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		<title>Frauen in Burkina Faso &#8211; unterdrückt und doch selbstbewusst</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/09/frauen-in-burkina-faso/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 14 Sep 2018 07:00:04 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
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					<description><![CDATA[Lilith hielt sich im Januar diesen Jahres einen Monat lang in Garango im in Westafrika gelegenen Land Burkina Faso auf. Dort half sie an Schulen, Krankenunterstützungsstationen und in einem Waisenhaus. In diesem Artikel berichtet sie von ihrem Eindruck in Hinblick auf die Gleichbehandlung der Geschlechter in einem der ärmsten Länder der Welt. Während viele meiner]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Lilith hielt sich im Januar diesen Jahres einen Monat lang in Garango im in Westafrika gelegenen Land Burkina Faso auf. Dort half sie an Schulen, Krankenunterstützungsstationen und in einem Waisenhaus. In diesem Artikel berichtet sie von ihrem Eindruck in Hinblick auf die Gleichbehandlung der Geschlechter in einem der ärmsten Länder der Welt.</strong></p>
<p><span id="more-10913"></span></p>
<p>Während viele meiner anderen Artikel sehr zahlen- und faktenlastig sind, ist es wichtig zu Beginn dieses Textes anzuführen, dass ich hier besonders meine persönlichen Eindrücke und Erfahrungen zum Ausdruck bringe, die ich während meines einmonatigen Aufenthalts in Burkina Faso gemacht habe. Meine Beobachtungen, die sich besonders auf Garango und Umgebung beziehen, können selbstverständlich nicht auf alle Regionen Burkina Fasos übertragen werden und erst recht nicht als Pauschalangaben für ganz Afrika gesehen werden.</p>
<p><strong>Arbeit</strong></p>
<p>„Jedes Mal, wenn ich nach Deutschland zurückkehre, fällt mir auf einmal auf, wie viel unsere Männer eigentlich arbeiten!“ So die Worte einer Freundin, die bereits mehrmals wenige Wochen in Burkina Faso verbracht hat. Ihrer Beobachtung nach arbeiten ausschließlich die Frauen, während die Männer nur herumsitzen und sich mit Dolo, einem einheimischen alkoholischen Getränk, besaufen, oder mit Freunden ein Schwätzchen halten. Ihre weiblichen Partnerinnen hingegen schleppen das Wasser, kochen, sorgen sich um Haushalt und Kinder und arbeiten nicht selten auch noch in einem Gartenstück, falls die Familie das Glück hat, ein solches zu besitzen. Wahlweise stößt sie zu einer Frauengruppe hinzu, die Seifen, haltbaren Reis oder Babynahrung herstellen.</p>
<p>Von letzteren gibt es tatsächlich inzwischen nicht wenige. Immer mehr Frauen schließen sich in Gruppierungen zusammen, um in diesen eine ihrer Ideen umzusetzen. Nicht selten erstellen sie ausführliche Anträge um kleine Summen zu erhalten, die ihnen als Startkapital dienen. Mit diesem bauen sie sich ein Gebäude, in dem sie zusammenkommen können, oder sie erwerben Maschinen, die sie zur Produktherstellung benötigen.</p>
<p>Tatsächlich ist es aber sowohl für Männer als auch Frauen schwierig, eine bezahlte Arbeit zu finden. Ausnahmslos jeder mit dem ich rede, ganz unabhängig vom Geschlecht strebt an, Beamter zu werden. Dann habe man wenigstens ein sicheres Gehalt und auch eine Versorgung im Alter. Doch dieses glückliche Los trifft hier in Burkina Faso nur sehr wenige. Ansonsten klagen alle über die Perspektivlosigkeit für Männer wie Frauen. Was soll ich später mal werden? Den Kindern fallen dazu nur Arzt, Schneider und Lehrer ein. Andere Berufe kennen sie nicht.</p>
<p>Nun aber zurück zu dem Urteil meiner Bekannten. Tatsächlich fällt auch mir auf, dass die Frauen insgesamt auf dem Feld, in der Familie sowie auf dem Markt oder als Schneiderinnen, deutlich aktiver sind, als die Männer. Dennoch kann dies nicht pauschalisiert werden und es gibt auch sehr fähig und arbeitstüchtige männliche Burkinabé. Interessant finde ich zudem, dass zwar die Feldarbeit hier eindeutig den Frauen überlassen wird, aber das in Bezug auf die anderen Berufe ein ähnlich stereotypes Denken herrscht, wie bei uns. So sind Grundschullehrer oder Kindergartengärtner fast ausnahmslos weiblich, während die älteren Schüler von mehr Männern unterrichtet werden. Auch Schreiner zu sein, oder ein Haus für die Familie zu bauen, erledigen stets die Männer.</p>
<p>Körperlich sind die meisten Frauen hier in Burkina Faso jedoch den Männern mindestens ebenbürtig. Selbst ohne Freizeitsport zu betreiben, kann man aufgrund des Kochens und der Bewirtschaftung der Gärten ganz ihne Gerätschaften, an ihren Oberarmen deutlich die Muskeln sehen.</p>
<p>Sehr interessant ist zudem, dass sich durchweg alle einer Meinung sind, was den Umgang mit Geld anbelangt: Frauen seien dabei deutlich gründlicher, ehrlicher und rationaler. Es ist daher auch kein Zufall, dass alle Schatzmeister, die ich in Burkina Faso treffe, egal von welcher Gruppierung oder Vereinigung, weiblich sind.</p>
<p><strong>Bildung</strong></p>
<p>„35 Mädchen, 32 Jungen, 0 fehlend“ steht in der Ecke rechts oben an der Tafel, in der jeden Tag die Anwesenheit festgehalten wird. Heute ist die Klasse wie so häufig vollzählig. Was jedoch noch mehr auffällt – das Geschlechterverhältnis am Gymnasium hat sich innerhalb der letzten fünf bis zehn Jahre enorm verändert. „Inzwischen sind in unseren „Bac“ (in etwa unserem deutschen Abitur entsprechend)- Klassen teilweise sogar mehr Mädchen als Jungen“ bestätigt mir der Lehrer, der mich an diesem Tag durch die Schulräume begleitet, dass es sich bei den Zahlen an dieser spezifischen Tafel nicht nur um einen Ausnahmefall handelt.</p>
<p>Zum einen hängt der gestiegene Mädchenanteil in den Klassen mit der eingeführten Schulpflicht zusammen. Zum anderen vom gesellschaftlichen Bild. Zumindest in den Städten gewinnen die Frauen hier in Burkina Faso, immer mehr an Selbstbewusstsein und werden in vielen Bereichen heute deutlich gleicher behandelt, als noch vor wenigen Jahren.</p>
<p><strong>Hochzeit</strong></p>
<p>Gesetzlich ist eine Eheschließung für Mädchen erst ab Vollendung des 17. Lebensjahr, für Jungen erst nach Ende des 20. erlaubt. Alleine diese Regelung empfinde ich bereits als ungerecht. Warum bitte dürfen die Mädchen bereits in einem jüngeren Alter dem Heiratswillen ihrer Eltern zum Opfer fallen, als Jungen? Aber damit nicht genug, denn wir könnten uns schon glücklich schätzen, wenn diese Regelung überhaupt eingehalten würde. Denn was in den meisten Familien als Eheschließung zählt ist nicht die staatliche Hochzeit oder der Eintrag als Ehepaar – sondern vielmehr die traditionelle oder religiöse Zeremonie und diese kann natürlich ganz unbeeindruckt vom Gesetz in jedem Alter durchgeführt werden.</p>
<p>Sowohl wenn ich mit den Ordensschwestern aus Garango spreche als auch meinen dort kennengelernten Freunden, die sich in meinem Alter befinden und die Abschlussklasse des lycées besuchen, wirkte Burkina Faso richtig modern. Sie erzählten, dass sie sich ihren Freund bzw. ihre Freundin vollkommen frei auswählen und den Zeitpunkt ihrer Hochzeit selbst festlegen dürften. Die meisten versprechen sich, während der Studienzeit einen Lebenspartner zu finden. Das einzige, was auffällt: wenn mir einmal wieder Heiratsanträge gemacht werden (während meines einmonatigen Aufenthaltes um die 100 Stück), und ich darauf mit der Antwort „Dann musst du aber noch 12 Jahre warten, bis ich 30 Jahre alt bin“, waren alle recht empört. 30 fanden dann doch alle zu alt für eine Hochzeit. Vielleicht liegt das aber auch daran, dass die Menschen hier in Burkina Faso kürzer Leben. Um noch ausreichend Zeit mit seinem Ehepartner zu verbringen, muss man sich eben rechtzeitig an ihn binden. Trotzdem reagieren die Jugendlichen hier in Garango, einer städtischen Region, sehr aufgeschlossen für das Thema Liebe, Beziehung und Hochzeit und wirken sehr selbstbewusst in ihrer Forderung, diese Themen ohne Mitbestimmung der Eltern klären zu können.</p>
<p>Wenden wir den Blick aufs Land, ergibt sich jedoch noch einmal eine ganz andere Situation. Nicht nur sprechen hier die wenigsten Frauen Französisch, auch Kinderhochzeiten sind keine Seltenheit. Auch durch ein Patenschaftsprogramm, bei dem ich mithelfe und bei dem Deutsche jährlich das Schulgeld für Kinder in Burkina Faso zahlen, bekomme ich immer wieder davon mit. Nicht häufig, aber doch ab und an kommt es vor, dass eine Teilnehmerin aus dem Programm aussteigen muss, weil sie verheiratet wurde, oder schwanger ist. Warum diese Veränderung direkt zum Projektausschluss führt? Weil mit diesen Ereignissen fast immer ein Ausstieg aus der Schule einhergeht, und die Patenschaftsförderung eben nun einmal auf die Bildungsfinanzierung fokussiert ist. Frauen müssen also je nachdem wo sie in Burkina Faso aufwachsen, immer noch mit einer Hochzeit und/oder Schwangerschaft im Alter zwischen 13-17 rechnen. Mit einem Mann, den sie zuvor kaum kennengelernt haben.</p>
<p><strong>Häusliche Gewalt</strong></p>
<p>Diese musste ich zum Glück während meines gesamten Monats Aufenthalt in Afrika nicht mit eigenen Augen ansehen. Was mir aber sehr viele Mädchen und junge Frauen berichten: sie sind eindeutig glücklich darüber, Single zu sein, weil die Männer oft doch sowieso nur zuschlagen würden – so ihre einheitliche Aussage. Ob dies aufgrund eines von vorneherein hohen Aggressionspotentials geschieht, oder nach einem erhöhten Dolokonsum spielt dann auch keine Rolle mehr. Sie äußern mir gegenüber durchweg das Bild des ungerechten Ehemannes, der im schlimmsten Fall bei Streitereien auch noch das Bestimmungsrecht über die Kinder behält. Selbst männliche Mitschüler der Abitursklasse, die ich mehrmals besuche, beschreiben mir gegenüber dieses Bild des Durchschnittsburkinabé. Besonders auf dem Land werden die Frauen auch tatsächlich zu Hause noch stark unterdrückt und wissen sich nicht zur Wehr zu setzen.</p>
<p><strong>Beschneidung</strong></p>
<p>Auch hier gilt: in der Stadt werden Mädchen heutzutage kaum mehr beschnitten. Auch viele der Jugendlichen, mit denen ich über das Thema spreche, sind der Überzeugung, dass Beschneidung veraltet sei und keine Rolle mehr in ihrem Land spiele. Betrachtet man jedoch das gesamte Land, so stellt man fest, dass doch noch viele weibliche Burkinabé diesen schrecklichen Eingriff in ihrer Kindheit über sich ergehen lassen müssen. Das Stadt-Land gefällte, bei dem in Regionen, die letzterem zugehörig sind, deutlich traditioneller gelebt und geglaubt wird, muss um dies zu verändern noch eindeutig einiges an Arbeit geleistet werden.</p>
