Ein Schwank aus meinem Leben - Motivation

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Wir haben euch schon einige Texte von Marie vorgestellt und sind selbst immer wieder begeistert von ihrer ehrlichen und gleichzeitig positiven Weise, mit der sie ihre großen und kleinen alltäglichen Probleme als junger Mensch und Mutter beschreibt. In diesem Text geht es um ihre Motivation, jeden Tag zu einem besonderen zu machen, eigene Fehler zu erkennen, zu reflektieren und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Aber lest am besten selbst!

Wenn ihr diesen Text jetzt vor euch habt, habe ich es wohl doch endlich geschafft, zu schreiben.
Jeden Tag habe ich mir Gedanken gemacht, was ich abtippe und was nicht.
Ich fange einfach mal an, ohne vorher zu erklären, worum es eigentlich geht.

Regt ihr euch oft über Kleinigkeiten auf? Über das ungeputzte Bad, über im Weg herumliegende Schuhe, über Dinge, die nicht an ihrem Platz stehen?
Das ging täglich bei mir ab. Über alles habe ich geflucht und gemeckert. Ich habe mich selbst ständig über Kleinigkeiten aufgeregt – und wenn ich mir dann versehentlich wehgetan habe, indem ich gegen die Tür gelaufen- , oder gestolpert bin, dann ging es aber richtig los.

Dann wurde ich wütend, habe geflucht und war nicht mehr zu beruhigen.
Aber warum?
Warum passiert so etwas, warum schaukelt man sich da so hoch?
Warum sind wir überhaupt gereizt und schlecht gelaunt?
Das bringt mir doch überhaupt nichts. Es bringt mich nicht weiter.

Ich habe jeglichen negativen Einfluss, den ich um mich hatte, ganz weit von mir weg geschoben.
Ganz entfernen geht nie, aber ich lasse ihn nicht mehr an mich ran.
Ich bezeichne mich als eine Mutter, die mindestens genauso viel zutun hat wie Berufstätige in diversen Branchen, Studenten – oder einfach als eine vollbeschäftigte Person, die wenig Zeit für sich selbst hat, manchmal wochenlang überhaupt keine Zeit, wenn das Kind eine anstrengende Phase hat und meine Nähe noch intensiver braucht, als sonst.
Mein Schlaf wurde über Jahre hinweg alle zwei Stunden unterbrochen, ich sorge für ein kleines Wesen, damit es ihm immer gut geht, überlebt und sich entwickelt. Da bleibt nicht mehr viel Zeit für andere Dinge, aber das kennt ihr sicherlich.
Natürlich machen wir das aus vollem Herzen und mit Liebe.
Aber Anerkennung schadet niemandem, oder? Mit Anerkennung hab ich viel zutun, davon ist oft die Rede, bloß nicht, was mich angeht. Es sind immer die Menschen gemeint, die arbeiten gehen oder studieren.

Was eine Mutter alles vollbringt, wissen leider nur wenige. Die meisten Mütter tun zusätzlich das, was Haushaltshilfen oft übernehmen. Wir kochen, wir putzen, wir sind die Seelsorge für unsere Kinder, wir machen uns generell Sorgen, wir kaufen ein, wir tauschen um, wir haben Termine, wir sind permanent aktiv, sogar nachts. Wir haben keinen Feierabend!
Denn wer schonmal einen Säugling hatte, kennt die nächtliche Angst.

Wir sind Tag und Nacht, am Wochenende und zu jeder Sekunde für unsere Kinder da.
Wir tun einfach alles und stellen unsere Bedürfnisse hinten an.
Ein Kind ist nicht anstrengend. Das muss man unterscheiden können. Anstrengend ist nur, dass man permanent hochkonzentriert sein muss, keine Krankschreibung einreichen kann, keine Pause machen kann, wenn man es spontan braucht.

Man kann das Füttern oder Zähneputzen nicht ausfallen lassen, wenn man mal keine Lust hat oder müde ist. Wir können keinen Urlaub vom Alltag beantragen. Und ich betone nochmal, dass nicht das Kind so anstrengend ist, sondern die permanente Aufmerksamkeit.
Dann haben Kinder Entwicklungsphasen, in denen sie Zähne bekommen, wachsen, oder einfach sehr viel Mamakontakt brauchen. Kleine Kinder lernen ihre Emotionen kennen, wir begleiten sie dabei.

