Blau für Jungs, Rosa für Mädchen?!

2017_04_24
Dennis Skley:  Where do you go?  (CC BY-ND 2.0)

Kindern den Freiraum zu geben, sich frei von Geschlechterklischees und vorgegebenen Rollenbildern zu entwickeln, ist der Wunsch vieler Eltern. Leider ist dies gar nicht so leicht. Bei der Auswahl der Kleidung oder dem Spielzeug gilt – Blau für Jungs, Rosa für Mädchen.

Blau für Jungs, Rosa für Mädchen. Die Industrie beeinflusst den Geschmack unserer Kinder stark. Und die Eltern machen fleißig mit.

Mein Sohn mag Rot. Am liebsten ein leuchtendes, so wie das von Mohnblumen oder Marienkäfern. Das stellt uns oft vor Herausforderungen.

Im Schuhgeschäft geht es los. Dicht aneinander reihen sich die schwarzen und dunkelblauen Schuhe im Regal über dem in blauen Buchstaben „Junge“ steht. Dazu gibt es wütend schauende Ninjas, die sich mit Star-Wars-Kriegern abwechseln. Ein einfaches rotes Paar Schuhe ist nicht dabei. Im Regal nebenan reihen sich pinke und lila Schuhe aneinander, mit filigranen Bögen, Rosen und Glitzer. Auch hier ist kein einfaches rotes Paar Schuhe zu finden.

Auch bei T-Shirts ist es nicht besser. Auf der einen Seite stapeln sich Superhelden vor schwarzem oder blauem Hintergrund. Auf der anderen tanzen Feen, Elfen und Prinzessinnen in pink und rosa um die Wette.

Mein Sohn ist Schwarz und wünschte sich sehr eine Puppe, die ihm ähnlich sieht. Er bekam eine Doc McStuffins-Puppe, über die er sich riesig freute. Er strahlte, als er das Geschenk auspackte und nahm die Puppe direkt am nächsten Tag mit in den Kindergarten. Als ich ihn nachmittags abholte, war er sehr geknickt. Seine Freunde sagten, sie spielten nicht mit Puppen. Das sei ein Mädchenspielzeug.

Ich begann tatsächlich zu zweifeln. War es die richtige Entscheidung, meinem Sohn eine Puppe zu kaufen? Schließlich möchte ich nicht, dass er geärgert oder ausgeschlossen wird, auch, wenn ich es schlimm finde, Kindern aufgrund ihres Geschlechts bestimmtes Spielzeug zu geben oder vorzuenthalten.

Am nächsten Tag suchte ich das Gespräch mit der Erzieherin meines Sohnes. Sie versprach, die Angelegenheit in der Gruppe mit allen Kindern zu besprechen, machte mir Mut.

Nach wie vor glaube ich, dass es wichtig ist, einem Kind den Freiraum zu geben, sich seine Lieblingsfarbe und sein Lieblingsspielzeug unabhängig von vorgefertigten Geschlechterklischees auszusuchen. Ich versuche, meinen Sohn zu bestärken, ihn gleichzeitig nicht zu drängen. Aber einfach ist das nicht. Ich wünsche mir mehr Vielfalt, im Spielzeugregal und im Kindergarten. Und gleichzeitig mehr Eltern, die versuchen, ihren Kindern diese Vielfalt vorzuleben und zu ermöglichen.

 

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Ich bin Sarah, 1991 geboren, Bloggerin und Journalistin. Bei meinTestgelände schreibe ich für mehr Gerechtigkeit und Respekt und um mich auszutauschen.

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