldin-dinge-mit-denen-jede-frau-im-internet-konfrontiert-wird/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 01 Jun 2016 07:00:00 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Netzsexismus]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=6682</guid>

					<description><![CDATA[Sich in einen enge Bikini quetschen und sich sexy in Pose bringen, um möglichst viele Likes auf Facebook zu bekommen? Ganz schlechte Idee, findet Josefine von LizzyNet. Was der Schönheitswahn und der Sexismus in Josefines Kopf auslösen, erzählt sie uns in ihrem Text aus dem #netzheldin-Schreibwettbewerb. Ich öffne den Browser und klicke mich durchs Netz.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Sich in einen enge Bikini quetschen und sich sexy in Pose bringen, um möglichst viele Likes auf Facebook zu bekommen? Ganz schlechte Idee, findet Josefine von LizzyNet. Was der Schönheitswahn und der Sexismus in Josefines Kopf auslösen, erzählt sie uns in ihrem Text aus dem #netzheldin-Schreibwettbewerb.</strong></p>
<p><span id="more-6682"></span></p>
<p>Ich öffne den Browser und klicke mich durchs Netz. Obama, Flüchtlinge, Merkel. Langweilig. Ich beginne mich in Facebook einzuloggen. Genervt scrolle ich durch meine Neuigkeiten. &#8222;Lukas gefällt dein Bild&#8220;. Ich schaue mir mein Profilbild an. 11 Likes. Ich, wie ich in die Kamera lache. Mama hat das Bild gemacht. Ich lächele als ich an den Urlaub denke, in dem das Bild entstanden ist. Mir fällt ein, dass meine beste Freundin auch im Urlaub war. Ich tippe ihren Namen ein und schaue ihre Bilder an. Partys, Partys, Strandbilder und noch mehr Partys. Ihr bestes Bild: 368 Likes. Wow! Ich überlege kurz, ob ich mich auch mal in viel zu engem Bikini auf Facebook präsentieren soll. Nein danke, lieber doch nicht. Bei den Bildkommentaren verdrehe ich die Augen. Mister X Nummer 1. schreibt: &#8222;du hast zu viel an Schnecke&#8220;, gefolgt von Mister X Nummer 2., welcher den freundlichen Text &#8222;Lass uns doch mal privat treffen mein Mäuschen. Du siehst echt heiß aus. Dein Boddy ist toll!&#8220; hinterließ. Oh der klingt ja wirklich sympathisch und überhaupt nicht objektiv. Nun ja, wenn man drauf steht zumindest. Ich schüttele den Kopf.</p>
<p>Traurig, dass sich so junge Mädchen offen im Netz zur Show stellen. Jetzt wird mir auch klar, wieso man kaum noch positive Bemerkungen bekommt, wenn man nicht seinen &#8222;heißen Boddy&#8220; zeigt. Mein Kommentar &#8222;Hay, ist ein Bild, wo man nett lacht, nicht viel schöner? Man kann doch auch toll sein, ohne einen perfekten Körper zu haben. 🙂 &#8220; erntet die Antwort: &#8222;Sagt die, die keine Titten hat!&#8220;. Traurig, wie sehr Frauen heutzutage auf ihren Körper reduziert werden. Man muss &#8222;dicke Möpse&#8220; und einen &#8222;Geilen Arsch&#8220; besitzen, um gut anzukommen. Ich blicke an mir hinab. 90,60,90 Maße habe ich wirklich nicht, aber ich fühle mich wohl, so wie ich bin. Dennoch könnte man das wirklich netter ausdrücken. Danke für deinen indirekten Tipp Mister X Nummer 2. Ich werde mir sobald ich 18 bin die Brüste operieren lassen, nur weil die männliche Bevölkerung das gerne sieht. Die blonde super dünne Frau mit strahlend weißen Zähnen und ordentlichem Vorbau von der Werbung einer Kleidermarke lacht mir auf dem Monitor entgegen. Ja, ich habe definitiv recht gehabt mit meiner Vermutung. Traurig, traurig. Ich klicke mich weiter durch meine Freundesliste. &#8222;Tim, 13 Jahre alt, gefällt &#8222;Sex ist der geilste Sport der Welt&#8220;. Nun ja. Ich versuche meine Gedanken nicht auf die Tatsache zu konzentrieren, dass ein 13 jähriger junge Sex hat und mir auf seinem Titelbild eine halbnackte Frau einen Kussmund entgegenwirft. &#8222;Ich denke, das war genug Schock für heute&#8220; sage ich mir leise. Ich logge mich schnell aus.</p>
