Ein Hashtag (zeichnet die Welt)

2016-04-06

Wie sollen wir mit Hasskommentaren und Hetze im Internet umgehen? Die Trolle und Hater vielleicht einfach ignorieren? „Steh auf und mach den Mund auf“, fordert #netzheldin und LizzyNet-Autorin Johanna in ihrem Appell für ein respektvolles Miteinander.

Eine Träne läuft mir über die Wange. Es folgen weitere. Ein Schleier vernebelt mir die Sicht und ich versuche meine Gedanken zu ordnen. Ich suche verzweifelt nach Klarheit, versuche zu verstehen wieso. Ich sitze hier und schreibe an euch, auch wenn ihr dies hier weder lesen noch ernst nehmen werdet oder es einfach nicht verstehen wollt oder könnt. Versteht mich nicht falsch, ich weine nicht, weil ich hingefallen bin, ein Nagel eingerissen ist oder ich nicht mit Zac Efron zusammen sein kann. Nein ich weine, weil ich unfassbar enttäuscht bin. Ich greife wieder nach meinem Handy, betrachte erneut die Whats-App- Nachrichten. Okay, es ist schon schrecklich, wie sich die Menschen inzwischen schamlos auf Facebook äußern, hinter der Maske der Anonymität und auf all die einhauen, die schwächer sind. Sich Hitlerverhältnisse zurückwünschen oder zumindest seine Ideen. In diesen Momenten frag ich mich, was in den letzten Jahrzenten passiert ist? Ich frage mich, wieso ihrs noch immer nicht verstanden habt? Habt ihr jemals was von Menschenwürde gehört? – die nach dem ersten Artikel unseres Grundgesetzes unser höchstes und wertvollstes Gut ist, die von niemandem angegriffen werden darf. Ich finde diese rechten Bewegungen wie Pegida absolut abscheulich und inakzeptabel. Doch bei diesen offenen Äußerungen, kann man Menschen wenigstens verfolgen und bestrafen. Sie stehen zu dem, was sie sagen. Versteht mich nicht falsch, ich könnte schreien, weil es Menschen gibt, die Meinungsfreiheit mit Rassismus verwechseln und sich und ihre Nationalität über alle anderen stellen. Also so ungefähr über 99,9% der Bevölkerung, was denen aber irgendwie noch nicht aufgefallen ist.

Doch worüber ich hier sprechen will, ist etwas Anderes. Es geht um diese kleinen Äußerungen und Kommentare, die das Potenzial haben, mindestens genauso schlimm zu sein, wie die Verlautbarungen mancher Pegida-Angänger. Es geht um diejenigen, die im jugendlichen Alter, der Meinung sind, einfach mal ein paar dumme Sprüche ablassen zu müssen. Die einfach mal ein ganzes Volk auf ein paar Idioten herunterbrechen und sich aus der Kiste der Vorurteile mit vollen Händen bedienen. Es geht um die, die nicht merken, dass sie gerade ganz weit nach rechts abrutschen und in dem Moment, wo man sie mit korrekter Sprache und nachvollziehbaren Argumenten über Toleranz und Weltoffenheit an die Wand gestellt hat, mit einem Händewinken die Diskussion unterbrechen, ein bisschen rumdrucksen: „so sei das ja nicht gemeint gewesen“ und glauben, dass sich die Sache erledigt hat oder sie starten mit einem Gegenangriff: „man solle sich mal vernünftig ausdrücken und richtig deutsch sprechen“, als man sich gewählter Sprache bedient hatte. Und das ist der Punkt, sie sagen etwas, was sie möglicherweise nicht einmal so meinen, doch sie besitzen das Potenzial, fremdenfeindlich zu sein. Sie haben nichts gelernt oder zugehört, als man ihnen sagte, was schon alles passiert ist. Sie haben es einfach nicht gecheckt und sind somit leichte Beute für rechte Propaganda.

Und in diesen Momenten empfinde ich einen seltsamen Schmerz, der mich irgendwie aus meiner heilen Vordertaunuswelt reißt, auch wenn ich schon in verschiedenen Ländern wie Myanmar und Südafrika war und schon extremer Armut begegnet bin, die mich sehr betroffen gemacht hat. Nichts macht mich so fertig, wie Menschen, die nicht verstanden haben, worum es eigentlich geht. (Es heißt nicht, dass ich dies alles begreifen kann, aber ein bisschen habe ich schon verstanden.) Die nicht verstehen, dass hinter einem abfälligen Kommentar über beispielsweise diese: „verdammten Russen die immer mit literweise Wodka intus durch die Gegend laufen“, so viel mehr steckt. Es scheint ein ungefährliches Vorurteil zu sein, eine Lappalie, doch es steckt so viel mehr dahinter.

„Ja ihr habt halt einfach nicht nachgedacht“, verteidigt ihr euch und genau das ist der Punkt. Ihr äußert euch, ohne eure grauen Gehirnzellen genauer zu befragen. Ihr seid Mitläufer in einer Masse von Menschen, die vielleicht auch nicht nachgedacht haben, folglich reicht ein Mensch, der für die anderen denkt und ein paar wirre, rassistische Parolen durch die Gegend schreit, und eine Welle kann folgen, die alle ausgrenzt, die nicht den von der Masse gesetzten Auswahlkriterien, wie eine bestimmte Hautfarbe, Nationalität oder Denkweise, entsprechen. Ich hoffe, ihr habt einfach aufgehört, euch zuzuhören, und wenn ihr das wieder tun würdet, würdet ihr verstehen, was Würde und Freiheit bedeuten. Und auch ihr würdet den Mund aufmachen und dafür kämpfen, dass eure Kinder eines Tages in einer Welt leben können, die von Toleranz und Freiheit und nicht von Hass und Egoismus geleitet wird.

Es gibt so viele Menschen, die einen Traum haben und hatten von einer solchen Welt und dafür aufstehen/aufstanden. Denkt nur an Martin Luther King oder Nelson Mandela, die für die Gleichberechtigung von Menschen mit verschiedenen Hautfarben kämpften oder an Leute die hier und jetzt den Mund aufmachen, bei der Integration von beispielsweise Flüchtlingen helfen oder öffentliche Appelle über die sozialen Netzwerke verbreiten.
Steh auf und mach den Mund auf! Hör auf zu schweigen und die Augen zu verschließen!

Denn denkt immer daran:
„Es ist egal
Wer du bist-
Wo du herkommst-
An welche Religion du glaubst
Welche Hautfarbe du hast.
Sei einfach ein anständiger Mensch-
Das ist das einzige, was zählt.“

Lasst nicht zu, dass der Hashtag #iseehumansbutnohumanity erneut unsere Welt dominieren muss. Man muss kein Held sein, um etwas zu bewirken. Man muss nicht direkt ins Kreuzfeuer der Rassisten laufen, um etwas zu tun. Man muss nur reagieren, ein kleines Wort, eine Geste, kann alles verändern. Seid offen und respektiert endlich die Menschen, die hierhergekommen sind, seht Verschiedenheiten als Specialeffekte und nicht als Fehler und versteht verdammt noch mal, dass ihr in einer ähnlichen Situation auch hoffen würdet, dass euch geholfen wird. Verhaltet euch so, wie ihr behandelt werden wollt.

Versteht Ihr, was ich meine?

 

Mehr dazu:

 

 

 

 

 

„Wir sind die LizzyNet-Redaktionsgruppe aus Köln und arbeiten mit bei meinTestgelände, weil wir hier ausgewählte Beiträge von LizzyNet-Wettbewerben vorstellen möchten, die sich mit aktuellen Themen rund um Jugendliche und Gender beschäftigen.

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