Das Erwachen der Macht - Eine feministische Reyvolution?

2016-07-22

Klischees ziehen sich durch alle Teile unserer Gesellschaft, auch durch die Popkultur. Mit der Frauenrolle im Blockbuster „Star Wars: Das Erwachen der Macht“ hat sich Sophia auseinandergesetzt und einen beeindruckenden Text über die Protagonistin Rey geschrieben.

Das weltweit beliebte Star Wars-Franchise wurde im Dezember des Jahres 2015 mit dem nun siebten Teil „Das Erwachen der Macht“ fortgesetzt. In vielerlei Hinsicht unterscheidet sich dieser Film jedoch von seinen sechs Vorgängern, wodurch einige Debatten über die politische Aussage des Filmes ausgelöst wurden.

Political correctness als Marketingtool?

Das Thema wurde durch die Besetzung der Protagonisten des Films, Daisy Ridley und John Boyega, hervorgerufen. Eine Frau und einen dunkelhäutigen Mann in der Hauptbesetzung zu wählen ist für Kritiker ein offensichtlicher Versuch politische Korrektheit in den Film einzubauen, um sich als „revolutionär“ darzustellen.

Allerdings, ist das wirklich gerechtfertigt? Oder gibt es im Vergleich zu Prinzessin Leia Organa, Padmé und Co. keine einschneidenden Veränderungen?

Um diese Frage zu beantworten ist es nötig, die bisherige Darstellung der weiblichen Charaktere in vorhergehenden Star Wars Filmen im Kontext des modernen Feminismus zu betrachten.

Doch wie sieht „moderner Feminismus“ aus? In heutiger Zeit haben sich die Ziele des Feminismus im Vergleich zur Vergangenheit geändert. Feministen im zwanzigsten Jahrhundert kämpften noch um das Wahlrecht, Abtreibungsrecht oder auch das Verbot von Vergewaltigung innerhalb einer Ehe, welches übrigens in Deutschland erst 1997 realisiert wurde. Die heutigen Ziele reichen nun viel weiter als nur auf die grundlegenden Menschenrechte. Es sind soziale Konstrukte, die Frauen als minderwertig ansehen, welche Feministen bemüht sind aufzulösen. Angefangen bei der Hausarbeit und „Mutteraufgabe“ bis hin zur Sexualisierung des weiblichen Geschlechts und dessen Zensur. Moderne Feministen wollen diese Werte abschaffen und sich nicht weiterhin von der Gesellschaft kontrollieren lassen.

Doch entspricht Rey diesen Anforderungen? Und worin liegt der Unterschied zu den anderen Star Wars Frauen?

Die knapp bekleidete Schwester des Helden

Schauen wir uns zunächst die weiblichen Charaktere in den bisherigen Star Wars Filmen an:

Prinzessin Leia Organa ist die tragende weibliche Kraft der „Krieg der Sterne“ Trilogie. Sie wird zwar teils als starke, beinahe Männern gleichwertige Frau dargestellt, jedoch ist ihre Funktion als Anreiz für die überwiegend männliche Zielgruppe deutlich sichtbar, wenn man bedenkt wie Leia den Zuschauern im Gedächtnis bleibt. Nicht als die Heldin, sondern als knapp bekleidete Schwester des Helden.

Ein jedoch durchaus, für die achtziger Jahre, revolutionäres Bild ist in Episode sechs „Die Rückkehr der Jedi Ritter“ zu sehen, in welcher Leia das Steuer eines Düsenschlittens übernimmt, während Luke hinter ihr sitzt. Eine Frau die ein “Motorrad“ fährt, während sich der Mann im Beifahrersitz befindet ist ein beinahe einmaliges Bild in der Kinogeschichte.

Leia hat „Die Macht“ in sich, so wie ihr Bruder Luke. Im Gegensatz zu ihm benutzt sie jedoch nie ein Laserschwert. Keine Frau hat vor dem Prequel jemals das essentielle Symbol für die Star Wars-Reihe in die Hände bekommen. Dadurch wird gezeigt, dass sie nur wegen dem Fakt, dass sie keinen Penis haben, nicht in der Lage sind, mit einer besonderen Waffe zu kämpfen.

Schauen wir uns einmal den Bechteltest an: Er ist ein, durch die Zeichnerin und Autorin Alison Bechtel hervorgegangener, Test für Filme, welcher zum Bestehen nur wenige Voraussetzungen stellt.

Die drei Bedingungen, die ein Film erfüllen muss um den Test zu bestehen lauten wie folgt:

  1. Es muss wenigstens zwei weibliche Charaktere geben, die einen Namen haben;
  2. Sie müssen ein Gespräch miteinander führen;
  3. In diesem Gespräch muss es um etwas anderes gehen als einen Mann. Trotz dieser vermeintlich einfachen Voraussetzungen besteht keiner der Star Wars Filme den Bechteltest (weder Originaltrilogie noch Prequels).