<p>Ablenkung muss her. Das Beste ist glaube ich ein Film. Ja, gute Idee. Die richtige Adresse ist schnell eingetippt und ich warte während mein PR die Seite lädt. Und dann wird mir wieder bewusst, wieso ich mir einen Add-Blocker anlegen sollte. &#8222;Ich bin ganz deine für eine Nacht&#8220;, &#8222;Treu sein ist nichts für richtige Männer&#8220;, &#8222;Wieso deine Frau wenn du mich nehmen kannst?&#8220; leuchtet mir in bunten Farben entgegen. Danke Internet, dass ich jetzt so viel weiser und informierter bin. Heureka! Eigentlich will ich die nackten Frauen nicht sehen, die sich vor mir virtuell präsentieren, jedoch weckt der Satz &#8222;Willst du dass ich dir ein blasen tue?&#8220; mein Interesse. Ich schlage mir vor die Stirn. Nicht einmal deutsch reden können die. Also als Mann wüsste ich nicht, was die Dame von mir will. Immerhin als Mann, der meint, dass jede Frau total sexy sein muss. Ich lache bei dem Gedanken auf. Meine Finger trippeln genervt auf der Tischplatte herum. 99%&#8230; 100% . Danke! Endlich kann ich meinen Film beginnen. Nunja, ich muss noch etliche aufreizende Angebote wegklicken aber dann geht der Film wirklich los. Die Titelmusik wird gespielt. Ich summe mit, das Lied kenne ich aus dem Radio. Mit einem Mal überlege ich was eigentlich der Text bedeutet. Google wird mir helfen, Google weiß alles! &#8222;Can you blow my whistle baby&#8220;&#8230;<br />
Ich bekomme die Übersetzung angezeigt: &#8222;Willst du meine Pfeife blasen Baby&#8220;. Nein danke, kein Interesse. Die Lust auf den Film ist mir vergangen. Ich überlege ernsthaft, wie man auf die Idee kommen kann, ein Lied zu komponieren, welches mehr als eindeutige sexuelle Anspielungen beinhaltet. Und dies auf dem niedrigsten Niveau überhaupt. Dafür müsste ein Preis vergeben werden. Aber eigentlich kann mich heute mal wieder nichts schocken. Immerhin tragen die unbekleideten Frauen, welche vorhin meinen Desktop zierten, zu solchen Liedern bei. Unbegreiflich, wie billig Frauen behandelt werden und sich deshalb auch so benehmen. Ich fasse den Entschluss, dass ich heute genug &#8222;Bildung&#8220; erhalten habe. Es ist wesentlich produktiver sich mit einer Tasse Tee und einem guten Buch ins Bett zu legen.Während mein PC herunterfährt, denke ich noch einmal darüber nach, was ich heute gelernt habe.</p>
<ol>
<li>Nackte Frauen kommen bei Männern besser an.</li>
<li>Es ist anscheinend nicht billig, sich so zu präsentieren, da es heutzutage viele machen.</li>
<li>Es ist vollkommen normal, als 13 Jähriger frühreif zu sein und sich damit zu brüsten &#8222;schon etliche Girls geknallt&#8220; zu haben.</li>
<li>Ich sollte keine englischen Lieder mehr mitsingen, ohne dass ich den Text kenne.</li>
</ol>
<p>Ich bin der Meinung, jetzt wirklich wesentlich schlauer zu sein. Ich danke dir dafür lieber Computer. Danke Internet! Danke du verkorkste Welt.</p>
<p><strong>Weiterführende Links:</strong></p>
<ul>
<li>Wie kann Frau auf sexistische Kommentare reagieren? Dieser Frage geht Fee in ihrem Beitrag <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/02/sexistische-kackscheisse/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline;">„Sexistische Kackscheiße“</span></a> nach.</li>
<li>Was die #netzheldin Kim über Hasskommentare und Netz-Sexismus denkt, lest ihr in ihrem preisgekrönten Beitrag „<a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/03/netz-sexismus-meine-metaphorischen-brueste/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><span style="text-decoration: underline;">Meine metaphorischen Brüste“</span></a>.</li>