Das letzte Jahr war ein sehr emotionales und chaotisches Jahr, es gab mehr Tiefen als Höhen und ich hatte so oft keine Lust auf alles. Wenn ich täglich am Ende war, traurig, bedrückt, habe ich alles daran gesetzt, dass mein Kleiner nichts davon mitbekommt. Sowas ist anstrengend.

Gefühle zu verstecken, ins Nebenzimmer zu gehen, um durchzuatmen, Tränen wegzuwischen und weiterzumachen. Tag für Tag.
Das ist auch die Erklärung für meine damals andauernde Müdigkeit, es hatte psychische Ursachen.
Ich hatte nach der Geburt meines Sohnes im Jahr 2015 das Glück, keine Wochenbettdepressionen gehabt zu haben.
Und ich verstehe nicht, warum selten jemand über dieses Thema redet.
Vielleicht liegt das an den Vorurteilen: Wochenbettdepressionen. Depressionen. Trübseligkeit. Nervende Menschen, die kein Bock aufs Leben haben.

Wer hat solche Vorurteile in die Welt gesetzt?

Dabei haben doch so unglaublich viele Menschen Depressionen. Vielleicht sogar die Meisten und – man will es nicht glauben, es ist nichts ansteckendes!

Der Eine verarbeitet psychisch viel, der Andere macht sich nicht viele Gedanken drum und lenkt sich ab. Wir sind doch alle unterschiedlich.

Meiner Meinung nach kann man anderen Menschen die Kraft, dass man nichts verstecken muss, dass es IMMER Gleichgesinnte gibt, erst geben, wenn man selbst etwas erlebt hat.
Ich mag Menschen, die Schwächen einsehen und darüber reden. Die Fehler zugeben und motivieren.
Die mag ich sogar mehr, als diejenigen, die es überspielen und mit Absicht so tun, als wäre das Leben ein Regenbogen mit sprechenden Einhörnern.
Es ist nicht alles so rosig, wie es aussieht, bei niemandem, es geht aber alles immer weiter und jeder Tag wartet darauf, genutzt zu werden, zu etwas Besonderem gemacht zu werden, oder, dass man ihn einfach nur genießt.

Die letzten Monate war so hart, wie noch nie. Es wurde Rücksicht von mir erwartet, es wurde erwartet, dass ich kämpfe. Es wurde erwartet, dass ich rede. Einfach immer. Ich sollte funktionieren, durfte keine Schwäche zeigen.

Dabei war ich es die ganzen Monate über: Schwach.
Was andere von mir und meinem Leben denken, interessiert mich so unglaublich wenig und so sollten viel mehr Menschen denken. Wenn ich wie ein schlechtgelaunter Sack permanent meckere, muss ich mich nicht wundern, wenn man sich abwendet.
Ist einfach so.
In Maßen ist das normal, aber nicht permanent.
Scheißt doch mal auf alles und jeden! Dann sieht die Wohnung halt chaotisch aus, na und?
Dafür kann man mal eben etwas anderes tun. Wieso denken alle so engstirnig und perfektionisitisch? Ich bin das beste Beispiel dafür, denn perfektionistischer als ich es bin, geht es sicherlich kaum.
Aber dass es mich selbst einfach nur einengt und einschränkt, habe ich erst vor kurzem bemerkt.
Aber immerhin habe ich es bemerkt.

Wenn mein Kind permanent jammert, geht es ihm halt nicht gut. Dann meckere ich nicht, sondern versuche alles, damit es ihm besser geht. Manchmal vergesse ich, dass ich die Person bin, die er am meisten braucht. Ich gebe das offen zu, dass ich auch mal überfordert bin, weil ich diese Rolle habe, dass ich als Mama alles ersetzen kann, aber nichts und niemand MICH ersetzen kann für ihn. Das ist eine riesen Verantwortung.
Außerdem fühlt es sich alles so viel schöner an, wenn man glücklich ist.