Die Screentime aller Frauen – mit Ausnahme von Leia – zusammengezählt ergibt 1:24 Minuten in über sechseinhalb Stunden Filmlaufzeit.

Im Vergleich zur Originaltrilogie sind in den Prequels einige weibliche Charaktere hinzugekommen. Die wichtigste Person ist Padmé Amidala, welche zunächst Königin und ab Episode zwei „Angriff der Klonkrieger“ Senatorin von Naboo ist, besitzt eine starke eigenwillige Persönlichkeit. Sie fällt allerdings im Verlauf der drei Filme immer mehr in eine unterwürfige, unscheinbare Position.

Als Senatorin ist sie eine starke Frau mit Durchsetzungsvermögen, im Gegensatz zu ihren letzten Szenen, in welchen sie immer mehr in die Hintergrundhandlung tritt und sich aus der Politik zurückzieht. Ihre Schwangerschaft mit den Zwillingen Luke und Leia nimmt sie gänzlich ein.

Dadurch wird ein weit verbreitetes Klischee bedient, in dem die Frau als „Gebärerin“ gilt. Sobald eine Frau schwanger ist, solle sie sich aus dem Berufsleben zurückziehen und für den Nachwuchs sorgen. Diesem unausgesprochenen Gesetz wird von Padmé durchaus Gehorsam entgegengebracht.

Frauen nur teilweise selbstständig

Dadurch wird klar, wie unwichtig Frauen eigentlich für den Plot der Star Wars-Saga sind. Die höchste Position die eine Frau in sechs Filmen je bekam war „Die Frau an der Seite des Helden“, auch wenn diese Frau teilweise selbstständig war.

In den ersten zwei Trilogien der Star Wars Saga wird wenig von dem umgesetzt, was man als „modernen Feminismus“ versteht. Frauen werden zwar nicht offensichtlich unterdrückt, jedoch unterschwellig durch deren unterwürfige Darstellung und Präsenz degradiert.

Darstellung von Rey

In der achten Episode der Star Wars-Saga wird einer der beiden Protagonisten durch eine Frau, Daisy Ridley, verkörpert. Der von ihr gespielte Charakter ist eine Waise namens Rey, welche seit ihrer Kindheit auf dem Wüstenplaneten Jakku auf die Rückkehr ihrer Eltern wartet. Um überleben zu können sammelt sie Schrott und alte Wertgegenstände, die sie anschließend in Nahrung umtauscht. Bereits innerhalb der ersten Minuten wird klar, dass Rey eine unabhängige Person ist, welche es schafft, vollkommen allein zu leben. Allerdings wird ihr auch ein gewisser Grad an Naivität zugeschrieben, da sie vergeblich auf ihre Eltern wartet, die offensichtlich nicht zurückkehren werden.

Äußerlich ist sie eine sehr attraktive junge Frau, was für einen Film der vor allem männliche Zuschauer generieren will unumgänglich ist. Sie trägt meist relativ enge Kleidung, die allerdings durch ihre regelrechte Hochgeschlossenheit an sehr offensichtlichem und sexualisierendem Reiz verliert.

Was definitiv als revolutionär bezeichnet werden kann, ist das Auftreten einer Frau als Protagonistin. In der bisherigen Filmgeschichte der Saga war die höchste Position die eine weibliche Person in der Handlung hatte, wie bereits erwähnt „Die Frau an der Seite des Protagonisten“.

Ebenfalls wurde zum ersten Mal einer für den Film wichtigen Frau ein Laserschwert in die Hände gegeben. Für die bisherigen Episoden undenkbar. Das universale Machtsymbol wird nun nicht mehr nur von Männern besessen, sondern auch Frauen können über solche Macht verfügen. Dies ist eine Gleichstellung der Geschlechter in der Kampfposition.

Entwicklung zur willensstarken Frau

Im Laufe des siebten Teils entwickelt sich Rey von einem unwissentlichen Mädchen welches vergeblich auf ihre Eltern wartet zu einer willensstarken Frau, die legendäre Figuren des Star Wars-Universums wie Han Solo begleiten will und sogar ebenbürtig den Millennium Falken steuern kann. Als sie von Kylo Ren gefangen genommen und von ihm gefoltert wird, schafft sie es ohne jegliches vorheriges Training sich ihm mithilfe der Macht zu widersetzten und zu befreien. Auch in ihrem Kampf gegen ihn mit dem Lichtschwert ist Rey, trotz Fehlens jeglicher Übung, klar im Vorteil.

Durch dieses Ereignis wird offengelegt, dass die Autoren Rey als eine Art „Mary Sue“ darstellen wollten. Zum Vergleich: Anakin konnte auch nach Jahren seiner Ausbildung bei einem Kampf gegen seinen Meister kaum standhalten. Luke wurde, nach einigen Tagen Trainings durch Yoda, seine Hand von Darth Vader abgeschlagen. Rey konnte es also kaum möglich sein gänzlich ohne Übung einen Sith, welcher durchaus eine Ausbildung genossen hat, zu duellieren. Jedoch weiß sie ohne zu zögern sowohl mit dem, für sie „komischen Leuchtstäbchen“, als auch mit der Macht umzugehen. Es wird also in höchstem Maße übertrieben was ihre möglichen Fähigkeiten angeht.