<li>Mehr Gewinnerbeiträge aus dem <span style="text-decoration: underline;"><a href="http://www.lizzynet.de/netzheldin-siegerehrung.php" target="_blank" rel="noopener noreferrer">#netzheldin-Schreibwettbewerb</a></span> findest du auf LizzyNet.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein Hashtag (zeichnet die Welt)</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/04/ein-hashtag-zeichnet-die-welt/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 06 Apr 2016 08:00:47 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Netzhass]]></category>
		<category><![CDATA[Rassismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=6342</guid>

					<description><![CDATA[Wie sollen wir mit Hasskommentaren und Hetze im Internet umgehen? Die Trolle und Hater vielleicht einfach ignorieren? &#8222;Steh auf und mach den Mund auf“, fordert #netzheldin und LizzyNet-Autorin Johanna in ihrem Appell für ein respektvolles Miteinander. Eine Träne läuft mir über die Wange. Es folgen weitere. Ein Schleier vernebelt mir die Sicht und ich versuche]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Wie sollen wir mit Hasskommentaren und Hetze im Internet umgehen? Die Trolle und Hater vielleicht einfach ignorieren? &#8222;Steh auf und mach den Mund auf“, fordert #netzheldin und LizzyNet-Autorin Johanna in ihrem Appell für ein respektvolles Miteinander.</p>
<p><span id="more-6342"></span></p>
<p>Eine Träne läuft mir über die Wange. Es folgen weitere. Ein Schleier vernebelt mir die Sicht und ich versuche meine Gedanken zu ordnen. Ich suche verzweifelt nach Klarheit, versuche zu verstehen wieso. Ich sitze hier und schreibe an euch, auch wenn ihr dies hier weder lesen noch ernst nehmen werdet oder es einfach nicht verstehen wollt oder könnt. Versteht mich nicht falsch, ich weine nicht, weil ich hingefallen bin, ein Nagel eingerissen ist oder ich nicht mit Zac Efron zusammen sein kann. Nein ich weine, weil ich unfassbar enttäuscht bin. Ich greife wieder nach meinem Handy, betrachte erneut die Whats-App- Nachrichten. Okay, es ist schon schrecklich, wie sich die Menschen inzwischen schamlos auf Facebook äußern, hinter der Maske der Anonymität und auf all die einhauen, die schwächer sind. Sich Hitlerverhältnisse zurückwünschen oder zumindest seine Ideen. In diesen Momenten frag ich mich, was in den letzten Jahrzenten passiert ist? Ich frage mich, wieso ihrs noch immer nicht verstanden habt? Habt ihr jemals was von Menschenwürde gehört? &#8211; die nach dem ersten Artikel unseres Grundgesetzes unser höchstes und wertvollstes Gut ist, die von niemandem angegriffen werden darf. Ich finde diese rechten Bewegungen wie Pegida absolut abscheulich und inakzeptabel. Doch bei diesen offenen Äußerungen, kann man Menschen wenigstens verfolgen und bestrafen. Sie stehen zu dem, was sie sagen. Versteht mich nicht falsch, ich könnte schreien, weil es Menschen gibt, die Meinungsfreiheit mit Rassismus verwechseln und sich und ihre Nationalität über alle anderen stellen. Also so ungefähr über 99,9% der Bevölkerung, was denen aber irgendwie noch nicht aufgefallen ist.</p>