<p>Beachten muss man gerade im direkten Gespräch auch, dass viele Menschen über dieses Thema schlichtweg nicht reden möchten. So ist es nicht weiter verwunderlich, wenn sie möglichst schnell und etwas für ihr Gegenüber befriedigend Erscheinendes antworten, um diesen seltsamen Hellhäutigen möglichst schnell loszuwerden.</p>
<p><strong>Medien</strong></p>
<p>Was mich sehr überrascht, ist der offene Umgang mit nackter Haut und Emanzipation im Fernsehen. Immer und überall läuft dieses Gerät heutzutage, was mich meist nur nervt, manchmal ist aber doch etwas Interessantes dabei. Eines Sonntagnachmittags z.B. läuft im Haus des Gastgebers nebenher eine Serie, in der die Mutter und der Bruder einer Frau Ende 20 als Folge ihres Verdachts mit dieser darüber reden, ob sie von ihrem Mann geschlagen wird. Sie setzen sich enorm für diese junge Frau ein und verurteilen ihren gewalttätigen Ehemann. Vor einigen Jahrzehnten wäre ein solcher Handlungsverlauf überhaupt nicht möglich gewesen. Damals war das Schlagen noch weit verbreitet und zählte nicht nur zu den Befugnissen, sondern sogar Pflichten eines jeden Mannes, um Kinder und Frau „zu erziehen“. Auch über Werbespots und Musikvideos zeige ich mich erstaunt. Dort wird massenhaft Körper in kurzer, enganliegender Kleidung gezeigt, bauchfreie Mädchen tanzen auf dem Bildschirm umher – in einem Land, in dem jede Frau auf den Straßen auch heute noch darauf achtet, mindestens bis hin zu den Knien verdeckt zu sein!</p>
<p><strong>Informationsstand und Aufklärung</strong></p>
<p>Einige der bereits oben genannten Frauengruppen setzen ihr mit den eigenen Produkten erwirtschaftetes Geld nicht dafür ein, ihre Familie zu ernähren, sondern um Informationsveranstaltungen zu finanzieren. Sie bieten Alphabetisierungskurse für erwachsene Frauen an, ziehen mit Informationsplakaten in umliegende Ortschaften und informieren vor Ort über die Rechte, die jede Frau innehat, über Geschlechtskrankheiten und Verhütungsmethoden, sowie Gefahren während der Schwangerschaft und bei der Geburt. Dies ist bereits ein erster Ansatz, macht aber auch offensichtlich, dass die eigenen Anstrengungen der Regierung bei weitem nicht ausreichen. Diese unternimmt nämlich gerade im Bereich der sexuellen Bildung kaum etwas – außer neben jedes Ortsschild ein Plakat aufzustellen, auf dem die Vorbeifahrenden an das Verbot der Mädchenbeschneidung erinnert werden. Informationsmangel herrscht auch hier wiederum sehr stark auf dem Land. In den Städten, besonders an den Universitäten in der Hauptstadt Ouagadougou findet man daher auch die deutlich selbstbewussteren Frauen, die sich nicht so leicht unterdrücken lassen und an der Universität den Jungen zum Mann wählen, der ihnen gefällt.</p>
<p>Festzuhalten bleibt, dass mich die Lage der Frauen tatsächlich eher positiv überrascht hat. Dennoch muss erwähnt bleiben, dass sich viele Menschen in Burkina Faso in großer Armut und in einer sehr schwierigen Lage befinden. Besonders betrifft dies auch heute noch Frauen, speziell in den ländlichen Regionen, sodass in Zukunft noch viele Anstrengungen unternommen werden müssen, um diese Lage zu verbessern und diese ungerechten Verhältnisse aus dem Weg zu schaffen. Dabei muss stets ein Mittelweg gefunden werden. Denn viele Einheimische verurteilen es, wenn die aus dem Westen kommenden, ihre angeblichen Weisheiten, ihre Gleichberechtigung und ihr „besseres“ soziales System ihnen künstlich aufstülpen wollen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>?</li>
<li>?</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Frauen in China &#8211; Von händchenhaltenden „Schwestern“ und Powerfrauen</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/08/frauen-in-china/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 20 Aug 2018 07:00:46 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Autorin Lilith ist viel unterwegs in der Welt. Zur Zeit weilt sie in China und auch von dort schreibt sie Artikel für meinTestgelände. In diesem hier erfahrt ihr, was sie bisher in Chongqing in Bezug auf Beziehungen und das gesellschaftliche Rollenbild der Frau in Erfahrung bringen konnte. „Das hier sind die Tafeln auf denen]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Autorin Lilith ist viel unterwegs in der Welt. Zur Zeit weilt sie in China und auch von dort schreibt sie Artikel für meinTestgelände. In diesem hier erfahrt ihr, was sie bisher in Chongqing in Bezug auf Beziehungen und das gesellschaftliche Rollenbild der Frau in Erfahrung bringen konnte.</strong></p>
<p><span id="more-10829"></span></p>
<p>„Das hier sind die Tafeln auf denen alle Eigenschaften der Frauen stehen. Welche Ausbildung sie hat, ihr Alter, aus welchem Elternhaus sie stammt…“ Meine Eltern zeigen mir gerade Bilder ihrer vergangenen zwei-Wochen Reisen in China. Dieses Foto zeigt eine Szene im Park. An diesen Orten suchen Väter scheinbar nach Frauen für ihre Söhne. O.k.? Dass es so etwas noch gibt, hat mir in China bisher noch niemand erzählt. Aber – da werden die Unterschiede zwischen Stadt und Land einmal wieder offensichtlich. „Die Väter arrangieren dann Treffen mit den entsprechenden Frauen. Ein Foto ist hier auf den Tafeln nie dabei“ Es ist wirklich eine Art „Frauenmarkt“ den meine Eltern in diesem Park beobachten konnten. Irgendwie erinnert mich dieses Vorgehen an eine alte Variante der heutigen Internet-Partnersuche-Plattformen. Während hier ein Algorithmus herauszufinden versucht, welche zwei Personen ein besonders glückliches Pärchen abgeben würden, ist es hier auf diesem Platz einfach der Vater.</p>
<p>Doch so finden sich heutzutage nicht mehr die meisten Ehen, wie mir von allen Seiten berichtet wird. Nicht nur meine Gastfamilie, sondern auch Studierende an der Universität oder Mitarbeiter von RisingStar erzählen mir, dass sich in dieser Hinsicht innerhalb der vergangenen fünfzig Jahre einiges verändert hat. Meistens lernen sich Partner einfach an der Uni, beim Arbeitsplatz oder im Fitnessstudio kennen. Den Eltern werden die Freunde meist deutlich später vorgestellt, als das in Deutschland der Fall ist. Während wir unseren Eltern manchmal schon nach wenigen Tagen von einer neuen Beziehung berichten, geht es bei den Chinesen doch schon eher in Richtung Hochzeit, wenn eine Person anderen Geschlechts mit nach Hause genommen und dort als Freund präsentiert wird. Das was dann geschieht, scheint den deutschen Sitten sehr ähnlich zu sein. Die Eltern bilden sich ihr eigenes Urteil über den Vorgestellten und es kann natürlich dazu kommen, dass sie ihr Kind davon überzeugen möchten, dass dieser Jemand nicht der oder die Richtige für ihn/sie ist. Ein wirkliches Mitbestimmungsrecht jedoch haben sie nicht mehr, so wie das früher durchaus der Fall war.</p>
<p>Um den zukünftigen Schwiegersohn bzw. die Schwiegertochter zu beurteilen, spielt in China aber noch mehr der Wohlstand eine Rolle. Nicht selten wird als allererstes nach Beruf und Vermögen der Eltern sowie den eigenen finanziellen Mitteln gefragt. In Deutschland habe ich die Beobachtung gemacht, dass diese Aspekte eher in den Hintergrund treten, so lange der vorgestellte Partner freundlich ist und das eigene Kind in der Beziehung glücklich wird.</p>
<p>Ganz witzig ist auch, dass die chinesischen Eltern soweit ihre Finger aus der Partnersuche halten, bis die Kinder ein Alter überschreiten, ab dem die Eltern sich zu sorgen beginnen, ob ihr Kind überhaupt noch einen Partner finden wird. Dann beginnen auch sie, sich einzuschalten und ein wenig als Verkuppler aktiv zu werden. Ganz witzig ist zudem, dass meine Gastmutter sich mehrmals mit mir über das Thema „boyfriend“ unterhält. Die modernen Chinesen gehen mit Liebesbeziehungen also ganz offen um. Noch dazu wünscht sie sich, dass ich einen chinesischen Freund finde. Ob das nun daran liegt, dass die Chinesen einen Frauenmangel haben und es umso besser ist, je mehr Männer eine ausländische Freundin finden, oder ob sie mich dadurch näher an China binden und somit meinen Anreiz erhöhen möchte, wieder hierher zurückzukommen? Nun ja, von den „Verkupplungstreffen“ die sie mir bereits mehrmals mit der vorsichtigen Frage „Do you mind if I introduce some boys to you?“ angekündigt hat, habe ich bislang in der ersten Hälfte meines Aufenthaltes noch kein einziges erlebt.</p>
<p>Außerdem erzählt sie mir, dass es chinesischen Männern wohl gar nicht so recht sei, sich ausländische feste Partnerinnen zu suchen. Die ausländischen Frauen seien in ihren Augen zu offen, zu frei, zu selbstbewusst. Außerdem fürchten die Männer in China wohl die kulturellen Differenzen. Darüber hinaus hält meine Gastmutter ausländische Männer für die moralischeren und besseren. Ihrer Meinung nach würden Chinesen nur auf das Aussehen achten und sich gerne auch einmal halb so alte Frauen nehmen. Westliche Männer achteten in ihren Augen mehr auf den Charakter – nun ja, das kann ich in der breiten Masse jetzt nicht unbedingt bestätigen, aber interessant welche Eindrücke die Chinesen von der „westlichen“ Männerwelt haben.</p>
<p>Wichtig zu betonen ist zudem, dass es auch vollkommen in Ordnung ist, gute Freunde zu haben, die dem anderen Geschlecht angehören, ohne sich gleich verlieben zu müssen. Es ist also durchaus in Ordnung, sich mit einem Jungen zu treffen, selbst wenn dieser schon in einer festen Beziehung steht. Was auch auffällig ist, ist, dass Freundinnen, die nicht etwa homosexuell sind, sondern sich einfach nur sehr gut verstehen, häufig händchenhaltend durch die Straßen ziehen. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Chinesen ihre Freunde ziemlich schnell als „Bruder“ oder „Schwester“ bezeichnen.</p>
<p><strong>HAUPTSACHE MÄNNLICH</strong></p>