Fazit

Die  Leitfrage bezüglich Reys revolutionären Darstellung ist nun einfach beantwortet.

Trotz einiger feministischen Ansätze sind Frauen in den ersten sechs Episoden definitiv wenig präsent, erfüllen keinen signifikanten Zweck für die Handlung und sind im Gesamten eher in traditionellen Frauenpositionen, wie „Die Gattin des Helden“, „Die Mutter des Helden“ oder auch „Die Schwester des Helden“.

Eine feministische Revolution

Rey hingegen wird, etwas überspannt, als starke Protagonistin, welche eine tragende Rolle im Film spielt präsentiert. Eine feministische Revolution. Allerdings kommt Rey nicht in ähnliche Situationen wie andere Frauen des Star Wars-Universums, beispielsweise Schwangerschaft, wodurch ein Vergleich schwer fällt.

Ebenfalls ist das offensichtliche Ziel der Produzenten und Autoren, „politisch korrekt“ zu sein durch die überzogenen Fähigkeiten Reys, und die Besetzung des dunkelhäutigen zweiten Hauptdarstellers, ziemlich klar.

In Gänze betrachtet ist Rey jedoch als revolutionär zu betrachten, da sie die erste Frau des Star Wars-Universums ist, welche als Protagonistin auftritt, ein Laserschwert benutzt und keinem unterdrückenden Gesellschaftsklischee entspricht.

Meiner Meinung nach war dieser Film durchaus ein Versuch, irgendwie politisch korrekter zu sein und somit Aufmerksamkeit zu generieren. Die Umsetzung der Story war jedoch davon nicht sehr betroffen und im Großen und Ganzen exzellent. Rey als „übernatürliche Jedi“ darzustellen war zwar etwas zu offensichtlich, aber von den Produzenten gut gemeint.

Somit ist zu sagen, dass die etwas zu offensichtliche feministische Reyvolution im Star Wars-Universum stattgefunden hat.

Weiterführende Links:

 

Hallu! Mein Name ist Sophia, unter anderem bekannt als „sophiedoesrandomstuff“ auf meinem YouTube Kanal. Ich bin sehr an gesellschaftskritischem Zeug interessiert und schreibe ab und an Texte über verschiedene Themen die mich interessieren oder auch aggressiv machen :)

Kommentare

  1. echt ziemlich cool gewoden hat bestimmt viel arbeit gemacht aber ich finde es echt cool dass du dich mit diesen themen befasst und sie auch ansprichst alles liebe von mir <3

  2. Die Frauen in der Gesellschaft werden alleine durch solche Texte herabgestuft!
    Es gibt immernoch Unterschiede bei den Geschlechtern (auch wenn dieser Text und etwas anderes vorgaukeln will) und der biologische Aspekt ist nur der der am meisten hervorsticht.
    Du sagst das Verhalten der Frauen ändert sich mit der Schwangerschaft. Ist das falsch? Ist es nicht der natürliche Trieb einer werdenden Mutter sich um ihr Kind zu kümmern? Es gesund auf die Welt zu bringen? Ist es nicht die die Liebe einer Mutter über die überall berichtet wird?
    Ausserdem brauchten die ersten 6 Star Wars Filme auch keine Frauen in selbstständiger Position, es gab ja nichtmal viele Männer über die viel berichtet wurde. Und genau das ist das Problem mit solchen Texten: Es wird so getan als wären Frauen und Männer nicht Gleichberechtigt und als wären Frauen immernoch die die von der Gesellschaft unterdrückt werden. Nur durch solche Texte fühlen sich Frauen wieder unterdrückt, auch wenn man davon im "echten Leben" nichts spüren kann.
    Es gibt auch genauso Männer verachtende Klischees in Star Wars, wenn man es auf diese Art betrachten will; die Hauptprotagonisten werden nur als Schwerwingende Muskelpakete dargestellt, die mehr und mehr Macht anhäufen wollen. Es wird genauso mit Männer Klischees gearbeitet wie mit Frauen Klischees.
    Wenn man deinen Text liest meint man in der Zukunft müssten Männer die Kinder kriegen und Frauen die Kriege führen!

    • Ich kann mir nicht vorstellen, dass ALLE Frauen* den Text ähnlich lesen und werten wie Du. Deinen Hinweis auf männliche Klischees in Filmen finde ich sehr konstruktiv. Das wäre sicherlich ein gutes Thema. LG

  3. Liebe Sophia
    ich finde das du diese Artikel gut verfasst hast , dieses Thema war auch gut ausgewählt und auch zum richtigen Zeitpunkt .
    Lg
    Jonas

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