<p>Doch worüber ich hier sprechen will, ist etwas Anderes. Es geht um diese kleinen Äußerungen und Kommentare, die das Potenzial haben, mindestens genauso schlimm zu sein, wie die Verlautbarungen mancher Pegida-Angänger. Es geht um diejenigen, die im jugendlichen Alter, der Meinung sind, einfach mal ein paar dumme Sprüche ablassen zu müssen. Die einfach mal ein ganzes Volk auf ein paar Idioten herunterbrechen und sich aus der Kiste der Vorurteile mit vollen Händen bedienen. Es geht um die, die nicht merken, dass sie gerade ganz weit nach rechts abrutschen und in dem Moment, wo man sie mit korrekter Sprache und nachvollziehbaren Argumenten über Toleranz und Weltoffenheit an die Wand gestellt hat, mit einem Händewinken die Diskussion unterbrechen, ein bisschen rumdrucksen: &#8222;so sei das ja nicht gemeint gewesen&#8220; und glauben, dass sich die Sache erledigt hat oder sie starten mit einem Gegenangriff: &#8222;man solle sich mal vernünftig ausdrücken und richtig deutsch sprechen&#8220;, als man sich gewählter Sprache bedient hatte. Und das ist der Punkt, sie sagen etwas, was sie möglicherweise nicht einmal so meinen, doch sie besitzen das Potenzial, fremdenfeindlich zu sein. Sie haben nichts gelernt oder zugehört, als man ihnen sagte, was schon alles passiert ist. Sie haben es einfach nicht gecheckt und sind somit leichte Beute für rechte Propaganda.</p>
<p>Und in diesen Momenten empfinde ich einen seltsamen Schmerz, der mich irgendwie aus meiner heilen Vordertaunuswelt reißt, auch wenn ich schon in verschiedenen Ländern wie Myanmar und Südafrika war und schon extremer Armut begegnet bin, die mich sehr betroffen gemacht hat. Nichts macht mich so fertig, wie Menschen, die nicht verstanden haben, worum es eigentlich geht. (Es heißt nicht, dass ich dies alles begreifen kann, aber ein bisschen habe ich schon verstanden.) Die nicht verstehen, dass hinter einem abfälligen Kommentar über beispielsweise diese: &#8222;verdammten Russen die immer mit literweise Wodka intus durch die Gegend laufen&#8220;, so viel mehr steckt. Es scheint ein ungefährliches Vorurteil zu sein, eine Lappalie, doch es steckt so viel mehr dahinter.</p>
<p>&#8222;Ja ihr habt halt einfach nicht nachgedacht&#8220;, verteidigt ihr euch und genau das ist der Punkt. Ihr äußert euch, ohne eure grauen Gehirnzellen genauer zu befragen. Ihr seid Mitläufer in einer Masse von Menschen, die vielleicht auch nicht nachgedacht haben, folglich reicht ein Mensch, der für die anderen denkt und ein paar wirre, rassistische Parolen durch die Gegend schreit, und eine Welle kann folgen, die alle ausgrenzt, die nicht den von der Masse gesetzten Auswahlkriterien, wie eine bestimmte Hautfarbe, Nationalität oder Denkweise, entsprechen. Ich hoffe, ihr habt einfach aufgehört, euch zuzuhören, und wenn ihr das wieder tun würdet, würdet ihr verstehen, was Würde und Freiheit bedeuten. Und auch ihr würdet den Mund aufmachen und dafür kämpfen, dass eure Kinder eines Tages in einer Welt leben können, die von Toleranz und Freiheit und nicht von Hass und Egoismus geleitet wird.</p>
<p>Es gibt so viele Menschen, die einen Traum haben und hatten von einer solchen Welt und dafür aufstehen/aufstanden. Denkt nur an Martin Luther King oder Nelson Mandela, die für die Gleichberechtigung von Menschen mit verschiedenen Hautfarben kämpften oder an Leute die hier und jetzt den Mund aufmachen, bei der Integration von beispielsweise Flüchtlingen helfen oder öffentliche Appelle über die sozialen Netzwerke verbreiten.<br />
Steh auf und mach den Mund auf! Hör auf zu schweigen und die Augen zu verschließen!</p>
<p>Denn denkt immer daran:<br />
&#8222;Es ist egal<br />
Wer du bist-<br />
Wo du herkommst-<br />
An welche Religion du glaubst<br />
Welche Hautfarbe du hast.<br />
Sei einfach ein anständiger Mensch-<br />
Das ist das einzige, was zählt.&#8220;</p>
