Der Untergang naht – eine Frau moderiert die WM

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(c) Groundhopping Merseburg  Fichte Bielefeld v SV Spexard  (CC BY-NC 2.0)

Am Sonntag findet in Moskau das Finale der Fußball WM der Männer statt, eines der größten Sportevents weltweit. In Deutschland überträgt das ZDF, kommentieren wird Béla Réthy. Ebenfalls für das ZDF und als erste Frau in Deutschland hat Claudia Neumann bei dieser WM kommentiert und sah sich in einschlägigen Kommentarspalten, wie auch schon bei der EM 2016, schlimmsten Beleidigungen ausgesetzt – weil sie eine Frau ist. Unser Autor Florian hat sich dazu mal ein paar Gedanken gemacht.

Auch wenn es für das wachsame Auge so erscheinen mag, da keine Deutschlandflaggen mehr die Fenster schmücken, nein, die Fußball Weltmeisterschaft ist noch nicht vorbei. Doch um den Partypatriotismus soll es heute nicht gehen. Im Zuge dieses internationalen Ereignisses, welches unter Beobachtern oft mit Bier, Schland Gesängen und männlichen Männern, mit männlichen Meinungen über den männlichen Fußball begleitet wird, geht das ZDF einen Weg, der noch nie zuvor beschritten wurde. Neben den üblichen und bekannten Stimmen, die unsere Ohren während der Live Übertragungen mit Informationen über das Spielgeschehen versorgen, ist der ungewohnte Klang einer weiblichen Stimme zu hören. An sich ist es nichts Nennenswertes, oder etwas, worüber man sich streiten muss, aber scheinbar gibt es auch in einem recht fortschrittlichen Zeitalter noch Menschen, denen diese Tatsache den Magen umdreht, ihr Blut kochen lässt und an den Rande des Wahnsinnes bringt, ganz nach dem Motto „Was moderiert ein Küchenobjekt meinen heiligen Fußball?“. Wohlgemerkt ist dies eine krasse Aussage, was aber noch krasser ist, ist dass im Grunde immer noch die Frau als Objekt gesehen wird, als mindere Person, als Accessoire welches vorgegebenen Strukturen unter der männlichen Autorität Folge zu leisten hat. Aber wieso? Ich kann mir nicht erklären, wie eine mittelalterliche Rollenverteilung und über alle Maße ekelhafter Sexismus, so tief in der Gesellschaft etabliert ist. Man könnte ja Frauen und Männer ein Fußballspiel moderieren lassen und sie aufgrund ihres kommunikativen Könnens beurteilen, aber schon während ich das nur denke, beiße ich mir frustriert auf die Fingerknöchel, da mir sofort Kommentare im Social Media Bereich einfallen wie „Die soll zurück in die Küche“, „Lasst den Fußball doch in Ruhe mit Weibsen“ und „Hätte sie geile Brüste wäre es ok“. Unfähig vor Wut und Unverständnis etwas zu schreiben, liegen ein paar Minuten zwischen der letzten und der jetzigen Zeile und das zeigt leider einmal mehr, dass die Frau eben nicht gleichgestellt ist. Nicht auf beruflicher und schon gar nicht auf gesellschaftlicher Ebene.

Ich wünsche mir für die Zukunft, dass etwas wie eine weibliche Kommentatorin nicht zu ewig langen Hetzdebatten führt und dass die Frauen Fußball WM, wenn überhaupt, nicht nur geschaut wird , um die Teams mit den, Zitat: „hübschesten Damen“ anzufeuern. Es ist so banal einfach aber scheinbar doch so schwierig. Ich hoffe, es wird etwas bewegt.

 

Mehr dazu:

  • Melanie Fink arbeitet als Trainerin einer Männerfußballmannschaft. Das Interview mit ihr findet ihr hier.  
  • Und hier gibt es einen Text von den Story Tellern über einen schwulen Fußballspieler.

Ich bin 18 Jahre alt, wohne in Rostock, höre extrem gerne Rap und arbeite ab September in einer Kita als Bundesfreiwilliger. Mein Leben widme ich der Politik und ich bin fest entschlossen Ungerechtigkeiten anzusprechen und gegen Rassismus zu kämpfen. Wo kann man dies am Besten? Im Internet natürlich! Ich hoffe durch meine Texte, euch meine Sicht der Dinge und der Welt näherzubringen, damit vielleicht etwas bewegt werden kann.

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