Glücklich und gesund zu sein ist wirklich ein Heilmittel für einfach alles.
Das Schönste ist für mich, ist Liebe zu bekommen. Von meinem eigenen Kind.
Und ich könnte jetzt schreiben, dass es auch wunderschön ist, von einem Mann geliebt zu werden, der mich so nimmt, wie ich bin, aber das tut er nicht.
Er liebt mich, WEIL ich so bin, wie ich bin. Und das ist noch viel schöner. Zwei Menschen, die mich lieben und brauchen, weil ich ich bin.
Nur darum geht es im Leben. Es geht einfach mal nicht darum, direkt nach dem Schulabschluss einen Beruf zu lernen, es geht auch nicht darum, das meiste Geld zu verdienen, es geht nicht darum, unbedingt die Welt zu bereisen, es geht nicht darum, nach außen hin perfekt zu erscheinen, das größte Auto zu fahren und die teuersten Marken zu tragen.
Das alles ist vergänglich!

Nicht vergänglich sind Liebe, Treue, Vertrauen, Ehrlichkeit, Geborgenheit. Menschen um sich zu haben, denen man zeigen kann, wie sehr man sie in seinem Leben braucht und von denen man das Gefühl bekommt, dass es auf Gegenseitigkeit beruht. Sei es als Lebenspartner oder als Familienmitglied.
Erst, seitdem ich das gecheckt habe, geht es mir wieder gut, ich genieße jeden Tag, auch wenn nichts los ist. Ich freue mich auf den Sommer, ich freue mich darauf, dass alles einfach weitergeht.

Früher, als ich noch kein Kind hatte, war für mich das Schönste, zu Hause in meinem Zimmer zu sein, meine Ruhe zu haben und spontan unabhängig alles tun zu können, was ich möchte.
Das hat sich vor fast 3 Jahren sehr geändert, auch wenn ich meine komplette Familie im Umkreis von 3 Minuten Laufweg habe, bin ich sozusagen abgetrennt und lebe mein eigenes Leben.
Das spüre ich sehr, denn mein Auszug war wie ein Schubs ins kalte Wasser, das hat mich erst mit der Zeit sehr mitgenommen. Es war meine eigene Entscheidung, meine Wohnung noch vor der Geburt zu beziehen. Es ging sehr, sehr schnell.

Im Nachhinein ZU schnell. Ich konnte mich nicht umgewöhnen, plötzlich war mein Zimmer weg, weil ich immer alles auf einmal machen musste und es nicht schnell genug gehen konnte. Das war mein eigener Fehler, ich leide noch sehr darunter, aber ich weiß, es lässt sich nicht ändern, dafür haben sich neue Türen geöffnet.
Dadurch, dass ich zu meiner Familie keinen innigen Kontakt mehr habe, obwohl ich fast täglich dort bin, bin ich so schnell gereift und habe alles alleine gemacht, geplant, gebaut, was sicherlich viele in meinem Alter damals noch nicht konnten oder gewollt haben.

Ich sehe mich dadurch als jemanden, der wirklich weiß, wie man ins richtige Leben springt. Zu schnell, zu chaotisch, oft zu undurchdacht, aber gerade das hat mir gezeigt, was das Leben wirklich ist.
Ich versuche jeden Tag so zu gestalten, dass er sich wirklich gelohnt hat. Dass er keinem anderen Tag gleicht und immer etwas besonderes ist.
Steine, die mir in den Weg geräumt werden, male ich bunt an und lasse sie als Deko stehen.
Wenn mir etwas schlecht gemacht wird, stehe ich drüber.
Wenn ich Stress habe, Zeitdruck und Hektik, bleibe ich einfach gelassen.
Und ganz wichtig: Seht euch selbst! Seid stolz auf euch, auch, wenn mal etwas daneben gegangen ist.

Mehr dazu:

Mein Name ist Marie (24), ich lebe mit meinem Sohn in Berlin - Blogge, lese, schreibe gerne und beschäftige mich so intensiv mit den Bedürfnissen des Menschen, der Vielseitigkeit unserer Persönlichkeit und Lebensqualität, dass ich ganze Bücher verfassen könnte!

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