<p>Lasst nicht zu, dass der Hashtag #iseehumansbutnohumanity erneut unsere Welt dominieren muss. Man muss kein Held sein, um etwas zu bewirken. Man muss nicht direkt ins Kreuzfeuer der Rassisten laufen, um etwas zu tun. Man muss nur reagieren, ein kleines Wort, eine Geste, kann alles verändern. Seid offen und respektiert endlich die Menschen, die hierhergekommen sind, seht Verschiedenheiten als Specialeffekte und nicht als Fehler und versteht verdammt noch mal, dass ihr in einer ähnlichen Situation auch hoffen würdet, dass euch geholfen wird. Verhaltet euch so, wie ihr behandelt werden wollt.</p>
<p>Versteht Ihr, was ich meine?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Was die #netzheldin Kim über Hasskommentare denkt, lest ihr in ihrem preisgekrönten Beitrag <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/03/netz-sexismus-meine-metaphorischen-brueste/" target="_blank" rel="noopener">Meine metaphorischen Brüste.</a></li>
</ul>
<ul>
<li>6 kreative Reaktionen auf Hass und Hetze. <a href="http://medianauten.net/hasskommentare-im-internet" target="_blank" rel="noopener">http://medianauten.net/hasskommentare-im-internet</a></li>
</ul>
<ul>
<li><a href="http://www.lfm-nrw.de/aktuelle-meldungen/fuer-meinungsfreiheit-gegen-hetze-im-internet.html" target="_blank" rel="noopener"> #NoHateSpeech</a> – Eine Kampagne der Landesanstalt für Medien in NRW: <a href="http://www.lfm-nrw.de/aktuelle-meldungen/fuer-meinungsfreiheit-gegen-hetze-im-internet.html">http://www.lfm-nrw.de/aktuelle-meldungen/fuer-meinungsfreiheit-gegen-hetze-im-internet.html</a></li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Genuss</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/03/genuss/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 30 Mar 2016 08:00:57 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Me Myself & I]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Geschlechterrollen]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=6294</guid>

					<description><![CDATA[Schön sein. Anerkennung bekommen. Geliebt werden. Was im echten Leben fehlt, kann man im Internet inszenieren. Wie es ist, online jemand anderes zu sein, darüber hat Sarah (15) geschrieben. Ein Beitrag aus dem #netzheldin-Wettbewerb von LizzyNet. Langsam scrolle ich nach unten zu den Kommentaren. Es werden viele Komplimente dabei sein, denke ich. Mach dir keinen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Schön sein. Anerkennung bekommen. Geliebt werden. Was im echten Leben fehlt, kann man im Internet inszenieren. Wie es ist, online jemand anderes zu sein, darüber hat Sarah (15) geschrieben. Ein Beitrag aus dem <a href="http://www.lizzynet.de/netzheldin-siegerehrung.php" target="_blank" rel="noopener"><u>#netzheldin-Wettbewerb</u></a></strong><strong> von LizzyNet.</strong></p>
<p><span id="more-6294"></span></p>
<p>Langsam scrolle ich nach unten zu den Kommentaren. Es werden viele Komplimente dabei sein, denke ich. Mach dir keinen Kopf. Tatsächlich lese ich erst positive Beiträge. Über mein neues Kleid. Aber dann auch die, die ich am liebsten ignorieren will. Die mir egal sein sollten, es aber nicht sind, weil es genau die Stimmen sind, die mich an mir zweifeln lassen. Verdammt, iss mehr, du siehst unnormal aus, herrje deine Beine, du bestehst ja nur aus Knochen, schreiben sie. Ich lese mir jedes Wort genau durch, auch mehrmals. In der Hoffnung, die Buchstaben würden herumwirbeln und sich in einer anderen Ordnung wieder beruhigen. Ja, weiter so, bleib dran, du bist so schön, wünsche ich mir.</p>
<p>Manchmal passiert mir aus Frust ein Missgeschick. Ich geh dann an die Schublade und öffne sie, nehme mir schnell etwas Schokolade und setze mich wieder in mein Bett. Die Verpackung funkelt im Licht, sie glitzert fast und ich möchte diese Magie, diese Jungfräulichkeit nicht zerstören, doch dann beginne ich, sie zu öffnen.<br />