<p>Was die Bevorzugung von Jungen oder Mädchen unter den eigenen Kindern betrifft, ergibt sich eine interessante Situation. Meine Gastmutter betont, dass sie von ihrer Schwiegermutter unter anderem dadurch in einem schlechten Ansehen steht, weil sie es „nur“ geschafft hat, Mädchen zur Welt zu bringen. Besonders als sie noch ein Kind war, hatte es in ihrem Dorf etwas mehr auf dem Land gelegen, einige Frauen gegeben, die tatsächlich so lange Kinder ausgetragen haben, bis ein männliches dabei war. Gleichzeitig berichtet sie mir aber auch, dass es ab ihrer Generation keine Rolle mehr spiele, welches Geschlecht die Kinder haben. So gibt es z.B. unter den Elternteilen der Klassenkameraden der beiden Mädchen meiner Familie keine höherwertigeren Mütter, nur weil diese Jungen geboren haben. Meine Lehrerin (28 J.)an der Universität sagt sogar, dass ihre Generation sich lieber Mädchen wünscht, weil diese in der Erziehung leichter seien. Das ist nun einmal dahingestellt, aber feststeht, dass sich in der chinesischen Ansicht auf die Geschlechter etwas im Wandel befindet. Dieser ist bislang vor allem in den Städten offensichtlich. In abgelegeneren Gebieten auf dem Land sind ganz sicher noch die männlichen Kinder die in den Augen der Eltern bevorzugteren.</p>
<p>Was die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau anbelangt, so lässt sich auch hier ein Wandel erkennen. In einigen großen Städten arbeiten inzwischen beide Elternteile. Dennoch ist es – ähnlich wie in Deutschland – noch deutlich verbreiteter, dass wenn jemand zu Hause bleibt, die Wahl auf die Mutter fällt. So sind nicht nur meine Gastmutter und deren Schwester Hausfrauen, sondern auch viele ihrer Freundinnen. Die Mutter ist es auch, die Erziehungsfragen der Kinder bestimmt. So hätte z.B. in meiner Gastfamilie der Vater kaum eine Chance gehabt, sich entgegen die Entscheidung seiner Frau zu stellen, ein Au-Pair einzuladen. Sie ist es auch, die die Wochenenden „plant“ und die meiste Zeit mit den Kindern verbringt. Dass sich der Vater eines Tages am Telefon darüber beschwert, dass zwei Kleidungsstücke unaufgeräumt auf dem Sofa liegen, die sie erst am Abend wegräumen wollte, denn ihr Mann kommt gerade einen Tag früher als geplant von seiner Geschäftsreise zurück, empört mich mindestens genauso wie meine Gastmutter selbst. Sie ist eine sehr selbstbewusste Frau, die auch Auseinandersetzungen mit ihrem Mann nicht scheut.</p>
<p>Während es gar keine Frage ist, dass sie kocht und putzt, so unterstützt er sie wenigstens in ihren Vorhaben. Meine Hostmum erzählt mir, dass er sie sobald er einen Beruf aufgenommen hatte, dazu ermutigte, an der Universität weiter zu studieren. Auch auf meinen Vorschlag hin, sie könne doch wieder in ihrem ehemaligen Beruf als Touristenführerin arbeiten, da ihr jetzt dank meiner Hilfe wirklich viel Freizeit bleibt, reagiert er unterstützend. Doch irgendwie möchte sie selbst nicht angestellt sein, sondern sich lieber mit ihren Freundinnen treffen, oder zu irgendwelchen Meetings gehen, in denen es um die Wohncommunity und Kindeserziehung geht.</p>
<p>Was ich am kritischsten sehe, ist die Vater-Kind-Beziehung. Ich kann dies nun nicht auf die Chinesen allgemein beziehen, da ich in diesem Aspekt tatsächlich nur die Erfahrung in meiner Familie schildern kann, aber bei mir finde ich es wirklich sehr schwierig, dass der Vater so gut wie nie Zeit mit seinen beiden Töchtern verbringt. Entweder er ist auf Geschäftsreise, oder er arbeitet und geht im Anschluss daran noch mit Arbeitskollegen essen. Ich kann mir vorstellen, dass er als Anwalt alle Hände voll zu tun hat, aber wenigstens, wenn er dann mal zu Hause ist, könnte er Zeit mit seinen Kindern verbringen. Stattdessen verbringt er ganze halbe Tage in irgendeinem Internetcafé, um ein Computerspiel zu spielen, oder er trifft sich mit Freunden, oder – er setzt die Kinder vor den Fernseher und verschwindet in sein Zimmer. Abgesehen von den Wanderungen gibt es also kaum Vater-Kind-Zeiten und auch wenn er wirklich nett ist, habe ich nicht selten den Eindruck, dass er gar keine Idee hat, was er mit den Kindern machen kann und wie er mit ihnen umzugehen hat.</p>
<p>Sehr interessant wird die Diskussion am letzten Abend mit meinen beiden Gasteltern und meinen aus Deutschland angereisten leiblichen Eltern. Irgendwie kommen wir auf die Rolle der Frauen zu sprechen. Der Vater versucht sich mehrmals für sein knappes Vaterdaseinzweitfenster damit zu verteidigen, dass sich irgendwer schließlich um das Geld kümmern müsse, und in dieser Familie eben die Aufteilung der Aufgaben so ist, wie sie ist. Ich meinerseits betone immer wieder, dass ich mit allen Modellen des Familienlebens einverstanden bin, ganz egal ob Hausfrau, oder Hausmann, ob beide Eltern arbeitstätig… so lange, beide Ehepartner mit dieser Regelung auch zufrieden sind. So lange sie in gleichermaßen Aufgaben machen, die ihnen gefallen und nicht gefallen und es gerecht und unter Einbezug beider Meinungen zugeht. Daraufhin schildert uns mein Gastvater die zwei Typen an Frauen, die es in China gibt: die Powerfrau, die sich in Beruf und Karriere stürzt und die Hausfrau, die es vorzieht, sich zu Hause um Herd, Putzlappen und Windeln zu kümmern. Oftmals sei es also eine harte Entscheidung – Teilzeit ist kaum eine Option, sodass es nicht selten heißt: Entweder Familie, oder Beruf. Für die Männer ist es hingegen keine Schwierigkeit, beides zu haben.</p>
<p>Meine Eltern werfen ab und an ein, dass besonders auf dem Land noch immer die Meinung herrsche, wenn die Frauen arbeiten, würde dies ein schlechtes Licht auf den Ehemann werfen. Schließlich bedeute dies in etwa dasselbe, wie als sei er nicht fähig dazu, die Familie alleine zu versorgen und die Frau müsse arbeiten. Dass die Frau dies tut, weil es ihr Spaß bereitet, sei in den ländlichen Gebieten kaum vorstellbar. Hinzu fügen sie das, was ihnen ihre Touristenguides in ihrem oftmals brüchigem Englisch zu verstehen geben konnten: Frauen werden wohl in A, B und C Klassen eingeteilt. Besonders interessant sei dabei die Rolle der A-Frauen. Diese hätten eine gute Ausbildung genossen und sind ideal für eine Karriere ausgestattet. Sie hätten es wohl sehr schwer, einen Ehemann zu finden. Zum einen, da sie in der Zeit, in der andere an Partnerfindung und Hochzeit denken, mit ihrem Berufsleben beschäftigt sind und zum anderen, weil viele Männer vor solchen „starken“ Frauen wohl zu viel Respekt hätten.</p>
<p>Spannend bleibt es, wie sich die Situation in Land und Stadt in den kommenden Jahren entwickeln wird.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Allgemeine Gedanken zum Thema Geschlechterrollen hat sich <a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/04/geschlechterrollen-von-dennis-seidel/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Dennis Seidel von den story-tellern gemacht</strong></a>. Seinen Text könnt ihr hier lesen.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Und in diesem Text von Lilith könnt ihr lesen, <a href="https://www.meintestgelaende.de/2018/06/warum-frauen-aelter-werden-als-maenner/" target="_blank" rel="noopener"><strong>warum Frauen älter werden als Männer</strong></a>.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Ein komisches Gefühl    </title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/03/ein-komisches-gefuehl/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Was geht Almanya]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 05 Mar 2018 07:00:34 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
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					<description><![CDATA[Als Mehdi zum ersten Mal in den Libanon reist, macht er viele neue Erfahrungen. Er trifft fremde Menschen, die seine Familie sind, lernt ein fremdes Land kennen, das seine „angebliche Heimat“ ist und besucht zum ersten Mal das Grab seines Opas. Dort sieht er seinen Vater zum ersten Mal weinen &#8211; und bekommt ein komisches]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Als Mehdi zum ersten Mal in den Libanon reist, macht er viele neue Erfahrungen. Er trifft fremde Menschen, die seine Familie sind, lernt ein fremdes Land kennen, das seine „angebliche Heimat“ ist und besucht zum ersten Mal das Grab seines Opas. Dort sieht er seinen Vater zum ersten Mal weinen &#8211; und bekommt ein komisches Gefühl&#8230;</strong></p>
<p><span id="more-10433"></span></p>
<p>Das war ein komisches Gefühl. Es war das erste Mal, dass ich in den Libanon geflogen bin. Das erste Mal, dass ich Menschen begrüßt habe, die mir eigentlich nicht fremd hätten sein dürfen. Das erste Mal, dass ich am Meer war. Und es war auch das erste Mal, dass ich meine angebliche Heimat gesehen habe. In diesem Sommer habe ich so viele erste Male erlebt wie in keinen anderen Sommer zuvor und auch danach nie wieder. Ich habe neue Menschen kennengelernt, die eigentlich nie neu waren sondern immer irgendwie da waren. Ich kannte sie nur nicht persönlich.</p>
<p>Meine Geschichte führt in das Dorf meines Vaters. Es geschah an einem Freitag. Ich erinnere mich, dass es ein sehr heißer Tag war und die Stimmung unter den Beteiligten sehr bedrückt. Mir kam es fast so vor, als würden wir in einen Krieg ziehen. Mein Vater redete kaum etwas. Nur mein jüngerer Bruder und ich alberten ein wenig rum und tobten ausgelassen. Mein Vater, meine Tante und meine beiden älteren Brüder waren jedoch sehr ernst. Sie hatten ein klares Ziel vor Augen. Ich wusste nicht, wohin wir gehen würden. Als mein Vater mich mit einem ernsten Blick und einer sehr tiefen und bedrückenden Stimme ermahnte, ich solle jetzt ruhig sein, waren wir beide sehr erschrocken. Sofort hörten wir auf, albern und ausgelassen zu sein.</p>
<p>Die Landschaft, durch die wir liefen, war wüstenähnlich und bis auf einige Kakteen waren nur ausgetrocknete Büsche und tote Wiesen zusehen. Da wir zu Fuß unterwegs waren, knallte die Sonne sehr stark auf unseren Kopf und wir waren nicht nur deswegen froh, dass meine Tante einige Flaschen Wasser dabei hatte.</p>
