Heimat #2

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(c) goodwines:  Heimat  (CC BY-NC-ND 2.0)

Ein bekannter Ausspruch lautet “Heimat ist kein Ort, Heimat ist ein Gefühl“. Aber ist das wirklich so? Taja und Hamid aus der Redaktionsgruppe Connecting haben aufgeschrieben, was Heimat für sie bedeutet. Was ist eure Meinung dazu?

Taja (Ukraine)

Heimat, so ein wohl klingendes Wort. Die Liebe zur Heimat hat schon so manchen zu Unglaublichem bewegt. Doch was genau ist diese Heimat eigentlich?

Heimat ist für mich ein schwieriges Thema. Ich lebe in Hamburg, seit ich 3 1/2 Jahre alt bin, aber ich bin eine Immigrantin. Theoretisch kenne ich nur Hamburg als Heimat, doch diese Erkenntnis flasht mich ein wenig. Ich habe mich nie als Deutsche gefühlt, habe Hamburg auch erst lieben gelernt, als mein Pass die zweite Staatsbürgerschaft bekommen hat.

Wenn jemand fragt, woher ich komme, antworte ich, dass ich aus der Ukraine bin. Aber so einfach ist das auch nicht. Ich liebe die Perle Odessa, die goldene Stadt am Meer, aber wie kann das meine Heimat sein? Ich lebe nicht dort, habe kaum Zeit dort verbracht, geschweige denn vom Rest der Ukraine.

Patriot ist man für seine Heimat, also könnte ich doch meine Heimat in diesem wunderbaren Traumland haben, welches ich so liebe. Aber wenn ich keine Heimat in der Ukraine haben kann, die ich so wenig kenne, so kann ich mich doch wohl in keinem Land heimatlich fühlen, in welchem ich noch nie war! Nein, mein liebstes Land ist es also auch nicht.

Heimat. Ist sie also egal? Gewissermaßen schon. Doch am treffendsten ist das, was ich so gerne in der Kirche singe (sinngemäß aus dem Russischen übersetzt):

Es ist egal, wo ich bin, ob in der Höhe oder in der Tiefe. Hauptsache mit Dir.

Hamid (Afghanistan)

Heimat bedeutet für mich meine eigene Kultur, auch wenn ich manche Dinge daran nicht mag. Mein Muttersprache. ich gehöre zu meinem Land und das bedeutet für mich, dass ich etwas Gutes für mein Land tun möchte, damit das Leben dort lebenswerter wird. Früher war Afghanistan meine Heimat. Seit ich 15 bin, war ich in Europa und langsam vergesse ich Afghanistan. ich habe viele Leute kennengelernt und wohne jetzt in Hamburg, aber es ist nicht meine Heimat. Man kann zwei Heimaten haben. Erst mal ist Heimat etwas Positives. Es ist klar, dass man in seiner Heimat leben will. Da bin ich geboren, ich habe meine Kindheitserinnerungen… Aber für mich nach der Flucht ist das ganz anders. Wenn ich jetzt an mein Heimat denke, ist das negativ. Warum ist in meiner Heimat Krieg?

Mit dem Begriff „Heimat“ verbinde ich Schrecklichkeit, Vertrauen, Wasser, einen Esel und Kindheitserinnerungen.

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