Vorsichtig, damit sie nicht reißt. Dann nehme ich mir die Süßigkeit und bevor ich es mir anders überlege, lege ich sie in meinen Mund. Dort schmilzt sie. Sie schmilzt und ich schmecke sie, auf meiner Zunge, an meinem Gaumen, überall ist dieser Geschmack und ich will mehr davon, mehr, doch dann erschrecke ich. Es ist weg. Ich habe geschluckt und nun füllt sich mein Magen. Das klaffende, riesige Loch in meinem Bauch wird angegriffen und mir wird heiß und kalt zugleich. Die Kalorien. Ich spüre wie ich mich aufblähe, wie ich zunehme, kann das Fett fühlen, wie es sich ansetzt.</p>
<p>Lenk dich ab, denke ich. Schreib etwas in deinen Blog. Lass die Fotos heute aus. Also schreibe ich, über die Mode, die ich hübsch finde, über gesunde Ernährung, über meine Freunde und erdenke mir eine Welt, in der man glücklich sein kann. Sie schreiben es in die Kommentare. Dass sie neidisch sind und wünschen mir und meinem Freund viel Glück. Ich mag die Anerkennung, die ich dort erhalte. Es stört mich nicht, dass ich in Wirklichkeit keine Beziehung habe. Es ist auch nicht erlogen, nein, das ist es nicht. Ich bin all das, in meinen Gedanken. Ich besitze alles, was ich will, ich kann mir schließlich alles aussuchen. Im Internet darf ich das.</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Anders sein als man ist? Für Matilda ist das nichts. Warum, das erklärt die story-tellerin in ihrem Text <u><a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/03/passend-gemacht-2/" target="_blank" rel="noopener">Passend gemacht</a></u>.</li>
<li style="text-align: left;">Lieber IQ statt GQ, findet Poetry-Slammer Dominik. Im Video <u><a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/03/schoenheit-eine-zugabe/" target="_blank" rel="noopener">Schönheit – eine Zugabe</a></u> erklärt er, warum er vor keinem Ideal niederkniet.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Netz-Sexismus: Meine metaphorischen Brüste</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2016/03/netz-sexismus-meine-metaphorischen-brueste/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 23 Mar 2016 08:51:50 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Netzhass]]></category>
		<category><![CDATA[Online]]></category>
		<category><![CDATA[Sexismus]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=6261</guid>

					<description><![CDATA[Offline trifft Kim nur anständige Leute. Online sieht die Sache anders aus: Da wird die 16-Jährige mal eben als „bitch“ beleidigt oder mit „Schätzchen“ tituliert. Was die #netzheldin über solche Umgangsformen denkt, lest ihr in ihrem preisgekrönten Beitrag. Ich habe eine Frage. Vielleicht auch mehrere. An Sie, der mir in Kommentardebatten unter Blog-Posts über die]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Offline trifft Kim nur anständige Leute. Online sieht die Sache anders aus: Da wird die 16-Jährige mal eben als „bitch“ beleidigt oder mit „Schätzchen“ tituliert. Was die #netzheldin über solche Umgangsformen denkt, lest ihr in ihrem preisgekrönten Beitrag.</strong></p>
<p>Ich habe eine Frage. Vielleicht auch mehrere.</p>
<p>An Sie, der mir in Kommentardebatten unter Blog-Posts über die Geschlechterunterschiede beim Zusammenbauen von IKEA-Schränken <em>Schätzchen, du bist bitchy </em>unterstellt.</p>
<p>An Sie, der <em>Wenn Du mit den Jungs spielen willst, dann mach keine &#8222;ich bin ein aber ein Mädchen&#8220;-Aussagen. Wenn Du das doch machen willst: &#8222;Show your boobs&#8220; </em>zu mir sagt. Der sich später damit rechtfertigt, das sei metaphorisch gemeint gewesen, er wolle lieber meine Argumente hören.</p>