<p>Am Ende der Straße direkt am Straßenrand stand ein quadratisches weißes Schild mit schwarzer Schrift. „Hoffentlich wacht Gott über eure Seelen“, war darauf in arabischer Schrift zu lesen. Ich bekam es mit der Angst zu tun und wusste nicht einmal warum. Keine fünf Minuten später war noch ein Schild zu sehen, auf dem nur das Wort „Friedhof“ stand. Erst in diesem Augenblick wurde mir alles klar. Wir würden an diesem Tag meinen Opa besuchen. Er war einen Monat nach meiner Geburt an Krebs gestorben. Von ihm habe ich meinen Namen. Mein Vater hatte uns vorher kaum etwas über ihn erzählt. Wenn er überhaupt etwas über meinen Großvater mitteilte, dann waren es stets sehr kurze Geschichten. Was war das für ein Mensch, habe ich mich dann immer gefragt. Aber weil ich spürte, dass mein Vater nicht gerne von ihm sprach, habe ich die Frage nie ausgesprochen. In einem Punkt waren sich jedoch alle einig, wenn sie von ihm redeten. Er war scheinbar ein tadelloser, toller und herzensguter Mensch. Bis heute bedauere ich es, dass ich einen so großartigen Menschen nie kennen gelernt habe.</p>
<p>In Gedanken versunken folgte ich meiner Familie auf dem Weg über den Friedhof. Es war kein sonderlich großer Friedhof und die Gräber waren recht bescheiden geschmückt. Ich sah mich um und entdeckte wie zuvor auch hier nur Kakteen und Unkraut. Die Gräber waren unscheinbar, so als hätte man nur das Nötigste dafür bezahlt. Ich fragte mich direkt, ob die Familien der hier Beerdigten so lieblos waren oder ob sie wirklich nur kein Geld dafür gehabt hatten.</p>
<p>Plötzlich machte der Gruppenzug halt. Ich hatte gar nicht gemerkt, dass wir vor einen Grab stehen geblieben waren. Als ich aufblickte, entdeckte ich die Inschrift. Da stand sein Name: Hussein Mustafa Ramadan. Es war der Name meines Opas. Sofort beschlich mich ein bedrückendes Gefühl. Sein Grab war schön, so als hätte man sich große Mühe gegeben, sein Gedenken zu bewahren. Am Ende der Gruft stand ein ca. ein halber Meter hoher weißer Stein mit seinem Namenszug. Eine etwa 2 Meter lange, auf dem Boden liegende, weiße Platte bedeckte das Grab. Darin waren einige Koran-Zitate auf Arabisch eingraviert.</p>
<p>Das zuvor bedrückende Gefühl war mit einem Mal wie verblasst, als ich sah, wie meine Familie sich um den Stein versammelte. Es war das erste Mal, dass ich ihn besuchte. Das erste Mal, dass ich an seinem Grab stand. Zuerst blieben wir nur ganz still und andächtig dort stehen. Dann ergriff irgendjemand das Wort. Wir beteten für meinen Großvater und seine Seele. Ich hoffte so sehr, meine Gebete würden ankommen und dass es ihm da, wo er jetzt war, einfach nur gut ging. Dann forderte mein Vater uns auf, uns gegenseitig die Hände zu reichen. Und dann hielt eine Rede. Eine Rede, die ich nie wieder vergessen werde. Nie wieder habe ich ihn so persönlich, so gefühlsbetont reden hören. „Hallo Vater“, fing er an, „ich vermisse dich wirklich sehr und wünschte du wärst bei mir, nein bei uns.“ „Ja“, dachte ich im gleichen Moment, „wie schön wäre es, wenn er jetzt hier wäre. Wenn auch er uns an die Hand nehmen würde, mit uns reden könnte.“ „Du warst immer der Mensch, der mir Halt gegeben hat“, fuhr mein Vater fort und weiter: „Du warst immer der Mensch, den ich als Vorbild hatte. Der Mensch, zudem ich gelaufen bin, wenn ich mich verletzt hatte. Ich vermisse dich wirklich sehr!“</p>
<p>Als ich diese Worte hörte, musste ich mit den Tränen kämpfen. Obwohl ich meinen Opa nicht gekannt hatte, war er mir auf einmal so nahe. Über die Gefühle meines Vaters, über den Namen auf seinem Grabstein. Aber die Rede meines Vaters war noch nicht zu Ende: „Heute bin ich nicht zum ersten Mal hier, aber heute ist es das erste Mal mit meinen Kindern. Sieh sie dir an: Es sind Männer und sie werden von deinem Sohn erzogen. Von dem Sohn, den du vorher erzogen hast! Diese Kinder sind mein Herz und meine Seele. Sie machen mich glücklich und ich bin sehr stolz.“</p>
<p>Zum Schluss sprach mein Vater noch ein Gebet: „Oh Gott, ich bete dafür, dass ich dich, meinen Vater, auch immer glücklich gemacht habe. Ich wünsche mir so sehr, dass du auf uns herunter schaust mit diesem Stolz im Herzen, den mir meine Kinder auch machen.“</p>
<p>Es war das erste Mal, dass ich meinen Vater habe weinen sehen. Ich wusste nicht, wohin mit meinen Gefühlen. Hatte kein Gespür dafür, ob ich glücklich sein sollte über seine Worte oder ob ich auch richtig weinen sollte. Nach einer Weile schaute ich mich verstohlen um. Wie geht es den anderen, fragte ich mich. Dann bemerkte ich, dass mein Vater, meine Tante und meine Brüder alle still vor sich hin weinten.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Der Text von Mehdi stammt aus dem Buch &#8222;<a href="https://buch-findr.de/buecher/aus-angst-wachst-mut/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Aus Angst wächst Mut</strong></a>&#8222;.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Und hier seht ihr alle Beiträge der Redaktionsgruppe &#8222;<a href="https://www.meintestgelaende.de/author/almanya/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Was geht Almanya</strong></a>&#8222;.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Kein Couchsurfing, aber im Iran. Von Deniz Marina</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2018/02/iran-von-deniz-marina/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[LizzyNet]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 23 Feb 2018 07:00:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Diskriminierung]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Politik]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
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					<description><![CDATA[Deniz ist als Frau alleine durch Iran gereist und hat ihre Erlebnisse in einem Bericht festgehalten. Darin schildert sie all ihre Eindrücke, Begegnungen und Überraschungen die sie unterwegs erlebt hat. Als Frau unbeschwert in Iran reisen? Für die meisten Menschen aus dem Westen heute gar keine so abwegige Vorstellung mehr. Immer mehr Leute (vor allem]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Deniz ist als Frau alleine durch Iran gereist und hat ihre Erlebnisse in einem Bericht festgehalten. Darin schildert sie all ihre Eindrücke, Begegnungen und Überraschungen die sie unterwegs erlebt hat.</strong></p>
<p><span id="more-10383"></span></p>
<p>Als Frau unbeschwert in Iran reisen? Für die meisten Menschen aus dem Westen heute gar keine so abwegige Vorstellung mehr. Immer mehr Leute (vor allem Europäer) wagen eine Reise nach Iran. Noch vor einigen Jahren war dies jedoch ein schier wahnsinniger Gedanke. Vielleicht auch für mich, bevor ich mich schlauer über die Region gemacht und &#8211; wie so einige der deutschen Iran-Touristen &#8211; vorher in &#8222;Couchsurfing im Iran&#8220; geschmökert hatte. Abgesehen davon war wohl auch mein brennendes Interesse für den nahen und mittleren Osten nicht ganz irrelevant, sodass meine Neugierde letztendlich überwog. Mein Entschluss war also gefasst: Ich wollte dieses Land, so reich an Kultur und Geschichte, bereisen. Die Geschichten, die ich über Iran gehört und gelesen hatte, faszinierten mich: Ein Land voller Widersprüche und Vielfalt. Ein Land, in dem 70 Prozent der Bevölkerung unter 30 Jahre alt sind (Stand 2015). Ein Land, in dem sich ein großer Teil der so jungen Bevölkerung trotz der strikten Gesetze ihre kleinen Freiheiten rausnimmt. Und das angeblich gastfreundlichste Land der Welt.</p>
<p>Vielleicht grenzt es auch an eine Art Perversion von uns westlichen Reiselustigen, Länder bereisen zu wollen, die von unseren Medien angefochten werden. Aber geht es im Grunde nicht genau darum? Herauszufinden, ob an dem von den Medien propagierten Bild etwas dran ist, und wenn ja &#8211; wie viel eigentlich? Jeder von uns kann die Moralkeule über die unterschiedlichen Reise-Destinationen schwingen, ohne jemals selbst einen Fuß auf Grund und Boden des Landes gesetzt zu haben. Wirklich eine Meinung bilden kann man sich meiner Meinung nach aber erst, wenn man die Menschen und das Land vor Ort erlebt hat. Meiner Meinung nach sollte die Neugier im Vordergrund stehen, und man sollte sich selbst ein Bild von der Realität verschaffen. Im Fall Iran ging es also darum, herauszufinden, ob sich das Bild vom &#8222;Schurkenstaat&#8220; eigentlich bewahrheitet. Zugegeben: In knapp zwei Wochen keine leichte Aufgabe, aber dennoch möchte ich meine Eindrücke darüber teilen.</p>
<p><strong>Die Gastfreundschaft der Iraner</strong><br />
Natürlich war auch ich nur eine Touristin in Iran und werde allein schon aufgrund dieser Tatsache das Land niemals so erfahren können wie die Menschen, die vor Ort leben und auch mit der Politik leben müssen. Aber ab der ersten Sekunde auf iranischem Boden habe ich dieses Land mit all seinen warmen, fröhlichen und freundlichen Menschen in mein Herz geschlossen. Egal, ob das chaotische Teheran, das bezaubernde Isfahan, das historische Yazd oder das bunte Schiraz &#8211; die Städte sind so reich an Kultur und Geschichte, dass es scheinbar an jeder Ecke etwas zu Bestaunen gibt. Und die Iraner haben einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik. So sind sogar fahle Lehmwände oft mit orientalischen Kunstwerken verziert.</p>
<p>Ein einziger Reizüberfluss, bei dem man aus dem Staunen einfach nicht rauskommt. Aber was das Land als Reiseland tatsächlich zu dem macht, was es ist, sind die Menschen. Jeder Iran-Tourist wird einem dies erzählen. Auch ich hatte mich aufgrund zahlreicher Erzählungen darauf eingestellt, auf wahnsinnig gastfreundliche Menschen zu treffen, aber auch meine Erwartungen wurden noch um ein Vielfaches übertroffen. Wenn man nur ein wenig verloren in der Teheraner Metro-Station stand, wurde man direkt von ein paar Einheimischen (Männer sowie Frauen) unter die Fittiche genommen. Nicht nur wurde einem der Weg zu der gewünschten Destination detailliert beschrieben: Es passierte nicht selten, dass man von Einheimischen bis zum gewünschten Zielort begleitet wurde.</p>
