Was bedeutet es ein Mann zu sein?

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(c) Javier Vidal:  Ampelmann  (CC BY 2.0)

Melanie Lux von den Story-Tellern fragt sich, was es bedeutet, ein Mann zu sein. In ihren Überlegungen gibt es durchaus Momente, in denen sie sich ein Leben als Mann vorstellen kann, aber auch Aspekte von Männlichkeit, mit denen sie ungern leben möchte. Lest einfach selbst:

Ich wäre manchmal gerne ein Mann. Bestimmt haben es Männer in vielerlei Hinsicht einfacher als Frauen. Das fängt schon beim Geschlechtsteil an. Männer brauchen sich ja noch nicht mal beim Pinkeln viel Gedanken machen. Sie können sich einfach so im Freien hinstellen und pinkeln. Männer müssen sich zum Beispiel auch nicht mit der Periode abquälen, und sie brauchen sich zum Beispiel keine Gedanken machen um Verhütung und Schwangersein machen. Die Frauen bringen ja die Kinder zur Welt. Die Männer haben keine Schmerzen bei der Geburt, weil sie ja nur die Erzeuger sind.

Und es ist ganz normal, wenn Männer Frauen lieben. Aber wenn Frauen Frauen lieben, wird das in unserer Gesellschaft oft leider immer noch als unnormal angesehen. Ich glaube, es ist sogar normaler, wenn Männer schwul sind und sich lieben.

Manchmal wäre ich so gern ein Mann. Dann könnte ich ganz normal Frauen lieben und mit Frauen Sex haben. Manchmal finde ich Frauen viel hübscher und anziehender als Männer. Und Männer müssen sich auch bestimmt nicht mit Wechseljahresbeschwerden herumquälen.

Vielleicht werde ich ja irgendwann als Junge wieder geboren.

Aber manchmal gibt es auch Tage, da frage ich mich ganz kritisch: Willst du wirklich ein Mann sein? Männer können zum Beispiel immer noch ihre Gefühle in der Öffentlichkeit nicht so zeigen. Und ihnen wird schon als Kind beigebracht möglichst nicht zu weinen und kein Weichei zu sein. Bei den Jungs und Männern geht es auch bestimmt mal härter zu. Von den Jungs und Männern wird auch vielleicht eher erwartet, dass sie etwas Tolles im Leben vollbringen sollen, dass sie mutig sein sollen, Frauen beschützen und möglichst auch noch Superhelden sind. Manchmal frage ich mich, ob Männer vom Geschlecht her aggressiver sind als Frauen. Es sind meistens eher die Männer, die an den Kriegen beteiligt sind, Gewalt ausüben oder Frauen vergewaltigen.

Aber es sind zum Glück nicht alle Männer so. Es gibt bestimmt auch viele zärtliche Familienväter oder Jungs, die weicher fühlen. Es gibt bestimmt auch ganz viele tolle Männer. Aber es gibt leider immer noch zu viele Männer, die an Kriegen beteiligt sind, oder Frauen Gewalt antun, oder zu Gewalt neigen. Und das ist das, was ich an dem männlichen Geschlecht so gar nicht mag. Wenn ich irgendwann mal als Junge wieder geboren werde, dann möchte ich auch als Junge meine Gefühle offen zeigen können und möchte auch mal weinen können. Und ich möchte endlich wissen, wie das ist, als Mann eine Frau zu lieben und mit Frauen Sex zu haben.

 

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Wir sind die Story-Teller, die Literaturwerkstatt des inklusiven Künstlernetzwerks barner 16 aus Hamburg. Mit unseren Texten möchten wir von unseren Erfahrungen berichten und Denkanstöße geben.

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