<p>An Sie, der das auch noch mit <em>boobs sind aber (hoffentlicht) die größten argumente einer echten Frau 😉 </em>kommentiert. Der meint, durch den Zwinker-Smiley würden seine – Frauen und die deutsche Rechtschreibung – verachtenden Kommentare weniger widerlich.</p>
<p>An Sie, der sich mit Rechtschreibung auskennt, und mit Etikette, und außerdem mit ganz vielen halbseriösen Studien, die belegen, dass Frauen, die sich gegen traditionelle Geschlechterrollen auflehnen, im Mutterleib zu viel Testosteron abbekommen haben. Der mir auf hormoneller Ebene erklären will, warum Unterdrückung, gegen die ich mich wehre, für andere Mädchen okay ist. Der Links und Links und noch mehr Links im Gepäck hat, und mich fragt, wo ich denn bitte die Unterdrückung von Frauen sähe, während ich in den Kommentaren drum herum als <em>Schätzchen </em>und <em>bitchy </em>und <em>boobs </em>beleidigt werde.</p>
<p>Genau Sie. Sie alle. Hallo. An Sie habe ich Fragen.</p>
<p>Wenn Sie mir ins Gesicht sehen müssten. Wenn Sie mir in der U-Bahn oder im Supermarkt oder im Wartezimmer begegnen würden. Wenn ich offline sagen würde, was ich online gesagt habe, denn ich sage offline, was ich online sage.</p>
<p>Würden Sie mich Schätzchen nennen? Würden Sie mir unterstellen, ich sei bitchy? Würden Sie mich in aller Öffentlichkeit auffordern, Ihnen meine metaphorischen Brüste zu zeigen? Würden Sie mir, mit Brüsten, Biologie-Leistungskurs und Wut im Bauch, vorschlagen, ich sei Feministin wegen [irgendwas mit Testosteron]?</p>
<p>Genau Sie, Sie alle, hinter Ihren Tastaturen. Würden Sie?</p>
<p>Vermutlich würden Sie mich offline nicht mal duzen. Sie wissen sich ja zu benehmen. Sie nennen niemanden Schätzchen oder bitchy oder argumentieren mit boobs und Zwinker-Smileys. Sie bezeichnen sich als anständige Leute, und Sie sind definitiv keine Sexisten. Wenn man Sie fragt, sind Sie bestimmt für Gleichberechtigung der Geschlechter. Offline. Nicht wahr?</p>
<p>Und warum nicht online? Wohin flieht Ihr Gehirn, sobald Sie eine Computermaus in die Hand nehmen? Macht das Internet Sie dumm?</p>
<p>Bitte, erklären Sie mir das. Erzählen Sie, genau Sie, Sie alle, dass Sie an Internet-Tourette leiden. Oder dass Ihre Katze über die Tastatur gelaufen ist und zufällig Wörter wie Schätzchen und bitchy produziert hat. Oder dass Ihr Internetbrowser vom Geist Ihres sexistischen toten Großvaters besessen ist. Lassen Sie sich was einfallen.</p>
<p>Denn ansonsten muss ich, müssen alle Mädchen und Frauen online und offline, damit rechnen, dass Sie, genau Sie, Sie alle uns täglich in der U-Bahn oder im Supermarkt oder im Wartezimmer in die Augen sehen und uns am liebsten Schätzchen und bitchy nennen würden, dass Sie uns über unseren Testosteronhaushalt aufklären und unsere metaphorischen Brüste sehen wollen. Und das wollen Sie nicht, oder? Sie sind doch anständige Leute. Sagen Sie doch. Sind Sie doch.</p>
<p>Oder?</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Wie kann Frau auf sexistische Kommentare reagieren? Dieser Frage geht Fee in ihrem Beitrag <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/02/sexistische-kackscheisse/" target="_blank" rel="noopener"><u>Sexistische Kackscheiße</u> </a> nach.</li>
<li>Mehr Gewinnerbeiträge aus dem <a href="http://www.lizzynet.de/netzheldin-siegerehrung.php" target="_blank" rel="noopener"><u>#netzheldin-Schreibwettbewerb</u></a> findest du auf LizzyNet.</li>
</ul>
<p>&nbsp;</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
	</channel>
</rss>