<p>Wie bereits erwähnt, hat die Gastfreundschaft der Iraner alle meine Erwartungen bei Weitem übertroffen. Wie geschockt muss erst jemand sein, der mit einer beschränkten und von den westlichen Medien geprägten Brille auf das Land blickt und dann solche Erfahrungen macht? Vielleicht wird dieser Mensch beim Erfahren der Warmherzigkeit der Menschen das Gefühl haben, das erste Mal richtig durch diese Brille sehen zu können. Sie wird nicht mehr beschlagen sein von all den Negativ-Schlagzeilen wie &#8222;Schurkenstaat&#8220; und &#8222;Atomarer Endgegner&#8220;. Was metaphorisch ausgedrückt so übertrieben klingen mag, habe ich genau so wahrgenommen. Ich kann mit großer Sicherheit sagen, dass mir die Menschen als Touristin immer sehr aufgeschlossen und interessiert begegnet sind &#8211; Männer wie Frauen. Als weibliche Touristin habe ich mich mindestens genau so sicher wie in den meisten europäischen Ländern gefühlt, in denen ich gereist bin. Wirkte man mal verloren, war man, wie bereits erwähnt, in der nächsten Sekunde bereits umzingelt von zahlreichen hilfsbereiten Iranern, die für ihre Nettigkeit keine Gegenleistung erwarteten. Man traf auf zahlreiche Menschen, die sich einfach nur freuten, auf Ausländer zu treffen und ihre Sprachkenntnisse in Englisch oder Deutsch (eine derzeit sehr beliebte Sprache) ein wenig in Einsatz zu bringen. Auch ohne diese aufgeschlossenen und freundlichen Menschen wäre Iran mit Sicherheit ein sehenswertes Reiseland, aber die vielen Menschen, die man getroffen hat, sind mit ein Hauptgrund dafür, dass man schnell dorthin zurückmöchte. Abgesehen davon fehlt mir die sagenhafte persische Küche jetzt schon.</p>
<p><strong>Wenn die Luft zum Atmen fehlt</strong><br />
Mit meiner Reiseerfahrung möchte ich keinesfalls die politische Situation im Land herunterspielen. Auch wenn sich das Land seit Amtsantritt des Präsidenten Rohani im Jahre 2013 immer mehr dem Westen geöffnet hat und sich die Sittenpolizei etwas von den Straßen zurückgezogen hat, sprechen Berichte großer NGOs wie der Menschenrechtsorganisation Amnesty International für sich: Zahlreiche Hinrichtungen, Folter und Verhaftungen &#8211; wegen Dingen, die man hier vor Ort als Lappalie abtun würde. Tätigkeiten, die für uns hierzulande als Selbstverständlichkeit angesehen werden, können einen dort in ernsthafte Schwierigkeiten bringen. Oft muss ich an eine junge Soziologie-Studentin zurückdenken, die ich in einem Hostel in Yazd kennengelernt habe. Sie hatte ihre Heimatstadt Maschhad hinter sich gelassen, weil der Ort ihr zu religiös und traditionell war. Wie viele junge Iraner trieb es sie in die Metropole Teheran. Auch wenn das Mädchen, das in etwa so alt war wie ich, sich dort freier bewegen konnte als in ihrer Heimatstadt, hatte sie das Gefühl, als ob sie in dem Land eingehen würde. Ohne, dass ich sie danach fragte, berichtete sie von dem beklemmenden Gefühl, was viele junge Leute (insbesondere Frauen) in Iran verspüren. Ein anderer Mann, dem ein kleiner Imbiss in Teheran gehörte, fragte mich und meine Reisebegleitung, wie uns das Land gefiel, woraufhin wir anfingen, von den Menschen und dem Essen zu schwärmen. Aber auch er lenkte das Thema schnell auf die Regierung und beteuerte, wie unzufrieden er mit der politischen Situation in seinem Land sei. Er fand es jedoch wichtig zu betonen, dass eben dies zwei unterschiedliche Paar Schuhe sind: Politik und Gesellschaft. Ich stimme ihm da zu hundert Prozent zu.</p>
<p><strong>Die &#8222;westliche Brille&#8220;</strong><br />
Mir ist bewusst, dass man als Tourist auch nur einen kleinen Einblick in das Geschehen vor Ort bekommt, und ich möchte mir nicht ansatzweise anmaßen, dass ich nun das Große und Ganze kennengelernt hätte. Ich finde es jedoch wichtig auszudrücken, wie verzerrt und beschränkt unser Bild der iranischen Gesellschaft im Westen aufgrund des &#8222;medialen Bombardements&#8220; oftmals ist. Dieses Land ist so reich an Kunst und Kultur, an fröhlichen und aufgeweckten jungen Menschen, an einer atemberaubenden Natur und historischen Schätzen. All jenen, die Iran als Reiseland nicht mit ihrem moralischen Gewissen vereinbaren können, möchte ich folgende Frage stellen: In welches Land kann man heutzutage schon guten Gewissens reisen? Selbst das Fliegen an sich, was für uns mittlerweile zu einer Selbstverständlichkeit gehört, ist doch schon an sich problematisch, aufgrund des immer größer werdenden ökologischen Fußabdruckes, den wir auf der Welt hinterlassen. Ob man sich nun aber dafür entscheidet, den Massen-Tourismus in Thailand zu unterstützen oder eben in ein politisch schwieriges Land im Nahen Osten zu reisen: Ganz guten Gewissens kann man das meiner Meinung nach nie tun, aber ich finde, letztendlich sollte mit diesem Bewusstsein die Neugier und Wissbegierde überwiegen (selbstverständlich sollte man jedoch das Risiko abwägen und Gefahren für sich und andere überwiegend ausschließen können).</p>
<p>Neben zahlreichen tollen Menschen, die ich auf meinem kurzen Trip auf der Reise kennengelernt habe, ist mir der Satz eines Mexikaners, der kürzlich seinen Job gekündigt hat und nun mit seiner Frau um die Welt reist, im Kopf geblieben: &#8222;Reisen ist wie wieder Kind sein. Man sieht wieder alles zum ersten Mal.&#8220; Ich denke, dass es im Endeffekt darum geht: Kinder sind vorurteilsfrei und nehmen alles völlig unvoreingenommen wahr. Davon sollten wir uns öfter mal eine Scheibe abschneiden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Clara ist nach der Schule für einige Zeit auf einem Segelschiff umher gefahren. Auch sie hat darüber <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/05/6-monate-auf-hoher-see-und-doch-so-viel-mehr-als-nur-eine-segelreise-teil-1/" target="_blank" rel="noopener"><strong>einen Reisebericht</strong></a> geschrieben, lest doch mal rein!</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Und </span><a style="font-size: 1.14285rem;" href="https://www.meintestgelaende.de/2017/06/erst-einmal-weg-teil-1/" target="_blank" rel="noopener"><strong>hier könnt ihr lesen</strong></a><span style="font-size: 1.14285rem;">, wie unsere Autorin Lilith sich die Zeit nach dem Abi vertrieben hat.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Erst einmal weg (Teil 3)</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/09/erst-einmal-weg-teil-3/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 29 Sep 2017 07:00:30 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
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		<category><![CDATA[Vorbilder]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Autorin Lilith hat nach der Schule einiges vor. &#8218;Erst einmal weg&#8216; ist dabei ihr Motto. Was zunächst nach entspanntem Backpacking-Urlaub in Südostasien klingt, entpuppt sich dann doch als größeres Projekt. Jugendbotschafterin für das Goethe-Institut, Praktikum bei der deutschen Zentrale für Luft- und Raumfahrttechnik, Praktikum im Bereich Bioinformatik in Sheffield oder arbeiten in einem Kinderheim]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere Autorin Lilith hat nach der Schule einiges vor. &#8218;Erst einmal weg&#8216; ist dabei ihr Motto. Was zunächst nach entspanntem Backpacking-Urlaub in Südostasien klingt, entpuppt sich dann doch als größeres Projekt. Jugendbotschafterin für das Goethe-Institut, Praktikum bei der deutschen Zentrale für Luft- und Raumfahrttechnik, Praktikum im Bereich Bioinformatik in Sheffield oder arbeiten in einem Kinderheim in Burkina Faso &#8211; das sind nur einige Sachen, die Lilith nach der Schule gemacht hat. Was sie noch so vor hat, lest ihr im dritten Teil ihrer Geschichte.</strong></p>
<p><span id="more-9707"></span></p>
<p>Nach einem kurzen Aufenthalt am CERN in der Schweiz, den ich ebenfalls bei einem Wettbewerb gewonnen habe, heißt es dann: Auf nach China!</p>
<p>Jedes Mal, wenn ich gefragt werde, wie ich gerade auf China komme, kann ich meine Zufallsgeschichte auspacken. Wie so oft wartete ich einmal wieder am Lehrerzimmer auf eine der Lehrkräfte, die sich verspätete. Die Zeit nutzte ich dazu, die Flyer zu betrachten, die vor dem Lehrerzimmer ausliegen und zu denen ab und an dann doch ein neuer Flyer hinzukommt. Unter den vielen Prospekten und Werbematerialien, die nicht sehr interessant für mich waren, fiel mir schließlich ein roter Flyer von „starexchange“ in die Hände, den ich direkt durchblätterte. Auf den ersten Blick klang das angepriesene Au-Pair-Programm sehr attraktiv – keine Kosten, sondern zusätzliche Bezahlung, Kindergeld, Sprachunterricht an der Universität… Ich informierte mich also direkt noch am gleichen Tag über die Organisation und schrieb eine erste Mail. Es folgten Anmelde- und Bewerbebögen sowie Skypetermine und das Einrichten sowie reges Nutzen von WeChat – auch mit Chinesen vor Ort. Bereits diese ersten Kontakte waren sehr interessant und aktuell befinde ich mich in der Familienfindungsphase. Eine Familie aus Chonquin plant für chinesische Verhältnisse erstaunlich früh und zeigt schon jetzt Interesse an mir als Au-Pair für das erste Halbjahr 2018. Ein erstes Videotreffen mit der Betreuerin vor Ort hat bereits stattgefunden, es werden jedoch innerhalb der nächsten Wochen weitere Gespräche mit meinen deutschen Betreuern, der Familie selbst und dem Au-Pair, das aktuell bei der Familie lebt, folgen. Es bleibt also weiterhin spannend, ob die vorgeschlagene Familie zu mir passt oder es mich doch in eine andere Ecke Chinas verschlagen wird. Fest steht aber schon jetzt, was ich vor Ort dann zu tun haben werde – meine Aufgabe besteht darin, den Kindern der Familie die englische Sprache näher zu bringen. Dies soll jedoch nicht nach dem Vorbild klassischen Unterrichts erfolgen, sondern es gilt: je kreativer, desto besser. Ich kann also z.B. Töne auf dem Klavier mit irgendwelchen Worten verbinden lassen, mit den Kindern kochen und ihnen dabei Zutaten auf Englisch zeigen und so weiter. Diese Tätigkeit führe ich jedoch nur zwei Stunden pro Tag aus. Die restliche Zeit befinde ich mich an der Universität und lerne selbst Chinesisch und besuche andere Kurse, wie z.B. sportliche oder musikalische Aktivitäten &#8211; ganz, was mich interessiert. An den Wochenenden werde ich zudem von der Familie auf Ausflüge und zu Familienfesten mitgenommen. Ich bin gespannt auf China und die ganz andere Kultur, der ich zum ersten Mal persönlich begegnen werde.</p>
<p>Und danach? – Ich habe mir schon einige Studiengänge sowie Studienorte herausgesucht, bei denen ich mich während meines Chinaaufenthaltes bewerben möchte, aber so ganz sicher bin ich mir noch nicht. Außerdem kann sich das natürlich auch durch die innerhalb der nächsten Monate gesammelten Erfahrungen verändern.</p>
<p>Wie ihr sehen könnt, ist mein Jahr „Pause“ schon jetzt voller als voll, sodass ich mich auf ein sehr anstrengendes, aber auch sehr interessantes, aufregendes und vielseitiges Jahr freuen kann – ich bin auf jeden Fall sehr gespannt, welche Erfahrungen ich sammeln werde.</p>
<p><strong> </strong></p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Hier könnte ihr nochmal <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/06/erst-einmal-weg-teil-1/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Teil 1</strong></a> und <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/07/erst-einmal-weg-teil-2/" target="_blank" rel="noopener"><strong>Teil 2</strong></a> von Liliths Geschichte „Erst einmal weg“ lesen.</li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Erst einmal weg (Teil 2)</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/07/erst-einmal-weg-teil-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 26 Jul 2017 07:00:27 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Stimme]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Poetry Slam]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Träume]]></category>
		<guid isPermaLink="false">http://www.meintestgelaende.de/?p=9257</guid>

					<description><![CDATA[Die Zeit nach dem Abi kann die schönste im Leben sein! Schule vorbei und im Idealfall eine Pause, bevor Studium, Ausbildung oder andere ernste Lebensthemen anstehen. MeinTestgelände-Autorin Lilith hat in dieser Zeit einiges vor &#8211; und das Einzige, mit dem sie sich nicht beschäftigen wird, ist Langeweile. Hier lest ihr den zweiten Teil ihrer Geschichte.]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Die Zeit nach dem Abi kann die schönste im Leben sein!</strong> <span id="more-9257"></span></p>
<p><strong>Schule vorbei und im Idealfall eine Pause, bevor Studium, Ausbildung oder andere ernste Lebensthemen anstehen. MeinTestgelände-Autorin Lilith hat in dieser Zeit einiges vor &#8211; und das Einzige, mit dem sie sich nicht beschäftigen wird, ist Langeweile. Hier lest ihr den zweiten Teil ihrer Geschichte.</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Meine Planung begann damit, dass ich viel zu viel machen wollte, als dass es alles in ein Jahr passen konnte. Work and Travel sagte mir ebenso zu, wie eine Arbeitsstelle in einem Hotel als Animateurin, auch das Aushelfen auf einer Farm klang für mich interessant, das Schafehüten in Schottland, der Besuch einiger Universitäten für ein paar Wochen als „Probestudentin“, Praktika… Mein Dokument, das sich während meiner Schulzeit mit Links und Informationen darüber gefüllt hatte, was ich einmal alles machen wollte, wenn ich mehr Zeit hätte, umfasste inzwischen schon über zwanzig Seiten. Aber – war ja auch nicht schlecht. Schließlich bin ich erst 17 Jahre alt und das ein oder andere, was ich mir vorgenommen habe, lässt sich sicherlich auch noch in den Semesterferien in die Tat umsetzen.</p>
<p>Nach langem Hin und Her habe ich mich nun für die folgende Planung entschieden: wenn ich am 30. Juni mein Zeugnis in den Händen halten werde, geht es erst einmal direkt am nächsten Tag weiter mit Proben für die PROMS in Karlsruhe mit dem Badischen Jugendchor, anschließend steht eine dreiwöchige Tätigkeit als Jugendbotschafterin eines PASCH-Austausches des Goethe-Instituts an, in dem ich mich um deutschlernende Schüler aus dem Ausland kümmern werde. Nach zwei Tagen zu Hause geht es schließlich weiter in die Nähe von München, wo ich durch einen Jugend Forscht Gewinn die Möglichkeit habe, ein vollfinanziertes Praktikum bei der deutschen Zentrale für Luft- und Raumfahrttechnik durchzuführen. Davon wieder zurück, muss ich zu Hause leider warten, bis ich Ende Oktober 18 werde, um dann endlich mein bei der IBO gewonnenes Praktikum im Bereich Bioinformatik in Sheffield antreten zu können. Doch das „Warten“ wird sich keinesfalls als langweilig herausstellen. Denn in diesem knappen Monat werde ich Kurse für Grundschüler an der Hector-Akademie Ettlingen halten, auf Science sowie Poetry Slams auftreten, bei einigen Filmprojekten teilnehmen, eigene planen, ein wenig Zeit zum kreativen Schreiben nutzen, mich auf meine Musikinstrumente sowie meine sportlichen Tätigkeiten konzentrieren, ein wenig Arbeiten, um Geld zu verdienen…. Ihr seht schon. Ich habe immer etwas zu tun. Nach Sheffield und ein paar Tagen zu Hause zum Umpacken geht es schließlich nach Burkina Faso. Hier stutzen meist die Ersten, denen ich von meiner „Nach-Abi-Planung“ erzähle. Burkina Faso – wie kommt man denn darauf? Die Antwort ist für mich ziemlich einfach; meine Eltern unterstützen seit über zwanzig Jahren den Verein „Garango“, der in Burkina Faso Waisenkinder, sowie Halbwaisen in eine Hauswirtschaftsschule aufnimmt. Die Kinder werden dort bis zu ihrem 18. Lebensjahr ausgebildet. Um dies zu finanzieren, werden in Deutschland Paten gesucht, die sich jeweils um ein bis zwei dieser Kinder kümmern und ihnen finanzielle Mittel sowie kleine Präsente zur Verfügung stellen. Vor Ort werde ich die Möglichkeit haben, bei den Schwestern, die das Heim führen, zu leben und dort das Treiben in einem afrikanischen Land direkt mit zu bekommen. Ich werde Computer- sowie Englischkurse geben und auch mitgehen, wenn neue Patenkinder ausgesucht werden. Nach einem Monat heißt es auch hier wieder Adieu – sagen. Doch laut der ersten Vorsitzenden des Vereins ist es erst einmal gut, nicht länger als vier Wochen vor Ort zu bleiben. Zum einen ist das Klima dort für Europäer ohnehin nur von Dezember bis Februar einigermaßen erträglich, und zusätzlich sollte man sich das Ganze erst einmal anschauen. Später noch einmal für einen längeren Aufenthalt nach Burkina Faso zu reisen, ist ohnehin jederzeit möglich.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
<ul>
<li>Hier findet ihr den <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/06/erst-einmal-weg-teil-1/" target="_blank" rel="noopener"><strong>ersten Teil</strong></a> von Liliths Geschichte.</li>
<li><span style="font-size: 1.14285rem;">Nach der Schule geht es oft um die Suche nach dem richtigen Job. Dazu mehr <a href="https://www.meintestgelaende.de/2014/05/typisch/" target="_blank" rel="noopener"><strong>in diesem Video</strong></a>.</span></li>
</ul>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>6 Monate auf hoher See – so viel mehr als nur eine Segelreise (Teil 2)</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/06/6-monate-auf-hoher-see-so-viel-mehr-als-nur-eine-segelreise-teil-2/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Clara]]></dc:creator>
		<pubDate>Wed, 28 Jun 2017 07:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere Autorin Clara verbrachte sechs Monate auf einem Segelschiff. Während dieser Zeit hat sie viele Eindrücke sammeln können, die wir heute im zweiten Teil ihrer Geschichte lesen dürfen. Die kommende Zeit war besonders spannend. Erstmal haben wir einige Tage nach Ablegen Weihnachten gefeiert. In Weihnachtsstimmung zu kommen, während man bei 33° auf das Meer blickt,]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong> Unsere Autorin Clara verbrachte sechs Monate auf einem Segelschiff. Während dieser Zeit hat sie viele Eindrücke sammeln können, die wir heute im zweiten Teil ihrer Geschichte lesen dürfen.</strong></p>
<p><span id="more-9084"></span></p>
<p>Die kommende Zeit war besonders spannend. Erstmal haben wir einige Tage nach Ablegen Weihnachten gefeiert. In Weihnachtsstimmung zu kommen, während man bei 33° auf das Meer blickt, ist ein wenig schwierig. Trotzdem haben wir natürlich gefeiert mit Wichteln, großem Weihnachtsessen und sogar einem kleinen Plastikweihnachtsbaum. Eine einmalige Erfahrung!</p>
<p>Einige Tage später sind wir dann in Panama angekommen. Genauer gesagt in Kuna Yala. So heißt das Gebiet, das den Kuna, einem indigenen Volk, gehört, eine Inselgruppe vor der Küste Panamas. Dort haben wir wieder Schnobataso in vollen Zügen genossen. Sehr abenteuerlustig begann dann unsere Reise durch den Urwald. Geschlafen haben wir in einem Camp, was man aber bitte nicht mit dem Dschungelcamp verwechseln sollte. Die Tage wurden von langen Wanderungen durch den Regenwald bestimmt, dessen Landschaft und Tierwelt wir wenigstens ein bisschen kennenlernen durften. Natürlich reichen ein paar Tage dafür allerdings nicht aus. Immerhin habe ich dort aber Tiere gesehen, die man sonst nur aus dem Fernsehen kennt. Grundsatz war: Egal was du tust, schau vorher nach, ob du Skorpione, Spinnen oder Insekten siehst. Besonders Schuhe und Kleidung waren ein beliebter Ort für die Kleintiere zum Übernachten, was nicht selten zu überraschtem Gekreische führte. Aber auch daran gewöhnt man sich natürlich schnell. Der Abschied fiel uns dementsprechend schwer. Aber wir wussten ja, dass es gleich spannend weitergeht.</p>
<p>Als nächste Station war Panama City geplant. Dahin kamen wir in einem grellbunten alten Bus, von uns auch „Partybus“ genannt. Bei der Ankunft war ich erstmal sprachlos. Ich war noch nie in einer so bunten, so lebhaften, so vielfältigen Stadt. Panama City ist die Hauptstadt Panamas und dort leben 1,5 Millionen Menschen. Wie sie leben, ist jedoch komplett unterschiedlich. Während wir an einem Tag die von Touristen gut besuchte Altstadt besichtigt haben und dabei beobachtet haben, wie ein 200m langes Schiff durch den Panama-Kanal geschleust wurde, sind wir an einem anderen Tag durch die Slums der Hauptstadt durchgefahren. Heruntergekommene Hochhäuser, in denen große Familien in winzigen Wohnungen wohnen. Auch eine andere Erfahrung, als man sie in Deutschland machen könnte.</p>
<p>Ich habe Panama City als eine Stadt mit unheimlich vielen Facetten in Erinnerung. Der Kulturschock, der uns schon auf Grenada erreicht hat, war in Panama natürlich ebenso da. Dementsprechend angenehm war es für uns wieder, nach einigen Tagen in der lauten Großstadt nach Boquete, eine Kleinstadt in den Bergen, zu fahren. Wieder waren wir in Gastfamilien. Gar nicht einfach, mit denen zu kommunizieren, wenn man Spanisch nicht in der Schule lernt. Aber dafür haben wir eine Woche die Sprachschule besucht. Unterricht in Boquete von Lehrern, die nur Spanisch sprechen. Effektivere fünf Lerntage habe ich noch nicht erlebt. Am Wochenende ging es dann auf den Baru. Das ist mit 3475m Höhe der höchste Berg Panamas und man kann vom Gipfel aus die Pazifik und den Atlantik sehen. Dafür war das auch eine anstrengende Wanderung. Am ersten Tag ging es los und wir sind den ganzen Tag bis auf eine Plattform kurz unter dem Gipfel gewandert. Dort haben wir in Zelten übernachtet – tierisch kalt übrigens – und sind am nächsten Morgen pünktlich zum Sonnenaufgang nach ganz oben gelaufen. Das Bild dieses Sonnenaufganges ist immer noch in meinem Kopf, wie die Sonne über dem Meer auftaucht und die Berge in ein rotes Licht taucht. Beeindruckend. Doch auch der Moment des Triumphes, endlich den Gipfel erreicht zu haben, währte nicht lange, da wir wieder ins Tal mussten, um den Bus zu unseren Gastfamilien zu erreichen.</p>
<p>Am nächsten Tag ging es wieder weiter. Nächste Station: Die Naso, ebenfalls ein indigenes Volk. Bis zu ihrem Dorf kamen wir nur mit Einbäumen, aber das hört sich jetzt traditioneller an, als es war. Wir waren alle etwas überrascht, als die Nasos plötzlich den Motor angeschaltet haben und unsere Einbäume stark beschleunigt über den Fluss Teribe flitzten. Ähnlich sah es dort auch aus. Untergebracht waren wir in Holzhütten, das also noch alles ganz urtümlich. Als wir uns allerdings eingerichtet hatten und zum Essen kamen, sahen wir die kleinen Naso-Kinder auch zum Teil an Smartphones. Also doch nicht ganz so frei von Technik… Es war natürlich trotzdem eine total neue Erfahrung, deren Alltag mitzubekommen. Kakao selbst machen, also wirklich aus Kakaobohnen, Fußball spielen gegen deren Team, Wanderungen durch den Urwald… Aber mit unserem Aufenthalt dort ging auch unser Aufenthalt in Panama zu Ende.</p>
<p>Unser erster richtig langer Landaufenthalt, deshalb war die Freude natürlich auch riesig, alle wiederzusehen, die an Bord geblieben sind. Und klar – endlich wieder auf der Thor zu wohnen. Also ging es weiter. Jetzt Kurs auf Kuba. Das war eine entspannte Etappe! Keine Stürme, kein Böenalarm, einfach nur Segeln. Ich höre die Maschine brummen und seufze. Tja, so funktioniert das leider gerade nicht. Aber vor Kuba schon. Ich erinnere mich noch an so viele Stunden, in denen wir alle gemeinsam versucht haben, das Schiff auf Vordermann zu bringen, damit wir den Hygienestandards von Kuba entsprechen und einreisen dürfen. Hat dann zum Glück auch geklappt. Erste Station: Maria la Gorda. Nach einigen Tagen Erholung fing unsere Erkundungstour durch Kuba an. Und womit geht das am besten? Mit dem Fahrrad. Also machten wir alle unsere Fahrräder startbereit und konnten bald aufbrechen.</p>
<p>So eine schöne Landschaft, die ich da gesehen hab… Alles grün, viele Tabakplantagen, immer Sonne. Aber auf dem Weg haben wir auch schon das erste Mal etwas von der Politik mitbekommen; Bilder von Che Guevara oder „Miami Five“ waren nicht selten an Hauswänden zu sehen. Ziemlich ungewohnt, aber auch eine spannende Erfahrung. Nach einigen Tagen sind wir dann in Vinales angekommen. Unser Mittagessen war relativ einseitig, aber beliebt: Sowohl den ganzen Weg über, als auch in der kleinen Stadt gab es nur „Peso-Pizza“. Das ist eine ganz normale, wenn auch relativ fettige Pizza, die aber nur einige Pesos, also Centbeträge kostet. Daher auch der Name. Die Reaktion darauf war unterschiedlich: Während einige immer noch sagen, sie hätten zwischendurch mal Lust auf eine Peso-Pizza, bin ich ganz zufrieden so mit dem Essen auf der Thor. Von Vinales aus planten wir auch schon unsere Kleingruppenexkursionen. Unsere Unterbringungen, die so genannten „Casas particulares“, konnte man nämlich natürlich nicht an Bord reservieren. Zum Glück waren wir aber alle pünktlich genug und haben einen Schlafplatz gefunden. Es mussten ja immer nur 7 Leute untergebracht werden und nicht 34. Es gab nämlich 5 Kleingruppen aus 6 oder 7 Schülern mit jeweils einem Lehrer, die sich eine Stadt auf Kuba ausgesucht hatten, die sie auf eigene Faust entdecken wollten. Dafür wurde vorher ein Programm in der Stadt erarbeitet, die Anfahrt wurde geklärt, mögliche „Casas particulares“ herausgesucht und ein Kostenvoranschlag eingereicht. Glücklicherweise waren wir am Ende viel billiger unterwegs, als wir es anhand des Reiseführers geplant hatten. Touristenbusse wurden gestrichen und durch LKWs ersetzt, die völlig überfüllt vor allem Einheimische von einem Ort zum anderen transportieren. Das war schließlich der Plan, das Land aus der Perspektive der Kubaner zu entdecken. Auch Museen waren im Nachhinein definitiv billiger, als es im Reiseführer stand.</p>
<p>Meine Gruppe war in Santiago de Cuba. Mit einem Lächeln denke ich an die Stimmung zurück. Die Bewohner sind freundlich und überall auf der Straße ist man von Musik und Tanz umgeben. Die Landschaft war sowieso wunderschön, blaues Meer und überall grün. Immer noch meine Lieblingsstadt. Nach sieben Tagen, die erstaunlich schnell vergangen waren, kam dann der letzte Programmpunkt unseres Kubaaufenthaltes: Havanna bzw. La Habana, die Hauptstadt. Noch einmal ein völlig anderer Eindruck. Überall Hochhäuser, bis direkt an das Meer, volle Straßen, riesige Märkte mit Souvenirs. Außerdem hatte jedes Hochhaus ein begehbares Dach, von dem aus der Blick über die Stadt besonders schön war. Unvergessliche Stunden! Wenige Tage später ging es zurück auf die Thor. Wieder ein Gefühl, wie nach Hause zu kommen. Jeder zog wieder in seine Kammer ein, räumte seine Fächer voll und hängte die Fotos von Zuhause auf. Dann legten wir ab und die nächste Seeetappe lag vor uns.</p>
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<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
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<li>Den ersten Teil von Claras Geschichte findet ihr <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/05/6-monate-auf-hoher-see-und-doch-so-viel-mehr-als-nur-eine-segelreise-teil-1/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>hier</strong></a>.</li>
<li>In diesem Text erfahrt ihr, wie Lilith die <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/06/erst-einmal-weg-teil-1/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Zeit nach der Schule</strong></a> geplant hat.</li>
</ul>
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		<title>Erst einmal weg! (Teil 1)</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/06/erst-einmal-weg-teil-1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Lilith]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 16 Jun 2017 07:00:49 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
		<category><![CDATA[Träume]]></category>
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					<description><![CDATA[Der Sommer ist da und viele Schüler*innen haben gerade die Abitur-Prüfungen hinter sich gebracht. Zeit ein paar Pläne zu machen um die neugewonnene Freiheit zu genießen. Unsere Autorin Lilith hat einige davon &#8211; aber erst einmal will sie weg! Wer träumt nicht davon. Irgendwann einmal auf dieser Bühne zu stehen und stolz das Abiturzeugnis in]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der Sommer ist da und viele Schüler*innen haben gerade die Abitur-Prüfungen hinter sich gebracht. Zeit ein paar Pläne zu machen um die neugewonnene Freiheit zu genießen. Unsere Autorin Lilith hat einige davon &#8211; aber erst einmal will sie weg!</strong></p>
<p><span id="more-9016"></span></p>
<p>Wer träumt nicht davon. Irgendwann einmal auf dieser Bühne zu stehen und stolz das Abiturzeugnis in den Händen zu halten. Nach zwölf Jahren Schulzeit. Jedes Jahr davor waren die Abiturienten irgendwie etwas Besonderes. Egal ob man aus den Augen eines Fünft-, Siebt-, oder Elftklässlers auf sie blickte. Die Ältesten an der Schule, die, vor denen man noch Respekt besitzt, die man bemitleidete, wenn sie im Prüfungsraum verschwinden und auf die man an den Abiturtagen Rücksicht nehmen muss – auf einmal gehört man selbst zu ihnen. Wie schnell doch die Zeit vergeht. Doch am Ende seiner Schullaufbahn heißt es nicht nur zurückblicken auf die ereignisreichen, manchmal entspannt und manchmal stressigen, teils erfreulich und teils glücklich verlaufenden Jahre &#8211; sondern auch nach vorne schauen. Denn so schön es auch ist, nun keinen vorgeschriebenen Tagesablauf mehr zu haben und nicht mehr zu einer ganz bestimmten Uhrzeit zu einem ganz bestimmten Fach erscheinen zu müssen, muss man auch mit der neu gewonnenen Freiheit umzugehen wissen.</p>
<p>Blicke ich mich in den Reihen der Schüler um, sind nicht wenige unter ihnen, die selbst am Tag der Abiturzeugnisübergabe noch nicht wissen, was sie nun mit ihrer hart erkämpften Freiheit anfangen sollen. Sie zucken mit den Schultern, wenn man sie darauf anspricht, oder meinen „Ja, ein bisschen Geld verdienen, irgendwo und dann mal schauen!“. Es gibt aber auch die Anderen. Diejenigen, die schon einen festen Ausbildungsplatz haben, oder bei denen der Duale Studienplatz schon seit einem Jahr feststeht. Dazwischen noch ein paar Wochen Partyurlaub zur Entspannung und dann ab in den Hörsaal oder in den Betrieb. Ich gehöre zu keiner dieser Gruppen. Auch meine Zeit nach dem Abitur ist schon vollkommen durchgeplant, aber mit ganz anderen Aktivitäten.</p>
<p>Ich bin immer sehr gerne zur Schule gegangen, habe mich dafür interessiert, was mir die Lehrer erzählt haben, mir gefiel zudem die Vielfalt an unterschiedlichen Fächern, die man nie mehr auf diese Art und Weise haben wird. Dennoch waren zwölf Jahre nun erst einmal genug, und ich will etwas Anderes erleben – wie so viele von den Abiturienten will auch ich etwas mehr von der Welt sehen, als nur ein paar Dörfer in der Nähe von Karlsruhe, in denen ich bisher einen Großteil meines Lebens verbracht hatte.</p>
<p>Ich war schon immer gerne auf Reisen gegangen. Meine Familie war zum Glück ähnlich urlaubsbegeistert wie ich, sodass es fast in jeden Ferien mit dem Auto, Bus, Zug oder Flugzeug los ging. Doch auf viele andere Kontinente als Europa und ein paar portugiesische sowie spanische Inseln war ich bisher nicht gekommen. Außerdem waren wir zwar nie die typischen Touristen, die sich entweder nur an den Strand legten oder nur Sightseeing betrieben, aber dennoch realisierte ich mit zunehmendem Alter immer mehr, dass es schwierig ist, ein Land in einem zweiwöchigen Aufenthalt mit der gesamten Familie wirklich zu verstehen. Also hegte ich schon immer den Plan, mindestens ein halbes Jahr weiter weg zu gehen – alleine. Ein Auslandsjahr während der Schulzeit hatte ich mir lange durch den Kopf gehen lassen, aber dann sagte es mir doch mehr zu, erst einmal den einen Lebensabschnitt Schule abzuschließen, und mich danach auf andere Bereiche zu konzentrieren. Und so kam es schließlich zu meinem jetzt stehenden „Nach-Abiturplan“ auf dessen Umsetzung ich schon jetzt gespannt bin.</p>
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<p><strong>Mehr dazu: </strong></p>
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<li>Wie sich die <a href="https://www.meintestgelaende.de/2015/05/wegzumglueck/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>Ausbildungs- und Berufswelt</strong></a> verändert hat, zeigen die 10BS Queens in einem Fotofilm.</li>
<li>Auch die Schule ist voll von klischeebeladenen Rollenbildern: Sophia <a href="https://www.meintestgelaende.de/2016/09/wtf-welt-genderzeug-und-wie-es-uns-alle-beeinflusst/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>über Genderklischees im Matheunterricht.</strong></a></li>
</ul>
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		<title>6 Monate auf hoher See – so viel mehr als nur eine Segelreise (Teil 1)</title>
		<link>https://www.meintestgelaende.de/2017/05/6-monate-auf-hoher-see-und-doch-so-viel-mehr-als-nur-eine-segelreise-teil-1/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Clara]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 29 May 2017 07:00:51 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Meine Welten]]></category>
		<category><![CDATA[Texte]]></category>
		<category><![CDATA[Beruf]]></category>
		<category><![CDATA[Featured]]></category>
		<category><![CDATA[Frauen]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Mädchen]]></category>
		<category><![CDATA[Reisen]]></category>
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					<description><![CDATA[Unsere neue Autorin Clara startet auf meinTestgelände mit einem Bericht über ihre sechsmonatige Reise auf einem Segelschiff. Heute liefern wir euch den ersten Teil dieser aufregenden Geschichte. „Clara, hey! Es ist halb zwei und du hast in einer halben Stunde Wache. Draußen ist es richtig kalt, ich trage drei Pullis und mir ist immer noch]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Unsere neue Autorin Clara startet auf meinTestgelände mit einem Bericht über ihre sechsmonatige Reise auf einem Segelschiff. Heute liefern wir euch den ersten Teil dieser aufregenden Geschichte.</strong></p>
<p><span id="more-8973"></span></p>
<p>„Clara, hey! Es ist halb zwei und du hast in einer halben Stunde Wache. Draußen ist es richtig kalt, ich trage drei Pullis und mir ist immer noch kalt. Bist du wach? Ich komme nachher nochmal vorbei!“ Und schon ist mein persönlicher Wecker wieder draußen. Ich reibe mir die Augen. Noch eine halbe Stunde Zeit, da muss ich noch nicht sofort aufstehen. Wie schwer mir das Aufstehen nachts am Anfang der Reise fiel. Ich muss schmunzeln. Der Anfang, das heißt Oktober vor einem halben Jahr, erscheint mir unheimlich weit weg. Als wir alle in Kiel mit dem Bus angekommen sind und mit Blaumännern von der Jugendherberge zur Werft gefahren sind… Ich war so aufgeregt, das erste Mal die Thor Heyerdahl zu sehen, unser Schiff. Und dann stand es schließlich auch vor uns. 50m lang, drei Masten, der höchste davon 30m hoch. Unser neues Zuhause für sechseinhalb Monate. Ich seufze gedankenverloren.</p>
<p>Wie viel ist seitdem passiert! Der Abschied von unseren Eltern. 34 Schüler, 14 Jungs und 20 Mädchen, die auf eine lange Reise gehen. Außerdem natürlich unser Segelstamm, der Kapitän, die Projektleitung und die Lehrer. Schon ein großer Schritt, sich für eine solche Zeit von seinen Familien zu verabschieden. Dann die erste Etappe: Es fing schon mit einem starken Sturm vor den Niederlanden und England an. Fast alle wurden seekrank, obwohl das ja auch die Zeit war, in der wir segeln lernen sollten. Ganz schön schwierig, mit Übelkeit und Kopfschmerzen Maschinenronde zu gehen, wobei man im heißen Maschinenraum die Maschine ölen, den Tagestank aufpumpen und generell den Zustand der Maschine überprüfen muss, Sicherheitsronde, wo man über und unter Deck kontrolliert, ob alles in Ordnung ist, im Ausguck sein und nach anderen Schiffen, Bojen und allem Möglichem Ausschau zu halten und natürlich lernen, Ruder zu gehen und den Kurs zu halten. Das zwei Mal drei Stunden am Tag. Außerdem natürlich putzen und kochen.</p>
<p>Aber das war ja noch gar nicht alles. Auf einem Segelschiff muss man ja auch noch ganz viel nautische Grundlagen lernen: Wie setzt man Segel, wie birgt man sie, wie errechnet man den Kurs, wie führt man Manöver durch, wie funktioniert die Lichterführung auf See und vieles mehr. Also ganz schön viel für unsere Zeit bis Teneriffa. Natürlich bestand die Etappe aber nicht nur aus Seekrankheit und Lernen. Ich weiß noch, wie wir die ersten Delphine gesehen haben, die uns tagelang begleitet haben. Einmal war sogar ein Wal zu sehen, der seine Wasserfontäne über die ganze Mannschaft gespuckt hat. Das sind schon Erlebnisse, die man nie vergisst. Erneut lächle ich in mich hinein. Dann Teneriffa. Unsere Enttäuschung, dass wir nicht auf den Teide wandern konnten. Zwei Wochen Verspätung wegen Sturm können schon ziemlich nervig sein! Aber immerhin konnten wir da ja ein bisschen spazieren und die wunderschöne Landschaft von Teneriffa entdecken. Doch drei Tage später, als der ganze Proviant für die Atlantiküberquerung an Bord war, ging es auch schon wieder los. Jetzt kam die längste Etappe: 3 Wochen auf See, ohne ein einziges Mal Land zu sehen. Da fing auch der Unterricht an. Schulstoff, 10. Klasse, bayrischer Lehrplan, damit wir zuhause auch alle wieder normal in unsere Klassen zurückkommen können. Aber viel spannender als Zuhause. Viel praxisorientierter irgendwie: Man hört Referate über Delphine, während sie vorne am Bug spielen, die Winde, nach denen wir unsere Route richten mussten, werden behandelt und in Geschichte diskutieren wir über die Politik Kubas, die wir alle später wirklich miterleben durften.</p>
<p>Zwischen Schule und Schiff steuern gab es aber wieder auch ganz andere Erlebnisse: Ich habe mein erstes Praktikum gemacht. Bei Willi, unserem Maschinisten. Wenn ich mich an die Reaktion der Leute zuhause erinnere, denen ich davon erzählt habe, muss ich lachen. Ja, ein Praktikum in der Maschine. Konnte ich mir vor einem halben Jahr auch noch nicht vorstellen, aber handwerkliche Arbeit bringt mir total viel Spaß. Irgendwie ist es hier generell so, dass wir nicht nur Arbeit machen, die typisch für Mädchen ist. Alle putzen, alle kochen, aber es helfen auch alle bei den Segelmanövern und leisten körperliche Arbeit. Und es sind ja sowieso mehr Mädchen als Jungs. Auch wenn man das nicht so denkt, trauen sich das wohl mehr Mädchen, so lange von Zuhause weg zu gehen, und dann auch noch auf ein Segelschiff… Sagt jedenfalls unsere Projektleitung. Außerdem unsere Atlantiktaufe. Bei der ersten Überquerung des Atlantiks ist es bei uns eine Tradition, auf einen Fischnamen getauft zu werden. Dabei gibt es eine ganze Taufzeremonie, die angeblich Neptun besänftigen soll, uns vor Sturm zu verschonen. Also trage ich jetzt den stolzen Taufnamen „Schneckenfisch“. Mitten auf dem Atlantik durften wir dann auch unseren Atlantiksprung erleben. Weil wir sonst ja immer an Bord bleiben müssen und nicht einfach während der Fahrt ins Meer springen dürfen, haben wir an einem Tag unser Rescueboot ausgesetzt und alle durften einige Male ins Meer springen. Mitten auf dem Atlantik, wo das Wasser mehrere Kilometer tief ist. Was für ein besonderes Erlebnis! Um uns sonst täglich erfrischen zu können, hatten wir unseren eigenen Salzwasserpool an Deck aufgebaut. Eine sehr nützliche Idee bei 30° auf See.</p>
<p>Dann, nach drei Wochen, Land in Sicht. Ich erinnere mich noch, als wäre es gestern gewesen. Wir waren mitten in einer Schülerbesprechung, als plötzlich einer aus unserer Gruppe vom Segel herunter „Land in Sicht. Wir haben die neue Welt erreicht!“ schrie. Was für ein Moment! Wir hatten drei Wochen nichts als Wasser gesehen und landeten im Paradies. Palm Island sieht tatsächlich aus wie das Paradies. Karibische Insel mit Palmen, weißem Sand und türkisem Wasser. Kokosnüsse als Snack zwischendurch, die man das erste Mal tatsächlich vom Baum pflücken kann. Da war Schnobataso angesagt: Schnorcheln, baden, tauchen, sonnen. Also kurz: Riffferien. Das haben wir auch ausgenutzt. So häufig wie möglich waren wir mit Schnorchelbrille unterwegs, um Korallen, Algen und Fische in den unterschiedlichsten Farben zu bestaunen.</p>
<p>Doch so spannend ging es auch weiter. Als nächstes Grenada, auch Teil der Inselgruppe „Saint Vincent and the Grenadines“, aka Gewürzinsel. Dort waren wir das erste Mal in Gastfamilien. Das war ein Kulturschock! Wir Mädchen durften auf keinen Fall allein unterwegs sein, schon vom Aussehen her stachen wir sofort zwischen all den Dunkelhäutigen heraus. Aber auch sonst war alles anders als Europa. Die Straßen waren überfüllt mit Obstständen, eingeschränkte Marktzeiten gibt es da nicht. Außerdem waren die Unterschiede im Lebensstandard deutlich sichtbar. Ein Plumsklo für die Familie war schon Luxus in einigen Gegenden, da mussten wir erst einmal schlucken. Beeindruckend, wie lieb wir in dieser doch eher ärmlichen Region empfangen wurden. Auch auf Grenada blieben wir aber nur eine Woche, die Weiterreise rief.</p>
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<p><strong>Mehr dazu:</strong></p>
<ul>
<li>Auch Lilith begibt sich auf eine Reise, <a href="https://www.meintestgelaende.de/2017/03/eine-reise-durch-die-zeit/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>eine Reise durch die Zeit</strong></a>.</li>
<li>Die 10 BS Queens darüber wie es ist, <a href="https://www.meintestgelaende.de/2015/04/arbeiten-in-der-fremde/" target="_blank" rel="noopener noreferrer"><strong>zum Arbeiten in ein anderes Land zu gehen</strong></a>.</li>
</ul>
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